Jan 302013
 

oder

Winterspeck war gestern

Vorwort

Na liebe Leser, habt ihr Speck angesetzt? Hat sich Staub auf eure Stimmbänder gelegt? Den ewigen Kampf des Fußballfans mal ein paar Wochen beiseite geschoben? Während die Guten schlafen, sind die Bösen immer aktiv. Oder so ähnlich. Daher: Aux Armes! Es geht wieder los. Und um euch aufzuwecken, hier ein paar Themen, die wir nun bearbeiten müssen:

Hallo Gegengerade!

13.000 Zuschauer auf einer Tribüne. Eine Wand, die ihresgleichens in Deutschland sucht! Wo verfolgen bitte 10.000 Leute auf einer Stehtribüne längseits des Spielfeldes ein Spiel? Nirgendwo wahrscheinlich. Never mind the „Gelbe Wand“, here comes the Gegengerade.

Wir wollen jetzt nicht aufrufen, alle zum Supportblock zu pendeln. Der ist als Kern sehr wichtig, aber viel wichtiger ist, dass 13.000 Kehlen schreien, 26.000 Hände klatschen und das Team nach vorne peitschen. Von jedem Fan auf der neuen Gegengerade erwarten wir ein aktives, fanatisches (!) Mitleben des Spieles. Dauerlala? Nein! Brüllen, pfeiffen, Reflexion der entstehenden Emotionen. Das erwarten wir. Hexenkessel ist angesagt! Und dies nicht nur gegen Cottbus, sondern ab jetzt bei jedem Spiel.

Ein entscheidender Faktor dürften dabei die neuen Kehlen sein. Davon werden viele noch nicht lange an das Millerntor gehen. Und hier ist ein beidseitiges Verständnis gefordert. „Der FC St. Pauli ist schuld, dass ich so bin…“ ist absolut richtig. Wer jedoch neu dazu kommt, der muss auch an die Hand genommen werden und spielerisch einsaugen, was St. Pauli ist. Wenn wir Alten eine Einstiegshürde aufbauen und nur herablassend auf die „Neuen“ gucken, dann wird das nix. Und ebenso muss ein Neuer lernen wollen, den Geist einatmen wollen.

Herzlich willkommen ihr „Neuen“! Gut, dass ihr nun fest mit Saisonkarten, mit neuen Dauerkarten oder auch einfach über die wieder verfügbaren Einzelkarten in unseren Kreis kommt. Benehmt euch respektvoll, aufgeschlossen und neugierig und wir sollten es auch tun. Dann wird das was mit uns. Dann wird es Liebe!

Und um das klar zu sagen: Wir liegen zwar in der Nähe des Kiezes, aber ein (besoffenes) Mackerverhalten ist nicht „St. Pauli-like“ und dies insbesondere, aber nicht nur in unserem Stadion.

Den Aufruf zum YNWA singen verlinken wir hier einfach mal. Lesen! Mitmachen! Gänsehaut haben!

Ebenso weisen wir auf die ausliegende Basch hin. Hier gilt ein Lesebefehl! Wer die nicht liest und trotzdem über „die Ultras“ meckert, der bekommt aber links und rechts eine.

Aux Armes!

Tschüß Brunsi, Tschüß Ebbe

Ach Jungs, wie alle aus der Heldengeneration werdet ihr erst entsprechend gehuldigt, wenn es wirklich vorbei ist. Noch haben wir nämlich 15 Spiele gemeinsam. Wollen mit Ebbe sein 100stes Zweitligator (gerne auch sein 110.) feiern und noch mindestens fünf links unten verwandelte Elfmeter von Brunsi sehen. Jedes Spiel werden wir eine Träne verdrücken, weil ihr irgendwann nicht mehr da seid. Aber wir werden jede Minute mit euch genießen.

Lob an den Verein: Endlich spricht man frühzeitig mit solchen alten Recken und stellt sie nicht plötzlich vor vollendete Tatsachen. Gerade in dem – ähm, ja wie soll man das höflich ausdrücken? – fortgeschrittenen Lebensalter der Herren Bruns und Ebbers haben die nun genügend Zeit, ihre Lebensplanung fortzuschreiben. Über bei Beiden machen wir uns wenig Sorgen.

Rothenbach, Morena, Gunesch, Lechner, Eger, Bruns, Naki, Ebbers. Ist es eigentlich vermessen, dass die Jungs immer noch eine ganz ordentliche Zweitligatruppe abgeben würden? Ich weiß es nicht. Es war bei euch allen schön, dass ihr so lange die Buffer für diesen Verein geschnürt habt.

You’ll never walk alone!

Hallo Fanräume

Noch nicht so ganz fertig sind die Fanräume, aber man kann das gezapfte Bier schon riechen und wandelt in Gedanken schon im neu gewonnen Freiraum herum. Werdet Fördermitglied und nutzt bald schon die Fanräume!

… für eine Kurve völlig außer Kontrolle…

Tschüß Polizei

Das klingt doch alles schon ganz gut und wir gehen jetzt mal davon aus, dass die Goliathwache nicht kommt. Damit ist der Weg für das Museum offenbar geebnet. Auch hier: Fördermitglied werden. Jaja, damit seid ihr alle wahrscheinlich im FC, bei Ballkult, bei Fanräume, bei Museum und einige noch bei einigen anderen Vereinen Mitglied. Ist halt so. Muss sein. Könnt ihr mal richtig deutsch sein mit eurer Vereinsmeierei.

… Wir sind Zecken, asoziale Zecken, wir schlafen unter Brücken – oder in unserem Museum…

Hallo neue „Weisse Rose“-Ausgabe

Ihr habt einen englischsprachigen Freund, der wissen will, was bei St. Pauli so abgeht? Verweist ihn an den großartigen Fanclub „Yorkshire St Pauli“ und dessen Online-Fanzine. Alle Infos, absolut braun-weiß mit dem richtigen Spirit bekommt ihr da. Und falls er Tagesaktuell bleiben will: Die übersetzen auf Twitter jeden Tag das Wichtigste auf Englisch.

That’s the way we like it

Tschüß Nazis

Das Böse schläft nie. So haben sich die Aachen Ultras aus dem Stadion zurückgezogen und auch bei der Fortuna haben die falschen Kräfte Aufwind. Da mag der 11 Freunde-Artikel noch so falsch sein, so richtig entspannt klingt das alles nicht, was einem so in sozialen Netzwerken an Aussagen zur Fanszene über den Weg läuft.

Unpolitisch ist hirntot und lässt eben Platz, dass sich irgendwo Nazis wieder festigen können. Daher: Seid politisch, kämpft für eure Ideale und verdammt noch mal, schließt keinen heuchlerischen Burgfrieden mit den falschen Gruppen. Das wirkt zwar richtig lässig und entspannt, aber ist eben langfristig Mist.

Immer und immer wieder: … und wir sind da, Ultrà Antifa…

Jan 282013
 

oder

Wir werden Sonntag Bestandteil eines Rekordes

 

Liebe Leser,

wir haben laut offizieller Facebookseite (Facebooklink, logischerweise) ab dem Spiel gegen Cottbus ein Fassungsvermögen von 29.063 Zuschauern in unserem geliebten Millerntorstadion. Davon sind jetzt schon 28.463 Karten verkauft.

Offiziell ist das die höchste Zuschauerzahl seit Jahrzehnten. Wer damals beim legendären 0-0 gegen den FC Bayern anno 1988 dabei war, der weiß, dass inoffiziell garantiert schon mal ähnlich viele Zuschauer im Stadion dabei waren. Denn an diesem Tag stand man geschlossen auf den Gegengeradentraversen zu Dritt (!) und dies durchgängig.

Was aber ist der offizielle Zuschauerrekord am Millerntor? Immerhin hatte das historische Millerntor mal ein offizielles Fassungsvermögen von 32.000. Als gesichert können 24.487 gelten, denn wie Martin zu Recht auf Facebook anmerkt, hatten wir diese in Liga 1 mehrfach.

Alles andere liegt im Dunklen. Wikipedia gibt als Rekord 24.000 an. Kann doch nicht sein, sagt man. Und fragt die einzig zuverlässige Quelle, nämlich Christoph Nagel.

Hier ist was er sagt:

„Kapazität des alten Millerntors [dort wo jetzt die Fliegenden Bauten sind; Anmerkung von uns] waren 30.000 Plätze, und die wurden auch immer mal vollgemacht oder sogar übertroffen. Z.B. bei der Eröffnung am 17.11.1946 oder gegen Newell’s Old Boys aus Argentinien am 18.02.1950.“

„Am neuen Standort kamen beim Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg 1966 „nur“ 23.000 Zuschauer. Und das war schon so voll, dass die Oberbranddirektion der Feuerwehr das Zuschauervolumen in der nachfolgenden Aufstiegsrunde auf 18.000 beschränken wollte.“

„Ansonsten gilt: Wenn doch mal mehr als 23.000 Heimzuschauer gemeldet wurden (z.B. Aufstiegsrunde 1963/64 gegen Bayern – Debüt des jungen Beckenbauer), war der FCSP in den Volkspark ausgewichen.“

Kurz: Offiziell werden wir höchstwahrscheinlich Sonntag Teil eines vereinshistorischen Moments sein. Die meisten Zuschauer am Standort Millerntor neu.

Mit freundlicher Genehmigung und einem riesigen „Dankeschön!“ an Christoph.

Jan 272013
 
Liebe Leser,
man kann jeden Wahnsinn noch steigern. So laufen Menschen ja nicht nur Marathon, nein sie laufen auch weiter als die Marathondistanz von 42,195 Kilometern. Die harmlose Variante dieser Laufart ist der 50 Kilometer-Lauf auf flachem Gelände. Man kann aber selbst den Lauf über die Marathondistanz immer noch mehr steigern und wer mal richtig was laufen will, dem seien Läufe wie der Ultra-Trail du Mont Blanc empfohlen, wo dann über 100 km mit ordentlich Höhenmetern gelaufen werden.
Irgendwann im Sommer jedenfalls fing der  @bluecherhros an über die Rodgau 50 zu twittern. Aus ein paar witzigen Tweets wurde irgendwann eine Bewegung und Menschen meldeten sich Nachts um Zwei auf dem Klo sitzend zu diesem Lauf an. Mein Gedanke: Die sind doch alle bekloppt und „ne, du nicht“.
Nach dem aber der New York Trip etwas unbefriedigend verlaufen war, beschlossen @sielaeuftde und ich doch uns auf den Weg nach Rodgau zu machen. Nicht mal wirklich um nun unbedingt 50 Kilometer zu laufen, sondern um die ganzen Verrückten zu treffen, die laufen und darüber Twittern.
Und gerade das Volk, welches sich auf die 50 Kilometer wagt, ist Fußballfans nicht ganz unähnlich. Positiv Verrückte, die von ihrer Umgebung nur verwundert angeguckt werden und die für ihre Leidenschaft Kilometer auf der Autobahn verbringen. Und lustigerweise nennt man in beiden Bereichen die Verrücktesten Ultras. Nur das im Laufen nur der „Freiwillige Polizeidienst“ vorbei guckt und die Ultraläufer es nicht so mit Pyro haben.
Nun denn, die 562 Kilometer waren schnell überwunden, der typische kleine Stau an einem Freitagabend auch eingerechnet und so waren wir um 19 Uhr in Rodgau. Aber nicht ohne vorher an einem Ort namens Linsengericht vorbei zu fahren. Der nebenbei von Lieblos und Freigericht umrahmt wird. Tellergericht gibt es da aber anscheinend nicht als Ortsnamen.
Rodgau. 43.000 Einwohner, aber die Stadt ist doch relativ langgestreckt an der Autobahn gelegen. Das ganze findet dann im Stadtteil Dudenhofen statt, wo auch der örtliche Tennisclub seinen Sitz hat. Ansonsten ist der Stadtteil eher mit verschlafen zu beschreiben. Die örtliche Dönerbude hat an einem Freitag Abend um 22 Uhr geschlossen und der örtliche Italiener war mit 13 hungrigen Läufern vollkommen überfordert.
Von Linz bis Rostock waren Leute angereist und man tauschte Läufe und Begebenheiten aus. Und da sich noch drei Menschen trafen, die in Steuern machen, hatte man auch noch andere Gesprächsthemen. Auf Ali Schneider Marathonreisen sind nebenbei einige Läufer nicht gut zu sprechen. Bei so Onlinetreffen ist es eine schöne Floskel „mal auch die Menschen hinter den Blogs kennen lernen“, aber sie stimmt irgendwie. Und so traf man den Lauffreund Sven, den Triathlondog und auch andere mal persönlich.
So nun aber zum morgentlichen Lauf. Ein 5 KM Rundkurs war zu bewältigen und auch wenn die Österreicher am Abend vorher noch von „guten Verhältnissen“ sprachen und einige Schwaben am Morgen noch von „größtenteils geräumt“ erzählten, es waren 1,7 km geräumt, der Rest sehr tief und seifig. Die Österreicher meinten, es sei flach und windig. Der Norddeutsche fand es eher wellig und windstill. Alles eine Sache der Perspektive.
Ziel war es das Ganze locker anzugehen und mal zu gucken, wie weit es geht. Die Runde beginnt mit dem geräumten Asphaltteil, so dass ich in einer guten 6:47 Zeit begann. Dann wurde es natürlich langsamer. Die @sielaeuftde war vorweg gelaufen und beschloss dann, dass das Blödsinn ist und wir zuckelten so gemeinsam unsere Runden. Auf dem Asphalt immer so irgendwas zwischen 6:40 bis 6:50, auf dem ungeräumten Teil eher über 7:00.
Zuschauer hat dieser Wettbewerb nur sehr wenige. Aber die Damen (und der @HipHop_Runs) des Twitterlauftreffs waren in ihrem Entusiasmus soviel Wert wie eine Million Zuschauer bei einem Marathon. Danke für unzählige Stunden in der Kälte, ihr Lieben! Die Verpflegung hätte auch für eine weitere Horde Läufer gereicht. Nussecken, Tee, Brownies, alles was das Herz begehrt.
Ein Blick auf das Teilnehmerfeld: Ultramarathonläufer sind eher älter. Junge Menschen laufen da eher wenige mit. Es laufen eher Menschen mit eher 35+ Jahren mit. Bei 5 km Runden kommt es schnell zu Überrundungen und nach gelaufenen 36 Minuten lief auch schon der erste Läufer wieder an einem vorbei. In einem Affenzahn, den er auch nicht durchhielt. Ein Stück nach ihm der Zweite, der letztendlich in 3:08 (!!) gewann.
In unserem Haufen lief ja noch so eine kleine Sonderwertung, denn jeder der schneller als der @triathlondog hätte laufen können, sollte von ihm eine Torte geschenkt bekommen. Letztendlich schaffte dies nur der @laufhannes, wobei beide mit 3:30 und 3:42 (oder so ähnlich) unfassbare Zeiten hinlegten. Da bin ich noch nicht mal mit 30 Kilometern durch.
Nach 15 Kilometern begannen dann auch meine Oberschenkel an zu brennen. Kurz noch mit @sielaeuft diskutiert, ob man nun 25 macht, aber ich habe mich dann doch schnell dagegen entschieden. Ich bin seit dem Ratzeburger Adventslauf nicht länger als 11 Kilometer am Stück gelaufen und war diesmal schon 16 Kilometer mit einer kleinen Klopause gelaufen. Und dies auf einem Untergrund, der teilweise die Wirkung eines Laufbandes, man hatte das Gefühl die Beine zu heben und sich doch nicht fortzubewegen.
Bei Km 18,5 deswegen dann doch noch eine ausgibige Gehpause und den Rest dann mit dem @lauffreund_de gelaufen, der auch beschloss, dass 20 Kilometer heute genug sind. Der Schlussspurt aufs Messer. Noch mal auf 3:01 pro Kilometer gesteigert, den Ellenbogen eingesetzt und knapp schlug mich dann der Lauffreund. Okay, ihr wisst, dass dies gelogen ist.
Insgesamt ein guter Trainingslauf. Nächste Woche beginnt der Trainingsplan für Hamburg 2013 und diese 20 Kilometer waren ein guter Test. Denn 20 Kilometer auf diesem Boden sind doch den 30 Kilometern auf einem normalen Boden sehr ähnlich. Und ich fühlte mich gut und locker, auch wenn am Ende einfach die Kraft weg war. Ist aber auch okay.
Wenn man sich so den Laufklamotten bei minus 2 Grad entledigt um sich was trockenes anzuziehen, dann ist man kurzfristig seine eigene Sauna. Sieht lustig aus. Nun noch kurz bei den Supportdamen aufgehalten und dann ab unter die Dusche.
Die Organisation wahnsinnig gut. Am Essenstand gab es alles, alle Helfer waren freundlich und zuvorkommend und man hat sich ständig bemüht die Strecke halbwegs laufbar zu erhalten. Kann man nur uneingeschränkt empfehlen diesen Lauf.
Viel mehr ist nicht zu erzählen und eigentlich ist es auch schon wieder viel zu lang geworden. Ab nun läuft die Vorbereitung für Rodgau 2014.
Jan 272013
 

oder

„Fußball ist kein Wintersport“

ertönte es Samstag am Millerntor während des Testspiels gegen den dänischen Meister Nordsjælland.

Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.

Während die rund 3.750 Zuschauer (in der ersten Version war die 3 verloren gegangen) auf den Rängen froren, spielten die Jungs auf dem Platz ein gutes Ding. Und uns Ebbelix traf zwei Mal. Wir hoffen an dieser Stelle, dass er in den verbleibenden Spielen auch noch das eine oder andere Ding macht, um seine 100 Zweitliga-Tore offiziell voll zu machen, ehe er uns verlässt. Und ja, unser Herz blutet jetzt schon.

Wir freuten uns, mal wieder ausgiebig mit den Bezugsgruppen Leuten abzuhängen und endlich wieder braun-weiße Luft einzuatmen.

Gutes Warm….ähh Coldup für nächsten Sonntag.

Jan 272013
 

oder

Wo man ernste Zweifel haben kann…

Vorwort

Liebe Leser, alle Vereine machen immer mal wieder Bekanntschaft mit der DFB-Gerichtsbarkeit. Als Fußballfan schüttelt man dann stets den Kopf über diese Institution. Aber eigentlich zu Recht? Bereits letztes Jahr zu dieser Zeit haben wir mal über dieses Thema gebloggt, als wir selber zu Gast beim DFB-Sportgericht waren. Für so etwas wird man dann für eine Blogger-Award nominiert. Das Thema scheint euch also zu interessieren. Gewisse Überschneidungen mit dem Artikel vom letzten Jahr lassen sich einfach nicht vermeiden. Aber wir wollen doch noch mal von vorne anfangen und erneut die Frage stellen, auf welchen Grundsätzen der DFB urteilt, und ob er sich an staatliche und eigene Grundsätze hält.

Wichtig ist uns Folgendes: Unter Juristen ist es sehr üblich, seine Meinung (!!) als die einzig wahre zu verkaufen und zu behaupten, so müsse es sein. Das tun wir hier ausdrücklich nicht. Da vieles einfach unklar ist, kann man sehr vieles auch komplett anders sehen.

Wir haben nun mal auf die Verlinkung aller Zitate vorläufig verzichtet. Werden nachgeholt, kleiner -äh – produktionstechnischer Fehler. Ausdrücklichen Dank bei solchen juristischen Berichten gilt der Korrekturinstanz.

Einleitung / Rechtsgrundlage für die DFB-Gerichtsbarkeit

So ein Verbandsgericht ist erst einmal sinnvoll. Das muss man immer vorab wissen und sollte es auch nie vergessen. Die Alternative wäre nämlich sonst, dass man jedes Foul (= fahrlässige Körperverletzung?) vor einem ordentlichen Gericht behandelt. Das würde nicht nur die Möglichkeiten von ordentlichen, staatlichen Gerichten sprengen, es wäre auch unsinnig, da der DFB als Hüter der Regeln des Fußballes „sachnäher“ ist, wie der Jurist das so schön sagt. Das ist also alles in Ordnung und über die Sperren von Fußballern regt man sich in der Praxis auch eher weniger auf. Ob man nun für eine rote Karte zwei oder vier Spiele gesperrt wird, das dürften die Herren in Frankfurt schon sehr gut wissen. Da unterstellt man ihnen auch eine gewisse Sachkompetenz und Erfahrung. Wir würden also nicht unsere Zeilen verschwenden, wenn sie nur darüber urteilen würden.

Tun sie aber nicht. Und sie tun es deswegen nicht, weil die Straf- und Verfahrensordnung des DFB und die Satzung des DFB einfach mehr vorsieht. Diese will eben auch Mitgliedsvereine für Fehlverhalten bestrafen. Das ist per se auch noch nicht schlimm, wenn es um wirkliches Fehlverhalten, wie z.B. Lizenzensierungsregeln geht. Da hat man immer noch die Sachnähe. Problematisch wird es in einem ganz anderen Bereich: nämlich in der Bestrafung von Fanverhalten. Hier fehlt die Sachnähe und die Legitimation wird alleine deswegen schon zweifelhafter. Aber stellen wir sie noch nicht in Frage. Was sagt denn der BGH zu einem solchen Verbandsgericht? Sehr schön ist hier ein Urteil aus dem Jahre 1994, wo es um Reitsport geht und der BGH folgende schöne Sätze prägt:

„Die Schaffung, Fortschreibung, Überwachung und Durchsetzung dieser Regeln ist nach dem Verständnis der geltenden Rechtsordnung ebensowenig eine staatliche Aufgabe wie die Organisation des Spitzen- und Breitensports, als deren Teil sie verstanden werden muß. Sie ist vielmehr eine von den Verbänden, die sich die Pflege und Organisation der jeweiligen Sportart zum Ziel gesetzt haben, in Ausübung ihrer Verbandsautonomie (Art. 9 GG) zu erfüllende Aufgabe.“

Kurz: Wenn du Regeln aufstellst, dann überwache sie auch selber und schaffe deine eigene Gerichtsbarkeit, die dann auch in den meisten Fällen einen Gang vor die ordentlichen Gerichte ausschließt.

Im weiteren Urteil differenziert der BGH da noch ein bisschen und sagt, dass ein Gang zu den ordentlichen Gerichten insbesondere dann ausgeschlossen ist, wenn es sich um ein sogenanntes echtes Schiedsgericht nach den §§ 1025 ff ZPO handelt. Und die letzte Instanz im DFB-Rechtszug („Ständiges Schiedsgericht“) hat nach dem, was man so an Stellungnahmen findet, wohl die Eigenschaften eines echten Schiedsgerichtes und würde damit den Gang vor ein ordentliches Gericht ausschließen. Es gibt aber auch Grenzen für eine Sportgerichtsbarkeit. So will der BGH folgendes nachprüfen, wenn es sich nicht um ein echtes Schiedsgericht handelt:

„ Angemessenheit unter dem Gesichtspunkt von Treu und Glauben unterliegenden – Bestimmungen des maßgeblichen vereinsinternen Regelwerks, die Einhaltung eines elementaren, rechtstaatlichen Normen und der eigenen Verfahrensordnung des Verbandes entsprechenden Verfahrens, die Fehlerfreiheit der dem Spruch zugrundeliegenden Tatsachenermittlungen sowie bei sozial mächtigen Verbänden wie dem Beklagten auf ihre Billigkeit (sonst auf grobe Unbilligkeit) überprüfen.“

Kurz: die Einhaltung elementarer, rechtsstaatlicher Normen soll überprüft werden. So ähnlich wird es auch bei echten Schiedsgerichten formuliert, wo eine Überprüfung auf Willkür oder grobe Unbilligkeit von den Gerichten als Hilfskrücke herangezogen wird. Nur gibt es dazu sehr wenig Urteile und Stellungnahmen. Man geht davon aus, dass so ein Schiedsgericht sich an diese Regeln hält. Nur die „deutsche ordre public“ soll Grenze sein. Das ist dann wieder so ein Begriff aus dem Kochbuch der Juristen, den man einem Nichtjuristen beinahe nicht mehr erklären kann. Gemeint sind damit die wesentlichen Grundsätze des Rechts und Juristen verstehen diesen Begriff eher eng, auch wenn er sehr weit klingt.

Fallbeispiel Nr. 1 / Das berühmte Bayern-Hof-Urteil

In diesem Zusammenhang ist auch das Urteil des LG Hof (32 O 216/11) in Sachen Bayern Hof. Ganz grob liegt diesem Urteil folgender Sachverhalt zugrunde: Bayern Hof bekam vom Verbandsgericht (des bayerischen Fußballverbandes) zwei Punkte abgezogen und wäre damit abgestiegen. Grund war ein Becherwurf, der auf den Schiedsrichter gezielt war, aber den Hofer Trainer traf. So zumindest das Urteil des Verbandsgerichtes. Das LG Hof führt nun in seinem Beschluss (es war eine einstweilige Rechtssache) folgendes aus:

„Er hat Tatsachen glaubhaft gemacht, aus denen sich ergibt, dass die dem Urteil zugrunde liegende Tatsachenfeststellung bei objektiver, an rechtsstaatlichen Grundsätzen ausgerichteter Tatsachenermittlung nicht nachvollziehbar ist. Dabei ist voranzustellen, dass vereins- und verbandsrechtliche Maßnahmen der Kontrolle durch staatliche Gerichte nur begrenzt unterliegen. Das Gericht darf deshalb nur prüfen, ob eine verbandsrechtliche Grundlage für die Ordnungsmaßnahme gegeben ist.“

Auch hier wieder „rechtsstaatliche Grundsätze“ und noch ein weiterer Punkt „ob eine verbandsrechtliche Grundlage gegeben ist“

In der Folge sah das LG Hof die rechtsstaatlichen Grundsätze in der Beweisermittlung als nicht gegeben an, denn auf einem Video, welches von Bayern Hof vorgelegt wurde, war kein Treffer beim Trainer zu sehen. Das LG Hof setzte damit das Urteil einstweilig aus.

Das bemerkenswerte ist, dass es alle Parteien bei diesem Beschluss beließen und Bayern Hof letztendlich nicht abstieg. Insbesondere ist die Passivität des Bayerischen Fußballverbandes bemerkenswert, denn in diesem Urteil steht nicht viel weniger, als dass das Verbandsgericht in der Beweiserhebung rechtsstaatliche Grundsätze nicht eingehalten hat. Eine solche Ohrfeige für das eigene Verbandsgericht unkommentiert und unangefochten stehen zu lassen, das spricht schon Bände.

Aber zurück zum Allgemeinen

Was kann man vielleicht aus diesen ganzen Zitaten verallgemeinern? Und ja, das ist jetzt mal unsere eigene Meinung, die garantiert nicht zwingend stimmen muss.

Ein Verband ist dann abschließend zuständig und darf selber Recht sprechen, wenn er sich a) an rechtsstaatliche Grundsätze hält und b) für seine Urteile eine verbandsrechtliche Grundlage hat. Dies gilt damit auch für den DFB. Und genau diesen Maßstab muss man nun in unserer Untersuchung anwenden.

Fangen wir doch mit letzterem mal an:

Gibt es eine verbandsrechtliche Grundlage?

Die gibt es, denn sowohl die Satzung des DFB in ihren §§ 38 bis 44, als auch die eigens für die Sportgerichte erlassene „Rechts- und Verfahrensordnung“ (nachfolgend RuV genannt) sind eine verbandsrechtliche Grundlage. Aber bereits hier kann man doch rechtstaatliche Bauchschmerzen bekommen, denn sehr bestimmt sind diese Grundlagen nicht. Der § 44 regelt die möglichen Strafen, u.a. auch Punktabzüge (Punkt l) und die Versetzung in niedrigere Klassen (Punkt m), aber auch Platzsperren, Austragung unter Ausschluss der Öffentlichkeit, Lizenzentzug und Geldstrafen bis zu 250.000 Euro. In § 1 Abs. 2 RuV heißt es dann – und wir zitieren mal wörtlich –

„Sportliche Vergehen, d.h. alle Formen unsportlichen Verhaltens aller in Nr. 1.
genannten Angehörigen des DFB, werden mit den in § 44 der Satzung des DFB aufgeführten Strafen geahndet.“

Sprich: Machst du Mist, bekommst du irgendwas von den oben genannten Sachen. Weiter definiert wird „unsportliches Verhalten“ nebenbei nicht. In § 9 findet sich nur eine „insbesondere“ Formulierung, die deutlich macht, dass sie nicht abschließend ist. Sie enthält nicht nur die grauenhafte Extremismustheorie, nein sie ist auch immer noch sehr unbestimmt: „Eines unsportlichen Verhaltens gemäß § 1 Nr. 4. macht sich insbesondere schuldig, wer sich politisch, extremistisch, obszön anstößig oder provokativ
beleidigend verhält.“ Man kann sich nebenbei fragen, ob Karikaturen mit „Bullenschweine“ drin unter dieses „insbesondere“ fallen. Stören tut dies aber nach der Gesetzgebungstechnik nicht, denn es ist ja nur insbesondere.

Fallbeispiel Nr. 2 / Die Papierschlangen aus Hoffenheim

Was das konkret bedeutet, durfte die TSG Hoffenheim von 1899 in dem 113 Jahr ihres Bestehens erfahren, denn die geworfenen Luftschlangen wurden vom DFB Sportgericht ausdrücklich als „unsportliches Verhalten“ gewertet und mit 10.000 Euro Geldstrafe geahndet.

Da kann man schon erhebliche Bedenken aus rechtstaatlicher Sicht bekommen, denn das stark unbestimmte „unsportliche Verhalten“ kann zu allen möglichen Strafen führen. Nun ist eine Unbestimmtheit alleine kein Grund für eine fehlende Rechtstaatlichkeit, denn sogenannte unbestimmte Rechtsbegriffe können sich verfestigt haben und sind dann wieder rechtstaatlich zulässig. Und das sieht auch das AG Karlsruhe (12 C 75/07) so, als es zu einem Fall aus dem Schach (!!) folgendes schrieb:

„Soweit der Beklagte die Sanktion auf eine Unsportlichkeit stützen will, reicht die einzige in Frage kommende Grundlage in der Satzung, nämlich § 19 Nr. 1.b, hierfür nicht aus. Zwar gestehen die staatlichen Gerichte den Vereinen hinsichtlich der Subsumtion eines Geschehens unter eine bestimmte Satzungsnorm einen erheblichen Beurteilungsspielraum zu zum Schutz vor Willkür und offenbarer Unbilligkeit müssen aber Tatbestand und Rechtsfolge einer Sanktion schon zur Zeit der Verletzungshandlung feststehen. Weit gefasste Satzungstatbestände – wie hier derjenige des „unfairen Verhaltens“ – sind zwar grundsätzlich zulässig, der Inhalt der Verbotsnorm muss sich aber im konkreten Fall durch eine Zusammenschau von Satzung, Vereinsübung sowie Gleichbehandlungsgebot und Übermaßverbot noch objektiv bestimmen lassen.“ (die im Urteil wieder vorhandenen Verweise sind für eine bessere Lesbarkeit gestrichen)

Liebe Leser: Seien wir mal ehrlich: Hättet ihr euch vor der letzten Saison vorstellen können, dass das Werfen von Papierschlangen ein „unsportliches Verhalten“ ist? Hättet ihr gedacht, dass die DFB Gerichtsbarkeit dies unter diese Worte einordnet?

Ich glaube niemand wird hier „Na klar, das ist doch so etwas von unsportlich!“ brüllen. Kurz: Man muss schon bei diesem Urteil erhebliche Bedenken und Bauchweh haben. Das AG Karlsruhe führt weiter sinngemäß aus, dass man nicht einfach so per Beschluss des Verbandsgerichtes eine bisherige Übung (in seinem Fall die Remieabsprache, in unserem Fall das Werfen von Papierschlangen) sanktionieren kann, man dies aber natürlich im Rahmen der Verbandsautonomie per geänderter Satzung machen kann. Hat der DFB bisher aber nicht.

Und da haben wir den Salat, warum das akzeptieren der Strafe durch Hoffenheim und vorher auch durch unseren geliebten Verein so problematisch ist. Unbestimmte Rechtsbegriffe können ausgefüllt werden und sind dann wieder okay. Mit der Akzeptanz der Strafe wird also das Papierschlangewerfen immer mehr zu einem unsportlichen Verhalten. Noch ist das nicht so verfestigt, dass nicht der FCSP oder ein anderer Verein jetzt noch in die Berufung und dann eventuell auch vor ordentliche Gerichte gehen könnte, aber es ist schon auf dem besten Wege dahin, denn neben den beiden genannten bekam ja auch der BvB eine entsprechende Strafe.

Kurz: Die Vereine schießen sich hier selber ins Knie und das mit Anlauf und Schwung.

Trotzdem bleibt die „Gesetzgebungstechnik“ „unsportliches Verhalten“ kann zu allen genannten Strafen führen natürlich sehr bedenklich. Da ist das Urteil des AG Karlsruhe auch deutlich. Tatbestand UND Sanktion muss vor der Tat bestimmbar sein. Das ist schon äußerst schwierig, wenn ein „unsportliches Verhalten“ von Geldstrafe bis zu Lizenzentzug alles auslösen kann. Zumindest, wenn man denn die Satzung für voll nimmt. Aber da kommen wir gleich noch drauf zurück.

Und man darf nicht vergessen: „unsportliches Verhalten“ ist die Allzweckwaffe der DFB Gerichtsbarkeit gegen alle unerwünschten Dinge. Das wird auch im Folgenden deutlich.

Man vergleiche das auch mal mit der berühmten Hoffenheimer Tröte. Papierschlange vs. Hochtöner. Es ist bemerkenswert, dass die DFB Gerichtsbarkeit auch dabei ein unsportliches Verhalten sah. Dieses aber als geringfügig ansah. Hochtöner vs. Papierschlange: Was liebe Leser, wäre für euch geringfügiger? Ja, es ist als Jurist immer problematisch, dass „gesunde Volksempfinden“ zu befragen, aber immerhin ist in der Theorie auch die DFB Justiz durch uns indirekte Mitglieder des DFB legitimiert.

Aber zurück zu den Grundlagen

Denn neben diesem „unsportlichen Verhalten“ regeln nur noch die §§ 7 und 9 Tatbestände, die sanktionswürdig gegenüber Vereinen (und Kapitalgesellschaften, die am Spielbetrieb teil nehmen; und nur auf diese Frage wollen wir uns ja konzentrieren) sind. § 9 regelt zusammen mit § 9a, der eine Zurechnung von Fanverhalten vorsieht insbesondere Diskriminierung. Erstaunlicherweise ist § 9 dabei sehr detailliert ausformuliert und wird schon von sich aus bestimmt sein. § 7 hingegen liest sich wie folgt:

㤠7
Strafen gegen Vereine und Tochtergesellschaften in einzelnen Fällen 1. Bei Bundesspielen gelten für Vereine und Tochtergesellschaften unter anderem folgende Strafen:
a) für Spielen ohne Genehmigung Geldstrafe bis zu € 30.000,00;
b) für schuldhaft verspätetes Antreten oder schuldhaftes Nichtantreten zu einem Spiel Geldstrafe bis zu € 50.000,00;
c) für nicht ordnungsgemäße Platzherrichtung und nicht ausreichenden Ordnungsdienst Geldstrafe bis zu € 50.000,00;
d) für mangelnden Schutz des Schiedsrichters, der Schiedsrichter-Assistenten oder des Gegners Geldstrafe bis zu € 100.000,00;
e) für schuldhaftes Herbeiführen eines Spielabbruchs Geldstrafe bis zu € 100.000,00;
f) für Spielenlassen eines Spielers ohne Vorlage eines ordnungsgemäß erstellten Spielerpasses oder ohne Vorlage der vom DFB oder der DFL herausgegebenen Spielberechtigungsliste Geldstrafe bis zu € 1.000,00;
g) für Spielenlassen eines nicht spiel- oder einsatzberechtigten Spielers Geldstrafe bis zu € 10.000,00;
h) für nicht ordnungsgemäße Erfüllung von Auflagen Geldstrafe bis zu € 30.000,00;
i) für das Mitwirkenlassen gedopter Spieler (§ 6), die Verabreichung von Dopingmitteln, die Weigerung, Dopingkontrollen zuzulassen sowie jede Beteiligung an diesen Handlungen oder ihre Duldung und bei Verstößen gegen die Anti-Doping-Richtlinien Geldstrafe bis zu € 150.000,00 für jeden Einzelfall; j) für aktive oder passive Bestechung Geldstrafe bis zu € 250.000,00.
2. In den Fällen der Nr. 1. Buchstaben i) und j) ist der Versuch strafbar.
3. Anstelle einer verwirkten Platzsperre kann eine Spielaustragung unter Ausschluss der Öffentlichkeit festgesetzt werden, falls dies aus besonderen Gründen zweckmäßig erscheint.
4. Bei Vergehen, die mit einer höheren Geldstrafe als € 2.500,00 bedroht sind, kann in schwerwiegenden Fällen an Stelle oder neben der Geldstrafe eine weitergehende Strafe nach § 44 der Satzung des DFB verhängt werden.
Gleiches gilt in Wiederholungsfällen und in Fällen der Tatmehrheit.
5. Die Strafbestimmungen der Nr. 1. finden sinngemäße Anwendung auch auf Mitgliedsverbände, die mit ihren Mannschaften an Bundesspielen teilnehmen

Was ihr da nicht lest und auch nirgendwo anders lest ist eine Strafe für Abbrennen von Pyrotechnik. Auch da beruft sich das Sportgericht wieder auf unsportliches Verhalten. Teilweise auch in Einheit mit „unzureichendem Ordnungsdienst“.

Wieder bemerkenswert: Während das undefinierte unsportliche Verhalten keine Höchstrafe kennt, darf für den nicht ausreichenden Ordnungsdienst nur bis zu 50.000 Euro verhängt werden. Auch hier muss man Bauchweh bekommen. Bauchweh insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass der DFB für Vereine schwer zu kontrollierendes Fanverhalten für die Begründung des „unsportlichen Verhaltens“ nutzt und die Vereine in solchen Fällen ein Verschulden im klassischen juristischen Sinne selten bis nie treffen wird. Bei einem unzureichenden Ordnungsdienst wird jedoch meistens Fahrlässigkeit oder Vorsatz vorliegen. Sowieso schert sich die Strafordnung anscheinend wenig um ein Verschulden im juristischen Sinne. Im Notfall wird Fanverhalten zugerechnet.

Man kann hier Bauchweh bekommen. Nein, falsch man muss hier Bauchweh bekommen, denn immerhin ist der Grundsatz „nulla poena sine culpa“ laut Wikipedia eine „wesentliche Rechtsregel“, die in Deutschland Teil des Rechtsstaatsprinzip ist. Dieser Grundsatz wird hier durch Verbandsrecht über § 9a ausgehebelt und dies nicht nur für Diskriminierung, sondern für jegliches Fanverhalten. Und so wird Dynamo Dresden auch aus dem Pokal der nächsten Saison ausgeschlossen, obwohl das Verbandsgericht Dynamo bescheinigt, dass der Verein keine Schuld trifft.

Schon hier kann man sich fragen, ob „wesentliche Rechtsregel“ = „rechtsstaatliche Grundsätze“? Diese Frage kann man stellen, beantworten wollen wir sie nicht abschließend. Aber ohne wirklich auf die Praxis der Anwendung der Regeln eingegangen zu sein, kann man alleine bei der RuV des DFB erhebliche Bedenken haben.

Man kann auch Bedenken haben, weil das Ganze ein erhebliches Demokratiedefizit offenbart. Ein Gesetzgeber, welcher „Alle Schweinereien sind strafbar, dafür gibt es Geldstrafe bis lebenslange Haft“ als Strafgesetzbuch auf den Markt wirft, stiehlt sich auch aus seiner Verantwortung Strafen im einem demokratischen Prozess zu entwickeln und zu bewerten. Und der DFB als Verband, als Verein muss demokratisch aufgebaut sein. Mal ganz davon ab, dass der Bestimmtheitsgrundsatz wohl auch eine „wesentliche Rechtsregel“ sein wird.

Aber gucken wir auf die Praxis

Es ist schon erstaunlich, dass in der Praxis die in § 7 genannten Fälle eigentlich eine unbedeutende Rolle spielen. Mal vielleicht der Schutz des Schiedsrichters (Bierbecherwürfe) oder der unzureichender Ordnungsdienst, aber in letzter Zeit sind die meisten Urteile aufgrund von „unsportlichem Verhalten“ ergangen. Der Fan schreit Willkür und es ist schon bemerkenswert, welche Spannbreite die Urteile haben. Nehmen wir hier mal vier Vereine im Vergleich, die doch häufiger durch den Einsatz von Pyrotechnik und anderer Ausschreitungen immer wieder auffallen, dies zwar in unterschiedlicher Intensität, aber die vier Vereine Bayern, Rauten, Frankfurt und Dresden sind alle unter den Bekannten „Tätern“, wenn es um „Ausschreitungen“ geht. Wenn man hier die jeweils letzten Verfahren sieht, dann stellt sich folgendes Bild da (Recherche über dfb.de):

Bayern München: 15.000 Euro für drei gemeinsam verurteilte Fälle. Dabei war auch ein Flitzer (=unzureichender Ordnungsdienst) enthalten. Eine von uns gefundene Datenbank findet bei Bayern insgesamt 10 DFB Strafen für 2012/2011 (davon einige gegen Bayern II verhängt)

Rauten: 40.000 Euro für zwei Handlungen. Unter anderem die berühmte Fahnenabfackelung von CFHH. Die eben zitierte Datenbank findet 9 Strafen in den Jahren 2012/2011

Dynamo Dresden: Ausschluss aus dem DFB Pokal. Hier geht es um die Vorkommnisse beim Pokalspiel in Hannover. Hier ist es neben Pyro zu einem Platzsturm und einem Blocksturm gekommen. Geschätzt werden die Verluste von Dresden auf 1 Millionen Euro. Das mag zu hoch erscheinen, aber so um die 200.000 Euro werden es wohl mindestens sein. Für Dresden finden sich 11 Strafen in der Datenbank.

Eintracht Frankfurt: Das Verfahren läuft noch. Diskutiert wird von Platzsperre bis zu hoher Geldstrafe alles. Die Datenbank findet 9 Urteile gegen Frankfurt.

Soweit so unspektakulär. Man könnte hier aber auch mal eine –zugegeben problematische – Analogie zum Strafrecht spannen. Die Strafe soll sich an „Schuld und Sühne“ bemessen, sagt da das Bundesverfassungsgericht. Und in der Strafzumessung ist die Schuld des Täters, sein Vorverhalten, aber bei einer Geldstrafe auch seine persönliche Leistungsfähigkeit zu beachten. Und auch der DFB hält sich grundsätzlich an solche Punkte, so bekommen 3. Ligisten z.B. geringere Geldstrafen als Bundesligisten. Zumindest grundsätzlich. Und auch begründet er die Strafe gegen Dresden damit, dass diese ja „vorbelastet“ seien.

(Wir blenden hier mal den rechtsphilosophischen Gedanken aus, wie unmöglich eigentlich die Begriffe und die Art der Zumessung ist. Wir bleiben nun mal bei der Praxis.)

Man kann bei der Bewertung der einzelnen Fälle dann schon Bauchweh bekommen. Sind sie denn auch willkürlich? Willkür als Rechtsbegriff definiert sich als Fehlen jeglichen sachlichen Grundes, so dass die Entscheidung unter keinem denkbaren Aspekt mehr rechtlich vertretbar ist und sich daher der Schluss aufdrängt, dass die Entscheidung auf sachfremden Erwägungen beruht.

Um dies wirklich zu bejahen oder zu verneinen müsste man natürlich in die Einzelanalyse der Strafen gehen. Welche Rechtsgüter sind wirklich betroffen und was ist schlussendlich wirklich passiert. Das DFB Verbandsgericht erhebt dabei die unterbrechungsfreie pünktliche Durchführung eines Spieles zu einem sehr schützenswertem Rechtsgut und bestraft insbesondere diese sehr hart (siehe Hoffenheim, siehe Rauten). Da kann man schon auf den Gedanken kommen, dass hier sachfremde Erwägungen (Sky meckert sonst) in das Urteil eingeflossen sind. Bemerkenswert ist auch, dass Bayern trotz ähnlich vieler Pyroshows immer noch nur 15.000 Euro Strafe bekommt. Und die jucken (persönliche Verhältnisse) Bayern bei einem Umsatz von 300 Millionen nicht wirklich. Nun sind die Bayern Fans immer so clever gewesen, dass ihre Pyroshows nicht für eine Unterbrechung des Spieles gesorgt haben, aber immerhin sind sie auch regelmäßig dabei.

Der Vergleich Frankfurt / Dresden

Liebe Leser, was würdet ihr von einem staatlichen Richter halten, der folgendes zu Protokoll gibt:

„Für Diebstahl wird es bei mir nur Geldstrafe geben. In die Freiheit eines Menschen will ich nicht eingreifen.“

Moralisch vielleicht sehr viel. Aber seien wir ehrlich: Die Entscheidung, welcher Strafrahmen im allgemeinen Anzuwenden ist, ist nicht der eines Richters, sondern der eines Parlamentes.

Mal ganz davon ab, dass man eine gewisse Befangenheit unterstellen könnte. Und die Staatsanwaltschaft würde diese wohl auch unterstellen.

Nun ziehe man mal die – zugegeben nicht ganz 100 % richtige – Analogie zum DFB. Hier sagte der Vorsitzendes des DFB Sportgerichtes Lorenz in Bezug auf Frankfurt – Leverkusen folgendes zum Sportinformationsdienst (SID):

„Eine sportliche Strafe werde „aus grundsätzlichen Überlegungen nicht erwogen, weil man mit einem Urteil wegen Zuschauer-Ausschreitungen nicht in den sportlichen Wettbewerb eingreifen will““

Sachfremde Erwägungen? Immerhin ist in der RuV genau dieser Punktabzug als Strafe auch für Zuschauerausschreitungen vorgesehen. Wir zumindest finden keine Einschränkung in den Bestimmungen des DFB. Und nun erinnere man sich. Man kann dann als Verband selber Recht sprechen, wenn man sich an seine eigene Verfahrensordnung hält. Herr Lorenz erklärt hier öffentlich, dies nicht zu tun. Das mag gute Gründe haben, aber dann muss die Verfahrensordnung geändert werden. So muss man doch erhebliche Bauchweh bekommen, wenn es um das Recht des DFB geht, selber Recht zu sprechen. Und das dies sachfremde Erwägungen sein können, kann man sich auch denken. Willkür?

Wird es dann, wenn man bedenkt, dass Herr Lorenz sich genau an diesen Spruch nicht gehalten hat. Denn zumindest in unserem Verständnis ist der DFB Pokal ein sportlicher Wettbewerb und aus diesem hat genau das von Herrn Lorenz geleitete Gericht Dynamo Dresden ausgeschlossen.

Seien wir ehrlich: Dynamo Dresden hat hier einen Elfmeter ohne Torhüter um vor die ordentlichen Gerichte zu gehen. Man kann nur hoffen, dass sie diese Chance nutzen.

Und auch etwas anderes ist bedenklich

Dann äußert sich Vizepräsident Koch, immerhin promovierter Jurist auch noch in der Bildzeitung und auf der DFB Seite wie folgt:

„“Nur wenn die Täter aufgespürt und dem Kontrollausschuss gemeldet werden, können Vereine drakonischen Strafen auf Dauer entgehen.“ Geisterspiele oder ein Zuschauerausschluss würden sich nur verhindern lassen, wenn die Vereine einen Weg finden, die Täter ausfindig zu machen. „Die Eintracht ist jetzt am Zug““

Wir lassen es jetzt mal bewusst außen vor, dass sich hier ein privater Verband als Ersatzstaat aufspielt und alleine dies schon extrem problematisch ist und ein „rechtsfreier Raum“, den die konservative Seite des politischen Spektrums doch sonst immer gerne ablehnt.

Wir wollen mal einige andere Aspekte im Hinblick auf unsere Frage, ob und wie der DFB berechtigt ist, Strafen auszusprechen in den Vordergrund stellen:

Seit wann muss ein Täter ermitteln? Nun ist es wirklich so, dass natürlich auch das Verhalten des Täters nach der Tat in die Strafzumessung mit einfließt. Man mag Eintracht Frankfurt hier schon ungern als Täter der Tag betiteln, denn ähnlich wie Dynamo Dresden sind sie ja wohl eher Opfer ihrer Fans. Aber nehmen wir das mal als gegeben hin. Nur ähnlich wie im Strafrecht findet sich nirgendwo eine Pflicht zur Selbstermittlung, so dass der hier formulierte Zwang zur eigenen Ermittlung wohl doch sachfremd ist. Das Geständnis mag strafmildernd sein, das Nichtgeständnis ist jedoch nie strafschärfend. Auch dies könnte man wohl als einen wichtigen Rechtsgrundsatz des Strafrechtes bezeichnen. Das dieser hier mit Füßen getreten wird, könnte man auch als sehr problematisch im Hinblick auf unseren Maßstab „wesentliche Rechtsgrundlagen“ ansehen. Müsste man selbst wohl.

Eine andere wesentliche Rechtsgrundlage ist wohl die Unabhängigkeit von Richtern und Gerichten. Wenn man dies so sieht, dann muss man feststellen, dass diese Äußerung zumindest sehr schlechter Stil ist. Wahrscheinlich kratzt sie auch erheblich an der Unabhängigkeit der Richter.

Versuchen wir ein Fazit

Der DFB spricht Recht. Er darf dies auch. Aber ob er sich wirklich an die dafür notwendigen Regeln hält, bleibt doch fraglich. Eine Reform der Fußballgerichtsbarkeit ist längst überfällig, wenn man nicht die Revolution (zu Fall bringen vor einem öffentlichen Gericht) riskieren will. Vielleicht hilft aber auch nur die Revolution. Chancen dafür böten sich zu genüge.

Jan 242013
 

Liebe Leser,

da sind wir doch nicht nur für einen Bloggerpreis nominiert worden, nein wir haben selbst souverän den 3. Platz eingefahren. Erstmal Glückwunsch an Reeses Sportkultur, wenn wir hätten abstimmen müssen, dann wäre das allemal einer unserer Favoriten gewesen!

Vielen Dank noch mal an Fokus Fußball und an das Sportbloggernetzwerk für die Organisation, es bleibt zu hoffen, dass alle Blogs vielleicht mehr Aufmerksamkeit dadurch erlangen.

Und natürlich danken wir allen unseren Wählern, oder wie sagen das Politiker immer?

Und damit wir 2013 wieder nominiert werden, kündigen wir schon einmal eine Fortsetzung der unendlichen Geschichte „DFB Gerichtsbarkeit“ an. 😉

 

 

Jan 212013
 

Unser Präsident hat dem Hamburger Abendblatt ein Interview gegeben, wo er u.a. die Hoffnung nährt, dass das mit der externen Wache und damit auch mit dem Museum klappt.

Der Förderverein war wohl auch schon fleißig und hat schon ganz viele Visionen. Der Höhepunkt des Interviews ist aber folgende Frage und folgende Antwort:

„Haben Sie sich am Ende dem Druck der Ultras gebeugt?

Orth: Nein, zum einen waren es nicht die Ultras, sondern die aktive Fanszene.“

 

 

In dem Interview wird auch ein neues Ticketsystem angerissen. Hier bleibt die genaue Ausgestaltung abzuwarten. Es ist zu hoffen, dass der Verein aus dem ersten Versuch und den damals geäußerten Bedenken gelernt hat und diese nun beachtet hat. Wir werden es sehen.

Jan 162013
 

oder

Wie Aachen alles falsch machte…

Vorwort

Liebe Leser, in der WinterPause wollen wir eigentlich Pause machen als Blog. Die Spielberichte fallen flach und auch sonst passiert bei uns im Verein nicht viel. Wir verpflichten weder angebliche Startrainer, noch haben wir (zum Glück) irgendwelche Investoren, die nun meinen die Macht übernehmen zu müssen. Der Blick zu dem einen TSV ist schon traurig genug. Blickt man jedoch auf den anderen TSV, nämlich den aus Aachen, dann kann man nur den Kopf schütteln.

Nein, ACU sind keine Engel

Liebe Leser, die Aachen Ultras haben ihre Tätigkeiten im Stadion eingestellt. Dafür gab es sehr große, bundesweite Sympathie, aber auch Kritik. Letztere insbesondere von Menschen, die sich als „normale“ Aachener verstehen und gegen „alle Ultras“ sind. Diese Kritik ist verkürzt und falsch.

Vorab: Auch ACU werden junge Menschen sein. Und auch ACU sind keine Engel, sondern Ultras mit allen Vor- und Nachteilen. Junge Menschen neigen auch zu Impulsivität, Übertreibungen, zu taktisch unklugem Verhalten und wollen häufig mit dem Kopf durch die Wand. Typische Merkmale für eine Ultragruppe. Das ist kein unproblematisches Verhalten und führt auch mal zu Kritik. Auch unser geliebter FCSP ist da keine Ausnahme. Wir erinnern nur an diverse Pfeiffkonzerte der Gegengerade gegen die Südkurve oder nervige, endlose Supportdiskussionen.

Aber das ist ja nicht der Grund, warum ACU tätlich angegriffen wird. Supportdiskussionen werden in den wenigsten Vereinen körperlich geführt. Und gerade in solchen kleinen und gebeutelten Szenen wie Aachen wäre ein solcher Graben doch nicht unüberwindbar. Nein, es ist eben das eine, Supportdebatten zu führen, aber es ist etwas ganz anderes, wenn es um politische Solidarität geht. Wer dies nicht differenzieren kann, der hat ein Problem.

ACU werden angegriffen, weil sie politisch sind. Weil sie den Mund gegen eine rechtsoffene und diskriminierende Normativität aufmachen. Und das versäumen die „normalen“ Aachener bis heute. Stattdessen singt der Auswärtsblock noch heute etwas von „Hauptstadt der Schwulen“ in Köln. Gegenwehr? Fehlanzeige! Ja, liebe Aachener, da ist es einfach das Problem. Das Problem sind nicht Nazis. Das Problem ist nicht, dass man einen Nazi vielleicht nicht sofort erkennt. Das Problem ist ein Klima in dem sich Nazis wohl fühlen, in dem sie sich verstanden fühlen und sie meinen, dass sie doch eigentlich nur aussprechen, was die breite Masse denkt. Wie man so etwas bekämpft, liebe „normale“ Aachener? Nicht in dem man diffus gegen Gewalt oder Extremismus ist. Das juckt den Nazi nicht. Denn so kann er sich weiter unter dem Radar ausbreiten. Da wird das unpolitische eben sehr schnell politisch. Falsch politisch.

Und hier versagen die restlichen Aachener Fans und auch der Verein. Wir verweisen da nur auf die Statements von 2011 (!!!). Und getan hat sich bisher wenig. Wo ist die Antirassismus AG? Wo sind die offensiven, lauten und deutlichen Antidiskriminierungsansagen? Vorbild wie man es in einem schwierigen Umfeld machen kann, kann man sich nebenbei in Dresden holen. Ein Verein, der in Aachen doch aufgrund der Farbwahl Sympathien haben müsste.

Hat Aachen gelernt? Nein. Man lese nur, was der Jan Tölva als Augenzeuge des letzten ACU Spieles schreibt:

„Doch wo ein Trainer nach dem Spiel sagt, es sei ihm egal, wenn sich die eigenen Fans untereinander angreifen, wo die Mannschaft sich nur bei denen bedankt, die andere Fans mit Böllern beworfen haben und das gegnerische Team in menschenverachtender Weise beleidigt haben und wo der Verein schließlich eine Stellungnahme veröffentlicht, aus der keinerlei Empathie, Problembewusstsein oder Fähigkeit zur Selbstkritik spricht, wird wohl offenbar selbst das Grundgesetz zum antifaschistischen Pamphlet.“

Und so können auch die sogenannte „Westwall Hooligan GmbH“ ungestört für Soliveranstaltungen werben. Macht man sonst Konzerte mit der ja vollkommen unpolitischen Band Kategorie C für eine rechtsradikale Gefangenenorganisation (siehe Lotta 50), sammelt man diesmal – ganz Menschenfreund – Geld für einen Verein, welcher schwerkranken Kindern hilft. Wer hier an den Gutmenschnazi glaubt, der glaubt auch an den Osterhasen. Immerhin fanden sich Aachener, welche den Verein, der bedacht werden soll, auf die Veranstaltung aufmerksam machten und es bleibt zu hoffen, dass dieser Verein sich die Spende verbittet (Nachtrag: Dies hat er zwischenzeitlich ausdrücklich getan.). Das Ganze nebenbei in der Gaststätte des Ex-Spielers Stefan Lämmermann, der auch bereits die Karlsbande zu Gast hatte und sich in der Presse wie folgt zitieren ließ: „Aber es ist mir auch egal. Ich verstehe mich mit einigen Mitgliedern der ‚Karlsbande‘ auch privat gut. Die politische Gesinnung interessiert mich dabei überhaupt nicht.“. Noch Fragen? Wir nicht!

Kurz: Ohne die ACU ist Aachen ein Verein, dem man nur die sofortige Auflösung wünschen kann.

Dennoch, es gibt etwas zu tun. Auch für uns. Wir Fans sind schnell mit sehr lauten Aktionen dabei, wenn es darum geht unsere eigenen Rechte einzufordern.Und Lobbyismus in eigener Sache ist notwendig und wichtig. Aber auch hier müssen wir überregional tätig werden. Auch abseits des FCSP müssen Fans (und Ultras) verstehen, dass es nicht sinnvoll ist, rechtsoffene und rechte Gruppen durch Zweckbündnisse aufzuwerten und zur jeweils örtlichen Norm zu erklären. Dieser Kritik müssen sich Bündnisse wie „12:12“ oder „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ nun endlich stellen und sich von entsprechenden Gruppen trennen. Oder sie sind Teil des Problems. Es gibt ihn eben nicht, den Nazi, mit dem man gemeinsame Sache machen kann.

Und insofern hat der Störungsmelder recht. Nazis sind wichtiger als Nacktkontrollen. Schmeißen wir sie raus. Aus den Stadien, aus unseren Zusammenhängen, aus der Gesellschaft. Und noch viel wichtiger: Machen wir ein Ende mit einer diskriminierenden Wirklichkeit in der -ismen bis weit in die Mitte der Kurve akzeptiert sind. Dann gehen die Nazis von ganz alleine. Weil sie sich nicht mehr wohl fühlen.

Was sonst noch war…

unser Verein twittert seit neustem. Warum man dafür einen Account neu aus der Taufe gehoben hat, anstatt den bereits bestehenden und immer halboffiziell geführten Account @fcstpauli zu übernehmen, wird wohl das ewige Geheimnis des FC bleiben. So warten 30.000 Twitterer vergeblich auf die neusten News, während ca. 1000 Follower (grob aufgerundet, das ändert sich doch noch sehr schnell) zumindest zur Zeit bestens mit Bildern aus dem Trainingslager unterhalten werden. Die Hauptarbeit scheint dabei unser Pressesprecher persönlich zu erledigen und auch zarte Versuche der Interaktivität gab es schon.

Nur wem der Account folgt, daran muss noch dringend gearbeitet werden. Unter den ersten 16 Followern schon die Bildzeitung zu haben, aber mit dem Übersteiger nur einen einzigen Fanaccount ist – seien wir mal nett – verbesserungswürdig.

…. unser persönlicher Freund Herr Wendt, der seine langjährige Zusammenarbeit mit der Jungen Freiheit weiterführt. Nun ist es schlimm genug, dass Herr Wendt ein rechtsaußen ist. Richtig problematisch wird es aber, wenn die sogenannte 4. Gewalt (sprich die Presse) ihn ständig als Quasipolizeisprecher versteht und seine Aussagen in keiner Weise hinterfragt.

die Polizei Niedersachsen, die wieder mal zeigt, wie problematisch präventive Polizeieingriffe sind. Einem Politiker der Piraten (die Presse spricht vom „Spitzenkandidaten“) wird der Zugang nach Gorleben aufgrund eines laufenden Verfahrens (= Unschuldsvermutung!) verweigert. Damit wird aufgrund einer unsicheren Prognose, aufgrund von „polizeilichen Erkenntnissen“ direkt in die demokratischen Prozesse eingegriffen. Einen viel stärkeren Eingriff in die Gewaltenteilung kann es eigentlich nicht geben und man muss sich wirklich fragen, ob den Verantwortlichen eigentlich bewusst ist, was sie da machen.

spannend auch die Klage eines Nürnbergers, der unter tragischen Umständen nach einem Fußballspiel den Arm verlor und sich dann noch in einer eleganten Täter/Opfer Umkehr als „Gewalttäter“ in entsprechenden Listen und Berichten der ZIS wieder fand. Man lese genauer bei der Rot-schwarzen Hilfe nach. Die ZIS beruft sich nun auf die Meinungsfreiheit. Gerüchteweise sollen auch Juristen im Polizeidienst zwei Staatsexamen haben. Wie sie diese gemacht haben, wenn sie nicht einmal den Grundsatz kennen, dass Grundrechte etwas für den Bürger gegen den Staat sind, nicht für den Staat gegen Bürger. Als das juristische Drittel von uns noch studierte, wäre man mit der Unkenntnis in dieser Frage durch jedes Staatsexamen gefallen.

eine Pressemitteilung, die schlimmstes befürchten lässt. „100 Prozent Das Spiel – 0 Prozent Gewalt. Leider ist zum Zeitpunkt des Schreibens der Kurzfilm noch nicht draußen, aber wenn man schon meint „Fans eine Stimme“ verleihen zu müssen und mal wieder das Thema Gewalt auf durch die dreifache Pauschalmangel zieht, dann wird es wahrscheinlich sehr erschreckend werden.

Und als wir noch schrieben, ist der Spot auch da. Bemerkenswert dabei ist, dass er gerade mal eine einzige wirkliche Gewalthandlung ablehnt. Und zwar in dem er „0 % Schlagstock“ fordert und anstatt Bratwürste serviert.

Wenn einem bei einem Anti-Gewaltspot nur eine Gewalthandlung der Polizei einfällt, dann zeigt dies schlichtweg nur eines: Gewalt ist kein wirkliches Thema im Fußball. Und „0 % Rauchentwicklung“ mit dem gleichzeitigen Zeigen von Familien ist dann schon beinah ein Anti-Glimmstengel, aber kein Anti-Pyrospot.

Kurz: Überflüssig wie ein Tropf, das Geld wäre in einer soziologischen Studie oder ähnlichem besser angelegt gewesen.

die Sportblogger Award 2012 von Fokus Fußball (bzw. vom Sportbloggernetzwerk, wie der Kommentar zu Recht anmerkt). Wir sind mit einem Text nominiert, aber seien wir ehrlich: Wir werden hier nicht aufrufen für uns zu stimmen. Dafür sind die anderen zehn Texte viel zu gut. Lest sie!

(Bei der Erstveröffentlichung hatten wir es nicht so mit dem Zählen. Wir nannten die Presse 5. Gewalt und behaupteten es seien 9 andere Beiträge. Man bitte dies zu entschuldigen.)

Jan 082013
 

Liebe Leser, wie ihr vielleicht wisst, fühlen wir uns der Triathlonabteilung sehr verbunden. Daher nutzen wir diesen Platz mal um gnadenlos Werbung für den Kinder-Triathlon zu machen. Meldet eure Kleinen an oder kommt als Zuschauer und bietet den Kleinen ein unvergessliches Erlebnis.

Kinder-Triathlon Flyer

Kinder-Triathlon Flyer

Jan 072013
 

oder

Wahnsinn in allen Ecken

Liebe Leser,

an dieser Stelle noch einmal ein frohes, neues Jahr an euch alle. Das Jahr 2013 wird in zehn Jahren als das Jahr in die Geschichte eingehen, in welchem der FCSP den Weg zur Dominanz in der Fußballwelt eingeschlagen hat. Champions League wir kommen.

Vorher aber noch ein paar Kurzmeldungen, die wichtig sind:

Ein Jahr Schweinske Cup

Ein Jahr ist es her, dass auch dieses Blog sich plötzlich höchster Beliebtheit erfreute, weil es beim Schweinske Cup geknallt hat. Die Folgen sind bis heute spürbar, denn diverse FCSPler können bis heute Spiele nicht besuchen, weil sie auf Verdacht mal Stadionverbot erhalten haben.

Die Medien verbreiten immer noch die Mär von den „100 Chaoten“ und selbst eine Raute wie Matz hat eine Meinung zu diesem Thema. Nebenbei: In diesem Land herrscht zwar Meinungsfreiheit, aber Meinung und Tatsachen sind zwei verschiedene paar Schuhe und was Herr Matz da macht ist schlichtweg eine Tatsachenverdrehung.

Die Sankt Pauli Mafia wandte sich nun mit einem Brief an den Verein und wir hätten es nicht besser formulieren können, so dass wir es einfach mal teilen wollen:

„Im Dezember haben wir uns mit einem Schreiben an den Verein gewandt und genau diesen Umstand angesprochen – nämlich die Erteilung von Stadionverboten an FCSP-Fans, die sich aktiv gegen Diskriminierung (und Diebstahl) eingesetzt haben – und den Wunsch geäußert, dass diesen SVlern wenigstens der Besuch von Heimspielen ermöglicht wird. Weiterhin haben wir die Erwartung ausgesprochen, dass sich unsere Vereinsleitung zumindest offen im Sinne der Diffidati positioniert. Bislang haben wir keine Rückmeldung erhalten, aber nun gut, es ist Winterpause und vielleicht liegt die Antwort, geschrieben auf diesem schönen teuren Papier, das der Verein verwendet, in unserem Fach im Fanladen.“

Herr Orth, reden sie. Offen! Aber dabei nicht vergessen: Schuld sind natürlich immer die Andern 😉

Veranstaltung des FCSR / Zeckensalons

Wir teilen einfach mal die Veranstaltungseinladung:

„Zeckensalon am 1.2. in Kooperation mit dem FCSR im Fanladen St. Pauli (20h) zu dem Thema:

Fußballfans zwischen Macht, Herrschaft und Diskriminierung
Vortrag und Diskussion mit Gerd Dembowski

Dieser Abend fängt dort an, wo viele Fallbeschreibungen zu Diskriminierung im Fußball aufhören. Und bleibt dabei vor allem kurzweilig. Gerd Dembowski begreift Fußball als ein gesellschaftliches Trainingsfeld für soziale Konstruktionen und Machttechniken. Heterosexismus und Homophobie, Rassimus, Antismemitismus und Antiziganismus sind einige extreme Ausformungen, wenn es um „Wir“ und „Die Anderen geht“. Dahinter stehen althergebrachte Muster von Männlichkeit, Überlegenheitsdenken und Autoritarismus.
Während sich das „Wir“ und „Die Anderen“ im Fußball nicht auflösen lässt, kommt es darauf an, den Fußball als Freiraum für Jugendkulturen u.a. sozial inklusiv zu füllen.

Tschüß Mahir

Kennt ihr diese Spieler bei denen man sich immer fragt, warum es nicht geklappt hat? Die eigentlich ganz sympathisch rüber kamen und eigentlich auch nie so wirkten, als ob sie irgendwem weh tun würden? Mahir Saglik war bei uns so ein Spieler. Eigentlich hat er alles, was ein Stürmer haben muss, aber irgendwie wollte es nie klicken. Nun versucht er sein Glück in seiner Heimatstadt. Erneut. Mach es gut.

Ist dem Blatter noch zu helfen?

Die Frage zu stellen, heißt, sie zu verneinen. Bitte liebe FIFA, lasst diesen ganzen „Respect“ Schwachsinn und gebt einfach zu, dass euch Rassismus einen Scheißdreck stört. Alleine der Vergleich mit einer drohenden Niederlage, die Chef der FIFA nun zieht, zeigt wie wenig er verstanden hat, wie wenig ihn Rassismus interessiert, wie sehr er rassistische Tendenzen toleriert. Man mag dazu fügen: So lange sie seine Totalvermarktung und seine Gewinnoptimierung nicht stören.

Ach liebe FIFA, lasst doch einfach die Sonntagsreden, die heuchlerischen Programme und die lächerlichen
Fernsehsspots. Das wäre beinah weniger störend, als diese üble Doppelmoral.

Wohnung gesucht!

Eine sehr liebe Freundin von uns sucht eine Wohnung. Wir wissen, dass so etwas eigentlich nix nützt, aber vielleicht ist ja heute alles anders. Und wir finden was. Wer also Folgendes findet, der kann ja mal bei uns bescheid sagen.

„Suche eine 1,5 oder 2-Zi-Wohnung in HH, bevorzugt Barmbek oder Dulsberg, bis 500€ warm. Spätestens ab April.“

Wir warten auf ganz viele Zuschriften.