Nov 022012
 

Liebe Leser,

da 1/3 in NYC abhängt, 1/3 knechten muss und 1/3 derzeit in Rufbereitschaft ist, haben wir einen Gastschreiber engagiert.
Dieser schildert im Folgenden seine Tour ins Ländle. Aber lest selbst!

Hier ist es nun also, mein Erstlingswerk.
Meine Vorgaben: Einfach von der Leber weg schreiben, was mir bei unserer Tour ins Ländle so durch den Kopf gegangen ist.
Kein Problem dachte ich mir anfangs. Doch ich kenne mich ja. Retrospektiv etwas schreiben, was mir mindestens Stunden zuvor durch den Kopf ging… Mein Notizblock war jedenfalls ein sehr treuer Gefährte .?
Aber genug des Geschwafels – hier nun die harten Fakten.
Wir stehen im Airport Hamburg an der Sicherheitskontrolle. Ein Mann ohne Eigenschaften, die Insignien der Wichtigkeit tragend (Security, danke an Marc Uwe Kling) findet es besonders erquickend St.Paulifans mitten in der Nacht (ca. 7 Uhr ) zu malträtieren. Vielleicht war es auch nur meine blendende Laune, nachdem abends zuvor, die Nachricht die Runde macht, dass der magische Morike Sako ein Probetraining bei den Koggen absolviert.
Ansonsten ruhiger Flug mit handgezählten 15 St.Paulianern, von denen jeder einzeln vom Kabinenchef begrüßt und mit Glückwünschen versehen wurde. Den Rest des kurzen Fluges war deren häufigster Zeitvertreib, ihre Bonusmeilen mit einander zu vergleichen.

In Stuttgart angekommen, steigt ein klein wenig Vorfreude auf das Pokalspiel am Abend in mir auf. Ein neuer Ground, ein Spiel ohne Chance auf Erfolg – was will man mehr?!
Schnell noch ein paar Erfrischungsgetränke geschnappt und ab in die Bahn Richtung Stadion.
Um die Zeit totzuschlagen, gönnen wir uns eine Runde Kultur: Museumsbesuch samt Werksführung bei einem der örtlichen Automobilkonzerne. Zumindest das Museum ist einen Besuch wert.
Nach einem kurzen Abstecher ins Hotel machten wir uns bald auf den sehr kurzen Weg zum Stadion.
Erwähnenswert sind hier vielleicht die Sicherheitsschleusen, die einem WM-Stadion würdig sind (Kartenleser, Drehkreuze und strengste Körperkontrollen). Aber wie funktioniert bitte Fantrennung, wenn der Gästeeingang unter einer Brücke für Heimfans liegt…strange.

Das Stadion war nur mit knapp 26.000 Leuten eher halb leer als halb voll. Die musikalische Untermalung war ganz nach meinem Geschmack (Donots, Foo Fighters, Bro hymn), aber warum man unbedingt sein Maskottchen Schnappi so abfeiern muss (Einlaufmusik), entzieht sich völlig meiner Kenntnis. (Noch mehr als über Sinn und Zweck des Ganzen).
Dafür gab es einen prall gefüllten Gästeblock, der überwiegend einen grandiosen Support ablieferte. Selbst die Sitzplätze wurden mehrheitlich zu Stehplätzen umgewandelt.

Und endlich gab es mal wieder etwas von dem St.Pauli, welches ich vor Jahrzehnten so lieb gewonnen hatte. Selbstironie! Auswärtssieg-Rufe schon knapp vor der Halbzeit, gefolgt spontan eingezähltem fiktiven Torjubel. Der Bengalo (aus Langeweile ?) war dann im Grunde gar nicht der Rede wert.

Das Spiel: Naja, was soll ich groß an Worten darüber Verlieren, was eh alle schon tausendfach bewerten. Nur eines möchte ich loswerden. Für mich war das Spiel nicht das Ende des Abendlandes. Aus meiner Sicht fehlte es zwar an allem, was St.Pauli ausmacht, aber ich sehe das positiv und denke mal, dass tatsächlich das Augenmerk auf dem kommenden Spiel bei 1860 lag. Sportlich-moralisch vielleicht nicht ganz sauber, aber imho nachvollziehbar. Was soll man denn schon erwarten, wenn Sippel (haben wir unter ihm schon mal was gewonnen?) ein Spiel IN Stuttgart (haben wir selten gepunktet) pfeift, welches auch noch ein Pokalspiel (muss ich dazu noch was sagen?) ist?

Jetzt heißt es für die Mannschaft schnell wieder auf die Beine kommen um fit zu sein für die Ligaspiele.
Ich bin da optimistisch!

Forza

TVW

Nov 022012
 

Liebe Leser,
heute wagten wir das erste Mal den Sprung nach Manhatten. Galt es doch unsere Startnummer auf der Marathonmesse abzuholen. Man muss unserer Reiseleitung ein Kompliment machen, die haben nun wirklich alle Hände voll zu tun, weil viele nicht kommen konnten oder auf kompliziertesten Wegen geschleust werden mussten und sind dabei immer noch freundlich und haben ein Ohr für alle noch so dummen Fragen.
Und die stellten wir bereits beim Frühstück, das typisch Amerikanisch war. Wir nennen es mal „Carboloading“ und verschweigen Details.
Zusammen mit unserer Reisegruppe ging es dann im normalen Linienbus nach Manhatten. Eine Tour, die normalerweise vielleicht 15 Minuten in Anspruch nimmt, aber vor den ganzen Brücken und Tunneln hat die Polizei Kontrollpunkte aufgebaut, denn ein Privatfahrzeug darf nur mit jeweils drei Insassen nach Manhatten. Und wenn die das sagen, dann kontrollieren die das. Nun war im Fernsehen von „Gridlock“ und „massive problems“ die Rede, aber hey, da ist jeder Elbtunnelstau schlimmer. Es ist insgesamt bemerkenswert, wie schnell so etwas wie Normalität wieder eintritt.
Wenn man mal einen Blick auf Strommasten und Brücken wirft, dann weiß man wo das Problem dieses Landes ist. Es ist anscheinend über Jahrzehnte nichts in die Infrastruktur investiert worden und die Strommasten erinnern so ein bisschen an dieses Lucky Luke Comic, wo sie den Telegraphendraht am Ende an Bäume hängen. Und von den Brücken ist auch im wahrsten Sinne des Wortes der Lack ab.
Man kommt im zentralen Busterminal an und wenn man dann zu Fuß zu dem Messegelände geht, dann sieht man nicht, dass hier vor zwei Tagen noch ein Sturm durchgebraust ist. Geschäftiges Treiben, überall wird gebaut, wirkt wie immer.
Hier auch mal ein Wort zum Thema „Laufen oder nicht laufen“. Man kann auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken viel davon lesen, dass es unverantwortlich und eigensinnig wäre das Rennen durchzuziehen. Und ja, man kanns so sehen. Nachdenklich ist man da auch als Reisender, der nun mehr oder minder aufgrund der Kosten gezwungen ist zu laufen.
Die Messe ist für so einen riesigen Marathon bemerkenswert klein. Dafür ist die Startnummernausgabe super organisiert und mit so vielen Helfern besetzt, dass eine Abholung mit null Minuten Wartezeit möglich ist. Und trotz allem es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man die Startnummer in der Hand hält.
Und liebe Mitläufer, ihr werdet mich hassen, denn in nächster Zeit werde ich nur mit Sachen rumlaufen auf denen irgendwas von „New York Marathon“ steht. Ich habe mir die auffälligsten und buntesten Sachen mit Aufdruck gekauft, damit ihr das auch alle mitbekommt. 🙂
Um mich dann richtig arm zu machen wurden dann noch zwei Paar schöne Laufschuhe gekauft. Messe gemacht, nun also die Stadt.
Ab zum Empire State Building und immer noch kein Hinweis auf den Sturm. Außer, dass die Schlange zur Aussichtsplattform sehr kurz war. Oben wieder die übliche Feststellung: Ich bin nicht schwindelfrei. Deswegen etwas wackelig die wirklich tolle Aussicht genossen. Danach erstmal Kaffee und im Geschäft gewundert, warum so viele Leute dort ihre Handys am Strom hatten. Aber paar Schritte weiter wurde es klar klar. Plötzlich gab es Mitten auf der 5th Avenue (und das ist DIE Prachtstraße) vier Blocks, die keinen Strom hatten. Davor und danach gab es Strom. So hatte man auch Steckdosen mitten auf die Strasse gelegt, damit die Leute ihre Handys aufladen können.
Und da kannst du sagen, was du willst. Das ist ein komisches Gefühl. Normalität und Menschen ohne Strom sind teilweise echt nur eine Frage der Straßenseite.
Und damit war auch schon unser zweiter Tag hinter uns. Morgen eine Stadtrundfahrt und dann kommen wir dem großen Tag schon richtig nah.