Nov 302012
 

oder

Ingkognito bei den Rauten und in der Braunschweiger Schlangengrube

Dienstag Mittag wurde ein 1/3 des Blogs kurzfristig eingeladen mit zu dem Spiel des Vorstadt-vereins zu kommen. Da wir für lau gerne Fußball schauen, schlug man das nicht aus und fuhr am Abend hin. Sitzplätze direkt unter Chosenfail, mal so richtig dicht dran am blau-schwarz-weißen Wahnsinn. Und hey, sie haben ein schickes Banner – hoffentlich diesmal aus schwerentflammbaren Material.

Das Spiel war außerordentlich schöner Fußball und so wenig gerne wir das schreiben, haben die Rauten vollkommen verdient gewonnen.

Bemerkenswerterweise gab es zwischen CFHH und den S04ern einen Wechselgesang „Scheiß DFB“, trotzdem die Rauten in einer Tour „Scheiße 04….“ besangen. Auch feststellen konnt man, dass die Silbenzahl auf die Melodien der Fangesänge teilweise echt unterirdisch sind. Mannomann. (Eine Feststellung, die man in Braunschweig nebenbei auch treffen konnte.)

Im Bus zurück zum Bahnhof dann noch einer der formulierte: „Der Adler fliegt wieder für Deutschland“, was grenzwertiger nicht hätte sein können und schon war der Abend vorbei.

Alles in Allem, verlassen wir jetzt textlich schnell wieder das Terrain der Vorstadt weil wir dann doch froh sind, am nächsten Tag die einzige Liebe wieder zu haben und leiten schnell über.

Am Mitwoch Mittag machten sich 2/3 des Blogs per Fanladen Bus (das andere 1/3 fährt Auto) auf nach Braunekel. Die Fahrt war hin wie zurück redselig, schokoladig, bierig und v.a. musikalisch speziell: In Bus 1 tanzt SG Wattenscheid 09 mit einem Herz in Rautenform Samba während im Wagen vor uns ein hübsches Mädchen fährt! Oder so.

Der Empfang in Braunschweig war nicht anders zu erwarten. Turtle-Begleitung bis zum Parkplatz und Ordner, die im besten Fall nur auf Steroiden sind und ihre Tage in Fitness-Studios verbringen, im schlechtesten Fall schlichtweg irgendwelche Nazi-Hools sind. Dubiose Tätowierungen und freundliche Schnacks mit einem Typen, der vollkommen offen einen offensichtlichen (die Doppelung ist bewusst gewählt) Thor Steinar Pulli trug, sprechen Bände. Sind aber natürlich kein endgültiges Urteil, denn unter die Ordneruniform und in die Spatzenhirne konnten wir nicht gucken. Was man aber erwähnen muss ist, dass die Polizei zwar den Bürgerkrieg ausgerufen hatte, aber erstaunlich besonnen agierte. „Ich habe meine Karte im Auto vergessen“ wurde als Argument wirklich freundlich akzeptiert. Das ist man anders gewöhnt. Alkoholfreies Bier ist und bleibt eine Strafe v.a., wenn es so schmeckt, wie da.

Die Beteiligung an der 12:12-Aktion sorgte dafür, dass sich der Block in eine Schlangengrube verwandelte. Sobald irgendwo Reaktionen aufs Spiel kamen, konterte die Kurve mit fleißigem „Pschhhhhhhhhh“ aber hört selbst. Die restlichen 77 Minuten und 48 Sekunden ging der Block gut ab. Und das Halbzeitfeuerwerk war eigentlich sehr cool. „Achtung bLINKEnde Kurve“ das dazu passende Plakat. Nur an der wirklich perfekten Optik feilen wir noch. Denn der gezündete Breslauer passte nicht wirklich in die Choreografie. Ach ja und wie böse, gefährlich und verboten das Ganze ist, könnt ihr dann woanders lesen.

Zum Spiel bleibt zu sagen, dass unsere Jungs einen Punkt verdient gehabt hätten. Wir freuen uns endlich wieder richtigen schmutzigen Kampf und Siegeswillen auf dem Platz gesehen zu haben. Die Rote Karte für einen unserer wichtigsten Offensivspieler war nun auch nicht gerade förderlich für die Ausgleichsbemühungen. Ob die nun berechtigt war? Für uns nicht, aber wirklich unparteiisch sind wir nicht. Den dann doch erzielten Ausgleich kann – muss man aber nicht – geben. Der Zweikampf Torhüter – FCSP Spieler ist eben auf der Grenze des 5 Meter Raumes und da kann man abpfeiffen, auch wenn es kein unsauberes Luftduell war.

Man muss es mal lobend erwähnen: Es ist ja leider üblich geworden, dass Spieler den Dank an die mitgereisten Fans aus sicherer Entfernung der Eckfahne geben. Unsere Mannschaft macht da normalerweise auch keine Ausnahme, aber in Braunschweig ging sie vollständig in die Kurve, klatschte ab, verteilte Trikots und konnte sich auch lobender Worte sicher sein. Wenn man uns fragt: Das sollte VIEL häufiger der Fall sein. Und auch keine Angst vor ein bisschen Gemotze nach einer Niederlage liebe Profis. Auch das bringt euch nicht um.

Nov 232012
 

Da ruft doch gerade ein besorgter Mensch vom Verein uns an und bat um eine kleine Richtigstellung unseres letzten Artikels aus seiner Sicht. Und da jede Medaille zwei Seiten hat und wir dem AR Platz gegeben haben, möchten wir diesen besorgtem Menschen Platz geben. Wir können seine Aussage natürlich nicht nachprüfen, die des AR natürlich auch nicht. Und eine abschließende Bewertung von Glaubhaftigkeit und Glaubwürdigkeit wollen wir gar nicht erst beginnen.

Nach seiner Aussage ist es nun nicht so, dass es eine ausdrückliche Anordnung gegeben hätte die Pressemitteilung des Aufsichtsrats nicht zu veröffentlichen. Vielmehr hatte man von Seiten des Präsidiums den Wunsch eine gemeinsame Pressemitteilung zu machen und es gab wohl auch schon einen Vorschlag. Dies wollte der Aufsichtsrat aber nicht bzw. sah sich in zu großer Eile um dies nun zu diskutieren und meinte dann, okay das sehen wir als Verweigerung und hauen unseren Text direkt raus.  Man hat wohl auch miteinander telefoniert so von Gremium zu Gremium sei aber anscheinend zu keiner Einigung gekommen.

Auf unsere Frage, ob und wie es eigentlich eine Regelung gibt, wer wie wann wo Pressemitteilungen rausgibt (nach der unsäglichen Corny vs. Aufsichtsrat Zeit hätte man ja so etwas vielleicht regeln können) erfuhren wir, dass es eine solche nicht gibt und prinzipiell (juristisch vollkommen richtig) das Präsidium als Vertretung des Vereines das Entscheiden muss.

Der besorgte Mann meinte auch, dass der Aufsichtsrat bisher mit der Presse nicht sprechen wollte, man könne unsere Worte mit der Verweigerung  des Zuganges zur Presse deswegen natürlich falsch verstehen. Recht hat er.

Und was lernen wir daraus? Wir müssen reden. Auf der JHV. Pressemitteilungen bringen anscheinend nix. Und das verwunderte Publikum schüttelt nur den Kopf.

 

Nov 232012
 

Liebe Leser,

irgendwie ist es echt absurd, wie in diesem Verein von leitender Stelle diskutiert wird. Eine intelligente, eine gute Führung und ein gutes Krisenmanagement sieht anders aus. Insbesondere, da wir es hier – wenn überhaupt – mit einer Mini-Krise zu tun haben.

Noch mal: Wir wollen das Verhalten von Dr. Gernot Stenger gegenüber der DFL nicht bewerten und ob dies nun ein „wichtiger Grund“ im Sinne der Satzung ist, das soll doch bitte mal jeder ganz genau in seinem Herzen abwiegen. Nur was uns erstaunt ist, wie schlecht das Krisenmanagement ist. Wir verweisen hier doch noch mal auf die Ausführungen im vorletzten Artikel.

Bereits dort hatten wir vier Alternativen des Krisenmanagements aufgezeigt und gesagt, dass die Gewählte die Schlechteste ist.

Das sieht wohl auch der Frodo vom Übersteiger so, dessen Worte wir euch nur ans Herzen legen können:

„Kann man mal was falsch machen, insbesondere bei einem solch komplizierten Thema? Klar, kann man. Dies ist etwas fahrlässig, wenn man sich bei einem Thema, welches für die Fanszene des FC St.Pauli nun mal eminent wichtig ist, ohne ein Annehmen der angebotenen Hilfe ins Getümmel stürzt… aber Fehler passieren.“

 

Und das wäre auch die einfachste Verteidigungslinie gewesen. „Loide, ich habe Bockmist gebaut! Sorry. Machen wir ab jetzt besser.“ Wichtiger Grund? Nö, aus unserer Sicht never ever. Ein Satz heiße Ohren, ein böser Blick und ein Astra für alle und es ist vergessen und vergeben.

Aber sich nun die eigentlich der Hamburger Polizei übliche Haltung „Ich mache keine Fehler, habe nie welche gemacht und werde auch nie welche machen“ zuzulegen, das ist schlechtes Krisenmanagement. Insbesondere, wenn Fehler schriflicht existieren und das ist wohl, wenn man denn dem Lichterkarussell und dem Zeckensalon glauben will, der Fall. Sollte man ihnen nicht glauben? Muss jeder selber wissen. Bisher sind beide Institutionen nicht gerade durch Falschinformationen aufgefallen. Ganz im Gegenteil.

 

Und um es mal ausdrücklich zu sagen: Es geht nicht darum, ob man nun einmal lügt oder zweimal oder dreimal. Es geht darum, dass man sich verdammt noch mal in einem Verein, für eine gemeinsame Sache gar nicht anlügt. Und zwar keiner irgendwen.

Kann man in einer solchen Situation seine Position in die Presse bringen? Natürlich. Hey, dafür ist man gewähltes Gremium. Man kann auch mal Hintergrundgespräche mit der Presse führen. Das gehört dazu. Ist so. Mag man verteufeln, aber ist so. Problematisch wird es immer dann, wenn man sich geheimen Wissens bedient, denn eine Vertraulichkeit von internen Dingen muss gewährleistet sein! Und das gilt für alle Parteien. Eben auch für diejenigen, die aufgrund ihrer Position mit Lutz Wöckener ausführlich einen Kaffee trinken können. Man sollte immer die Schere im Kopf haben. Da kann Lutz noch so ein lieber Mensch sein. Er ist Journalist. Und das ist keine Beleidigung.

Und einfach nur wahnsinnig wird es  dann, wenn man selbst einem vielleicht nur auf anderer Seite stehenden Gremium des Vereines diesen Zugang zur Presse verweigert. Wenn man schon die gleich  zu lesenden harmlosen Worte des Aufsichtsrates anscheinend als aufwiegelnd empfindet und versucht sie zu verbieten. Dann herrscht Panik, dann fehlt die Übersicht und dann fehlt die Gelassenheit. Und das macht Angst. Es macht Angst, was eigentlich bei einer wirklichen Krise passiert. Einer Krise, die ruhige, übersichtliche und gute Führung bräuchte.

Hier also die Worte, die laut Aufsichtsrat von der Pressestelle nicht verschickt werden dürfen, weil das Präsidium die Pressestelle so angewiesen hat. Wir suchen da immer noch den versteckten Aufruf zur Revolution:

„Pressemitteilung:
 
Der Aufsichtsrat [Korrektur des überschüssigen T durch uns] des FC St. Pauli möchte auf Grund des Presseechos der letzten Tage auf Anträge zur JHV und Interviews des Präsidiums feststellen:
 
1.      Der AR wird vereinsinterne Diskussionen zwischen Gremien, wie schon in der jüngeren Vergangenheit, nicht in die Öffentlichkeit verlagern und seine Linie hier nicht verlassen.
2.      Zu den vom AR gestellten Anträgen äußert sich der Aufsichtsrat vor der Mitgliedschaft und erläutert seinen Antrag auf der Jahreshauptversammlung des FC St.Pauli.
3.      Wir missbilligen die Veröffentlichung von Informationen und die Interpretationen zu vermeintlichen informellen Aussagen von Aufsichtsräten aus internen Sitzungen. Ebenso missbilligen wir die Veröffentlichung von internen Protokollen.
4.      Wir empfehlen allen Beteiligten einen professionellen, fairen und souveränen Umgang mit Anträgen einer Jahreshauptversammlung.
 
 
Für den Aufsichtsrat des FC St. Pauli v. 1910 e.V.
 
Dr. Christoph Kröger
(Aufsichtsratsvorsitzender)
Dr. Christoph Kröger
FC St.Pauli von 1910 e.V.
Aufsichtsratsvorsitzender „(Zitat Ende)

Kommentieren wollen wir diese Worte nicht. Wir wollen sie nur sozusagen unserem eigenen Presseverteiler zugänglich machen und so weit streuen wie wir können.

Nov 202012
 

Wir veröffentlichen hier mal unkommentiert und unkorrigiert die Stellungnahme des Ständigen Fanausschusses zum Abwahlantrag Dr. Gernot Stenger:

„Stellungnahme

Aufgrund des für die Mitgliederversammlung am 26.11.2012 vorliegenden Antrags auf Abberufung des Vizepräsidenten Gernot Stenger und dessen auf der Homepage des FC St. Pauli veröffentlichten Stellungnahme ist das Verhältnis zwischen Präsidium und Ständigem Fanausschuss Gegenstand einer öffentlichen Diskussion geworden. Wir halten es daher für geboten, auch unsere Sichtweise und Einschätzung darzulegen und nehmen wie folgt Stellung:

Am 24. September trafen sich zuletzt Vertreter von Präsidium und Ständigem Fanausschuss. Eines der Gesprächsthemen war die am gleichen Tage im Kicker Sportmagazin veröffentlichte Zusammenfassung geplanter Maßnahmen zur (angeblichen) Erhöhung der Sicherheit in Fußballstadien. Seitens des Präsidiumsvertreters wurde in diesem Gespräch geäußert, dass diese Maßnahmen zumindest teilweise nicht besprochen oder gar beschlossen worden seien. Diese Aussage wurde später schriftlich wiederholt. Tatsächlich finden sich jedoch die im Kicker genannten Ideen sehr wohl deckungsgleich in dem Diskussionsentwurf der DFL wieder. Wir halten daher die Aussagen von Dr. Stenger hierzu für nicht haltbar.
Wir haben diese Einschätzung intern mehrfach mitgeteilt. Zunächst wurde seitens des Präsidiums erklärt, das Inputpapier der DFL habe zum Zeitpunkt des Treffens nicht vorgelegen. Erst nach der von uns erbetenen Aufforderung durch den Aufsichtsrat, uns wahrheitsgemäß zu antworten, wurde zugegeben, dass das Diskussionspapier dem Präsidium bereits vor dem Termin mit dem Ständigem Fanausschuss bekannt war.

Inwieweit das DFL-Papier durch das Präsidium tatsächlich als zustimmungs-, unterschriftsfähig o.ä. bezeichnet wurde lässt sich von unserer Seite aus nicht nachvollziehbar belegen. Zur Klärung dieser Frage müssten Präsidium oder Aufsichtsrat die sicherlich vorhandenen schriftlichen Aufzeichnungen zu den entsprechenden Beratungen zumindest den Mitgliedern des Vereins zugänglich machen.

Wir sind enttäuscht über den Umgang des Präsidiums mit uns als Vertretern der organisierten Fanszene des FC St. Pauli. Dies gilt ebenso für die Kritik des Präsidiums am Kommunikationsstil des Ständigen Fanausschuss, welche eher auf formale Umstände als auf Inhalte eingeht, sowie den damit verbundenen Hinweis, ggf. die Gespräche mit der organisierten Fanszene abzubrechen.
Wir erachten unsererseits einen regelmäßigen Austausch als für beide Seiten vorteilhaft, sofern diese Gespräche offen, ehrlich und konstruktiv geführt werden. Wir wiederholen an dieser Stelle unser ebenfalls bereits intern unterbreitetes Angebot, die Gespräche mediativ von einem unabhängigen Dritten begleiten zu lassen, sofern dies zur Schaffung einer gemeinsam getragenen Arbeitsgrundlage vorteilhaft erscheint.

Ständiger Fanausschuss

20.11.2012

Kontakt über:

Fanladen St. Pauli“

Nov 172012
 

oder

Was ist von den Anträgen zu halten?

Vorwort

Liebe Leser, die JHV steht vor der Tür und auch wir wollen uns an einer Kommentierung der eingegangenen Anträge versuchen. Die hochgeschätzten Lichterkarussell-Kollegen haben dies schon sehr ausführlich getan, aber a) können wir das noch viel ausführlicher und b) sind wir nicht immer einer Meinung. Hinzu kommt, dass die Kollegen zeitlich so gebloggt haben, dass sie die Stellungnahme von Dr. Gernot Stenger nicht mit einbauen konnten. Wir warnen vor: Das wird nun kein einfacher Stoff. Daher legt euch eine Satzung bereit, denn eine Satzung ist immer gut, wenn man eine JHV vorbereitet. Und noch viel wichtiger: Nehmt euch eine Tasse Tee und einen bequemen Sitzplatz.

Vorab

Technisches: Wir werden die Anträge in der Reihenfolge behandeln, wie sie in der Übersicht des Vereines vorhanden sind. Das ist keine Bewertung. Auf einen erneuten Abdruck haben wir verzichtet. Wir werden jeden Antrag mit einer von uns versehenen Überschrift hier im Text kennzeichnen. Diese Überschrift ist bitte keine Wertung und nicht amtlich, sondern von uns flapsig erdacht.

Wir werden euch keine abschließende Wahlempfehlung geben. Wir werden euch klar sagen, was wir von den Anträgen halten und auch warum. Aber niemand soll das Denken einstellen. Argumente haben immer zwei Seiten und was den einen überzeugt, das findet der Andere banal. Seht also die ganzen Ausführungen als Denkanstoß! Fragen, Anmerkungen und andere Meinungen gerne in den Kommentaren.

Der „Stolpersteinantrag“

Der Antrag zielt auf die Entfernung der beiden „Gedenksteine“ von Thorsten Vierkant und Wolfgang Helbig ab. Dass die Intention grundsätzlich richtig ist, hatten wir bereits mal erwähnt. Der Antrag hat jedoch einige kleine Mängel, die wir kurz anreißen wollen. Mangel Nr. 1 ist, dass ggf. das Mosaik, welches genauso eine nicht abgestimmte Ehrung ist, legitimiert wird. Nun soll es gerüchteweise bereits entfernt worden sein bzw. sowieso entfernt werden, sodass dieser Mangel eventuell gar keiner ist. (Sorry, haben vor Ort nicht nachgeguckt). Jedoch: Grundsätzlich halten wir eine Erweiterung sinnvoll dahin gehend, dass hier niemand irgendwelche Tafeln, Steine, Plaketten what ever bekommen soll, wenn diese nicht von der Mitgliederversammlung beschlossen worden sind und seine Leistungen nicht über „Ich erfülle meine Lohnarbeit“ hinaus gehen. Natürlich kommt bei diesen konkreten Steinen noch dieser Ekelfaktor der respektlosen Ähnlichkeit zu den „Stolpersteine“ hinzu, aber auch grundsätzlich sind diese selbstbeweihräuchernden Schattenehrungen uns ein Dorn im Auge.

Mangel Nr. 2 ist da schon eventuell ernster. Die MV kann viel beschließen und wird hoffentlich diesen Antrag auch verabschieden, nur hat der Verein als e.V. weder diese Steine gelegt, noch kann er sie entfernen. Denn die Steine liegen – vermuten wir mal ganz stark – auf dem Gelände, welches im Eigentum der MSB steht. Wir als e.V. sind halt „nur“ noch Mieter dieser Liegenschaft. Zwar ist die MSB eine Gesellschaft im mehrheitlichen Eigentum des e.V., aber eben doch eine andere Rechtspersönlichkeit. Der Antrag müsste also das Präsidium verpflichten, seine Gesellschaftsrechte in der MSB einzusetzen, um dort einen Beschluss herbeizuführen, dass die Steine entfernt werden. Nur so wäre er zu 100 Prozent verpflichtend für das Präsidium. Okay, ob sich das Ministerium nun einer breiten Zustimmung mit diesem formalen Argument widersetzen würde, wagen auch wir mal ganz deutlich zu bezweifeln. Wenn wir uns richtig erinnern, hatte der damalige Stadionnamenantrag nebenbei auch diesen „Mangel“.

Mangel Nr. 3 hat dann nix mit dem Antrag zu tun, sondern mit der MSB. Wie die Öffentlichkeit spätestens seit der St. Pauli-Anleihe weiß, gelten für Beschlüsse dieser Gesellschaft die Einstimmigkeit ALLER Gesellschafter. Und die sind neben dem e.V. noch zwei andere Gesellschafter. Wenn die sich querstellen, weil sie z.B. Todde richtig dufte finden, dann ist Aus die Maus.

Nun denn. Schön wäre es allemal, wenn diese Steine bald Geschichte sind.

Mehr Plätze für Menschen mit Behinderung

Um es kurz vorab zu sagen: Dem Antrag ist zuzustimmen. Eine Gegenargumentation verbietet sich schlichtweg.

Der Antrag an sich ist trotzdem ein Skandal. Der Skandal ist, dass er gestellt werden musste. Es ist eben immer einfacher, in Sonntagsreden von Integration, Inklusion, Diskriminierungsfreiheit zu reden, als sie auch wirklich zu leben – insbesondere dann zu leben, wenn finanzielle Interessen oder Machtfragen im Wege stehen. Trotzdem gibt auch dieser Antrag Grund zum Meckern. Wenn die Zahlen stimmen (und davon gehen wir mal aus), dann hätte man 300 sogenannte Rollstuhlfahrerplätze schaffen müssen und eben das müsste auch der Antrag fordern. Er ist schlichtweg zu zaghaft. Ein Zurückbleiben des FCSPs hinter gesetzlichen Forderungen ist nicht tolerierbar. Da sind die geforderten 180 uns einfach zu lieb.

Abwahlantrag Dr. Gernot Stenger

Liebe Leser, nun wird es unangenehm und wir müssen hier versuchen, sehr ruhig zu bleiben. Polemik, Angriffe unter der Gürtellinie oder Argumentationen in Hauptsätzen bringen uns nicht weiter. Personalentscheidungen aus Abwahlanträgen sind immer unangenehm und es gibt deutlich angenehmere Diskussionspunkte als diesen.

Daher nehmt das Folgende auch als Diskussionsgrundlage, redet mit eurer Bezugsgruppe und findet eure eigene Meinung. Trefft eine überlegte Entscheidung!

Wir gehen nicht davon aus, dass ein 75-prozentiges Quorum erreicht wird. Entscheidend wird es trotzdem sein, wie das Abstimmungsergebnis und die Diskussion verläuft. Ein Vizepräsident den z.B. 61 % der Anwesenden abwählen wollen, ist erheblich beschädigt.

Noch eine weitere Vorbemerkung ist nötig. Es ist immer wieder beachtlich, wie wenig unser Präsidium anscheinend JHVs vorbereitet oder seine Optionen überlegt. Eine Parteitagsregie oder eine Taktik scheint nie festgelegt zu werden, auch hier nicht. Und so wählt Stenger in seiner Verteidigung die schwächste von insgesamt vier uns eingefallenen Varianten. Spielen wir sie doch mal durch:

Variante 1: „Was stört es den Baum, wenn die Sau sich dran kratzt“

Ich sage nix. Meine Kollegen loben mich als super, verständig und als den Fanversteher schlichthin. Vorteil dieser Variante: Ich gehe auf den Inhalt nicht ein und kann mich selber nicht blamieren. Das ist bei Gernot Stenger, der nicht so der brilliante Redner ist und gerne auch mal ein bisschen zu schnell die Fassung verliert, gar nicht schlecht. Riesiger Vorteil für das Präsidium: Wir wirken geschlossen! Denn die Frage sei erlaubt: Warum äußert sich Stenger und nicht „das Präsidium“ zu diesem Antrag? Der gemeine Geist könnte hier eine Absetzbewegung des restlichen Präsidiums sehen. Gerade bei einem Präsidium, welches immer betont hat, als Team aufzutreten, ist das bemerkenswert.

Exkurs: Ist seine Erwiderung eigentlich erlaubt?

In der Satzung ist die Möglichkeit einer schriftlichen Stellungnahme bei § 13 Abs. 6 nicht vorgesehen. Bei § 23 Abs. 2 schon. Und wenn man den so ein bisschen analog liest, dann ist eine Stellungnahme wohl zulässig und auch im Sinne einer Waffengleichheit (immerhin ist der Antrag auch auf der HP) okay.

Variante 2: Die Vorwärtsverteidigung

Das hätte wahrscheinlich Corny gemacht. Alles zugeben, seine Kritiker irgendwie einbinden, Besserung geloben, das Ganze brillant rhetorisch verpacken und den Beifall der Versammlung sicher haben. Vorteil: Es wirkt reumütig, es wirkt lernfähig und es kann sehr überzeugend erscheinen. Nachteil: Dafür muss man rhetorisch top sein. Das ist in diesem Präsidium aber niemand, Stenger schon gar nicht. Gegangen wäre es nebenbei trotzdem, denn, wenn man das noch damit paart, was man alles für die Fans gemacht hat, dann hätten wohl viele Leute sich enthalten im Sinne von „letzte Mahnung“, aber ich hätte eine Mehrheit für mich bekommen.

Bei aller Kritik an Corny L. in solchen Fragen ist er ungeschlagen. Alleine deswegen waren seine Reden immer ein Musterbeispiel, wie man so eine Versammlung mit Reden lenkt.

Variante 3: Ich mache es formal

Liebe Leser, was haben wir euch geschrieben? Dass die Absetzung eines Präsidiumsmitglied unter zwei, wir wiederholen ZWEI Voraussetzungen möglich ist. 75 Prozent Zustimmung UND ein wichtiger Grund. Und nun lest euch mal den Antrag durch. In der Begründung wird weder behauptet, dass ein wichtiger Grund vorliegt, noch wird dieser begründet. Kleine Zwischenanmerkung: Satz klingt ein bisschen doppelt, aber etwas zu behaupten und zu begründen ist pur juristisch gedacht zwei verschiedene Dinge. Wichtiger Grund ist und bleibt eine feststehende juristische Wendung. Ein solcher liegt vor, wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann. (Ersetze kündigenden durch Abwählenden). Dies wird in dem Antrag mit keinem Wort behauptet oder begründet. Man könnte sich jetzt ohne weiteres auf den Standpunkt stellen, dass dieser Antrag so schlichtweg unzulässig ist, weil er die Voraussetzungen der Satzung nicht beachtet.

Vorteil: Wirkt super juristisch, klug und überlegen. Und man muss sich inhaltlich nicht äußern. Nachteil: Klingt natürlich auch sehr steif.

In dem Antrag wird auch davon gesprochen, dass er gegenüber Fans gelogen habe und sich gegenüber Fans unmöglich verhalten hat. Da Fan ungleich Vereinsmitglied ist (jaja große Schnittmenge) und man sich immer fragen muss, ob die Zusammenarbeit für den Verein und seine Mitglieder sofort nicht mehr zumutbar ist, geht der Antrag auch hier zumindest sprachlich am Kern vorbei.

Variante 4: Ich gehe alleine auf den Inhalt ein

…und eröffne die Schlammschlacht. Diesen Weg hat Gernot Stenger gewählt. Schlammschlachten haben stets einen ganz großen Nachteil: Es bleibt immer etwas hängen. Man kann so etwas natürlich gewinnen, aber das Risiko ist groß, dass man sehr beschädigt aus so einer Sache hervor geht.

Insbesondere bleibt dann etwas hängen, wenn Stellungnahmen sich widersprechen und Fragen aufwerfen. Man lese sich mal Stellungnahme Stenger nun durch und dann die Stellungnahme des Präsidiums zum Thema „Sicheres Stadionerlebnis“. In der Stellungnahme liest man kein Wort von einer Diskussion im Präsidium, kein Wort von einer Ablehnung durch das Präsidium. Nun sagt Stenger: „weshalb wir diesen Umstand anschließend im Präsidium diskutiert und daraufhin beschlossen haben, die DFL fristgemäß darauf hinzuweisen, dass das Papier, bzw. das weitere Vorgehen zwingend zu modifizieren ist.“ Das ist doch ein bisschen was anderes, oder? Warum war dann das Treffen mit allen Fangruppen notwendig? Warum ist das so komisch mit „lehnen mehrheitlich ab“ formuliert?

Warum dieses Rumreiten auf „habe es nicht zustimmungsfähig genannt“? Wenn man so ein Papier mit erarbeitet hat und sich nicht vor der Veröffentlichung (oder direkt danach) davon selbsttätig distanziert, dann muss der Beobachter davon ausgehen, dass man es zumindest als Kompromiss noch tragfähig gehalten hat. Vielleicht nicht die Wunschvorstellung, aber das sind Kompromisse nie.

Was wäre auch so schlimm daran, wenn man es mal so bezeichnet hat? Wir müssen in diesem Verein nicht ständig einer Meinung sein und wir müssen auch nicht ein Präsidium haben, welches sich wie ein Fähnchen im Wind verhält und uns gegenüber Hü, dem DFB gegenüber Hott erzählt. Ein Präsidium kann gerne eine Meinungsführerschaft beanspruchen. Wenn es dann kompromissbereit und -fähig ist, dann finden wir das super.

Aber eigentlich sind all diese Fragen ja sehr einfach beweisbar. Stenger kann uns dann ja auf der JHV das Vorstandsprotokoll präsentieren, in dem die Diskussion des Präsidiums und ein Ablehnungsbeschluss formuliert ist. Wohlgemerkt vor dem Treffen mit unseren Fanvertretern. Die ganze Diskussion findet doch heute schriftlich statt und da gibt es doch garantiert auch ganz viele E-Mails, wo er sich deutlich distanziert hat. Soweit wir es wissen gehen diese Protokolle auch an den Aufsichtsrat, sodass es auch spannend sein wird, ob und was er zu diesem Thema sagt. Nebenbei: Eine Geheimhaltungspflicht würde er aus unserer Sicht damit nicht verletzten, immerhin muss er sich ja verteidigen können.

Den Vorwurf, die Unwahrheit im Bezug auf den Kicker-Artikel gesagt zu haben, entkräftet Stenger nun auch nicht wirklich. Eher wird hier ein Wortklauberei-Wettbewerb begonnen. Er sagt vielleicht die Wahrheit, wenn man es formal auf den Kicker-Artikel bezieht. Nur lese man mal die Artikel vom 21.09 und vom 24.09. Und dann frage man sich, wieviel davon nicht im endgültigen Papier steht. Die Unterschiede sind eher marginal.

Sich hier in Haarspalterei zu verlieren, zeigt auch dem letzten Menschen, dass eben doch gelogen wird. Und das geschieht ganz ohne Not, denn er hätte auch ohne weiteres den Fanvertretern sagen können „Ja, kenn ich, haben wir so beschlossen, ist da und da nicht meine Meinung und nun kommt ihr…“ und er könnte auch jetzt sagen „Sorry, hatte ich keine Eier bzw. hatte das Gefühl noch schweigen zu müssen, war eine Notlüge“. Beide Lösungen wären nebenbei vollkommen legitim. Nur jetzt auf einem „Ich habe aber Recht“ zu bestehen, lässt doch auch den Letzten fragen, was er eigentlich verbergen will?

Insgesamt kommt Stenger in der ganzen Krisenbewältigung führungsschwach und unsicher rüber. Etwas, das ihn einfach beschädigt. Ob das Ganze wirklich ein wichtiger Grund ist, um ihn vorzeitig aus dem Amt zu jagen? Das, liebe Leser, könnt ihr mal in eurem Herzen wiegen.

Wichtig ist doch, dass man aus dieser Krise lernt. Lernt, dass es ganz neue Konzepte und Strategien braucht, um mit Fans umzugehen. Und dass man nicht immer irgendwelche Konzepte fertig den Fans vorstellen, sondern sie daran mal vom weißen Blatt Papier an beteiligen sollte. Das gilt doch auch für z.B. die Strafen des DFB. Hier mal eine vereinsinterne AG einzusetzen, die sich den Umgang mit diesen Strafen überlegt, die vielleicht auch dem DFB hilft, dort ein Maß zu finden, wäre etwas Tolles.

Eher unglücklich wäre es bereits gescheiterte Modelle, wie z.B. das Frankfurter Modell (Wir spenden Betrag X an euch, an die Krebshilfe an wen auch immer und ziehen erhaltene Strafen davon ab. Spatzen behaupten, dass so etwas doch immer mal wieder bei uns auch überlegt wird.) zur Diskussion zu stellen, die insbesondere eines beinhalten: Die sofortige Akzeptanz von Strafen und die Weiterreichung an Unschuldige bzw. Schwächere. Vielleicht muss man auch einfach mal als Verein akzeptieren, dass ein Betrag X an Strafen dazu gehört, gerade, wenn er für Kassenrollen und Comics bezahlt wird. Wenn man schon nicht die Eier hat, dem DFB die Stirn zu bieten.

Ach ja: Und das Wöckener Argument aus „Pommes braun-weiss“ ist Blödsinn. Er sagte „mensch Leute, ihr habt hier den Falschen, die anderen haben noch weniger für Fans getan“. Mag so sein. Aber nun ist individuell gegen Stenger ein Abwahlantrag gestellt. Und nur bei ihm müssen wir entscheiden, ob ein wichtiger Grund vorliegt. Ob dieser bei den anderen noch viel mehr vorliegt, ist eher nebensächlich. Sie stehen nicht zur Debatte.

Kein Verkauf an Zweitvermarkter

Das niemand solche Scheiße wie Viagogo oder wie diese ganzen Abzocker und Gewinnoptimierer heißen haben will, versteht sich hoffentlich von selbst. Die Frage bei dem Antrag ist nur: Kommt er nicht etwa zu spät, weil wir die Rechte an unserem Ticketverkauf schon lange verkauft haben? Immerhin haben wir ja schon so einen Abzocker da drin, der für keinen Service viel Versandgebühr verlangt. Fragt mal die Leute, die vor Besetzzeichen oder zusammenkrachenden Servern sitzen, wenn sie Karten bestellen.

Leider wäre dieser Antrag durch Haarspalterei immer zu umgehen. Wahrscheinlich wäre es hier noch zielführend gewesen, dem Verein per Antrag die Zusammenarbeit mit einigen namentlich genannten Firmen ausdrücklich zu verbieten.

Keine Zustimmung für zukünftige Sicherheitspakete, ohne vorher zu fragen

Na wenn das von Sandra und Gregor kommt, dann muss es gut sein.

Okay, das ist jetzt keine Bewertung dieses Antrages. Liebe Leser, wir haben ein Demokratiedefizit. Ein Demokratiedefizit in der Vertretung der Fans. Unser einzig wirklich demokratisch legitimiertes Gremium, welches Fanclubinteressen vertritt, ist der Fanclubsprecherrat. Nun ist das in der Praxis kein wirkliches Problem, weil im Ständigen Fanausschuss keine ständigen Grabenkämpfe passieren. Aber wirklich demokratisch sind diese Strukturen nicht.

Wenn man nun eine Entscheidungskompetenz aus den Vereinsgremien in solche Gremien verlagert, dann sollte man daran arbeiten.

Sonst ergibt das natürlich vollkommen Sinn. Man sollte den Rat der Betroffenen ernstnehmen, man sollte das Fanprojekt hören. Dafür sind die da und das sollte „der etwas andere Verein“ bzw. sein Präsidium von ganz alleine machen.

Keine zusätzlichen exklusiven Plätze

Davon haben wir definitiv auf lange Zeit genügend, verkaufen sich zur Zeit auch eher schlecht (wie die leeren Plätze mehr als deutlich beweisen, da braucht man keine „80 % verkauft“ Sonntagsreden). Der Antrag hat aus unserer Sicht natürlich einen ganz konkreten Fall im Auge: unsere geliebte Nordpol-Loge.

Aufschlüsselung der Versandkosten

Ach Juliane (Antragsstellerin), so viel Mühe, so eine lange genaue und gute Begründung für ein Auskunftsersuchen? Klar machen die da fett Gewinn! Wer das nicht glaubt, der glaubt auch, dass Google nur unser Bestes will. Die Frage ist eher: Wer macht den Gewinn? Und da zweifeln wir mal spontan, dass es der e.V. ist. Diesen Gewinn wird eher der Ticketdienstleister einstreichen. Und hier ist auch die Quelle allen Übels. Die Zusammenarbeit mit irgendwelchen Ticketdienstleistern ist einfach Dreck. Warum wohl verabschieden sich immer mehr Musikbands von solchen Dienstleistern?

Der Antrag müsste viel weiter gehen. Er müsste fordern, dass der FC alle seine vertraglichen Rechte geltend macht um die Versandkostenpauschale auf ein angemessenes Maß (höchstens 1,50€) zu senken und der FC die Zusammenarbeit mit jeglichen Ticketdienstleistern so schnell wie möglich beendet.

Polizeiwache-Antrag

Liebe Leser, unserem Präsidium so etwas wie Absicht zu unterstellen, wäre einfach zu weit hergeholt. Unser Vereinsführung hat es bisher nie geschafft, eine JHV so vorzubereiten, dass seine Anträge durchdacht und zustimmungsfähig sind. Das ist einfach eine dauernde Form des Desinteresses und der handwerklichen Überforderung. Gefühlt hat unser Präsidium eigentlich auch jeden Antrag verloren, den es gestellt hat. Und auch dieser Antrag ist eigentlich nicht zustimmungsfähig und doch muss man ihm wohl zustimmen, um diese unsägliche Goliathwache zu verhindern und das Museum zu ermöglichen.

Erstmal führt der Antrag dazu, dass mal wieder wir, die Fans und Mitglieder dieses Vereines, für Versäumnisse und Fehler des Präsidiums haftbar gemacht werden und diese bezahlen können. Wieder einmal wird bei der breiten Masse das Geld eingesammelt und die Funktionsträger für ihre Fehler nicht zur Verantwortung gezogen. Das ist mehr als bitter.

Klar – und das führten wir an dieser Stelle auch schon mal aus – auch uns Fans trifft eine Mitschuld, weil die meisten von uns dieses Problem erst sehr spät zur absoluten Priorität gemacht haben. Insofern kann man jetzt einmal die Faust in der Tasche ballen, sich ärgern und danach diesen Punkt übergehen.

Ein anderer Punkt ist da viel gefährlicher und unangenehmer. Im Antrag findet sich folgender Passus: „die dann benötigte Refinanzierung von bis zu EUR 150.000 pro Jahr bei einer Laufzeit von 10 Jahren, über eine Erhöhung der Verwaltungskostenpauschale um EUR 43.300 sowie eine entsprechende Ticketpreisanpassung in Höhe des Differenzbetrages umzulegen. Die genaue Höhe und die exakte Verteilung werden dann mit den relevanten Gremien abgestimmt, sobald eine verbindliche Kalkulation vorliegt.“

Da bleiben einfach zu viele Fragen offen. Es wird eine Summe von 150.000 genannt, ohne dass auch nur annähernd eine Kalkulationsgrundlage vorhanden ist. Und den geschätzten Summen aus dem Hause Meeske traut eigentlich niemand mehr. Zwischen 43.300 und 150.000 bleibt doch eine erhebliche Lücke. Wie hoch soll denn die „entsprechende“ Ticketanpassung sein? Und wird diese Höhe eigentlich kontrolliert bzw. angepasst, wenn sich rausstellt, dass das Museum ein Publikumsmagnet und Gewinnbringer ist? Und wer sind die „relevanten“ Gremien? In unserem Verein sind für die Änderung höchstwahrscheinlich nur Präsidium und eventuell der Aufsichtsrat notwendig. Wer ist da neben relevant? Niemand?

Hier gibt man also dem Präsidium eventuell einen Freibrief zur Erhöhung von Mitgliedsbeitrag und Kartenpreis, ohne eine Rechenschaft über die Verwendung zu bekommen, ohne zu wissen, wer das Korrektiv ist, und ohne zu wissen, ob diese Erhöhungen bei Nichtbenutzung auch nach unten angepasst werden. Wenn man bedenkt, dass bei uns in letzter Zeit die Ticketpreise jährlich deutlich höher als die Inflationsrate gestiegen sind, dann ist das mit sehr viel Bauchschmerzen verbunden und mit sehr viel Kopfschütteln.

Und doch muss man wohl zustimmen. Denn der Traum von der Sichtachse Fanräume / Museum und damit einem sehr lebendigem Zentrum des FCSP der soll hier nicht enden.

Satzungsanträge

Wir verweisen hier mal vollinhaltlich auf die Lichterkarussell-Kollegen, sonst schlafen noch unsere letzten Leser ein.

Nov 152012
 

oder

 

Das überarbeitete Papier „Sicheres Stadionerlebnis“

 

Liebe Leser, heute hat die DFL der AG „Fanbelange“ (da reden die wirklich mal mit Fans) und allen Vereinen das überarbeitete Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ vorgelegt. Da wir alle die Vereine sind und die DFL eine schnelle Antwort haben will, haben wir beschlossen das Papier hier einfach mal unkommentiert in Gesamtheit online zu stellen. Wir haben nur den Dateinamen geändert und ansonsten das Papier unverändert gelassen. Eine Bewertung lassen wir jetzt einfach mal.

Zum Download

Nov 132012
 

oder

Unbefriedigend!

Vorwort

Liebe Leser, bei uns im Verein sind die Anträge zur JHV einsehbar, aber bitte verzeiht uns, dass wir diese erst später in einem eigenen Beitrag abhandeln. Und zu der durch Nacktzelte verhinderten Massenmesserstecherei bei Frankfurt gegen Bayern hat schon ein Schalker genug geschrieben. Daher geht es jetzt erst mal um das Spiel unseres geheiligten FCSP gegen den VfL aus Bochum.

Goldene Mützen

Liebe Leser, die ihr vielleicht auf der Südkurve, der Nordkurve oder der Haupttribüne eurer Leidenschaft fröhnt, habt ihr gestern einen Blick in die Augen der männlichen Gegengeradenbesucher geworfen? Habt ihr dieses Leuchten in den Augen gesehen? Und dieses ungläubige Stottern des Satzes „Das sind keine Klos, das sind Paläste…“? Dann habt ihr jemanden getroffen, der die neuen Toiletten unter der Gegengerade besucht hat. Wer bisher nichts Gutes an dem Neubau gefunden hat, der wird hier bedient. Man kann tanzen, Wasser lassen und seine Arme ausstrecken und hat doch noch Platz. Jaja liebe Leser, wir lassen euch jetzt mit diesen Bildern alleine. 😉

Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass ähnliche Paläste auch für die Damenwelt geschaffen werden, dann muss man mal ein Lob aussprechen. Das sieht danach aus, dass hier „bedarfsgerecht“ geplant wurde. Wer auch immer dies zu verantworten hat, der sei hiermit geehrt. Das machen wir mit Worten statt mit Mosaik oder Gedenkstein.

Und wenn wir schon beim Lob sind: Hoschis. Merch. Fanladen. Geil. Mütze. Warm. Toll. Kaufen. (Man muss bei solchen Werbebotschaften auch mal direkt das Unterbewusstsein ansprechen.)

Aber auch andere erstaunliche Dinge spielten (!) sich im Millerntor ab. Kapitän Kallas Mannen spielten (!) den Gegner nämlich an die Wand, zeigten Spiel(!)züge und Kombinationen und offenbarten ein lange nicht gesehenes Spiel(!)verständnis und eine spielerisch (!) gute Leistung. Dazu lag noch die wachsende Tugend des „never give up“ und eine wirklich ansprechende Darbietung auf dem Rasen. Nur, und das ist das absolut Unbefriedigende: Die Jungs gaben zwei Punkte ab. Man könnte sich wie ein kleines Kind auf den Boden werfen, mit den Fäusten trommeln und immer wieder brüllen „Ich will diese zwei Punkte!“ und man hätte Recht. Aber der verfickte Ball wollte einfach nicht ein zweites Mal über die Bochumer Torlinie gehen. Chancenverwertung ist bekanntlich nur in wenigen Spielen eine Stärke der Jungs auf dem Feld.

Zauberhaftes spielte sich aber auch auf den Rängen ab. Es funkelten die Wunderkerzen (welcher Volltrottel verbietet diese Dinger eigentlich?), es wurde eine Choreo gezeigt, die so schön war, dass ihre Optik beinah den Inhalt überlagerte, es donnerten die Schlachtgesänge durchs Stadion. Halt! Ja, liebe Leser, ihr lest richtig. Nix nur Süd! Die Gegengerade erwachte (hoffentlich nicht einmalig) aus einem tiefen und langen Todesschlaf und brüllte, sang und wechselgesangte wie verrückt. Höhepunkt war ein hammerlautes und hammer-unkoordiniertes „We love St. Pauli…“, welches mit ungefähr fünf verschiedenen Stimmen über mehrere Tribünen hinweg vorgetragen wurde. Jede Torchance animierte zu lautem Rufen, so muss das sein. Die Augen der Liebhaber spielbezogenen Supports glühten. Lag es an der besseren Blasenerleichterung? Vielleicht. Vielleicht hemmt ab einem gewissen Alter die volle Blase am Singen? Und immer wieder wehte auch die Begeisterung von Haupt und Nord an uns vorbei. So soll es sein.

Auch auf der Süd nahm man wohlwollend zur Kenntnis, dass die Damen und Herren auf GG und sogar auf der Nord guten Schwung in der Kehle hatten. Gleichzeitig erhob sich schon in der ersten Halbzeit ein Schwall Nonsens im Süden, da gingen wir endlich mal wieder nach vorne (wir taten’s), nach hinten… das Ganze gern noch einmal. Okay, „spielbezogen“ ist da relativ, doch Spaß hat’s gemacht. Sicher findet sich immer jemand, dem so etwas zu viel Selbstbeweihräucherung ist, aber – drauf geschissen! – die Bewegung war gewiss sehr ansehnlich von außen gesehen.

So heben wir also das immer noch trommelnde Kind vom Fußboden auf und sprechen trotz des Ergebnisses von einem annähernd perfekten Millerntor-Tag. Denn bei St. Pauli geht es nicht um das nackte Ergebnis, es geht um das Gefühl.

Aber es geht auch nicht ohne Ärgernis: Menschenmassen brauchen Koordination und spätestens seit Duisburg 2010 wissen wir, dass Gedränge und Engpässe mit aller Macht verhindert werden müssen. Es ist deswegen nicht einmal per se falsch, Gegengerade und Süd an dem Ausgang Günter-Peine-Twiete (auch Durchgang Gegengerade zum Südkurvenvorplatz genannt) nicht in entgegengesetzter Richtung laufen zu lassen. Es ist auch per se nicht falsch, dort Ordner zu platzieren um in eine Richtung einen Durchgang zu verhindern, wie es gestern nun das erste Mal geschah.

Nur kündigt man eine solche Veränderung verdammt noch mal an, wenn man einen Durchgang schließt, der seit ungefähr sieben Jahren besteht. Wofür verflucht noch mal haben wir eigentlich eine Medienabteilung und eine beschissene Homepage, wenn man diese nicht mit Infos füttert? Die Mädels und Jungs der Medienabteilung sind doch froh über alles, was sie kommunzieren können, ihr Fachleute müsst sie nur instruieren! Und das verdammt noch mal wäre eine Info, die UNBEDINGT auf die HP und in die Medien gemusst hätte. So kam es, wie es kommen musste. Leute schimpften. Ordner wussten nicht was tun. Argumentierten mit „Das ist eine Anordnung“ und es kam zu unschönen Szenen. Ein Gerangel zwischen Ordnern und Heimfans wäre schon vermeidbar gewesen. Und es muss unter allen Umständen vermieden werden!

Und ob es klug ist, einseitig den Durchgang zu Container, Fanshop und Tommys Büro für die GG zu schließen, sei mal dahingestellt. Wäre es nicht sinnvoller, der Süd den Zugang zum HGF zu verbieten? (Nein, natürlich nicht!) Aber „geschäftsbringender“ wäre es allemal. Und wir könnten im Strahl kotzen, wenn wir danach hören, dass bereits lange vor dem gestrigen Spiel von Fanseite auf dieses Problem hingewiesen worden ist und vorgeschlagen wurde, die Bäume in dem Durchgang wieder zu entfernen. Ja, die Anpflanzung war ja auch Blödsinn. In einem Engpass noch einen Engpass zu schaffen, das sieht ein Blinder mit Krückstock, dass es so nicht geht. Aber es ist ja viel einfacher, ein paar schlechtbezahlte Ordner hinzustellen, die dann die Wut der Leute abbekommen. Da kann man sich lieber selbst am VIP-Büffet gütlich tun, als vorausschauend zu handeln.

Gleiches gilt beim Gegengeradeneinlass – niemand da, der mal die Menschenmassen steuert. So war der Eingang bei der Süd komplett überlaufen, der an der Nord komplett leer. Warum steht da kein Ordner oben auf dem Umlauf mit einem Megafon und einfach mal sagt: „Loide, außen rum alles frei auf der anderen Seite.“

Nach dem Spiel dann Freudenmomente. Momente, wenn Menschen freudig aufgekratzt (und ein bisschen bierselig) auf uns zusprangen, und Freudenmomente, wo Sneaker von Blogger zu Blogger wanderten.

Und dann war da noch…

unser Verein, der erneut eine vollkommen unsinnige Strafe des DFB akzeptiert. Für eine Spielverzögerung durch Kassenrollen (!!!!) bekommt man seit neustem eine erhebliche Sanktion. Dazu folgende Anmerkungen: 1. „zahlen müssen“ hätte der FC St. Pauli im Endeffekt keinen einzigen Euro. Er hat es immer vorgezogen, den Schwanz einzuziehen und nicht einmal die DFB-internen Rechtsmittel auszureizen, geschweige den die ordentlichen Gerichte zu bemühen. Das ist kein „zahlen Müssen“, das ist ein „zahlen Wollen“ 2. Der DFB zeigt erneut, was die Strafen eigentlich sollen. Es geht nicht um „Gefährdung der Zuschauer“ oder „Strafbar“, es geht um eine perfekte, minutiöse Plastikshow ohne Ecke, ohne Kante, ohne Seele, weil man meint, die sei besser „vermarktbar“. Dass dies ein Irrglaube ist, haben genügend Sportarten bereits erfahren, so ganz nebenbei. Wie wir auf diese These kommen? Wie sonst ist es zu erklären, dass Pyro preiswerter ist als spielverzögernde Kassenrollen?

Daher: Nächstes Spiel 15.000 Kassenrollen. Für mehr Kassenrollen, gegen pünktliche Anpfiffe.

Zitieren wir doch am Ende noch den @drachenschweif: „Wieviele Jahrhunderte lang will der Verein eigentlich noch die Bierbecher-Sau durchs Dorf treiben?“ und „Ich sehe schon die Meldung “Hinzu kam vor 87 Jahren ein Einnahmeverlust in Höhe von Rund 400.000 Euro…”“ #nuffsaid

Nov 082012
 

Liebe St. Pauli-Gemeinde,

als Gastschreiber versuche nun auch ich erstmals meine Edelfeder-Fähigkeiten an den geneigten Leser zu bringen. Folgende Zeilen sollen allen Daheimgebliebenen einen kleinen Eindruck vom Auftritt unserer fightenden Frontzecken – bitte verzeiht, aber diese Alliteration musste einfach mit in den Text – gegen zahnlose Münchner Löwen vermitteln. Ich hoffe, dem einen oder anderen gefällt’s.

Freitagabend, 2. November, feinstes Hamburger Schmuddelwetter. Nach der wöchentlichen Maloche macht sich unsere kleine Reisegruppe, bestehend aus fünf trinkfesten Nordlichtern, auf den Weg gen Minga. Nicht, wie so oft in den vergangenen Jahren, mit dem Sonderzug, sondern mit dem Flieger. So richtig schiggimiggi. Am Hamburger Hauptbahnhof wird stilecht das erste Helle geköpft, gefolgt von einem weiteren in der S1 Richtung Airport. Kurzzeitige Panik, als in Ohlsdorf plötzlich (unerwartet freundliche) HVV-Bedienstete die Bahn frequentieren.

Die so: „Meine Herren, im HVV ist das Konsumieren von alkoholischen Getränken seit einigen Monaten verboten.“ Wir so: „???“ Die so: „Wo kommen Sie denn her?“ Wir so, Geistesblitze verströmend: „Aus Kiel!“ Die so: „Ach aus Kiel! Na, dann stellen sie die Pullen mal bitte weg. Und später noch einen angenehmen Flug!“ Wir so: „Wahnsinn. Das kann nur ein gutes Wochenende werden.“

Der Highclass-Trip nach Bayern, in diesen etwas anderen Teil Deutschlands, verläuft ohne Probleme. Ein paar nützliche Tipps für jeden, der selbst einmal per Lufttaxi auf große Auswärtskaperfahrt gehen möchte: 1. Seid nett zu den Air Berlin-Stewardessen – dann gibt’s auch mal ‘nen Prosecco aufs Haus, wenn das Bier an Bord alle ist. 2. Reihe 24 ist immer für Notfälle, also streng genommen auch für St. Paulianer, frei gehalten. Checkt einfach als letzte ein und dackelt bequem bis ganz hinten durch. Egal, was die Euch vorher für komische Sitznummern zugewiesen haben.

In München angekommen, wird kostengünstig bei befreundeten Stadionbegleitern, ebenfalls sympathische Nordlichter, in der Nähe des Marienplatzes genächtigt. Die Nacht vor dem großen Kick wird sich freudetrunken um die Ohren gehauen. Es wird spät, laut und dreckig. Die Erinnerungen daran: Auf dem Rückflug verloren gegangen…

Samstagmittag, 3. November, plötzlicher Sommereinbruch. Huchgott! Was ist denn hier los?! Temperaturen von 18 Grad und feinster Sonnenschein machen aus uns verhärmten, wettergegerbten Zottelgestalten auf einen Schlag Kinder des Lichts. Totenkopfpulli an, Sonnenbrille auf und ab in die Arroganz-Arena. Immer wieder schön: der jakobswegesque Fußmarsch von der S-Bahn-Halte Fröttmaning zum Stadion. So muss sich Heinrich IV. auf seinem Weg nach Canossa weiland ebenfalls gefühlt haben. Mit dem feinen Unterschied: Wir sind on fire und wild entschlossen, den strubbeligen Stubentigern das Fell abzuziehen! Im Stadion wird fix die Löwenkarte (Suuupi Sache! Echt ma.) vollgemacht, Bier mit Strom gekauft und sich unters restliche Heimatvolk gemischt. Die Plastikschüssel ist mit fast 32.000 Besuchern recht gut gefüllt, die Stimmung dennoch mäßig. Einfach zu weitläufig. Nur im Tribünen-Bauch geht’s später nach dem Abpfiff gesangstechnisch mal wieder richtig ab – mit schönem Dank an den Entdecker des Nachhall-Effektes!

Das Spiel an sich sei an dieser Stelle zu Recht lediglich stiefmütterlich tangiert: Es ist einfach kein sonderlich gutes. Unsere Jungs sind den Tick aggressiver und bissiger, den es braucht, um auch auswärts mal drei Punkte (gegen erschreckend schwache Löwen) zu holen. Nicht mehr und nicht weniger. Ein paar Bonmots zum Geschehen auf dem Rasen möchte ich dennoch niemandem vorenthalten: 1. Gábor Király (91), der glatzköpfige Methusalix im 60er-Kasten, spielt seit gefühlten 30 Jahren noch immer. Und das immer noch verdammt gut! Als bester Mann auf dem Platz, trägt der modebewusste Trendsetter auch heute noch dieselbe graue Schlabberhose, der er bereits anno dazumal mit Hertha in der Champions League zu Weltruhm verhalf. Das waren noch Zeiten. Was macht eigentlich Dick van Burik heute? 2. Moritz Volz in Weiß und Himmelblau zu sehen, tut verdammt weh. 3. Die Stadionbrezeln sind überteuert und liegen noch seit dem St. Pauli-Auftritt an den Ständen, als uns ein gewisser Franck Ribéry mit seinen Dribblings die Beine brach. Aber Schwamm drüber. Als Hamburger ist man wahrhaft Schlimmeres gewohnt.

Der Rest des Wochenendes ist eine einzige Feierei, dessen Ereignisse in diesem ruhmreichen Blog allzu unangebracht wären. Nur so viel: In München steht ein Hofbräuhaus. Und es gibt einen Sperrbezirk. Mit Skandalen.

Sonntagabend, 4. November, Nieselregen um 22 Uhr in Poppenbüttel. Der Sommer ist vorbei. Voraussichtlich bis zum nächsten Jahr, München. No Weißbier, just Football.

Herzlichst
Schmitti

Nov 032012
 

Liebe Leser, der NYC Marathon ist abgesagt. Kann man diese Entscheidung verstehen? Ja, man kann diese Entscheidung verstehen. Vieles hier ist derbe zerstört, viele Leute haben alles verloren. Gerade die Gemeinden direkt am Atlantik sind hart getroffen. Auch wenn die Fernsehbilder etwas anderes vermitteln, die Innenstadt und die Laufstrecke sind nicht betroffen, wenn wir mal von einem Stromausfall und abgeknickten Bäumen absehen. So unsere eigene Inaugenscheinnahme und auch die Berichte der Zeitungen.

Man muss sich aber doch Fragen stellen. Mittwoch, Donnerstag und auch Freitag morgen lies sich der Bürgermeister noch damit zitieren, dass man den Marathon durchführen kann. Was hat sich geändert, dass es nicht geht?

Die Entscheidung ist hier definitiv in der Diskussion. Zeitungskommentare hielten die Entscheidung für falsch. Aber reicht dies? Das Argument, dass es Ressourcen bindet, ist wahrscheinlich richtig. Nur durch die späte Entscheidung hat man die schon sehr stark belastet, denn die Strecke war natürlich schon aufgebaut. Bilder im Fernsehen zeigen ein vollständig fertiges Läuferdorf und einen vollkommen fertigen Zielbereich. Das alles wäre mit einer früheren Entscheidung vermeidbar gewesen. Denn nun sind hier Ressourcen gebunden für nix.
Auch darf man nicht vergessen, dass hier Leute insbesondere am Freitag massiv in die Stadt eingereist sind. Auch das bindet Ressourcen, wir verbrauchen alle derbe viel Strom und andere Energie und auch dies wäre vermeidbar gewesen, wenn man früher abgesagt hätte.

Und es ist irgendwie surreal, wenn morgen z.B. die Giants spielen. Football findet hier vor 60.000 Zuschauern statt und deren Stadion steht 9 Meilen weg von Hoboken einer Stadt, die es richtig stark erwischt wird. Klar, man kann das alles nicht vergleichen und irgendwann wird man wohl ein „The Show must go on“ machen, aber warum die kurzfristige Absage, wenn das stattfinden soll, was ebenso Ressourcen bindet?

Man wird leider das Gefühl nicht los, dass hier ein Sündenbock für die – absolut sichtbaren – Versäumnisse des Staates und der Zivilgesellschaft sucht. Und Marathonis, die man sowieso nicht versteht, bieten sich da natürlich an. Wenn man so soziale Netzwerke als Maßstab nehmen will, dann klingt das so. Natürlich gibt es nichts überflüssigeres als Marathon laufen. Aber auch nix überflüssigeres als Footballspiele, Fußballspiele und anderem Vergnügen. Nebenbei eigentlich immer. Wie war das mit dem richtigen Leben im falschen? Ja, das mag nun Egozentrisch klingen, komisch, es ist trotzdem ein Gedanke, der einen durch den Kopf jagt.

Ihr merkt: Nachdenklich. Viele Gedanken und immer die Frage: Hätte man diese Entscheidung nicht schon Mittwoch treffen können?

Fakt ist: Der tägliche Blog endet hier. Es bleibt nichts anderes, als das „Beste“ draus zu machen. Aber die einjährige Vorfreude, die einjährige Planung ist vorbei. Und ganz subjektiv ist das ziemlich enttäuschend. Ob es noch mal einen Anlauf geben wird, DEN Marathon zu laufen, steht in den Sternen. Wahrscheinlich wird es ein unerfüllter Traum für immer bleiben.

Nov 022012
 

Liebe Leser,

da 1/3 in NYC abhängt, 1/3 knechten muss und 1/3 derzeit in Rufbereitschaft ist, haben wir einen Gastschreiber engagiert.
Dieser schildert im Folgenden seine Tour ins Ländle. Aber lest selbst!

Hier ist es nun also, mein Erstlingswerk.
Meine Vorgaben: Einfach von der Leber weg schreiben, was mir bei unserer Tour ins Ländle so durch den Kopf gegangen ist.
Kein Problem dachte ich mir anfangs. Doch ich kenne mich ja. Retrospektiv etwas schreiben, was mir mindestens Stunden zuvor durch den Kopf ging… Mein Notizblock war jedenfalls ein sehr treuer Gefährte .?
Aber genug des Geschwafels – hier nun die harten Fakten.
Wir stehen im Airport Hamburg an der Sicherheitskontrolle. Ein Mann ohne Eigenschaften, die Insignien der Wichtigkeit tragend (Security, danke an Marc Uwe Kling) findet es besonders erquickend St.Paulifans mitten in der Nacht (ca. 7 Uhr ) zu malträtieren. Vielleicht war es auch nur meine blendende Laune, nachdem abends zuvor, die Nachricht die Runde macht, dass der magische Morike Sako ein Probetraining bei den Koggen absolviert.
Ansonsten ruhiger Flug mit handgezählten 15 St.Paulianern, von denen jeder einzeln vom Kabinenchef begrüßt und mit Glückwünschen versehen wurde. Den Rest des kurzen Fluges war deren häufigster Zeitvertreib, ihre Bonusmeilen mit einander zu vergleichen.

In Stuttgart angekommen, steigt ein klein wenig Vorfreude auf das Pokalspiel am Abend in mir auf. Ein neuer Ground, ein Spiel ohne Chance auf Erfolg – was will man mehr?!
Schnell noch ein paar Erfrischungsgetränke geschnappt und ab in die Bahn Richtung Stadion.
Um die Zeit totzuschlagen, gönnen wir uns eine Runde Kultur: Museumsbesuch samt Werksführung bei einem der örtlichen Automobilkonzerne. Zumindest das Museum ist einen Besuch wert.
Nach einem kurzen Abstecher ins Hotel machten wir uns bald auf den sehr kurzen Weg zum Stadion.
Erwähnenswert sind hier vielleicht die Sicherheitsschleusen, die einem WM-Stadion würdig sind (Kartenleser, Drehkreuze und strengste Körperkontrollen). Aber wie funktioniert bitte Fantrennung, wenn der Gästeeingang unter einer Brücke für Heimfans liegt…strange.

Das Stadion war nur mit knapp 26.000 Leuten eher halb leer als halb voll. Die musikalische Untermalung war ganz nach meinem Geschmack (Donots, Foo Fighters, Bro hymn), aber warum man unbedingt sein Maskottchen Schnappi so abfeiern muss (Einlaufmusik), entzieht sich völlig meiner Kenntnis. (Noch mehr als über Sinn und Zweck des Ganzen).
Dafür gab es einen prall gefüllten Gästeblock, der überwiegend einen grandiosen Support ablieferte. Selbst die Sitzplätze wurden mehrheitlich zu Stehplätzen umgewandelt.

Und endlich gab es mal wieder etwas von dem St.Pauli, welches ich vor Jahrzehnten so lieb gewonnen hatte. Selbstironie! Auswärtssieg-Rufe schon knapp vor der Halbzeit, gefolgt spontan eingezähltem fiktiven Torjubel. Der Bengalo (aus Langeweile ?) war dann im Grunde gar nicht der Rede wert.

Das Spiel: Naja, was soll ich groß an Worten darüber Verlieren, was eh alle schon tausendfach bewerten. Nur eines möchte ich loswerden. Für mich war das Spiel nicht das Ende des Abendlandes. Aus meiner Sicht fehlte es zwar an allem, was St.Pauli ausmacht, aber ich sehe das positiv und denke mal, dass tatsächlich das Augenmerk auf dem kommenden Spiel bei 1860 lag. Sportlich-moralisch vielleicht nicht ganz sauber, aber imho nachvollziehbar. Was soll man denn schon erwarten, wenn Sippel (haben wir unter ihm schon mal was gewonnen?) ein Spiel IN Stuttgart (haben wir selten gepunktet) pfeift, welches auch noch ein Pokalspiel (muss ich dazu noch was sagen?) ist?

Jetzt heißt es für die Mannschaft schnell wieder auf die Beine kommen um fit zu sein für die Ligaspiele.
Ich bin da optimistisch!

Forza

TVW