Okt 052012
 

oder

Immerhin der aktive Sport war ganz erfolgreich

Vorwort

Liebe Leser, die Namen, die so als Trainer bei unserem geliebten Verein gehandelt werden, sind nicht gerade geeignet unsere Begeisterung in ungeahnte Höhen zu treiben. (Nachtrag: Zwischenzeitlich ist dann Frontzeck unsere Frontzecke (Wortspiel bei stpauli.nu) geworden und wir drücken die Daumen, dass hier alles passt und er uns zu ganz neuen Ufern (Champions League ;-)) führt. Was war ist egal, die Zukunft zählt. Tschaka!) Und überhaupt ist der Fußball zur Zeit nicht gerade berichtenswert und so werdet ihr hier nix lesen über den Auftritt in Regensburg. Hatten wir doch unseren eigenen großen Auftritt in Berlin.

Freitag / Die komische Art AFM-Radio zu hören

Freitag nachmittag – so der Plan – schnell nach Berlin düsen und da irgendwo in einer Kneipe einen Blick auf das Spiel in Regensburg werfen. Der Plan war schon in Hamburg Geschichte, denn egal auf welcher Straße man sich bewegte, alle Bewohner der Stadt wollten anscheinend die Stadt in Richtung Osten verlassen. So staute man sich durch Wandsbek und umliegende Stadtteile und war dann immerhin nach 90 Minuten auf der Autobahn. So war er hin der Plan.

Nun ja, auf einer vollen, aber nicht staugeplagten Autobahn ging es fröhlich in Richtung Osten. Gegen 18 Uhr wurde die Telefonnummer eingegeben, die auf der AFM Seite zu finden ist und über die man per Telefon die Schilderungen von Wolf und Co verfolgen können soll. Siehe da, es klappte eigentlich perfekt. Nur leider war mit keinem Telefon auch nur annähernd eine ausreichende Lautstärke für alle drei Mitfahrer zu erreichen. Wie können irgendwelche Jugendlichen in Bahnen mit lauter Musik aus Handys nerven? Mit dem AFM Radio am Ohr kann man das nicht nachspielen.

Der anfängliche Ärger wich schnell und die Horror-SMS mit Vergleichen zu einem Spiel in Lübeck trudelten auch schnell ein. Man war dann doch froh ausnahmsweise mal nicht mitgefahren zu sein.

Berlin rückte näher, aber die Startnummer hatte es sich in Oranienburg bequem gemacht. So fuhren wir eine Ausfahrt runter um auf das Navi zu gucken, wo wir hin müssen und siehe da, es war die richtige und wir fuhren durch die tiefste und dunkelste Mark Brandenburg. Bisschen gesucht und dann auch die Startnummer gefunden.

Noch schnell auf die Schlafplätze aufgeteilt und dort die A R G H Frage gestellt: „Hast du eigentlich deinen Helm dabei?“. Nein, natürlich nicht, so dass Samstag noch eine Aufgabe vor unserem Skater stand. Aber das erzählen wir am nächsten Tag.

Die Gruppe teilte sich auf, denn unser Skaterheld musste sich natürlich professionell vorbereiten (man munkelt von Sofaparty bist 3 Uhr morgens, aber das ist natürlich nur ein Gerücht). Unser Laufheld hingegen genoss das großartige Frühstück seiner Gastgeber (wenn sie es hier lesen: H. und M. es war großartig und so etwas von lieb von euch) und düste dann zur Messe. Und das es ein Glückswochenende werden würde, war klar, als er einen Parkplatz direkt vor der Tür fand.

Die Marathonmesse ein Sprachenwirrwar, eine Sicherheit, die bereits Hallen absperrte, wenn da eine Menschenmenge drin war, die noch Rad hätten schlagen können ohne sich in die Quere zu kommen und ganz viele Freaks. Hier die Highlights: Leute, die bereits ihre Nummer für den nächsten Tag trugen am Trikot des nächsten Tages, Menschen die aussahen, als ob gleich Jane Fonda Aerobic vormacht und 1 Millionen Dinge, die ein schneller machen.

Und draußen liefen auf dem wirklich hübschen Tempelhofer Feld die Kinderläufe. Kinderläufe sind einfach süß. Punkt. Und stolz sind die Kleinen auf ihre Medaillen.

Nun stand aber der Skaterheld im Mittelpunkt und dieser soll doch selber berichten:

Nach einer nicht allzu langen Nacht haben wir dann am morgen mal die Wetterprognose gecheckt. Sonne-warm. Zu warm für einen Skihelm, die unseren tollen Gastgeber als Notnagel noch im Schrank hatten. Okay, entspannt frühstücken und dann ab zum nächsten Fahrradladen. Puuuhhh 90€ für einen Helm, obwohl man zu Hause einen Helm liegen hat?! Nee, das geht nicht. Also PANIK! Helmpflicht! Außerdem ist schon bald der Start. Nicht viel Zeit bleibt. Also alles Geraffel zusammen geschmissen incl. des viel zu warmen Skihelms für den Notfall und in den Bus Richtung Alex gesprungen.

Und hier sollte der Tag eine positive Wendung nehmen, denn ausgestattet mit einem obercoolem, preiswerten (und für die Unterstützer gut sichtbaren) Helm ging es ins Läuferdorf.

Dort noch ein paar Schnacks und ein bisschen chillen und los ging die schnelle Hatz.

Die Unterstützer chillten zwischenzeitlich in einer Gardinenkneipe ohne Gardinen, schnackten mit den Einheimischen und bewunderten die Perfektion des vorbei rasenden Feldes. Die „Profis“ rollen wie Radfahrer in sogenannten Belgischen Kreiseln und haben einen Affenzahn drauf. Aber auch die „Halbprofis“ wissen, wie man sich in einer Gruppe verhält, warnen den Hintermann durch Handzeichen vor Kurven, Staus und Gefahrenstellen und erreichen so Zeiten, von denen ein Fußläufer nur träumt.

Sehr beliebt ist es Kameras oder Plüschtiere am Helm zu befestigen, aber auch vollständige Verkleidungen wie Zebras, Rettungsanitäter (Stilecht mit Blaulicht auf dem Helm und Sonntag noch einmal Starter) waren zu bewundern.

Und bevor sich die Unterstützercrew sich versah, war auch schon unsere Rollerheldin da, griff sich die „Eigenverpflegung“ namens Traubensaftschorle, versuchte noch eine Zuckerbombe namens Dattel zu greifen und düste mit dem Satz „Ich hab keine Zeit“ davon.

Während die Läufer alle 5 km gemessen werden, werden die Skater nur am Halbmarathon und am Ende gemessen. Aber unsere Heldin absolvierte die beiden Hälften beinah zeitgleich immer in ungefähr 1:10. Locker vor dem Zielschluss und viel schneller als gedacht jagte sie durchs Ziel.

Und während die Läufer den Durchlauf durch das Brandenburger Tor als großartig empfinden, ist er für Skater aufgrund der kleinen Stufe und des nicht geeigneten Untergrundes eher eine Herausforderung am Ende.

Die Wiedervereinigung wurde dann auf einer Parkbank gefeiert, wo man unsere Heldin gut gelaunt und mit einer Medaille um den Hals (nebenbei eine andere als bei den Läufern) feiern konnte. Gerüchten zu folge soll sich die Feier bis spät in die Nacht fortgezogen haben. Aber das sind natürlich nur Gerüchte und Zeugen haben wir nicht verhört. Oder sie haben eisern geschwiegen.

Der Sonntag, ein kleiner Spaziergang durch Berlin

Marathon laufen ist ja etwas, was wirklich Spaß macht, aber wenn man um 5:20 aufstehen muss, dann ist das schon mal einen Zweifel wert. Egal, es gibt kein Zurück. Und da man unbedingt da und da parken muss, parkte man da auch. Was soll man Rituale hinterfragen? Am Marathondorf angekommen war wieder unser Lieblingshobby angesagt: In die Kloschlange stellen. Und gerade als man diese verließ und den Dixie Test machte, rief der P. an. Und stand genau in der gleichen Gegend. Da ist das ein riesiges Läuferdorf mit riesigen Reihen um die Kleiderbeutel abzugeben und lustigerweise stand man im gleichen Bereich. Zeit zum schnacken, Zeit um noch mal auf Klo zu gehen und meinen übernervösen Magen zu beruhigen.

Kurz nach 8 ging es dann auch schon in die Startaufstellung und da war es auch schon ordentlich voll. Jeder Marathoni hat ein anderes Kälteempfinden, aber der alte Pullover, der nun den Bach runter geht hatten viele unter dem Plastikumhang, den es vom Veranstalter gab. „Die sind von meinem Sohn, ich habe noch einige auf dem Dachboden“ „Wenn die alle sind, kannst du kein Marathon mehr laufen“ „Ich habe noch viele davon.“ war ein typischer Dialog. Es gab Aufwärmgymnastik, was ja lieb gemeint ist, aber wenn der Block voll ist, dann kann man schlecht ausladende Armschwenkungen machen.

Guckt man sich so seine Mitläufer an, dann sind da alle Herren Länder vereint. Vor uns stand eine mexikanische Gruppe und der junge Mann von denen hatte sich eine Marschtabelle auf den Arm geschrieben, die bei 42 km = 3:09 endete. Da hatte sich jemand etwas vorgenommen.

Startschuss und als Mutai schon ungefähr 8 Kilometer hinter sich hatte, durften wir dann auch mal auf die Strecke. Langsam angehen war die Devise. Nach einem äußerst durchwachsenem Jahr war mir nicht klar, was so ging und so ging ich ganz entspannt in einem 6:55 Tempo an. Am Anfang muss man sich immer so ein bisschen frei schwimmen, lässt sich immer mal wieder von einer zu schnellen Gruppe mitziehen und muss erstmal seinen Rhythmus finden.

Der Magen wollte gar nicht und so musste ich auch meinen Verpflegungsplan ein bisschen ändern, denn auf Gels reagiert er per se immer sehr empfindlich. Zum Glück war Cola an jeden Posten bestellt. Bis Kilometer 10 hatte ich eine Pace von 07:02 gut gehalten und alles lief gut. Kilometer 9 die erste Unterstützungsgruppe, Kilometer 12,5 dann die Twitterunterstützung inklusive Fellnase. Und Cola. Und neues Wasser. Frisch gestärkt ging es wieder auf die Strecke. Die Mexikanerin aus der oben erwähnte Gruppe lief ein ganzes Stück auf Socken (!!) andere Läufer machten sich zwischendurch immer wieder locker. Viele mussten schon nach 10 bis 15 Kilometer lange Gehpausen einlegen und so zog sich das Feld immer mehr. Neben mir häufig Asterix, Obelix und noch mehr Figuren aus dem gallischem Dorf. Die Verkleidung hatte schon was.

Bis Kilometer 15 ging alles gut. Die Pace war irgendwo bei 07:10 pro Kilometer, aber dann hatte mein Magen genug und ich musste mal kurz ein Dixie besuchen. Mal kurz ist bei 40.000 Menschen leider nicht so machen und so verlor ich gut 5 bis 6 Minuten in der Schlange. Nun gut, ärgerlich, aber wat mut dat mut. Ich kann ehrlich gesagt auch nicht verstehen, wenn Leute da vollkommen sauer werden, wenn einer aus ihrer Gruppe halt mal muss. Passiert. Passiert selbst Jan Fitschen. Und der läuft dann eine 2:13 und einen Keks.

Weiter ging es. Immer noch gut drauf und bei Kilometer 24 stand ja schon wieder eine Unterstützungsgang. Magen nun erstmal okay, aber die Beine doch schon ordentlich schwer. Die Pace nun immer über 7 Minuten, aber immer auch unter 7:35 und damit immer noch gut im Lot. Erst bei Kilometer 31 und damit viel später als sonst musste wirklich mal ein Kilometer komplett abgeschenkt werden. Kilometer 35 zwickte dann leider noch mal der Magen und kurz vor der letzten Unterstützergruppe ging es noch mal aufs Klo.

Zum Publikum in Berlin mal so zwischendurch: Das ist sehr gut, kommt aber an die positiv verrückten Leute in Hamburg und Köln kommt es jedoch nicht heran. Die Strecke geht an vielen schönen Stellen von Berlin vorbei, nutzt relativ wenig langweilige Straßen und ist eigentlich überall breit genug für die Masse Mensch, die da läuft.

Kilometer 35 ist der Kudamm und seine Verlängerung, da war auch immer noch nach 5 Stunden ordentlich was los und meine Unterstützer hatten auch Cola (jaja, das ist eine Sucht) in Bereitschaft. Danke ihr Lieben, dass ihr so lange gewartet habt.

Nun galt es irgendwie noch die letzten 7 Kilometer zu überstehen. Ich versuchte zumindest irgendwie immer unter 9 Minuten zu bleiben, damit ich irgendwie unter 5:30 blieb. Klappte außer Kilometer 40 ganz gut, dieser Kilometer war eher zum vergessen und da war die Straße auch echt mal langweilig. Aber dann bog man auf die Straße zum Brandenburger Tor zu und das kickt so ungemein, dass noch mal die Pace auf 7:10 hochschnellte und der letzte Kilometer ein einziger Freudenlauf wurde.

Wer fragt, warum man Marathon läuft, der bekommt hier die Antwort. Dieser letzte Kilometer ist so etwas von großartig. Leute, die einen bejubeln, ein unglaubliches Glücksgefühl, der Hammer. Medaille genommen, nach Erdinger alkoholfrei gesucht und es gefunden. Das es versteckt war, war der einzige Fehler der Organisation. Mit einem fröhlichem „So sehen Sieger aus“ die Unterstützercrew eingesammelt und erstmal das Siegesmahl eingenommen. Und dann ab nach Hause, wobei ich gewisse Geruchsbelastung zu entschuldigen bitte.

In der späteren Analyse der Zeit von 5:28:24 stellte sich heraus, dass ich mich (laut meiner Uhr) 14 Minuten nicht bewegt hatte, wenn man der Uhr glauben mag. Vergleicht man das mit Freiburg im Frühjahr und meiner Bestzeit aus Frankfurt vom letzten Jahr, dann sind das 7 bis 9 Minuten mehr, als in diesen Läufen. Rechnet man mal 7 Minuten raus, dann wäre das schon eine super Zeit, wäre nicht das warten in der Kloschlange gewesen. Nun ja, egal. Ankommen ist der größte Spaß.

Damit ist die Laufsaison so gut wie gelaufen. Nun folgt noch am 04.11.2012 ein kleiner Spaziergang durch New York, zusammen mit Sabrina Mockenhaupt. Ich freu mich drauf. Leider dann ohne Unterstützercrew und der Rest des Blogs bleibt hier und amüsiert euch.

Okt 052012
 

Meine Wahrheit in 17 Worten:
Ich hab ein Kind zu erzieh’n, dir einen Brief zu schreiben
und ein Fußballteam zu supporten. (T. Uhlmann – 17 Worte)

Liebe Gegengerade,

erinnert ihr euch noch an Spiele wie gegen Jena oder gegen Augsburg? Zeiten in denen es unseren Jungs nicht gut ging, unsere Jungs nicht das Feuer selber entwickelt haben, was das Millerntor auszeichnet. Zeiten in denen ein feuriges Gemisch in der Luft lag und einfach nur der Zündfunke fehlte?

Erinnert ihr, dass wir alle auf der Gegengerade an diesen Tagen der Zündfunke waren? Wir können das immer noch sein! Gemeinsam! Ohne Diskussion über Dauerlala oder doofe Ultras. Gemeinsam mit der Süd, der Nord und der Haupttribüne können wir der Zündfunke sein. Bei aller Verschiedenheit von Lust, Laune, Supportstil, wir können gemeinsam laut sein. Lieber laut und alle durcheinander, als leise und nur die Süd koordiniert.

Und heute – das spüren wir – liegt eine ähnliche Mischung in der Luft. Hamburger Wetter, ein tiefer Boden, Flutlicht, Abenddämmerung, ein Gegner, der unseren Jungs alles abverlangen wird. In unseren Jungs schlummert das Gemisch, wir wissen das. Sie brauchen nur diesen Funken, diesen einen Tick. Seien wir dieser Blitz. Entzünden wir es von dem Moment in dem Tschauni mit Hain zum Aufwärmen kommt. Brüllen wir, schreien, pöbeln wir unsere Jungs nach vorne. Geben ihnen Mut, zeigen warum das Millerntor eine Festung ist.

Lasst uns unsere ganz eigene Party feiern, unseren Kampf- und Krampffußball zelebrieren, wie bei den genannten Spielen. Lasst uns der Funken für ein feuriges Spiel sein.

Liebe Gegengerade, zu den Waffen!

PS: Dieser Artikel eignet sich nicht für ein Bashing oder eine grundsätzliche Supportdiskussion. Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Und liebe andere Tribünen: Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen, wissen die Unioner, warum wir sie mit „Welcome to the hell of St. Pauli“ begrüßen.