Okt 302012
 

… um es mal deutlich zu sagen: Das Vergnügen eine Urlaubsreise zu unternehmen und einen Marathon zu laufen, ist gegen ein Stromausfall, verlorene Leben und den sonstigen Schaden komplett zu vernachlässigen. Es ist leider so, dass es menschlich ist, dass man seine eigenen Probleme immer als am Wichtigsten ansieht. Und wenn man sich ein Jahr drauf gefreut hat, dann fiebert doch mit, ob es nun klappt.

Ist es denn moralisch vertretbar nach New York zu fahren? Die Frage kann man natürlich jederzeit stellen. Und die Antwort kann man nicht eindeutig geben. Nur wenn die Alternative ist, dass man moralisch richtig zu Hause geblieben ist, aber Flug und Marathon durchgeführt werden, dann hat man nicht wirklich den Lauf der Welt geändert, aber einen guten vierstelligen Betrag ohne Gegenleistung verloren. Mal ganz davon ab, dass diese Stadt auch vom Tourismus lebt und die Dollars auch braucht um den Wiederaufbau zu wuppen. Das ist natürlich eine durch und durch kapitalistische Logik.

Und so sitzt man also den ganzen Tag vor dem Rechner, lässt CNN durchgehend laufen und drückt bei jeder Flughafeninfo ständig auf „aktualisieren“. Laut unserem Reiseunternehmen (in deren Haut ich nicht stecken möchte) soll der Flug (Stand 30.10.12 18:00) gehen, aber so etwas kann sich ohne weiteres sehr kurzfristig ändern. Und ob man Donnerstag oder Freitag einen Platz auf einem Flieger bekommt? Hoffen wir mal, dass wir uns diese Frage nicht stellen müssen.

Und hoffen wir, dass in New York sich vieles schneller zurecht rückt, als man jetzt ein paar Stunden nach dem Sturm hofft.

Ich werde berichten. Falls der Flug doch nicht geht, dann kommt hier noch ein Update.

Okt 292012
 

Liebe Leser, ein Blogexperiment. Ab heute bekommt ihr täglich einen Bericht über das Abenteuer New York.

Übermorgen geht dieses los. Marathon laufen in einer der aufregensten Metropolen der Welt. Da kann man noch so ein alter Hase sein, wem da nicht die Düse geht, der ist eiskalt. Zusammen mit drei Menschen ohne Blog und mit der Kollegin von sielaeuft.de wollen wir den New York Marathon bestreiten.

Mein Fuß meldete sich daher bereits letzte Woche ab und will nicht. Nicht etwa, weil er was hat. Nein er ist schlichtweg aufgeregt.

Und die Aufregung steigt, weil zur Zeit sich noch Sandy auf der Rennstrecke breit gemacht hat und nicht überholt werden kann. Sandy, ein ausgewachsener Hurricane der Stärke was auch immer meinte nun unbedingt in New York an Land gehen zu müssen. Bisher sieht es so aus, als ob er bis Mittwoch durch ist, aber man weiß bei diesen Viechern nie.
Versuchen wir es mal lieb: Sandy, bist du bitte so lieb und lässt New York und den Rest der USA unbehelligt und verpisst dich bitte ganz schnell? Danke!

6136 Kilometer liegen vor uns um dann 42,195 Kilometer zu laufen. Ich werde berichten. Mal sehen, ob und wie es W-Lan vor Ort gibt, sonst müssen die hochgeschätzten Mitblogger die per Brieftaube geschickten Berichte online stellen.

Okt 292012
 

oder

Charakter!

Vorwort

Liebe Leser, es ist Montagabend und draußen regnet es. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, was für ein sonniger Tag gestern war. Aber so wars. Und weil wir nichts anderes haben, schreiben wir darüber.

Dü dü dü, na na na, mo mo mo .

Am Wochenende vorher noch T-Shirt-Wetter, am Samstag dann Spiele mit rotem Ball. Da kann man schon mal Hoffnung auf Hamburger Wetter haben, aber es kam anders, als man dachte. Unsere Protagonisten trafen sich also so morgens im Fanladen und frönten den Getränken, als der Tag das erste mal so ein bisschen schwierig wurde. Gab es doch keine Rumkugeln beim Bäcker und Kaugummis flogen von den Balkonen. (Kein Witz!)

Dafür aber ein Showelement der feinen Sorte, denn da standen doch viele Leute rum, die wir mal so der dritten Halbzeit zuordnen würden. Irgendwann wollten die los (zu einem verabredetem Ding?), aber „unsere“ Zivis waren auch am Start, sodass sie nicht weit kamen. Irgendwie wirkte das alles so unkonspirativ. Aber ganz ehrlich: Wir sind da auch Laien.

So ein paar Dresdner, die auch aussahen, als ob sie eher nicht zum Biertrinken im Viertel sind (Vorurteil, ganz klar) hatten auch noch einen freundlichen Schnack mit der Polizei, aber sonst blieb es wohl insgesamt ruhig.

Der eine Teil dann am Jolly Scones gemampft (legga!), der andere Teil am Container noch jeden begrüßt, der nicht bei drei auf den Bäumen war – dann rein ins Stadion. In der Sonne war es zu warm für Mütze, im Schatten zu kalt, aber hey, nicht nörgeln bei so ’nem schönen Herbsttag.

Schön waren auch die Choreos auf beiden Seiten. Wer aus diesem Pipifaxrauch den Untergang des Abendlandes konstruieren will, der glaubt ebenfalls an den Weltuntergang am 21.12.12. Dies und alles weitere wurde bei unserem Gegengeraden-Teil immer mit „Das ist (halt) Dynamo“ kommentiert. Dynamo ist schon beeindruckend, wenn es um Support und Choreos geht. Aber das drücken die genauso konsequent durch, wie eben auch Pyro zu zünden und keine Ordner in ihren Blöcken oder an ihren Fahnen zu dulden. Das kann man sich nur bewundernd und kopfschüttelnd gleichzeitig ansehen. Daher der Ausspruch.

Dagegen war bei uns Lahmarschtag. Nee Leute, das typische Bashen der jeweils anderen Tribüne ist scheiße. Weder ist die GG nur still, noch stört die Süd mit Dauerlala. Hier kann sich jeder mal jetzt genau an seine eigene Nase fassen, von seinem hohen Ross heruntersteigen und dann gemeinsam weiter arbeiten. Gerade ergibt das Bashing deswegen keinen Sinn, weil man ja nicht die Schnarchnasen, sondern die Aktiven trifft. Die Schnarchnasen interessiert das sowieso nicht.

Zum Spiel: Das Ganze war die ersten 40 Minuten einfach schlecht. Unsere Jungs mental zu langsam, lauffaul, viel zu weit weg von den Gegnern und zu breit aufgestellt. Kalla auf Außen mit seinem guten Gegenspieler komplett überfordert und beim 0-1 einfach auch so hmmmm… Doch plötzlich, als hätten die Jungs einen Schalter gesucht und nun gefunden, kippt das Spiel. Boll, immer wieder Boll und Boll dreht sich und dreht dadurch das Spiel. 1-2 und neue Hoffnung.

Der Kapitän holt seine Mannen zu sich, redet auf sie ein und erst dann gehen sie in die Halbzeit. Plötzlich ist alles anders. Kampf, alle beißen sich rein, auch Kalla gewinnt mal einen Zweikampf und das Spiel kippt. 2-2 und 3-2 innerhalb kürzester Zeit.

Und dann beginnt das große Zittern. Eine Spitzenmannschaft hätte den wankenden Gegner ausgeknockt, das können unsere Jungs leider noch nicht. ABER sie zeigten Charakter, sie bestanden den Charaktertest – und schließlich ist Abstiegskampf auch immer eine Charakterfrage. Optimistisch gesehen, könnte dieses Spiel der Wendepunkt der Saison sein.

Nach dem Spiel gab es Klopse. Königsberger Klopse. Und viel Herumgerenne im Viertel. Aber was da los war? Keine Ahnung.

Okt 272012
 

oder

Was genau wollen wir denn da?

Vorwort

Liebe Leser, häufig werden wir gefragt, warum wir eigentlich keine Anträge stellen. Das ist eine berechtigte Frage und man kann uns gerne als nörgelnde Nichtstuer sehen. Für uns geht es aber um eine Trennung der Ziele. Gerade die JHV-Berichte sind ein sehr wichtiger Teil der vereinspolitischen Tätigkeit dieses Blogs. Wenn man über so ein Ereignis so genau und so detailliert berichtet und es mit Kommentaren begleitet, dann sollte man aus unserer Sicht am besten nicht selber Akteur sein. Sonst verschwimmen die Grenzen zwischen Handlung und Bericht. Kann man auch anders sehen, aber wir halten es weiterhin so. Natürlich sind wir aber trotzdem Akteur im JHV-Spiel. Und wir wollen euch natürlich ein paar Hinweise an die Hand geben, was man auf so einer JHV alles machen kann.

Was werden wir nicht machen?

Wir wählen kein wirklich wichtiges Gremium. Wir wählen „nur“ den Ehrenrat, der zwar eines der Herzen des Vereines ist, aber keine wirklich operative Funktion hat. Da eine Wahlempfehlung abzugeben verbietet sich schlichtweg. Aber wenn ihr den Schlesselmann nicht wählt, dann werdet ihr unter „Das Schiff“ im Fleet verbuddelt!!!!!

Wir wählen aber weder Aufsichtsrat noch Präsidium neu. Das ist wichtig zu wissen und zu beachten.

Kann man denn das Präsidium abwählen?

Kurze Vorbemerkung: Ganz ausdrücklich lassen wir mal die Frage offen, ob so ein Schritt sinnvoll ist. In einem Spannungsverhältnis zwischen „Ruhe im Karton“ und „So geht es nicht weiter“ kann man da ungefähr 1.000.000 differenzierte Meinungen vertreten. Wenn man in die sozialen Netzwerke, Foren und in den Tribünenschnack hineinhört, dann gibt es einige Leute, die deutlich in Richtung „So geht es nicht weiter“ tendieren. Da kann man sich ja mal die Frage stellen: Wie geht das eigentlich mit einer Abwahl?

Ausgang für eine Betrachtung ist – wie soll es anders sein?- unsere Satzung. Nach § 13 Abs. 6 kann jedes Mitglied eines Organs durch „Beschluss mit einer Dreiviertelmehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen […]aus wichtigem Grund abberufen“ werden.

Und dies ist aus juristischer Sicht nicht ganz unproblematisch. Hier müssen nämlich zwei Voraussetzungen erfüllt sein. Eine Dreiviertelmehrheit, ist die Erste und die wäre schon schwer zu bekommen, aber dann muss ich noch einen „wichtigen Grund“ haben. Und vom Wortlaut der Satzung ist dies nicht etwa die Dreiviertelmehrheit. Ein Vater unserer jetzigen Satzung meinte, dass es eigentlich so gemeint sei, dass die große Mehrheit der wichtige Grund sei, aber dies steht da nicht.

Sprich: Hier wäre juristischer Ärger vorprogrammiert. Und wenn man dann noch bedenkt, dass „wichtiger Grund“ ein juristisch feststehender Begriff ist. Folgende Definition findet man: Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann. Ihr merkt: Selbst wenn eine Dreiviertelmehrheit erreicht wird, ob das vorliegt, damit kann man sehr viele Juristen sehr lange beschäftigen.

Und es gibt noch andere Stellen, an denen man Juristen wahnsinnig machen kann, denn während in § 13 Abs. 6 nur von einer mündlichen Verteidigung ausgeht, regelt dann § 15 Abs. 3, dass man den Antrag schriftlich begründen muss und dann die Möglichkeit der schriftlichen Verteidigung einräumt. Bemerkenswert dabei: In § 13 Abs. 6 wird ein Antrag nicht wirklich als Voraussetzung genannt. Geht das Ganze also auch ohne Antrag? Einfach als Beschluss? Wohl eher nicht, denn die JHV beschließt ja nur auf Antrag. Aber: Geht eine erweiterte mündliche Begründung? Das klärt die Satzung nicht wirklich.

Als Frist findet sich jedoch nur die normale Zweiwochenfrist für Anträge § 15 Abs. 2 der Satzung. Wird dann ziemlich spannend und knapp, wenn man sich gegen eine umfassende Antragsfrist wehren muss.

Noch ein kleines Detail ist wichtig: Die pauschale Abwahl ALLER Präsidiumsmitglieder ist nicht möglich. Man muss jeden Einzelnen mit einer eigenen Begründung und einem eigenen wichtigen Grund abwählen. Das macht das ganze eher komplizierter als einfacher.

Mal sehen, ob jemand einen solchen Antrag (bzw. Anträge) stellt. Man müsste dann wohl wirklich begründen, warum eine Zusammenarbeit bis November 2014 (gewählt wird das Präsidium für vier Jahre § 23 Abs. 2 und gewählt wurde es im November 2010) unzumutbar ist. Ob man dies alleine in unterschiedlichen „politischen“ Auffassungen finden kann, sei mal dahin gestellt, ein wirklich strafbewehrtes Vergehen bzw. ein Verstoß gegen die Satzung, ist eine andere Meinung als eine große Mehrheit der Vereinsmitglieder nicht, so lange man nicht gegen klare Handlungsanweisungen widerspricht.

Kurz: Selbst wenn man eine dreiviertel Mehrheit organisiert bekäme, hieße dies noch lange nicht, dass die Abwahl kampflos hingenommen wird. Ein Präsidium könnte ohne weiteres versuchen vor Gericht zu gehen und sich so im Amt zu halten.

Und was kann man sonst so beantragen?

Alles! Unser § 13 Abs. 5 regelt ausdrücklich, dass man konkrete operative Aufträge formulieren kann. Ein Verbot, beispielsweise das „Sicheres Stadionerlebnis“-Papier zu unterschreiben, ist also ohne weiteres möglich. Problematisch wird dabei nur, den Antrag so zu formulieren, dass er nicht umgehbar ist. Man kann sich das sehr gut an dem gewähltem Beispiel deutlich machen, denn wenn man jetzt einen Antrag stellt „Ihr dürft nicht diesem Papier zustimmen“, dann zaubert die DFL ein Kompromisspapier aus dem Hut, in dem sich z.B. der Punkt „Kodex“ nicht mehr findet, die anderen Giftbomben aber schon. Und schon meint unser Präsidium, nicht mehr gebunden zu sein.

Hier eine Formulierung zu finden, welche sowohl das Gewollte ermöglicht, wie auch dem Präsidium weiterhin Handlungsfreiheit und Spontaneität gibt, das ist halt das Schwierige. Und zeigt auch, dass es besser ist, ein Personal zu haben, welchem man in Stresssituationen vertraut.

Und was wird so beantragt werden?

Man kann davon ausgehen, dass ein Antrag sich mit dem „Sicheres Stadionerlebnis“-Komplex beschäftigen wird. Hier kann man nur zustimmen, denn jede Zustimmung zu dem jetzigen populistischem Papier wäre ein Verrat am FCSP.

Man kann sich ebenfalls vorstellen, dass die Goliathwache zum Thema wird. Auch hier kann man nur zustimmen. Hier ist zu beachten, dass man nur mittelbar eigreifen kann, denn für die Vermietung des Stadions ist nicht der Verein selber zuständig, sondern eine Tochter, die wieder eigene Geschäftsführer hat, denen der Verein dann als Gesellschafter entsprechende Weisungen erteilen muss. Der Antrag muss dann darauf hinauslaufen, dass der Verein verpflichtet wird, seine Gesellschaftsrechte so auszuüben, dass er die Gesellschafter anweist, dass… Ihr merkt: Die Fallstricke bei solchen Formulierungen sind reichlich vorhanden.

Dann wird es wohl den Antrag geben, die Gedenksteine für Vierkant und Helbig zu entfernen. Grundsätzlich ist auch hier zuzustimmen – auch ganz nebenbei ein Antrag, den am Ende die Tochtergesellschaft als Eigentümerin des Stadions ausführen muss. Man kann nur hoffen, dass die Begründung dann so gefasst ist, dass endlich jegliche Extrawürste entfernt und für die Zukunft unmöglich gemacht werden. Zumindest ohne einen Beschluss der JHV. Die Gefahr ist hier nämlich, dass mit einem zu eng gefassten Antrag zwar dieses Ärgernis entfernt wird, aber alle anderen Ärgernisse legitimiert werden. Und gerade in der Ehrungsdiskussion gab es in letzter Zeit mehr als genug Ärger.

Sind bei euch noch Fragen offen geblieben? Fragt in den Kommentaren, wir versuchen nach bestem Wissen und Gewissen zu antworten.

Okt 242012
 

Liebe Leser, es gibt Dinge, die können nicht nur einfach so in der Welt der sozialen Netzwerke finden und hier keinen Niederklang finden:

1. Union Präsident Zingler im Interview mit der 11 Freunde:

„Ein Beispiel: Der Maßnahmenkatalog, den man auf der DFL-Tagung Ende September vorgestellt hat, wurde von erfahrenen Kollegen aus den Vereinen, so zumindest die Aussage der DFL, erarbeitet. Da stelle ich mir die Frage: Welche Art von Erfahrungen sind da eingeflossen? Wer von diesen Kollegen ist denn das letzte Mal in einem Auswärtszug mitgefahren und wurde von mehreren Hundertschaften schwer bewaffneter Polizisten empfangen? Wer erlebt denn Fußball in der Kurve? Wer sieht denn die Repressalien? Bei einem Auswärtsspiel Union gegen Frankfurt fuhren etwa 1500 Fans im Zug mit, davon wurden vielleicht 80 der Kategorie »gewaltbereite Anhänger« zugeordnet. Trotzdem wurden alle 1500 gleich behandelt: wie Kriminelle.“

 

Liebe Verantwortliche des FCSP, lesen, verstehen und schämen, dass man nicht selber auf die Idee gekommen ist. Ach ja: Nach Braunschweig (Sicherheitsspiel) gibt es eventuell einen Sonderzug, wir erwarten eigentlich ein vollständig angetretenes Präsidium.

 

2. Schwatzgelb zum Spiel gegen Schalke 04

 

„Was passiert denn da bei Euch? Ihr habt doch Sicherheitsbesprechungen, Einsatzbesprechungen und Funkgeräte. Ihr beschäftigt doch extra geschulte Beamte, deren einziger Job eben genau diese vereinsübergreifende Koordination und Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort ist? Redet Ihr überhaupt miteinander? Sprecht Ihr Polizisten in Gelsenkirchen mit Euren Kollegen in Dortmund und umgekehrt? Sprecht Ihr Landespolizisten mit Euren Bundespendants oder interessiert Euch nur der jeweilige Aufgabenbereich und damit hat es sich?“

Die entscheidende Frage ist doch: Warum beschäftigt man sogenannte Szenekundige Beamte? Nur um dort immer die Leute hin abzuschieben, die auf keiner anderen Stelle irgendwas konnten? Wenn die offizielle Fanbetreuung (Das ist nicht das Fanprojekt!) mit den Ultras geht, dann kann man wohl schlecht von „Konspirativ“ sprechen. Entweder sind die Einsatzleiter nach einem solchen Einsatz sofort zu versetzen oder das geschieht mit Absicht. Die Interpretation überlassen wir mal euch, liebe Leser.

Die Frage ist doch: Wann endlich begreifen die Medien, dass sie hier von der Polizei nach Strich und Faden verarscht werden und hier entweder jedesmal grauenhafte Inkompetenz zur Schau gestellt wir oder ein riesiges Komplott von demokratiefeindlichen Kräften gestrickt wird?

 

Okt 222012
 

oder

Zwischen nervig, Nerven und Happy End

Vorwort

Liebste Leser, irgendwann diese Woche werden wir euch noch mit einem JHV Bericht nerven, aber heute konzentrieren wir uns mal auf eine Fahrt ins Ostwestfälische.

Käpt’n Kalla

Leider mussten es meine beiden Mitblogger vorziehen in Hamburg zu bleiben, so dass ich alleine mich auf den weiten Weg in eine andere Welt machen musste. In die Paderborner Welt. In diese Welt wollten auch viele St. Paulianer, so dass nach einem peinlich leeren Gästeblock in Aue und vielen Fahrten in kleiner Gesellschaft ein ausverkaufter Gästeblock die Folge war. Auch mein sonst beruflich verhinderter Dauernebensitzer hatte frei und konnte sich auf seinem angestammten Platz niederlassen. Hinter mir noch der Veteran und die M. und eine gute Gang war gesichert.

Was soll man von so einer Busfahrt erzählen? Sie gleichen sich, wie ein Ei dem anderen. Eines hat vielleicht mal einen kleinen Sprung, einen kleinen Fleck, aber wirklich Neues gibt es nach 12 Jahren Busfahrt nicht mehr zu berichten. Der Busfahrer einer der angenehmen Sorte und auch die Busbesatzung ging klar. Dem Blutgrätscher die Hand geschüttelt, schön Menschen kennen zu lernen.

Allertal, Herford Raststätten, welche die Welt nicht braucht. Pausen, die aber sein müssen. Für das Gesetz, für die Süchtigen und um mal die Knochen zu schütteln. Das Catering war gut und da wir den Beruf ins Wochenende gerettet hatten, auch die Gespräche. Alles lief auf einen entspannten Tag hinaus. Wären wir nicht nach Paderborn gefahren.

Paderborn oder Absurdistan. Kühe neben dem Stadion und ein Sicherheitsaufgebot, als ob der amerikanische Präsident zu Besuch sei. Man kann den Gästeblock und insbesondere seine Einfahrt nicht wirklich beschreiben, wenn man nicht da war, glaubt es einem sowieso niemand. Eine kleine freihändige Zeichnung soll vielleicht ein bisschen Aufklärung bringen:

Nun gut, man fährt also gut 300 Meter in einen umzäunten Gästebereich, die Tore zum Parkplatz sind geschlossen und wenn man diesen verlassen muss oder will, dann muss man ganz zurück gehen. Das absurde dabei ist, dass niemand einen hindert oder hinterfragt, warum man diesen Bereich verlassen will, sprich: Die ganze Absperrung per se schon unnötig ist! Mal ganz davon ab, dass außerhalb des Zaunes sich nur braun-weisse Autofahrer befanden. Aber es war ganz wichtig und wurde mit Polizei verteidigt, dass sowohl vor dem Spiel, als auch nach dem Spiel die Tore direkt am Stadion geschlossen bleiben.

Welcher Sicherheitswahn irgendwelche Dorfsheriffs einnebelt, die ansonsten nur Unfälle zwischen Treckern und Kühen aufnehmen müssen, zeigt sich in Paderborn. Ahnung von Fußball? Deeskalation? Angemessene Handlungsweisen? Beachtung von Bewegungsfreiheit für unschuldige Bürger? Wird alles mit einem großen Repressionshammer weggewischt.

So wurden auch die Bahnfahrer lange am Bahnhof festgehalten, weil man sie auf Glasflaschen, Pyro, und/oder AK47s durchsuchen wollte. Was so etwas soll bei einem Spiel, bei dem es noch nie ernsthafte Probleme gegeben hatte? Das wohl niemand verstehen. Gut, dass sich die Leute dem entzogen, ungut, dass es deswegen Stress gab. Um es mal klar zu sagen: Wir haben kein Bock mehr ständig von irgendwelchen größenwahnsinnigen Sicherheitsverantwortlichen hin- und hergeschubst zu werden. Es komme also niemand mit diesem „Aber wenn die Polizei das sagt, dann macht man das doch einfach“ Argument. Es gibt eine feine Linie zwischen bürgerlicher Pflicht und bürgerlichem Widerstand. Und die ist überschritten.

Aber der Kuhunfälle aufschreibende Dorfsheriff fühlte sich garantiert sehr wichtig an diesem Tag. Als dann noch am Ende versucht wurde Fans, die zu ihren Autos wollten zu kesseln, weil bei ihnen auch „Problemfans“ seien, wäre es beinah völlig eskaliert. Nur der besonnenen Reaktion aller braun-weißen ist es zu verdanken, dass dieser kleine Polizeitrupp nicht überrannt wurde.

Um das Thema abzuschließen: Leute, es ist nicht in Ordnung Gästeblöcke zu stürmen. Wenn man keine Karte bekommen hat, dann lernt die Erfahrung, dass vor Ort immer noch was geht und so war es auch in Paderborn. Gästeblöcke zu stürmen nun zu einem neuen Hobby zu machen, ist nicht in Ordnung. Auch gerade wenn das eine größere Handvoll versuchen. Und man muss sich dann auch nicht über Gegenreaktionen wundern. Jedoch: Liebe Polizei, lasst doch endlich mal dieses beschissene Pfefferspray weg. In einem engen, schlecht durchlüfteten Eingang in diesem super engen Stadion trefft ihr ständig auch alle möglichen Leute, die gar nix dafür können. Zusammenfassend: Das war alles, was an diesem Tag passierte. Auf jeder Kuhwiesenfete ist mehr los.

Lösen wir uns nun aber vom Paderborner Generve und genießen die Sonne. Genießen einen schönen Tag, stehen auf der Wiese rum und unterhalten uns locker. DFL Papiere? Die können uns doch nicht mehr aufregen! Sonnengeküsst begeben wir uns ins Stadion.

Und im Presseraum empfängt mich der SportMikrofon Schreiberling mit der Aufstellung. Jan-Philipp Kalla als Kapitän, Boller ist verhindert und Ginczek im Sturm.

Und nun muss eine Ode an unsere Jungs folgen. Eine Ode als Gegenwind zu dem Shitstorm der Möchtegerntrainer im Internet. Da liest man bei Kalla „er habe seine Zweitligauntauglichkeit ja schon mehrfach bewiesen“ oder über Ginczek liest man „dass er nie 15+ Tore in Liga 1 oder 2 machen wird“. Ich bin es einfach leid. Leid solche Thesen zu lesen, die sich auf ein Konzept stützen, was einem Menschen über dem Alter von 17 anscheinend jegliche Entwicklungsfähigkeit abspricht. Man fragt sich immer, ob die Schreiberlinge diese Sozialdarwinismusthesen auch außerhalb des Fußballs vertreten.

Ja liebe Leser, ich mag Jan-Philipp Kalla. Ein stiller Junge, ein Hamburger Junge. Garantiert nicht der beste Außenverteidiger der Welt. Garantiert nicht der beste Spieler, der für uns jemals gespielt hat. Darum geht es nicht. Darum geht es bei Sympathien für Spieler selten. Es geht um Vokabeln wie Eigengewächs, Bescheiden, garantiert nicht Topverdiener.

Ein Spieler, den ich durch die Ränger der U23 wachsen sehen habe. Dort war er auch ein Führungsspieler, trotz seiner ruhigen, unauffälligen Art. Und so führte er seine Jungen auch als Interimskapitän aufs Feld: Ruhig, bescheiden, nicht im Mittelpunkt stehen wollend. Ein Lob an Fronzeck, der nicht nur anscheinend eine Hackordnung respektiert und fortführen will (Kalla ist immerhin Kassenwart der Truppe), nein auch auf ein Eigengewächs in diesem wichtigen Spiel zu setzen zeigt Mut und ist ein Fingerzeig für die Zukunft. Und zwar ein Fingerzeig dahin, nicht immer den gerade gekauften Spieler denen vorzuziehen, die aus den eigenen Reihen stammen. Und dies obwohl mit Kringe auch ein „Neuer“ auf dem Platz stand, der sich sehr wohl als Führungsspieler eignet, aber eben noch nicht so fest in der Ordnung steht. Rückblickend alles richtig gemacht, Trainer.

Denn auch Kringe explodierte. Es ist ihm anzumerken, dass er sehr viel fitter ist, als zu Beginn der Saison. In den ersten 15 Minuten musste man sich ja fragen, welche Position der Florian gerade nicht besetzt. Überall war er zu finden und mit einem unglaublichen Laufpensum. Das dies nicht durchhaltbar sein würde, war jedem wohl nach fünf Minuten klar. Trotzdem ein richtig sauberes Spiel von ihm.

Ginczek? Bekam die Kicker Note 2, hätte wohl eine 0,5 bekommen, wäre er nicht noch zu hektisch vor dem Tor. Aber der Körper, die Stabilität und die technischen Fähigkeiten beeindrucken. Und über einen Jungen von gerade mal 21 Lenzen den Stab zu brechen, wie oben zitiert, ist doch sehr albern. Miro Klose machte z.B. sein erstes Profispiel mit 22 Jahren.

Aus unserem gut funktionierendem Kollektiv, welches nur deswegen nicht gewann, weil Kruse im gegnerischen Tor einen Sahnetag hatte, sei noch der Fin herausgehoben. Beweglich, Torgefährlich (!!!), mutig im Abschluss. So soll es sein.

Ach Deniz, weißt du, Profifußball mit seinen ganzen Grenzen und seiner notwendigen Diszplin wird wohl immer mit dir auf Kriegsfuß stehen. Aber wenn man dir anmerkt, wie du einen Verein liebst, wie dir dein Herz blutet, dann blutet auch unseres. Deniz: Du wirst immer einer von uns sein. Und ja, auch weil du eben nicht professionell in Rostock gewinnst, sondern weil du aus deinem Herzen keine Mördergrube machtest. Still loving Deniz. Auch wenn du das nächste Mal bitte vorbei schießt. 😉

Und daher ist die Anfeuerung aus dem Gästeblock auch richtig. Punkt. Und immer noch besser als das Paderborner auspfeiffen von Saglik. Dieser präsentierte sich sowieso sehr gut aufgelegt und wenn man direkt vor dem Paderborner Heimblock nur braun-weiß hört, dann sagt das alles.

Der Padeborner Sicherheitswahn zwang einen noch zu einem Spaziergang und dann ging es auch wieder nach Hause. Der Sonnenstich zog seine Bahn und so fantasierten wir munter über ein Pokalfinale, in dem die Truppe von heute aufläuft. Gegen Bayern. Bruns wird humpelnd in Minute 119. eingewechselt. Alle verschießen. Er läuft an, unten links, Neuer ahnt die Ecke, aber er ist drin. 1-0 Pokalsieger. Und als Schnecke den Pokal von der Kanzlerin bekommt, ist er ihm zu schwer und er fällt mit ihm auf sie. Und beendet unglücklich die Kanzlerschaft. Jemand was dagegen?

Trotzdem: 8 Punkte und -6 Tordifferenz nach 10 Spielen ist besorgniserregend. Man mag die Steigerung in den letzten beiden Spielen anerkennen. Sie brachte uns aber nur 2 Punkte. Ein Vergleich: 99/00 nach 10 Spielen 8 Punkte und -4 Tordifferenz 02/03 8 Punkte und -11 Tordifferenz. Das Ende in diesen beiden Jahren sollte bekannt sein.

Und deswegen muss gegen Dresden das Stadion brennen. Wer nicht 100 % motiviert ist, dem Gegner durch brüllen, pöbeln und singen schlotternde Knie zu geben und unseren Jungs diese notwendigen Extraprozent, der sollte seine Karte noch heute zu Tommy in die Tauschbörse geben. Feuern wir sie an, die Hölle von St. Pauli!

Okt 182012
 

oder

Der DFB will auch mal Blödsinn sabbeln

Vorwort

Liebe Leser, man denkt ja immer, dass es mit dem Papier der DFL sein Bewenden hat und man sich nur an diesem Schwachsinn abarbeiten muss. Uns folgend haben das viele Leute gemacht. Eine sehr umfangreiche Übersicht über die Leute, die es in braun-weiß getan haben, hat das Tödchen in seinem Blog veröffentlicht und pflegt die auch.

Überregional muss man wohl die neun Seiten von Union Berlin in den Himmel loben. Hier nimmt ein Verein (Präsidium, Wirtschaftsrat und Fans GEMEINSAM) nicht nur lobenswert deutlich Stellung, nein, die Argumente werden nahezu wissenschaftlich präzise präsentiert und befußnotet widerlegt. Das ist schon der Hammer. Also Leute: Lesen!

Nun aber zu unserem heutigen Thema

Bitte was?

Nun wollte der DFB aber nicht untätig bleiben und musste in diesem Überbietungswettbewerb der populistischen Papiere auch ein Erzeugnis auf den Markt werfen. Sein Papier bringt es dann aber nicht auf 33 marketingtechnisch perfekt ausgearbeitete Seiten, das Ganze kommt stattdessen als profaner 10-Punkte-Plan im Word-Dokument daher. Wir haben das mal als PDF online gestellt.

Liebenswert, kann man da ja beinahe sagen: Das ist noch ein Verband, amateurhaft und nicht so durchstrukturiert und kommerzialisiert wie die DFL. Aber da enden dann auch schon die Zuneigungen. Denn das Papier überrascht. Im negativen Sinne.

Ziel der Sportgerichtsbarkeit?

Da heißt es in Punkt 1 so schön:

1. Primäres Ziel der Sportgerichtsbarkeit ist nicht die Bestrafung von Vereinen, sondern die Ermittlung der verantwortlichen Täter, deren Bestrafung bzw. Inregreßnahme und die Verhinderumg zukünftiger Ordnungsverstöße. Dabei ist sie auf die Unterstützung und Mitwirkung der für die unmittelbare Spielorganisation verantwortlichen Vereine ebenso angewiesen wie auf die Mithilfe der 99% rechtstreuen Fußballfans in den Stadien.

Man lässt die Kinnlade automatisch vor Schreck nach unten fallen. Aber lösen wir uns mal von „Denunziantentum“ und anderen Worten, die einem sofort auf der Zunge liegen, sondern betrachten wir das ganze einfach mal juristisch.

Und da muss man gleich mal Erstaunliches feststellen. Wer auch immer das Papier wirklich ausgearbeitet hat, er kennt die Satzung des DFB nicht. Zitiert wird in der zugehörigen dpa-Meldung der Vizepräsident für Recht Herr Koch!

Denn diese regelt die Zuständigkeit (also das EINZIGE Ziel) der DFB-Gerichtsbarkeit. Man lese bitte § 42 der Satzung des DFB. Da steht etwas diametral Anderes. Und eine Änderung ist weder per Punktepapier noch per Order von Oben möglich. Es wird auch beim DFB eine satzungsändernde Mehrheit auf einem Bundesverbandstag notwendig sein.

Die Funktionäre des DFB regeln hier also etwas, was sie gar nicht dürfen. Dazu wäre – wenn überhaupt – die Basis des DFB über Verbandstage ermächtigt. Viel weiter kann man sich von der Basis nicht entfernen.

Sie vergessen noch etwas Anderes. Der DFB hat eine Gerichtskompetenz nur gegenüber seinen Mitgliedern. Punkt. Der DFB ist ein Vertrag. Und Verträge gelten nur gegenüber denjenigen, die ihn auch unterschrieben haben. Punkt. Ein Vertrag zuungunsten Dritter gibt es nicht. Dicker Punkt.

Kurz: Wenn der „Randalierer“ nicht Mitglied eines Fußballvereines ist, dann hat die DFB-Gerichtsbarkeit da kein Ziel, keine Kompetenz, Ende aus Micky Maus.

Und bereits damit kann man das Ganze eigentlich zusammenknüllen und in die Tonne werfen.

Pflicht? Welche Pflicht?

Punkt 2 beginnt ja eigentlich ganz nett:

“ 2. Geldstrafen gegen Vereine, Zuschauerteil- und -vollausschlüsse treffen in Anwendung des Prinzips der verschuldensunabhängigen Haftung in der Regel nicht nur die unmittelbar Schuldigen, sondern auch unbeteiligte Zuschauer und in Mithaftung genommene Vereine. Sie werden vielfach als ungerecht empfunden und sollen deshalb vor allem dann verhängt werden, wenn die Vereine ihrer Pflicht zur Tatverhinderung und Tataufklärung bzw. Täterermittlung nicht im gebotenen Maß nachgekommen sind.“

Zu Beginn denkt man ja: Hurra, sie sind zur Besinnung gekommen! Aber nein, sie meinen, die Vereine hätten eine Pflicht zur Tatverhinderung und zur Tataufklärung bzw. Täterermittlung. Woher kommt denn diese Pflicht? Also aus den Durchführungsbestimmungen des DFB anscheinend nicht, eine Suche findet zumindest das Wort „Täter“ nicht. Tataufklärung auch nicht.

Der geneigte Bürger wird nun denken, dass sich eine solche Pflicht vielleicht aus dem Gesetz ergibt. Und hier muss man ein entschiedenes „Jein“ als Antwort geben. Man MUSS zwar als Zeuge aussagen, wenn man denn als Zeuge benannt wird bzw. gefunden wird. Eine Pflicht zur aktiven Suche nach Zeugen oder Beweisen findet man jedoch im Gesetz nicht. (Ist ja auch eine klassische staatliche Aufgabe.)

Kurz: Hier konstruiert der DFB eine Pflicht aus dem Nichts. Ohne Grundlage, ohne Gesetz, ohne irgendwas.

In Punkt vier merkt der DFB beinah selber, dass da irgendwas nicht stimmen kann:

„4. Es ist Aufgabe und Pflicht der DFB-Rechtsorgane nach der Satzung von DFB und DFL, die Einhaltung dieser Vorschriften durchzusetzen und Verstöße konsequent zu ahnden. Sie bedürfen hierzu der Unterstützung vor Ort bei jedem Spiel. Wie bei FIFA und Uefa, sowie den meisten europäischen Spitzenligen seit langem üblich und bewährt sollten jetzt schnellstmöglich auch in den Bundesligen Spieldelegierte von DFB und DFL eingeführt werden.“

Eben Satzungen DFB, DFL und Spielvorschriften. Aber eine Gesetzgebung per Positionspapier ist auch im DFB nicht möglich. Und auch nicht sinnvoll.

Ob so ein Spielbeauftragter Sinn ergibt, vermögen wir nun nicht zu sagen. Mag sein, mag auch nicht sein. Wenn er z.B. ein gutes Hörgerät hat, mal rassistische Gesänge wirklich hört und aus Naki nicht Nazi macht, dann wäre er absolut begrüßenswert.

Gleichsetzungen sind Scheiße!

Dann verlässt den DFB wieder die Sinnhaftigkeit:

„5. Gewalt, rassistische oder diskriminierende Äußerungen oder grob unsportliche Verunglimpfungen stellen ebenso wie der Einsatz von Pyrotechnik schwerwiegende Verstöße gegen die Stadionordnungen dar, die keinesfalls toleriert werden dürfen. “

Mal ganz davon ab, dass Pyrotechnik gesetzlich (in den meisten Fällen) verboten ist und es dann etwas albern wirkt, da auf die Stadionordnungen zurückzugreifen, so ist es noch alberner, mal wieder den Eintopf der Fürchterlichkeiten zu rühren. Man muss endlich mal differenzieren, konkretisieren und auch angemessen reagieren. Es ist eben immer noch etwas Anderes, ob nun eine Masse im Stadion Affengeräusche macht, ein 1000-Mann-Mob Auswärtsfans jagd oder ob irgendwie relativ folgelos ein Bengalo brennt. Oh ja, man kann auch Letzteres doof finden. Aber verhindern tut man es nicht mit der Gießkannenbestrafung.

Reden können wir sehr gerne, aber wir wissen nicht worüber

Aber der DFB kann noch absurder:

„6. Die Einbeziehung von Fans und ihren Vertretern in die Diskussion der Verbände und Vereine über die Ausgestaltung von Stadionordnungen ist wichtig und wünschenswert. Gewalt, rassistische, diffamierende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen, sowie der Einsatz von Pyrotechnik stehen dabei jedoch nicht zur Disposition.“

Man möchte ihn erstmal anschreien. „WENN DAS DENN SO WICHTIG IST, WARUM HABT IHR ES TROTZ STÄNDIGER ANGEBOTE DER FANS NOCH NIE GETAN????“

Und dann lest ihr mal Punkt 5 und dann Punkt 6. Und noch mal. Fällt euch was auf? Der DFB will nicht nur die in Punkt 5 genannten Punkte nicht verhandeln. Nein, er will auch noch verunglimpfende und diffamierende Äußerungen nicht verhandeln. Sieht sie aber nicht als schwerwiegenden Verstoß? Sprich: Liebe Fans, wir reden mit euch, aber in unserer Vereinbarung wird stehen, dass ihr danach ein Tennispublikum seid.

Ihr habt ja wohl ’n Arsch offen?

Die letzten drei Punkte (Punkt 10 ist eigentlich kein Punkt, der musste da nur rein, damit man 10 Punkte hat) fassen wir mal zusammen:

„7. In Zusammenarbeit mit der Abteilung Sicherheit des DFB, den verantwortlichen Stellen des Ligaverbandes, der DFL und den betroffenen Vereinen soll der personell zu verstärkende Kontrollausschuss zukünftig noch mehr fallbezogene Maßnahmen erarbeiten, die die Durchsetzung der Ordnung und die Ermittlung der Täter in den jeweils betroffenen Stadionblöcken gewährleisten können und vom Sportgericht als Weisung oder Auflage in das Urteil aufgenommen werden.“

„8. Die Vollstreckung von neben Auflagen oder Weisungen verhängten Strafen (Geldstrafen, Teilausschlüsse, Vollausschlüsse) sollte wie bei der Uefa seit langem erfolgreich praktiziert ganz oder teilweise zur Bewährung ausgesetzt werden können. Die Möglichkeit von Bewährungsstrafen sollte deshalb in der Rechts- und Verfahrensordnung verankert werden.“

„9. Besonders strafmildernd sollte sich zukünftig bei Vergehen in den Tribünenbereichen die Ermittlung der schuldigen Täter auswirken. Dies eröffnet den Vereinen und den rechtstreuen Fans die Chance, mittels ordnungsdienstlichen Maßnahmen und Beiträgen zur Tataufklärung gravierende Strafen wegen Taten, die sie selbst nicht verschuldet haben, zu vermeiden oder zumindest abzumildern. Zugleich wird dadurch verhindert oder zumindest erschwert, dass sich die schuldigen Täter in der Masse rechtstreuer Fans verstecken können.“

Es fängt wieder gut an, denn etwas in der Rechts- und Verfahrensordnung zu verankern, in der sich zur Zeit nicht mal der Teilausschluss findet, ist richtig und auch ein Abbau eines vorhandenen und an dieser Stelle bereits breit kritisierten Demokratiedefizites.

Der Rest ist dann wieder hanebüchener Unsinn. Freundlich ausgedrückt. Wenn so ein Täter denn nun durch den heldenhaften Einsatz eines Vereines ermittelt wird, wann soll diese Milderung denn greifen? Nach einer rechtskräftigen Verurteilung durch Strafgerichte? Höre ich Zweifel in der Leserschaft? Die haben wir auch. Die Verdachtspraxis bei den Stadionverboten lässt auch hier Unschönes erwarten. Und dann haben die Vereine nur noch ein Ziel: Möglichst schnell einen Täter zu präsentieren. Einen MUTMASSLICHEN Täter. Ob er es wirklich war? Who cares? Und ob so ein Klima des „Wir müssen aber einen Täter präsentieren“ nun wirklich für eine friedliche Kurve sorgt? Ein Klischeefall (bitte, der ist natürlich konstruiert und Klischeeüberladen) Kutte A ist wie immer gut angetrunken in die Kurve gekommen. Da zündelt Ultra B oder C vor ihm. So genau erkennt er das nach seinen zehn Bieren nicht mehr. Er erinnert sich aber daran, dass sein Verein eine Strafe bekommt, wenn er jetzt nicht einschreitet. Er schreitet also ein, holt den Ordnungsdienst, verwechselt aber leider B, C mit D und zeigt diesen beim Ordnungsdienst an.

Nun liebe Leser, wie diese Geschichte ausgeht, könnt ihr euch selber stricken, oder?

Und das erstaunliche: Wir haben das Wort „Denunziant“ gar nicht in den Mund genommen. Es ist einfach Unsinn, Fans zu kleinen Hilfssheriffs machen zu wollen. Der geneigte Fußballfan ist eben emotional aufgeladen und hatte vielleicht auch sein Bierchen. Da sind Falschbeschuldigungen, Auseinandersetzungen über Falschbeschuldigungen und auch Zurechtweisungen vorprogrammiert.

Fazit?

In die Tonne damit. Wir sind die 1 %

Okt 172012
 

Liebe Leser,

am Freitag beginnt wieder die Anmeldung zu „unserer“ Veranstaltung. Für nur 12 Euro könnt ihr das Viertel unsicher machen, euch sportlich betätigen, Fanräume fördern und dazu noch eine Menge Spaß haben. Die Anmeldung beginnt am 19.10. (böse Gerüchte sagen um 19:27 ;-)).

Und vielleicht hängt euch euer Lieblingsblog 😉 am Ende Medaillen um den Hals, wir sind nämlich im Helferteam zu finden. 800 Plätze, beeilt euch also mit der Anmeldung!

Okt 152012
 

Vorwort

Liebste Leser, am Ende der letzten Saison machten wir ein Tippspiel und versprachen dem Gewinner des ersten Platzes ihm hier Platz für einen Gastbeitrag zu liefern. Und nun freuen wir uns, dass Finn nun mit Insiderwissen aus dem Praktikum im Fanladen rausrückt. Aber lest selbst:

Moin!

Mein Fußballsachverstand zwingt Euch nun, meinen Blech auf dem magischerfc-blog lesen zu müssen. Besagter Blog hat so eine Art Tippspiel beim allseits beliebten Facebook gestartet und meinereiner siegte durch puren Pessimismus. Als würde St. Pauli in Fürth was holen! Somit habe ich nun hier die Möglichkeit, einer Menge Menschen meinen kleinen Bericht zu meiner Schaffenszeit im besten Fanprojekt der Welt zugänglich zu machen. Schon lange schiebe ich dieses Vorhaben vor mir her und hatte als Sprachrohr dafür den Kiezkieker im Visier. Nun aber dieser Hauptgewinn. Et voilà!

Erzieher Ausbildung in Mölln (S-H) und ich habe den ganzen Mist schon zwei Jahre durchgehalten. Das Abschlusspraktikum stand an und der Fanladen gab zur gleichen Zeit eine Praktikumsstellenanzeige auf seiner Homepage auf. Die Bewerbung ging sofort raus und Justus lud mich zum Vorstellungsgespräch Mitte April ein. Oha, dachte ich, richtig professionell jetzt? Nun gut, so richtig gekannt haben wir uns ja schließlich nicht und die erste Frage ihrerseits lautete: Wo liegt Schmilau (mein damaliger Wohnort) und wie kommt man da weg?! Flugs noch etwas aus meiner glorreichen Praktikantenkarriere erzählt, den Fanladenhoschis ein paar fachliche Fragen zum Thema soziale Arbeit mit Fußballfans gestellt und ein doch recht gutes Gespräch geführt. Stefan versuchte unentwegt, mir die Stelle so madig wie nur irgend möglich zu machen. Thesen wie „du gibst im Prinzip dein Hobby auf“, und „wenn du abends im Jolly bist, bist du nicht mehr der Finn aus XY, oder der Finn von USP, sondern der Finn vom Fanladen“.

Geil, dachte ich mir. Ist doch n fetter Titel, oder nicht?! Der Schuss, mich so abzuschütteln ging nach hinten los und ich konnte mich mit dem Gedanken ganz gut anfreunden, der „Finn vom Fanladen“ zu sein. „Melde dich nicht bei uns, wir melden uns bei Dir!“ war dann quasi der Rausschmiss. Und tschüß!

Tage und Wochen zogen ins Land, bis Elin mir eine Zusage per Mail zukommen ließ, was mich richtig freute! Am 16.08. startete dann mein Praktikum mit einer Teamsitzung. Die Deutsche Bahn gönnte sich ausgerechnet heute ein paar Aussetzer, sodass ich trotz Sprints von Feldstraße zum Fanladen, vorbei an den Dreharbeiten für den Tatort bei Tuncay 10 Minuten zu spät kam. Fuck! „Nächstes mal bitte pünktlich!“ grummelte der Mann mit dem Bart, der bei jeder Teamsitzung stets mit dem Rücken zum Fenster saß und sich diese Selbstinszenierung wohl bei Herrn Littmann abgeguckt hat? Aber hey, mein Nachfolgeprakti Fabian kam noch später! Am Ende begleitete ich Justus zum Testspiel gegen Werder, bei dem wir uns mit den FP-KollegInnen vom SV Werder trafen, die alle in offiziellen SVW-Klamotten herumliefen. Interessant mal zu sehen, wie andere Fanprojekte arbeiten. Nächstes erwähnenswertes Highlight der ersten Woche war die BAG-Tagung im Fanhaus. Nicht ganz wohl war mir bei der Sache an der S-Holstenstraße auszusteigen und mich langsam und vorsichtig dem Fanprojekt der Rauten zu nähern. Mal ins Fenster geluschert, bloß nicht davor auf die Treppen setzen. Lieber n Stückchen weiter auf Elin und Justus warten! Dann rein – welch trister Anblick! Fettes Haus, aber sooo lieblos und kalt irgendwie. Die HSVer tischten ein bisschen Frühstück auf, am Tresen lagen ein paar Ausgaben der Gazzetta D’Ultrà herum. Kein Geld für St. Pipi…

Die größte Herausforderung im Praktikum sah ich im Perspektivenwechsel. Fuhr ich die Jahre zuvor doch in steter Regelmäßigkeit zu den meisten Auswärtsspielen, lernte ich nun die Perspektive, das ganze mal aus der Sicht des Arbeitenden zu sehen, kennen. Arbeitskarten direkt am Stadion, den Ordnern beim Einlass auf die Finger gucken, Kurvengespräch, et cetera. Sehr bemerkenswert dann der „Bereichsabschnittsleiter“ in Braunschweig beim Vorzeigen meiner Arbeitskarte mit der Aufschrift „Fanbetreuung FC St. Pauli“: „Ach, jetzt kommt ihr auch mal oder was? Wo wart ihr denn, als eure Leute das Stadion gestürmt haben?“. Einen sicheren und geordneten Einlauf ins Stadion zu gewährleisten, steht nun eigentlich nicht in der Leistungsbeschreibung eines Fanprojekts. Die Tage im Fanladen zogen ins Land und ich arbeitete mich immer besser ein. Michi von den SPS instruierte mich ins Handwerk der Quittungen und Pauli Pizza begann langsam aber sicher zum alltäglichen Spaziergang zur Talstraße zu werden. Parmesan, Rucola, Feta – müsst ihr mal machen.

Dem FL Team erzählte ich bereits im Vorstellungsgespräch von „anderen Umständen“ zuhause und regelte sofort, dass ich schnell los kann, sobald sich in Ratzeburg diesbezüglich was tut. Stichtag 15.10., natürlich peilten wir alle den 19.10. an. Tatsächlich ereilte mich an jenem Tag ein eiliger Anruf meiner Freundin… Autoscheibe eingeschlagen, Tasche geklaut. Alle Ultraschallbilder weg. Unser Baby ließ sich also Zeit, man munkelt, sie (es wird ein Mädchen) will sich noch schick machen für den großen Tag. Der Showdown stieg dann am Abend des 22.10. gegen 18 Uhr. Gegen 23.30 Uhr ringten wir uns durch, das Krankenhaus zu Fuß aufzusuchen (Gehen soll helfen) und alarmierten einen Freund, der solange die Katze hüten sollte und sich für die Zeit, die wir im Krankenhaus sind, bei uns einzeckt. Während Sarah Lena ein CTG nach dem anderen und diverse unschöner Dinge über sich ergehen lassen musste, frönte ich dem Schönheitsschlaf. Schließlich will ich für den großen Moment ausgeschlafen sein. Stefan erreichte dann die SMS, dass er mit mir zum morgigen Heimspiel gegen den FSV Frankfurt nicht rechnen könnte.

Frühmorgens wurden die Wehen stärker und stärker. Bis sie irgendwann so stark wurden, dass es die reinste Qual für alle Beteiligten war. Nach 20 Stunden Wehen, davon 10 Stunden intensive Wehen steckte unser Baby, für das wir uns bis dato noch auf keinen Namen einigen konnten, im Becken der Mama fest und kam einfach nicht weiter. Der Arzt versuchte es per Saugglocke – das perverseste, was es gibt!! Mit dem Fuß am Bett und angewinkeltem Knie stütze er sich ab, lehnte sich nach hinten und zog. Zog, zog, zog und zog. Dann ruckartiges Ziehen. Immer wieder. Es tut sich nichts! Die Herztöne vom Baby gehen runter, Mama ist körperlich am Ende angekommen, Papa psychisch gefoltert. Letzte Lösung: Not-Operation. Auf die Schnelle alle Piercings entrissen, den Anästhesisten auf die Schnelle natürlich nicht erreicht.

Nach ziemlich langen 25 Minuten im OP winkte mich eine Krankenschwester heran. Am Ende des Ganges ein Babybett. Sie gaben mir das Baby auf den Arm, ein winziges kleines Baby, welches gerade 48cm misst und 3220g leicht ist und in ein Handtuch gewickelt ist. Die Augen geöffnet, aber sichtlich mitgenommen von den Strapazen. Nach und nach trafen fast alle Verwandten ein und erfreuten sich des namenlosen Familienzuwachses. Am dritten Tage setzte sich Papa allerdings mit IRMA durch! Alternative? Fine! Geht garnicht – Finn und Fine… Dann doch lieber Irma!

Übrigens. Sankt Pauli spielte am besagten 23.10. gegen den FSV Frankfurt. Irma erblickte um 14.08 Uhr, also in der 38. Minute beim Stand von 2:0 für St. Pauli das Licht der Welt. Ist doch auch was! Aus dem Fanladen erreichten mich die Glückwünsche per SMS, auch aus der Fanszene gab es unzählige Gratulationen. Merci! Was dem Fanladen nun sehr, sehr hoch angerechnet werden muss, ist die Tatsache, dass sie mir drei zusätzliche Wochen frei gaben. Zu vorbelastet sind sie, was das Kinderkriegen angeht. Justus erwartete zu dem Zeitpunkt schließlich auch eine Tochter („13.12. – das kann nur gut werden!“) und mit Stefan und Carsten waren schon zwei frische Väter am Start. Elin hat sich davon ja mittlerweile auch anstecken lassen und einen Sohn zur Welt gebracht!

Den Leuten vom Fanladen gebührt an dieser Stelle mein ganz großer Dank. Keine Selbstverständlichkeit, wie das gelaufen ist!

Mein erster Arbeitstag im Fanladen begann mit der Frage „Na, bist froh, endlich mal wieder weg von zuhause?!“. Und zugegeben: JA!

Im Praktikum standen nun Themen wie Rostock auswärts und die Orga des Schweinske Cups an. Hierüber zu schwadronieren und alles neu aufzudröseln tut nicht Not.

Im weiteren Verlauf konzentrierte sich meine Arbeit auf die Jungs von den U18 Ragazzi. Zunächst stand ein Vorbereitungsteffen mit Sadat vom Verein „Gefangene helfen Jugendlichen“ im Fanladen an. Der Verein wurde von Ex-Häftlingen gegründet und leistet präventive Arbeit durch Projekte wie einen Knastbesuch mit Vorbereitungs- und Reflexionstreffen. So fanden sich knapp 10 Ragazzi zusammen um den Weg nach Santa Fu anzutreten. Treffpunkt war morgens um 6.30 Uhr an der Sternschanze und ich war begeistert, dass alle mit an Bord waren und niemand verschlief. Nachdem wir am Knast angekommen waren gab es das volle Programm: Jeder wurde in eine Isolationszelle gesperrt, es wurden Gespräche mit Gefangenen geführt (Mörder, Drogendealer, Zuhälter etc.), eine Führung gemacht und ein Film geguckt. Zum Schluss kamen wir noch in den zweifelhaften Genuss eines Knastessens. Es gab Senfeier mit Kartoffeln.

Außer Marco, der sich gleich noch nen Nachschlag kommen ließ, winkten alle nach den ersten Löffeln dankend ab. Einige Eier mussten ausgespuckt werden, da sie schlecht waren. Halil, einer der Häftlinge erklärte uns dann, wie das Essen im Knast zubereitet würde. Denkt euch das widerlichste aus, was du nur mithilfe deines Körpers produzieren kannst und ihr habt eine der Zutaten. Man gewöhne sich jedoch dran und wenn du nichts isst, verhungerst du eben. Nachschlag gibt’s nicht. Viele Dinge klingen klischeebehaftet, stellen sich aber im Endeffekt als Wahrheit heraus. Ein Schock für die Jungs war, als Sadat das „Klischee mit der Seife beim Duschen“ widerlegte. „Stimmt so überhaupt nicht. Die machen das auch ohne Seife.“.

Beim Reflexionstreffen kamen wir noch in den Genuss einer einzigartigen Ausbruchsgeschichte und ließen die Erfahrungen nochmals auf uns wirken.

Wir befanden uns nun schon in der Winterpause und es wurde Zeit, sich aus der Arbeit herauszuziehen. Natürlich geht das am besten mit einer langen FIFA Nacht. Xbox organisiert, Beamer aufgebaut und Pizza bestellt. Die U18 Hoschis mal ordentlich gegen die Wand spielen. Am Ende musste ich mich lediglich Marco, der als „Virtual Pro“ beim HSV entlarvt wurde und zur Strafe das ganze Turnier über mit den Rauten spielen musste, geschlagen geben und verabschiedete mich mit dem 2. Platz. Die Jungs gönnten sich noch „Mensch Markus“, der Kiezkieker schiebt Nachtschicht im Keller und Timmi guckt von mir unbemerkt auf dem Rückweg von der Kleinen Pause kurz mal rein und gleitet sofort sanft in den Schlaf auf einer der Sessel, bis ich morgens feststelle, dass wir Besuch haben. Aufsichtspflicht, ick hör dir trapsen.

d

Vielen Dank an Carsten, Elin, Justus, Kolja, Stefan und natürlich auch an Dieter Bänisch vom Verein Jugend und Sport!

Finn

Okt 112012
 

oder

Keine Angst, die Loge kommt bald wieder

Liebe Leser,

vermisst ihr eigentlich die Nordpol-Loge? Die Loge, von der wir bereits am 30.12.11 berichteten, dass sie nun doch wieder aufgebaut werden soll? Es war still geworden um dieses Thema. Der Gutgläubige hat wahrscheinlich schon gedacht, dass Nordpol in eine der freigewordenen Logen auf der Haupt gezogen sei und das Ganze sich erledigt habe.

Ihr erinnert euch? „Nur bis zum Bau“ „vorübergehend“ waren die offiziellen Aussagen. Aus dem Abendblatt erfuhren wir dann, dass sie wieder aufgebaut werden soll.

Nur „Wo?“ fragte sich der geneigte Leser, denn wirklich viel Platz ist ja zwischen den Tribünen nicht. Haben wir uns auch gefragt. Haben aber – gutgläubig wie wir sind – gedacht, dass eine solche Loge ja nicht mehr notwendig sei, sind doch ständig genügend Plätze im VIP Bereich frei.

Aber weit gefehlt – die Loge kommt wieder, wie wir heute aus sicherer Quelle erfuhren. Wahrscheinlich zwischen Gegengerade und Nord. Und als unsere Quelle so gerade ins Plaudern kam, erzählte sie, dass dafür der Flutlichtmast weichen muss. Also profan abgerissen wird.

Wir waren uns heute nicht wirklich einig, ob ihr alleine schon bei der Nennung dieser Fakten im Dreieck springt und eure Mistforken anspitzt, oder ob wir euch noch mal ganz kurz sagen müssen, was für ein Mist das ist.

Sagen wir es mal so: Es gibt mehr als genug Logen in diesem Stadion, es gibt genug leere Plätze im Logenbereich und eine Currywurstspielzeugeisenbahn braucht kein Mensch. Schon gar nicht als eigene tolle Bildzeitung-Hype-Loge anstatt eines geliebten Flutlichtmastes. Das ist nicht nur ein Tabubruch für weitere „tolle“ „kultige“ Projekte von irgendwelchen Sponsoren, nein, es ist einfach nur Mist. Für weniger und nicht für mehr VIP-Blödsinn in unserem Stadion! Keine Loge zwischen Gegengerade und Nord!

(Disclaimer: es geht nicht um den Mieter, es geht um noch eine weitere Loge.)