Sep 262012
 

oder

Krampf

„Fußball ist komisch, da spielst du auch mal bei einem Trainer keine Rolle, weil du zu viele Haare in den Ohren hast“ Anonymer ehemaliger Kreisligaspieler zum gestrigen Spiel

Vorwort

Liebe Leser, es ist schwierig an einem solchen Tag einen Bericht zu Papier zu bringen. Es ist schwierig sich mit der „schönsten Nebensache der Welt“ zu beschäfigten, wenn ein junger Mensch mitten aus dem Leben gerissen wird und nicht mehr unter uns ist. Viel Kraft seinen Freunden, seinen Verwandten und allen, die ihm nahe standen. Viel Kraft unserer Kurve.

Regenbogen als einziges Hoffnungszeichen

Die Verantwortlichen der DFL werden heute mit den 36 Vereinen ein Horrorpaket beschliessen, es wird mal wieder über Fans und nicht mit Fans geredet. Es wird das rechtstaatliche und das auch sozialpädagogische Prinzip, dass man nur für seine eigenen Handlungen verantwortlich ist noch mehr zurückgedrängt und niemand protestiert wirklich. Warum? Weil sie es geschafft haben mit unzähligen Unverschämtheiten uns weich zu klopfen. Fußballfan sein ist nur noch ein Abwehrkampf auf verlorenen Posten und dies ermüdet.

Die Frage ist nur: Wie können wir unser zartes Pflänzen anders sein in einem solchen Klima noch erhalten? Reicht es ein Museum zu fordern, anstatt einer Goliathwache? Symbole sind etwas sehr starkes und die Kraft von Symbolen wird leicht unterschätzt. Vielleicht bedarf es deshalb einer solch symbolischen Änderung in der Gegengerade um neue Kräfte, neue Impulse für das anders sein zu schaffen. Hoffen wir es und hoffen wir, dass der Kampf FÜR ein Museum und GEGEN eine Goliathwache erfolgreich ist.

Man muss auch mal die anonymen Helden einer solchen Fanbewegung in den Mittelpunkt stellen und sie huldigen. Und was M. vom Zeckensalon in den letzten Tagen alles bewegt hat, war einfach unmenschlich. Nebenbei noch politisch aktiv, am studieren und zusammen mit drei Helfern stellt er im Endeffekt alleine die Organisation der Proteste auf die Beine. Man kann so etwas nicht genug würdigen. Ebenso der unermütliche Einsatz der Stadionbau-AG und solcher Instutionen wie des FCSR. Letzterer an dieser Stelle mal genannt, weil es gestern die Becher mit allen Fanclubnamen drauf zu bewundern gab. Das beim Pöbelmob die 1910 fehlte, sei tadelnd erwähnt, aber es wäre ja auch komisch, wenn wir nix zu meckern hätten.

Über das drum herum muss man sonst nicht viele Worte verlieren. 17:30 ist als Anstoßzeit einfach nur Dreck, alles sind nur gehetzt. Die Gegengerade diesmal selbst für ihre Verhältnisse (!!!) einfach nur leise mit einer leichten Besserung zur Halbzeit 2. Aber von 0 % auf 5 % dessen was möglich wäre. Der Protest weit getragen und selbst in drei Logen waren rote Totenköpfe zu sehen. Das Wetter bäh, aber mit einem hübschen Regenbogen hinter der Gegengerade. Pfeifen und „Raus“ Rufe gehen so gar nicht klar und damit sind wir eigentlich schnell durch den Tag gerannt.

Etwas ausführlicher wollen wir aber mal das Geschehen auf dem Rasen widmen. Auf der Redaktionskonferenz gestern Abend (man kann das auch gemeinsamen Besuch eines vegetarischem Schnellimbiss nennen) hatten wir eigentlich schon entschieden, dass wir nun folgendes Schreiben: „Zum Spiel folgendes: [leere Seite] Mehr muss man nicht sagen, oder?“ Aber das würde einen Aspekt des Bloggens außer Acht lassen, den des von der Seele schreiben.

Wir wollen jetzt einfach nicht den Kopf des Trainers fordern oder ähnliches. Die Mechanismen des Fußballs noch zu befeuern ist einfach unter unserer Würde. Trotzdem müssen sich alle im Verein Fragen gefallen lassen. Fragen, wie man eigentlich ein Spiel erfolgreich gestalten will? Man will 4-4-2 spielen, richtig? Aber wie soll der Ball zu den 2 Spitzen eigentlich kommen? Wer soll den Gestalter machen? Daube? Der junge Mann wirkt bemüht überfordert und man muss sich fragen, wer denn der Leitwolf sein soll? Daube? Alle Standards tritt er, von allen Seiten und alleine durch diese personelle Monokultur geht uns jegliche Kreativität in diesem Bereich ab. Nein, wir schießen uns jetzt nicht auf Dennis ein, das wäre falsch und ungerecht. Er ist DAS Talent in unserem Verein, aber zur Zeit erwartet man übermenschliches von ihm. Oder soll der Aufbau über außen gehen? Wie soll das funktionieren, wenn unsere offensichtliche Schwachstelle die beiden defensiven Außenpositionen sind? Wie soll das funktionieren, wenn wir mit Bartels zumindest einen Außen haben, dessen Stärke weder der Risikopass, noch die Flanke ist? Beobachtet ihr Hannover 96? Hoffentlich nicht, aber seit dem da Slomka Trainer ist, haben die ein Konzept. Ein sehr simples, auch ausrechenbares Konzept, aber sie haben eines. Extrem sicher hinten stehen und dann sehr schnell kontern. Das ist simpel, das ist aber im Training anscheinend auch bis zum Erbrechen geübt und perfektioniert worden. So etwas vermisst man bei uns. Ein Ablauf, eine Struktur. Taktisch wie Personell. Der Leader, wer soll das sein? Boll? Thorandt? Mohr? Alles Spieler, die ihre Stärke in der Defensive haben. Ein Part, der bei uns noch passabel klappt, auch wenn Fragezeichen erlaubt sind, wenn man in zwei Spielen zweimal das entscheidende Tor durch eine Ecke bekommt. Und zwar jeweils durch einen vollkommen blank stehenden Spieler im Bereich von 6 bis 12 Meter vor dem Tor. Leader? Natürlich kann man umbrechen und eine Struktur auch aufbrechen.
Aber es muss dann die langfristig überlegte, geplante Alternative da sein. Und die war und ist anscheinend nicht vorhanden.

Noch etwas tut einfach weh. Weh tut, dass die Laufbereitschaft nicht da ist das Spielfeld eng zu halten, sich defensiv zu verschieben und den Gegner intensiv zu „bekämpfen“ Aalen, Frankfurt viele andere sind uns einfach auch vom Willen, vom Einsatz und von der Laufbereitschaft hoch überlegen. Nein, es geht nicht um die klassische Grätsche, die ist im modernen Fußball sowieso out. Es geht um das quälen immer wieder die entscheidenden letzten Meter gehen zu wollen. Immer und immer und immer wieder.

All diese Fragen wird sich nun ein neuer Trainer stellen müssen. Ob es was nützt? Wir werden es sehen! Trainerentlassungen sind nie gut. Sie machen Ärger, sie zeigen, dass Konzepte in einem Verein nicht aufgegangen sind und an jeder Krise ist nie nur einer Schuld. Auch hier nicht. Andre Schubert daher alles gute, auch wenn es bei uns nicht gepasst hat.

Liebe Leser, der Regenbogen ist ein Zeichen der Hoffnung. Hoffnung auf bessere Zeiten. Nur zur Zeit haben wir Angst. Angst vor einem neuen 2003. Es muss sich viel ändern und zwar schnell und bald.

Und dann war da noch…

… die Entlassungskonferenz, die man sich beim Hamburger Abendblatt ansehen kann und an deren Ende Orth folgendes ins Mikrofon sagt (mitgeschrieben mit ständigem stoppen und hoffentlich wortgetreu, aber trotzdem ohne Garantie):

„die Wache soll extern gebaut werden, das muss finanziert werden das Geld müssen wir zusammen kriegen; das kriegen wir nur Alle zusammen zusammen mit Unterstützung der Fans, des Vereins, des Amateurvorstandes und der AFM wenn wir da alle an einem Strang ziehen und eine Lösung finden werden wir die Finanzierung schon hinbekommen denn nur so kann extrem Platz für Museum und auch weitere Räume für den Verein auf der Gegengerade entstehen…“

Hoffen wir, dass den Worten Taten folgen.

  3 Responses to “Das Ringen um Worte”

  1. […] oder warum auch immer – so etwas am Millerntor zu erleben ist einfach extrem unschön. Auch https://www.magischerfc.de/?p=6634 thematisiert dies. Über das Drumherum schreiben lohnt bei diesem Spiel aber auch […]

  2. […] plötzlich Türkis und Magenta, weil jemand, “prinzipientreu” stand im Abendblatt, ein 4-4-2 anstelle eines Teams aufgebaut hatte. Als würde Fussball so gespielt, als wäre das Leben eine Abfolge wie das Alphabet, das stur und […]

  3. […] Für ausreichend inhaltsvolle (Foto-) Berichte verweise ich auf: Kleiner Tod | Übersteiger Blog | MagischerFC Blog / Fotos | Aux Armes! […]

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