Sep 222012
 
oder

drei Magischer FC-Blogger holen auswärts noch lange nicht drei Punkte

Liebe Leser,

zu viel Zeit, zu viel Geld, zu viel Kraft für zu wenig Ertrag – Auswärtsfahren für den FCSP ist mal wieder ein hartes Brot geworden. Die Zweifel, die die Erfahrenen nach so einer Tour aufs Neue heimsuchen, bedürfen keiner weiteren Erläuterung. Allzu bekannt ist den Meisten wohl die wiederkehrende Fragen „Warum mache ich das hier eigentlich?“ Aber wir wollen uns als rechtschaffene Chronisten nicht in solchem Gegrübel verlieren.

Auf in die Mainmetropole geht es also an diesem Freitagmorgen. Die Stimmung im Triumvirat ist gut, als wir mit Brötchen, berauschenden Getränken und Jolly Rouge im Gepäck den Fanladen-Bus besteigen. Die vermeintliche Tradition des Ältesten, „nicht vor den Elbbrücken“ das erste Bier zu öffnen, wird doppelt ad absurdum geführt: Noch vorm ELBTUNNEL wird der erste SEKT geköpft. Es ist ungefähr halb zehn. No further comment needed.

Über eine gut fließende A7 geht es südwärts, bei einer zeitigen Kaffee-/Rauch-/Pinkelpause am allseits beliebten Allertal  treffen wir den USP-Bus und weitere Hamburger Reisende. Wieder im Bus lassen wir uns abwechselnd von den Broilers, Ton Steine Scherben und einem herrlichen 70er/80er/90er-Mix beschallen. Blümchens Boomerang beißt sich in den Gehirnwindungen fest, dass eine (k)eine Freude ist. Über die weitere Anfahrt gibt es, von einem phänomenalen Knobl… Nudelsalat abgesehen, nichts Wichtiges zu berichten.

Die Ankunft in „Bernem“ verläuft sehr harmonisch. Weder ein übermäßiges Aufgebot von Gesetzeshütern noch Rivalität konstruierende Heimfans zeigen sich, als der Bus auf dem Festplatz parkt und wir gemächlichen Schrittes zum Stadion am Bornheimer Hang schlendern. Auf dem Weg zwischen Kleingärten und Sportpark zeigen sich viele Frankfurter Sankt Paulianer, erkennbar nicht zuletzt an einer höheren Dichte von offiziellem Merchandise. Zwei überflüssige Karten werden wir zum Einkaufspreis an einen dankbaren Briten los – er erläutert seinen Begleitern, daheim hätte er deutlich mehr dafür hinlegen müssen.

Eine gründliche Einlasskontrolle – zumindest bei den Herren – wird von einer ausgesuchten Freundlichkeit der Ordner begleitet. Respekt FSV, das erlebt man dieser Tage nicht mehr oft. Sympathisch auch das wenig durchprofessionalisierte Gebahren der Imbissstände. Leider wird dies in der Halbzeitpause noch zu unerträglich langen Schlagen beim Getränkeausschank führen, „Äppelwoi“ ist somit nicht mehr drin.

Im Block angekommen, sieht man doch recht schnell, wer eigentlich die Heimmannschaft ist. Der gesamte Süden des Bornheimer Hang ist braun-weiß und natürlich auch rot-schwarz – der Jolly Rouge sehen wir zumindest vereinzelt. Schön auch ein großes Transpi, das auf das Problem Goliathwache vs. Museum [link] aufmerksam macht. Mangelnde optische Präsenz ist nicht das Problem an diesem Abend. Ganz vereinzelte unschöne homophobe Rufe in den Randbereichen seien erwähnt und gegeißelt. Leider zu weit weg und leider ohne Täter gesehen zu haben, um eingreifen zu können. Manchmal ist man es schon leid, dieses Problem, das es hier nicht geben dürfte, immer wieder erwähnen zu müssen.

Der Anpfiff kommt und in der Kurve beginnt es mit der mittlerweile obligatorischen Huldigung der Diffidati. Schön, wenn zu Unrecht Verbannte wenigstens auswärts zu Wort kommen, aber das Ganze mit dem berechtigten Protest gegen die Goliathwache zu verbinden und die Kurve „Ganz Hamburg hasst die Polizei“ anstimmen zu lassen, ist nicht bloß extrem verkürzt. (Das ist schlichtweg unnötig. FCSP, das können wir auch differenzierter und kreativer!)

Zum Spiel… was soll man sagen. Der Kampfgeist, den die Jungs noch vor wenigen Tagen in Köln gezeigt haben, ist hier über weite Strecken verflogen. Und wenn doch das richtige Maß an Esprit gefunden wird, so bleibt dies unkoordiniert und ziellos. Das erste Gegentor kommt früh und überflüssig – hier fragen wir uns auch, ob man supportmäßig ohne irgendwelche spielbezogene Reaktion gleich weiter „Business as usual“ fahren muss. Fünfminütige Gesänge einfach fortzusetzen, während sich der Spielstand signifikant ändern, halten wir nicht für die richtige Idee.

Das Spiel und vergebene Großchancen der Braunweißen sorgen dafür, dass wir uns im Block vor Frust bald schon miteinander prügeln. Schwerste Verletzungen bei einem Sportabteilungsleiter sind die Folgen. Ginczeks Ausgleich fällt in einer Situation, die im Gegensatz zu anderen Möglichkeiten unrealistisch erscheint. In der zweiten Hälfte sollte das Spiel eigentlich eine andere Wendung nehmen, doch es kommt, wie es kommen muss: Der FSV verpasst der jungen Hamburger Mannschaft mit dem 2:1 zur Unzeit einen Nackenschlag, von dem sie sich nicht mehr erholt. An dieser Stelle fehlt dann ein Leitwolf, der sein Rudel wieder auf die Spur bringt.

So bleibt es aber beim Sieg der Frankfurter. Ein wenig hängt schon der Kopf, als es schon wieder auf fremdem Boden nicht zu Punkten gereicht hat. Entgegen aller vorherigen Vorhaben wird auf der Heimfahrt nicht mehr tief in die Flasche sondern tief ins Kopfkissen geguckt. Einen Zwischenhalt nutzen wir noch zu Cheeseburger- und Kakao-Konsum, dann geht das Geschlummer weiter. Kurz aufkommende Sinn-Such-Diskussionen lachen wir selbst wieder weg. Zwecklos.

Es ist kurz vor vier, als wir wieder am Millerntor sind. Großes Lob gebührt dem Busunternehmen und insbesondere seinem Fahrer Andreas. Hoffen wir, dass die Trinkgeldmütze zum Bersten gefüllt war – ein sehr sympathischer und engagierter Kutscher, man wünscht sich öfter solche Reisebedingungen!

Zwar retten die Umstände nicht das Spiel, doch eine angenehme Fahrt lässt schneller Wunden lecken und den Blick nach vorne (Alle in Rot bzw Jolly Rouge gegen Aalen!) richten.