Sep 262012
 

oder

Krampf

„Fußball ist komisch, da spielst du auch mal bei einem Trainer keine Rolle, weil du zu viele Haare in den Ohren hast“ Anonymer ehemaliger Kreisligaspieler zum gestrigen Spiel

Vorwort

Liebe Leser, es ist schwierig an einem solchen Tag einen Bericht zu Papier zu bringen. Es ist schwierig sich mit der „schönsten Nebensache der Welt“ zu beschäfigten, wenn ein junger Mensch mitten aus dem Leben gerissen wird und nicht mehr unter uns ist. Viel Kraft seinen Freunden, seinen Verwandten und allen, die ihm nahe standen. Viel Kraft unserer Kurve.

Regenbogen als einziges Hoffnungszeichen

Die Verantwortlichen der DFL werden heute mit den 36 Vereinen ein Horrorpaket beschliessen, es wird mal wieder über Fans und nicht mit Fans geredet. Es wird das rechtstaatliche und das auch sozialpädagogische Prinzip, dass man nur für seine eigenen Handlungen verantwortlich ist noch mehr zurückgedrängt und niemand protestiert wirklich. Warum? Weil sie es geschafft haben mit unzähligen Unverschämtheiten uns weich zu klopfen. Fußballfan sein ist nur noch ein Abwehrkampf auf verlorenen Posten und dies ermüdet.

Die Frage ist nur: Wie können wir unser zartes Pflänzen anders sein in einem solchen Klima noch erhalten? Reicht es ein Museum zu fordern, anstatt einer Goliathwache? Symbole sind etwas sehr starkes und die Kraft von Symbolen wird leicht unterschätzt. Vielleicht bedarf es deshalb einer solch symbolischen Änderung in der Gegengerade um neue Kräfte, neue Impulse für das anders sein zu schaffen. Hoffen wir es und hoffen wir, dass der Kampf FÜR ein Museum und GEGEN eine Goliathwache erfolgreich ist.

Man muss auch mal die anonymen Helden einer solchen Fanbewegung in den Mittelpunkt stellen und sie huldigen. Und was M. vom Zeckensalon in den letzten Tagen alles bewegt hat, war einfach unmenschlich. Nebenbei noch politisch aktiv, am studieren und zusammen mit drei Helfern stellt er im Endeffekt alleine die Organisation der Proteste auf die Beine. Man kann so etwas nicht genug würdigen. Ebenso der unermütliche Einsatz der Stadionbau-AG und solcher Instutionen wie des FCSR. Letzterer an dieser Stelle mal genannt, weil es gestern die Becher mit allen Fanclubnamen drauf zu bewundern gab. Das beim Pöbelmob die 1910 fehlte, sei tadelnd erwähnt, aber es wäre ja auch komisch, wenn wir nix zu meckern hätten.

Über das drum herum muss man sonst nicht viele Worte verlieren. 17:30 ist als Anstoßzeit einfach nur Dreck, alles sind nur gehetzt. Die Gegengerade diesmal selbst für ihre Verhältnisse (!!!) einfach nur leise mit einer leichten Besserung zur Halbzeit 2. Aber von 0 % auf 5 % dessen was möglich wäre. Der Protest weit getragen und selbst in drei Logen waren rote Totenköpfe zu sehen. Das Wetter bäh, aber mit einem hübschen Regenbogen hinter der Gegengerade. Pfeifen und „Raus“ Rufe gehen so gar nicht klar und damit sind wir eigentlich schnell durch den Tag gerannt.

Etwas ausführlicher wollen wir aber mal das Geschehen auf dem Rasen widmen. Auf der Redaktionskonferenz gestern Abend (man kann das auch gemeinsamen Besuch eines vegetarischem Schnellimbiss nennen) hatten wir eigentlich schon entschieden, dass wir nun folgendes Schreiben: „Zum Spiel folgendes: [leere Seite] Mehr muss man nicht sagen, oder?“ Aber das würde einen Aspekt des Bloggens außer Acht lassen, den des von der Seele schreiben.

Wir wollen jetzt einfach nicht den Kopf des Trainers fordern oder ähnliches. Die Mechanismen des Fußballs noch zu befeuern ist einfach unter unserer Würde. Trotzdem müssen sich alle im Verein Fragen gefallen lassen. Fragen, wie man eigentlich ein Spiel erfolgreich gestalten will? Man will 4-4-2 spielen, richtig? Aber wie soll der Ball zu den 2 Spitzen eigentlich kommen? Wer soll den Gestalter machen? Daube? Der junge Mann wirkt bemüht überfordert und man muss sich fragen, wer denn der Leitwolf sein soll? Daube? Alle Standards tritt er, von allen Seiten und alleine durch diese personelle Monokultur geht uns jegliche Kreativität in diesem Bereich ab. Nein, wir schießen uns jetzt nicht auf Dennis ein, das wäre falsch und ungerecht. Er ist DAS Talent in unserem Verein, aber zur Zeit erwartet man übermenschliches von ihm. Oder soll der Aufbau über außen gehen? Wie soll das funktionieren, wenn unsere offensichtliche Schwachstelle die beiden defensiven Außenpositionen sind? Wie soll das funktionieren, wenn wir mit Bartels zumindest einen Außen haben, dessen Stärke weder der Risikopass, noch die Flanke ist? Beobachtet ihr Hannover 96? Hoffentlich nicht, aber seit dem da Slomka Trainer ist, haben die ein Konzept. Ein sehr simples, auch ausrechenbares Konzept, aber sie haben eines. Extrem sicher hinten stehen und dann sehr schnell kontern. Das ist simpel, das ist aber im Training anscheinend auch bis zum Erbrechen geübt und perfektioniert worden. So etwas vermisst man bei uns. Ein Ablauf, eine Struktur. Taktisch wie Personell. Der Leader, wer soll das sein? Boll? Thorandt? Mohr? Alles Spieler, die ihre Stärke in der Defensive haben. Ein Part, der bei uns noch passabel klappt, auch wenn Fragezeichen erlaubt sind, wenn man in zwei Spielen zweimal das entscheidende Tor durch eine Ecke bekommt. Und zwar jeweils durch einen vollkommen blank stehenden Spieler im Bereich von 6 bis 12 Meter vor dem Tor. Leader? Natürlich kann man umbrechen und eine Struktur auch aufbrechen.
Aber es muss dann die langfristig überlegte, geplante Alternative da sein. Und die war und ist anscheinend nicht vorhanden.

Noch etwas tut einfach weh. Weh tut, dass die Laufbereitschaft nicht da ist das Spielfeld eng zu halten, sich defensiv zu verschieben und den Gegner intensiv zu „bekämpfen“ Aalen, Frankfurt viele andere sind uns einfach auch vom Willen, vom Einsatz und von der Laufbereitschaft hoch überlegen. Nein, es geht nicht um die klassische Grätsche, die ist im modernen Fußball sowieso out. Es geht um das quälen immer wieder die entscheidenden letzten Meter gehen zu wollen. Immer und immer und immer wieder.

All diese Fragen wird sich nun ein neuer Trainer stellen müssen. Ob es was nützt? Wir werden es sehen! Trainerentlassungen sind nie gut. Sie machen Ärger, sie zeigen, dass Konzepte in einem Verein nicht aufgegangen sind und an jeder Krise ist nie nur einer Schuld. Auch hier nicht. Andre Schubert daher alles gute, auch wenn es bei uns nicht gepasst hat.

Liebe Leser, der Regenbogen ist ein Zeichen der Hoffnung. Hoffnung auf bessere Zeiten. Nur zur Zeit haben wir Angst. Angst vor einem neuen 2003. Es muss sich viel ändern und zwar schnell und bald.

Und dann war da noch…

… die Entlassungskonferenz, die man sich beim Hamburger Abendblatt ansehen kann und an deren Ende Orth folgendes ins Mikrofon sagt (mitgeschrieben mit ständigem stoppen und hoffentlich wortgetreu, aber trotzdem ohne Garantie):

„die Wache soll extern gebaut werden, das muss finanziert werden das Geld müssen wir zusammen kriegen; das kriegen wir nur Alle zusammen zusammen mit Unterstützung der Fans, des Vereins, des Amateurvorstandes und der AFM wenn wir da alle an einem Strang ziehen und eine Lösung finden werden wir die Finanzierung schon hinbekommen denn nur so kann extrem Platz für Museum und auch weitere Räume für den Verein auf der Gegengerade entstehen…“

Hoffen wir, dass den Worten Taten folgen.

Sep 252012
 

Folgenden Text sollen wir verbreiten und bitten um Kenntnisnahme, Beachtung und Weiterverbreitung auf allen Kanälen. RiP Civetta:

Liebe Fans des FCSP,

in der großen Familie des FCSP ist ein Trauerfall passiert. Unsere Ultras trauern um ein Mitglied von ihnen und wir fühlen mit Ihnen, seinen Freunden und allen, die ihn kannten.

Unsere Ultras werden heute Abend ihm angemessen gedenken und es ist an uns anderen Stadionbesuchern ihnen dafür Raum zu bieten. Bitte beachtet dies bei der Protestchoreo gegen die Stadionwache. Unsere Ultras werden sich voraussichtlich zur zweiten Halbzeit am Protest beteiligen. Haltet die Pappen dann einfach noch mal hoch.

Vielen Dank!

Sep 232012
 

Liebe Leser, wir neigen ja dazu nicht nur Fußballplätze unsicher zu machen, sondern uns auch auf diversen Laufveranstaltungen rumzutreiben. Und so wie die Beurteilung eines Fußballspieles ja sehr subjektiv ist, ist auch die Beurteilung der eigenen Laufleistung sehr subjektiv. Und auch, ob einem ein Lauf gefällt oder nicht.

Der „Volkslauf durch das schöne Alstertal“ wirbt damit, dass er der schönste Volkslauf Hamburgs sei und das Alstertal zwischen Volksdorf und Wellingsbüttel ist ja auch in vielen Wanderführern als sehr hübscher Wanderweg vermerkt. Nur ein Lauf hier hat immer den Nachteil, dass man Hin- und Zurück zu 90 % die gleiche Strecke benutzen muss, denn sehr breit ist das Alstertal auch nicht.

Die Lust auf das Laufen kommt ja meistens erst, wenn man unterwegs ist. Vorher herrscht oft eher Unsicherheit und auch mal Lustlosigkeit. Auch gerade weil Laufwettkämpfe immer bedeuten, dass man Sonntags früh aufstehen muss. Wenn man Freitag den FCSP in der Ferne unterstützt hat, ist das nicht uneingeschränkte Freude. Aber die Mitsportler waren auch schon wach und unsere Blogkollegin auch schon fit, wie ein Turnschuh, da kann es ja nur abgehen.

Vor Ort die Startnummern und die Gruppe eingesammelt. Da kam auch schon der Abteilungsvorsitzende aus dem Erzgebirge und zeigte mal kurz, warum Leute nur wegen der Klamotten Mitglied in der Triathlonabteilung sind. Das sind schon nette Funktionssachen. Während er sich auf den Halbmarathon begeben wollte, blieben wir bei lockeren 10 Kilometern, man muss es ja nicht übertreiben so eine Woche vor einem Marathon.

Der Lauf an sich ist sehr gut organisiert, viele sehr freundliche Helfer, die Klosituation (jaja, das ist ein wichtiger Bewertungspunkt) ist okay, wenn auch nur gedixiet. Die Schlange erinnerte an IPhone, aber man musste keine 600+ Euro löhnen und es ging auch alles ganz schnell.

Mit dem Abteilungsvorsitzenden war abgemacht, dass er so eine 1:15 über die HM Distanz hinlegt und unserer langsamerer Part so eine 1:05 über 10 sodass man dann gemeinsam über die Ziellinie gehen würde. Ihn noch mal kurz auf die Verabredung hingewiesen und dann auf die Strecke geschickt. Beim Warmmachen war dann aber doch zu merken: Hier geht heute mehr, als man wahr haben will.

Also ab in die Startaufstellung. Ein kleines Minus dieses Laufs: Es wird nur brutto gemessen und da man den schnellen nicht im Weg stehen will, verliert man sehr schnell auf dem engen Weg zu Beginn Tempo und Zeit. Aber egal. Musik in die Ohren, Bad Religion bzw. Deichkind ist gut für einen Tempolauf und dann langsam die Leute überholt, die zwar vor einem am Start standen, aber nicht vor einem ankommen sollten.

Genauso subjektiv wie das Gefühl und die Musikauswahl ist es auch, ob man mit einer Uhr laufen mag oder nicht. Auch bei uns gibt es da zwei vollkommen gegensätzliche Ansichten. Den einen macht die Uhr nur nervös und läuft deshalb komplett ohne, der andere braucht sie zur ständigen Selbstkontrolle.

Wir liefen noch in Sichtweite voneinander, unsere geschätzte Mitbloggerin war schon weg gedüst. 6:18 den ersten Kilometer, 5:50 den Zweiten. Das Bein ganz locker, die Musik gut mit Schwung und irgendwie stark im Tunnel. Für den langsameren unter uns eher ungewöhnlich, lässt er sich doch sonst sehr gerne mal ablenken, aber heute war die Wahrnehmung auf Ohren und Schritte beschränkt. Teilweise wohlbekannte Stellen gar nicht mitbekommen, obwohl im Training schon 1.000 mal gelaufen. 6:03 der nächste Kilometer und dann leider eine kleine Unterbrechung, denn die Blase drückte. So wurde die Sichtweite nicht mehr gehalten und der nächste Kilometer nur in 6:23 absolviert. Am Wellingsbütteler Torhaus gab es Getränke, die aber schnell und ohne großen Halt eingenommen wurden, dann die Treppen runter und Endspurt.

Nun hatte man eine Gruppe gefunden, an der man sich orientieren kann und sah auch immer wieder Läufer, die man langsam einholte. Das motiviert dann doch sehr. Kurze Fragezeichen, als der ca. 10 jährige Junge bei Kilometer 7 an einem vorbei zog. Aber da der kleine in neuem FCSP Trikot und passender Hose lief, wich das Fragezeichen einem Lächeln und einem innerlich gebrüllten „Hau sie weg, St. Pauli.“ (Später konnte man dann in den Ergebnislisten von vielen kleinen FCSP Jungs lesen, die uns das Laufen noch beibringen werden!)

Kilometer 6 der letzte über 6 Minuten. Kilometer dann in 5:49 und danach alle Kilometer so um die 5:45. Endspurt und endlich mal das Tempo gehalten. Auf der Uhr blieb eine 59:35 stehen und als 122ster von insgesamt 160 Teilnehmern war der Langsamere sehr zufrieden.

Und da war sie wieder die Subjektivität. Denn unsere Schnellere war mit ihren 58:13 subjektiv unzufrieden. Laufen ginge nicht an der Alster, da ginge man nur spazieren. Gut, im vorderen Drittel des Frauenfeldes kann man auch mal spazieren gehen. Von unserer geschätzten Kollegin wollen wir jetzt lieber gar nicht reden, die befand sich selbst unter den ersten Zehn des Frauenfeldes.

Im Ziel gibt es keine Medaille für die 10er, dafür ein „Erinnerungsstück“. Man könnte es auch einen formschönen Becher nennen und die Dame, die das übergab guckte einen schon etwas verwundert an, wenn man „Da ist das Ding“ sagt und es in die Höhe reckt, als wäre es ein Siegerpokal.

Sowieso schnitt der FCSP wirklich gut ab. Ein langjähriger Dauerkartenbesitzer gewann das Männerfeld und die gestarteten Trias zeigten auf der Halbmarathondistanz auch wo der Hammer hängt. Auch wenn der Abteilungsvorsitzende ein bisschen mit subjektiver Kälte und Magenproblemen zu kämpfen hatte.

Aber seien wir ehrlich: Eine objektiv gelungene Veranstaltung.

Hier noch die Strecke bei gpsies

Sep 222012
 
oder

drei Magischer FC-Blogger holen auswärts noch lange nicht drei Punkte

Liebe Leser,

zu viel Zeit, zu viel Geld, zu viel Kraft für zu wenig Ertrag – Auswärtsfahren für den FCSP ist mal wieder ein hartes Brot geworden. Die Zweifel, die die Erfahrenen nach so einer Tour aufs Neue heimsuchen, bedürfen keiner weiteren Erläuterung. Allzu bekannt ist den Meisten wohl die wiederkehrende Fragen „Warum mache ich das hier eigentlich?“ Aber wir wollen uns als rechtschaffene Chronisten nicht in solchem Gegrübel verlieren.

Auf in die Mainmetropole geht es also an diesem Freitagmorgen. Die Stimmung im Triumvirat ist gut, als wir mit Brötchen, berauschenden Getränken und Jolly Rouge im Gepäck den Fanladen-Bus besteigen. Die vermeintliche Tradition des Ältesten, „nicht vor den Elbbrücken“ das erste Bier zu öffnen, wird doppelt ad absurdum geführt: Noch vorm ELBTUNNEL wird der erste SEKT geköpft. Es ist ungefähr halb zehn. No further comment needed.

Über eine gut fließende A7 geht es südwärts, bei einer zeitigen Kaffee-/Rauch-/Pinkelpause am allseits beliebten Allertal  treffen wir den USP-Bus und weitere Hamburger Reisende. Wieder im Bus lassen wir uns abwechselnd von den Broilers, Ton Steine Scherben und einem herrlichen 70er/80er/90er-Mix beschallen. Blümchens Boomerang beißt sich in den Gehirnwindungen fest, dass eine (k)eine Freude ist. Über die weitere Anfahrt gibt es, von einem phänomenalen Knobl… Nudelsalat abgesehen, nichts Wichtiges zu berichten.

Die Ankunft in „Bernem“ verläuft sehr harmonisch. Weder ein übermäßiges Aufgebot von Gesetzeshütern noch Rivalität konstruierende Heimfans zeigen sich, als der Bus auf dem Festplatz parkt und wir gemächlichen Schrittes zum Stadion am Bornheimer Hang schlendern. Auf dem Weg zwischen Kleingärten und Sportpark zeigen sich viele Frankfurter Sankt Paulianer, erkennbar nicht zuletzt an einer höheren Dichte von offiziellem Merchandise. Zwei überflüssige Karten werden wir zum Einkaufspreis an einen dankbaren Briten los – er erläutert seinen Begleitern, daheim hätte er deutlich mehr dafür hinlegen müssen.

Eine gründliche Einlasskontrolle – zumindest bei den Herren – wird von einer ausgesuchten Freundlichkeit der Ordner begleitet. Respekt FSV, das erlebt man dieser Tage nicht mehr oft. Sympathisch auch das wenig durchprofessionalisierte Gebahren der Imbissstände. Leider wird dies in der Halbzeitpause noch zu unerträglich langen Schlagen beim Getränkeausschank führen, „Äppelwoi“ ist somit nicht mehr drin.

Im Block angekommen, sieht man doch recht schnell, wer eigentlich die Heimmannschaft ist. Der gesamte Süden des Bornheimer Hang ist braun-weiß und natürlich auch rot-schwarz – der Jolly Rouge sehen wir zumindest vereinzelt. Schön auch ein großes Transpi, das auf das Problem Goliathwache vs. Museum [link] aufmerksam macht. Mangelnde optische Präsenz ist nicht das Problem an diesem Abend. Ganz vereinzelte unschöne homophobe Rufe in den Randbereichen seien erwähnt und gegeißelt. Leider zu weit weg und leider ohne Täter gesehen zu haben, um eingreifen zu können. Manchmal ist man es schon leid, dieses Problem, das es hier nicht geben dürfte, immer wieder erwähnen zu müssen.

Der Anpfiff kommt und in der Kurve beginnt es mit der mittlerweile obligatorischen Huldigung der Diffidati. Schön, wenn zu Unrecht Verbannte wenigstens auswärts zu Wort kommen, aber das Ganze mit dem berechtigten Protest gegen die Goliathwache zu verbinden und die Kurve „Ganz Hamburg hasst die Polizei“ anstimmen zu lassen, ist nicht bloß extrem verkürzt. (Das ist schlichtweg unnötig. FCSP, das können wir auch differenzierter und kreativer!)

Zum Spiel… was soll man sagen. Der Kampfgeist, den die Jungs noch vor wenigen Tagen in Köln gezeigt haben, ist hier über weite Strecken verflogen. Und wenn doch das richtige Maß an Esprit gefunden wird, so bleibt dies unkoordiniert und ziellos. Das erste Gegentor kommt früh und überflüssig – hier fragen wir uns auch, ob man supportmäßig ohne irgendwelche spielbezogene Reaktion gleich weiter „Business as usual“ fahren muss. Fünfminütige Gesänge einfach fortzusetzen, während sich der Spielstand signifikant ändern, halten wir nicht für die richtige Idee.

Das Spiel und vergebene Großchancen der Braunweißen sorgen dafür, dass wir uns im Block vor Frust bald schon miteinander prügeln. Schwerste Verletzungen bei einem Sportabteilungsleiter sind die Folgen. Ginczeks Ausgleich fällt in einer Situation, die im Gegensatz zu anderen Möglichkeiten unrealistisch erscheint. In der zweiten Hälfte sollte das Spiel eigentlich eine andere Wendung nehmen, doch es kommt, wie es kommen muss: Der FSV verpasst der jungen Hamburger Mannschaft mit dem 2:1 zur Unzeit einen Nackenschlag, von dem sie sich nicht mehr erholt. An dieser Stelle fehlt dann ein Leitwolf, der sein Rudel wieder auf die Spur bringt.

So bleibt es aber beim Sieg der Frankfurter. Ein wenig hängt schon der Kopf, als es schon wieder auf fremdem Boden nicht zu Punkten gereicht hat. Entgegen aller vorherigen Vorhaben wird auf der Heimfahrt nicht mehr tief in die Flasche sondern tief ins Kopfkissen geguckt. Einen Zwischenhalt nutzen wir noch zu Cheeseburger- und Kakao-Konsum, dann geht das Geschlummer weiter. Kurz aufkommende Sinn-Such-Diskussionen lachen wir selbst wieder weg. Zwecklos.

Es ist kurz vor vier, als wir wieder am Millerntor sind. Großes Lob gebührt dem Busunternehmen und insbesondere seinem Fahrer Andreas. Hoffen wir, dass die Trinkgeldmütze zum Bersten gefüllt war – ein sehr sympathischer und engagierter Kutscher, man wünscht sich öfter solche Reisebedingungen!

Zwar retten die Umstände nicht das Spiel, doch eine angenehme Fahrt lässt schneller Wunden lecken und den Blick nach vorne (Alle in Rot bzw Jolly Rouge gegen Aalen!) richten.
Sep 192012
 

Nur ein paar kurze Worte zu dem heutigen Baubeginn für die neue Domwache, welche die nie gebaute Goliathwache sinnvoll ersetzt und unser Museum möglich macht: 150 bis 200 Bauarbeiter waren gekommen und konnten schon ohne Geld die erste Mauer ziehen. Steine, Schaufeln, Bier für die Bauenden und auch ein Baustellenschild waren am Start.

 

Ganz groß die Damen, die wirklich mit Kleister und Blumenkasten kamen und meinten, man solle einfach mal renovieren und nicht immer neu bauen. Haben sie ja Recht. Guten Kleister an die Wände und ein paar Blumen und das sieht wie neu aus.

 


Morgen basteln im Gängeviertel. 18:30! Dann nächsten Dienstag das Stadion in Rot und mit ganz vielen Spruchbändern. Seid protestativ, kreativ, seid St. Pauli.

Sep 182012
 

oder

Man könnte…

Vorwort

Liebe Leser, man könnte mal wieder einen Bericht ohne Fußball schreiben. Man könnte sich stundenlang zu Recht über die 11 Freunde und Konsorten aufregen. Man könnte über viele andere Dinge so richtig kotzen. Wir tun es aber heute einfach mal nicht, weil wir verlinken können. Verlinken macht das Internet so bequem für Schreibende und so unbequem für Lesenden. Aber ab geht’s.

Auf dem Dorf hast du nix, außer Platz!

Man könnte über eine entspannte Fahrt im Neuner berichten. Über einen Übersteigerredakteur, der uns vom feinsten unterhielt. Inklusive Geschichten von Kumpels, die sich das gesamte Master of the Univers-Universum auf den Rücken tätowiert haben.

Man könnte sich fragen, ob dies auch die Namensgebung der Kölner Ultra Gruppe beeinflusst hat und ihr Capo vielleicht Hordak heißt. Aber liebe Leser, wer kennt sich schon in komischen Comics der 80er aus?

Man könnte lange über die Ignoranz der Hamburger Presse berichten, die wieder einmal eine positive Veranstaltung von Fans ignorierte und kein einziges Wort darüber verliert. Aber warum sollten wir? Es strahlt die Sonne auf das neue Dach der Gegengerade, die Welt ist schön und die Veranstaltung war sehr gelungen. Und nein Widerstand muss nicht immer hochpolitisch sein. Widerstand kann einfach auch mal die Lust auf Freiheit und Ungehorsam sein. Und so ist es bedauerlich, dass die Edelweißpiraten lange gar nicht und heute an einer eher unscheinbaren Stelle (die aber sehr gut ausgestaltet ist) geehrt werden.

Man könnte sich erneut über kleine Zwischenfälle mit Kölner Anhängern aufregen? Aber seien wir ehrlich: Es ist schade, dass so etwas passiert, das ist aber leider kein Kölner Phänomen. Man muss sich ja nicht mögen, aber nicht mögen und auf die Nase geben, nur weil man zwei verschiedene Vereine mag sind irgendwie zwei paar Schuhe.

Man könnte verwundert sein, dass in Köln der geneigte Stehplatzbesucher so 30 Minuten vor Spielbeginn kommt, aber das ist nur der Neid der Besitzlosen, die sich 90 Minuten die Beine in den Bauch stehen.

Man könnte die Systemfrage stellen, man könnte sich auch fragen, warum wir es nicht schaffen mal einen ruhigen Angriff zu fahren und warum wir so häufig in der Rückwärtsbewegung schwimmen. Man könnte auch erwähnen, dass uns in den ersten 30 Minuten wohl Thorandt und Sankt Tschauni (Zitat) vor einem Debakel bewahrt haben. Aber wisst ihr was? Das ist doch alles viel zu negativ, denn wir sahen in unseren Jungs etwas, was wir lange nicht gesehen haben. Das Kampfgen blitzte wieder hervor. Da beißt sich ein Kalla nach unglaublich schlechten 30 Minuten immer mehr in das Spiel rein, wird sicherer, kommt plötzlich auch mal an einem Mann vorbei. Da läuft unser Edeltechniker Bartels einem schon verlorenen geglaubten Ball hinterher und zeigt kraftvolle Schüsse und da packen auch andere Spieler in einem mit Haken und Ösen gespieltem Spiel die Kampfsau raus. Und das bei einem Gegner, der um sein Leben kämpfte und bei allen spielerischen Mängeln wirklich 100 % Einsatz zeigte. Und ja liebe Freunde, da ist ein 0-0 auch mal ein gerechtes Ergebnis. Wir sind einfach nicht in der Lage eine Mannschaft wie Köln, die auch ihre Qualitäten hat, mal eben so zu schlagen. Aber mit ihnen kämpfen, das können wir. Und das stimmt doch gleich viel positiver. Diese blutleeren Auftritte gegen Aue, gegen Cottbus, das gabs wir nicht. Natürlich sahen wir auch viele Mängel, Bälle, die Ebbe 10 Meter vom Fuß sprangen, aber wird noch. Wenn man kämpft, kann man mal verlieren, aber wenn man nicht kämpft (hat man schon verloren), dann kann man nicht spielerisch alleine gewinnen.

Man könnte von einer stimmungsvollen Kulisse sprechen, in der sich auch der Gästeblock echt gut hielt. Uns erreichten Berichte über „Schw….“ und „Ausziehen, Ausziehen“ (zu den Cheerleadern) Rufe, leider können wir die nicht nachprüfen. Es bleibt aber festzustellen, dass Dummheit weit davon entfernt ist auszusterben.

Man könnte noch so viel schreiben, aber irgendwie ist der Platz schon voll und unsere Jungs nun eine Woche im Kurztrainingslager. Wenn sie da das Kampfgen ein bisschen hegen, ein bisschen pflegen, es wachsen lassen, dann ist uns vor Frankfurt und Aalen nicht bange.

So könnten wir noch über Geschichten aus der sauerländischen Provinz berichten (aus der aus das o.g. Zitat stammt), aber da wir das nicht mit so viel Herz und mit soviel Liebe berichten können, wie der Erzähler, lassen wir auch das.

Forza Sankt Pauli!

Sep 152012
 



Museum statt Goliathwache!

 

Für eine sinnvolle Nutzung der neuen Gegengerade

 

Die Gegengerade des Millerntor-Stadions ist ein entscheidender Ort für die Geschichte des FC St. Pauli.

 

Dies ist der Ort, wo die ersten Totenkopf-Fahnen wehten. Dies ist der Ort, wo eine vollkommen neue Art der Fankultur entstand. Dies ist die Keimzelle des „Mythos St. Pauli“.

 

Wir sollten diesen Ort Leben lassen. Wir sollten ihn nutzen, um diesen unglaublichen Verein zu feiern. Und alle zu würdigen, die ihn ausmachen.

 

Wir haben die Chance dazu. Wir haben sie jetzt und nie wieder. In der Gegengerade sind 600 zusammenhängende Quadratmeter frei. Direkt neben den Fanräumen. Direkt neben dem zukünftigen Sitz des Fanladens. Eine Fläche von unschätzbarem Wert.

 

Niemand im FC St. Pauli will, dass diese Fläche für einen vereinsfremden Zweck blockiert wird. Niemand will, dass eine Polizeiwache dort einzieht – als Ersatz für die alte Domwache, genutzt an allen Dom- und Spieltagen. Eine Nachbarschaft, die auch die Arbeit des Fanladens stark behindern würde.

 

Der FC St. Pauli steht im Wort. Sein Präsidium hat vor Jahren mündlich versprochen, der Stadt bei der Erneuerung der Domwache zu helfen. Im Gegenzug für Unterstützung bei der Stadion-Rekonstruktion.

 

Doch für den Standort einer Dom- und Stadionwache gibt es Alternativen. Für ein FC St. Pauli-Museum nicht. Auf einen solchen Ort zu verzichten, wäre eine historische Weichenstellung. Weg vom „Lebensgefühl St. Pauli“. Hin zu einer leeren Hülle.

 

Lange haben Fans auf dieses Risiko hingewiesen. Lange wurde intern verhandelt. Es ist spät, doch nicht zu spät. Darum machen wir Druck.

 

Und wir bieten unsere Hilfe an. Unsere Ideen. Unser Wissen. Unsere Hände. Unser Herz. Wir sind viele. Wir sind entschlossen. Und gemeinsam schaffen wir nahezu alles.

 

Wir fordern das Präsidium des FC St. Pauli auf, den Auftrag der Jahreshauptversammlung 2010 zur Einrichtung eines Vereinsmuseums umzusetzen:

 

  • Macht ein FC St. Pauli-Museum in der Gegengerade möglich, das diesen Namen auch verdient!
  • Nehmt unsere Hilfe an!
  • Entscheidet Euch für Identität und Geschichte des FC St. Pauli!
  • Entscheidet Euch für ein gemeinsames Ziel, das alle St. Paulianerinnen und St. Paulianer eint!
  • Entscheidet Euch für eine Realisierung der Domwache außerhalb des Millerntor-Stadions!

 

FÜR eine gemeinsame Lösung von Verein und Stadt!

 

GEGEN eine Goliathwache in der Gegengerade!

 

FÜR ein Museum, wie es die Welt noch nicht gesehen hat:
Das FC St. Pauli-Museum. In der Gegengerade. Am Millerntor.

 

Die bisherigen Unterzeichner findet ihr hier. Wenn ihr auch unterzeichnen wollt, dann schickt eine Mail an unterzeichnen ät magischerfc.de . Sehr gerne auch als Fanclub, Organisation, Firma oder ähnlichem.

 

Sep 152012
 

Liebe Leser,
wir fragen uns: Gehen wir zu weit? Schaffen wir ein Klima, in dem die Grenze zwischen harter, sachlicher Kritik und persönlicher Hetzjagd überschritten ist?

Wir als Blogger riskieren es immer, Grenzen zu überschreiten, insbesondere dann, wenn man auch noch selektiv zitiert wird. Ein aufmerksamer Leser machte uns auf das Forum aufmerksam. Was da so abgeht (wir lesen da zu selten) ist Mobbing und geht in den Bereich persönlicher Drohungen.

Davon müssen wir uns und ihr euch distanzieren. Man hüte sich davor, ein geistiger Brandstifter zu werden. Helft uns dabei! Sagt uns, wenn ihr meint, dass wir zu weit gehen.

Eine ganz wichtige Sache geht leider oft verloren, wenn Kritik an Funktionären geübt wird: die Trennung zwischen Amt und Person. Es ist manches kritische Wort über die Arbeit der Geschäftsführung gesagt worden und das sollte sie sich gefallen lassen. Wir halten aber fest, dass das nicht mit den Privatpersonen, in diesem Fall Michael Meeske, zu tun hat und auch nicht zu tun haben darf.

Hinterfragen wir also weiterhin kritisch die Ämter und ihre Handlungsweisen, aber lassen wir den persönlichen Bereich in Frieden.