Aug 082012
 

oder

Nix hören, nix sehen, nix wissen

Liebe Leser, um es mal deutlich vorab zu sagen: Umbauten in einem laufendem Betrieb sind IMMER schwierig und niemand geht davon aus, dass alles reibungslos klappt und auch mal reine Improvisation sein muss. Niemand erwartet, dass man sich bequem in eine Hängematte legen kann und auch ein Chaos gehört einfach dazu. Aber selbst wenn man diese Maßstäbe anlegt, ist das Verhalten des FCSP beim Gegengeraden-Ausbau bestenfalls naiv, schlimmstenfalls schlichtweg im Bereich des Strafrechtes. Die gestrige Pressemitteilung ist an Frechheit nicht zu überbieten. Und dies wollen wir jetzt mal aufzeigen:

Zuerst: Warum schafft man es nicht mit offenen Karten zu spielen? Spätestens als der (nebenbei unrealistische) Wunsch abgelehnt wurde zwei Auswärtsspiele zu Beginn zu haben, hätte man mit offenen Karten spielen müssen und erklären müssen, dass es zum ersten Spiel eventuell nicht Platz für alle Dauerkartenbesitzer der Gegengerade geben könnte. Aber auch hier sprechen wir von dem allerspätesten Termin. Denn eigentlich hätte man bereits VOR dem Verkauf der Dauerkarten die Käufer informieren müssen, denn immerhin zahlen die für 17 und nicht für 16 Spiele.

Was anscheinend bei unserem Verein nicht ankommt: So ein Vertrag hat beiderseitige Rechte und PFLICHTEN. Der Verein scheint immer zu meinen, dass nur die Dauerkartenbesitzer Pflichten haben und er kann frei entscheiden, wie er seine Pflichten definiert. Man muss doch froh sein, überhaupt mal ein Spiel sehen zu dürfen für diesen Spottpreis. Das scheint die Haltung zu sein. Kundenfeindlichkeit at it’s best. Alles nach dem Prinzip: „Wenn die Trottel nicht kaufen, dann haben wir genügend Trottel in der Hinterhand“. Böse Zungen vermuten hinter der ständigen freien (und rechtlich unzulässigen) Änderung der eigenen Pflichten System. Da werden letztes Jahr die AGB nach dem Verkauf der Dauerkarten geändert, da wird dieses Jahr das Übertragungsrecht nach dem Verkauf der Dauerkarten entzogen und da wird nun bekannt gegeben, dass leider 2/3 der Dauerkarteninhaber das Spiel eventuell nicht sehen können.

Nun mögen zwei Punkte davon eher Nebenpflichten eines Vertrages betreffen, aber auch Nebenpflichten sind PFLICHTEN. Und wer gegen seine Pflicht verstößt, eventuell selbst wissentlich, der ist dafür haftbar.

Und noch mal: Wenn ich einem Vertragspartner (Partner! Vertrag! Bindungswirkung!) etwas verspreche, dann muss ich das auch halten. Wenn ich ihm etwas verspreche, von dem ich weiß, dass ich es nicht halten kann, dann nennt man das schlichtweg Betrug und das ist schlichtweg strafbar.

Wollen wir hier diesen Vorsatz unterstellen? Wollen wir unterstellen, dass man sehr wohl billigend in Kauf genommen hat (und das reicht!), dass man nicht alle Gegengeradenbesucher unterbringen kann beim ersten Heimspiel? Wollen wir unterstellen, dass im Zeitpunkt des Verkaufes dieses Risiko jedem sehr klar bewusst (sicheres Wissen auch Vorsatz) war? Kann man sagen, dass die Bitte zwei Auswärtsspiele zu Beginn zu haben so realistisch war, dass es einfach nur ein bitterer Zufall und kein Vorsatz war?

Ihr merkt, wir wollen nichts unterstellen und vielleicht haben alle nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, aber die Grenze von „Es ist schon immer gut gegangen“ zum Vorsatz ist doch eine kleine. Insbesondere wenn man sich in Zeitungen immer wieder mit „rechtzeitig fertig, auch wenn knapp“ zitieren lässt und über die restlichen Kapazitäten des Stadions alle Leute im Unklaren lässt.

Wir wollen euch jetzt nicht mit dem Leistungsstörungsrecht des BGB nerven, jeder Jurastudent hat diesen Bereich hassen gelernt. Grob vereinfacht ist es aber so, dass man wenn man nicht mehr leisten kann auch keinen Anspruch auf die Gegenleistung hat. Und zwar unabhängig von einem eventuellen Verschulden.

Und auch wenn der Verein anscheinend der Meinung ist, er müsse nix leisten und die Leute zahlen nur für die schöne Karte und das eventuelle Recht, vielleicht mal ein Spiel zu besuchen, so ist dem einfach nicht so. Mit dem Verkauf der Dauerkarten hat der Verein eine Leistung von 17 Spielen versprochen. Wenn er nun nur 16 leisten kann, dann ist der Vertrag zu 1/17 unmöglich geworden und er hat insofern auch seine Gegenleistung (das Geld!) zurückzuerstatten. Ein Verweis auf eine Ermäßigung bei einem eventuellen (!!! der ist ja nicht zwingend) Kauf der nächsten Dauerkarte ist schlichtweg rechtlich nicht möglich. Sollte das mit der Teilnutzbarkeit also nicht klappen, dann kann man nur jedem raten den Verein auf sofortige Auszahlung von 1/17 des Dauerkartenpreises zu verklagen.

Moralisch mag man dabei wirklich derbe Bedenken haben, denn man verklagt natürlich sehr ungern den Verein, den man liebt. Nur ganz ehrlich: Irgendwann ist auch mal Schluss mit lustig und man muss den Handelnden anscheinend auch mal ihre Grenzen klar aufzeigen. Wenn man seine Marktmacht immer nur bis zum äußeren dehnt und die Vertragspartner auch deswegen immer nur als Melkkühe sieht, dann wird es Zeit dagegen mal vorzugehen. Man muss sich auch mal fragen, ob diese Herren wirklich auf Basis der Leitlinien und dem Selbstverständnis des Vereines tätig sind und ob sie wirklich hier im Verein richtig sind.

Und um es mal deutlich zu sagen: Das wirklich perfide ist nicht, dass man die GG nicht voll nutzen kann, sondern das perfide ist, dass man die Leute beim Kauf der Dauerkarte nicht darüber informiert hat, dass damit eventuell ein Nichtsehen des Spieles verbunden ist. Über Kapazitäten und Umsetzungsmöglichkeiten wurde sich immer in Schweigen gehüllt. Das dann beim Kunden der Glaube „Ich kann das erste Spiel vielleicht nicht auf der GG sehen, aber irgendwo wird das schon klappen“ verfestigt, ist nicht sehr weit hergeholt.

Hinzu kommt eine wahnsinnig schlechte Informationspolitik. Es kann doch nicht sein, dass man vier Tage vor dem Spiel das erste Mal wirklich informiert! Ich muss doch ehrlich die Hosen runter lassen und ehrlich und für die gesamte Öffentlichkeit die ganze Zeit informieren. Nicht in Hintergrundgesprächen mit irgendwelchen Journalisten.

Nun mag der ein oder andere sagen „WTF?!?“ und vielleicht nicht ganz zu Unrecht sagen „Das wird schon klappen mit der Teilnutzung und sich in Wohlgefallen auflösen.“ Und ganz ehrlich: Auch wir denken, dass es so laufen wird. Aber auch dann ist die Art und die Mitteilung an sich schon eine Frechheit.

Nun wollen wir ja nicht nur meckern. Wie hätte man es denn besser machen können? Ganz einfach: Erstmal frühzeitig, ausführlich und vollständig informieren und ständig updaten. Die drei sprichwörtlichen Affen helfen da nicht weiter. Offenheit ist erste Bürgerpflicht!

Dann: Schon bei Beginn des Verkaufes die Anzahl der Besucher reduzieren. Es ist immer noch Ferienzeit und so können wir uns vorstellen, dass doch noch einige im Urlaub sind. Man hätte dies langfristig abfragen können und dann entweder Dauerkarten nur für 16 Spiele verkaufen können oder diese später gegen Erstattung wieder einsammeln können. Langfristig hätte man die Leute auch über eventuelle Umsetzungen (Umstellungen) informieren können/müssen und schon mal eventuelle Modalitäten festlegen müssen. Man hätte für die Auswärtigen eine vernünftige Regelung finden müssen. Jetzt behandelt man sie pauschal als Kunden zweiter Klasse, das kann nicht sein. Die kann man dann auch gerne kurzfristig umsetzen, das ist das Chaos, was man eben mal in Kauf nehmen muss. Aber die Information muss schnell und frühzeitig kommen. Und dann muss ich als Verein aus Solidarität vor meinen zahlenden Kunden auch wirklich jeden verfügbaren Platz nutzen. Und das ist dann inklusive nicht genutzter Business Seats. Ich kann hier gerne eine FREIWILLIGE Spende für den höheren Komfort erbitten, aber mehr auch nicht.

Und wenn ich dann doch nicht alle unter bekomme, dann muss ich eben sofort entschädigen. Die jetzt versprochene Ermäßigung für die Karte 2013/2014 ist doch ein gespielter Treppenwitz. Wenn man diese Ermäßigung zahlen muss, erhöht man die Preise eben um 10 und nicht um 5 % nächste Saison und spielt dann Samariter ohne irgendwas zu verlieren.

Es ist auch unverständlich, warum hier nicht die Hilfe der Fanszene gesucht wurde. Viele Leute wären bereit gewesen bei Umtausch, bei Verkauf von Karten und bei Informationen zu helfen. Man hätte die Strukturen nutzen müssen und einbinden müssen. In Zeiten des Chaos hilft gegenseitige Hilfe IMMER.

Und in der Hoffnung weiterhin genügend Dummköpfe zu finden, die es ja mit sich machen lassen. Wir sagen: So nicht!

Zuguterletzt wollen wir euch nicht den Kommentar eines Users auf Facebook zur Verlinkung der Pressemitteilung vorenthalten: „Es hätte mich nicht verwundert wenn man 19,10 € extra zahlen darf um als erster auf der neuen GG zu stehen ;-)“ Uns hätte es auch nicht gewundert.