Aug 062012
 

oder

Ein Punkt

Vorwort

Liebe Leser, nicht nur, dass ihr heute einen sehr produktiven Tag im Blog erlebt, nein, es gab ja auch noch ein Fußballspiel und natürlich waren wir auch an diesem Freitag mit dabei. Um nun den montäglichen Artikel-Terror abzuschließen, hier unser Bericht.

Vorab noch ein paar Worte zu dem Ruderfall: Eine Duldung von Neonazis in einem bürgerlichen Umfeld kann es nicht geben, wenn man wirklich die Nazis isolieren und ausschließen will. Es gibt ihn nicht, den freundlichen Nazi im Sportverein oder in der Freiwilligen Feuerwehr. Immer steht seine menschenverachtende Ideologie dahinter und diese ist mit bürgerlichem Engagement und einer Einbindung in die Gesellschaft absolut unverträglich. Das muss man auch in diesem Fall beachten. Bedenklich ist weiterhin, dass alle agierenden Personen hier vollkommen unglaubwürdig wirken und die Dementis und Abschwächungen teilweise nicht mal eine Halbwertzeit von 10 Sekunden haben.

Aber auch ein anderer Aspekt sollte mal bemerkt werden: Baden-Württembergische Polizisten dürfen selber im KKK sein und hier geht es bisher „nur“ um die Liebschaft zu einem Nazi. Die Baden-Württemberger tun bis heute irehn Dienst, die Ruderin ist aus allem ausgeschieden. Spricht das für ein konsequentes Handeln? Wir denken nicht.

Für Details und weitere Analysen verweisen wir aber nun mal auf Publikative.org und Tagesschau und widmen uns nun unserem Ostausflug.

Radio Powerplay

Eine Fahrt, die um neun Uhr beginnt ist in Liga 2 ja schon beinahe Luxus. Trotzdem mochte eine wirkliche Vorfreude an diesem Tag nicht aufkommen. Zu zerrissen war der Spieltag. Zwar ist es schön, dass Fussball endlich wieder los geht, aber wenn man nach Abpfiff nicht annähernd weiß, was sein Ergebnis wert ist und dieser Kampf um die erste Tabellenführung vollkommen weg ist, weil jeder irgendwann spielt, dann entwertet das schon so einen ersten Spieltag.

Insgesamt vier Busse (zweimal USP/ zweimal Fanladen) wollten in Richtung Aue fahren. Die Ultras traditionell etwas früher, was dann ebenso traditionell durch einen zu spät kommenden Bus vereitelt wird. So blieb noch Zeit zu schnacken. Um Günter Peine würdig zu verabschieden, hatte der Tapetenmalersenior der Fanszene die Nacht durchgearbeitet und eine würdige Tapete erstellt, die später in den Fotos zu bewundern sein wird.

Wir machten es uns in Bus 1 gemütlich, einem Doppeldeckerbus, der von Kolja und dem neuen Mitarbeiter Christian (ja einen Spitznamen hat er auch) geleitet wurden. So ein Doppeldecker ist toll, denn unten sind gerade mal 20 Plätze, sodass es eher lauschig und entspannt unten ist. Nun finden sich auch in 20 Personen immer ein paar, die nerven und auch heute waren zwei Personen einfach mehr oder minder jenseits von Gut und Böse. Sprüche, die einfach an der Schmerzgrenze waren und am Ende auch eine fette Beule wegen Besoffenheitssturz. Nun gut, das waren aber auch die einzigen Ausfälle.

Uns gegenüber die Paramaten, alias die wandelnden Film- und Fußballlexika. Das hat schon Spaß gemacht, auch wenn der Filmgeschmack teilweise doch etwas eigenartig war, aber dazu später mehr.

Die Fahrt nach Aue zieht sich am Ende doch ordentlich, aber wir kamen erstmal gut voran. Der Busfahrer auch eher einer der entspannten Sorte und so unauffällig, dass er an der Raststätte beim Pinkeln nicht erkannt wurde. (Hallo Capo ;-))

Die Zeit wurde mit der Lektüre des „Deldorado“ vertrieben. Kennt ihr nicht? Das ist die super tolle Stadt-Zeitung von Delmenhorst. Als Beispiel sei hier mal das Interview mit der Stadtvermarktung Delmenhorst aus der aktuellen Ausgabe verlinkt. Da fällt einem nichts mehr zu ein. Aber man muss echt sagen: Das Image stagniert. Vielleicht schafft es ja der gerade wieder neu gegründete Verein Atlas Delmenhorst an glorreiche Zeiten anzuknüpfen.

Unsere wandelnden Lexika haben aber auch die Kickerhefte seit 199X vorrätig und wissen wirklich alles. Da macht der Austausch von Heldengeschichten und auch früheren Taten auswärts richtig Spaß. Einer der beiden wäre auch beinah mal Torhüter bei uns geworden, ist dann aber wegen „zuwenig seitlicher Bauchmuskulatur“ (ohne Scheiß die Begründung des FCs) nicht genommen worden.

Kurz vor fünf fing uns dann auch die Polizei ein und wir wurden den Rest zum Stadion begleitet. An der Heimkurve vorbei und hier doch etwas erstaunliches. Wir konnten nahezu keinen Fuckfinger oder ähnliches in Richtung Bus bewundern. Das ist man dann aus anderen Städten ganz anders gewohnt. So ging es entspannt in die Kurve, wo auch schon die beste Tochter der Welt mit der Karte auf einen wartete. Noch kurz im Presseraum gechillt und schon konnte man bei bestem Wetter ins Stadion.

Der Gästeblock war erschreckend leer. In vielen Quellen war von 1.500 mitgereisten Fans die Rede, aber diese Zahl hätten wir nun nicht annähernd geschätzt. Lag es an der kurzen Frist zwischen den beiden Spielen in Aue? Klar, diesmal waren aus Hamburg nur vier und nicht insgesamt neun Busse unterwegs, aber den Hauptteil einer Gästeblockbesatzung machte bisher immer die örtliche Fanschaft aus und die waren diesmal sehr wenig präsent.

Der Support im Endeffekt dann aber doch ganz ordentlich. Die Heimkurve hatte da schon eher den Sommerblues und erwachte erst in der zweiten Halbzeit. Das wieder irgendwelche Trottel geraubte Klamotten präsentieren mussten, sei am Rande erwähnt. Komisch, dass wegen jedem Pyro durchgedreht wird, aber das Präsentieren von geraubten Sachen niemanden im Sicherheitsapparat interessiert. Dabei ist die Verletzung einer Person eigentlich schwerer zu werten, als die abstrakte Gefährdung.

Zum Spiel: Thorandt in der Kicker-Elf des Tages? Hmmm… also, das haben wir dann doch etwas anders gesehen. So wirklich toll wirkte der Abwehrverbund nicht. Und hätte Aue nicht Angst vor der eigenen Courage gehabt, dann wäre dieses Spiel verloren gegangen. Unsere Jungs spielen ja ganz nett mit und kommen auch zu Chancen, aber über 90 Minuten hatte man nie das Gefühl, dass jemand bereit ist mal mit dem Kopf durch die Wand zu gehen oder ums Verderben gewinnen zu wollen. Erinnert ihr Boller im ersten Spiel der letzten Saison? Der wollte unbedingt gewinnen und unbedingt dieses Tor machen. So etwas fehlte in Aue komplett. War ja ansonsten alles ganz nett anzusehen, aber wirkliche echte Höhepunkte fehlten auf beiden Seiten in diesem eher sommerlich geprägtem Kick.

Nun ja, so wirklich optimistisch stimmt einen dieses Spiel nicht. Zu blutleer erschien die Vorstellung. Nun weiß man aber nie, wo sich z.B. Aue am Ende einordnet und auch die glorreiche Aufstiegssaison begann mit einem eher qualvollen 2-1 gegen den späteren Absteiger Ahlen. Fakt ist: Wir sind erstmal einen Punkt besser als letzte Saison.

Nach dem Spiel berichtete die Gerüchteküche noch von ein bisschen Stress, aber wir hatten zwar die gesamte Polizei Sachsens an den Hacken, erlebten aber gar keinen Stress mit.

Nach mehrmaliger Abstimmung gab es dann auch noch „Nena – die größten Hits“ auf die Ohren und als alle einen bequemen Platz gefunden hatten, kam ein echter Kleinod der deutschen Filmgeschichte zur Vorführung „Piratensender Powerplay“ mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger. Meine Gegenüber hatten nebenbei Recht: Gottschalk begann beim BR. Ich hatte das irgendwie anders im Kopf. Der Film an sich ist nicht der Rede wert. Es ist aber schon beachtenswert, was Evelyn Hamann so alles gespielt hat.

Anschließend der Film Car Wash, der aber aufgrund einer eher unglücklichen Tonspur verschlafen wurde. Und schon hatte uns Hamburg nach einer durchschnittlich aufregenden Fahrt ohne besondere Höhepunkte wieder.

Aug 062012
 

und

waren deswegen beim CSD

Vorwort

Liebe Leser, habt ihr zumindest kurz mal einen Schreck bekommen? Man muss man ja auch mal eine provokante Überschrift wählen. Denn wir wollen wirklich keine Homo-Ehe, wir wollen für homosexuelle Menschen keine Ehe, die irgendwie gelabelt wird, die weniger Rechte hat als die Ehe zwischen heterosexuellen Menschen. Wir wollen eine vollständige Ehe auch für Homosexuelle. Was bitte spricht dagegen? Häufig wird dann immer das Grundgesetz erwähnt, in dem Art. 6 bestimmt, dass Ehe und Familie einen besonderen Schutz stehen. Aber davon, dass eine Ehe unbedingt zwischen Heterosexuellen stattfinden muss, das steht da erstmal nicht. Und man komme nun nicht mit einer Auslegung oder „christlicher Tradition“. Wir haben in Deutschland eine Zivilehe und was diese Ehe ist, dass ist Aufgabe des Gesetzgebers zu bestimmen. Und egal, was die „Väter des Grundgesetzes“ sich bei der Erstellung des Grundgesetzes gedacht haben, muss der Gesetzgeber nun endlich die Diskriminierung der Homosexuellen beenden und auch ihnen eine 100 % gleichgestellte Ehe ermöglichen. Mit den gleichen Rechten und Pflichten wie bei einer heterosexuellen Ehe und ohne anderes diskriminierendes Label wie „Partnerschaft“.

Und um das deutlich zu Unterstützen waren auch wir auf dem Hamburger CSD, der genau dieses Thema als politische Forderung „Ehe 2.0 – Nach den Pflichten jetzt die Rechte!“ in seinen Mittelpunkt stellte. Hier unser Bericht:

Nach den Pflichten jetzt die Rechte

Mit dem Wissen, dass dieses Wochenende die Nahverkehrsanbindung schwierig werden würde, haben wir versucht mit der Buslinie 6 aus Winterhude in die Innenstadt zu gelangen. An der Bushaltestelle Graumannsweg meldete sich dann der charmante Busfahrer mit den Worten: „Ja, liebe Fahrgäste wir sind jetzt an der Haltestelle Graumannsweg. Von nun an begeben wir uns ins Chaos. Nächste Haltestelle, die wir anfahren ist Hauptbahnhof ZOB. Kommen sie auf dem Weg dorthin nicht panisch nach vorne, ich weiß, was ich tue.“
Und so kamen wir nach einer Stop&Go-Fahrt irgendwann am ZOB an.

Da wir das Vorhaben doch recht spontan entschieden freuten wir uns als wir am großen Elektromarkt angekommen feststellen konnten, dass die Parade gerade erst diese Stelle passierte und daher noch gar nicht so lang in Gange war.

Auf der Höhe postiert, beobachteten wir eine ganze Weile das bunte Treiben auf der Straße. Viele wahnsinnig aufwendige und kreative Kostüme konnten wir zur überwiegend sehr elektronischen Musik (ehrlich? Gar nicht unser Fall) bewundern. Leider war das Wetter mal wieder nicht auf der Seite des Prides, sodass einige, wirklich starke Platzregen so manches Kostüm in Mitleidenschaft zogen. Schade!

Doch neben dem ganzen Spaß wurde auch Politik betrieben. So hatten alle klassischen Parteien außer der CDU (waren wohl mit einigen Vertretern dabei; wobei man sich schon fragen muss, wie sie diesen offenen Widerspruch erklären wollen, gilt ebenso für FDPler, immerhin haben beide doch gerade fröhlich im Bundestag gegen die Ehegleichstellung gestimmt und das ohne großen Aufschrei der Basis.) einen eigenen Wagen im Umzug. Passende Flyer, Sticker, Kondome, etc. wurde fleißig an die Menge verteilt. Auch die Menge hatte viele tolle Transpis etc. vorbereitet. So konnte man über viele Wortspiele schmunzeln bzw. klaren Forderungen beipflichten.

Ein paar Auszüge:

SPD Kondom mit der Aufschrift: Liebt Euch – Wir kümmern uns um den Rest.

Schilder bedruckt mit „Hamburg sei stolz auf deine schwule Kultur“ oder auch „Liebe kennt kein Geschlecht“ oder „Homoehe in Deutschland? – Ein Trauerspiel!“ und viele andere.

Einen alten Bekannten entdeckten wir dann auch auf dem Truck des Tivolis. Richtig, Corny war mittenmang dabei. Als sein Truck uns passierte reichte man ihm aus der Menge eine Dose Astra, die er dann auch fröhlich trank (wuääähh, ihm sei das Astra gegönnt, aber eine von einem fremden angetrunkene Dose? Legga!).

Wir schlenderten dann dem Treiben folgend bis zur Alster runter ehe wir dann zur Arbeit gingen. Am späten Abend schlenderten wir dann nochmal entlang der Alster mit der Option bei den dortigen Aufbauten einen Absacker zu kosumieren. Allerdings war es uns dann zu voll und die Masse zu betrunken für ein gemütliches Feierabendbier sodass wir bis zur Langen Reihe liefen und uns dort niederließen. Dort war es lang nicht so gefüllt, wie angenommen.

Ein gelungenes Fest für Auge, Ohr (nicht unseres 😉 ) und Kopf! Deutlich gesagt: Es handelt sich um eine sehr wichtige Demonstration, welche sich dem Stilmittel der Party bedient und dadurch Aufmerksamkeit für ihr Thema bekommt. Leider teilweise mit Schwerpunkt auf eine Reproduktion des Klischees „Schrill“. Aber dafür kann die Demo ja nichts, die Presse schon.

Aug 062012
 

oder

die kürzeste Medaille

Vorwort

Liebe Leser, bereits Anfang dieses Jahres lud der BluecherHRO zum Staffellauf in seine Heimatstadt, die – wie sein Twittername schon sagt – Rostock heißt. Leider musste auch ich ihm erstmal absagen, stand doch so etwas wie ein Spielplan noch in weiter ferne. Nun ist das für einen braun–weißen ja nicht immer ein angenehmes Pflaster, aber dies gilt anscheinend wirklich nur für Fußball. Zum zweiten Mal waren wir zum laufen in der Stadt und zum zweiten Mal war es ein unvergessliches und schönes Erlebnis.

Nur Bestzeiten

Meiner einer war aufgrund von Aue (gesonderter Bericht folgt) nicht wirklich in der Lage einen halben oder ganzen Marathon zu laufen. Ich war aber als Unterstützer der Heldenwalkerin vor Ort, die ihren ersten Halbmarathon erwalken wollte. Und so schrieb ich dem Bluecher kurzfristig, dass ich gerne für einen Ausfall in eine Staffel nachrücken würde. Wenn es aber nicht klappen sollte, wäre es auch nicht schlimm, ich sei sowieso vor Ort. Prompte Antwort war, dass man sowieso noch einen Läufer brauche und ich gerne mitlaufen könne.

Als Volldistanzler mag man Marathonstaffeln im Lauf nicht wirklich, da sie ständig überholen und einen aus dem Takt bringen. Wenn man aber selber ein Staffelläufer ist, dann ist das natürlich Ansporn soviele Läufer vor einem zu überholen, wie es irgendwie geht.

Die Staffel in Rostock ist in acht Teile aufgeteilt, was aus zwei Gründen zu kritisieren ist. Zum einen bleibt am Ende ein mehr oder minder unsinniger 1,6 Kilometer Abschnitt. Zum anderen ist die Zahl Sieben nun mal die Stadtzahl der Stadt Rostock, so dass es wirklich angebrachter wäre die Staffel auch in sieben Abschnitte zu teilen. Diese Symbolik schien dem Hamburger Veranstalter nicht wirklich bewusst. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Diesen ungeliebten Schlussabschnitt übernahm ich also freiwillig, wollte ich doch mal wissen, wie es denn so ist, wenn man eine kurze Strecke auf komplett Vollgas läuft. Habe ich noch nie gemacht, aber immer mal was neues.

Um 16 Uhr war Treffen angesagt und der ärmste Bluecher musste merken, was es heißt, wenn man den Hut auf hat. Insgesamt hatte er auch noch drei Staffeln organisiert, was das ganze noch potentiert. Einige Leute kommen später, andere früher, jeder fragt ihn. Zwei Teilnehmer ließen sich bis auf die letzte Sekunde Zeit und so war der Bluecher doch ziemlich angespannt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell da der Puls auf 180 ist. Gerade, wenn man nicht nur Shirts für alle (rechtzeitig angemeldeten) Teilnehmer organisiert hat, man auch noch Starterlisten mit ganz vielen Infos hat, einen Kapitän für jede Mannschaft benannt hat und alles perfekt durchorganisiert hat. Vielen Dank dafür, das war wirklich komplett fehlerfrei.

Das Ganze löste sich aber in Wohlgefallen auf und so konnten die Halbmarathon-Teilnehmer zum Schiff gebracht und dann an Wechselpunkt 2 die eigenen Staffeln unterstützt werden.

Das ist ja das Schöne bei einer solchen Staffel. Da kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammen, lernen sich kennen, können schnacken, können gemeinsam etwas erreichen und Spaß haben. Das geht dann vom modebewussten, leistungsorientierten Läufer bis zum übergewichtigen Spaßläufer (ich). Hat alleine deswegen viel Spaß gemacht, auch wenn der soziale Teil bei mir etwas ausfallen musste, wegen Unterstützung der Heldenwalkerin.

Nochmal: Super vielen Dank an Bluecher für die Organisation.

Nun hieß es aber erstmal warten, denn so richtig konnte niemand die Leistungsdichte unserer Staffel einschätzen, waren wir doch noch nie zusammen gelaufen und kannten uns – wenn überhaupt – auch nur flüchtig. Wir hatten so geschätzt, dass wir irgendwas zwischen 3:30 und 4:00 für die ganze Strecke brauchen würden, sodass ich beschloss sicherheitshalber um 21:00 (und damit drei Stunden nach dem Start) an meinem Wechselpunkt zu sein.

Etwas schwierig dabei ist, dass man bei einem geplanten Vollsprint ja schon warm sein sollte. Und zwar so richtig warm. Ich lief also mit kleinen Umwegen zwei Kilometer zu meinem Wechselplatz, machte immer wieder etwas schnellere Antritte und genoß dabei die wahrscheinlich schönste Laufstrecke Rostocks, die am Stadthafen. Bei einem Sonnenuntergang der Marke „wunderschön“ eine wirklich sehr zu genießende Laufstrecke, die einen hohen Gänsehautfaktor hat. Muss ich unbedingt irgendwann mal für einen langen Trainingslauf nutzen.

So stand ich also mit den anderen beiden Schlussläufern ab 21 Uhr bereit und wartete auf „meine“ Staffel. Nun hieß es sich weiterhin warm halten, sodass ich immer wieder kurze Sprints machte und versuchte die Muskulatur locker zu lassen. Das Warten kommt einem wie Stunden vor und man hat immer Sorge, dass die Staffel irgendwo abgebrochen wurde und man umsonst wartet. Die beiden anderen von Andre organisierten Staffeln waren schon da gewesen und ich wartete immer noch. Aber dann kam mein Vorläufer, kurzes Abklatschen und die wilde Hatz konnte beginnen.

Bad Religion „New Maps of Hell“ ist ungefähr das Album mit der schnellsten Musik, welches ich auf meinem IPod habe. Also rein damit in die Ohren und ran an den Anschlag. Nun sind diese 1,6 Kilometer nicht ganz ohne, geht es doch in Rostock die Gruben- und Krämerstraße hoch, ein nicht zu vernachlässigender Anstieg. Mein erster Blick auf meine Uhr zeigte, dass ich eine Pace von unter vier Minuten angeschlagen hatte, das war definitiv zu schnell. Also ein bisschen Luft holen und dann den Berg rauf. Trotzdem wurde der erste Kilometer in einer 4:48 erledigt. Das war so grob der Plan und ich war komplett am Anschlag. Nun also noch 600 Meter und von Läufer zu Läufer hangelte ich mich schnell in Richtung Ziel. Das Tempo konnte ich trotzdem nicht ganz halten und so waren die zweiten 600 Meter nur noch in einer 5:08 Pace möglich. Trotzdem: Ich bin ein so langes Stück noch nie so schnell gelaufen, denn nach 7:50 blieb die Uhr stehen und ich hatte über die 1,6 Kilometer eine Pace von 4:56 hingelegt.

Es ist bemerkenswert, wie fertig man nach einer solchen Aufgabe ist. Ich bin die Ausdauerleistungen gewöhnt und da kommt man ja hoffentlich nie komplett außer Atem. Heute aber bei diesem Ding war ich am Ende komplett auf, atmete sehr schnell und hatte zum Glück meinen Pulsgurt vergessen.

Es machte aber mal derbe Spaß sich einer so anderen Aufgabe zu stellen und mal ganz anders zu laufen. Im Ziel dann Freude bei allen Staffelläufern und auch ein warmer Empfang für mich, obwohl „meine“ Staffel von drei Staffeln die langsamste war. Das war aber alles nebensächlich, ging es doch insbesondere um den Spaß an der Freude.

Danach kurz noch mit allen geschnackt, Andre gedankt und mit der Medaille um den Hals der Heldenwalkerin entgegen gegangen. Das gemeine dabei: Staffeln und Volldistanzläufer bekamen die gleiche Medaille, nur Halbmarathonis bekamen eine andere, sodass ich wie ein Volldistanzler aussah und doch nur ein Sprinter war. Die Heldenwalkerin dann ins Ziel begleitet, aber das ist ein selbst zu schreibender Bericht. Bestzeit für sie, Bestzeit für mich über 1,6 Kilometer. Erwähnenswert nur, dass die Veranstalter ganz entspannt sechs Minuten für sie überzogen und ein sehr netter Schlussfahrradfahrer sie ins Ziel begleitete.

Fazit: Ein sehr gelungener Ausflug nach Rostock. Auf eine GPS Datei verzichten wir diesmal großzügig.