Aug 282012
 

oder

Wenn diese Treppen nicht wären / Heldenlauf 2012

Vorwort

Liebe Leser, wenn man so googelt, wie man sich auf einen Lauf vorbereiten soll, dann findet man garantiert irgendwo den Rat, dass man doch zu einem Konzert am Vorabend gehen , viel stehen und ganz viel Bier trinken sollte. Und wenig Schlafen sollte man auch. Okay, außer mit dem Bier trinken haben wir das ganz gut hinbekommen. Haben wir doch vor dem Heldenlauf einen kleinen Ausflug zum Großmarkt gemacht. Nun sind wir nicht so die guten Musikblogger, trotzdem fangen wir damit einfach mal an.

Kein Gott, kein Staat, lieber was zu laufen

Liebe Leser, das Portland Open Air wurde zum Ersten mal veranstaltet und zwar auf der Fläche des Großmarktes. Nur die Älteren unter uns werden sich an das letzte Musikfestival auf dieser Fläche erinnern, als irgendwann in den 90ern Bands wie Faith No More dort spielten. Das Portland mit eher elektronischen Bands, war da einige Nummern kleiner angelegt und vielleicht 3000 bis 5000 Zuschauer (Abendblatt behauptet 5.000) wollten Deichkind plus einige Vorbands sehen. Vorbands? Ja, die haben wir bis auf die letzte komplett ignoriert und uns mit der Umgebung vertraut gemacht. Eigentlich ist das Gelände aufgrund von fehlenden Anwohnern perfekt für ein Festival geeignet. Warum der Veranstalter aber bei einem Headliner, der ja doch für eine Bierstimmung sorgen kann meinte, dass er mit drei Bierständen auskommen würde verstehen wir so gar nicht. Immerhin führte es dazu, dass ihm viele Einnahmen flöten gingen, da die Leute kein Bock hatten sich für ein Bier ne halbe Stunde anzustellen. Und das eigentlich bei einem Preis von 2,50€ pro Bier, was ja eigentlich ganz okay ist.

Etwas anders als die meisten Leute sehen wir da aber die Klosituation. Ja, vor dem Damenklo war eine permanente Schlange, aber das ging trotzdem – außer direkt nach den Bands – immer ganz gut voran. Ob das ganze auch bei einer entsprechenden Bierversorgung gereicht hätte, sei mal dahin gestellt. Aber da ist man von Rock im Park oder Wacken schlimmeres gewöhnt. Insbesondere, da man hier auch noch für Wasserklos gesorgt hatte und nicht nur Dixies vorhanden waren.

Kommen wir zu den Bands, die wir wahrgenommen haben. Genau zwei. 🙂 Peaches ist nicht wirklich eine Band, sondern eine Dame, die von Tänzern unterstützt wird und die „Elektroclash“ (Wikipedia) macht. Man könnte es auch elektronischen Lärm mit Gesangs- und Shot-Einlagen nennen. Ging aber gut ab. Dazu ein Kostüm, welches zum größten Teil aus Brüsten bestand und Tänzer (auch das Vagina-Kostüm kann man mal machen), die kleine Szenen spielten. Sehr unterhaltsam, sehr freakig.

Sowohl Peaches, als auch Deichkind ließen es sich nicht nehmen, dass Thema Pussy Riot anzusprechen und die Freilassung zu fordern. Was man da mal wieder sehen kann, ist die Macht der Symbole. Natürlich hat es Menschenrechtsverletzungen in Russland schon vor und nach Pussy Riot gegeben, aber Menschen lieben Bilder, lieben die Personifizierung und Russland wird wahrscheinlich in nächster Zeit sehr viele musikalische Gäste haben, welche dieses Thema ansprechen werden und so auch einen Fokus auf die Menschenrechtslage in Russland lenken werden. Diktatoren neigen dazu, die Kraft dieser Symbole zu unterschätzen.

Es macht ja schon etwas aus, wenn man als Band in Verkleidung auf die Bühne geht. So kann man vollkommen unbeachtet als Künstler in Alltagsklamotten durch das Publikum schlendern. Und dann war es soweit. Typen in Müllsäcken entern die Bühne und das ganze hat weniger etwas mit einem Konzert zu tun, als mit einer abgedrehten Performance mit ziemlich geiler musikalischer Untermalung. So wurde das volle Programm gespielt, alle wesentlichen Hits waren dabei. Von der Ballade (s. Überschrift) über „Bück dich hoch“ bis zum obligatorischen „Remmi Demmi“. Auch einen Ausflug in alte Hip-Hop Zeiten hat es gegeben. Was dabei bemerkenswert ist. Zeit für Pausen, Ansagen oder Spielereien mit dem Publikum wurde sich nicht genommen. Die ersten 45 Minuten knallhart durchgezogen, kurze Pause und weiter gings. Wir haben wahrscheinlich genauso viele Lieder sehen können, wie die Gäste der alternativen Großveranstaltung an diesem Abend, aber in der Hälfte der Zeit, oder so.

Wir hatten also gut was zu tanzen und dies für die ganzen 105 Minuten, die das Konzert letztendlich dauerte. Nach dem Konzert erstmal festgestellt, dass man ganz schön dicke Füsse und ganz schön feste Oberschenkel hat. Perfekte Halbmarathonvorbereitung also.

Zum Glück klappte ÖPNV technisch alles perfekt und so war man noch rechtzeitig im Bett, nur um kurze Zeit später wieder wach zu sein und mit einem Ohrwurm aufzuwecken. Wir fahren mit der Luftbahn…

Der Heldenlauf bietet 6km, 11km und einen Halbmarathon an und ist definitiv einer der schönsten Läufe in Hamburg. Aber auch einer der anspruchsvollsten. Die Strecke ist doch ziemlich wellig und insbesondere auf der Halbmarathonstrecke mit einigen Höchstschwierigkeiten gepflastert. Wir haben uns dann einmal für die 11km entschieden, einmal für den Halbmarathon.

Da der 11er zuerst ab ging, darf der auch anfangen zu schreiben:

Mein erster offizieller Volkslauf und erst mein dritter Lauf über 10km überhaupt. Feste Oberschenkel vom Tanzen und weiche Knie vor Aufregung, die besten Vorraussetzungen also. Mit einer kleinen Aufwärmübung ging es dann auch schon in die Startzone und die letzten acht Minuten wartete ich in einem Wespennest aufgeregter Läufer. Als der Bürgermeister höchstpersönlich (der nebenbei insgesamt vielleicht fünf Sätze sagte bei der ganzen Veranstaltung) das Startsignal (hier noch ein Schuss, das war beim HM dann anders) gab, lief ich los. Mein Plan: locker mein Tempo bis Kilometer sieben (wo meine Streckenposten warten sollten) laufen und wenn bis dahin alles gut geht, Gas geben.

Relativ schnell kristallisierte sich heraus, dass ein U20 m und ein Ü50 m ziemlich genau mein Tempo liefen, und auch wenn wir einander anschwiegen, so schleppten wir uns bis Kilometer sieben gemeinsam („Nur noch vier, nur noch vier“).

Die Strecke ist super schön und vor den Anstiegen wurde ich gar nicht gewarnt, sodass ich einfach ins kalte Wasser gesprungen bin. Kilometer sieben dann meinen Streckenposten allen einen Kuss aufgedrückt, festgestellt, dass heute alles geht, und Tempo richtig angezogen. Als ich am Witthüs lang kam, erfreute doch eine Truppe Küchenpersonal mein Herz, die mit allerlei Küchenklapperei die Läufer anfeuerten. Und auch das Ehepaar, das Früchtetee für die Läufer ausschenkte (stillecht Blankenese-Style vom Personal (?!?) nach vorne gebracht) und der Polizist, der fleißig Wasser verteilte, gaben mir Schwung durchzuhalten.

Bei Kilometer neun habe ich dann die Mitläufer angebrüllt „Los jetzt, die letzten zwei Kilometer auf Blut, nun is doch eh alles Wurscht“ und habe das Tempo erneut angezogen. Dass auf dem letzten Kilometer dann aber doch noch ein Hügelchen auf mich wartete, kam unvorbereitet, aber auch diese „challenge accepted“, durchgebissen und in einem ordentlichen Schlusssprint ins Ziel gerannt. Danach einen kräftigen Adrenalinausstoß gehabt und zwei Stunden vor Stolz fast geplatzt. Man muss schon sagen, dass sich die Blankeneser echt viel Mühe geben. Ich habe dann im Ziel eine tolle Versorgung vorgefunden (Croissants, Äpfel, Bananen, unterschiedlichste Biere alkoholfrei, Massagen, usw.; einziger Minuspunkt: Die Duschen waren eiskalt, sodass ich schon Kopfschmerzen bekam aber immernoch Schaum im Haar hatte.) und konnte gleich meine Zeit auf der Tafel nach lesen. Wow, verdammte Scheiße, 15(!!) Minuten schneller als ich erwartete. 1:05:02, Puddingbeine und Fertigpizza waren dann die Belohnung.

So liefen sie also davon und wir Halbmarathonis warteten zwischenzeitlich noch auf unseren Start. Immerhin perfekte Bedingungen, wenn man mal von dem typischen Hamburger Wind absieht. Zitat eines Mitläufers: „Ich habe das Gefühl, der kommt immer von vorne.“

1.700 Halbe liefen mit, so dass der Start doch etwas kuschelig war. Das Startsignal nun kein Schuss mehr, sondern das Horn der Cap San Diego. Ehrlich: Muss diese Show nicht haben, auch wenn die CSD natürlich ein sehr hübsches Schiff ist. Gut fünf Minuten dauerte es, bis man die Startlinie überquert hatte und los ging die wilde Hatz. Ich lief die ersten Kilometer mit der Frau ohne Kassettenrekorder (die hier ihr Rennen schildert) und dem besten Ehemann der Welt (TM), die wurden mir dann aber beide ehrlich gesagt zu schnell und deswegen habe ich sie laufen lassen.

Eigentlich begannen Kilometer 1 und 2 gut, die Uhr zeigte Zeiten zwischen 6:15 und 6:20 an. Also eine gute Pace zu Beginn eines Halbmarathons. Fakt ist, dass die beiden ersten Kilometer aber brettflach sind, so dass man sich für die späteren Aufgaben doch Körner übrig lassen sollte.

Kurz nach Kilometer 3 beginnen die wellligen Stellen des Marathons und ich bekam Fußprobleme. Mein Fuß wollte (wahrscheinlich aufgrund des Stehens am Abend vorher) so gar nicht und verkrampfte komplett. 7:29 und 7:32 auf den beiden nächsten Kilometern waren die Folge. Eine Pause zum Dehnen und lockern inklusive. Danach ging es wieder und der Lauf konnte zum Glück fortgesetzt werden.

Eine klitzekleine Kritik muss man am Heldenlauf aber haben. Der Lauf an sich ist nur ganz knapp ein Halbmarathon (meine Uhr zeigte am Ende 20,87 gelaufene Kilometer an) und die aufgestellten Kilometerschilder sind doch sehr ungenau. Teilweise bis zu 700 Meter Abweichungen zu den real gelaufenen Kilometern. 6:44, 6:25, 6:45 und so weiter. Bis Kilometer 10 blieb ich regelmäßig unter den 7 Minuten, die ich mir vorgenommen hatte. Kilometer 10 war dann langsamer wegen einer ausgiebigen und ruhigen Verpflegung, aber ich fühlte mich gut und alles lief.

Das Feld, wie immer etwas ausgedünnt in meinem Zeitbereich. Insgesamt ist in den letzten Jahren zu beobachten, dass die Leistungsdichte im Halbmarathonbereich immer besser wird. 6:37 und 6:18 folgten auf den Kilometern, dann wieder eine 7:11. Es wurde immer welliger.

Wenn man so meine Geschwindigkeit verfolgte, dann war ich immer noch in der Lage flach eine Pace von gut 6:15 zu laufen, was für mich echt super ist. Nur bergauf hatte ich doch Probleme ein Tempo zu halten.

Tja und lief alles hier noch auf eine Zeit irgendwo zwischen 2:20 und 2:25 raus, kamen dann die berühmten Treppen und die zerrissen mich dann doch sehr fröhlich. Man muss den Falkentaler Weg direkt neben dem Waseberg hoch und das Treppensteigen ging dann doch derbst in die Beine. Ein gepflegter zehn Minuten Kilometer war die Folge. Landschaftlich ist das dort besonders toll, läuft man doch durch den wunderschönen Polterberg. Aber der Läufer neben mir ahnte es schon: Man muss eben noch einmal runter an die Elbe. 6:30 folgen, aber dann zweimal Kilometer, die von den Steigungen und Treppen beeinflusst waren und nicht unter acht Minuten lagen.

Hier habe ich nun alle Zeit Ideen fliegen lassen und bin einfach nur gelaufen, wie ich gerade konnte. Immer wenn es mal flacher wurde, dann gingen auch wieder Kilometer, die unter 7:00 waren, aber der letzte Anstieg in einem Park zerriss mich noch mal vollkommen und zwang zu einer großen Gehpause.

Neben der wirklich guten Organisation des Laufes ist auch das Publikum echt Klasse in Blankenese. Überall standen Leute und zwischen Kilometer 18 und 19 betrieben Leute echt auf eigene Rechnung noch einen Wasserstand. Das ist so toll und ich hoffe, dass die Leute wissen, wie sehr sie den Läufern auch moralisch helfen.

Nun ja, knapp vor dem Ziel war dann endlich die Luft raus und so schleppte ich mich ins Ziel, wo ich nach 2:32:22 ankam. Seien wir deutlich: Ich war auf dieser Strecke auch schon einmal gepflegte 16 Minuten schneller und zwar vor zwei Jahren. Das spricht nicht gerade für eine tolle Form. Keine Ahnung, warum das vor zwei Jahren so flutschte und diesmal nicht. Gefühlt habe ich mich eigentlich nicht schlecht.

Mal sehen, was dies für Berlin bedeutet. Insgesamt ist es ja immer nur ein Trainingslauf für mich, so dass ich nicht weiß ob und wie ich 2010 in dieses Rennen gegangen bin.

Kleine negative Anmerkung noch zum Schluss: Alkoholfreies Bier gab es für langsame Läufer leider nicht mehr. Immerhin aber noch alle möglichen Getränke.

Aug 262012
 

oder

Gastbeitrag aus Cottbus

Seit Donnerstag bin ich nun also offizielle Gastbloggerin. Ich habe vor lauter Aufregung kaum geschlafen. OK, das ist vielleicht ein wenig übertrieben. Gut gefunden hätte ich es allerdings, da am Freitag gegen 20:15 Uhr das Rollo runter und das Licht ausging. Und das, obwohl draußen das allwochenendliche Treiben im Viertel noch gar nicht an Fahrt aufgenommen hatte.

Um 1:30 Uhr ging dann schon wieder der Wecker. Fix fertiggemacht, noch im Halbschlaf dem bereitgelegten Kram (jaja, man wird spießig mit der Zeit) seine finale Zusammenstellung verpasst und an der U-Bahn gleich den Großteil der Bande mitsamt erfreulich vieler Gäste von Hapoel getroffen, der sich die Zeit bis zur Abfahrt offensichtlich in unserer Kneipe vertrieben hatte.

Wohl ob der nachtschlafenen Zeit verliefen die Fahrt nach Lübeck und der einstündige Aufenthalt dort recht ruhig. (Immerhin hatten die örtlichen Hüter von Recht und Ordnung den Inhaber des Grills am ZOB vorgewarnt.) Auch in der Bummelbahn nach Bad Kleinen, wo wir in den Zug nach Cottbus stiegen, ging es – von dem Bundeswehrmenschen, der nicht müde wurde, die gut gelaunte Meute mit abschätzigen Blicken zu taxieren – äußerst familiär und kuschelig zu.

Langsam ließ sich so etwas wie Tageslicht erahnen, wobei es allerdings so diesig war, dass man nicht viel weiter als 50m gucken konnte. Böse Zungen mögen nun provozierend behaupten, dass es in MeckPomm und Brandenburg auf allen folgenden Metern Richtung Horizont auch nicht anders aussieht als auf diesen sichtbaren, aber dazu möchte ich hier keine Stellung beziehen.

Ab Berlin (alles sprach von Spandau, ich hatte mir allerdings Hauptbahnhof als Notiz gespeichert…nun denn) bekam unser Grüppchen schließlich Zuwachs in Form einer ganzen Batterie Robocops. Die eigentlich entspannte Stimmung schlug innerhalb weniger Minuten um. Nun ist es ja nicht ganz von der Hand zu weisen, dass durch das Erscheinen uniformierter Beamter der Innenbehörde reflexartig gewisse Verhaltensmuster an den Tag gelegt werden. Übersetzt hieß das in diesem Fall, dass umgehend A.C.A.B. aus den Boxen schepperte und man sich angeregt unter Zuhilfenahme diversester Synonyme über die Zugestiegenen unterhielt. Die Polizei hatte den medial gern kommunizierten Deeskalationsauftrag allerdings gründlichst missverstanden und fing ihrerseits an, Menschen verhältnismäßig wahllos („Wenn sich einer meiner Beamten beleidigt fühlt, dann…“) erkennungsdienstlich zu behandeln. An dieser Stelle noch einmal in Schriftform der schon persönlich ausgesprochene Dank an den jungen Mann, der sich zum einen (erfolgreich) dafür eingesetzt hat, dass einer der der Beamtenbeleidigung Verdächtigten nicht mit sechs, sondern lediglich mit zwei Beamten zur Personalienfeststellung musste und diesen dann auch noch begleitet hat.

Das gefährlich dünne Eis der Justiz verlasse ich allerdings lieber schnell wieder und überlasse ich dann wieder den Blogmachern.

Sehr schön, wenngleich auch ziemlich traurig, dieses als seltene Ausnahme erwähnen zu müssen, war der Fanmarsch vom Hauptbahnhof zum Stadion bei zwischenzeitlich feinstem Wetter. Begleitet von unbehelmten Polizisten, wenn das an dieser Stelle so einigen anderen Ordnungshütern mal ganz wertfrei mit auf den Weg gegeben werden dürfte.

Bei der Einlasskontrolle geriet ich dafür an eine Bärin von Ordner, die mir nicht nur die zuvor bereits verteilten Luftballons abnahm, sondern sogar meine Geldscheine durchzählte! Als ich schon befürchtete, sie würde mich nur mit einem begrenzten Taschengeld ins Stadion lassen, ließ sie mich dann doch noch passieren. Ihre Kolleginnen und Kollegen schienen das mit den Ballons auch nicht ganz so eng gesehen zu haben; für die Choreo waren jedenfalls genug mit reingekommen.

Im Stadion gab es dann ein überschaubares Cateringangebot und erwartungsgemäß kein Bier. (Wobei ich das bei zwei(!) Frauentoiletten schon gern beobachtet hätte.) Die Zeit bis zum Spiel vertrieb man sich also stattdessen mit der üblichen von Blocktauscherei, der Begrüßung einiger zwischenzeitlich eingetroffenen Babelsberger und einem lächerlichen Kräftmessen mit den Rotleibchen wegen einer der Zaunfahnen, bei der man leider den Kürzeren zog. (Ob es die „diffidati con noi“ war, die letztlich zurückgenommen werden musste, war schwer zu erkennen.)

Nun denn, ich habe es lange hinausgezögert, aber kommen wir zum unangenehmen Teil des Tages: dem Spiel.

Vor dem Anpfiff gab es ein paar abgelesene Lippenbekenntnisse gegen Rassismus und dann ging es auch schon los. Leider Richtung Tor von Tschauner. In den ersten 20 Minuten spielte sich wenig in der Cottbusser Hälfte ab, St. Pauli eigentlich nur mit einer Halbchance von Saglik. Das Dramatische war eigentlich, dass Cottbus mit ganz durchschnittlichen Mitteln zu Chancen kam. Die Räume mussten sie sich nicht einmal erarbeiten, sie wurden nahezu angeboten. Exemplarisch ist hierfür wohl das 1:0, dem ein ziemlicher Bock von Tschauner vorausging. St. Pauli agierte allerdings auch im Anschluss an diesen Wachmacher ideenlos, langsam und ohne Zug zum Tor. Das Eckenverhältnis von 4:0 gibt vielleicht ein wenig die Gewichtung wieder. Halbzeitpause. Die zweite Hälfte fing besser an (schlechter ging leider auch kaum), war aber immer noch meilenweit von gut entfernt. Zu dem fehlenden Willen schien auch ein stückweit Unvermögen zu kommen, Saglik mit einem langen Pass ins Nirvana links außen, der eingewechselte Ebbers irrte weiterhin durch Strafraum und Abseits und verpasste erneut im entscheidenden Moment den Torschuss, passte dafür quer und entschärfte die Situation, die schließlich komplett verpuffte. An der Strafraumgrenze verlud Banovic dann schließlich mit Boll und Kringe gleich zwei erfahrene Spieler mit einem E-Jugend-Trick und netzte zum verdienten 2:0 ein. Bartels rutschte kurz vor Schluss noch einmal nach einem Sprint zu einem längst verlorenen Ball mit Gewalt in die Bande, aber auch das war nicht mehr als Aufbäumen zu werten. You’ll never walk alone singen, Abfiff, müdes gegenseitiges Beklatschen, ab zum Bahnhof.

Einschub:

Bei Energie ist der Name übrigens Programm. Trotz eines nur mit wenigen Wolken durchsetzten und sonst strahlend blauem Himmel befand man, dass eine komplette Beflutlichtung während des gesamten Spiels auf jeden Fall erforderlich sei. Im Sinne der Nachhaltigkeit schlichtweg untragbar. Hierfür: setzen, sechs.

Nach dem Spiel zeigte die Gruppendynamik dann wieder ihre hässliche Fratze: wie die Heuschrecken in den Supermarkt, Mundraub, Arroganz und Gepöbel. Distanzierungswürdig. Wobei an dieser Stelle der Fairness halber gesagt werden muss, dass sich der allergrößte Teil der Gruppe absolut zivilisiert verhalten hat. Die Wildfänge stachen trotzdem hervor.

Die Rückfahrt war unspektakulär, dank lieblichen Rotweins (zum Glück nicht eigens konsumiertem) und an dem Fußballgeschehen unbeteiligter Fahrgäste (Siggi, zumindest hatten Deine Freundinnen Spaß) allerdings dann noch sehr amüsant. Die eingefahrene Verspätung von gut einer halben Stunde, die uns theoretisch unseren Anschluss in Schwerin gekostet hätte, wurde kurzerhand durch ein Umsteigen inmitten des Nichts wettgemacht, so dass wir pünktlich gegen 21:45 Uhr wieder den heimatlichen Hafen erreichten. Der unermüdliche Teil ist dann noch rüber zum Schanzenfest (zumindest traf man dort noch einige gerade erst verabschiedete Gesichter wieder), aber da der Bericht eh schon länger ist als er ursprünglich mal geplant war und auf dem Fest darüber hinaus auch (während meiner Anwesenheit) nichts Nennenswertes mehr passiert ist, soll es das an dieser Stelle auch gewesen sein.

Ich gebe zurück an die Blogger meines Vertrauens!

Aug 242012
 

oder

Ein notwendiger Ausflug in die Politik

Liebe Leser, wir sind ja ein Fußballblog. Wir halten uns soweit es geht aus politisch-gesellschaftlichen Diskussionen und insbesondere auch eher theoretischen politischen Diskussionen raus. Ganz ehrlich: Da sind wir nicht die Fachleute und wenn man keine Ahnung hat, dann kann man auch mal die Fresse halten.

Es gibt aber Themen, die sind einfach so stark mit dem Fußball verbunden und verwoben, dass man als Fußballblog nicht schweigen kann bzw. wir nicht schweigen wollen. Diskriminierung von Homosexuellen ist z.B. so ein Thema. Eigentlich jegliche Form der Diskriminierung, aber wir stellen heute mal dieses Thema in den Mittelpunkt unserer politschen Seite. Grund ist die Kampagne der Konservativen gegen die „Homo-Ehe“ bzw. deren Gleichstellung. (einmal verwenden wir dieses Wort jetzt, auch wenn es alleine ja schon diskriminiert.

(vorläufiger?) Höhepunkt war der gestrige Artikel dieses unsäglichen Wagners in dieser unsäglichen Zeitung mit vier Buchstaben. Bei Diesem schwingt in dem „Hey ihr werdet doch nicht mehr eingebuchtet“ gleich ein ungeschriebenes „auch wenn ich absolut dafür wäre, wenn es noch so wäre“ mit. Und auch sonst ist alleine die Sprache der Kampagne schon furchtbar, wir verweisen mal auf den Metalustler. Parallelen zu der „Boot ist voll“ Kampagne die dann zu Lichtenhagen führte, sind unverkennbar, wenn uns jemand fragt.

Legen wir den Schwerpunkt der Betrachtung doch mal ein klitzekleines bisschen anders. Kommen wir doch mal trocken über die Juristerei:

Wir haben in Deutschland eine sogenannte Zivilehe. Es ist also Aufgabe des Staates (und nicht Aufgabe der Kirche oder so) den Inhalt der Ehe zu definieren und damit auch zu definieren, was damit im Grundgesetz gemeint ist. Und es ist überfällig, dass er dieses tut! Es kann nicht sein, dass der Gesetzgeber sich scheut und seine Pflicht als Legislative selber gestaltend im Rahmen seines grundgesetzlichen Auftrages tätig zu werden scheut.

Dies hat das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber im Endeffekt mit all seinen Entscheidungen ins Stammbuch geschrieben.

Nun wird ja gerne immer mal wieder mit Art 6 argumentiert, der ja die Ehe und die Familie besonders schützt. Und es ist juristisch garantiert vertretbar (das ist nicht gleich „richtig“ und politisch ist es definitiv falsch) mit einem Blick auf den historischen Verfassungsgeber davon auszugehen, dass dieser hier nur heterosexuelle Konstruktionen gemeint sind.

Das sei nur gesagt, weil das Bundesverfassungsgericht wohl auch eher dazu tendiert als „Ehe“ nur die heterosexuellen Konstruktionen zu definieren. Es schreibt dann aber in seiner letzten einschlägigen Entscheidung (zitiert ist hier juristisch unzulässig aus der Pressemitteilung):

„Schließlich kann die Schlechterstellung der Lebenspartner gegenüber den Ehegatten auch nicht mit der in der Art. 6 Abs. 1 GG verankerten Pflicht des Staates, Ehe und Familie zu schützen und zu fördern, gerechtfertigt werden. Geht die Förderung der Ehe mit einer Benachteiligung anderer Lebensformen einher, obgleich diese nach dem geregelten Lebenssachverhalt und den mit der Normierung verfolgten Zielen der Ehe vergleichbar sind, rechtfertigt die bloße Verweisung auf das Schutzgebot der Ehe eine solche Differenzierung nicht.“

Kurz: Das BVerfG geht zwar von vergleichbar aber nicht gleich aus. Das ist schon mal ein riesiger Schritt in die richtige Richtung, perfekt ist es aber aus unserer Sicht nicht. Perfekt ist nur das gleich. Das ist halt so ein bisschen wie der Unterschied zwischen tolerieren und akzeptieren.

Nun sollte der Gesetzgeber den Schritt der Gleichheit gehen. Und wenn er dies nicht einfachgesetzlich kann, dann hat er einen Gestaltungsauftrag, einen auch gesellschaftlichen Gestaltungsauftrag. Hin zur Ehe für alle, wenn wir das mal so nennen dürfen. Es ist nur ein Satz im Grundgesetz.

Das gilt nebenbei auch für den Begriff der Familie. Man heteronormiert den sehr gerne, aber Gestaltungsauftrag sollte eigentlich ihn definieren auf „Familie ist, wo Kinder sind.“ Und mitdenken kann man dann „egal wer wie was die Eltern sind“.

Und wenn man dies gesagt hat, dann ist klar, dass alle Privilegien wie Adoptionsrecht, Ehegattensplitting etc. pp vollkommen unabhängig davon sein sollten ob nun Hete oder Homo.

Warum halten wir dies für einen klaren Gestaltungsauftrag des Gesetzgebers. Ganz einfach. Weil er sonst diskriminiert und gegen das BVerG verstößt. Etwas länger:

Möchte man das oben zitierte BVerfG Urteil wirklich ernst nehmen, dann müsste man wohl fragen „Wo sind die jetzige Lebenspartnerschaft denn nicht mit der Ehe vergleichbar?“ Na, fällt euch was ein? Klar, in den Privilegien, die der Gesetzgeber für die Ehe geschaffen hat, aber die zählen halt einfach nicht. Und sonst? Zwei Menschen lieben sich, sie wollen lebenslang zusammenbleiben, füreinander sorgen, sich Treu sein (jaja sehr altmodische Vorstellung), miteinander alt werden, romantisch feiern. Wo ist der Unterschied zwischen Hete und Homo? Richtig: Es gibt keinen! Nebenbei: So eine Lebenspartnerschaft schleppt ziemlich viel konservative Gedankengüter mit sich rum, liebe CDU. Und liebe Kirchen das sind selbst klassische christliche Werte. Klar, wenn man Sex nur zur Reproduktion erlaubt, dann passt das nicht. Aber seien wir ganz ehrlich: Das war schon vor 2.000 Jahren weltfremd und überholt.

Ja, wir wissen, welcher Einwand nun kommen muss. Der mit dem Kinder kriegen. Nun ist diese Reproduktionsidee sowieso schon zum schütteln, wenn ihr uns fragt. Das klingt nach ganz dunklen Zeiten, ehrlich gesagt. Und dann fragen wir euch: Wo bitte priviligiert der Gesetzgeber Ehepaare geknüpft an die biologische (!!!) Mutter- und Vaterschaft. Beim Ehegattensplitting? Nein, eben nicht. Das bekommen auch gewollt oder ungewollt kinderlose Ehepaare. Bei anderen Sachen? Nein! Geht das überhaupt? Ganz ehrlich: Uns fällt kein Fall ein. Mal ganz davon ab, dass eine solche fiktive Priviligierung immer auch eine Herabsetzung der unverheirateten Eltern und der Alleinerziehenden bedeutet. Das gleiche kann man nebenbei auch sehr deutlich für den Begriff der Familie sehen.

Daher kann man – wenn man es ernst meint – das „Vergleichbar“ nur mit „gleich“ übersetzen und damit ist der Gesetzgeber gefordert.

Was wir nun nicht verstehen, was soll die ganze Nummer der Konservativen und der mit ihnen verbündeten Springerpresse? Hoheit über die Stammtische? Schüren von Ängsten? Aber warum? Warum sieht jemand die Zukunft Deutschlands gefährdet? Unfassbar so etwas. Und noch mal der Verweis an den Metalustler.

Wir wissen es nicht. Angst vor dem Unbekannten mag ein Motiv sein. Aber was sollen wir uns damit beschäftigen, was die diskriminierenden Täter so umtreibt? Es ist halt nur so verwunderlich, denn die CDU gibt hier ein Thema aus der Hand, was eigentlich so viele konservative Werte beinhaltet, wie oben ja angemerkt. Wenn sie wirklich modern sein will, dann wäre das ihre große Chance gewesen. Und es wäre doch Konservativ gewesen. Stärkung der Ehe und so. Krass konservativ. Aber so erschreckt mal wieder die inhaltsleere der Konservativen.

Und auch zum Adoptionsrecht nur eines: Kindeswohl ist ja das neue Lieblingswort in der politischen Diskussion und plötzlich eine Mode. Und wenn wir mal ehrlich sein wollen: Kinder sind Zukunft. Unserer Gesellschaft unserer Welt und so und ihr Wohl ein höchstes Gut. Nur niemand kann behaupten, dass ein Kind zwingend weniger geliebt, weniger wohlig ist, weil es von zwei gleichgeschlechtlich liebenden Menschen aufgezogen wird. Oder um es platt auszudrücken: Wer behauptet ein Kind hätte es besser in einer zerrütteten heterosexuellen Beziehung, als in einer glücklichen homosexuellen Beziehung, der lügt schlichtweg.

Was da immer noch mitschwingt ist die Idee, dass Kinder am besten heterosexuell auf Ehe genormt werden. Und erst, wenn man die Finger nicht auf sie halten kann, dann ist man so tolerant und erduldet, dass sie vielleicht schwul werden. Krampft im Magen, oder? Zu ihrem „Wohl“ ist es fraglos nicht.

Und genau da ist doch der Wunsch. Keine Normierung von Kinderbeinen an mehr auf Ehe und hetero, eine wirklich freie und gleiche Entwicklung. Und dann ist es vielleicht irgendwann wirklich egal, wer wen wie und wann liebt.

In diesem Sinne möchten wir den Metalustler noch mal zitieren:

„Wechselseitig einvernehmlich Liebe, Lust und Luxus für alle gleichermaßen!“

Schönes Wochenende euch allen.

Aug 202012
 

oder

Der letzte Vertreter Hamburgs im DFB Pokal

Vorwort

Liebe Sonnenanbeter. Es ist schon schwierig an einem solchen Wochenende noch irgendwann einen Blogartikel zu verfassen. Man hat viel Zeit draußen verbracht, wenig Schlaf gehabt und viele Eisbecher geleert. Aber natürlich wollen wir euch nicht ohne einen Bericht aus der ersten Pokalrunde lassen.

Eigentlich mögen wir diese ersten Pokalrunden sehr. Die Tour aufs Dorf beinhaltet häufig entspannten Fußball, neue Grounds und auch sehr bemühte, sehr freundliche Vereine, die sich einfach nur einen Ast freuen, dass sie mal einen großen Namen aus den Ligen empfangen. Nur leider behindert der Sicherheitswahn auch dieses Erlebnis. So musste auch der Offenburger FV in sein Stadion eine 5-stellige Summe investieren, einen fest umzäunten Gästeblock schaffen und insgesamt 97 Seiten (!! so die Aussage eines Verantwortlichen im Presseraum) Sicherheitsauflagen vom DFB abarbeiten. So weichen immer mehr unterklassige Vereine in andere insbesondere Bundesligastadien aus und das ganze Erlebnis geht verloren. Schade, sehr schade. Und man muss diesen Sicherheitswahn dann hinterfragen, wenn so wie in Offenburg absolut keine Sicherheitsrelevanz vorhanden ist. Auf einem Foto in der Stadionzeitung trägt ungefähr die Hälfte des Offenburger Fanblocks FCSP Merch. Da muss man dann auch keine Fragen mehr stellen.

So fangen wir nun aber an mit den Erlebnissen des Tages:

Der Hool-9er

Irgendwie hatte der Schatz sich so ein bisschen verplant und mehr Leute als Busplätze. Dann allerdings auch wieder nicht genug Leute um einen zweiten Bus zu machen und so machte man für die acht überschüssigen Leute einfach mal einen lockeren 9er.

So traf man sich also ebenso um 5 und chillte noch ein bisschen mit der Busbesatzung und dann ging es auch schon los. Die Lümmel auf der Rückbank in bester Stimmung, wobei erstmal gepflegt geschlafen wurde. Das Frühstück (Schaummilchkaffee, Kuchen, Solidaritätswiener…) dann um 8 Uhr morgens entspannt mit Alsterwasser und dann ging einiges. So eine Rückbank ist nebenbei nicht gefedert.

An der Raststätte Harz musste natürlich erstmal geharzt werden, geht ja gar nicht anders.

Der Stefan fuhr und spätestens in den Kasseler Bergen wurde er frech als er den Mitfahrer fett nannte in dem er meinte dass dieser doch bitte von der Hinterachse gehen sollte. Dabei war das doch nur das ausgiebige Frühstück.

Kirchheim wurde ausgelassen, Allertal auf dem Hinweg auch, was für eine komische Auswärtsfahrt. Aber wenn man aus dem Flurfunk hört, dass der Busfahrer zu Beginn schon Probleme damit hat, Bierkisten einzuladen und später keinen Film zeigen wollte, weil der Bus angeblich zu dreckig sei, dann weiß man, dass man alles richtig gemacht hat.

Schnell näherten wir uns dem Ziel und gegen 12 Uhr hatten wir auch Offenburg erreicht. Die ersten Kontaktaufnahmen mit den Einheimischen ergaben, dass man uns zwar den Aufstieg, aber nicht den Sieg wünschte. Okay, so wollten wir dann aber doch nicht wetten, auch wenn im Bus eigentlich niemand einen Pfifferling auf einen Einzug in die zweite Runde gab.

Was man bei solchen Amateurvereinen hat, ist ein gewisses Chaos und ganz viel Liebe. So auch in Offenburg. Die gesamte Dorfjugend wurde als Ordner (habt ihr schon mal Ordner im 200%igen Hipster-Outfit gesehen? Sieht ganz schön paradox aus!) und Kartenabreisser verpflichtet und nur im Bereich des Gästeblocks war eine „professionelle“ Ordnertruppe vorhanden. Auch im Pressebereich wurden die fehlenden Karten mit Freundlichkeit und Ruhe und viel Liebe gesucht und am Ende auch gefunden.

Auf dem Parkplatz versuchte uns dann der örtliche Radiosender doppelt zu überreden. Einmal sollten wir an einem Gewinnspiel teilnehmen. Hätten wir ja gerne gemacht, der Satz „die Gewinner erfahrt ihr dann Montag im laufendem Programm“ beendete aber unsere Gewinnspielfreude. Und dann wollte man uns noch die Farben des Heimatvereines ins Gesicht malen. Das wir alle in braun-weiß gekleidet waren, schien die Damen davon überhaupt nicht zu stören.

Was wir vorfanden war ein Stadion komplett ohne Schatten, so dass Schattenplätze gesucht und begehrt waren und viele Leute lange vor dem Stadion warteten, bevor sie dieses betraten. Leider gab es aber vor dem Stadion keine sichtbare Möglichkeit etwas zu trinken oder ein Klo zu besuchen. So war das ganze dann doch ein Zielkonflikt.

Gut, da kann man dann doch mal die Annehmlichkeiten des Presseraumes genießen, wo es leckere 0,5l Getränke in einer Glasflasche eisgekühlt gab.

Was so Touren ausmacht ist der Hoppingfaktor. Endlich mal wieder ein Stadion, was einen eigenen Charakter hat und nicht aussieht wie die 1000 Arenen, die sich nur durch die Farbe ihrer Sitzplätze unterscheiden. Offenburg hat ein sehr hübsches 10.000 Personen Stadion, welches direkt neben der Bahnstrecke liegt und so auch etwas für Trainspotter ist. Leider musste der Gästeblock nun unbedingt durch einen Zaun verschandelt werden und warum Zäune immer noch so sein dürfen, dass man sich an diesen übel verletzen kann, das weiß wahrscheinlich auch nur der DFB. Ironischerweise muss man schon sagen, dass es wohl neben der Hitze wahrscheinlich schon beinah Abwechselung für die Sanitäter war.

Was man sagen muss: Klasse Bild ALLER Einsatzkräfte. Die Polizei echt zurückhaltend, wenn auch mit viel zu viel Personal. Aber keine kampfbereiten BFE Mutanten. Das ist echt mal die Ausnahme. Und nach dem Spiel Wasser an alle zu verteilen ist schon eine richtig coole Nummer. Bereits vor dem Spiel hatten Feuerwehr und Sanis Wassereimer in die Kurve gestellt und die Feuerwehr begoss den Gästeblock auch immer wieder per Schlauch. Großes, sehr großes Tennis. Die Regenbogen, die dadurch entstanden trugen noch im romantischen Stadionbild bei :D. Dazu immer wieder die Durchsagen, wo man Wasser finden würde vom Stadionsprecher. Viele Profistadien könnten sich da echt mal eine riesige Scheibe von abschneiden (Man erinnere die letzten Dresden Tour, wo man nicht mal einen Plastikbecher bekam um Leitungswasser für Hitzeopfer zu holen). Danke auch an alle Fans, die unermüdlich Eimer und Becher mit Wasser in die Kurve trugen. Okay, vor dem Spiel hatten einige übereifrigen Ordner die Mitnahme von leeren Wasserflaschen verboten, aber das war wirklich nur ein klitzekleines Minus.

Saucool auch unser Vorsänger, welcher in den Innenraum stieg, durch den Innenraum spazierte und im Kabinengang (!!!) Wasser holte. Und auf die Frage eines Ordners, was er denn da mache, genau dies antwortete. Reaktion des Ordners? „Ja klar, mach mal.“

So wurde es ein entspannter Tag in der Sonne, auch weil unsere Jungs nicht zu viele Probleme mit dem Gegner hatten. Ob es nun an der mangelnden Qualität des Gegners lag oder ob wir einfach konzentriert genug waren, wen interessiert es im Nachhinein? Ein relativ sicheres 3-0 mit genau einem wackeligen Moment in den ganzen 90 Minuten? Wann hat es das zuletzt beim FCSP gegeben? Nur die Älteren unter uns werden sich an ein 4-1 bei Kilia Kiel erinnern.

Angesichts dieser Historie unseres Vereines muss man wohl mehr oder minder von einer Sensation sprechen. Ein bisschen Hoffnung hatte man ja, als keine Pokaltrikots diese Saison vorgestellt wurden. Als Freitag aber durchsickerte, dass es doch welche geben würde, da war eigentlich alle Hoffnung weg.

Eine Entscheidung der Vermarktung nebenbei, die nicht unsere 100 % ungeteilte Begeisterung findet. Nicht nur, dass die Camouflage Trikot nun wirklich eher eines der unschönen Trikots der letzten Jahre war. Nein, wenn das keine erinnerungswürdige Pokalsaison wird, dann wird das eher ein Schuss in den Ofen und das Andenken ist noch beschädigt.

Bevor wirs vergessen: So wie wir es gehört und gesehen haben hat Boller bevor sie den Platz verließen nochmal alle Jungs zusammen geholt und das „Diffidati con noi! Ultras!“-Transpi durchs Stadion getrangen. Ein tolles Statement, endlich mal wieder ein bisschen „Rebell“ auf dem Platz auch wenn garantiert nicht jeder Spieler 100 % wusste, was er da hochhielt.

Nach dem Spiel erstmal entsetzen. St. Paulifans sind ja so realistisch, dass sich niemand auch nur annähernd mit dem Erreichen der zweiten Runde beschäftigt hatte. Selbst der Fanladenhoschi hatte in seinen Kalender eine eventuelle zweite Runde nicht eingetragen. Und so blühte der Witz. „Was es gibt in diesem Wettbewerb eine 2. Runde?“ „Wann wird die überhaupt gespielt?“ „Beginnt jetzt nicht die Gruppenphase?“

Die Frage des „wann“ konnten wir nebenbei die ganze Rückfahrt nicht klären.

Der Hool-9er war dann gut dabei, machte kurz die Kasseler Berge platt und unter wildesten Sonderzugplanungen waren wir auch schnell wieder in heimischen Gefilden eingetroffen. Freut euch schon mal auf den Sonderzug nach Kaiserslautern, die Tresencrew hat da doch ziemlich wilde Ideen.

Allertal. Muss sein.

Hamburg. Muss noch mehr sein. Warme Nacht? Reeperbahn ist der Vorort zur Hölle. Wir schmeißen Leute raus und sammeln ein. Dann nach Hause. Ein Blick in die Sterne. Schöne melancholische Stimmung. Ein Stern funkelt. Die Vorstellung, dass da oben gerade die Außerirdischen die 2. Runde feiern. Die Gedanken wandern. Jemand rülpst laut. Zurück in der Realität geht es ins Bett.

FC St. Pauli, der letzte Hamburger Vertreter im DFB Pokal.

Aug 132012
 

oder

Präpositionslos

Vorwort

Liebe Leser, eigentlich wollten wir euch jetzt einen Blog Artikel ohne Präpositionen schreiben, allerdings würde man dann wahrscheinlich kein Wort mehr verstehen und das können wir uns und euch ja nicht antuen. Ihr sollt unser Gemecker ja verstehen. Was also werdet ihr heute lesen? Natürlich viel über das erste Heimspiel. Viel über die halbfertige neue Gegengerade. Einige Worte zu der Selbstdenkmalsetzung, einige Worte zu Olympia und dann gucken wir mal, was uns noch so über den Weg läuft.

Emotionen

Mal kein chronologischer Aufbau, sondern erstmal die emotionalen Momente des Wochenendes:

Endlich wieder Heimspiel!

Erstes Heimspiel, digga! Wieder im Viertel, wieder gespannte Gesichter schon morgens im Viertel, wieder ein Bier vorm AFM-Container, wieder FanSladen, wieder das Treiben auf dem Südkurvenvorplatz genießen, wieder die ganze kribbelige Vorfreude und das ganze diskutieren, was so geht heute.

Früh schon GGler vor den Eingängen, die ihre Kurve wieder einnehmen wollten und so nervös von einem Fuß auf den anderen trabbelten. Ziemliches Chaos am Eingang deswegen, aber gut, dass ist halt bei einem Neubau im Bau so.

Günter!

Vor dem Spiel galt es einen ganz großen beim FCSP zu verabschieden. Und Daggi hatte schon vor dem Spiel verraten, dass man sich etwas ganz besonderes ausgedacht hatte. Und so stellten sich die beiden Mannschaften zur Schweigeminute auf, die Süd zeigte Trauerbänder, alles stand und schwieg und dann kam Günter Peine noch mal zu Wort. Gänsehaut. Bei den Ingolstädtern hat sich nebenbei Ralle als einziger zur Leinwand umgedreht und den Worten von Günter gelauscht. Das eine oder andere Tränchen kullerte auf der Süd und das ganze endete in einem lauten Trauerbeifall und einem YNWA für Günter. Anders, aber sehr angemessen.

10 Jahre?

USP, die einzige Gruppe, die älter als ihre Mitglieder ist, witzelte jemand am Spieltag. Und auch wir werden dem Haufen noch angemessen gratulieren. Angemessen mit einer Choreo gratulierte Nordsupport. Und als wäre dies nicht schon cool, gab es in der Halbzeit auch noch großes rotes Paket mit Choreomaterial. Gut gemacht, kann man nicht anders sagen. Ein paar Fotos gibt es auch später in der Fotoecke.

Support?

Da wird es schon etwas weniger emotional, denn so wirklich Vollgas war das auf den Rängen (noch?) nicht. Die GG war noch mit dem selber finden beschäftigt, die Süd (nicht in Vollbesetzung) zwar gut dabei, aber da geht noch mehr und die Haupt war eher leer. Aber das nehmen wir jetzt alles mal hier raus und schreiben später noch ein paar Worte dazu.

Hockeyzerleger

Denn auch abseits des Millerntores gab es Emotionen. Nachdem die deutschen Hockeyherren Gold gewonnen haben, haben sie und wir zitieren mal die Abendzeitung „es sei einiges kaputt gegangen“ und die Feier auf der MS Deutschland „aus dem Ruder gelaufen“ (sic!). Das nennt man dann wohl Emotionen. Und seien wir ehrlich: Wenn man Olympiasieger wird, dann kann eine Feier auch mal richtig aus dem Ruder laufen. Da muss so eine Spaßbremse auch nix mehr von „nächstes mal aber diszipliniert“ labern. Und wenn man dann bei anderer Quelle etwas von verschütteten Flüssigkeiten und etwas kaputt (Gläser) liest, dann muss man wohl eher von kleineren Schäden ausgehen. Es sei den Jungs gegönnt, auch wenn es wahrscheinlich lebenslanges Schiffverbot gibt und natürlich eine neue Dimension der Feierei erreicht ist.

Emotionsneutral

War irgendwie die Rückeroberung der Gegengerade. Zwei Eingänge sind schon für 4.000 Leute sehr wenig und da die Leute alle früh kamen, kam es doch zu einem ziemlichen Stau. Dieser wurde aber sehr diszipliniert und ohne Gedrängel abgewickelt. Das war schon sehr gut Leute! Die Eingangssituation wird sich wohl erst bei Fertigstellung entspannen, da müssen sich alle Gegengeradenbesucher noch dran gewöhnen. Gut, isso. Allemal gut, dass es mit der Teilnutzung geklappt hat, auch wenn nur auf die letzte Sekunde. Und das war wohl nicht nur ein Kommunikationsproblem, wenn man den Gesang von den Spatzen, die auf den Dächern saßen, richtig interpretierte.

Drinnen war dann erstmal Bezugsgruppensuchen angesagt und wir fanden immerhin so gut 70% unserer Bezugsgruppe und verabredeten schon mal einen Platz für die nächsten Spiele. Auch sonst hatten wir nette Umgebung. Also alles gut. Nicht gut war dann der Support. Denn der war eher am untersten Rand dessen, was die Gegengerade so kann. Okay, schieben wir es mal auf zwei Stunden vorglühen und damit meinen wir nicht das Bier, sondern die Sonne und auch darauf, dass sich Bezugsgruppen noch nicht gefunden haben, auseinandergerissen wurden und sich Strukturen noch finden müssen. Das wird. Und da irgendein Supportgemeckere anzufangen, verbietet sich jetzt einfach mal. Mal ganz davon ab, dass die Stimmung halt auch sonst nicht so prall war.

Was in diesem Zusammenhang verwunderte war die offensichtliche Leere in vielen Teilen des Stadions. Die Süd wirkte in ihren Randbereichen ziemlich leer, die Nord auch. Die Business Seats sowieso und auch die normalen Sitzplätze. Hier rächte sich u.a. auch, dass z.B. nicht abgefragt war, wer eigentlich im Urlaub ist. So hätte man vielleicht auch längerfristig Einzeltickets anbieten können und auch längerfristig so ein Interesse generieren können. Das klappte so alles natürlich nicht. Aber da hatten wir ja schon Kritik geäußert und zu der stehen wir immer noch. In diesem Zusammenhang sei aber erwähnt, dass auch hier immer gilt „Don’t kill the messenger“. Eine Medienabteilung ist auch immer davon abhängig, wie eine Fachabteilung mit Informationen umgeht und wie sie die Medienabteilung damit versorgt.

Es ist ja gut, wenn man Müll vermeiden will, damit man schnell weiterbauen kann und so um die Nichtnutzung von Konfetti bittet. Das ist geschenkt. Wenn man dann aber bereits vor der Halbzeit Getränke nur noch in Einwegbechern ausschenkt, dann ist die ganze verlorene Liebesmühe. Von den leckeren Papptellern mit Ketchup mal abgesehen. Warum man hier nicht 30 Freiwillige für Sonntag gesucht hat, ist uns auch bis heute ein Rätsel. Aber gut.

Emotionslos

Ja, wenn wir die Chancen genutzt hätten. Aber „wenn“ und „hätte“ ist die Sprache der Verlierer. Und es kann auch einfach nicht übertünchen, dass die Mannschaft vielleicht die besten elf Spieler hat und diese elf Individuen zu den besten in der zweiten Liga gehören, aber ein Feuer, ein Zusammenspiel, ein gegenseitiges Entflammen, das war nicht sichtbar. Verpasste Chancen führten zu keinem Ruck und zu keiner Emotion. Klar ist Fußball heute auch sehr viel technischer und eine solche rasenumwälz Mannschaft wie Ende der 80er würde man heute gepflegt ausspielen. Aber wenn es zu spanischem Tikitaka technisch nicht reicht, dann sollte wenigstens auch noch ein bisschen Emotion da sein. Und ganz ehrlich: Dieses „ich will gewinnen“ Gefühl, das hatte man ansatzweise nur bei Tschauni, Kalla und Bruns. Bei letzterem ist uns auch unklar, warum er ausgewechselt wurde. Klar spielt er viele Fehlpässe, aber er spielt wenigstens auch mal Bälle, die irgendwie ein Risiko beinhalten. Und nur Risiko führt auch mal zu Torchancen. Berechneter, unterkühlter Sicherheitsfußball reicht nicht zu Toren und zu Siegen. Bestes Beispiel für dieses Sicherheitsdenken, was anscheinend unser Trainer den Jungs einimpft ist Fin Bartels. Ein schneller, super technisch versierter Spieler, der beinah nie den riskanten Abschluss oder den riskanten Pass sucht und so eine Torgefahr von null ausstrahlt.

Risikoloser Technokratenfußball ist ja gut, wenn man technisch entsprechend überlegen ist, aber das sehen wir bei uns nun wirklich nicht. Mal ganz davon ab, dass er am Millerntor so fremd wirkt, wie ein Mensch auf dem Mars.

Nun wollen wir nach zwei Spielen nicht zu schwarz malen und Köln und Hertha haben nach zwei Spieltagen schon ganz andere Probleme, aber wenn man Top 25 oder „oben mitspielen“ als Ziel hat, dann haben wir nach dem zweiten Spieltag auf dieses Ziel bereits zwei Punkte Rückstand. Zu den Abstiegsplätzen jedoch nur einen Punkt. Und an der Spielweise muss sich doch noch was ändern. Ein „emotionaler Leader“ muss dringend gefunden werden.

So neutral ist bisher die Bank. Das wirklich neue Feuer ist noch nicht zu erkennen, aber die zwei Chancen, die Ginczek sich erarbeitete, deuten an, dass hier vielleicht wieder ein wichtiger „12. Mann“ kommen könnte. Das war die absolute Schwäche der letzten Saison, so dass es wichtig wäre, wenn sich hier etwas entwickelt.

Positiv ist vielleicht zu sehen, dass sich die Jungs auch am Ende noch Chancen herausarbeiteten. Das lässt vielleicht darauf hoffen, dass die Kondition besser ist, als in der letztjährigen Rückrunde.

Und sonst so?

Leute, lest euch durch, was unsere Ultras so geschrieben haben. Nimmt bei Möglichkeit an dem Marsch teil, gebt den Stadionverbotlern ein bisschen Stadionstimmung. Und ihr, liebe Stadionverbotler, haltet bitte die Ohren steif. Und achtet auch auf den neuen Ablauf im Stadion. Auch als Gegengerade kann man da mitmachen.

Dann noch einige Worte zu unseren Stadionerbauern. Vieles hat das Lichterkarussell schon geschrieben und wir können so auf diesen Artikel verweisen. Dazu kommt natürlich noch, dass es sich bei den Steinen um eine ziemlich peinliche Kopie der seit 1995 verlegten Stolpersteine gehört. Warum dies nicht eher kritisiert wurde, ist uns nicht klar, aber seien wir ehrlich: Auch wir haben es in unseren Bauch gemurmelt, aber nie öffentlich geschrieben. Immerhin liegen diese blöden Steine da ja auch schon gut 5 Jahre.

Peinlich sind Stein und Mosaik aber auch aus anderen Gründen. Es gibt da – trotz aller Recherche – zu beidem keinen Beschluss eines Vereinsgremium. Das Ganze sind anscheinend Selbstehrungen der Beiden (oder ein Beschluss der MSB? Die wäre aber aus unserer Sicht nur bedingt für Ehrungen zuständig). Der eine ehrt sich dabei dafür, dass er den Job macht, für den er bezahlt wird. Ihr könnt ja mal euren Chef fragen, ob ihr eine solche Ehre für eure Lohnarbeit erhalten könnt. Und bei dem anderen, der ehrenamtlich tätig ist, muss man noch mal auf die Diskussion bei der letzten JHV erinnern. Der Verein hat gewisse Auszeichnungen, die sollten abschließend sein. Extrawürste kann es gerne geben, wenn man Tod ist und wirklich immer für den Verein gewirkt hat (Harald Stender Platz), aber als Lebender sollte man sehr vorsichtig mit Extrawürsten sein. Wir wollen gar nicht bestreiten, dass insbesondere der ehrenamtlich tätige einer Ehrung würdig ist. Aber dies gilt nur unter zwei Voraussetzungen: Beschluss des zuständigen Gremiums und das ganze nach Abschluss der gesamten Stadionumbauerei.

Kurz: Diese beiden anscheinend doch sehr egozentrischen und geltungssüchtigen Herren werden nun für unschöne Anträge bei der JHV (und zwar sofortige Entfernung von Stein und Mosaik) und für bitteren Streit sorgen. Und alles nur, weil die Welt mal wieder nicht genug war. Schade.

Olympische Spiele

Man muss nicht viele Worte über das IOC, sein Verhalten und die Folgen der Gigantomie der Olympischen Spiele verlieren. Trotzdem gucken auch wir die Olympischen Spiele, heben sie doch Sportarten in die Öffentlichkeit, die sonst vier Jahre ohne Öffentlichkeit stattfinden. Und alle diese Sportler, die ohne die Chance wirklich Geld damit zu verdienen, Höchstleistungen erbringen muss man bewundern.

Umso erstaunlicher ist es, dass man in Deutschland eine Zielvereinbarung schließt, die schlichtweg unerreichbar ist. Man kann nur rätseln, was das Innenministerium damit erreichen wollte. Wahrscheinlich schlichtweg das Gleiche wie bei den Sicherheitsgesprächen im Fußball. Sich als Staat selber zu reduzieren und sich aus der (finanziellen) Verantwortung stehlen. Es wäre in bester NeoCon Tradition und insofern nicht weiter verwunderlich.

Man kann lange diskutieren ob und wie eine Gesellschaft Spitzensport fördern soll. Nur wer die Idolfunktion von Sportlern negiert, der geht auch nicht zum Fußball. Und das Menschen zu Sport auch durch Höchstleistungen von anderen motiviert werden, kann man wohl nicht verneinen. Und Sport ist halt gesund.

Was wir so vergessen haben / Nachtrag

Da der Ralle sehr gerührt war über seinen Empfang, haben wir anscheinend alles richtig gemacht mit einem Spieler unserer Heldengeneration. Weiterhin alles Liebe und Gute in die Audistadt, Ralle!

Aug 082012
 

oder

Nix hören, nix sehen, nix wissen

Liebe Leser, um es mal deutlich vorab zu sagen: Umbauten in einem laufendem Betrieb sind IMMER schwierig und niemand geht davon aus, dass alles reibungslos klappt und auch mal reine Improvisation sein muss. Niemand erwartet, dass man sich bequem in eine Hängematte legen kann und auch ein Chaos gehört einfach dazu. Aber selbst wenn man diese Maßstäbe anlegt, ist das Verhalten des FCSP beim Gegengeraden-Ausbau bestenfalls naiv, schlimmstenfalls schlichtweg im Bereich des Strafrechtes. Die gestrige Pressemitteilung ist an Frechheit nicht zu überbieten. Und dies wollen wir jetzt mal aufzeigen:

Zuerst: Warum schafft man es nicht mit offenen Karten zu spielen? Spätestens als der (nebenbei unrealistische) Wunsch abgelehnt wurde zwei Auswärtsspiele zu Beginn zu haben, hätte man mit offenen Karten spielen müssen und erklären müssen, dass es zum ersten Spiel eventuell nicht Platz für alle Dauerkartenbesitzer der Gegengerade geben könnte. Aber auch hier sprechen wir von dem allerspätesten Termin. Denn eigentlich hätte man bereits VOR dem Verkauf der Dauerkarten die Käufer informieren müssen, denn immerhin zahlen die für 17 und nicht für 16 Spiele.

Was anscheinend bei unserem Verein nicht ankommt: So ein Vertrag hat beiderseitige Rechte und PFLICHTEN. Der Verein scheint immer zu meinen, dass nur die Dauerkartenbesitzer Pflichten haben und er kann frei entscheiden, wie er seine Pflichten definiert. Man muss doch froh sein, überhaupt mal ein Spiel sehen zu dürfen für diesen Spottpreis. Das scheint die Haltung zu sein. Kundenfeindlichkeit at it’s best. Alles nach dem Prinzip: „Wenn die Trottel nicht kaufen, dann haben wir genügend Trottel in der Hinterhand“. Böse Zungen vermuten hinter der ständigen freien (und rechtlich unzulässigen) Änderung der eigenen Pflichten System. Da werden letztes Jahr die AGB nach dem Verkauf der Dauerkarten geändert, da wird dieses Jahr das Übertragungsrecht nach dem Verkauf der Dauerkarten entzogen und da wird nun bekannt gegeben, dass leider 2/3 der Dauerkarteninhaber das Spiel eventuell nicht sehen können.

Nun mögen zwei Punkte davon eher Nebenpflichten eines Vertrages betreffen, aber auch Nebenpflichten sind PFLICHTEN. Und wer gegen seine Pflicht verstößt, eventuell selbst wissentlich, der ist dafür haftbar.

Und noch mal: Wenn ich einem Vertragspartner (Partner! Vertrag! Bindungswirkung!) etwas verspreche, dann muss ich das auch halten. Wenn ich ihm etwas verspreche, von dem ich weiß, dass ich es nicht halten kann, dann nennt man das schlichtweg Betrug und das ist schlichtweg strafbar.

Wollen wir hier diesen Vorsatz unterstellen? Wollen wir unterstellen, dass man sehr wohl billigend in Kauf genommen hat (und das reicht!), dass man nicht alle Gegengeradenbesucher unterbringen kann beim ersten Heimspiel? Wollen wir unterstellen, dass im Zeitpunkt des Verkaufes dieses Risiko jedem sehr klar bewusst (sicheres Wissen auch Vorsatz) war? Kann man sagen, dass die Bitte zwei Auswärtsspiele zu Beginn zu haben so realistisch war, dass es einfach nur ein bitterer Zufall und kein Vorsatz war?

Ihr merkt, wir wollen nichts unterstellen und vielleicht haben alle nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, aber die Grenze von „Es ist schon immer gut gegangen“ zum Vorsatz ist doch eine kleine. Insbesondere wenn man sich in Zeitungen immer wieder mit „rechtzeitig fertig, auch wenn knapp“ zitieren lässt und über die restlichen Kapazitäten des Stadions alle Leute im Unklaren lässt.

Wir wollen euch jetzt nicht mit dem Leistungsstörungsrecht des BGB nerven, jeder Jurastudent hat diesen Bereich hassen gelernt. Grob vereinfacht ist es aber so, dass man wenn man nicht mehr leisten kann auch keinen Anspruch auf die Gegenleistung hat. Und zwar unabhängig von einem eventuellen Verschulden.

Und auch wenn der Verein anscheinend der Meinung ist, er müsse nix leisten und die Leute zahlen nur für die schöne Karte und das eventuelle Recht, vielleicht mal ein Spiel zu besuchen, so ist dem einfach nicht so. Mit dem Verkauf der Dauerkarten hat der Verein eine Leistung von 17 Spielen versprochen. Wenn er nun nur 16 leisten kann, dann ist der Vertrag zu 1/17 unmöglich geworden und er hat insofern auch seine Gegenleistung (das Geld!) zurückzuerstatten. Ein Verweis auf eine Ermäßigung bei einem eventuellen (!!! der ist ja nicht zwingend) Kauf der nächsten Dauerkarte ist schlichtweg rechtlich nicht möglich. Sollte das mit der Teilnutzbarkeit also nicht klappen, dann kann man nur jedem raten den Verein auf sofortige Auszahlung von 1/17 des Dauerkartenpreises zu verklagen.

Moralisch mag man dabei wirklich derbe Bedenken haben, denn man verklagt natürlich sehr ungern den Verein, den man liebt. Nur ganz ehrlich: Irgendwann ist auch mal Schluss mit lustig und man muss den Handelnden anscheinend auch mal ihre Grenzen klar aufzeigen. Wenn man seine Marktmacht immer nur bis zum äußeren dehnt und die Vertragspartner auch deswegen immer nur als Melkkühe sieht, dann wird es Zeit dagegen mal vorzugehen. Man muss sich auch mal fragen, ob diese Herren wirklich auf Basis der Leitlinien und dem Selbstverständnis des Vereines tätig sind und ob sie wirklich hier im Verein richtig sind.

Und um es mal deutlich zu sagen: Das wirklich perfide ist nicht, dass man die GG nicht voll nutzen kann, sondern das perfide ist, dass man die Leute beim Kauf der Dauerkarte nicht darüber informiert hat, dass damit eventuell ein Nichtsehen des Spieles verbunden ist. Über Kapazitäten und Umsetzungsmöglichkeiten wurde sich immer in Schweigen gehüllt. Das dann beim Kunden der Glaube „Ich kann das erste Spiel vielleicht nicht auf der GG sehen, aber irgendwo wird das schon klappen“ verfestigt, ist nicht sehr weit hergeholt.

Hinzu kommt eine wahnsinnig schlechte Informationspolitik. Es kann doch nicht sein, dass man vier Tage vor dem Spiel das erste Mal wirklich informiert! Ich muss doch ehrlich die Hosen runter lassen und ehrlich und für die gesamte Öffentlichkeit die ganze Zeit informieren. Nicht in Hintergrundgesprächen mit irgendwelchen Journalisten.

Nun mag der ein oder andere sagen „WTF?!?“ und vielleicht nicht ganz zu Unrecht sagen „Das wird schon klappen mit der Teilnutzung und sich in Wohlgefallen auflösen.“ Und ganz ehrlich: Auch wir denken, dass es so laufen wird. Aber auch dann ist die Art und die Mitteilung an sich schon eine Frechheit.

Nun wollen wir ja nicht nur meckern. Wie hätte man es denn besser machen können? Ganz einfach: Erstmal frühzeitig, ausführlich und vollständig informieren und ständig updaten. Die drei sprichwörtlichen Affen helfen da nicht weiter. Offenheit ist erste Bürgerpflicht!

Dann: Schon bei Beginn des Verkaufes die Anzahl der Besucher reduzieren. Es ist immer noch Ferienzeit und so können wir uns vorstellen, dass doch noch einige im Urlaub sind. Man hätte dies langfristig abfragen können und dann entweder Dauerkarten nur für 16 Spiele verkaufen können oder diese später gegen Erstattung wieder einsammeln können. Langfristig hätte man die Leute auch über eventuelle Umsetzungen (Umstellungen) informieren können/müssen und schon mal eventuelle Modalitäten festlegen müssen. Man hätte für die Auswärtigen eine vernünftige Regelung finden müssen. Jetzt behandelt man sie pauschal als Kunden zweiter Klasse, das kann nicht sein. Die kann man dann auch gerne kurzfristig umsetzen, das ist das Chaos, was man eben mal in Kauf nehmen muss. Aber die Information muss schnell und frühzeitig kommen. Und dann muss ich als Verein aus Solidarität vor meinen zahlenden Kunden auch wirklich jeden verfügbaren Platz nutzen. Und das ist dann inklusive nicht genutzter Business Seats. Ich kann hier gerne eine FREIWILLIGE Spende für den höheren Komfort erbitten, aber mehr auch nicht.

Und wenn ich dann doch nicht alle unter bekomme, dann muss ich eben sofort entschädigen. Die jetzt versprochene Ermäßigung für die Karte 2013/2014 ist doch ein gespielter Treppenwitz. Wenn man diese Ermäßigung zahlen muss, erhöht man die Preise eben um 10 und nicht um 5 % nächste Saison und spielt dann Samariter ohne irgendwas zu verlieren.

Es ist auch unverständlich, warum hier nicht die Hilfe der Fanszene gesucht wurde. Viele Leute wären bereit gewesen bei Umtausch, bei Verkauf von Karten und bei Informationen zu helfen. Man hätte die Strukturen nutzen müssen und einbinden müssen. In Zeiten des Chaos hilft gegenseitige Hilfe IMMER.

Und in der Hoffnung weiterhin genügend Dummköpfe zu finden, die es ja mit sich machen lassen. Wir sagen: So nicht!

Zuguterletzt wollen wir euch nicht den Kommentar eines Users auf Facebook zur Verlinkung der Pressemitteilung vorenthalten: „Es hätte mich nicht verwundert wenn man 19,10 € extra zahlen darf um als erster auf der neuen GG zu stehen ;-)“ Uns hätte es auch nicht gewundert.

Aug 072012
 

„Die anwesenden Innenminister hielten jedenfalls an der Drohkulisse fest. „Stadien sind kein rechtsfreier Raum“, stellte Caffier klar. Friedrich sprach von „klaren Grenzen und klaren Sanktionen“ in Zukunft. Dafür seien auch „99,5 Prozent der Fans“.“

„Das Bundesinnenministerium steht nicht über Gesetz und Recht“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. „Nach der richterlichen Entscheidung darf es die Berichterstattung nicht weiter behindern – auch nicht durch den Versuch des Aussitzens.“

Tja, Herr Friedrich, ist schon einfacher bei anderen etwas von „rechtsfreien Räumen“ zu schwafeln, als sich selber an Recht und Gesetz zu halten. Es ist Zeit für ein Rücktritt, Sie Gesetzesbrecher! Klare Grenzen? Klare Sanktionen? Bitte auch bei Ihnen selbst!

(Im Zusammenhang mit der VDS hat Herr Friedrich nebenbei auch mal was von „rechtsfreien Räumen“ geschwafelt.)

Aug 062012
 

oder

Ein Punkt

Vorwort

Liebe Leser, nicht nur, dass ihr heute einen sehr produktiven Tag im Blog erlebt, nein, es gab ja auch noch ein Fußballspiel und natürlich waren wir auch an diesem Freitag mit dabei. Um nun den montäglichen Artikel-Terror abzuschließen, hier unser Bericht.

Vorab noch ein paar Worte zu dem Ruderfall: Eine Duldung von Neonazis in einem bürgerlichen Umfeld kann es nicht geben, wenn man wirklich die Nazis isolieren und ausschließen will. Es gibt ihn nicht, den freundlichen Nazi im Sportverein oder in der Freiwilligen Feuerwehr. Immer steht seine menschenverachtende Ideologie dahinter und diese ist mit bürgerlichem Engagement und einer Einbindung in die Gesellschaft absolut unverträglich. Das muss man auch in diesem Fall beachten. Bedenklich ist weiterhin, dass alle agierenden Personen hier vollkommen unglaubwürdig wirken und die Dementis und Abschwächungen teilweise nicht mal eine Halbwertzeit von 10 Sekunden haben.

Aber auch ein anderer Aspekt sollte mal bemerkt werden: Baden-Württembergische Polizisten dürfen selber im KKK sein und hier geht es bisher „nur“ um die Liebschaft zu einem Nazi. Die Baden-Württemberger tun bis heute irehn Dienst, die Ruderin ist aus allem ausgeschieden. Spricht das für ein konsequentes Handeln? Wir denken nicht.

Für Details und weitere Analysen verweisen wir aber nun mal auf Publikative.org und Tagesschau und widmen uns nun unserem Ostausflug.

Radio Powerplay

Eine Fahrt, die um neun Uhr beginnt ist in Liga 2 ja schon beinahe Luxus. Trotzdem mochte eine wirkliche Vorfreude an diesem Tag nicht aufkommen. Zu zerrissen war der Spieltag. Zwar ist es schön, dass Fussball endlich wieder los geht, aber wenn man nach Abpfiff nicht annähernd weiß, was sein Ergebnis wert ist und dieser Kampf um die erste Tabellenführung vollkommen weg ist, weil jeder irgendwann spielt, dann entwertet das schon so einen ersten Spieltag.

Insgesamt vier Busse (zweimal USP/ zweimal Fanladen) wollten in Richtung Aue fahren. Die Ultras traditionell etwas früher, was dann ebenso traditionell durch einen zu spät kommenden Bus vereitelt wird. So blieb noch Zeit zu schnacken. Um Günter Peine würdig zu verabschieden, hatte der Tapetenmalersenior der Fanszene die Nacht durchgearbeitet und eine würdige Tapete erstellt, die später in den Fotos zu bewundern sein wird.

Wir machten es uns in Bus 1 gemütlich, einem Doppeldeckerbus, der von Kolja und dem neuen Mitarbeiter Christian (ja einen Spitznamen hat er auch) geleitet wurden. So ein Doppeldecker ist toll, denn unten sind gerade mal 20 Plätze, sodass es eher lauschig und entspannt unten ist. Nun finden sich auch in 20 Personen immer ein paar, die nerven und auch heute waren zwei Personen einfach mehr oder minder jenseits von Gut und Böse. Sprüche, die einfach an der Schmerzgrenze waren und am Ende auch eine fette Beule wegen Besoffenheitssturz. Nun gut, das waren aber auch die einzigen Ausfälle.

Uns gegenüber die Paramaten, alias die wandelnden Film- und Fußballlexika. Das hat schon Spaß gemacht, auch wenn der Filmgeschmack teilweise doch etwas eigenartig war, aber dazu später mehr.

Die Fahrt nach Aue zieht sich am Ende doch ordentlich, aber wir kamen erstmal gut voran. Der Busfahrer auch eher einer der entspannten Sorte und so unauffällig, dass er an der Raststätte beim Pinkeln nicht erkannt wurde. (Hallo Capo ;-))

Die Zeit wurde mit der Lektüre des „Deldorado“ vertrieben. Kennt ihr nicht? Das ist die super tolle Stadt-Zeitung von Delmenhorst. Als Beispiel sei hier mal das Interview mit der Stadtvermarktung Delmenhorst aus der aktuellen Ausgabe verlinkt. Da fällt einem nichts mehr zu ein. Aber man muss echt sagen: Das Image stagniert. Vielleicht schafft es ja der gerade wieder neu gegründete Verein Atlas Delmenhorst an glorreiche Zeiten anzuknüpfen.

Unsere wandelnden Lexika haben aber auch die Kickerhefte seit 199X vorrätig und wissen wirklich alles. Da macht der Austausch von Heldengeschichten und auch früheren Taten auswärts richtig Spaß. Einer der beiden wäre auch beinah mal Torhüter bei uns geworden, ist dann aber wegen „zuwenig seitlicher Bauchmuskulatur“ (ohne Scheiß die Begründung des FCs) nicht genommen worden.

Kurz vor fünf fing uns dann auch die Polizei ein und wir wurden den Rest zum Stadion begleitet. An der Heimkurve vorbei und hier doch etwas erstaunliches. Wir konnten nahezu keinen Fuckfinger oder ähnliches in Richtung Bus bewundern. Das ist man dann aus anderen Städten ganz anders gewohnt. So ging es entspannt in die Kurve, wo auch schon die beste Tochter der Welt mit der Karte auf einen wartete. Noch kurz im Presseraum gechillt und schon konnte man bei bestem Wetter ins Stadion.

Der Gästeblock war erschreckend leer. In vielen Quellen war von 1.500 mitgereisten Fans die Rede, aber diese Zahl hätten wir nun nicht annähernd geschätzt. Lag es an der kurzen Frist zwischen den beiden Spielen in Aue? Klar, diesmal waren aus Hamburg nur vier und nicht insgesamt neun Busse unterwegs, aber den Hauptteil einer Gästeblockbesatzung machte bisher immer die örtliche Fanschaft aus und die waren diesmal sehr wenig präsent.

Der Support im Endeffekt dann aber doch ganz ordentlich. Die Heimkurve hatte da schon eher den Sommerblues und erwachte erst in der zweiten Halbzeit. Das wieder irgendwelche Trottel geraubte Klamotten präsentieren mussten, sei am Rande erwähnt. Komisch, dass wegen jedem Pyro durchgedreht wird, aber das Präsentieren von geraubten Sachen niemanden im Sicherheitsapparat interessiert. Dabei ist die Verletzung einer Person eigentlich schwerer zu werten, als die abstrakte Gefährdung.

Zum Spiel: Thorandt in der Kicker-Elf des Tages? Hmmm… also, das haben wir dann doch etwas anders gesehen. So wirklich toll wirkte der Abwehrverbund nicht. Und hätte Aue nicht Angst vor der eigenen Courage gehabt, dann wäre dieses Spiel verloren gegangen. Unsere Jungs spielen ja ganz nett mit und kommen auch zu Chancen, aber über 90 Minuten hatte man nie das Gefühl, dass jemand bereit ist mal mit dem Kopf durch die Wand zu gehen oder ums Verderben gewinnen zu wollen. Erinnert ihr Boller im ersten Spiel der letzten Saison? Der wollte unbedingt gewinnen und unbedingt dieses Tor machen. So etwas fehlte in Aue komplett. War ja ansonsten alles ganz nett anzusehen, aber wirkliche echte Höhepunkte fehlten auf beiden Seiten in diesem eher sommerlich geprägtem Kick.

Nun ja, so wirklich optimistisch stimmt einen dieses Spiel nicht. Zu blutleer erschien die Vorstellung. Nun weiß man aber nie, wo sich z.B. Aue am Ende einordnet und auch die glorreiche Aufstiegssaison begann mit einem eher qualvollen 2-1 gegen den späteren Absteiger Ahlen. Fakt ist: Wir sind erstmal einen Punkt besser als letzte Saison.

Nach dem Spiel berichtete die Gerüchteküche noch von ein bisschen Stress, aber wir hatten zwar die gesamte Polizei Sachsens an den Hacken, erlebten aber gar keinen Stress mit.

Nach mehrmaliger Abstimmung gab es dann auch noch „Nena – die größten Hits“ auf die Ohren und als alle einen bequemen Platz gefunden hatten, kam ein echter Kleinod der deutschen Filmgeschichte zur Vorführung „Piratensender Powerplay“ mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger. Meine Gegenüber hatten nebenbei Recht: Gottschalk begann beim BR. Ich hatte das irgendwie anders im Kopf. Der Film an sich ist nicht der Rede wert. Es ist aber schon beachtenswert, was Evelyn Hamann so alles gespielt hat.

Anschließend der Film Car Wash, der aber aufgrund einer eher unglücklichen Tonspur verschlafen wurde. Und schon hatte uns Hamburg nach einer durchschnittlich aufregenden Fahrt ohne besondere Höhepunkte wieder.

Aug 062012
 

und

waren deswegen beim CSD

Vorwort

Liebe Leser, habt ihr zumindest kurz mal einen Schreck bekommen? Man muss man ja auch mal eine provokante Überschrift wählen. Denn wir wollen wirklich keine Homo-Ehe, wir wollen für homosexuelle Menschen keine Ehe, die irgendwie gelabelt wird, die weniger Rechte hat als die Ehe zwischen heterosexuellen Menschen. Wir wollen eine vollständige Ehe auch für Homosexuelle. Was bitte spricht dagegen? Häufig wird dann immer das Grundgesetz erwähnt, in dem Art. 6 bestimmt, dass Ehe und Familie einen besonderen Schutz stehen. Aber davon, dass eine Ehe unbedingt zwischen Heterosexuellen stattfinden muss, das steht da erstmal nicht. Und man komme nun nicht mit einer Auslegung oder „christlicher Tradition“. Wir haben in Deutschland eine Zivilehe und was diese Ehe ist, dass ist Aufgabe des Gesetzgebers zu bestimmen. Und egal, was die „Väter des Grundgesetzes“ sich bei der Erstellung des Grundgesetzes gedacht haben, muss der Gesetzgeber nun endlich die Diskriminierung der Homosexuellen beenden und auch ihnen eine 100 % gleichgestellte Ehe ermöglichen. Mit den gleichen Rechten und Pflichten wie bei einer heterosexuellen Ehe und ohne anderes diskriminierendes Label wie „Partnerschaft“.

Und um das deutlich zu Unterstützen waren auch wir auf dem Hamburger CSD, der genau dieses Thema als politische Forderung „Ehe 2.0 – Nach den Pflichten jetzt die Rechte!“ in seinen Mittelpunkt stellte. Hier unser Bericht:

Nach den Pflichten jetzt die Rechte

Mit dem Wissen, dass dieses Wochenende die Nahverkehrsanbindung schwierig werden würde, haben wir versucht mit der Buslinie 6 aus Winterhude in die Innenstadt zu gelangen. An der Bushaltestelle Graumannsweg meldete sich dann der charmante Busfahrer mit den Worten: „Ja, liebe Fahrgäste wir sind jetzt an der Haltestelle Graumannsweg. Von nun an begeben wir uns ins Chaos. Nächste Haltestelle, die wir anfahren ist Hauptbahnhof ZOB. Kommen sie auf dem Weg dorthin nicht panisch nach vorne, ich weiß, was ich tue.“
Und so kamen wir nach einer Stop&Go-Fahrt irgendwann am ZOB an.

Da wir das Vorhaben doch recht spontan entschieden freuten wir uns als wir am großen Elektromarkt angekommen feststellen konnten, dass die Parade gerade erst diese Stelle passierte und daher noch gar nicht so lang in Gange war.

Auf der Höhe postiert, beobachteten wir eine ganze Weile das bunte Treiben auf der Straße. Viele wahnsinnig aufwendige und kreative Kostüme konnten wir zur überwiegend sehr elektronischen Musik (ehrlich? Gar nicht unser Fall) bewundern. Leider war das Wetter mal wieder nicht auf der Seite des Prides, sodass einige, wirklich starke Platzregen so manches Kostüm in Mitleidenschaft zogen. Schade!

Doch neben dem ganzen Spaß wurde auch Politik betrieben. So hatten alle klassischen Parteien außer der CDU (waren wohl mit einigen Vertretern dabei; wobei man sich schon fragen muss, wie sie diesen offenen Widerspruch erklären wollen, gilt ebenso für FDPler, immerhin haben beide doch gerade fröhlich im Bundestag gegen die Ehegleichstellung gestimmt und das ohne großen Aufschrei der Basis.) einen eigenen Wagen im Umzug. Passende Flyer, Sticker, Kondome, etc. wurde fleißig an die Menge verteilt. Auch die Menge hatte viele tolle Transpis etc. vorbereitet. So konnte man über viele Wortspiele schmunzeln bzw. klaren Forderungen beipflichten.

Ein paar Auszüge:

SPD Kondom mit der Aufschrift: Liebt Euch – Wir kümmern uns um den Rest.

Schilder bedruckt mit „Hamburg sei stolz auf deine schwule Kultur“ oder auch „Liebe kennt kein Geschlecht“ oder „Homoehe in Deutschland? – Ein Trauerspiel!“ und viele andere.

Einen alten Bekannten entdeckten wir dann auch auf dem Truck des Tivolis. Richtig, Corny war mittenmang dabei. Als sein Truck uns passierte reichte man ihm aus der Menge eine Dose Astra, die er dann auch fröhlich trank (wuääähh, ihm sei das Astra gegönnt, aber eine von einem fremden angetrunkene Dose? Legga!).

Wir schlenderten dann dem Treiben folgend bis zur Alster runter ehe wir dann zur Arbeit gingen. Am späten Abend schlenderten wir dann nochmal entlang der Alster mit der Option bei den dortigen Aufbauten einen Absacker zu kosumieren. Allerdings war es uns dann zu voll und die Masse zu betrunken für ein gemütliches Feierabendbier sodass wir bis zur Langen Reihe liefen und uns dort niederließen. Dort war es lang nicht so gefüllt, wie angenommen.

Ein gelungenes Fest für Auge, Ohr (nicht unseres 😉 ) und Kopf! Deutlich gesagt: Es handelt sich um eine sehr wichtige Demonstration, welche sich dem Stilmittel der Party bedient und dadurch Aufmerksamkeit für ihr Thema bekommt. Leider teilweise mit Schwerpunkt auf eine Reproduktion des Klischees „Schrill“. Aber dafür kann die Demo ja nichts, die Presse schon.

Aug 062012
 

oder

die kürzeste Medaille

Vorwort

Liebe Leser, bereits Anfang dieses Jahres lud der BluecherHRO zum Staffellauf in seine Heimatstadt, die – wie sein Twittername schon sagt – Rostock heißt. Leider musste auch ich ihm erstmal absagen, stand doch so etwas wie ein Spielplan noch in weiter ferne. Nun ist das für einen braun–weißen ja nicht immer ein angenehmes Pflaster, aber dies gilt anscheinend wirklich nur für Fußball. Zum zweiten Mal waren wir zum laufen in der Stadt und zum zweiten Mal war es ein unvergessliches und schönes Erlebnis.

Nur Bestzeiten

Meiner einer war aufgrund von Aue (gesonderter Bericht folgt) nicht wirklich in der Lage einen halben oder ganzen Marathon zu laufen. Ich war aber als Unterstützer der Heldenwalkerin vor Ort, die ihren ersten Halbmarathon erwalken wollte. Und so schrieb ich dem Bluecher kurzfristig, dass ich gerne für einen Ausfall in eine Staffel nachrücken würde. Wenn es aber nicht klappen sollte, wäre es auch nicht schlimm, ich sei sowieso vor Ort. Prompte Antwort war, dass man sowieso noch einen Läufer brauche und ich gerne mitlaufen könne.

Als Volldistanzler mag man Marathonstaffeln im Lauf nicht wirklich, da sie ständig überholen und einen aus dem Takt bringen. Wenn man aber selber ein Staffelläufer ist, dann ist das natürlich Ansporn soviele Läufer vor einem zu überholen, wie es irgendwie geht.

Die Staffel in Rostock ist in acht Teile aufgeteilt, was aus zwei Gründen zu kritisieren ist. Zum einen bleibt am Ende ein mehr oder minder unsinniger 1,6 Kilometer Abschnitt. Zum anderen ist die Zahl Sieben nun mal die Stadtzahl der Stadt Rostock, so dass es wirklich angebrachter wäre die Staffel auch in sieben Abschnitte zu teilen. Diese Symbolik schien dem Hamburger Veranstalter nicht wirklich bewusst. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Diesen ungeliebten Schlussabschnitt übernahm ich also freiwillig, wollte ich doch mal wissen, wie es denn so ist, wenn man eine kurze Strecke auf komplett Vollgas läuft. Habe ich noch nie gemacht, aber immer mal was neues.

Um 16 Uhr war Treffen angesagt und der ärmste Bluecher musste merken, was es heißt, wenn man den Hut auf hat. Insgesamt hatte er auch noch drei Staffeln organisiert, was das ganze noch potentiert. Einige Leute kommen später, andere früher, jeder fragt ihn. Zwei Teilnehmer ließen sich bis auf die letzte Sekunde Zeit und so war der Bluecher doch ziemlich angespannt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell da der Puls auf 180 ist. Gerade, wenn man nicht nur Shirts für alle (rechtzeitig angemeldeten) Teilnehmer organisiert hat, man auch noch Starterlisten mit ganz vielen Infos hat, einen Kapitän für jede Mannschaft benannt hat und alles perfekt durchorganisiert hat. Vielen Dank dafür, das war wirklich komplett fehlerfrei.

Das Ganze löste sich aber in Wohlgefallen auf und so konnten die Halbmarathon-Teilnehmer zum Schiff gebracht und dann an Wechselpunkt 2 die eigenen Staffeln unterstützt werden.

Das ist ja das Schöne bei einer solchen Staffel. Da kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammen, lernen sich kennen, können schnacken, können gemeinsam etwas erreichen und Spaß haben. Das geht dann vom modebewussten, leistungsorientierten Läufer bis zum übergewichtigen Spaßläufer (ich). Hat alleine deswegen viel Spaß gemacht, auch wenn der soziale Teil bei mir etwas ausfallen musste, wegen Unterstützung der Heldenwalkerin.

Nochmal: Super vielen Dank an Bluecher für die Organisation.

Nun hieß es aber erstmal warten, denn so richtig konnte niemand die Leistungsdichte unserer Staffel einschätzen, waren wir doch noch nie zusammen gelaufen und kannten uns – wenn überhaupt – auch nur flüchtig. Wir hatten so geschätzt, dass wir irgendwas zwischen 3:30 und 4:00 für die ganze Strecke brauchen würden, sodass ich beschloss sicherheitshalber um 21:00 (und damit drei Stunden nach dem Start) an meinem Wechselpunkt zu sein.

Etwas schwierig dabei ist, dass man bei einem geplanten Vollsprint ja schon warm sein sollte. Und zwar so richtig warm. Ich lief also mit kleinen Umwegen zwei Kilometer zu meinem Wechselplatz, machte immer wieder etwas schnellere Antritte und genoß dabei die wahrscheinlich schönste Laufstrecke Rostocks, die am Stadthafen. Bei einem Sonnenuntergang der Marke „wunderschön“ eine wirklich sehr zu genießende Laufstrecke, die einen hohen Gänsehautfaktor hat. Muss ich unbedingt irgendwann mal für einen langen Trainingslauf nutzen.

So stand ich also mit den anderen beiden Schlussläufern ab 21 Uhr bereit und wartete auf „meine“ Staffel. Nun hieß es sich weiterhin warm halten, sodass ich immer wieder kurze Sprints machte und versuchte die Muskulatur locker zu lassen. Das Warten kommt einem wie Stunden vor und man hat immer Sorge, dass die Staffel irgendwo abgebrochen wurde und man umsonst wartet. Die beiden anderen von Andre organisierten Staffeln waren schon da gewesen und ich wartete immer noch. Aber dann kam mein Vorläufer, kurzes Abklatschen und die wilde Hatz konnte beginnen.

Bad Religion „New Maps of Hell“ ist ungefähr das Album mit der schnellsten Musik, welches ich auf meinem IPod habe. Also rein damit in die Ohren und ran an den Anschlag. Nun sind diese 1,6 Kilometer nicht ganz ohne, geht es doch in Rostock die Gruben- und Krämerstraße hoch, ein nicht zu vernachlässigender Anstieg. Mein erster Blick auf meine Uhr zeigte, dass ich eine Pace von unter vier Minuten angeschlagen hatte, das war definitiv zu schnell. Also ein bisschen Luft holen und dann den Berg rauf. Trotzdem wurde der erste Kilometer in einer 4:48 erledigt. Das war so grob der Plan und ich war komplett am Anschlag. Nun also noch 600 Meter und von Läufer zu Läufer hangelte ich mich schnell in Richtung Ziel. Das Tempo konnte ich trotzdem nicht ganz halten und so waren die zweiten 600 Meter nur noch in einer 5:08 Pace möglich. Trotzdem: Ich bin ein so langes Stück noch nie so schnell gelaufen, denn nach 7:50 blieb die Uhr stehen und ich hatte über die 1,6 Kilometer eine Pace von 4:56 hingelegt.

Es ist bemerkenswert, wie fertig man nach einer solchen Aufgabe ist. Ich bin die Ausdauerleistungen gewöhnt und da kommt man ja hoffentlich nie komplett außer Atem. Heute aber bei diesem Ding war ich am Ende komplett auf, atmete sehr schnell und hatte zum Glück meinen Pulsgurt vergessen.

Es machte aber mal derbe Spaß sich einer so anderen Aufgabe zu stellen und mal ganz anders zu laufen. Im Ziel dann Freude bei allen Staffelläufern und auch ein warmer Empfang für mich, obwohl „meine“ Staffel von drei Staffeln die langsamste war. Das war aber alles nebensächlich, ging es doch insbesondere um den Spaß an der Freude.

Danach kurz noch mit allen geschnackt, Andre gedankt und mit der Medaille um den Hals der Heldenwalkerin entgegen gegangen. Das gemeine dabei: Staffeln und Volldistanzläufer bekamen die gleiche Medaille, nur Halbmarathonis bekamen eine andere, sodass ich wie ein Volldistanzler aussah und doch nur ein Sprinter war. Die Heldenwalkerin dann ins Ziel begleitet, aber das ist ein selbst zu schreibender Bericht. Bestzeit für sie, Bestzeit für mich über 1,6 Kilometer. Erwähnenswert nur, dass die Veranstalter ganz entspannt sechs Minuten für sie überzogen und ein sehr netter Schlussfahrradfahrer sie ins Ziel begleitete.

Fazit: Ein sehr gelungener Ausflug nach Rostock. Auf eine GPS Datei verzichten wir diesmal großzügig.