Jul 172012
 

Liebe Leser,
immer mal wieder ist an dieser Stelle von der DFB Rechtsprechung und ihrer Willkür die Rede. Der DFB hält es in seiner Rechtsprechung nicht für nötig sich an Grundprinzipien der rechtsstaatlichen Ordnung zu halten. So werden u.a. Urteile nicht im Volltext veröffentlicht und die Verfahrensordnung regelt Strafbestände mehr oder minder frei, so dass die DFB Gerichtsorgane teilweise ohne eine „gesetzliche“ Grundlage urteilen.

So ist der Teilausschluss mit keinem Wort in der Verfahrensordnung erwähnt. Die Gerichtsorgane sind der Meinung, man könne dies ja durch eine Analogie begründen, was insofern spannend ist, als dass im „normalen“ Strafrecht ein Analogieverbot besteht. Und dies nebenbei zu Recht, denn als „Straftäter“ soll man aus dem Gesetz ablesen können, was einen erwartet und nicht plötzlich mit einem „weniger“ überrascht werden, was vielleicht ganz andere Folgen hat, was vielleicht gar kein weniger ist (weil ich z.B. mehr Ordnungsdienst einsetzen muss und einen hohen organisatorischen Aufwand habe) und was allemal nie demokratisch durch den Gesetzgeber legitimiert ist. Wir hatten schon mehrfach darauf hingewiesen, dass der DFB hier ein Demokratiedefizit hat.

Als wäre dies nicht alles schon schlimm genug hat der DFB anscheinend auch ein Justiz Defizit. Sinn und Zweck einer Judikative ist u.a. folgendes:

„Wesentliche Merkmale der Rechtsprechung sei „das Element der Entscheidung, der letztverbindlichen, der Rechtskraft fähigen Feststellung und des Ausspruchs dessen, was im konkreten Fall rechtens ist““

Die Betonung soll hier mal auf „im konkreten Fall rechtens ist“ liegen.

Man behalte dies im Sinne, wenn man dann die Pressemitteilung zum Urteil gegen Hertha BSC liest. Erneut sei der Hinweis erlaubt, dass dies unzulässigerweise mit der Urteilsbegründung gleichgesetzt wird, da uns diese aufgrund ihrer Nichtveröffentlichung nicht vorliegt. Wir lesen dort u.a. folgendes (und es sei unseren Kollegen vom Übersteiger zu verdanken, die dies sofort gesehen haben):

„Darüber hinaus müssen die Stehplatzbereiche komplett geschlossen bleiben, es kommen nur Sitzplatzkarten in den Verkauf.“

Dem aufmerksamen Fußballfan fällt sofort ins Auge, was da nicht stimmt. Dem unaufmerksamen verweisen wir auf die Kartenkategorien bei Hertha BSC Berlin. Richtig liebe Leser, es gibt keine Stehplätze bei Hertha und es werden auch keine Sitzplätze als Stehplätze verkauft (anders als z.B. bei Bayern München).

Was also liebe Leser, haben die DFB Richter nicht gemacht? Recht im konkreten Fall gesprochen. Dafür gibt es mehrere Begründungen, die man sowohl alternativ, als auch kumulativ betrachten kann: 1. Sie haben sich mit dem Olympiastadion nicht auseinander gesetzt. Sie haben den Sachverhalt nicht aufgeklärt. Wohlgemerkt: Es handelt sich um ein Stadion in dem jährlich der DFB ein nicht ganz unbedeutendes Fußballspiel austrägt, zu dem die Richter garantiert eingeladen sind. Ein schwerer, nein wenn nicht der schwerste juristische Fehler überhaupt. Nichts ist schlimmer, als das Recht auf einen Sachverhalt anzuwenden, der gar nicht vorliegt. 2. Sie haben „Copy & Paste“ aus vorherigen Entscheidungen gemacht. Sie haben sich also nicht mit dem konkreten Fall auseinander gesetzt. 3. Es war ihnen schlichtweg egal und es hat sie nicht interessiert. Wichtig war irgendwie den Teilausschluss zu begründen. Womit wir dann wieder bei der Frage sind, warum genau diese Anzahl an berechtigten Zuschauern. Warum nicht 1000 mehr oder 1000 weniger? Wie kommt man genau im Rahmen einer Strafzumessung auf diese Zahl? Auch dies bleibt immer wieder beim DFB unbeantwortet. Insbesondere, da er anscheinend nicht nach % des jeweiligen Stadions urteilt. Nur zum Vergleich: 14.000 bei uns sind so grob 70 % der Kapazitat. 27.500 bei Hertha sind so grob 45 % der Kapazitat. Hier mal eine – logische – Begründung zu lesen, das würde uns mal interessieren.

Insgesamt kann man nur sagen: Das Urteil ist rechtswidrig, es ist willkürlich und es ist einfach juristischer Dreck.

Und alleine deswegen kann man dieses Urteil nicht akzeptieren, als Erfolg werten und „nach vorne schauen“, wie es die Hertha nun tun will.

Schade, dass erneut ein Verein nicht den Mut aufgebracht hat sich endlich mal mit allen Mitteln gegen die DFB Unsinnigkeiten zu wehren. Und deswegen muss man sagen:

Schade Hertha

 

 

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