Jul 172012
 

Against the grain, that’s where I’ll stay,

Swimming upstream, I maintain against the grain,

(Bad Religion – Against the Grain)

 

Liebe Leser,

heute ist die Sicherheitskonferenz im Fußball, die sich insbesondere dadurch auszeichnet, dass man die Betroffenen vorsichtshalber nicht eingeladen hat, weil es ja so einfach ist über Fans zu reden, aber viel schwieriger mit ihnen. Insbesondere weil man dann endlich mal einsehen müsste, dass Fans eben nicht nur ein Sicherheitsrisiko sind, sondern auch Opfer. Opfer anderer Fans, Opfer von Polizeigewalt und Opfer einer ständigen Entrechtung. Um Wiederholungen zu vermeiden verweisen wir hier auf die geniale Pressemitteilung von F_in:

„Dies entspricht den gängigen Sicherheitskonzepten, die seit Jahren davon ausgehen, dass es zwangs­läufig zu Ausschreitungen zwischen Gruppen von Fans bzw. zu körperlichen Auseinander­setzungen unter Fans kommen wird, sofern man nicht dafür sorgt, dass jede Zuschauerin und jeder Zuschauer einer eingehenden Kontrolle und Überwachung unterzogen wird. Lieber greift man zur „Fantrennung“ statt „Fanbegegnung“ zu ermöglichen. Frei nach dem Motto: Ausgrenzung statt Kommunikation.

Was vor ein paar Jahren noch keine Ausschreitung war oder teilweise noch nicht mal eine Ordnungswidrigkeit, ist heute verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Dieses immer enger werdende Netz von Regeln, Gesetzen und Verordnungen lässt sich auch an Beispielen verdeutlichen: Das Besteigen der Zäune war nie erwünscht, inzwischen ist es aber verboten und wird als Ordnungswidrigkeit verfolgt. Darüber hinaus wird man sehr schnell zum „Gewalttäter Sport“, ohne jemals einer strafrechtlich relevanten Tat beschuldigt geschweige denn verurteilt worden zu sein. Manchmal reicht schon die einfache Anwesenheit in einer Gruppe, der abweichendes Verhalten unterstellt wird, die Personen also als potenzielle Gewalttäter gelten.“

Nun wollen wir ja gar nicht wieder damit anfangen, dass hier eine Pseudodebatte geführt wird, dass Fußball gar kein fußballspezifisches Gewaltproblem hat (Stichwort Oktoberfest) und das man mit irgendwelchen Platitüden noch nie ein Problem gelöst hat. Leider muss man das immer wieder wiederholen, da ja auch Presse und Innenminister ihre Mär von der „ständig ansteigenden Gewalt“ ständig wiederholen und niemand mal wirklich dies hinterfragt. Mal abgesehen von einigen Bloggern, die ihren Kopf noch zum denken benutzen.

Als wäre das nicht schon alles peinlich genug und als wäre nicht klar, dass da nur Law and Order Platitüden gedroschen werden, nein es entstehen auch Fotos wie dieses hier:

Mit vielen Dank an textilvergehen.de, die uns die Nutzung genehmigt haben.

Also erstmal wollen wir ja Bernd-Georg Spieß dazu gratulieren, dass er nun anscheinend beim SC Paderborn tätig ist. War das die Ablöse für die ganzen Paderborner Spieler?

Wer hat bei uns unterschrieben?

Wir finden es peinlich, dass der FC da überhaupt hingefahren ist. Wenn man da hin fährt, dann lässt man sich am besten von Brux vertreten, der sein altes Hafenstraßensolishirt (oder ähnliches) anzieht. Das wäre mal ein Statement gewesen. Und wenn Brux gerade im Angelurlaub ist, dann unterschreibt man doch bitte bitte keine Tafel auf der etwas von „Wir stehen für eine konsequente Sanktionierung“ steht. Freibrief für das lebenslange Stadionverbot? Für noch mehr Law/Order und Entrechtung? Wo ist eigentlich „non established“ wenn es mal hart wird? Drückemäusertum und sein Fähnchen in den populistischen Wind hängen ist für uns nicht St. Pauli. Wenn es hart wird, dann muss man zeigen, dass man anders ist, dass man gegen den Strom schwimmt.

Wer richtig kotzen will. Damit wurde dieser peinliche Verhaltenskodex unterschrieben.

Herr wer auch immer: Treten sie zurück. St. Pauli ist nicht ihr Verein. Paderborn vielleicht schon.

Ach ja: Bevor jemand Union Berlin abfeiert, es war wohl kein Vertreter dieses Vereines anwesend, so dass auch niemand hätte unterschreiben können.

Jul 172012
 

Liebe Leser,
immer mal wieder ist an dieser Stelle von der DFB Rechtsprechung und ihrer Willkür die Rede. Der DFB hält es in seiner Rechtsprechung nicht für nötig sich an Grundprinzipien der rechtsstaatlichen Ordnung zu halten. So werden u.a. Urteile nicht im Volltext veröffentlicht und die Verfahrensordnung regelt Strafbestände mehr oder minder frei, so dass die DFB Gerichtsorgane teilweise ohne eine „gesetzliche“ Grundlage urteilen.

So ist der Teilausschluss mit keinem Wort in der Verfahrensordnung erwähnt. Die Gerichtsorgane sind der Meinung, man könne dies ja durch eine Analogie begründen, was insofern spannend ist, als dass im „normalen“ Strafrecht ein Analogieverbot besteht. Und dies nebenbei zu Recht, denn als „Straftäter“ soll man aus dem Gesetz ablesen können, was einen erwartet und nicht plötzlich mit einem „weniger“ überrascht werden, was vielleicht ganz andere Folgen hat, was vielleicht gar kein weniger ist (weil ich z.B. mehr Ordnungsdienst einsetzen muss und einen hohen organisatorischen Aufwand habe) und was allemal nie demokratisch durch den Gesetzgeber legitimiert ist. Wir hatten schon mehrfach darauf hingewiesen, dass der DFB hier ein Demokratiedefizit hat.

Als wäre dies nicht alles schon schlimm genug hat der DFB anscheinend auch ein Justiz Defizit. Sinn und Zweck einer Judikative ist u.a. folgendes:

„Wesentliche Merkmale der Rechtsprechung sei „das Element der Entscheidung, der letztverbindlichen, der Rechtskraft fähigen Feststellung und des Ausspruchs dessen, was im konkreten Fall rechtens ist““

Die Betonung soll hier mal auf „im konkreten Fall rechtens ist“ liegen.

Man behalte dies im Sinne, wenn man dann die Pressemitteilung zum Urteil gegen Hertha BSC liest. Erneut sei der Hinweis erlaubt, dass dies unzulässigerweise mit der Urteilsbegründung gleichgesetzt wird, da uns diese aufgrund ihrer Nichtveröffentlichung nicht vorliegt. Wir lesen dort u.a. folgendes (und es sei unseren Kollegen vom Übersteiger zu verdanken, die dies sofort gesehen haben):

„Darüber hinaus müssen die Stehplatzbereiche komplett geschlossen bleiben, es kommen nur Sitzplatzkarten in den Verkauf.“

Dem aufmerksamen Fußballfan fällt sofort ins Auge, was da nicht stimmt. Dem unaufmerksamen verweisen wir auf die Kartenkategorien bei Hertha BSC Berlin. Richtig liebe Leser, es gibt keine Stehplätze bei Hertha und es werden auch keine Sitzplätze als Stehplätze verkauft (anders als z.B. bei Bayern München).

Was also liebe Leser, haben die DFB Richter nicht gemacht? Recht im konkreten Fall gesprochen. Dafür gibt es mehrere Begründungen, die man sowohl alternativ, als auch kumulativ betrachten kann: 1. Sie haben sich mit dem Olympiastadion nicht auseinander gesetzt. Sie haben den Sachverhalt nicht aufgeklärt. Wohlgemerkt: Es handelt sich um ein Stadion in dem jährlich der DFB ein nicht ganz unbedeutendes Fußballspiel austrägt, zu dem die Richter garantiert eingeladen sind. Ein schwerer, nein wenn nicht der schwerste juristische Fehler überhaupt. Nichts ist schlimmer, als das Recht auf einen Sachverhalt anzuwenden, der gar nicht vorliegt. 2. Sie haben „Copy & Paste“ aus vorherigen Entscheidungen gemacht. Sie haben sich also nicht mit dem konkreten Fall auseinander gesetzt. 3. Es war ihnen schlichtweg egal und es hat sie nicht interessiert. Wichtig war irgendwie den Teilausschluss zu begründen. Womit wir dann wieder bei der Frage sind, warum genau diese Anzahl an berechtigten Zuschauern. Warum nicht 1000 mehr oder 1000 weniger? Wie kommt man genau im Rahmen einer Strafzumessung auf diese Zahl? Auch dies bleibt immer wieder beim DFB unbeantwortet. Insbesondere, da er anscheinend nicht nach % des jeweiligen Stadions urteilt. Nur zum Vergleich: 14.000 bei uns sind so grob 70 % der Kapazitat. 27.500 bei Hertha sind so grob 45 % der Kapazitat. Hier mal eine – logische – Begründung zu lesen, das würde uns mal interessieren.

Insgesamt kann man nur sagen: Das Urteil ist rechtswidrig, es ist willkürlich und es ist einfach juristischer Dreck.

Und alleine deswegen kann man dieses Urteil nicht akzeptieren, als Erfolg werten und „nach vorne schauen“, wie es die Hertha nun tun will.

Schade, dass erneut ein Verein nicht den Mut aufgebracht hat sich endlich mal mit allen Mitteln gegen die DFB Unsinnigkeiten zu wehren. Und deswegen muss man sagen:

Schade Hertha