Jun 272012
 

Moin Moin von der Fahrtorganisation,

mal eine unverbindliche Vorabfrage: Wer hätte Interesse an einer gemeinsamen Anreise in Richtung Winterthur zum Testspiel 08.09.2012. Los irgendwann Freitags, zurück irgendwann Montags. Kostenpunkt pro Nase so ca. 100 Euro, Übernachtung extra. Bitte mal melden. Fahrtmittel wäre ein Bus.

 

Interesse bitte per Mail an webmaster ääääääääääääää magischerfc pünktchen de

Jun 272012
 

oder

Auswahl von Menschen?

Vorwort

Liebe Leser, Teil 1 habt ihr verdaut? Ihr seid wieder frisch für weitere Überlegungen? Dann here we go! In diesem Zusammenhang würde uns nebenbei mal euer Feedback interessieren: Lieber kleine Artikel in kurzer Reihenfolge oder lieber ein langer Artikel über alles zusammen?

Dauerkarten

Der Verein vergibt neue Dauerkarten. Dies ist erstmal etwas gutes und es ist etwas, was wir hier schon lange gefordert haben. Es ist grundsätzlich auch zu begrüßen, dass es Wartelisten gibt und diese abgearbeitet werden und so die Zahl der Dauerkarten nicht weiter reduziert wird. Leider fehlt da immer noch die endgültige Transparenz (wieviele Dauerkarten sind wirklich verkauft worden, wurde z.B. nicht veröffentlicht), aber dies kann ja noch werden. Für uns gibt es allerhand zu kritisieren und zu hinterfragen.

Wir hangeln uns dabei mal an der ersten offiziellen Äußerung des Vereines längs. Es war – und das sei nur mal so nebenbei erwähnt – ziemlich kompliziert diesen Text aus dem Archiv der Homepage des Vereines zu finden. Sucht man auf der Seite mit den Begriffen „Umfrage“, „Dauerkarte“ oder „neue Dauerkarte“ findet man den verlinkten Text nicht auf der ersten Seite des Suchergebnisses.

Beginnen wir mal mit den Änderungen für Altkunden. Es findet sich in dem Anschreiben folgender Satz:

„Alle zukünftig nicht verlängerten Dauerkarten, werden dann jährlich vom Verein an Personen aus der Warteliste vergeben. Es können mit sofortiger Wirkung keine Dauerkarten mehr umgeschrieben oder gar „vererbt“ werden.“

Das halten wir für etwas problematisch. Die Überschreibung bzw. Vererbbarkeit des fortlaufenden Vorkaufsrechtes war bisher zumindest stillschweigend in dem Dauerkartenvertrag vorgesehen. Ob und wie das ganze schriftlich geregelt war, haben wir jetzt nicht überprüft. Das ganze war aber so oder so Vertragsbestandteil, denn auch eine stillschweigende Regelung kann Bestandteil sein. Und damit war es auch Vertragsbestandteil des Dauerkartenvertrages 2012/2013. Und dieser war mit allen Dauerkartenkunden bereits abgeschlossen, als man nun diese Änderung ankündigte. Juristisch wasserdicht kann man einen abgeschlossenen Vertrag aber nicht nachträglich einseitig ändern. Sprich: Juristisch gesehen könnte nach dem Ablauf dieser Saison ein Kunde sehr wohl auf Vererbbarkeit und/oder Übertragung unter Lebenden klagen. Der Verein hat hier mal wieder zu spät reagiert und hätte es bereits vor dem Verkauf der Dauerkarten kommunizieren müssen.

Es ist beeindruckend, wie häufig der Verein es schafft gerade im Bereich des Ticketings Formulierungen zu wählen, die juristisch nicht geprüft sind und/oder juristisch zweifelhaft sind. Wir sind weit davon entfernt Juristen zu loben, aber ab und zumal erspart der Jurist im Hause das Gericht.

Neben diesem juristischen Aspekt, bleibt aber auch ein moralischer Aspekt. Denn erneut wird hier Leuten, die zum größten Teil seit Jahren viel Geld für ihre Dauerkarte zahlen, ein Vertragsrecht weggenommen. Ohne, dass sie für diese Entwertung ihres Rechtes auch nur annähernd eine Gegenleistung bekommen. Bevor wir diesen Komplex behandeln, müssen wir hier mal ein bisschen ausholen und wollen bereits hier eine grundsätzliche Überlegung einfließen lassen, die später noch einmal Thema werden muss:

Der FC ist ein kapitalistisches Wirtschaftsunternehmen in einer kapitalistischen Konkurrenzwelt. Dies muss man sich klar vor Augen führen. Wir alle sind immer stolz auf unser „anders sein“, aber gerade wenn man sich dies vor Augen führt, dann muss man wohl eingestehen, dass der Satz von Adorno, dass es kein richtiges Leben im falschen Leben gibt hier eine sehr große Berechtigung hat.

Wenn man das aber nun akzeptiert und vielleicht auch nicht ganz so absolutistisch sehen will (nicht so schwarz/weiß), dann muss man sich schon fragen, ob man so etwas wie ein kapitalistischer Verein mit einem menschlichen Antlitz sein kann und sein will. Dazu gehört aus unserer Sicht, dass man seine eigenen Verfahren überdenkt, kritisch hinterfragt und nicht jeden Scheiß einfach gedankenlos mitmacht. Sich nicht zuletzt fragt, was man alles in kauf nehmen muss bzw. will im Zweifel zu Lasten der Mitglieder, was einen Verlust eben solcher bedeuten kann.

Dies nun vorausgesagt, muss sich überlegen, wovon ein kapitalistisches Unternehmen lebt. Es lebt von seinen Kunden. Es lebt davon neue Kunden zu gewinnen und es lebt davon treue Kunden fest an sich zu binden. Dies ist erstmal ein Zielkonflikt und diesen muss man lösen. Am besten löst man ihn transparent und in einer offenen Diskussion. Und eben genau das hätten wir uns hier auch erwünscht. Die Frage, ob man den Altkunden etwas wegnimmt um mehr Neukunden zu ermöglichen ist eine, die man so oder so beantworten kann, die man aber vor der Vollziehung von oben hätte diskutieren müssen.

Und schon hier kommt es zu einer sehr unangenehmen Folge: Man teilt Kunden in schlechte und weniger schlechte Kunden ein. Man unterscheidet Menschen. Und zwar insbesondere auch nach ihrer wirtschaftlichen Nützlichkeit. Wer dies nicht zynisch findet oder dabei nicht zumindest Bauchschmerzen hat, der meint auch, dass ein „Outplacement Berater“ ein ehrenwerter Job ist und kotzt bei diesem Spiegel Artikel nicht.

Und so kommen wir zu den potentiellen Neukunden. Und wenn sich 12.000 Leute auf 3.500 Karten bewerben, dann haben wir einen Mangel. Logisch ist, dass dort, wo Mangel herrscht, immer eine Gruppe von Menschen unzufrieden sein wird und man dadurch auf der Suche nach dem geringsten Übel ist. Und, dass man sich dann immer auf sehr dünnem Eis bewegt erklärt sich von selbst.

Natürlich denkt jeder von sich, er sei der Auserkohrene, der eine Dauerkarte oder Saisonkarte viel mehr verdient hat, als alle anderen. Und spätestens hier kann man dann Überlegungen starten, was für Menschen man eigentlich im Stadion haben möchte. Die, die Jahrzehnte lang Mitglieder sind? Immerhin haben diese ja schon lange Zeit in das Unternehmen investiert. Die, die ganz frisch und unverbraucht sind, kein Mitglied, aber dafür jedes Spiel eine kleine Choreo vorbereiten, ein Transpi mitbringen, oder einfach 90 Minuten voller Leidenschaft supporten? Und wenn Letztere, wie findet man diese verlässlich? Oder vielleicht die, die einfach dabei sind, weil sie Fußball sehen wollen? Idealzustand wäre eine gesunde Mischung aus allem, aber dieses Ideal herzustellen funktioniert nur theoretisch. Praktisch muss der Verein versuchen, diesem Ideal so nah wie möglich zu kommen und darf dabei das „Aussieben“ nicht zu stark übertreiben und schon gar nicht auf nur wirtschaftliche Kritieren. Und bei aller auch berechtigten Kritik an dem jetzt gefundenen System: Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Dennoch gibt es viele kleine Punkte, die man kritisieren muss. Fangen wir mal mit dem Südkurvenkonzept an. Folgende Sätze ist uns nicht vollkommen klar:

„Alle anderen Teilnehmer, die bei der Umfrage A nicht berücksichtigt werden können, finden dann nochmal in der Umfrage B Berücksichtigung.“

„Alle Teilnehmer, die bei der Kartenvergabe keine Berücksichtigung finden, werden zukünftig (außer jemand möchte das nicht) in einer Warteliste geführt.“

Was heißt das konkret? Das ist uns nicht klar. Der erste Satz ist noch beinah klar, dass heißt nämlich, dass wenn man sich für die Gegengerade beworben hat, man eventuell eine Süddauerkarte bekommt. Warum eigentlich? Und gilt dies auch anders herum? Auch das ist nicht wirklich beantwortet.

Und ist damit eine Aufgabe des Südkonzeptes verbunden? Zwar wird immer noch von Saisonkarten Süd gesprochen, wenn aber die beiden Wartelisten anscheinend vermischt werden sollen, dann klingt das, als ob man danach nicht mehr von Saisonkarten ausgehen will. Oder lesen wir da etwas hinein?

Es ist schon erstmal sehr kritikwürdig, dass man es nicht schafft, sich hier klar und deutlich auszudrücken. Auch hier sei die Frage nach einem Juristen gestellt, immerhin handelt es sich um einen Text, der eventuell Ansprüche gegen den Verein begründet.

Wenn nun der erste Satz so gemeint ist, dann führt es natürlich noch mehr dazu, dass Leute in die Süd gespült werden, die dort nicht hinwollen. Die Hoffnung, dass vielleicht jeder den Platz findet, der zu ihm passt, ist damit wohl auf Dauer beerdigt.

Und das ist jetzt vollkommen freundlich formuliert. Aus Sicht der Süd könnte man natürlich auch etwas frecher sagen: „Leute, die man da nicht haben will.“

Und wenn man das Südkonzept vollkommen aufgibt, dann ist das natürlich traurig und ein Rückschritt. Modifikation ja, aber Aufgabe? Warten wir mal ab, was hier an Rückmeldungen auch von Fanladen und USP kommt.

Etwas brachte aber der Frodo zu Recht in die Diskussion ein. Bei einer gemeinsamen Warteliste wären wahrscheinlich viele Südbewerber vor Gegengeradenbewerbern, weil sie einfach mehr Punkte im Sinne dieser Umfrage haben. Denn aus dem Gegengeradentopf kommen Personen mit höchstens zwei Jahren Mitgliedschaft, so dass das zwei Punkte macht. Alle anderen werden laut Verein berücksichtigt für eine GG Karte. Wer also Mitglied ist und eine Südsaisonkarte für mindestens zwei Jahre sein eigen nennt, hat dann schon mehr Punkte und wäre damit vor diesen Personen.

Wohlgemerkt: Dabei bleibt eine deutliche Unsicherheit, denn wenn die beiden Wartelisten zusammen geführt werden sollen (ist ja nicht klar), dann ist nicht klar, wie die beiden unterschiedlichen Punktesysteme zusammengeführt werden sollen. Kann man daraus schließen, dass es zwei verschiedene Listen bleiben sollen? Uns ist dies unklar und das hätte man sehr viel deutlicher machen müssen. Dringend!

Gehen wir mal weiter zu der Gewichtung: Es werden Menschen bevorzugt, die a. länger dabei sind und b. die finanziellen Mittel zur Verfügung hatten, um sich die ganze Zeit eine Mitgliedschaft (und/oder eine Dauerkarte) zu leisten. Das sind wirtschaftliche Elemente und bei einem Monatsbeitrag von 10 Euro sind das wirtschaftliche Herausforderungen, die man nicht als Lapallie abtun kann. Klar gibt es auch eine ermäßigte Mitgliedschaft, aber für diese qualifiziert sich der Niedriglohnsektor ja meistens leider nicht. Man muss deutlich sehen, dass man ohne eine teuere Mitgliedschaft bei uns beinah gar keine Karten mehr erlangen kann. Und so schön eine Bevorzugung von Mitgliedern auch ist, es ist eben auch ein Ausschluss anderer. Und insoweit muss man unserem Kollegen recht geben, wenn er fragt: „Ist das Mitglied der bessere Fan?“.

Und hier hat sich der Verein für eine sehr kapitalistische Abwägung entschieden. „Wer mehr Geld und das länger in unser System gepumpt hat, ziehen wir vor.“ Das mag aus Sicht des Vereines sinnvoll sein, hinterfragen kann man es trotzdem nur zu gut.

Nur – und da wollen wir dem Kollegen ein bisschen widersprechen – eine Differenzierung zwischen passivem Mitglied (AFM) und aktivem (Kegler) erscheint uns nicht sinnvoll. Im Notfall wäre aus nichtmateriellen Gründen der Kegler selbst mehr wert (AUA, diese Formulierung) immerhin ist er auch idealistisch im Verein unterwegs und lebt in Ausübung seines Sportes im gedachten Idealfall die Werte unseres Vereines aktiv nach außen.

Wir sind da ehrlich: Ob eine Verlosung unter allen sich bewerbenden Mitgliedern fairer gewesen wäre, da haben wir doch so unsere Zweifel. Das wirtschaftliche Argument beseitigt sie irgendwie auch nicht.

Und erneut ist zu kritisieren, dass der Text nicht eindeutig ist. Die Frage, ob es sich um eine kontinuierliche Mitgliedschaft handelt, oder ob auch fünf mal ein Jahr innerhalb der letzten 20 Jahre reichen würde, ist nicht wirklich beantwortet. Man kann versuchen das zu deuten und in der Deutung spricht vieles dafür, dass eine kontinuierliche Mitgliedschaft gemeint ist, aber so etwas sollte man klarer formulieren.

Ihr merkt: Es gibt Vieles zu hinterfragen und zu kritisieren, aber die wirklich absolut perfekte Lösung, die haben wir auch nicht parat. Die größte Kritik jedoch von unserer Seite, dass man FRÜHZEITIG, VOLLSTÄNDIG und KLAR hätte kommunizieren müssen, diese Kritik müssen sich alle Verantwortlichen anziehen.

Jun 262012
 

oder

Bullenstall

Vorwort

Liebe Leser, man kann lange darüber philosophieren, warum der FC St. Pauli von 1910 e.V. 15.000 Dauerkarten verkaufen kann und gut 12.000 Bewerbungen auf grob 3.500 neue Dauerkarten bekommt, obwohl die sportlichen Aussichten bestenfalls durchwachsen sind und man das Training mit gerade mal 15 Feldspielern beginnt. Darüber ist viel gesprochen worden und es ist wahrscheinlich noch nie wirklich endgültig erforscht worden. Vieles ist Klischee, vieles aber auch ein wirkliches anders sein. Nun verändert sich der FC. Das ist zwangsläufig so bei einem neuem Stadion. Das muss nicht zwingend etwas schlechtes sein, denn in einer progressiven Denke ist Stillstand Rückschritt und gerade „linke“ Kreise neigen gerne auch mal zu einem Konservatismus, der grauenhaft ist.

Auf den ersten Blick haben die Polizeiwache im Stadion und die Modalitäten nichts miteinander zu tun. Auf den zweiten Blick begründen sie die gleiche Frage: Was ist dem FC St. Pauli seine Kunden und insbesondere seine treuen Kunden wert? Aufgrund der Länge werden wir das ganze in zwei Blogartikel spalten. Hier nun gleich Teil 1

Bevor wir uns aber mit dieser Frage beschäftigen, wollen wir noch kurz erläutern, warum wir die Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (Igel) unterstützen. Wir halten uns normalerweise stark mit allgemein politischen Aussagen zurück, wenn sie nicht irgendwo Fußballbezug haben. Auch unterstützen wir normalerweise solche offenen Aufrufe nicht, weil wir immer wieder Bauchschmerzen haben, wenn da Leute dabei sind, die für uns nicht bündnisfähig sind. Und auch bei dieser Initiative kann man bei einigen Unterstützern bedenken haben, denn Google macht das garantiert nicht aus Liebe zur Menschheit.

Jedoch: Wenn wir nicht mehr einzelne Sätze zitieren und zerlegen dürfen, bzw. das nur unter Inkaufnahme eines hohen Abmahnungsrisikos, dann wäre uns eine Medienkritik unmöglich. Und eben diese ist traditionell ein großer Teil dieses Blogs. Es wird hier ein Recht geschaffen, was eine Medienkritik durch nicht Medienschaffende zumindest erschwert. Das ist nicht sinnvoll und es trifft uns in unserem Dasein als „Hobbyjournalisten“. Daher unterstützen wir diese Initiative und verweisen für Details auf die verlinkte Seite.

Nun aber zurück zu unserer Frage: Was ist dem FC seine Kundschaft wert?

Dann trampeln wir der Polizei halt auf dem Dach herum

600.000 Euro sind dem FC seine Kundschaft allemal nicht wert. Der zentrale Satz des Interviews mit Stenger ist folgender:

„Der Neubau bzw. die erhebliche Sanierung der Wache wäre eine Zusatzinvestition, bei der nach optimistischster Rechnung eine Unterdeckung von 600.000 Euro anfallen würde plus eine deutliche permanente Unterdeckung bei der laufenden Vermietung. „

Aber holen wir doch mal ein bisschen aus: Es wäre Unsinn dem jetzigen Präsidium eine Alleinschuld zu geben, denn Schuld sind wir erstmal alle. Warum? Weil 2006 die Wenigsten wirklich laut und deutlich auf das Problem hingewiesen haben. Damals herrschte eine Stadioneuphorie, welche kritische Stimmen vollkommen verdrängten und wir erinnern nur zu gut, wie die erste Stadionbau-AG von weiten Teilen der Fanszene als überflüssig angesehen wurde und veräppelt wurde. „Aber Corny baut uns doch das Stadion“ sagte eine Bekannte immer ironisch und damit wurden viele Diskussionen beendet.

So wurde auch eine Kritik an der Polizeiwache nie wirklich laut. Und nur so kam es überhaupt zu dem städtebaulichem Vertrag, den wir nun erfüllen müssen. Das darf und sollte man nie vergessen. Bereits damals hätte über eine Verlagerung der Domwache in die Nordkurve und damit weg aus der Sichtachse Südkurve/Gegengerade nachgedacht werden müssen. Und das hätte auch damals erkannt werden können. Auch wenn das Konfliktpotential Polizei gegen FC St. Pauli Fans damals noch nicht aus ausgeprägt war, wie heutzutage.

Man muss natürlich immer fragen, ob es wirklich einen Unterschied macht, ob die Polizei nun IN der Gegengerade oder DIREKT DANEBEN residiert. Beides ist mehr oder minder unerträglich und beides wird bei Risikospielen und Dom noch zu ganz neuen Problemen führen. Das reine Symbol ist eventuell wirklich keine 600.000 Euro wert, aber auch hier erscheint uns viel zu spät in eine Richtung „Verlagerung in die Nordkurve“ gedacht worden zu sein. Ein Neubau der Domwache hätte zumindest noch den Vorteil gehabt, dass man die Blickrichtung und die Ausgänge in die Richtung Bunker hätte verlagern können. Ohne jetzt Sicherheitslogik übernehmen zu wollen: Das hätte auch die Erreichbarkeit der Wache deutlich verbessert. Die Idee, dass ein Wachensturm versucht wird und man durch das Domgedrängel Kräfte zur Wache bekommen muss, muss jedem Sicherheitsplaner Schweißperlen in das Gesicht treiben. Gerade bei dem sehr engen Zugang zwischen GG und Dom.

Oder nehmen wir einen anderen Fall: Nicht nur wir Fans stehen ja so unter Beobachtung, nein, auch die Polizei. Und jeder Verhaftete muss durch das Blickfeld der vor den Fanräumen stehenden Menschen gebracht werden. Das das nun vollkommen konfliktfrei passieren soll, das behaupten nur Träumer.

Und hier muss man sich fragen: Was ist es wert, all diese Konflikte, diese Bauchschmerzen und diesen direkten Einfluss auf das sich frei fühlen vor der Gegengerade auszuschalten und damit für meinen Kunden ein sehr viel stressfreieres, entspannteres und damit auch besser verkaufbares Stadionerlebnis zu schaffen?

All dies hätte auch aufgrund der Fehler in der Vergangenheit nun halt 600.000€ gekostet. Wir können und wollen diese Summe nicht überprüfen. Nehmen wir sie mal als gegeben. Wir sprechen hier also von Mehrkosten im Bereich von 5 % des Gesamtvolumens. Wir sprechen hier von Mehrkosten von ca. 60.000 Euro auf ca. 20 Jahre, wenn wir mal eine Finanzierungs- und Tilgungsrate von 10 % nehmen (man entschuldige uns bitte unsere finanzmathematischen Schwächen, wir denken, es reicht hier eine grobe Zahl). Kurz: Wir sprechen hier nicht über Unsummen. Und wenn eine Anleihe problemlos von 6 Millionen auf 8 Millionen erhöht werden kann, dann haben wir doch erhebliche Bauchschmerzen, wenn man sagt „das wäre nicht finanzierbar gewesen“.

Noch größere Bauchschmerzen haben wir, wenn von permanenten Unterdeckungen aus der Vermietung geredet wird. Der Verein muss dringend nein, er muss DRINGEND an der Vermarktung seiner Flächen arbeiten. Es kann nicht sein, dass man hier eine Unterdeckung fürchtet, aber das Clubheim seelenruhig über Jahre durch Missmanagment und Ignoranz in eine Unattraktivität führt, die mehr kostet, als jede Polizeiwache der Welt an Miete zahlt. Und anscheinend begreift niemand, welche Goldgrube ein gutes Museum wäre. Und auf 500qm² wäre auch eine entsprechende (Achtung Unwort!) Erlebnisgastronomie perfekt einzubringen. Wir denken da beispielsweise an eine Mikrobrauerei oder so. So etwas clever verpachtet und clever vermarktet hätte viel mehr Geld gebracht, als jede Polizeiwache der Welt.

Was immer wieder beim „etwas anderen Verein“ FC St. Pauli bemerkenswert ist, ist die Unfähigkeit unkonventionelle Ideen und unkonventionelle Lösungen zu finden, es wird immer und ständig der bequemste Weg gegangen. Hier auch.

Es gab auch schon die Idee, dass man doch Dauerkartenpreise erhöhen könne, Stadionnamen verkaufen könne oder das Geld anders sammeln könne. Man muss hier mal etwas deutlich sagen: Der Verein kann nicht immer nur die eine Melkkuh, die er hat noch mehr melken. Er muss Investitionen in die Zukunft auch mal eigenständig aus seinen Einnahmen vorfinanzieren und er muss hier auch mal eine indirekte Auswirkung auf den Profietat akzeptieren. Immerhin werden hier längerfristige Strukturen geschaffen, die längerfristig Kunden anlocken und begeistern sollen.

Uns Fans bleibt also nur eine Möglichkeit, auch wenn das noch mehr Geld kosten wird: Uns von der Polizei nicht vertreiben lassen, sondern die Polizei vertreiben. Trampeln wir ihr und unserem Präsidium also so lange auf dem Kopf herum, bis sie dort wieder verschwindet.

Ergänzend weisen wir auf den Artikel vom Tödchen hin, der vieles gleich und einiges anders geschrieben hat zu diesem Thema.

Jun 242012
 

oder

über Wasser laufen

Vorwort

Liebe Leser,

Erstmal gibt es hier so gar keinen Lauftext und nun geht das ab wie Schmitz Katze. Und der Hella Halbmarathon, der sich dieses Jahr das 18. Mal durch die Hansestadt schlängelte, zog auch uns alle an. Dem FC widmen wir uns erst wieder morgen, heute also mal ein schöner Laufbericht.

Hamburger Sommer

Dieser Lauf ist sowohl für Läufer als auch für Skater gedacht, sodass sich rund 6000 Sportler (davon ca. 350 Skater) an diesem furchtbar verregneten Sonntag am Start einfanden. Es gibt nicht viele solche Tage in Hamburg, aber an diesem Sonntag regnete es wirklich Bindfäden. Und zwar wirklich beinah ohne Pause. Wie meinte einer unserer tapferen Streckenposten so schön? „Einmal kurz habe ich mein Buch rausgeholt, da hat es gleich wieder stärker geregnet.“

Nun ja, es gibt bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung, aber heute war mal sehr viel Kleidung im Grunde falsch. Etwas unglücklich an diesem Wetter war, dass eigentlich noch ein kleiner Geburtstagsempfang an der Alster geplant war, so mit sitzen an der Alster, chillen, sonnen, Bier trinken und dann in die Alster springen. Nun ja, wir kommen später drauf zurück.

Nicht alle aus unserem Kreis hatten sich für die Laufschuhe entschieden, sondern auch eine tapfere Rollerin hatte sich eingefunden. Regenrollen waren nicht vorhanden, so mahnten die Fußgänger ständig zur Vorsicht und erkundigten sich auch beim Streckenposten nach Wohlbefinden, aber hey, wenn jemand von uns rollt, dann ohne Probleme.

Aber erstmal war am Start sammeln angesagt und wie üblich waren wir viel zu früh. Auto am Ziel geparkt, dann mit dem Shuttle Bus zum Start. Insgesamt ist der Lauf gut organisiert, kleine Details, wie z.B. das der Shuttlebus für Roller echt doof hielt, seien jetzt mal verziehen. Was gut war, ist dass es eine Startverpflegung in Form von Wasser gab. Und der Mangel an Bechern wurde von den Helfern cool mit Nachschenken direkt aus der Flasche gelöst. Obligatorische Dixies und Kleiderbeutelabgabe müssen ja nicht erwähnt werden.

Neben uns machte sich die Rollgemeinschaft aus Kirchboitzen fertig und wir fanden raus, dass der lustig klingende Ort ein Ortsteil von Walsrode ist.

Danach war es auch Zeit unsere Rollerin in die Startaufstellung zu verabschieden. Und da wurde man doch ein bisschen neidisch. Die 350 Roller hatten doch sehr viel Platz und die Läufer standen dicht gedrängt.

Die Rollerin war bis zur Startlinie extrem nervös und angespannt, doch als sie sich langsam einrollte, fiel die Anspannung ab und Vorfreude stellte sich ein. Sollte es ja ihr erster sportlicher Wettkampf überhaupt werden. Etwas unsicher, wie sich der nasse Beton berollen ließ, ging es um 9.30Uhr los. Überhaupt nicht von den Profis beeindruckt, versuchte sie ihr Tempo auf den nassen Wegen zu finden. Erstaunlich dabei, wie unterschiedlich rutschig der Untergrund sein kann. (Eine Sache, die man als Läufer nicht so deutlich merkt, aber wenn man mal drauf achtet selbst als Läufer spürbar ist.) Vor einer scharfen Doppelkurve wurde schon im Vorwege gewarnt und zunächst befürchtete der Wettkampfjüngling im Zweifel diese auf dem Po runter rutschen zu müssen. Jedoch an dieser Kurve angekommen, Tempo schon ordentlich auf Zack, hat man sich dann doch kurzfristig entschieden das volle Kante durchzuziehen. Der Weg war frei genug, also ab gings. Statt durchs Bremsen noch mehr ins Eiern zu geraten war nun tief in die Hocke gehen, Beine und Po anspannen und Luft anhalten angesagt. Herrlich. Die Aussicht, das Ganze gleich nochmal machen zu dürfen pushte einen voran, denn eigentlich eine Strecke ein zweites Mal zu laufen, findet sie nicht so attraktiv. Und hoppla lagen die ersten neun Kilometer mit zwei totalen Kicks hinter ihr.

Wir Läufer staunten da noch am Start, wie schnell die Roller sind und teilweise auch wie mutig. Sei es nun, dass
sie mit einer Prothese liefen (Hammerrespekt!) oder einfach als sagen wir mal nicht Austrainierte auf die Strecke gingen. Megarespekt für jeden, der dasmacht. Der Start erfolgte und erstmal war sortieren angesagt. Unser Blogläufer ging in entspannten 5:55 an, was so schnell nicht geplant war, aber es lief einfach. Kleine Pinkelpause und danach die Kilometer so zwischen 6:11 und 6:00. Sehr gut die Zuschauerin, die bei Kilometer 8 einem ein „Ihr seht noch gut aus“ zu warf. Antwort einfach nur „das noch bitte doppelt unterstreichen“

So langsam traf sich die ganze Laufgruppe zwischendurch, einige wollten schneller, andere langsamer. Auch die Triathlonabteilung war in diesem Feld gut vertreten, aber 2:08, die dort geplant waren, war uns definitiv zu schnell.

Helgoländer Allee ist und bleibt eine miese Steigung, aber es bringt auch als Läufer richtig Spaß. Und bei Kilometer 9 stand schon einmal der erste Verpflegungsposten und auch bei Halbmarathonen ist die Einteilung in einzelne Abschnitte immer sehr angenehm.

Bemerkenswert und immer wieder süß: Die Schnellsten überholen immer wieder die 2 Stunden Läufer und alle klatschen begeisternd. Und es ist ja auch wirklich bemerkenswert in welchem Tempo die an einem vorbei ziehen.

Ab Kilometer neun ging es dann vorbei am Fischmarkt, dem Portugiesenviertel bis hin zum Wallringtunnel. Trotz des Wetters waren erstaunlich viele Leute an der Strecke, jedoch kam der Rollerin dieser Teil der Strecke sehr langweilig und öde vor. Der Wallringtunnel war dann schon wieder ein Highlight, trocken, glatt und gefühlt leicht abschüssig, sodass man den richtig entspannt durchbrettern konnte. Ab Kilometer 12 dann beschlossen das Tempo zu beschleunigen, irgendwie würde man das schon schaffen. (Anmerkung zur Rollerin: Sie ist erst drei Monate in leichtem, aber relativ inkonsequentem Training und kann sich noch nicht gut einschätzen) Dann zur Kennedybrücke, die einmal rauf und wieder runter gefahren werden musste. Die Spuren wurden durch ein Absperrband getrennt, was aber an einer Stelle kaputt war, sodass doch der eine oder andere „Hey Leute, hier abkürzen bitte!“ Spruch fiel. Die Fahrfreude und die Vorfreude auf den Streckenposten, der mit Cola, Wasser und Jolly Rouge Fahne bewaffnet ca. Kilometer 16 warten sollte, erhöhten das Tempo nochmals wie von selbst. Schnell einen Becher Cola geschnappt, dabei natürlich klebrige Hände bekommen und schon ging es quasi in den Endspurt.

Tja, da mussten wir Läufer erst hin und nach dem Publikumshighlight Landungsbrücken wird es wirklich öde. Wenig Zuschauer, wenig zu gucken und dann auch noch wellig. Es begann die Zeit zu rechnen. Geplant war irgendwas zwischen 2:15 und 2:20. Bisher sah es aber schneller aus. Schlichtweg zu schnell angegangen und nun war halt die Frage, ob man das durchsteht oder einbricht. Weiter, immer weiter. Und so waren es 6:10 bis 6:30 Kilometer je nach Welligkeit der Strecke.

An der Alster wurde es wieder spannender. In der Wende fand sich unsere kleine Gruppe wieder und ab diesem Zeitpunkt liefen wir bis beinah zum Ziel zusammen. Unsere geschätzte Dame ohne Taperekorder fröhnte dabei ihrer Sozialphobie mittels Kopfhörer, aber dafür ist ja der weltbeste Ehemann (ihre Aussage) unterhaltsam genug ;-). Und so ging es die Außenalster längs und wir kamen dem 16 Kilometer Streckenposten näher. Und erleichterten ihm um alle seine Colas.

Fünf Kilometer noch, aber die haben es theoretisch auch in sich. Daher begann nun das große Zittern. Halten wir unsere Pace durch? Wir werden es sehen, aber nun schalten wir wieder an die Rollstrecke.

Noch fix durch Winterhude, also dem Kiez der Rollerin (ihr Viertel, ihre Regeln! ;-)) gedüst und schon fand sie sich auf der anderen Alsterseite wieder. Nun dominierte der Ehrgeiz und immer noch ein neuer Mitroller musste überholt werden. Als sie dann plötzlich nur noch 700m vor sich hatte, was neben der Namensnennung durch den Lautsprecher erklang, nochmal richtig Vollgas und völlig erschrocken, begeistert, ungläubig, was da oben auf der Zieluhr stand. Aus den „hoffentlich klappt 1:40:00“ waren tatsächlich 1:12:07!!! geworden. Das wurde dann mit Medaille um Hals bei Banane und Hella-Zeugs erstmal realisiert und verarbeitet. Rucksack abgeholt, in die Dusche eingecheckt (alles so wahnsinnig gut organisiert) und mit einer etwas erfahreneren Rollerin aus Hessen ausgetauscht. Dann gemütlich zum 700m-bis-zum-Ziel-Point geschlendert, weiter verarbeitet, angefeuert und auf Streckenposten sowie Blogläufer gewartet. Hatte sie ihm doch versprochen ihn einzusammeln und bis zum Ziel zu begleiten. Und so kam es auch, aber dazu wieder der Läufer:

Ja die letzten fünf Kilometer beim Hella Halb, die haben uns mal wieder gepflegt gefickt. Um es mal deutlich zu sagen. Man muss halt zweimal zur Alster hin und wieder weg und das ist wellig. Und von der Krugkoppelbrücke am Ende hoch, das geht noch mal richtig in die Beine. Aber wenn in den Vorjahren immer eine richtig riesige Gehpause von Nöten war, so war es diesmal nur eine klitzekleine. Und nur ein Kilometer über sieben Minuten. Das ist schon für den Trainingsstand eine super Leistung und so blieb die Uhr bei 2:15:34 (netto) stehen, was erstmal eine riesig gute Zeit ist und ungefähr der fünftschnellste der vielen Halbmarathone, die schon von ihm bestritten wurden. Wir kamen auch ziemlich zusammen ins Ziel, nur unser bester Ehemann der Welt drehte noch mal richtig frei und düste uns davon. Woher die Nase immer noch die Kraft nimmt, ist nicht so richtig klar, aber man merkt, dass Bier Kraft bringt.

Wir hatten kein Bier, aber dafür die Rollerin, die anscheinend Bier und damit Kraft hatte, denn sie joggte uns noch mal entspannt ins Ziel. Danke dafür, danke auch für die Sänger kurz vor dem Ziel, die dann den Schlussspurt abrundeten.

Schnell den Kleiderbeutel geholt, wobei hier die Verteilung der Schlangen sehr unterschiedlich war. Bei den Lastern, welche die hohen Startnummern hatten, war eine riesige Schlange und in den niedrigeren Nummern war gar nix los.

Die Umkleiden waren dann sehr voll und an duschen nur zu denken, wenn man bereit war länger in einer Schlange zu stehen, aber auch hier galt: Perfekt organisiert und mal im Trockenen zu sein, war man gar nicht mehr gewöhnt.

Abgekämpft, aber glücklich ging es nun zur Geburtstagsparty, die eigentlich als Open Air Party geplant war und dann auch gegen alle Nassheit duchgezogen wurde. So war das Ganze ein bisschen kürzer als geplant, man musste also schneller trinken. Viel leckeres Essen, viele liebe Menschen, als dies rundete den Tag ab. Kommen wir also zum Fazit:

Die Rollerin ist wahnsinnig überrascht und stolz über ihre eigene sportlichen Fähigkeiten. Denn berüchsichtig man die Tatsache, dass die Profis entsprechend große Rollen fahren und anders trainieren, ist sie auf einem guten Weg. So konnte sie, wie oben erwähnt, feststellen, dass die nächsten Male die Energie noch viel länger reichen wird, als sie erwartet hätte. Keine Blasen, keine Scheuerstellen, den Regen hingenommen, perfekter erster Lauf. Mehr davon, viel mehr.

Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Nächstes Jahr gerne wieder, lieber Karsten, liebe Laufgesellschaft.

Und zuletzt wie immer, der Lauf auf gpsies

Jun 202012
 

oder

 

Ein aktueller Nachtrag

 

Wie nicht anders zu erwarten und von uns bereits vermutet, ist Rassismus wirklich preiswerter, als Unterhose mit Werbung zeigen. In Verbindung mit den gezündeten Bengalos wurde Kroatien nun zu 80.000 Euro ohne irgendeine Sperre und/oder Punktabzug verdonnert. Die Presse spricht von einer „milden“ Strafe, bei Bendtner soll die Strafe jedoch abschrecken.

Nicht nur, dass die UEFA hier gegen ihre eigenen Richtlinien verstößt, die für einen Wiederholungstäter (!!!) in Sachen Rassismus ausdrücklich Punktabzüge vorsehen, nein sie zeigt auch wieder, dass sie bei diesem Thema nur Sonntagsreden hält.

Herr Platini sollte sich schämen! Nein falsch, er und seine ganze Sippe von verknöcherten Herren sollten zurücktreten und einer wirklichen Reform des Fußballes Platz machen.

Jun 182012
 

oder

inklusive einer Frühjahrszusammenfassung

Vorwort

Liebe Leser, wir hatten lange keinen Laufcontent mehr in unserem Blog und die Bestreitung von Wettkämpfen und längeren Läufen ist auch nur 50 % unseres Teams gegeben. Daher erlebt ihr in diesen Berichten ein Wort, was beinah ausgestorben war in diesem Blog. Das Wort „ich“. Aber trotzdem wollen wir euch weiterhin mit Laufberichten verwöhnen. Heute also der Rendsburg Marathon.

Mit Vorgeschichte und doch eine Premiere

Liebe Leser, es wäre Unsinn, wenn ich nun mit dem Rendsburg Marathon beginnen würde. Seit dem 10.02. ruht die Laufkolumne, so dass es doch ein bisschen etwas nachzuholen gibt. Ziel dieses Jahr war eigentlich, dass der New York Marathon meine Nummer 10 wird. Dazu hätten es aber insgesamt fünf Finishes werden müssen. Das ist ziemlich ambitioniert, um es mal freundlich zu sagen.

Der Erste war an dem Wochenende des Düsseldorfspieles in Freiburg. Die Anreise voll bonzig mit dem ICE, aber so
ein bisschen unkoordiniert mit Mättz, der zwar ständig im gleichen Zug saß, aber wir eigentlich nie nebeneinander. Startnummernabholung und Nudelparty waren schnell erreicht und insgesamt kann man die Organisation beim Freiburg Marathon nur loben. Einziges Minus: Am Ende der Runden wird es doch sehr einsam und dementsprechend hat man in er Innenstadt keinen freien Laufweg mehr.

Für mich lief es insgesamt sehr gut und bis Kilometer 20 war ich in der geplanten 6:45 bis 6:40. Der Kurs wird einem zwar als flach verkauft, aber insgesamt 204 Höhenmeter auf den zwei Halbmarathonrunden sind schon ganz ordentlich. Und es war mit 24°C auch ordentlich warm. So ging ich die zweite Runde langsamer an. Denn eine Gemeinheit dieses Laufes war es, dass es ab Kilometer 1 bis Kilometer 7 (und damit auch von Kilometer 21 bis 28) ständig bergan ging. Zwar nur leicht, aber eben irgendwie doch.

Der Einsamkeit entgegen wirkten vier Damen vom Lauftreff Kaltenkirchen, mit denen ich die nächsten 10 Kilometer verschnackte. Dann wurden mir die Damen, die im Besten Rentenalter waren, zu schnell. Bemerkenswert dabei: Die Wortführerin der vier Damen war W 70 und immer noch in der Lage Marathon in vier Stunden zu laufen. Krass.

Dann traf ich den Mann mit dem Hammer. Und der traf voll in den Magen, so dass mir mal wieder schlecht wurde. Da hilft nur Cola und so wurde eine kurze Pause in einem Dönerladen eingelegt. Na super, Cola natürlich eiskalt, so dass sie erstmal ein bisschen weiter getragen und dann getrunken wurde. So konnte ich bis Kilometer 33 noch irgendwie eine Pace von um die 7:40 halten, danach war dann endlich komplett Ende und die Kondition vollkommen weg. Nun ja, die letzten neun Kilometer wurden dann mehr oder minder gegangen, so dass meine Bestzeit leider nicht mehr drin war. Aber eigentlich war das nur Timing, denn bei 5:18:50 lief gerade „I’m walking on sunshine“ über die Lautsprecher. Was will man eigentlich mehr?

Erkenntnis dieses Laufes: Man kann zwischen mittellanger Hose und Kompressionssocken noch einen kleinen Streifen Sonnenbrand haben.

Dann Helgoland

SechsWochen später dann der zweite Versuch auf Helgoland. Und der Lauf ist toll organisiert, es ist die beste Orga ever. Nett, kompetent, lustig und alles perfekt. Nur mein Lauf wird das so gar nicht mehr. Dieses Jahr mit viel besserem Wetter als vor zwei Jahren, aber trotzdem immer noch sehr stürmisch. Und genau dieser Sturm verhinderte die ganze Zeit, dass ich so etwas wie einen Rhythmus fand. So wurden die Kilometer sehr unrund gelaufen und pendelten irgendwo zwischen 6:30 und 7:45, je nachdem, woher der Wind kam. Das ganze sehr kraftraubend und nach 18,6 Kilometern erwischte mich eine Böe volle Elle von vorne und nahm mich so aus dem Tritt, dass der Kopf und Körper sich schlichtweg einig waren. Wir wollten nicht mehr. Derbe enttäuscht ging es ins Hotel. Das war irgendwie gar nichts.

Und nun halt Rendsburg

Nach Helgoland war ich in einem Trainings- und Motivationsloch. Wochenlang wurde eine leichte Erkältung mitgeschleppt und auch der Kopf wollte einfach nicht. Zwar zog ich irgendwo ein Training durch, aber die Leichtigkeit und Motivation des Winters, die war verloren gegangen. Nur langsam erholte sich die Form und nur langsam stellte sich die Lauffreude wieder ein. So war klar, dass es für die Volldistanz in Rendsburg doch ziemlich eng werden würde.

Immerhin kam die Lauffreude so langsam wieder und wenn der Kopf will, dann wollen auch die Beine viel mehr. Etwas Sorgen machte, dass sich in Rendsburg unter 100 Teilnehmer für die Volldistanz gemeldet hatten, so dass man von einem sehr einsamen Rennen ausgehen musste. Und das ist nicht gerade mein Favorit.

Rendsburg an sich ist eine wunderschöne Stadt, die aber mehr oder minder am sterben ist. Viele Fachwerkhäuser, eine eigentlich sehr hübsche Innenstadt und mit der Schwebefähre an der Kanalbrücke auch wirklich ein Highlight. Aber ungefähr jedes dritte Geschäft in der Innenstadt steht leer und das Ganze wirkt teilweise sehr trist.

Samstag also die Startnummer abgeholt und die örtliche Wirtschaft durch Hotel und Restaurant angekurbelt. Ich neige dazu einen doch relativ nervösen Magen zu haben und ob ich es will oder nicht, ich muss wohl eher Mittags als Abends am Vortag meine Nudeln zu mir nehmen. Sonst bekomme ich Probleme, auch dieses mal.

Am Start versammelte sich die kleine Meute, die immerhin auch eine Teilnehmerin aus den USA umfasste. Insgesamt waren aber nur acht Frauen am Start über die Volldistanz, was schon zeigt, wie schmal das Teilnehmerfeld war.

Vorweg: Die Organisation war vorbildlich. Viele Streckenposten und die Strecke mit zwei kleinen Ausnahmen sehr gut ausgeschildert. Getränkestellen waren alle drei Kilometer angebracht und mit Iso und Wasser auch gut ausgestattet. Die Strecke an sich war landschaftlich sehr schön mit langen Passagen an Eider und Kanal, aber auch anspruchsvoll, da sie natürlich gewisse Höhenunterschiede hatte. 79 m hatte die Uhr nach 20,89 Kilometern gespeichert.

Nach dem Start zog das Feld los wie die Feuerwehr und so wurde es doch sehr einsam. Ein Blick zurück auf die Startnummern zeigte, dass hinter mir ausschließlich Halbmarathon Nummern waren. Und das bei einer Pace von 6:18 auf dem ersten Kilometer. Die Beine fühlten sich okay an und so begann das Denken: Soll ich die Volldistanz versuchen oder soll ich einfach nach einem Halbmarathon aufhören und um Ummeldung bitten? Immer wieder habe ich mich umgeguckt, ob da eventuell ein Laufpartner sich findet, aber es fand sich keiner. So entschied ich nach sieben Kilometern, dass heute auch ein Halbmarathon reicht und steigerte mein Tempo. Bis Kilometer 17 viele Kilometer in 6:15 und schneller, einige auch langsamer, da die Strecke doch sehr wellig war und einige kleine und giftige Anstiege hatte. Bei Kilometer 17 fraß ich dann aber das Tempo, so dass die letzten vier Kilometer doch langsam ins Ziel rollte. Naja, außer dem letzten Kilometer, der in einer Art Sprint noch mal locker die 5:58 als Pace brachte.

Insgesamt stand da eine 2:19:58, was auf einer anspruchsvollen Halbmarathonstrecke eine ordentliche Zeit ist. Zehn Minuten nach mir durchquerte die letzte Marathonteilnehmerin die Passage, ich wäre Vorletzter gewesen. Schade, dass man sich nicht fand, dann wäre vielleicht auch die Volldistanz gemeinsam drinnen gewesen.

Die Organisation, die liebe Art und auch der Zielempfang, wo jeder Teilnehmer einzeln mit einem Schnack begrüsst wurde, all dies hat sehr viel mehr Teilnehmer und sehr viel mehr Zuschauer verdient. Leute, kommt nach Rendsburg und nehmt an dieser Veranstaltung teil. Auch wenn es nicht der Marathon sein muss, ihr findet in SH wenig schönere Halbmarathone.

Der Rendsburg Lauf war gleichzeitig für mich eine Premiere. Bin ich doch zum ersten Mal mit „FC St. Pauli Triathlon“ gemeldet gewesen. Dieser Abteilung gehöre ich nämlich seit neustem zu 50 % an. Ich befürchte, ich werde niemals in meinem Leben einen Triathlon bestreiten, aber hier gehöre ich sportlich hin und ich denke, es wird nicht
lange dauern, da werde ich auch mal die Trainingsmöglichkeiten dieser Abteilung in Anspruch nehmen.

Und wie immer am Ende die ganzen Strecken als gpsies. Freiburg, Helgoland und Rendsburg

Ausblick

Nach dem Hella Halbmarathon beginnt die Vorbereitung auf Berlin und New York. Die Umfänge werden wieder in den Winterbereich gehoben und dann wird geballert ohne Ende. Der Traum bleibt: Berlin in Bestzeit und New York unter fünf Stunden.

Jun 182012
 

Liebe Leser, wir haben Hals. Richtig Hals.

Da bestraft die UEFA heute Niclas Bendtner mit 100.000 Euro und einem Spiel Sperre (!) dafür, dass er seine Spielhose gelüftet hatte und unter dieser eine Unterbüx mit einem Werbeaufdruck trug. Das grobe Verbrechen dabei: Der Sponsor war leider ein Nicht-Fifasponsor. Nach der Meinung der Presse wollte die Fifa damit ein Zeichen setzen und ihren millionenschweren Werbemarkt schützen.

Nun trifft es mit Niclas Bendtner garantiert niemand armen, wollte der doch auch schon mal spontan eine Pizzeria kaufen, als ihm die Bedienung nicht gefiel . Aber wenn es noch eines Beweises bedurfte, was Platini und Co wichtig ist und was nicht, dann sollte man diese Strafe mal in Vergleich setzen, was die UEFA so normalerweise raushaut für sagen wir mal…

RASSISMUS

Nun laufen bei der aktuellen EM noch alle Verfahren und so lassen wir uns gerne überraschen darüber, dass es nun bestimmt Millionenstrafen und lange Sperren z.B. für den Kroatischen Verband gibt, der u.a. Wiederholungstäter ist, aber irgendwie behaupten wir mal, dass dies nicht geschehen wird. Hier mal ein paar alte Strafen für Rassismus: 45.000 Euro gegen den spanischen Verband 2004, 16.500 gegen den serbischen Verband 2007 und 10.000 gegen den kroatischen 2008.

Was soll man sagen? Man könnte sich jetzt aufregen, einen richtigen Rant schreiben. Aber a. können wir das nicht wirklich und b. was würde es ändern? Jeder weiß, dass die UEFA nur einen Zweck hat: Sich und ihre oberen 10.000 möglichst schnell möglichst stark zu bereichern. Da steht sie der Fifa in nix nach. Und man muss sich echt fragen: Wie kann es sein, dass „the peoples game“ so ausgebeutet wird?

Und daher gibt es nur noch eine Konsequenz:

UEFA, FIFA und den DFB auflösen! Und zwar sofort! Platini, Blatter und Niersbac enteignen. Und Springer sowieso.

Jun 152012
 

oder

keine wissenschaftliche Abhandlung

Vorwort

Liebe Leser, es ist Sommerpause und die Verpflichtung von Messi hat unser geliebter Verein auch immer noch nicht verkündet. So sitzt man mehr oder minder gelangweilt vor dem Fernseher und guckt sich die EM an. Nationalfußball. Nicht wirklich etwas, was wir mit dem Herzen verfolgen, weil es soviele Misstöne beinhaltet. Soviele Nebentöne, die uns nicht gefallen. Und die bei weitem kein deutsches Phänomen sind. Nein, so ein wirklich abschließende Meinung erlauben wir uns da mal nicht, wir denken einfach drüber nach. Aber vorher noch zu leichter Unterhaltung.

Das ZDF liegt im Trend

Liebe Leser, ist euch etwas aufgefallen in unserer Gesellschaft? Es kommt immer weniger auf Inhalte an, immer mehr auf ihre Verpackung. Statements werden weniger auf ihre Richtigkeit überprüft, als auf ihre Medientauglichkeit und Politik wird von Inhalten befreit und auf Kampagnen und Gesichter reduziert. Wirkliche inhaltliche Positionierung findet immer weniger statt und unsere Kanzlerin ist da das beste Beispiel. In diesem Klima ist die Sendung des ZDF perfekt. Ein hübsch anzusehender Ort und dazu eine Sendung, die tiefgehende Inhalte am besten vermeidet.

Da ist Oliver Kahns erster Tweet halt sehr viel wichtiger, als eine vernünftige Analyse des Spieles. Aber in einer Zeit, in der man aus einer Kritik an Gomez durch Scholl beinah eine Staatsaffaire macht (es ist wirklich ein schandhaftes Verbrechen einen Stürmer zu kritisieren, der ein Tor geschossen hat), ist das doch ein Wohlfühlfernsehen und alle sind glücklich. Außer diejenigen, die sich im deutschen Fernsehen mal eine wirkliche Analyse wünschen würden.

Aber so etwas leistet auch die ARD nur ansatzweise, immerhin traut sich Scholl mal so etwas wie eine Meinung zu und ist damit schon sehr erfrischend. Immer noch erfrischender als Lodda, der auf die Frage zu welchen von drei genannten Vereinen der Spieler denn nun gehe, diese drei Vereine wiederholt und sagt „wir werden es sehen“. Ja ach ne.

Lustigerweise blitzt eine sehr gute Analyse kurz immer in den Vorberichten des ZDFs auf, wenn per Video mit kleinen Markierungen taktische Schwächen und Stärken der Teams gezeigt werden. Davon will man eigentlich viel viel mehr.

Und dann noch Nationen

Liebe Leser, wir sind doch kritisch, was die Organisation von Menschen in Nationen angeht. Und das reduziert sich bei weitem nicht auf die deutsche Nation. No Borders, No Nations ist eine sehr schöne Utopie. Nun sind Nationen in ihrer Organisationsform in ihrer Verwaltungsform wohl leider notwendiges Übel des real existierenden Menschen. Nationen bzw. zu welcher Nation denn nun gehört ist aber immer zufällig, es ist daher auch kein Verdienst oder etwas auf das man stolz sein könne, wenn man denn Italiener, Franzose oder was auch immer ist.

Nur leider sind Nationen nicht nur Organisationsformen, sondern Nationen spalten Menschen ohne Sinn und Verstand und alleine deswegen müsste der Mensch wohl doch mal über sie in ihrer jetzigen Gestaltung nachdenken, auch wenn dies natürlich ein sehr abstraktes und schwieriges Problem ist, was den Rahmen eines Fußballblogs weit überschreitet. Schon lange (niemals?) waren sie eine Solidaritätsgemeinschaft oder ein wirklich ernsthaftes Bindungsglied zwischen Menschen. Nun sind aber in der Realpolitik Menschen in Nationen organisiert und auch internationale Fußballwettbewerbe werden in Nationen (bzw. deren Fußballverbände) unterteilt. Politisch konsequent wäre es aus der oben genannten Liebe zu der Utopie Europameisterschaften und Weltmeisterschaften nicht zu verfolgen oder zu ignorieren. Aber liebe Leser: Wer ist schon so konsequent? Mal ganz davon ab, dass das Leben kein Spaß macht, wenn man nur konsequent ist.

Ja, auch wir sympathisieren mit einzelnen Nationalmannschaften. Man darf aber folgendes nicht vergessen: Wenn man als Deutscher den deutschen Nationalismus ablehnt, dann ist es absurd, wenn man mit einer anderen Nationalfahne rumläuft und einen anderen Nationalismus mitmacht. Auch das ist genauso Nationalismus und niemand muss glauben, dass es einen unverkrampften griechischen oder irischen Nationalismus wirklich gibt. Oder man macht eine negative Projektion auf Deutschland und ist immer gegen Deutschland. Und nutzt eben doch die Nation als Hebel und akzeptiert diese komische Einteilung. (Ganz bewusst ist hier nebenbei von den Ländern und nicht von den Verbänden die Rede). Und deswegen ist das Thema Nation und Nationalismus immer auch ein Fußballthema.

Und da sind wir bei der leidigen Diskussion, ob es eigentlich einen unverkrampften, positiven Patriotismus gibt, der sich von einem stumpfen Nationalismus absetzt. Ihr könnt euch vorstellen, dass wir das eher skeptisch sehen und verweisen hier mal auf einen bereits älteren Artikel der Süddeutschen, der sich gerade einer gewissen neuen Popularität erfreut.

Nur eines wissen wir ganz genau: Der immer wieder bei Europameisterschaften und Weltmeisterschaften aufkommende Nationalismus ist garantiert nicht unverkrampft und harmlos. Zum einen ist er vollkommen sinnentleert und hält sich an Symbolen und Oberflächlichkeiten auf. Sonst – und man verzeihe uns dieses Beispiel- wäre es wohl kaum verständlich, warum sich der Deutsche plötzlich derbe patriotisch fühlt, wenn er seine „Made in China“ Fahne an seinen Toyota pinnt. Zum anderen ist er dann nicht unverkrampft, wenn ständig irgendwelche Deppen in aller Öffentlichkeit die Hand zum Deutschen Gruße erheben können und niemand etwas dagegen tut. Auch der Nazi darf mitfeiern? Da ist sie wieder, der soziale Nährboden und die soziale Akzeptanz des Nazis, die so brandgefährlich ist.

Noch etwas lässt einen doch sehr stark zweifeln. Ein „wir“ braucht auch immer ein „ihr“ und gerade bei Nationalitäten, ihren Zufälligkeiten und auch ihren fehlenden Prägungen für Menschen wird dieses „ihr“ meistens in Klischees und Ressentiments gesucht. Nun mag das bei zwei weißen priviligierten Ländern wie Niederlande und Deutschland noch auf Augenhöhe passieren, aber schon bei einem Blick auf ganz Europa „der faule Südeuropäer“ (und natürlich noch sehr viel krasser bei einer Weltmeisterschaft) ist dies nicht mehr der Fall.

Wenn man all dies gesagt hat, dann muss man damit als emanzipierter, selbstkritisch denkender Mensch ein Problem haben. Ist es eigentlich gewagt, wenn man das ganze auf den Vereinsfußball abstrahiert? Auch dort wird gerne mit Klischees, mit Vorurteilen („Rostock alles Nazis“) und einem „wir“ gearbeitet, welches sich stark gegen „die“ abgrenzt und damit ausgrenzt. Es sind die gleichen Mechanismen, die dort greifen. Und der Unterschied ist wahrscheinlich nur, dass man sich seinen Fußballverein mehr oder minder aussuchen kann, seine Nationalität nicht.

Und zum Abschluss noch der Höhepunkt dieser EM, die irischen Fans bringen Tom Bartels zum schweigen, was sonst nicht mal Messi schafft.

Jun 112012
 

oder

seid ihr es auch?

Liebe Leser, nun ist es wieder soweit und das große Sommerrätsel „Plietsch“ des Hamburger Straßenmagazin Hinz und Kunzt geht in der Juli-Ausgabe in die vierte Runde.
Normalerweise würden wir für irgendwelche Sommerrätsel keine Werbung machen, aber zum einen sind wir große Fans dieses Rätsels und haben bereits mehrfach teilgenommen, zum anderen ist Hinz und Kunzt wohl über jeden Zweifel als Zweck erhaben.

Die vielseitige Beilage wird jedes Jahr von einer anonymen Truppe bereitgestellt, die sich „Plietsch“ nennt. Sie rufen auf, das Rätsel zu lösen, und weil es auch gar nicht anders möglich ist, sind bei diesem Rätsel alle erdenklichen Hilfsmittel (Internet, Bücher, Experten fragen usw.) nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Auch zum „Banden bilden“ (das könnt ihr doch, liebe Leser) und gemeinsamen Rätseln rufen die Plietsch-Leute auf.
Das Denkspiel besteht immer aus einer Reihe sehr verzwickter und mehrfach um die Ecke gedachter Rätsel, deren Lösungen für einen weiteren Teil des Spiels benötigt werden.

Ein Beispiel:
So ging es in der Ausgabe 2010 bei der Frage „Gleichbleibend“ um die Reise einer unbekannten Person. Sie startete bei Regen in Hamburg, machte einen Zwischenstop bei Wind in München und landete schließlich im sonnigen Rom. Das Ganze war mit Hilfe einer Wetterkarte codiert, nicht mal Uhrzeiten waren angegeben. Die Frage war, wann die Reise begann. Dass es sich hierbei um einen wohl jedem bekannten Werbespot handelt, in der die Frisur einer Frau bei jedem Wetter hält und die Lösung durch ihn gefunden wurde, ja dafür musste man mehrmals um die Ecke denken.

Die Lösung aller kleinen Rätsel musste man dann nutzen, um in einem Hamburger Telefonbuch herumzublättern bis man die verschiedenen Bestandteile einer Lokalität zusammgesetzt hatte.

Am Ende muss man als Rätsler dann eine Hamburger Adresse rausbekommen an die die Gesamtlösung eingesandt werden soll. Wer nicht alle Lösungen schafft, schickt seine Teillösungen ein, denn auch mit denen kommt man in einen Lostopf.

Es gibt immer eine Auswahl gesponserter Preise, die nicht der Oberwahnsinn sind, was aber a) bei einem Rätsel eines Straßenmagazins nicht erwartet werden darf und b) bei diesem Rätsel nicht entscheidend ist, denn hier ist wirklich der Weg das Ziel.
Dennoch reichen die Preise jedes Jahr von Theaterkarten über Gutscheine bis hin zu Hauptpreisen wie eine Ballonfahrt. Ein sehr toller Nebeneffekt!

Wir würden uns freuen, wenn der eine oder andere von euch dieses Jahr auch mitmacht. Lasst euch nicht abschrecken und wenn ihr Bock habt, meldet euch bei uns, wir bilden gerne Banden und haben schon eine Menge Plietsch-Erfahrung im Gepäck.

Zum Schluss noch ein paar Warnhinweise:
Dieses Rätsel macht a) verdammt süchtig und b) schwankt man im Laufe der Zeit zwischen Lachanfällen, Heulkrämpfen und Wutausbrüchen. Auch das Verlangen, das Ding in die Ecke zu schmeißen und nie wieder anzusehen, kommt häufig. Aber der Ehrgeiz siegt, wir wissen das!

Eine nette Nachlese zum letzten Jahr findet man hier: Klick
Also: Juli-Ausgabe kaufen, miträtseln und viel Spaß haben. Wir werden berichten, wie es uns ergeht. 😉