Mai 152012
 

oder

Was stimmt hier nicht?

Vorwort

Liebe Leser, eigentlich wollten wir nun so langsam in die Sommerpause entgleiten und euch mit einer Demoankündigung für den 02.06.12 alleine lassen. Nun ja, so wandert diese in dieses Vorwort: Geht demonstrieren am 02.06.12! Überlasst die Stadt nicht den Nazis! Wir ganz persönlich, halten nicht sehr viel von Veranstaltungen zu denen sehr breit aufgerufen wird, denn dann steht man plötzlich mit der Partei von Kristina „Extremismustheorie“ Schröder auf der Straße und das ist wirklich nicht so toll. Stichworte wie „Rassismus der Mitte“ seien da nur mal in den Raum geworfen.

Trotzdem (oder gerade deswegen) halten wir es für dringend notwendig zu demonstrieren, denn der Festigungsgrad der militanten rechtsradikalen Szene wird insbesondere auch über erfolgreich durchgeführte Demonstrationen erreicht. Und das will wirklich niemand. Achtet also weiterhin auf Ankündungen aus unserem sozialen Umfeld (sprich Umfeld des FCSP) und schließt euch einer Demonstration eurer Wahl an.

In eigener Sache: Die Laufkolumne dieses Blogs leidet so ein bisschen unter Aktivitätslosigkeit. Der Läufer bei uns will und soll das ändern, so dass auch dort wieder bald Texte zu erwarten sind.

Nun geht es also wieder einmal um den unwichtigen FCSP. Ein bisschen Politik sollte man auch einstreuen, wenn schon überall gewählt wird.

Braucht man überhaupt einen Sportchef?

Vorab: Es ist immer schwierig sich abschließend zu sportlichen Themen zu äußern. Außer den üblichen Floskeln wird sowieso nichts an die Öffentlichkeit gelangen und so muss man immer aus Sekundärquellen argumentieren, die sich auch nur auf „hörensagen“ berufen. Viele Interna kann man einfach nicht vollständig bewerten, weil man eben nicht auf dem Trainingsplatz war und nicht bei Vertragsverhandlungen zuhören kann. Weiterhin ist vieles im Fußball auch Bauchsache und daher gibt es ja auch immer 24.000 Trainer und trotzdem darf nur einer das Sagen haben.

Das alles muss man vorab bedenken und bitte immer als Einschränkung mitlesen!

Wir wollen uns trotzdem mal ein bisschen zu der Person Schulte und dem Sportlichen äußern. Quelle sind natürlich mehrere Zeitungsartikel der letzten Tage, aber auch eigene Eindrücke.

Schulte als Gesicht des FCSP

Im Hamburger Abendblatt und auch gestern auf NDR Info wird bemängelt, dass der FC St. Pauli bei einem Weggang von Schulte sein Gesicht, seine Verbindung nach außen verlieren würde. Peter Wenig spricht in seinem Abendblatt von „markantem Gesicht. Das klingt alles ein bisschen übertrieben. Anders als z.B. Corny Littmann, der aus seiner ganzen Historie vollkommen zu einem „non established“ Verein passte, der „Revolution und Tradition verbindet“ (wieder Zitat Peter Wenig), passt ein eher schweigsamer Sauerländer von der Person dazu weniger. Auch wenn sie „für einen Sauerländer sehr beredet ist“ (sinngemäß Wolf in Pommes-braun-weiß). Fakt ist natürlich, dass Schulte für die Medien immer der erste Ansprechpartner war und eigentlich jede Halbzeitshow bestritt.

Und sich zu jedem Thema äußerte er sich und das nun egal, ob er zuständig war oder nicht. Und damit wären wir auch schon bei einem anderen Thema.

Schulte und die Fans

Wenn man nach irgendeinem Trubel ein „das sind nicht unsere Fans“ Statement brauchte, dann musste man nämlich nur bei unserem Sportchef vorstellig werden. Hier galt häufig mal der berühmte Satz mit dem Schweigen und dem Philosophen.

Auch sonst munkelte die Gerüchteküche immer wieder, dass aktive Fanszene und Schulte nicht gerade Freunde seien. Immer wieder hörte man von Überlegungen und Äußerungen seinerseits, wie doof doch Südtribüne Stehplatz bzw. deren Besucher seien. Nun kann man so etwas nie ganz bestätigen, aber wenn man mal die öffentlichen Statements betrachtet und sich überlegt, was für Sachen plötzlich nicht mehr möglich waren, dann kann das sehr gut sein. Und seien wir ehrlich: Sich mit einer aktiven Fanszene anzulegen ist in keinem Verein sinnvoll. Man mag das alles böse finden und den Einfluss von aktiven Fanszenen auf Vereine auch mal kritisieren, darf aber nie vergessen, dass der Fußball in Form eines e.V. betrieben wird, eine Institution, die demokratisch von unten nach oben aufgebaut ist. In einer Partei käme ja auch kein Vorsitzender darauf sich ständig mit der plakatklebenden Basis anzulegen.

Off Topic: Wenn man die Verschuldungskonstruktionen von Vereinen wie Hoffenheim sieht, dann muss man auch nicht glauben, dass nun Investorenfußball viel besser, stabiler und toller ist. Man gucke sich auch mal die Verschuldungssituationen in Grossbritannien an. Rangers lässt grüßen.

Schulte und die Verträge

Immer wieder wird gesagt, dass Schulte zu häufig Schweigen mit Vertragsverhandlungen gleichsetzt und die Spieler nicht wissen, woran sie sind. Man kann das „mimimimi“ der Spieler sehr gut kritisieren, denn das sind eigentlich erwachsene Leute, aber jeder der in einem Beschäftigungsverhältnis steht, weiß, dass Unsicherheit lähmt und die Leistung reduziert. Warum sollte das bei Fußballprofis anders sein? Mal ganz davon ab, dass so eine Hinhaltetaktik natürlich immer dazu führen kann, dass auch ein eigentlich verlängerungswilliger Profi sagt: Dann halt nicht, dann geh ich eben doch zu einem anderen Verein.

Erneut kann man von außen diese Vorwürfe nicht zu 100 % bestätigen oder dementieren, aber was in den Fällen Eger, Rothenbach, Lechner und Morena passiert ist, nämlich dass man sich anscheinend zu fein war, eine klare Entscheidung RECHTZEITIG zu treffen und zu kommunizieren, spricht Bände und spricht auch nicht gerade für die bisher bestehende Führungsstruktur des FCs. Und um es deutlich zu sagen: Von dieser war bzw. ist Herr Schulte ein wichtiger Bestandteil. Nur allein mit dem Austausch von Personen ist es NIE ganz getan. Aber dazu gleich noch etwas.

Wenn das Vertragsdetail (automatische Verlängerung nur, wenn er 25 Spiele absolviert) bei Tschauner stimmt, muss man sich natürlich auch fragen, wie so etwas zustande kommt und warum man diese Klausel nicht schon vor langer Zeit angegangen ist. Während wir diesen Text bearbeiteten wurde klar, dass es stimmt, denn der Verein verkündete (zum Glück) die Verlängerung um ein Jahr. Klar, vor der Saison hat eine solche Klausel durchaus Sinn ergeben, aber eigentlich war doch nach 10 bis 12 Spielen klar, dass man mit Tschauner längerfristig zusammenarbeiten kann und will. Egal in welcher Liga. Und dann wäre eine Verlängerung bzw. Wegverhandlung deutlich besser gewesen als die Hoffnung darauf, dass er durch die Relegation wirklich noch 25 Spiele macht.

Was man dazu IMMER wissen muss, ist ein Umstand, auf den wir schon seit der JHV aufmerksam machen: Wir werden unseren Etat reduzieren müssen. Das heißt auch, dass wir Stammspieler, Leistungsträger (Hallo Momo ;-)) bzw. teure Spieler abgeben MÜSSEN. Nun sind wir als Verein in der glücklichen Situation, dass einer der teuersten Spieler Takyi war und sich diese Thema durch fehlende sportliche Leistung selbst erledigt hatte. Disclaimer: Das ist natürlich eine reine Behauptung, dass Takyi einer der teuersten Spieler ist/war.

Aber gerade in einer solchen Situation ist es wichtig die weichen Faktoren so gut wie möglich zu bedienen. Und dazu gehört eben auch eine frühzeitige, gute und offene Vertragsverhandlung mit den Spielern. Wenn man sich aufgrund von finanziellen Eigenschaften dann nicht einig wird, dann ist es so. Aber genau diese Weitsicht fehlt uns leider immer wieder.

Schulte und die Jugend

Es ist bemerkenswert, dass nun im Abendblatt erwähnt wird, dass Schulte für die Jugend zuständig sein soll und diese als nicht erfolgreich beurteilt wird. Auch erstaunt, dass Schulte meint, diese habe zu seinem Amtsantritt in Trümmern gelegen. Natürlich lag und liegt vieles in der Jugendarbeit schlichtweg deswegen im Argen, weil wir vor noch fünf Jahren ein Drittligst am Rande der Pleite waren. Diese Jahre aufzuholen und vergessen zu machen, wird uns noch lange beschäftigen.

Aus diesen angeblich chaotischen Zeiten haben es aber immerhin Spieler in die Bundesliga geschafft, wenn auch nicht bei uns (man darf nie vergessen, dass Spieler wie Torun und Choupo Moting immerhin aus unserer Jugendarbeit kommen). Seitdem ist aber auch Ende und viele Spieler (Kalla, Daube, Herber, Schenk seien als Beispiele genannt) verrecken kurz bevor sie irgendwie in den erweiterten Stamm vorstoßen, bzw. auf ihre Art Leistungsträger werden konnten. Man muss sich fragen, warum unser System dort erhebliche Probleme hat und warum das nicht klappt. Und natürlich muss man auch den Verantwortlichen hinterfragen, als Person.

Was uns nun wundert dabei ist, dass Personen wie Philipkowski oder Großkopf dann nie in die Kritik geraten sind. Erneut muss man sich auch die Systemfrage stellen: Wieviele Ebenen hat die Führung des FCs eigentlich, wenn Schulte für die Jugend zuständig ist, aber auch ein Mensch wie Philipkowski offiziell das Jugendzentrum leitet? Man bedenke: Das heißt zwischen dem Jugendspieler und dem Präsidenten befinden sich drei Ebenen (Trainer, Jugendzentrumsleiter, Sportchef). Sucht mal eine Firma in der es noch soviele Ebenen gibt.

Und hier müssen wir uns von der Person Schulte trennen und mal zu der allgemeinen Struktur unseres geliebten Vereines kommen.

Die Strukturfrage

In letzter Zeit wird viel in Richtung eines hauptamtlichen Vorstandes argumentiert und viele gute Gründe sprechen dafür. Wir sprechen hier immerhin über ein Gebilde, welches so um die 25 bis 30 Millionen Euro erwirtschaftet, ein Gebilde in dem gut 5.000 Menschen ihrem Sport nachgehen und der erheblichen Aufmerksamkeit einer weitverzweigten Presselandschaft zum Opfer fallen. Das ehrenamtlich führen zu wollen, ist aus unserer Sicht wohl nicht mehr zeitgemäß. Auch wenn es natürlich in einer schönen Tradition steht.

Nur was aus unserer Sicht auch klar sein muss: Man kann nun nicht einfach noch eine weitere hauptamtliche Ebene schaffen. Dann hat man administrativ zwei bis drei Führungsebenen und im sportlichen Bereich drei bis fünf Ebenen. Das ist definitiv zu viel. Man sollte umstrukturieren und umbauen. Wie genau? Das hängt aber auch von einer anderen Frage ab: Soll der gesamte Vorstand Vollzeit sein oder nur der Präsident?

Um das noch mal zu verdeutlichen: Man schaue sich die jetzige Situation an. Wenn man in dieser noch einen hauptamtlichen Präsidenten hat, dann würde der sowieso ständig zum sportlichen gefragt werden. Dann braucht man keinen Sportchef mehr.

Noch etwas spricht für ein hauptamtliches Präsidium ohne Geschäftsführer, die beginnen ein Eigenleben zu führen: Man hat eine direkte demokratische Kontrolle. Das wird der Presse nicht gefallen, wird auch mal zu „Chaos“ führen, gefällt aber natürlich dem „revolutionären“ Teil des oben genannten Paares. Und Tradition ist sowieso etwas so rückwärtsgewandtes, dass es lieber Merkmal des Lokalrivalen bleiben sollte.

Schulte und die Erfolgsbilanz

Als Argument für Schulte wird immer wieder die Erfolgsbilanz der Transfers genannt und man muss sagen, dass dies – anders als die Eigenentwicklung von Spielern – in den letzten Jahren definitiv eine Stärke von uns war. Ob und inwieweit das Schultes Verdienst war, kann man nur schwer beurteilen. Natürlich waren viele Entscheidungen vom jeweiligen Trainer geprägt (Paderborniertheit ist ein sehr schönes, wenn auch polemisches Stichwort), aber wir wissen ja nicht, wer hier wem irgendwelchen Blödsinn aus- oder eingeredet hat und wer dafür gesorgt hat, dass man die richtigen Spieler aus Paderborn holt.

Was folgendes aber auch wieder zeigt: Die Struktur mit einem Sportchef und einem Trainer birgt sehr viele Reibungs- und Problemfelder in sich. Ob und wie diese noch zeitgemäß ist, wäre mal ernsthaft zu überdenken. Man bedenke, dass man in Großbritannien z.B. diese Struktur gar nicht kennt. Lustiger Vergleich: In GB hat man ja auch schon mit einer Viererkette gespielt, als dies hier als „veraltet“ galt. Man gucke sich mal den Europapokal in den 80ern mit Originalkommentar an. Da wird sich häufig über das Fehlen des Liberos lustig gemacht.

Der Pressesprecher

Gerne wird ja in der Öffentlichkeit der Kopf von Christian B. gefordert. Dazu erstmal folgende Anmerkungen: Auch wir sind nicht immer sattelfest mit Namen (Bartels, nicht Barthels), aber wenn man beständig den Kopf von jemandem fordert, dann sollte man ihn schon richtig schreiben können. Der junge Mann heißt Bönig. Nur warum wird ständig der Kopf gefordert? Weil er alle Presseleute duzt? Das mag einem komisch vorkommen, aber wir sind weit rum gekommen und das scheint einfach im Fußballpressebusiness normal zu sein.

Weil man bei der Schulte Sache so lange braucht und dann etwas nichtssagendes schreibt? Mal ganz ehrlich: Was soll der Verein auch juristisch gesehen denn vermelden, wenn man noch am Auflösungsvertrag feilt und nicht alle Unterschriften hat? Da ist eisernes Schweigen die einzig richtige Reaktion. Und das ist natürlich immer doof für einen Pressesprecher, aber er ist eben doch nur der Messenger, der gekillt wird.

Und wenn es wirklich stimmt, dass Schulte einen namenhaften Hamburger Anwalt betraut hat, dann kann man wetten, dass jedes Komma zwischen den Parteien stundenlang diskutiert wurde. Und genau deswegen kommt auch so ein nichtssagendes Interview mit dem Präsidenten zustande.

Nichtsdestotrotz finden wir es natürlich auch nicht akzeptabel mit solchen leeren Aussagen abgespeist zu werden. Sollten doch gerade in einem Verein die Mitglieder genau erfahren, was und vorallem warum zu welcher Zeit entschieden wird. Wenn man wirklich von einem basisdemokratisch aufgebauten Verein ausgeht, dann muss hier auch eine gewisse Transparenz herrschen und dann sollten Mitglieder soweit es das Persönlichkeitsrecht zulässt auch über die Entscheidungsgründe informiert werden.

Die Dauerkarten

Fangen wir doch positiv an. Es ist sehr schön zu lesen, dass man in die Preispolitik endlich mal Transparenz und Nachvollziehbarkeit bringen will. Es ergibt Sinn Vergleichsgruppen zu bilden und auch zu kommunizieren, wie diese entstehen. Soweit sind wir komplett positiv überrascht.

Es ist auch positiv, dass es 1.500 neue Dauerkarten geben soll. Das schafft wieder ein bisschen Spielraum und ist ja auch durch Nachfrage gedeckt.

Negativ ist es, das als Argument verwandt wird die Dauerkartenpreise anzuheben. Das hier zwischen Einzelkarten und Dauerkarten eine nicht mehr tragbare Spanne besteht, dass will niemand bezweifeln. Nur warum muss man diese Spanne immer unter Anhebung des billigeren Preises schließen? Und warum überhaupt jedes Jahr eine Anhebung, die über der allgemeinen Inflationsrate steht?

Natürlich stehen wir noch in der Mitte der Preislage, aber muss man die Preise immer ganz ausreizen? Insbesondere wenn man bedenkt, dass Kartenpreise nun wirklich nicht dieRefinanzierungsmittel für Etats sind.

Genauer zur Preispolitik der Übersteiger.

Richtig negativ hervozuheben sind jedoch zwei Punkte. 1. Man hat immer noch keine Transparenz. Wieviele Dauerkarten gibt es eigentlich? Und auf welche Tribünenabschnitte verteilen die sich? 2. Warum gibt es keinen Wartelistenmechanismus um die Zahl der Dauerkarten konstant zu halten, wenn mal eine nicht verlängert wird?

Gelinde gesagt eine Frechheit sind die folgenden Sachen: 1. Wie kann man für die Nichtleistung „Übertragung der Dauerkarte“ 25 Euro verlangen? Das ist schlichtweg Abzocke und durch nichts zu rechtfertigen. 5 Euro Aufwandsgebühr wären sofort okay gewesen, aber 25 Euro sind durch nichts zu rechtfertigen und einfach Geldschneiderei und der Versuch Leute aus der Dauerkarte zu drängen. Die schleichende Umwandlung von Dauerkarten in Einzelkarten sollte und muss dringend beendet werden.

2. Die Informationspolitik. Wenn ich neue Dauerkarten anbiete, wenn ich tausche und wenn ich das Problem Süd-Steh habe, dann MUSS ich alle Themen zur gleichen Zeit kommunzieren. Das ganze in Häppchen zu kommunzieren ist einfach nervig, unübersichtlich, doof und provoziert doch enorme Nachfragen. Und wenn ich aus Baugründen etwas nicht abschließend entscheiden kann, dann muss ich genau das kommunzieren und gerne auch mal die halbgaren Überlegungen in die Öffentlichkeit tragen. Niemand ist böse, wenn man schreibt „Vorbehaltlich des rechtzeitigen Bauendes planen wir folgendes…“

Die Politik, die ist immer schuld!

Nun hatten wir in letzter Zeit zwei Landtagswahlen und es ist erschreckend, wie wenig Menschen sich noch an Wahlen beteiligen. Insbesondere auch deswegen, weil die Partei der Piraten auch aus dem Klientel der Nichtwähler Stimmen bekommt und damit Personen zur Wahl bringt. Noch erstaunlicher ist, dass in der gesamten Berichterstattung und in der gesamten Kommentierung dieses Phänomen, wenn überhaupt, nur am Rande wahrgenommen wird.

Dabei ist genau das eines der größten Probleme unserer Zeit. Wenn weite Teile der Bevölkerung an einer Demokratie nicht mehr teilnehmen, dann hat diese Staatsform sehr schnell sehr große Probleme. Natürlich – und das darf man nie vergessen – ist das notwendige Engagement in einer demokratischen Gesellschaft nicht zwingend an die Teilnahme an einer Wahl gekoppelt.

Guckt man sich jedoch an, wer wie wo wählt, dann ist es schon traurig, dass gerade die Menschen in Gegenden, die man vereinfacht mit „sozial schwach“ bezeichnen kann nicht mehr wählen. Was nebenbei auch dazu führt, dass sich Politiker immer weniger um diese Gegenden kümmern. Würdet ihr als Politiker auch nicht. Was aber dazu führt, dass sie die Spirale immer weiter dreht.

Auf unserer Twittertimeline fingen sich zwei Leute an zu streiten, woran es denn läge und ob nun die Politiker schuld hätten oder diejenigen, die sich zurück lehnen und eben nur „denen da oben“ alle Schuld zuschieben. Und so fetzte man sich und wir lehnten uns zurück und sagten: Lustigerweise habt ihr irgendwie beide Recht.

Natürlich aber muss sich die Kaste der Politiker in ihrer Konturlosigkeit, in ihrer Beeinflusstheit durch Lobbygruppen, die alles, aber nicht breite Bevölkerungsgruppen vertreten, erstmal an die eigene Nase fassen.

Trotzdem ist es immer wieder traurig, dass anscheinend alternative Politikentwürfe nicht gegen den – nebenbei zu erwartenden Widerstand – durchgesetzt werden bzw. auf den Markt der Möglichkeiten geworfen werden. Von einer „Arbeiterbewegung“ oder ähnlichem sind wir weit entfernt. Ein Engagement in eigener Sache statt einem „ergibt doch eh alles keinen Sinn“ wäre doch der erste Schritt in die richtige Richtung. Alleine deswegen muss man doch Ultra und die Einbindung von Jugendlichen in Fußballvereine eigentlich jeden Moment abfeiern und nicht als böse und gewalttätig verdammen, um mal den großen Bogen zu spannen.

Also Leute: Engagiert euch und überlasst das Engagement nicht den konservativen, bürgerlichen, werterhaltenden Kreisen. In „unserem“ Viertel gibt es zum Glück immer wieder sehr gute Ansätze dazu. In anderen Stadtteilen mit ähnlichen Problemen vermissen wir so etwas noch. Also auf geht es.