Mai 312012
 

oder

Dit und Dat im Sommerloch

Vorwort

Geliebte Leser, es ist Sommerpause. Zeit für Panikattacken (wir werden alle sterben, absteigen, Pleite gehen etc.) und für Sommerlöcher. Und wenn es ein Sommerloch gibt, dann darf Herr Wendt nicht fehlen. Und natürlich dürfen Spielerwechsel nicht fehlen. Und neue Sportchefs kommen. Und doch gilt der alte Spruch: Spieler kommen, Trainer gehen, nur St. Pauli bleibt bestehen.

Heute (31.05.2012) sind wir nebenbei genau ein Jahr mit einer Fanseite auf Fratzenbuch. 1.183 „gefällt mir“ Angaben sind so grob drei pro Tag, so dass wir in ungefähr 300 Jahren Justin Bieber eingeholt haben. Oder so ähnlich. Danke für jeden einzelnen Klick, zeigt es uns doch, dass sich einige Leute für unser Geschreibsel interessieren.

Tschüß, Mann aus London

Leider ist es in diesem Geschäft auch mal üblich, dass man sich nicht einigt. Und wenn man „weit“ in den Vorstellungen nach Gehalt und Laufzeit auseinander liegt, dann soll man sich nichts vormachen. Dann ist es besser sich noch mal die Hand zu schütteln, sich alles Gute zu wünschen und getrennte Wege zu gehen. Nun hatte Moritz Volz den Charakter hier ein Held zu werden, er wird es nun aber nicht und wird es wohl in seiner langen Karriere nirgendwo mehr. Wir wünschen einem sehr sympathischen Spieler, dass er bitte bitte keine Verletzungen mehr erleidet und noch irgendwo seine Tore bejubeln kann. Alles gute Volzy. Und falls dich London mal langweilt, komm mal in Hamburg vorbei.

Hallo, Mann aus Fürth

Unser neuer Sportchef ist für uns, die schon Probleme mit der Schreibweise von Bartels haben, wirklich eine Herausforderung. Rachid Azzouzi, herzlich willkommen auf Hamburg St. Pauli. Und bitte, bitte sieh uns jetzt schon nach, wenn dein Name mal in unsere Falschschreibmaschine gerät.

Ob und wie er an dem Erfolg von Fürth beteiligt war, wird niemand so richtig bemessen können und erfolgreich ist ein Spieler, Trainer, Sportchef immer erst dann, wenn seine Methoden bei mehr als einem Verein funktionieren. Ob dies bei Azzouzi der Fall sein wird, werden wir nun erleben.

Viele werden sich fragen, warum er in Fürth in dieser Situation aufgehört hat, aber vielleicht hilft ein Blick darauf, wer in Fürth eigentlich jedes Halbzeitinterview bestritten hat. Das war meistens nicht er, sondern regelmäßig der Präsident des Vereines. Und vielleicht sind es diese Kleinigkeiten, die einen überlegen lassen, ob man nicht auch mal woanders vollständig auf eigenen Füßen stehen will, denn unser Ehrenamtspräsidium neigt ja eher nicht zu sportlichen Pressekonferenzen.

Keine Zukunft für Nazis

Letztmalig rufen wir dazu auf am Samstag (02.06.12) dem sogenannten Tag der deutschen Zukunft entgegen zu treten. Nun ist die Teilnahme an Blockaden nicht jedermanns Sache, auch im Hinblick auf die nicht wirklich abschließend geklärte Strafbarkeit, aber jedem sollte es möglich sein im Rahmen des ihm möglichen IN WANDSBEK laut und deutlich den Nazis klar zu machen, dass sie sich mal gehackt legen können. Bildet Bezugsgruppen, lasst euch nicht verarschen, bleibt friedlich und sorgt dafür, dass diese Nazis keinen einzigen Meter weit ihre Propaganda verbreiten können.

Eine Teilnahme an der „bürgerlichen“ Demo empfinden wir eher als Muster ohne Wert. Wenn eine Demo gegen Rechts von Kräften mitgetragen wird, die doch das ideologische Feld des Rassismus bestellen, dann ist das eher nicht unser Platz.

Weitere Infos erhaltet ihr bei der Basch auf Fratzenbuch und bei dem Bündnis.

Keine Zukunft für Wendt

Gestern trafen sich die Innenminister der Länder und irgendwann in der Sommerpause treffen sich die Präsidenten aller Fußballvereine von Liga 1 bis 3. Gerade letzteres Treffen wird zu Änderungen für Fußballfans führen und sie werden uns nicht gefallen. Denn machen wir uns nichts vor, solche Treffen bringen immer irgendwelche populistischen Maßnahmen hervor.

Und in diesem Überbietungswettbewerb der Sicherheitsfanatiker muss man schon mit abstrusesten Vorstößen kommen, um noch eine Schlagzeile zu produzieren. Ein Meister in diesen Klassen ist Herr Wendt von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Herr Wendt zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass er ein spannendes Verständnis von Demokratie und Zivilgesellschaft hat, was er bereits 2006 verdeutlichte, als er alle Menschen, die keine Steuern zahlen die Nutzung von öffentlichen Plätzen ausschließen wollte.

Nun fordert er also höhere Zäune, die Abschaffung von Stehplätzen und 100.000 Euro Strafe pauschal für „Ausschreitungen“ und will keine Runden Tische mehr, denn Zitat

„Polizei-Gewerkschafter Wendt ist gegen weitere Gespräche von Politikern mit Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes (/DFB/) und der/Deutschen Fußball Liga/ (DFL). Bei der inneren Sicherheit sei es am Staat und nicht an DFB und DFL, die Spiegelregeln für empfindliche Geldbußen festzulegen. „Am Runden Tisch drehen sich die Teilnehmer meist nur im Kreis. Die Innenminister müssen sich endlich gegen die Borniertheit der Vereine und Ligen durchsetzen““ (nicht wundern, das ist ein Zitat im Zitat, liebe Leser. Zitiert nach diversen Zeitungen, die sich auf die DPA berufen.)

Stellen wir erstmal folgendes fest: Liebe Presse, Herr Wendt ist nicht „die Polizei“. Herr Wendt ist Vorsitzender einer von zweier Gewerkschaften, die meinen Polizisten zu vertreten. Herr Wendt ist damit nebenbei Interessenvertreter und das, liebe Medien, MÜSST ihr kennzeichnen und auch werten. Es kann nicht sein, dass Fanvertreter in Konjunktiven zitiert werden und Herr Wendt als „die Polizei“ und dann mit „die Polizei fordert“. Das ist einfach schlichtweg Volksverarschung (oh man, der Nichtbegriff Volk sei uns hier mal verziehen).

Oh, man kann Herrn Wendt beinahe mal Recht geben, denn „innere Sicherheit“ ist – wenn man denn Staaten als Konstrukt hier mal duldet – die ehrenvollste Aufgabe eines Staates und seiner Vertreter. Nur das er sich hier Fachwissen holt und mit Betroffenen (denn der DFB und die Vereine sind keine Täter, sie sind Opfer, Herr Wendt. Genauso wie 90 % der Opfer der Straftaten Fußballfans sind.) und sachnahen Kräften spricht, das nennt man in der Politik auch Expertenanhörung. Und da wird wahrscheinlich auch gerne mal die Deutsche Polizeigewerkschaft dran teilnehmen und auch teilnehmen wollen. Liebe Politik: Herr Wendt hat sich gerade selber ausgeladen. Gleiches gilt nebenbei für den Runden Tisch, lieber DFB. Nun gehen wir nicht davon aus, dass ihr die Polizeigewerkschaft eingeladen habt (warum auch?), aber falls doch: Ausladen, Fanvertreter einladen!

Nun könnte man noch seitenlang über das Demokratieverständnis des Herrn Wendt schreiben, denn es ist schon mehr als spannend, dass er anscheinend die Definitionsmacht für die notwendigen Maßnahmen ausschließlich bei der Polizei (und damit der Exekutive, den ausführenden Organen) sieht und nicht bei der Judikative. Es ist schon sehr bemerkenswert, wenn so jemand meint den Innenministern Tipps geben zu können. In einer Demokratie sollte das eigentlich genau anders herum laufen.

Achtung Exkurs!!!

Man kann und muss das natürlich auch mal im Kontext sehen, denn die Populisten kommen ja nicht aus den Löchern, weil in den letzten Wochen nix passiert ist. Und hier muss man auch mal die Fanseite betrachten:

Und hier hat es Fehlverhalten gegeben. Insbesondere aus dem Ultrabereich. Das muss man nicht kleinreden und das muss man auch sehen. Aber man darf auch nie vergessen in welchem Klima es zu diesen Fehlverhalten kommt. Wir haben es hier mit Jugendlichen bzw. Jungerwachsenen zu tun, die eine ständige Kriminalisierung sehen, die bei jedem Spiel von behelmten Kampfmaschinen empfangen werden, die sie nicht als Mensch sehen, sondern nur noch als Sicherheitsrisiko. Die an der eigenen Haut erleben, dass sie für Lapalien oder für nicht bewiesene Sachen Stadionverbote bekommen und sie sehen, dass sie niemand ernst nimmt. Und hier muss man die abgebrochenen Verhandlungen in der Pyrosache anführen. Es geht am Ende nicht darum Pyro wirklich zu legalisieren. Wenn man mit guten Argumenten am Ende nicht zu einer Einigung kommt, dann hat man seinen Gesprächspartner ernst genommen. Wenn das eigene (!!!) Gutachten aber zu dem gleichen Ergebnis kommt, wie das Gutachten der Gegenpartei und man dann in einem Basta sagt „Nö, wir wollen nicht“, dann nimmt man die Gegenseite nicht ernst und dann sieht die (gerade in einer nicht taktisch denkenden jugendlichen Logik) nur den Ausweg wilde Sau zu spielen. Hier ist viel Porzellan ohne Not zerschlagen worden. Und natürlich kann man die fehlende Selbstkritik von Ultras geißeln und die halbgaren Distanzierungen von Gewalt mehr als problematisieren. Wenn man jedoch mit Ultras spricht, dann wird schon deutlich, dass da eine Selbstreflektion, eine Diskussion stattfindet und das kann der aufmerksame Beobachter auch zwischen den Zeilen lesen, kann das auch an Neugründungen und Umgründungen von Gruppen erkennen, er muss es nur wollen. Allerdings nur sehr zart in der Öffentlichkeit, ist doch logisch. Aber eine Selbstreflektion der Polizei vermissen wir vollkommen und selbst ein zärtestes Pflänzchen erkennen wir nirgendwo.

Und dann muss man den Exkurs noch mal in einen zweiten Exkurs exkursieren. Ja, das wird jetzt ein ganz großer Bogen. Betrachten wir doch mal das Instrument des Stadionverbotest:

Und dann meint der DFB auf Drängen von den Wendts dieser Welt dieses Ersatzstrafrecht „Stadionverbot“ aufzubauen. Und mehr ist es einfach nicht. Man muss feststellen, dass es gescheitert ist. Als es eingeführt wurde, sollte es präventiven Charakter haben. Jemanden aber aus dem Hochsicherheitstrakt Bundesligastadion herauszuhalten und ihn damit schwerer kontrollierbar zu machen, in dem er vor dem Stadion steht, hat nicht wirklich einen präventiven Effekt. Durch die Solidarisierung der Gruppe und durch die teilweise vorhandene Anerkennung der Betroffenen (sozusagen „Kriegsverletzung mit der man prahlen kann“) wird das ganze ins Gegenteil verkehrt.

Sprich: Die eigentliche Wirkung wird schlichtweg verfehlt. Es bleibt der Ausschluss und Strafcharakter. Und um es mal deutlich zu machen: Es kann nicht Sinn des Privatrechtes sein Strafen zu erfinden, die bereits bei dem reinen Verdacht einer Straftat (!!!) und die ohne die Einhaltung grundlegender rechtsstaatlicher Prinzipien (Unschuldsvermutung!) verhängt werden können. Das ist einfach Aufgabe der staatlichen Strafgerichte mit allen ihren Prinzipien. Man verstehe uns nicht falsch: Örtliche Hausverbote, wenn jemand sich wirklich daneben benimmt, sind vollkommen okay. Und wenn ein Gericht einem verurteiltem Gewalttäter einen Aufenthalt in einem Stadion begrenzt verbietet, dann ist das nicht schön, aber es ist eine – nebenbei schon jetzt – mögliche Nebenauflage, die eventuell selbst Sinn ergibt. Nur dann ist sie dort, wo sie hingehört. Im Strafapparat. Disclaimer: Damit soll der Strafapparat nicht unfehlbar und schon gar nicht als perfekte Lösung hingestellt werden.

Absurd wird es aber, wenn auf der einen Seite das Abbrennen von Bengalos zum Untergang des Abendlandes erklärt wird, ein Fan ein Stadionverbot von mindestens einem Jahr bekommen würde und nun Lambertz zwei Spiele gesperrt werden soll.

Man mag uns nun vorwerfen, dass dies nicht wirklich vergleichbar ist und klar, hier geht es einmal um Berufsausübung und einmal um Hobby. Aber wenn man bedenkt, wie Bengalos aufgehängt werden, dann ist es schon bemerkenswert, dass ein Spieler nur zwei Spiele Sperre bekommen soll und damit weniger, als z.B. jemand nach einer Schubserei, ein Fan aber für ein ähnliches Vergehen mindestens ein Jahr draussen sitzen soll.

Und nein, davon unabhängig ist natürlich die strafrechtliche Bewertung.

Gut, dass es auch Polizeigewerkschafter gibt, die wenigstens ein bisschen der Differenzierung fähig sind, wie dieser Link zeigt.

Neues Urteil zur Weiterreichung von Verbandsstrafen

Es gibt ein neues Urteil zur Weiterreichung von Verbandsstrafen und nach den Presseinformationen soll auch das LG Karlsruhe eine Weiterreichung prinzipiell erlaubt haben. Leider liegt der Volltext noch nicht vor und vorher sollte man sich nicht zu Urteilen äußern. Wenn dieser Text aber vorliegt, dann werden wir uns äußern.

Mai 242012
 

oder

Warum wir trotz Sommerpause nicht stillhalten können.

Vorwort

Liebe Leser, auch wir würden uns gerne mal zwei, drei Tage zurücklehnen und die Sommerpause genießen, ohne schon wieder juckende Finger zu bekommen und tippen zu müssen, weil uns etwas nervt.

Mangelverwaltung

Eines vorweg: Wir wissen, dass das Thema Dauerkarten, Saisonkarten, usw. immer ein Reizthema ist und jede Lösung mit einer heißen Nadel gestrickt werden würde. Auch ist uns allen doch klar, dass am Ende nicht alle zufriedengestellt werden können und sich immer welche ungerecht behandelt fühlen, aber leider ist genau das immer so, wenn Mangel herrscht.

Nun präsentiert der FC uns eine Umfrage, an der jeder teilnehmen kann, nein muss, um eventuell an eine Saisonkarte, an eine Dauerkarte zu gelangen bzw. einen möglichen Tausch durchzuführen. Auf den ersten Blick sieht alles ganz einfach aus. Man entscheidet zwischen Umfrage A, B und C, füllt sie aus, schickt sie ab, fertig.

Aber so einfach ist das Ganze nicht. Denn der FC lässt viele wichtige Fragen offen und verkompliziert das ganze weiterhin noch.

Die Fragen sind einfach gestellt: Wie kann man eine Umfrage machen, in der es um die Verteilung der Karten geht, aber nicht konkretisieren, wie genau man die Karten verteilen will? Nach welchen Kriterien wird denn jetzt sortiert bzw. zugeteilt? Was passiert denn jetzt genau, wenn sich in dieser Umfrage – sagen wir mal – 10.000 Menschen beteiligen? Liebe Leser, ist diese Zahl utopisch? Wir denken nicht. Aber auch wenn es nur 5.000 sind, muss man ein Verteilungskritierium haben.

Wird eine Vorauswahl getroffen und dann am Ende gelost? Oder alle, die seit soundsoviel Jahren Mitglied sind, kommen in eine Auswahl und müssen sich nochmal anstellen, oder wie? Alle diese Fragen MÜSSEN geklärt sein, bevor man eine solche Umfrage in die Welt wirft. Und sie müssen transparent sein. Was der Verein bei den Auswärtsdauerkarten so extrem lobenswert vormacht, macht er bei den Heimkarten komplett falsch. Es werden keine konkreten Zahlen genannt, es wird kein Mechanismus genannt und es wird spät und häppchenweise informiert.

Vieles bleibt aber vollkommen unklar. Wir stellen mal weitere Fragen und wir finden bei allen, dass diese nicht abseitig sind: Was ist, wenn – fiktiv – 1.500 Dauerkarten anderer Bereiche in die Gegengerade wechseln wollen? Wie wird hier aufgelöst? Und wenn diese -fiktiv- ein Vorrecht haben, verfallen dann die Dauerkarten der anderen Bereiche? Oder gibt es dann plötzlich Nordkurven Dauerkarten? Für die nebenbei auch definitiv ein Bedarf besteht.

Wie wird verhindert, dass soziale Bezugsgruppen auseinander gerissen werden? Das ist schon jetzt problematisch, weil eben nur GG und Süd angeboten werden und nicht auch z.B. Nord.

Warum wird kein Mechanismus vorgestellt und transparent gemacht, wann und wie es weiter Dauerkarten geben soll. Soll die heimliche Abschmelzung der Anzahl der Dauerkarten weitergehen? Der Verein muss hier DRINGEND endlich die Eier haben Transparenz zu zeigen. Er muss sagen: Wir wollen X Dauerkarten haben, wir wollen Y Einzelkarten haben, wir haben zur Zeit Z Dauerkarten und U Einzelkarten. Alles gerne auch aufgeteilt nach Bereichen. Dann muss er erklären, wie er wenn Z kleiner X neue Dauerkarten unter das Volk bringen will. Uns erscheint es am sinnvollsten jetzt schon diese Umfrage zur Einrichtung einer Warteliste zu benutzen. Im Sinne von: Lieber Kunde, du gehst jetzt leer aus, aber 2013/2014 gucken wir mal, ob wir dich bedienen können etc. Die Warteliste kann man dann jede Saison behutsam wieder auffüllen.

Über Allem steht das Wort Transparenz und der Verein muss endlich aufhören Angst vor dieser zu haben. Wir haben das Gefühl, dass man sich der – zwangsläufigen – Neiddebatte nicht stellen will, weil Karten – natürlich – auch mal an Friends & Family gehen. Und ganz ehrlich: Das finden wir gar nicht schlimm. Dafür ein Kontingent zu haben ist nur natürlich und vollkommen okay. Über die Höhe kann man sachlich immer diskutieren, aber es ist viel besser als ein Versteckspiel. Und wenn dann noch gelogen wird „Alle 15.000 Dauerkarten werden IMMER verlängert“, wurde z.B. mal frech behauptet, obwohl jeder weiß, dass dieses einfach schlichtweg nicht der Fall ist und wir alleine schon von zwei Fällen wissen, wo dem nicht so ist, dann werden wir zumindest stinksauer.

Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, ist die Umfrage handwerklich auch noch schlecht gemacht. Warum zwei (bzw. drei) Umfragen mit jeweils ausschließender Wirkung? Warum macht man nicht erstmal eine Bedarfumfrage und sortiert das dann? Wie schon gesagt: Warum nicht jetzt eine Transparenz, wie man die Karten verteilen will?

Warum wird dann die Dauer der Mitgliedschaft in Jahren abgefragt? Ist jemand, der heute 23 Monate Mitglied ist nun ein Jahr oder zwei Jahre Mitglied? Wäre es nicht einfacher gewesen einfach das Kreditkartensystem zu nehmen „Mitglied seid 11/99“? Mal ganz davon ab, dass dieses ein logisches (wenn auch nicht immer faires) Kritierium zur Verteilung der Karten gewesen wäre.

Und warum versendet die Umfrage nach Ausfüllung keine Bestätigungs-Email in welcher der Ausfüller die eingetragenen Daten noch mal zugesendet bekommt? Wir wissen doch jetzt schon, was in vielen Fällen passieren wird „Nein, wir haben von dir keine Umfrage erhalten“. Das kann es doch wirklich nicht sein.

Ach ja: Wer Sorge um seine Daten hat, der kann diese gerne haben. Wir verweisen auf die Datenschutzklausel, welche sich in den Karten-AGB des Vereines befindet und die natürlich auch hier gilt.

Mai 232012
 

oder

Das nennt man präventiv

Schon wieder ein Derby verloren, ihr Rauten

Liebe Leser, es ist Sommerpause. Und in ein Sommerpause gehört ganz klassisch auch das Sommerloch. Und da es irgendwie langweilig ist groß über Neuzugänge zu spekulieren, die dann am Ende doch nach Ingolstadt gehen, dann muss man als Zeitung natürlich auch andere Themen haben. Und ganz zufällig gräbt die Hamburger Morgenpost gestern am 22.05.12 eine bereits eine Woche alte Antwort des Hamburger Senates auf eine Große Anfrage der SPD Fraktion aus und verkürzt das Ergebnis auf folgende Schlagzeile: „St. Pauli-Fans krimineller als Anhänger des HSV“. Das nennt man dann wohl Boulevard.

Nun ist der Zeitpunkt natürlich sehr zufällig und steht in gar keinem Zusammenhang damit, dass am Donnerstag Prof Dr. Feltes die Ergebnisse der Untersuchungskommission zum Schweinske Cup präsentieren wird. Und natürlich ist es auch nur der automatisierten Assoziierung der MoPo zu verdanken, dass natürlich in dem Bericht Schweinske Cup inklusive langer Bilderstrecke verlinkt sind. Alles reiner Zufall, damit man so ein Klima schafft, was einfach ein „hartes Durchgreifen“ gegen „Chaoten“ verlangt und wo „wahre Fans“ sich gegen die „Taliban der Fans“ (und wenn das bei Frau Maischberger so gesagt wird, dann muss das ja stimmen) mit ihren „faschistoiden Choreografien“ (Hurra, was wäre ein deutsches politisches Thema ohne ein Nazi Vergleich?) wenden.

Wir ersparen es euch, liebe Leser, diesen Artikel zu verlinken. Viel interessanter ist es doch mal sich die direkte Quelle anzusehen und ein bisschen zu analysieren. Und dann merkt man, dass die Hamburger Morgenpost – natürlich rein zufällig und nur dem Zeitdruck in der heutigen Medienlandschaft geschuldet – doch einige Fehler in der Analyse der Zahlen macht.

Vorbemerkung: Polizeiliche Verbrechensstatistiken sind mit äußerster Vorsicht zu genießen! Hier ordnen Nichtjuristen für statistische Zwecke Geschehnisse Straftaten zu. Das ist gröbst fehlerhaft. Auch heißt eine Beurteilung durch die Polizei noch lange nicht, dass die Staatsanwaltschaft oder Gericht der gleichen Meinung sind und auch eine entsprechende Straftat sehen. Hinzu kommt eine erhebliche Dunkelziffer, die wir später im Text noch verdeutlichen wollen.

Und noch etwas ist wichtig: Der Text soll uns nun garantiert nicht friedlicher als die Rauten hinstellen. Solche Vergleiche verbieten sich grundsätzlich und sie sind albern. Jede Straftat ist eine Straftat zuviel, wichtig ist aber die Kirche mal im Dorf zu lassen.

Nun aber zur Textanalyse. Was macht man mit so einer Statistik? Man überprüft ihre Datenbasis und man macht einen Fremdvergleich. Beides unterlässt die Morgenpost.

Überprüfung der Datenbasis

Man lese die Antwort auf die Frage 1 mal genau durch. Was fehlt da, liebe MoPo? Richtig, wer Täter war. Nirgendwo steht, dass „St. Pauli Fans“ oder auch Lokalrivalenfans die Täter waren. Es steht da nur „bei Heimspielen des einen oder des anderen Vereines“. Kurz: Wer von beiden Gruppen denn „krimineller“ ist, kann man zumindest so nicht aussagen. Dafür müsste man die Verdächtigen, die als Gästefan und oder als neutral gezählt werden herausrechnen. Und dabei darf man auch noch folgendes nicht vergessen: Solche Einordnungen durch die Polizei sind auch eher fehlerhaft. (Und häufig durch strukturelle Vorurteile geprägt) Oder um es ein bisschen plakativ an einem fiktivem Beispiel zu bringen: Nur weil ein Riotkid an einem Spieltag mit einem Totenkopfkapu in der Schanze eine Mülltonne anzündet, heißt das noch lange nicht, dass es a. Fan ist und b. das der Fanszene zuzurechnen ist.

Noch etwas muss man beachten: Wenn man davon ausgeht, dass das Hinspielderby aufgrund der Terminierung am Wochenende, des besseren Wetters und auch des ersten Aufeinandertreffens in zehn Jahren sehr viel turbulenter war als das Rückspielderby, dann verfälscht alleine das die Statistik für die Saison 2010/2011.

Und dies sind nur zwei Beispiele, die einem in einer kritischen aber oberflächlichen Analyse sofort auffallen müssen.

Noch etwas bringt die Schlagzeile der Hamburger Morgenpost sofort zu Fall. Wenn man mal davon ausgeht, dass sich bei unseren Heimspielen irgendwas um die 400.000 Zuschauer pro Saison tummeln, bei den Rauten so um die 800.000 und wenn man mal von der Gleichung Mehr Mensch = Mehr Straftat ausgeht (und die wird wahrscheinlich niemand wirklich anzweifeln), dann sind wir schon länger viel krimineller im Sinne der Hamburger Morgenpost. Was die Hamburger Morgenpost hier macht, ist schlichtweg statistischer Blödsinn, weil sie absolute Zahlen miteinander vergleicht ohne sie in Relation zu setzen. Daraus lässt sich auch ableiten, dass Hamburg viel krimineller ist als Lübeck. Was erstmal natürlich gar nicht stimmt, weil man hier Äpfel mit Birnen vergleicht.

Kurz: Um so „kriminiell“ wie wir zu werden, müssten die Rauten doppelt soviele Straftaten begehen bei ihren Heimspielen. Multikriminell? Vergesst Hansa, denkt an St. Pauli!

Externer Vergleich

Aber noch etwas unterlässt die Hamburger Morgenpost. Sie unterlässt einen externen Vergleich und spätestens dann kann man diesen Artikel wirklich als „No news“ wieder verschwinden lassen. Wie schrieb jemand so schön? „Auf jedem Dorffest ist mehr los.“ Und dem ist wahrscheinlich auch so.

Nehmen wir doch – mal wieder – das Oktoberfest als Vergleichsmaßstab. Wie immer, das hinkt etwas! Es hat aber besondere Merkmale, die mit Fußball übereinstimmen. Es gibt Alkohol, es gibt Menschenmassen und es gibt viele Jugendliche. Ein Fest, was auch 2011 von der Münchener Polizei als positiv, friedlich und mit einer verbesserten Sicherheitslage beschrieben wird. Beim Oktoberfest kam es laut dem Abschlussbericht zu 1422 Delikten auf ca. 6 Millionen Besucher. D.h. wenn man das auf 800.000 (Rauten) Besucher runterrechnet, dann wären das 184 Straftaten. Sprich mehr, als bei den Rauten. Würde es man es auf uns herunterrechnen, dann wäre man bei 92 Straftaten, sprich im Vergleich zu den beiden letzten Jahren etwas weniger. Nur noch einmal: friedlich, positiver Trend etc. Und jeder, der sich in der Bierzeltszene auskennt wird wissen, dass das Oktoberfest aufgrund seiner öffentlichen Beachtung und erheblicher polizeilicher Maßnahmen komplett harmlos ist.

Ketzerisch gesagt: Kriminalität (und damit auch Gewalt!) im Fußball ist ein nicht Thema. Sie ist weder auffällig noch ungewöhnlich, wenn man sie vergleicht. Und dies gilt umso mehr für beide Hamburger Vereine.

Und noch ein paar Schmankerl zuletzt

Wenn man sich dann die einzelnen Delikte anguckt, dann haben wir wohl einen Ruf verloren (Hallo Eintracht Frankfurt). Bei den Rauten wurden 23 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert, bei uns gerade mal 4. Oh man, wenn uns das nicht als Choreo um die Ohren gehauen wird.

Thema Dunkelziffer: Da werden in drei Saisons bei beiden Vereinen gerade mal um die 40 Eigentumsdelikte (Raub und Diebstahl) in der Statistik erfasst. Das alleine mehr Schals ständig über den Zaun hängen, ist auch eine Sache, die man mal kritisch anmerken könnte.

Und die restlichen Fragen?

Kann man getrost überlesen.

Mai 222012
 

oder

Fabio Morena, Kapitän der Freibeutercrew

Der Capitano führt seine Mannen aufs Feld

Vorwort

Liebe Leser, eigentlich soll hier Sommerpause sein und grundsätzlich werden hier weder Neuverpflichtungen noch Abgänge wirklich kommentiert. Ausnahmen gab es in letzter Zeit viel zu viele, weil die Heldengeneration dieses Vereines unter mehr oder minder traurigen Umständen den Verein verlässt. Und nun geht einer der letzten Vertreter dieser Generation. Nein, viel mehr, es geht ihr Kapitän.

Fabio als Gegner? Undenkbar!

Es geht Fabio Morena. Neun Jahre in braun-weiß, davon acht Jahre als Kapitän. In drei verschiedenen Ligen und im Pokalhalbfinale führte Fabio seine Mannen mit der Binde um den Arm auf den Platz. Der abergläubische Teil von uns sah ihn am liebsten mit der ausgewaschenen „Capitano“ Binde um Arm. Als diese durch ein Vermarktungsprodukt mit Totenkopf ersetzt wurde, ging es nicht nur mit seiner Karriere, nein auch mit dem FC bergab.

Aber fangen wir vorne an. 2003 erscheint ein junger Mann, mit dunklem wolligem Haar auf der Bildfläche. Als letzter Verein war der CF Alicante angegeben und der junge Mann wurde in den Statistiken als Spanier ausgewiesen. Das rassistische Vorurteil sprach ihm sofort die deutschen Sprachkenntnisse ab und dieses Vorurteil meinte man noch durch seine ruhige Art auf dem Platz bestätigt zu bekommen. Umso erstaunter war man, dass noch Andreas Bergmann ihn zum Kapitän machte. Sportlich fiel Fabio schon damals durch ein absolut überragendes Stellungsspiel auf. Er war nie der Schnellste, nie der Wendigste, nie der Zweikampfstärkste, aber er war immer zuerst da, wo man sein musste. So wurde aus ihm der feste Bestandteil einer eingeschworenen Abwehrreihe, die unzählige Schlachten schlug.

Das rassistische Vorurteil fraß man dann ein Jahr später, als er bei einer Abschlussfeier vor dem Knust (das letzte Spiel gegen den KFC Uerdingen war gerade 2-2 geendet und zwei jetzt namentlich nicht genannte Spieler zeigten auf dem Zaun, wie man Pyro abbrennt) sich das Mikrofon griff und einem in bestem schwäbisch erläuterte, dass man nächste Saison unbedingt aufsteigen wolle.

Und genau diese Zielstrebigkeit, diese Disziplin, dieser Anspruch an die Truppe und auch an sich selbst, dies zeichnet Fabio aus. Habt ihr zu den Zeiten von Stanislawski mal ein Training beobachtet? Eigentlich bei jeder Übung wurde Fabio als Vormacher benutzt und bei keiner Übung schummelte er auch nur ein klitzekleines Stück. In jedem Training, was wir besuchten, war er der Erste, der Strebsamste und der Konzentrierteste. Und das trotz solcher Leute wie Timo Schulz und Fabian Boll, die nun auch sehr gewissenhaft trainieren.

Und das galt auch für das Schmerzlake Trainingslager und für brutale Trainingslager in Österreich. „Führen durch Vorbild“ war für ihn keine leere Phrase, sondern gelebte Realität. Nur so konnte Stanislawski seine brutalen Fitnessprogramme durchziehen und den Erfolg davon später ernten. Daher brauchte Fabio als Führungsspieler auch nicht viele Worte, deswegen war er nie ein Kahn, ein Effenberg oder ein Sammer, die laut waren. Er hatte es nicht nötig. Er führte eben durch Taten.

So gelang Fabio auch problemlos die Anpassung an Liga 2, auch wenn er ab und zumal seine fehlende Grundschnelligkeit bereute und so u.a. mal die schnellste Rote Karte in Bundesliga 1 und 2 kassierte. Aber das waren Ausnahmen und eigentlich war auf Fabio und sein Stellungsspiel immer Verlass.

In seiner besten Saison führte er unsere Jungs in die erste Liga. Und daran hatte er wahrscheinlich auch deswegen einen großen Anteil, weil er als Teil des Mannschaftsrates eine eher freche Prämienregelung vereinbarte (so munkelt man bis heute): Keine Punktprämie, dafür aber eine fette Aufstiegsprämie. Die Jungs werden gut kassiert haben und vielleicht auf der Zielgeraden auch daraus ihren letzten Kick bekommen haben.

Auch nach dem Aufstieg 2010 wurde verkündet, dass die in das Haus einziehen sollten, die es erbaut haben. Und wie schon 2001 wurde dieses Versprechen nicht eingehalten. Fabio blieb zwar Kapitän, wurde aber durch ein 20 jähriges Talent sang- und klanglos ersetzt. Rückblickend wohl einer der größten Fehler von Stanislawski. Denn einhergehend mit dem Gewinn an individueller Klasse, ging ein großer Teil des Zusammenhaltes, des bedingungslosen Aufopferns verloren. Man kann den Spruch von der „besten Elf“, die gegen die „besten Elf“ gewinnt immer wieder dreschen, er bleibt wahr. Warum vermisst man sonst wohl beim FC Bayern so einen eher beschränkten Spieler wie Jens Jeremies. Weil dieser bedingungslos gewinnen wollte. Immer. Vom Typ zwar vollkommen anders ist Fabio genau so ein Spieler. Und genau das fehlte uns in den letzten beiden Saisons in denen Fabio nur noch auf der Bank saß. Und dies bekommt man nicht durch 20 Jährige Leihspieler. So ist der Fußball nunmal. Leider.

Nun geht jede große Karriere zu Ende und irgendwann muss man auch einsehen, dass es nicht mehr langt. Ob und inwieweit das bei Fabio der Fall ist, wissen wir nicht. Seine Abschiedsworte klingen so, als ob zumindest ein anderer Zweitligist der Meinung ist, dass es noch sehr gut für Liga 2 reicht. Und so wird es nächste Saison zu Momenten kommen, in denen wir sehr schlucken müssen. Fabio und auch Ralle werden in anderen Farben aber nicht mehr in unseren Farben auf den Rasen des Millerntores. Eine Vorstellung, die so irreal ist, dass wir sie uns gar nicht vorstellen möchten. Vielleicht verhindern ja zwei klitzekleine Muskelzerrungen, die jeweils nur drei Tage Verletzungspause erzeugen diese Schmach für zwei unserer größten Helden.

Und erneut muss man sich fragen, was denn nun anders ist, als vor zwei Wochen, wo man noch die Möglichkeit gehabt hätte Fabio richtig zu verabschieden. So, wie die Abschiedsworte klingen, hat man nicht wirklich über einen Vertrag verhandelt. So, wie die Worte klingen, geht es nicht darum, dass man sich nach langer Verhandlung einfach nicht einig geworden ist. So, wie die klingen, hat man nur gewartet bis Fabio einen neuen Verein gefunden hat. Das ist alles so traurig, denn dem Capitano einen richtig fetten Abschied zu geben, dies wäre die Pflicht von jedem Verantwortlichen im Verein gewesen und dies verpasst zu haben spricht für extreme menschliche Defizite in der Vereinsführung.

Man kann nur hoffen, dass sich das mit dem Abgang von Schulte sich ändert, wir befürchten aber beinah, dass dies keine Sache ist, die man alleine an der Person von Helmut Schulte festmachen kann.

Lieber Capitano, wir hoffen, dass du auf deine „alten“ Tage irgendwo anders glücklich wirst. Und, dass du nach deiner Karriere als Spieler bald wieder zu uns zurück kehrst. Wie wäre es, wenn du den Trainerschein machst, dir Schulle und Ralle als Co-Trainer anstellst und ihr dann die Fußballwelt rockt indem ihr den FC St. Pauli zum schon längst verdienten Champions League Titel führt. Verdient hättest du es.

Mai 162012
 

Liebe Presse,

ihr schreibt doch sonst immer Polizeiberichte 1-1 ab. Wie wäre es mal, wenn ihr diesen hier auch abschreibt?

Wir zitieren:

„Trotz eines hochdramatischen Verlaufs und der großen Emotionalisierung beider Fanlager blieb es aus polizeilicher Sicht während des Spiels weitestgehend friedlich“

Es ist nebenbei von keinem einzigen (!!!) Verletzten die Rede. Und von insgesamt am ganzen Tag (!!!) begangenen 8 (!!!) Körperverletzungen. Bei jedem Spiel von Ahlen passiert mehr.

Wir fragen:

Wo ist eure „neue Dimension der Gewalt“?

Warum werden nun von der Polizeigewerkschaft neue Strafen gefordert?

Wo ist der Skandal?

Und wann endlich kommen die Leute mal wieder auf den Teppich und hören auf so einen Stuss in euren Blättern und Internetseiten zu schreiben, weil es höhere Klickzahlen gibt oder verkaufsfördernd sein kann?

Schon wieder kotzend.

die unwahren Fans vom magischenfc.de

Mai 162012
 

„Wenn man nicht weiter weiß, dann bildet man einen Arbeitskreis“ (unbekannter Poet)

Hektische Betriebsamkeit in Frankfurt. DFL und DFB wollen eine Task Force Gewalt gründen.

Liebe DFL, lieber DFB, wir, die unwahren Fans, sind schon etwas schockiert. Immerhin kommt in eurer Pressemitteilung einmal das Wort „Fanstrukturen“ vor. Ihr wollt doch nicht wirklich mal mit Fans reden? Mit denen, die nebenbei am häufigsten Opfer der „Gewaltwelle“ sind und damit eben nicht nur Täter, sondern auch meistens Opfer.

Puh, der Rest der Pressemitteilung beruhigt dann. Da werden die üblichen Verdächtigen von Polizei und Justiz aufgezählt und die Verbände und Vereine können auch noch zum Kaffeetrinken kommen und dann wird wieder das passieren, was schon immer passiert ist. Es wird über Fans geredet, aber nicht mit ihnen.

Okay, auch wir finden, dass mal was gegen Gewalt zu tun ist. Aber vielleicht sollte man wirklich mal mit den direkt Betroffenen, nämlich mit den Fans reden und zwar ALLEINE. Und nicht mit den Scharfmachern von Justiz und Polizei. Deren Antworten kennen wir seit langem, die sind nicht kreativ, nicht neu und garantiert nicht das Problem lösend.

Und es ist mal wieder bemerkenswert, dass ihr immer dann auf die Idee kommt, solche Kaffeerunden einzuberufen und ganz wichtig zu finden, wenn ihr Getriebene seid. Getriebene der Öffentlichkeit. Wenn Fans etwas wollen und wenn man wirklich mal die Chance hat, andere Leute mit ins Boot zu holen. Leute, die auch die Möglichkeit hätten Gewalttäter in ihren eigenen Reihen zu disziplinieren, dann genau kommt dann wieder die Basta Keule und ihr wollt nicht weiter machen.

Daher müssen wir auch folgende Fragen stellen: Warum sollen Fans eigentlich mit euch reden? Warum mit der Polizei? Und warum mit „den Verbänden“? Habt ihr euch schon mal für unsere Belange interessiert, wenn nicht gerade wieder die Sau „neue Dimension der Gewalt“ durch das mediale Dorf getrieben wurde? Und die üblichen Floskeln von den wahren Fans, die musste natürlich auch wieder rein. Wir warten immer noch auf den Test, ob man nun wahrer oder unwahrer Fan ist. Wir haben da mal eine Selbsteinschätzung versucht.

Wir kommen nicht zur Task Force. Schade um die Besprechungskekse.

Grüße eure unwahren Fans vom magischenfc.de

PS: Inhaltlich zu gestern Publikative und der Chemieblogger.

Mai 152012
 

oder

Was stimmt hier nicht?

Vorwort

Liebe Leser, eigentlich wollten wir nun so langsam in die Sommerpause entgleiten und euch mit einer Demoankündigung für den 02.06.12 alleine lassen. Nun ja, so wandert diese in dieses Vorwort: Geht demonstrieren am 02.06.12! Überlasst die Stadt nicht den Nazis! Wir ganz persönlich, halten nicht sehr viel von Veranstaltungen zu denen sehr breit aufgerufen wird, denn dann steht man plötzlich mit der Partei von Kristina „Extremismustheorie“ Schröder auf der Straße und das ist wirklich nicht so toll. Stichworte wie „Rassismus der Mitte“ seien da nur mal in den Raum geworfen.

Trotzdem (oder gerade deswegen) halten wir es für dringend notwendig zu demonstrieren, denn der Festigungsgrad der militanten rechtsradikalen Szene wird insbesondere auch über erfolgreich durchgeführte Demonstrationen erreicht. Und das will wirklich niemand. Achtet also weiterhin auf Ankündungen aus unserem sozialen Umfeld (sprich Umfeld des FCSP) und schließt euch einer Demonstration eurer Wahl an.

In eigener Sache: Die Laufkolumne dieses Blogs leidet so ein bisschen unter Aktivitätslosigkeit. Der Läufer bei uns will und soll das ändern, so dass auch dort wieder bald Texte zu erwarten sind.

Nun geht es also wieder einmal um den unwichtigen FCSP. Ein bisschen Politik sollte man auch einstreuen, wenn schon überall gewählt wird.

Braucht man überhaupt einen Sportchef?

Vorab: Es ist immer schwierig sich abschließend zu sportlichen Themen zu äußern. Außer den üblichen Floskeln wird sowieso nichts an die Öffentlichkeit gelangen und so muss man immer aus Sekundärquellen argumentieren, die sich auch nur auf „hörensagen“ berufen. Viele Interna kann man einfach nicht vollständig bewerten, weil man eben nicht auf dem Trainingsplatz war und nicht bei Vertragsverhandlungen zuhören kann. Weiterhin ist vieles im Fußball auch Bauchsache und daher gibt es ja auch immer 24.000 Trainer und trotzdem darf nur einer das Sagen haben.

Das alles muss man vorab bedenken und bitte immer als Einschränkung mitlesen!

Wir wollen uns trotzdem mal ein bisschen zu der Person Schulte und dem Sportlichen äußern. Quelle sind natürlich mehrere Zeitungsartikel der letzten Tage, aber auch eigene Eindrücke.

Schulte als Gesicht des FCSP

Im Hamburger Abendblatt und auch gestern auf NDR Info wird bemängelt, dass der FC St. Pauli bei einem Weggang von Schulte sein Gesicht, seine Verbindung nach außen verlieren würde. Peter Wenig spricht in seinem Abendblatt von „markantem Gesicht. Das klingt alles ein bisschen übertrieben. Anders als z.B. Corny Littmann, der aus seiner ganzen Historie vollkommen zu einem „non established“ Verein passte, der „Revolution und Tradition verbindet“ (wieder Zitat Peter Wenig), passt ein eher schweigsamer Sauerländer von der Person dazu weniger. Auch wenn sie „für einen Sauerländer sehr beredet ist“ (sinngemäß Wolf in Pommes-braun-weiß). Fakt ist natürlich, dass Schulte für die Medien immer der erste Ansprechpartner war und eigentlich jede Halbzeitshow bestritt.

Und sich zu jedem Thema äußerte er sich und das nun egal, ob er zuständig war oder nicht. Und damit wären wir auch schon bei einem anderen Thema.

Schulte und die Fans

Wenn man nach irgendeinem Trubel ein „das sind nicht unsere Fans“ Statement brauchte, dann musste man nämlich nur bei unserem Sportchef vorstellig werden. Hier galt häufig mal der berühmte Satz mit dem Schweigen und dem Philosophen.

Auch sonst munkelte die Gerüchteküche immer wieder, dass aktive Fanszene und Schulte nicht gerade Freunde seien. Immer wieder hörte man von Überlegungen und Äußerungen seinerseits, wie doof doch Südtribüne Stehplatz bzw. deren Besucher seien. Nun kann man so etwas nie ganz bestätigen, aber wenn man mal die öffentlichen Statements betrachtet und sich überlegt, was für Sachen plötzlich nicht mehr möglich waren, dann kann das sehr gut sein. Und seien wir ehrlich: Sich mit einer aktiven Fanszene anzulegen ist in keinem Verein sinnvoll. Man mag das alles böse finden und den Einfluss von aktiven Fanszenen auf Vereine auch mal kritisieren, darf aber nie vergessen, dass der Fußball in Form eines e.V. betrieben wird, eine Institution, die demokratisch von unten nach oben aufgebaut ist. In einer Partei käme ja auch kein Vorsitzender darauf sich ständig mit der plakatklebenden Basis anzulegen.

Off Topic: Wenn man die Verschuldungskonstruktionen von Vereinen wie Hoffenheim sieht, dann muss man auch nicht glauben, dass nun Investorenfußball viel besser, stabiler und toller ist. Man gucke sich auch mal die Verschuldungssituationen in Grossbritannien an. Rangers lässt grüßen.

Schulte und die Verträge

Immer wieder wird gesagt, dass Schulte zu häufig Schweigen mit Vertragsverhandlungen gleichsetzt und die Spieler nicht wissen, woran sie sind. Man kann das „mimimimi“ der Spieler sehr gut kritisieren, denn das sind eigentlich erwachsene Leute, aber jeder der in einem Beschäftigungsverhältnis steht, weiß, dass Unsicherheit lähmt und die Leistung reduziert. Warum sollte das bei Fußballprofis anders sein? Mal ganz davon ab, dass so eine Hinhaltetaktik natürlich immer dazu führen kann, dass auch ein eigentlich verlängerungswilliger Profi sagt: Dann halt nicht, dann geh ich eben doch zu einem anderen Verein.

Erneut kann man von außen diese Vorwürfe nicht zu 100 % bestätigen oder dementieren, aber was in den Fällen Eger, Rothenbach, Lechner und Morena passiert ist, nämlich dass man sich anscheinend zu fein war, eine klare Entscheidung RECHTZEITIG zu treffen und zu kommunizieren, spricht Bände und spricht auch nicht gerade für die bisher bestehende Führungsstruktur des FCs. Und um es deutlich zu sagen: Von dieser war bzw. ist Herr Schulte ein wichtiger Bestandteil. Nur allein mit dem Austausch von Personen ist es NIE ganz getan. Aber dazu gleich noch etwas.

Wenn das Vertragsdetail (automatische Verlängerung nur, wenn er 25 Spiele absolviert) bei Tschauner stimmt, muss man sich natürlich auch fragen, wie so etwas zustande kommt und warum man diese Klausel nicht schon vor langer Zeit angegangen ist. Während wir diesen Text bearbeiteten wurde klar, dass es stimmt, denn der Verein verkündete (zum Glück) die Verlängerung um ein Jahr. Klar, vor der Saison hat eine solche Klausel durchaus Sinn ergeben, aber eigentlich war doch nach 10 bis 12 Spielen klar, dass man mit Tschauner längerfristig zusammenarbeiten kann und will. Egal in welcher Liga. Und dann wäre eine Verlängerung bzw. Wegverhandlung deutlich besser gewesen als die Hoffnung darauf, dass er durch die Relegation wirklich noch 25 Spiele macht.

Was man dazu IMMER wissen muss, ist ein Umstand, auf den wir schon seit der JHV aufmerksam machen: Wir werden unseren Etat reduzieren müssen. Das heißt auch, dass wir Stammspieler, Leistungsträger (Hallo Momo ;-)) bzw. teure Spieler abgeben MÜSSEN. Nun sind wir als Verein in der glücklichen Situation, dass einer der teuersten Spieler Takyi war und sich diese Thema durch fehlende sportliche Leistung selbst erledigt hatte. Disclaimer: Das ist natürlich eine reine Behauptung, dass Takyi einer der teuersten Spieler ist/war.

Aber gerade in einer solchen Situation ist es wichtig die weichen Faktoren so gut wie möglich zu bedienen. Und dazu gehört eben auch eine frühzeitige, gute und offene Vertragsverhandlung mit den Spielern. Wenn man sich aufgrund von finanziellen Eigenschaften dann nicht einig wird, dann ist es so. Aber genau diese Weitsicht fehlt uns leider immer wieder.

Schulte und die Jugend

Es ist bemerkenswert, dass nun im Abendblatt erwähnt wird, dass Schulte für die Jugend zuständig sein soll und diese als nicht erfolgreich beurteilt wird. Auch erstaunt, dass Schulte meint, diese habe zu seinem Amtsantritt in Trümmern gelegen. Natürlich lag und liegt vieles in der Jugendarbeit schlichtweg deswegen im Argen, weil wir vor noch fünf Jahren ein Drittligst am Rande der Pleite waren. Diese Jahre aufzuholen und vergessen zu machen, wird uns noch lange beschäftigen.

Aus diesen angeblich chaotischen Zeiten haben es aber immerhin Spieler in die Bundesliga geschafft, wenn auch nicht bei uns (man darf nie vergessen, dass Spieler wie Torun und Choupo Moting immerhin aus unserer Jugendarbeit kommen). Seitdem ist aber auch Ende und viele Spieler (Kalla, Daube, Herber, Schenk seien als Beispiele genannt) verrecken kurz bevor sie irgendwie in den erweiterten Stamm vorstoßen, bzw. auf ihre Art Leistungsträger werden konnten. Man muss sich fragen, warum unser System dort erhebliche Probleme hat und warum das nicht klappt. Und natürlich muss man auch den Verantwortlichen hinterfragen, als Person.

Was uns nun wundert dabei ist, dass Personen wie Philipkowski oder Großkopf dann nie in die Kritik geraten sind. Erneut muss man sich auch die Systemfrage stellen: Wieviele Ebenen hat die Führung des FCs eigentlich, wenn Schulte für die Jugend zuständig ist, aber auch ein Mensch wie Philipkowski offiziell das Jugendzentrum leitet? Man bedenke: Das heißt zwischen dem Jugendspieler und dem Präsidenten befinden sich drei Ebenen (Trainer, Jugendzentrumsleiter, Sportchef). Sucht mal eine Firma in der es noch soviele Ebenen gibt.

Und hier müssen wir uns von der Person Schulte trennen und mal zu der allgemeinen Struktur unseres geliebten Vereines kommen.

Die Strukturfrage

In letzter Zeit wird viel in Richtung eines hauptamtlichen Vorstandes argumentiert und viele gute Gründe sprechen dafür. Wir sprechen hier immerhin über ein Gebilde, welches so um die 25 bis 30 Millionen Euro erwirtschaftet, ein Gebilde in dem gut 5.000 Menschen ihrem Sport nachgehen und der erheblichen Aufmerksamkeit einer weitverzweigten Presselandschaft zum Opfer fallen. Das ehrenamtlich führen zu wollen, ist aus unserer Sicht wohl nicht mehr zeitgemäß. Auch wenn es natürlich in einer schönen Tradition steht.

Nur was aus unserer Sicht auch klar sein muss: Man kann nun nicht einfach noch eine weitere hauptamtliche Ebene schaffen. Dann hat man administrativ zwei bis drei Führungsebenen und im sportlichen Bereich drei bis fünf Ebenen. Das ist definitiv zu viel. Man sollte umstrukturieren und umbauen. Wie genau? Das hängt aber auch von einer anderen Frage ab: Soll der gesamte Vorstand Vollzeit sein oder nur der Präsident?

Um das noch mal zu verdeutlichen: Man schaue sich die jetzige Situation an. Wenn man in dieser noch einen hauptamtlichen Präsidenten hat, dann würde der sowieso ständig zum sportlichen gefragt werden. Dann braucht man keinen Sportchef mehr.

Noch etwas spricht für ein hauptamtliches Präsidium ohne Geschäftsführer, die beginnen ein Eigenleben zu führen: Man hat eine direkte demokratische Kontrolle. Das wird der Presse nicht gefallen, wird auch mal zu „Chaos“ führen, gefällt aber natürlich dem „revolutionären“ Teil des oben genannten Paares. Und Tradition ist sowieso etwas so rückwärtsgewandtes, dass es lieber Merkmal des Lokalrivalen bleiben sollte.

Schulte und die Erfolgsbilanz

Als Argument für Schulte wird immer wieder die Erfolgsbilanz der Transfers genannt und man muss sagen, dass dies – anders als die Eigenentwicklung von Spielern – in den letzten Jahren definitiv eine Stärke von uns war. Ob und inwieweit das Schultes Verdienst war, kann man nur schwer beurteilen. Natürlich waren viele Entscheidungen vom jeweiligen Trainer geprägt (Paderborniertheit ist ein sehr schönes, wenn auch polemisches Stichwort), aber wir wissen ja nicht, wer hier wem irgendwelchen Blödsinn aus- oder eingeredet hat und wer dafür gesorgt hat, dass man die richtigen Spieler aus Paderborn holt.

Was folgendes aber auch wieder zeigt: Die Struktur mit einem Sportchef und einem Trainer birgt sehr viele Reibungs- und Problemfelder in sich. Ob und wie diese noch zeitgemäß ist, wäre mal ernsthaft zu überdenken. Man bedenke, dass man in Großbritannien z.B. diese Struktur gar nicht kennt. Lustiger Vergleich: In GB hat man ja auch schon mit einer Viererkette gespielt, als dies hier als „veraltet“ galt. Man gucke sich mal den Europapokal in den 80ern mit Originalkommentar an. Da wird sich häufig über das Fehlen des Liberos lustig gemacht.

Der Pressesprecher

Gerne wird ja in der Öffentlichkeit der Kopf von Christian B. gefordert. Dazu erstmal folgende Anmerkungen: Auch wir sind nicht immer sattelfest mit Namen (Bartels, nicht Barthels), aber wenn man beständig den Kopf von jemandem fordert, dann sollte man ihn schon richtig schreiben können. Der junge Mann heißt Bönig. Nur warum wird ständig der Kopf gefordert? Weil er alle Presseleute duzt? Das mag einem komisch vorkommen, aber wir sind weit rum gekommen und das scheint einfach im Fußballpressebusiness normal zu sein.

Weil man bei der Schulte Sache so lange braucht und dann etwas nichtssagendes schreibt? Mal ganz ehrlich: Was soll der Verein auch juristisch gesehen denn vermelden, wenn man noch am Auflösungsvertrag feilt und nicht alle Unterschriften hat? Da ist eisernes Schweigen die einzig richtige Reaktion. Und das ist natürlich immer doof für einen Pressesprecher, aber er ist eben doch nur der Messenger, der gekillt wird.

Und wenn es wirklich stimmt, dass Schulte einen namenhaften Hamburger Anwalt betraut hat, dann kann man wetten, dass jedes Komma zwischen den Parteien stundenlang diskutiert wurde. Und genau deswegen kommt auch so ein nichtssagendes Interview mit dem Präsidenten zustande.

Nichtsdestotrotz finden wir es natürlich auch nicht akzeptabel mit solchen leeren Aussagen abgespeist zu werden. Sollten doch gerade in einem Verein die Mitglieder genau erfahren, was und vorallem warum zu welcher Zeit entschieden wird. Wenn man wirklich von einem basisdemokratisch aufgebauten Verein ausgeht, dann muss hier auch eine gewisse Transparenz herrschen und dann sollten Mitglieder soweit es das Persönlichkeitsrecht zulässt auch über die Entscheidungsgründe informiert werden.

Die Dauerkarten

Fangen wir doch positiv an. Es ist sehr schön zu lesen, dass man in die Preispolitik endlich mal Transparenz und Nachvollziehbarkeit bringen will. Es ergibt Sinn Vergleichsgruppen zu bilden und auch zu kommunizieren, wie diese entstehen. Soweit sind wir komplett positiv überrascht.

Es ist auch positiv, dass es 1.500 neue Dauerkarten geben soll. Das schafft wieder ein bisschen Spielraum und ist ja auch durch Nachfrage gedeckt.

Negativ ist es, das als Argument verwandt wird die Dauerkartenpreise anzuheben. Das hier zwischen Einzelkarten und Dauerkarten eine nicht mehr tragbare Spanne besteht, dass will niemand bezweifeln. Nur warum muss man diese Spanne immer unter Anhebung des billigeren Preises schließen? Und warum überhaupt jedes Jahr eine Anhebung, die über der allgemeinen Inflationsrate steht?

Natürlich stehen wir noch in der Mitte der Preislage, aber muss man die Preise immer ganz ausreizen? Insbesondere wenn man bedenkt, dass Kartenpreise nun wirklich nicht dieRefinanzierungsmittel für Etats sind.

Genauer zur Preispolitik der Übersteiger.

Richtig negativ hervozuheben sind jedoch zwei Punkte. 1. Man hat immer noch keine Transparenz. Wieviele Dauerkarten gibt es eigentlich? Und auf welche Tribünenabschnitte verteilen die sich? 2. Warum gibt es keinen Wartelistenmechanismus um die Zahl der Dauerkarten konstant zu halten, wenn mal eine nicht verlängert wird?

Gelinde gesagt eine Frechheit sind die folgenden Sachen: 1. Wie kann man für die Nichtleistung „Übertragung der Dauerkarte“ 25 Euro verlangen? Das ist schlichtweg Abzocke und durch nichts zu rechtfertigen. 5 Euro Aufwandsgebühr wären sofort okay gewesen, aber 25 Euro sind durch nichts zu rechtfertigen und einfach Geldschneiderei und der Versuch Leute aus der Dauerkarte zu drängen. Die schleichende Umwandlung von Dauerkarten in Einzelkarten sollte und muss dringend beendet werden.

2. Die Informationspolitik. Wenn ich neue Dauerkarten anbiete, wenn ich tausche und wenn ich das Problem Süd-Steh habe, dann MUSS ich alle Themen zur gleichen Zeit kommunzieren. Das ganze in Häppchen zu kommunzieren ist einfach nervig, unübersichtlich, doof und provoziert doch enorme Nachfragen. Und wenn ich aus Baugründen etwas nicht abschließend entscheiden kann, dann muss ich genau das kommunzieren und gerne auch mal die halbgaren Überlegungen in die Öffentlichkeit tragen. Niemand ist böse, wenn man schreibt „Vorbehaltlich des rechtzeitigen Bauendes planen wir folgendes…“

Die Politik, die ist immer schuld!

Nun hatten wir in letzter Zeit zwei Landtagswahlen und es ist erschreckend, wie wenig Menschen sich noch an Wahlen beteiligen. Insbesondere auch deswegen, weil die Partei der Piraten auch aus dem Klientel der Nichtwähler Stimmen bekommt und damit Personen zur Wahl bringt. Noch erstaunlicher ist, dass in der gesamten Berichterstattung und in der gesamten Kommentierung dieses Phänomen, wenn überhaupt, nur am Rande wahrgenommen wird.

Dabei ist genau das eines der größten Probleme unserer Zeit. Wenn weite Teile der Bevölkerung an einer Demokratie nicht mehr teilnehmen, dann hat diese Staatsform sehr schnell sehr große Probleme. Natürlich – und das darf man nie vergessen – ist das notwendige Engagement in einer demokratischen Gesellschaft nicht zwingend an die Teilnahme an einer Wahl gekoppelt.

Guckt man sich jedoch an, wer wie wo wählt, dann ist es schon traurig, dass gerade die Menschen in Gegenden, die man vereinfacht mit „sozial schwach“ bezeichnen kann nicht mehr wählen. Was nebenbei auch dazu führt, dass sich Politiker immer weniger um diese Gegenden kümmern. Würdet ihr als Politiker auch nicht. Was aber dazu führt, dass sie die Spirale immer weiter dreht.

Auf unserer Twittertimeline fingen sich zwei Leute an zu streiten, woran es denn läge und ob nun die Politiker schuld hätten oder diejenigen, die sich zurück lehnen und eben nur „denen da oben“ alle Schuld zuschieben. Und so fetzte man sich und wir lehnten uns zurück und sagten: Lustigerweise habt ihr irgendwie beide Recht.

Natürlich aber muss sich die Kaste der Politiker in ihrer Konturlosigkeit, in ihrer Beeinflusstheit durch Lobbygruppen, die alles, aber nicht breite Bevölkerungsgruppen vertreten, erstmal an die eigene Nase fassen.

Trotzdem ist es immer wieder traurig, dass anscheinend alternative Politikentwürfe nicht gegen den – nebenbei zu erwartenden Widerstand – durchgesetzt werden bzw. auf den Markt der Möglichkeiten geworfen werden. Von einer „Arbeiterbewegung“ oder ähnlichem sind wir weit entfernt. Ein Engagement in eigener Sache statt einem „ergibt doch eh alles keinen Sinn“ wäre doch der erste Schritt in die richtige Richtung. Alleine deswegen muss man doch Ultra und die Einbindung von Jugendlichen in Fußballvereine eigentlich jeden Moment abfeiern und nicht als böse und gewalttätig verdammen, um mal den großen Bogen zu spannen.

Also Leute: Engagiert euch und überlasst das Engagement nicht den konservativen, bürgerlichen, werterhaltenden Kreisen. In „unserem“ Viertel gibt es zum Glück immer wieder sehr gute Ansätze dazu. In anderen Stadtteilen mit ähnlichen Problemen vermissen wir so etwas noch. Also auf geht es.

Mai 102012
 

Lieber Leser,

 

letztens verloren wir uns hier in einer Medienkritik. U.a. kritisierten wir dort den Sportchef (kurzer Nachtrag: Ressortleiter heißen die beim Abendblatt) des Hamburger Abendblattes und luden ihn zu einem Besuch bei unserem Fußball ein.

 

Und siehe da, da meldet sich plötzlich ein Kommentator, gibt sich als Peter Wenig aus und schlägt auf die Einladung ein. Wir als gute Journalisten Blogger checkten natürlich erstmal mit zwei Quellen, ob das wirklich Peter Wenig sein kann, aber siehe da, er ist es wirklich gewesen.

 

Das nötigt erstmal absoluten Respekt ab. Finden wir eine coole Reaktion, gerade weil wir ja immer wieder betonen, dass die Hamburger Presse sich mit Blogs, Twitter und so endlich mal beschäftigen soll. So werden wir gleich mal eine Email an Peter schreiben und ihn zum ersten Samstag Heimspiel in der neuen Saison einladen. Und dann werden wir mit ihm reden und vielleicht lernen ja beide Seiten von einander etwas. Daher belassen wir es jetzt auch mal bei dieser formal freudigen Reaktion, verzichten auf eine inhaltliche Auseinandersetzung und werden nach dem Treffen berichten, was wir gelernt haben und was (hoffentlich) Peter gelernt hat. Wir denken, dass das sehr spannend werden kann.

 

Mai 102012
 

Mit Trauer mussten wir am Dienstag zur Kenntnis nehmen, dass unser Alterspräsident und Ehrenmitglied Dr. Otto Paulick im Alter von 73 Jahren verstorben ist.
Dr. Otto Paulick war Rechtsanwalt, in den feineren Stadtteilen Hamburgs verwurzelt und doch ein St. Paulianer durch und durch. Als die aktive Fanszene begann den Verein zu wandeln, war er Präsident, hat den Verein in die 2., dann in die 1. Liga und durch diese stürmische Zeiten geführt. Berührungsängste zu dem neuen Klientel schienen im Fremd zu sein und so wurde er auch vom damaligen Fanzine Millerntor Roar immer grundsätzlich positiv gesehen.

Er war – wie kein Präsident der neueren Zeit – nie ganz unumstritten. Der „Sportdome“ war eine Idee, die damals nicht tragfähig war und für Diskussionen sorgte, die heute aber in einer etwas anderen Form ohne großes Murren umgesetzt wird.

Seine riesigen Verdienste um den Verein sind trotzdem absolut unumstritten und reichen vom Kuchenverkauf zur Rettung des Vereines bist zur persönlichen Pflege einer heutigen Torhüterlegende unseres Vereines.

Es berührte, als letztes Jahr ein gebrechlicher, aber stolzer alter Mann seine Ehrenmitgliedschaft erhielt. Leider war es ihm nicht vergönnt diese Ehre noch weiter zu genießen.

Otto, mach es gut im braun-weißen Himmel.

 

Mai 082012
 

Liebe Leser,

 

zwei Dinge haben wir gestern vergessen, wollen sie aber doch noch kurz anreissen (auch wenn wir sie jetzt nicht bis zuletzt behandeln wollen):

1. Wenn man einen Preis von 19,10 macht, dann sollte man Wechselgeld haben. Einfach davon auszugehen, dass jeder 90 Cent spendet, rundet die Frechheit nur noch ab.

2. Wenn ein kleines Kind über den Zaun steigt um sich die Trikots zu stibizen, dann ist das nicht gesetzestreu, auch nicht perfekt in der Erziehung, aber dann hält man das Kind auch nicht fest, liebe Ordner. Und wenn man es schon festhält, ihm die Beute abnimmt und es dann stiften geht, dann trägt man die Beute hinterher.
Das dies die Gegengerade beinah geschlossen ähnlich sieht, sah man an den sehr wütenden Reaktionen in Richtung Ordner.

 

Wollten wir noch kurz gesagt haben, ist gestern im Chaos untergegangen.