Apr 302012
 

oder

Vorspiel, Höhepunkt und Nachspiel

Vorwort

Liebe Leser, viele Touren haben ein langes und fröhliches Vorspiel, eine Tour und viele Folgen. Folgen, die zu einem Umdenken führen sollten und müssen. Und ein Umdenken, lieber Stefan Orth, ist nie einseitig. So sehr wir die Prozessmüdigkeit des Vereines verstehen, so sehr hassen wir es, wenn man genau dann seine Eier verliert, wenn es hart wird und nicht nur Sonntagsreden gefordert sind. Es ist schon traurig, dass dann Umdenken gefordert wird für Sachen, die man vor kurzem noch abgefeiert hat (Choreo) und Dinge, für die man große Sonntagsreden gehalten hat. Wir verkneifen uns jetzt mal ausführliche Ausführungen und verweisen auf die Kollegen, die letzte Woche Bock hatten.

Nun, jetzt, hat der Verein doch gleich wieder die Möglichkeit umzudenken, denn im Nachspiel des Schweinskecups hat es doch – sagen wir mal – etwas bedenkliche Stadionverbote gegeben. Auf Details wollen wir, auch aufgrund von Persönlichkeitschutz der Betroffenen, nicht eingehen. Fakt ist aber: Die Stadionverbote kommen vom DFB, der dann natürlich nur „lange“ und „ohne viel Vorrede“ kennt. Sven hat das im Forum ganz gut erläutert. Wir würden dem Verein ja einfach mal zu einer radikalen Lösung raten. Schreibt an den DFB (und cc zwei andere Adressaten) doch einfach folgende Sätze: „Lieber DFB, liebe Polizei Hamburg, lieber Ziegenbart: Wir werden diese Stadionverbote bei uns geflissentlich ignorieren. Und Anzeigen wegen Hausfriedensbruch werden wir nicht stellen. Und ihr, liebe Polizei, werdet einen Teufel tun und unsere Gäste auch nur irgendwie belästigen. Kuss euer FC“. Das wäre Umdenken an der richtigen Stelle.

Und das nächste Mal Herr Orth, folgende Stellungnahme: Wir hatten kein Bock mehr zu prozessieren, müssen uns auch mal auf den Aufstiegskampf konzentrieren, alles weitere intern. Ach ja, die 15.000€ haben wir beim DFB abgeliefert. In 1 Euro Münzen ungerollt. Zählen sollen die selber.

So nun aber zu Dresden

DYNAMO, IHR FUCKER

Bereits Monate vor dem eigentlichen Termin begann die Orga und die Absprachen für diesen Zug. Unser erstes Problem war, dass wir so grob fünf bis sechs Leute im Kernteam der Organisation sind. Wenn man dann zwei Züge bestücken soll, dann wird es schnell knapp. Insbesondere wenn dann noch ein Mitglied arbeitstechnisch ausfällt und anders reisen muss. Und dann auch noch der einzige Mensch bei uns, der nicht im real life Schreibtischtäter ist, sondern mit so etwas wie einer Hebebühne und einer E-Ameise was anfangen kann.

Der Fanladen sagte, dass er grob an der Linie Skinheads / USP trennen wolle und so trennte sich die Orgacrew auch an dieser Linie. Problem dabei: Unsere geübten Tresenkräfte sind alle eher Skinhead nah. Kein Vorwurf gegen die Ultras, die bei jeder dreckigen Schlepparbeit immer dabei sind, das ist eher „historisch“ gewachsen. Man könnte auch sagen: Nur alte Säcke hinterm Tresen.

DJs braucht man auch und das sind ja sensible Personen, die mögen das nicht, wenn da irgendwer besoffen kommt und „Spiel doch mal Punkrock, du bist mit deinem Elektrokram nicht St. Pauli“ (so ähnlich wirklich mal gefallen) ihnen an den Kopf wirft.

So begannen die Vorgespräche schon, als das Raval noch existierte. Dunkle, kalte Nacht, es kommt D. um die Ecke und es entwickelt sich folgender Dialog: „Hey, ich fange schon mal an die Djs für die Dresden Fahrt zu planen, hast du Bock?“ „Ja, hmm, ja gib mir mal den USP-Zug, da kann ich wenigstens HipHop spielen.“ „Okay, aber schreibst du mir noch mal eine Mail, sonst vergesse ich das?“ „Klar“. Und dieses – unzensierte und nur leicht gekürzte – Kleinod wollen wir euch nicht vorenthalten: (Betreff war die oben verwendete Überschrift)

„N., folgendes geht….die [Gruppenname] möchte zu der musikalischen Erbauung hoffentlich vieler zum Tanze im Partywagen des Sonderzuges nach Dresden aufspielen….ich wollte dich erinnern….ahnste ne? Unsere Tanzkapelle besteht aus 5 Menschen, damit du wegen des Caterings bescheid weisst, ne! Ausserdem wäre es spitze, wenn du für unseren Posaunen – Mann ein Podest organisieren könntest. Der Mann ist sehr klein und kann doch sonst nichts sehen. Danke dafür schon mal im voraus. Wir werden 80er, 90er und heutigen Hardcore covern, also ich zumindest, in unserem Kollektiv macht jeder das, was er machen möchte, von daher weiss ich nicht was da auf uns alle zukommt. Desweiteren wäre es echt dufte, wenn der Sonderzug in der Wartburgstadt Eisenach kurz halten könnte, wir haben da n Match mit den Piccos aus Zwickau klarmacht…..first commandment – no weapons und wenn du magst: Join the show. Das war es dann aber auch erstmal, hoffe es geht alles klar“

Ging natürlich so klar, nur im Zug wurde dann elegant über das Podest gemeckert. 😉 Immerhin haben sie wirklich Hardcore gespielt. Die vier lustigen fünf.

278 Kisten Getränke wurden bestellt, davon 200 Kisten Bier. Falls jemand fragt: Mehr geht schlichtweg nicht mehr. Wir arbeiten bei 140 Kisten pro Sonderzug an den Kapazitätsgrenzen. Und man darf auch folgendes nicht vergessen: Wir kommen in „normalen“ Sonderzügen mit gut 100 Getränkekisten locker aus. Nur wenn natürlich eine Tour da ist, wo es heiß ist und man sich in Dresden letzten Endes nicht verpflegen kann, dann wird es auch für uns grenzwertig. Zum Glück waren bis zum Ende in beiden Zügen noch Softgetränke vorhanden. Denn anders als Bier, was ein Spaßding ist, können Softgetränke lebenswichtig sein und sind daher viel wichtiger als Bier. Wir kommen gleich auf das Thema zurück.

Puh, beim Einladen ging dann ungefähr alles schief, was schief gehen kann. Wir waren mit dem Laster überfordert, mit den E-Ameisen, wir hatten keinen Plan und wir trödelten ein bisschen, weil einfach viel zu früh. Und plötzlich hatten wir richtig Zeitprobleme. Es brannte an jeder Stelle. Das Ende vom Lied: Einer aus unserer Crew hat sein Abteil nicht gesehen, weil er im falschen Zug landete und im Laster blieb das Licht brennen. Eine Sache, die wir nachts noch bedauern würden.

Wir (im Sinne der Partywagenorganisation) machen ja nie viel aufheben, aber nur damit das mal Leute wissen: Wir alle zahlen den vollen Fahrpreis, bekommen für das ganze gar nix und zahlen selbst unsere Getränke noch zum größten Teil selbst. Ja, so ein, zwei Freigetränke gönnen wir uns doch schon, man prangere das an.

So Plätze auf den Kisten in Partywagen braun und weiß eingenommen und den Wagen auch noch ordentlich dekoriert. Hatte doch unsere Dekoqueen für Luftballons und andere Dinge gesorgt. Nur die pinken Ponys hatte sie nicht bestellt, Dialog dazu ging ungefähr so „Habe mich zurück gehalten, ich habe keine pinken Ponys bestellt.“ „Dafür wäre immer Geld da gewesen.“ „Zu spät, habe nun bestellt.“ Okay, irgendwann einen Witz draus gemacht und das ganze öffentlich bei Facebook gepostet. Verwirrung allerorts und unsere Novizin sorgte dann doch für pinke Ponys.

Lustig dabei war, dass sich sowohl in deutscher Bloggosphäre (verlinkter Blog ist nun nicht bekannt und geprüft; nebenbei: wer liest nebenbei diesen bekloppten Fefe-Blog?), als auch in der Politik plötzlich Ponys tummelten. Die haben alle bei uns abgeguckt. Aber schon sehr lustig, wenn letztendlich irgendwie am Morgen des Sonderzuges zehn Leute zu einem kommen und fragen, was das eigentlich mit den pinken Ponys auf sich hat.

Pinke Ponys also eingeladen, in Zug weiß selbt eine Ponyhochzeit und Ponyaufkleber. Das beste dabei: Einige Ordnerinnen verlangten später wirklich, dass die Ponyaufkleber von der Kleidung entfernt werden!!

Die Hinfahrt ansonsten ganz ruhig, entspannt mit sehr gutem Umsatz. Bei zwei Zügen ist das natürlich auch immer so ein bisschen ein Umsatzwettrennen, aber am Ende muss man wohl ein umkämpftes Unentschieden verbuchen.

Umsatzzahlen sind natürlich geheim, aber geht mal davon aus, dass wir in diesen Sonderzügen einen hohen vierstelligen Betrag für Fanräume ersoffen äh gewonnen haben. Beim nächsten Sonderzug ist aus gegebenen Anlass dann das Repressionskonto dran.

Btw: Doofer Gedanke: Hat ein Mob Interesse an einem Sonderzug nach Winterthur? 700 Bekloppte gesucht!

In Dresden war dann mal wieder Bürgerkriegszone angesagt. Räumpanzer, drei Wasserwerfer (wow, auch MeckPomm hat einen WaWe 10.000, die Bundespolizei dafür irgendwelche uralten Teile) und unzählige Polizisten, die bei 30 Grad garantiert nur wegen der Hitze die Sturmhauben gleich aufbehielten. Dabei aber lustig: Das Gleis war nicht extra abgesperrt worden, nebenan stand ein abfahrbereiter Regionalexpress und auch andere Reisende standen auf dem Gleis.

Nun galt es sich zu trennen. Unsere Knipse diffundierte durch die Polizeikette und suchte seine Akkreditierung, der Rest von uns machte sich auf in die Busse.

Mit etwas längerer Wartezeit am Bahnhof, in stickigen Bussen wurde dann Trupp für Trupp zum Stadion kutschiert. Immer in freundlicher Begleitung der lieben Polizisten, die sogar im heißen Bus ihre Sturmhauben nicht absetzen mochten. Am Stadion angekommen sah es nicht anders aus als am Bahnhof, Polizisten in Massen, die nicht mehr nachvollziehbar sind. Der Eingang war zunächst noch verschlossen und so warteten wir in der brütenden Hitze, während immer mehr Busse die Zuschauer ablieferten. Und wären wir nicht gestorben, würden wir noch heute warten…

Ach nee irgendwann öffneten sie ja die Tore und wir hofften nun endlich rein zu kommen um unseren Durst zu stillen und der wirklich brütenden Sonne aus dem Weg zu gehen, aber nein, es wurden ja immer nur zehn Personen auf einmal durch sämtliche Schranken gelassen, sodass wir überraschenderweise immernoch warteten. Die Stimmung wurde immer gereizter, sodass sich der eine oder andere Fan deutlich äußerte, aber die Ordner waren die Ruhe in Person und ließen sich nicht davon abbringen das Schneckentempo beizubehalten. Nach Schranke 1, wurden immer fünf Fans auf die Bank bestellt und gründlichst vom Sprengstoffspürhund abgeschnüffelt. Nach dem Spiel im Bus saß dann auch ein junger Mann, bei dem die Hunde angeschlagen hatten („Der hat nicht mal gebellt“). Ausziehen musste er sich nach eigenem bekunden nicht, er wurde gründlich abgetastet, seine Personalien aufgenommen (unklar ob von Polizei oder von Ordnern) und nachdem bei ihm nichts gefunden wurde, wurde er mit dem Satz „Oh, dann hat der Hund wohl auf das Handy reagiert“ entlassen und durfte ins Stadion. Was aber mit den Daten eines offensichtlich Unschuldigen passiert, das möchten wir gar nicht wissen. Und wie wir uns hier gerade besprechen: Das ganze scheint kein Einzelfall zu sein, denn solche Geschichten erzählten mehrere Betroffene. Und nochmal: Pyro ist garantiert nicht 100 % unterstützenswert, aber man kann es irgendwann auch übertreiben. Oder wie es so schön später im Sonderzug hieß: Achtung, St. Pauli hat die Bombe.

Dann hieß es vor der nächsten Schranke warten(!) ehe man dann nach Schranke 2 einem Ordner zugeteilt wurde, der einen abtastete. Dies geschah aber, nunja, sehr willkürlich. Eine von uns hatte Stiefel an, eine Tasche bei sich und nichts davon wurde überhaupt kontrolliert. Eine andere von uns wurde erst ziemlich unverschämt abgetastet und bis ins allerletzte Detail kontrolliert. Sogar die Schuheinlagen durften rausgefriemelt und wieder reingestopft werden, nachdem die Ordnerinnen (es hieß natürlich wieder warten!!) sich nun wirklich doppeltdreifach abgesichert hatten, dass sie nun ganz wirklich Berge von Pyros und natürlich die Bombe bei sich trug.

Für die Knipse ging es während dessen erstmal zum Stadtrundgang. Vorbei an jeder Menge „komischer Kleingruppen“ (Originalzitat und einfach richtig) rein in die Altstadt und dann nach dem Prinzip Semperoper? Check! Komische Wand mit Adelsgemälde drauf? Check! Frauenkirche? Check. Hotel? Check! Akkreditierung? Check!

Schönen Gruß noch an die Münchener, die auch vollkommen neutral ihren Weg sich bahnten. Wie weit jedoch die drei Typen mit Ultraschal und Südkurvenshirt gekommen sind, möchten wir uns gar nicht erst ausmalen. Angesichts der Tatsache, dass im Stadionumfeld ungefähr jede vierte Gruppe sportlich aussah, wahrscheinlich nicht weit.

Ach Dynamo Dresden. Man könnte jetzt ja viel über deine Fans schreiben und wir tun es auch. Könnte schreiben, dass in Sachen Lautstärke, eigener Melodien und auch in Sachen Choreos über Jahre Maßstäbe gesetzt wurden. Aber was bringt das, wenn du ein erhebliches Naziproblem hast, der Hitlergruß eine häufig genutzte Begrüßung ist und sich ganz viele Leute mit Thor Steinar und ähnlichem im Stadion tummeln. Und auch deine Ordner diese Jungs echt nett finden.

Ist ja schön, dass du offiziell Thor Steinar verboten hast und dann auch noch UNS darauf hinweist, dass es verboten ist. Nur, wenn du das nicht durchsetzt, sondern auch offensichtliche Aufschriften auf Gürteln kein Problem sind, dann fragt man sich doch, was das soll. Und wenn man (nebenbei irgendwie verharmlosend und im Sinne von „ja aber bitte hier nicht“) „Rassismus ist kein Fangesang“ auf der Anzeigentafel stehen hat, dann wirkt das alles eher nach gut gemeint, aber nicht weh tuend, als nach gut.

Exkurs

Absurd nebenbei, dass man für „Bullenschweine“ in einer grafischen Choreo (Kunst?), die Comiczüge trägt (Satire?) eine Strafe vom DFB bekommt, aber für Hitlergrüsse, Sexismus etc. pp nicht. Und dies obwohl ein Hitlergruss definitiv strafbar im Sinne des Strafgesetzbuches ist, eine künstlerischer, satirischer Protest eher nicht. Obwohl genau dies in § 9 und § 9a doch als strafwürdig aufgenommen ist. Das der DFB nun nebenbei jegliche Beleidigungen (Tatbestand mal unterstellt) bestrafen will, selbst wenn sie gegen jemanden geht, der gar nicht am „Spiel“ (und nur dies verwaltet der DFB und nur aus dieser Verwaltung bekommt er wenn überhaupt eine Strafbefugnis) beteiligt ist, ist juristisch sehr bemerkenswert. Und stärkt nur unsere These, dass hier ein Ersatzstrafrecht geschaffen werden soll, weil man die „weltlichen“ Gerichte für zu weich hält. Man muss wohl nicht deutlich machen, wie gesellschaftpolitisch gefährlich dies ist. Man stelle sich mal vor, dies mache über den Fußball hinweg Schule.

Bemerkenswert auch, dass ähnliches bei Stadionverboten praktiziert wird. Die Exekutive nutzt nicht etwa die Judikative um Strafen auszusprechen, wo so etwas wie Unschuldsvermutung, Verteidigungsrechte etc. pp gelten, nein unter dem Deckmantel der Prävention wird durch eine private Organisation (DFB und Vereine) gestraft und Beschuldigtenrechte bleiben auf der Strecke. Und das obwohl eine Adresse von der Hamburger Polizei erstmal in Richtung private Organisation wandert und jeder Datenschützer eigentlich im Kreis rotieren müsste. Und weil es ja alles nur Prävention ist, machen die Gerichte das auch noch mit. Wo die Prävention ist, wenn jemand VOR dem Stadion steht und nicht IM Hochsicherheitstrakt Stadion, das muss erstmal jemand uns erklären. Passt aber perfekt in den Zeitgeist, wo von Luxusknast und „Wer kümmert sich eigentlich um die Opfer?“ populistische Forderungen sind. Passend dazu stand dann auch ein Vertreter des Weißen Ringes (nix pauschal gegen diese Organisation und bitte nicht zwingend eine Kritik an der Idee und der Arbeit) auf dem Rasen in Dresden und konnte genau diese Platitüden dreschen.

Und ja, hier muss man auch mal das Scheitern eines Instrumentes eingestehen. Denn Stadionverbote als Instrument sind mehr oder minder gescheitert. Die – heimlich dahinter – stehende Idee, dass an jemanden für 5 Jahre (bzw. 3 Jahre) aus dem Verkehr nimmt und er sich dann sowieso nicht mehr für Fußball interessiert, die ist schlichtweg geplatzt. Oh ja, natürlich kann man dieses Instrument nicht zurück nehmen, stellt euch mal den von den Sicherheitsfanatikern der Polizeigewerkschaft angeführten shitstorm vor. Die finden das natürlich auch geil, dass sie endlich mal Gott spielen können. Ja, liebe Leser, hier kapituliert nicht der Staat gegenüber der Gewalt, sondern der Rechtsstaat gegenüber den Sicherheitsfanatikern. Und er versagt komplett bei der Kontrolle seiner eigenen Instrumente. Keine schöne Vorstellung.

Aber wir schweifen ab.

Exkurs Ende

Ach Dresden. Kommen wir zurück zu deinen Fans. Da wird vor dem Spiel bei der Spende an das Fanprojekt geklatscht (und das auch im Stehplatzbereich) und kurze Zeit später werden erhängte Puppen (sollte das eigentlich einen Geschlechtsakt darstellen?) mit geraubten Kleidungsstücken präsentiert. Später dann auch die übliche Sammlung von „unvorsichtiger Familienvater hatte Schal um“ Raubstücken. Irgendein Banner wurde auch noch präsentiert. Aber seien wir ehrlich: Irgend so ein Randlappen zu präsentieren und ein paar Familienväter zu berauben macht eine Szene nun wirklich nicht zu einer, die nach eigenem Bekunden alle knechten will. Ja und wenn man dann noch Sexismus vorführt und Anti-Antifa-Plakate hochhält, dann muss man sich nicht wundern, wenn man sich als emanzipierter Fußballfan am Kopf kratzt. Und der Vorwurf des „sich nicht für Fußball interessieren“ kommt irgendwie dann immer etwas komisch, wenn man sich für drei, vier Minuten während des Spieles eine Blockfahne über den Kopf stülpt. Noch etwas ist dabei so ein bisschen komisch, denn nach dieser Logik interessiert sich ja nur derjenige für Fußball, der sein Gehirn und sein politisches Gewissen zu Hause lässt. Interessiert sich dieser aber nicht eigentlich viel mehr für Fußball und seine gesellschaftlichen Hintergründe?

Aber vielleicht grübeln wir auch einfach viel zu doll über ein Plakat nach, was schlichtweg wieder dieses unpolitisch in seiner „wir dulden halt auch Nazis“ Form war. Nun ja, verlassen wir dieses Thema und widmen uns unserem eigenen Block. Viele Banner aus bekannten Gründen umgedreht, ein Plakat für einen Verstorbenen (mag er in Frieden ruhen und die vielen viel zu früh Verstorbenen in der Fußballfanhimmelkneipe am Tresen treffen) und ein Dankesplakat für einen Kollegen. Irgendwann verdonnern wir unsere Knipse noch mal dazu, sich mit Bildbearbeitung zu beschäftigen.

Terana wurde auch noch zum Aufstieg gratuliert, diesen Glückwünschen schließen wir uns natürlich an und für die eher visuellen unter euch, verweisen wir auf die Fotos, die irgendwann auch kommen.

Wenn wir schon bei unserem Block sind: Da geht man in der Halbzeit durstig an den Getränkestand, reiht sich in die Schlange und darf folgende Szene beobachten. Kommen zwei Fans von der Seite an den Tresen und bitten um ein paar Plastikbecher, da es Menschen gebe, die gerade umkippen und man möchte ihnen ja Wasser bringen. Treffen die verschiedenen Tresenkräfte wirklich reizende Aussagen. Hier ein Auszug:

„Nee, dann kauft ihr hier ja nichts mehr.“

„Kauft doch hier was und trinkt das aus, dann habt ihr einen Becher.“

„Geht doch zur Feuerwehr.“

Doch auch nach mehrfachen Aufforderungen und ziemlich deutlichen Worten gab es keine Becher.

Sollen wir zum Spiel noch was sagen? Irgendwie nicht, oder? Unsere Mannschaft könnte vielleicht, sie will aber einfach nicht. Es fehlt einfach der Spieler, der es erzwingen will. Bartels z.B. das sieht alles klasse aus, aber es ist nie dieser „Scheiße, ich picke ihn jetzt einfach rein“ Moment bei ihm zu erkennen, es ist immer so hübsch und technisch gut, aber ohne Gewalt, ohne Mumm, ohne den letzten Biss. Und nein, das ist keine Kritik an einem einzelnen Spieler, er steht exemplarisch für beinah alle Spieler.

So und damit sind wir dann noch noch rechnerisch in der Verlosung um Platz drei. Denn seien wir ehrlich: Das nun Duisburg gerade in Düsseldorf gewinnt, ist angesichts der eher bescheidenen Auswärtsbilanz des MSV und der doch sehr guten Heimbilanz der Fortuna eher unwahrscheinlich. Gehen wir mal davon aus, dass die Fortuna zumindest einen Punkt holt. Und dass wir nun 9-0 gegen Paderborn gewinnen ist eher etwas an das der Kollege Frodo im Notfall glaubt. Wobei „wir schießen Paderborn ab, holen den dritten Platz, Relegation, wir schaffen’s schon“ geht nach acht bis neun Astra gut über die Lippen.

Nun ja, Rückfahrt war angesagt und Geduld ist eine Tugend. Die Polizei wollte uns erst in der Unterführung kesseln, das hat sie dann aufgegeben, danach durften wir auf dem Bahnsteig rumhängen bis unser Zug kam und am Tresen hatten die Leute keine Geduld. In Zug weiß hatte der Capo beschlossen erst zu tauschen, dann zu verkaufen, was einige Leute auch nach mehrfacher Aufforderung nicht zur Mithilfe brachte, in Zug braun herrschte sowieso etwas Chaos, aber durch gar nicht Schicht habende Mithilfe wurde auch dies irgendwie überwunden.

Kennt ihr das Kir? Also das alte Kir? In der Max-Brauer Allee? Da gab es damals, als wir noch jung waren eine Party, die hieß „Stop making sense“ (und die gibt es heute nebenbei im Neuen Kir auch noch) und dieser Satz umschrieb das, was dann im Zug braun im Partywagen passierte. Die Musik war an den Elektromob verkauft worden und dann spielen die DJs Schlager und Bruce Springsteen und später dann Elektro und die Leute ticken schlichtweg komplett aus. Inklusive Anwendung von Bierflaschen als Champagnerduschflaschen und ähnlichem. Und niemand störte sich daran. Die Tresencrew war irgendwann so zum 10. Mal komplett durchgeschwitzt und so kleine Kistennickerchen mussten auch mal sein, waren aber auch verdient, denn hier wurde gerudert, nicht geschludert. (Das fehlte in der Liedauswahl beinah noch).

Der Mob am toben und irgendwann passierte das Schlimmste. Das Bier war alle. Zwar wurden noch einige einzelne Flaschen gefunden und in Zug weiß sollen auch noch Alkoholika unter dem Tresen zu Mondpreisen gedealt worden sein, aber in Zug braun ging irgendwann nicht einmal mehr Alsterwasser.

An dieser Stelle muss nebenbei ein Dank an die Tresencrews folgen, an die ganzen unsung Heros, die so eine Fahrt ermöglichen. Und insbesondere an USP und die Skins, die sich für keine Schlepparbeit zu schade sind.

Das erleichterte in Hamburg dann auch das Ausladen, aber eine kleine Last hatte uns das Leben noch in den Weg gestellt, denn die Batterie des Lasters war leer. Okay, zum Glück gab es eine Möglichkeit einen Startapparat zu besorgen und es fand sich auch jemand, der kein reiner Schreibtischtäter ist und weiß, wie man so etwas anbaut. Und so ratterte der Diesel und alles konnte auf den Laster geladen werden.

Um 2 Uhr war man dann zu Hause und wir sprechen heute wahrscheinlich für Einige, wenn wir sagen: Hätten wir doch einen Brückentag gemacht. Aber seien wir ehrlich: Die Füße und die Hände tuen zu doll weh um heute den ganzen Tag die Hüfte hochzustemmen.

Bei vielen wird heute die Luft raus sein, aber es hat sich gelohnt! (Facebook Link)

In diesem Sinne: Ihr seid bekloppt. Und das mögen wir. Wie schrieb so schön jemand im Forum: St. Pauli make the people come together.