Apr 152012
 

oder

Es geht hier um Aufstieg, du Klassenerhalter

Ich schaue gerne viel,
ich schaue gerne lang,
kennen Sie Barbara Salesch?
leider geil.
Ich kann es mir nicht leisten,
alles auf Raten,
die Karte glüht
leider geil.
Deichkind – Leider geil

Vorwort

Liebe Leser, dieser Bericht ist eine Premiere, er entsteht nämlich in einem Pad. Wenn man so will magischerfc.de goes 2012. Mal sehen, entweder wird das jetzt ein fröhliches Chaos oder es wird sehr spannend. Oder beides. Wir haben auch unserer Reisebegleitung zu danken, die diesen Bericht mitgestaltet und viele tolle Ideen eingebracht hat. 😉

Here we go

Landbierparadies

So bis Montag war die Besetzung des Autos noch nicht klar. Wir wurden wieder mal dem Fanladen untreu, hatten wir doch ein kleines Date mit unserer Lieblingskneipe in Nürnberg, dem Landbierparadies. Montag also noch mal das Auto durchgemischt und dann in einer neuen Besatzung auf nach Fürth/Nürnberg. 8 Uhr war Treffpunkt und die Ansage des Daheimgebliebenen war nur „A. pass auf B. auf.“ guckt dann B. an „Und du, pass auf ihn auf.“

Obwohl uns nicht klar war, ob wir die lange Fahne mit ins Stadion (Arena verbietet sich trotz der „offiziellen“ Benennung) nehmen dürfen stopften wir sie mit ins Gefährt. Und stopfen ist hier ziemlich wörtlich zu nehmen, denn leider zwangen uns die Benzinpreise den Hummer zu Hause zu lassen und doch wieder den Kleinwagen zu nehmen. Dafür war dann die Autobahn das Paradies, so mit Autos gucken und vorstellen, welches man denn auf der Autobahn so fahren könne zum Auswärtsspiel und vorallem vollkommen freie Bahn. Höhe der bayerischen Staatsgrenze bekam ein in Norddeutschland sehr verwurzeltes Besatzungsmitglied echte Bergpanik, woraus dann der eine Teil unserer Überschrift für diesen Bericht endstand. Gut, irgendwann wird es ja wieder etwas flacher und wir konnten Nürnberg und unsere Übernachtungsmöglichkeiten schnell erreichen. Und da unsere Gastgeber auch schnell erschienen, ging es von Nürnberg nach Fürth. Früher mal die erste Bahnstrecke Deutschlands (hier stand erst der Welt, das ist aber wohl nicht korrekt), heute eine profane U-Bahn.

Nun muss bei so einer Auswärtsfahrt ja doch immer ein bisschen Dekandenz sein und einfach mit einem Pendelbus zum Auswärtsblock fahren ist ja immer unter unserer Würde. Nein, einfach unpraktisch, wenn die Polizei mal wieder Bürgerkrieg und Weltuntergang vermittelt und man deswegen zumindest seinen Impfausweis, die Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes und seine Kategorie A Lizenzierung vorzeigen muss, um den Gästebereich zu verlassen. Und wir hatten nun gerade unsere Unbedenklichkeitsbescheinigung vergessen. So also Taxi. Zu viert, wir sind ja schlank. Nur haben wir dabei nicht die Rechnung mit der Fahnenstange gemacht, die sich beim Einstieg ins Taxi mit einem schönen „Knack“ in zwei Teile verabschiedet – natürlich genau in der Mitte. Also keine Kürzung auf die 1,20m, die vielleicht als Fahnenlänge erlaubt gewesen wären. Oder auch nicht, wer wusste das schon zu diesem Moment?

Am Ziel kurz die Fotokarte eingesammelt und den Fahnenschaden begutachtet, aber da war sie die Lösung: Drehen wir den Spieß äähh Stab doch einfach mal um und stecken das schmale Ende in die weitere Öffnung am anderen Ende. Da war sie geboren, die mobile Fahne. Flexibel für alle vorgeschriebenen Fahnenlängen, auch als Doppelhalter (entsprechende Naht wird gleich heute hinzugefügt) geeignet.

Vor dem Gästeblock ging dann jeder seinen Weg, vorher aber noch mal kurz den gekauften Frosch in Erinnerung an einen Stadionverbotler bewundert, der aufgrund von Brandgefahr (!!!) aber erstmal draußen bleiben sollte (später aber rein kam). Überhaupt waren die Ordner mal wieder eine sehr sympathische Gang, so mit Outlaw Motorrad Tätowierungen und der Marke Schrank. Vor und im Block herrschte buntes Treiben zwischen Bier trinken (nebenbei: Vollbier und zwei verschiedene Sorten), die doch gut wärmende Sonne genießen und wilde Spekulationen über das Ergebnis und die Chancen auf den Aufstieg unseres geliebten FCSP. Im Presseraum war man sich da eher nicht so einig und schlug doch eher Molltöne an.

Und diese Molltöne waren nach acht Minuten wohl auch eher die richtigen, denn mit einem Sonntagsschuss ging Fürth in Führung. Danach war es Kampf und Unvermögen auf der einen gegen Abgeklärtheit und Routine auf der anderen Seiten. Man kann unseren Jungs nicht wirklich einen Vorwurf machen, denn gekämpft haben sie. Aber auf dem Platz, im Verein und auch heute auf den Rängen, fehlte der letzte Aufstiegswille. Dieses Erzwingen, dieses mit dem Kopf durch die Wand wollen.

Und so war auch im Block zwar solides Singen angesagt, aber dieses Kompromisslose, dieses Erbrüllende, das fehlte. Die mobile Fahne aber fehlte nicht. Sie durfte nach ausführlicher Begutachtung der Ordner mit in den Block und dank eines Stück Tapes zur Stabilisierung kam sie letztendlich doch noch zum Einsatz. Und es ist bemerkenswert, dass immer noch unglaublich viele Leute in unseren Blöcken stehen, die nicht die einfachsten Dinge begreifen. Wenn man eine Fahne zum schwenken gereicht bekommt, dann gibt man sie am Ende wieder zurück oder fragt zumindest, ob man sie behalten darf. Aber einfach anzunehmen, dass man sie behalten darf, ist schon bemerkenswert. Wenn es dann auch noch die sind, die nicht mal einen einzigen Chant mitsingen können wundert einen aber eigentlich gar nichts mehr.

Noch ein Wort zu Asamoah: Sympathisch ist das nicht. Man kann ja so ein bisschen sauer sein, alles geschenkt, aber außer Does niemanden zu grüßen und auch auf dem Platz immer das Arschloch raushängen zu lassen, geht schon eher in die Richtung „Nix Hero for a Lifetime“. Schade drum.

Eine schöne Story noch am Rande: Wir schnackten so in der Halbzeit mit guten Freunden einer Ultragruppe und sind nun seit Neustem nicht mehr Hangaround, sondern schon Prospect. Aber eine Kutte haben wir irgendwie noch nicht durch den Zaun gereicht bekommen. Wir prangern das an. Wir wollen auch eine Kutte!

Nun ja, was soll man noch berichten? Soll man sich ärgern? Irgendwie nicht, denn wir verlangen ja immer Kampf und Kampf, den gab es. Aber der Gedanke, dass Fürth nächste Saison in Liga 1 spielt, ist schon ein bitterer.

Zwei Dinge noch: 1. Solidarität mit den Trolli Mitarbeitern. Viel Geld für einen Stadionnamen ausgeben, aber das Werk in Fürth schließen wollen und schön mit Subventionen nach MeckPomm zu gehen, das ist dann wohl gelebter Kapitalismus. Man kann es auch kurz formulieren: Zum kotzen. So kam es auf Heim- und Auswärtsseite zu Solidaritätsplakaten und Beifall im ganzen Stadion. 2. Fürth will den Ronhof verlassen. Nun mag das ja alles sein, dass man dort wenig Platz hat und so weiter, aber es stirbt wieder ein Stadion, was in eine Wohnbebauung eingebaut ist, es stirbt wieder ein Stadion mit Tradition und mit spannenden, gewachsenen Ecken und wird ersetzt durch ein inhaltsleeres Hellmich Baukasten Stadion im Gewerbegebiet. Noch ist der Standort nicht endgültig entschieden, aber einige vorgeschlagene Orte waren schon das Grauen pur. Ingolstadt, Augsburg, München und andere lassen grüßen.

Nun aber zum gemütlichen Teil des Abends. Noch kurz die Busbesatzung betrauert, dass sie nicht mit kommen kann und dann bloß weg hier und ab in die Stadt der Reich… äh also nach Nürnberg. So langsam hatten wir auch ziemlichen „Knast“ und der Bierdurst stieg. Aber da war es ja, das Landbierparadies. Und kurze Zeit später stand die eine oder andere Maß vor einem, wobei es anscheinend die Regel gibt, dass es nur eine Radlermaß pro Tisch geben darf, denn die zweite bestellte „Alsterwassermaß“ gab es als pures Bier.

Der Knast wurde mit einem gepflegten Eisbein und einer gepflegten Brotzeit bekämpft. Also was „leichtes“ am Abend. In weiser Vorraussicht, dass unsere Gastgeber am nächsten Morgen noch ein leichtes Frühstück zubereiten würden.

Der Rest des Abends ist schnell erzählt, denn das letzte Bier war definitiv schlecht oder war es doch der Pfirsichschnaps? Zumindest wenn man von den dicken Köpfen und empfindlichen Mägen aller Beteiligten ausgeht. Hinzu kam, dass die Nacht bereits um 6 Uhr ein abruptes Ende nahm, weil (Wahrnehmung) eine Alarmanlage klingelte bzw. (Wahrheit) ein Specht (!!) seinem Morgenpläsier nachkam in dem er auf etwas hämmerte, was ziemlich metallisch klang.

Das Frühstücksbuffet wurde (soweit möglich siehe oben) gewürdigt, die Gastgeber (Danke, Danke, Danke) verabschiedet und schon saß man erneut im Hummer ähh Kleinwagen auf der Autobahn. Nur um nach 30 Kilometern in das Outlet eines namhaften deutschen Sportartikelherrstellers (wir sind ja neuerdings szenig) abzubiegen und die Kreditkarte glühen zu lassen. Nun also die 10. Trainingsjacke, unzählige neue Schnellf[…]erhosen und andere schöne lebensnotwendige Dinge. Kurzum LEIDER GEIL.

Wir haben da ja eine Theorie, die da heißt, dass immer die letzte Stunde einer Auswärtsfahrt die schlimmste ist, aber irgendwie warten wir auf diese Stunde immer noch, denn die 8 Stunden flogen und am Ende der Fahrt waren die Gesprächsthemen immernoch nicht alle. So konnten wir mindestens 1.000 Fragen nicht klären.

Und dann war da noch…

der Erörterungstermin vor dem Oberverwaltungsgericht Hamburg. Es ist leider nicht so richtg überliefert, wer den letztendlich abgelehnten Vergleichsvorschlag gemacht hat. Das wäre insofern ganz interessant, weil Gerichte doch häufig dazu neigen solche Vergleichsvorschläge, wenn sie denn von ihnen kommen, auch auszuurteilen. Auf den ersten Blick wird natürlich niemand verstehen, warum Rostock diesem Vorschlag nicht zugestimmt hat. Klingt doch gut zu sagen, dass Gewalttäter keine Karten bekommen. Tja, das glauben auch viele Politiker und deswegen sind solche Dateien bei Politikern ja auch sehr beliebt. Nur wenn selbst die Polizei nicht ausschließen kann, „dass in dieser Datei auch eine Vielzahl ‚Unschuldiger‘ geführt wird“ (laut Kicker, ein Blatt, was nun nicht gerade für Unwahrheiten bekannt ist.) Man beachte die Wortwahl: „VIELZAHL“. Also nicht vielleicht bedauerliche und nicht auszuschließende Einzelfälle, sondern die Polizei (!!!) selber gibt mehr oder minder zu, dass diese Datei für die Tonne ist.

Hätte Rostock nun diesem Vorschlag zugestimmt, hätte man die Existenz dieser Datei noch mehr legitimiert und einen Eintrag in ihr mit noch mehr Konsequenzen verbunden. Dies obwohl eine Vielzahl von Unschuldigen da drin steht und man in diese angeblich präventiv wirkende Datei ohne Weiteres rein kommt und nur schwer wieder rauskommt. Der Übersteiger hat in seinem Text einige Beispiele verlinkt und berichtet ausführlich.

Kurz: Auf den zweiten Blick ist Hansas Verweigerung absolut richtig und nachvollziehbar. Bemerkenswert ist aber: Hat etwa unser Verein diesem Vorschlag zugestimmt? Und wenn ja, wie kann er dies tun? Oder hat er sich „neutral“ verhalten, weil der Kartenverkauf ja nun alleine Hansas Sache ist? Wir wissen es nicht und die öffentlichen Texte lassen beide Interpretationen zu. Nur die erste Variante wäre doch sehr bedenklich. Unseres Erachtens nach kann man diese Datei Gewalttäter Sport in ihrer jetzigen Form sowieso nur noch löschen.