Apr 302012
 

oder

Vorspiel, Höhepunkt und Nachspiel

Vorwort

Liebe Leser, viele Touren haben ein langes und fröhliches Vorspiel, eine Tour und viele Folgen. Folgen, die zu einem Umdenken führen sollten und müssen. Und ein Umdenken, lieber Stefan Orth, ist nie einseitig. So sehr wir die Prozessmüdigkeit des Vereines verstehen, so sehr hassen wir es, wenn man genau dann seine Eier verliert, wenn es hart wird und nicht nur Sonntagsreden gefordert sind. Es ist schon traurig, dass dann Umdenken gefordert wird für Sachen, die man vor kurzem noch abgefeiert hat (Choreo) und Dinge, für die man große Sonntagsreden gehalten hat. Wir verkneifen uns jetzt mal ausführliche Ausführungen und verweisen auf die Kollegen, die letzte Woche Bock hatten.

Nun, jetzt, hat der Verein doch gleich wieder die Möglichkeit umzudenken, denn im Nachspiel des Schweinskecups hat es doch – sagen wir mal – etwas bedenkliche Stadionverbote gegeben. Auf Details wollen wir, auch aufgrund von Persönlichkeitschutz der Betroffenen, nicht eingehen. Fakt ist aber: Die Stadionverbote kommen vom DFB, der dann natürlich nur „lange“ und „ohne viel Vorrede“ kennt. Sven hat das im Forum ganz gut erläutert. Wir würden dem Verein ja einfach mal zu einer radikalen Lösung raten. Schreibt an den DFB (und cc zwei andere Adressaten) doch einfach folgende Sätze: „Lieber DFB, liebe Polizei Hamburg, lieber Ziegenbart: Wir werden diese Stadionverbote bei uns geflissentlich ignorieren. Und Anzeigen wegen Hausfriedensbruch werden wir nicht stellen. Und ihr, liebe Polizei, werdet einen Teufel tun und unsere Gäste auch nur irgendwie belästigen. Kuss euer FC“. Das wäre Umdenken an der richtigen Stelle.

Und das nächste Mal Herr Orth, folgende Stellungnahme: Wir hatten kein Bock mehr zu prozessieren, müssen uns auch mal auf den Aufstiegskampf konzentrieren, alles weitere intern. Ach ja, die 15.000€ haben wir beim DFB abgeliefert. In 1 Euro Münzen ungerollt. Zählen sollen die selber.

So nun aber zu Dresden

DYNAMO, IHR FUCKER

Bereits Monate vor dem eigentlichen Termin begann die Orga und die Absprachen für diesen Zug. Unser erstes Problem war, dass wir so grob fünf bis sechs Leute im Kernteam der Organisation sind. Wenn man dann zwei Züge bestücken soll, dann wird es schnell knapp. Insbesondere wenn dann noch ein Mitglied arbeitstechnisch ausfällt und anders reisen muss. Und dann auch noch der einzige Mensch bei uns, der nicht im real life Schreibtischtäter ist, sondern mit so etwas wie einer Hebebühne und einer E-Ameise was anfangen kann.

Der Fanladen sagte, dass er grob an der Linie Skinheads / USP trennen wolle und so trennte sich die Orgacrew auch an dieser Linie. Problem dabei: Unsere geübten Tresenkräfte sind alle eher Skinhead nah. Kein Vorwurf gegen die Ultras, die bei jeder dreckigen Schlepparbeit immer dabei sind, das ist eher „historisch“ gewachsen. Man könnte auch sagen: Nur alte Säcke hinterm Tresen.

DJs braucht man auch und das sind ja sensible Personen, die mögen das nicht, wenn da irgendwer besoffen kommt und „Spiel doch mal Punkrock, du bist mit deinem Elektrokram nicht St. Pauli“ (so ähnlich wirklich mal gefallen) ihnen an den Kopf wirft.

So begannen die Vorgespräche schon, als das Raval noch existierte. Dunkle, kalte Nacht, es kommt D. um die Ecke und es entwickelt sich folgender Dialog: „Hey, ich fange schon mal an die Djs für die Dresden Fahrt zu planen, hast du Bock?“ „Ja, hmm, ja gib mir mal den USP-Zug, da kann ich wenigstens HipHop spielen.“ „Okay, aber schreibst du mir noch mal eine Mail, sonst vergesse ich das?“ „Klar“. Und dieses – unzensierte und nur leicht gekürzte – Kleinod wollen wir euch nicht vorenthalten: (Betreff war die oben verwendete Überschrift)

„N., folgendes geht….die [Gruppenname] möchte zu der musikalischen Erbauung hoffentlich vieler zum Tanze im Partywagen des Sonderzuges nach Dresden aufspielen….ich wollte dich erinnern….ahnste ne? Unsere Tanzkapelle besteht aus 5 Menschen, damit du wegen des Caterings bescheid weisst, ne! Ausserdem wäre es spitze, wenn du für unseren Posaunen – Mann ein Podest organisieren könntest. Der Mann ist sehr klein und kann doch sonst nichts sehen. Danke dafür schon mal im voraus. Wir werden 80er, 90er und heutigen Hardcore covern, also ich zumindest, in unserem Kollektiv macht jeder das, was er machen möchte, von daher weiss ich nicht was da auf uns alle zukommt. Desweiteren wäre es echt dufte, wenn der Sonderzug in der Wartburgstadt Eisenach kurz halten könnte, wir haben da n Match mit den Piccos aus Zwickau klarmacht…..first commandment – no weapons und wenn du magst: Join the show. Das war es dann aber auch erstmal, hoffe es geht alles klar“

Ging natürlich so klar, nur im Zug wurde dann elegant über das Podest gemeckert. 😉 Immerhin haben sie wirklich Hardcore gespielt. Die vier lustigen fünf.

278 Kisten Getränke wurden bestellt, davon 200 Kisten Bier. Falls jemand fragt: Mehr geht schlichtweg nicht mehr. Wir arbeiten bei 140 Kisten pro Sonderzug an den Kapazitätsgrenzen. Und man darf auch folgendes nicht vergessen: Wir kommen in „normalen“ Sonderzügen mit gut 100 Getränkekisten locker aus. Nur wenn natürlich eine Tour da ist, wo es heiß ist und man sich in Dresden letzten Endes nicht verpflegen kann, dann wird es auch für uns grenzwertig. Zum Glück waren bis zum Ende in beiden Zügen noch Softgetränke vorhanden. Denn anders als Bier, was ein Spaßding ist, können Softgetränke lebenswichtig sein und sind daher viel wichtiger als Bier. Wir kommen gleich auf das Thema zurück.

Puh, beim Einladen ging dann ungefähr alles schief, was schief gehen kann. Wir waren mit dem Laster überfordert, mit den E-Ameisen, wir hatten keinen Plan und wir trödelten ein bisschen, weil einfach viel zu früh. Und plötzlich hatten wir richtig Zeitprobleme. Es brannte an jeder Stelle. Das Ende vom Lied: Einer aus unserer Crew hat sein Abteil nicht gesehen, weil er im falschen Zug landete und im Laster blieb das Licht brennen. Eine Sache, die wir nachts noch bedauern würden.

Wir (im Sinne der Partywagenorganisation) machen ja nie viel aufheben, aber nur damit das mal Leute wissen: Wir alle zahlen den vollen Fahrpreis, bekommen für das ganze gar nix und zahlen selbst unsere Getränke noch zum größten Teil selbst. Ja, so ein, zwei Freigetränke gönnen wir uns doch schon, man prangere das an.

So Plätze auf den Kisten in Partywagen braun und weiß eingenommen und den Wagen auch noch ordentlich dekoriert. Hatte doch unsere Dekoqueen für Luftballons und andere Dinge gesorgt. Nur die pinken Ponys hatte sie nicht bestellt, Dialog dazu ging ungefähr so „Habe mich zurück gehalten, ich habe keine pinken Ponys bestellt.“ „Dafür wäre immer Geld da gewesen.“ „Zu spät, habe nun bestellt.“ Okay, irgendwann einen Witz draus gemacht und das ganze öffentlich bei Facebook gepostet. Verwirrung allerorts und unsere Novizin sorgte dann doch für pinke Ponys.

Lustig dabei war, dass sich sowohl in deutscher Bloggosphäre (verlinkter Blog ist nun nicht bekannt und geprüft; nebenbei: wer liest nebenbei diesen bekloppten Fefe-Blog?), als auch in der Politik plötzlich Ponys tummelten. Die haben alle bei uns abgeguckt. Aber schon sehr lustig, wenn letztendlich irgendwie am Morgen des Sonderzuges zehn Leute zu einem kommen und fragen, was das eigentlich mit den pinken Ponys auf sich hat.

Pinke Ponys also eingeladen, in Zug weiß selbt eine Ponyhochzeit und Ponyaufkleber. Das beste dabei: Einige Ordnerinnen verlangten später wirklich, dass die Ponyaufkleber von der Kleidung entfernt werden!!

Die Hinfahrt ansonsten ganz ruhig, entspannt mit sehr gutem Umsatz. Bei zwei Zügen ist das natürlich auch immer so ein bisschen ein Umsatzwettrennen, aber am Ende muss man wohl ein umkämpftes Unentschieden verbuchen.

Umsatzzahlen sind natürlich geheim, aber geht mal davon aus, dass wir in diesen Sonderzügen einen hohen vierstelligen Betrag für Fanräume ersoffen äh gewonnen haben. Beim nächsten Sonderzug ist aus gegebenen Anlass dann das Repressionskonto dran.

Btw: Doofer Gedanke: Hat ein Mob Interesse an einem Sonderzug nach Winterthur? 700 Bekloppte gesucht!

In Dresden war dann mal wieder Bürgerkriegszone angesagt. Räumpanzer, drei Wasserwerfer (wow, auch MeckPomm hat einen WaWe 10.000, die Bundespolizei dafür irgendwelche uralten Teile) und unzählige Polizisten, die bei 30 Grad garantiert nur wegen der Hitze die Sturmhauben gleich aufbehielten. Dabei aber lustig: Das Gleis war nicht extra abgesperrt worden, nebenan stand ein abfahrbereiter Regionalexpress und auch andere Reisende standen auf dem Gleis.

Nun galt es sich zu trennen. Unsere Knipse diffundierte durch die Polizeikette und suchte seine Akkreditierung, der Rest von uns machte sich auf in die Busse.

Mit etwas längerer Wartezeit am Bahnhof, in stickigen Bussen wurde dann Trupp für Trupp zum Stadion kutschiert. Immer in freundlicher Begleitung der lieben Polizisten, die sogar im heißen Bus ihre Sturmhauben nicht absetzen mochten. Am Stadion angekommen sah es nicht anders aus als am Bahnhof, Polizisten in Massen, die nicht mehr nachvollziehbar sind. Der Eingang war zunächst noch verschlossen und so warteten wir in der brütenden Hitze, während immer mehr Busse die Zuschauer ablieferten. Und wären wir nicht gestorben, würden wir noch heute warten…

Ach nee irgendwann öffneten sie ja die Tore und wir hofften nun endlich rein zu kommen um unseren Durst zu stillen und der wirklich brütenden Sonne aus dem Weg zu gehen, aber nein, es wurden ja immer nur zehn Personen auf einmal durch sämtliche Schranken gelassen, sodass wir überraschenderweise immernoch warteten. Die Stimmung wurde immer gereizter, sodass sich der eine oder andere Fan deutlich äußerte, aber die Ordner waren die Ruhe in Person und ließen sich nicht davon abbringen das Schneckentempo beizubehalten. Nach Schranke 1, wurden immer fünf Fans auf die Bank bestellt und gründlichst vom Sprengstoffspürhund abgeschnüffelt. Nach dem Spiel im Bus saß dann auch ein junger Mann, bei dem die Hunde angeschlagen hatten („Der hat nicht mal gebellt“). Ausziehen musste er sich nach eigenem bekunden nicht, er wurde gründlich abgetastet, seine Personalien aufgenommen (unklar ob von Polizei oder von Ordnern) und nachdem bei ihm nichts gefunden wurde, wurde er mit dem Satz „Oh, dann hat der Hund wohl auf das Handy reagiert“ entlassen und durfte ins Stadion. Was aber mit den Daten eines offensichtlich Unschuldigen passiert, das möchten wir gar nicht wissen. Und wie wir uns hier gerade besprechen: Das ganze scheint kein Einzelfall zu sein, denn solche Geschichten erzählten mehrere Betroffene. Und nochmal: Pyro ist garantiert nicht 100 % unterstützenswert, aber man kann es irgendwann auch übertreiben. Oder wie es so schön später im Sonderzug hieß: Achtung, St. Pauli hat die Bombe.

Dann hieß es vor der nächsten Schranke warten(!) ehe man dann nach Schranke 2 einem Ordner zugeteilt wurde, der einen abtastete. Dies geschah aber, nunja, sehr willkürlich. Eine von uns hatte Stiefel an, eine Tasche bei sich und nichts davon wurde überhaupt kontrolliert. Eine andere von uns wurde erst ziemlich unverschämt abgetastet und bis ins allerletzte Detail kontrolliert. Sogar die Schuheinlagen durften rausgefriemelt und wieder reingestopft werden, nachdem die Ordnerinnen (es hieß natürlich wieder warten!!) sich nun wirklich doppeltdreifach abgesichert hatten, dass sie nun ganz wirklich Berge von Pyros und natürlich die Bombe bei sich trug.

Für die Knipse ging es während dessen erstmal zum Stadtrundgang. Vorbei an jeder Menge „komischer Kleingruppen“ (Originalzitat und einfach richtig) rein in die Altstadt und dann nach dem Prinzip Semperoper? Check! Komische Wand mit Adelsgemälde drauf? Check! Frauenkirche? Check. Hotel? Check! Akkreditierung? Check!

Schönen Gruß noch an die Münchener, die auch vollkommen neutral ihren Weg sich bahnten. Wie weit jedoch die drei Typen mit Ultraschal und Südkurvenshirt gekommen sind, möchten wir uns gar nicht erst ausmalen. Angesichts der Tatsache, dass im Stadionumfeld ungefähr jede vierte Gruppe sportlich aussah, wahrscheinlich nicht weit.

Ach Dynamo Dresden. Man könnte jetzt ja viel über deine Fans schreiben und wir tun es auch. Könnte schreiben, dass in Sachen Lautstärke, eigener Melodien und auch in Sachen Choreos über Jahre Maßstäbe gesetzt wurden. Aber was bringt das, wenn du ein erhebliches Naziproblem hast, der Hitlergruß eine häufig genutzte Begrüßung ist und sich ganz viele Leute mit Thor Steinar und ähnlichem im Stadion tummeln. Und auch deine Ordner diese Jungs echt nett finden.

Ist ja schön, dass du offiziell Thor Steinar verboten hast und dann auch noch UNS darauf hinweist, dass es verboten ist. Nur, wenn du das nicht durchsetzt, sondern auch offensichtliche Aufschriften auf Gürteln kein Problem sind, dann fragt man sich doch, was das soll. Und wenn man (nebenbei irgendwie verharmlosend und im Sinne von „ja aber bitte hier nicht“) „Rassismus ist kein Fangesang“ auf der Anzeigentafel stehen hat, dann wirkt das alles eher nach gut gemeint, aber nicht weh tuend, als nach gut.

Exkurs

Absurd nebenbei, dass man für „Bullenschweine“ in einer grafischen Choreo (Kunst?), die Comiczüge trägt (Satire?) eine Strafe vom DFB bekommt, aber für Hitlergrüsse, Sexismus etc. pp nicht. Und dies obwohl ein Hitlergruss definitiv strafbar im Sinne des Strafgesetzbuches ist, eine künstlerischer, satirischer Protest eher nicht. Obwohl genau dies in § 9 und § 9a doch als strafwürdig aufgenommen ist. Das der DFB nun nebenbei jegliche Beleidigungen (Tatbestand mal unterstellt) bestrafen will, selbst wenn sie gegen jemanden geht, der gar nicht am „Spiel“ (und nur dies verwaltet der DFB und nur aus dieser Verwaltung bekommt er wenn überhaupt eine Strafbefugnis) beteiligt ist, ist juristisch sehr bemerkenswert. Und stärkt nur unsere These, dass hier ein Ersatzstrafrecht geschaffen werden soll, weil man die „weltlichen“ Gerichte für zu weich hält. Man muss wohl nicht deutlich machen, wie gesellschaftpolitisch gefährlich dies ist. Man stelle sich mal vor, dies mache über den Fußball hinweg Schule.

Bemerkenswert auch, dass ähnliches bei Stadionverboten praktiziert wird. Die Exekutive nutzt nicht etwa die Judikative um Strafen auszusprechen, wo so etwas wie Unschuldsvermutung, Verteidigungsrechte etc. pp gelten, nein unter dem Deckmantel der Prävention wird durch eine private Organisation (DFB und Vereine) gestraft und Beschuldigtenrechte bleiben auf der Strecke. Und das obwohl eine Adresse von der Hamburger Polizei erstmal in Richtung private Organisation wandert und jeder Datenschützer eigentlich im Kreis rotieren müsste. Und weil es ja alles nur Prävention ist, machen die Gerichte das auch noch mit. Wo die Prävention ist, wenn jemand VOR dem Stadion steht und nicht IM Hochsicherheitstrakt Stadion, das muss erstmal jemand uns erklären. Passt aber perfekt in den Zeitgeist, wo von Luxusknast und „Wer kümmert sich eigentlich um die Opfer?“ populistische Forderungen sind. Passend dazu stand dann auch ein Vertreter des Weißen Ringes (nix pauschal gegen diese Organisation und bitte nicht zwingend eine Kritik an der Idee und der Arbeit) auf dem Rasen in Dresden und konnte genau diese Platitüden dreschen.

Und ja, hier muss man auch mal das Scheitern eines Instrumentes eingestehen. Denn Stadionverbote als Instrument sind mehr oder minder gescheitert. Die – heimlich dahinter – stehende Idee, dass an jemanden für 5 Jahre (bzw. 3 Jahre) aus dem Verkehr nimmt und er sich dann sowieso nicht mehr für Fußball interessiert, die ist schlichtweg geplatzt. Oh ja, natürlich kann man dieses Instrument nicht zurück nehmen, stellt euch mal den von den Sicherheitsfanatikern der Polizeigewerkschaft angeführten shitstorm vor. Die finden das natürlich auch geil, dass sie endlich mal Gott spielen können. Ja, liebe Leser, hier kapituliert nicht der Staat gegenüber der Gewalt, sondern der Rechtsstaat gegenüber den Sicherheitsfanatikern. Und er versagt komplett bei der Kontrolle seiner eigenen Instrumente. Keine schöne Vorstellung.

Aber wir schweifen ab.

Exkurs Ende

Ach Dresden. Kommen wir zurück zu deinen Fans. Da wird vor dem Spiel bei der Spende an das Fanprojekt geklatscht (und das auch im Stehplatzbereich) und kurze Zeit später werden erhängte Puppen (sollte das eigentlich einen Geschlechtsakt darstellen?) mit geraubten Kleidungsstücken präsentiert. Später dann auch die übliche Sammlung von „unvorsichtiger Familienvater hatte Schal um“ Raubstücken. Irgendein Banner wurde auch noch präsentiert. Aber seien wir ehrlich: Irgend so ein Randlappen zu präsentieren und ein paar Familienväter zu berauben macht eine Szene nun wirklich nicht zu einer, die nach eigenem Bekunden alle knechten will. Ja und wenn man dann noch Sexismus vorführt und Anti-Antifa-Plakate hochhält, dann muss man sich nicht wundern, wenn man sich als emanzipierter Fußballfan am Kopf kratzt. Und der Vorwurf des „sich nicht für Fußball interessieren“ kommt irgendwie dann immer etwas komisch, wenn man sich für drei, vier Minuten während des Spieles eine Blockfahne über den Kopf stülpt. Noch etwas ist dabei so ein bisschen komisch, denn nach dieser Logik interessiert sich ja nur derjenige für Fußball, der sein Gehirn und sein politisches Gewissen zu Hause lässt. Interessiert sich dieser aber nicht eigentlich viel mehr für Fußball und seine gesellschaftlichen Hintergründe?

Aber vielleicht grübeln wir auch einfach viel zu doll über ein Plakat nach, was schlichtweg wieder dieses unpolitisch in seiner „wir dulden halt auch Nazis“ Form war. Nun ja, verlassen wir dieses Thema und widmen uns unserem eigenen Block. Viele Banner aus bekannten Gründen umgedreht, ein Plakat für einen Verstorbenen (mag er in Frieden ruhen und die vielen viel zu früh Verstorbenen in der Fußballfanhimmelkneipe am Tresen treffen) und ein Dankesplakat für einen Kollegen. Irgendwann verdonnern wir unsere Knipse noch mal dazu, sich mit Bildbearbeitung zu beschäftigen.

Terana wurde auch noch zum Aufstieg gratuliert, diesen Glückwünschen schließen wir uns natürlich an und für die eher visuellen unter euch, verweisen wir auf die Fotos, die irgendwann auch kommen.

Wenn wir schon bei unserem Block sind: Da geht man in der Halbzeit durstig an den Getränkestand, reiht sich in die Schlange und darf folgende Szene beobachten. Kommen zwei Fans von der Seite an den Tresen und bitten um ein paar Plastikbecher, da es Menschen gebe, die gerade umkippen und man möchte ihnen ja Wasser bringen. Treffen die verschiedenen Tresenkräfte wirklich reizende Aussagen. Hier ein Auszug:

„Nee, dann kauft ihr hier ja nichts mehr.“

„Kauft doch hier was und trinkt das aus, dann habt ihr einen Becher.“

„Geht doch zur Feuerwehr.“

Doch auch nach mehrfachen Aufforderungen und ziemlich deutlichen Worten gab es keine Becher.

Sollen wir zum Spiel noch was sagen? Irgendwie nicht, oder? Unsere Mannschaft könnte vielleicht, sie will aber einfach nicht. Es fehlt einfach der Spieler, der es erzwingen will. Bartels z.B. das sieht alles klasse aus, aber es ist nie dieser „Scheiße, ich picke ihn jetzt einfach rein“ Moment bei ihm zu erkennen, es ist immer so hübsch und technisch gut, aber ohne Gewalt, ohne Mumm, ohne den letzten Biss. Und nein, das ist keine Kritik an einem einzelnen Spieler, er steht exemplarisch für beinah alle Spieler.

So und damit sind wir dann noch noch rechnerisch in der Verlosung um Platz drei. Denn seien wir ehrlich: Das nun Duisburg gerade in Düsseldorf gewinnt, ist angesichts der eher bescheidenen Auswärtsbilanz des MSV und der doch sehr guten Heimbilanz der Fortuna eher unwahrscheinlich. Gehen wir mal davon aus, dass die Fortuna zumindest einen Punkt holt. Und dass wir nun 9-0 gegen Paderborn gewinnen ist eher etwas an das der Kollege Frodo im Notfall glaubt. Wobei „wir schießen Paderborn ab, holen den dritten Platz, Relegation, wir schaffen’s schon“ geht nach acht bis neun Astra gut über die Lippen.

Nun ja, Rückfahrt war angesagt und Geduld ist eine Tugend. Die Polizei wollte uns erst in der Unterführung kesseln, das hat sie dann aufgegeben, danach durften wir auf dem Bahnsteig rumhängen bis unser Zug kam und am Tresen hatten die Leute keine Geduld. In Zug weiß hatte der Capo beschlossen erst zu tauschen, dann zu verkaufen, was einige Leute auch nach mehrfacher Aufforderung nicht zur Mithilfe brachte, in Zug braun herrschte sowieso etwas Chaos, aber durch gar nicht Schicht habende Mithilfe wurde auch dies irgendwie überwunden.

Kennt ihr das Kir? Also das alte Kir? In der Max-Brauer Allee? Da gab es damals, als wir noch jung waren eine Party, die hieß „Stop making sense“ (und die gibt es heute nebenbei im Neuen Kir auch noch) und dieser Satz umschrieb das, was dann im Zug braun im Partywagen passierte. Die Musik war an den Elektromob verkauft worden und dann spielen die DJs Schlager und Bruce Springsteen und später dann Elektro und die Leute ticken schlichtweg komplett aus. Inklusive Anwendung von Bierflaschen als Champagnerduschflaschen und ähnlichem. Und niemand störte sich daran. Die Tresencrew war irgendwann so zum 10. Mal komplett durchgeschwitzt und so kleine Kistennickerchen mussten auch mal sein, waren aber auch verdient, denn hier wurde gerudert, nicht geschludert. (Das fehlte in der Liedauswahl beinah noch).

Der Mob am toben und irgendwann passierte das Schlimmste. Das Bier war alle. Zwar wurden noch einige einzelne Flaschen gefunden und in Zug weiß sollen auch noch Alkoholika unter dem Tresen zu Mondpreisen gedealt worden sein, aber in Zug braun ging irgendwann nicht einmal mehr Alsterwasser.

An dieser Stelle muss nebenbei ein Dank an die Tresencrews folgen, an die ganzen unsung Heros, die so eine Fahrt ermöglichen. Und insbesondere an USP und die Skins, die sich für keine Schlepparbeit zu schade sind.

Das erleichterte in Hamburg dann auch das Ausladen, aber eine kleine Last hatte uns das Leben noch in den Weg gestellt, denn die Batterie des Lasters war leer. Okay, zum Glück gab es eine Möglichkeit einen Startapparat zu besorgen und es fand sich auch jemand, der kein reiner Schreibtischtäter ist und weiß, wie man so etwas anbaut. Und so ratterte der Diesel und alles konnte auf den Laster geladen werden.

Um 2 Uhr war man dann zu Hause und wir sprechen heute wahrscheinlich für Einige, wenn wir sagen: Hätten wir doch einen Brückentag gemacht. Aber seien wir ehrlich: Die Füße und die Hände tuen zu doll weh um heute den ganzen Tag die Hüfte hochzustemmen.

Bei vielen wird heute die Luft raus sein, aber es hat sich gelohnt! (Facebook Link)

In diesem Sinne: Ihr seid bekloppt. Und das mögen wir. Wie schrieb so schön jemand im Forum: St. Pauli make the people come together.

Apr 282012
 

Liebe Leser, wir waren 10 Stunden (plus ein bisschen technisch bedingter Zugabe) offline. Hier sind wir wieder, immer noch traurig, immer noch ratlos. Im Moment haben wir aber nicht mehr zu sagen, als den Text, der 10 Stunden hier stand und den wir nun zur Dokumentation unverändert online stellen:

„Liebe Leser,

wir wollen einfach nur mal heute Abend ein Zeichen setzen und wir sind auch morgen früh wieder Online. Ohne jetzt auf Details eingehen zu wollen, alleine schon aus Persönlichkeitsschutz der Betroffenen, wollen wir nur kurz unsere Solidarität mit Menschen zeigen, die wir mögen und denen gerade Unrecht geschieht. Wir denken an euch, unsere Herzen sind bei euch. Und St. Pauli wäre nicht St. Pauli wie wir es lieben, ohne Euch.

Forza!“

 

Apr 272012
 

Liebe Leser,

in München kämpft der Eishockeyverein ums Überleben. Man könnte beinah sagen „schon wieder“ und man kann natürlich auch fragen, warum dies uns einen eigenen Blogbeitrag wert ist.

Weil eine Kollegin von uns einen Rettungshoffnungsartikel geschrieben hat, der so viele Punkte aufzeigt, die das Leben als Sportfan so lebenswert macht. Treffenderweise werden sportliche Erfolge nicht genannt.

Lest also nach bei Sarah Emily. Wir drücken die Daumen bei der Rettung deines Teams.

Apr 262012
 

Liebe Freunde einer gepflegten Sonderzugreise,

 

wie den meisten bekannt ist, tummelt sich ein Teil von uns schon seit langem bei der Sonderzugpartywagenorganisation (tolle Wort für Galgenraten) und deswegen packen wir hier mal die letzten Infos drauf, so dass wir sie dann in soziale Netzwerke, Foren etc. stellen können:

Liebe Sonderzugfahrer,

die beiden Partywagen werden wie immer ehrenamtlich von Fans für Fans organisiert. Niemand verdient damit Geld oder hat irgendeinen anderen Vorteil. Alle Einnahmen gehen an irgendwelche Projekte im Umfeld des FC St. Pauli. Diesmal wollen wir das letzte Geld für Fanräume sammeln.

Daher bitten wir euch schon mal über kleine Unzulänglichkeiten hinwegzusehen und euch entsprechend zu verhalten. DJs und/oder Tresencrews anzumachen ist schlichtweg Scheiße! Nun ist das nicht der Regelfall und 99,9 % aller Leute verhalten sich vorbildlich, aber leider gibt es doch immer wieder Ausnahmen. Wir werden auch mal Musik spielen, die nicht jedem gefällt. Seid da offen für Neues und feiert einfach mal zu der „falschen“ Musik.

Ebenso bitten wir euch nicht direkt im Partywageneingang stehen zu bleiben, weil das sonst sehr eng und drängelig wird. Nehmt bitte Rücksicht aufeinander!

Wir haben alle Schichten besetzt, brauchen aber noch Hilfe beim Ein- und Ausladen. Wer also Zeit und Lust hat, der komme bitte gegen 4:30 nach Altona und bleibe nach Ankunft in Altona noch kurz da und helfe.

Nun aber zu den wichtigen Infos, die Preise (die sind leider vorbehaltlich eventuell höherer Lieferpreise und eventuellen Abweichungen in der Gebindegröße, aber davon gehen wir nicht aus):

Alle Preise verstehen sich zuzüglich 50 Cent Flaschenpfand (außer Kaffee)

 

Astra     1,50 (0,33l)

Astra Alsterwasser 1,50 (0,33)

Beck’s   2,00 (0,33l)

Club Mate 1,50 (0,5 l)

sonstige Softgetränke 1,00

(Afri, Apfelsaftschorle, Spezi alle 0,33)

Wasser (stil und laut) 1,00 (0,33)

Kaffee 1,00

Musikprogramm:

 

In Zug braun wird es auf der Hinfahrt erst von Soundsupporter Oke Musik geben, dann gibt es von Andi „Schwachsinn und so“ und danach haut euch die Zielgruppe Hardcore um die Ohren. Auf der Rückfahrt sorgen dann Addicted und Co für Musik für junge und junggebliebene Leute.

 

In Zug weiß wird das Musikprogramm in die bunte Oi, Ska, Punkska, Northern Soul, Blödsinn (Nachtrag: Inklusive Abseitigem wie 90er und Mike Krüger) und vieles mehr gehen.

 

Wir wünschen euch viel Spaß und sau äh trinkt ordentlich für Fanräume

 

Eure Sonderzugpartywagenorganisation

 Nachtrag wichtig: Es wird am Tresen auch das superdupatolle Fanclub Quartett geben, lasst also das langweilige Panzerquartett zu Hause und kauft euch das fette neue Spiel. 10 Euro

 

 

 

Apr 252012
 

Liebe Leser,

 

wir haben eine Kommentarfunktion, die auch fleißig genutzt wird und von uns eher passiv moderiert wird. Es handelt sich ja um eine Kommentarfunktion, nicht um ein Diskussionsboard. Meistens werden Kommentare dann nicht veröffentlicht, wenn sie zuviel Beleidigungen oder Dünnsinn enthalten.

Ab und zumal wird ein Kommentar auch blockiert, weil der Text einfach zu gut ist, um in einem Kommentar zu versauern. Und wenn man dem geschätzten Kollegen dann noch mal in den Arsch tritt, dann kommt ein echtes Schmuckstück heraus.

 

Und dies empfehlen wir euch allen zum Lesen (<= Link folgen!)

 

Und auf Facebook  liken und auf Twitter verfolgen kann man dieses Blog auch noch.

Apr 242012
 

oder

wir lachen, wo wir eigentlich weinen mögen…

You believe what you read in the printed lies
But you won’t believe the evidence of your own eyes
And yes I’ve done a lot of things that you’d probably call a crime
But I don’t feel guilty for anything
(New Model Army – Chinese Whispers)

Lieber Lutz, lieber Peter, lieber Buttje, lieber Malte, lieber Erik, lieber Jan-Hendrik und lieber Alexander,

ja, hier sprechen eure selbsternannten Blogger vom Magischen FC, entschuldigt, dass wir euch so gleich das „du“ anbieten, aber wir fühlen uns so alt, wenn wir im Fußballzusammenhang gesiezt werden. Ich hoffe, dass gerade du Peter das abkannst, denn wenn wir so über die Jahre deine Kommentare lesen, dann müssen wir feststellen, dass die Faszination Fußball dich leider noch nicht erreicht hat. Wir bedauern das sehr, vielleicht hast du ja mal Bock mitzukommen? Wir stellen immer gerne Bier und eine Karte bereit, aber eines sagen wir dir gleich: Stehen ist dann angesagt, sorry, aber wir lieben unseren Fußball roh und ungekocht.

Nun ja, was sollen wir sagen? Am liebsten wollten wir euch ignorieren, so, wie ihr es ja zum größten Teil auch macht. Aber da schrieben wir doch letztens noch, dass wir den Janz von der Abendzeitung München (kennt ihr die Kollegen, oder?) so toll finden, weil der etwas mit der Bloggosphäre anfangen kann und prompt folgt uns doch @mopo_sport auf Twitter. Da machen wir doch gleich den Test, ob ihr liebe MoPo auch was mit Blogs anfangen könnt. Ach und liebe Abendblattler: Internet ist das, was ihr nicht verstanden habt. Ich sage nur Paywall, mobile Ansicht und so. Lohnt sich aber echt. Nur Vorsicht: Die User sind selbsternannt.

Aber wir wollen euch eure kostbare und für eure Verlage garantiert teure Arbeitszeit nicht stehlen und uns auch nicht mehr Freizeit als unbedingt notwendig:

Wir schreiben euch, weil ihr am 24.04.12 in euren Zeitungen Artikel veröffentlicht habt, die wir hier jetzt mal nicht verlinken, die ein Dritter aber durch einen Besuch an einem Kiosk und/oder durch Besuch auf den entsprechenden Internetseiten auffinden kann.

Oh, aus diesen zitieren wir gleich auch ein bisschen. Ein Leistungsschutzrecht in Form von einem Bier für jeden von euch und euren Chefredakteuren zahlen wir natürlich gerne, mehr aber auch nicht, weil wir immer noch denken, dass so ein Zitatrecht schon zu Recht im Urheberrecht steht. Fragt mal eure Politikressorts, das ist gerade das brandheiße Thema.

Bevor ihr uns falsch versteht: Auch wir finden Gewalt scheiße. Auch wir finden es scheiße, wenn Steine auf Polizisten geworfen werden und/oder Kneipen „entglast“ werden. Auch wir finden, dass da immer gegen gearbeitet werden muss und niemand, selbst der FC St. Pauli sich von der Arbeit gegen Gewalt nicht ausschließen darf. Auch wir wollen Aktionen und auch wir wollen einen gewaltfreien Fußball, nein falsch, eine gewaltfreie Gesellschaft.

Peter und Lutz, fangen wir mit euch doch mal an. Lutz: Wir können den Wahrheitsgehalt deines Artikels nicht nachprüfen und wir wollen es auch nicht. Für uns klingt er wenigstens so, als ob du dir mal die Mühe gemacht hast zu telefonieren, ja zu recherchieren. Es ist eigentlich traurig, dass man so etwas schon lobend erwähnen muss, denn dafür sind Zeitungen eigentlich gedacht, dafür werdet ihr doch eigentlich bezahlt, aber leider beweisen eure Kollegen aus dem Fach Boulevard immer wieder das Gegenteil.

Nehmen wir jetzt mal den Sachverhalt als gegeben an, den du schilderst, lieber Lutz, wir sind nur selbsternannte Blogger, wir können das nicht überprüfen. Wenn wir da mal von ausgehen, dann hast du wenigstens einen Artikel geschrieben, der weitesgehend auf Übertreibungen und auf Panikmache und Floskeln verzichtet. Für Leute, die mit offenen Augen durch unser Viertel gehen, enthält er vielleicht auch nicht viel Neues, aber gut.

Trotzdem finden wir deinen Artikel nicht ganz gelungen, denn du nennst die Stichworte ohne danach einen Schritt weiter zu gehen. Straßengang? Jugendliche? Polizeibekannt? Selbst Bönig ist bekannt, wo die sich sammeln? Peter, es wird dir gefallen, wenn wir mal in die Sicherheitslogik verfallen, aber uns ist bei diesen Stichworten nicht klar, was die Polizei auf folgende Frage Frage antworten würde:

„Warum können die sich dann da in Ruhe und ungestört über einen langen Zeitraum sammeln? Habt ihr die grundsätzlich im Blick? Immerhin war doch Gefahrengebiet angesagt? Sind die von euch kontrolliert worden?“

Für uns selbsternannte Blogger wären das sehr naheliegende Fragen gewesen. Klar, im Sportteil keine typische Frage, aber seien wir ehrlich: Vielleicht hättet ihr den Hamburg Kollegen mal eine Seite klauen sollen und dann eben diese Fragen auch stellen sollen. Spannender als rote Striche durch die Innenstadt wäre es.

Zugegeben, wir mögen diese Sicherheitslogik so gar nicht und wir halten Gefahrengebiete auch für ziemlich unsinnig und wir halten auch nix davon Wasserwerfer gegen rumstehende Leute einzusetzen und eine junge Frau mit vier Kampfmaschinen niederzudrücken. Klar, alle diese Personen haben sich des Verbrechens des Ignorierens einer Weggehverfügung eventuell strafbar gemacht, aber ist das ein Grund gleich körperliche Gewalt ohne Maß einzusetzen? Oh, sorry wir schweifen ab.

Weg von der Sicherheitslogik könnte man auch noch weitere Fragen stellen. Fragen, die politisch sind. Nämlich: Warum werden Jugendliche zu Straßengangs? Warum kommt es zu einer Karriere, wo Jugendliche „polizeibekannt“ werden? Was tut der Senat eigentlich in einem – bekanntermaßen – armen Viertel für Jugendliche und ihren Werdegang?

Und hier ist genau das Problem: Wer diese übergeordneten Themen nicht sehen will, der kommt zu solchen Aussagen, dass sich der Verein darum kümmern müsse. Und so verstehen wir eure Texte. Ganz ehrlich, Peter und Lutz: Ihr als Zeitung müsst mal das Versagen der Gesellschaft anprangern und nicht die Schuld einem dämlichen Fußballverein in die Schuhe schieben. Oder um es platt auszudrücken: Glaubt ihr denn, dass die Gewalt wegginge, wenn es die Plattform Fußball nicht gäbe? Das, was ihr da macht ist eine einfache Lösung der Öffentlichkeit vorzuspiegeln, die es einfach nicht gibt. Und – viel schlimmer – das wisst ihr auch noch.

Lieber Lutz, leider zerballerst du dann in einem Satz eigentlich alles, was wir jetzt positives gesagt haben,
denn zuletzt schreibst du:

„Der FC St. Pauli hat möglicherweise mehr als ein Fanproblem. Der Klub sieht sich mit Kriminellen konfrontiert. Den „Warriorz“.“

Also erstmal finden wir es schon bemerkenswert, dass du ein Fanproblem (pauschal) als gegeben ansiehst. Sorry, aber wenn dann wieder die Aufzählung Bierbecher, Kassenrolle, Schweinske-Cup kommt, dann ist das so lächerlich, wie es unsinnig ist. Und dann müssen wir auch ganz ehrlich sagen: Was soll dieses Schubladendenken? „Kriminelle“? Label drauf und gut? Das bringt doch nix!

Aber immerhin haben wir es jetzt offiziell: Fußballfans sind keine Kriminellen. Na immerhin, da seid ihr schon weiter als die MoPo.

Kommen wir jetzt zu deinem Kommentar, lieber Peter.

Wir sind ja nur selbsternannte Blogger, aber selbst eure Kollegen von publikative.org schrieben bereits im Januar so schön:

„Jetzt rächt sich die in Fankreisen bereits oft parodierte und eindimensionale Darstellung des FC St. Pauli als “Kultverein”, wohl die inhaltsleerste Umschreibung, die in den vergangenen 20 Jahren erschaffen worden ist. Von der Realiät, die eigentlich zu beschreiben wäre, ist all das mittlerweile vollkommen entkoppelt: Stattdessen drischt man medial auf Pappkameraden ein, die man selbst erfunden hat. Waren die „Pauli-Piraten“ seit Ende der 1980er Jahre allesamt tanzende, kreative und stets gutgelaunte Alternativ-Freaks, ist nun vom Krawall-Club die Rede, bei dem paramilitärisch gedrillte Ultras die Marschrichtung vorgäben.“

Und lieber Peter, damit hat sich dein Kommentar eigentlich schon erledigt, denn auch du meinst, das dieses Zerrbild so stimmen würde. Lass dir von uns, die schon 30 Jahre selbsternannte Fans sind und schon seit 12 Jahren (zumindest zum Teil) selbsternannte Blogger sind erzählen, dass St. Pauli nie linksalternativ, bunt und schon gar nicht gewaltfrei war. Und schon gar nicht waren wir jemals die „Insel der Glückseeligen“, die du uns unterstellst. Nein, unser Dasein ist ein ewiger Kampf. Schon immer gewesen.

Du forderst dann Ausgrenzung von Gewalttätern und schreibst dann nachdem du ein Plakat mit „Bullenschweine“ als primitiv und menschenverachtend bezeichnest folgendes:

“ Das Präsidium muss […] einen Null-Toleranz-Kurs gegen Gewalt fahren, schon entsprechende Parolen am Millerntor verurteilen und unterbinden. […]“

Oh, wir geben dir Recht, auch wir finden Bullenschweine nun nicht gerade das kreativste und beste Plakat, was es je am Millerntor gegeben hat (uns gefiel der Yoda mit B.A.C.A. aber schon ;-)), aber ganz ehrlich: Plakate sind von ihrem Namen her plakativ und drücken Emotionen aus. Und die Emotion „was für eine Scheiße macht diese blöde Polizeiführung da bitte?“ die verstehen wir schon sehr und diese verkürzt darzustellen, das können wir schon nachvollziehen. Und noch etwas: Solche Plakate gab es schon vor 30 Jahren am Millerntor. Da wurde damals selbst die Freilassung aller politischen Gefangenen (aka RAF Terroristen) gefordert. Nur mal so.

Ach und ziehen wir es doch mal auf die Metaebene, lieber Peter. Auch wenn ein Plakat primitiv und menschenverachtend ist (wir nehmen das für dich jetzt mal als gegeben hin), so bleibt es doch eine freie Meinungsäußerung. Und das ist auch gut so. Das ist – und da wirst du uns als Journalist garantiert Recht geben – für uns ziemlich das höchste Grundrecht in einer Demokratie und zu Recht werden Meinungen in einer Demokratie nur in einer klitzekleinen eng auszulegenden Ausnahme verboten. Und wenn es nicht unter diese Ausnahme fällt, dann wollen wir es auch im Fußballstadion. Denn Fußball ist Politik und eine politische Bühne und da darf jeder sagen, was er will und wir müssen es auf dem Markt der Meinungen diskutieren. Das wollen wir. Dafür steht St. Pauli und dafür steht unser Anspruch des (selbst-)kritischen, des anderen, ja des links-alternativen Fußballs. Das magst du nicht verstehen, aber unser „links“ ist eben nicht nur dann links zu sein, wenn es jeder lustig findet, unser „links“ ist es auch links zu sein, wenn es die bürgerliche Presse nicht lustig findet. Sonst wäre es ja wirklich nur noch ein verkommerzialisiertes, dummes Image, ein Zerrbild. Und das stimmt – nein falsch – das stimmte noch nie. Wer Non-Konform ist, der muss sich eben auch mal gegen herrschende Verhältnisse stellen.

Und um es mal deutlich zu sagen: Unpolitisch ist und bleibt hirntot. Unpolitisch heißt immer herrschende Verhältnisse zu akzeptieren und Nazis und ihre praktische Ausgrenzung zu tolerieren. Und beides ist mit uns nicht zu machen. Und das nicht nur seit den letzten Jahren, lieber Marcel Sander (29), nein schon länger als du auf Gottes Erdboden wandelst. Und wer nun USP für so etwas verantwortlich macht, der bekommt es mit uns zu tun. Oh ja, die bekommen ihr fett weg, wenn sie es verdient haben, aber wenn selbst das Abendblatt (!!) feststellt, dass sie „unschuldig“ sind (nebenbei: bei einem relativ offenem Mitgliedersystem würde ich als USP nie die Verantwortung für alle meine Mitglieder übernehmen, tut auch keine andere Versammlung), dann kann man mit Fug und Recht sagen: Geht kacken.

Und damit haben wir zu folgendem Sätzen eigentlich schon alles gesagt:

„Die friedliebenden Fans […] müssen Anhänger, die ihre Gewaltphantasien ausleben wollen, konsequent ausgrenzen. Dies mag alles nicht bunt und links sein. Es ist trotzdem der einzige Weg.“

Ach weißt du Peter, warum schreibst du nicht „Alternativlos“? Wir sind jetzt mal provokant. Wir behaupten nicht nur, dass es andere Wege gibt, wir behaupten selbst, dass eine Ausgrenzung ein Gewaltproblem noch nie gelöst hat. Ihr selber merkt doch, dass diese Jugendlichen (!!!) im Viertel verwurzelt sind. Meint ihr denn, die lösen sich im Nichts auf? Oder meint ihr, die juckt es, wenn sich der Haupttribünenbesucher von ihnen distanziert? Glaubt ihr denn, dass ihr was anderes als einen Solidarisierungseffekt und einen Gruppenstärkungseffekt (äußerer Feind) hinbekommt?

Oh, wir haben auch kein Patentrezept, wir hätten es gerne, aber Gewalt ist immer so vielschichtig, dass man es mit solchen Scheißhausparolen nie in den Griff bekommt. Lieber Peter, das wäre mal ein ehrlicher Kommentar gewesen.

Und noch etwas lieber Peter, in deinem Kommentar klingt etwas mit, was wir gar nicht mögen. Da klingt nämlich das Mantra „die Polizei macht keine Fehler und ist gut und gerecht“ mit. Aber das ist nur der DFB. Kritik unseres Präsidiums an der Polizei ist da richtig, wo sie richtig ist, genauso wie Kritik an uns Fans dann richtig ist, wenn sie richtig ist. Ja, wir alten Nörgelpötte haben dann immer auch was zu nörgeln, aber das hast du auch immer, oder? Es ist kein falscher Weg, auch mal die Polizei zu hinterfragen. Nein es ist der einzig richtige.

Tja und wenn man bei euch ja noch nachdenklich sein kann und irgendwo etwas zu diskutieren findet, machen die Kollegen von der MoPo einen ratlos.

Lieber lieber Buttje, lieber Malte, lieber Erik, lieber Jan-Hendrik und lieber Alexander, ihr zeichnet nun zu fünft (!!) für einen Artikel verantwortlich, der keinen Inhalt hat. War es einem alleine zu peinlich? Hattet ihr Angst, dass kein Kollege aus der Redaktion mit dem mehr essen geht? Oder warum zu fünft?

Eure Überschrift ist ja noch okay, wir fordern jeden Tag auch das Ende der Gewalt. Nur was dann folgt ist mehr oder minder Realsatire:

“ Am Ende waren es selbst ernannte Anhänger des FC St. Pauli, die Ärger machten.“

Ist „selbst ernannte“ nun das neue „sogenannte“? Also wir sind ja nur selbsternannte Blogger, aber wie wird man denn nicht selbst ernannter Fan? Gibt es da bei der MoPo ein Diplom? Mit Prüfung? (Erste Frage: Wer war der beste Spieler aller Zeiten beim FC: a. Buttje Rosenfeld b. Buttje Rosenfeld oder c. Buttje Rosenfeld)

Kann man sich nicht auch selbst zum Journalisten ernennen? Immerhin gibt es dafür keinen staatlichen Meister.

„Viele Fans haben die Schnauze voll von den Krawallmachern – Zeit für den Aufstand der Anständigen!“

Hmmm… Aufstand der Anständigen? Also nicht nur, dass wir darin irgendwie ein Paradoxon sehen, denn ein Anständiger steht nicht irgendwie gegen die herrschende Verhältnisse auf, nein wie soll der denn aussehen? Ist da etwa Gewalt im Spiel? Anständige gehen doch weg, wenn der Polizist es will. Leider erzählt ihr uns im weiteren Artikel auch nicht, wie dieser denn aussehen soll, dieser Aufstand. Stattdessen verzerrt ihr noch mal alle Fakten und malt euer Bürgerkriegsgemälde und die blühenden Landschaften früherer Jahre. Siehe dazu oben.

Eure selbsternannte Fankneipe Jolly Roger fragt schon mal für den Termin einer Lichterkette. Auch wir selbsternannten Blogger würden gerne teilnehmen. Oder gibt es Aufkleber? „Paulifans gegen Gewalt“? So mit Banker und Punker Hand in Hand? Hattet ihr doch im Volkspark auch viel Erfolg mit.

Rote Karten sind auch immer gut, die bringen auch immer sehr viel. Wir warten da immer noch auf so eine rote Karten Aktion, die im Forum schon vor 2 Jahren angekündigt wurde.

Oder sollen wir alle mal ganz laut aufstampfen und laut rufen „Wir sind gegen Gewalt“. Machen wir, wenn ihr es sagt.

Nur ganz ehrlich: Glaubt ihr denn, dass das irgendwas bringt? Meint ihr, dass sich so irgendetwas ändert? Glaubt ihr das wirklich? Euch würden wir es zutrauen.

Das ist doch genau das Problem: Wir (der Fußball) sind in der Gesellschaft eben keine Insel der Glückseeligkeit.

Bevor ihr jetzt denkt, wir würden nur nörgeln geben wir euch auch mal ein Tipp: Wie wäre es mit einem Feature zum NKSS (Nationales Konzept Sicherheit und Sport, damit ihr nicht zuviel googlen müsst) und einer Bestandsaufnahme so nach knapp 30 Jahren? Und vielleicht auch kritischen Anmerkungen und Weiterentwicklungsvorschlägen. Wie wäre es mal mit einem kritischen Vergleich von Polizeitaktiken gegenüber Fußballfans? Und wie wäre es mal mit einer Analyse der sozialen Probleme auf St. Pauli? Das alles wäre mal cool. Ach ja, liebe selbsternannten Journalisten: Das, was dafür erforderlich ist, nennt man Recherche. Das Wort ist euch sicher mal in der Journalistenschule über den Weg gelaufen.

(Mit lieben Dank an ganz viele Facebook und Twitteruser für Inspiration bei vielen Dingen)

Apr 232012
 

oder

Der Niedergang des Journalismus am praktischen Beispiel

Vorwort

Liebe Leser, wir riefen doch gestern dazu auf uns einen Screenshot der Hamburger Morgenpost zu senden. Den haben wir zwischenzeitlich erhalten und auch bei den Kollegen von Publikative.org ist einer zu sehen. Vielen Dank für eure Hilfe.

Schnelligkeit vor Genauigkeit?

Die Hamburger Morgenpost hat den Fehler später halbtransparent berichtigt, trotzdem wirft das ganze doch Fragen auf und man muss sich auch fragen, ob das Wort Recherche nicht in die Liste der aussterbenden Worte aufgenommen werden sollte.

Wir stellen fest: Wir können nicht erkennen, ob die Polizei zuerst behauptet hat, dass das Jolly von St. Pauli Fans (oder Chaoten) angegriffen wurde oder ob dies eine Fehlleistung der Hamburger Morgenpost war. Wenn man der Korrekturmeldung der Hamburger Morgenpost glauben will, dann war es die Polizei. Aber was spannend ist:

Die Meldung „St. Paulifans bewerfen Jolly Roger mit Steinen“ wird ungeprüft und mit dem Artikelbeginn „Unfassbar“ (eine Vokabel, die auch in den späteren korrigierten Fassungen stehen bleibt) und einer großen Schlagzeile prominent auf die Internetseite gepackt. Als Quelle wird noch „laut Polizei“ vermerkt, aber keine Distanzierung, kein Wort, dass man es nicht prüfen kann. Und das wohlgemerkt bei einem Sachverhalt, bei dem JEDER eigentlich sofort stolpern müsste und sich fragen müsste: „Kann das sein?“

Nun wollen wir gar nicht irgendeinem Polizeipressesprecher die Schuld zuschieben, der soll da auch in Echtzeit eine Meldung aus den – garantiert nicht klaren – Durchsagen seiner Einsatzkräfte zusammenzimmern. Man muss sich aber fragen, warum solche Updates innerhalb von Sekunden geschrieben und veröffentlicht werden, ohne dass dies hinterfragt und einer skeptischen Überprüfung durchzogen wird. Gibt es denn wirklich soviel mehr Klicks, wenn man anstatt um 16:01Uhr die Meldung um 15:55Uhr raushaut? Und wofür brauche ich noch bezahlte Journalisten, wenn selbst die absurdeste Mitteilung der Polizei auf die Internetseite wandert?

Und nun macht doch mal einen Abstraktionsschritt: Wenn selbst so unwahrscheinliche Polizeimeldungen ohne auch nur die kleinste kritische Überprüfung in das Blatt genommen werden, wie glaubt ihr wird mit „normalen“ Polizeimeldungen umgegangen?

Und warum bitte glauben immer noch breite Teile von auch aufgeklärten St. Paulifans, was in der Zeitung steht? Und warum glauben sie uns und anderen Bloggern eigentlich nicht?

Oh ja, wir sind Partei in diesem Konflikt und natürlich ist in jedem Konflikt die Wahrheit das erste Opfer, aber wenn, dann sollte das doch auch für Polizeimeldungen gelten, selbst wenn sie auf Zeitungspapier gedruckt werden.

Zuguterletzt noch zwei Klarstellungen für den Bericht von gestern: 1. Das Jolly hat sich natürlich nicht zu den konkreten Vorgängen von gestern geäußert, hat aber schon vor Jahren klar gemacht, dass es nicht Fluchtpunkt für Leute ist, die Scheiße gebaut haben. 2. Mit dem Vorsitzenden der besten Abteilung ist nicht der AFM-Vorsitzende gemeint.

Und dann erreicht uns noch folgende Story, die wir für glaubwürdig erachten: Eine große Gruppe der diesmal in der Süd stehenden soll zwei Damen, die auf den Zaun geklettert waren mit „Ausziehen“ Rufen bedacht haben. Wenn das auch nur annähernd der Wahrheit entspricht: Fickt euch, ihr Rufer. Kontrolle mal nicht da, und schon denkt ihr, ihr könnt mal wieder euer wahres Gesicht zeigen? Geht einfach, geht sonst wohin, aber bitte nicht mehr in unser Stadion.

Apr 222012
 

oder

Du, besorgst du uns jetzt mal zwei Platzverbote, damit wir nach Hause kommen?

Vorwort

Liebe Leser, hier rattern gerade zwei Köpfe und versuchen irgendwie ihre Eindrücke des Spiels gegen Rostock zu verarbeiten und dann auch noch in Worte zu fassen. Wir waren eigentlich überall und nirgends. Alleine schon um euch soviel wie möglich zu berichten. Und um es mal deutlich zu sagen: Glaubt nie, was in der Presse steht. Macht euch immer ein eigenes Bild.

Wer nebenbei über unseren Twitteraccount heute irgendwelche ernsthaften Statusmeldungen erwartet hat, den mussten wir doch bitterlich enttäuschen, denn so etwas wie eine Randaleliveberichterstattung ist ehrlich gesagt unter unserer Bloggerwürde. Aber einige lustige Eindrücke aus dem Gefahrengebiet sind da nachzulesen.

Wer stellt eigentlich die Ebbers Gefahr aus?

Wie sehr könnte man sich auf so ein Derby freuen? Wie geil ist dieses Kribbeln, wenn man gegen eine ungeliebte Mannschaft mit einer ungeliebten Fanszene spielt? Wie ist auch dieses Warten und Bangen, ob irgendwas passiert? Ja, das Letzte ist pervers und eigentlich nicht zu verstehen, aber da sind wir ehrlich, es gehört (leider geil) auch so ein bisschen dazu. Das Alles war nun durch die Polizeiverfügung ausgeblendet worden und wir sind da ehrlich: In den letzten Tagen war der Blick auf die Tabelle, die Berechnung des Restprogrammes und die Diskussion ob Platz 3 noch realtistisch ist in den Hintergrund geraten.

In der ganzen Diskussion über draußen oder drinnen sind viele vertretbare, viele sinnvolle und viele dumme Argumente gebracht worden. Auch wir waren am Ende zu 25 % im und zu 75 % am Stadion. Nur eines muss man mal sagen: Wer gleichzeitig argumentiert, dass er nicht aufsteigen wolle, dann aber sagt, die Mannschaft brauche gerade jetzt doch die gesamte Unterstützung, der beißt sich irgendwie selber in den Schwanz.

Und da sind wir dann auch schon bei der Stellungnahme des Präsidiums. Mal ganz ehrlich: Man kann ja ganz viel sagen und natürlich kann das Präsidium zu allem, jederzeit Stellung nehmen, aber wenn eine Zielgruppe, die ungefähr zu jedem Deppenspiel fährt -und dies seit ungefähr zehn Jahren- mal draußen bleiben will, dann muss ich nicht mit „lasst doch bitte die Mannschaft nicht alleine“ Druckargument kommen, das ist albern. Ne, ganz anders, es ist auch noch spaltend, wie unser Kollege richtig anmerkt.

Gut, dass die AFM da deutlich anders Stellung bezogen hat und da kann man dann wieder sagen: Wir wissen, warum wir in dieser Abteilung Mitglied sind.

Kommen wir jetzt also zu der glorreichen Polizeitaktik des heutigen Tages. Da wird mit viel Aufwand ein Kartenverbot angeordnet, da wird ein Gefahrengebiet eingerichtet, da wird behauptet, es bestünde ein polizeilicher Notstand und am Ende müssen trotzdem 1.500 Polizisten und dementsprechend genauso viele, wie bei den letzten Rostockspielen auf die Straße.

Und das Handeln unserer Beamten verstehen wir irgendwie auch nicht. Das Gefahrengebiet ist eingerichtet und Gruppen von drei bis zehn schwarzgekleideten Menschen können an mehreren Wannen vorbei grob in Richtung Altona spazieren und die ganze Zeit kommt nicht ein Polizist und fragt mal „Wo wollt ihr denn hin“? Da stehen an jeder Ecke des Fanladenbereiches Polizisten, aber am Bahnhof kann man entspannt aus dem Regionalexpress steigen und sich ohne weitere Kontrollen Richtung Viertel begeben. Da spazieren irgendwelche Rostocker Gestalten durchs Viertel und niemanden interessiert es. Man fragt sich die ganze Zeit nur: Warum dann das Gefahrengebiet? Warum große Verkündung ohne irgendeine Folge? Wenn ich mir schon riesig Macht hole, warum benutze ich sie dann nicht? Jetzt mal in der Logik von Sicherheitsfanatikern gedacht.

Und es wird noch paradoxer, aber dazu später. Verlassen wir diese Logik lieber ganz schnell wieder, denn sie ist nicht unsere. So saßen wir ganz entspannt in einem Eiskaffee in der Schanze, wo sich rein zufällig gegenüber USP zu einem Trauermarsch sammelte. Es ist wirklich bemerkenswert, wie schnell Leute einen Sarg, ein Kreuz (immer diese christlichen Bezüge tztzt) und ähnliches herbekommen. Und woher bitte hatten die einen SV Hassfurt Schal? Und wo bitte liegt Hassfurt?

Die Polizei hatte es nicht so wirklich mitbekommen und daraus folgend war erstmal etwas Hektik angesagt, weil man natürlich so einen Marsch mit massiven Kräften begleiten muss. Man kann sich direkt mal fragen: Warum eigentlich?

Es blieb zu 1.000 % friedlich und am Wappen wurden dann Sarg, Kreuz und ganz viele Kerzen und Blumen abgelegt. Es war dann so 11:15Uhr und irgendwer sagte dann „Ja, jetzt sei freie Zeit bis 12:00“. Feststellung des Tages: Ultraproteste sind wie Klassenfahrten, ohne Lehrer.

Im Endeffekt passierte bis 13:30Uhr nicht viel. Es gab noch eine kleine Rede, die wir in alter Demotradition locker verlabert haben und ansonsten waberte die Gerüchteküche. Aber außer dass die Rostocker Demo gut besucht sei, hörte man nichts weiter.

Anpfiff und auch im Stadion wurde der Protest doch mit unzähligen Tapeten an unzähligen Stellen deutlich gemacht. Das ist gut so und das war ja auch von uns so gefordert worden. Wenn man reingehen will, dann mit Protest. In der Fotogalerie findet ihr dann ganz viele Fotos.

Vorher war es schon so ein Ratespiel, wieviele Rostocker es denn ins Stadion schaffen würden. Und Tipps zwischen einer Hand voll und 1.000 waren alle auf dem Markt. Letztendlich verteilten sich auf die Tribünen wohl so um die 150 Leute, die nach Anpfiff und der Improvisation eines Gästeblockes auf den Sitzen der Nord zusammengeführt wurden. Darunter ca. 30 bis 40 Nasen, von denen wir jetzt mal sagen würden: Jo, können auch auf der Straße was.

Was man so gar nicht versteht und da sind wir wieder bei der paradoxen Polizeitaktik: Im Stadion gab es Vollbier. Da wird eine Verfügung auch damit begründet, dass die St. Paulifans ja so schlimm sind, sich an der Polizei abgearbeitet haben und die ja nun wirklich enthemmend wirkende Droge „Alkohol“ wird an und im Stadion fröhlichst ausgeschenkt. Das ist in einer Sicherheitslogik einfach nur noch damit zu erklären, dass man will, dass es knallt.

Ach letztens meinte doch ein Kommentator auf unserer Facebookseite, dass der Ebbers auf dem Feld „nichts mehr“ bringe komisch, dass er heute zwei Tore schoss und die eine oder andere weitere ziemlich gute Chance hatte. Das, was wir vom Spiel mitbekommen haben war eine deutlich überlegene Heimmannschaft, die besonders in den letzten 30 Minuten die Rostocker in Grund und Boden spielte. Der 3:0 Sieg war verdient, hätte aber auch gut und gerne noch höher ausfallen können. Die Stimmung im Stadion war erstaunlich gut. Von allen Tribünen wurden verschiedenste Chants angestimmt, übernommen, weiter getragen.

Dass man aber z.B. ohne taktgebende Trommeln so manch einen Chant nicht richtig durchsetzen kann, dass es sehr beschwerlich ist ohne einen Vorsänger einen tribünenübergreifenden Wechselgesang zu starten, dass es Mut, ne laute Stimme und Ausdauer erfordert eine Tribüne überhaupt zum singen zu bringen, fiel auf. Wir schließen daraus, dass unorganisierter Support schon funktioniert, aber um Längen besser ist, wenn sich alle (mit dem organisierten Support) zusammenschließen. Dass nach heute vielleicht der eine oder andere neue Aspekt in die leidige Diskussion eingebracht wird, wäre schön. Bemerkenswert wurde es zum Ende des Spiels nochmal als die Haupttribühne komplett stehend die Südkurvler aufforderte sich hinzusetzen und einen klassischen Wechselgesang initiierte.

Und klar, Hoffenheim damals, da hörte man das Stadion auch kilometerweit ins Viertel, aber seien wir mal ehrlich: Das war auch ein absolutes Ausnahmespiel. Daher: Jeder jetzt seine Position überdenken, nicht in „die sind so leise“ und „die dauerlalalen nur“ zurückfallen, sondern GEMEINSAM zum Roar.

Vor dem AFM Container eine sehr lustige Stimmung. Laber Laber Laber *imhintergrundgehtwolfmitderstimmehoch* alle werden ruhig, Wolf kommentiert laut eine Torchance, Ball geht vorbei, Wolf senkt seine Stimme und alles macht „oooooohhhhh“. Ein Aux Armes gab es auch und so war eigentlich entspannte Klönstimmung bei den vielleicht 1.000 versammelten braun-weißen. Das mit dem Tore erpinkeln oder erbierholen läuft nebenbei auch bei einer Radioübertragung ;-).

So und bis zur 75. Minute war auch die Welt im Viertel eigentlich in Ordnung. Keine Hektik, kein Tatütata, aber dann ging es los. Dumpfer Knall aus Richtung Pferdemarkt. Der Abteilungsleiter der besten Abteilung meint noch „lass uns mal gucken gehen“ und wir marschieren so ganz entspannt in Richtung Jolly. Da gerade Polizeishow (andere Leute zahlen für so etwas Eintritt) und dann kommen aus Richtung Paulinenplatz vermummte Typen und bewerfen die ca. 30 Polizisten mit Flaschen und Steinen. In der Gerüchteküche war später von Antifariotkids die Rede, aber das können und wollen wir irgendwie auch nicht diskutieren.

Nur mal eine Anmerkung: Es ist schon bemerkenswert, dass so eine Gefahrengebietsverordnung eigentlich zum genauen Gegenteil führt, weil plötzlich Leute auf der Straße stehen und dort agieren, die mit Fußball aber so null, null am Hut haben. Da fühlen wir uns auch weder verantwortlich für, noch haben wir auf solche Gruppen Einfluss. Die ruft sich die Polizei ganz von selbst herbei.

Aus unserer Sicht ist folgendes klar: Es handelte sich hier nicht um einen Angriff, der von der Masse, die da rumstand irgendwie gedeckt oder mitveranlasst wurde. Das war doch sehr deutlich, dass die Masse da eher chillte und gar nicht wusste, wie ihr geschah. Umso alberner, dass dann die Polizei sofort in Richtung Jolly agierte und kurze Zeit später mit ihren Wasserwerfern eigentlich jeden eindeckte, der da irgendwie rumstand. Und wie man sich von Gewalttätern distanzieren soll, wenn in der ganzen Gruppe, in der man steht nicht mal eine klitzekleine Gewalttat geschieht, das wird auch das Geheimnis der Hamburger Polizei bleiben.

Um es mal deutlich zu machen: Was für eine absolut beschissene Nummer, da irgendwie rumstehende Polizisten mit Flaschen zu bewerfen. Da war gerade gar nix im Gange, auch wenn es später hieß, die Polizei wollte wohl Leute aus dem Jolly holen, die sich dorthin geflüchtet hätten, nachdem sie Fahrzeuge der Polizei angegriffen hätten. Okay, können und wollen wir nicht nachprüfen, wäre genauso scheiße. Hat sich das Jolly ja auch schon deutlich zu positioniert.

Daher: Nicht „vom Jolly aus“ wurde die Polizei mit Flaschen eingedeckt, sondern aus dem Ausgang Paulinenstraße und da ist doch ein Unterschied zu erkennen, liebe Polizei und liebe MoPo. Ach ja in diesem Zusammenhang: Hat irgendwer einen Screenshot von MoPo Online gemacht, als diese als erstes meldeten, dass „St. Pauli Chaoten das Jolly mit Steinen bewarfen“? Dann bitte an Kontakt schicken.

Nur: Warum dann pauschal erstmal Alles mit Wasser eingedeckt wird, warum Leute von Polizisten angeschrien werden und besoffene Kutten aus dem Weg geschubst werden, das ist einfach unbegreiflich. Und das zu einem Zeitpunkt, wo dieser Flaschenbewurf schon Minuten zurücklag.

Liebe Polizei Hamburg, Durchsagen man werde nun alle mit Wasser eindecken, wenn sie sich nicht entfernen und sich nicht von den – nebenbei schlichtweg nicht vorhandenen – Gewalttätern distanzieren würde, sind doch etwas witzlos, wenn man sie aufgrund von einer schlechten Lautsprecherqualität nicht versteht. Es entstand so der grobe Eindruck: Wir wissen nicht, was wir wollen, aber das wollen wir und das setzen wir nun auch mit Wasser durch.

Nun ja, als man dann zum Fanladen gehen wollte, kam man nicht in die Detlev-Bremer-Straße. Man konnte aber durch die Clemens-Schulz Straße zum Miller gehen. Umweg ca. 100 Meter. Dies taten auch richtig viele Leute. Auf der einen Seite hatte der Polizist, der gefragt wurde null Humor „Das diskutiere ich nicht mit Ihnen“. Auf der anderen Seite fand man aber zwei Polizisten mit Humor. „Ach, wissen da tut so ein höherer den Finger auf die Straßenkarte und sagt „sperrt mal ab“ und dann stehen wir hier.“ und sein Kollege ergänzt „aber eigentlich machen wir ja Polizeitaktik nicht öffentlich.“ Punkt geht klar an die Polizei für Eigenhumor.

Trotzdem war das Abenteuer zum Fanladen noch nicht vorbei. Denn bei der Ecke Annenstraße/Hein-Hoyer kam es noch zu Pferdeballett und BFE gerenne. Wir wissen nicht, ob die Pferde mit Feuerwerkskörpern beworfen wurden, wie von der Polizei behauptet, aber aus dem Einsatz genommen wurden sie nicht, denn dies passierte nun definitiv zeitlich später.

Endlich: Heimat Fanladen. Aber so richtig entspannt ging es nicht weiter, denn auch hier war noch viel Hektik, weil sich irgendwann eine Polizeieinheit direkt vor der Tür positionierte. Niemand wusste so richtig warum, aber der ärmste Stefan durfte noch viel Arbeit machen. Es gab noch viel Generve und Gerenne, bevor endlich mal ein Fazitgetränk in Ruhe auf den Tisch wanderte. Und da waren sie. Nennen wir sie mal L und K, so heißen sie nicht, aber so nennen wir sie jetzt mal. Sie bilden eine WG, man könnte sie als Ultra bezeichnen und sie waren lustig. Die Überschrift war der Versuch ins Bett zu kommen und wir wurden noch unter Druck gesetzt, heute noch zu bloggen. So können Künstler nicht arbeiten. 😉

Bemerkenswert auch: Da ist Gefahrengebiet und man kann trotzdem völlig offen lustige, bunte Tütchen durchs Viertel tragen. Hallo Polizei!

So und dann war der Tag auch gelaufen, aber eine Sache in der Polizeimeldung macht dann doch schwer nachdenklich. Wir zitieren:

„In der Gerhardstraße wurde ein Lokal entglast“

Daran ist einmal bemerkenswert, dass das Wort „entglast“ sich in offiziellen Polizeiberichten wieder findet. Und wer sich ein bisschen auf St. Pauli auskennt, der weiß, welche Kneipe hier angegriffen wurde. Und das ist mehr als Mist, denn dies wird natürlich dazu führen, dass sich einige Leute berufen fühlen Rache zu nehmen. Und das es sowieso mehr als unsinnig und doof ist sich gegenseitig die Läden zu „entglasen“ ist hoffentlich jedem klar, oder?

Und da müssen wir zu uns ehrlich sein: Da müssen wir auch vor unserer eigenen Haustür kehren.

An wen geht denn nun der Punkt heute? Allemal geht ein halber an Rostock, denn gut 2.000 Leute zu einer friedlichen Demo zu motivieren, wo null Chance besteht das Spiel zu sehen, das ist schon mal sehr ehrenwert. Die Polizei bekommt per se keinen, hätte aber einen verdient, weil sie es wieder geschafft hat, dass Polizeimeldungen nicht hinterfragt werden, sondern 1-1 von der Presse abgeschrieben werden. Und das teilweise nicht einmal im Konjunktiv. Und selbst wenn im Konjunktiv: Wo ist die eigene Recherche? Warum sieht man nur irgendwelche freien Kameraleute auf der Straße, aber niemals schreibende Journalisten? Sorry, nochmal: Differenzierungen tun not, wenn man nicht alle Fußballfans immer über ein Knie brechen will und mit solchen Leerworten wie „Chaoten“ arbeiten will.

Bleiben folgende Fragen zum Schluss: Warum Gefahrengebiet, wenn man von den Mitteln, die dieses bringt keinen Gebrauch macht? Warum massive Polizeipräsenz an Orten, wo es gar nicht brisant werden kann? Warum überhaupt dieses Kartenverbot mit seinen unzähligen Brandherden, wenn man es wahrscheinlich viel einfacher haben hätte können? Wir wissen es nicht, wir wollen es auch nicht wissen, denn wir wollen uns eigentlich gar nicht auf diese Art von Sicherheitslogik einlassen.

Anmerkungen: Wir sind jetzt sehr bewusst nur von dem von uns Erlebten ausgegangen.

Nachtrag: Ein Video, was ziemlich gut das zeigt, was wir schildern.

Apr 192012
 

 

Immer wenn man denkt, das Ganze könne nicht absurder werden, muss man  sich revidieren und sich fragen, ob man eigentlich lachen oder weinen  soll.
 Nun also hat die Hamburger Polizei beschlossen, dass es ein Gefahrengebiet geben  soll. In diesem Gebiet herrscht also eine Gefahr! Etwa eine Gefahr für  die Sicherheit und Ordnung? (Ja, muss, sonst darf man es nicht  einrichten) Könnte es vielleicht selbst eine Gefahr für Leib und Leben  sein? Man könnte drauf kommen, wenn man denn den Pressetext liest. Wir  zitieren:
„Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre ist bei  Aufeinandertreffen von Problemfans dieser beiden Fußballvereine mit  gewalttätigen Auseinandersetzungen zu rechnen.  Um den Gefahren  konsequent begegnen zu können, richtet die Polizei Hamburg am Sonntag,  22.04.2012, in der Zeit von 09:00 Uhr bis 20:00 Uhr, ein „Gefahrengebiet  Stadionumfeld/St. Pauli“ ein.“
Äh, bitte was? War nicht  die Verbotsverfügung damit begründet worden, dass NUR SO Ausschreitungen  verhindert werden könnten? Und dies das einzige, effektive und  schlagkräftige Mittel sei?  War nicht mit einem polizeilichen Notstand  argumentiert worden und damit, dass man dieses Gebiet nicht  kontrollieren könne mit den vorhandenen Kräften? Und nun soll das alles  TROTZ Verbotsverfügung notwendig sein? Und es soll eine Gefahr  vorliegen, die ein Gefahrengebiet rechtfertigt?
Sehen  nur wir da einen Widerspruch zu der Begründung des Abgabeverbotes?  Beißt sich da die Polizeikatze gerade mit Schwung selbst in den Schwanz?
Und  was ist eigentlich mit dem polizeilichen Notstand? Zu wenig Kräfte?  Unübersichliche Lage wegen des Frühling Doms? Das gilt jetzt alles etwa  nicht mehr?
Wir haben da mal vor Jahren so eine coole  Rentnertruppe in Magdeburg kennen gelernt, liebe Polizeiführung Hamburg.  Vorschlag zur Güte, ihr schickt die und eure BFE Mutanten gehen Angeln  mit unserem neuen zertifizierten Sicherheitsfachmann.  Der kennt nette Seen in Baden Württemberg oder sonstwo. Würde die  Möglichkeit der Gefahr für Leib und Leben schon extrem reduzieren, wenn  nicht wieder Pfeffersprayzufallssprayen  angesagt wäre. Und Sorry Sven,  du weißt ja, Einzelschicksale und keine Rücksicht.
Ach ja: Und  danach könnt ihr vielleicht alle, inklusive der politischen Führung,  euren Hut nehmen und mal Leute ranlassen, die Ahnung von Fußball und  anderen Gefahrenherden haben. Nur so als kleiner Tipp. Herr Neumann: An  Ihren Taten sollte man sie messen, wir sagen ihnen: Diese Tat alleine  rechtfertigt einen Rücktritt.
Herzlichst: Ihre Magischenfc Blogger
PS: Das diese Gefahrengebiete mit u.a. rassistischen Praktiken einher gehen, sei hier mal nur am Rande erwähnt.
PPS:  Komisch, dass niemand auf die Idee kommt, den Dom zu schließen oder  zumindest dort den Alkoholausschank zu untersagen. Dabei sind das  genauso Nichtstörer wie der FCSP. Politisch nicht durchsetzbar? Dann  lieber gegen die sowieso stigmatisierten Fußballfans? Scheinheiligkeit  allez?

 

Apr 182012
 

oder

Ratlosigkeit

wenn das der Frieden ist,
lass niemals Krieg sein
(Kettcar – R.I.P.)

Vorwort

Liebe Leser, wir sind ratlos. Wirklich ratlos. Wir sind ja nun alle nicht wirklich auf den Mund gefallen und haben ja eigentlich zu allem eine Meinung, nein, wir haben zu allem die richtige Meinung, aber heute fehlt uns mal wirklich eine abschließende Meinung. Daher werdet ihr jetzt keine Handlungsempfehlung lesen, wir werden nur mal sagen, was für uns geht und was nicht geht.

Irgendwie sieht es sowieso nach einer Lose/Lose Situation aus. Wenn alles friedlich bleibt, wird sich irgendein Polizeisprecher hinstellen und erklären, dass das ja nur an ihren Maßnahmen läge. Und wenn das rappelt, dann wird sich ein Polizeisprecher hinstellen, dass die Maßnahme ja noch lange nicht ausreichen, man aber schlimmeres verhindert habe. Und leider wird diese Deutungshoheit dann eins zu eins von der Presse abgeschrieben und die breite Öffentlichkeit belogen. Es wurden dann wieder „Problemfans“ getrennt und „polizeiliche Zwangsmaßnahmen zu Recht angewendet“. Ja liebe Journalisten, der 22.04.12 könnte euer Tag werden, euer Tag zu recherchieren, auf der Straße zu sein und Polizeilogik zu hinterfragen. Nur wird das breit passieren? Werden die Rosenfelds oder die Hirschbiegels dieser Welt etwas anderes tun, als den Polizeibericht abschreiben? Wer das glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Soviel zur sogenannten 5. Gewalt.

Alle mal bitte frei drehen?

Heute morgen erreichte uns also die Stellungnahme von USP zu dem Rostockspiel. Wir denken jeder St. Pauli-Fan sollte diese lesen und sich danach überlegen, was er zu tun und zu lassen hat. Wir wollen mal versuchen unsere Gedankengänge klarzumachen:

Erstmal ist es wohl klar, dass dies kein Spiel wie jedes andere ist. Fußball ohne Gästefans kickt nicht. Ein „Kogge versenken“ ohne gegnerische Fans, die sich darüber Ärgern, kickt nicht und auch das Kribbeln, ob die sich vielleicht über einen fetten Auswärtssieg freuen können, während wir trauern, gehört einfach dazu. Dies alles ist durch die Nichtanwesenheit der Rostocker Fans zerstört.

Jedem sollte auch klar sein, dass ein „ach das ist doch Rostock“ einfach zu kurz gedacht ist. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, auch wir in Dresden oder woanders können ganz schnell Opfer einer solchen allgemeinen Verfügung werden (bei Dresden war dies wohl schon konkrete Überlegung der Polizei), insbesondere wenn der sogenannte polizeiliche Notstand wirklich als Argument durchgehen würde. Ein solcher ist schnell konstruiert bei den dünnen Personaldecken und jeder Innenminister freut sich doch, wenn er durch so eine Verfügung meint Polizeikräfte zu Hause lassen zu können. Da freut sich die Polizeigewerkschaft fröhlich mit und alle sind glücklich. Außer vielleicht die bösen Fußballfans.

Und niemand muss hinterfragen, warum wir in Paderborn in der Vergangenheit von einer Polizeistärke empfangen wurden, die auch für einen ordentlichen Bürgerkrieg gereicht hätte. Und niemand – und das wird unser Lieblingsvergleich bleiben – wird auf die Idee kommen zu hinterfragen, warum eigentlich diese ganzen Maßstäbe nicht für das Oktoberfest und/oder andere Zeltfeste gelten, wo es auch jederzeit zu Schlägereien und ähnlichem kommt und statistisch ähnlich viele, wenn nicht mehr Straftaten als beim Fußball passieren. Warum wird das niemand fragen? Ganz einfach, weil Fußballfans und insbesondere auswärtsreisende Fußballfans stigmatisiert sind. Schon vor Jahren durften wir auf einer Sit-In Party von einem Polizisten folgenden Satz hören: „Alle Fußballfans die Auswärts fahren sind Hooligans. Die wollen alle nur Randale.“

Ja, man muss diese Abstraktionsebene ziehen, auch wenn das vielen Leuten sehr schwer fällt. Viele Leute sehen eben nur das Feindbild Hansa Rostock und denken nicht weiter drüber nach. Nur noch einmal: In beiden Urteilen fehlen weitestgehend Ausführungen, warum Hansa – St. Pauli anders sein soll, als andere sogenannte Sicherheitsspiele wie z.B. wir gegen Braunschweig, wir gegen Dynamo, Rauten, Werder Bremen etc. Das heißt: Mit entsprechenden Aufzählungen der Polizeiberichte, deren Wahrheitsgehalt niemand nachprüft (und auch nicht nachprüfen kann) kann die Polizei in eigenem Ermessen und ohne wirkliche Kontrolle überlegen, ob und wie sie Gästefans zulassen will. Ihr kennt das mit der Macht, der absoluten Macht und dem Korrumpieren, oder? Es wird spannend bleiben, ob und wie die Gerichte in der Hauptsache zu diesem Thema Ausführungen machen werden.

„Wehrt den Anfängen“ ist erstmal eine sehr hohle Phrase, aber hier stimmt sie. Denn es drohen noch ganz andere Gefahren. Herr Niersbach faselt ja ständig davon, dass man damit rechnen müsse, dass doch vom Gesetzgeber Stehplätze verboten werden würden. Das tut er natürlich deswegen, weil ihm die Stehplätze ein Dorn im Auge sind, er aber clever genug ist, dies nicht direkt zu sagen, um den Shitstorm nicht abzubekommen. Aber er schmiert das den Sicherheitsbehörden immer wieder auf das Brot bis diese aus „Sicherheits- und Ordnungsgedanken“ im ersten Schritt bei Sicherheitsspielen den Verkauf von Stehplätzen und dann im zweiten Schritt sie ganz verbieten werden. Und Schuld ist dann natürlich nicht eine seit Jahren verfehlte Politik der Ausgrenzung, der Stigmatisierung, der Kriminalisierung. Nein Schuld ist dann natürlich der böse Fan.

Und dieser „immer mehr Sicherheitsmaßnahmen sind notwendig“ Logik etwas entgegenzusetzen und unsere freien Räume zu verteidigen, dies ist eine Aufgabe, der auch wir uns verpflichtet haben. Es ist leider in jedem Bereich des täglichen Lebens so, dass immer mehr verboten wird, immer mehr normiert und „normalisiert“ wird, weil ein Abweichen von dieser Norm entweder „störend“ oder „gefährlich“ ist. Das beginnt bei Trink- und Aufenthaltsverboten im öffentlichen Raum, geht über komplette Videoüberwachung des Lebens und endet in umfangreichen Einschränkungen der persönlichen Bewegungsfreiheit. Gefahrengebiete und ähnliches sind ständige polizeiliche Praxis geworden. Und haben nebenbei genau zu einem nicht geführt: Zu einer höheren Sicherheit im Sinne von wirklich weniger Gewalt, weniger Risiko. Klar, weil das Übel an der Wurzel packen, das hat ja noch nie jemand versucht. Viel lieber kürzt man im präventiven, sozialen Bereich. Da gibt es keine Lobby, keine Polizeigewerkschaft, die schreit und die Bild-Zeitung interessiert das auch nicht. Das man hier sich die Gewalttäter von morgen mit heranzieht? Wer sieht schon diese Logik? Niemand in der „breiten“ Öffentlichkeit.

Dies alles gesagt zu haben, bedeutet, dass wir eine Reaktion am Sonntag für falsch halten: Normal hinzugehen, seine normale Spieltagsroutine durchzuziehen und wieder nach Hause zu gehen. JEDER sollte ein Protestzeichen setzen, was er als angemessen hält. Sei es nun, dass er vor dem Stadion bleibt, wie von USP angeregt, sei es, dass er ins Stadion geht und eine Tapete, ein Schild, ein Bettlaken oder was auch immer bemalt, sei es, dass er sich vor oder nach dem Spiel an Demonstrationsmaßnahmen beteiligt oder sei es in dem er irgendwas was auch immer macht. Daher können wir folgende Passage der Stellungnahme nur komplett unterschreiben:

„Werdet aktiv und kreativ! Diskutiert mit eurer Bezugsgruppe und entwickelt Ideen, […]“

Und ja, wir haben das bewusst da so abgeschnitten, denn für uns gibt es immer noch zwei Sachen, die nicht sein dürfen:

1. Die Ausübung von Gewalt. Oh ja, auch wir haben die sprichwörtliche Faust in der Tasche und es uns fällt schwer hier ein frei drehen nicht zu legitimieren, weil es so schön die Logik der Sicherheitsfanatiker zerstört und eben zeigt, dass ihre Maßnahmen nicht Gewalt beenden, sondern nur fördern. ABER: Man muss seinen Prinzipien insbesondere dann treu bleiben, wenn sie weh tun, wenn sie einem selber weh tun. Sonst sind es eben keine Prinzipien. Und deswegen ist es für uns nicht vorstellbar – selbst in dieser Situation – Gewalt zu tolerieren, zu dulden, dazu aufzurufen und/oder sie passiv und/oder aktiv zu unterstützen. Und seien wir mal ehrlich zu uns selbst: Daher können wir den USP Aufruf so nicht einfach uneingeschränkt abzeichnen und abnicken, denn dieser kann sehr gut in eine andere Richtung verstanden werden.

Was aber auch jedem klar sein sollte: Der zivile Ungehorsam ist für uns keine Gewalt, eine fette, friedliche Sitzblockade der reichlich vorhandenen Hauptverkehrsstraßen im Viertel würde immer unsere Sympathie finden. Wir wissen, dass dies andere Juristen ganz anders sehen und wir weisen daher auch auf die eventuelle Strafbarkeit hin und würden nie zu so etwas aufrufen, aber sympathischer als sinnloses abarbeiten an Polizeikräften oder Rostocker Demoteilnehmern ist das allemal.

Weiterhin sollte jedem klar sein, dass unsere Institutionen geschützt sein müssen und man sich dabei nicht wirklich auf die Polizei verlassen kann. Die hat es auch in den letzten Jahren nicht geschafft verschiedene Angriffe auf das Jolly auch nur annähernd abzuwenden und/oder schnell zu beenden. Vielmehr war ständige Notwehr gefragt um Schlimmeres zu verhindern.

„Bereitet euch auf alles vor.“ ist so ein Satz, über den man stolpern muss in der Stellungnahme. Den hätten wir so nicht geschrieben. Wir interpretieren ihn mal so, dass man sich an die üblichen Vorkehrungen und Verhaltensregeln bei einer Demo halten sollte. Das heißt insbesondere: Leute, an diesem Tag ist Alkohol (und andere Rauschmittel) tabu und ein klarer Kopf gefragt. Und das Handy bleibt entweder zu Hause oder in der Tasche, als Kamera ist es nicht zu nutzen. Und Youtube ist sowieso scheiße.

2. Jeder sollte frei über sein Verhalten entscheiden. Um das mal ausdrücklich zu sagen: Wir werden niemanden verdammen, der ins Stadion geht und der die Mannschaft supporten will. Blockaden, Anmachen, physischer oder psychischer Druck gegen Leute, die ein Spiel lieber sehen als hören wollen, sind fehl am Platz!!! Nicht wir untereinander sind der „Feind“, nicht Hansa Rostock ist der Feind, nein die Sicherheitsmaschine ist es. Insofern sind auch aktive Aktionen gegen eventuell auftauchende Rostocker für’n Arsch. Klar, Verteidigung von einem selber und der Institutionen immer. Mehr aber auch nicht!

Und auch hier muss man einen Schritt weiterdenken, der Polizeibeamte, der mit A7 auf der Straße steht, hat vielleicht den falschen Job, mag uns unsympathisch sein, aber er ist garantiert nicht verantwortlich für das, was seine Oberen verzapfen.

Der Stadion Fraktion raten wir zum Kauf einer Spraydose, einer Tapete und der Anfertigung von ungefähr 1000 Tapeten, die einen Spruch mit „außer Boll“ oder ähnliches beinhalten könnten. Auch andere kreative Protestformen oder kreative Schlachtgesänge sind immer gefragt und sollten genutzt werden.

Und noch etwas: Wer jetzt meint sich in USP Bashing zu verlieren oder meint, hurra, dann könne man ja mal richtig supporten, dem legen wir doch mal ans Herzen drüber nachzudenken, warum er es diesmal kann, sonst aber nicht. Beim letzten Mal hörte man ganz entspannt den Dom von nebenan, das diesmal anders zu machen wird Aufgabe der im Stadion befindlichen Fraktion sein. Gegengerade: Es ist deine Zeit des Erwachens. Und wenn ihr merkt, dass ihr ohne USP supporten könnt, dann merkt ihr vielleicht endlich auch mal, dass ihr auch mit USP supporten könnt. Nämlich noch viel besser, als ohne.

Will jetzt noch jemand wissen, wo die Blogger eures Vertrauens zu finden sind? Ja, wenn wir das wüssten. Zur Zeit tendieren wir dazu unsere Plätze alleine zu lassen und am AFM Container mit einer Cola in der Hand dem Spiel zu lauschen. Aber das ist eine Tendenz, die sich auch durch Handlungen und Wirklichkeit am Spieltag noch ändern kann.

Ganz ehrlich: Zum einen wird Support sowieso vollkommen überbewertet (sonst wäre Fürth nie aufgestiegen und Hoffenheim nicht Erstligist), zum anderen gibt es immer noch wichtigeres als Fußball. Und das hier ist eine Grundsatzfrage. Aber wie schon geschrieben: Das ist unsere Meinung, die wir niemandem aufzwingen können und wollen.

Daher: Keine Handlungsempfehlungen, keine klare Meinung. Egal war ihr macht: Macht Protest!

Zuguterletzt: Eine Teilnahme an der Demo der Rostocker erscheint uns absurd. Sorry, aber das Wort „Bündnisfähigkeit“ ist eben auch so ein Wort, das erstmal hohl klingt, aber doch seine Berechtigung hat. Wir sind ehrlich gesagt erstaunt, dass Leute so etwas ernsthaft andenken. Ne, die können gerne mal alleine demonstrieren und das liegt an ihrem Vorverhalten und nicht an uns. Schade, mag man sagen, aber es ist so.