Mrz 152012
 

… wenn jede Scheiße zu Geld wird, dann hast du auch verloren,
dann wurdest du ohne Arsch gebor’n…
(Schon wieder Frank Z / Abwärts – ich seh die Schiffe den Fluss)

Vorwort

Liebe Leser, heute Morgen war es wieder so weit. Wir so beim Kaffee, die Zeitung der Moderne (auch das Internet genannt) aufgeschlagen, wir so ein bisschen gesurft, uns ein paar Mails geschrieben, mal unseren Twitteraccount gecheckt.

Ja und da war es wieder passiert. Krankenhaus, Jochbeinbruch, Neuer Rechner, weil Tastatur kaputt, auf ihr eine Melange von Blut und ausgespuktem Kaffee… Alles nur, weil unsere Köpfe immer wieder auf die Tastatur fielen. Und aus dem Mund nur noch ein undifferenziertes „A A A R R R R G G G G H H H H“ und ausgespukter Kaffee kam.

Revolution? Na, dann lieber Leibniz Butterkekse

Die DFL plant also die Spieltagsrevolution. Nach uns bisher vorliegenden Presseartikeln will man ab der Saison 2013/2014 nicht mehr nach dem System Hinrunde = Rückrunde verfahren, sondern „flexibler“ werden. U.a. der Kicker (nicht gerade ein Blatt, was dafür bekannt ist sich Sachen auszudenken) berichtete, man wolle in der Winterpause den Spielplan neu mischen, so dass man spannende Duelle für die Meisterschaft und/oder den Abstieg an das Ende packt. Zwar dementierte Holger H. halbherzig, aber es ist schon bemerkenswert, wenn er sagt „es sei lediglich darum gegangen, mehrere Modelle vorzustellen, mit der mehr Flexibilität des bisher starren Spielplanes erreicht werden könnte.“

Kennt ihr den guten alten Spruch „If it ain’t broke, don’t fix it.“?

Diesen Spruch hat bei der DFL noch niemand gehört oder die Angestellten sind maßlos unterfordert und müssen deswegen eine Schnapsidee nach der anderen produzieren. Denn wenn ihr bei Kicker in die Suchmaschine „Spielplan Revolution“ eingibt, dann bekommt ihr auch einen Artikel, wo von einem Geheimplan berichtet wird, welcher die Anstoßzeiten so sortiert, dass die 2. Liga gar nicht mehr am Wochenende spielt.

Aber kommen wir zu der neusten Idee, die ja nicht wirklich dementiert wird. Zwar wird gesagt, dass hätten weder die Manager noch die DFL gewollt, aber mit der oben zitierten Einschränkung klingt das nicht wirklich 100 % glaubwürdig.

Natürlich darf man nicht gegen jede Änderung sein. Auch der Fußball muss einer Veränderung unterliegen und auch Spielplangestaltungen kann man immer wieder hinterfragen und sowohl für Fernsehzuschauer (so fair muss man sein), als auch für Stadionpublikum optimieren wollen. Auch der Spannungsbogen in einer Liga sollte natürlich möglichst lange erhalten bleiben.

Nur beides erreiche ich mit diesem Vorschlag nun mal einfach nicht. Einmal hat die Bundesliga – im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ligen – schon dadurch einen sehr hohen Spannungsbogen, dass der Punktverlust eines Topteams gegen ein Abstiegskandidaten eher die Regel als die Ausnahme ist. Anders als z.B. in Spanien oder Schottland verlieren die Topteams doch einige Punkte gegen die Abstiegskandidaten.

Darüberhin aus muss man sehen, dass das Produkt mit dem starren Spielplan beim Fußballfan ankommt. Die Stadien sind trotz überhöhter Preise gut gefüllt, die Werbeeinnahmen sind hoch und auch die Einschaltquoten im Fernsehen sind hoch. Das Produkt ist auch verständlich und man kann aus der Präsentation des Rahmenspielplanes (mit gerade mal einer fixen Terminierung!) ein TV-Ereignis machen. Man muss daher folgende Frage stellen: Wo bitte ist der Handlungsbedarf?

Okay, auch ein gutes Produkt kann man verbessern. Aber man sollte es wenn behutsam und vorsichtig machen. Eine „Revolution“ ist da immer problematisch. Ich opfere also einen mehr oder minder zufälligen Spielplan, der für 18 Vereine schlechte Momente und gute Momente hat gegen eine Manipulation in der Halbserie. Davon profitieren wahrscheinlich nicht alle 18 Vereine gleich, so dass ich alleine dadurch eine Wettbewerbsverzerrung schaffe. Z.B. die graue Maus würde nie mal das Glück haben Bayern am letzten Spieltag zu bekommen. Das mag in der Bundesliga noch kein Faktor sein, aber ich könnte mir vorstellen, dass für den KSC die 10.000 Frankfurter, die am letzten Spieltag dort ihren Aufstieg feiern wollen ein knallharter Wirtschaftsfaktor sind.

Der starre Spielplan hat noch einen Vorteil: Er ist nicht erklärungsbedürftig. Ein 5 jähriges Kind begreift: Spiele ich zuletzt einmal gegen Paderborn, spiele ich noch mal zuletzt gegen Padeborn. Wenn ich aber manipuliere, dann wird es erklärungsbedürftig und damit verliere ich den flüchtigen Kunden. Und genau den brauche ich für eine hohe Einschaltquote und für ein Interesse am Stadionbesuch. Nicht ganz von ungefähr kommt, dass Volleyball und Tischtennis zwar 1.000 mal die Regeln geändert haben, aber damit eigentlich nie mehr, sondern eher immer weniger Akzeptanz gefunden haben.

Man kann auch einfach Wikipedia zitieren: „Er kann von relativ zahlenmäßig kleinen Gruppen ausgehen, das Gelingen einer Revolution ist jedoch meist von einer breiten Zustimmung der Bevölkerung abhängig.“

Und noch eine Frage stellt sich: Wird das ganze transparent? Die Entstehung des jetzigen Spielplanes ist es schon nicht, aber da stehen immerhin alle Mannschaften bei Null. Wenn es nämlich nicht transparent ist, dann besteht immer die Gefahr der Manipulation. Und das kann nicht Sinn der Sache sein.

Okay, wir wollen ja hier nicht die Reichsbedenkenträger sein und vielleicht sind das ja alles kleine Nachteile, die man halt auch mal in Kauf nehmen muss für mehr Spannung. Aber erreicht man diese denn wirklich? Bekommt man wirkliche „Endspiele“, die elektrisieren?

Wir glauben nicht. Man nehme alleine mal als Beispiel die Tabelle der Fußballbundesliga 2010/2011 nach der Hinrunde als Beispiel. Wenn man nun ein Endspiel nach dem damaligen Tabellenstand hätte bauen wollen, dann hätte am letzten Spieltag die Borussia aus Dortmund gegen Mainz 05 kicken müssen. Die Championsleague und Europacupränge hätten an den letzten Spieltagen zwischen Leverkusen, Hannover, Bayern, Freiburg und Frankfurt ausgespielt werden müssen. Man beachte: Frankfurt und Bayern trennten damals nur 3 Punkte. Die Abstiegsduelle hätten St. Pauli, Köln, Stuttgart und Gladbach unter sich aus machen müssen. Hätte eine Manipulation dahin gehend, dass man diese Duelle nach hinten gelegt hätte (und vielleicht noch mal nach dem 24. Spieltag ein bisschen neu gemischt hätte?) irgendwo mehr Spannung gebracht? Diese Frage zu stellen, hieße sie zu verneinen, wie ein Blick auf die Abschlusstabelle zeigt.

Kurz: Man opfert „bekannt und bewährt“ für ein Modell, welches ganz eventuell mal ein Endspiel produziert, aber was unzählige Nebenwirkungen hat.

Unser Vorschlag: Wenn es unbedingt ein Meisterschaftsendspiel sein muss, dann macht eines. Dann macht eine Nord- und eine Südliga, lasst sie eigene Runden spielen und am Ende spielen die ersten vier Halbfinale und Finale. Wenn schon, dann richtig. Nein, sind wir nicht zwingend ein Freund von, aber wenn man sieht, wie viel Aufmerksamkeit die Super Bowl erhält, dann könnte man das ja irgendwo noch nachvollziehen. Aber bitte keine Modelle aus den Niederlanden übernehmen, wo das Playoffsystem auch nach dem Genuss mehrerer landestypisch verfeinerter Zigaretten nicht verständlich ist.

Neue Wege auch woanders in Frankfurt

Die Eintracht Frankfurt AG lobt einen Betrag X aus, den sie der DKMS spenden will, den sie aber mindern will um jede Pyrostrafe, die sie zahlen muss. Erstmal: Wir finden es lobenswert, dass die Frankfurter schon etwas länger eine andere Rhetorik anstimmen, als „das sind alles keine Fans“ und „höhere, brutalere und mehr Strafen“. Das gefällt uns erstmal. Und auch bei dieser Idee wollen wir nicht sofort auf eine reflexartige komplette Ablehnung schalten. Das erscheint uns zu einfach.

Natürlich kann man auch dieses Modell in Grund und Boden diskutieren und so wieder in das alte Muster verfallen alles zu verdammen, was sich Funktionäre ausdenken. Und ja, vieles spricht gegen diese Idee, so könnten z.B. Fans dies als ihr Budget verstehen, insbesondere weil das Geld ja nicht an sie oder ihre Institutionen geht, sondern an einen fremden Dritten. Und natürlich kann man auch mal deutlich hinterfragen, warum die Eintracht ständig irgendwelche Teilausschlüsse schluckt, während andere Vereine ihre dauernden Pyroshows mit einer läppischen Geldstrafe bestraft bekommen. Dies wird natürlich insbesondere dann fragwürdig, wenn die Eintracht ja schon ein Jahresbudget an Strafen hat und sich deswegen nicht mehr gegen diese fragwürdige Praxis wehren muss.

Und natürlich ist so ein Angebot welches sich verkürzt auf „wenn du zündelst, dann tust du nix gegen Krebs“ reduzieren lässt, schon sehr sehr fragwürdig von dem Druckmechanismus her. Daher – wenn man denn so ein Modell überhaupt als sinnvoll erachtet – wäre die Zahlung an eine Fanorganisation schon deutlich sinnvoller.

Ja, dies und viele andere Argumente gegen dieses konkrete Modell sehen wir auch. Nur so absolut verdammen wollen wir es dann doch nicht. Alleine schon, weil es mal ein loslösen aus den alten Mustern „härtere Strafen“ ist.

Und das es natürlich eine der besten Lösungen wäre, wenn man endlich in einem gemeinsamen runden Tisch Pyrotechnik entwickelt UND legalisiert, deren Gefahrenpotential minimiert ist und die sachgerecht angewendet wird/werden kann, dass muss wohl niemandem erzählt werden. Aber da stellte ja der DFB auf Bildzeitung. Tja, da sehen wir wieder pauschales Gebrülle führt zu nix. Ach ja: Ich weiß, jetzt kommt wieder irgendein Kommentator, der irgendwas von „das ist immer zu gefährlich“ schreibt, aber das halten wir a. für viel zu pauschal und b. ist das Leben gefährlich (Malaria). Hier zu probieren, auch Risiken einzugehen, würde sehr viel Probleme des modernen Fußballs lösen. Erfahrungen aus Österreich und Norwegen können nebenbei sehr helfen, liebe DFL, lieber DFB. Bevor ihr also das nächste mal aus Langeweile am Spielplan rumdoktort, fahrt doch mal in diese Länder. Aber seien wir auch ehrlich: Das liegt nicht in der Hand der Eintracht, sie muss in dieser verzwickten Lage entweder kapitulieren oder ausprobieren. Das Kapitulation nicht wirklich sinnvoll ist, sollte jedem klar sein.

Daher wollen wir bei allen Zweifeln nicht pauschal auf die Eintracht eindreschen. Neue Wege haben auch immer was positives. Und wenn sie nur eine Diskussion auslösen, dann haben sie schon was gebracht, weil sie sich und die Diskussion aus eingefahrenen Mustern lösen. Nun ist es vielleicht auch an den Fans der Eintracht, sich aus ihren Mustern zu lösen und neue bessere Ideen zu entwickeln, wie Frankfurt dieser Zwickmühle entkommen kann.

  5 Responses to “Hallo, wir auch von dem Zeug bitte”

  1. Geteilte Play Off Runden wären dann die nächste Stufe, wobei der ganze Mist doch schon vor Jahren mit den furchtbaren Relegationsspielen und Einführung der Champions League angefangen hat. Zum kotzen.

    Von wem ist eigentlich der Spruch ? Der ist gut.

  2. Ich möchte nur anmerken, dass in „Don’t fix it if it ain’t broken“ ein „n“ fehlt. Sonst heißt es ja „Wenn es nicht arm ist, dann repariere es nicht.“ 😉

  3. Äh, wenn schon verbessern, dann richtig (schäm): “If it ain’t broke, don’t fix it” ein “n” fehlt. Sonst hieße es “Wenn es nicht pleite ist, dann repariere es nicht.”

  4. Wir als anerkannte Lenasteniker in 300 Sprachen hätten den Fehler weder im Original, noch in der Korrektur gefunden. 😉

  5. […] in den restlichen Spielen. Es wurde schon auf vielen Seiten dazu Stellung genommen (u.a. beim Magischen FC oder bei den Frankfurter Ultras selbst), der Schuß geht aber einfach nach hinten los. Mit dem […]

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