Mrz 132012
 

oder

Ein Spielbericht beinah ohne Spielbericht

Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in ihrem Land
Unsere Antwort kennt ihr sicher, sie heißt Widerstand
6 Milliarden Terrabyte die Leitung brennt wie nie
Das hier ist kein Klingelstreich, das ist Anarchie
Deichkind- Illegale Fans

Liedzitat nachträglich eingefügt, wir sind vergesslich heute

Vorwort

Liebe Leser, wir haben dann endlich auch mal unsere Wochenendaufgabe hinter uns. Ganz ehrlich, wenn ich so das allgemeine Schlafdefizit heute morgen in St. Paulifankreisen sehe, dann kann man nicht gerade sagen, dass Montagsspiele zuschauerfreundlich sind. Aber diese Melodie ist so ausgesungen, dass man sie wohl nicht weiter singen muss. So lange Sport1 oder wie dieser Spartensender auch gerade mal heißt meint, dass 1,1 Millionen Zuschauer eine überragende Quote ist, so lange werden wir auch Montagsspiele in Liga 2 ertragen müssen.

Bemerkenswert dabei ist, dass diese Spiele sehr ungerecht verteilt sind. So hatte Paderborn diese Saison nicht eines (!!), ebenso der FSV Frankfurt, wie auch Ingolstadt. In Paderborn können Heimspiele gar nicht zu dieser Uhrzeit durchgeführt werden, da Anwohner gegen die Lärmbelästigung protestiert haben. Würden wir dauerhaft für Liga 2 planen, müsste man sich mal einen Anwohner krallen, der in Hamburg das gleiche durchsetzt. Tun wir aber nicht, wir wollen in den Europabogal und dann auch um 21:05 Heimspiele austragen.

Was würde eigentlich die Wolfsburger Gruppe „Weekend Brothers“ machen, wenn ihren Verein (ihre AG) doch noch mal das Schicksal 2 Liga ereilt? Spiele am Montag konsequent boykottieren?

Zuletzt noch ein Dankeschön an Chrissi, welche die Inspiration zu unserer Überschrift lieferte.

Was nun liebe Leser haben wir heute für euch? Fanladen, Verbote, DFB, E. H. (nein Ring 2, du bist diesmal nicht gemeint ;-)) und viele andere Anekdoten.

Das wichtigste zuerst…

Folgender Text unseres geheiligten Fanladens erreichte uns gestern:

„Fanladen attackiert

In der Nacht zum Sonntag ist im Eingangbereich des Fanladens eine Scheibe zerschlagen, sowie unser Briefkasten –wohl durch Böller- beschädigt worden.

Die Fanprojekte – egal an welchem Standort- gelten als geschützter Raum für Fans. Diesen Konsens mit Füßen zu treten, stellt eine klare Grenzüberschreitung dar. Innerhalb von Fanszenen bzw. Fankultur sollten derartige Handlungen keinerlei Akzeptanz finden.

Wie die soziale Arbeit generell, ist auch der Fanladen finanziell nicht auf Rosen gebettet. Dieser Vorfall wird die Situation nun nicht gerade entschärfen.

Fanladen St. Pauli im März 2012 “

Dazu folgende Anmerkungen: Zum Glück sind die Beschädigungen überschaubar geblieben, ärgerlich und nicht zielführend sind sie natürlich trotzdem. Man muss trotz der kleinen Auswirkungen auch von einem letzten Tabubruch sprechen, denn bisher war selbst bei den größten Deppen anerkannt, dass man die Finger von Fanprojekten lässt (Ausnahme mal Frankfurt in Karlsruhe). Nun wollen wir nicht implizieren, dass es gerechtfertigte offensive Gewalt gibt, aber diese Gewalt (sei es auch nur gegen Briefkästen und Scheiben) ist unnötig, überschreitet eine Grenze und hilft uns allen nicht weiter.

Bleibt zu hoffen, dass dies eine einmalige Sache war und bei aller Rivalität auch endlich der Letzte merkt, dass dies kein Streichspielen ist, sondern ernste Realität und das jegliche Gewalt, jegliche Sachbeschädigung fehl am Platz ist.

St. Pauli Modell und KSC an sich

Ein hochgeschätzter Kollege und auch das Basch Vorwort stellt das St. Pauli Modell in Frage. Und ja, man kann das diskutieren und ja, das gelbe vom Ei ist das alles nicht, aber so Grundweg ablehnen können wir das irgendwie auch nicht. Call us indifferent.

Was ist dieses Modell eigentlich? Grob formuliert, gilt bei uns in Sachen Fahnen, Choreos etc. folgende Regelung: Ihr dürft alles, aber wenn ihr zündelt, dann dürft ihr bei dem nächsten Besuch gar nix.

Um das ganze zu verstehen, muss man auch sehen aus welcher Situation das ganze geboren war. Vor dieser Regelung war (wie nebenbei in vielen Stadien damals) alles im Gästeblock pauschal verboten. Das lag unseres Wissens damals an dem Drängen der Polizei, die sich natürlich ein freies Kameraschussfeld wünschte und auch daran, dass damals der DFB jeden Pyroeinsatz im Gästeblock auch dem Heimverein über „ungenügenden Ordnungsdienst“ in Rechnung stellte. Um nun nicht in der Sackgasse des kompletten Verbietens zu bleiben, welches ja den Pyroeinsatz nie wirklich beendete, entwickelte man das vorliegende Modell.

Einige Vereine haben sich diesem Modell angeschlossen (Dortmund), andere haben bis heute mehr oder minder absurde Regelungen, was denn nun in ihrem Stadion erlaubt ist, was nicht. (Beispiel: Fahnenstangenlänge)

Nun kann man dieses Modell alleine schon deswegen kritisieren, weil es natürlich auch eine Kollektivstrafe beinhaltet. Das lässt sich nicht von der Hand weisen. Absolut nicht. Auch muss man sagen, dass das Modell erfolglos geblieben ist, weil auch bei uns ständig gezündelt wurde/wird und einige Gruppen (erstaunlicherweise z.B. Bayern) das Modell als „Erpressung“ ansahen.

Erpressung scheint uns schon wieder etwas zu gefärbt und zu negativ. Wir wollen das ganze mal als „Spielregeln“ definieren, die aber von außen gesetzt werden und anscheinend haben viele Leute damit ein Problem. Das Ultra-Paradoxon sieht ja eine Kurve außer Kontrolle vor, welche keine äußeren Regeln unterwirft. Paradox wird es dadurch, dass man sich aber eigene Regeln gibt, die in den meisten Fällen keiner demokratischen Legitimation unterliegen und dann mit Faustrecht durchgesetzt werden. Oder könntet ihr euch vorstellen, dass in einer Kurve irgendwer den Mittelplatz für sein Banner straffrei beanspruchen könnte? Oder die Farben eines anderen Vereines auf seiner Fahne zu der es keine akzeptierte Fanfreundschaft gibt? Und sei er noch so abseitig? Bei den meisten Vereinen wahrscheinlich unmöglich. Und garantiert sind diese Regeln nicht in einer Kurvenvollversammlung beschlossen. Und das waren jetzt nur ganz unbedeutende Beispiele. Schon paradox, wenn man dann eine „Freiheit für die Kurve“ fordert, oder?

Sich davon zu emanzipieren, ist nebenbei ein sehr mutiger und auch bei uns noch nicht vollständig gegangener Weg. Es ist halt auch für einen Menschen schwierig und noch schwieriger für eine geschlossene Gruppe von Menschen Sachen zu akzeptieren, die er/sie tolerieren (im wahrsten Erleidenssinne) muss. Man verstehe uns nicht falsch: Jedes Erleiden hat Grenzen, die Abgrenzung zu einer verbohrten Intoleranz ist aber immer eine feine. Diese Selbstkontrolle zu liefern, muss der Anspruch an einen selbst sein, wenn man emanzipiert sein will. Unmöglich und „in a nutshell“ gedacht, klar, aber wir sind ja Fantasten in solchen Punkten.

Aber wir schweifen ab. Zurück zu unserem Modell. Diese Spielregeln wollen anscheinend viele nicht akzeptieren und auch dies macht das Modell (leider) zweifelhaft. Nun muss man sich aber die Alternativen sehen: Klar, die DFB Bestrafung des Heimvereines ist zurück gegangen. Aber unsere Freunde in blau/grün haben ja auch immer noch ein Wörtchen mitzureden und wir können uns sehr gut vorstellen in welche Richtung die tendieren würden.

Und man muss sich natürlich auch fragen, was z.B. Pyrotechnik Kompromisse wert wären, wenn von außen gesetzte Regeln so wenig beachtet werden. Denn auch ein Kompromiss würde – zwangsläufig – Einschränkungen nach sich ziehen, die nicht jeder gut finden würde.

Das Argument der Kollektivstrafe wird dann natürlich auch etwas entwertet, wenn so wie gestern sehr planvoll gezündet wird. Da kann man ja nur bedingt von „Einzeltätern“ sprechen, wenn vorher ein massiver Teil des Blocks ganz bewusst auf den Zaun klettert um einen Sichtschutz herzustellen.

Wenn man das so sieht, sind wir auch nicht wirklich überzeugt von unserem Modell, würden uns aber doch mehr Akzeptanz wünschen und würden auch immer mal überlegen, was die Alternativen sind. Und es nur zu kritisieren, weil es nun jetzt auch mal Szenen trifft, die bei uns gezündelt haben, erscheint uns irgendwie albern.

Insgesamt muss man sagen, dass der KSC so ein bisschen die FDP der zweiten Liga ist. Früher mal ganz unterhaltsam, nun überflüssig und der Vollbeendigung nahe. Das fängt schon mit einem Hörkurs beim DFB an, denn anders ist das zwischenzeitlich propagierte Schalverbot nicht zustande gekommen. Und eurer „öffentlicher Druck“ kratzt den Baum nun so gar nicht.

Und auf dem Platz?

Oh man, was ist bloß los mit unseren Jungs? Läuferisch wie spielerisch offenbaren sich da doch erhebliche Defizite und erneut hatte man den Eindruck, dass konditionell erheblich abgebaut wird. Unsere Verteidigung steht sehr gut und die wenigen Bälle, die mal Richtung Tor kommen, werden von einem Bene abgefangen, dem wahrscheinlich niemand – auch wir nicht – diese Entwicklung zu einem guten Zweitligatorhüter zugetraut hat. Wenn Tschauner wieder fit ist, dann hat unser Trainer die richtige Qual der Wahl. Und wenn man dies sieht, dann muss man sagen, dass es richtig war an Bene als Nr. 1b die ganzen Jahre festzuhalten. Gerade im Bereich Ruhe und Übersicht hat er unter Matze Hain einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Aber Mittelfeld und Angriff funktionieren gar nicht. Da findet kein Spielaufbau von der 6er Position statt, da finden sich keine Anspielstationen in der Front und da werden auch nicht die langen schnellen Bälle durch die Innenverteidiger ausprobiert. Uns zu verteidigen ist zur Zeit sehr einfach. Und jeder zweite Pass ist beim Gegner, egal, ob nun ein riskanter oder einfacher Pass.

Uns ist es zu einfach, dass alles auf den Rasen zu schieben. Zum einen ist der eigentlich noch in einem ganz guten Zustand, wächst ab nun auch wieder und wird damit nur besser, zum anderen sollen Fußballer nicht ständig über den Rasen meckern, wenn sie einen gerade Pass nicht über 2 Meter spielen können. Das sind Ausreden. Wir haben auch Verständnis, dass man die Investition scheut. Wir haben nun noch 4 bis 5 Heimspiele und danach wird der Rasen aufgrund der Umbauarbeiten wahrscheinlich sowieso fällig. Da kann man verstehen, dass man die Investition scheut. Und bitte jetzt nicht dieses Argument „nicht alles für den Aufstieg getan“, das ist hanebüchen wie es alt ist. Wir haben auch nicht Messi vor der Saison verpflichtet, also sowieso nicht alles für den Aufstieg getan.

Volzy war aber Gott.

Und neben dem Platz?

Irgendwie erinnerte uns das Verhältnis Gegengerade / Südkurve gestern so ein bisschen an Geschwister, wo das eine viel Spaß hat, das andere aber nicht mitmachen will, aber seinem Geschwisterherz die Freude auch nicht wirklich gönnt. Wir sind eigentlich verwundert, dass es noch keine Supportdiskussion im Forum gibt. Klar war die Crowdsurfhüpfzeit in der 2. Halbzeit nun nicht vielleicht pushender Support der Reinform, aber sie war Spaß. Man sah fröhliche Menschen, die sich in eine Art Rausch tanzten und surften. Und das soll ein Hobby ja auch sein, Spaß. Die Gegengerade guckte neidisch, missmutig zu und nutzte auch mal wieder nicht die Möglichkeit selber Spaß zu haben. Spaßige Einwürfe wie „Ohne Lechner habt ihr keine Chance“ (ja, das ist nicht sonderlich kreativ, aber trotzdem passend) blieben Mangelware und man guckte eher neidisch teilnahmslos in die Gegend.

Ach ja, sollte jemand mal in unserer Nähe stehen, der sich per Pfiffe über einen Rückpass beschwert, dem ziehen wir eigenhändig die Ohren lang. Gepfiffen wird nicht am Millerntor. Das ist Gesetz Nr. 1. Wir haben in unseren gefühlt 200 Jahren FCSP auch schon sehr viel unattraktivere Spiele gesehen als das gestern, wo man der Mannschaft ihr Bemühen schon ansah. Klar, meckern, sofort, machen wir auch ständig, aber pfeiffen? Nein, ist bäh. Da hat der Bene schon absolut Recht.

Und was geht mit Rostock so?

Das Hamburger Abendblatt in seiner allgemeinen und von uns natürlich nie angezweifelten Weisheit behauptet heute, dass das Publikum das Thema „Kartenausschluss“ nicht aufgegriffen habe gestern Abend. Es zieht dann in einem Artikel den weiten Bogen zwischen Rostocker Autobahnaktionen und dem Vorgehen unserer Polizei und wir glauben das steht da um mal eine Absetzbewegung des Publikums gegenüber dem Kurs unseres Präsidiums zu unterstellen.

Einschub. Wisst ihr, was wir an Gunnar Jans, Sportchef der Münchener Abendzeitung mag? Die Abendzeitung ist auch nur ein Revolverblatt der Marke MoPo, aber der junge Mann sammelt sich Blogs und Twitteraccounts von Fans vieler Vereine zusammen und liest die anscheinend auch mal. Da muss man nicht einer Meinung sein, hat natürlich auch zwei vollkommen verschiedene Weltbilder und auch sind Blogs und so nicht für Fanszenen repräsentativ, aber mehr als die Ignoranz des Hamburger Abendblattes ist das definitiv und so einen Artikel hätte alleine deswegen nicht seinen Weg in die Abendzeitung gefunden. Einschub Ende. (Jetzt strafe uns nicht Lügen, Herr @Breisacher)

Für das Hamburger Abendblatt: Es gab genügend Plakate zu diesem Thema. Sie waren nur nicht so plakativ, dass ihr sie verstanden hättet. Aber ein Blick in einschlägige Blogs hätte eigentlich gereicht um zu sehen, dass da doch viele Leute dem Vorgehen des Präsidiums zustimmen.

Liebe Polizei, was soll eigentlich dieses mehr oder minder inhaltsleere Gesabbel von der „neuen Dimension der Fangewalt“? Dazu mal folgende Anmerkungen von uns: Erstmal sind die Übergriffe auf reisende Kleingruppen nicht wirklich neu. Das ist gerade in Rostock mehr oder minder Tradition. Man kann sich nebenbei auch mal fragen, wer bitte auf die Idee kommt, dass es eine gute Idee ist Nachts in einer Kleingruppe, die erkennbar ist nach Rostock zu fahren, aber das nur mal so am Rande. Wir werden das Gefühl nicht los, dass dieses ganze Gesabbel von „neuer Dimension“ und das ständige Gebrülle nach neuen Sicherheitsdaumenschrauben nur einen Sinn hat, nämlich vom eigenen Versagen abzulenken. Und wir sind jetzt mal pauschalisierend und vorurteilsbeladen: Wenn in Rostock ähnliche Blitzmerker als „szenekundige“ Beamte rumlaufen wie in Hamburg, dann ist das Versagen schon vorprogrammiert. Aber personalisierte Tickets zu fordern (was natürlich absolut Auseinandersetzungen außerhalb des Stadions verhindert) ist ja viel einfacher und viel wenig verantwortungsübernehmend als einfach mal vernünftige Konzepte zu entwickeln. Und zwar zusammen mit Fanbetreuung und Vereinen und nicht ohne die.

Man kann Hannover eigentlich nicht genug loben, dass dort wenigstens mal Ansätze in diese Richtung gemacht worden sind. Der Erfolg gibt diesem Konzept doch absolut Recht.

Sehr erstaunt waren wir auch über die geäußerten Logiken, dass das Kartenverbot nix mit Cornys Aktion von vor zwei Jahren gemeinsam hat, das seien doch unterschiedliche Obststücke. Ohne jetzt im einzelnen in diese fruchtlose (sic!) Diskussion einsteigen zu wollen, so erscheint uns doch ein Zusammenhang gegeben zu sein. Und wenn man Argumentationen im Endeffekt so zusammenstreichen kann, dass sie „wenn man den Verein gefragt hätte und wenn dieser zugestimmt hätte oder selber Rostocker ausgeschlossen hätte, dann wäre das vollkommen okay gewesen“ lauten, dann fällt uns schon die Melone aus der Hand. Es ist egal, ob ein Präsident, die Polizei oder wer auch immer unsere Freunde aus Rostock ausschließt. Es bleibt in dieser Form schlichtweg falsch. Lieben Gruß nebenbei an die SPM an dieser Stelle, die gestern dabei Gewesenen wissen warum.

Und nebenbei gehen Menschenrechte nicht mit Pflichten einher. Wir wollen das immer nicht zu hoch aufhängen, weil der Begriff „Menschenrechte“ hier einfach dämlichen Fußball überhöht, aber es geht hier doch um ein grundsätzliches Staatsverständnis. Und aus unserer Sicht ist es falsch, wenn man immer die Pflichten betont, die erst zu Rechten führen. Andersherum wird nur ein Schuh raus. Der Staat muss jede Rechtseinschränkung begründen, muss sich selber immer wieder begründen und jedes Recht ist per se erstmal bedingungslos. Nur so funktioniert eine von unten aufgebaute demokratische, liberale und sinnvolle Gesellschaft. Wer es noch nicht gemerkt hat: Deswegen sind Menschenrechte auch unveräußerlich.

Oh natürlich könnte man mal Suptra und Co fragen, ob sie eigentlich bereit wären ein eigenes Konzept vorzulegen, wie sie sich ihren Besuch auf St. Pauli vorstellen. Und vielleicht sollte man – wenn sie denn zu einem solchen „Deal“ bereit sind – ihnen auch Freiheiten lassen. Vielleicht ist das ein neuer revolutionärer Weg. Sozusagen das Hannover Modell in Hamburg?

Bevor das irgendwer nicht verstanden hat: Wir finden das abfangen von gegnerischen Fans auf der Autobahn extremst hirnrissig. In unserer Sichtweise gibt es auch ungefähr 1.000.000 andere Dinge, die wir erstrebenswerter finden, als vermummt über eine Autobahn zu fahren, um andere Fans zu verprügeln. Da ist uns jedes noch so langweilige Kneipengespräch, jeder schlechter Ballerfilm auf RTL2, ja selbst das Testbild lieber. Mit Fußball, einer Rivalität oder Ultra hat das aus unserer Sicht so gar nix zu tun.

Ach den DFB, den gibt es ja auch noch…

Erstmal müssen wir uns bei Genosse Honecker entschuldigen. Diesen lupenreinen Demokraten, der immer nur eine – auch nie gefälschte – Zustimmung von 99,XX bei Wahlen erreicht hat, mit einem Funktionär zu vergleichen, der immer einstimmig gewählt wurde, ist natürlich auf das übelste verleumderisch.

Sowieso müssen wir uns dem Kollegen Gegengeraden-Gerd anschließen, der sicher das Mantra betet, dass der DFB gut und gerecht ist. Und deswegen ist der Kontrollausschuss auch in Berufung gegangen in Sachen Kassenrolle (wie aus sozialen Netzwerkeinträgen gewöhnlich gut unterrichteter Kreise zu erfahren war). Ziel ist weiterhin der vollständige Ausschluss aller Stehplätze. Es liegt natürlich nur an unserem fehlenden Gerechtigkeitsgefühl, dass wir für die Fragen „Warum eigentlich Stehplätze?“ „Warum diese Anzahl?“ „Wie differenziert man das eigentlich?“ „Wenn Schwegler an der Schulter getroffen worden wäre, dann 100 weniger Plätze im Ausschluss?“ keine Antwort finden. Wir bleiben bei unserem Rat: Lieber Verein, bemüht nicht nur das Hamburger Verwaltungsgericht, sondern auch das Hamburger oder Frankfurter Landgericht. Und bitte bitte macht diesem Trauerspiel DFB Rechtsprechung endgültig ein Ende.

  4 Responses to “Den Ball reingevolzt”

  1. «Sehr erstaunt waren wir auch über die geäußerten Logiken, dass das Kartenverbot nix mit Cornys Aktion von vor zwei Jahren gemeinsam hat…»

    Dass die Zwangssolidarität Einfordernden aus ihrer Aktion vor zwei Jahren nach all der langen Zeit noch immer nichts gelernt zu haben scheinen, wundert uns (die Zwangsausgesperrten samt solidarischer Fans) nicht die Bohne. Leider.

    «Kollektivstrafe… Erpressung scheint uns schon wieder etwas zu gefärbt und zu negativ. Wir wollen das ganze mal als „Spielregeln“ definieren»

    *hach* 🙂
    (Ich geb dir Recht: Kollektivstrafe ist nicht gleich Kollektivstrafe.)

    «So lange Sport1 oder wie dieser Spartensender auch gerade mal heißt meint, dass 1,1 Millionen Zuschauer eine überragende Quote ist, so lange werden wir auch Montagsspiele in Liga 2 ertragen müssen.»

    Ist das wirklich der Zusammenhang? Also: Würde sich etwas ändern, wenn der Sender die 10fache Quote hätte? Oder noch mal anders gewendet: Sind Fans, die sich so ein Spiel im TV ansehen, vielleicht sogar ansehen wollen statt ins Stadion zu gehen (1,1 Mio vs. 25k im Stadion könnte man ja auch als Statement verstehen) nur „Fans“ in Gänsefüßchen? Diese 1,1 Mio Zuschauer finden so eine PrimeTime nach Feierabend ja vielleicht ganz reizvoll?

    Das Problem ist doch nicht der Sender, Free- vs. PayTV, etc. Es sind auch nicht die Fans, die lieber mit Bier vorm Fernseher hocken statt mit Banner und Bier im Stadion (wenn es um bloße Mehrheiten ginge, wäre die ja klar auf Seiten der Sofa- und Kneipen-Fans). Das Problem liegt in der kapitalistischen Verwertungslogik des Sports selbst, der wir diese ätzende Terminierung verdanken. Und solange wir dieser in Gestalt der DFL folgen, werden wir mit den Konsequenzen leben müssen.

    Warum ich dann gegen Montagsspiele bin? Aus egoistischen Gründen. Weil ich ins Stadion gehe. Weil ich dieses Stadion-Erlebnis will. Aber als „Stadion“-Fan bin ich gegenüber dem „TV“-Fan eine Minderheit. So ist das mit den Antagonismen: Weil St. Pauli St. Pauli ist, vermarktet es sich ganz wunderbar. Man könnte fast sagen (zumindest für den magischen FC): Je antikapitalistischer, desto Kohle. Also nicht vom eigenen Anspruch her gedacht, sondern von der Rezeption her, in eben dieser Verwertungslogik. Im Verkauf von Merch und im TV. Trifft das auf entsprechenden Spielergebnisse (= Top-Spiele), gibt’s Montagstermin.

    Was bleibt (außer selber Kicken)? Der Grant-Platz nebenan, aus der DFL aussteigen oder den Kapitalismus abschaffen. Ooooder (weil Pkt. 1+2 nicht wirklich Alternativen sind und Pkt. 3 vermutlich noch ’ne Weile dauern wird): Weiter mosern und dafür eintreten, dass auch die Belange der Stadiongänger Berücksichtigung finden. Aber Sport1 hat damit wenig zu tun. Die bringen Fußball-Häppchen nur zu denen, die Sky nicht bezahlen können — oder wollen.

  2. „«Sehr erstaunt waren wir auch über die geäußerten Logiken, dass das Kartenverbot nix mit Cornys Aktion von vor zwei Jahren gemeinsam hat…»

    Dass die Zwangssolidarität Einfordernden aus ihrer Aktion vor zwei Jahren nach all der langen Zeit noch immer nichts gelernt zu haben scheinen, wundert uns (die Zwangsausgesperrten samt solidarischer Fans) nicht die Bohne. Leider.“

    sorry, aber auf solchen Blödsinn gehen wir nicht mehr ein. Da gibt es auch nix mehr zu diskutieren, wer so etwas glaubt, der glaubt auch, dass der Mond eine Scheibe ist.

    Und die Anmerkung zu Sport1 hast du falsch verstanden. 1,1 Millionen ist eine derbst bittere Quote, wenn uns jemand fragt. Jeder noch so dämliche Tatort hat eine viel höhere Einschaltquote.

  3. […] Noch viel blöder ist jedoch diese Aktion: http://www.facebook.com/Fanladen/posts/379701578721052 – Zeit für eine weitere Geste der Solidarität, also eine Spende für den Fanladen. Lesenswert, nicht nur dazu: https://www.magischerfc.de/?p=6153. […]

  4. […] (“Eckensteherschicksal”) Aber natürlich gibt es noch ein Flutlichtspiel diese Saison! Bericht MagischerFC (“Den Ball reingevolzt”) Bericht – St.Pauli.nu (“Undercover […]

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