Mrz 262012
 

oder

Garantiert ist irgendwie USP schuld

(Foto von @little_rogue mit freundlicher Genehmigung genutzt)

Präskriptum

Liebe Leser, man freut sich ja über jeden Leser, dem unseres Geschreibsel gefällt und man freut sich ja auch über jede Verlinkung dieser Gegenöffentlichkeit. Aber es gibt auch Ruhm, den möchte man gar nicht abbekommen und wenn man in einem Forum verlinkt wird, wo Punkte für Gewaltaktionen verteilt werden und das als „ultra“ bezeichnet wird, dann grübelt man dann doch, ob das die Leserschaft ist, die man haben möchte. Aber leider (oder auch glücklicherweise) kann man sich die Leserschaft nicht aussuchen.

Wir verweisen zu den Geschehnissen in der Gästekurve auf den vorherigen Artikel. Daher wollen wir den jetzt folgenden Artikel zur Aufarbeitung vieler anderer Geschehen nutzen und auch sehr über den Tellerrand gucken.

Der Rasen war es nicht…

Wir mussten gestern doch ein sehr bitteres Fußballspiel uns ansehen. Und wir müssen leider feststellen, dass der Wille aufzusteigen nur bei einzelnen Fans vorhanden ist, aber anscheinend nicht bei der Mannschaft.

Wir sind nebenbei immer wieder entsetzt, dass Fans eines Vereines keinen sportlichen Erfolg dieses Vereines haben wollen. Da schreiben ohne Witz Leute vor dem Spiel, dass sie ja einen Sieg von Cottbus wollen, weil sie ja nicht aufsteigen wollen. Irgendwie können wir das so gar nicht nachvollziehen. Wenn man sportlich dazu in der Lage ist, dann sollte man auch aufsteigen wollen. Nicht nur, dass der sportliche Wettbewerb nun einmal dazu da ist, das maximale zu erreichen, nein, so flauschig ist Liga 2 ja nun auch nicht. Und ob ein rumgekrebse um Platz 10 in Liga 2 mit ständigen Niederlagen gegen Paderborn und Konsorten nun wirklich so viel stimmungsvoller ist, als ein glorreicher Abstiegskampf in Liga 1, das sei mal dahin gestellt. Wir glauben das nämlich nicht.

Und das man nun immer glorreich 4. wird, das wagen wir doch ganz doll zu bezweifeln. Nebenbei können wir solche Sprüche wie „Aber mit dieser Leistung haben wir auch nichts in der 1. Liga zu suchen“ oder „Diese Mannschaft kann da nie mithalten“ können wir auch nicht mehr hören. Man gucke sich exemplarisch nur mal die Leistung unserer Nr. 17 an. Der war plötzlich auch bundesligatauglich. Und gerade die Aufstiegseuphorie setzt ganz versteckte Kräfte frei. Daher ist ja das 2. Jahr so schwierig. Und nicht das 1. Jahr. Außer man macht viele Fehler und hat dazu noch mehr Pech als Verstand. Siehe unser letztes Jahr.

Daher: Sollten wir noch irgendwie 2. werden oder die Relegation erreichen und sollten wir da durch den unberechtigstens Elfmeter gegen einen drückend überlegen spielenden Erstligisten aufsteigen, sollten wir das einfach mitnehmen und uns freuen.

Denn jede Saison fangen alle Clubs bei 0 an. Man bekommt für unverdiente Aufstiege keine Punkte vorab abgezogen! Und statistisch steigt auch nicht der 3. oder der 2. schneller wieder ab als derjenige, der als Zweitligameister aufgestiegen ist.

Also: „No fear of Promotion“!

Ein klitzekleines Detail geistert ja schon seit der JHV durch dieses Blog. Wenn wir noch ein weiteres Jahr 2. Liga spielen müssten, dann wären wir nächstes Jahr ungefähr mit dem 2,5 fachen Jahresumsatz verschuldet. Das ist eine Quote, die ziemlich am äußersten Rand dessen liegt, was man irgendwie verkraften kann. Bedenkt, dass wir nach dem Bau der Gegengerade mit gepflegten 40 Millionen bei irgendwelchen Leuten in der Kreide stehen. Und das ist sehr viel Holz. Egal ob Bankkredit oder Fananleihe. Wenn man dann in die erste Liga aufsteigt, ist dieser Betrag sehr viel einfacher abzuzahlen.

Und machen wir uns nix vor, wir spielen Profifußball in einem kapitalistischen System, da geht es um Geld, um nix anderes. Und mehr Geld gibt es in der Bundesliga.

Tja, aber die Aufstiegsangst haben nicht nur Fans, sondern auch unsere Mannschaft. Anders ist es sonst nicht zu erklären, dass beinah alle Spieler meilenweit weg von ihrer Normalform sind. Auch wenn einige auf Twitter gestern ohne Scheiß USP verantwortlich machen wollten, weil die schläfern ja mit ihrem Singen die Mannschaft ein. Stimmt, bei dem Tennispublikum der GG, wäre man viel wacher… Wenn man in eine Analyse einsteigen will, dann fallen mehrere Punkte auf:

1. Defensiv stehen wir sehr viel stabiler als in der Hinrunde. Mit Schachten und Volz haben wir zwei Außenverteidiger gefunden, die defensiv sehr gut sind. Jedoch: Eine unserer offensiven Stärken in der Hinrunde war auch, dass unsere Außenverteidiger sehr offensiv spielten, uns so auch immer eine Anspielstation im Mittelfeld bildeten. Das war ein offensiver Part zu Lasten der defensiven Stabilisierung. Hier wurde leider keine Ausgewogenheit taktisch gefunden. Und das sagt absolut nicht, dass die ganzen eingesetzten Spieler schlecht spielten.

2. Wir haben im Mittelfeld keinen Ballverteiler. Langsam sehnt man sich einen Spieler wie Takyi zurück, der einen zwar zum Wahnsinn treibt, der aber einen Ball annehmen und weiterleiten kann. Kruse ist in dieser Rolle zur Zeit überfordert. Hinzu kommt, dass die Offensiven rotieren sollen und dies in Kombination mit ihrer zur zeitigen Formschwäche noch stärker dazu führt, dass sie keinen Fuß auf den Boden bekommen und keine Routine und Sicherheit in ihre Aktionen. Eventuell muss man hier die Taktik an die Gegebenheiten anpassen.

3. Schlüsselspieler der erfolgreichen Hinrunde war Kruse. An seine überragende Form kann er nicht heranreichen und wenn er wie Sonntag angeschlagen ist, dann wird das nichts. Problem ist aber: Aus der 2. Reihe drängt sich niemand auf. Saglik verspringt jeder Ball, Schindler wirkt nach seiner Einwechselung wie ein Fremdkörper und auch Daube kann sein Talent zur Zeit nicht umsetzen. So entsteht weder frischer Wind, noch Druck auf die Startformation. Spieler wie Kalla, die in der erfolgreichen Hinrunde zumindest noch im Kader Stammgast waren, sind vollkommen weg vom Fenster. Der Trainer kann nur (oder verfährt nur?) nach dem alten Spruch von John Toshack verfahren, der mal folgendes sagte:

„Am Montag nehme ich mir vor, zur nächsten Partie zehn Spieler auszuwechseln. Am Dienstag sind es sieben oder acht, am Donnerstag noch vier Spieler. Wenn es dann Samstag wird, stelle ich fest, dass ich doch wieder dieselben elf Scheißkerle einsetzen muss wie in der Vorwoche“

(Der junge Mann wird auch noch für ein weiteres cooles Zitat verantwortlich gemacht. Auf die Frage, wie lange er denn noch Trainer von Real Madrid sei, antwortete er „das wüsste ich auch gerne“.)

4. Kondition und Angst führen ständig zu einem Leistungsabbau in der zweiten Halbzeit. Ist da nicht richtig gearbeitet worden? Wo ist die läuferische Qualität der Hinrunde geblieben?

Nun sind das alles Beobachtungen und keine tiefliegenden Ursachen. Und an einer tiefliegenden Ursachenforschung mögen wir uns auch nur bedingt beteiligen. Mehr oder minder schlaue Leute schreiben was von schlechter Stimmung in der Mannschaft und einem schlechten Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft. Können wir nicht nachprüfen, wollen wir auch nicht nachprüfen. Uns sind das immer viel zu einfache Ausreden. Wenn ich Stammspieler bin und das Vertrauen des Trainers habe, dann muss ich auch mal über Kram hinwegsehen, meinen wir.

Und nein, wir fordern keinen Kombinationsfußball und keinen schönen Fußball. Wir gehen auch schon gefühlte drölftausend Jahre ans Millerntor, da ist nie schöner Fußball gespielt worden. Was wir fordern ist Wille. Szenen wie die von Bartels vor der Gegengerade (wo er kämpferisch den Ball vor dem Ausgehen rettet) lassen selbst die Gegengerade sofort zu einem Hexenkessel werden und müssen viel mehr von der Mannschaft kommen. Und wenn so ein eher filigraner Spieler wie Bartels die Kampfsau rausholen kann, dann können das alle. Biss zeigen! Ist das Motto der Stunde. Und dies nicht nur von einem Torhüter, der immer wieder das Spiel schnell machen will und niemand steigt drauf ein, weil jeder damit beschäftigt ist sich hinter seinem Gegenspieler möglichst sorgfältig zu verstecken. Verantwortung übernehmen ist zur Zeit leider ein Fremdwort.

Zu einfach erscheint es uns von dem Kauf zweier Defensivspieler nun darauf zu schließen, dass wir ab nächste Saison nur noch Beton anrühren. Richtig ist: Ein Knipser wäre toll, aber die wachsen leider nicht auf den Bäumen. Und man bedenke mal: Wir haben in der Winterpause einen Defensiven abgegeben und wir werden höchstwahrscheinlich mindestens einen der beiden ausgeliehenen verlieren, wahrscheinlich selbst beide. Dann brauchen wir mindestens zwei neue Defensive.

Uns steht sowieso ein Umbruch ins Haus, so dass wir noch sehr viel mehr Spieler verpflichten werden. Nun hat man hinten angefangen, aber das heißt noch lange nicht, dass man defensiv denkt. Und man vergesse nie den alten amerikanischen Spruch: Offense wins fans, defense wins championships. Und wir wollen aufsteigen. Und die Radkappe haben.

Abseits des Platzes war die Stimmung in der Sonne ganz okay und so ein Chaos, Fahne, Konfettiintro ist immer noch fett unser Geschmack.

Kotzen im Strahl Teil 1

Da macht jemand Käsekuchen und gentrifiziert sich selber damit weg. Man, was für eine bittere Geschichte.

Kotzen im Strahl Teil 2

Haben wir nicht letztens mal erörtert, wie problematisch eigentlich dieser Sicherheits- und Ordnungsbegriff ist? Und hatten wir da kein griffiges Beispiel zur Hand, dann haben wir jetzt eines aus Delitzsch. Da kannst du dein Konzert nicht mehr Nazifrei gestalten, weil das die Sicherheit und Ordnung stört. Und wisst ihr, was das schlimme ist? Wahrscheinlich haben die juristisch noch Recht, weil das Sicherheits- und Ordnungsrecht halt kein Verschulden voraussetzt und damit herrschende Verhältnisse präventiv zementiert. Sprich: Wenn du die relative Ordnung in der national befreiten Zone störst, dann bist du nicht etwa aufrechter Demokrat, sondern polizeirechtlicher Störer. Nazis benutzen also die staatlichen Organe als Hebel und feiern wahrscheinlich gerade richtig.

Kotzen im Strahl Teil 3

Gleich lest ihr einen Text vom Aktionsbündnis. Dazu wollen wir mal klare Ansagen machen, die hoffentlich auch der größte Depp, Suffkopp, Pauli-Partytyp versteht:

1. Schwul, Schwuchtel etc. kein Schimpfwort

2. Sexismus nicht lustig.

3. jegliche Diskriminierung scheiße

Wer 1-3 nicht versteht, der Ohren und/oder Fresse dick. Haut ab, geht sterben. Und wer meint, dass sein Freund das doch nur aus Spaß meint und doch gar kein homophobes Arsch sei oder kein Rassist sei, der ist kein Stück besser und kann bitte auch umgehend zur Hölle fahren.

(Wir bedauern die Verkürzungen, aber anscheinend lesen und begreifen Leute differenzierende Texte nicht und es war uns wichtig das mal DEUTLICHST zu sagen. Vielleicht sollten wir T-Shirts drucken: „Du findest etwas „schwul“? Du meinst Frauen seien „Fotzen“? Wir finden, dir gehört die Nase gebrochen“. Klar, ist arg verkürzt und gewalttätig, aber vielleicht würden dies die Leute endlich mal begreifen.

Hier also der Text:

„Gegner und Schiedsrichter werden als „Pussies“, „Schwuchteln“ oder als „Tussies“ beschimpft.“ – Hier mal ein paar Eindrücke eines Gegengeradenstehers Block 3, die zeigen, wie sehr es für uns immer wieder lohnt, vor der eigenen Tür zu kehren.

„Acht Partien sind noch zu absolvieren, 24 Punkte sind noch zu ergattern, 720 Minuten voller Emotionen, Kampfgeist, Kreativität und Leidenschaft. So wenigstens wünsche ich mir meinen FC St. Pauli. Dass all diese Attribute in den vergangenen Monaten schwinden und schwinden, ist ebenso betrüblich wie die Brechreiz hervorrufenden Begleiterscheinungen auf allen vier Tribünen am heimischen Millerntor.

Die Eindrücke aus den letzten beiden Heimspielen gegen Braunschweig und Karlsruhe haben mich wirklich nachdenklich gestimmt.

Gegner und Schiedsrichter werden als „Pussies“, „Schwuchteln“ oder als „Tussies“ beschimpft. Dass dabei kolossal gegen die Stadionordnung verstoßen wird, akzeptieren neben dem Schreihals leider auch immer mehr Umstehende/Umsitzende. Häufig sind es genau diejenigen, die Kassenrollenwerfer am liebsten öffentlich steinigen würden.

Der eigene Torwart (!) Benedikt Pliquett wird permanent und ohne erkennbaren Grund auf völlig inakzeptable Weise verhöhnt und niveaulos kritisiert. Aber der ist ja auch selber schuld, ist ja ein „blöder USPler.“

Und wenn dann noch Trainer André Schubert einen „schwulen Defensivscheiß“ zusammenkicken lässt, merke ich, dass sich meine Zeit am Millerntor dem Ende entgegen neigt.

Flankiert wird das Ganze dann gerne von all den wahren Pauli-Fans, die sich mit gespitzen Lippen die verkaufte Seele aus dem biergetränkten Leib pfeifen und montags kernige Leserbriefe an die MOPO schreiben. Schließlich zahlen sie auch ordentlich Eintritt, da wird man jawohl mal Spektakel erwarten können …“

(Text ist hier geklaut. Facebook link)

Dazu noch folgende Anmerkung: Gegengerade erhebt euch! Warum sind wir eigentlich der einzige Stehbereich im Stadion ohne Vernetzungstreffen, ohne eigenen Flyer und mit sehr wenig Strukturen? Wenn wir nicht bald den Arsch hoch bekommen, dann müssen wir uns eingestehen, dass wir homophobe Arschlöcher, Rassisten und andere Idioten viel zu stark dulden und viel zu wenig dagegen tun und dies nur aus unserer linksalternativen Bequemlichkeit und Selbstgefälligkeit. Und dann sind wir alle kollektiv Schuld und sollten dringend bei der Belehrung von anderen die Schnauze halten. Es ist 5 vor 12! Denn wenn der anonyme Schreiber geht, dann ist er garantiert nicht der Erste, den wir alle auch auf dem Gewissen haben!