Mrz 302012
 

Liebe Leser,

 

wir haben auf diesem Artikel stundenlang rumgekaut, ihn in unserer Bearbeitungsmaschine 4 mal neu geschrieben und irgendwie fällt uns nichts geistreiches ein. Warum nicht? Weil wir schon alles gesagt haben und uns nun eigentlich nur wiederholen können. Daher wollen wir nur kurz ein paar erläuternde Stichworte zu dem gestrigen Berufungsrteil in Sachen Kassenrolle. Wie immer ist die Behandlung von Urteilen der DFB Sportgerichtsbarkeit etwas schwierig, weil man keine genauen Urteilsgründe hat.

Interessant wird es, wenn man die Meldung von Dienstag dagegen hält, wo nach dem Spiel Union-Frankfurt der DFB-Kontrollausschuss beschlossen hat Teilausschlüsse gegen (Gäste-?)fans nicht mehr verhängen zu wollen. Ohne jetzt auf den Sinn und Unsinn von Strafen per se eingehen zu wollen (wer so etwas philosophisch betrachten will, der lese dazu das Lichterkarussell), sei noch einmal angemerkt, dass der Teilausschluss in der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB nicht vorgesehen ist und die Sportgerichtsbarkeit dies in einer Analogie (!!!!) entwickelt hat. Wohlgemerkt als eine strafende Instanz! Das im staatlichen Strafrecht ein Analogieverbot besteht, das hat eigentlich schon seine guten Gründe.

Man scheint sich aber daran nicht gebunden zu fühlen, denn wenn ich da lese, man „müsse kreativ bleiben“, dann ist dies nur ein weiteres Beispiel dafür, dass die DFB Rechtsprechung ein nicht tolerables Eigenleben führt und dringend von dem, der da kreativ sein müsste, nämlich von der Legislative (hier stand erst Judikative, das ist natürlich falsch) des DFB (Vollversammlung) eingefangen werden müsste. Eine Rechtsprechung hat nicht kreativ zu sein, sondern hat die abstrakten „Befehle“ des Gesetzgebers auszufüllen. (Bitte, wir vernachlässigen hier natürlich die unzähligen anderen Demokratiedefizite im Rahmen des DFB, wir wollen mal vereinfachen). Einem wird dann mehr oder minder Angst und Bange.

 

Wir haben mal einen etwas ketzerischen Vorschlag an den DFB. Wenn der DFB kreativ sein will, dann sollte er dies vielleicht im präventiven Bereich und nicht im strafenden Bereich. Vielleicht sollte er einfach mal die Bestrafung von Fanverhalten ganz lassen und dies dem staatlichen Justizsystem überlassen (nicht, dass wir nun zuviel Vertrauen darin haben, aber es ist nun mal sehr viel sachnäher und sehr viel „erfahrener“. Bitte, die Kritik an diesem System teilen wir auch, nur es ist garantiert nicht ersetzbar durch eine DFB Rechtsprechung. Und natürlich muss man sich erneut die Frage nach dem Sinn und dem Unsinn der Strafe an sich stellen und die Frage nach dem Sinn und Unsinn von Staaten und Staatsmacht. Aber das wird uns jetzt zu doll „das System ist an allem Schuld“).

Noch etwas ist spannend. „Punktabzüge als letztes Mittel“ „Eingriff in den Wettbewerb“. Immerhin sind Punktabzüge als Strafe in der Rechts- und Verfahrensordnung ausdrücklich vorgesehen. Und es ist ja nicht so, dass Sportgerichte im Hoheitsbereich des DFB nicht schon Punktabzüge ausgeurteilt haben (Bayern Hof!). Und natürlich ist das ein Eingriff in den Wettbewerb. Das ist eine Geldstrafe aber auch, nur indirekter. Und es ist unseres Erachtens nicht Aufgabe der Judikative zu urteilen, ob eine gesetzlich (bzw. hier vertraglich) vorgesehene Strafe nun ungerecht ist oder nicht. Erneut ein Hinweis auf ein Demokratiedefizit. Man stelle sich mal vor, ein oberster Bundesrichter würde öffentlich sagen, dass er die Lebenslange Freiheitsstrafe noch nie ausgeurteilt hat und dies auch so bleiben solle, denn diese sei nur das letzte Mittel. Es ist wahrscheinlich keine falsche Behauptung, wenn wir sagen, dass dies ihm sofort seinen Job kosten würde.

 

Bemerkenswert ist auch, dass nun von einem „Sieg“ des FC gesprochen wird, was wir nicht so empfinden. Wir sind hier immer noch bei einer Strafe, die den vorgegebenen Strafrahmen zu 50 % ausschöpft. Und am gleichen Tag bekommen unsere Freunde vom Volkspark für einen gezielten Treffern (!!!!) 30.000 Euro, sprich 30 % des Strafrahmens. Und auch die sind Wiederholungstäter. (Die Offenbacher Strafe ist bewusst nicht als Vergleich herangezogen, da wir das Vorverhalten nicht kennen). Die Rechtsprechung des DFB muss dringend an einer Konstanz und auch an logischen Begründungen arbeiten. Wir verweisen hier auf unsere alten Ausführungen.

Wir drehen uns im Kreise, aber der DFB ist aufgefordert zusammen mit seiner Basis, zusammen auch mit Fans seine ganze Handhabung von Fehlverhalten von Fans neu zu diskutieren. Nein, wir haben auch keine Patentlösungen, aber eine breite Diskussion ist notwendig und wir wollen mal mit 10 ketzerischen und spontane (nicht zwingend durchdachte) Thesen beginnen:

 

1. der DFB muss in der Prävention sich viel mehr engagieren. Echtes Engagement gegen Diskriminierung jeder Art und Rechtsradikalismus im besonderen ist notwendig und überfällig. Die dahinter stehende menschenverachtende Idiologie ist ein bedeutender Gewaltfaktor. Weg mit Extremismusbegriff und Relativierungen.

 

2. der DFB muss die Pyrotechnik entkriminalisieren. Er muss Norwegen und Österreich als Vorbild nehmen und in konstruktiven Wegen neue Pyrotechnik und neue Abbrennungsverfahren entwickeln, die das Risiko minimieren. Er muss dies in einem breiten Konsens machen.

 

3. der DFB muss als Vermittler zwischen Fans und Polizei auftreten.  Er hat die Macht und auch den politischen Einfluss hier ein Umdenken in Gang zu setzen. Er sollte sich auch als Anwalt der Fans verstehen, denn viele seiner 7 Millionen Mitglieder sind genau dies: Fans

 

4. Der DFB sollte die Bestrafung von Fanverhalten reformieren oder ganz lassen. § 9a der Rechts- und Verfahrensordnung muss reformiert werden. Nachlässigkeiten von Angestellten, wegschauen der Vereine muss bestraft werden, jedoch nicht Sachen, die einfach nicht auf den Verein zurück zu führen sind.

 

5. Der DFB muss Fanvertretern auf Augenhöhe begegnen. Fans dürfen nicht als Bittsteller, als reines Sicherheitsproblem gesehen werden, sondern als Herz- und Seele des Fußballs.

 

6. Auch Fans müssen sich bewegen. „Freiheit für die Kurve“ kann nicht ein Faustrecht sein. Fans müssen sich aktiv mit ihrer eigenen Gewalt auseinandersetzen und konstruktiv an Lösungen arbeiten.

 

7. die Polizei muss sich bewegen. Neue Konzepte sind gefragt. Die Spirale muss durchbrochen werden. Das Hannoverkonzept ist ein erster Schritt, es müssen viel mehr folgen. Immer mehr Polizei, immer härteres Vorgehen und immer mehr Verfügungen ist kein Weg. Auch hier muss das Schweigen durchbrochen werden.

 

8. Es gibt keine überall anwendbare Patentlösung. Jeder Jeck und jeder Fußballfan ist anders.

 

9. Der DFB muss Druck auf die Politik machen, dass Fanprojekte noch mehr gestärkt werden. Er muss selber noch mehr finanziell in die Bresche springen.

 

und nicht zuletzt:

 

10. der DFB muss sich demokratisieren!

 

<h3> Und noch ein Absatz zur FDP </h3>

<p> Einprozent Partei bekommt einen Absatz: Also, man kann die höfliche Ahnungslosigkeit der Piraten gerne kritisieren, aber das  ganze wirkt immer noch vertrauenswürdiger, als unsere Altpolitiker, die sich vor eine Kamera stellen, Weltwissen und absolute Wahrheiten verkünden, die aber alle unter „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ fallen. Beispiel gefällig? Herr Rösler lässt sich wie folgt zitieren: „Es sei nicht Aufgabe des Staats, für unternehmerische Fehler zu bezahlen.“ (Zitat aus Spiegel Online). Nun, das wäre ja in einer NeoCon Marktliberalradikalen Denke (die wir ablehnen) richtig und konsequent. Nur Herr Rösler ist ja selber nicht konsequent. So war 2009 das Land Niedersachsen bereit für die Abwendung der Insolvenz von Karmann eine Landesbürgschaft zu stellen. Wohlgemerkt: Am Kabinettstisch: Herr Rösler. Und später kam es für die Auffanggesellschaft zum Einsatz von Bundesmitteln. Am Kabinettstisch (damals ganz neu): Herr Rösler. Seinen Meinungswechsel hätte er wenigstens mal erklären können. Nun mag man über Sinn oder Unsinn von Transfergesellschaften gerne diskutieren, aber wir vermuten, Herr Rösler  gibt sich nur aus einem Grund jetzt so markradikal: Weil es eben doch „nur“ um ein paar Frauen geht. <p>

<h3> Nachtrag 30.03.12 12:30 </h3>

 

<p> Kurz nach dem Erstellen dieses Artikels erschien bei der Süddeutschen Zeitung folgendes Zitat: <p>

<p> Er verwies zudem auf das Vorstrafenregister des FC St. Pauli. Der Chefankläger verlangte einen Gesamtausschluss aller Heim-Fans auf den Stehplätzen. Wenn man immer alle Besonderheiten bei solchen Fällen berücksichtige, könne man den Kampf gegen Vandalismus in den Stadien aufgeben: «Es ist ja eh bloß noch eine Verwaltung von Unrecht.» <p>

<p> Ähm, die Aufgabe der Judikative ist aber genau die Besonderheit von Fällen zu berücksichtigen und zu werten. Das ist ihre rechtsstaatliche Aufgabe. Und als Jurist muss dies auch sein Berufsethos sein. Herr Nachreiner hat (um es mal sehr freundlich auszudrücken) auf seiner Stelle a. nix zu suchen und b. sein Ehrenamt ziemlich verfehlt. Er sollte umgehend zurücktreten. <p>

<p> Der Satz, dass man hier nur Unrecht verwalte, ist ja noch spannender. Er sieht also entweder selber, dass die Rechtsprechung des DFB überholungsbedürftig ist? Oder ist das wieder der populistische Ruf nach härteren angeblich effektiveren Strafen? Dreimal dürft ihr raten. Herr Nachreiner, treten sie umgehend zurück, sie sind untragbar. Und arbeiten sie dringend an ihrem Demokratie und Menschenverständnis. <p>

 

 

 

Mrz 272012
 

Vorwort

Liebe Leser, kennt ihr das sehr menschliche Phänomen, dass man Sachen verdrängt, bis sie nicht mehr verdrängt werden können? Nicht? Dann haben wir hier wieder einen Fall. Und wenn es alles dann doch fest steht, dann tut es umso mehr weh.

Machen sie ein typisches Foto

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Carsten – genannt Calle – Rothenbach verlässt den FC St. Pauli. Was der FC in einer kleinen Facebook Meldung offiziell verkündet, ist ein weiterer Schritt in unserer unendlichen Tragöde der letzten 12 Monate. Unsere Heldengeneration tritt ab. Spieler, die nicht nur wegen Geld oder wegen der sportlichen Perspektive alleine bei uns gespielt haben, sondern Spieler, die sich mit dem FC identifiziert haben, die hier eine Heimat gefunden haben und die von uns allen wohl verehrt wurden und werden. Wir werden unseren Enkeln noch von Lelle, Eger, Ralle, Fabio und eben auch von Calle erzählen und ihren glorreichen Jahren am Millerntor.

Wir haben mit Calle nie ein Wort gewechselt, wir wissen nicht wie er tickt, wir wissen nur, wie er in der Öffentlichkeit als ruhiger, überlegter Spieler rüber kam, der nie große Töne spuckte und nie wirklich mit Ansprüchen in der Öffentlichkeit stand. Ein „wenn ich gesund bin, dann habe ich eigentlich immer gespielt“ war bei ihm schon eine mittlere Überraschung und Kampfansage. Und sie stimmte ja.

Und wenn er gespielt hat, dann wusste man hatte. Solide Außenverteidigung, mit sehr wenigen Fehlern und ganz wenigen Überraschungen. Seine Vorstöße – und das ist wohl seine große Schwäche – endeten meistens wie auf dem oben gezeigten Bild. Als Flankengott oder Vollstrecker von der Außenposition ist er uns nicht in Erinnerung geblieben.

Aber eben dieses Ruhige, dieses Abgeklärte und seine 2008 alle überraschende langfristige Vertragsverlängerung, seine Treue (bäh was für ein Wort, aber hier passt es), all dies hat den Calle zu einem Liebling gemacht. 2008 hatten wir alle das Gefühl „der wechselt nun in die Bundesliga“ und nein, er blieb, blieb Leistungsträger und war dies eigentlich immer, wenn ihn nicht gerade Verletzungen zurückwarfen. Selbst dieses Jahr in dieser verkorksten Rückrunde zeigte er sofort seine solide, nicht zu kritisierende Leistung, als er gebraucht wurde. Anlaufzeit? Abstimmungsprobleme? Eingespieltheit? Fremdwörter für Calle. Er ist da, wenn man ihn braucht. „Musterprofi“ findet man, wenn man Carsten Rothenbach googelt und ja, er ist das perfekte Synonym dafür. In einem Training immer einer, der vorweg war. Nie wirklich mit dem Mund, aber mit der Leistung, dem Arbeitswillen und der Konzentration.

Und nach 6 Jahren, 142 Einsätzen und 6 Toren (Stand jetzt) soll es nun zu Ende sein? Wir werden dich vermissen, Calle! Hoffen wir wenigstens noch auf 7 weitere Einsätze und verfickt noch mal 20 Tore. Irgendwie soll doch mal jemand vom Fußballgott belohnt werden und wenn es nur ist, dass er als Außenverteidiger seine Mannschaft zum Aufstieg schießt.

Das zynische der zur Zeit stattfindenden Entwicklung ist, dass wir heute wirklich überlegt haben, mit der Verabschiedung per Blogbeitrag zu warten bis entweder Ebbers oder Morena auch abgeschoben sind. Aber wir haben uns dann anders entschieden. Jeder dieser Spieler hat seinen eigenen Beitrag verdient. Denn ganz ehrlich: die verwendete Floskel „Calle Rothenbach verlässt am Ende der Saison den FC St. Pauli. Das gibt der 31-Jährige heute Mittag bekannt.“ lässt doch sehr viel Interpretationsraum. So ganz freiwillig um zu Bayern München zu wechseln? Eher nicht, oder? Zu gönnen wäre es ihm aber.

Wir sind keine Fußballfachleute, wir wissen nicht um die Leistung auf dem Trainingsplatz, aber wir wissen, dass diese 6 Jahre eine funktionierende Einheit auf dem Platz gestanden hat. Und was funktioniert, sollte man immer nur behutsam ändern. Und der Eindruck, dass hier zuviel mit dem Bulldozer eingerissen wird, der bleibt. Wir können uns nicht helfen, aber wir haben das Gefühl es wird das Herz herausoperiert.

Es bleibt zu hoffen, dass auf 7 fette Jahre mit vielen wundervollen Momenten nicht 7 dürre Jahre folgen.

Mach es gut Calle, wo auch immer es dich hin verschlägt.

Mrz 262012
 

oder

Garantiert ist irgendwie USP schuld

(Foto von @little_rogue mit freundlicher Genehmigung genutzt)

Präskriptum

Liebe Leser, man freut sich ja über jeden Leser, dem unseres Geschreibsel gefällt und man freut sich ja auch über jede Verlinkung dieser Gegenöffentlichkeit. Aber es gibt auch Ruhm, den möchte man gar nicht abbekommen und wenn man in einem Forum verlinkt wird, wo Punkte für Gewaltaktionen verteilt werden und das als „ultra“ bezeichnet wird, dann grübelt man dann doch, ob das die Leserschaft ist, die man haben möchte. Aber leider (oder auch glücklicherweise) kann man sich die Leserschaft nicht aussuchen.

Wir verweisen zu den Geschehnissen in der Gästekurve auf den vorherigen Artikel. Daher wollen wir den jetzt folgenden Artikel zur Aufarbeitung vieler anderer Geschehen nutzen und auch sehr über den Tellerrand gucken.

Der Rasen war es nicht…

Wir mussten gestern doch ein sehr bitteres Fußballspiel uns ansehen. Und wir müssen leider feststellen, dass der Wille aufzusteigen nur bei einzelnen Fans vorhanden ist, aber anscheinend nicht bei der Mannschaft.

Wir sind nebenbei immer wieder entsetzt, dass Fans eines Vereines keinen sportlichen Erfolg dieses Vereines haben wollen. Da schreiben ohne Witz Leute vor dem Spiel, dass sie ja einen Sieg von Cottbus wollen, weil sie ja nicht aufsteigen wollen. Irgendwie können wir das so gar nicht nachvollziehen. Wenn man sportlich dazu in der Lage ist, dann sollte man auch aufsteigen wollen. Nicht nur, dass der sportliche Wettbewerb nun einmal dazu da ist, das maximale zu erreichen, nein, so flauschig ist Liga 2 ja nun auch nicht. Und ob ein rumgekrebse um Platz 10 in Liga 2 mit ständigen Niederlagen gegen Paderborn und Konsorten nun wirklich so viel stimmungsvoller ist, als ein glorreicher Abstiegskampf in Liga 1, das sei mal dahin gestellt. Wir glauben das nämlich nicht.

Und das man nun immer glorreich 4. wird, das wagen wir doch ganz doll zu bezweifeln. Nebenbei können wir solche Sprüche wie „Aber mit dieser Leistung haben wir auch nichts in der 1. Liga zu suchen“ oder „Diese Mannschaft kann da nie mithalten“ können wir auch nicht mehr hören. Man gucke sich exemplarisch nur mal die Leistung unserer Nr. 17 an. Der war plötzlich auch bundesligatauglich. Und gerade die Aufstiegseuphorie setzt ganz versteckte Kräfte frei. Daher ist ja das 2. Jahr so schwierig. Und nicht das 1. Jahr. Außer man macht viele Fehler und hat dazu noch mehr Pech als Verstand. Siehe unser letztes Jahr.

Daher: Sollten wir noch irgendwie 2. werden oder die Relegation erreichen und sollten wir da durch den unberechtigstens Elfmeter gegen einen drückend überlegen spielenden Erstligisten aufsteigen, sollten wir das einfach mitnehmen und uns freuen.

Denn jede Saison fangen alle Clubs bei 0 an. Man bekommt für unverdiente Aufstiege keine Punkte vorab abgezogen! Und statistisch steigt auch nicht der 3. oder der 2. schneller wieder ab als derjenige, der als Zweitligameister aufgestiegen ist.

Also: „No fear of Promotion“!

Ein klitzekleines Detail geistert ja schon seit der JHV durch dieses Blog. Wenn wir noch ein weiteres Jahr 2. Liga spielen müssten, dann wären wir nächstes Jahr ungefähr mit dem 2,5 fachen Jahresumsatz verschuldet. Das ist eine Quote, die ziemlich am äußersten Rand dessen liegt, was man irgendwie verkraften kann. Bedenkt, dass wir nach dem Bau der Gegengerade mit gepflegten 40 Millionen bei irgendwelchen Leuten in der Kreide stehen. Und das ist sehr viel Holz. Egal ob Bankkredit oder Fananleihe. Wenn man dann in die erste Liga aufsteigt, ist dieser Betrag sehr viel einfacher abzuzahlen.

Und machen wir uns nix vor, wir spielen Profifußball in einem kapitalistischen System, da geht es um Geld, um nix anderes. Und mehr Geld gibt es in der Bundesliga.

Tja, aber die Aufstiegsangst haben nicht nur Fans, sondern auch unsere Mannschaft. Anders ist es sonst nicht zu erklären, dass beinah alle Spieler meilenweit weg von ihrer Normalform sind. Auch wenn einige auf Twitter gestern ohne Scheiß USP verantwortlich machen wollten, weil die schläfern ja mit ihrem Singen die Mannschaft ein. Stimmt, bei dem Tennispublikum der GG, wäre man viel wacher… Wenn man in eine Analyse einsteigen will, dann fallen mehrere Punkte auf:

1. Defensiv stehen wir sehr viel stabiler als in der Hinrunde. Mit Schachten und Volz haben wir zwei Außenverteidiger gefunden, die defensiv sehr gut sind. Jedoch: Eine unserer offensiven Stärken in der Hinrunde war auch, dass unsere Außenverteidiger sehr offensiv spielten, uns so auch immer eine Anspielstation im Mittelfeld bildeten. Das war ein offensiver Part zu Lasten der defensiven Stabilisierung. Hier wurde leider keine Ausgewogenheit taktisch gefunden. Und das sagt absolut nicht, dass die ganzen eingesetzten Spieler schlecht spielten.

2. Wir haben im Mittelfeld keinen Ballverteiler. Langsam sehnt man sich einen Spieler wie Takyi zurück, der einen zwar zum Wahnsinn treibt, der aber einen Ball annehmen und weiterleiten kann. Kruse ist in dieser Rolle zur Zeit überfordert. Hinzu kommt, dass die Offensiven rotieren sollen und dies in Kombination mit ihrer zur zeitigen Formschwäche noch stärker dazu führt, dass sie keinen Fuß auf den Boden bekommen und keine Routine und Sicherheit in ihre Aktionen. Eventuell muss man hier die Taktik an die Gegebenheiten anpassen.

3. Schlüsselspieler der erfolgreichen Hinrunde war Kruse. An seine überragende Form kann er nicht heranreichen und wenn er wie Sonntag angeschlagen ist, dann wird das nichts. Problem ist aber: Aus der 2. Reihe drängt sich niemand auf. Saglik verspringt jeder Ball, Schindler wirkt nach seiner Einwechselung wie ein Fremdkörper und auch Daube kann sein Talent zur Zeit nicht umsetzen. So entsteht weder frischer Wind, noch Druck auf die Startformation. Spieler wie Kalla, die in der erfolgreichen Hinrunde zumindest noch im Kader Stammgast waren, sind vollkommen weg vom Fenster. Der Trainer kann nur (oder verfährt nur?) nach dem alten Spruch von John Toshack verfahren, der mal folgendes sagte:

„Am Montag nehme ich mir vor, zur nächsten Partie zehn Spieler auszuwechseln. Am Dienstag sind es sieben oder acht, am Donnerstag noch vier Spieler. Wenn es dann Samstag wird, stelle ich fest, dass ich doch wieder dieselben elf Scheißkerle einsetzen muss wie in der Vorwoche“

(Der junge Mann wird auch noch für ein weiteres cooles Zitat verantwortlich gemacht. Auf die Frage, wie lange er denn noch Trainer von Real Madrid sei, antwortete er „das wüsste ich auch gerne“.)

4. Kondition und Angst führen ständig zu einem Leistungsabbau in der zweiten Halbzeit. Ist da nicht richtig gearbeitet worden? Wo ist die läuferische Qualität der Hinrunde geblieben?

Nun sind das alles Beobachtungen und keine tiefliegenden Ursachen. Und an einer tiefliegenden Ursachenforschung mögen wir uns auch nur bedingt beteiligen. Mehr oder minder schlaue Leute schreiben was von schlechter Stimmung in der Mannschaft und einem schlechten Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft. Können wir nicht nachprüfen, wollen wir auch nicht nachprüfen. Uns sind das immer viel zu einfache Ausreden. Wenn ich Stammspieler bin und das Vertrauen des Trainers habe, dann muss ich auch mal über Kram hinwegsehen, meinen wir.

Und nein, wir fordern keinen Kombinationsfußball und keinen schönen Fußball. Wir gehen auch schon gefühlte drölftausend Jahre ans Millerntor, da ist nie schöner Fußball gespielt worden. Was wir fordern ist Wille. Szenen wie die von Bartels vor der Gegengerade (wo er kämpferisch den Ball vor dem Ausgehen rettet) lassen selbst die Gegengerade sofort zu einem Hexenkessel werden und müssen viel mehr von der Mannschaft kommen. Und wenn so ein eher filigraner Spieler wie Bartels die Kampfsau rausholen kann, dann können das alle. Biss zeigen! Ist das Motto der Stunde. Und dies nicht nur von einem Torhüter, der immer wieder das Spiel schnell machen will und niemand steigt drauf ein, weil jeder damit beschäftigt ist sich hinter seinem Gegenspieler möglichst sorgfältig zu verstecken. Verantwortung übernehmen ist zur Zeit leider ein Fremdwort.

Zu einfach erscheint es uns von dem Kauf zweier Defensivspieler nun darauf zu schließen, dass wir ab nächste Saison nur noch Beton anrühren. Richtig ist: Ein Knipser wäre toll, aber die wachsen leider nicht auf den Bäumen. Und man bedenke mal: Wir haben in der Winterpause einen Defensiven abgegeben und wir werden höchstwahrscheinlich mindestens einen der beiden ausgeliehenen verlieren, wahrscheinlich selbst beide. Dann brauchen wir mindestens zwei neue Defensive.

Uns steht sowieso ein Umbruch ins Haus, so dass wir noch sehr viel mehr Spieler verpflichten werden. Nun hat man hinten angefangen, aber das heißt noch lange nicht, dass man defensiv denkt. Und man vergesse nie den alten amerikanischen Spruch: Offense wins fans, defense wins championships. Und wir wollen aufsteigen. Und die Radkappe haben.

Abseits des Platzes war die Stimmung in der Sonne ganz okay und so ein Chaos, Fahne, Konfettiintro ist immer noch fett unser Geschmack.

Kotzen im Strahl Teil 1

Da macht jemand Käsekuchen und gentrifiziert sich selber damit weg. Man, was für eine bittere Geschichte.

Kotzen im Strahl Teil 2

Haben wir nicht letztens mal erörtert, wie problematisch eigentlich dieser Sicherheits- und Ordnungsbegriff ist? Und hatten wir da kein griffiges Beispiel zur Hand, dann haben wir jetzt eines aus Delitzsch. Da kannst du dein Konzert nicht mehr Nazifrei gestalten, weil das die Sicherheit und Ordnung stört. Und wisst ihr, was das schlimme ist? Wahrscheinlich haben die juristisch noch Recht, weil das Sicherheits- und Ordnungsrecht halt kein Verschulden voraussetzt und damit herrschende Verhältnisse präventiv zementiert. Sprich: Wenn du die relative Ordnung in der national befreiten Zone störst, dann bist du nicht etwa aufrechter Demokrat, sondern polizeirechtlicher Störer. Nazis benutzen also die staatlichen Organe als Hebel und feiern wahrscheinlich gerade richtig.

Kotzen im Strahl Teil 3

Gleich lest ihr einen Text vom Aktionsbündnis. Dazu wollen wir mal klare Ansagen machen, die hoffentlich auch der größte Depp, Suffkopp, Pauli-Partytyp versteht:

1. Schwul, Schwuchtel etc. kein Schimpfwort

2. Sexismus nicht lustig.

3. jegliche Diskriminierung scheiße

Wer 1-3 nicht versteht, der Ohren und/oder Fresse dick. Haut ab, geht sterben. Und wer meint, dass sein Freund das doch nur aus Spaß meint und doch gar kein homophobes Arsch sei oder kein Rassist sei, der ist kein Stück besser und kann bitte auch umgehend zur Hölle fahren.

(Wir bedauern die Verkürzungen, aber anscheinend lesen und begreifen Leute differenzierende Texte nicht und es war uns wichtig das mal DEUTLICHST zu sagen. Vielleicht sollten wir T-Shirts drucken: „Du findest etwas „schwul“? Du meinst Frauen seien „Fotzen“? Wir finden, dir gehört die Nase gebrochen“. Klar, ist arg verkürzt und gewalttätig, aber vielleicht würden dies die Leute endlich mal begreifen.

Hier also der Text:

„Gegner und Schiedsrichter werden als „Pussies“, „Schwuchteln“ oder als „Tussies“ beschimpft.“ – Hier mal ein paar Eindrücke eines Gegengeradenstehers Block 3, die zeigen, wie sehr es für uns immer wieder lohnt, vor der eigenen Tür zu kehren.

„Acht Partien sind noch zu absolvieren, 24 Punkte sind noch zu ergattern, 720 Minuten voller Emotionen, Kampfgeist, Kreativität und Leidenschaft. So wenigstens wünsche ich mir meinen FC St. Pauli. Dass all diese Attribute in den vergangenen Monaten schwinden und schwinden, ist ebenso betrüblich wie die Brechreiz hervorrufenden Begleiterscheinungen auf allen vier Tribünen am heimischen Millerntor.

Die Eindrücke aus den letzten beiden Heimspielen gegen Braunschweig und Karlsruhe haben mich wirklich nachdenklich gestimmt.

Gegner und Schiedsrichter werden als „Pussies“, „Schwuchteln“ oder als „Tussies“ beschimpft. Dass dabei kolossal gegen die Stadionordnung verstoßen wird, akzeptieren neben dem Schreihals leider auch immer mehr Umstehende/Umsitzende. Häufig sind es genau diejenigen, die Kassenrollenwerfer am liebsten öffentlich steinigen würden.

Der eigene Torwart (!) Benedikt Pliquett wird permanent und ohne erkennbaren Grund auf völlig inakzeptable Weise verhöhnt und niveaulos kritisiert. Aber der ist ja auch selber schuld, ist ja ein „blöder USPler.“

Und wenn dann noch Trainer André Schubert einen „schwulen Defensivscheiß“ zusammenkicken lässt, merke ich, dass sich meine Zeit am Millerntor dem Ende entgegen neigt.

Flankiert wird das Ganze dann gerne von all den wahren Pauli-Fans, die sich mit gespitzen Lippen die verkaufte Seele aus dem biergetränkten Leib pfeifen und montags kernige Leserbriefe an die MOPO schreiben. Schließlich zahlen sie auch ordentlich Eintritt, da wird man jawohl mal Spektakel erwarten können …“

(Text ist hier geklaut. Facebook link)

Dazu noch folgende Anmerkung: Gegengerade erhebt euch! Warum sind wir eigentlich der einzige Stehbereich im Stadion ohne Vernetzungstreffen, ohne eigenen Flyer und mit sehr wenig Strukturen? Wenn wir nicht bald den Arsch hoch bekommen, dann müssen wir uns eingestehen, dass wir homophobe Arschlöcher, Rassisten und andere Idioten viel zu stark dulden und viel zu wenig dagegen tun und dies nur aus unserer linksalternativen Bequemlichkeit und Selbstgefälligkeit. Und dann sind wir alle kollektiv Schuld und sollten dringend bei der Belehrung von anderen die Schnauze halten. Es ist 5 vor 12! Denn wenn der anonyme Schreiber geht, dann ist er garantiert nicht der Erste, den wir alle auch auf dem Gewissen haben!

Mrz 252012
 

oder

Sie sind clever geworden…

So if you meet with these historians, I’ll tell you what to say
Tell them that the Nazis never really went away
They’re out there burning houses down and peddling racist lies
And we’ll never rest again until every Nazi dies
(Chumbawamba – The day the Nazi died)

Vorwort

Liebe Leser, wir werden auch noch einen ausführlichen Bericht schreiben, aber wir wollen euch nicht ein kleine erläuterte Bilderserie vorenthalten, die wir heute bei dem Spiel und per Screenshot geschossen haben. Und man muss sagen: Unpolitisches Spruchband? Auf den ersten Blick ja, auf den zweiten Blick können einem Zweifel kommen:

Man gucke ganz genau hin

Beginnen wir mit einem Bild der gezeigten Buchstaben am Anfang des Spieles:

Schwer zu lesen, aber da steht „Ein Sieg heilt unsere Wunden“. Die Buchstaben sind gleich gemalt, nix herausgehoben. So auf den ersten Blick harmlos. Aber denkt man drüber nach, dann ist da ein „Sieg Heil“ drin. Dummer Zufall? Unglücklich? Vielleicht. Ihr seht das weiße Banner, was dahinter hochgehalten wird? Vielleicht zufällig? Vielleicht dazu passend? Wir wollen keine Vermutungen anstellen. Aber Zufälle sind immer eine zu einfache Ausrede. Dieses Banner kann man da nicht lesen, aber später schon und da geht unsere Bilderserie weiter:

Zugegeben: Das ist auch schwer zu lesen, aber da steht „Wk 13 Boys“ und wenn man das mal in die Suchmaschine eingibt, die unsere Daten sammelt, dann findet man eine Facebookseite mit dem gleichen Symbol drauf. Und da findet man als neusten Beitrag folgenden:

Wie hörten wir so schön? „Mit Chemnitz befreundet? Na, das sagt ja alles.“

Aber natürlich, es gibt auch korrekte Chemnitzer und korrekte Cottbusser und warum sollten die nicht gemeinsame Sache machen? Würde der Skeptiker nun einwerfen. Nun ja, „braun“ ist von beiden nicht die Vereinsfarbe und wir finden noch folgenden Beitrag:

Habt ihr noch Fragen? Wir nicht! Glaubt ihr noch bei dem ersten Lappen an Zufälle? Oder an ein unpolitisches Plakat? Wir eher nicht.

Mrz 202012
 

oder

Mix football and politics

Vorwort

Ein kurzer Mix aus Politik und Fußball gibt es heute auf die Augen.

Demonstrierende Trottel

(Bild von @FrauRausHH benutzt mit freundlicher Genehmigung)

Erneut wollen wir euch erinnern am 02.06.12 nix vorzuhaben. An diesem Tag wollen die Nazis ihren „Tag der deutschen Zukunft“ in Hamburg begehen und dies gilt es zu verhindern bzw. zu behindern. Wir schließen uns hiermit ausdrücklich dem Aufruf des Hamburger Bündnisses gegen Rechts an.

Muss man den Aufruf an einer Demo gegen Nazis teilzunehmen eigentlich erläutern? Wir denken ja, dass man dies nicht tun muss, sondern dass dies eine Selbstverständlichkeit ist. Aber einige erläuternde Worte wollen wir doch noch haben.

Oh nein, wir übersehen nicht die Diskriminierung, den Rassismus und auch den Antisemitismus breiter (auch angeblich linker) Gesellschaftsschichten. Neustes Beispiel gefällig? Man folge dem Link. Und auch der Aufruf auf der oben verlinkten Seite übersieht unseres Erachtens dies nicht. Und auch in unserem Fußballprollblog legen wir immer mal wieder bewusst den Finger in die Wunde.

Aber gerade bei Nazis gehört nicht nur der Kampf gegen den Nährboden dazu, sondern auch der Kampf gegen ihre Erlebniswelten, mit denen sie ihre Szene zusammenhalten und stärken können. Gemeinsame Demonstrationen, die auch noch erfolgreich durchgeführt werden können, sind immer ein Stärkungssignal nach innen. Und alleine deswegen gilt es solche Demonstrationen zu verhindern. Und gerade nach den mehr oder minder gescheiterten Versuchen in Dresden gesichtsrevisionistisch zu demonstrieren, können wir uns auch vorstellen, dass diese Veranstaltung für die Nazis und ihre Kampagnenfähigkeit sehr wichtig wird. Wir geben aber zu: Wir sind keine Experten auf diesem Gebiet.

Und noch etwas weiteres kommt hinzu: Weder wollen wir, dass die Nazis meinen, sie würden ja nur die Meinung der breiten Öffentlichkeit laut auf die Straße bringen, noch wollen wir, dass gerade in unserer Stadt so eine Veranstaltung störungsfrei durchgeführt wird. (Jaja, wir wissen, das letzte Argument ist nicht ganz unproblematisch).

Wir halten auch die in dem Konsens angesprochenen Blockaden für ein absolut legitimes Mittel. Wir sind uns der juristischen Diskussion um die Strafbarkeit von Sitzblockaden sehr wohl bewusst, aber wenn es um die Verhinderung von Naziaufmärschen geht, dann kann man auch mal zu gerade eben noch legalen Mitteln greifen, wenn ihr uns fragt.

Also beteiligt euch! Geht am 02.06.12 auf die Straße, stellt euch den Nazis entgegen.

Am Vorabend wird die Marathonabteilung noch einen eigenen Lauf veranstalten und auch Geld für das oben genannte Bündniss sammeln. Das ist schon mal sehr gut, auch wenn uns die Ankündigung sonst noch etwas inhaltsleer ist, aber da kommt garantiert noch was.

Leipziger Trottel

Hmm nein, wir meinen nicht die angreifenden Lok Hooligans und normalerweise verlinken oder zitieren wir die Bildzeitung nicht, aber folgender Satz aus dem Bericht der Bild Leipzig hat uns einfach zu einer Ausnahme genötigt:

„Das Problem: „Niemand hatte uns vorab informiert, dass die St.-Pauli-Profis auf dem Bahnhof sind“, schimpft Polizeisprecher Damrau“ (BILDZEITUNGSLINK!!!!)

Wie haben wir das denn zu verstehen? Für uns ist das eine gepflegte Umdrehung von Täter und Opfer.

Es ist auch schon bemerkenswert für eine angeblich freie und tolerante Gesellschaft, dass Menschen, die nicht in das Weltbild der Nazi-Hooligans (erzähl uns hier niemand was von einem reinen Fußballding) passen nur dann geschützt werden können (zumindest nach Ansicht des Polizeisprechers), wenn sie ihre Reisepläne vorab mitteilen. Da wird die national befreite Zone zum polizeilichen „alles ruhig“ Normalfall.

Ansonsten ist ja nix passiert und wir verweisen auf den Lichterkarussell-Hoschi

Fink das Milchmädchen

„Wenn wir ein Gegentor durch eine Standardsituation kassieren, müssten die Spieler in die Mannschaftskasse einzahlen. Wenn wir ein Tor schießen, dürfte sich die Mannschaft etwas rausnehmen“

Hmm… das ist doch mehr oder minder eine Milchmädchenrechnung, oder? Denn die Mannschaftskasse ist doch Geld der Mannschaft? Sprich: Wenn man ein Gegentor bekommt, dann zahlt man an sich selbst und wenn man ein Tor schießt, dann schüttet man an sich selbst aus.

Oder was heißt „Die Mannschaft kann sich etwas herausnehmen“? Was kann sie dann damit machen? Auf den einzelnen Profi verteilen? Das wird garantiert ein lustiger Verteilungskampf. Uns ist irgendwie nicht klar, wie das motivieren soll. Aber wir sind auch keine Fußballtrainer.

Und behaupten sowieso, dass er wahrscheinlich auch bei Salzburg so ein Modell nicht hatte, sondern das eher einfache Lösungen für ein komplexes Problem vortäuschen soll.

Man könnte auch sagen: Im Volkspark geht die blanke Angst um, dass die Uhr bald abgelaufen sein wird.

Mrz 192012
 

oder

Ein Dialog

Vorwort

Natürlich hat der jetzt folgende Dialog der beiden hier verantwortlich zeichnenden Menschen so nie stattgefunden. In Teilen schon, in anderen Teilen wieder nicht, natürlich in schriftlicher Form und in völlig anderer zeitlicher Reihenfolge. Wir disqualifizieren uns heute mal gepflegt als Romanschreiber, denn da ist ein ganz übler Zeitbruch drin. Einige Versatzstücke sind auch aus Gesprächen mit Dritten geklaut, aber dies muss sein, sonst wird ja keine Wochenendstory draus. Nennen wir unsere beiden Protagonisten mal A und B.

A: Na, schon auf der Rücktour?

B: Klar, schnell alle eingepackt und nun seit 16:07 das wunderschöne Erzgebirge verlassen. Und du sitzt wahrscheinlich schon auf dem heimischen Sofa und bohrst in der Nase.

A: So ungefähr. Wenn wir morgen das Blog aktualisieren, vielleicht sollten wir vorab den Leuten noch mal erklären, warum „wir“?

B: Meinst du? Okay, ist vielleicht ja auch nicht ganz so einfach. Also wir haben uns nicht in den königlichen Rang erhoben, den hatten wir sowieso schon immer.

A: Ja, den der Hofnarren

B: Genau! Also nochmal: Hier schreiben seit dem Neuanfang 2 -in Worten- zwei Menschen. Eine Nase, die jeder kennt, eine Nase, die eher bequem geworden ist und lieber im Hintergrund agiert und der ersten Nase aber wichtige Tipps gibt, Anregungen, Textversatzstücke und die Texte auch mal checkt. Klar: Wenn man zu zweit an Texten arbeitet, dann macht immer einer einen Textvorschlag und der andere krittelt dran rum. Arbeitet hier irgendwer anders? Wir glauben nicht. Facebooken tun beide, Emailen auch, Twittern tut nur einer. Und um das deutlich zu machen, sind wir wir. Nun klar?

A: Mir ja, aber ich bin da vielleicht auch nicht repräsentativ. Erzähl mir mal lieber noch mal genau, wie du eigentlich zu der Busbegleitung bekommen bist…

Also ich würde jetzt gerne eine rauchen

B: Guter Anfang. Also: Der Plan war, ich komme früh, winke noch mal kurz den Ufftas nach, dann zieh ich mir in Ruhe einen Spezi rein und dann setz ich mich irgendwo im Spezirausch hin, nerv H und J und alles wird gut. Naja, erste Planänderung war, dass die Ufftas dann doch nicht um vier gefahren sind, weil das Busunternehmen es nicht hinbekommen hat, die Busse auf zwei verschiedene Abfahrtzeiten zu schicken. Das scheint noch schwerer zu sein, als das mit dem „wir“ hier im Blog. Merke für Busunternehmer: Wenn zwei das selbe tun, dann ist das nicht nur nicht das gleiche, sondern sie tun es gerne auch zu zwei verschiedenen Uhrzeiten. Also kein entspanntes Spezi trinken, denn du weißt ja: Stehen mehr als vier Ultras auf einen Platz, dann fangen sie an zu singen. Ne, schon sehr klasse, wie entspannt die Mädels und Jungs da mit 200 Leuten stehen, obwohl die Busse zu spät kommen. Ich habe wenig Ärger, aber sehr viel Lebensfreude erlebt.

A: Gut, dass unsere Ultras so sind, wie sie sind. Zum Glück nicht so angebliche unpolitische Faschos. Hast du eigentlich mitbekommen, was in Dortmund passiert ist?

B: Ja, ging ja nun fett über soziale Netzwerke, aber hast du noch Details? Ich bin ja doch sehr früh ins Bett gegangen.

A: Also erstmal für unsere Leser vielleicht noch mal von Anfang an. In der Dortmunder Kurve wurden zwei Lappen präsentiert, auf dem einen Stand „Lieber eine Gruppe in der Kritik, als Lutschertum und Homofick.“, auf einem anderen wohl „Gutmensch, Schwuchtel, Alerta-Aktivist, wir haben euch im 20 gegen 100 gezeigt, was Fußball ist“. Vom letzteren gab es kein Foto, so dass ich mal auf Sekundärquellen zurückgreife.

B: Das waren dann ja wohl unsere mexikanischen Bierliebhaber, oder?

A: Würde zumindest nach vielen Plakaten der Bremer in deren Richtung Sinn machen (Hallo Bremen, wenn ihr eine vernünftige Fotodokumentation hättet, hätten wir nun verlinkt, aber Stadionwelt ist nicht). Sehen wir es mal ironisch positiv: Da hat eine Gruppe richtig volle Elle ihre vermeintlich unpolitische Hose runtergelassen und gezeigt, was für rechte, homophobe Idioten sie sind. Über die Homophobie haben auch schon andere viel geschrieben, ich denke da ist vieles schon gesagt und wir können die Leser dorthin verweisen.

B: Entscheidend ist natürlich nun, wie verhält sich das restliche Dortmund und wie die Presse. Berichtet man nun weiter über jeden gezündelten Bengalo, als wäre er der Weltuntergang oder nimmt man sich mal diesem wichtigen Themen auch nach der kurzen Empörung an?

A: Ein Anfang ist in Dortmund allemal gemacht: Beobachter sprechen von „Tumulten“ im Heimblock nachdem das Plakat gezeigt wurde, das ist ja erstmal positiv, dass da Leute den Mut haben sich auch gegen solche Scheiße gerade zu machen. Und das ist ja bei irgendwelchen Kanten aus dem Spektrum der Autonomen Nationalisten erstmal kein Zuckerschlecken. Auch soll „Wir sind Dortmunder und ihr nicht.“ gerufen worden sein. Was nun noch nicht wirklich perfekt ist, aber aller Anfang ist schwer.

B: Und so etwas kritisieren könnte Momo sowieso viel besser als wir. ;- (wie üblich muss man sich da durch einen Rundumschlag kämpfen, aber versteckt gibt es auch was zu diesem Thema; Link ist nachgetragen)

A: Dann wieder in die vollkommen falsche Richtung ging der Doppelpass, der das Thema nicht anschneidete, weil mal laut eigenem Bekunden „keine Plattform bieten will“. Ach ne und bei jedem Bengalo bietet man eine Plattform. Darf ich mal ganz stark vermuten, dass hier eher Stichworte wie „eigene Homophobie“, „dies ist keine Schlagzeile für den Stammtisch“ für die Nichtbehandlung entscheidend sind? Ich möchte nicht wissen in wie vielen Sportredaktionen der schlechte Pass „schwul“ ist und eine Spieler nach einer Schwalbe als „Schwuchtel“ bezeichnet wird.

B: Nannten die sich nicht mal selber „der Fußball-Stammtisch“? Also alles in trauriger deutscher Tradition.

A: Nun ja, es ist ja eine traurige Gewissheit, dass deutscher Fußballjournalismus nicht nur damit überfordert ist, ein Fußballspiel wirklich zu analysieren, nein wenn es um die Sachverhalte im Umfeld geht, dann sind die endgültig vollkommen außen vor. Ich könnte jetzt über die Interviews bei Sky philosophieren, aber lass uns mal noch bei Dortmund bleiben.

B: Ja, wenn man sich dieses beiden Plakate mal genau anguckt, dann sind da ja noch weitere Aussagen ganz spannend. „Gruppe in der Kritik“? Oh, gibt man da etwa zu, dass man mehr oder minder mit Neonazis verbunden ist? Das hat man doch bisher immer weit von sich gewiesen.

A: Ja, auch deswegen wird die Reaktion des Vereines sehr interessant. Wann und wie reagiert ein Verein auf so etwas? (Nachtrag, hmm naja also, sehen wir es mal als ersten Schritt an…)

B: Und wie reagieren mittelfristig und langfristig andere Fans?

A: Ich befürchte beinah: Nicht richtig. Bleib da bloß bei deinem Dogma nie Kommentare auf anderen Seiten zu lesen. Wenn du die Kommentare bei den Unioner Kollegen (Facebook Link!) liest, dann verlierst du jeden Glauben. Auch wenn da zum Glück Leute Kontra geben. (kurze redaktionelle Anmerkung: Wir persönlich finden die kommentarlose Löschung solcher Beiträge besser.)

Und schwatzgelb? Nennen wir es mal einen guten Anfang. Wenn die Tumulte jedoch wirklich nur um die Sichtbehinderung gingen, dann ist natürlich die Tumultpassage von uns gleich wieder in der Tonne. Wobei ich ehrlich gesagt auch nicht weiß, inwieweit man Plakate von hinten lesen kann in einem solchen Fall.

B: Ja, Homophobie weniger als Problem der Radikalen, sondern als Problem der Mitte der Gesellschaft…

Und der Rest des Plakates zu lesen ist auch – wie soll ich es sagen – hoch interessant (in Ermangelung besserer Worte). Alerta wird da gedisst. In alter Anti-Antifa Tradition. Dazu sich zu Fußballgewalt bekannt „20 gegen 100 gezeigt war Fußball ist“ und sich als Nazis bekannt. Das ist doch mal ein guter Rundumschlag. Sorry, aber ich werde da sarkastisch.

A: Die breite Gesellschaft als Nährboden von Nazis durch Verharmlosung, wegsehen und in vielen Bereichen gleicher Denke. Exemplarisch vorgeführt in Fußballstadien. Und da haben wir es doch wieder: Nicht der Fußball hat ein Gewalt-, ein Diskriminierungs- oder ein Radikalenproblem, nein die Gesellschaft hat es. Bleibt zu hoffen, dass vielen Leuten, die bisher diesen Baumstamm in ihren Augen (in ihrem Stadion) nicht gesehen haben nun die Augen aufgehen und offen bleiben. Denn wie viele Leute wollten nicht sehen, dass unsere mexikanischen Bierfreunde eben doch extrem Nazi unterwandert sind?

B: Alles was ich über die Gesellschaft gelernt habe, habe ich beim Fußball gelernt?´

A: So ungefähr. Fußball ist halt das Brennglas, der Spiegel der breiten Öffentlichkeit. Tja und da wäre guter Sportjournalismus gefragt. Stattdessen problematisiert man in Aue ungefähr 1000 mal die paar Pfiffe der FCSP Haupttribüne (und anderer Tribünen) beim letzten Heimspiel. Als gäbe es nichts wichtigeres.

B: Ich lerne, zu Hause bleiben ist auch keine Lösung.

A: Ne du fängst nur an Biergläser durch Kneipen zu werfen. Höhepunkt war, dass im Nachspielbericht wirklich von 1. FC St. Pauli die Rede war. Vor dem Spiel ist Schulte allen Ernstes gefragt worden, ob man durch den Rasentausch nun die Spieler unter Druck setzen würde. Und Schubert ist auch jedes mal kurz davor den Interviewer zu würgen. Dabei ist das sonst ein so gut gelaunter Mensch. Diesmal wurde versucht die Schlafmützigkeit beim 1-1 durch die Auswechselungen zu begründen. Ja, ne ist klar. Aber nun erzähl mal von der Reise….

B: Ach ja, Justus kam zu mir und sagte, dass Kolja krank sei…

A: Gute Besserung!

B: … also dass er krank sei, ich weiß aber nicht was er hat, ich gehe aber mal davon aus, dass der Junge schnell wieder auf den Beinen ist. Also zumindest wünsche auch ich ihm es. … also dass er krank sei und was ich denn so heute trinken wolle. Und ich Trottel sag natürlich nicht „Ich zieh heute mal richtig einen durch“ und schon hatte ich die Busleitung an den Hacken. Und sonst brauch ich für so etwas ungefähr 10 Tage Vorbereitung.

A: Lass mich raten: Alles wie immer. Alle 20 Minuten der Ruf nach einer Raucherpause, Busfahrer und ihre Lenkzeiten und zweimal Allertal?

B: Ne, fast, aber irgendwie auch nicht. Auf der Hinfahrt schon, aber alle Anfragen nett, freundlich, ohne Diskussion und wir echt entspannt durchgekommen. Auf der Rückfahrt war der Bus dann unglaublich. Wir sind zweimal gut über 2 Stunden gefahren und es gab echt beinah kein Gemeckere. Dementsprechend waren wir auch gut 30 Minuten vor den anderen in Hamburg.

A: Was war da denn bitte los?

B: Naja, außer dass J. immer eine rauchen wollte ein vollkommen entspannter Bus. Aber immer wenn ich gesagt habe „J, ich besorg dir jetzt eine Roth Händle ohne Filter, die ziehst du dann ganz in Ruhe durch“, hat er gekniffen. Alter Nichtraucher halt.

A: Also kein spontaner Halt?

B: Ne und dabei hätte ich für die Nummer auch direkt auf der A 7 quer halten lassen. Die Busfahrer waren zwar Busfahrer aber auch ganz okay. Wenn man mal das übliche „Herren über Leben und Tod“ abzieht gingen die. Und ganz wichtig: Keine Busfahrerwitze!

A: Und was ging so neben dem Platz? Zu dem auf dem Platz müssen wir ja wohl nicht viel sagen, oder?

B: Ich denke doch, denn einige Aspekte fand ich ganz spannend, aber da können wir ja gleich mal drüber reden. Neben dem Platz viel Polizei. Die hatten direkt an der Autobahn selbst etwas aufgebaut, wo du ohne weiteres hättest Busse filzen können. Haben sie dann aber gelassen. Auch wenn ich kurz Angst hatte, dass sie meinen Bus nun wirklich filzen wollen. War aber Fehlalarm, die wollten dann nur reden.

Ansonsten hat es nicht viel Stress gegeben. Ich habe auch nur einen „Todesstrafe für Kinderschänder“ Trottel gesehen und einmal Thor Steinar. Scheinen da noch nicht so offen zu agieren wie in Dortmund. Einige Jungspunde erheben gerade das Blockstürmen zu einer Kunstform bei uns, aber erstaunlicherweise wurde dann nicht gezündelt.

A: Was ja auch ein Elfmeter ohne Torhüter angesichts des noch laufenden DFB Verfahrens Kassenrolle gewesen wäre.

B: Zumindest in der Logik des DFB. Das Kassenrollen nicht wirklich etwas mit Pyro zu tun haben, steht auf einem ganz anderen Blatt. Btw: Schönes Fahnen, Konfetti, Kassenrollen Intro auf beiden Seiten.

A: Im Fernsehen hörte man eigentlich nur St. Pauli…

B: Das würde ich jetzt nicht so sagen. Die Akustik mit einem rauswehenden Wind und einem unüberdachten Gästeblock verschluckte auch viel. Im Block ging es aber gut ab. Oder wie H. so schön meinte: „wir liefern mies ab“.

A: Das ist dann wohl Jugendsprache, oder?

B: Na so langsam kommen die ja auch in das Alter, wo auch mal etwas geht, was politisch nicht 1.000 % korrekt ist. Ich sag nur „Kleine Hefte, großer Spaß“. Aber keine Angst, alles FSK 16. Aue lieferte aber auch ganz okay ab, um mal in diesem Bild zu bleiben.

A: Tja und wenn wir alles gesagt haben, dann muss man wohl doch noch mal auf das Sportliche kommen….

B: Im Stadion kann ich nicht beurteilen, was Abseits ist, was nicht, es macht einen immer so frei von so etwas. Aber du spielst 30 Minuten wirklich konzentriert, spielst eigentlich die besten 30 Minuten seit langem, führst glücklich per „vom Winde verweht“ 1-0 und dann wird es mal 10 Minuten hektisch und du verlierst sofort den Faden.

A: Ja, so sah das auch vor der Glotze aus. Ich mag auch diese Abseits oder nicht Diskussion nicht, aber so richtig souverän war der Wingenbach nicht. Nur ganz ehrlich: Da kannst du dich ja mal von anstecken lassen, aber dann hast du Halbzeit atmest durch und arbeitest konzentriert weiter. Und das fehlte komplett.

Und nach 75 Minuten wirkt die Truppe stehend K.O. und das gegen einen Gegner, der eine englische Woche hatte. Aber selbst da hatten sie ja noch Chancen, nur einer von den ganzen Kruseschüssen muss doch mal mehr werden als eine Rückgabe. Oder das Ding von Naki.

B: Klar und wenn du dann so träumst, dann bekommst du so ein blödes 1-2. Und dann hat da noch einer die Rübe zwischen und du siehst als Torhüter richtig alt aus. Ohne irgendwas wirklich machen zu können.

A: Was mir auffiel ist – und man muss ja immer alles positiv sehen -, dass unsere Jungs endlich sich mal Torabschlüsse erarbeiten. Das war in den letzten Wochen gar nicht so.

B: Ja, aber da musst du doch auch mal einen machen.

A: Stimmt, üben sie im Training ja genug.

B: eigentlich ja.

A: Aber die Stimmung ist da sowieso nicht gut. Jetzt halte ich es für eine Fußballfloskel zu sagen, dass sie vielleicht „gegen den Trainer“ spielen, aber so richtig der 1910 %ige Wille, das Ding mal mit dem Kopf durch die Wand zu machen, der fehlt ihnen.

B: Ja, da sind sie auch alle zu brav, zu lieb, zu ruhig. Und wenn dann Boller fehlt, dann hast du zwar mit Daube einen Ersatz im sportlichen, aber Daube fehlt natürlich dieses Kopf durch die Wand Ding.

A: Eben, Boller zertrümmert ja Leuten noch mit seinem Kopf das Knie im Training und auf dem Platz merkst du davon gar nix.

B: Ich möchte da auch mal eine Lanze für Kruse brechen. Klar muss der Coach ihn eigentlich auch mal auswechseln, aber einmal sah ich seine Leistung gestern als kleines Pflänzchen Hoffnung, dass er aus seinem Loch rauskommt.

A: Ja, da muss man unserem Kollegen Kiesel (ausnahmsweise) widersprechen, Alibi geht anders. Auch wenn sein powervoller Abschluss noch im Winterschlaf liegt. Aber es wird ja Frühling, da kommt ja vieles wieder.

B: Siehst du und der Ringträger vom Übersteiger hat auf seinem Sofa ja die Projektwochen ausgerufen und meint, dass sei alles nur, damit die Kogge versenkt wird.

A: Eben

B: Fragt sich beinah, ob er eigentlich noch sein Marathonprojekt betreibt (Kleine Läuferstichelei), und natürlich bleibt das Projekt „Hamburg will die Ligawechsel“ absolute Priorität.

A: Die Uhr ausmachen, was für ein Traum. Dann können die mit ihrer rückwärts gewandten Tradition sonst wo hin.

B: Ach ja…

A: Aber wahrscheinlich finden die wieder drei Mannschaften, die noch schwächer sind.

B: Vielleicht ja mal nicht. Wir sehen das jetzt mal alles positiv. Im hübschen Erzgebirge schien die Sonne, es war ein stressfreier Tag, die Hin- und Rückfahrt ging gut von der Hand und die 5 Punkte auf Frankfurt holen wir noch auf. Alles in Butter also.

A: Stimmt, ein schöner Tag mit kackigen Momenten also.

B: Womit wir auch die Überschrift hätten… Und was ist mit dem Liedtext?

A: Naja, wenn einer gegen uns 6 Punkte holt, dann kann man wohl nur folgenden Text nehmen:

Zwei gekreuzte Hämmer und das große W,
das ist Wismut Aue, unsere BSG (Autor unbekannt)

B: Glückwunsch nach Aue. Neidlos. Und frei nach dem OL: Heute sind wir schon aufgewacht und haben gedacht: Wir lieben sie doch, Forza St. Pauli.

Mrz 152012
 

… wenn jede Scheiße zu Geld wird, dann hast du auch verloren,
dann wurdest du ohne Arsch gebor’n…
(Schon wieder Frank Z / Abwärts – ich seh die Schiffe den Fluss)

Vorwort

Liebe Leser, heute Morgen war es wieder so weit. Wir so beim Kaffee, die Zeitung der Moderne (auch das Internet genannt) aufgeschlagen, wir so ein bisschen gesurft, uns ein paar Mails geschrieben, mal unseren Twitteraccount gecheckt.

Ja und da war es wieder passiert. Krankenhaus, Jochbeinbruch, Neuer Rechner, weil Tastatur kaputt, auf ihr eine Melange von Blut und ausgespuktem Kaffee… Alles nur, weil unsere Köpfe immer wieder auf die Tastatur fielen. Und aus dem Mund nur noch ein undifferenziertes „A A A R R R R G G G G H H H H“ und ausgespukter Kaffee kam.

Revolution? Na, dann lieber Leibniz Butterkekse

Die DFL plant also die Spieltagsrevolution. Nach uns bisher vorliegenden Presseartikeln will man ab der Saison 2013/2014 nicht mehr nach dem System Hinrunde = Rückrunde verfahren, sondern „flexibler“ werden. U.a. der Kicker (nicht gerade ein Blatt, was dafür bekannt ist sich Sachen auszudenken) berichtete, man wolle in der Winterpause den Spielplan neu mischen, so dass man spannende Duelle für die Meisterschaft und/oder den Abstieg an das Ende packt. Zwar dementierte Holger H. halbherzig, aber es ist schon bemerkenswert, wenn er sagt „es sei lediglich darum gegangen, mehrere Modelle vorzustellen, mit der mehr Flexibilität des bisher starren Spielplanes erreicht werden könnte.“

Kennt ihr den guten alten Spruch „If it ain’t broke, don’t fix it.“?

Diesen Spruch hat bei der DFL noch niemand gehört oder die Angestellten sind maßlos unterfordert und müssen deswegen eine Schnapsidee nach der anderen produzieren. Denn wenn ihr bei Kicker in die Suchmaschine „Spielplan Revolution“ eingibt, dann bekommt ihr auch einen Artikel, wo von einem Geheimplan berichtet wird, welcher die Anstoßzeiten so sortiert, dass die 2. Liga gar nicht mehr am Wochenende spielt.

Aber kommen wir zu der neusten Idee, die ja nicht wirklich dementiert wird. Zwar wird gesagt, dass hätten weder die Manager noch die DFL gewollt, aber mit der oben zitierten Einschränkung klingt das nicht wirklich 100 % glaubwürdig.

Natürlich darf man nicht gegen jede Änderung sein. Auch der Fußball muss einer Veränderung unterliegen und auch Spielplangestaltungen kann man immer wieder hinterfragen und sowohl für Fernsehzuschauer (so fair muss man sein), als auch für Stadionpublikum optimieren wollen. Auch der Spannungsbogen in einer Liga sollte natürlich möglichst lange erhalten bleiben.

Nur beides erreiche ich mit diesem Vorschlag nun mal einfach nicht. Einmal hat die Bundesliga – im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ligen – schon dadurch einen sehr hohen Spannungsbogen, dass der Punktverlust eines Topteams gegen ein Abstiegskandidaten eher die Regel als die Ausnahme ist. Anders als z.B. in Spanien oder Schottland verlieren die Topteams doch einige Punkte gegen die Abstiegskandidaten.

Darüberhin aus muss man sehen, dass das Produkt mit dem starren Spielplan beim Fußballfan ankommt. Die Stadien sind trotz überhöhter Preise gut gefüllt, die Werbeeinnahmen sind hoch und auch die Einschaltquoten im Fernsehen sind hoch. Das Produkt ist auch verständlich und man kann aus der Präsentation des Rahmenspielplanes (mit gerade mal einer fixen Terminierung!) ein TV-Ereignis machen. Man muss daher folgende Frage stellen: Wo bitte ist der Handlungsbedarf?

Okay, auch ein gutes Produkt kann man verbessern. Aber man sollte es wenn behutsam und vorsichtig machen. Eine „Revolution“ ist da immer problematisch. Ich opfere also einen mehr oder minder zufälligen Spielplan, der für 18 Vereine schlechte Momente und gute Momente hat gegen eine Manipulation in der Halbserie. Davon profitieren wahrscheinlich nicht alle 18 Vereine gleich, so dass ich alleine dadurch eine Wettbewerbsverzerrung schaffe. Z.B. die graue Maus würde nie mal das Glück haben Bayern am letzten Spieltag zu bekommen. Das mag in der Bundesliga noch kein Faktor sein, aber ich könnte mir vorstellen, dass für den KSC die 10.000 Frankfurter, die am letzten Spieltag dort ihren Aufstieg feiern wollen ein knallharter Wirtschaftsfaktor sind.

Der starre Spielplan hat noch einen Vorteil: Er ist nicht erklärungsbedürftig. Ein 5 jähriges Kind begreift: Spiele ich zuletzt einmal gegen Paderborn, spiele ich noch mal zuletzt gegen Padeborn. Wenn ich aber manipuliere, dann wird es erklärungsbedürftig und damit verliere ich den flüchtigen Kunden. Und genau den brauche ich für eine hohe Einschaltquote und für ein Interesse am Stadionbesuch. Nicht ganz von ungefähr kommt, dass Volleyball und Tischtennis zwar 1.000 mal die Regeln geändert haben, aber damit eigentlich nie mehr, sondern eher immer weniger Akzeptanz gefunden haben.

Man kann auch einfach Wikipedia zitieren: „Er kann von relativ zahlenmäßig kleinen Gruppen ausgehen, das Gelingen einer Revolution ist jedoch meist von einer breiten Zustimmung der Bevölkerung abhängig.“

Und noch eine Frage stellt sich: Wird das ganze transparent? Die Entstehung des jetzigen Spielplanes ist es schon nicht, aber da stehen immerhin alle Mannschaften bei Null. Wenn es nämlich nicht transparent ist, dann besteht immer die Gefahr der Manipulation. Und das kann nicht Sinn der Sache sein.

Okay, wir wollen ja hier nicht die Reichsbedenkenträger sein und vielleicht sind das ja alles kleine Nachteile, die man halt auch mal in Kauf nehmen muss für mehr Spannung. Aber erreicht man diese denn wirklich? Bekommt man wirkliche „Endspiele“, die elektrisieren?

Wir glauben nicht. Man nehme alleine mal als Beispiel die Tabelle der Fußballbundesliga 2010/2011 nach der Hinrunde als Beispiel. Wenn man nun ein Endspiel nach dem damaligen Tabellenstand hätte bauen wollen, dann hätte am letzten Spieltag die Borussia aus Dortmund gegen Mainz 05 kicken müssen. Die Championsleague und Europacupränge hätten an den letzten Spieltagen zwischen Leverkusen, Hannover, Bayern, Freiburg und Frankfurt ausgespielt werden müssen. Man beachte: Frankfurt und Bayern trennten damals nur 3 Punkte. Die Abstiegsduelle hätten St. Pauli, Köln, Stuttgart und Gladbach unter sich aus machen müssen. Hätte eine Manipulation dahin gehend, dass man diese Duelle nach hinten gelegt hätte (und vielleicht noch mal nach dem 24. Spieltag ein bisschen neu gemischt hätte?) irgendwo mehr Spannung gebracht? Diese Frage zu stellen, hieße sie zu verneinen, wie ein Blick auf die Abschlusstabelle zeigt.

Kurz: Man opfert „bekannt und bewährt“ für ein Modell, welches ganz eventuell mal ein Endspiel produziert, aber was unzählige Nebenwirkungen hat.

Unser Vorschlag: Wenn es unbedingt ein Meisterschaftsendspiel sein muss, dann macht eines. Dann macht eine Nord- und eine Südliga, lasst sie eigene Runden spielen und am Ende spielen die ersten vier Halbfinale und Finale. Wenn schon, dann richtig. Nein, sind wir nicht zwingend ein Freund von, aber wenn man sieht, wie viel Aufmerksamkeit die Super Bowl erhält, dann könnte man das ja irgendwo noch nachvollziehen. Aber bitte keine Modelle aus den Niederlanden übernehmen, wo das Playoffsystem auch nach dem Genuss mehrerer landestypisch verfeinerter Zigaretten nicht verständlich ist.

Neue Wege auch woanders in Frankfurt

Die Eintracht Frankfurt AG lobt einen Betrag X aus, den sie der DKMS spenden will, den sie aber mindern will um jede Pyrostrafe, die sie zahlen muss. Erstmal: Wir finden es lobenswert, dass die Frankfurter schon etwas länger eine andere Rhetorik anstimmen, als „das sind alles keine Fans“ und „höhere, brutalere und mehr Strafen“. Das gefällt uns erstmal. Und auch bei dieser Idee wollen wir nicht sofort auf eine reflexartige komplette Ablehnung schalten. Das erscheint uns zu einfach.

Natürlich kann man auch dieses Modell in Grund und Boden diskutieren und so wieder in das alte Muster verfallen alles zu verdammen, was sich Funktionäre ausdenken. Und ja, vieles spricht gegen diese Idee, so könnten z.B. Fans dies als ihr Budget verstehen, insbesondere weil das Geld ja nicht an sie oder ihre Institutionen geht, sondern an einen fremden Dritten. Und natürlich kann man auch mal deutlich hinterfragen, warum die Eintracht ständig irgendwelche Teilausschlüsse schluckt, während andere Vereine ihre dauernden Pyroshows mit einer läppischen Geldstrafe bestraft bekommen. Dies wird natürlich insbesondere dann fragwürdig, wenn die Eintracht ja schon ein Jahresbudget an Strafen hat und sich deswegen nicht mehr gegen diese fragwürdige Praxis wehren muss.

Und natürlich ist so ein Angebot welches sich verkürzt auf „wenn du zündelst, dann tust du nix gegen Krebs“ reduzieren lässt, schon sehr sehr fragwürdig von dem Druckmechanismus her. Daher – wenn man denn so ein Modell überhaupt als sinnvoll erachtet – wäre die Zahlung an eine Fanorganisation schon deutlich sinnvoller.

Ja, dies und viele andere Argumente gegen dieses konkrete Modell sehen wir auch. Nur so absolut verdammen wollen wir es dann doch nicht. Alleine schon, weil es mal ein loslösen aus den alten Mustern „härtere Strafen“ ist.

Und das es natürlich eine der besten Lösungen wäre, wenn man endlich in einem gemeinsamen runden Tisch Pyrotechnik entwickelt UND legalisiert, deren Gefahrenpotential minimiert ist und die sachgerecht angewendet wird/werden kann, dass muss wohl niemandem erzählt werden. Aber da stellte ja der DFB auf Bildzeitung. Tja, da sehen wir wieder pauschales Gebrülle führt zu nix. Ach ja: Ich weiß, jetzt kommt wieder irgendein Kommentator, der irgendwas von „das ist immer zu gefährlich“ schreibt, aber das halten wir a. für viel zu pauschal und b. ist das Leben gefährlich (Malaria). Hier zu probieren, auch Risiken einzugehen, würde sehr viel Probleme des modernen Fußballs lösen. Erfahrungen aus Österreich und Norwegen können nebenbei sehr helfen, liebe DFL, lieber DFB. Bevor ihr also das nächste mal aus Langeweile am Spielplan rumdoktort, fahrt doch mal in diese Länder. Aber seien wir auch ehrlich: Das liegt nicht in der Hand der Eintracht, sie muss in dieser verzwickten Lage entweder kapitulieren oder ausprobieren. Das Kapitulation nicht wirklich sinnvoll ist, sollte jedem klar sein.

Daher wollen wir bei allen Zweifeln nicht pauschal auf die Eintracht eindreschen. Neue Wege haben auch immer was positives. Und wenn sie nur eine Diskussion auslösen, dann haben sie schon was gebracht, weil sie sich und die Diskussion aus eingefahrenen Mustern lösen. Nun ist es vielleicht auch an den Fans der Eintracht, sich aus ihren Mustern zu lösen und neue bessere Ideen zu entwickeln, wie Frankfurt dieser Zwickmühle entkommen kann.

Mrz 142012
 

Liebe Leser,

 

da packen wir gestern so einen tollen Artikel online, wo wir brutal argumentieren, dass der Rasen doch nicht ausgetauscht werden sollte. Und was passiert? Ungefähr 5 Minuten später erklärt das Präsidium, dass der Rasen getauscht wird. Wir stellen fest: Hier hört anscheinend niemand auf uns! *beleidigtab*

Nun holen wir also Gras aus Holland (sic!) und dann werden wir also viermal Rasenschach und hoffentlich 12 Heimpunkte erleben. Dazu vielleicht noch 8 klitzekleine Auswärtspunkte (Sieg in Aue, Sieg in Frankfurt und den Rest mal gucken), dann sollte das doch reichen mit Erstligafußball. Nein, wir haben heute morgen noch nicht am Gras gezogen, wir haben das zum verlegen gelassen.

Wenn wir aber schon bei schönen Blumen sind, müssen wir auch noch etwas nachtragen, was wir gestern vergessen haben. Auf der Haupttribüne finden sich bei den Oltras ja immer schöne Blümchen.

 

(Foto geklaut beim Tödchen. Danke für die Genehmigung! )

Leider mussten wir Montag erfahren, dass diese Blumen kontinuierlichem Vandalismus unterliegen. So kommen die zur Zeit gepflanzten Plastikblumen ständig weg. Auch war nach einer Fremdveranstaltung (wahrscheinlich das Footballspiel, aber das wusste keiner der Oldtras mehr zu 100 %) schon der Verlust von zwei ganzen Kästen zu verzeichnen.

Man kann sich echt nur an den Kopf fassen. Wie kann man Blumen und Blumenkästen etwas antun? Wenn man bedenkt, dass das ganze eigentlich nur bei Spielen und/oder Stadionführungen passieren kann, dann muss man sich doch an den Kopf fassen und fragen was für Leute sich eigentlich mit unserem Verein identifizieren.

Bleibt zu hoffen, dass die Oldtras nicht den Mut verlieren und noch lange für Blumenfrische auf der Haupttribüne sorgen.

Euch die Daumen drückend

die magischenfcler

 

 

 

Mrz 132012
 

oder

Ein Spielbericht beinah ohne Spielbericht

Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in ihrem Land
Unsere Antwort kennt ihr sicher, sie heißt Widerstand
6 Milliarden Terrabyte die Leitung brennt wie nie
Das hier ist kein Klingelstreich, das ist Anarchie
Deichkind- Illegale Fans

Liedzitat nachträglich eingefügt, wir sind vergesslich heute

Vorwort

Liebe Leser, wir haben dann endlich auch mal unsere Wochenendaufgabe hinter uns. Ganz ehrlich, wenn ich so das allgemeine Schlafdefizit heute morgen in St. Paulifankreisen sehe, dann kann man nicht gerade sagen, dass Montagsspiele zuschauerfreundlich sind. Aber diese Melodie ist so ausgesungen, dass man sie wohl nicht weiter singen muss. So lange Sport1 oder wie dieser Spartensender auch gerade mal heißt meint, dass 1,1 Millionen Zuschauer eine überragende Quote ist, so lange werden wir auch Montagsspiele in Liga 2 ertragen müssen.

Bemerkenswert dabei ist, dass diese Spiele sehr ungerecht verteilt sind. So hatte Paderborn diese Saison nicht eines (!!), ebenso der FSV Frankfurt, wie auch Ingolstadt. In Paderborn können Heimspiele gar nicht zu dieser Uhrzeit durchgeführt werden, da Anwohner gegen die Lärmbelästigung protestiert haben. Würden wir dauerhaft für Liga 2 planen, müsste man sich mal einen Anwohner krallen, der in Hamburg das gleiche durchsetzt. Tun wir aber nicht, wir wollen in den Europabogal und dann auch um 21:05 Heimspiele austragen.

Was würde eigentlich die Wolfsburger Gruppe „Weekend Brothers“ machen, wenn ihren Verein (ihre AG) doch noch mal das Schicksal 2 Liga ereilt? Spiele am Montag konsequent boykottieren?

Zuletzt noch ein Dankeschön an Chrissi, welche die Inspiration zu unserer Überschrift lieferte.

Was nun liebe Leser haben wir heute für euch? Fanladen, Verbote, DFB, E. H. (nein Ring 2, du bist diesmal nicht gemeint ;-)) und viele andere Anekdoten.

Das wichtigste zuerst…

Folgender Text unseres geheiligten Fanladens erreichte uns gestern:

„Fanladen attackiert

In der Nacht zum Sonntag ist im Eingangbereich des Fanladens eine Scheibe zerschlagen, sowie unser Briefkasten –wohl durch Böller- beschädigt worden.

Die Fanprojekte – egal an welchem Standort- gelten als geschützter Raum für Fans. Diesen Konsens mit Füßen zu treten, stellt eine klare Grenzüberschreitung dar. Innerhalb von Fanszenen bzw. Fankultur sollten derartige Handlungen keinerlei Akzeptanz finden.

Wie die soziale Arbeit generell, ist auch der Fanladen finanziell nicht auf Rosen gebettet. Dieser Vorfall wird die Situation nun nicht gerade entschärfen.

Fanladen St. Pauli im März 2012 “

Dazu folgende Anmerkungen: Zum Glück sind die Beschädigungen überschaubar geblieben, ärgerlich und nicht zielführend sind sie natürlich trotzdem. Man muss trotz der kleinen Auswirkungen auch von einem letzten Tabubruch sprechen, denn bisher war selbst bei den größten Deppen anerkannt, dass man die Finger von Fanprojekten lässt (Ausnahme mal Frankfurt in Karlsruhe). Nun wollen wir nicht implizieren, dass es gerechtfertigte offensive Gewalt gibt, aber diese Gewalt (sei es auch nur gegen Briefkästen und Scheiben) ist unnötig, überschreitet eine Grenze und hilft uns allen nicht weiter.

Bleibt zu hoffen, dass dies eine einmalige Sache war und bei aller Rivalität auch endlich der Letzte merkt, dass dies kein Streichspielen ist, sondern ernste Realität und das jegliche Gewalt, jegliche Sachbeschädigung fehl am Platz ist.

St. Pauli Modell und KSC an sich

Ein hochgeschätzter Kollege und auch das Basch Vorwort stellt das St. Pauli Modell in Frage. Und ja, man kann das diskutieren und ja, das gelbe vom Ei ist das alles nicht, aber so Grundweg ablehnen können wir das irgendwie auch nicht. Call us indifferent.

Was ist dieses Modell eigentlich? Grob formuliert, gilt bei uns in Sachen Fahnen, Choreos etc. folgende Regelung: Ihr dürft alles, aber wenn ihr zündelt, dann dürft ihr bei dem nächsten Besuch gar nix.

Um das ganze zu verstehen, muss man auch sehen aus welcher Situation das ganze geboren war. Vor dieser Regelung war (wie nebenbei in vielen Stadien damals) alles im Gästeblock pauschal verboten. Das lag unseres Wissens damals an dem Drängen der Polizei, die sich natürlich ein freies Kameraschussfeld wünschte und auch daran, dass damals der DFB jeden Pyroeinsatz im Gästeblock auch dem Heimverein über „ungenügenden Ordnungsdienst“ in Rechnung stellte. Um nun nicht in der Sackgasse des kompletten Verbietens zu bleiben, welches ja den Pyroeinsatz nie wirklich beendete, entwickelte man das vorliegende Modell.

Einige Vereine haben sich diesem Modell angeschlossen (Dortmund), andere haben bis heute mehr oder minder absurde Regelungen, was denn nun in ihrem Stadion erlaubt ist, was nicht. (Beispiel: Fahnenstangenlänge)

Nun kann man dieses Modell alleine schon deswegen kritisieren, weil es natürlich auch eine Kollektivstrafe beinhaltet. Das lässt sich nicht von der Hand weisen. Absolut nicht. Auch muss man sagen, dass das Modell erfolglos geblieben ist, weil auch bei uns ständig gezündelt wurde/wird und einige Gruppen (erstaunlicherweise z.B. Bayern) das Modell als „Erpressung“ ansahen.

Erpressung scheint uns schon wieder etwas zu gefärbt und zu negativ. Wir wollen das ganze mal als „Spielregeln“ definieren, die aber von außen gesetzt werden und anscheinend haben viele Leute damit ein Problem. Das Ultra-Paradoxon sieht ja eine Kurve außer Kontrolle vor, welche keine äußeren Regeln unterwirft. Paradox wird es dadurch, dass man sich aber eigene Regeln gibt, die in den meisten Fällen keiner demokratischen Legitimation unterliegen und dann mit Faustrecht durchgesetzt werden. Oder könntet ihr euch vorstellen, dass in einer Kurve irgendwer den Mittelplatz für sein Banner straffrei beanspruchen könnte? Oder die Farben eines anderen Vereines auf seiner Fahne zu der es keine akzeptierte Fanfreundschaft gibt? Und sei er noch so abseitig? Bei den meisten Vereinen wahrscheinlich unmöglich. Und garantiert sind diese Regeln nicht in einer Kurvenvollversammlung beschlossen. Und das waren jetzt nur ganz unbedeutende Beispiele. Schon paradox, wenn man dann eine „Freiheit für die Kurve“ fordert, oder?

Sich davon zu emanzipieren, ist nebenbei ein sehr mutiger und auch bei uns noch nicht vollständig gegangener Weg. Es ist halt auch für einen Menschen schwierig und noch schwieriger für eine geschlossene Gruppe von Menschen Sachen zu akzeptieren, die er/sie tolerieren (im wahrsten Erleidenssinne) muss. Man verstehe uns nicht falsch: Jedes Erleiden hat Grenzen, die Abgrenzung zu einer verbohrten Intoleranz ist aber immer eine feine. Diese Selbstkontrolle zu liefern, muss der Anspruch an einen selbst sein, wenn man emanzipiert sein will. Unmöglich und „in a nutshell“ gedacht, klar, aber wir sind ja Fantasten in solchen Punkten.

Aber wir schweifen ab. Zurück zu unserem Modell. Diese Spielregeln wollen anscheinend viele nicht akzeptieren und auch dies macht das Modell (leider) zweifelhaft. Nun muss man sich aber die Alternativen sehen: Klar, die DFB Bestrafung des Heimvereines ist zurück gegangen. Aber unsere Freunde in blau/grün haben ja auch immer noch ein Wörtchen mitzureden und wir können uns sehr gut vorstellen in welche Richtung die tendieren würden.

Und man muss sich natürlich auch fragen, was z.B. Pyrotechnik Kompromisse wert wären, wenn von außen gesetzte Regeln so wenig beachtet werden. Denn auch ein Kompromiss würde – zwangsläufig – Einschränkungen nach sich ziehen, die nicht jeder gut finden würde.

Das Argument der Kollektivstrafe wird dann natürlich auch etwas entwertet, wenn so wie gestern sehr planvoll gezündet wird. Da kann man ja nur bedingt von „Einzeltätern“ sprechen, wenn vorher ein massiver Teil des Blocks ganz bewusst auf den Zaun klettert um einen Sichtschutz herzustellen.

Wenn man das so sieht, sind wir auch nicht wirklich überzeugt von unserem Modell, würden uns aber doch mehr Akzeptanz wünschen und würden auch immer mal überlegen, was die Alternativen sind. Und es nur zu kritisieren, weil es nun jetzt auch mal Szenen trifft, die bei uns gezündelt haben, erscheint uns irgendwie albern.

Insgesamt muss man sagen, dass der KSC so ein bisschen die FDP der zweiten Liga ist. Früher mal ganz unterhaltsam, nun überflüssig und der Vollbeendigung nahe. Das fängt schon mit einem Hörkurs beim DFB an, denn anders ist das zwischenzeitlich propagierte Schalverbot nicht zustande gekommen. Und eurer „öffentlicher Druck“ kratzt den Baum nun so gar nicht.

Und auf dem Platz?

Oh man, was ist bloß los mit unseren Jungs? Läuferisch wie spielerisch offenbaren sich da doch erhebliche Defizite und erneut hatte man den Eindruck, dass konditionell erheblich abgebaut wird. Unsere Verteidigung steht sehr gut und die wenigen Bälle, die mal Richtung Tor kommen, werden von einem Bene abgefangen, dem wahrscheinlich niemand – auch wir nicht – diese Entwicklung zu einem guten Zweitligatorhüter zugetraut hat. Wenn Tschauner wieder fit ist, dann hat unser Trainer die richtige Qual der Wahl. Und wenn man dies sieht, dann muss man sagen, dass es richtig war an Bene als Nr. 1b die ganzen Jahre festzuhalten. Gerade im Bereich Ruhe und Übersicht hat er unter Matze Hain einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Aber Mittelfeld und Angriff funktionieren gar nicht. Da findet kein Spielaufbau von der 6er Position statt, da finden sich keine Anspielstationen in der Front und da werden auch nicht die langen schnellen Bälle durch die Innenverteidiger ausprobiert. Uns zu verteidigen ist zur Zeit sehr einfach. Und jeder zweite Pass ist beim Gegner, egal, ob nun ein riskanter oder einfacher Pass.

Uns ist es zu einfach, dass alles auf den Rasen zu schieben. Zum einen ist der eigentlich noch in einem ganz guten Zustand, wächst ab nun auch wieder und wird damit nur besser, zum anderen sollen Fußballer nicht ständig über den Rasen meckern, wenn sie einen gerade Pass nicht über 2 Meter spielen können. Das sind Ausreden. Wir haben auch Verständnis, dass man die Investition scheut. Wir haben nun noch 4 bis 5 Heimspiele und danach wird der Rasen aufgrund der Umbauarbeiten wahrscheinlich sowieso fällig. Da kann man verstehen, dass man die Investition scheut. Und bitte jetzt nicht dieses Argument „nicht alles für den Aufstieg getan“, das ist hanebüchen wie es alt ist. Wir haben auch nicht Messi vor der Saison verpflichtet, also sowieso nicht alles für den Aufstieg getan.

Volzy war aber Gott.

Und neben dem Platz?

Irgendwie erinnerte uns das Verhältnis Gegengerade / Südkurve gestern so ein bisschen an Geschwister, wo das eine viel Spaß hat, das andere aber nicht mitmachen will, aber seinem Geschwisterherz die Freude auch nicht wirklich gönnt. Wir sind eigentlich verwundert, dass es noch keine Supportdiskussion im Forum gibt. Klar war die Crowdsurfhüpfzeit in der 2. Halbzeit nun nicht vielleicht pushender Support der Reinform, aber sie war Spaß. Man sah fröhliche Menschen, die sich in eine Art Rausch tanzten und surften. Und das soll ein Hobby ja auch sein, Spaß. Die Gegengerade guckte neidisch, missmutig zu und nutzte auch mal wieder nicht die Möglichkeit selber Spaß zu haben. Spaßige Einwürfe wie „Ohne Lechner habt ihr keine Chance“ (ja, das ist nicht sonderlich kreativ, aber trotzdem passend) blieben Mangelware und man guckte eher neidisch teilnahmslos in die Gegend.

Ach ja, sollte jemand mal in unserer Nähe stehen, der sich per Pfiffe über einen Rückpass beschwert, dem ziehen wir eigenhändig die Ohren lang. Gepfiffen wird nicht am Millerntor. Das ist Gesetz Nr. 1. Wir haben in unseren gefühlt 200 Jahren FCSP auch schon sehr viel unattraktivere Spiele gesehen als das gestern, wo man der Mannschaft ihr Bemühen schon ansah. Klar, meckern, sofort, machen wir auch ständig, aber pfeiffen? Nein, ist bäh. Da hat der Bene schon absolut Recht.

Und was geht mit Rostock so?

Das Hamburger Abendblatt in seiner allgemeinen und von uns natürlich nie angezweifelten Weisheit behauptet heute, dass das Publikum das Thema „Kartenausschluss“ nicht aufgegriffen habe gestern Abend. Es zieht dann in einem Artikel den weiten Bogen zwischen Rostocker Autobahnaktionen und dem Vorgehen unserer Polizei und wir glauben das steht da um mal eine Absetzbewegung des Publikums gegenüber dem Kurs unseres Präsidiums zu unterstellen.

Einschub. Wisst ihr, was wir an Gunnar Jans, Sportchef der Münchener Abendzeitung mag? Die Abendzeitung ist auch nur ein Revolverblatt der Marke MoPo, aber der junge Mann sammelt sich Blogs und Twitteraccounts von Fans vieler Vereine zusammen und liest die anscheinend auch mal. Da muss man nicht einer Meinung sein, hat natürlich auch zwei vollkommen verschiedene Weltbilder und auch sind Blogs und so nicht für Fanszenen repräsentativ, aber mehr als die Ignoranz des Hamburger Abendblattes ist das definitiv und so einen Artikel hätte alleine deswegen nicht seinen Weg in die Abendzeitung gefunden. Einschub Ende. (Jetzt strafe uns nicht Lügen, Herr @Breisacher)

Für das Hamburger Abendblatt: Es gab genügend Plakate zu diesem Thema. Sie waren nur nicht so plakativ, dass ihr sie verstanden hättet. Aber ein Blick in einschlägige Blogs hätte eigentlich gereicht um zu sehen, dass da doch viele Leute dem Vorgehen des Präsidiums zustimmen.

Liebe Polizei, was soll eigentlich dieses mehr oder minder inhaltsleere Gesabbel von der „neuen Dimension der Fangewalt“? Dazu mal folgende Anmerkungen von uns: Erstmal sind die Übergriffe auf reisende Kleingruppen nicht wirklich neu. Das ist gerade in Rostock mehr oder minder Tradition. Man kann sich nebenbei auch mal fragen, wer bitte auf die Idee kommt, dass es eine gute Idee ist Nachts in einer Kleingruppe, die erkennbar ist nach Rostock zu fahren, aber das nur mal so am Rande. Wir werden das Gefühl nicht los, dass dieses ganze Gesabbel von „neuer Dimension“ und das ständige Gebrülle nach neuen Sicherheitsdaumenschrauben nur einen Sinn hat, nämlich vom eigenen Versagen abzulenken. Und wir sind jetzt mal pauschalisierend und vorurteilsbeladen: Wenn in Rostock ähnliche Blitzmerker als „szenekundige“ Beamte rumlaufen wie in Hamburg, dann ist das Versagen schon vorprogrammiert. Aber personalisierte Tickets zu fordern (was natürlich absolut Auseinandersetzungen außerhalb des Stadions verhindert) ist ja viel einfacher und viel wenig verantwortungsübernehmend als einfach mal vernünftige Konzepte zu entwickeln. Und zwar zusammen mit Fanbetreuung und Vereinen und nicht ohne die.

Man kann Hannover eigentlich nicht genug loben, dass dort wenigstens mal Ansätze in diese Richtung gemacht worden sind. Der Erfolg gibt diesem Konzept doch absolut Recht.

Sehr erstaunt waren wir auch über die geäußerten Logiken, dass das Kartenverbot nix mit Cornys Aktion von vor zwei Jahren gemeinsam hat, das seien doch unterschiedliche Obststücke. Ohne jetzt im einzelnen in diese fruchtlose (sic!) Diskussion einsteigen zu wollen, so erscheint uns doch ein Zusammenhang gegeben zu sein. Und wenn man Argumentationen im Endeffekt so zusammenstreichen kann, dass sie „wenn man den Verein gefragt hätte und wenn dieser zugestimmt hätte oder selber Rostocker ausgeschlossen hätte, dann wäre das vollkommen okay gewesen“ lauten, dann fällt uns schon die Melone aus der Hand. Es ist egal, ob ein Präsident, die Polizei oder wer auch immer unsere Freunde aus Rostock ausschließt. Es bleibt in dieser Form schlichtweg falsch. Lieben Gruß nebenbei an die SPM an dieser Stelle, die gestern dabei Gewesenen wissen warum.

Und nebenbei gehen Menschenrechte nicht mit Pflichten einher. Wir wollen das immer nicht zu hoch aufhängen, weil der Begriff „Menschenrechte“ hier einfach dämlichen Fußball überhöht, aber es geht hier doch um ein grundsätzliches Staatsverständnis. Und aus unserer Sicht ist es falsch, wenn man immer die Pflichten betont, die erst zu Rechten führen. Andersherum wird nur ein Schuh raus. Der Staat muss jede Rechtseinschränkung begründen, muss sich selber immer wieder begründen und jedes Recht ist per se erstmal bedingungslos. Nur so funktioniert eine von unten aufgebaute demokratische, liberale und sinnvolle Gesellschaft. Wer es noch nicht gemerkt hat: Deswegen sind Menschenrechte auch unveräußerlich.

Oh natürlich könnte man mal Suptra und Co fragen, ob sie eigentlich bereit wären ein eigenes Konzept vorzulegen, wie sie sich ihren Besuch auf St. Pauli vorstellen. Und vielleicht sollte man – wenn sie denn zu einem solchen „Deal“ bereit sind – ihnen auch Freiheiten lassen. Vielleicht ist das ein neuer revolutionärer Weg. Sozusagen das Hannover Modell in Hamburg?

Bevor das irgendwer nicht verstanden hat: Wir finden das abfangen von gegnerischen Fans auf der Autobahn extremst hirnrissig. In unserer Sichtweise gibt es auch ungefähr 1.000.000 andere Dinge, die wir erstrebenswerter finden, als vermummt über eine Autobahn zu fahren, um andere Fans zu verprügeln. Da ist uns jedes noch so langweilige Kneipengespräch, jeder schlechter Ballerfilm auf RTL2, ja selbst das Testbild lieber. Mit Fußball, einer Rivalität oder Ultra hat das aus unserer Sicht so gar nix zu tun.

Ach den DFB, den gibt es ja auch noch…

Erstmal müssen wir uns bei Genosse Honecker entschuldigen. Diesen lupenreinen Demokraten, der immer nur eine – auch nie gefälschte – Zustimmung von 99,XX bei Wahlen erreicht hat, mit einem Funktionär zu vergleichen, der immer einstimmig gewählt wurde, ist natürlich auf das übelste verleumderisch.

Sowieso müssen wir uns dem Kollegen Gegengeraden-Gerd anschließen, der sicher das Mantra betet, dass der DFB gut und gerecht ist. Und deswegen ist der Kontrollausschuss auch in Berufung gegangen in Sachen Kassenrolle (wie aus sozialen Netzwerkeinträgen gewöhnlich gut unterrichteter Kreise zu erfahren war). Ziel ist weiterhin der vollständige Ausschluss aller Stehplätze. Es liegt natürlich nur an unserem fehlenden Gerechtigkeitsgefühl, dass wir für die Fragen „Warum eigentlich Stehplätze?“ „Warum diese Anzahl?“ „Wie differenziert man das eigentlich?“ „Wenn Schwegler an der Schulter getroffen worden wäre, dann 100 weniger Plätze im Ausschluss?“ keine Antwort finden. Wir bleiben bei unserem Rat: Lieber Verein, bemüht nicht nur das Hamburger Verwaltungsgericht, sondern auch das Hamburger oder Frankfurter Landgericht. Und bitte bitte macht diesem Trauerspiel DFB Rechtsprechung endgültig ein Ende.

Mrz 082012
 

Ich komm aus dem Land, in dem man keinen versteht.
Wo an jeder Ecke ein Verbotsschild steht.
(Frank Z./Abwärts – Ich sehe die Schiffe den Fluss herunter fahren…)

Vorwort

Liebe Leser, wir sind nicht wirklich überrascht von der Verbotsverfügung der Polizei Hamburg. Wir hatten eigentlich schon viel eher mit dieser Entwicklung gerechnet. Das mag jetzt überraschend klingen, aber wer sich ein bisschen mit Polizeirecht beschäftigt, der kennt sie, die eierlegende Wollmilchsau der Sicherheitsfanatiker, die Generalklausel des Polizeirechtes.

Wir überlassen das Entsetzen und das verständliche Unverständnis (den Neunzehnhundertzehn Blog wollen wir sowieso mal pauschal empfehlen und irgendwann denken wir auch an „in Linkliste aufnehmen“) mal den Kollegen, die auch vollkommen zu Recht anmerken, dass uns nun die Geister einholen, die wir zwei Jahren riefen.

Wir wollen uns bei unserer Betrachtung mal auf die trockene emotionslose juristische Beurteilung reduzieren. Man verstehe dies bitte als bewusste Selbstbeschränkung, um Wiederholungen gegenüber den Kollegen zu vermeiden.

Sicherheit und Ordnung

Nach den Informationen, die wir erhalten konnten, stützt die Polizei ihre Anordnung auf § 3 Abs. 1 des „Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ (SOG im Jargon auch gerne „Polizeigesetz“ genannt). Dieses regelt allgemein die Gefahrenabwehr (sprich Prävention) und ist in seinem Anwendungsbereich nicht auf die Polizei in grün und blau beschränkt, sondern auf alle Gefahrenabwehrbehörden. Das kann auch mal die Umweltbehörde oder andere Behörden sein.

In diesem Polizeigesetz gibt es eine sogenannte Generalklausel, die sich so (oder so ähnlich) in jedem Bundesland in dem jeweiligen Gefahrenabwehrrecht findet. In Hamburg hat diese folgenden Wortlaut:

§ 3 Abs. 1 Die Verwaltungsbehörden treffen im Rahmen ihres Geschäftsbereichs nach pflichtgemäßem Ermessen die im Einzelfall zum Schutz der Allgemeinheit oder des Einzelnen erforderlichen Maßnahmen, um bevorstehende Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwehren oder Störungen der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung zu beseitigen (Maßnahmen zur Gefahrenabwehr).

Ergänzend dazu muss man noch § 4 lesen, der folgenden Wortlaut hat:

„(1) 1 Eine Maßnahme muss zur Gefahrenabwehr geeignet sein. 2 Sie ist auch geeignet, wenn sie die Gefahr nur vermindert oder vorübergehend abwehrt. 3 Sie darf gegen dieselbe Person wiederholt werden.

(2) 1 Kommen für die Gefahrenabwehr im Einzelfall mehrere Maßnahmen in Betracht, so ist nach pflichtgemäßem Ermessen diejenige Maßnahme zu treffen, die den Einzelnen und die Allgemeinheit am wenigsten belastet. 2 Bleibt eine Maßnahme wirkungslos, so darf in den Grenzen der Absätze 1 bis 3 eine stärker belastende Maßnahme getroffen werden.

(3) Maßnahmen zur Gefahrenabwehr dürfen für den Einzelnen oder die Allgemeinheit keinen Nachteil herbeiführen, der erkennbar außer Verhältnis zu dem beabsichtigten Erfolg steht.

(4) 1 Ist jemand aufgefordert worden, eine bevorstehende Gefahr abzuwehren oder eine Störung zu beseitigen, so ist ihm auf Antrag zu gestatten, ein von ihm angebotenes anderes Mittel anzuwenden, durch das der beabsichtigte Erfolg ebenso wirksam herbeigeführt und die Allgemeinheit nicht stärker beeinträchtigt wird. 2 Der Antrag kann nur bis zu dem Zeitpunkt gestellt werden, in dem die Voraussetzungen für die Anwendung von Verwaltungszwang vorliegen, spätestens bis zur Unanfechtbarkeit der Aufforderung.

Wenn man das so liest, dann sieht man schon wie weit und unbestimmt diese Klausel ist. Wir kürzen die mal einfach so brutal zusammen: Alles (erster offener Begriff) was zur Abwehr einer bevorstehenden Gefahr (offener Begriff) zur Sicherheit und Ordnung (offener Begriff) im pflichtgemäßen Ermessen notwendig und verhältnismäßig ist.

Aus dem Gesetzestext wird man da nicht wirklich schlauer und das wird auch von vielen Leuten in der Juristerei kritisiert. Denn seien wir ehrlich: Sehr viel kann man aus dem Gesetzestext nicht ziehen. Die (verfassungsgerichtliche) Rechtsprechung ist aber der Meinung, dass das sogenannte Bestimmtheitsgebot eingehalten sei, weil das ja durch Einzelfallrechtsprechung ausdefiniert sei. Kann man mal sehr bezweifeln, aber gut, so ist es.

Zentraler Begriff der Norm ist der Begriff der „Sicherheit und Ordnung“. Der Begriff zerfällt in zwei Teile. Teil 1 ist der Begriff der öffentlichen Sicherheit, der wie folgt definiert wird:

„ Der Begriff der öffentlichen Sicherheit umfaßt auch die Unversehrtheit der gesamten Rechtsordnung.
Der Verstoß gegen eine Strafvorschrift ist somit eine Störung der öffentlichen Sicherheit.“

Teil 2 ist der Begriff der öffentlichen Ordnung. Der wird wie folgt definiert:

„Der Begriff öffentliche Ordnung umfasst die Gesamtheit der ungeschriebenen Regeln „deren Befolgung nach den jeweils herrschenden sozialen und ethischen Anschauungen als unerlässliche Voraussetzungen menschlichen Zusammenlebens innerhalb eines bestimmten Gebietes“ angesehen wird.“

Der Begriff der öffentlichen Ordnung ist besonders umstritten, denn eine soziale und ethische Anschauung als Eingriffsgrundlage zu benutzen ist natürlich mehr als zweifelhaft. Aber auch dieser wird von der Rechtsprechung anerkennt und erlebt in den letzten Jahren selbst eine Renaissance. Grauenhaft, wenn uns jemand fragt.

Ein weiterer Zentralbegriff ist „bevorstehenden Gefahr“. Diese wird wie folgt definiert: „ Eine Sachlage, bei der im einzelnen Falle die hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass in absehbarer Zeit ein Schaden für die öffentliche Sicherheit eintreten wird.“

Und nun konkret?

Bei einem Spiel gegen Hansa Rostock ist die hohe Wahrscheinlichkeit von Straftaten gegeben. Und ob man nun Pyro mag oder nicht. Auch dies sind erstmal per se Straftaten. Auch körperliche Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Fans und/oder zwischen Fans und Polizei sind doch eher wahrscheinlich.

Wie man es dreht und wendet: Wenn man die letzten Spiele sich so ansieht, muss man dies wohl leider als wahrscheinlich ansehen. Kurz: Wir haben eine bevorstehende Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Da kann man nur bedingt drum herum diskutieren. Der aufmerksame Leser wird merken, dass wir hier einen klitzekleinen Kunstgriff machen, indem wir verallgemeinern. Man entschuldige das bitte, wir kommen drauf zurück.

Wenn also nun der eigentliche Tatbestand erfüllt ist, dann gibt es noch zwei Korrektive, nämlich das pflichtgemäße Ermessen und die Verhältnismäßigkeit.

Exkurs: Kennt ihr einen Jurastudenten? Fragt den mal, ob er gerade Polizeirecht lernt. Und fragt ihn mal nach dieser Generalklausel. Nur seid gewarnt: Es könnte sein, dass er sehr laut schreit. Diese Klausel ist das Hassobjekt eines jeden Jurastudenten.

Im Jurastudium käme nun der Gesinnungsaufsatz. Exkurs Ende.

Betrachten wir doch mal, was die Hamburger Polizei so sagt:

(zitiert nach Spiegel Online): „Die Polizei spricht dagegen von der „einzigen geeigneten Möglichkeit, Ausschreitungen zu verhindern“ und beruft sich auf ihr Recht zur Gefahrenabwehr. „Wir haben die Verhältnismäßigkeit geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Untersagung die einzige Möglichkeit ist, sowohl die Fußball-Fans als auch Unbeteiligte zu schützen“, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE und verwies darauf, dass zeitgleich zu dem Spiel direkt neben dem Millerntor das Volksfest Hamburger Dom stattfindet.“

Das ist erstmal eine bemerkenswerte Aussage. Hinterfragen wir die doch mal: 1. Verhindert das wirklich absolut Ausschreitungen? Klar, viel passiert ist beim letzten Mal nicht. Aber auch ich habe kleinere Scharmützel gesehen. 2. „die einzige Möglichkeit“ Das ist bemerkenswert, denn u.a. ist das Spiel noch nie mit Maßnahmen wie gemeinsamer zwingender Anreise, reduziertem Kartenkontigent etc. gefahren worden. Ob dies Ausschreitungen verhindert, kann man nicht sagen, aber nach dem unter 1. gesagten ist auch ein kompletter Ausschluss nie eine Garantie und auch so wird Polizei ohne Ende auffahren (müssen?). Alternative Möglichkeiten die eventuell weniger eingreifend sind, werden auch bewusst nicht genannt.

Man habe die Verhältnismäßigkeit geprüft. Spannend. Prüft ihr die doch mal.

Okay, fangen wir mal vorne an: Gehen wir bei 2.200 Rostocker Kartenmöglichkeiten aus. Ich verweigere also 2.200 Menschen den Besuch eines Fußballspieles. Wir wollen jetzt mal ganz bewusst nicht mit Grundrechten argumentieren, denn die Verhältnismäßigkeit ist ja bereits im Gesetz selber geregelt. Das ist natürlich ein Ausfluss der Grundrechte.

Wenn man mal von 500 gewaltbereiten Fans des FC Hansa ausgeht (Das ist so die Zahl, die man so bei einem schnellen Googeln findet), dann schließt man also 1.700 Menschen aus, die zu keiner Zeit eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung darstellen. Wohlgemerkt: Wir gehen davon aus, dass alle kommen, keiner von denen Stadionverbot hat und die Polizei auch nicht mit Aufenthaltsverboten für einzelne Personen arbeiten kann.

Ich belaste also 1.700 Leute, die nicht für Ausschreitungen verantwortlich sind und selbst nach Einschätzung der Polizei (!!!!) nicht gewaltbereit sind und damit keine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung sind!!!

Einschub: Warum diskutieren wir nun nicht die St. Paulifans? Die werden ja erstmal nicht belastet, die können das Spiel ganz normal sehen. Es wäre auch absurd, wenn die Polizei ihre Argumentation auf das Verhalten der St. Paulifans stützen würde, denn dann müsste man doch sehr stark überlegen, warum sie keine Maßnahmen gegen diese ergreift. Bitte: Jetzt mal in Juristenlogik gedacht. Zwar gibt es im Gefahrenabwehrrecht kein Verschulden, aber im Rahmen der Verhältnismäßigkeit (und der Auswahl wen man denn belastet) müsste man solche Überlegungen schon irgendwie mal ansprechen und doch gute Gründe haben, warum man denn nicht gegen den direkten Störer vorgeht.

Gucken wir doch mal ins Versammlungsrecht. Da kann man eine Versammlung insbesondere dann nicht auflösen, wenn eine Mehrheit der Teilnehmer friedlich und kooperativ ist. Klar, da ist auch die besonders schützenswerte Versammlungsfreiheit betroffen, die hier eher am Rande einschlägig ist (denn die Versammlung kann ja stattfinden, es dürfen nur Leute nicht teilnehmen), aber wenn man sich dies mal vor Augen führt, dann kann man sich schon fragen, warum ich 1.700 friedliche kooperative Rostocker ausschließen darf, um 500 in den Griff zu bekommen. Das ist immerhin ein Verhältnis von 3/4 zu 1/4!

Alleine deswegen kann man schon sehr an „Verhältnismäßigkeit geprüft und für gut befunden“ zweifeln.

Aber auch andere Aspekte kann man hier ohne weiteres anführen. Ist es denn wirklich die einzige Möglichkeit? Man darf nie vergessen: Natürlich darf die Polizei Maßnahmen nicht nehmen, die keine Gefahrenabwehr versprechen, aber sie muss mildere Maßnahmen schon sehr ausführlich prüfen. Da findet sich da oben in dem Zitat sehr wenig. Wie wäre es z.B. mit einem Konzept zusammen mit Fans, Fanprojekten, Vereinen und anderen Institutionen? Ist das schon versucht worden? Wie ist es mit Ticketreduktionen? Mit besonderen Kontrollen? Gemeinsamer Anreise und Abgabe der Tickets nur vor Ort? Namentliche Erfassung? Ja klar, auch das sind alles Grauenvorstellungen für einen denkenden Fan, aber es wäre immer noch weniger als der pauschale Ausschluss von Fans, die zu 3/4 auch in der Einschätzung der Polizei friedlich sind. Und gerade bei dem konkreten Spiel St. Pauli – Hansa sind solche Maßnahmen noch lange nicht ausgeschöpft worden. Nochmal: Wir fordern solche Maßnahmen nicht, wir bleiben nur in der Sicherheitslogik.

Denn genau dies ist der oben angewandte Kniff und dies ist auch das was wir oben bewusst überfahren haben. Selbst wenn ich 10 Bengalos im Gästeblock habe, dann habe ich vielleicht 40 Störer und 2.160 Nichtstörer. Selbst wenn ich „Ausschreitungen“ habe, beteiligen sich daren eher nur eine Minderheit der Fans. Und vorbeugend schließe ich alle aus? Da kann man dann doch an der Verhältnismäßigkeit zweifeln. Nochmal: Eine Minderheit schlägt sich und ich schließe alle aus, ist eher nicht verhältnismäßig. Da muss ich schon davon ausgehen, dass alle 2.200 Hansa Fans durchbrechen wollen und morden und brandschatzen wollen. Und bei aller Abneigung: Das glauben selbst wir nicht.

Okay, trotzdem ist das nicht zwingend einen Elfmeter vor Gericht. Wir haben heute mal alles gewälzt und so richtig findet man kein Urteil, was auch nur annähernd passt. Man darf aber nie vergessen, dass Gerichte sehr viel dulden, wenn es um Gefahrenabwehr geht. Man bedenke nur, dass das Verwaltungsgericht Saarland es für verhältnismäßig hielt eine Frau sich nackt ausziehen zu lassen, obwohl sie unverdächtig aussieht um nach Pyro zu suchen. Erst das OVG kippte diese Meinung. Und wie schon oben geschrieben: Das ganze ist ein Gesinnungsaufsatz.

Fakt ist: Der Verein spricht von einem Präzedenzfall und damit hat er Recht. Wenn das vorgehen von dem Verwaltungsgericht, Oberverwaltungsgericht und/oder Bundesverfassungsgericht abgenickt wird, dann kann man sich die Folgen denken, dann wird es nicht mehr viele Spiele geben, bei denen Gästefans anwesend sein dürfen.

Lassen wir uns überraschen.