Feb 092012
 

oder

Das kann man mit Truller nicht machen

Vorwort

Liebe Leser, es passiert im Profigeschäft, dass Trainer entlassen werden. Dies umso mehr, als dass sie das berühmte schwächste Glied in der Kette sind und im Fußball ein Führungsstil und ein Führungsverständnis herrscht, welches mit „mittelalterlich“ noch freundlich umschrieben ist. Trotzdem ist es mal wert so ein zwei Zeilen zu dem Ende von Holger Stanislawski in Hoffenheim zu verlieren. Natürlich ist es schwer, gewisse Vorgänge von außen wirklich zu beurteilen, aber vieles was passierte wirkte so vertraut.

Was war, was ist

Holger S. wird noch beweisen müssen, dass er ein guter Trainer ist. Es gibt für mich zwei Arten von Trainern. Diejenigen, die überall zumindest einen gewissen Erfolg haben (auch wenn sie mal scheitern) und diejenigen, die eine Eintagsfliege bleiben, weil sie nur bei einem Verein der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt waren. Winnie Schäfer z.B. fällt in die letztere Kategorie. Beim KSC der frühen 90er Jahre der richtige Mann am richtigen Ort, aber danach nie wieder etwas erreicht. Anders z.B. Jupp Heynkes, der zwar auch bei Stationen bitterlich gescheitert ist (Gladbach), aber doch immer wieder in verschiedenen Umfelden Erfolg hatte.

Man muss dabei immer etwas einschränkend argumentieren, denn die äußeren Umstände im Fußball sind sehr stark und gerade in dem oben schon angerissenen komischen Führungsverständnis können diese den Trainer sehr schnell unterminieren.

Aber Holger S. hat Fehler gemacht. Sein erster Fehler war schon die Auswahl des Vereines TSG 1899 Hoffenheim. Man muss sich wirklich fragen, warum er sich in der Rückrunde 2010/2011 eher damit beschäftigt hat, welcher Verein ihn nun aus seinem Vertrag bei uns errettet, als sich voll auf den Klassenerhalt zu konzentrieren. Und dann zu einem Verein zu gehen, der auf der einen Seite regelmäßig Führungssspieler verkauft, auf der anderen Seite aber einen UEFA-Cup Anspruch hat, ist schon einmal problematisch. Wenn dann noch jemand ständig von der Seite reinredet, der außer „Beiratsvorsitzender“ keine Funktion hat, dann ist dieser Verein eigentlich schon dem Untergang geweiht.

Was ich bei Holger S. seit der Saison 2010/2011 und insbesondere seit der Rückrunde vermisse ist der Aufbau auf einem harten Trainingslager in den Pausen. Das war doch ein Markenzeichen von ihm. Bei uns gelang es ihm auch der Mannschaft ein Vertrauen in ihre (konditionelle) Stärke zu vermitteln. Trotzdem verzichtete er in der Winterpause 2010/2011 auf dieses Mittel, schimpfte lieber über verschneite Plätze und so verkorkste unsere Vorbereitung. Folge waren unzählige Verletzungen und ein vollkommener konditioneller Einbruch der Mannschaft nach der englischen Woche durch das ausgefallene Derby.

Mag bei uns ja noch das „kein Geld“ Argument gegolten haben, so war ich doch erstaunt, dass Stanislawski erneut nicht ins Trainingslager fahren wollte und nicht gefahren ist.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Hoffenheimspiele eher mit einem Auge verfolgt habe, aber neben der guten Kondition waren Mannschaften des Holger S. bei uns auch immer dadurch geprägt, dass man ein gewisses (spielerisches) System spielen wollte und auch gespielt hat. So etwas vermisste ich bei Hoffenheim die ganze Zeit.

In der Presse ist von vielen Umstellungen im defensiven und offensiven Mittelfeld die Rede. Eine Sache, die Holger S. bei uns beinah nie machte. Egal welches Personal spielte, die Positionen und das System blieb eigentlich relativ statisch. Und wenn er mal offensiv etwas probierte, dann ging es meistens in die Hose.

Viel zu früh setze Holger S. auch auf Brandreden. Bereits in der Hinrunde hielt er mehrere davon. Ein Mittel, welches er bei uns eigentlich erst in der Aufstiegssaison (und da auch nur einmal) und in der Bundesligasaison einsetzen musste. Man hatte das Gefühl, dass Brandreden über „die Jungs“ das arbeiten, das erarbeiten mit „den Jungs“ ersetzte.

Und wahrscheinlich ist da noch ein Fehler des Holger S. Während er bei uns eine intakte Mannschaft vorfand, die von echten Führungsspielern geleitet wurde (siehe die jetzt abtretende Heldengeneration) hatte er so etwas bei Hoffenheim halt nicht. Und es gelang ihm auch nicht, so etwas zu installieren. Und dann wird es schwierig mit „den Jungs“, die sich dann von so einer Ansprache eher nicht motiviert finden.

Aber all dies baut eben auf dem großen Kardinalfehler auf: Dem vorzeitigen und falschem Zeitpunkt der Suche nach einem Verein, der ihn bei uns herauslöst. Mag es für sein Verhalten Gründe geben (so wird ja immer wieder ein schlechtes Verhältnis zu Schulte kolportiert), aber für seine weitere Karriere wäre ein konzentriertes arbeiten, ein damit verbundener Klassenerhalt und dann wahrscheinlich die freie Auswahl unter den Vereinen sehr viel erfolgsversprechender gewesen.

Man kann nur hoffen, dass Holger S. aus diesen Fehlern lernt und es bei seinem nächsten Verein besser macht. Immerhin spielt er in unserer Geschichte eine große Rolle und alleine schon für seinen Co-Trainer hoffe ich, dass er bald einen Verein findet, wo er seine Rolle spielen kann. Zu gönnen wäre es den beiden. Es sollte Lesern dieses Machwerkes auch bekannt sein, dass ich Holger S. sehr respektiere, Truller aber abgöttisch liebe. Und so lange dieser nur als Sidekick zu Holger S. auftritt, muss Holger S. irgendwo Erfolg haben.

Gerüchteweise soll ja England einen Manager für sein Team suchen. Stani, ruf mal Prinz William an, der ist immerhin Präsident der FA.

  5 Responses to “Die Fehler des Holger S.”

  1. Schön, dass jemand diese Wahrheiten mal ausspricht. Insbesondere den Kardinalfehler. Der ist im Rahmen der ganzen Heldenverehrung im allgemeinen FCSP Komsos nämlich untergegangen, was mich persönlich lange schwer genervt hat.

  2. +1 (in Anlehnung an die sophisticated Captchas hier…)

  3. Sehr schöne Analyse, auch wenn ich glaube man könnte tagelang über Stani und seinen Weggang philosophieren. In Liga 1 bekommt er glaube ich so schnell nix mehr.
    Aber er ist noch jung und relativ unerfahren, der wird über die Jahre wenn er seine nächsten Schritte halbwegs klug wählt auch wieder nach oben kommen.
    Nur daß er uns Truller, der sonst sicher auf Lebenszeit bei uns ne Stelle gehabt hätte, weggenommen hat, nehm ich ihm als einziges wirklich übel.

  4. […] Magischer FC SPNU Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. Dieser Beitrag wurde unter […]

  5. Stani hatte das Glück( und wir auch) zu erleben, wie ein Kollektiv funktionieren kann,
    dass eher mittelmäßige Spielern zusammen deutlich mehr erreichen können.
    Dadurch wurden die Aufstiege möglich. Und diesem Kollektiv entstand ein Vertrauen,
    dass Stani seine besonderen Triningsmethoden ermöglichte.
    Bei Hoffenheim war er für die Spieler nichts als ein neuer Trainer. Und ich denke, dass sich erstmal eine Grenze zeige, Stani konnte nicht einfach seine Methoden auf ein neues Team übertragen. Sowas wie Brösel etc geht nur, wenn man eine Beziehung miteinander hat, sonst nimmt dich der Spieler bald nicht mehr ernst.
    Schon bei uns zuletzt wurden für mich einige Taktikfehler sichtbar und ob man Hopp mag oder nicht,der ist so nah an der Mannschaft, wenn er kein Konzept wahrnimmt, dann wird da auch was dran sein.
    Stani braucht einfach eine längere Pause, und sollte sich dann eher mal bei kleineren Vereinen behaupten. Ob er wirklich das Zeug zu einem guten Trainer hat,wird sich erst zeigen,da bin ich doch etwas am Zweifeln.

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