Jan 302012
 

oder

Mach es bestens, Ralph

Vorwort

Liebe Leser, das Spiel gegen Bayern München im Pokalhalbfinale liegt nun auch schon wieder geschlagene 6 Jahre zurück. Aber am 12.04.2006 standen u.a. Fabian Boll, Fabio Morena und Ralph Gunesch auf dem Platz. Alle drei (und die damals ebenso auf dem Platz stehenden Eger und Lechner) haben – vollkommen zu Recht – Heldenstatus in diesem Verein. Nun gilt es einen davon zu verabschieden, denn wie jetzt bekannt wurde, wechselt unsere Nr. 11 nach Ingolstadt. Ja, das Ziel pfeiffen bisher zwar nur die Spatzen vom Dache, aber alle Zeitungen sind sich einig und der Verein hat seinen Abschied offiziell bereits verkündigt. Also kurz: Zeit einen ganz großen unseres Vereines zu huldigen.

Ein Liebesbrief

Warum ist Ralph / Ralle Gunesch so besonders? Weil er der tollste Fußballer von Welt ist? Nein! 8 1/2 Jahre war er in unserem Verein und damit wahrscheinlich gut 2/3 seiner Profikarriere. In 3 verschiedenen Ligen hat er für unseren Verein gespielt, und obwohl er eigentlich nie wirklicher Stammspieler war hat er es immer über 20 Spiele pro Saison geschafft und ich hätte beinah meinen Arsch verwettet, dass er es auch diese Saison trotz der Zambranos, Sobiechs und Thorandts dieser Welt wieder auf über 20 geschafft hätte. Ich habe mich immer gewundert, warum wir auf den Außenpositionen Limbo spielen, wo wir doch einen Spieler haben, der, flexibel wie er ist, auch diese Positionen spielen kann. Nur Tore, die macht er beinah nie, und so stehen laut Statistik gerade mal 3 Stück für den FC zu Buche. Egal, umso mehr hat man sich gefreut, wenn er dann mal getroffen hat. Und umso mehr blühte der Flachs, dass doch unsere Nr. 11 nie trifft. Und das mit der Nummer.

Und eigentlich müsste ich jetzt Schluss machen und ein „hau doch ab, du Arsch“ schreiben, denn ich weiß, dass er dies hier lesen wird und sonst fühlt er sich noch gebauchpinselt. Aber soll er sich doch so fühlen, denn dies hier erfolgt schlichtweg zu Recht:

Ralle mag vielleicht ein durchschnittlicher defensiver Spieler sein, aber er ist ein herausragender Mensch. Jemand, der mich auch durch seine Brüche, nein, nennen wir es Widersprüche fasziniert. Da ist ein Mensch, der dem Feiern garantiert nicht abgeneigt war/ist, der aber keinen Tropfen Alkohol zu sich nimmt/nahm (und diese eigene Behauptung ist von niemandem je mir gegenüber in Zweifel gezogen worden). Da ist ein Mensch, der mit seiner Vorliebe für große, protzige Autos und einer gewissen äußeren Eitelkeit eher wie der typische Fußballer rüberkommt, der sich aber wie kein Zweiter für Fans, für Geschehnisse in unserem kranken linken Verein interessiert, sich Blogs rein zieht (und hier immer Leser war) und mit Leuten offen über das Geschehene redet. Über die Jahre ist eine solche Identifikation und gegenseitige Anerkennung gewachsen, dass er selbst in einem offiziellen Fanclub Mitglied wurde und auch gerne werden durfte.

Hinzu kommt einfach eine sympathische Offenheit, die Ralle einfach liebenswert macht. Nur extrem wenige Spieler haben so die Leute gegrüßt, die sie kennen. Nur wenige Spieler waren auch in einer persönlich doofen Situation (z.B. an seinem eigenen Geburtstag überraschend auf die Bank gesetzt zu werden) zu einem Gespräch bereit und verhielten sich dabei noch so professionell wie er.

Abgerundet wird das Bild von unzähligen Anekdoten, die immer etwas auch zeigten: Ralle ist ein Mensch, der auch über sich selbst lachen kann. Ein Zug, der im ernsten Profigeschäft selten geworden ist. Seien es nun die fehlenden Außenspiegel an seinem Audi in Wuppertal (geklaut, ich meine es war Wuppertal), wo er auf eigene Kosten der Mannschaft hinterher gereist war, sei es die Stripaktion bei Hertha 2.

Ja, ich weiß, dass er da nicht mehr gerne drauf angesprochen wird und es würde ihm nicht gerecht werden, ihn darauf zu reduzieren. Aber es war eben diese herzliche Freude, die diese Party ohne Anlass damals so unvergessen machte. Da stand eine damals junge Mannschaft auf dem Platz, die eben aus Namen wie Eger, Gunesch, Pliquett, Lechner, Morena bestand und denen man anmerkte, dass sie gerne für diesen Verein spielen wollen, und wo man damals schon merkte, dass das Publikum sie auch gerne sehen wollte. Und in dieser Stimmung fielen eben alle Hemmungen und das sollte niemandem, auch ihm nicht – auch heute nicht – peinlich sein.

Ich glaube, es waren damals nur noch ein oder zwei andere Fotografen im Innenraum, so dass meine Fotos von dieser Aktion Seltenheitswert haben werden. Ich habe ihm mal versprochen, diese nie mehr zu zeigen und eigentlich würde ich sie ihm nun als Abschiedsgeschenk schenken und meine Kopien vernichten. Nur leider gibt es diese Fotos nicht mehr, sie sind mal (wahrscheinlich in vorauseilendem Gehorsam) einem Archivwechsel zum Opfer gefallen.

Ach ja, und eine Letzte habe ich noch: Der doppelte Gyrosteller beim Sitzgriechen. Davon isst sonst niemand auch nur eine Portion. Er isst eine und nimmt noch eine mit. Und kurze Zeit später brüllt jemand beim Testspiel „Ralle, heute Abend Gyros?“ und bis heute weiß ich nicht, ob er das eigentlich gehört hat und darauf geantwortet hat oder ob er auf eine Ansage auf dem Platz geantwortet hat, aber sein lautes „JAAA!“ führte zu herrlichen Lachkrämpfen.

Das soll nun alles vorbei sein? Es ist traurig! St. Pauli ohne die Nr. 11 ist wieder etwas kälter, etwas ärmer und etwas weniger Kult geworden. Leider ist so der Weg im Profifussball, aber ich sehe nicht, dass wir auf absehbare Zeit wieder so einen Menschen bekommen, der uns dann auch noch durch Irrungen und Wirrungen 8 1/2 Jahre und über drei verschiedene Ligen erhalten bleibt.

Daher: Alles Gute, Ralle, ich werde dich hier vermissen und wünsche dir alles erdenklich Gute in Ingolstadt und auf deinen weiteren Wegen, die wahrscheinlich doch noch zu Real Madrid führen. Du wirst ähnlich wie Eger und Lelle immer in der Beobachung und Sympathie bleiben. Ich hoffe, dass du irgendwann als Manager, Trainer, Präsident oder als Autosponsor mit deinem Audihaus-Gunesch zum FC zurückkehrst. Und bei deiner Vorliebe für Audis muss man Ingolstadt mit anderen Augen sehen, als wir es sehen würden. Kannst du dir die neuesten Modelle vielleicht direkt vom Band holen und damit bei deinen (Ex-)Kollegen protzen. 😉 Bleib wie du bist, für mich bist du und bleibst du St. Pauli.

Es kotzt mich nebenbei an, wie zynisch einige Menschen reagieren. Als wären Spieler nur Schachfiguren, die man hin und her schiebt. Kommentare wie „ach wir haben doch xyz und uvw und die sind doch besser“ kotzen mich immer wieder an. Da kotzt mich der Profifussball an. Ja, es gibt kein richtiges Leben im falschen Leben, ich weiß. Aber wer nicht begreift, was Ralle für St. Pauli ist, war, sein wird, der begreift diesen Verein nicht. Es geht eben nicht nur um Punkte und Tore.

Jan 302012
 

oder

Ich will auch beobachtet werden

Präskriptum

Liebe Leser, ein Wochenende mit vielen Terminen liegt hinter mir und so gibt es auch einiges zu schreiben. In unserem Verein scheint auch der Wahlkampf eröffnet zu sein, der Wahlkampf, wer denn der erste vollamtliche Präsident sein will. Nun will ich nicht länger darauf eingehen, weil ich das zur Zeit einfach auch für ungelegte Eier halte. Und nun Personen zu diskutieren verbietet sich, wenn man davon ausgehen muss, dass der nächste Präsident frühstens im November gewählt wird. Bis dahin fließt noch sehr viel Wasser die Elbe runter. Nur soviel dazu: Ich persönlich finde einen hauptamtlichen Präsidenten bzw. ein hauptamtliches Präsidiumsmitglied für einen Weg, den wir dringend beschreiten müssen. Natürlich ist auch so etwas nicht ganz unproblematisch, wie das Beispiel Hoffmann beim Lokalrivalen zeigt. Man muss aber (!!!) sehen, dass unser ehrenamtliches Präsidium zu einer Machtverschiebung in die Geschäftsführung führt, die zumindest direkt keiner Kontrolle durch die Mitgliederversammlung unterliegt. Das ist für unsere basisdemokratischen Vorstellungen eher hinderlich und passt nicht zu ihnen. Nur eines muss auch klar sein: Einen Geschäftsführer mit der Machtfülle eines Michael Meeskes braucht man bei einem hauptamtlichen Präsidium meines Erachtens nicht mehr. Diese Position müsste dann stark beschnitten werden. Ansonsten würde man Doppelstrukturen schaffen, was klar zu Machtkämpfen führen würde.

Das Spieß sich gerne rhetorisch wie der nächste Präsident aufspielt, ist schon länger bekannt. Ob er wirklich geeignet ist, weiß ich nicht, will ich auch nicht beurteilen. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt nicht.

Freitag „Weg von Toleranz, hin zur Akzeptanz“

Sprache ist unperfekt. Menschen sind unperfekt und damit ist auch Sprache unperfekt. Teilweise ist sie auch Ausdruck herrschender Verhältnisse und man muss sie immer wieder einer bewussten Kontrolle unterziehen. Trotzdem darf man dabei nicht überziehen, weil man meines Erachtens sonst in einen Diskreditierungs- und Überbietungswettbewerb eintritt, den man nicht gewinnen kann und der kritische Texte immer wieder einer Kritik unterzieht und man am Ende alles zu Tode kritisiert. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Denn so sehr ich den Tenor dieses Textes unterschreibe, so wenig würde ich die geäußerte (richtige) Kritik am Begriff es Opfers festmachen wollen. Denn wenn man mal so nach Definitionen sucht, dann findet man „durch ein Verbrechen geschädigte Person“ und das passt auch gerade für die Menschen, die aktiv sich gegen das NS Regime auflehnten. So war auch in dem Aufruf für die Veranstaltung des Fanladens von „Opfern“ die Rede. Trotzdem: Die Diskussion über Sprache und eingefahrene Sprachwendungen muss immer wieder geführt werden.

Freitag war also nun der Holocaust Gedenktag und seit drei Jahren veranstalten auch Institutionen des FC eine Veranstaltung. Diesmal mit dem Schwerpunkt „Verfolgung von Homosexuellen“. Und die beiden Vorträge von Moritz und Dirk waren sehr informativ und insbesondere zur Weiterbildung geeignet. Gerade der Vortrag von Moritz war dort sehr bedrückend und informativ, als er aufzeigte, wie die Homosexuellen in der Adenauer Zeit das zweite Mal von staatlichen Stellen verletzt, kriminalisiert und diskriminiert wurden. U.a. haben sie keine Entschädigung als NS-Verfolge erhalten, weil „Kriminelle“ von dieser Entschädigung ausgeschlossen waren. Und (männliche) Homosexualität war halt unter Strafe gestellt. Dieser – unerträgliche – Zustand hat sich nebenbei erst 1973 gelockert und erst 1994 (!!!!) erfolgte die strafrechtliche Gleichstellung von homosexueller und heterosexueller Liebe. (Kurze Anmerkung: Ich bin mir nicht mal sicher, dass es eine vollständige Gleichstellung ist, ich bin da kein Fachmann. Und bitte: Diese Aussage bezieht sich ausschließlich auf den Gesetzestext und auf das Strafrecht.). Moritz brachte auch zwei Textauszüge, einmal ein Protokoll aus der NS-Zeit, wo es darum ging, ob man auch weibliche Homosexualität unter Strafe stellen müsse, dann ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (!!!) von 1957. Ein Unterschied in Sprache und Zielrichtung war nicht zu erkennen. Letzteres (1 BVR 550/52) möchte ich kurz zitieren. Es geht um die Frage, ob es eigentlich gegen Artikel 3 GG verstößt, wenn die männliche Homosexualität strafbar ist, die weibliche aber nicht. Das Bundesverfassungsgericht führte dazu u.a. aus:

„[…]Schon die körperliche Bildung der Geschlechtsorgane weist für den Mann auf eine mehr drängende und fordernde, für die Frau auf eine mehr hinnehmende und zur Hingabe bereite Funktion hin. Dieser Unterschied der physiologischen Funktion läßt sich aus dem Zusammenhang des geschlechtlichen Seins nicht ausgliedern, er ist mit konstituierend für Mann und Frau als Geschlechtswesen (Kroh). Der entscheidende Unterschied zwischen Mann und Frau – der alle übrigen Unterschiede im Keim in sich schließt – ist aber unter dem generativ-vegetativen Aspekt die Tatsache, daß sich das Vatersein an den kurzen Zeugungsvorgang nicht über weitere generativ-vegetative Leistungen, sondern nur durch zeitlich davon getrennte soziale Leistungen anschließt, während die sozialen Leistungen des Mutterseins mit dem Vorgang des Empfangens über die generativ-vegetativen Leistungen der Schwangerschaft, der Geburt und des Stillens, also durch einen langdauernden natürlichen Prozeß, unmittelbar verknüpft sind. Anders als der Mann wird die Frau unwillkürlich schon durch ihren Körper daran erinnert, daß das Sexualleben mit Lasten verbunden ist. Damit mag es zusammenhängen, daß bei der Frau körperliche Begierde (Sexualität) und zärtliche Empfindungsfähigkeit (Erotik) fast immer miteinander verschmolzen sind, während beim Manne, und zwar gerade beim Homosexuellen, beide Komponenten vielfach getrennt bleiben (Wiethold- Hallermann). Die Gefahr einer Akzentverschiebung zu Lasten der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und zugunsten des bloßen Lustgewinnes ist daher eine besondere Gefahr der männlichen Sexualität. Die kulturelle Aufgabe, Lustgewinn und Bereitschaft zur Verantwortung zu verbinden, wird von „dem männlichen Sexualverhalten extrem häufiger … verfehlt“ als von dem weiblichen (Giese).

Diese Verschiedenheiten des Geschlechtslebens machen sich bei der Gleichgeschlechtlichkeit womöglich noch stärker geltend als bei heterosexuellen Beziehungen, da der auf Mutterschaft angelegte Organismus der Frau unwillkürlich den Weg weist, auch dann in einem übertragenen sozialen Sinne fraulich-mütterlich zu wirken, wenn sie biologisch nicht Mutter ist, während eine entsprechende Kompensation beim Manne fehlt. So gelingt der lesbisch veranlagten Frau das Durchhalten sexueller Abstinenz leichter, während der homosexuelle Mann dazu neigt, einem hemmungslosen Sexualbedürfnis zu verfallen (Giese; ähnlich Grassberger und Scheuner). […]

Wer jetzt nicht beim ersten Satz bereits das kalte Kotzen bekommen hat, dem ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen. Wohlgemerkt: Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 10.05.1957! Das ganze Urteil ist so und tut echt weh beim lesen. Fazit ist dann auch, dass die Strafbarkeit der (männlichen) Homosexualität verfassungsrechtlich ganz in Ordnung sei. Da kann man nur kotzen.

Moritz merkte in diesem Zusammenhang auch an, dass weibliche Opfer nahezu nicht zu finden seien und nicht dokumentiert seien. Dies liege nicht daran, dass es sie nicht gebe, sondern, dass bei den männlichen Opfern eine erhebliche (strafrechtliche) Dokumentation der Behörden vorgelegen habe, die Frauen aber mit den „Mitteln des Sozialrechtes“ als „Assoziale“ in einem Topf landeten mit allem, was sonst „die Volksgemeinschaft“ nach dem Denken der Nazis verunreinigte, wie z.B. Prostituierte etc.

Aber auch nicht 1957 hatte die Diskriminierung ihr Ende, denn noch unter Innensenator Helmut Schmidt (!!) wurden laut Moritz immer noch in Hamburg homosexuelle Tanzlokale verboten, so dass die Szene nach Hannover ausgewichen sei. Soviel zur liberalen weltoffenen Stadt Hamburg.

Der ganze Vortrag war richtig informativ und Moritz (wenn ich es richtig verstanden habe Historiker und u.a. beim Stiftung Auschwitz-Komitee tätig) schaffte es den Saal zu bannen. Auch wenn das so nach „Entertainment“ klingt, was ich gerade schreibe. Das war es nicht.

Danach übernahm Dirk und referierte über die nahe Vergangenheit und die Gegenwart. Und hier sind wir wieder bei Sprache, denn er endete mit dem (nun nicht wirklich wortgetreu wiedergegebenen) Satz „Wir müssen weg von Toleranz, hin zur Akzeptanz“. Ich hatte schon einmal den Wortsinn von Toleranz hier im Blog und das ganze heißt ja nicht mehr als „erdulden“ und das ein Erdulden von Homosexualität bzw. von homosexuellen Menschen eine Sackgasse ist (freundlich formuliert), muss ich wohl nicht weiter ausführen. Es geht eben nicht darum im Sinne von „liberalalla“ seinen Hass in eine „Tolerierung“ umzuwandeln, sondern eine gesellschaftliche Akzeptanz durchzusetzen.

Aber Vorsicht, nicht jeder Mensch sieht diese auch negative Seite des Wortes Toleranz und meint mit seiner Toleranz auch Akzeptanz. Denn „Toleranz“ ist im Sprachgebrauch ja erstmal ein positiv besetztes Wort. Man muss sich aber eben den Unterschied und die Zielrichtung klar machen.

Dirk führte ansonsten aus, dass aus seiner Sicht vieles vom DFB und von Zwanziger nur Lippenbekenntnisse seien und kritisierte deutlich das Verhalten des DFB in der „Schiedsrichter-Affäre“ (ohne jetzt Namen zu nennen und sich das Wort Affäre hier zu eigen machen zu wollen und auch das Verhalten bei Diskriminierungsfällen. So sah der DFB es bis heute nicht als notwendig an auf einen Brief von Queerpass nach dem Rostockspiel und der dort erfolgten homophoben Äußerungen auch nur zu antworten.

Ja, Sonntagsreden sind schnell gesprochen, aber das Handeln, wenn es hart auf hart kommt, das ist wichtig.

Nach den Vorträgen noch eine kurze Diskussion und dann eine Schweigeminute und eine Kranzniederlegung an der Tafel. Wobei dieses mal der andere Gedenkstein nicht verhüllt wurde.

Ich zählte 87 Teilnehmer, habe aber garantiert auch nicht alle Teilnehmer von meiner Position sehen können, so dass wir mal von aufgerundet 100 Teilnehmern ausgehen. Das ist meines Erachtens schlichtweg viel zu wenig. Punkt. Aus. Ende. Leider waren auch – im Gegensatz zu den Vorjahren – Präsidium, Mannschaft und Aufsichtsrat nicht vertreten, wenn ich es richtig gesehen habe.

Positiv muss aber erwähnt werden, dass durch eine Präsidiumsspende diese Veranstaltung ermöglicht wird.

Abschließend der Hinweis, der auch in der Veranstaltung geäußert wurde, dass der 27.01. nicht wirklich der richtige Tag für ein Gedenken ist, sich andere Tage (08.05 z.B.) doch deutlich mehr eignen würden und man doch sehr zweifeln muss, warum gerade so ein Tag nicht arbeitsfrei ist.

Wir sind deutsch, ob wir es nun wollen oder nicht.

Samstag dann Spiel und vorher Demo. Ich bin ja nicht so wirklich der Freund von Demoaufrufen, die zwei eng bedruckte DinA4 Seiten benötigen. Mir fehlt da das schlagwortartige, das demonstrative. Und die endgültige Abschaffung Deutschlands ist nun wirklich auch keine Forderung, die ich mir so auf die Fahnen (sic!) schreiben würde (das wäre beinah schon einen ellenlangen eigenen Blogeintrag wert, die „Nation(en)“.). Nun gut, trotzdem empfand ich vieles (aber eben nicht alles), was da gefordert wurde als richtig, so entschloss ich mich zu einer „halben“ Demoteilnahme. Und da ich dem deutschen Klischee entspreche, war ich natürlich viel zu früh da. Dieses entsprechen dem Klischee teilte ich aber zum Glück mit einem Fanclub, der meine Zielgruppe war und so konnte man noch einen Kaffee trinken, den ich dankenswerterweise von Togo (Achtung kompletter Insiderwitz) ausgegeben bekam.

Die Demo war – mal wieder – von extremer Polizeipräsenz geprägt und so verlies ich nach den Anfangsstatements die Demo. Nur um halt viel zu früh zum Fußball zu fahren.

So ein bisschen Respekt hatte ich vor diesem Gegner denn doch, da Grashoppers doch eine Vergangenheit der Angriffe auf befreundete Vereine hinter sich hat. Ich hatte auch so ein bisschen Angst, dass diese Problematik wieder niemand erkennt und wir die am Ende auf der Gegengerade getrennt durch zwei Ordner und ein paar Hamburger Gitter haben. Gut, dem war nicht so und so passierte zumindest im Stadionumfeld nichts. Mal von einer komplett unmotivierten Pyroaktion im Gästeblock. Mal ehrlich: Das sieht nun wirklich gut aus und bei einem Spiel, wo man Platz und Luft hat, kann ich da auch wenig verwerfliches dran erkennen, aber warum macht man so etwas mitten in einer ruhigen Spielphase und verpasst so selber noch den Ausgleich der eigenen Mannschaft? Als Intro hätte das richtig super ausgesehen.

Ich sass mit einem Fanclubmitglied in H8, was eine sehr ungewöhnliche Perspektive ist. Und ganz ehrlich: Wir haben weite Teile des Spieles gepflegt veralbert und verschnackt. So kann ich auch keine abschließende Beurteilung abgeben. In den ersten Minuten sah das sehr rasant von unserer Truppe aus, danach wurde es langsamer „das Spiel verflachte“. Ich denke mal, dass grob unsere Anfangself für Aachen auf dem Platz stand. Dabei bemerkenswert sind die Comebacks von Zambrano und Volz. Und ich sage euch ganz ehrlich: Bei beiden habe ich doch Bauchschmerzen, obwohl sie an diesem Tag ihre Sache sehr gut machten. Man muss sehen, ob Volz seine Schwächen in Beweglichkeit und Schnelligkeit abgelegt hat und bei Zambrano muss man sehen, ob er Bruder Leichtfuss endlich hinter sich gelassen hat. Gegen Zürich war das nicht wirklich ein Test.

Dankenswerterweise wurde ich dann noch nach Hause gefahren und konnte mich auf das Laufen vorbereiten, aber das ist ein gesonderter Beitrag.

Abschließend sei mal ein dickes Daumen hoch an die Fernsehlotterie gegeben, die zugunsten von Fanräume auf ihre Brust verzichtete und auch ein dickes Daumen hoch an Upsolut, welches einige Trikots mit entsprechendem Aufdruck für Fans produzierte, die man auch über Fanräume kaufen kann. Hat jemand so grob 4 Millionen übrig? Denn so ein kleiner Aufdruck auf dem Shirt sieht schon sehr gut aus.

Und dann war da noch…

… die NPD Landesverband Hamburg Weltnetzseite, die folgendes über den FC schrieb:

„Während einer Pressekonferenz zu den Krawallen sagte der “ Sicherheitsbeauftragte“ des Vereins, Sven Brux, doch tatsächlich: „Wenn einer in unseren Block kommt und Nazi-Sprüche macht, muß ihm klar sein, daß ihm das auch körperlich nicht guttun wird.“ Was Nazi-Sprüche sind, entscheidet natürlich der FC. St. Pauli. Schuld sind wieder einmal die anderen. Wenn es nicht Hansa Rostock ist, dann eben der VFB Lübeck oder der HSV. Ein Verein, der politisiert, indem er Aufkleber rausgibt wie „St.Pauli-Fans gegen Rechts“ provoziert auch. Als Hamburger Fußballfreund hat man die Möglichkeit, zu einem anderen Verein zu gehen, obwohl es auch dort nicht mehr so ist, wie es früher einmal war.“

Nun ja, was soll man sagen? Sehr gut, dass man genau diese Leute „provoziert“ und es ist immer wieder bemerkenswert, wer denn so den „unpolitischen“ Fußball fordert. Es ist ja auch angenehm zu sehen, dass auch der Lokalrivale (bzw. weite Teile seiner aktiven Szene) schon ähnlich „provoziert“ und es dort nicht mehr so wie „früher“ ist. Bleibt nur zu hoffen, dass sich entsprechende Kräfte so durchsetzen, dass der Hamburger Fußballfreund aus Reihen der NPD auch dort sich gar nicht mehr heimisch fühlt, sondern eine ähnliche Behandlung erhält wie von Brux vorgeschlagen. (bewusst keine Verlinkung)

… lesenswertes aus der Schweiz. Der FC Basel hat eine Diskussionsveranstaltung gemacht.