Jan 302012
 

oder

Mach es bestens, Ralph

Vorwort

Liebe Leser, das Spiel gegen Bayern München im Pokalhalbfinale liegt nun auch schon wieder geschlagene 6 Jahre zurück. Aber am 12.04.2006 standen u.a. Fabian Boll, Fabio Morena und Ralph Gunesch auf dem Platz. Alle drei (und die damals ebenso auf dem Platz stehenden Eger und Lechner) haben – vollkommen zu Recht – Heldenstatus in diesem Verein. Nun gilt es einen davon zu verabschieden, denn wie jetzt bekannt wurde, wechselt unsere Nr. 11 nach Ingolstadt. Ja, das Ziel pfeiffen bisher zwar nur die Spatzen vom Dache, aber alle Zeitungen sind sich einig und der Verein hat seinen Abschied offiziell bereits verkündigt. Also kurz: Zeit einen ganz großen unseres Vereines zu huldigen.

Ein Liebesbrief

Warum ist Ralph / Ralle Gunesch so besonders? Weil er der tollste Fußballer von Welt ist? Nein! 8 1/2 Jahre war er in unserem Verein und damit wahrscheinlich gut 2/3 seiner Profikarriere. In 3 verschiedenen Ligen hat er für unseren Verein gespielt, und obwohl er eigentlich nie wirklicher Stammspieler war hat er es immer über 20 Spiele pro Saison geschafft und ich hätte beinah meinen Arsch verwettet, dass er es auch diese Saison trotz der Zambranos, Sobiechs und Thorandts dieser Welt wieder auf über 20 geschafft hätte. Ich habe mich immer gewundert, warum wir auf den Außenpositionen Limbo spielen, wo wir doch einen Spieler haben, der, flexibel wie er ist, auch diese Positionen spielen kann. Nur Tore, die macht er beinah nie, und so stehen laut Statistik gerade mal 3 Stück für den FC zu Buche. Egal, umso mehr hat man sich gefreut, wenn er dann mal getroffen hat. Und umso mehr blühte der Flachs, dass doch unsere Nr. 11 nie trifft. Und das mit der Nummer.

Und eigentlich müsste ich jetzt Schluss machen und ein „hau doch ab, du Arsch“ schreiben, denn ich weiß, dass er dies hier lesen wird und sonst fühlt er sich noch gebauchpinselt. Aber soll er sich doch so fühlen, denn dies hier erfolgt schlichtweg zu Recht:

Ralle mag vielleicht ein durchschnittlicher defensiver Spieler sein, aber er ist ein herausragender Mensch. Jemand, der mich auch durch seine Brüche, nein, nennen wir es Widersprüche fasziniert. Da ist ein Mensch, der dem Feiern garantiert nicht abgeneigt war/ist, der aber keinen Tropfen Alkohol zu sich nimmt/nahm (und diese eigene Behauptung ist von niemandem je mir gegenüber in Zweifel gezogen worden). Da ist ein Mensch, der mit seiner Vorliebe für große, protzige Autos und einer gewissen äußeren Eitelkeit eher wie der typische Fußballer rüberkommt, der sich aber wie kein Zweiter für Fans, für Geschehnisse in unserem kranken linken Verein interessiert, sich Blogs rein zieht (und hier immer Leser war) und mit Leuten offen über das Geschehene redet. Über die Jahre ist eine solche Identifikation und gegenseitige Anerkennung gewachsen, dass er selbst in einem offiziellen Fanclub Mitglied wurde und auch gerne werden durfte.

Hinzu kommt einfach eine sympathische Offenheit, die Ralle einfach liebenswert macht. Nur extrem wenige Spieler haben so die Leute gegrüßt, die sie kennen. Nur wenige Spieler waren auch in einer persönlich doofen Situation (z.B. an seinem eigenen Geburtstag überraschend auf die Bank gesetzt zu werden) zu einem Gespräch bereit und verhielten sich dabei noch so professionell wie er.

Abgerundet wird das Bild von unzähligen Anekdoten, die immer etwas auch zeigten: Ralle ist ein Mensch, der auch über sich selbst lachen kann. Ein Zug, der im ernsten Profigeschäft selten geworden ist. Seien es nun die fehlenden Außenspiegel an seinem Audi in Wuppertal (geklaut, ich meine es war Wuppertal), wo er auf eigene Kosten der Mannschaft hinterher gereist war, sei es die Stripaktion bei Hertha 2.

Ja, ich weiß, dass er da nicht mehr gerne drauf angesprochen wird und es würde ihm nicht gerecht werden, ihn darauf zu reduzieren. Aber es war eben diese herzliche Freude, die diese Party ohne Anlass damals so unvergessen machte. Da stand eine damals junge Mannschaft auf dem Platz, die eben aus Namen wie Eger, Gunesch, Pliquett, Lechner, Morena bestand und denen man anmerkte, dass sie gerne für diesen Verein spielen wollen, und wo man damals schon merkte, dass das Publikum sie auch gerne sehen wollte. Und in dieser Stimmung fielen eben alle Hemmungen und das sollte niemandem, auch ihm nicht – auch heute nicht – peinlich sein.

Ich glaube, es waren damals nur noch ein oder zwei andere Fotografen im Innenraum, so dass meine Fotos von dieser Aktion Seltenheitswert haben werden. Ich habe ihm mal versprochen, diese nie mehr zu zeigen und eigentlich würde ich sie ihm nun als Abschiedsgeschenk schenken und meine Kopien vernichten. Nur leider gibt es diese Fotos nicht mehr, sie sind mal (wahrscheinlich in vorauseilendem Gehorsam) einem Archivwechsel zum Opfer gefallen.

Ach ja, und eine Letzte habe ich noch: Der doppelte Gyrosteller beim Sitzgriechen. Davon isst sonst niemand auch nur eine Portion. Er isst eine und nimmt noch eine mit. Und kurze Zeit später brüllt jemand beim Testspiel „Ralle, heute Abend Gyros?“ und bis heute weiß ich nicht, ob er das eigentlich gehört hat und darauf geantwortet hat oder ob er auf eine Ansage auf dem Platz geantwortet hat, aber sein lautes „JAAA!“ führte zu herrlichen Lachkrämpfen.

Das soll nun alles vorbei sein? Es ist traurig! St. Pauli ohne die Nr. 11 ist wieder etwas kälter, etwas ärmer und etwas weniger Kult geworden. Leider ist so der Weg im Profifussball, aber ich sehe nicht, dass wir auf absehbare Zeit wieder so einen Menschen bekommen, der uns dann auch noch durch Irrungen und Wirrungen 8 1/2 Jahre und über drei verschiedene Ligen erhalten bleibt.

Daher: Alles Gute, Ralle, ich werde dich hier vermissen und wünsche dir alles erdenklich Gute in Ingolstadt und auf deinen weiteren Wegen, die wahrscheinlich doch noch zu Real Madrid führen. Du wirst ähnlich wie Eger und Lelle immer in der Beobachung und Sympathie bleiben. Ich hoffe, dass du irgendwann als Manager, Trainer, Präsident oder als Autosponsor mit deinem Audihaus-Gunesch zum FC zurückkehrst. Und bei deiner Vorliebe für Audis muss man Ingolstadt mit anderen Augen sehen, als wir es sehen würden. Kannst du dir die neuesten Modelle vielleicht direkt vom Band holen und damit bei deinen (Ex-)Kollegen protzen. 😉 Bleib wie du bist, für mich bist du und bleibst du St. Pauli.

Es kotzt mich nebenbei an, wie zynisch einige Menschen reagieren. Als wären Spieler nur Schachfiguren, die man hin und her schiebt. Kommentare wie „ach wir haben doch xyz und uvw und die sind doch besser“ kotzen mich immer wieder an. Da kotzt mich der Profifussball an. Ja, es gibt kein richtiges Leben im falschen Leben, ich weiß. Aber wer nicht begreift, was Ralle für St. Pauli ist, war, sein wird, der begreift diesen Verein nicht. Es geht eben nicht nur um Punkte und Tore.

Jan 302012
 

oder

Ich will auch beobachtet werden

Präskriptum

Liebe Leser, ein Wochenende mit vielen Terminen liegt hinter mir und so gibt es auch einiges zu schreiben. In unserem Verein scheint auch der Wahlkampf eröffnet zu sein, der Wahlkampf, wer denn der erste vollamtliche Präsident sein will. Nun will ich nicht länger darauf eingehen, weil ich das zur Zeit einfach auch für ungelegte Eier halte. Und nun Personen zu diskutieren verbietet sich, wenn man davon ausgehen muss, dass der nächste Präsident frühstens im November gewählt wird. Bis dahin fließt noch sehr viel Wasser die Elbe runter. Nur soviel dazu: Ich persönlich finde einen hauptamtlichen Präsidenten bzw. ein hauptamtliches Präsidiumsmitglied für einen Weg, den wir dringend beschreiten müssen. Natürlich ist auch so etwas nicht ganz unproblematisch, wie das Beispiel Hoffmann beim Lokalrivalen zeigt. Man muss aber (!!!) sehen, dass unser ehrenamtliches Präsidium zu einer Machtverschiebung in die Geschäftsführung führt, die zumindest direkt keiner Kontrolle durch die Mitgliederversammlung unterliegt. Das ist für unsere basisdemokratischen Vorstellungen eher hinderlich und passt nicht zu ihnen. Nur eines muss auch klar sein: Einen Geschäftsführer mit der Machtfülle eines Michael Meeskes braucht man bei einem hauptamtlichen Präsidium meines Erachtens nicht mehr. Diese Position müsste dann stark beschnitten werden. Ansonsten würde man Doppelstrukturen schaffen, was klar zu Machtkämpfen führen würde.

Das Spieß sich gerne rhetorisch wie der nächste Präsident aufspielt, ist schon länger bekannt. Ob er wirklich geeignet ist, weiß ich nicht, will ich auch nicht beurteilen. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt nicht.

Freitag „Weg von Toleranz, hin zur Akzeptanz“

Sprache ist unperfekt. Menschen sind unperfekt und damit ist auch Sprache unperfekt. Teilweise ist sie auch Ausdruck herrschender Verhältnisse und man muss sie immer wieder einer bewussten Kontrolle unterziehen. Trotzdem darf man dabei nicht überziehen, weil man meines Erachtens sonst in einen Diskreditierungs- und Überbietungswettbewerb eintritt, den man nicht gewinnen kann und der kritische Texte immer wieder einer Kritik unterzieht und man am Ende alles zu Tode kritisiert. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Denn so sehr ich den Tenor dieses Textes unterschreibe, so wenig würde ich die geäußerte (richtige) Kritik am Begriff es Opfers festmachen wollen. Denn wenn man mal so nach Definitionen sucht, dann findet man „durch ein Verbrechen geschädigte Person“ und das passt auch gerade für die Menschen, die aktiv sich gegen das NS Regime auflehnten. So war auch in dem Aufruf für die Veranstaltung des Fanladens von „Opfern“ die Rede. Trotzdem: Die Diskussion über Sprache und eingefahrene Sprachwendungen muss immer wieder geführt werden.

Freitag war also nun der Holocaust Gedenktag und seit drei Jahren veranstalten auch Institutionen des FC eine Veranstaltung. Diesmal mit dem Schwerpunkt „Verfolgung von Homosexuellen“. Und die beiden Vorträge von Moritz und Dirk waren sehr informativ und insbesondere zur Weiterbildung geeignet. Gerade der Vortrag von Moritz war dort sehr bedrückend und informativ, als er aufzeigte, wie die Homosexuellen in der Adenauer Zeit das zweite Mal von staatlichen Stellen verletzt, kriminalisiert und diskriminiert wurden. U.a. haben sie keine Entschädigung als NS-Verfolge erhalten, weil „Kriminelle“ von dieser Entschädigung ausgeschlossen waren. Und (männliche) Homosexualität war halt unter Strafe gestellt. Dieser – unerträgliche – Zustand hat sich nebenbei erst 1973 gelockert und erst 1994 (!!!!) erfolgte die strafrechtliche Gleichstellung von homosexueller und heterosexueller Liebe. (Kurze Anmerkung: Ich bin mir nicht mal sicher, dass es eine vollständige Gleichstellung ist, ich bin da kein Fachmann. Und bitte: Diese Aussage bezieht sich ausschließlich auf den Gesetzestext und auf das Strafrecht.). Moritz brachte auch zwei Textauszüge, einmal ein Protokoll aus der NS-Zeit, wo es darum ging, ob man auch weibliche Homosexualität unter Strafe stellen müsse, dann ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (!!!) von 1957. Ein Unterschied in Sprache und Zielrichtung war nicht zu erkennen. Letzteres (1 BVR 550/52) möchte ich kurz zitieren. Es geht um die Frage, ob es eigentlich gegen Artikel 3 GG verstößt, wenn die männliche Homosexualität strafbar ist, die weibliche aber nicht. Das Bundesverfassungsgericht führte dazu u.a. aus:

„[…]Schon die körperliche Bildung der Geschlechtsorgane weist für den Mann auf eine mehr drängende und fordernde, für die Frau auf eine mehr hinnehmende und zur Hingabe bereite Funktion hin. Dieser Unterschied der physiologischen Funktion läßt sich aus dem Zusammenhang des geschlechtlichen Seins nicht ausgliedern, er ist mit konstituierend für Mann und Frau als Geschlechtswesen (Kroh). Der entscheidende Unterschied zwischen Mann und Frau – der alle übrigen Unterschiede im Keim in sich schließt – ist aber unter dem generativ-vegetativen Aspekt die Tatsache, daß sich das Vatersein an den kurzen Zeugungsvorgang nicht über weitere generativ-vegetative Leistungen, sondern nur durch zeitlich davon getrennte soziale Leistungen anschließt, während die sozialen Leistungen des Mutterseins mit dem Vorgang des Empfangens über die generativ-vegetativen Leistungen der Schwangerschaft, der Geburt und des Stillens, also durch einen langdauernden natürlichen Prozeß, unmittelbar verknüpft sind. Anders als der Mann wird die Frau unwillkürlich schon durch ihren Körper daran erinnert, daß das Sexualleben mit Lasten verbunden ist. Damit mag es zusammenhängen, daß bei der Frau körperliche Begierde (Sexualität) und zärtliche Empfindungsfähigkeit (Erotik) fast immer miteinander verschmolzen sind, während beim Manne, und zwar gerade beim Homosexuellen, beide Komponenten vielfach getrennt bleiben (Wiethold- Hallermann). Die Gefahr einer Akzentverschiebung zu Lasten der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und zugunsten des bloßen Lustgewinnes ist daher eine besondere Gefahr der männlichen Sexualität. Die kulturelle Aufgabe, Lustgewinn und Bereitschaft zur Verantwortung zu verbinden, wird von „dem männlichen Sexualverhalten extrem häufiger … verfehlt“ als von dem weiblichen (Giese).

Diese Verschiedenheiten des Geschlechtslebens machen sich bei der Gleichgeschlechtlichkeit womöglich noch stärker geltend als bei heterosexuellen Beziehungen, da der auf Mutterschaft angelegte Organismus der Frau unwillkürlich den Weg weist, auch dann in einem übertragenen sozialen Sinne fraulich-mütterlich zu wirken, wenn sie biologisch nicht Mutter ist, während eine entsprechende Kompensation beim Manne fehlt. So gelingt der lesbisch veranlagten Frau das Durchhalten sexueller Abstinenz leichter, während der homosexuelle Mann dazu neigt, einem hemmungslosen Sexualbedürfnis zu verfallen (Giese; ähnlich Grassberger und Scheuner). […]

Wer jetzt nicht beim ersten Satz bereits das kalte Kotzen bekommen hat, dem ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen. Wohlgemerkt: Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 10.05.1957! Das ganze Urteil ist so und tut echt weh beim lesen. Fazit ist dann auch, dass die Strafbarkeit der (männlichen) Homosexualität verfassungsrechtlich ganz in Ordnung sei. Da kann man nur kotzen.

Moritz merkte in diesem Zusammenhang auch an, dass weibliche Opfer nahezu nicht zu finden seien und nicht dokumentiert seien. Dies liege nicht daran, dass es sie nicht gebe, sondern, dass bei den männlichen Opfern eine erhebliche (strafrechtliche) Dokumentation der Behörden vorgelegen habe, die Frauen aber mit den „Mitteln des Sozialrechtes“ als „Assoziale“ in einem Topf landeten mit allem, was sonst „die Volksgemeinschaft“ nach dem Denken der Nazis verunreinigte, wie z.B. Prostituierte etc.

Aber auch nicht 1957 hatte die Diskriminierung ihr Ende, denn noch unter Innensenator Helmut Schmidt (!!) wurden laut Moritz immer noch in Hamburg homosexuelle Tanzlokale verboten, so dass die Szene nach Hannover ausgewichen sei. Soviel zur liberalen weltoffenen Stadt Hamburg.

Der ganze Vortrag war richtig informativ und Moritz (wenn ich es richtig verstanden habe Historiker und u.a. beim Stiftung Auschwitz-Komitee tätig) schaffte es den Saal zu bannen. Auch wenn das so nach „Entertainment“ klingt, was ich gerade schreibe. Das war es nicht.

Danach übernahm Dirk und referierte über die nahe Vergangenheit und die Gegenwart. Und hier sind wir wieder bei Sprache, denn er endete mit dem (nun nicht wirklich wortgetreu wiedergegebenen) Satz „Wir müssen weg von Toleranz, hin zur Akzeptanz“. Ich hatte schon einmal den Wortsinn von Toleranz hier im Blog und das ganze heißt ja nicht mehr als „erdulden“ und das ein Erdulden von Homosexualität bzw. von homosexuellen Menschen eine Sackgasse ist (freundlich formuliert), muss ich wohl nicht weiter ausführen. Es geht eben nicht darum im Sinne von „liberalalla“ seinen Hass in eine „Tolerierung“ umzuwandeln, sondern eine gesellschaftliche Akzeptanz durchzusetzen.

Aber Vorsicht, nicht jeder Mensch sieht diese auch negative Seite des Wortes Toleranz und meint mit seiner Toleranz auch Akzeptanz. Denn „Toleranz“ ist im Sprachgebrauch ja erstmal ein positiv besetztes Wort. Man muss sich aber eben den Unterschied und die Zielrichtung klar machen.

Dirk führte ansonsten aus, dass aus seiner Sicht vieles vom DFB und von Zwanziger nur Lippenbekenntnisse seien und kritisierte deutlich das Verhalten des DFB in der „Schiedsrichter-Affäre“ (ohne jetzt Namen zu nennen und sich das Wort Affäre hier zu eigen machen zu wollen und auch das Verhalten bei Diskriminierungsfällen. So sah der DFB es bis heute nicht als notwendig an auf einen Brief von Queerpass nach dem Rostockspiel und der dort erfolgten homophoben Äußerungen auch nur zu antworten.

Ja, Sonntagsreden sind schnell gesprochen, aber das Handeln, wenn es hart auf hart kommt, das ist wichtig.

Nach den Vorträgen noch eine kurze Diskussion und dann eine Schweigeminute und eine Kranzniederlegung an der Tafel. Wobei dieses mal der andere Gedenkstein nicht verhüllt wurde.

Ich zählte 87 Teilnehmer, habe aber garantiert auch nicht alle Teilnehmer von meiner Position sehen können, so dass wir mal von aufgerundet 100 Teilnehmern ausgehen. Das ist meines Erachtens schlichtweg viel zu wenig. Punkt. Aus. Ende. Leider waren auch – im Gegensatz zu den Vorjahren – Präsidium, Mannschaft und Aufsichtsrat nicht vertreten, wenn ich es richtig gesehen habe.

Positiv muss aber erwähnt werden, dass durch eine Präsidiumsspende diese Veranstaltung ermöglicht wird.

Abschließend der Hinweis, der auch in der Veranstaltung geäußert wurde, dass der 27.01. nicht wirklich der richtige Tag für ein Gedenken ist, sich andere Tage (08.05 z.B.) doch deutlich mehr eignen würden und man doch sehr zweifeln muss, warum gerade so ein Tag nicht arbeitsfrei ist.

Wir sind deutsch, ob wir es nun wollen oder nicht.

Samstag dann Spiel und vorher Demo. Ich bin ja nicht so wirklich der Freund von Demoaufrufen, die zwei eng bedruckte DinA4 Seiten benötigen. Mir fehlt da das schlagwortartige, das demonstrative. Und die endgültige Abschaffung Deutschlands ist nun wirklich auch keine Forderung, die ich mir so auf die Fahnen (sic!) schreiben würde (das wäre beinah schon einen ellenlangen eigenen Blogeintrag wert, die „Nation(en)“.). Nun gut, trotzdem empfand ich vieles (aber eben nicht alles), was da gefordert wurde als richtig, so entschloss ich mich zu einer „halben“ Demoteilnahme. Und da ich dem deutschen Klischee entspreche, war ich natürlich viel zu früh da. Dieses entsprechen dem Klischee teilte ich aber zum Glück mit einem Fanclub, der meine Zielgruppe war und so konnte man noch einen Kaffee trinken, den ich dankenswerterweise von Togo (Achtung kompletter Insiderwitz) ausgegeben bekam.

Die Demo war – mal wieder – von extremer Polizeipräsenz geprägt und so verlies ich nach den Anfangsstatements die Demo. Nur um halt viel zu früh zum Fußball zu fahren.

So ein bisschen Respekt hatte ich vor diesem Gegner denn doch, da Grashoppers doch eine Vergangenheit der Angriffe auf befreundete Vereine hinter sich hat. Ich hatte auch so ein bisschen Angst, dass diese Problematik wieder niemand erkennt und wir die am Ende auf der Gegengerade getrennt durch zwei Ordner und ein paar Hamburger Gitter haben. Gut, dem war nicht so und so passierte zumindest im Stadionumfeld nichts. Mal von einer komplett unmotivierten Pyroaktion im Gästeblock. Mal ehrlich: Das sieht nun wirklich gut aus und bei einem Spiel, wo man Platz und Luft hat, kann ich da auch wenig verwerfliches dran erkennen, aber warum macht man so etwas mitten in einer ruhigen Spielphase und verpasst so selber noch den Ausgleich der eigenen Mannschaft? Als Intro hätte das richtig super ausgesehen.

Ich sass mit einem Fanclubmitglied in H8, was eine sehr ungewöhnliche Perspektive ist. Und ganz ehrlich: Wir haben weite Teile des Spieles gepflegt veralbert und verschnackt. So kann ich auch keine abschließende Beurteilung abgeben. In den ersten Minuten sah das sehr rasant von unserer Truppe aus, danach wurde es langsamer „das Spiel verflachte“. Ich denke mal, dass grob unsere Anfangself für Aachen auf dem Platz stand. Dabei bemerkenswert sind die Comebacks von Zambrano und Volz. Und ich sage euch ganz ehrlich: Bei beiden habe ich doch Bauchschmerzen, obwohl sie an diesem Tag ihre Sache sehr gut machten. Man muss sehen, ob Volz seine Schwächen in Beweglichkeit und Schnelligkeit abgelegt hat und bei Zambrano muss man sehen, ob er Bruder Leichtfuss endlich hinter sich gelassen hat. Gegen Zürich war das nicht wirklich ein Test.

Dankenswerterweise wurde ich dann noch nach Hause gefahren und konnte mich auf das Laufen vorbereiten, aber das ist ein gesonderter Beitrag.

Abschließend sei mal ein dickes Daumen hoch an die Fernsehlotterie gegeben, die zugunsten von Fanräume auf ihre Brust verzichtete und auch ein dickes Daumen hoch an Upsolut, welches einige Trikots mit entsprechendem Aufdruck für Fans produzierte, die man auch über Fanräume kaufen kann. Hat jemand so grob 4 Millionen übrig? Denn so ein kleiner Aufdruck auf dem Shirt sieht schon sehr gut aus.

Und dann war da noch…

… die NPD Landesverband Hamburg Weltnetzseite, die folgendes über den FC schrieb:

„Während einer Pressekonferenz zu den Krawallen sagte der “ Sicherheitsbeauftragte“ des Vereins, Sven Brux, doch tatsächlich: „Wenn einer in unseren Block kommt und Nazi-Sprüche macht, muß ihm klar sein, daß ihm das auch körperlich nicht guttun wird.“ Was Nazi-Sprüche sind, entscheidet natürlich der FC. St. Pauli. Schuld sind wieder einmal die anderen. Wenn es nicht Hansa Rostock ist, dann eben der VFB Lübeck oder der HSV. Ein Verein, der politisiert, indem er Aufkleber rausgibt wie „St.Pauli-Fans gegen Rechts“ provoziert auch. Als Hamburger Fußballfreund hat man die Möglichkeit, zu einem anderen Verein zu gehen, obwohl es auch dort nicht mehr so ist, wie es früher einmal war.“

Nun ja, was soll man sagen? Sehr gut, dass man genau diese Leute „provoziert“ und es ist immer wieder bemerkenswert, wer denn so den „unpolitischen“ Fußball fordert. Es ist ja auch angenehm zu sehen, dass auch der Lokalrivale (bzw. weite Teile seiner aktiven Szene) schon ähnlich „provoziert“ und es dort nicht mehr so wie „früher“ ist. Bleibt nur zu hoffen, dass sich entsprechende Kräfte so durchsetzen, dass der Hamburger Fußballfreund aus Reihen der NPD auch dort sich gar nicht mehr heimisch fühlt, sondern eine ähnliche Behandlung erhält wie von Brux vorgeschlagen. (bewusst keine Verlinkung)

… lesenswertes aus der Schweiz. Der FC Basel hat eine Diskussionsveranstaltung gemacht.

Jan 262012
 

Beginn Text Fanladen:

Am 14. Januar 2012 haben die versammelten St. Pauli Fans im Rahmen der Diskussionsveranstaltung vom Fanladen St. Pauli im Centro Sociale nach den Vorfällen beim diesjährigen Schweinske-Cup beschlossen, eine unabhängige Untersuchungskommision einzuberufen. Mit Herrn Prof Dr. Feltes von der Ruhr-Universität Bochum konnte ein Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der DFL dazu gewonnen werden, diese federführend zu leiten.

Wir bitten daher alle Fans, ihre Beobachtungen und Gedächtnisprotokolle zu den Vorfällen beim Schweinske Cup 2012 an das Fanprojekt des FC St. Pauli, den Fanladen St. Pauli zu schicken. Per Mail an info@stpauli-fanladen.de oder per Post in die Brigittenstraße 3, 20359 Hamburg. Die Daten werden vertraulich behandelt, alle eingehenden Berichte und Protokolle an die Untersuchungskommision weiter geleitet und abschliessend gelöscht und/oder vernichtet. Auf Wunsch werden die Protokolle auch nur anonymisiert weitergegeben!

Ende Text Fanladen

ACHTUNG: Bitte Protokolle nur an den oben genannten Kontakt! Nicht an die Infoadresse dieses Blogs oder so.

Jan 202012
 

oder

Listen, Daten und was so alles schief läuft

Alleine schon „Vorwort“

Liebe Leser, unsere Mannschaft ist im Trainingslager und nach einem Tag mit schlechtem Wetter scheint sie nun bei gutem Wetter auf die Rückrunde hinzuarbeiten. Das Sobiech sich wieder verletzt hat, ist nicht gut, auch wenn es anscheinend nur eine kleine Verletzung ist. Ich bin ehrlich gesagt etwas skeptisch, was die Verpflichtung von Herrwagen angeht. Denn mal ehrlich: Warum beschäftigen wir diese beiden Ersatztorhüter, wenn man ihnen anscheinend nicht zutraut unsere Nr. 1 wenigstens für ein paar Spiele zu vertreten? Und das ist jetzt keine „Welche Qualitäten hat Bene?“ Diskussion, denn das können wir sowieso alle nicht einschätzen, aber anscheinend hat die sportliche Leitung null Vertrauen in ihn und/oder in Schenk. Dann muss ich die beiden aber nicht bezahlen.

Aber diese fußballfreie Zeit sollte ja eigentlich genutzt werden, um Fußballblogs einfach schlafen zu lassen. Ja, Satz mit X, denn zur Zeit hat dieser Blog eine riesige Aktualisierungsrate. Und um Fußball und Fußballtaktik geht es hier irgendwie nie. Das muss sich ändern. Falls sich also schon immer irgendwer in die Tiefen der Taktik vertiefen wollte und darüber bloggen wollte, dann kann er hier gerne anfangen.

Aber kommen wir zu dem, was wir schreiben wollen. Ein wildes Sammelsurium. Und doch gibt es einen roten Faden, den man nicht so auf den ersten Blick sieht, der aber vielleicht klar wird.

Ihr nutzt soziale Netzwerke oder andere Dienste im Internet? Ihr habt euch schon mal gewundert, wie gut man euch aufspüren kann dadurch? Auch wenn es hier um eine Untersuchung in einem Kriminalfall geht, so verdeutlicht diese Geschichte doch, wie viele Spuren man hinterlässt und wie einfach diese kombiniert werden können. Und spannend zu lesen ist das auch. (Hinweis: In einer früheren Version fehlte der Link, dann ist dieser Absatz natürlich unverständlich)

Alleine schon „Datei“

Liebe Leser, habt ihr euch schon mal gefragt, wie es sein kann, dass in einer Szene die von V-Leuten durchsetzt ist und die polizeilich auch beobachtet wird, drei Menschen untertauchen, diverse Morde begehen können und dies obwohl sie polizeilich gesucht waren? Ihr habt euch gefragt, wie es sein kann, dass das sehr naheliegende Motiv „Fremdenhass“ anscheinend nicht einmal überprüft wurde? Als Antwort kann man (ne, man muss) die Verharmlosung sehen, die auch auf einer rassistischen Grundhaltung vieler im „Sicherheitsapparat“ liegt. Letztens hörte ich eine Pressestimme, die folgende sinngemäß wiedergegebene Sätze enthielt (Kommentar zum Unwort des Jahres): „Bei Ausländern ist klar, die werden nur von Ausländern ermordet. „Döner Morde“ zeigt eben, dass man meinte, dass Täter und Opfer in einem kriminellen Milieu unterwegs sein müssen.“ Diese Denkweise ist nicht nur im „Sicherheitsapparat“ weit verbreitet.

Aber nicht nur dies ist ein Grund für das Versagen der Ermittlungsbehörden. Nicht nur ein tief sitzender Rassismus (und Islamophobie) ist Grund dafür, nein es ist noch ein weiterer Grund zu suchen. Kennt ihr Kollegen, die Wissen nicht zielgerichtet teilen, sondern es für sich behalten und daraus ihre eigenen Vorteile versuchen zu ziehen? Oder habt ihr schon mal eine Abteilung gesehen mit Sonderrechten, die so ein bisschen auf das Fußvolk herabschaut und mit ihrem (vielleicht auch vermeintlichen) Sonderwissen prahlt ohne es zu teilen? Ist dies alles nicht zu menschlich? Nun haben die 16 Bundesländer genau dies gemacht, sie haben Ermittlungsarbeit in Polizei/Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz geteilt. Letzterer ist nicht an die Fesseln der StPO gebunden und damit mit Sonderrechten ausgestattet und hält sich per se für etwas besseres. Dazu noch der Konkurrenzkampf der 16 Länder. Ihr glaubt doch nicht, dass Bayern Schleswig Holstein in einem solchen Fall die Festnahme und den Ermittlungserfolg gönnt?

Sprich: Alleine zweimal werdet ihr Konstellationen haben, wo Wissen neidisch für sich behalten wird und nicht geteilt wird.

Auch dies hat entscheidend zum Versagen der Behörden beigetragen. Und alleine aus diesem Grund braucht Landesverfassungsschutzämter kein Mensch. Gerichtsverwertbar ist deren tun meistens sowieso nicht und eigentlich behindern sie polizeiliche Arbeit nur.

Nur was macht die Politik? Löst sie die Ämter auf? Gibt sie das gesparte Geld in Programme gegen Rechtsradikalismus um die geistigen Brandstifter zu bekämpfen? Zieht sie personelle Konsequenzen? Übernimmt jemand die politische Verantwortung für dieses Versagen?

„Ach ne, warum denn, war doch nur ein Mord an Ausländern.“ scheint die Antwort auf diese Fragen zu sein. Erneut auch ein Zeichen eines tiefliegenden Rassismus. Aber irgendwas muss man ja machen, also schafft man eine Datensammelbank.

Das diese Datenbank so überflüssig wie ein Kropf ist, kann aus dem gesagten schon jeder ablesen. Zum einen müssen auch dann Stellen ihr Wissen wirklich teilen wollen und diesen Willen bezweifele ich aus dem oben gesagten. Zum anderen neigen solche Dateien dazu vollkommen konturlos und unsinnig zu werden. Warum Datenbanken bei Politikern so beliebt sind, fragt ihr euch? Zum einen lechzen Sicherheitsfanatiker der Marke GdP danach und freuen sich über noch mehr Macht. Zum anderen sind sie sehr billig, denn so ein Server, ein irgendwie gestricktes Programm und eine Festplatte kosten sehr viel weniger, als Programme gegen Rechtsradikalismus. Und sie brauchen auch keinen Gesinnungstest der Marke Schröder. Nur effektiv sind sie eben nicht.

Und dann höre ich noch NDR Info und da werden unsere Regierungspolitiker interviewt zu dem Thema Datei und da wird unsere Justizministerin interviewt und sagt, man wolle das beschränken auf Menschen, die „gewaltbereit“ seien und keine Gesinnungsdatei anlegen. Und dann kommt Herr Bosbach und sagt, das sei der Kompromiss, die CDU wolle ja mehr, sie wolle auch die geistigen Brandstifter mit einbeziehen. Na, da kann er aber von Glück reden, dass unsere Justizministerin verhindert hat, dass sein Parteikollege Uhl da mit einem riesigen Ausrufezeichen in der Datei steht.

Mal wieder ein Beispiel, wie absurd die bürgerlichen Parteien bei der Abwehr von Neonazis agieren.

Und gerade als ich das alles schreibe, kommentiert das eine Journalistin in den Tagesthemen eigentlich genauso. Word.

Alleine schon „gewaltbereit“

Womit wir bei Fußballfans wären. Ohne jetzt Fußballfans mit Nazis vergleichen zu wollen, so muss man doch klar sagen, dass dies ein Beispiel ist, wie unsinnig Datensammlungen in Dateien ist. Achtung: Nur damit das klar ist: Wir sprechen hier über zwei Phänomene, die absolut nicht vergleichbar sind und eine Relativierung in eine oder die andere Richtung verbietet sich. Nicht das hier noch irgendwer eine „unberechtigte Verfolgung von Nazis“ oder Sympathien für Nazis meint lesen zu können.

Trotzdem ist die Einführung einer Datei als Patentmittel bereits bei Fußballfans gescheitert, die die allseits beliebte Datei Gewalttäter Sport zeigt. Nun mag ein Nazi noch aus einem ganz bestimmten Motiv gewalttätig sein, ein Fußballfan ist es nicht, so dass hier der schwammige Begriff „gewaltbereit“ einfach keine Vorteile bringt und nur eine Datei erzeugt in denen man 10.000 Leute hat, die „gewaltbereit“ sind oder waren, die man irgendwo mal aufgegriffen hat und die man dann mit unsinnigen Überwachungsmaßnahmen nervt (Ausreiseverbot in den Familienurlaub, weil gerade irgendwo eine EM ist), aber mit der man Gewalt nicht wirklich hat eindämmen können.

Bisher hat mir auch noch niemand eine wirklich plausible Erklärung des Wortes „gewaltbereit“ gegeben. Ist der Familienvater, der seine Kinder um jeden Preis beschützen will „gewaltbereit“? Ist der Polizist per seines Berufes „gewaltbereit“? Ist es der Ultra, weil er seinen Lappen, sein Schal verteidigen will? Was ist mit demjenigen, der Nazis klar machen will, dass sie im Block nix verloren haben? Und wenn die alle „gewaltbereit“ sind, sind sie dann auch sogenannte „Fans“?

Um solche Details kümmert sich Polizei wenig und so wird mit der Keulen Video, Datei und Überpräsenz versucht dem Phänomen Herr zu werden. So wird halt zu Paderborn – St. Pauli alles geschickt, was möglich ist, denn St. Pauli hat ja 300 gewaltbereite am Start. Das davon wahrscheinlich 250 eine ganz bestimmte Konstellation brauchen um Gewalt ausüben, die in Paderborn nicht zu finden ist, dass wird negiert und so kommt es zu einem Hochsicherheitswahn, der insbesondere auch eines macht: aggress äh gewaltbereit.

Bestes Beispiel ist wieder unser Hallenturnier. Klar, wenn ich davon ausgehe, dass im St. Pauliblock ca. 30 % (also 300) „gewaltbereit“ sind und dieses „gewaltbereit“ halt immer gleich zu werten ist, dann muss ich den Block kesseln und kann die vielleicht 40 „gewaltbereiten“ Lübecker locker begleiten. Ich übersehe dann aber eben das konkrete Motiv, dass nämlich die 300 zum größten Teil in Ruhe Fussball gucken wollen, die 40 aber angereist sind um Gewalt auszuüben. Solche Feinheiten und Motivlagen scheinen in der Polizeiarbeit mit Fussballfans keinen Einklang zu finden.

Warum auch, muss man sich fragen, wenn die Handlungen, die man als Polizei ausführt doch von niemandem überwacht werden (können) und auch die öffentliche Meinung immer gegen Fussballfans ausfällt. John Emerich Edward Dalberg-Acton 1. Baron Acton wird wenigen Personen ein Begriff sein, aber ihm wird ein sehr bekannter Ausspruch zugestanden: „Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut“. Und das was die Polizei dort hat ist nahezu absolute Macht. Wenn man bedenkt, dass die demokratische Staatsidee auf einem „check and balance“ beruht, dann weiß man, dass dies sehr problematisch ist.

Und alleine um die demokratische Legitimation der Institution „Polizei“ nicht in Frage zu stellen, muss man für eine Kennzeichnungspflicht und eine unabhängige Kontrolle sein. Und diese kann nicht durch die Staatsanwaltschaft und die Justiz alleine erfolgen, da wir hier im gleichen Bereich bleiben. Dies gilt umso mehr, als dass ein Staatswesen ja auch „Gewaltmonopol“ (nebenbei: Das wird immer gerne kritisiert, aber was ist denn die Alternative? Das der gewalttätigste sein Recht ohne Rücksicht durchsetzen kann? Faustrecht? Sozialdarwinismus? Nicht gerade wirklich linke Ideen, wenn mich jemand fragt) des Staates beansprucht und dieses körperlich über die Polizei ausübt.

Alleine schon „Polizei“

Nun soll die Polizei unter unserer neuen Gegengerade heimisch werden und dies wird doch in weiten Teilen als problematisch angesehen. Ganz ehrlich: In diesem Ergebnis bin ich einverstanden. Nur mit der Begründung und den Alternativvorschlägen bin ich es teilweise nicht. Ich bin kein Freund von Symbolpolitik und daher halte ich die Alternative „Dom-Wache am alten Standort“ für absolut nicht besser als eine Polizeiwache im Stadion. Aus meiner Sicht ist das größte Problem einer Polizeiwache auf der Gegengerade die Nähe zu Fanräume. Ihr werdet euch fragen, wo denn da das Problem ist.

Auf den ersten Blick zuckt man mit den Schultern und sieht kein Problem. Ich will euch sagen, wo das Problem ist: In Fanräume zieht unter anderem auch der Fanladen ein. Den nutzen die meisten von uns als Kartenstelle, um ein Bier zu trinken und abzuhängen. Aber der Fanladen hat auch eine Kernaufgabe und das ist u.a. auch folgendes: „Beide Projekte arbeiten als Vermittler zwischen Fans, den Vereinen und anderen Institutionen – wie Polizei und Ordnungsdiensten – und verstehen sich als Lobby der Fans.“ (Zitat von der Homepage des Verein Jugend und Sport). Nun kann so etwas ja auch mal eine Einzelfallbegleitung sein. Und nun stelle man sich mal folgendes vor: A wird von der Polizei angeklagt irgendeine Straftat begangen zu haben. A geht in den Fanladen um sich betreuen zu lassen und sich zu informieren. A hat von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Man führt ein Gespräch, dessen Inhalt niemand weiß. Später geht alles für A gut aus. Nun folgendes: Die Kamera auf der Domwache/Polizeiwache GG filmt, wie A den Fanladen betritt und ihn zwei Stunden später wieder verlässt. Was mache ich dann? Mal alle Fanladenmitarbeiter als Zeugen zu vernehmen finde ich jetzt gar nicht so abwegig, wenn ich das als Polizei weiß. Und die haben kein Zeugnisverweigerungsrecht. Selbst wenn über die eigentliche Tat nie gesprochen wurde, so ist hier doch eine erhebliche Gefahr für das Vertrauensverhältnis zwischen Fan und gesetzlich geschaffener Fanlobby zu befürchten. Und alleine deswegen verbietet sich eine Nähe zwischen Fanladen und Polizeiwache.

Was mich wundert ist, dass die Polizei selber da unbedingt hin will. Fiktive Idee: Es ist Dom. St. Pauli hat ein „normales“ Spiel. Aus irgendwelchen Gründen kommt es zu Trubel, ein Vorsänger von uns wird vom Zaun geholt und festgenommen. Alle wissen: Der sitzt nun in der Gegengeradenwache. Nach dem Spiel: Gedrängel, alle wollen entweder weg oder zur Wache zwecks Demo oder Gefangenenbefreiung. Alle Kräfte, die nun nicht an der Wache sind werden in dem Gedrängel, was bei Dom da herrscht nicht mehr dahin kommen, liebe Polizei. Und ein Abtransport des „Gefangenen“ ist genauso wenig möglich. Aber was zerbreche ich mir den Kopf der Polizei?

Kurz: Weg mit dem Scheiß, hin zur Nordkurve (am besten Haupttribünenseite unterm Gästeblock)

Alleine schon Bild „zeitung“

Die „Bild“ will am 23.06. mal wieder richtig Auflage machen und sich umsonst an alle deutschen Haushalte verteilen lassen. Laut ihrer eigenen Anzeigenakquise soll das ganze an „ca. 41 Millionen Haushalte inklusive Werbeverweigerer“ verteilt werden.

Wie so vieles hat natürlich auch die breitflächige Verteilung keinen Hintergrund der Beglückung auf Kosten des Axel-Springer-Verlages, sondern knallharte wirtschaftliche Interessen. So kostet eine einseitige Anzeige 4 Millionen für diese Ausgabe. Sprich: Ab ungefähr zwei Anzeigen macht Springer Gewinn.

Springer ist sich einem sehr bewusst: Das sie „Werbung einwerfen verboten“ Schilder umgehen und man damit eventuell eine Zielgruppe mit Werbung erreicht, die man sonst nicht erreicht. Siehe „inklusive Werbeverweiger“. (Soweit ist Springer im Recht). Nun haben findige Juristen auf Basis eines Urteils des LG Lüneburg Musterschreiben entwickelt, damit man das Springer untersagen kann.

Nur wie so oft liegt das Problem im Detail. Der „Lawblog“ schreibt am Ende so schön „Sollte dann doch die Bild im Briefkasten sein, wird man über Unterlassungsansprüche nachdenken können.“ Ja, kann man, aber ich behaupte mal, dass die an § 1004 Abs. 1 S. 2 BGB sehr gut scheitern könnten. Immerhin steht in Springers Akquise mehrfach das Wort „einmalig“. Klar, WiederholungsGEFAHR wird von Juristen weit gesehen und ich bin kein Fachmann, aber eventuell läuft das hier leer und das schöne Schwert der Unterlassungserklärung und der damit verbundenen kostenpflichtigen Abmahnung entfällt. Anders als im LG Lüneburg Urteil, wo es sich um eine Periodika handelte, die ständig verteilt wurde. Sprich: Wenn sich der Axel Springer Verlag nicht an die Unterlassungsschreiben hält, wird seine juristische Gefahr eventuell auf die Beseitigung der Belästigung reduziert sein. Und was der Gang zum Papierkorb wert ist, das werden dann Gerichte klären müssen. Es kann also ohne weiteres sein, dass Springer dies einkalkuliert hat und sich jetzt noch über die Aufmerksamkeit durch diesen kleinen Skandal freut (wenn denn ein Shitstorm Werbung sein kann). Trotzdem nehme ich das natürlich persönlich, nun geht eine umsonst Bildzeitung per se gar nicht, aber am 23.06. geht dies noch weniger als gar nicht.

Daher muss ich die Frage, ob das eine bewusste Provokation oder ein Fehler war nach nachdenken auch anders beantworten, als ich es beim ersten Mal gemacht habe, hochgeschätzte Kollegin.

Und zuletzt noch ein Pflichttermin:

Am 27.01.2012 um 18 Uhr veranstaltet der Fanladen St. Pauli im Clubheim des FC St. Pauli zum dritten Mal eine Veranstaltung zum internationalen Holocaustgedenktag. Der thematische Schwerpunkt wird in diesem Jahr auf der Verfolgung Homosexueller liegen. Zu Beginn der Veranstaltung referiert der Historiker Moritz Terfloth über Homosexuellenverfolgung im Nationalsozialismus. Danach berichtet der Sprecher des Netzwerkes Queer Football Fanclubs Dirk Brüllau über Diskriminierung im heutigen Fußball allgemein und über den FC St. Pauli im speziellen. Nach den Vorträgen besteht die Möglichkeit, an die Referenten Fragen zu stellen sowie angeregt und offen zu diskutieren. Anschließend wollen wir gemeinsam an der Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus vor der Südtribüne einen Kranz niederlegen sowie eine Schweigeminute einlegen. Zum Abschluss laden wir zu einem gemütlichen Beisammensein bei Tee und Glühwein wiederum ins Clubheim ein. 27. Januar, 18 Uhr, Clubheim FC St. Pauli

Jan 172012
 

Liebe Leser,

immer wenn die DFL sich mal erbarmt zu terminieren, dann guck ich auch mal wieder, wo ich so mitlaufen könnte. Und das will ich euch nicht vorenthalten:

Nächste Woche und am 19.02. werde ich die Hamburger Winterlaufserie unsicher machen. Angemeldet bin ich und geplant sind zweimal 20 Kilometer.

Am 29.01. ist dann der Winterlauf in Oldendorf dran. Angemeldet bin ich nicht, da dies auch Wetterabhängig ist, geplant sind 25 Kilometer.

Am 25.02. geht es dann nach Kiel zum (Halb-) Marathon. Angemeldet bin ich und geplant ist ein Halbmarathon.

Alles natürlich als Trainingsläufe gedacht für die großen Ziele in 2012. Helgoland, Berlin und New York . Ob da noch Marathone hinzu kommen, muss sich zeigen. Zur Zeit wird gerade mit dem Fehmarn Marathon geliebäugelt.

Klar, der Hella Halbmarathon ist auch so gut wie gebucht, auch wenn der natürlich doof mit Fehmarn wäre. Mal sehen.

Ich liebäugel auch damit mal bei den Öjendorfveranstaltungen des 100 MC mitzulaufen und zwar am 11.02., dann aber logischerweise einen halben Marathon.

Jan 172012
 

Vorwort

Liebe Leser, diese Urteilszusammenfassung ist bitte mit äußerster Vorsicht zu genießen. Zum einen ist dieses Urteil noch nicht allumfassend veröffentlicht, zum anderen ist es nicht rechtskräftig und zuletzt: ES BEHANDELT EINEN EINZELFALL. Ob und wie das OLG Karlsruhe entscheidet wird sehr spannend sein, denn bisher gibt es nur wenige Urteile zu der Frage ob und wie die Verwendung der vier genannten Buchstaben strafbar ist. Weiterhin möchte ich deutlich zum Ausdruck bringen, dass mir dieser Spruch insgesamt zu pauschalisierend ist. Wir befinden uns hier aber in dem sehr schwierigen Spannungsfeld zwischen plakativen Protestplakaten und unzulässigen Verkürzungen von Sachverhalten.

LG Karlsruhe: Nicht strafbar!

Wie nun die Rechtsanwaltskanzlei des Verteidigers mitteilte, hat das LG Karlsruhe einen Angeklagten vom Vorwurf der Beleidigung freigesprochen. In der ersten Instanz war er vom Amtsgericht ebenso freigesprochen worden (zuvor war jedoch ein Strafbefehl erlassen worden). Dem ganzen liegt folgender (verkürzt wiedergegebener) Sachverhalt zugrunde: Kurz nach dem sogenannten „schwarzen Donnerstag“ hatten Fans des KSC zuerst ein Plakat mit der Aufschrift „BFE abschaffen“ und ein Plakat mit der Aufschrift „ Stuttgart 21 – Polizeigewalt kann jeden treffen“ hochgehalten. Daraus hatte man dann die Buchstaben ACAB herausgetrennt und hochgehalten. Der Angeklagte hatte dabei mitgewirkt, war geständig und hatte auch eingeräumt klar zu wissen, was diese Buchstaben bedeuten würden. Er hat sich weiterhin dahin gehend eingelassen, dass ihm die anwesenden Polizisten aber egal gewesen wären und er auch nicht anwesende Polizisten habe herabsetzen wollen, sondern allgemein Kritik an Polizeieinsätzen bei Großveranstaltungen habe üben wollen.

Ein Polizeibeamter sah sich nun in seiner Ehre verletzt und erteilte Anzeige.

Aufgrund dieses (verkürzt wiedergegeben) Sachverhaltes sprach das LG Karlsruhe nun den Angeklagten frei. Zur Begründung führte es aus, dass man zwar Menschen unter einer Kollektivbezeichnung beleidigen könne, dies aber nur dann möglich sei, wenn die beleidigte Gruppe so aus der Allgemeinheit unterscheidbar sei, dass der Kreis der Betroffenen klar abgrenzbar sei. Der fragliche Personenkreis müsse deutlich überschaubar sein, da sich sonst die Beleidigung gegen einen Einzelnen in der Vielzahl derer, die Beleidigt werden verloren ginge. (Das ist soweit ziemlich herrschende Meinung unter Juristen)

Bei der „beträchtlichen Zahl der Polizeibeamten in der Welt oder auch in der Bundesrepublik Deutschland mit ihren erheblichen Unterschieden in Aufgabenstelllung und Organisation“ könne das erkennende Gericht nicht erkennen, dass der Angeklagte nun jeden Polizeibeamten „ohne weiteres“ habe beleidigen wollen („“ sind jeweils Zitate aus dem Urteil). Eine Beleidigung könne daher nur dann vorliegen, wenn ein – vom Willen des Angeklagten umfasster – Bezug auf individualisierbare Personen vorgelegen hätte.

Ein Gericht müsse dafür den sprachlichen Zusammenhang und die außertextlichen Begleitumstände des konkreten Einzelfalles würdigen. Anhand von Art. 5 müsse geprüft werden, ob die beleidigende Äußerung diesen kränkenden Sinn auch wirklich gehabt habe. (Das ist Ausfluss aus dem „Soldaten sind Mörder“ Urteil des Bundesverfassungsgerichtes)

Und genau diese Abwägung führte das Gericht hier zu einem Freispruch. Es sah die Einlassung des Angeklagten zumindest als möglich an, wenn man den „schwarzen Donnerstag“ als Hintergrund sehe und auch bedenke, dass es an diesem konkreten Tag nicht zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Fans des KSC gekommen sei. Man könne daher nicht mit Sicherheit feststellen, dass der Angeklagte konkret die eingesetzten Beamten habe beleidigen wollen. Die Herstellung aus den vorherigen Transparenten, lasse zumindest die Deutung, die der Angeklagte geäußert habe zu. Daher müsse man freisprechen.

Aktenzeichen: 11 Ns 410 Js 5815/11

Kurze eigene Beurteilung: Ihr merkt, dass das ein ganz klares Einzelfallurteil ist und absolut kein Freibrief „A.C.A.B.“ straffrei auf jedes Transparent zu schreiben. Trotzdem gibt es nach der Meinung des LG Karlsruhe ganz klar Situationen, wo dieser Spruch noch gerechtfertigte Meinungsäußerung ist. Trotzdem sollte es auch eine Bremse sein für Polizisten, die wegen jeder „A.C.A.B.“-Punkerkutte anfangen, Anzeigen zu schreiben.

Nun können wir wahrscheinlich die Stunden zählen bis der mediale Aufschrei angestiftet durch irgendeine Polizeigewerkschaft beginnt. Tenor: „Skandalurteil! Unsere Gerichte schützen die Kollegen nicht gegen Beleidigungen.“ Auch diese Verkürzung ist natürlich ebenso unzulässig, wird aber (ebenso) passieren.

Jan 162012
 

oder

Lümmellauf 2012

Vorwort

Liebe Leser, es nützt ja alles nix, wenn man Marathone im Frühjahr bestreiten will, dann muss man auch im Winter raus. Nun ist das eigentlich gar nicht so schlimm im Winter zu laufen. Immer wieder höre ich „Was bei diesem Wetter willst du laufen?“. Ja will ich. Denn so stark stört Regen oder Kälte nicht. Dafür gibt es heutzutage ganz tolle Kleidung. Das einzige was nervt ist, dass es dunkel ist. Denn da tritt man immer unsicherer auf und das strengt doch mehr an. Trotzdem ist man immer über eine Abwechselung in den dunklen Runden begeistert. Und so sind Winterläufe eigentlich immer sehr nachgefragt. So auch der Lümmellauf, der mehr oder minder der Start der Hamburger Wettkämpfe ist.

Kuchen ist besser als Bockwurst

Sehr früh ging es in den Stadtteil „Am Hagen“, da die Walker bereits um 9 Uhr starteten und aus unserer Gruppe auch Leute walken. Nun ja, Startnummernausgabe ab 8:30 und als wir um 8:25 eintrafen, wollten wir nicht drängeln und guckten also auf die Startlisten. Sofort kam eine freundliche Dame und wollte uns helfen. Als wir sagten, dass wir eigentlich nur darauf warten, dass es 8:30 wird und wir nicht drängeln wollten, meinte sie, ach sie seien schon lange fertig. Die ersten hätten um 7:30 ihre Startnummer haben wollen. Und ich dachte immer, wir seien zu früh.

Der Hagener Lümmellauf ist zwar nach der gleichnamigen Bockwurst benannt, aber eigentlich sollte er sich der Hagener Kuchenbüffetlauf nennen, denn die Kuchenauswahl dort ist einfach unschlagbar. Da fahren die Damen des Schulvereines (?) echt ihre gesamten Künste auf. Sowieso ist der Lümmellauf einer dieser Läufe, der zum 34. mal ausgetragen wurde und wahrscheinlich zum 32. mal von genau den gleichen Leuten organisiert wird. Das führt zu einer gewissen Routine und wenn die Organisatoren zum örtlichen Bäcker kommen, dann fragt der nicht mehr, was die wollen, sondern nur ob die gleiche Menge wie letztes Jahr. Sprich: Die Organisation ist perfekt und locker.

Harald der Mann, der laut Moderator „jedes Jahr den gleichen Parka an hat“ hatte heute den Job jeweils den Startschuss zu geben. Auch das ist bei 5 oder 6 verschiedenen Laufstrecken ein Job.

Der Lümmellauf ist mein erster Lauf, den ich zum dritten Mal absolviert habe. Im ersten Jahr im dichten Schneegestöber und mit Schnee auf der Strecke, letztes Jahr dann im Nieselregen. Dieses Jahr also bei strahlendem Sonnenschein. Dafür kalt, aber trotzdem ist dies natürlich das beste Winterlaufwetter.

Der Lümmellauf ist doch ein bisschen gemein, denn man beginnt auf Asphalt und relativ festem Waldboden, erst später geht es dann bergauf und bergab und dann auch auf sehr weichem Boden. Wenn man dies weiß, dann sollte man Kraft für diese letzten 3 km jeder Runde behalten. Nur viele Leute wissen dies einfach nicht und so lief auch dieses Jahr das Starterfeld wieder los wie die Irren. Ich hatte mir eine 6:30er Pace vorgenommen, der erste Kilometer wurde aber auch bei mir 6:18. Danach bremste ich mich bewusst ein und lief die Kilometer knapp unter 6:30. Das ganze lief am Anfang etwas holprig, aber dann ging es ganz locker vom Hocker, auch wenn eine leichte Erkältung mich etwas einbremste.

Meine eigentliche Laufbegleitung raste los wie die Irren, da wollte ich nicht hinterher, so dass die ordentlich Vorsprung auf mich gewannen. Genügend um einmal kurz im Gebüsch zu verschwinden und trotzdem gut vor mir zu bleiben. Mir egal, ich lief am Ende des Feldes kontrolliert mein Tempo.

Den ersten Aufreger gab es nach 3 Kilometern. Die Organisatoren hatten die Strecke mit ganz vielen Kreidepfeilen auf der Straße gekennzeichnet und hier hatte irgendeine Spaßbremse die Pfeile mit Wasser entfernen wollen. Da dieses Wasser aber gefror, hatte sich auf der Straße eine schöne Eisplatte gebildet. Ich will jetzt niemandem etwas unterstellen, aber die Vermutung eines Nachbarns, der sich nun einmal im Jahr so gestört fühlt, dass er das nicht will, liegt natürlich nah.

Nach 6 Kilometern muss man über Holzstege, die durch ein Moor führen. Da musste ich dann Tempo rausnehmen und auch ein Stück zu Fuß gehen. Nicht weil ich nicht mehr konnte, sondern weil mir der Steg viel zu rutschig war um hier irgendetwas zu riskieren. Okay, daher ein Kilometer über 7 Minuten. Nach den Stegen beginnt der Lümmellauf eigentlich erst, denn nun kommen auf 2,5 Kilometern drei vier giftige Steigungen und viele weiche Waldwege. Landschaftlich wird es richtig schön, aber nun kommt der anstrengende Teil des Laufes.

So gut es ging versuchte ich mein Tempo zu halten und das gelang eigentlich auch ganz gut. 6:30, 6:32, 6:45 bis Kilometer 9. Letzter etwas langsamer wegen trinken und einem Stück Banane. Nun also das ganze nocheinmal. Eigentlich könnte man jetzt Vollgas geben, aber da war die Erkältung und so wollte ich nix riskieren und lief weiter meine kontrollierten 6:30 km. Nur um nach 11 Kilometern wieder meine Laufbegleitung aufzulaufen, die schlichtweg etwas langsamer geworden war. 6:13, 6:29 und 6:35 für 12, 13 und 14. Nun kamen wieder die Stege und obwohl ich sehr vorsichtig war, rutschte ich doch einmal sehr ordentlich. Daher war ich jetzt erstmal raus aus dem Rhythmus und brauchte auch den Kilometer danach zum wieder in Tritt kommen. 7:17 und 7:00 waren die Folge. Nun aber der Endspurt über die letzten 3 Kilometer 6:49, 7:01 und 6:43 waren die Pace. Die 7:01 waren Folge des letzten giftigen Anstieges. Im ersten Durchlauf konnte ich ihn noch laufen, diesmal brauchte ich doch eine Gehpause. 2:02:43 war letztendlich die Zeit, damit war ich etwas langsamer als letztes Jahr, was aber okay ist. Zeit ist zur Zeit eher unbedeutend, wichtiger ist die Kilometer in die Beine zu bekommen.

Die Veranstalter behaupten, man würde 19 Kilometer laufen, aber die GPS Uhr sagt 18,45. Egal, dafür ist es einfach ein sehr schöner Trainingslauf, der wirklich gut in die Beine geht.

Im Ziel dann die Bockwurst genossen, die eher etwas für die Harten ist. Dann doch lieber wieder das Kuchenbüffet.

Und zuletzt wie immer (wenn ich dran denke): Die Strecke bei gpsies.com

Und die Berichte von zwei anderen Läufern:

Schwesterherzchen

Und von der Blogschokolade

Jan 142012
 

oder

Beachtlich

Liebe Leser, ich will nicht viel über die heutige Veranstaltung zur Aufarbeitung der Ereignisse von Freitag schreiben. Ich denke es ist im Sinne aller Redner und aller Teilnehmer die Beiträge nicht in die breite Öffentlichkeit zu bringen. Es gab viele konkrete Arbeitsaufträge an viele verschiedene Institutionen, die sich dazu garantiert auch auf geeignete Weise äußern werden. Ich denke es ist nicht Aufgabe eines Bloggers da die Veröffentlichung vorweg zu nehmen.

Ich wusste nicht so richtig, was ich auf dem Plenum sollte und ich weiß es jetzt auch nicht, aber bei einer so kurzfristig einberufenen Veranstaltung weiß man auch nicht, was am Ende raus kommt und wie es läuft. Daher war das schon okay.

Nur eine Sache will ich berichten, weil mir zwei Sätze auch wichtig sind, dass man sie in der Öffentlichkeit hat. Es war nämlich Michael Neumann da. Was dabei bemerkenswert ist: Sein Vorgänger kommt zu einem offiziellem Empfang des Fanladens mit drei erkenntlichen Personenschützern, er kommt zu einer solchen Veranstaltung alleine und ohne Begleitung. Das muss man so erstmal zur Kenntnis nehmen und ist für mich erstmal ein anderes zugehen auf Leute. Er hat kurz geredet, hat ein zwei Fragen beantwortet und ist dann auch mehr oder minder (als einmal angemerkt wurde, dass man doch unter sich reden wollte) von sich aus gegangen. Und zwei Sätze sind wichtig.

Er hat gesagt, dass man die Vorfälle aufklären wolle. Auf die Frage wie man ihm das Glauben solle, wenn man sieht, wie die Jolly Vorfälle im Sande verlaufen sind, erwiderte er, dass man „überhaupt keine Beweis für seine Glaubwürdigkeit habe, man ihn aber in einem Jahr einen Lügner nennen könne“, wenn die Vorfälle nicht aufgeklärt wären. Er ergänzte „Ich lasse mich an meinen Worten messen, deswegen bin ich hier.“

Dies sollten wir im Gedächnis behalten und dies auch tun. Trotzdem fand ich es persönlich einen guten Schritt in so einer Situation dahin zu kommen.

Jan 112012
 

Liebe Leser,

ich musste diese Idee einfach vom lebendem Laster klauen. Und als Hommage habe ich dann beschlossen mich auch einfach zwischen seine Ausgaben zu setzen. Ich hoffe auf ein baldiges Erscheinen der Nr. 17, Herr Kollege.

Ja, alles dreht sich natürlich um die Ereignisse vom Freitag der letzten Woche. In der „bürgerlichen“ Presse ist so unsäglich viel Mist geschrieben worden, das hier zu verlinken wäre Verschwendung von Bytes. Ich will nicht verheimlichen, dass es auch bei der Hamburger Presse einige wirklich gute Leute gibt, die auch noch wissen, was Recherche und eigene Meinung heißt. Erschreckenderweise arbeiten davon einige auch noch beim Springerverlag.

Nur leider haben nicht diese besonnenen und intelligenten Stimmen die Berichterstattung geprägt, sondern die Stammtischparolen eines Sportressortleiters. Dieser und viele anderen erhitzen sich an folgendem Spruch von Sven Brux:

„Man muss sich doch mal die Realität anschauen. Wenn es irgendwo Konfrontationen gibt, sagen wir mal mit Rechtsradikalen oder rechts gerichteteten Hooligans. Der FC St. Pauli wird landauf, landab gerühmt für dieses „gegen Rechts sein“ und sich gegen so etwas gerademachen. Ja, meine Güte, dann muss das in der Realität auch mal umgesetzt werden. Also wenn irgend so ein Nazi meint, er könnte im St. Pauli-Block derartige Sprüche loslassen, dann muss der auch das Gefühl haben, dass ihm das gesundheitlich nicht ganz gut tut.“

Stellen wir doch mal dagegen, was Fr. Lieberknecht am 02.12.11 zu diesem Thema gesagt hat:

„“Die Verharmlosung des Rechtsextremismus beginnt bereits dann, wenn man im privaten oder beruflichen Bereich extremistische, ausländerfeindliche oder antisemitische Äußerungen einfach stehen lässt, ohne aktiv zu widersprechen. Es ist die Aufgaben aller Demokraten, über alle Parteigrenzen hinweg, sich der Herausforderung durch den Rechtsextremismus zu stellen und damit dem gewaltbereiten Spektrum den Nährboden zu entziehen. Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens. Wir alle sind gefordert klarzustellen, dass Extremisten in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Rechtsextremismus ist eine Schande für unser Land. Wir müssen ihn ächten, denn die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Und genau da ist doch das Problem, was die CDU hat, sie erklärt niemandem, was denn ein „aktives widersprechen“ sein soll. Oder um es mit publikative.org (das zitiere ich jetzt noch ein zweimal mehr, dieses Machwerk) zu sprechen: „aber die gehen nicht weg, wenn man sie lieb drum bittet.“. Und nun sagt einer mal, wie die Realität ist: Wenn du dich aktiv gegen Nazis einsetzt, dann wird das auch mal körperlich. Der Nazihooligan der Marke Bodybuilderkreuz wird nicht Demokrat, weil du ihm einen Mate Tee einschenkst und ihn diskutierst. Und so bekommst du auch keinen Fanblock Nazifrei. Umso schlimmer, dass immer noch ständig genau dieses Aufbegehren von Fans gegen Nazis in ihren Stadien als unpolitische Konflikte umgedeutet werden.

Umso schlimmer, dass selbst bei Vereinen wie der Fortuna Fandachverbände anscheinend nicht die Eier haben sich entsprechend deutlich zu positionieren. Respekt vor den Hypers2001, die es tun.

Noch cooler finde ich nebenbei in diesem Zusammenhang die Fortuna Metalheads, denn das ist mal ein klares Statement:

„Es geht nicht um Politik in der Kurve. Es geht darum dass für Nazis kein Platz bei Fortuna ist. Hier ist Konsequenz gefragt, auch wenn sie weh tut.“

Das nenne ich mal im positiven Sinne unpolitisch.

Und genau diese Konsequenz hat die CDU nicht, nein sie diffamiert lieber Leute, die sich gerade machen verunglimpft:

„Ich erwarte, dass der FC St.Pauli seinen so genannten Sicherheitsbeauftragten Herrn Brux umgehend ablöst. Wer wie er öffentlich Gewalt rechtfertigt, kann kein Gesprächspartner auf Augenhöhe sein.”

Tja, Herr Voet van Vormizeele, wer wie sie öffentlich Antifaschisten diskreditiert, kann kein Gesprächspartner auf Augenhöhe sein, wenn es darum geht Morde aufzuklären und terroristische Strukturen von Nazis zu beenden. Nein, er ist Teil des Problems.

Und wenn wir gerade bei Politik bin. Ich habe ja immer Bauchschmerzen bei Solidarität von linker Opposition, denn zu parteipolitischen Zwecken mag ich auch nicht gebraucht werden. Auf die Antwort auf diese Anfrage bin ich trotzdem gespannt.

Und wegen des fotografierten Hitlergruss hat auch ein Linksparteimitglied Anzeige erstattet. Ob dies nun wirklich ein Hitlergruss ist, werden die Ermittlungen zeigen müssen, denn ein Standbild, was eventuell eine Bewegung zeigt, kann dies auch verfälschen. Nein, ich verteidige nicht den Typen auf dem Bild, aber ich habe auch schon Fotos von braun-weißen gemacht, die genauso aussehen. Aber die Polizei hat ja umfassend gefilmt, so dass sich das bestens aufklären lassen wird, oder? 😉

Aber kommen wir zurück zu den Journalisten, ja es gibt löbliche Ausnahmen und das selbst auf so Allerwelts Portalen wie sportal.de. Daniel Raecke, das ist für mich Journalismus. Egal, ob man nun zu 100 % zustimmt oder nicht, dieser Kommentar ist journalistische Arbeit. Die Betonung liegt auf Arbeit, denn Polizeimitteilungen abzuschreiben und Stammtischparolen zu produzieren, dass ist keine Arbeit.

Aber man kann als Journalist nicht nur Stammtischparolen dreschen, nein, man kann auch einfach Statements eines Herrn Lehmann abschreiben und nicht hinterfragen. Laut Abendblatt haben wir nämlich „den Stadtteil in Angst und Schrecken versetzt“ so zumindest Leitender Polizeidirektor Kuno Lehmann. Nur zur Info: Das ist A16, das ist ein sehr stattliches Gehalt.

Nun weiß ich natürlich nicht welchen Stadtteil er meint und ich habe nur den Marsch begleitet, der ca. 500 Fans gemeinsam zur Halle brachte. Angst und Schrecken? Ich habe ca. 80 Fotos vom Marsch gemacht, als ich diesen Marsch begleitet habe. Angst und Schrecken sehe ich auf keinem. Natürlich lügen Fotos und natürlich können die marodierenden Horden anders durch den Stadtteil gezogen sein. Nur warum die Polizei dann diesen Marsch massiv begleitet und warum sie noch Zeit hat das in meinen Augen – ehrlich gesagt – geringe Vergehen eines abgebrannten römischen Feuers zu ahnden, das ist mir ein Rästel. Als Beispiel sei hier ein Foto veröffentlicht:

Man beachte insbesondere die drei Zivilisten links mittig, die sich panisch entfernen.

Und ansonsten auf den Übersteiger verwiesen, der feststellt, dass die Polizei irgendwann von der Erde fällt.

Was ich aber an diesem Marsch nicht gesehen habe, sind Journalisten. Und hier zitiere ich publikative.org zum zweiten Mal:

„Liebe Kollegen, es ist an der Zeit, dass Ihr dahin geht, wo es nach Pfefferspray riecht.“ Oh liebe Journalisten, ich kann euch beruhigen, keine Angst. Kein Pfefferspray, es war nur eisig kalt.

Nebenbei: Die Schmeißfliegen des Polizeifernsehens (diejenige, die immer vor dem Rettungswagen an Unfallstellen sind) waren nicht bei dem Marsch, das spricht eher für einen Polizeifunk ohne Horrormeldungen.

Tja und Herr Lehmann geht ja noch weiter: „Ab 17.57 Uhr hätten alle Lager aufeinander eingedroschen.“ Okay, was um 17:57 war, weiß ich nicht, aber um 18:03 sah es wie folgt in der Halle aus:

Kenner werden oben an die Wand gelehnt unsere sogenannten „szenekundigen Beamten“ entdecken. Nach der Schilderung von Herrn Lehmann drosch man 6 Minuten vorher noch aufeinander ein, nur um jetzt lässig an der Wand zu lehnen (oben), seinen Lappen aufzuhängen (Mitte) und locker rumzustehen (Vordergrund). Ich will ja gar nicht verheimlichen, dass es kurz vorher eine kurze Rangelei zwischen Ordnern und Leuten gegeben hat, aber sorry „alle Lager aufeinander eingedroschen“ ist etwas anderes. Und so dämlich diese Rangelei war, so schnell war sie auch ohne viel Polizei (und ohne Knüppel und Pfeffer) wieder beendet.


Erneut sei auf den Übersteiger verwiesen.

Nebenbei liebe Polizeiführung: Wer seine Aussage bei jedem Realitätscheck umstellen muss, der ist schlichtweg nur eines. Unglaubwürdig.

In die Haare schmieren müssen wir uns nun unser Fanclubturnier, denn der Fanclubsprecherrat hat dieses abgesagt. So trifft die Sperrung der Halle laut Abendblatt das C-Jugend Turnier des SC Sperbers. Bekanntermaßen ein Turnier, welches Alsterdorf schon Wochen vorher in „Angst und Schrecken“ versetzt. Die gefährlichen Duelle zwischen Barmbek und Alsterdorf und die anschließenden Straßenschlachten sind bekannt. Um es mal deutlich zu sagen: Herr Neumann, sie können uns nicht einen auswischen, wir machen unser Turnier wann und wo es uns passt und wenn es sein muss, dann brechen wir in ihre Scheißhalle ein (nein machen wir nicht), aber ähnlich wie ihre wildgewordenen Polizisten treffen sie unzählige Unschuldige.

Nebenbei lieber FC St. Pauli: Spätestens jetzt sollte auf eurer To Do Liste folgende Punkte stehen: Eigene Sporthalle kaufen/bauen und eigenes Hallenfußballturnier veranstalten. Ich hätte da ja eine voll krasse Idee, aber die erzähl ich euch mal beim Bier, nicht hier.

Aber wir müssen noch was zu der Stellungnahme des FC sagen. Mir ist sie ein bisschen zu positiv, was erstmal okay ist, denn als Gegenreaktion kann man auch mal einseitig sein. Nur auch hier fasst es publikative.org richtig zusammen:

„Der Grat zwischen Selbstverteidigung gegen Neonazis und Bock auf Boxen ist schmal“ Und die Stellungnahme ist für uns Auftrag und Verpflichtung zugleich: Wir müssen darauf achten, dass dieser Grad nicht überschritten wird. Nicht jede Hauerei darf umgedeutet werden als Verteidigung gegen Nazis und nicht jeder Vollidiot, der ein „Stolz ein Deutscher“-Reichsadler-Shirt trägt darf zu einer Massenschlägerei führen.

Aber hier wird es Samstag erste Diskussionsansätz geben, da bin ich sicher. Es wird ein langer, steiniger, schwieriger Weg, aber hier gilt bei allen Differenzen noch folgendes:

Wir (alle) sind St. Pauli. Ob es nun noch Präsident, Ultra oder Säufer ist, die Grundsolidarität muss da sein und vielleicht hat der ganze Scheiß eine gute Seite: Nun muss auch der Letzte gelernt haben, dass eher Fans als Polizei und sie abschreibende Journalisten zu glauben ist. Nun ist es an uns in dieser Grundsolidarität unseren Umgang mit eigener Gewalt zu finden, unser Verhältnis zur Polizei zufriedenstellend zu definieren und uns für den nächsten Angriff irgendwelcher Faschisten zu wappnen.

Und was kann man sonst so über Alsterdorf lesen?


Neunzehnhundertzehnblog läuft mir irgendwann noch den Rang als Differenzierer ab.

Die Mafia hatte sich dann auch irgendwann vom samstäglichen Umtrunk erholt. Ich lade mich hiermit nebenbei schon einmal fest zu eurer 5 Jahresfeier ein.

Ich kann ja nicht so mit linken Spinnern, die alles auf das System herunterbrechen und dabei 300 Schachtelsätze und 500 Fremdwörter brauchen. Aber a. sind sie mir immer noch 1.000.000 lieber als irgendwelche Panikmache a la Blödzeitung (wann kommt der nächste Tote und so, um dann noch den falschen als Letzten zu bezeichnen, weil der wirklich letzte nicht in den Kram passt) und b. ist die Antwort vom 11.01.12. 11:34 einfach alleine die ganzen verquarzten Sätze vorher wert. Willkommen zurück in meiner Linkliste.

Auch die Sitzblogade ist viel zu lange meiner Linkliste fern gewesen.

Schlecht schreiben kann ich gut, ich habe aber auch auf Radio Corax bewiesen, dass ich gut reden schlecht kann. Ein (leider etwas abgehakt abgeschnittener) Mitschnitt der Sendung findet ihr im Internet.


Wer mehr so der visuelle Typ ist, der kann die PK auch sehen.

Abschließend will ich aber noch einmal publikative.org zitieren, die einfach vollkommen richtig die enttäuschte Liebe der bürgerlichen Medien zusammenfasst:

„Jetzt rächt sich die in Fankreisen bereits oft parodierte und eindimensionale Darstellung des FC St. Pauli als “Kultverein”, wohl die inhaltsleerste Umschreibung, die in den vergangenen 20 Jahren erschaffen worden ist. Von der Realiät, die eigentlich zu beschreiben wäre, ist all das mittlerweile vollkommen entkoppelt: Stattdessen drischt man medial auf Pappkameraden ein, die man selbst erfunden hat. Waren die „Pauli-Piraten“ seit Ende der 1980er Jahre allesamt tanzende, kreative und stets gutgelaunte Alternativ-Freaks, ist nun vom Krawall-Club die Rede, bei dem paramilitärisch gedrillte Ultras die Marschrichtung vorgäben.“

Nun kommen wir zu folgender Frage:

„Wenn Theo Zwanziger korrupt wäre, dürfte er dann im Amt bleiben?“ So ungefähr fragt der DFB repräsentativ nach Pyro, bekommt dann (knapp) das gewünschte Ergebnis und ist glücklich. Nur ist das eine riesige Meldung wert? Und was wäre denn bei einer 60 % Zustimmung zu einer neutrale Frage so schlimm gewesen? Welche Zacke wäre unseren Oberen aus der Krone gebrochen? Das ist die große Frage. Natürlich muss es wieder ein Blogger sein, der einfach mal zum Telefon greift. Die hochbezahlten Redaktionen, die drucken lieber automatisiert die DPA Meldung ab. Ach ja, wer sich für den Köpeniker Stadtteilverein interessiert, der kann diesen Blog absolut in seine Linkliste packen.

Jan 102012
 

Lieber Sven,

normalerweise gratuliere ich Menschen in diesem Geschreibsel nicht zum Geburtstag, aber wer, wenn nicht du hätte mal eine Ausnahme von dieser Regel verdient?

Du, der seit unzähligen Jahren den FC zu dem machen, was er (geworden) ist. Magst du uns bitte noch viele Jahre in einem zentralen Job und/oder als Präsident erhalten bleiben. Halt die Ohren steif und lass dich nicht ärgern. Heute nicht und auch sonst nicht.

Ja, wir alle hatten mit dir auch schon Meinungsverschiedenheiten und der rheinische Dickkopf ist sprichwörtlich. Aber ich weiß, dass St. Pauli eines absolut nicht braucht: Menschen ohne eigene Meinung, ohne Ecken und Kanten. Bleib also wie du bist.

Und am Wochenende wirst du begossen.

Herzlichst
Magischerfc.de