Dez 302011
 

oder

Türöffnung durch Nordpol

Nordpol an den Südpol

Liebe Leser, gestern (29.12.) konnten wir folgendes im Hamburger Abendblatt lesen:

„muss auch die Loge der Hamburger Agentur Nordpol weichen. Die
spektakuläre Tribüne, die mit ihrer Currywurst liefernden Spielzeugbahn
deutschlandweit für Aufsehen sorgte, soll zur neuen Saison an gleicher
Stelle zwischen Gegengerade und Nordtribüne wieder aufgebaut werden.“

Ein Schelm, der böses dabei denkt. Ich habe ja immer noch Sätze wie „auf der Gegengerade entstehen keine neuen Logen und keine neuen Business Seats“ oder „Nein, Nein, die Nordpol Loge ist nur bis zum Bau da.“ in den Ohren. Alles – wie immer – leere Versprechungen und von der dauerhaften Etablierung der ersten Loge auf der Gegengerade kann man dann im Hamburger Abendblatt lesen.

Natürlich wird der Verein uns nun etwas von „Ausnahme“ oder „Einzelfall“ erzählen, aber die Frage bleibt: Wie lange wird es dieser Einzelfall bleiben? Oder ist es der stille Türöffner, mit dem man die Akzeptanz testet und die Gewöhnung beginnt um dann in der Mitte der GG z.B. 400 „Handwerker“ VIP Sitze zu reduziertem Preis nur mit frei Saufen zu installieren? Oder echte Business Seats, wenn es denn mit dem Aufstieg klappt? Oder werden nachträglich Logen eingebaut? Oder zur Finanzierung der 2.000 Nordstehplätze noch mal drei vier kleine Logen in der Nord? Geht garantiert alles.

So kann man sich dem Kollegen nur anschließen: Reclaim the Loge!

Ich weiß, dass das bei vielen Leuten nicht auf Gegenliebe stößt. Zum einen weil die Nordpol Leute aus der Fanszene kommen (und das ist noch ein ehrenwerter Grund), zum anderen weil genügend Leute aus Szenegremien Dauergast in der besagten Loge sind. Das lässt nebenbei einige Wellenbegeisterungen in einem anderen Licht erscheinen.

Nur ich sage euch ganz ehrlich: Wenn man schon den Text im Abendblatt sieht, dann ist dies genau der Kult, den ich nicht „deutschlandweit“ transportieren möchte. Es geht eben nicht mehr um Fußball, sondern um Currywurst Spielzeugeisenbahnen. Erlebnisgastronomie am Millerntor? Den Widerspruch zum angeblichen Leitbild sieht wohl jeder. Und deswegen ist die Loge für mich definitiv ein Symbol. Und dies nicht nur, weil sie die erste auf der GG/Nord ist.

Ich bin ja unglaublich neugierig. Mich würde ja auch interessierten, was Nordpol so für die Loge wirklich bezahlt. Also in Bargeld. Und wie viel davon Bartergeschäft ist. Ich vermute, dass die Loge billiger ist, als eine normale, denn ansonsten wäre ja ein Umzug in eine der freien Logen kein Problem.

Und was macht Susi so?

Weiterhin tanzen. Und nun stellt sich die Frage, kann oder will unser Präsidium den Beschluss der JHV nicht umsetzen? Nein, es geht nicht darum, ob dieser nun richtig oder falsch ist, es ist schlichtweg eine Entscheidung unseres höchsten Gremiums, die nun umgesetzt werden muss, ob sie den Meeskes dieser Welt nun passt oder nicht.

Nur kann man dies so einfach? Das ist eine spannende Frage, die wir hier nicht beantworten können, weil wir den Vertragsinhalt zwischen Susi und dem Verein nicht kennen. Daher nur ein paar grobe Anmerkungen:

Grob gesagt handelt es sich bei dem Logenvertrag um einen Pachtvertrag mit einigen Dienstleistungselementen. Das ganze ist erstmal ein Dauerschuldverhältnis. Und ein solches kann man grundsätzlich nur im Einvernehmen beider Parteien ändern. Das wird man hier natürlich eher nicht so einfach erreichen, weil Susi natürlich deutlichen Wert auf diese Präsentationsform legen wird.

Bestandteil dieses Vertrages wird auch unsere Stadionordnung sein, sie ist aber auch hier nix anderes als eine Allgemeine Geschäftsbedingung. Und auch diese muss man in einen Vertrag einbeziehen. Bei nachträglichen Einbeziehungen geht dies nur mit Einverständnis des Vertragspartners, wobei hier meistens ein Schweigen fingiert wird (ob dies rechtlich möglich ist, ist nebenbei im Detail so klar nicht, sei hier mal vereinfacht). Kennt jeder von seiner Bank, wenn die mal wieder ihre AGB ändert. Nur die kann – wenn man nicht zustimmt – das unbefristete Verhältnis kündigen können. Das wird bei einem befristeten Vertrag wie hier eher schwierig, denn dann müsste ein wichtiger Grund vorliegen. Und der wird eher nicht anzunehmen sein.

Noch schlimmer wird es, wenn in den Verträgen – und das könnte ich mir immer noch gut vorstellen – grob dargestellt ist, was Susi da eigentlich plant. Dann wäre ein wichtiger Grund definitiv ausgeschlossen.

Außen vor lasse ich jetzt mal die Frage, ob die zur Zeit gewählte Darstellungsform gegen die bisher existierende Stadionordnung verstößt, die natürlich auch Susi bei Vertragsunterzeichnung akzeptieren musste. Zumindest hoffe ich mal inständig, dass so ein Passus in unseren Verträgen mit Logenkunden zu finden ist. Dies wird ja schon unter Laien fröhlich diskutiert, wäre für einen juristischen Streit garantiert genügend Munition und daher eher keine schnelle Lösung.

Sprich: Wahrscheinlich kann man die Logen nur auszahlen (ein Nachmieter bietet sich doch oben schon an) oder auf das Vertragsende hoffen. Wenn da aber eine Kündigungsfrist verschlafen wird, dann könnte es sein, dass der Verantwortliche mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt wird.