Dez 182011
 

oder

Der St. Pauli X-Mess Lauf Nr. 1

Vorwort

Liebe Leser, in letzter Zeit hat die Laufseite dieses Blogs so ein bisschen gelitten. Dies liegt auch daran, dass nach dem zweitem Marathon natürlich erstmal eine Wettkampfpause liegt und ich zur Zeit in einer intensiven Trainings- und Planungsphase bin. Der Winterfahrplan sieht ganz viele langsam und lange Läufe vor, da ich ins Frühjahr mit einer anderen Grundausdauer starten möchte. In so einen Plan passen nur bedingt Wettkämpfe. Die Bramfelder Winterlaufserie rechne ich nicht wirklich als Wettkampf, das ist eher ein gemütlicher Lauf mit Unterhaltung. Der nächste etwas schnellere Wettkampf soll der Lümmellauf in Hagen (Ahrensburg) werden, wobei man bei dieser ja nicht wirklich einfachen Strecke abwarten muss, wie das wird.

Diesmal aber bekommt ihr Insiderwissen, wie man eine Laufveranstaltung in Hamburg plant.

Kreatives Chaos

Man könnte diese Frage eigentlich sehr einfach beantworten: Man treffe sich mit Karsten Schölermann von BMS – Die Laufgesellschaft, stelle ihm ein Konzept und ein paar Helfer zur Seite und dann läuft das. So einfach ist es natürlich nicht, aber so begann eigentlich alles an einem Abend im Knust, wo die Triathlonabteilungsleitung in Person von Mättz, meine Wenigkeit, Honigfabrik-Heiko und Karsten sich trafen und einen St. Pauli Lauf begannen zu planen. Ich gestehe, dass diese Idee auf meinem Mist gewachsen ist. Es wurmte mich seitdem ich laufe, dass unsere Freunde aus dem Volkspark (man nennt sie auch bald die unentschiedenen Absteiger) zwar sportlicher Träger eines Volkslaufes sind, mein Sportverein aber nicht. Das musste sich ändern und zum Glück war Mättz von den Trias der gleichen Meinung. Bis wir das dann aber umsetzen konnten, floss noch ordentlich Wasser die Elbe herunter. Aber nun ging es los.

Die Grundüberlegung war es, einen Lauf im Sommer zu machen. Aber wir hatten nicht mit der Ein-Mann Lawine Karsten geplant, der wenn man ihn einmal losgetreten hat nicht mehr zu stoppen ist. Und der uns schnell von einem Weihnachtslauf überzeugte. Okay, Verkleidungszwang musste man ihm ausreden und so ein zwei Dinge, die jemand vielleicht mit „Kult“ verbindet mussten auch kurz aus dem Weg geräumt werden, aber ansonsten gab es schnell ein stimmiges Konzept mit einer hübschen Laufstrecke. Die eigentlich nur einen klitzekleinen Fehler hatte: Sie ging davon aus, dass die Brücke über die Glacischaussee noch existiert. Die existiert aber schon eine ganze Zeit nicht mehr, was uns dann auch mal irgendwann auffiel. Wir sind halt alle ziemlich nostalgisch. So brauchte man eine Straßensperrungsgenehmigung neben der sowieso notwendigen Parkbenutzungsgenehmigung und eigentlich auch noch eine Dom Nutzungsgenehmigung. Während die beiden erst genannten sehr einfach zu bekommen waren, wenn man weiß, wie man wo fragt (und das weiß Karsten), war auf dem Heiligengeistfeld noch „Abbauzeit“, so dass die Strecke außen rum führen musste. Ja ne, geht klar. Immerhin war die Genehmigung des FC für einen Durchlauf des Stadions super einfach und schnell zu bekommen, das war wirklich klasse. Okay, die Idee von Karsten, doch über den Mittelkreis zu laufen, dafür hätte man doch einen Sommerlauf haben müssen. Aber am Rande der Veranstaltung hat Karsten versucht Sven vom Gegenteil für nächstes Jahr zu überzeugen. 😉

Kreatives Chaos heißt auch, dass man mit seinem Lauf an die Öffentlichkeit geht und schon einmal die Anmeldung frei schaltet, wenn man noch keine der genannten Genehmigungen wirklich in trockenen Tüchern hat. So hatte man wenigstens einen Spannungseffekt.

Wir hatten so irgendwie auf 500 Anmeldungen gehofft, dass es am Ende locker 700 werden, dass hatten wir alle nicht gedacht. So war der beinah tägliche Blick auf die Anmeldungszahlen natürlich unser größtes Hobby in den darauffolgenden Wochen bis zur Veranstaltung.

Der Rest der Organisation ist schnell erledigt und so traf man sich am Tag des Laufes um 8 Uhr zum Aufbauen. Und das Wetter hatte beschlossen uns klar zu machen, dass wir Winter bzw. Dezember haben, denn uns erwartete Dunkelheit und ein richtig leckerer Schneeregen. Da bringt das hin und her schleppen von Sachen und auch das Aufstellen von Bierzeltgarnituren richtig viel Spaß. Und natürlich machte man sich so ein bisschen Sorgen, wie viele der Starter wirklich kommen würden.

Ich beschreibe es jetzt mal ohne es zu bewerten: Bäderland hat uns zugunsten von einer Nennung die Umkleiden und deren Klos zur Verfügung gestellt. Das Clubheim blieb geschlossen.

Alles kam erst nach dem Regenguss und so bildeten sich lange Schlangen an Nummernausgabe und Gepäckabgabe, aber mit Hilfe von Uwe (das Gepäcktier) wurde das auch alles gelöst. Normalerweise entzerrt sich das bei Laufveranstaltungen doch etwas mehr, aber aufgrund des „dahinten wird’s heller“ haben viele halt noch ein paar Minuten im Auto gewartet. Aber wie schon gesagt: Gute Helfer und alles wurde ganz schnell und nur mit 11 Minuten Startverzögerung gelöst.

Was macht man nun als Marathoni mit so einer Strecke? So etwas kurzes kann man wenn überhaupt als Tempolauf nutzen. Wenn man dann aber am gleichen Wochenende einen langen Lauf machen will, dann steht sich das irgendwie im Wege. Also habe ich auf den Tempolauf verzichtet und lieber am Samstag 20 Km gemacht. Ich habe mich dann den Organisatoren als Schlussläufer zur Verfügung gestellt und wollte gemütlich in einer Stunde hinter dem Feld hinter her gehen. Lena stellte sich zur Begleitung zur Verfügung und ich rechnete mir so eine 11:20 pro Kilometer aus, so dass wir im Notfall nach hinten noch ein bisschen Platz gehabt hätten. Klar, das kann ich sehr viel schneller, aber irgendwer muss ja der Letzte sein und so wissen die Ordner wenigstens Bescheid. Die Sprüche (siehe Überschrift) gab es natürlich umsonst dazu.

Es war kein Kostümezwang, aber schon die Bitte im Kostüm zu laufen und so fanden sich sehr viele Weihnachtsmänner und auch andere Verkleidungen im Feld. Sehr groß von der U 18, dass sie wirklich mit vier Mitgliedern auflief um die Jury zu bilden. Und die vier jungen Damen haben ihren Job wirklich ernst genommen, waren eine Stunde vor dem Start da und haben sich die Kostüme sehr genau angesehen.

Nun ging die äh ja, wilde Hatz aber los. 567 Leute sollten am Ende ins Ziel kommen, so dass die ersten Kurven ein bisschen eng waren, auch weil wir einmal über die Stromkabel mussten, aber es gab keinen Unfall und alle Leute kamen gut um die Strecke. Diese startete auf dem Südkurvenvorplatz, knickte dann in Richtung Gegengerade ab, dann unter der Gegengerade durch und außen wieder zurück. Dann rum um das Heiligengeistfeld und außen um die U-Bahn St. Pauli. Dann rüber nach Planten un Blomen und zweimal rund um die Eisbahn. Danach wieder genauso zurück.

Wir begannen mit einer entspannten 10 Minuten Pace, aber da alles losdüste und niemand zurück blieb, konnten auch wir langsam unser Tempo steigern und über 9 Minuten pro Kilometer arbeiteten wir uns an ultraschallschnelle 8:10 Minuten pro Kilometer vor. Wir haben niemanden überholt, aber lustigerweise ist auf den offiziellen Ergebnislisten jemand hinter uns ins Ziel gekommen. Wo auch immer der sich versteckt hatte. Wir also ins Ziel gestürmt, unsere Medaille in Empfang genommen und uns über eine gelungene Veranstaltung gefreut. Die Kostüme wurden prämiert, wobei die laufende Tanne wirklich zu Recht als bestes Kostüm gewählt wurde. Wobei auch der Grinch und der prähistorische Weihnachtsmann oder viele selbstgebastelte Engel wirklich super waren.

Nach Ehrungen und noch ein bisschen Verkauf musste wieder abgebaut werden und natürlich begann es wieder zu regnen, das Wetter wollte uns noch ein bisschen ärgern. Aber es ging alles sehr schnell und viele Leute überboten sich in Mithelfeifer. Danke Hans-Peter. 🙂

Und am Schluss noch eine schöne Anekdote: Die Startnummern waren alphabetisch geordnet und so bekam ein jetzt namentlich nich genanntes Mitglied der Basis die 88. Das führte zu einer riesigen Menge von dummen Sprüchen so inklusive „Mist, warum haben wir jetzt nicht alles von Thor Steinar zum verkleiden“? Oder Moritz, der als Autonomer lief (Zitat: „Weihnachtsmann kann ja jeder“) schlug vor, dass unser Startnummernnazi vor ihm laufen sollte und er direkt dahinter. Okay, ein kleines Verbotsschild um die 88 löste das Problemchen ganz einfach.