Dez 122011
 

oder

Sinnkrise…

Vorwort

Liebe Leser, die politisch motivierte Sprachgewalt schalt aus den Lautsprechern und man muss sich fragen, ob Bayern gegen Linksextremismus (Vorsicht, das ist keine Satire!) nicht irgendwann beginnt, Auftritte des FC in Bayern zu erwähnen. So einen Bericht einzuleiten bedeutet immer folgendes: Er ist auf der Rückfahrt entstanden. Und das diese nicht ganz frei von Rauschmitteln war, kann sich auch jeder Fußballfan vorstellen.

Wir sind vielleicht gewaltbereit, aber diesmal leider nicht kampfbereit.

Wir wussten es doch vorher…

Wobei das mit dem „kampfbereit“ stimmte nur für die Mannschaft, denn unser Lieblingsveteran bot bereits in Altona der Polizei ein Match an und sprang voll in deren Reihen. Aber die Luschen, da konnte er durchlaufen und die haben sich nicht gewehrt, nicht gerade gemacht. Das sind nicht mehr mein BGS oder wie die jetzt heißen.

Also rein in den ICE. Feststellung: Ohne Heike sind wir komplett aufgeschmissen. Niemand weiß die Plätze auf denen wir sitzen dürfen, keiner hat die Abfahrtzeiten spontan bereit. Nur mit gemeinsamen Anstrengungen und unter heldenhafter Aufopferung unserer Neuallesfahrerin konnten Plätze gesichert werden. Irgendwann müssen Fanladenhoschis anfangen zu bloggen oder Bücher zu schreiben, denn die Bahnreservierungsgeschichte ist schon wieder eine aus dem Land Absurdistan, aber die lasst euch am Tresen in der Brigittenstraße 3 erzählen. Bald nur noch bis 19 Uhr von Dienstag bis Freitag.

Was jetzt mal zwischendurch gesagt werden muss: PFFFFT! (Insider)

Im ICE begann dann das beliebte „Haben wir Verspätung und bekommen wir unseren Anschluss?“ Spiel. Motto „Wir können es sowieso nicht ändern…“, denn bei vier Minuten Zeit in Nürnberg (Ankunft 24, Abfahrt 28) hat man nun nicht wirklich Luft. Die Zeit vertrieb man sich mit einem Spaziergang durch die Reisegruppe. Das Niveau war zu Hause geblieben und zusammen mit dem antideutschen Schwein (Achtung, das ist ein Insider) hatten wir viel Spaß im B5. Oder so ähnlich. Simulantengeburtstag war auch noch, so dass auch für ein Frühstück gesorgt war.

Ansonsten wäre hier jetzt der Satz mit dem „ansonsten ereignislos“ gekommen, wenn nicht das Leben wieder die Dialoge geschrieben hätte. Es entwickelte sich über eine Tätowierung folgender Dialog:

„Ja, schöne Tätowierung, da kann man aber noch was rausholen, komm doch mal zu uns ins Studio“ *überreichKarte*

[…] „und was machst du da?“

„Ich bin das Inventar.“

Staunen

Also ich bin für das Inventar zuständig, aber unsere Piercerin will sich nun auf Tätowieren spezialisieren und dann lerne ich Piercen.“

Nun waren wir aber in Nürnberg (pünktlich!) und es erwartete uns ein Zug der Sonderklasse. Offiziell als ICE ausgewiesen, aber irgendwo zwischen real existierendem Sozialismus und Edelholzklasse. Die Bilder geben das nur unvollständig wieder, aber sehr anders, als die sonstigen Züge. 30 Minuten später hatten wir dann Ingolstadt erreicht.

Und nun bewundern sie bitte die Organisation der Stadt Ingolstadt, die es echt fertig bringt für eine Masse Fußballfans immerhin zwei Gelenkbusse für den Transport vom Bahnhof zum Stadion bereit zu stellen. Und das ist ein Stück Wegstrecke. Und man merkt immer, dass Menschen, sofort wenn die soziale Kontrolle auch nur ein klitzekleines bisschen nicht mehr vorhanden ist zu Tieren werden. Es wurde gedrängelt, geschubst und das ganze war absolut nicht schön.

Wir dachten, wir sind klug und nehmen uns ein Taxi, aber Satz mit X, das war wohl nix, denn in Ingolstadt gibt es keine Taxis. Das war echt unglaublich, das habe ich noch nie erlebt. So stand man irgendwie gut 40 Minuten dumm am Hauptbahnhof rum. Dann erwischte man ein Taxi und die Taxifahrerin lud noch irgendwelche finsteren österreichischen Hopper ein. Gut, dass wir nicht gefragt haben, welchem Verein die angehören, bei unserem Glück wäre es sowieso Rapid gewesen.

Karte schnell besorgt und rein. Ja moderne Stadien, eine Krankheit der Moderne. Bier gab es nicht, weil wir ja ein Sicherheitsspiel sind. Zwar kein Hochsicherheitsspiel, so dass es Light Bier gab, aber Sicherheitsspiel. Die Begründung liest sich wie eine Realsatire, ist aber ernst gemeint. Ich wiederhole meinen Satz vom Paderborn Spiel: „Ich habe kein Bock mehr von irgendwelchen Öddeldorfvereinen zum Sicherheitsproblem gemacht zu werden.“

Das Stadion an sich ist ja für ein modernes Stadion ganz okay. Natürlich Hellmich null acht fünfzehn, aber immerhin der Gästeblock mit ordentlich Platz und direkt hinterm Tor. Und man durfte Zaunfahnen fröhlich aufhängen.

Im Gästeblock ganz gute Stimmung und wenn mal nicht, dann sorgte T. Als Vorsänger mit einer persönlichen Ansprache der Marke Blick-Zeichen-Klarmachen für’s Mitmachen. Nur was bitte hatte sich da teilweise für Volk versammelt? Neben einem nicht ganz unbekannten Fanclub gab es von irgendwelchen Rassistenschweinen wirklich Affenlaute gegen einen farbigen Spieler von Ingolstadt. Die sofort eingeleitete Selbsthilfe wäre beinah noch in einem Konflikt mit den Ordnungshütern geendet. Das ist das doofe, wenn man solchen Typen das gibt, was die verdienen, nämlich ohne weitere Vorwarnung Fresse dick, dann bekommt man noch den Ärger und nicht diese Dummheit auf zwei Beinen. Zum Glück machten sich wenigstens Leute gerade, auch wenn die Freunde des Idioten natürlich wieder die „Ich bin kein Rassist, aber…“ Verteidigung zum Besten gab. Idioten. Auch aus anderen Bereichen hörte man ganz üble Geschichten (Arschlochrufe, Sexismus gegen Frauen etc. etc. etc.) und man muss sich dann doch mal fragen, ob das Versenden von Tickets in aller Herrgottsrichtung so wirklich der richtige Vertriebsweg ist. Eine ausschließliche Abgabe an bekannte Personen sollte wirklich mal überlegt werden. Auch wenn man dann weniger Kohle macht.

Zum Spiel? Ich zitiere das Horrorskop von heute (vom Spieltag) und stelle fest, dass unsere ganzen Spieler im Sternzeichen Jungfrau geboren sein müssen: „Langsam könnten sie mal aufhören Leistung bringen zu wollen“ Glaubt ihr nicht, dass das da stand? Es gibt Beweisfotos.

Nach dem Spiel wurden Barbara und Thomas meine Helden des Tages, denn sie fuhren mich zum Bahnhof UND ermöglichten noch eine kurze Plünderung einer Tankstelle. Auch hier wieder unbegreiflich: Es kommt nahezu niemand dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln (wie auch?). Die Leute laufen nur zu Autos. Ein Anreisen mit Bus und Bahn, wie man es in jedem anderen Stadion erleben würde, findet nicht statt. Sowieso waren von den 8.000 Zuschauern vielleicht 4.000 nicht braun-weiße.

Von meinen Helden des Tages verabschiedet und dann wurde erstmal ein bisschen abgehangen. Es sind diese unendlichen Minuten, die das Auswärtsfahren so anstrengend machen, diese Minuten in denen du nur Leere empfindest, nur Frust, in denen du nur noch nach Hause willst, in denen du weißt: In 12 Stunden klingelt dein Wecker, du bist aber noch 6 Stunden von zu Hause fort. Immerhin gab es kalte Pizza mit geklautem Besteck und auch sonst regierte der Galgenhumor. Denn seien wir ehrlich: Bei unserem Heiligen Verein hatte doch jeder mit der alljährlichen Samaritertat gegenüber dem Tabellenletzten gerechnet.

Deswegen halte ich bei verschobenen Winterpause auch nix von Hinrundenfaziten. Sollten wir nun gegen Frankfurt verlieren, dann haben wir vielleicht die beste Hinrunde aller Zeiten gespielt, stecken aber die ganze Winterpause in einer handfesten Krise.

Unsere Sitzplatzerkämpferin riss sich diesmal ein Abteil unter den Nagel und die Fahrt konnte losgehen. Die Musikauswahl schwankte zwischen linksradikalem Rap und biologischem Punk. Oder wie es @jesus mal so schön auf Twitter ausdrückte (und ich finde diesen Tweet leider nicht wieder) „Lazy Sunday afternoon, listening to Bad Religion“. Eine Fußballmitreisende konnte unseren Galgenhumor nicht ab, aber die fand sowieso alles „schwul“ (entsprechende deutliche Ansage hat sie dafür gefangen und es bestand auch hier das oben benannte Dilemma) und verlies das Abteil relativ schnell wieder. Die dann folgende Nichtfußballmitreisende war härter im nehmen und lies sich auch durch Umsatzsteuer und Punkrockdiskussionen nicht aus der Ruhe bringen.

Umstieg in Würzburg, mal wieder 4 Minuten, mal wieder .24 als Ankunft .28 als Abfahrt. Wieder locker geschafft, der Zug war nur leider komplett überfüllt. Aber mit Glück und Geschick bekamen wir wieder einen schönen Sitzplatz. Direkt neben der 1. Klasse, die wahrscheinlich den Tag verflucht haben, denn wir waren nicht gerade leise und gesittet. Aber alles hielt sich im Rahmen und so kamen wir mit etwas Verspätung in Hamburg an. Und die S-Bahn brachte mich dann auch sicher nach Hause.