Dez 312011
 

oder

28. Silvesterlauf um die Teichwiesen

Vorwort

Liebe Leser, ich wünsche allen Besuchern ein schönes 2012, mögen alle eure Wünsche in Erfüllung gehen. Gute Vorsätze lasst lieber gleich sein, sie werden sich sowieso nicht erfüllen. Ich bin nicht wirklich ein Silvestermensch, auch wenn ich gerne mal Feuerwerk anzünde. Ich mag diese Party auf Befehl nicht. Aber Silvester gibt es auch eine schöne Tradition, die man einfach mitmachen muss. Der Silvesterlauf der LAG Nord, rund um die Teichwiesen in Volksdorf. Und davon soll dieser Bericht handeln.

Die Steuer ist immer und überall

Zum dritten Mal war ich bei dieser Veranstaltung, so dass sich schon eine gewisse Routine einstellt, aber sie ist einfach sehr nett gemacht. So ging es Silvestermorgen in Richtung Schule an den Teichwiesen. Wie immer gab es da keine Parkplätze, wobei ich hier auch die Anwohner nicht verstehe. Jedes mal bricht ein Chaos aus und die Leute stehen da und motzen. Mensch, wenn ich da eine Stichstraße habe, dann stell ich mich vorne hin, sammel eine Spende für einen guten Zweck, verteil heißen Tee und park die Autos selber ein und lass mir die Schlüssel geben. Das hat früher beim Galoppderby auch perfekt geklappt.

In der Schule kann man sich dann die Startkarten holen. Nummern gibt es bei diesem Lauf ebenso wenig wie eine moderne elektronische Zeitmessung. Ich finde das gut. Auf den relativ engen Wegen um die Teichwiesen würde es sowieso zu einem Chaos kommen, wenn alle auf die Zeit achten und die Messung per Startkarte, die am Ende abgestempelt wird, finde ich immer noch sehr charmant.

Man kann, muss sich aber nicht verkleiden. Ich laufe traditionell ohne Verkleidung, weil mir nix einfällt, www.sielaeuft.de hatte aber die Verkleidungsidee schlichtweg, sie lief als Steuererklärung. Der Start ist dann an der einen Ecke der Teichwiesen und es wird mit einer Silvesterrakete gestartet. Schon kann die wilde Hatz beginnen, wobei man auf der ersten Runde sich doch ziemlich auf den Füssen steht. Aber wie sagte die laufende Steuererklärung neben mir: Wer diesen Lauf ernst nimmt, der muss bekloppt sein oder ein Triabolo. Letztgenannter Verein hat seine Vorurteile bei mir nebenbei mal bei diesem Lauf bekommen, wo ein Mitglied dieses Vereines meinte unbedingt Teilnehmer mehr oder minder umzuschubsen, damit er nun möglichst schnell ins Ziel kommt. Wohlgemerkt auf damals eisglatter Strecke und wohlgemerkt bei einem Lauf, der handgestoppt auf Minuten gerundet gestoppt wird.

Egal, dieses Jahr war alles super und selbst der überholende Triabolo war der Worte „Achtung“ und „Danke“ mächtig und dann ist ja alles bestens.

Wir schunkelten uns also gemütlich an den ganzen 2,5 km laufenden Kindern vorbei und sabbelten. Sprüche konnten bei dem Kostüm nicht ausbleiben und so kamen Dinge wie „Oh Gott, muss ich das jetzt die ganze Zeit ansehen und daran erinnert werden?“ (flott gekontert mit einem „musst du schneller laufen“) und eben mit der Aussage, die hier die Überschrift bildet. Gut, dass ich uns angemeldet habe, sonst hätten die wohl auch noch Fragen zur Umsatzsteuer gestellt.

Das man im Job nebenbei noch sehr viel schlimmer dran sein kann, als wir zeigte das Gespräch mit einer Dame, die auch im Amt war und deren Mann bei der Feuerwehr ist. Ab morgen früh um 7 24 Stunden Dienst. Na herzlichen Glückwunsch.

So nun wollten wir aber den Streckenrekord angreifen und in Runde zwei wurden wir deutlich schneller. Nun ging es in einer lockeren 6:30 pro Runde um den Kurs. Streckenrekord klingt jetzt nach wilder Hatz, aber wenn man bedenkt, dass bei den beiden anderen Teilnahmen jeweils Glatteis herrschte, ist das jetzt eher ein Spaß.

Ich hatte in letzter Zeit Muskelprobleme, aber die meldeten sich zum Glück nicht und so ging es locker weiter. Auch wenn die Steuererklärung immer schneller werden wollte und man sie doch ein zwei mal einbremsen musste. Die Runde um die Teichwiesen hat so grob 2,6 Kilometer. In ihr sind aber auch einige giftige Steigungen versteckt, so dass es keine einfache Runde ist. Für die leicht durchgeknallten Freunde: Hier kann man ziemlich regelmäßig (man könnte auch sagen ständig) auch Marathon laufen. Auch so eine Sache, die ich für irgendwann mal auf der Liste habe.

So für uns war dann aber nach 7,6 Kilometern Schluss. Die Uhr hielt bei 51:57 an, die Startkarte wurde bei 54 Minuten abgestempelt. Aber um Zeit ging es nicht. Es geht bei diesem Lauf um sich bewegen vor dem Wettmampf und darum ein bisschen Spaß zu haben. Und besser als eine Trainingsrunde alleine ist das allemal. Kostüme gab es auch viele tolle Ideen zu bewundern. U.a. habe ich ein Kartenspiel gesehen, so richtig mit entsprechenden Hüten, der obligatorische Elch war auch da, die Polizei, zwei Knastis (die weiter liefen als die Polizei) und ganz viele andere tolle Ideen, inklusive dem heiligen Silvester.

In der Schule gab es dann Punsch und Berliner für jeden Teilnehmer, wobei wir Punsch mit Zitronentee gemischt zu uns nahmen. Eine Mischung, die erstaunlicherweise wirklich schmeckt. Danach gab es die handgeschriebene Urkunde (nix Internetausdruck) und schon konnten wir glücklich und zufrieden nach Hause. Schöner Lauf.

Dez 302011
 

oder

Türöffnung durch Nordpol

Nordpol an den Südpol

Liebe Leser, gestern (29.12.) konnten wir folgendes im Hamburger Abendblatt lesen:

„muss auch die Loge der Hamburger Agentur Nordpol weichen. Die
spektakuläre Tribüne, die mit ihrer Currywurst liefernden Spielzeugbahn
deutschlandweit für Aufsehen sorgte, soll zur neuen Saison an gleicher
Stelle zwischen Gegengerade und Nordtribüne wieder aufgebaut werden.“

Ein Schelm, der böses dabei denkt. Ich habe ja immer noch Sätze wie „auf der Gegengerade entstehen keine neuen Logen und keine neuen Business Seats“ oder „Nein, Nein, die Nordpol Loge ist nur bis zum Bau da.“ in den Ohren. Alles – wie immer – leere Versprechungen und von der dauerhaften Etablierung der ersten Loge auf der Gegengerade kann man dann im Hamburger Abendblatt lesen.

Natürlich wird der Verein uns nun etwas von „Ausnahme“ oder „Einzelfall“ erzählen, aber die Frage bleibt: Wie lange wird es dieser Einzelfall bleiben? Oder ist es der stille Türöffner, mit dem man die Akzeptanz testet und die Gewöhnung beginnt um dann in der Mitte der GG z.B. 400 „Handwerker“ VIP Sitze zu reduziertem Preis nur mit frei Saufen zu installieren? Oder echte Business Seats, wenn es denn mit dem Aufstieg klappt? Oder werden nachträglich Logen eingebaut? Oder zur Finanzierung der 2.000 Nordstehplätze noch mal drei vier kleine Logen in der Nord? Geht garantiert alles.

So kann man sich dem Kollegen nur anschließen: Reclaim the Loge!

Ich weiß, dass das bei vielen Leuten nicht auf Gegenliebe stößt. Zum einen weil die Nordpol Leute aus der Fanszene kommen (und das ist noch ein ehrenwerter Grund), zum anderen weil genügend Leute aus Szenegremien Dauergast in der besagten Loge sind. Das lässt nebenbei einige Wellenbegeisterungen in einem anderen Licht erscheinen.

Nur ich sage euch ganz ehrlich: Wenn man schon den Text im Abendblatt sieht, dann ist dies genau der Kult, den ich nicht „deutschlandweit“ transportieren möchte. Es geht eben nicht mehr um Fußball, sondern um Currywurst Spielzeugeisenbahnen. Erlebnisgastronomie am Millerntor? Den Widerspruch zum angeblichen Leitbild sieht wohl jeder. Und deswegen ist die Loge für mich definitiv ein Symbol. Und dies nicht nur, weil sie die erste auf der GG/Nord ist.

Ich bin ja unglaublich neugierig. Mich würde ja auch interessierten, was Nordpol so für die Loge wirklich bezahlt. Also in Bargeld. Und wie viel davon Bartergeschäft ist. Ich vermute, dass die Loge billiger ist, als eine normale, denn ansonsten wäre ja ein Umzug in eine der freien Logen kein Problem.

Und was macht Susi so?

Weiterhin tanzen. Und nun stellt sich die Frage, kann oder will unser Präsidium den Beschluss der JHV nicht umsetzen? Nein, es geht nicht darum, ob dieser nun richtig oder falsch ist, es ist schlichtweg eine Entscheidung unseres höchsten Gremiums, die nun umgesetzt werden muss, ob sie den Meeskes dieser Welt nun passt oder nicht.

Nur kann man dies so einfach? Das ist eine spannende Frage, die wir hier nicht beantworten können, weil wir den Vertragsinhalt zwischen Susi und dem Verein nicht kennen. Daher nur ein paar grobe Anmerkungen:

Grob gesagt handelt es sich bei dem Logenvertrag um einen Pachtvertrag mit einigen Dienstleistungselementen. Das ganze ist erstmal ein Dauerschuldverhältnis. Und ein solches kann man grundsätzlich nur im Einvernehmen beider Parteien ändern. Das wird man hier natürlich eher nicht so einfach erreichen, weil Susi natürlich deutlichen Wert auf diese Präsentationsform legen wird.

Bestandteil dieses Vertrages wird auch unsere Stadionordnung sein, sie ist aber auch hier nix anderes als eine Allgemeine Geschäftsbedingung. Und auch diese muss man in einen Vertrag einbeziehen. Bei nachträglichen Einbeziehungen geht dies nur mit Einverständnis des Vertragspartners, wobei hier meistens ein Schweigen fingiert wird (ob dies rechtlich möglich ist, ist nebenbei im Detail so klar nicht, sei hier mal vereinfacht). Kennt jeder von seiner Bank, wenn die mal wieder ihre AGB ändert. Nur die kann – wenn man nicht zustimmt – das unbefristete Verhältnis kündigen können. Das wird bei einem befristeten Vertrag wie hier eher schwierig, denn dann müsste ein wichtiger Grund vorliegen. Und der wird eher nicht anzunehmen sein.

Noch schlimmer wird es, wenn in den Verträgen – und das könnte ich mir immer noch gut vorstellen – grob dargestellt ist, was Susi da eigentlich plant. Dann wäre ein wichtiger Grund definitiv ausgeschlossen.

Außen vor lasse ich jetzt mal die Frage, ob die zur Zeit gewählte Darstellungsform gegen die bisher existierende Stadionordnung verstößt, die natürlich auch Susi bei Vertragsunterzeichnung akzeptieren musste. Zumindest hoffe ich mal inständig, dass so ein Passus in unseren Verträgen mit Logenkunden zu finden ist. Dies wird ja schon unter Laien fröhlich diskutiert, wäre für einen juristischen Streit garantiert genügend Munition und daher eher keine schnelle Lösung.

Sprich: Wahrscheinlich kann man die Logen nur auszahlen (ein Nachmieter bietet sich doch oben schon an) oder auf das Vertragsende hoffen. Wenn da aber eine Kündigungsfrist verschlafen wird, dann könnte es sein, dass der Verantwortliche mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt wird.

Dez 232011
 

oder

Wünsche

Liebe Leser, Turbulente Tage gehen zu Ende und es beginnt die sogenannte besinnliche Zeit des Jahres. Ein kluger Mensch hat mal behauptet, dass es kein richtiges Leben im Falschen gibt und so versuchte dieses Geschreibsel noch nie politisch korrekt zu sein. Gerade in der Weihnachtszeit ist ein gut gemeinter Gruß zu Weihnachten sehr schnell politisch unkorrekt, schließe ich doch so alle nicht Christen theoretisch aus. Ich mag das amerikanisch politisch korrekte „Seasons Greetings“ oder „Schöne Feiertage“ nicht wirklich, das ist mir ehrlich gesagt dann auch zu sinnentleert.

Nun ist Jesus wahrscheinlich weder am 24. geboren, noch haben bärtige Männer mit roten oder grünen Umhängen wirklich etwas mit der Bibel oder dem christlichen Glauben zu tun, aber das ganze steht natürlich in einer christlichen Tradition. Wie unser Verein nebenbei auch, immerhin sind wir nach einem katholischen Heiligen benannt.

Dies soll mir aber alles egal sein, denn ich will nicht diskutieren, ich will euch liebe Leser ein paar frohe und erholsame Tage wünschen, egal ob ihr sie mit der Familie unterm Baum und beim Gottesdienst verbringt oder ob ihr um die Häuser zieht und euer Gott ein DJ ist. Schaltet einfach mal den Computer aus, lasst euch den Wind um die Nase wehen, entspannt und dann mit frischer Kraft ran an 2012.

Für 2012 (nebenbei schon wieder christliche Tradition) wünsche ich uns allen mehr Besonnenheit, weniger Streit, eine neue tolle Gegengerade, einen Aufstieg und eine 35 Punkte Hinrunde in der Bundesliga 2012/2013. Nur damit auch der letzte weiß, dass wir Bundesliga können. Und ganz uneigennützig wünsche ich mir einen Marathon unter 5 Stunden. Wie es auch kommt, ihr lest es hier.

Ich weiß, dass sind alles fromme Wünsche. Auch weil St. Pauli nie ruhig ist.

Ich mache nun auch ein bisschen Winterpause, bastel ein bisschen an der Technik rum, so dass der Blog eventuell mal nicht erreichbar ist oder anders aussieht. Auch ein paar Fotoserien wollen nachgeholt werden. Einen Jahresrückblick erspare ich mir. Nur soviel: Die Besucherzahlen dieses Geschreibsels haben sich dieses Jahr gegenüber den Vorjahren knapp verfünffacht, was natürlich auch mit dem wegfallen der Passwortbeschränkung zusammenhängt. Ob und wie ich damit in der Zukunft umgehe, weiß ich noch nicht. Lasst euch überraschen.

Dez 222011
 

Wie wir nun auf der offiziellen Homepage lesen können, hat sich der Werfer gestellt. Ich lese diesen Satz: „Wir werden nach Erhalt des Urteils durch den DFB unter Berücksichtigung der Umstände des Geschehens ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen notwendiger Sanktionierung und unserer sozialen Verantwortung finden.“ erstmal mit Wohlwollen. Hier muss der Verein wirklich seiner sozialen Verantwortung gerecht werden und zu einer ausgewogenen Bestrafung finden. Ich verweise für Vorschläge auf meinen letzten Artikel.

Nebenbei wäre dies auch alles eine Aufgabe des DFB, der sich unter dem Gesichtspunkt der Weiterreichungsrechtsprechung endlich mal besinnen müsste und nicht sinnlos irgendwelche Platzsperren aussprechen sollte. Aber dies wird wohl in einem Klima der Übertreibung ein frommer Wunsch bleiben.

Weiterhin bleibt zu hoffen, dass nun nicht die Suche der Medien nach Namen und Lebensumständen beginnt. Ich weiß, dass diese Hoffnung wohl enttäuscht wird und wir wahrscheinlich spätestens Morgen Facebookfotos, einen notdürftig gekürzten Namen und Fotos von Wohnung und Schule in irgendeiner Zeitung sehen werden. Es würde dem Verein dann sehr gut zu Gesicht stehen, dieser Zeitung deutlich zu machen, dass man auf ihre Berichte ab jetzt dankend verzichtet.

Dem Werfer kann man in diesem Klima und mit der juristischen Gefahr nur menschliche Größe attestieren und man kann nur sagen: Er hat nach der Tat alles richtig gemacht. Ich denke dieser Fehler wird ihm eine Lebenslehre sein. Daher würde ich mich freuen ihn nach seiner Strafe wieder am Millerntor begrüßen zu können, als vollwertiges Mitglied unserer Gemeinschaft.

Und vielleicht können nun alle zur Besinnung kommen, wie schon die Betreiber des Forums in ihrem Abschaltungstext zu Recht fordern. Dieser ist nur aufgrund seiner Vergänglichkeit hier nicht verlinkt.

Dez 212011
 

oder

Klamottenwechseln ist ein Verbrechen

Vorwort

Es ist alles gesagt, nur nicht von mir. Das kann man wohl so sagen, aber „Von Morgen bis Abend hat sich das total durch Berichterstattung und Hexenjagd total verschoben“ (Zitat von einer Userin auf der Übersteigerfacebookseite). Daher noch ein paar Worte in viele Richtungen. Was mich dabei richtig ärgert: Durch diese Mischung von Hexenjagd, kreuzigt ihn und Blödsinn des Vereines kommen wir mal wieder ab vom eigentlichen Thema, nämlich von der Frage, wie wir Würfe, treffende Würfe und Geldstrafen sinnvoll verhindern können.

Lieber Verein…

„Auf St. Pauli regeln wir das unter uns.“ Für eine Werbekampagne ein toller Spruch, nech? Aber wenn man mal etwas wirklich „unter uns“ sinnvoll regeln könnte, dann macht ihr euch zum Hilfsheriff der Polizei. Und die gehört auf St. Pauli nun mal nicht zu „uns“. (Eine philosophische Diskussion ob die Davidwache und ihre Beamte nicht irgendwie doch zu dem Kiez gehören, erspare ich mir hier jetzt mal.) Denn alle Formulierungen in eurer misslungenen Pressemitteilung von gestern, lesen sich wie die eines Hilfssheriff. Immerhin habt ihr darauf verzichtet, noch Zeugen aufzurufen sich bei der Polizei zu melden. Das wäre dann noch der Sahnetopf gewesen.

Oh ja, ich würde es auch sehr begrüßen, wenn der Täter sich bei EUCH meldet. Ich würde das menschlich groß finden. Juristisch würde ich ihm dazu nicht raten. Warum? Das merkt lest ihr jetzt. Denn ganz ehrlich: Wo ist eure Gegenleistung? Wie stellt er sich besser, wenn er sich stellt? In eurer Pressemitteilung steht was von „Eine Selbstanzeige könnte zur Strafmilderung führen.“ Also für einen Strafprozess ist das so einfach nicht richtig, denn da ist ein Geständnis, egal zu welchem Zeitpunkt es abgegeben wird, strafmildernd zu werten. Daher: In welchem Verfahren? Eures beim DFB? Darf ich das bezweifeln? Der DFB in seiner Strafrechtsprechung stellt auf das Verhalten der Vereine ab, nicht auf das Verhalten der einzelnen Täter. Das ist aus seiner Sicht nebenbei nur folgerichtig. Und nur deswegen müssen wir alle jetzt mit einem Geisterspiel rechnen. Das die Strafordnung des DFB mit ihren nicht vorhersehbaren Strafen ansonsten alle rechtsstaatlichen Maßstäbe außer Acht lässt, lasse ich jetzt hier mal unbehandelt. Liebe Leser, ihr könnt ja mal versuchen rauszufinden, welches Strafmaß für eine Bengalowurfshow a la Rostock in Frankfurt droht und welche für eine einzelne Kassenrolle gegen Frankfurt. In der Strafordnung werdet ihr dazu nix finden, da werdet ihr nur zweimal den gleichen Strafrahmen euch zusammen basteln können. Das wäre so, als ob unser Strafgesetzbuch die einzelnen Strafen definieren würde und dann einen § 3XXa hätte in dem steht: „Für alle in diesem Gesetzbuch definierten Straftatbestände kann der Täter mit einer Geldstrafe bis zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe bestraft werden.“ Das eine solche Gesetzgebungstechnik verfassungsrechtlich nicht haltbar wäre, leuchtet wohl jedem ein. Und alleine deswegen muss man „er weiß ja was ihn erwartet“ wieder streichen. Und da habe ich noch gar nicht mich über Vorsatz, Fahrlässigkeit und billigend in Kauf nehmen ausgelassen. Könnte ich auch noch, aber dann fallt ihr alle tot um.

Nebenbei lieber Verein: Das Geisterspiel, was nun folgt ist die Steilvorlage für den Gang vor ein ordentliches Gericht und ein endliches Kippen dieser blödsinnigen Strafordnung. Und wenn ihr dazu nicht die Eier habt (warum hat sie nebenbei die Spielvereinigung Bayern Hof?), dann fangt wenigstens mal an auf dem Bundesparteitag (oder wie der heißt) per Antrag eine Strafordnung einzuklagen, die rechtsstaatlichen Grundsätzen stand hält. Ich würde es begrüßen.

Oder wo wollt ihr mildern? Ein halbes Jahr statt zwei Jahre Stadionverbot? Löblich, finde ich in Ordnung. Nur seien wir ehrlich: Was sind drei Jahre Stadionverbot gegen 500.000 Euro aus dem Geisterspiel? Was wäre lebenslanges Stadionverbot dagegen? Findet ihr es angemessen für eine Dummheit ein Leben zu ruinieren? Auf diese Frage bekommen wir ja seit dem Schalke Spiel keine Antwort. Wie wäre es mit folgendem Satz in der Pressemitteilung: „Der FC St. Pauli sichert bei einem Geständnis zu, gegen den Täter nicht zivilrechtlich vorzugehen, sondern es bei einer seinen persönlichen Verhältnissen angemessenen Strafe zu belassen.“ Jaja, ich weiß was jetzt kommt „der weiß doch vorher, was ihn erwartet“ Ja und? Nur deswegen ist jede Strafe angemessen? Deswegen darf man für einen Becherwurf ein Leben zerstören? Das ist ein Rechtsverständnis, was mir einfach nicht in den Kopf gehen will. Dann sind auch Peitschenhiebe für Autofahren in Ordnung, weil man (äh frau) es vorher weiß? Ich hasse diese Gesetzeshörigkeit und dieses „Das ist aber verboten…“ Was ist das denn für eine Geisteshaltung? Den Gesetzgeber kritisch zu hinterfragen MUSS die Aufgabe eines jeden Bürgers sein, sonst funktioniert schon alleine Demokratie nicht. Das wäre groß lieber Verein und dann können wir das sinnvoll regeln und dann kann man den Täter nur ermutigen sich zu stellen. Und wir könnten uns mit der Frage beschäftigen, wie wir Würfe absolut verhindern. Bevor sie geschehen. Aber die Eier habt ihr anscheinend nicht.

Lieber Verein, zeige dich „non established“ und zwar jetzt. Und nicht irgendwann im Nachgang.

Also lieber Verein, was tut ihr? Würdet ihr einen geständigen Täter der Strafe des Medienprangers aussetzen? Oder würdet ihr der Bild und MoPo mal erklären, dass Besuche zu Hause und auf Arbeitsstelle unerwünscht sind und man Akkreditierungen auch diesen Medien mal dauerhaft entziehen kann? Habt ihr die Eier? Würdet ihr eurem Sportchef erklären, dass nicht jeder, der Scheiße gebaut hat ein „Irrer“ ist? Würdet ihr ihm sowieso mal erklären, dass er zu Fanverhalten sein Maul zu halten hat? Wie würde er bitte steil gehen, wenn Sven Brux (sorry Sven, aber mir fiel gerade niemand besseres ein) sich zu Transferpraktiken in den Zeitungen äußern würde? Ja, seid ihr da mal unbequem? Mal „non established“? Oder ist das genauso wie das „unter uns“ regeln nur eine Werbefarce?

Oh nein, lieber Verein, ich will auch, dass der Täter BESTRAFT wird. Aber ANGEMESSEN. Ich zitiere jetzt mal den Übersteiger: „Zweimal die Gegengerade mit der Zahnbürste schubben und Sven ein Jahr lang den Köder bezahlen und gut is’.“ (Das „r“ fehlt auch im Original und ich wollte den Tippfehler nicht korrigieren.) Ich pack jetzt selbst noch einen drauf: Ich finde selbst einen riesigen Blumenstrauß für Schwegler und ein Stadionverbot für eine halbe Saison zusätzlich und das putzen der Gegengerade UND Südkurve inklusive Toiletten (und das ist eine Strafe) absolut für angemessen. Und selbst ein eventuelles Strafverfahren ist für mich okay (fahrlässige Körperverletzung? Da kommt nix bei rum). Nur Lebenszerstörung durch Weiterreichung von Strafen und durch Hexenjagd des Boulevards, halte ich nicht für angemessen. Und da lieber FC, da müsst ihr von euch aus mal aktiv werden. Ja, das ist Täterschutz. Das es einen solchen gibt unterscheidet eine humane Gesellschaft von einem Willkürstaat, falls das jemand noch nicht begriffen hat. Mich kotzt sowieso an, dass in Deutschland immer mehr eine Diktatur der Anständigen kommt, die alles Randständige, alles nicht Normkonforme absolut diskrediert und für immer ausschließen will. Das fängt mit „sogenannten Fans“ an und hört irgendwo auf, was ich mir jetzt

Noch ein Wort zu dem Klamottenwechselabsatz: Wie kann man so etwas von der Polizei übernehmen? Oder woher habt ihr so etwas? Wie wollt IHR denn die Danebenstehenden bestrafen? Jetzt mal angenommen, das war volle Absicht? Das dies die Polizei in ihrer Denke als Verfolgungsbehörde annimmt, ist klar. (Hmm, irgendwo ganz woanders habe ich dieses Argument letztens gelesen 😉 (Achtung Insider)). Welche Strafe ist eures Erachtens denn angemessen? Und was bringt euch die Ermittlung dieser „Täter“? Fragen, die es zu beantworten gilt, die ihr beantworten müsst und die uns – leider – von dem eigentlichen Thema ablenken. Erst denken, dann handeln gilt eben nicht nur für Fans, sondern auch für Verein(soffizielle).

Und jetzt ändere ich den Adressaten:

Lieber Du…

… du meinst, dass der Täter sich stellen soll? Du findest es ungeheuerlich, dass Leute ihn decken? Dies vielleicht auch noch absichtlich? Nun frage ich dich, wie würdest du reagieren, wenn der Täter nicht irgendwer wäre, sondern dein Freund? Ihr geht seit 20 Jahren zusammen zum Fußball, ihr wart zusammen in Rostock, ihr habt Dresden erlebt und (zarte Übertreibung) überlebt?. Und nun baut er Scheiße. So richtig. Du weißt, dass es Scheiße ist. Sofort als die Kassenrolle die Hand verlässt, weißt du, dass dein Freund gerade im Inbegriff ist, den größten Bockmist seines Lebens zu machen. Und nun frage ich dich: Wie reagierst du? Gehst du zu den Ordnern und brüllst „ich kenn ihn, sie war, sie war *räusperundstimmeverstell* er wars, er wars…“? Würdest du ihm nach dem oben gesagten raten sich im Stadion zu stellen? Oder würdest du genauso reagieren, wie in meinem Beispiel (was jetzt nicht zwingend der tatsächliche Hergang ist) die Umstehenden? So und nun könnt ihr ganzen Moralapostel über die Umstehenden urteilen. Nein, es geht hier nicht um eine Strafbarkeit, sondern um die moralische Wertung. Und wenn ich dann lese, dass einige auch für diese am besten lebenslanges Stadionverbot fordern, dann frage ich mich bei einigen, was sie für Freunde haben.

ach ja Lebenslang

Mal ganz davon ab, dass eine lebenslange Strafe in Deutschland (nebenbei zu Recht) verfassungsrechtlich ausgeschlossen ist: Wenn so jemand lebenslanges Stadionverbot bekommen soll, was soll dann der Clipschütze von Rostock, der Platzstürmer von Nürnberg oder der Hooligan von Dresden bekommen? Was ist dann noch angemessen? Öffentliche Erschießung? Ausstellung im Mittelkreis? Vorschläge werden angenommen.

Und was kostet eigentlich Gehirn einschalten?

Ich wollte ja eigentlich noch ein worst off der dümmsten Beiträge in Foren und sozialen Netzwerken veröffentlichen, aber dazu habe ich leider nicht die Zeit. Da wird Absicht unterstellt und sich als Ermittler versucht, da wird viel mehr gefordert, als oben schon erwähnt. Es ist zum kotzen, dass AUCH bei St. Pauli Law and Order und populistisches Gepöbel anscheinend die Mehrheit hat. Soviel zum aufklärerischen, linken und anderen Verein.

Dez 212011
 

Die sogenannten sozialen Netzwerke sind ein Übel unserer Zeit und ich werde mit ihnen nicht warm. Trotzdem hat dieser Blog mal getwittert (und es wieder aufgegeben) und hat eine Facebookfanseite. Das meiste was dort passiert hat noch weniger Relevanz als dieser Blog an sich. Aber ab und zu laufen Menschen da draußen zu Hochform auf und hauen einen raus. Und den von heute morgen möchte ich den Nicht-Facebooklesern (also der SPM  ;-)) nicht vorenthalten, sondern als fröhlichen Start in den Morgen auch hier verbreiten:

 

Dez 202011
 

oder

Alle werfen, wir treffen

Vorwort

Liebe Leser, man könnte es sich jetzt einfach machen. Man könnte jetzt hohe Strafen für den Werfer fordern, man könnte die Ultras verdammen, man könnte ein Aufbrummen der Strafe verlangen und man würde sehr viel Beifall bekommen. Aber ihr kennt mich. Das bin nicht ich. Und um es vorweg zu sagen: Die Kassenrollenwurfarie (und ich gehe jetzt mal davon aus, dass es so eine war) war ein accident to happen und es ist mehr als dämlich, was da passiert ist. Insbesondere wenn der Strafraum voller Spieler ist, dann halte ich mich zurück. Auch wenn ich zugunsten des Täters mal davon ausgehe, dass es eher eine abgerollte Rolle werden sollte, als ein gezielter Wurf aus Ärger. Alleine schon, weil sie den hohen Bogen beschrieb, der bei einem Abrollen sie ins Fangnetz hätte fallen lassen. Wäre dies der erste Vorfall, würden wir jetzt auch nur über einen dummen Unfall reden, aber angesichts einer Historie von vier Vorfällen innerhalb von etwas über einem Jahr (man erinnere auch mal den Schneeball gegenüber Tiffert) müssen wir hier von einem riesen Problem sprechen. Und wir müssen auch (und das ist kein relativierendes „aber“) über die Reaktion der Süd und der Gegengerade sprechen. Ja, müssen wir. Ja, ich pauschalisiere jetzt hier. Auseinander genommen wird es dann später.

Gegengerade, halt’s Maul

Aber fangen wir doch historisch an. Meine Unmut über Montagsspiele habe ich schon häufig genug in Worte gefasst. Ich kann ab spätestens 13 Uhr nicht mehr arbeiten und an Schlaf ist nach so einem Spiel nicht zu denken. Was für jemanden, der um 5 Uhr aufsteht um zu arbeiten sehr schnell ein Problem wird.

Also früh ins Viertel und bei dem Vegetarier unseres Vertrauens essen gegangen. Das ganze ist von Aberglauben und immer den gleichen Bestellungen geprägt. Aber der DKE meinte, dass dadurch, dass Frau DKE dabei sei eigentlich nix schief gehen könne, denn immer wenn sie außerhalb der Bundesliga an einem Wochentag bei uns mit war, dann hätten wir in der Nachspielzeit gewonnen. Wir hielten uns also an unsere Essensregeln, als der Dortmunder Mafiosi mit britischem Hintergrund unsere Runde verstärkte und erwähnte, dass er von einer Niederlage ausginge und er bewusst seinen Aberglauben gebrochen habe, um ihn nicht zu entwerten. Wir wissen: Unser Aberglaube ist stärker.

Leider konnte unser Nachtschattengewächs gesundheitlich nicht zum Spiel, so dass ich noch kurz bei ihr die Karte abholte und ihr mein letztes Geld gab. Gute Besserung in diese Richtung. Nun aber zum Fanladen.

Heimat, Zentrale und Ausgangspunkt. Das ist der Fanladen. Und so traf man viele bekannte Gesichter und nach langer Zeit auch mal wieder die Mafia in größerer Mann und Frau Stärke. Mir fehlen die Busse. Ich kann jeden Grund verstehen, dass sie es nicht mehr machen, aber mir fehlen sie. Als Anlaufpunkt, als Konstante, als freudige Ansicht. Umso schöner, dass der Haufen zum Hallenturnier länger in der Stadt weilt. Und als E. dann meinte, dass es doch sowieso leere Versprechungen seien, wenn ich behaupte, dass ich mit ihr einen trinken gehen würde, sagte ich im Brausebrand das Abtanzen auf einer Elektroparty zu. Oh ha. Mal sehen, was mich erwartet. Dabei wollte ich doch immer erst geweckt werden, wenn die linksradikale Jugend wieder vernünftige Musik hört. Mal sehen, was das wird. Ihr Alternativangebot Discofox mit ihr zu tanzen, habe ich aber mit Rücksicht auf ihre Füße abgelehnt. Ich hüpfe ja nicht mal im Stadion, weil dann mehrere Beine neben mir gebrochen wären.

Am Container war das übliche „es gibt kein Alkohol im Stadion“ Chaos. Es gab Glühwein und der war so heftig, dass selbst die Luft im Container betrunken machte. Aber so soll es sein. Kartengeschäfte habe ich schnell geregelt, den Til auf Linie gebracht und dann noch den schönen Mann mit der hässlichen Mütze abgefeiert. Nun aber ins Stadion. Der DKE hatte mir dankenswerterweise einen Platz freigehalten und so konnten wir abwarten, was da so kommt.

Frankfurt hatte schon im Viertel fröhlich mit Feuerwerk hantiert und eigentlich hatte ich erwartet, dass die den Block komplett stürmen um alles mit reinzubekommen. Aber nein, sie schmuggelten nur die Plakate und reichlich Pyro. Was ist los Frankfurt? Mensch, wie lahm seid ihr geworden? Ich kenn euch mit Feuer, mit 90 Minuten Volldampf und gestern? Was war los? Zuviel gekifft? Weihnachtliche Ruhe? Kein Bock mehr? In die Jahre gekommen? Gleich zu Beginn ein „Scheiß St. Pauli“, man wo ist eure Kreativität geblieben? Zu Hause gelassen? In den 90 Minuten kam extrem wenig bei uns an. Mensch, da ist ja Paderborn bei so einem Spielverlauf lauter. Das war gar nix. Stilstand? Traurig. Gerade wenn man weiß, was für ein Höllenfeuer ihr verbal entfachen könnt. Selbst die Bengalonummer kam nicht zum perfekten Zeitpunkt und sah eher nach ein bisschen Trotz aus, als wirklich gut. Im Spiel dann nur mit „Hurensöhne“ bei den Wechselgesängen zu hören und da selbst leiser als die Restnord. Frankfurt, das war gar nix. Man, was hat uns die Fortuna da vorgeführt. Wie laut waren bitte dagegen die paar Dresdener. Schade um eine ehemals wirklich coole, laute und feurige Szene. Man, wie klingelte einem früher die Ohren, wenn die da waren.

Ich persönlich stehe nebenbei darauf, wenn ein „Scheiß St. Pauli“ mit dem gleichen beantwortet wird. Es nimmt vollkommen den Wind aus den Segeln. Ich weiß, dass sehen nicht alle so. Aber es war schnell Ruhe.

Die – gegen Frankfurt ja übliche – Haschischchoreo war wirklich cool und so sieht Rauch natürlich auch voll cool aus. Support war für ein alkoholfreies Montagsspiel vollkommen im Rahmen bis zu dem Moment, in dem ein Gegenstand einschlug. Ich mag nicht spekulieren, was es nun war. Von meiner Position, von der Art des Wurfes (und ich habe genau da hingeguckt) und von dem, was danach in Fernsehbildern gezeigt wurde, gehe ich mal davon aus, dass es einen nicht abgerollte Kassenrolle war.

Dazu folgende Anmerkungen:

1. Ich verfolge die Liebe zu Kassenrollen von einigen Personen in der Süd schon seit langem mit einem flauen Gefühl im Magen. Denn genau dieses nicht abrollen ist eine latente Gefahr bei den Teilen. Sie sehen absolut cool aus, werden aber eben doch zu einem sehr harten Wurfgeschoss, wenn das abrollen nicht funktioniert. Bisher wurden die aber immer zur 2. HZ geworfen, wenn die Mannschaften noch am Gruppieren sind und dann ist die Gefahr jemanden zu treffen wenigstens noch überschaubar. In einer Situation, in welcher gut 20 Leute im Strafraum versammelt sind, ist dies natürlich nicht der Fall. Und selbst wenn man mal im besten Fall und nach dem Grundsatz „In dubio pro reo“ davon ausgeht, dass es sich alleine um ein choreografisches Element handelt, war es einfach extrem dumm vom Zeitpunkt. Hinzu kommt die im Vorwort erwähnte Vorgeschichte, die JEDEN Wurf in Richtung Spielfeld eigentlich ausschließt.

2. Ich halte nix davon in solchen Momenten dem getroffenen Spieler ein „Schauspielen“ oder so vorzuwerfen. Wenn man von seiner blinden Seite am Kopf getroffen wird, dann klingelt es erstmal, selbst wenn der Gegenstand eher weich ist. Man bekommt nämlich schon einen ordentlichen Schreck. Und nach dem Spiel hat er sich ja oberfair im Fernsehen geäußert. Der kann sich auch mit einer Trage vom Platz tragen lassen und sich erstmal ins Krankenhaus einweisen lassen, dann pfeift der Schiri nicht mehr an und wir haben das Ding verloren.

3. Genauso halte ich nix davon, solche Spieler anzupöbeln. Ich gehe aber hier mal davon aus, dass die Leute es nicht gesehen haben und dachten, der schauspielert nach einer Rangelei. Falls sie es doch gesehen haben, dann ist die Reaktion „Pöbeln“ sehr peinlich. Und da wird ein Vorsänger natürlich zum Problem. Der reagiert vielleicht auf unsicher Faktenbasis emotional (wie wir alle, wenn wir mal ehrlich sind) und zieht dann ganz viele mit. Passiert, muss man vielleicht mal drüber nachdenken und vielleicht beim nächsten Mal lieber beide Nebenleute fragen, was denn eigentlich wirklich passiert ist.

4. Halte ich aber genauso wenig dann auf der Gegengerade (und das ist nun mal meine Kurve) die Süd auszubuhen, zu bepöbeln und irgendwas von „Scheiß Ultras“ zu schreien. Das kam auf meiner Höhe der Gegengerade flächendeckend und so etwas finde ich einfach nur Scheiße. Gerade weil man schon bei den Punkten 1 bis 3 ein bisschen nachdenken kann, bei diesem Punkt dazu noch mehr Zeit hat und das bei sich selber mal einfordern MUSS. Mal ganz davon ab, dass in der Süd nicht alles Ultras sind, der Wurf nun garantiert nicht ein Gruppending war und man auch verfickt noch mal insbesondere im eigenen Verein differenzieren sollte. Das ich gestern Abend in meiner Wut ebenso die Gegengerade pauschalisiert habe, ist jedem wohl klar. Noch mehr nervt mich, dass die Gegengerade nach diesem Vorfall mal wieder jeglichen Support einstellt. Außer bei Nazis gilt für mich immer noch folgendes: Suppport gemeinsam und nicht gegeneinander. Probleme untereinander kann man immer noch nach dem Spiel wälzen. Aber ein austragen durch gegenseitigen Boykott auf den Rängen schadet im Notfall nur der Mannschaft.

5. War es natürlich sehr deppig dann auch noch das „We love St. Pauli…“ anzustimmen. Nebenbei Vorschlag zur Güte: Vielleicht sollten wir das ja sowieso etwas zweifelhafte „Volkspark Bastards“ doch durch das selbstironische (äh eher Wahrheit gestehende) „Drink a lot of Astras“ kollektiv ersetzen. Denn das „beat the fuckin XYZ“ finde ich nun nicht wirklich schlimm, dafür ist verfickt noch mal zu viel verfickt in der verfickten englischen Gossensprache.

Ha, das ist ein guter Fanblog. Wir sind auf Seite 3 und wir haben noch nicht ein Wort über Fußball verloren. So muss es sein. Jemand sagte vor dem Spiel, dass er uns diese Saison noch nicht überzeugend hat spielen sehen. Nun kann er sich nur auf Heimspiele beziehen, denn selbst für jemand extrem kritischen waren die Auftritte in Berlin und Cottbus überzeugend. Für Heimspiele muss er die Meinung nach dem gestrigen Abend nicht ändern, aber ganz ehrlich: Mir doch wumpe. Es gibt für unverdiente Punkte und Tore kein Abzug. Sie zählen nicht weniger und Frankfurt hat es nicht geschafft den Ball im Tor unter zu bringen. Und nur dies zählt im Fußball. Ein brillanter Tschauner und eine ähm ja, ab und zumal dazwischen stehende Abwehr und viel Glück verhinderten einen Torerfolg. Und wenn wir in 19 Spielen bis zur Winterpause 39 Punkte holen, ohne einmal zu überzeugen, dann ist da doch noch Luft nach oben.

Und erneut: Ich will aufsteigen. Wir müssen in diesem Verein endlich mal die Angst vor Liga 1 ablegen. Wir können das. Das können ganz andere Vereine, also können wir das auch. Und ich will mal im Europabogal spielen und das geht bei unserer Pokalstärke nur durch einen Aufstieg. Also Tschaka, ran an Liga 1. Und so ganz heimlich schiele ich ja noch auf die Stadtrelegation.

Armin Veh meinte ja, dass der FC nix besonderes für ihn sei. Nun ja, kann man so sagen. Aber in 3 Spielen 2011 war er mit seiner Truppe nominell 3 mal leichter Favorit. Rausgekommen ist dann doch immerhin ein Punkt. Nix besonderes, muss man sagen.

Zum Abschluss noch Tschauner eine gute Besserung und euch allen ein gutes Fest.

Und dann war da noch…

… Ich. Ich bin nicht mehr bei Fanräume e.V. im Vorstand. 5 Jahre an der Spitze der Bewegung (boa, das ist politisch unkorrekt) reichen auch mal irgendwann und ich gebe das Projekt in gute Hände. In 5 so intensiven Jahren bleiben Freude und Ärger nicht aus und so ist natürlich vieles auch schief gelaufen und man hat neue Freunde gewonnen und Alte verloren. Insgesamt hat es Spaß gemacht und ich wünsche den Aktivisten alles Gute. Stefan hatte letztens eine der ersten Mails von Fanräume e.V. rausgekramt, wo ich sagte, dass ich den Vorstand im Notfall und wenn dann auch nur für kurz machen würde. Es sind dann doch 4 Jahre geworden. Was bleibt neben einem richtig coolen Raum sind Menschen wie Jens und Monika, die viel mehr sind als Aktivisten in der gleichen Sache. Macht es gut.

… die Medienstelle, die mich gestern mit einem Trikot mit meiner Namensbeflockung überraschte. Ein wirklich tolles Weihnachtsgeschenk. Nur wer kommt bitte auf die Idee mir Antifußballer unter den Namen eine 10 auf das Trikot zu drucken? 😉

Aachen und seine Folgen (toller Text aus Bremen). Das Freiburg bescheuert ist, kann man nicht nur an diesem Artikel (Achtung bei den Kommentaren akute Kotzgefahr) sehen, sondern auch daran, dass man sich nicht gegen Nazis äußern darf. Und still und heimlich machen sich die Faschos wieder in der Kurve breit und weil sie „hier ja nix machen“ können sie Leute anwerben, ihre Propaganda verbreiten und sich wie die Made im Speck tummeln. Und die Vereine entpolitisieren fröhlich die Konflikte. Da kann man nur kotzen. Das ist reine Politik und zwar die gewaltsame Durchsetzung von rechtsradikaler Politik. Man komme mir nicht mit „Fußball ist Fußball und Politik ist Politik“. Das ist nichts anderes als das dulden von Nazis. Dafür hat St. Pauli in den 80er und 90er Jahren nicht gekämpft. Der DFB, die DFL und die einzelnen Vereine müssen nun zeigen, ob es einfach nur Lippenbekenntnisse sind oder ob endlich konsequent gegen den Nazi in der Kurve vorgegangen wird. Kopf hoch ihr denkenden Ultras der Marke Aachen, Dresden, Münster und Braunschweig. Euer Tag wird kommen.

….Das Chemnitz ein derbes Fascholoch ist, sollte bekannt sein. Unbekannt ist den meisten aber vielleicht, dass man als Verein sich auch deutlichst hinter seine Fans stellen kann und dem DFB mal ein Lied singen kann. Insbesondere die Ansage Stadionverbote nicht umzusetzen ist wirklich mal groß. Klasse Burghausen.

….Und falls ihr noch nicht genug zum lesen habt oder langeweile über die Feiertage habt, dann guckt doch mal hier. Die nicht wöchentlich erscheinenden Links der Woche sind immer eine Erwähnung wert.

Dez 182011
 

oder

Der St. Pauli X-Mess Lauf Nr. 1

Vorwort

Liebe Leser, in letzter Zeit hat die Laufseite dieses Blogs so ein bisschen gelitten. Dies liegt auch daran, dass nach dem zweitem Marathon natürlich erstmal eine Wettkampfpause liegt und ich zur Zeit in einer intensiven Trainings- und Planungsphase bin. Der Winterfahrplan sieht ganz viele langsam und lange Läufe vor, da ich ins Frühjahr mit einer anderen Grundausdauer starten möchte. In so einen Plan passen nur bedingt Wettkämpfe. Die Bramfelder Winterlaufserie rechne ich nicht wirklich als Wettkampf, das ist eher ein gemütlicher Lauf mit Unterhaltung. Der nächste etwas schnellere Wettkampf soll der Lümmellauf in Hagen (Ahrensburg) werden, wobei man bei dieser ja nicht wirklich einfachen Strecke abwarten muss, wie das wird.

Diesmal aber bekommt ihr Insiderwissen, wie man eine Laufveranstaltung in Hamburg plant.

Kreatives Chaos

Man könnte diese Frage eigentlich sehr einfach beantworten: Man treffe sich mit Karsten Schölermann von BMS – Die Laufgesellschaft, stelle ihm ein Konzept und ein paar Helfer zur Seite und dann läuft das. So einfach ist es natürlich nicht, aber so begann eigentlich alles an einem Abend im Knust, wo die Triathlonabteilungsleitung in Person von Mättz, meine Wenigkeit, Honigfabrik-Heiko und Karsten sich trafen und einen St. Pauli Lauf begannen zu planen. Ich gestehe, dass diese Idee auf meinem Mist gewachsen ist. Es wurmte mich seitdem ich laufe, dass unsere Freunde aus dem Volkspark (man nennt sie auch bald die unentschiedenen Absteiger) zwar sportlicher Träger eines Volkslaufes sind, mein Sportverein aber nicht. Das musste sich ändern und zum Glück war Mättz von den Trias der gleichen Meinung. Bis wir das dann aber umsetzen konnten, floss noch ordentlich Wasser die Elbe herunter. Aber nun ging es los.

Die Grundüberlegung war es, einen Lauf im Sommer zu machen. Aber wir hatten nicht mit der Ein-Mann Lawine Karsten geplant, der wenn man ihn einmal losgetreten hat nicht mehr zu stoppen ist. Und der uns schnell von einem Weihnachtslauf überzeugte. Okay, Verkleidungszwang musste man ihm ausreden und so ein zwei Dinge, die jemand vielleicht mit „Kult“ verbindet mussten auch kurz aus dem Weg geräumt werden, aber ansonsten gab es schnell ein stimmiges Konzept mit einer hübschen Laufstrecke. Die eigentlich nur einen klitzekleinen Fehler hatte: Sie ging davon aus, dass die Brücke über die Glacischaussee noch existiert. Die existiert aber schon eine ganze Zeit nicht mehr, was uns dann auch mal irgendwann auffiel. Wir sind halt alle ziemlich nostalgisch. So brauchte man eine Straßensperrungsgenehmigung neben der sowieso notwendigen Parkbenutzungsgenehmigung und eigentlich auch noch eine Dom Nutzungsgenehmigung. Während die beiden erst genannten sehr einfach zu bekommen waren, wenn man weiß, wie man wo fragt (und das weiß Karsten), war auf dem Heiligengeistfeld noch „Abbauzeit“, so dass die Strecke außen rum führen musste. Ja ne, geht klar. Immerhin war die Genehmigung des FC für einen Durchlauf des Stadions super einfach und schnell zu bekommen, das war wirklich klasse. Okay, die Idee von Karsten, doch über den Mittelkreis zu laufen, dafür hätte man doch einen Sommerlauf haben müssen. Aber am Rande der Veranstaltung hat Karsten versucht Sven vom Gegenteil für nächstes Jahr zu überzeugen. 😉

Kreatives Chaos heißt auch, dass man mit seinem Lauf an die Öffentlichkeit geht und schon einmal die Anmeldung frei schaltet, wenn man noch keine der genannten Genehmigungen wirklich in trockenen Tüchern hat. So hatte man wenigstens einen Spannungseffekt.

Wir hatten so irgendwie auf 500 Anmeldungen gehofft, dass es am Ende locker 700 werden, dass hatten wir alle nicht gedacht. So war der beinah tägliche Blick auf die Anmeldungszahlen natürlich unser größtes Hobby in den darauffolgenden Wochen bis zur Veranstaltung.

Der Rest der Organisation ist schnell erledigt und so traf man sich am Tag des Laufes um 8 Uhr zum Aufbauen. Und das Wetter hatte beschlossen uns klar zu machen, dass wir Winter bzw. Dezember haben, denn uns erwartete Dunkelheit und ein richtig leckerer Schneeregen. Da bringt das hin und her schleppen von Sachen und auch das Aufstellen von Bierzeltgarnituren richtig viel Spaß. Und natürlich machte man sich so ein bisschen Sorgen, wie viele der Starter wirklich kommen würden.

Ich beschreibe es jetzt mal ohne es zu bewerten: Bäderland hat uns zugunsten von einer Nennung die Umkleiden und deren Klos zur Verfügung gestellt. Das Clubheim blieb geschlossen.

Alles kam erst nach dem Regenguss und so bildeten sich lange Schlangen an Nummernausgabe und Gepäckabgabe, aber mit Hilfe von Uwe (das Gepäcktier) wurde das auch alles gelöst. Normalerweise entzerrt sich das bei Laufveranstaltungen doch etwas mehr, aber aufgrund des „dahinten wird’s heller“ haben viele halt noch ein paar Minuten im Auto gewartet. Aber wie schon gesagt: Gute Helfer und alles wurde ganz schnell und nur mit 11 Minuten Startverzögerung gelöst.

Was macht man nun als Marathoni mit so einer Strecke? So etwas kurzes kann man wenn überhaupt als Tempolauf nutzen. Wenn man dann aber am gleichen Wochenende einen langen Lauf machen will, dann steht sich das irgendwie im Wege. Also habe ich auf den Tempolauf verzichtet und lieber am Samstag 20 Km gemacht. Ich habe mich dann den Organisatoren als Schlussläufer zur Verfügung gestellt und wollte gemütlich in einer Stunde hinter dem Feld hinter her gehen. Lena stellte sich zur Begleitung zur Verfügung und ich rechnete mir so eine 11:20 pro Kilometer aus, so dass wir im Notfall nach hinten noch ein bisschen Platz gehabt hätten. Klar, das kann ich sehr viel schneller, aber irgendwer muss ja der Letzte sein und so wissen die Ordner wenigstens Bescheid. Die Sprüche (siehe Überschrift) gab es natürlich umsonst dazu.

Es war kein Kostümezwang, aber schon die Bitte im Kostüm zu laufen und so fanden sich sehr viele Weihnachtsmänner und auch andere Verkleidungen im Feld. Sehr groß von der U 18, dass sie wirklich mit vier Mitgliedern auflief um die Jury zu bilden. Und die vier jungen Damen haben ihren Job wirklich ernst genommen, waren eine Stunde vor dem Start da und haben sich die Kostüme sehr genau angesehen.

Nun ging die äh ja, wilde Hatz aber los. 567 Leute sollten am Ende ins Ziel kommen, so dass die ersten Kurven ein bisschen eng waren, auch weil wir einmal über die Stromkabel mussten, aber es gab keinen Unfall und alle Leute kamen gut um die Strecke. Diese startete auf dem Südkurvenvorplatz, knickte dann in Richtung Gegengerade ab, dann unter der Gegengerade durch und außen wieder zurück. Dann rum um das Heiligengeistfeld und außen um die U-Bahn St. Pauli. Dann rüber nach Planten un Blomen und zweimal rund um die Eisbahn. Danach wieder genauso zurück.

Wir begannen mit einer entspannten 10 Minuten Pace, aber da alles losdüste und niemand zurück blieb, konnten auch wir langsam unser Tempo steigern und über 9 Minuten pro Kilometer arbeiteten wir uns an ultraschallschnelle 8:10 Minuten pro Kilometer vor. Wir haben niemanden überholt, aber lustigerweise ist auf den offiziellen Ergebnislisten jemand hinter uns ins Ziel gekommen. Wo auch immer der sich versteckt hatte. Wir also ins Ziel gestürmt, unsere Medaille in Empfang genommen und uns über eine gelungene Veranstaltung gefreut. Die Kostüme wurden prämiert, wobei die laufende Tanne wirklich zu Recht als bestes Kostüm gewählt wurde. Wobei auch der Grinch und der prähistorische Weihnachtsmann oder viele selbstgebastelte Engel wirklich super waren.

Nach Ehrungen und noch ein bisschen Verkauf musste wieder abgebaut werden und natürlich begann es wieder zu regnen, das Wetter wollte uns noch ein bisschen ärgern. Aber es ging alles sehr schnell und viele Leute überboten sich in Mithelfeifer. Danke Hans-Peter. 🙂

Und am Schluss noch eine schöne Anekdote: Die Startnummern waren alphabetisch geordnet und so bekam ein jetzt namentlich nich genanntes Mitglied der Basis die 88. Das führte zu einer riesigen Menge von dummen Sprüchen so inklusive „Mist, warum haben wir jetzt nicht alles von Thor Steinar zum verkleiden“? Oder Moritz, der als Autonomer lief (Zitat: „Weihnachtsmann kann ja jeder“) schlug vor, dass unser Startnummernnazi vor ihm laufen sollte und er direkt dahinter. Okay, ein kleines Verbotsschild um die 88 löste das Problemchen ganz einfach.

Dez 122011
 

oder

Sinnkrise…

Vorwort

Liebe Leser, die politisch motivierte Sprachgewalt schalt aus den Lautsprechern und man muss sich fragen, ob Bayern gegen Linksextremismus (Vorsicht, das ist keine Satire!) nicht irgendwann beginnt, Auftritte des FC in Bayern zu erwähnen. So einen Bericht einzuleiten bedeutet immer folgendes: Er ist auf der Rückfahrt entstanden. Und das diese nicht ganz frei von Rauschmitteln war, kann sich auch jeder Fußballfan vorstellen.

Wir sind vielleicht gewaltbereit, aber diesmal leider nicht kampfbereit.

Wir wussten es doch vorher…

Wobei das mit dem „kampfbereit“ stimmte nur für die Mannschaft, denn unser Lieblingsveteran bot bereits in Altona der Polizei ein Match an und sprang voll in deren Reihen. Aber die Luschen, da konnte er durchlaufen und die haben sich nicht gewehrt, nicht gerade gemacht. Das sind nicht mehr mein BGS oder wie die jetzt heißen.

Also rein in den ICE. Feststellung: Ohne Heike sind wir komplett aufgeschmissen. Niemand weiß die Plätze auf denen wir sitzen dürfen, keiner hat die Abfahrtzeiten spontan bereit. Nur mit gemeinsamen Anstrengungen und unter heldenhafter Aufopferung unserer Neuallesfahrerin konnten Plätze gesichert werden. Irgendwann müssen Fanladenhoschis anfangen zu bloggen oder Bücher zu schreiben, denn die Bahnreservierungsgeschichte ist schon wieder eine aus dem Land Absurdistan, aber die lasst euch am Tresen in der Brigittenstraße 3 erzählen. Bald nur noch bis 19 Uhr von Dienstag bis Freitag.

Was jetzt mal zwischendurch gesagt werden muss: PFFFFT! (Insider)

Im ICE begann dann das beliebte „Haben wir Verspätung und bekommen wir unseren Anschluss?“ Spiel. Motto „Wir können es sowieso nicht ändern…“, denn bei vier Minuten Zeit in Nürnberg (Ankunft 24, Abfahrt 28) hat man nun nicht wirklich Luft. Die Zeit vertrieb man sich mit einem Spaziergang durch die Reisegruppe. Das Niveau war zu Hause geblieben und zusammen mit dem antideutschen Schwein (Achtung, das ist ein Insider) hatten wir viel Spaß im B5. Oder so ähnlich. Simulantengeburtstag war auch noch, so dass auch für ein Frühstück gesorgt war.

Ansonsten wäre hier jetzt der Satz mit dem „ansonsten ereignislos“ gekommen, wenn nicht das Leben wieder die Dialoge geschrieben hätte. Es entwickelte sich über eine Tätowierung folgender Dialog:

„Ja, schöne Tätowierung, da kann man aber noch was rausholen, komm doch mal zu uns ins Studio“ *überreichKarte*

[…] „und was machst du da?“

„Ich bin das Inventar.“

Staunen

Also ich bin für das Inventar zuständig, aber unsere Piercerin will sich nun auf Tätowieren spezialisieren und dann lerne ich Piercen.“

Nun waren wir aber in Nürnberg (pünktlich!) und es erwartete uns ein Zug der Sonderklasse. Offiziell als ICE ausgewiesen, aber irgendwo zwischen real existierendem Sozialismus und Edelholzklasse. Die Bilder geben das nur unvollständig wieder, aber sehr anders, als die sonstigen Züge. 30 Minuten später hatten wir dann Ingolstadt erreicht.

Und nun bewundern sie bitte die Organisation der Stadt Ingolstadt, die es echt fertig bringt für eine Masse Fußballfans immerhin zwei Gelenkbusse für den Transport vom Bahnhof zum Stadion bereit zu stellen. Und das ist ein Stück Wegstrecke. Und man merkt immer, dass Menschen, sofort wenn die soziale Kontrolle auch nur ein klitzekleines bisschen nicht mehr vorhanden ist zu Tieren werden. Es wurde gedrängelt, geschubst und das ganze war absolut nicht schön.

Wir dachten, wir sind klug und nehmen uns ein Taxi, aber Satz mit X, das war wohl nix, denn in Ingolstadt gibt es keine Taxis. Das war echt unglaublich, das habe ich noch nie erlebt. So stand man irgendwie gut 40 Minuten dumm am Hauptbahnhof rum. Dann erwischte man ein Taxi und die Taxifahrerin lud noch irgendwelche finsteren österreichischen Hopper ein. Gut, dass wir nicht gefragt haben, welchem Verein die angehören, bei unserem Glück wäre es sowieso Rapid gewesen.

Karte schnell besorgt und rein. Ja moderne Stadien, eine Krankheit der Moderne. Bier gab es nicht, weil wir ja ein Sicherheitsspiel sind. Zwar kein Hochsicherheitsspiel, so dass es Light Bier gab, aber Sicherheitsspiel. Die Begründung liest sich wie eine Realsatire, ist aber ernst gemeint. Ich wiederhole meinen Satz vom Paderborn Spiel: „Ich habe kein Bock mehr von irgendwelchen Öddeldorfvereinen zum Sicherheitsproblem gemacht zu werden.“

Das Stadion an sich ist ja für ein modernes Stadion ganz okay. Natürlich Hellmich null acht fünfzehn, aber immerhin der Gästeblock mit ordentlich Platz und direkt hinterm Tor. Und man durfte Zaunfahnen fröhlich aufhängen.

Im Gästeblock ganz gute Stimmung und wenn mal nicht, dann sorgte T. Als Vorsänger mit einer persönlichen Ansprache der Marke Blick-Zeichen-Klarmachen für’s Mitmachen. Nur was bitte hatte sich da teilweise für Volk versammelt? Neben einem nicht ganz unbekannten Fanclub gab es von irgendwelchen Rassistenschweinen wirklich Affenlaute gegen einen farbigen Spieler von Ingolstadt. Die sofort eingeleitete Selbsthilfe wäre beinah noch in einem Konflikt mit den Ordnungshütern geendet. Das ist das doofe, wenn man solchen Typen das gibt, was die verdienen, nämlich ohne weitere Vorwarnung Fresse dick, dann bekommt man noch den Ärger und nicht diese Dummheit auf zwei Beinen. Zum Glück machten sich wenigstens Leute gerade, auch wenn die Freunde des Idioten natürlich wieder die „Ich bin kein Rassist, aber…“ Verteidigung zum Besten gab. Idioten. Auch aus anderen Bereichen hörte man ganz üble Geschichten (Arschlochrufe, Sexismus gegen Frauen etc. etc. etc.) und man muss sich dann doch mal fragen, ob das Versenden von Tickets in aller Herrgottsrichtung so wirklich der richtige Vertriebsweg ist. Eine ausschließliche Abgabe an bekannte Personen sollte wirklich mal überlegt werden. Auch wenn man dann weniger Kohle macht.

Zum Spiel? Ich zitiere das Horrorskop von heute (vom Spieltag) und stelle fest, dass unsere ganzen Spieler im Sternzeichen Jungfrau geboren sein müssen: „Langsam könnten sie mal aufhören Leistung bringen zu wollen“ Glaubt ihr nicht, dass das da stand? Es gibt Beweisfotos.

Nach dem Spiel wurden Barbara und Thomas meine Helden des Tages, denn sie fuhren mich zum Bahnhof UND ermöglichten noch eine kurze Plünderung einer Tankstelle. Auch hier wieder unbegreiflich: Es kommt nahezu niemand dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln (wie auch?). Die Leute laufen nur zu Autos. Ein Anreisen mit Bus und Bahn, wie man es in jedem anderen Stadion erleben würde, findet nicht statt. Sowieso waren von den 8.000 Zuschauern vielleicht 4.000 nicht braun-weiße.

Von meinen Helden des Tages verabschiedet und dann wurde erstmal ein bisschen abgehangen. Es sind diese unendlichen Minuten, die das Auswärtsfahren so anstrengend machen, diese Minuten in denen du nur Leere empfindest, nur Frust, in denen du nur noch nach Hause willst, in denen du weißt: In 12 Stunden klingelt dein Wecker, du bist aber noch 6 Stunden von zu Hause fort. Immerhin gab es kalte Pizza mit geklautem Besteck und auch sonst regierte der Galgenhumor. Denn seien wir ehrlich: Bei unserem Heiligen Verein hatte doch jeder mit der alljährlichen Samaritertat gegenüber dem Tabellenletzten gerechnet.

Deswegen halte ich bei verschobenen Winterpause auch nix von Hinrundenfaziten. Sollten wir nun gegen Frankfurt verlieren, dann haben wir vielleicht die beste Hinrunde aller Zeiten gespielt, stecken aber die ganze Winterpause in einer handfesten Krise.

Unsere Sitzplatzerkämpferin riss sich diesmal ein Abteil unter den Nagel und die Fahrt konnte losgehen. Die Musikauswahl schwankte zwischen linksradikalem Rap und biologischem Punk. Oder wie es @jesus mal so schön auf Twitter ausdrückte (und ich finde diesen Tweet leider nicht wieder) „Lazy Sunday afternoon, listening to Bad Religion“. Eine Fußballmitreisende konnte unseren Galgenhumor nicht ab, aber die fand sowieso alles „schwul“ (entsprechende deutliche Ansage hat sie dafür gefangen und es bestand auch hier das oben benannte Dilemma) und verlies das Abteil relativ schnell wieder. Die dann folgende Nichtfußballmitreisende war härter im nehmen und lies sich auch durch Umsatzsteuer und Punkrockdiskussionen nicht aus der Ruhe bringen.

Umstieg in Würzburg, mal wieder 4 Minuten, mal wieder .24 als Ankunft .28 als Abfahrt. Wieder locker geschafft, der Zug war nur leider komplett überfüllt. Aber mit Glück und Geschick bekamen wir wieder einen schönen Sitzplatz. Direkt neben der 1. Klasse, die wahrscheinlich den Tag verflucht haben, denn wir waren nicht gerade leise und gesittet. Aber alles hielt sich im Rahmen und so kamen wir mit etwas Verspätung in Hamburg an. Und die S-Bahn brachte mich dann auch sicher nach Hause.

Dez 082011
 

oder

„Norbert regt sich auf (geschrieben 10.02.02)“

Zitat Beginn

Sonntag abend, im Fernsehen plätschert Olympia vor sich hin und ich finde Zeit über zwei Bundesligaspieltage zu philosophieren. Es sind 22 Spieltage geschafft. Es folgen noch zwölf.

Erst kommt der Mittwoch…

Am Mittwoch war der Weltpokalsieger zu Gast am Millerntor. Zum Spiel schreibe ich nicht viel, jeder, der diese Kolumne liest, weiss das Ergebniss und jeder kann sich an dieser Sensation erfreuen. Aber damit ist es mir nicht genug. Meine erste Idee war zwar einen „Norbert regt sich auf“ zu schreiben, der aus einem Wort besteht: „Geil“ aber einmal gab es auch viele kleine Details die ich berichten möchte und Maik war schneller und hatte die Idee vor mir.

Zeitlich verlief der Tag wie jeder andere Spieltag. Dem Besuch im Fanladen folgte ein Besuch des Schnackertreffens. So richtig entspannen konnte ich dabei nicht. Finde ich Wochenspiele sowieso schon immer etwas anstrengend, da man sich doch erheblich von der Arbeit gestresst ist und zum Spiel hetzt. Und soviel Spass es macht mit einer grossen Gruppe nach Schalke zu fahren, so anstrengend ist der Tag, an dem man ca. 40 Karten an die Leute bringen soll. Aber hat alles gut geklappt. Im Stadion angekommen stellte ich mich erneut mit der Brigade weit nach unten. Zwar sieht man dort nicht alles, aber ich stand bereits gegen Wolfsburg unten (Aberglaube) und wir hatten mal wieder eine Tapete zum Spielbeginn gebastelt, die in zwei Teile geteilt war. Diesmal etwas politisches „Hoeness fordert: Schill zum Haartest“ kam gut an (wurde u.a. bei Premiere gezeigt und in der Taz erwähnt). Zumindest gab es in unserem Umfeld nur positive Kommentare. Und wie aktuell wir waren, merkte man in den folgenden Tagen, in denen selbst die Schill Hauspostille (auch Hamburger Abendblatt genannt) titelte: „Schill zum Haartest“. Mal so nebenbei: Hat der bisher eigentlich ein Wahlversprechen gehalten???

Am Stadion wunderte ich mich darüber, dass das Spiel als Hochsicherheitsspiel eingestuft wurde. Zum ersten Mal seit langen war der Durchgang zwischen Südkurve und Gegengrade geschlossen und nach dem Spiel wurde der Durchgang zwischen Südkurve und Haupttribüne gesperrt. Keine Ahnung, ob die Polizei irgendwas von St. Pauliseite erwarteten oder ob die Bayern nun für ihre Hools bekannt sind. War früher eigentlich nicht so. Vor und nach dem Spiel blieb es eigentlich komplett ruhig.

Grosses Lob an alle Leute, die Stehplatz Süd haben. Die Aktion gegen Bayern „Bayern putzen“ war einfach gut gemacht. Ich behaupte mal, dass so etwas in der GG nicht mit dieser Intensität möglich gewesen wäre. Da hätte jeder zweite alleine schon aus „Mach ich nicht, weil neu“ nicht mitgemacht. Insofern, Glückwunsch für die zweite gelungene Aktion. Mal sehen, was ihr euch gegen Leverkusen einfallen lasst.

Die Stimmung auf den Rängen war überragend. Von allen Seiten immer wieder laute Gesänge. Häufig kamen bei uns zwei Gesänge von beiden Seiten an. Das „You will never walk alone“ in der zweiten Halbzeit war ein reiner Gänsehaut Song.

Zu den Leistungen der einzelnen Spieler muss ich nicht viel sagen. Stani, Gibbs und auch Meggle waren überragend. Effenberg fiel nur wegen Gepöpel auf und insgesamt spielte Bayern erschreckend schwach. Das soll aber nicht die läuferische und spielerische Leistung unserer Spieler schmälern.

Nach so viel positiven nun die negativen Aspekte dieses Spiels. Leider muss auch so ein grossartiger Tag von einigen Idioten getrübt werden.

Einmal gingen mir die Rufe gegen Kahn erheblich auf die Nerven. Das „Uh, Uh, Uh“ gerufe ist weder kreativ noch irgendwie witzig. Einen Menschen als Affen zu bezeichnen finde ich einfach nur Scheisse. Sorry, aber solche Rufe gibt es meines Erachtens in keinem Stadion mehr, ausser in unserem. Schwach. Wie sagte jemand nach dem Spiel: „Er war immer stolz, dass es so etwas bei St. Pauli nicht gibt.“ Aber leider muss man immer wieder feststellen, wieviele Idioten es bei St. Pauli gibt. Geschockt hat mich, dass von einer kleinen Gruppe in der GG „Uh,Uh,Uh“ Rufe kamen, wenn nicht Kahn, sondern Sergio am Ball war. Okay, passierte nur ganz leise und nur zweimal in der ersten Halbzeit, aber schlimm genug, dass überhaupt jemand auf die Idee kam solche Rufe zu verwenden.

Nochmehr auf den Sack gehen mir all die Idioten, die immer irgendwelche Sachen auf das Feld werfen müssen. Meistens sind dies Bierbecher. Mensch ihr Idioten, begreift ihr denn nicht, dass uns jeder Wurf näher Richtung Volkspark bringt? Könnt ihr eigentlich lesen? Habt ihr nicht den klaren deutlichen Zettel des Vereines gelesen? Wahrscheinlich nicht, dafür reicht euer Hirn nicht aus. So, jetzt die klare Ansage: Den nächsten, den ich sehe, wenn er einen Becher wirft, dann gibt es entweder eine sehr klare Ansage oder direkt einen auf die Nase. Ich war extrem sauer Zwischendurch und beinah war meine Laune weg.

Die strahlenden Augen der gesamten Fans nach dem Spiel waren alleine die ganzen Strapazen der Saison wert. Zwar lagen sich nicht wildfremde Menschen Menschen in den Armen, aber ca. jeder Bekannte wurde umarmt. Der Höhepunkt war dann Jens mit Begleitung, die gegen 12 Uhr ohne irgendeine Begleitung „Bayern hat verloren“ inklusive aller Strophen vortrugen. Entspannt ging es also ins Bett. Einschlafen konnte ich zwar nicht, aber strahlend an die Arbeit zu gehen hat auch was.“

Zitat Ende

Ihr wollt diesen Tag noch mal in Erinnerung rufen? Dann könnt ihr diesen uneditierten (also mit allen Fehlern einfach kopierten) Bericht lesen. Der Schalke Teil ist jedoch gestrichen von mir. Und danach ein Ticket für den 06.02.2012 kaufen, wo wir gemeinsam auf dieses Spiel anstoßen. Im Stadion, bei einer Filmaufführung dieses Spieles und wir alle sagen:

„Und ich war jung.“

Zugunsten von Fanräume, Eintritt 06,02 ;-), ich würde mich freuen, wenn ihr kommt.