Nov 042011
 

oder

Es bleibt trotzdem falsch

Vorwort

Liebe Leser, es ist mal wieder so weit. Die Gewaltdiskussion und die angeblich ausufernde Gewalt der angeblichen Fans wird mit angeblichen Maßnahmen bekämpft. Was wird kommen? Die Abschaffung der Stehplätze steht wahrscheinlich ganz oben auf der Liste der Vereine. Nur vordergründig aus Sicherheitsbedenken, ist doch der angenehme Nebeneffekt, dass man endlich diese doofen Plätze, die man höchstens für 20 Euro verkaufen kann und die das Preisniveau nach unten begrenzen, los ist. Das ein Sitzplatz erstmal nicht sicherer ist, als ein Stehplatz, sieht man daran, dass es auch im Europapokal ständig kracht und auch Hertha sich in die Liste der Vereine mit einer medienwirksame Randale stellt. Und das Olympiastadion hat nun nicht wirklich Stehplätze. Klar, ich kann damit Randale IM Stadion verhindern, indem ich so unglaublich wahnsinnige Preise wie in England nehme, denn dann kommt kein problematischer Jugendlicher mehr, kein Mensch mehr, der mit Gewalt sozialisiert ist. Ob man das erstrebenswert findet, steht auf einem anderen Blatt. Und das Fußballgewalt in England wirklich tot ist, kann man auch nicht behaupten, sie hat sich nur in die Straßen verlagert und weg von den Stadien.

Und man muss schwatz-gelb erstmal Recht geben: Gewalt ist im Fußball eingebaut. Und zwar nicht, weil Fußball nun besonders gewalttätig ist. Das behauptet zwar Jahr für Jahr die ZIS, aber wenn man sich diese Statistik mal nicht im luftleeren Raum anguckt, dann ist die Gewalt auf Dorffesten nicht anders. Ich verweise auf den entsprechenden Bericht auf dieser Seite und der gilt ebenso für den diesjährigen ZIS Bericht. Daher muss sich der Fußball die Frage auch anders stellen. Es geht nicht darum, wie Gewalt im Fußball verhindert werden kann, nein es geht darum, wie der Fußball verhindert, dass genau er die Spielwiese wird, wo die Gewalt der Gesellschaft ausgelebt wird und wie man verhindern kann, dass die gewalttätige Gesellschaft auf den Fußball zeigt um von ihren Versäumnissen abzulenken. Und ob ein Polizeistaat ohne Rechte für Fans da das richtige Mittel ist, wage ich mal ganz stark zu bezweifeln.

Hippies des Ostens

Kommen wir aber zu Dynamo. Fakt ist, dass Dresden ein sehr problematisches Publikum hat. Nein, es geht mir nicht um das ständige Gezündel. Das bauschen die Medien gerade auf und so sehr das gefährlich ist, so sehr gefährden sich die zündelnden Gruppen erstmal selbst. Das musste Nürnberg auf schmerzhafte Weise lernen und das werden wohl auch noch andere lernen.

Worum es mir geht ist die ständige körperliche Gewalt gegen Fans, Ultras was auch immer von anderen Mannschaften. Ein kurzes Stöbern in den Bildergalerien zeigt, dass u.a. bei jedem Spiel stolz Schals der gegnerischen Mannschaft präsentiert werden. Und wie die in die Hände der Präsentatoren gelangen, muss ich wohl nicht erklären. So etwas heißt im Juristendeutsch entweder Diebstahl oder meistens Raub oder räuberische Erpressung. Und ist damit keine Allerweltsstraftat mehr, sondern schlichtweg eine mittelschwere bis schwere Straftat mit auch entsprechenden Folgen für das Opfer. Man komme mir jetzt bitte nicht mit „Ultrakultur und das gehört dazu untereinander.“ Nicht nur, dass ein „Kultur“, die auf Recht des Stärkeren und Brutalerem basiert, ja wohl so gar nicht erstrebenswert ist, nein, wenn ich dann sehe, was für Schals und Fahnen präsentiert werden, dann wird da nicht nur „den Wessi Ultras“ auf’s Maul gehauen, sondern jedem noch so normalen Fan. Sprich: Da hängen Fanshopfahnen neben Fanshopschals. Nicht gerade etwas, was ein Ultra mitführt. Und damit wird die eigene „Kultur“ verlassen. Und wenn man dann liest, dass „Herzen und Fäuste immer für Dynamo schlagen werden“, dann muss man an einem nicht zweifeln:

Dresden hat ein Gewaltproblem. Dazu kommen noch rechtsradikale Gesänge einiger Fans (das Thema blende ich ab jetzt mal ein bisschen aus, soll es absolut nicht verharmlosen!) und eine viel zu tief sitzende Gleichgültigkeit anderer. Die dann aufhört, wenn eine Gruppe mal das Hirn einschalten will, das sind dann die Nestbeschmutzer. Vielleicht müsste Dynamo erstmal lernen, dass man einem KSC Fan eben nicht den Schal wegboxt, sondern ihm einfach mal ein Bier ausgibt, ihm ein gutes Spiel wünscht und das Spiel dann ganz entspannt gewinnt. Macht auch weniger Stress. Aber natürlich auch weniger Adrenalin und gerade die Junkies dieses Stoffes gibt es leider bei jedem Verein.

Kurz und gut: Dynamo ist mir so etwas von unsympathisch, wie mir eine Fangruppe nur unsympathisch sein kann. Wird denen mit uns wahrscheinlich nicht anders gehen, ist ja auch egal.

Und dies ist auch kein neues Phänomen und man muss dem Verein „das sind keine Fans“ und insbesondere dem Land Sachsen „wir finanzieren keine Fanprojekte“ hier Versäumnisse vielfältiger Art vorwerfen. Und das über Jahrzehnte. Zwar hat Dynamo nun ein Fanprojekt, aber wer weiß, dass Fanprojektarbeit Generationsarbeit ist, der weiß auch, wie lange so etwas dauert. Auch dies muss man deutlich sagen.

Und nun kommen wir zu der aktuellen Pressemitteilung von Dynamo Dresden, die nun anscheinend alles nachholen wollen, was sie über Jahrzehnte versäumt haben. Positiv und absolut richtig ist: Eine verstärkte Fanbetreuung. Ziel muss es einfach sein einen Selbstreflektionsprozess in Gang zu setzen.

Und so bekloppt das klingt, ich finde es falsch auf Tickets zu verzichten oder sie aus dem DFB Pokal auszuschließen. Warum?

Erstmal schafft man genau das nicht, was man will, nämlich eine differenzierte Selbstbetrachtung und eine Reflektion. Man gibt den Kräften, die sich als Opfer stilisieren wollen, die sich von „denen da draußen; der Polizei; der DFL; dem DFB“ mies behandelt fühlen, wieder jeden Grund den äußeren Feind hochzukochen und so den inneren Zusammenhalt zu stärken. Das ist ein Klassiker aus der Massenpsychologie und insofern mehr als Blind, dass dies eigentlich nie irgendjemand bedenkt. Differenzierte, individualisierte Strafen und auch Vorteile sind da viel besser.

Hinzu kommt: Ja, das Spiel zwischen uns und Dresden, da findet man 1.000 Gründe, warum dies ein Hochrisikospiel ist. Da ist die politische Dimension, da ist Ost/West, da ist das Gewaltpotential. Nur man bedenke mal, was beim letzten Spiel passiert ist. Außer einer oralen Körperverletzung (Video ab 1:37) ist nicht viel passiert. Nach dem Spiel gab es Trubel mit Hamburgern (ungleich St. Pauli)), was auch seine Berechtigung hatte, aber zwischen Dynamo und St. Pauli ist trotz der Brisanz (an diesem Tag ging es für beide um Aufstieg bzw. Aufstiegschancen) nicht viel passiert. Und gerade dieses zum großen Teil positive Beispiel hätte man vor dem erneuten Aufeinandertreffen allen Dresdenern vor Augen führen können und müssen. Und der Verein hätte dringend eine Wiederholung gebraucht. Und diese Chance nimmt er sich jetzt selbst. Und nein, ich will nicht verharmlosen, was für finstere Gestalten auch an diesem Tag mit Dynamo unterwegs waren.

Ich meine auch damals hat Dynamo die Tickets nur sehr restriktiv abgegeben und ich denke, dass so etwas auch diesmal möglich gewesen wäre. Ja, Personalisierung, Abgabe nur an bestimmte Gruppen von Menschen (Vereinsmitglieder etc.), Kontrollen und andere Restriktionen sind unschön und garantiert nicht begrüßenswert. Aber besser als ein kompletter Ausschluß oder Verzicht sind sie allemal. Und gerade bei 2.000 Karten (oder einem leicht reduzierten Kontingent) wäre eine auch interne Kontrolle sehr viel besser möglich gewesen, als wenn man 10.000 Leute in Dortmund hat.

Oder man wäre von Dynamoseite auf die Idee gekommen, die nun Olespapa äußert. Schickt uns die Jugendmannschaften und die U16 (U18?) des Fanprojektes. Macht in Hamburg eine entsprechende Begegnung mit unseren Jugendlichen und versuche wenigstens die nächste Generation zu ändern. Das wäre ziemlich cool gewesen. Schade, dass Dresden diese Idee nicht gehabt hat. Und das obwohl ich „SG DÜNAMMMMO“ aus 1.000 Kinderkehlen als brutalste Körperverletzung ansehe.

Gleiches gilt nebenbei für den Pokalausschluss. Ich würde hier eine andere Strafe für viel sinnvoller halten: Lass Dynamo spielen. Mit klaren Restriktionen, wer die begleiten darf. Und als Strafe müssen die alle Einnahmen in gewaltpräventive Projekte fließen lassen. Würde ich gut finden.

Und noch etwas sei deutlich gesagt: Der Ausschluß der Dresdener sorgt ja nicht für einen entspannten Tag für uns. Die Mutanten werden sowieso kommen und im Viertel rumrennen. Die Polizei wird also ebenso wie damals gegen Rostock ein Großaufgebot stellen müssen und wahrscheinlich bekommen wir trotzdem ein Alkverbot. Und mehr Ordner, Kontrollen etc. brauchen wir auch um zu verhindern, dass Dresdener einsickern. Nein, das ist erstmal nicht schlimm, denn viele Dresdener wissen sich zu benehmen, aber das sieht man nicht immer jemandem an. Und in einem gemischten Block ist eben die Kontrolle, auch die Selbstkontrolle viel geringer, als in einem Auswärtsblock.

Man kann nur hoffen, dass die zarten Pflänzchen der anders denkenden sich langsam bei Dynamo durchsetzen. Und das weder der innere, noch der äußere Trampel es zertritt. Braun-weiß und schwarz-gelb müssen sich nicht mögen und werden es vielleicht auch nie, das ist nicht das Thema. Ich drücke Dynamo und dem besagten Pflänzchen alle Daumen.

  8 Responses to “Ach Dynamo…”

  1. «Und man muss schwatz-gelb erstmal Recht geben: Gewalt ist im Fußball eingebaut.»

    Warum?

    «es geht darum, wie der Fußball verhindert, dass genau er die Spielwiese wird, wo die Gewalt der Gesellschaft ausgelebt wird»

    Wenn Gewalt im Fußball „eingebaut ist“, kann man sie nicht verhindern. Die Frage ist, ob o.g. Behauptung denn stimmt: Warum ist sie in manchen Vereine eingebaut, in andere nicht? Oder, um es deutlicher aufzuzeigen: Warum ist sie, mit Blick ‚gen Griechenland, im Basketball eingebaut, sonst aber fast nirgendwo?

    Ich wage zu behaupten, dass o.g. Behauptung eben nicht stimmt: Fußball wird — aus welchen Gründen auch immer — von einer bestimmten Klientel als Bühne missbraucht. Das ist etwas anderes.

    «Man gibt den Kräften, die sich als Opfer stilisieren wollen, die sich von „denen da draußen; der Polizei; der DFL; dem DFB“ mies behandelt fühlen, wieder jeden Grund den äußeren Feind hochzukochen und so den inneren Zusammenhalt zu stärken.»

    Das macht deren Selbststilisierung ja nicht richtiger. Wenn von mancher Seite (fälschlicherweise) argumentiert wird, dass erst St. Pauli mit seiner ‚Politisierung des Fußballs‘ dafür sorge, dass rechtsradikale Fans sich davon angezogen fühlen, andere Vereine hätten sonst gar kein Problem, fordert hier (Gott sei Dank) doch auch niemand, St. Pauli solle sich von nun an bitte „unpolitisch“ geben?

    «Differenzierte, individualisierte Strafen und auch Vorteile sind da viel besser.»

    Sicher. Nur sind die (von der Masse oft geschützten) Individuen oft nicht auszumachen. Jaaaa, Kollektivstrafen sind doof. Wenn sie aber dazu anhalten, dass die stets beschworene Selbstregulierung eine Chance erhält, weil nicht nur der Verein die Notwedigkeit zu handeln endlich erkennt (s. Fan-Betreuung), sondern auch die Fans merken, dass sich ohne ihr aktives Handeln gegen die Idioten nichts ändert, ist das vielleicht ja gar nicht so verkehrt. Ist so wie in der Schule: Manchmal hilft ein Agieren in der Klasse mehr als jede Moralpredigt des Lehrers, auch wenn die Klasse eine Kollektivstrafe ebenso ungerecht findet und ablehnt.

    «Und gerade bei 2.000 Karten (oder einem leicht reduzierten Kontingent) wäre eine auch interne Kontrolle sehr viel besser möglich gewesen, als wenn man 10.000 Leute in Dortmund hat.«

    Wenn du dich da mal nicht täuschst. Wer stürmen will, der stürmt. Und wo genügend kriminelle Energie (manche würden sagen: „kreative Ideen“) vorherrscht, kriegt man Zeug immer rein, ob mit zwei- oder zehntausend Besuchern.

    Ich fand aber den Vorschlag, Jugendmannschaften und Kinder einzuladen, sehr reizend. Im Sinne von früher Erziehung und so.

    «Oder man wäre von Dynamoseite auf die Idee gekommen, die nun Olespapa äußert. Schickt uns die Jugendmannschaften und die U16 (U18?) des Fanprojektes. Macht in Hamburg eine entsprechende Begegnung mit unseren Jugendlichen und versuche wenigstens die nächste Generation zu ändern.«

    Ja, genau das! Leider sind Fußball-Verantwortliche selten Pädagogen.

  2. Mal Hand auf’s Herz, lieber Piet: Welcher Verein hat denn absolut KEIN Gewaltproblem? Klar ist es unterschiedlich ausgeprägt, aber im Endeffekt hat doch jeder Verein ein Gewaltproblem. Ausgenommen vielleicht Vereine mit ganz kleinen Zuschauerzahlen. Basketball: Kann ich nix zu sagen, kenn ich mich nicht aus. Ich behaupte aber mal, dass in Deutschland das auch kein Problem ist, weil es keine Bühne ist.

    Und eingebaut ist es, weil es Teil der Gesellschaft ist, die (nebenbei schon immer und nicht schlimmer werdend, wie immer behauptet wird) irgendwo ein Gewaltproblem hat. Und es die perfekte Bühne ist. Aber das kann doch der Fußball aus sich heraus nicht ändern, außer er verzichtet von sich heraus auf die öffentliche Aufmerksamkeit und Zuschauermassen.

    Es geht nicht darum, ob du und ich die Selbststilisierung richtig finden, sie ist nur schön populistisch. Und ein Mechanismus, der einfach perfekt mit Massen funktioniert. Und weil man ihn hier so einfach umgehen kann, muss man ihn ja nicht noch füttern. Der Vergleich mit der Politisierung ist meines Erachtens Blödsinn. Zum einen hinkt er, zum anderen ist die Politisierung ja nun wirklich nicht von St. Pauli gekommen.

    Eben, natürlich hilft das agieren in der Klasse vielmehr. Aber das erreichst du nicht mit Strafen, die jeder in der Klasse als unangemessen und überzogen empfindet. Das erreichst du nur anders. Natürlich ist die fehlende Individualisierbarkeit der Täter ein riesiges Problem, welches auch mit Videoüberwachung etc. nicht besser geworden ist. Da ist auch eine kreative Lösung gefragt. Und nicht eine Gleichsetzung von Bengalo = Randale = Hooligans = Umboxer. Damit erreichst du nur eines: Alle fühlen sich falsch behandelt, arbeiten sich nach außen ab und nicht nach innen.

    Zeug: Wie du vielleicht gelesen hast, ist mir das zündeln absolut wumpe. Also ob die da was reinbekommen oder nicht, ist mir komplett egal.

    Sie sollen ja auch keine Pädagogen sein, sie sollen nur mal differenziert denken.

  3. Wenn du mal nach „Panathinaikos Athen“ googelst (sie sind nicht die Einzigen, nur ein Beispiel), wirst du das, was wir im Fußball beobachten, dort beim Basketball finden: Pyros und Gewalt, ein Phänomen, dass mit dem Aufkommen der dortigen Ultrà-Bewegung einher ging (ja ja, ich weiß: Böses Ultrà-Bashing, aber ich kann es ja nicht ändern: Vorher gab es das Phänomen dort nicht). Zeigt aber, dass, obwohl Gewalt selbstverständlich ein gesellschaftliches Phänomen ist (eine triviale Feststellung, oder?), diese im Sport nicht selbstverständlich vorkommt. Also, zumindest nicht in derart geballter und problematischer Form (um das „gar nicht“ geht es doch gar nicht). Dass es aber sehr wohl Gruppen gibt, die eine gewalttätige „Kultur“ in den Sport hineintragen, die gesellschaftlich als problematisch begriffen wird, und zwar vollkommen zu Recht. (Oder dürfen auch hier keine Anführungsstriche benutzt werden, weil es ja sehr wohl eine Kultur darstellt, selbst wenn man sie als Unkultur betrachtet?)

    Musik, Jugendkultur, Protest. Ich kenne nicht viele Konzerte, auf denen die gesellschaftliche Gewalt sich mindestens in gleichem Maße auf Konzerten oder Festivals spiegelt. Dieses „gesellschaftliche“ Ding, plus jugendliches Alter, plus Massenveranstaltung kann also kaum hinreichende Begründung für Hool-Sch*ße im Stadion sein (wie es schwarz-gelb in seinem oft verlinkten Text aber suggeriert).

    Die Frage wäre also, welche Faktoren dies begünstigen, und ob wir einen Konsens schaffen können, Gewalt (ich zähle Pyro ausdrücklich dazu) aus den Stadien und Sporthallen heraushalten zu wollen.

    Ich behaupte, dass es diesen Konsens jenseits von (i.d.R. verharmlosenden und/oder relativierenden Lippenbekenntnissen: Nicht so schlimm, die Bullen/der DFB/die Gesellschaft provoziert das, das System ist falsch, nicht die Fans — und Hools sind selbstverständlich Fans und nicht „Fans“, ihre Gewaltkultur ein Protest auf die gewalttätige Kultur der Gesellschaft, keinesfalls aber infantiler Bock auf Gewalt…) nicht gibt — und das ist ein Problem! Gut. Nun hagelt es Verbote, an bestimmten Spielen teilzuhaben. Vielleicht nicht optimal. Vielleicht schafft das ja aber einen gewissen Druck zu vereinsin- wie externen Diskussionen über das, was man im Konsens gern erreichen möchte. In Dresden scheint es auf Vereins-Seite zumindest so zu sein. Zumindest, solange nicht bessere Lösungen als die als suboptimal Empfundenen da sind.

    Meine Güte, Fußball ist keine Therapie-Anstalt. Und solange ich Kinder sehe, die angesichts von Pyro und/oder Gewalt sich ängstlich in Mamas Schoß verkrümeln (Ja! Bei uns am Millerntor!) mit den Händen überm Kopf und friedliche Fans überlegen, nicht (mehr) ins Stadion zu gehen, bin ich über jedes Stadion-Verbot sehr froh! Als ich las, dass dieser Sch*-Verein sein Kontingent abgibt, war ich froh — auch wenn ich weiß, dass es nicht die Lösung aller gesellschaftlichen Gewaltprobleme mit sich bringt. Aber das schafft Fußball nun mal nicht. Es ist nur ein Sport, wenn auch einer der schönsten überhaupt.

  4. Nur eines:

    „Musik, Jugendkultur, Protest. Ich kenne nicht viele Konzerte, auf denen die gesellschaftliche Gewalt sich mindestens in gleichem Maße auf Konzerten oder Festivals spiegelt. Dieses „gesellschaftliche“ Ding, plus jugendliches Alter, plus Massenveranstaltung kann also kaum hinreichende Begründung für Hool-Sch*ße im Stadion sein (wie es schwarz-gelb in seinem oft verlinkten Text aber suggeriert).“

    Das halte ich schlichtweg für falsch. Weil wie damals geschrieben: Oktoberfest (und jeder wird sehen, dass dies die harmlosestes Version von Trinkfesten ist) auf die Besucherzahlen die gleiche Gewalt. Und das ohne Hools, Ultras, Rivalität.

    Und es ist keine Begründung. Auch schwatz-gelb sucht nicht nach einer Begründung. Es ist auch keine Rechtfertigung. Es ist nur die deutliche Ansage, dass man nicht ständig auf den Fußball zeigen kann und alles andere außer Acht lassen kann.

    (der Text ist nebenbei nicht verlinkt ;-))

    Grüße

  5. Moin,
    ich als Fan von Dynamo, bin von einem befreundeten Pauli Fan auf dein Blog gestossen worden. Ja so etwas gibt es. 😉 Erstmal vor ab, viele deiner Gedanken vor allem zu den Fehlern beim meinem Verein bzw. dem Land Sachsen kann ich nur unterschreiben.
    Aber das Land Sachsen um jetzt nur mal da drauf einzugehen setzt halt gerne auf Repression, siehe Anti Nazi Demos am 13. Februar, ob da jemals ein Umdenken einsetzt, ich bezweifle es.

    Aber eine Frage habe ich zu dem hoffentlich technisch korrekt zitierten Absatz:

    Und mehr Ordner, Kontrollen etc. brauchen wir auch um zu verhindern, dass Dresdener einsickern. Nein, das ist erstmal nicht schlimm, denn viele Dresdener wissen sich zu benehmen, aber das sieht man nicht immer jemandem an. Und in einem gemischten Block ist eben die Kontrolle, auch die Selbstkontrolle viel geringer, als in einem Auswärtsblock.

    Ich hatte das Angebot auch in der Gegengerade mit jenen Freunden das Spiel zu sehen, hab aber abgelehnt, weil ich wie vielleicht verständlich das gerne mit Leuten sehen würde die mit mir jubeln und wo ich nicht der einzige bin 😉

    Aber ich glaube das gerade in Blocks die gemischt sind und wo vielleicht 10 oder 20 Gästefans sind, die Kontrolle viel höher wäre und eventuell auch die Selbstkontrolle. Das ist einfach eine Frage der beherrschenden Fankultur, insofern sehe ich das Problem von einsickernden Fans erstmal nicht.

    Die Gefahr das es um das Stadion herum Ärger gibt hat sich aber aus meiner Sicht drastisch gesteigert, insofern geb ich dir recht. Insofern wünsche ich ein hoffentlich schönes Spiel, einen gewaltfreien Nachmittag, einen Dresdner Ausswärtssieg und viel Spass.

    SG DÜNAMMMMO

  6. Mein lieber Norbert,

    ich bin 47 Jahre alt, bin in Hamburg geboren, komme aus Ahrensburg, habe in Hamburg studiert und dort Zivildienst gemacht und lebe nunmehr seit 20 Jahren in Dresden. Vor allem wegen der dort herrschenden Fußballbegeisterung war ich in meiner Hamburger Zeit glühenden St. Pauli- Fan und natürlich hängt mein Herz auch heute noch an St. Pauli.

    Da ich mich für Fußball genauso begeistere wie Du, wirst Du mir zugestehen, dass ich in meiner Zeit in Dresden das nahe liegende gemacht habe und mir Spiele von Dynamo- Dresden angesehen habe. Ich muss Dir gestehen, dass nunmehr in meiner Brust zwei Fußballherzen schlagen, ich kann Dir gar nicht sagen, welches davon größer ist. Das Dynamo- Herz ist jedenfalls deutlich größer geworden in der letzten Aufstiegssaison. Einfach grandios war das Erlebnis beim Public Viewing in Dresden, als das Auswärtsspiel in Osnabrück im Dynamo- Stadion zeitgleich auf einer Bühne gezeigt wurde. Einen größeren Ausbruch positiver oder glücklicher Emotionen unter Menschen habe ich noch nie erlebt, als Dynamos Aufstieg feststand.

    Es ist völlig falsch und ist ein Teil des Gewaltproblems, wenn man Fußballfans in gute und schlechte einteilt und dabei das Verbindende, die Fußballbegeisterung, aus den Augen verliert. Aus der Distanz muss ich Dir sagen, dass mir das „Wir sind die Guten“ Getue, das die St. Pauli- Fans quasi mit der Geburt für sich in Anspruch nehmen, auf die Nerven geht. Es ist einfach Käse, Dynamo Fans als „die Bösen“ abzuqualifizieren. Im Sport geht es um Leistung und Fans haben nichts anderes als ihre Fußballbegeisterung, die in die Waagschale geworfen wird. Daran, dass die Dynamo- Fans in Bezug auf ihre Fußballbegeisterung im Moment in Deutschland die Nase vorn haben, wirst Du durchs Schreiben nichts ändern.

    Richtig ist leider das Gewaltproblem, welches mich genauso stört wie Dich. Ich glaube auch, dass man im Osten an das Gewaltproblem anders herangehen muss als im Westen. Ein Grund für das Verhalten der Gewalttäter ist häufig ein Minderwertigkeitsgefühl, das durch eine scheinbar „selbstbewußte“ Tat ausgeglichen wird. Es ist sicher keine Hilfe, wenn Du die Dynamo- Fans als im Verhältnis zu St. Pauli- Fans als minderwertig abtust. Bitte beantworte Dir doch einmal ehrlich die Frage, ob Du tatsächlich einem Menschen aus Ostdeutschland vorurteilsfrei begegnen kannst. Falls Du die Frage mit ja beantworten kannst, dann frage Dich doch einmal, ob Du einem Hansa Rostock oder Dynamo Dresden Fan vorurteilsfrei gegenüber treten kannst. Sind diese Fans tatsächlich minderwertig zu Dir als St. Pauli- Fan ? Stehen die Ostdeutschen im Bewusstsein der Westdeutschen tatsächlich auf einer Stufe oder lächelt man nicht insgeheim immer noch heimlich auf sie hinab ?

    Ich bin sehr stolz darauf und freue mich riesig, dass ich mit 5 sehr guten Freunden aus Dresden zum St- Pauli Spiel fahre und meinen Freunden mein altes Stadion und meine Stadt zeigen kann. Bei dem Spiel werden wir unsere Fußballbegeisterung voll für DYNAMO einbringen und es wird schwer für Euch, dagegen an zu halten. Möge die bessere Mannschaft gewinnen.

    Viele liebe Grüße

    Luettenmatten

  7. Hallo Lüttenmatten,

    Oh Vorsicht, ich kategorisiere hier garantiert nicht in „gut“ und „böse“. Das sollte da nicht stehen. Und als Minderwertig sollte Dynamo bzw. seine Fans da nun auch nicht beschrieben werden. Grüsse

  8. Moin, moin Norbert,

    hier noch ein kleiner Nachtrag:

    Wir haben ein tolles Wochenende im Schanzenviertel verbracht und haben ein offenes Fußballspiel erlebt. So viel gegeben haben wir als Fans dann doch nicht, aber war ja auch nicht so einfach. Im Stadion war eine grandiose Stimmung, in vielerlei Hinsicht kann man von der St. Pauli- „Fankultur“ viel lernen. Das faire Verhalten gegenüber der gegnerischen Mannschaft, der Abschiedsapplaus, „very british“.

    Vielen Dank für die Berichte, die auch in der Ferne immer noch gerne gelesen werden. You`ll never walk alone.

    Luettenmatten

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