Nov 252011
 

In der langen Zeit, die ich nun aktiver Fan bin, trifft man immer wieder Menschen, die einem sofort sympathisch sind und mit denen man unglaublich viel Zeit verbringt. Irgendwann verliert man sich dann aus den Augen, meistens weil der Mensch aus der aktiven Fanszene ausscheidet, einen anderen Lebensplan hat oder einfach doof mitgespielt wurde.

So ein obersympathischer Mensch war auch Stefan, ein aktives Mitglied der alten „Aktion Süd“ und in schweren Abstiegs- und Regionalliga-Jahren ein lustiger, ruhiger und immer intelligenter Begleiter der Passanten und der damaligen aktiven Fanszene.

Irgendwann flog die Aktion Süd auseinander und ohne, dass ich Hintergründe kenne: Dies schien ihm die Lust am Fußball genommen zu haben. Ich traf ihn nur noch vereinzelt und lange nicht. Mal sah ich ihm im Auswärtsblock von (ich meine) Krefeld, weil dies seine Heimatstadt war. So verlor man sich aus den Augen und es blieb nur die Erinnerung an einen wirklich netten und intelligenten Menschen. Und obwohl dies alles 7 Jahre her ist, trauere ich nun, wo er plötzlich komplett von dieser Welt gegangen ist.

Wo immer du nun bist Stefan: Mach es gut und nur braun-weiße Siege. Und der anderen Hälfte der BiB sehr sehr viel Kraft.

Nov 212011
 

oder

Muss echt nicht sein

Vorwort

Liebe Leser, ich weiß was dann wieder kommt „ihr Gutmenschen“, „Selbstgerechtigkeit“ und „Linksfaschisten“ oder so. Und auch die herrliche Gleichsetzung von links = rechts habe ich schon gelesen. Ne, darauf antworte ich nicht mehr. Wer das noch glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Auch gerade, weil ich die politische Schiene bei uns gegen Hansa vollkommen überbewertet finde. Das sind aber alles so schöne Ausreden um nicht vor der eigenen Haustür zu kehren und sich nicht selber zu reflektieren. Nur seien wir ehrlich, liebe Hansa Fans: Ihr habt ein Problem. Und wenn ihr das nicht löst, sondern weiter klatscht, wenn Leuchtkugeln im Gästeblock einschlagen, dann werdet ihr so oder so irgendwann das Ergebnis sehen und es wird euch nicht gefallen.

Ihr wisst, wo der Fanshop steht

Wie vielleicht alle wissen, mag ich Hochsicherheitsspiele gar nicht. Ich habe kein Bock, dass mir jemand an die Wäsche will, weil ich per Zufall braun-weiß bin und er per Zufall schwarz-weiß-blau oder blau-weiß-rot. Ich habe da einfach kein Bock drauf. Ich habe auch kein Bock darauf zu akzeptieren, dass bei Fußball Homophobie, Raub und/oder Gewalt „dazu gehört“. Bei der Nonkonformität, die jede Kurve haben sollte, ist mir so etwas zu wider. Genauso ist es mir zuwider nun alle Hansa Fans als Nazis oder was auch immer hinzustellen. Denn dem ist einfach nicht so. Nur wenn es Leute gibt, die Gehirn haben in Hansas Fanszene, dann müssen sie jetzt anfangen zu denken, wenn sie nicht die Mechanismen des Polizeistaates am stärksten und am heftigsten spüren wollen. Mal ganz davon ab, dass man sich als Homophobie Wiederholungstäter nicht wundern muss, wenn irgendwann für so etwas Strafen kommen. Und zwar nicht nur 5.000 Euro. Ich habe da zwar null vertrauen in den DFB, denn der ist auf diesem Auge blind, aber irgendwann sehen selbst Blinde etwas.

Und dabei geht es nicht um das Verhältnis zu uns. Das man seinen lokalen Rivalen nicht mag, das ist ja okay und gegen eine verbal aggressive Stimmung habe ich nun wirklich nix. Wenn ich Fangruppenplakate habe, die verkünden, dass sie „Auf der Suche“ nach Gästefans sind, dann geht es hier nicht um ein „die sind sonst nie da“, sondern dann wird da alltäglich Gewalt gegen Gäste (man beachte das Wort) ausgeübt und die Gewalt zum Alltag. Und seien wir ehrlich: Wer selbst Paderborn angreift und Paderbornschals klaut und präsentiert, der sollte sich dringend mal selbst hinterfragen und sich mal hinterfragen, ob ACAB wirklich das Problem ist, oder das eigene Verhalten. Und wenn eine breite Masse dies akzeptiert oder bejubelt, dann hat Hansa nicht „einige wenige“ Gewalttäter, sondern ein Klima der Gewalt, welches solche Auswüchse erst ermöglicht.

Ebenso ist es ja begrüßenswert, wenn man gegen Nazis ist und im Gegensatz zu früher wird auch bei Rostock nicht mehr ein Mob in Thor Steinar Klamotten auflaufen, wenn aber Hitlergruß und laute „Schwule, Schwule“ Rufe (mit entsprechender Geste) zu sehen sind, dann ist man erst einen Schritt nach vorne gegangen um dann zwei Schritte zurück zu gehen. Nein, Fußball ist eben nicht Fußball und Politik Politik. Auch bei einem lokalem Rivalen ist eben Diskriminierung die Grenze. Und wenn ich aufhöre mich über so etwas zu ärgern oder es zu ignorieren, dann habe diese Kräfte gewonnen und das will ich nicht. Das geht mir viel zu doll in die Richtung „Hauptsache Unioner“ und „Der macht hier doch nix“. Nein, Fußball ist Teil der Gesellschaft und in dieser Gesellschaft ist Diskriminierung fehl am Platz. Hinzu kommt, dass es ja wohl doch deutlich Ausdruck einer Geisteshaltung ist, wenn man „Homo“ und „Schwul“ als Schimpfworte benutzt. Ausdruck einer Geisteshaltung in der Minderheiten, Homosexuelle und auch Frauen (man beachte die Gestik) keinen Platz haben.

Auf diese Rufe und auf das grammatikalisch sehr spannende Plakat in Richtung Gästeblock bezieht sich auch die Überschrift, bzw. ein auf der Rückfahrt geborener Chant, der sich noch zu einem Höhepunkt des Tages entwickelt.

Das erstaunliche dabei ist: Es ging vor ca. 10 Jahren auch anders. Ich erinnere bis heute meinen ersten Besuch in Rostock im Februar 2002. Damals sind wir mit einer kleinen Gruppe per Wochenendticket angereist, wurden von wenigen Polizeikräften eskortiert, hatten mit „Trabbi“ einen bekennenden Hansa Fan dabei und wurden von den Hansa Fans, die wir getroffen haben zum größten Teil in Ruhe gelassen. Auch im Stadion war zwar eine aggressive Stimmung, aber außer einem Mob von Mutanten, die ich wirklich mal unter „sind sonst nie da“ einordne (in den Polizeiberichten war von „Berlinern und BFC Fans“ die Rede), passierte nix wirklich in Richtung Gewalt gegenüber Gästefans. Und damals war der Durchgang bei der Eishalle noch nicht abgesperrt, denn genau so gingen wir – zwar neutral – zu unserem Auto. Da stand kein Mob und wollte auf die Gäste los, außer halt diese komischen Mutanten. Was auch bemerkenswert ist: Damals gab es die Suptras schon, man muss sich also fragen: Was hat sich geändert? Warum geht es heute nicht so? Langeweile? Der bundesweite Wettkampf um den Randalemeister? Jugendliche Unvernunft?

Aber kommen wir dann doch mal zu einer historischen Aufarbeitung des Tages:

Die Polizei lies sich mal wieder etwas neues einfallen. So konnten wir mal wieder den Staatsapparat in höchster Perfektion erleben. Erstmal gab es eine Allgemeinverfügung, die ein Glasflaschenverbot und das Verbot enthielt Pyrotechnik mitzuführen. Letzteres ist nebenbei ein bisschen absurd. Zwar ist der bloße Besitz nicht zwingend in Deutschland verboten, aber spätestens das mitführen zu einer öffentlichen Versammlung fällt nun definitiv unter das Versammlungsgesetz und ist verboten. Nun ja gut. Die Begründung für diese Allgemeinverfügung hatte dank eines AFM Vorstandes den Weg in den Zug gefunden und sorgte doch für einige Lacher. Am besten die Beschreibung des letzten Spieles, die u.a. folgende Klassikerformulierung enthielt: „Bei Ankunft des ersten Sonderzuges am S-Bahnhaltepunkt Parkstraße in Rostock (820 Personen, davon 120 B, 30, 250 Antifa) wurde Pyrotechnik[…]“ Was sind denn Antifa? Sind das dann Kategorie A? Und warum nur 250? Ich würde doch mal stark von 820 mal Antifa ausgehen, oder? Und kann man gleichzeitig Klasse B oder A sein und Antifa? Oder schließt sich das aus? Und bei alle in Schwarz im dunklen: Wie lange hat die Polizei für diese Zählung gebraucht?

Und jeder sollte schon in Altona durchsucht werden. Und hier prallen dann zwei Welten, zwei Logiken, aufeinander, die man nicht zusammenbringen kann und die sich in ihrer Konsequenz nur aufschaukeln können. Logik 1 nenne ich jetzt die Polizeilogik. Sie sagt: „Letztes mal ist etwas passiert, also muss ich mehr machen, damit diesmal nix passiert.“ Logik 2 nenne ich jetzt mal die Fanlogik: „Jetzt schikaniert die Polizei mich noch mehr und will noch mehr Pyro verhindern, da zündel ich doch noch eher und umgehe die Kontrollen.“. Und man muss kein Hellseher sein um zu verstehen, dass diese beiden Logiken nicht zueinander passen. Sie beißen sich vollkommen und können nicht zu einander finden. Das Logik 2 auch die von Logik 1 vorgesehene Fantrennung zu nichte macht, muss man nur am Rande erwähnen.

So fanden sich eine große Gruppe von St. Paulifans halt nicht beim Sonderzug ein. Viele mit Fahrzeugen, andere in großer Gruppe im Regelzug, aber eben nicht mit dem Sonderzug. Da wird die Getränkekalkulation für den Partywagen zum Glückspiel. Und wir verspielten uns diesmal. Hatten wir doch gedacht, dass 1200 0,5 Flaschen für einen Sonderzug von 900 Leuten reichen und nach Hannover letztes Jahr sind wir auch mit deutlich weniger ausgekommen. Nur was wir nicht bedacht hatten ist, dass die Leute bei einem Glasflaschenverbot keine eigenen Kästen mithaben und dementsprechend nur sehr wenig eigene Vorräte haben. Und dementsprechend war der Durst doch deutlich auf der Rückfahrt und wir nach der Abfahrt in Rostock schnell ausverkauft. Fanräume und das Solikonto danken.

Vor der Beladung des Sonderzuges mussten aber auch wir durch die Kontrollen. Und die waren so hart, wie ich sie sonst nie kannte. Aber sie waren nicht so hart, als dass man da nicht Bengalos durchbekommen hätte.Zwar wurden die drei Hauptfächer meines Rucksacks durchsucht, aber die wirklichen Verstecke hat sich wieder niemand angesehen und auch Hunde waren nicht direkt anwesend, so dass auch nichts hätte erschnüffelt werden können. Entgegen der Absprachen wurden auch die Ordner gefilzt und auch die Fanladenmitarbeiter. Was man aber sagen muss: Zumindest zu uns die Polizei freundlich geschäftsmäßig. Keine Aggression oder Hektik. Gefunden wurde wohl letztendlich irgendwie ein bisschen verbotene Rauchware und ein „Mist, hätte ich es doch rausgenommen“ Messer. Für den Aufwand nicht gerade begeisternd.

Auf dem eigentlich geplanten Gleis stand ein IC nach Karlsruhe, dessen Lok sich gleich verabschiedete, so dass er erstmal eine Stunde Verspätung bekam und unser Gleis blockierte. Und als wir gerade uns Gedanken machten, wo denn unser Zug nun hinkommt und wie wir das Bier dahin bekommen, wurde der Zug einfach auf das Gleis nebenan gesetzt. Diesmal hatten wir das schon immer erträumte Fahrradabteil und die durch den Zug gehenden Polizisten haben dann auch unsere Paletten akzeptiert. Super aber die Frage „Haben sie die mitgebracht oder waren die schon hier?“ Also man kann sich ja bei der DB alles vorstellen, aber das die Paletten drin stehen lassen, kann ich mir irgendwie auch nicht vorstellen.

Die Hinfahrt erwies sich erstmal als unproblematisch und von einer gewissen Spannung geprägt. Spätestens, als wir in Mecklenburg Vorpommern angekommen waren, war die Anspannung doch spürbar. In Schwerin sahen wir nur Team Green. Aber selbst dieser riesige Auflauf konnte nicht verhindern, dass der andere Zug beworfen wurde. Seien wir mal ehrlich: Bei nasskaltem Wetter irgendwo auf einen Bahnhof rumzuhängen um Sachen auf einen vorbeifahrenden Zug zu werfen? Da kommen mir 1.000.000 Sachen in den Sinn, die mir mehr Spaß machen würden und da ist selbst ein Zahnarztbesuch mit bei.

Uns passierte aber nix und so kamen wir im Rostocker Käfig an. Wie schon erwähnt: Ich hasse so etwas. Bellende Hunde, Polizisten, die schon vermummt sind (ist das eigentlich wirklich so frei erlaubt?) und man darf nur in eine Richtung. Aber immerhin inklusive Bäcker, Klos (Dixies extra aufgestellt) und Schließfächern. Das ist man ja gar nicht gewöhnt, dass wenigstens insoweit mitgedacht wurde.

Die Verladung in die Busse war dann wieder ein einziges Chaos. Eigentlich wollte man immer vier Busse gleichzeitig beladen und dann gemeinsam losfahren lassen. So war die Absprache, aber nein, man belädt einen Bus, lässt ihn ein Stück vorfahren, holt den nächsten Bus etc. Folge: Das Leute in den ersten Bussen lange gedrängelt in den Bussen aushalten müssen und natürlich unruhig werden. Von Fanseite wurden Scheiben in vielen Bussen von innen verklebt um sie bei Steinbewurf wenigstens etwas haltbarer zu machen. Hab ich so auch noch nicht gesehen, aber gar nicht doof.

Wir düsten mit dem 4. Bus in Richtung Stadion und die Polizei hatte überall mit starken Kräften abgesperrt. Das es DEUTLICH einfacher gewesen wäre, den Mob zu Fuß von dem S-Bahnhof gehen zu lassen, ist wohl jedem, außer der Polizei Rostock klar. Bei aller Randale: So ein Spiel kann man bei einer Taktik und einer intelligenten Polizeiführung mit viel weniger Polizisten über die Bühne bringen.

Und was auch immer auffällt: Polizei denkt nicht von der Tapete bis zur Wand. Wenn eine Gruppe sich in Hamburg den Kontrollen entzieht, was wird sie dann wohl in Rostock machen? Na, liebe Leser, genau, sie wird noch mal versuchen sich den Kontrollen zu entziehen. Und wenn ich dann einen Eingang nur mit ein paar Ordnern besetze, der baulich auch nicht gerade so gebaut ist, dass er einen Sturm verhindern kann und die Polizei irgendwo rumsteht, dann wird eben durchgebrochen. Und dann hilft es auch nix irgendwelche wilden Pfefferspraynummern IM Stadion zu veranstalten oder nach dem Sturm da Polizei hinzustellen. Nur mal so in der Logik 1 von oben weitergedacht. Und so hatte Logik 2 bereits gewonnen und die Gerüchteküche munkelte was von diversen Licht- und Rauchelementen. Das diese dann eher zurückhaltend eingesetzt wurden, lag daher nicht an der Möglichkeit, sondern daran, dass dann irgendwann die Vernunft über den Spieltrieb siegte.

Was ich auch bei Rostock nie begreifen werde ist die bauliche Art des Stadions. Nun hat man zwar zum Gästeblock ein Netz und einen Puffer geschaffen, aber draußen kann man sich von den Aufgängen immer noch fröhlich sehen und bewerfen. Warum man hier nicht einen simplen Sichtschutz installiert, wird mir immer unbegreiflich bleiben. Und so flogen auch diverse Dinge hin- und her. Darunter auch irgendetwas blaues großes, was ich von meiner Position als Sitzschale identifizieren will, ich hatte aber keinen guten Blick.

Was einfach absurd in Rostock ist, dass die Ordner an den Eingängen, im Presseraum und im Innenraum eine Ausgeburt der Freundlichkeit und Herzlichkeit sind. Die beiden Radios schnackten fröhlich, der Techniker bangte um die Leitung, die Pressesprecher schnackten und sabbelten und alles ist entspannt. Es ist absurd, wenn man bedenkt, dass draußen bürgerkriegsartige Zustände herrschen.

Das bewerfen mit den Bananen hab ich nicht verstanden. Der Gag ist irgendwie an mir vorbei gegangen. Oder soll das die Rückgabe der seit 1990 in den Osten gelieferten Bananen sein? Mir war es zu hoch, sorry. Ich finde es sowieso sehr spannend, dass man bei uns ständig über Fangnetze überall und ähnlichem nachdenkt und in Rostock stehen zwei mehr oder minder hilflose Ordner mit Regenschirmen und sollen den Wurfgeschoss Hagel abhalten. Und da flogen nicht nur Bananen und Bierbecher, sondern auch „Kleine Feigling“ Flaschen, Feuerzeuge und andere sehr harte Gegenstände.

Stimmung bei solchen Spielen ist eigentlich immer gut, das ist eben das, was solche Spiele eigentlich ausmacht. Gästeblock vor dem Spiel noch exklusiv, danach auch die Heimkurve. Und man muss sagen: Beide mit Momenten, wo sie richtig laut waren und Momenten, wo man nur die anderen hörte. Sehr gut fand ich nebenbei die Reaktion des Gästeblocks beim präsentieren der erraubten Fanschals und Plakate. „Ihr wisst wo der Fanshop steht“ war wohl doch relativ laut zu hören und die einzig richtige Antwort auf eine Kollektion von Fanshopprodukten, die man wahrscheinlich irgendeinem unbedachten Familienvater im Sommerurlaub geraubt hat. Man muss wieder sagen: Ein echter Glanz für jede Fanszene und ein Zeichen, wie hammercool man ist. Merkt ihr selber, oder? Und selbst auf das Barflys Banner kam keine wirkliche Reaktion. Der zuerst gescheiterte Ansteckversuch wurde trocken noch mit „Ach ja, das war damals schwer entflammbarer Stoff“ kommentiert. Vielleicht merkt jetzt der letzte Rostocker (und ebenso die Rautenfans etc.), dass man damit nicht provozieren kann und unterlassen den Scheiß einfach.

Nebenbei: Hansa Rostock, ihr fragt euch, was ihr noch machen könnt? Und stellt euch als hilflos dar? Nein, seid ihr aber nicht, denn wenn bereits vor dem Spiel Fanschals abgefackelt werden und euer Stadionsprecher dazu kein Wort verliert, dann ist das eben auch eine Duldung, ein „als normal“ ansehen und damit eine schweigende Zustimmung. Sozusagen ein „ihr macht das, was ich mir nicht traue“. Deutliche verbale Kritik als Verein wäre hier mal angebracht und etwas, was ihr wirklich machen könntet. Ich empfand es sowieso mehr als skurril, wie entspannt da auf einem Sitz ein Shirt abfackeln konnte. Braucht man als Rostock diese Sitze nicht? Oder hat man reichlich Kohle?

Das Spiel war im Endeffekt nach 8 Minuten entschieden. Rostock mit sehr beschränkten fussballerischen Mitteln, aber bis in die Haarspitzen motiviert, wir mit der viel besseren Spielanlage und dem Versuch das ganze routiniert herunterzuspielen. Das hätte alles spannend werden können, wenn nicht nach 8 Minuten einem Rostocker die Sicherungen durchgebrannt wären. Und auch nach der 10. Wiederholung: Wer da so reingeht, der muss sich nicht wundern, wenn der Schiri es nicht bei gelb belässt. Das war einfach dämlich von dem Spieler.

Bemerkenswert: Nicht Boll nimmt die Binde, sondern Ralle zieht sie sich einfach mal so über und spielt danach gut 80 Minuten wie es sich für einen Kapitän gehört. Routiniert, klasse Stellungsspiel und Gewinner jedes wichtigen Zweikampfes. Es spricht auch für den Zusammenhalt und das Verständnis untereinander, dass Boll auch in der Halbzeit die Binde nicht zurückforderte.

Was bei uns nicht funktioniert ist die Außenverteidigung. Rechts ist klar bei den ganzen Ausfällen, aber Kalla gefiel mir auf links auch gar nicht. Und immer noch stehen beide Spieler auf der linken Seite mir viel zu offensiv und müssen dementsprechend viel zu häufig ihren Gegenspielern hinterher laufen. Das macht für mich wenig Sinn und wird immer mehr zu unserer Schwachstelle.

Saglik ist dafür der andere Gewinner. Das erwartet man von einem Stürmer. Kommt von der Bank, trifft und trifft noch mal. Und lässt sich beim Jubeln absolut nicht provozieren.

So nun aber schnell weg hier. Relativ unproblematisch war ich wieder in den Bussen und auch dieser erste Bus fing keine Steine oder so. Später soll noch ein Bus mit Steinen beworfen worden sein und es soll da auch zu einer leichten Verletzung gekommen sein. Erneut muss man sich fragen, was so etwas soll. Das ist doch nur dämlich.

Am Zug dann folgende Übung: Wie verkaufe ich 1.000 Flaschen Bier in 30 Minuten? Indem das Geld nur so über den Tresen fliegt. Danke an alle Helfer, insbesondere an Hanner und Moritz, die hier körperliche Schwerstarbeit verrichteten. Nur so saßen auch wir Helfer auf dem Trockenen, denn auch die Softgetränke gingen innerhalb kürzester Zeit weg.

Unser Zug fing dann wohl noch ein Wurfgeschoss und einen Farbbeutel, aber ansonsten passierte nix mehr und so begann eine entspannte Rückfahrt, die von gechille, gesaufe (soweit möglich) und gesinge geprägt war. Am Hauptbahnhof verließen uns die meisten Mitfahrer, weil offiziell eine Pause von 20 Minuten vor der Weiterfahrt angesagt war, die dann aber nicht kam und so rollten wir schnell in Richtung Altona, wo wir die kläglichen Reste der Ware ausluden und dann jeder seinen Gang ging.

Noch ein paar Worte zu Bengalo und Clips: Ich empfinde es nicht als sinnvoll bei einem solchen Spiel zu zündeln. Das ist einfach vorhersehbar und schon wieder im Rahmen der Norm. Daher ist es langweilig. Nur ganz ehrlich: Im Gegensatz zu Böllern oder geschossenen Clips gefährdet das nur einen selbst. Und das andere ist mehr oder minder der Versuch jemanden wirklich stark zu beschädigen.

Umso erstaunlicher nebenbei, dass von einem verletzten Ordner nirgendwo die Rede ist, denn ein Ordner wurde doch ordentlich blutend nach dem Böllerwurf rausgeleitet. Ich konnte nicht erkennen, ob die Böller nun von uns oder von Rostock kamen. Ich behaupte mal, dass jeweils mindestens einer geflogen ist und das finde ich Millionen mal beschissener als ein Bengalo oder ein bisschen Rauch.

Ach ja: Alle „ihr habt ja angefangen“ Argumentierer: Ja klar und dann darf man natürlich zur Selbstjustiz greifen. Und die Frau im kurzen Rock, die hat ja auch angefangen, nech? Es ist eben doch etwas anderes, ob ich einen Bengalo zünde oder ob ich mit Leuchtkugeln auf Leute schieße. Und wenn wir schon so kommen: Wer hat denn vor dem Spiel schon eine stattliche Anzahl von Schals geraubt und die schon vor dem Spiel in Brand gesetzt? Richtig, dann hat wieder Rostock angefangen. (was natürlich lächerlich ist, denn das eigene dumme Verhalten kann eben nicht durch das dumme Verhalten von anderen gerechtfertigt werden).

Fazit Nr. 1 (geklaut vom Lichterkarussell)

Fazit Nr. 2 (geklaut aus Facebook)

„Pepper spray and smoke bombs, my scarf is giving off an interesting scent!“

Ach ja: Kommentare bitte nur sachlich und ich behalte mir vor, alles zu löschen, ohne Argumente, ohne Rechtfertigung. Und nebenbei müssen hier Kommentare sowieso vorab genehmigt werden, spart also eure Zeit, wenn ihr hier rumpöbeln wollt.

Nov 162011
 

oder

Bündnisfähigkeit

Vorwort

Liebe Leser, ich finde Nationalmannschaftsfußball traditionell Käse und so habe ich mich gestern auch zur Halbzeit verabschiedet. Nicht, dass es sich nicht um Fußball auf höchstem Niveau handelt und man so etwas als Fan der Sportart nicht genießen könnte, aber bei mir ist der Genuss durch nationale Stereotypen und Bela R. (die Abrissbirne der deutschen Sportkommentatoren) so gemindert, dass ich „dem Holländer“ nicht wirklich genußvoll zusehen kann, wie er von „den Deutschen“ ausgespielt wird.

Aber es gibt ganz viele Kurzmeldungen.

Rostock

Wisst ihr eigentlich, dass Rostock eine wunderschöne Stadt mit sehr netten Einwohnern ist? Wahrscheinlich nicht, oder? Das Feinbild „Hansa“ ist bei uns ja genauso tief verwurzelt wie das Feindbild „St. Pauli“ bei denen. Leider. Bei uns sind die meisten Hansa Fans wahrscheinlich immer noch Faschos, ein Vorurteil, was vielleicht auf einige zutrifft, aber aus der Ferne betrachtet nun definitiv nicht mehr auf die Mehrheit der Rostocker. Wir sind wahrscheinlich die Gutmenschen, Linksradikalen, Zecken, was auch immer. Und so wird es auch Samstag wieder genügend Leute geben, die Schaum vor dem Mund tragen und ihrer Gewalttätigkeit frönen werden. Und dies auf beiden Seiten. Dazu noch die Prise „fußballspezifischer Raub“ und fertig ist der Bürgerkrieg.

Zumindest in der Öffentlichkeit. Und genau hier setzt leider nicht das denken an. Es geht nicht darum, was wirklich passiert, was in unserem empfinden passiert, sondern was die breite Öffentlichkeit draus macht. Und wer bisher nicht begriffen hat, welcher Fokus auf diesem Spiel liegt, welcher Fokus von den Sicherheitsbehörden auf dieses Spiel gelegt wird und welche weitreichenden Folgen jede Gewalt, jeder Pyro haben kann, der ist blind und taub.

Natürlich ist man als Fußballfan ein Spielball fremder Mächte. Denn wenn es friedlich bleibt, dann wird das nicht auf die Vernunft der Fußballfans geschoben werden, sondern auf die massive Polizeipräsenz. Ich lese schon den Satz: „Unser Konzept der Fantrennung und der frühen Kontrolle ist aufgegangen.“ Und wenn es doch kracht, dann wird eben wieder an der Stellschraube gedreht.

Das Konzept der Polizei muss man kritisieren (link geht auf die Fanladenseite). Nicht nur, dass so etwas wie persönliche Freiheiten auf ein Minimum beschränkt werden, indem ich mich bereits in Altona einer Kontrolle unterziehen muss, nein es ist auch fragwürdig, dass man in Rostock Hauptbahnhof und Pendelbusse nutzen will. Das Konzept einer geteilten Stadt und eines Fußmarsches erscheint mir da doch sehr viel sinnvoller und das ist letztes Mal in Rostock auch angewandt worden und hat sich ja wohl auch in Hannover bewährt. Pendelbusse stehen im Stau, der Hauptbahnhof wird auch zentraler Anfahrtsweg der Rostocker sein müssen und wie ich da die Kontrolle herstellen will, ist mir nicht klar.

Tja, soll man an die Vernunft appellieren? An die Gewaltfreiheit? Ich denke, dieser Zug ist abgefahren. Ich würde ja mal radikal vorschlagen, dass man vielleicht irgendwann mal zwischen den Fans vereinbart, dass man sich nix tut, wenn keine Polizei vor Ort ist. Das mal radikal von zwei eigentlich verfeindeten Fangruppen an die Polizei getragen, das würde ich mal cool finden.

Termine Teil 1

Nächsten Dienstag 22.11.11. ist JHV. Kommt zahlreich, diskutiert mit, überlegt mit. Ich denke, dass ich Montag noch kurz was zu den Anträgen schreiben werde.

Termine Teil 2

Warum bist DU eigentlich bei St. Pauli? Ja, diese Frage stellen sich eigentlich viel zu wenige und auch die Aktion letzte Saison ging eher aus wie das Hornberger Schießen. Nun also eine Podiumsveranstaltung mit mehr oder minder prominenten Gästen am 28.11.11. um 19:30 im Ballsaal. Das ganze wird garantiert spannend, nur ob es die selbstreflektierende Frage beantwortet, das wage ich jetzt schon zu bezweifeln. Wir werden es sehen.

Termine Teil 3

Fanräume hat sich mal was neues ausgedacht und hat zusammen mit Karsten Schölermanns Laufgesellschaft und der Triathlonabteilung den 1. St. Pauli X-Mess Lauf aus der Taufe gehoben. 5 KM durch Stadion, HGF und Planten und Blomen. In der angegebenen Zeit auch für den nicht so geübten Läufer locker zu machen und es gibt eine Urkunde, eine Medaille und einen Glühwein. Und Fanräume unterstützt man auch noch. Wer sich also noch nicht angemeldet hat, der tue dies bitte JETZT.

Nebeneffekt: Eine gesperrte Glacischaussee, etwas was man auch SEHR selten sieht in Hamburg, wenn da nicht gerade geparkt wird.

Aktion Libero

Spannende Aktion mit einem wichtigen Thema, habe auch schon einige wirklich gute Texte dort gelesen. Nur ganz ehrlich: Da sind Blogs verlinkt, die ich schlichtweg nicht für bündnisfähig halte, schon gar nicht beim Thema Diskriminierung und mit denen ich unter keinen Umständen in einer Reihe stehen will. Daher hier nur der Hinweis auf die Aktion, kein Text, keine Beteiligung von meiner Seite. (Bevor jetzt jemand nachfragt: Konkreter werde ich öffentlich nicht.)

Nov 042011
 

oder

Es bleibt trotzdem falsch

Vorwort

Liebe Leser, es ist mal wieder so weit. Die Gewaltdiskussion und die angeblich ausufernde Gewalt der angeblichen Fans wird mit angeblichen Maßnahmen bekämpft. Was wird kommen? Die Abschaffung der Stehplätze steht wahrscheinlich ganz oben auf der Liste der Vereine. Nur vordergründig aus Sicherheitsbedenken, ist doch der angenehme Nebeneffekt, dass man endlich diese doofen Plätze, die man höchstens für 20 Euro verkaufen kann und die das Preisniveau nach unten begrenzen, los ist. Das ein Sitzplatz erstmal nicht sicherer ist, als ein Stehplatz, sieht man daran, dass es auch im Europapokal ständig kracht und auch Hertha sich in die Liste der Vereine mit einer medienwirksame Randale stellt. Und das Olympiastadion hat nun nicht wirklich Stehplätze. Klar, ich kann damit Randale IM Stadion verhindern, indem ich so unglaublich wahnsinnige Preise wie in England nehme, denn dann kommt kein problematischer Jugendlicher mehr, kein Mensch mehr, der mit Gewalt sozialisiert ist. Ob man das erstrebenswert findet, steht auf einem anderen Blatt. Und das Fußballgewalt in England wirklich tot ist, kann man auch nicht behaupten, sie hat sich nur in die Straßen verlagert und weg von den Stadien.

Und man muss schwatz-gelb erstmal Recht geben: Gewalt ist im Fußball eingebaut. Und zwar nicht, weil Fußball nun besonders gewalttätig ist. Das behauptet zwar Jahr für Jahr die ZIS, aber wenn man sich diese Statistik mal nicht im luftleeren Raum anguckt, dann ist die Gewalt auf Dorffesten nicht anders. Ich verweise auf den entsprechenden Bericht auf dieser Seite und der gilt ebenso für den diesjährigen ZIS Bericht. Daher muss sich der Fußball die Frage auch anders stellen. Es geht nicht darum, wie Gewalt im Fußball verhindert werden kann, nein es geht darum, wie der Fußball verhindert, dass genau er die Spielwiese wird, wo die Gewalt der Gesellschaft ausgelebt wird und wie man verhindern kann, dass die gewalttätige Gesellschaft auf den Fußball zeigt um von ihren Versäumnissen abzulenken. Und ob ein Polizeistaat ohne Rechte für Fans da das richtige Mittel ist, wage ich mal ganz stark zu bezweifeln.

Hippies des Ostens

Kommen wir aber zu Dynamo. Fakt ist, dass Dresden ein sehr problematisches Publikum hat. Nein, es geht mir nicht um das ständige Gezündel. Das bauschen die Medien gerade auf und so sehr das gefährlich ist, so sehr gefährden sich die zündelnden Gruppen erstmal selbst. Das musste Nürnberg auf schmerzhafte Weise lernen und das werden wohl auch noch andere lernen.

Worum es mir geht ist die ständige körperliche Gewalt gegen Fans, Ultras was auch immer von anderen Mannschaften. Ein kurzes Stöbern in den Bildergalerien zeigt, dass u.a. bei jedem Spiel stolz Schals der gegnerischen Mannschaft präsentiert werden. Und wie die in die Hände der Präsentatoren gelangen, muss ich wohl nicht erklären. So etwas heißt im Juristendeutsch entweder Diebstahl oder meistens Raub oder räuberische Erpressung. Und ist damit keine Allerweltsstraftat mehr, sondern schlichtweg eine mittelschwere bis schwere Straftat mit auch entsprechenden Folgen für das Opfer. Man komme mir jetzt bitte nicht mit „Ultrakultur und das gehört dazu untereinander.“ Nicht nur, dass ein „Kultur“, die auf Recht des Stärkeren und Brutalerem basiert, ja wohl so gar nicht erstrebenswert ist, nein, wenn ich dann sehe, was für Schals und Fahnen präsentiert werden, dann wird da nicht nur „den Wessi Ultras“ auf’s Maul gehauen, sondern jedem noch so normalen Fan. Sprich: Da hängen Fanshopfahnen neben Fanshopschals. Nicht gerade etwas, was ein Ultra mitführt. Und damit wird die eigene „Kultur“ verlassen. Und wenn man dann liest, dass „Herzen und Fäuste immer für Dynamo schlagen werden“, dann muss man an einem nicht zweifeln:

Dresden hat ein Gewaltproblem. Dazu kommen noch rechtsradikale Gesänge einiger Fans (das Thema blende ich ab jetzt mal ein bisschen aus, soll es absolut nicht verharmlosen!) und eine viel zu tief sitzende Gleichgültigkeit anderer. Die dann aufhört, wenn eine Gruppe mal das Hirn einschalten will, das sind dann die Nestbeschmutzer. Vielleicht müsste Dynamo erstmal lernen, dass man einem KSC Fan eben nicht den Schal wegboxt, sondern ihm einfach mal ein Bier ausgibt, ihm ein gutes Spiel wünscht und das Spiel dann ganz entspannt gewinnt. Macht auch weniger Stress. Aber natürlich auch weniger Adrenalin und gerade die Junkies dieses Stoffes gibt es leider bei jedem Verein.

Kurz und gut: Dynamo ist mir so etwas von unsympathisch, wie mir eine Fangruppe nur unsympathisch sein kann. Wird denen mit uns wahrscheinlich nicht anders gehen, ist ja auch egal.

Und dies ist auch kein neues Phänomen und man muss dem Verein „das sind keine Fans“ und insbesondere dem Land Sachsen „wir finanzieren keine Fanprojekte“ hier Versäumnisse vielfältiger Art vorwerfen. Und das über Jahrzehnte. Zwar hat Dynamo nun ein Fanprojekt, aber wer weiß, dass Fanprojektarbeit Generationsarbeit ist, der weiß auch, wie lange so etwas dauert. Auch dies muss man deutlich sagen.

Und nun kommen wir zu der aktuellen Pressemitteilung von Dynamo Dresden, die nun anscheinend alles nachholen wollen, was sie über Jahrzehnte versäumt haben. Positiv und absolut richtig ist: Eine verstärkte Fanbetreuung. Ziel muss es einfach sein einen Selbstreflektionsprozess in Gang zu setzen.

Und so bekloppt das klingt, ich finde es falsch auf Tickets zu verzichten oder sie aus dem DFB Pokal auszuschließen. Warum?

Erstmal schafft man genau das nicht, was man will, nämlich eine differenzierte Selbstbetrachtung und eine Reflektion. Man gibt den Kräften, die sich als Opfer stilisieren wollen, die sich von „denen da draußen; der Polizei; der DFL; dem DFB“ mies behandelt fühlen, wieder jeden Grund den äußeren Feind hochzukochen und so den inneren Zusammenhalt zu stärken. Das ist ein Klassiker aus der Massenpsychologie und insofern mehr als Blind, dass dies eigentlich nie irgendjemand bedenkt. Differenzierte, individualisierte Strafen und auch Vorteile sind da viel besser.

Hinzu kommt: Ja, das Spiel zwischen uns und Dresden, da findet man 1.000 Gründe, warum dies ein Hochrisikospiel ist. Da ist die politische Dimension, da ist Ost/West, da ist das Gewaltpotential. Nur man bedenke mal, was beim letzten Spiel passiert ist. Außer einer oralen Körperverletzung (Video ab 1:37) ist nicht viel passiert. Nach dem Spiel gab es Trubel mit Hamburgern (ungleich St. Pauli)), was auch seine Berechtigung hatte, aber zwischen Dynamo und St. Pauli ist trotz der Brisanz (an diesem Tag ging es für beide um Aufstieg bzw. Aufstiegschancen) nicht viel passiert. Und gerade dieses zum großen Teil positive Beispiel hätte man vor dem erneuten Aufeinandertreffen allen Dresdenern vor Augen führen können und müssen. Und der Verein hätte dringend eine Wiederholung gebraucht. Und diese Chance nimmt er sich jetzt selbst. Und nein, ich will nicht verharmlosen, was für finstere Gestalten auch an diesem Tag mit Dynamo unterwegs waren.

Ich meine auch damals hat Dynamo die Tickets nur sehr restriktiv abgegeben und ich denke, dass so etwas auch diesmal möglich gewesen wäre. Ja, Personalisierung, Abgabe nur an bestimmte Gruppen von Menschen (Vereinsmitglieder etc.), Kontrollen und andere Restriktionen sind unschön und garantiert nicht begrüßenswert. Aber besser als ein kompletter Ausschluß oder Verzicht sind sie allemal. Und gerade bei 2.000 Karten (oder einem leicht reduzierten Kontingent) wäre eine auch interne Kontrolle sehr viel besser möglich gewesen, als wenn man 10.000 Leute in Dortmund hat.

Oder man wäre von Dynamoseite auf die Idee gekommen, die nun Olespapa äußert. Schickt uns die Jugendmannschaften und die U16 (U18?) des Fanprojektes. Macht in Hamburg eine entsprechende Begegnung mit unseren Jugendlichen und versuche wenigstens die nächste Generation zu ändern. Das wäre ziemlich cool gewesen. Schade, dass Dresden diese Idee nicht gehabt hat. Und das obwohl ich „SG DÜNAMMMMO“ aus 1.000 Kinderkehlen als brutalste Körperverletzung ansehe.

Gleiches gilt nebenbei für den Pokalausschluss. Ich würde hier eine andere Strafe für viel sinnvoller halten: Lass Dynamo spielen. Mit klaren Restriktionen, wer die begleiten darf. Und als Strafe müssen die alle Einnahmen in gewaltpräventive Projekte fließen lassen. Würde ich gut finden.

Und noch etwas sei deutlich gesagt: Der Ausschluß der Dresdener sorgt ja nicht für einen entspannten Tag für uns. Die Mutanten werden sowieso kommen und im Viertel rumrennen. Die Polizei wird also ebenso wie damals gegen Rostock ein Großaufgebot stellen müssen und wahrscheinlich bekommen wir trotzdem ein Alkverbot. Und mehr Ordner, Kontrollen etc. brauchen wir auch um zu verhindern, dass Dresdener einsickern. Nein, das ist erstmal nicht schlimm, denn viele Dresdener wissen sich zu benehmen, aber das sieht man nicht immer jemandem an. Und in einem gemischten Block ist eben die Kontrolle, auch die Selbstkontrolle viel geringer, als in einem Auswärtsblock.

Man kann nur hoffen, dass die zarten Pflänzchen der anders denkenden sich langsam bei Dynamo durchsetzen. Und das weder der innere, noch der äußere Trampel es zertritt. Braun-weiß und schwarz-gelb müssen sich nicht mögen und werden es vielleicht auch nie, das ist nicht das Thema. Ich drücke Dynamo und dem besagten Pflänzchen alle Daumen.

Nov 022011
 

oder

Kein „lohnendes“ Geschäft

Präskriptum,

Wie immer in unserem geliebtem Verein pfiffen die Spatzen schon lange vom Dach der Südtribüne, dass eine Fananleihe geplant ist. Nun ist sie öffentlich und ich kann nur sagen: Denk zweimal drüber nach, ob du investieren willst. Aber spannend ist so eine Anleihebegebung immer. Denn niemals sonst muss ein Unternehmen so die Hosen runterlassen, wie wenn es an den öffentlichen Kapitalmarkt will. Und es lohnt sich das Prospekt mal gelesen zu haben.

Ich warne jetzt schon vor, das ganze wird eher trockene Kost und wer sich eher nicht so für die wirtschaftliche Seite so eines Fußballvereines interessiert, der sollte relativ schnell mit dem Lesen aufhören, denn unterhaltsam wird dieser Artikel nicht.

Grundlage für alle hier angestellten Äußerungen ist das Wertpapierprospekt zu der Anleihe. Das ganze ist mit bestem Wissen und Gewissen recherchiert, es können sich trotzdem Fehler eingeschlichen haben! Daher die dringende Warnung: Wenn ihr investieren wollt, dann guckt euch vorher noch mal das vollständige Prospekt im Original an. Ich muss aus Zeitgründen viele Sachen auslassen und die Bilanzzahlen unseres Vereines sind traditionell Bestandteil des JHV Berichtes, sie sind daher auch ausgelassen.

Zur Zeit Online: Version 1.0 vom 02.11.2011 (Wird morgen noch mal geprüft und überarbeitet und dann hier vermerkt)

Was ist so ein Prospekt?

Gesetzliche Regelungen zwingen Unternehmen, welche am Kapitalmarkt Geld aufnehmen wollen dazu die Hosen runter zu lassen. Sie müssen in einem Prospekt wahrheitsgemäß über alle Eckdaten berichten und dürfen dabei keine falschen Angaben machen. Insbesondere müssen sie über alle Risiken aufklären. Machen sie dies nicht, können sie (und auch Dritte) haftbar sein. Einzelheiten dieser Haftung sind unglaublich komplex und die Rechtsprechung zu diesem Thema ist vielfältigst. Spar ich mir jetzt, bin ich auch kein Fachmann drin. Aber: Ihr werdet gerade bei einer Unternehmung wie der Profiabteilung des FC St. Pauli, die sehr wenig Berichtspflichten hat einen so ungeschminkten Blick in das Unternehmen werfen können.

Die Eckdaten

Die Millerntorstadion Betriebs-GmbH & Co KG (MSB) gibt Inhaberschuldverschreibungen aus, die sie in Stücken von 100, 500 und 1910 Euro verkauft, bis das ganze höchstens 6 Millionen Euro ergibt. Man behält sich aber vor das ganze noch um 2 Millionen Euro zu erhöhen. Das ganze wird (nur) vom FC St. Pauli e.V. garantiert. Das ganze hat eine Laufzeit von 7 Jahren und Ende 2018 soll das ganze zurückgezahlt werden. Spannend ist, dass im Gegensatz zu normalen Anleihen echte wirklich existierende Stücke (auch) angeboten werden, die man sich dann zu Hause in den Rahmen tun kann. Das ist bei einer „normalen“ Anleihe heutzutage ziemlich unüblich, man bucht das eigentlich nur noch irgendwo auf der Bank. Spannend ist auch folgender Satz:

„Es ist nicht beabsichtigt, die Schuldverschreibung zum Handel an einer Börse zuzulassen oder sie zum Handel in den Freiverkehr einer Börse einbeziehen zu lassen.“

Wenn man diese Rahmendaten beachtet, dann kann man relativ schnell eine kurze Zusammenfassung schreiben, die ich euch vorab für die neugierigen und ungeduldigen präsentieren will.

Die Kurzempfehlung!

Ich halte sehr wenig von solchen Fananleihen. Der Grund ist ein sehr grundsätzlicher: Geldentscheidungen sollte man immer rational treffen und nie emotional. Hier wird aber gerade die emotionale Bindung an den Fußballverein als Verkaufsargument genutzt und die rationale Frage, ob ich bereit bin dieses Risiko einzugehen, wird bewusst überblendet. Dies zeigt sich u.a. auch daran, dass sich eine körperliche Anleihe nach Hause holen kann, dass ein Wert mit einer emotionalen Stückelung (1910 Euro) angeboten wird und dass sehr kleine Stücke (100 Euro) angeboten werden. Alles nicht wirklich üblich für eine Industrieanleihe und alles ein Zeichen dafür, dass eher der Fan als der Anleger angesprochen werden soll.

Denn aus der Perspektive des rationalen Anleger (im Gegensatz zum emotionalen Fan) ist eine solche Anleihe für den kleinen unerfahrenen Anleger schlichtweg nicht geeignet.

Ich will dafür nur ein kleines bisschen ausholen. Anleihen zahlen einen gewissen Zinssatz. Dieser Zinssatz besteht – grob vereinfacht – aus zwei Faktoren. Faktor 1 ist durch die zur zeitige Inflation beeinflusst und lässt sich – grob vereinfacht – als der Zins bezeichnen, den ich zahlen muss, wenn für mich Faktor 2 keine Rolle spielt. Faktor 2 ist ein Risikoaufschlag. Sprich: Wieviel mehr Zinsen bekomme ich dafür, dass ich diesem Unternehmen Geld leihe und damit das Risiko eingehe, dass dieses Unternehmen pleite geht und ich 0 Euro wiedersehe. Denn eine Sache findet man sofort in dem Prospekt und das ist für einen Kleinanleger ein sehr entscheidender Satz:

„Für den Fall einer möglichen Insolvenz der Emittentin besteht keine gesetzliche oder freiwillige Einlagensicherung.“

Im Klartext: Wenn der FC St. Pauli in Zahlungsschwierigkeiten gerät, dann springt niemand anders ein. Das ist bei klassischen Sparformen, wie z.B. dem Sparbuch anders. Okay, dafür bekommt man einen höheren Zins. Man misst diesen Risikoaufschlag so, dass man einfach mal guckt, was eine vergleichbare Bundesanleihe so an Zinsen bringt, weil man davon ausgeht, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht pleite gehen kann. Sie zahlt daher Zinsen nur nach Faktor 1, nicht auch nach Faktor 2. Ein kurzer Blick ins Internet enthüllt einen Zinssatz für eine 7 jährige Bundesanleihe von ca. 1,4 %, sprich der Aufschlag über diese Anleihe ist ca. 4,6 %. (Das ca. soll ausdrücken, dass so etwas auch täglich ein bisschen schwankt und ich die Daten genommen habe, die vorhanden waren, als ich diesen Bericht schrieb.) Das ist auf den ersten Blick ein ordentlicher Aufschlag, was auf der einen Seite die Anlage natürlich lohnend macht, auf der anderen Seite aber auch zeigt, dass da schon ein ordentliches Risiko vorhanden ist.

Ist dieser Aufschlag nun angemessen? Sprich: Ganz rational betrachtet: Steht er im richtigen Verhältnis und macht die Anleihe lohnend? Nun, ich könnte es euch ehrlich gesagt nicht sagen. Die Deutsche Telekom hat im Jahr 2011 eine Anleihe über 10 Jahre herausgegeben, die 4,75 % erlöst. Nur ist die Telekom der richtige Vergleich? Ich kann es euch nicht sagen. Aber wir haben hier jemanden, der dies wissen muss und dies auch deutlich sagt, nämlich das Prospekt:

„Ferner liegt die Verzinsung im Vergleich zu Emittenten außerhalb der Branche des Profi-Fußballs mit ähnlicher Bonität unter Marktniveau […]“

Sprich: Der Risikoaufschlag ist definitiv nicht marktüblich und damit schlichtweg nicht angemessen. Sprich: Rein rational gesehen, kann man diese Anleihe nicht kaufen.

Das Prospekt formuliert es später noch mal deutlicher:

“Die Höhe der Verzinsung der Schuldverschreibungen liegt im Bereich der Verzinsung vorangegangener Emissionen in der Branche des Profi-Fußballs. Betrachtet man jedoch die reinen Finanzkennzahlen, so liegt die Verzinsung im Vergleich zu Emittenten anderer Branchen mit ähnlicher Bonität unter Marktniveau, was sich ebenfalls negativ auf den Markt und den Preis auswirken kann. Bei Anleihen anderer Emittenten kann daher gegebenenfalls ein attraktiveres Rendite- / Risikoverhältnis erzielt werden. Die Schuldverschreibungen sollten daher nicht von Anlegern gekauft werden, die ein möglichst gutes Rendite- / Risikoverhältnis für ihr Kapital suchen.“

Gerade der letzte Satz verklausuliert das, was ich sage: Rational kann man diese Anleihe nicht kaufen, denn ich kann eine Anleihe nur kaufen, wenn ich ein gutes Rendite/Risikoverhältnis bekomme. Nur dafür ist eine Anleihe da.

Um es mal deutlich zu sagen, das Urteil über diese Anleihe kann bereits hier, nach einer kurzen Betrachtung nur wie folgt lauten:

FINGER WEG! AUF KEINEN FALL KAUFEN!

Hinzu kommt noch, dass das Geld bis 2018 weg ist. Ein Verkauf wird sehr schwer werden, denn ein wirklicher Markt, wo ich relativ schnell einen Käufer finde, ist alleine durch die relativ kleine Summe der Anleihe und die Nichtzulassung an Börsen ausgeschlossen.

Wer jetzt nebenbei meint, dass ich doch meinem Verein mit meiner negativen Beurteilung schade, der hat Recht, ist aber auch auf die gewollte Emotionalität reingefallen und hat die rationale Betrachtung außer acht gelassen. Anders als z.B. bei der LDK halte ich die Gegenleistung hier für viel zu wenig ausreichend, als dass ich dies kaufen würde. Natürlich kann man niemanden verbieten, so eine Anleihe zu kaufen „weil er seinen Verein“ unterstützen will, aber ich halte das für ein sehr gefährliches Argument bei Anlageentscheidungen. Es ist eben nicht rational und das ist bei Geldentscheidungen immer problematisch.

Ein kurzer Exkurs

Bevor hier in den Kommentaren die „Das System ist schuld“ Fraktion brüllt: Meine ganze Betrachtung ist natürlich auf Grundlage des herrschenden kapitalistischem System und seiner Instrumente. Eine Kritik an Wertpapierhandel und – spekulation findet in diesem Kontext ganz bewusst nicht statt. Nur wenn man mal betrachtet, was historisch eine Börse sein sollte, nämlich ein Ort, an dem sich viele Käufer und Verkäufer sammeln und man so ein liquides Angebot und eine liquide Nachfrage erhält, dann ist die Nichzulassung an einer Börse ein Nachteil. Nebenbei und ganz weit gedacht: In einem System, wo man eine ständige Nachfrage und ein ständiges Angebot braucht, kann der Spekulant plötzlich eine sehr wichtige Position einnehmen.

Exkurs Ende

Und selbst wenn ein Leser von mir geübter Börsenzocker ist, der auch mal auf riskantere Sachen setzt: Er würde für sein Geld woanders bessere Zinsen bekommen und sollte deswegen nicht zugreifen. Das ganze ist eine Verarsche von Menschen, die emotional an diesem Verein hängen und sie auszunehmen und ihnen nicht einmal einen angemessenen Zinssatz zu zahlen. Das klingt hart, ist aber die ganze Quintessenz.

Aber genauer

Ich hoffe, dass ich bereits jetzt alle Leser dieser Kolumne überzeugt habe, die Finger von dieser Anleihe zu lassen. Trotzdem werde ich einige Punkte des Prospektes nun weiter betrachten, denn sie sind einfach viel zu spannend, als dass man sie nicht mal euch zu Gemüte führen sollte. Einzelne Aussagen sind der Brüller. Aber Achtung: Eine umfassende Bewertung aller Fragen ist das nicht, denn das kann ich in meiner mir gegebenen Zeit nicht leisten. Man entschuldige mir auch eine gewisse Zusammenhangslosigkeit der einzelnen Punkte, ich gehe einfach nach der Reihenfolge im Prospekt vor.

„Der Emittent“

Zu Beginn des Prospektes werden die rechtlichen Verhältnisse der Gesellschaft genannt. Wir lernen, dass die MSB am 17.08.2006 gegründet wurde, dass der e.V. größter Gesellschafter ist (98% Prozent) und es zwei Minderheitengesellschafter gibt. Dann steht der folgender Satz, der zeigt, dass man ab und zumal doch an Fanräume denkt, ohne dass man die oberen Zehntausend dran erinnert:

„Ferner ist zu erwarten, dass sich im Zusammenhang mit dem weiteren Aus- und Umbau des Millerntorstadions der Fanräume e.V. ein Zusammenschluss von Fans des FC St. Pauli, als weiterer Kommanditist mit einer symbolischen Beteiligung an der Emittentin beteiligen wird.“

Da geht mir ja beinah das Herz auf, dass mal jemand an uns gedacht hat. Das wir uns da ein ganz ordentliches Ei ins Nest legen, dass werdet ihr noch später sehen.

Die Risikoübersicht

Ähnlich wie ich in diesem Bericht hat auch so ein Prospekt einen Teil für die Ungeduldigen, die sich nicht mit Lesen aufhalten wollen. Dabei wird in einzelnen Posten aufgezählt, was für Risiken sich für jemanden ergeben, der investieren möchte. Ich will mich daran entlang hängeln und werde aber teilweise auf Informationen aus den anderen Bereichen des Prospektes zur Erläuterung zurückgreifen. Einige andere Punkte werde ich erst in einem eigenen Punkt abhandeln. Sorry, dass wird dann teilweise etwas unübersichtlich, aber mir fällt auch keine andere Gliederung ein. Zur besseren Übersichtlichkeit werde ich kleine Zwischenüberschriften einbauen.

Anschlussfinanzierung von nöten

Im Prospekt heißt es:

„Zur Erfüllung sämtlicher Rückzahlungsansprüche der Anleihegläubiger werden die Emittentin und der Verein voraussichtlich ene anteilige Anschlussfinanzierung benötigen.“

Was steht da etwas verklausuliert? Aus dem Geschäftsergebnis (dem Gewinn) ist nicht zu erwarten, dass wir bei Fälligkeit der Anleihe 6 Millionen auf einen Schlag zurückzahlen können. Wir werden dafür zumindest anteilig einen Kredit aufnehmen müssen, den wir danach irgendwann und irgendwie tilgen. Keine schöne Vorstellung, oder?

Im späteren Text wird dies auch noch mal deutlich gesagt und man lese das sehr aufmerksam:

„Sollte die Fußball-Lizenzspielermannschaft des Vereins über die Laufzeit der Anleihe in der zweiten Bundesliga [Text hier etwas umformuliert vom Autor] verbleiben […], werden die Emittentin und der Verein nicht dazu in der Lage sein, sämtliche Rückzahlungsansprüche […] bei Fälligkeit aus Eigenmitteln zu erfüllen. Doch auch wenn die Fußball-Lizenzspielermannschaft während der Laufzeit […] in die 1. Bundesliga [Text hier etwas umformuliert] aufsteigen und dort kurz- oder langfristig verbleiben sollte, lässt sich nicht ausschließen, dass die angesparten Eigenmitteln […] nicht ausreichen werden. […]“

Ich sage es mal so: 2018 ein Start in der Champions League wäre mehr als hilfreich.

Kritische Fanszene

Wenn ihr euch mal gefragt habt, wie so ein Prospekt das größte Kapital und die Grundlage der gesamten Vermarktungsmaschinerie beurteilt, dann liest nur folgenden Satz:

„Aufgrund der traditionell konstruktiv-kritischen Fankultur des FC St. Pauli kann es zu Einschränkungen des Vermarktungspotentials kommen.“

Na immerhin wird uns zugestanden konstruktiv zu sein. 😉 Ganz ehrlich: Das hätte ich selbst in einen solchen Text nie so reinformuliert, denn deutlicher kann man nicht machen, dass Fans doch eigentlich dabei stören, dass man endlich Kohle ohne Ende scheffelt. Wenn ich so etwas formulieren hätte müssen, dann hätte es auch folgender Satz getan:

„Aufgrund seines besonderen Images und seiner besonderen Haltung kann es bei der Vermarktung des FC St. Pauli zu Einschränkungen kommen.“

Der Unterschied ist klar, oder?

Viele Allgemeinplätze

Dann wird in vielen Worten beschrieben, dass wir absteigen können, die Lizenz verlieren können, das Stadion kaputt gehen könnten, dass Spieler zu teuer werden oder keiner mehr sich für uns interessiert. Das sind alles allgemeine Risiken, für die ich nur die Augen aufhalten muss und für die ich nicht wirklich so ein Prospekt brauche. Erstaunlich: Selbst Strafen für „verstärktes“ zünden von Pyro oder Bechwürfen ist als Risiko genannt.

Schuldenstand

Ihr wolltet wissen, wie hoch wir (also die MSB) noch verschuldet sind? Der Blick ins Prospekt sagt, dass wir zur Zeit ca. 22 Millionen verschuldet sind. Anfänglich waren es laut Prospekt 25 Millionen, so dass wir immerhin schon 3 Millionen seit dem Baubeginn der Süd zurückgezahlt haben. Dafür ist das Eigentum an den neuen Tribünen, aber auch die gesamten Mieteinnahmen der MSB (insbesondere vom e.V.) an die Banken abgetreten. Sie stehen also bei einem Problem nicht für die Anleihegläubiger zur Verfügung, was deren Risiko definitiv erhöht.

Wenn man mal die immer wieder genannten 20 Millionen neue Schulden für die restlichen Baumaßnahmen rechnet, dann ist unser geliebter Verein, bzw. seine Tochtergesellschaften am Ende mit irgendwas um die 40 Millionen verschuldet. Laut Prospekt haben wir als e.V. einen Umsatz von 28 Millionen im abgelaufenem Jahr gemacht. Wohlgemerkt: 1. Liga. Immerhin sollen wir gut 5 Millionen Gewinn gemacht, was ja auch eine ordentliche Umsatzrendite wäre. Nur ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass dies nicht gerade bei uns üblich ist. Aber selbst wenn wir mal von diesen Zahlen ausgehen, wären wir mit einem 1,3fachen Umsatz und einem 8fachen Jahresüberschuss verschuldet. Wohlgemerkt: In einem Jahr in dem wir 1. Liga gespielt haben, ein Zustand, der bei uns eben nicht alltäglich ist. Insbesondere weil der Gewinn auch durch zwei Faktoren in die Höhe getrieben wurde: Ständig volle Hütte und wahrscheinlich sehr wenig Spielerprämien, weil wir sang- und klanglos abgestiegen sind.

Bürgschaft für die Pestalozzistiftung

Im Prospekt steht folgendes:

„Des weiteren bürgt die Emittentin für alle bestehenden, künftigen und bedingten Ansprüche der FHH [gemeint ist die Stadt Hamburg] gegen die Pestalozzi-Stiftung Hamburg aus möglichen Erstattungspflichten bei zu Unrecht erbrachten Leistungen wegen Rücknahme, Widerrufs oder sonstiger Aufhebung eines Zuwendungsbescheides der FHH in Höhe von bis zu EUR 1.802.000,00 […]

Wie später erläutert handelt es sich dabei um einen Zuwendungsbescheid, welcher für die Planung und Errichtung der Kindertagesstätte gewährt wurde und von der Stiftung durchgereicht wurde. Die Frage, die ich mich nun aber stelle: Welche Bedingungen hatte dieser Bescheid? Welche Auflagen? Und liegen die alle in unserer Hand oder in Hand der Stiftung? Mein Herz schlägt jetzt nicht wirklich vor Angst schneller, aber bemerkenswert ist es schon, dass wir hier für eine Stiftung bürgen, die mit uns nix zu tun hat, außer dass wir das Dach teilen.

Fanräume e.V. oder unsere Verantwortung

Jetzt kommen wir aber zu einem Punkt, der mein Herz schneller schlagen lässt. Wer jetzt nur triumphiert, der ist sich nicht klar, welche klare Verantwortung auf uns als Fans zukommt. Ich zitiere das Prospekt:

„Trotz einer Beteiligung von 98 % am Kapital der Emittentin hat der Verein auf diese keinen beherrschenden Einfluss. Vielmehr bedürfen grundsätzlich alle Gesellschafterbeschlüsse der Emittentin der Einstimmigkeit. Das Erfordernis der Einstimmigkeit erstreckt sich insbesondere auch auf sämtliche Geschäfte des täglichen Lebens. Vor diesem Hintergrund ist der Verein für die Beschlussfassung in der Gesellschafterversammlung der Emittentin auf die Mitwirkung der beiden weiteren, jeweils zu 1 % am Kapital der Emittentin beteiligten Kommanditisten Michael Meeske und Prof. Dr. Hans-Jürgen Schulke angewiesen. Jeder der beiden Minderheitskommanditisten verfügt über eine sog. Sperrminorität und ist in der Lage, Beschlussfassungen in der Gesellschafterversammlung der Emittentin zu behindern oder sogar zu verhindern. Dies betrifft z. B. auch Beschlüsse über eine Neubesetzung der Geschäftsführung, Änderungen des Gesellschaftsvertrages und allgemeine Maßnahmen der täglichen Geschäftsleitung. Entsprechendes würde für jede weitere in den Gesellschafterkreis der Emittentin aufgenommene Person gelten, insbesondere für den Fanräume e.V., einem Zusammenschluss von Fans des FC St. Pauli, der eine symbolische Beteiligung an der Emittentin erhalten soll (s. Ziffer 4.5.11). Sollte es vor diesem Hintergrund zu einer Blockade durch einen oder mehrere Mitgesellschafter kommen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Entscheidungen im Interesse der Emittentin nicht oder nur zeitlich verzögert erwirkt werden können. Dies könnte sich im Einzelfall nachteilig auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Emittentin auswirken.“

Und dazu ergänzend aus dem Bereich „Steuerliche Risiken“:

„Zum anderen müssen alle Beschlüsse der Gesellschaft, die auch die sog. Geschäfte des täglichen Lebens umfassen müssen, einstimmig gefasst werden.“

Man lese sich das bitte ganz in Ruhe und ganz genau durch. Wir werden durch die Beteiligung von Fanräume in das Recht und in die Pflicht gesetzt vieles in dieser Gesellschaft mitzubestimmen. Das muss jedem klar sein und das muss jedem deutlich sein. Das ist eine Machtposition mit der die Fanszene auch umgehen können muss.

Und noch mal die kritische Fanszene

Ich zitiere noch mal aus dem Prospekt:

“Der FC St. Pauli verfügt über eine besondere Fankultur, die sich auch dadurch auszeichnet, dass die Fangemeinschaft gemeinsam mit den Verantwortlichen des FC St. Pauli im konstruktiven und auch kritischen Dialog versucht, das Erlebnis Fußball im Millerntor-Stadion fanfreundlich und im Sinne der besonderen Tradition des FC St. Pauli und seiner gewachsenen Fanszene zu gestalten. Das schließt die Ablehnung einer Vermarktung des Stadionnamens, des Ausnutzens aller möglichen Werbezeiten sowie anderer, nicht zum FC St. Pauli passende Werbe- und Vermarktungsmaßnahmen ein. Einzelheiten dazu sind vor allem in den Richtlinien des FC St. Pauli Kongresses und in der Vermarktungsrichtlinie geregelt, die einer ständigen kritischen Kontrolle durch den FC St. Pauli und die Fanszene unterworfen sind. Daraus können sich naturgemäß Einschränkungen in der Vermarktungstätigkeit des FC St. Pauli ergeben, die die mit dem besonderen Fanengagement verbundenen positiven Effekte nicht vollständig kompensieren könnten, was sich negativ auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Vereins auswirken kann.“

Auch noch mal: So hätte ich das NIE formuliert. Da steckt viel zu doll ein „wir wollen ja, aber die bösen Fans wollen nicht“ drin. Und das hat für mich ein extremes Geschmäckle.

Negative Berichterstattung

Auch eine schöne Formulierung, die ich einfach mal unkommentiert stehen lassen will:

„Insbesondere durch negative Presse aufgrund von Ausschreitungen durch Hooligans, Fans und/oder Vereinsmitglieder und daran anschließender Berichterstattung kann das Ansehen des Vereins nachhaltigen Schaden nehmen.“

Immerhin das Prospekt geht davon aus, dass man Fan, Hooligan und Vereinsmitglied zugleich sein kann.

Wo sie Recht haben, haben sie Recht

Ich zitiere:

„Die Entwicklung des gültigen Steuerrechts unterliegt – auch in seiner verwaltungstechnischen Anwendung – einem stetigen Wandel.“

Das kann man so nur unterschreiben. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht zu prüfen, ob die weiteren steuerlichen Angaben richtig sind. Das war mir zu mühsam.

Vieles spare ich mir dann…

Spannend wird es dann erst wieder ab Seite 69, wo es um wesentliche Verträge geht.

Der Vertrag mit der FHH

Spannend ist, dass wir das Grundstück für einmalig 1 Euro gepachtet haben. Dies aber unter einigen Voraussetzungen. U.a. muss die MSB das Stadion zu marktüblichen Konditionen an den e.V. verpachten und ggf. auch anderen Vereinen, die „mit dem Stadtteil St. Pauli in ähnlicher Weise wie der Verein verbunden sind, unter bestimmten Voraussetzungen und zu den gleichen Bedingungen wie dem Verein zur Verfügung zu stellen.“

Als könnte sich irgendein Verein aus St. Pauli eine ähnliche Miete leisten.

Pachtvertrag mit dem Verein

Der Verein zahlt eine feste Pacht von 1.738.800,04 Euro und dazu noch einen ligaabhängigen Betrag von 50.000 oder 100.000 Euro pro Monat, der als Ansparung für die noch ausstehenden Tribünen genutzt werden soll. Man beabsichtigt nach Fertigstellung diesen herabzusetzen und den festen Zins heraufzusetzen. Warum weiß ich, dass das ungefähr ein Nullsummenspiel wird? Mit dem Nachteil, dass dann keine Ligaanpassung mehr drin ist. Wenn es dem e.V. mies geht, dann kann man die Pacht auch anpassen, aber dann geht es dem ganzen Konstrukt richtig mies.

Was zahlt die Pestalozzi-Stiftung?

Ich zitiere: „Der Grundpachtzins beträgt […] heute monatlich 6.250,00 Euro.“

Für die gesamte Kita? Dann muss man sagen, dann hat sich diese Konstruktion für die Stiftung auch gelohnt, denn so preiswert wird man auf St. Pauli keine so große Kita errichten können, behaupte ich jetzt mal.

Und die „Schweizer“?

Bei den Schweizern stehen von ehemals 4 Mio Darlehen noch 2,4 Mio aus. Zur Sicherheit sind die Catering Rechte für die Laufzeit von 10 Jahren abgegeben. Spannend ist, dass den Schweizern das Recht eingeräumt wird zwei Veranstaltungen pro Saison auf eigene Kosten durchzuführen. Eine solche Veranstaltung habe ich zumindest bisher noch nicht mitbekommen.

Beteiligungsstruktur

Auf Seite 86 ist die Beteiligungsstruktur wiedergegeben. Für Freunde von Konzernverzeichnissen vielleicht mal ganz spannend.

Was ich in diesem Zusammenhang aber erstaunlich finde und zumindest mir war das nicht bekannt: Dem Verein gehört zu 20 % indirekt über Töchter die Viva Con Agua Beteiligungs GmbH & CO KG. Diese hält wiederrum eine Beteiligung an der VcA Wasser GmbH, die das sehr beliebte Wasser verkauft, welches mit VcA gelabelt ist.

Ticket-Online Vertrag

Ticket-Online hat das Recht exklusiv alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauer über sein System zu verkaufen und bekommt für jedes Ticket eine Gebühr. Der Vertrag endet nach der Saison 2016/2017. Wir können uns also noch ein paar Jahre an die Besetztzeichen und die Serverabstürze gewöhnen.

Holstenvertrag

In diesem ist auch eine unentgeltliche Nutzung des Stadions einmal pro Jahr vorgesehen. Das erscheint mir bisher auch noch nicht wirklich zum tragen gekommen zu sein. Sollte es zu einem Alkoholverbot von länger als 9 Monaten kommen, kann Holsten nebenbei kündigen.

Becherwerfer

Ich zitiere:

“Der Verein überprüft ferner derzeit die Einleitung eines Schadenersatzprozesses gegen den verantwortlichen Becherwerfer aus dem Bundesligaspiel gegen den FC Schalke 04 vom 1. April 2011, aufgrund dessen es zu einem Spielabbruch und einer Strafe durch das Sportgericht des DFB kam (s. Ziffer 5.1.7). Die Entscheidung hierüber wird voraussichtlich noch in diesem Jahr getroffen werden. Ferner beabsichtigt der Verein, einen Schadenersatzprozess gegen den verantwortlichen Becherwerfer aus dem Zweitligaspiel gegen den FC Erzgebirge Aue vom 23. September 2011 (s. Ziffer 5.1.7) einzuleiten, das sich aber nicht erheblich auf die Finanzlage oder Rentabilität des Vereins und/oder des FC St. Pauli auswirken wird.“

Man beachte die unterschiedliche Formulierung. Ich finde das bemerkenswert und würde doch gerne wissen, warum die beiden Fälle unterschiedlich behandelt werden und warum man bei Fall Aue „beabsichtigt“ bei Fall Schalke, der sehr viel länger her ist „prüft“. Ich kann nur noch mal die soziale Verantwortung, die Sensibilität dieser Themen und die Wirkung einer Eins zu Eins Weiterreichung der Strafen in Erinnerung rufen. Das ich sie für juristisch derbst zweifelhaft halte, habe ich bereits in einem Artikel abgehandelt.

Fertig

Mehr ging in der Kürze der Zeit nicht. Natürlich sind da noch ganz viele Informationen drin, die es zu beleuchten gibt. Aber da hoffe ich auf die anderen Blogger.

Nov 012011
 

oder

Motzende Schlüssel

Vorwort

Liebe Leser, ich hatte Freitag das zweifelhafte Vergnügen ein Spiel im Raval verfolgen zu können. Nein, nicht zweifelhaft, weil das Raval irgendwie zweifelhaft ist, jeder weiß, dass dies die tollste Brasserie überhaupt ist. Aber zweifelhaft, weil man dann Sky gucken muss und den Kommentator hören muss. Der machte bei dem Wettbewerb „wie häufig kann ich „Kult“ in 20 Sekunden sagen außer Konkurrenz mit. Denn er wäre sowieso unschlagbar gewesen. Und das der Kult mal wieder mit mehr oder minder nackten Stripdamen visuell untermalt wurde, sagt ja wohl alles aus, oder? Da freue ich mich ja schon auf die JHV und die ganzen Leute, denen das alles nix ausmacht. Ich zumindest unterstütze den Antrag, den da ein Radsportler und ein AFMler eingebracht haben.

Aber heute soll es mal nicht um Fußball gehen, das wird ab morgen wieder unser Thema sein. Dann auch zu dem Dresdenverzicht mehr.

Staffeln nerven

Denn Samstag ging es nach Frankfurt. Nach dem ich noch bei einer geheimen Hochzeit den Zeugen und den Fotografen gegeben hatte, ging es entspannt mit dem IC und dem ICE nach Wiesbaden. Tja, während der IC pünktlich war, sorgte der ICE für einen kleinen Trainingslauf. Suche noch den Trainingsplan, der für einen Marathon am Vorabend „Laufen sie in Frankfurt im Vollsprint von Gleis 9 zu Gleis 23“ vorsieht. Gefunden habe ich ihn noch nicht, aber es gibt ihn garantiert. In Wiesbaden dann alles voller Mainzern und Bremern, aber schnell hatte ich mein Empfangskommando gefunden und schon ging es in die Stadt, welche sprichwörtlich die Polizei hasst.

Unser Nachtlager wie immer auf 5 Sterne Niveau. Das ich nicht schlafen konnte, lag eher an meinem Sprint und der allgemeinen Hektik der Reise. Doof ist es trotzdem und es wurde locker 1 Uhr alter Zeit, bevor ich ein Auge zudrücken konnte. Da kam die Zeitumstellung doch sehr gelegen.

Auch die Ernährung war nicht ganz optimal, denn statt Nudeln gab es indisch und eine dicke Torte, aber egal. Die Nacht war dann irgendwann viel zu schnell zu Ende und drei müde Menschen knabberten eher nervös tippelnd ihr Frühstück. Unser Gastgeber kniff dieses Jahr nicht und wollte die 4 fallen sehen. Ich die 5 und Schwesterherz war sich nicht so ganz sicher, aber irgendwas fallen, das musste ja.

Leicht nebelige, leere Autobahn bis Frankfurt, dann in die Schlange gestellt und relativ schnell einen Parkplatz bekommen. Das große Plus von Frankfurt ist und bleibt die Nutzung des Messegeländes, welches halt direkt an der Autobahn liegt. Die Parkgebühr in Höhe von 10 Euro für den Tag buchen wir mal unter „aber so gerade eben noch angemessen“.

Die Pendelbusse bringen einen dann schnell zur Messehalle, wo wir das übliche in Kloschlangen warten Spiel spielten, unterbrochen vom Wegbringen der Sachen. Das ganze war aber enger, als im Vorjahr, da merkte man schon, dass Frankfurt ausgebucht ist und dann an seinen Kapazitätsgrenzen arbeitet. Ich mag mir diesen Lauf nicht mit mehr Teilnehmern vorstellen. Und genau daran denkt der Veranstalter.

Auf dem Weg zum Start wurde der Rest der „Kein Sprint“ Truppe gefunden. Ist ja auch klar, ganz viele Leute, du hast 100 Wege zum Start und wir laufen uns ungeplant über den Weg. Gut für unseren Gastgeber, der so einen Triolauf machen konnte und so die 4 zerstören konnte. In meiner Welt gibt es leider keinen Mitläufer, so langsam ist niemand.

Ich stellte mich also hinten an und wartete auf den Start. Und bereits vor dem Start merkte man bei vielen Teilnehmern: Hier geht heute etwas! Das Wetter perfekt, weder zu kalt, noch zu warm, die Sonne mal da, mal weg, wenn es zu warm wird und die Strecke als schnell bekannt. Lustig in diesem Zusammenhang der Mensch, der unter @laufeninleipzig twittert und fragte, ob jemand ihm sagen könne, ob auf dem und dem Platz die Strecke drüber oder außen rum führe. Auf die Nachfrage, ob er vorne weg laufen wolle, denn man könne doch einfach dem vor einem hinterherlaufen, meinte er, nein er müsse das aber mental so planen. Das ist doch Vorbereitung. Ich lasse mich da eher überraschen.

In meiner Nähe stellte sich der 4:59 Minuten Ballonträger auf und ich überlegte kurz, ob ich mich direkt an den anhängen sollte. Ich schwankte, aber nachdem es am Mann mit dem Hammer vorbei ging, war der immer noch in meiner Nähe, als blieb ich erstmal hinter denen. Das sah auf KM 1 auch super aus, denn die liefen schön mit 6:57 und 6:45 an. Nur danach war das irgendwie nix mehr, denn dann kamen 7:46 und 7:10 und auch der nächste Kilometer begann wieder in einer Pace, die weit über 7:06 (das sind die 5 Stunden) lag. Sorry, das ist mir a. zu unrhythmisch und b. zu doll auf Endsteigerung gedacht. Ich musste gerade in dem 7:46 KM mehrfach abstoppen um dem vor mir nicht in die Hacken zu treten. Das ist es also nicht, also machte ich mich alleine auf die Reise. Es lief gut, nur diesmal war nahezu kein Publikum an der Strecke, so dass ich mich auch ein bisschen langweilte. 6:47, 6:45, 7:00 waren die nächsten Kilometer und gerade als ich dachte, dass ich einen entspannten Rhythmus gefunden hatte und eine Kleingruppe, die ungefähr mein Tempo anstrebte, da kamen von hinten die Staffeln an und brachten alles durcheinander. ES NERVT! Und alle Veranstalter sollten sich wirklich überlegen, ob Marathonstaffeln wirklich eine tolle Idee sind. Ständig wird man überholt, ständig weiß man nicht, wer wirklich mit einem noch Marathon läuft und es können auch keine zusammen laufenden Gruppen entstehen, weil immer wieder ein Staffelmob den Platz auf der Straße beansprucht. Und so geht das bis ca. Kilometer 30 bis der Großteil der Staffeln vorbei ist.

Genervt wie ich war, hilft nur Musik auf die Ohren. Vorteil: Ablenkung Nachteil: Ich werde ein kleines Stück zu schnell. Egal. Bestzeit oder Tod! Zwischen KM 10 und 15 pendelte ich also irgendwo zwischen 6:45 und 7:00. Nach KM 10 hat man auch das Gewirr in der Innenstadt hinter sich gelassen und läuft nun in einem großen Bogen raus in Richtung Höchst. Ich lief relativ locker und der HM war in 2:26:38 absolviert. Bis hierhin noch ganz ohne Gehpausen. Die erste kurze Gehpause absolvierte ich nach dem Durchlauf bei KM 25 und daher war der 26. Kilometer auch der erste, der sich deutlich von der 7:06 Marke nach oben entfernte. Der Plan war nun sich irgendwie mit Gehpausen alle 5 Kilometer ins Ziel zu schummeln. Denn meinem Körper ging es eigentlich gut. Ein kurzes Magengrummeln wurde durch einen Dixibesuch behoben, welcher mir zwar gut 3 Minuten kostete, aber halt mal sein musste.

Danach ging es bis Kilometer 30 gut in 7:06 bis 7:16 pro Kilometer weiter. Leider mit wirklich sehr sehr wenig Publikum an der Strecke, das war letztes Jahr doch mehr. Immerhin wurde ich bei jeder Moderationsstation namentlich genannt und das motiviert, da kann man sagen, was man will.

Bis KM 30 ging es mir außer langsam schwerer werdenden Beinen eigentlich super, aber dann erwischte mich volle Elle der Hammer. Mein Körper streikte kurz, mir wurde beim laufen kalt und ich entschied, dass Cola und eine Gehpause sinnvoll wären. Auch störte die Musik in den Ohren plötzlich und ich beendete sie daher sofort. Kilometer 31 wurde daher nur in 8:51 absolviert. Ich gab schon die Hoffnung auf eine Bestzeit auf, aber irgendwann begann die Cola zu wirken und ich konnte wenigstens immer wieder längere Strecken traben. Bis Km 37 blieb ich immer wieder unter 8 Minuten und zwar waren die 5 Stunden damit weg, aber ich hatte immer noch eine realistische Chance auf die Bestzeit. Ich hatte nun auch zwischendurch mal jemanden zum schnacken gefunden und die gemeinsamen Kilometer gingen außer extraschweren Beinen doch noch ganz gut von der Hand. Bei Kilometer 39 und 40 hatten dann aber meine Beine doch mehr als genug und begannen komplett zu streiken. Eine kurze Dehnungspause und dann ging es auf den Rest. 8:16 für KM 41, 7:58 für KM 42, das Ziel näherte sich. Die letzten 1.000 Meter, dann aber wirklich mit dem ständigen Blick auf die Uhr und immer wieder der Selbstanfeuerung „Du hast noch 9 Minuten für 1.000 Meter, du hast noch 8 Minuten für 900 Meter…“. Gefühlt war dieser letzte Kilometer mindestens 10 Kilometer lang, aber dann hörte man auch schon die Musik aus der Festhalle. Und das ist DAS Highlight von Frankfurt, der Einlauf in die Festhalle. Die Leute brüllen einen an, die Musik, das Licht, auch die Cheerleader (ja, hier passt das), das bringt einem nach einem Marathon Gänsehaut. Die Uhr blieb bei 5:14:34 stehen und ich hatte meine Bestzeit um 108 Sekunden verbessert.

Bemerkenswert ist noch folgendes: Morgens haben wir noch gewitzelt, dass falls ich es schaffe mit 4:59:XX in die Festhalle zu laufen, dass ich dann vor dem Ziel stehe um genau mit 5:00:00 über die Linie zu laufen, das hat nicht ganz geklappt, aber meine Bruttozeit (das ist vom Startschuss gerechnet, aber in meiner Zeitgruppe braucht man gut 15 Minuten bevor man losläuft, daher gibt es immer auch eine Nettozeit, welche wirklich zählt)) ist genau 5:30:00.

Der zweite Halbmarathon in 2:47:57, was mein schnellster 2. Halbmarathon in einem Marathon ist. Okay, ich breche immer noch heldenhaft ein, weil mir auch im Training die Konsequenz bei den langen Läufen fehlt, aber daran kann man ja arbeiten und ich bin so super zufrieden. Die fehlenden 14 Minuten knabbere ich dann 2012 weiter ab. Wobei: Ich bin bisher nur in Frankfurt schneller als 5:36 gelaufen und ich laufe nächstes Jahr Frankfurt nicht. Ich muss also auch mal auf anderen Strecken schneller werden. Helgoland in Bestzeit? Das wäre doch mal ein Brett.

Jubel, Beckerfaust, Adrenalin und kurz hat man sämtliche Schmerzen vergessen. Normalerweise lässt man sich nun fröhlich eine Medaille umhängen, strahlt von A nach B und freut sich. Nur leider hatte der Veranstalter nicht genügend Medaillen am Start, so dass es viele lange Gesichter gab. Und ganz ehrlich: DAS IST MEGAPEINLICH! Bei Facebook hat man versucht sich zu entschuldigen und in einer Antwort eine Nachlieferung versprochen, aber auf der offiziellen Homepage oder als wirklichen Eintrag bei Facebook findet man dies nicht (Stand 1.11.11) und auf eine persönliche Mail wurde bisher auch nicht geantwortet. Das ist beschämend und mit nichts zu rechtfertigen. Wenn man seit Wochen ausgebucht ist, dann muss man genügend Medaillen am Start haben. Und falls dies aus irgendwelchen Gründen mal nicht klappt, dann ist sofortige, schnelle und umfangreiche Information oberste Veranstalterpflicht.

Ganz ehrlich: Das zieht die ganzen tollen Helfer absolut in den Dreck. Die haben sich an den Getränkeständen so zerrissen um uns allen zu helfen, die Flasche wurde blitzschnell aufgefüllt und jeder Helfer hatte ein aufmunterndes Wort auf den Lippen, alleine diese Helfer hätten eine vernünftige Orga der Medaillen verdient.

So genug gemotzt. Ansonsten war es klasse, danke Frankfurt, danke an alle ehrenamtlichen Helfer. Wir sammelten nun unseren Mitfahrer wieder ein, der zwar der schnellste von uns war, aber so auch Zeit hatte, sich festzuquasseln. Egal, schnell war er gefunden und wir waren auf der Autobahn.

Irgendwann fuhr ich dann und Schwesterherz und ich können doch nicht ganz leugnen verwandt zu sein, denn auf der Autobahn können wir doch beide sehr über den Verkehr fluchen. Schwesterherz sollte zwischendurch schon www.siemotzt.de genannt werden. Und ich dann magischermotzer?

Kurz hinter Kassel dann die obligatorischen Burger und das obligatorische alkoholfreie Bier. Der Rest der Rückfahrt wurde versabbelt und unser Mitfahrer fand auch seinen Schlüssel. Am Dienstag. Gut, dass er einen Ersatzschlüssel bei Nachbarn hatte.

In den ganzen Berichten der einzelnen Teilnehmer kann man sehen, dass so ein Marathon viele Helden gebärt, aber auch ganz viele persönliche Enttäuschungen. Einige laufen so einen Marathon super rund, fühlen sich toll, laufen Bestzeit. Andere laufen, verkrampfen, der Magen spielt nicht mit, die Taktik klappt nicht und leiden. Stellvertretend für all diese Erlebnisse habe ich ein paar Blogbeiträge am Ende dieses Berichtes verlinkt.

Noch etwas ist bemerkenswert: Man läuft einen Marathon und weiß am Ende nicht, wer eigentlich gewonnen hat. In Frankfurt war derjenige eigentlich gleich die ärmste Sau. Denn Wilson Kipsang lief wahrscheinlich das Rennen seines Lebens und verpasste den Weltrekord nur um 4 Sekunden. Und wie meinte ein Mitläufer so richtig: Der wird sich richtig ärgern, denn wenn er knapp einen neuen Weltrekord läuft, dann bekommt er die Prämie und der in Berlin hat sie schon bekommen und ärgert sich nicht ganz so, dass sein Rekord wieder Geschichte ist. So bekommt er keine.

Cool nebenbei auch Fr. Mockenhaupt, im Ziel zusammenklappen, aber im Fallen wie in Trance die Uhr stoppen. Das nennt man dann wohl Reflex. Immerhin ist sie mit der Zeit bei den olympischen Spielen dabei. Glückwunsch dazu.

Die Marathonsaison 2011 ist vorbei, die Wintersaison beginnt. Der Hagener Lümmellauf ist gebucht und nach Oldendorf wird es auch wieder gehen. Mal sehen, was sonst noch so läuft. Ziel von mir ist es allemal sehr viele lange Strecken zu laufen um einfach mein Durchhaltevermögen etwas weiter in Richtung 42 Kilometer zu verschieben. 2012 sind Helgoland, Berlin und New York fest gebucht. Ich hätte gerne noch einen weiteren Marathon im Frühjahr und hoffe darauf, dass wir Hansa nicht an einem Sonntag empfangen (dann ginge Hannover). Vielleicht kommt es aber auch ganz anders. Ihr werdet es hier lesen.

Hier nun die Berichte, die ich bisher gefunden habe:

André Pollmächer beschreibt, wie man an der Olympianorm scheitern kann. Was mich verwundert in diesem Bericht ist, wie schwierig es anscheinend ist, richtige Tempomacher zu bekommen. Ich hätte immer gedacht, so etwas ist hochprofessionell geregelt und vom Veranstalter organisiert.

Der oben bereits zitierte @laufeninleipzig berichtet, wie akribisch er sich vorbereitet, wie fokussiert man auch im oberen Hobbybereich laufen kann. Beeindruckend.

Wolfgang läuft Bestzeit zwischen hoffen und bangen. Da liest man so richtig Leid und Freud eines Marathonis.

Robert mit einer minutengenauen Beschreibung seines Laufes.

Schwesterherz muss ich nicht weiter erwähnen, oder?

Btw: Schwesterherz: Können jetzt mal bitte alle Facebooknutzer ungefähr hier „Gefällt mir“ klicken? Dankeschön!

Und ein Erstläufer (Auf Englisch)

Und zum Abschluss der beste Ausblick des Laufes