Okt 032011
 

oder

War ein Geschenk, ich musste jede Minute genießen

Vorwort

Liebe Leser, ich war nicht beim Fußball, ein Fakt, der sehr selten passiert, aber nun direkt zwei Auswärtsspiele hintereinander. Ich habe ja ein zweites Hobby und dies ist das laufen von Marathonen. Und Köln sowie Frankfurt bieten sich diesen Herbst einfach an. Köln ist Geschichte, Frankfurt vor der Brust. Hier also Worte aus Köln:

Heißer Lauf

Tja, anstatt also nach Cottbus zu fahren, ging es am Morgen in Richtung Köln. Irgendwie die ganz falsche Richtung, aber das Kribbeln und Bedauern hielt sich in engen Grenzen. Wir waren früh am Morgen aufgebrochen, so dass wir ohne größere Probleme und Behinderungen bis zum Kreuz Leverkusen kamen. Bemerkenswert waren nur die unzähligen Busse, die zur IG Metall Demo wollten. War später dann auf dem Parkplatz auch ein beeindruckendes Bild, wenn da irgendwie 500 Busse stehen. Dann wurde es ein bisschen voll, aber mit einigen Umfahrungskünsten kamen wir der Messe dann doch schnell näher. Hier muss man auch Kritik an der Organisation üben. Top, dass die Messe ein Parkleitsystem hat. Weniger Top, wenn dieses irgendwann endet und man auf einem Kreisel nicht weiß, wo man hin soll. Mit Fragen und gutem Willen wurde der Parkplatz aber gefunden und man konnte zur Messe spazieren. Die Startnummer war schnell abgeholt, erstaunlicherweise waren die Frauen in die fortlaufenden Nummern einsortiert (und bekamen einfach nur ein F davor), so dass Schwesterherz und ich an einer Stelle unsere Nummer greifen konnten. Erstaunlich: Keine Überprüfung der Chipdaten, das kenne ich von anderen Läufen doch anders.

Wir bummelten noch ein bisschen über die Messe. Marathonmessen ähneln sich doch. Laufanbieter werben für sich und es gibt ganz viele Produkte, die einen sehr viel schneller machen (sollen). Meistens gibt es aber auch Schuhe oder andere Sachen billiger, so dass sich ein bisschen stöbern lohnt. Ich will ja immer noch bei so einem Laufstand mal hingehen und folgendes sagen: „Moin, ich brauch noch gute Schuhe für morgen.“

Okay, es sind dann einfach nur so Schuhe meiner Marke geworden. Und noch ein bisschen was zu futtern und dann konnten wir uns auf die Suche nach einer Sky-Kneipe machen. Zwei, die das Schild an der Tür hatten, waren geschlossen, die Dritte hatte zwar kein Schild an der Tür, aber immerhin lief da Kaiserslautern – Stuttgart. Gemeinschaftlich konnte dann auf Konferenz umgestellt werden, so dass wir das Spiel zwar ohne Ton, aber ganz entspannt verfolgen konnten. Und entspannt war es ja auch, denn relativ schnell war klar: Da brennt nix an. Kann so weitergehen bei Spielen, wo ich mal nicht die Reise antrete.

Danach ging es zum Twitterlauftreff und so konnte ich wenigstens mal Menschen die Hand schütteln, die dann doch sehr viel kürzer für einen Marathon brauchen als ich. Bemerkenswert ist dabei u.a. der Herr @schliefkowitz, für den das ganze „nur“ ein Trainingslauf auf dem Weg zu einem 100 Meilen Lauf Ende des Monats war. Da läuft man dann auch zwei Tage vorher mal ganz entspannt 50 KM. Und den entspannten Trainingslauf über 42,195 KM schloss er auch mal eben in 3:33 ab. Der junge Mann führt auch einen Blog, der sich sehr spaßig liest, der aber – Kritik – viel zu selten aktualisiert wird. Langfristiges Ziel von @schliefkowitz ist nebenbei dieser Spaß hier. Auch Herr @bartlog (sozusagen der Organisator des Twitterlauftreffs, Herrn @pixxelschubser aus Hamburg und vielen anderen deren Namen ich mir nicht behalten konnte, konnte die Hand geschüttelt werden. Wenn ich es richtig sehe, haben auch alle Twitterer die Strecke geschafft. Glückwunsch dazu.

Dann ging es aber zu unseren Gastgebern. Wir unter dem Dach einquartiert, Mia hatte extra ihr Zimmer für uns geräumt (Dankeschön). Auch sonst war es mal wieder mehr als perfekt. Leckere Nudeln, noch leckerer Nachtisch, Unterhaltung, Schlafbier, alles war vorhanden. Selbst Sightseeing war im Preis inbegriffen. Danke Britta, Danke Til, Danke Ole, Matti, Mia, war mal wieder herrlich bei euch.

Der Schlaf vor einem Marathon ist dann doch relativ entscheidend und ich schlief ziemlich gut. Also alles fit. Nur eines war etwas bedenklich: Angesagte 26 Grad. Und Köln bietet nicht nur einen Marathon, sondern auch die Hälfte und eine Skaterkonkurrenz. Um dies alles über die Strecke zu bringen, startet der Halbmarathon um 8:30, der Marathon dann aber erst um 11:30. Man kann nebenbei auch beides nacheinander bestreiten. 11:30 bei diesem Wetter? Na, herzlichen Glückwunsch.

Ein Frühstück der Extraklasse gab dann erstmal die notwendige Kraft und die langwierige Vorbereitung auf einen Marathon begann. Vaseline ungefähr überall hin, wo ein Mensch scheuern kann, Brustwarzen abkleben (nach dem Lauf nebenbei echt Scheiße den Kram wieder los zu werden), Uhr anlegen, Brustgurt anlegen, Socken anziehen, Schuhe anziehen und und und.

Ich hatte mir noch eine 22 Titel umfassende Notfallplaylist zurecht gelegt, höre im Wettkampf aber eigentlich keine Musik, sondern sabbel lieber oder höre mir die Anfeuerungsrufe an, aber man kann nie wissen und bei diesem Wetter war eine Playlist besser.

Parkplätze war heute kein Problem und auch der Shuttle funktionierte hervorragend. Erstaunlich war jedoch, dass die Messe schon abgebaut war, so dass auch die Frage nach dem Käsekuchen flach fiel. Mist, damit war schon mal die Bestzeit Geschichte.

Wie immer machten wir uns zu früh auf zu den Startblöcken. Schwesterherz war relativ weit vorne eingeordnet worden, ich wie immer sehr weit hinten. In der Sonne war es schon im Stehen beinah zu warm, so dass ich mir echt Sorgen machte. In den hinteren Blöcken die übliche Mischung von Vorfreude und Aufregung, neben einem klingelt noch ein Telefon, „Ne, kann jetzt nicht, muss gleich Marathon laufen“. Etwas gewöhnungsbedürftig war dann, dass der Startschuss nicht pünktlich erfolgte. Und dann wurden die beiden langsamsten Blöcke auch noch zweigeteilt, obwohl sie nebeneinander standen und durften mit einer Zeitverschiebung von 5 Minuten starten. Das finde ich ehrlich gesagt nicht sehr gelungen, auch gerade, wenn es nicht angekündigt ist. Denn man will dann doch irgendwann los und gerade im hinteren Feld freut man sich eher, wenn es ein bisschen dichter besiedelt ist. Dies führt nebenbei dazu, dass in der Ergebnisliste Netto und Brutto Zeiten teilweise sehr stark auseinanderfallen.

Irgendwann trabte auch ich über die Startlinie und los gings. Mein Plan: 8,4 KM pro Stunde. Das wären 5 Stunden. Erstmal ging es über die Deutzer Brücke, dann in einer Kurve und durch einen Tunnel an das Rheinufer. Der Tunnel gleich die erste Herausforderung, denn bereits hier war die Luft einfach zum ersticken. Der Schweiß lief also gleich von Beginn richtig gut. Dem Rhein folgend ging es das Konrad Adenauer Ufer, das Niederländer Ufer bis zur Boltensternstraße hinauf. Dort dann die Wende, so dass einem das Feld entgegen kam. Vorne weg die Topläufer in einem Affenzahn, dann der ganze Rest. Schwesterherz natürlich schon ein ganzes Stück vor mir, aber ein aufmunterndes Rufen war möglich. Beruhigend: Hinter mir dann doch noch eine ganze Masse Leute und zum Besenwagen hatte ich bereits hier einen ordentlichen Abstand. Meine Pace pendelte sich knapp unter 7:00 Minuten pro Kilometer ein und eigentlich war alles bestens, nur dass man bereits hier merkte, wie verflucht warm das ist. Ich habe mir über die Zeit antrainiert bei 5 KM etwas zu trinken und dann alle 2,5 Kilometer. Und dann immer nur einen kleinen Schluck. Heute klebte einem der Mund bereits nach 3 Kilometern und obwohl ich bereits vor dem Start sehr viel Flüssigkeit zu mir genommen hatte, nahm ich mehr Flüssigkeit als gewollt zu mir. Ich hatte mir auf der Messe noch eine Mütze gekauft, weil es wirklich keinen Schwamm in der Tüte gab und konnte die wenigstens immer Nass machen. So ging die erste Stunde zu Ende und mein Plan mit 8,4 Kilometern ging hier noch sehr gut auf. So wurde die zweite Stunde in Angriff genommen und wir liefen nun die andere Richtung den Rhein hinauf (Bayenstraße, Am Bayenturm, Aggripinaufer, Gustav Heinemann Ufer). Dies alles ohne wirklichen Schatten und einer warmen Sonne auf dem Kopf. Wieder kam ein das Feld entgegen und Schwester meinte nur, es sei ihr zu warm. Meine Antwort konnte nur sein „Ja, hier auch“.Trotz Kühlung an jedem Stand, trotz, dass ich mir immer wieder Wasser in den Nacken kippte merkte ich ab Kilometer 14, dass es einfach zu warm ist um hier irgendetwas zu reissen. Bis Kilometer 15 stimmte noch alles, aber dann merkte ich, dass mein Kreislauf einfach nicht mit diesem Wetter will und ich lieber Tempo rausnahm. Zwar waren die Beine noch gut, aber was nützt einem das, wenn man merkt, wie die Sicht unklarer wird und der Kopf schwer wird? Bis zum Halbmarathon habe ich mich noch ohne größere Gehpausen und so immer unter 8 Minuten durchgekämpft. Kurzfristig war das auch mein Plan 8 Minuten pro Kilometer und dann eine Zeit so um die 5:20 anpeilen. Aber ein erneutes Absacken des Kreislaufes machte diesen Plan bei Kilometer 24 zunichte. Nun war wirklich mal gehen angesagt.

Bis hierhin war eher wenig Publikum an der Strecke, dies aber auch schon sehr stimmgewaltig und klatschfreudig. Nun bog man aber über Mühlenbach und Cacillenstraße in Richtung Neumarkt und damit in die Innenstadt ab und ab jetzt war eigentlich immer wieder was los. Ich hatte ab jetzt mir eigentlich nur noch zum Plan gesetzt anzukommen und mir vorgenommen jeden Kilometer irgendwie unter 10 Minuten zu laufen. Das funktionierte eigentlich auch bis Kilometer 40 sehr gut. Vorbei an vielen Kneipen, wo Leute einen aufmunternden, Zülpicher Straße, Universitätsstraße, irgendwo noch mal Schwesterherz getroffen und ihr zugerufen, dass ich 6 Stunden brauchen werde. Mein Kreislauf lies nur noch Laufstrecken von ca. 500 bis 1,5 Kilometern zu, gerade in der Sonne war es mehrfach knapp davor mir Schwarz vor Augen zu werden. Da ich absolut nichts riskieren wollte, lies ich auch Abkühlung per Wasser auf den Körper meistens aus oder machte es nur sehr vorsichtig. Aufgrund der Getränkeaufnahme nörgelte irgendwann natürlich auch der Magen, so dass ich mich beinah noch übergeben hätte. Aber bei ca. Kilometer 35 hatte ich einen langsamen aber machbaren Rhythmus gefunden und näherte mich so langsam aber bestimmt dem Ziel. Immer im Gleichschritt mit den gleichen Läufern, einer jungen Dame in einem Caritastrikot, die immer schmaler im Gesicht wurde, aber es heldenhaft schaffte. Dazu noch ein Paar, welches hinten drauf „Eigentlich wollte ich nur Brötchen holen“ stehen hatte. Kurz vor Ziel gab es von mir auch ein freundliches: „Gleich sind wir bei den Brötchen“.

Super auch wirklich das Publikum. Überall noch Menschen, die einen ehrlich, herzlich und offen anfeuerten. In den Kneipen Trauben von Menschen, die sich Namen griffen, diese aufmunternden und auch mich so weiter trugen. Bei Kilometer 40 und damit beim Dom war dann aber endlich Ende, es ging nix mehr, meine Beine mochten keinen Schritt mehr laufen. So ging ich über die Deutzerbrücke, lies den Brötchenholern den Vortritt und näherte mich dem Ziel. Auch hier noch richtig Party und so nahm ich meine Flasche aus der Hand und klatschte dem wirklich überragendem Publikum Beifall.

5:43:04 sagt die offizielle Ergebnisliste. Damit kann ich sehr gut leben. Immerhin war der Lauf ein Weihnachtsgeschenk, so muss man davon auch jede Minute genießen. Ich habe grob 50 Männer hinter mir gelassen, so dass ich deutlich mehr Menschen hinter mir gelassen habe, als z.B. in München letztes Jahr.

Die Organisation der Laufstrecke ist wirklich sehr gut. Viele Helfer, die noch anfeuerten und an den Getränkeständen war auch bei meinem Durchlauf noch alles ausreichend vorhanden. Sehr gut finde ich, dass es an vielen Ständen auch Cola gab, eine Sache die ich sehr gut finde. Die Zielverpflegung mit Wurst, Brezeln und allem anderen war dafür leider schon sehr ausgesucht. So gab es kein alkoholfreies Kölsch mehr. Schade eigentlich.

Schwesterherz war dann wieder die Rückfahrerin aus dem Himmel und mit einem kleinen Zwischenstopp für Sportlernahrung (Burger, ich brauchte das) ging es zügig nach Hamburg.

Danke Köln, diesen Marathon kann man noch mal machen.

Abschließend: Die Überschrift stand auf den T-Shirts der Schülerstaffel, die gleichzeitig lief. Teilweise mussten die mit ihren Abschnitten (4 KM?) auch ganz schön kämpfen die Kinder und ich habe selbst Tränen am Rand miterlebt. Dabei sollte auch jedes Kind stolz darauf sein, dass es sich auf solche Strecken wagt.

Hier noch ein Bild der Medaille:

Wenn man ganz genau hinguckt, sieht man nebenbei, dass ich den Koln Marathon mitgelaufen bin. Da ist nur ein O kein Ö drauf auf der Medaille.

Und die Strecke bei gpsies.de. Gut ist, dass man alle belebten Straßen zweimal durchläuft, auch wenn das immer heißt, dass man das Feld vor einem sieht, was ich nicht immer motivierend finde. Aber das Publikum war es umso mehr.

Am Tag danach bin ich noch 3 Kilometer ausgelaufen, was eigentlich schon wieder ganz gut ging und habe ansonsten in meinem obligatorischem Fressflash alles in mich hineingestopft, was ich gefunden habe. Der oben erwähnte junge Mann lief dafür schon wieder 10 Kilometer. Kann man machen.

  3 Responses to “Marathon ist wie Urlaub… … nur mit Schmerzen”

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