Okt 272011
 

oder

Chance yourself

Prolog

Da lese ich doch diesen Epilog des Kollegen Lichterkarussells. Und dabei bin ich kein Freund von politischen Diskussionen im WWW. Warum nicht? Ganz einfach, es gibt mir da viel zu viele Weltverbesserer, die anscheinend die Weisheit mit Löffeln gefressen haben, Adorno, Lenin und Habermas oder wen auch immer auswendig kennen, sich auch noch in Banken und Weltfinanz auskennen, Geschäfte mit Finanzhebeln erklären können und sagen können, wie die Welt funktioniert und haben für alles eine Lösung. Ich halte nix von solchen Omnigelehrten. Die Welt ist zu kompliziert, als dass man sich alles wirklich aneignen kann. Und seien wir ehrlich: Viele dieser Omigelehrten sind einfach nur eines: Scharlatane. Gerade, wenn die Lösung ist „Das System ist schuld“. Und so kann ich auch nicht behaupten, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Auch ich kann nicht die Weltlösung anbieten, die sofort kickt. Aber vielleicht kann man sich immer wieder Gedanken machen und dies will auch ich.

Und da kommt der geschätzte Kollege und haut so ein Ding raus. Da kann man auch draus lesen: Das System ist schuld?

Klar, dass ist ja auch die einfachste Logik der Welt. Und dazu so unglaublich bequem. Und jeder schreit sofort „Genau“ und so kann man die Occupy Bewegung abfeiern, ohne wirklich jemandem weh zu tun. Denn „dass die Banken, Spekulanten, Börsenhaie und die Globalisierung“ Schuld sind, dass ist doch jedem klar, oder?

Bevor ihr mich jetzt falsch versteht. Das wird jetzt keine Kritik an meinem geschätztem Kollegen, denn auch er geht ja weiter und stellt fest, dass gerade die „Systemschuld“ Brüller doch ebenso im System funktionieren und das System lautstark mittragen, seien sie noch so nonkonform. Jeder ist Teil des Systems? Und das ist schuld? Klingt auch schon bequem. Blame it on the System und schon hast du keinen Verantwortlichen.

Greift für mich viel zu kurz. Daher werde ich jetzt mal ketzerisch:

Nur was mir bei jeder „Das System ist schuld“ Kritik fehlt? Die Vision, die Utopie eines gerechten Systems. Nein, dies entwirft eigentlich niemand wirklich. Wahrscheinlich weil es dann weh tun würde. Und auch angreifbar werden würde, denn selber machen ist schwieriger, als einfach nur kritisieren. Es fehlt aber auch der Vordenker, der Massen begeistern kann und Massen für eine Utopie gewinnen kann (boa, das ist natürlich ein gefährlicher Ansatz, klar). Kuddel Marx hatte so eine Utopie, die ist dann von Menschen durchgenudelt worden und zu einem Unterdrückungsmechanismus geworden. Und ich behaupte noch etwas: Kuddel Marx Utopie ist überholt. Sie geht von den Voraussetzungen des 19. Jahrhunderts aus, nicht von frei sich bewegendem Kapital, welches zu einer eigenen Schlange geworden ist. Besitzergeführte Unternehmen sind nicht gerade zur Zeit auf der Liste der Bösen sehr oben. Aber eine ähnliche Utopie, die bräuchte man. Oder auch nicht?

Oder ist die Zeit der Utopie und der Visionen (geht zum Arzt) vorbei?

Ich werde jetzt mal ketzerisch: Freie Lebensentfaltung, wahre Demokratie und Entscheidungen im Konsens sind Ideen, mit der sich viele in der Linken anfreunden können. Stichworte wie Basisdemokratie, Plenum, selbstbestimmtes Leben, sind Utopien, die teilweise selbst im Kleinen gelebt werden. Aber kann ich das auf eine gesamte Gesellschaft ausbreiten? Da habe ich jedoch einen sehr schnellen Zielkonflikt. Konsens? Wird schwer herzustellen sein. Mehrheit? Also „Demokratie“? In dieser geht es mit der Mehrheit bei gleichem Schutz der Minderheit. Und zur Zeit sehe ich die Mehrheit eher bei der Utopie des Steve Jobs, als bei der Utopie einer gerechten Gesellschaft. Zumindest stellen sich für Letzteres selten Leute bei Eiseskälte an und zahlen dann auch noch 300 Dollar oder so dafür. Und das auch die Nonkonformisten.

Ketzerisch könnte man sagen: Ändere dich und du änderst das System. Stehe für Gerechtigkeit und nicht für das neuste in China unter menschenunwürdigen Zuständen produzierte Gadget an. Wer ist dafür bereit? Sozusagen auf sein Iphone und sein Ipad zu verzichten?

Ja, ich sehe ihn schon. Den Vorwurf des „kein richtiges Leben im falschen.“ Mag so sein, aber für mich ist das eine sehr bequeme Lösung, weiterhin zu nörgeln, nix zu tun und dies in die Welt hinauszuposaunen. Definiere doch einer erstmal das „richtige Leben“. Als Selbstversorger mit einer ausgeglichenen Ökobilanz? Als Eremit? „Geh mir aus der Sonne“. Schöne Idee, aber wer von euch ist dazu bereit? Oder bin ich zu radikal? Welcher Ausweg gibt es dann noch, wenn das Leben an sich doch schon falsch ist? „Die Pest“ lesen und dann die für einen selbst geeignete Form des Selbstmordes nutzen? Nicht wirklich gut, oder? Daher weg damit. Es gibt kein richtiges Leben? Vollkommen richtig. Aber es gibt ein besseres Leben, ein Leben was in die richtige Richtung geht. Und dann ändert dies auch das falsche Leben. Weg von schwarz/weiß, hin zu bunt.

Vielleicht ist das die Utopie. Weg von Verschlagwortung und ihrer verschlagwortartigen Behandlung. Ich verschlagworte mal mit:

Globalisierung: Ich wundere mich immer, warum die Linke das so als Schimpfwort ausgegeben hat. Haben wir nicht noch vor 20 Jahren „Hoch die internationale Solidarität“ gebrüllt? Ist es nicht einfach lächerlich, wenn man „Globalisierung“ als Schlagwort benutzt, dieses Schlagwort wie einen Teufel ablehnt (sorry für den religiösen Vergleich), dann aber mit seinem Attac Genossen in Seattle über’s Internet chattet und per Billigflieger nach Rom zum Kongress/Demo (Fußballspiel ;-)) jettet und sich freut in Europa seinen Pass nicht vorzeigen zu müssen? Das ist klassische Globalisierung und ich denke niemand will das missen. Und da habe ich noch gar nicht gesagt, dass man die Attac Demo mit seinem neuen Smartfone aus Asien aufnimmt und ins Internet stellt.

Wer ist schon so konsequent sich in seinem Konsumverhalten, seinem Sozialverhalten auch nur ansatzweise der Globalisierung zu entziehen? Kann man mal drüber nachdenken, während man im Internet surft und seine südafrikanischen Äpfel, sein argentinisches Steak mampft. Oder sich daran gewöhnt hat, dass jedes Obst und Gemüse jederzeit verfügbar ist.

Klar, ich sehe sie schon springen, die Allwissenden aus einer anderen Ecke „Das ist nationalistisch.“ Klar sieht so aus. Deswegen kann man ja auch alle Überlegungen wieder kritisieren und sich in einer Kritik der Kritik verlieren und einen Überbietungswettbewerb der politcal correctness starten. Und zusätzlich deswegen ist das Schlagwort Globalisierung und seine pauschale Ablehnung so gefährlich.

Denn häufig ist Globalisierungsablehnung eher etwas anderes: Ein äusserst konservativer Abwehrkampf der Besitzenden. Das hat mit „links“ und „solidarisch“ sehr wenig zu tun. Boa, geil, ich kritisiere auch die Kritik. 🙂

Globalisierung kann nämlich auch Wandel bedeuten. Wandel durch Instrumente wie das Internet, Verschiebung von Wohlstand durch Handel und Handelsmöglichkeiten. Fair Trade z.B. ist hier ein Beispiel (was dann wieder kritisiert werden kann). Klar, ist ein brutal kapitalistischer Ansatz.

Noch ein Beispiel?

Banken: Was ist der Überfall einer Bank gegen die Gründung einer Bank? Klar, eine Kleinigkeit. Off Topic, wer heutzutage noch eine Bank ausraubt, der hat noch nie was von Umsatzsteuerbetrug gehört. Bankraub? Eigentlich immer 3 Jahre Minimum. Und das bei Summen von 5.000 bis 20.000, die man so erbeuten kann. Um eine ähnliche Strafe für Umsatzsteuerbetrug zu bekommen, muss man aber schon einen Millionenbetrag ergaunern. Und natürlich macht ihr jetzt brav beides nicht, ihr seid ja Menschen, die sich an das Gesetz halten. Aber zurück zum Thema: Ja Banken und ihre Kultur, die sich ihre Kinder ja selber züchtet sind schlichtweg verbrecherisch. Und umso Größer, umso schlimmer. Klar, auch Volksbanken und Sparkassen sind nicht ohne, aber eben kleinere Lichter und deswegen bei weitem nicht so gefährlich. Und nun gucken wir alle mal auf unsere EC Karte. Und da ist er wieder unser Nonkonformer. „Hab ich bei Comdirekt, ich zahl doch keine Kontoführungsgebühren.“ Nein, du zahlst anders und sei es nur damit, dass du „Too big to fail“ Banken schaffst, die wilde Sau spielen können, weil sie ganz genau wissen, dass man ihnen den Arsch rettet.

Ja, das System, das System, was wir alle ablehnen. Und die Repressionsorgane, die man doch nicht auch noch zuarbeiten kann. Schöner Ansatz, aber auch hier mal wieder die Frage, ob ihr wirklich so konsequent seid, diese Organe nie zu nutzen. Mal ganz davon ab, dass so ein blöder Staat Straßen, Schulen und Universitäten bereit stellt. Ruft ihr bei einem Unfall nie die Polizei? Nie die Feuerwehr? Wenn bei euch eingebrochen wird, dann macht ihr keine Anzeige? Respekt, wenn ihr so konsequent seid, aber ich bezweifele das für die meisten. Mal ganz davon ab, dass wahrscheinlich jeder seinen steuerlichen Pflichten freiwillig nachkommt oder eine Steuererklärung macht um seine Erstattung zu bekommen und damit einer klassischen Eingriffsverwaltung zuarbeitet und mit Daten versorgt.

Wie nun, frage ich euch, kann eine Utopie aussehen? Wahrscheinlich hat dieser „Global denken, lokal handeln.“ Ansatz sehr viel für sich. Wahrscheinlich müssen Nischen des selbstbestimmten Lebens wie Bauwagenplätze viel mehr als Vorbild, als Idee, als Ansatz gesehen werden und für die Gesellschaft diskutiert werden. Klar, auch da ist nicht alles Gold was glänzt, aber der Mensch ist unperfekt. Eine Feststellung, die vielleicht banal ist, aber gerne übersehen wird. Niemand ist frei von Vorurteilen, von -ismen, von Besitzständen und Neid.

„Lokal handeln“ heißt eben auch: Erstmal im Kleinen bei sich selbst anfangen, ganz ohne den Blick auf das System. Wechsele die Bank, den Stromanbieter, überlege, woher dein Essen kommt etc. Würde dies eine Mehrheit machen, würde dies wahrscheinlich mehr am System ändern, als jede Systemdiskussion.

Engagiere dich in deiner Zweckgruppe nach Wahl, bestimme dein Leben, deine Umgebung aktiv mit. Sei es nun im Verein, im Viertel, in der politischen Iniative. Nur suche nicht die Weltlösung.

Noch etwas ist bemerkenswert: Wer ist schon bereit von seinem „Wohlstand“ abzugeben? Das nicht einmal materiell gesehen. Da gibt es ein ketzerisches Beispiel: Jeder wollte ein neues bequemes Stadion, aber Business Seats? Doch nicht bei mir! Nur bevor wir uns mit einem Jahresumsatz verschuldet haben, habe ich den Satz „Halt, wir wollen da keinen Neubau, weil das wird uns zuviel BS, lass uns lieber noch ein paar Jahre warten, wie es früher gedacht war.“ leider nie gehört. Ist in der „Hurra, ab jetzt Bundesliga“ Euphorie wohl untergegangen. Nur wenn das St. Floriansprinzip das Denken beherrscht, dann habe ich im Kleinen (FC) wie im Großen (Rettung der Welt) Angst.

In diesem Sinne: Don’t talk act. Und danke liebstes Lichterkarussell.

Okt 242011
 

… Kartenangebot fotografiert von Afroh und von ihr mir dankend zur Verfügung gestellt:

Ich wollte das jetzt nicht einfach so in die Bildergalerie einfügen, daher als eigenes Foto. Der Typ wollte sich erst nicht fotografieren lassen, stand aber ungeniert vor dem Fanräumestand und erzählte auf Nachfrage, das 10 Begleitpersonen abgesagt hätten.

Okt 242011
 

oder

Was wir erwarten

Vorwort

Liebe Leser, die Hauptversammlung des FC nähert sich und es wird doch einige Dinge zu diskutieren geben. Und die Mitglieder unseres geliebten FCs werden Fragen beantworten müssen, die sich auf die mittelfristige Zukunft des Vereines stark auswirken werden. Es muss jeder daher sich informieren und vorbereitet in diese Versammlung gehen. Wer am 22. da aufläuft und nur der Bildzeitung glaubt oder dem Populismus der Gegenseite, der ist fehl am Platz. Natürlich kann man Symbole schaffen, wie z.B. die Nordpolloge, aber ob die sich so als Symbol eignet, wenn man bedenkt, dass die Nordpolmacher schon im Jolly gesoffen haben und in der Gegengerade als Werber neben dem Punker gestanden haben, als Loge auf St. Pauli noch ein Fremdwort war, das sei mal deutlich bezweifelt. Da gibt es aus meiner Sicht doch Logen, die sehr viel geeigneter sind. Und vielleicht bekomme ich ein Foto zur Verfügung gestellt, welches die sehr verdeutlicht.

Abseitige Gedanken

Ja liebe Leser, der FSV Frankfurt ist nun nicht gerade der attraktivste Gegner der 2. Liga. Schon alleine deswegen nicht, weil er nur eine handvoll Gästefans mitbringt und so doch viele Plätze ungenutzt bleiben. Oder eben auch nicht, denn obwohl unser Stadion nicht so voll war wie gegen Düsseldorf, war es doch sehr gut gefüllt. Das verkündete „Ausverkauft“ bezweifele ich mal, aber wie sagte jemand so schön: „Andere haben gegen die 5.000 Zuschauer.“ Es ist schon bemerkenswert, wie viele Zuschauer sich auch zu einem solch unattraktiven Gegner einfinden.

Der Tag begann aber im Fanladen und der Weg dahin verdeutlichte, dass auf St. Pauli Dreck und Schönheit teilweise nur zwei Schritte voneinander entfernt sind. Wenn ich dazu komme mal wieder Fotos zu machen, dann werdet ihr das sehen. Sorry für alle Fotogucker, dass ich da in letzter Zeit nicht zu gekommen bin, aber im Gegensatz zu schreiben ist Fotos bearbeiten bei mir eine riesige Laune Sache und ich hatte so gar nicht die Laune.

Ihr wollt euch in eine so richtig rotzige Grundstimmung für ein Fußballspiel bringen? Ich empfehle heute in der Playlist Abwärts. Lustige, ironiefreie und unpolitische Texte und fröhliche Musik. Da kommt man im Fanladen an und ist so richtig auf Rotz.

Fanladen, irgendwie eine auslaufende Heimat. So spannend, so neu Fanräume sein wird, so ungewohnt wird es sein, nicht mehr den Gang ins Viertel hinein zu machen und nicht mehr in der Brigittenstraße 3 einzukehren. Immerhin bewegt sich Fanräume nun auch bautechnisch in die richtige Richtung. Und hier muss man mal einen der vielen Menschen loben, die sonst irgendwo still vor sich hinarbeiten und von den meisten Menschen gar nicht wahr genommen wird, der aber in hartnäckiger Kleinarbeit gerade dafür sorgt, dass Fanräume ein echtes zu Hause werden kann. Danke Dirk und natürlich auch Danke Sönke von der Stadionbau AG, der sich auch in viele Fragen sehr reinhängt. Natürlich werden wir alle schmerzhafte Kompromisse eingehen müssen, aber ich hoffe, dass wir trotzdem eine Heimat für alle werden können und alle sich wohlfühlen.

Auf dem Weg zum Stadion viele Umwege gegangen, im geheimen Fanräumelager noch Sachen geholt, am Stand gewesen, noch einmal zum Fanräumelager gependelt, so das Lauftraining beinah absolviert und dann sich ins Stadion begeben. Es war doch deutlich leerer als sonst, so dass wir alle unsere Leute locker unterbringen konnten. Insgesamt ist und bleibt die Anstoßzeit von 13:30 eine Frechheit. Man steht vor dem Spiel auf der Gegengeraden im Schatten, eine Sache, die einem eigentlich in einer Geraden, die im Osten steht nicht passieren sollte. Und das war auch nicht gerade angenehm, denn während es in der Sonne doch teilweise ganz schön warm wurde, war es im Schatten arschkalt.

„Fußball, Ficken, Alkohol???“ hatte das Aktionsbündnis seine Aktion überschrieben und wollte damit auf Sexismus und andere Diskriminierungsformen auch am Millerntor hinweisen. Ist sage ich mal eindrucksvoll gelungen, denn zumindest auf meiner Höhe der Gegengerade hat eine Selbstkritik null stattgefunden, beinah niemand das Plakat richtig gelesen, stattdessen wurde es noch mit lauten „Fußball, Ficken, Alkohol!“ Rufen begleitet. Hier also noch mal der kurze Text, der dieses Plakat begleitete:

“Fußball, F***en, Alkohol???

So steht es auf unserem Banner hier im Stadion.Kennt nicht jeder diesen Ausruf der Fußball-Prollsprache? Schwuchtel oder Fotze zu rufen, findest Du okay oder im Bierrausch sogar witzig?

Dann bist Du falsch bei uns am Millerntor! Hilf uns, diese Missstände zu bekämpfen und die letzten Reservate ungebremster Männlichkeit zu vernichten. Zeig Zivilcourage und engagier Dich in einem Zusammenschluss von verschiedenen Fanclubs und einzelnen Fans.

Informier Dich über das Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus – §6(2)a

facebook.com/fightdiscrimination (auch ohne Anmeldung bei Facebook zu lesen)“

Dazu zwei Anmerkungen: Lieber FCSR, ich weiß nicht, ob es diesen Fanclub noch gibt, aber früher gab es mal einen Fanclub, der genau diese drei Worte im Fanclubnamen hatte. Wenn es sie noch gibt: Vielleicht mal zart drauf hinweisen. 😉

Und auch in anderen Bereichen gibt es doch – freundlich formuliert – Nachholbedarf, so soll (!) es u.a. eine Organisation im Bereich des FC geben, wo Frauen nicht Mitglied werden dürfen. Das ist ja nun bester Sexismus und dringend zu ändern. Bevor mich jemand fragt: Da ich das nur als Gerücht gehört habe, ist hier sehr bewusst nicht der Name genannt. Wer die offizielle HP heute mal aufmerksam liest, kann es erraten.

In der Fotogalerie erwartet euch dank Afroh auch noch ein Kracher…

Die Kurven hatten jeweils Choreos vorbereitet, die Nord eine sehr hübsche Wendechoreo (wobei das mit dem zeitgleichen Wenden, das üben wir bei Gelegenheit noch mal ;-)), die Süd hat sich deutlich gegen die Räumung des Bauwagenplatzes positioniert.

Exkurs

Es ist einfach nur bitter, wenn man sieht, dass Schreiber ein „alles ist sauber, alles ist genormt“ Weltbild durchsetzen kann und nicht einmal dort alternative Lebensformen und damit auch Kreativität und Progression dulden kann, wo sie definitiv niemanden stört. Ich habe ehrlich gesagt Angst vor dieser Gleichmacherei und ich habe insbesondere deswegen Angst, weil immer mehr angeblich stört. Sei es nun Alkohol in Bahnen, sei es nun Rauchen in Fußballstadien, seien es alternative Wohnformen, seien es Obdachlose oder Punker. Immer enger wird eine Norm gezogen und mit Gewalt und Macht durchgesetzt. Das stört mich, weil es meinem Bild einer offenen Gesellschaft nicht entspricht. Ich habe Angst vor einer Normendiktatur, die immer mit Sicherheitsargumenten oder „Chaoten“ Bezeichnungen durchgesetzt wird. Tor zur Welt? Das war einmal.

Als nächster Schritt folgt dann das Verbot von Alkoholwerbung und wahrscheinlich auch ein Verbot des Alkoholtrinkens im Stadion. Irgendwann wird es dann zu gefährlich sein, zu stehen und Beschimpfungen gehen ja gar nicht und seien sie noch so harmlos. Und irgendwann ist die Norm ein Tennispublikum, was freundlich klatscht und zwar bei beiden Spielern. Und auch hier ist der Fußball nur ein Abbild der Gesellschaft.

Und wer sich wundert, dass Jugendliche immer mehr mit Gewalt aus dieser Normierung ausbrechen, dem ist nicht mehr zu helfen.

Exkurs Ende

Seien wir ehrlich: Hätte der Trainer in der Pressekonferenz gesagt, dass seine Mannschaft über 90 Minuten besser gewesen sei und das sie die Punkte verdient gehabt hätte, dann hätten wir nicht sehr viel dagegen sagen können. Frankfurt scheiterte am Pfosten, am eigenen Unvermögen und an Tschauner. Wobei Tschauner nur zweimal eingreifen konnte und musste und dies zweimal mit Bravour machte.

Ich höre sie die Floskeln „Gegen einen guten Gegner hätten wir auf die Mütze bekommen.“ „Wenn wir so gegen Union/Fürth spielen, dann hätten wir hoch verloren.“ Floskeln, die einfach Blödsinn sind. Auch diese Spiele fangen bei 0 an und in einer solch ausgeglichenen Liga wie der Liga 2 entscheidet häufig auch die Tagesform, eine Kleinigkeit, eine unglückliche Aktion über Punkt oder nicht Punkt. Und viel wichtiger ist: Wir werden ganz anders auftreten können. Schubert ging ein extrem hohes Risiko, indem er gleich drei Spieler, die aus einer Verletzungspause kamen aufbot. Und man kann nur sagen: Gewagt gewonnen! Naki mit einem Tor, Takyi mit einer Vorlage und Kalla mit solidem Spiel. Natürlich können alle drei viel mehr und werden auch viel mehr zeigen können, wenn sie wieder mehr im Training gestanden haben. Aber da ist so ein Spiel auch immer ein riesiger Schritt. Natürlich stand Naki in der zweiten Halbzeit regelmäßig im Abseits, aber hier war ich von der Gegengerade auch bitter enttäuscht. Wo war die richtige Einschätzung? Wo die Erkenntnis, dass hier ein Spieler geistig und körperlich nach seiner Verletzung und seinem Einsatz in Halbzeit 1 nicht fit sein kann? Wo die Aufmunterung? Wo der Support? Wo auch die Realisation, dass der gleiche Spieler schon getroffen hatte? Da wurde gemotzt, da wurden Floskeln wie „auswechseln“ „nie wieder spielen“ „zu nix nütze“ gedroschen. Das ist nicht die Behandlung, die ich mir bei einem Spieler wünsche. Natürlich war Naki nach 60 Minuten stehend KO, da ging das Wagnis nach hinten los, aber die Verletzung von Schachten lies eine (hier eigentlich notwendige) Auswechselung nicht zu.

Ebenso enttäuscht mich die geäußerte Anspruchshaltung, die zu großen Teilen einfach aus einer Unkenntnis kommt. Hier wird Frankfurt als Alltagsware und als abzuschießender Gegner hingestellt, aber dass die 8. der Auswärtstabelle sind und bereits 7 Punkte auswärts geholt haben (zum Vergleich: 1860 3, Duisburg 1 alles vor diesem Spieltag), dies wird gerne übersehen und es wird gemurrt ohne Ende. Namen bedeuten in Liga 2 halt nix. Natürlich muss unser Trainer an vielem arbeiten, aber nun hat er wieder eine Woche Zeit, Thorandt kehrt zurück, Ebbers wird vielleicht für einen Kurzeinsatz wieder fit, Naki, Kalla, Takyi wieder sicherer, da ist Potential und dies gilt es gegen Union und Fürth in die Waagschale zu werfen.

Noch eine Rüge geht an das Publikum: Wo ist dort der Wille? Wo der bedingungslose Support? Das war gestern auf der Gegengerade doch sehr sehr wenig. Verwöhnt? In der 2. Liga gewinnen wir ja? Nein Leute, so geht das nicht. Und schon gar nicht nach zwei Heimspielen, wo unsere Jungs vor Angst sich irgendwann lähmten.

Ach ja: Genauso albern ist es, sich Spieler der Viererkette rauszupicken. Aus meiner Sicht beginnt unser offensichtliches Verteidigungsproblem davor. Denn bei uns können Spieler entspannt durchs Mittelfeld spazieren, 40 m vor dem Tor den Ball mit Zeit verteilen und eine Rückwärtsbewegung der Mittelfeldkette findet nicht statt. Es ist eher der Stärke unserer Defensivkräfte zu verdanken, dass wir aus diesem Problem (und das ist schon etwas länger da) so wenig Tore bekommen. Hier müssen wir dran arbeiten und da muss auch der Trainer etwas ändern.

Genug zum Spiel, der Rest brachte auch nicht mehr viel. Stand, Stand abgebaut, Fanladen und dann zu zweit in unseren Hangout, wo wir noch über Gott und die Welt sprachen und Cheeseburger fraßen oder so ähnlich.

Bleibt nur die Frage, die ich an diesem Wochenende mehrfach stellte: Bist du eigentlich Ultra- oder Skinheadaffin? Und es gibt da kein sowohl als auch. 😉 Aufklärung des Sinnes dieser Frage? Wird ihr erst im April bekommen. Bis dahin: Niemals aufgeben.

Okt 212011
 

oder

Lesestoff am Freitag:

Hooligans: Auch die Sicherheitskräfte… WOZ


“ «Wir zeigen den Querulanten, wozu wir fähig sind», schreibt einer. Er freue sich auf «viele, schöne Schlachten», ein anderer. Mit einem an die SS angelehnten «GruSS» unterschreibt ein weiterer, und wieder ein anderer widmet der Polizei ein «A.?C.?A.?B.» (All cops are bastards). Zur Aufheiterung wird ein rassistischer Witz gegen FC-Basel-Fans eingestreut. Dies sind Auszüge aus dem internen Mailverkehr der Weinfelder Sicherheitsfirma Delta Security AG. “

„Vielversprechender wäre es womöglich, die Gunst der Stunde zu nutzen und statt über Fussfesseln und Eingreiftruppen über Männlichkeit und Macht in Subkulturen zu debattieren. Die Kraft einer Kurve liegt ja gerade in der Vielfalt ihrer Ausdrucksmittel. Wie stark dabei die Gewalt gewichtet werden soll, entscheiden letztlich die Fans. Zusammen mit den Sicherheitsdiensten, die man ihnen gegenüberstellt.“

Schade, dass solche Artikel nie in Deutschland geschrieben werden.

Pfalz 1

Eine Erklärung zu der Häufung von mehr als grauenhaften Transparenten bei Eintracht Trier:

Das Stadion ist kein verantwortungsfreier Raum.

Man kann nur hoffen, dass sich auch Trierfans finden, die nun eine Selbstkritik beginnen und nicht wieder dieses unsägliche „Fußball ist Fußball und Politik ist Politik“ kommt. Aber meine Hoffnung ist nicht sehr groß.

Pfalz 2

Das nennt man dann wohl „Konsequent“. (Achtung Link geht auf Generation Luzifers Internetpräsenz):

Wenn sich Unternehmen sozial engagieren, ist das zunächst ein positives Signal. Schließlich gibt es leider immer noch viel zu viele Menschen, die Hilfe benötigen. Große Unternehmen nutzen solche Spenden, deren Beträge für solche Unternehmen nicht mehr als Peanuts sind, jedoch häufig dazu, sich einen sozialen Anstrich zu verleihen und positive Presse zu erhalten. Spenden werden somit für Marketingstrategien zweckentfremdet. In diesem Fall treibt es der Sponsor easyCredit/TeamBank jedoch noch mehr auf die Spitze: Er unterstützt eine Einrichtung, deren Sinn und Zweck er durch eine andere Sponsoringaktivität konterkariert. Eine Tatsache, die grundlegenden Werten der Generation Luzifer widerspricht.

Das ganze nur mal als ganz interessante Story gepostet ohne nun irgendwie Sympathien für Kaiserslautern zu entwickeln.

Polizei mal wieder außer Rand und Band

Leider noch nicht online verfügbar, daher hier im Volltext gepostet, was bei einer Pressemitteilung – denke ich – ja Sinn der Sache ist:

„Polizeilicher Übergriff auf Babelsberger Fanprojektmitarbeiterin in Jena

Im Anschluss an das Drittliga-Spiel FC Carl Zeiss Jena gegen SV Babelsberg 03 kam es am Bahnhof Jena-Paradies zu Auseinandersetzungen zwischen Thüringer Polizeibeamten und Babelsberger Fußballfans. Aus den uns vorliegenden Augenzeugenberichten und Gedächtnisprotokollen von Fans und Mitarbeitern des Babelsberger Fanprojekts geht dabei hervor, dass die hier eingesetzten Polizeibeamten mit ihrem Verhalten einen wesentlichen Anteil an der Eskalation der Situation hatten. Die in einem noch frühen Stadium der Eskalation hinzukommende Kollegin, die Streetworkerin Barbara
Paech, die an diesem Tag zur Unterstützung des Fanprojekts eingesetzt war, versuchte die Babelsberger Fans zu beruhigen und gab sich gegenüber den Polizeibeamten als Sozialarbeiterin zu erkennen, die den Wunsch hätte, die polizeilichen Maßnahmen gegen einen von den Beamten festgesetzten Fan zu begleiten. Ihr wurde von Seiten eines Beamten mitgeteilt, sie habe keine Rechte.

Unmittelbar danach erhielt sie von diesem Beamten einen Schlag gegen den Oberkörper, infolgedessen sie zu Boden ging. Am Boden liegend empfing sie weitere Tritte. Im Zusammenhang mit dem Sturz erlitt sie leichte Verletzungen, u.a. eine Prellung des Steißes sowie mehrere Hämatome. Unabhängig von der etwaigen Erfüllung von Straftatbeständen durch den eingesetzten Beamten (in Frage käme hier eine Körperverletzung im Amt) empfinden wir es als ungeheuerlichen Angriff gegen unseren Arbeitsstand, wenn Fanbetreuer_innen wohl wissentlich ob ihrer Funktion von Polizeibeamten körperlich angegriffen werden.

Mittlerweile werden die Mitarbeiter_innen der sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekte in vielen Fällen von Polizeibeamten als wichtige Vermittlungsinstanz wahrgenommen. Dass dies nicht immer der Fall ist, ist zu kritisieren.

Angriffe gegen die körperliche Integrität haben jedoch eine ganz eigene Qualität und können nicht ohne Konsequenzen bleiben. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) erwartet, dass dieser Vorfall im Bereich der Polizeiinspektion Jena sowie in der BFE der Thüringischen Landespolizei ausgewertet wird, und eine Stellungnahme sowie eine Entschuldigung bei der betroffenen Babelsberger Kollegin erfolgen.“

Man fragt sich langsam, ob der Polizei eigentlich nix mehr heilig ist. Tja, das kommt davon, wenn man von der Politik ständig einen Freibrief erhält.

Okt 192011
 

Liebe Romy, lieber Jan,

lieber Lars, lieber Micha, liebe Kathrin, liebe Zoe, liebe Jana, lieber Volker, liebe Leute, die ich jetzt vergesse oder die ich namentlich nicht nennen kann. Ihr alle seid verantwortlich, dass ich das Raval so gemocht habe und es für mich ein riesiger Teil des Erlebnis Sankt Pauli war.

Ja, leider muss man sagen „war“ denn Romy und Jan haben gestern verkündet, dass sie das Raval schliessen. Ob es nun die anstehenden Investitionen waren, ob eine gewisse Ermattung und Abreibung eine Rolle spielt oder ob auch andere Gründe eine Rolle spielten, es ist egal, es geht ein sehr gutes, sehr fröhlich geführtes und sehr geliebtes Restaurant.

Ich kenne Romy und Jan schon sehr viel länger als es das Raval gibt und gerade bei Romy konnte man sehen, wie sie sich einen Traum erfüllt hatte. Viele Monate habe ich Romy als wirklich zufrieden und ausgeglichen erlebt. Klar, irgendwas passte ihr in ihrem Perfektionismus immer mal wieder nicht und auch als Gast bekam man mal einen ab, aber so ehrliche Herzlichkeit habe ich selten erlebt.

Hinzu kam, dass das Raval perfekt geschnitten war. Wahrscheinlich nicht aus wirtschaftlichen Gründen, aber für den Wohlfühlfaktor. Links der Hochtisch war perfekt zum sabbeln, zum Fussballgucken und er war auch der Platz von dem ich meine einzigen beiden Lesungen ever gehalten habe. Auch der Tisch rechts hinter der Tür war einfach nur bequem. Fragt mich nicht warum, aber man fühlte gleich: Hier ist zu Hause.

Mensch, wo machen wir denn nun die bekloppten Veranstaltungen? Sei es die oben genannte Lesung, sei es unser Marathonwochenende, all dies machte das Raval unkompliziert und einfach herzlich möglich. Leider wird so unsere Oktoberfestidee nie umgesetzt und auch Marathonfrühstück wird es nie wieder geben.

Und wer macht mir nun einen leckeren Mangoblattsalat? Wo esse ich nun tollen Grünkohl? Und wo gibt es nun lecker Pils vom Fass? Romy musste in der Geschichte zweimal Gerichte von der Karte nehmen, die gerade ich gerne gegessen habe. Die Gründe waren nachvollziehbar, trotzdem witzelte ich immer, dass sie das nur mache, um mich zu ärgern.

Nun nimmt sie sich insgesamt von der Karte und es macht mich sehr traurig. Danke für vier tolle Jahre, danke für Heimat, danke für alles und euch allen, alles nur erdenkliche Gute.

Okt 182011
 

oder

Alles kann, nix ging

Vorwort

Liebe Leser, wenn man bloggt, dann gehört dazu eine sehr große Portion Egozentrik. Mal ehrlich: Niemand wartet auf mehr oder minder belanglose Blogs. Daher wirkt es immer albern, wenn man etwas schreibt, was so klingt, als ob man sich über die Egozentrik von anderen lustig macht. Trotzdem bleibt mir heute nix anderes übrig, als den Bericht als eine Reihe von fiktiven Foursquare Meldungen aufzubauen, weil gestern bei dem Versuch eine Karte über ein soziales Netzwerk zu vermitteln, ich eigentlich nur in diese Meldungen gelaufen bin. Für Leute, die soziale Netzwerke nicht benutzen: Foursquare ist ein „standortbezogenes soziales Netzwerk“ (Wikipedia), wo sich Leute in Orte, wo sie sich gerade befinden „einchecken“ und dies dann gleichzeitig auf anderen sozialen Netzwerken mitteilen können. Und dies auch extensiv machen. Diese Meldungen beginnen dann immer mit dem typischen „I’m at…“ und dann einem Link auf Foursquare. Post Privacy ich hör dich trapsen, wofür brauch man Telefondaten, wenn Menschen von sich Bewegungsprofile und Krankheitsbilder anlegen? Das ganze mag auch einen Nutzen haben, ist aber auch irgendwo zwischen nervig und lustig, wenn das zu häufig und zu kleinteilig wird. So checkte sich gestern ein User kurze Zeit nacheinander im Kartencenter, im AFM Container und im Millerntor ein. Also wenn dann richtig, dann auch bitte „I’m at Millerntor, Eingang, zweiter Ordner von links“, dann I’m at Millerntor, Klocontainer“, dann „I’m at Millerntor dritter Bierstand von links Gegengerade und dann zu guterletzt „I’m at Gegengerade, zweiter Wellenbrecher von oben“. Daher jetzt ein Bericht in fiktiven Foursquare Meldungen. Und natürlich dem dazugehörigen Geschehen des Tages.

Fanfreundschaften

I’m at Fanladen – Tresen with Fanladenhoschis. Der Tag begann im Fanladen und es folgte ein langer Dialog, der irgendwann auch die Sonderzugfahrt nach Dresden umfasste. „Ja zwei Sonderzüge, zwei Partywagen und du organisierst die [Getränkeversorgung].“ sagt der eine Hoschi. „Na super, das wird ein ziemlicher Stress.“ Der andere Hoschi grinst sich einen, nickt und sagt nur „Ich bin da leider nicht da.“ Ich glaube das muss man ihm wohl als Feigheit vor dem Feind auslegen, oder? Nun ja, seine Strafe folgte ja auf dem Fuße, hatte er die Wohnung doch voller Düsseldorfer. 😉 Okay, zwei Sonderzüge 1400 Plätze und das ganze ohne nennenswerten Aufenthalt in Dresden? Ich glaube ich suche schon einmal hiermit Freiwillige für den Tresendienst und als DJs. Meldet euch einfach bei meiner Kontaktadresse.

Paramat Bremen behauptete, dass sie 10 Jahre alt werden! Vor 10 Jahren waren die zwar alle noch Werder Bremen Kutten, aber falls diese Behauptung stimmt: Alles Gute und haltet die Ohren steif. „Kein Style, trotzdem geil“ ist immer noch einer meiner Lieblingsfanladenaufkleber und ich freue mich immer noch, dass der als Fliese nach dem Umzug in Fanräume weiterlebt. Immerhin ist schon das Motto gefunden für die Dresden Fahrt. Oder war irgendwer gegen „Faust des Westens“? (Achtung, das ist ein Witz!)

I’m at Fanladen – Keller Fanräumelager. Das packen beginnt. Ich mache sehr ungerne Stand. Das liegt alleine schon daran, dass an Spieltagen meine Konzentrationsspanne gleich Null ist. Und dann sabbeln mich am Stand auch zu viele Leute zu, als dass ich wirklich eine Hilfe bin. Taschen eingeworfen, restlichen Kram eingeworfen und ab zum Auto, weil das ganze zum Stadion gefahren werden sollte.

I’m at Heiligengeistfeld – schlechtgelaunter Parkplatzeinweiser. Ja, der war wirklich schlecht gelaunt, musste er die Autos doch anders stellen, als er wollte. Und das passte ihm gar nicht. Aber immerhin hatte ich so den perfekten Parkplatz für meine Zwecke und nur das zählt. Nix anderes.

I’m irgendwo im Viertel. Fußmarsch durchs Viertel, überall Fortunen und braun-weiße. Alles super entspannt und so sollte Fußball sein. Die Fortunen wie immer: Voll, lustig, sometimes antisocial und ein bunter Querschnitt der Gesellschaft. Aber Aggression oder ähnliches habe ich den ganzen Tag nicht mitbekommen. Ich rede garantiert nicht einer allgemeinen Fanfreundschaft das Wort, denn auch bei der Fortuna gibt es genügend Vollidioten, aber es gibt sehr viel wenige sympathischere Szenen als die. Und einem Montag Gästeblock und Business Seats zu füllen und einen fetten Alarm im Gästeblock zu machen, das hat was. Nebenbei: Lieber Verein, wenn es irgendwann auf der Haupttribüne knallt, dann ist das schlichtweg eure Schuld. Wie kann es sein, dass da wieder ein riesiger Block Fortunen rumhängt und abfeiert. Klar, bei der Fortuna geht das, auch weil eine riesige Grundsympathie zwischen den Fanlagern besteht, aber gegen Frankfurt/Dresden/Braunschweig etc. sehe ich schwarz. Und man erzähle mir nicht, dass da kein Mob präsent sein wird.

I’m at Hin und Veg üblicher Tisch, übliches Essen, übliche Leute. Ne nicht ganz, denn wir hatten Zuwachs bekommen. Das Essen lies auf sich warten und so verzapften wir Blödsinn. Die Frage, wann wir unseren Lappen wieder aufhängen, wurde beantwortet, als H. vorschlug doch soviel Pyros zu zünden, dass wir nicht nach Dresden fahren dürfen. Dann würden wir unseren Lappen für sie umgedreht wieder aufhängen, so lange bleibt er aus Aberglaube zu Hause. Karten wurden verteilt, Essen vertilgt, alles versucht alle Aberglauben einzuhalten. Daher auch:

I’m at Hin und Veg, Männertoilette. Die beklebteste und gleichzeitig sauberste Toilette der ganzen Schanze. Hier hat sich ungefähr jeder einen geklebt, aber trotzdem ist das Klo super sauber. Und hier wird sich rituell umgezogen und die Ringelsocken (Aberglaube vorbei) angezogen.

I’m at Hin und Veg, Nachspeise. Die musste etwas unter Zeitdruck eingenommen werden und der Mann, den sie das Gehirn nennen, stoppte auch schon, wie lange man brauche, aber dann war das auch durch und es ging wieder durchs Viertel.

I’m at Fanräumestand. Verkauf lief ganz okay, auch wenn man die Füllung drin lassen muss (Insider) und ich es auch noch deutlich verkackte. Viele spannende Gespräche geführt, ein paar Sachen erläutert und vieles Internes so nebenbei geklärt. Was erstaunlich ist: Wir bauen Fanräume am Ende auf Buttons und Schlüsselanhängern, denn das verkauft sich immer noch wie blöde.

I’m at Eingang zum Stadion. Schnell rein, kurz in die Nord um eine Karte abzuholen und dann:

I’m at meinem normalen Wellenbrecher. Das in meiner Familie Gedankenübertragung funktioniert, sieht man daran, dass Schwesterherz eine SMS mit „Bring Bier mit“ schreibt, ich die nicht lese, ich aber trotzdem Bier mitbringe. Passt also.

Höhepunkte an diesem Tag waren ab jetzt dünn gesät. Der Krankenschein für die Düsseldorfer Fanszene war einer davon (ganz großes Tennis und wird garantiert auf unzähligen Fotos zu sehen sein; das in die Gegenrichtung sausende Auto ging irgendwo mit einer Panne unter), ein anderer war die Bibertapete, die einfach und trocken nur ein „Alles kann, nix muss“ in Richtung Lost Boys vorschlug.

Ich finde es beachtlich, dass dieser Dialog nun schon gut 10 Jahre immer wieder am Laufen gehalten wird. Und ich erzähle ihn nun einfach mal nach: Fing es irgendwann mal mit „Wat is jetzt mit die Bumserei?“ an (boa, das ist noch der alte Gästeblock in der alten Süd), entwickelte sich daraus im Anschluss ein Dialog mit viel Drama und viel Sex. Ein freudiger Biber, der „Erster“ verkündet und ein ähm, ja, wie soll ich sagen, leicht besudelter Cartman oder ein „Nur mit Gummi, ihr knattert ja mit jedem“ und dem CFHH Männchen in einer Dreierbeziehung (Düsseldorf), dann ein „Europa wir kommen“ der Biber (Das war die Pokalsaison), was wieder mit eine „In Europa fickt euch keine Sau“ plus einer „Swinger Club Mitgliedskarte Uefa; Mitglied seit 1973“ (von den Düsseldorfern) gekontert wurde. Dann ging man Jahre auseinander, weil die Vereine sich in unterschiedliche Ligen bewegten und nach Jahren begrüßte man sich mit einem fröhlichem „Endlich wieder ficken“ (Biber). Die Fortuna konnte uns im Rückspiel dann nur noch in Richtung Liga 1 verabschieden und meinte „Bereitet schon mal alles vor“ inklusive gefesseltem Geißbock. Tja, hat nicht wirklich alles so geklappt und daher traf man sich nun zwanglos wieder. Bilder siehe die Fratzenbuchseite der Biber.

Und damit waren auch alle Höhepunkte erzählt. Seien wir mal ehrlich: Natürlich ist Düsseldorf eine – formulieren wir es mal neutral – mit allen Wassern gewaschene Truppe, aber wir haben uns davon auch viel zu schnell aus dem Konzept bringen lassen und haben uns viel zu schnell drauf eingelassen. So einem Spinner wie Rösler sagt man einmal deutlich, dass er sich mal Stollen unterschrauben soll, damit er nicht immer hinfällt und gut ist. Unsere Mannschaft investiert da aber viel zu viel Kraft rein. Und man muss im Mittelfeld auch viel laufbereiter, viel präsenter sein. Es kann einfach nicht angehen, dass bei allen drei Toren Spieler lange Dribblings machen können und ein Spieler von uns hinterher läuft. Da muss auch mal das taktische Foul kommen. Und da muss auch der Rest der Mannschaft mit nach hinten arbeiten. Aber an dieser Aggressivität, an diesem unbedingten wollen, dies fehlt der Mannschaft einfach komplett. Düsseldorf war nicht unschlagbar, aber sie waren einfach deutlich besser heute. Und wie gegen Aue ist das umso erstaunlicher, weil wir gut beginnen und auch in Führung gehen, aber nach der Führung schlafen wir komplett ein und betteln regelrecht um den Ausgleich. Das kann nicht sein. Nachsetzen ist eine Floskel, aber das versäumt unsere Mannschaft komplett. Aue wie Düsseldorf zeigten uns deutlichst die Grenzen auf, weil sie einfach uns ausliefen und auskämpften. Und beides tut am Millerntor immer noch sehr weh. Nebenbei haben Düsseldorf und Aue eine Fanfreundschaft.

Was mir diese Saison am Millerntor gefällt ist, dass die Stimmung und der Support immer dann noch mal anschwillt, wenn wir in Rückstand geraten. Das hat gestern nun so gar nix gebracht und der Funke ist so gar nicht übergesprungen, aber mir gefällt diese Publikumsreaktion. Was ich schade finde ist, dass sich kreative Ideen und lustige Rufe so gar nicht mehr durchsetzen. Das gestrige „Meyer mach die Nuss“ von hinten gerufen, hatte eigentlich alle Qualitäten, sich durchzusetzen. So bleibt leider auch unsere Idee, doch nach Rostock mit einem neuen Freundschaftsschal „Hansa – St. Pauli / No one likes us, we don’t care“ zu fahren, eine Idee. Ich würde nur gerne mal die Gesichter der Rostocker sehen, wenn denen plötzlich ein ganzer Block mit solchen Schals gegenüber steht.

Zu Recht fragte heute jemand im Forum, wie antiseptisch unser Stadion noch werden soll. Denn wenn wir schon das werfen von Klopapierrollen, die sich abrollen (!!!) diskutieren und verdammen und es eine offizielle (!!!) Anweisung gibt, dass niemand mehr den Gegengeradenzaun nach dem Spiel besteigen darf, dann fragt man sich: Wann müssen wir endlich alle sitzen und dürfen nur freundlich während der Unterbrechungen in die Hände klatschen? Wenn hier nicht bald irgendwann gegengesteuert wird und nicht irgendwann Leute mal einsehen, dass Fußball und Fußballfans auch ein bisschen was mit Rebellion und Anarchie zu tun haben, dann sehe ich schwarz.

I’m back at Fanladen, auspacken, die Kassenwärtin nach Hause fahren, auf einem Zebrastreifen unterschreiben und ins Bett. Und Capo, wir müssen reden.

Okt 172011
 

oder

So geht das gar nicht!

Vorwort

Liebe Leser, ich bin ziemlich abergläubisch, wenn es um Fußball und andere Dinge geht. So rasiere ich mich an Tagen von Fußballspielen nie und auch Essenauswahl und ähnliches bleibt so lange gleich, so lange wir nicht gewonnen haben. Und da dies auch für Tätigkeiten an diesem Tag gilt, gibt (bzw. gab) es heute mal wieder einen Musical Monday. Diesmal zwar nicht auf Twitter, sondern auf Fratzenbuch, aber ich will heute abend auch nicht bis zur 93. Minute bis zum Siegtreffer warten. Aber damit haben wir den Fußball in diesem Bericht auch abgehandelt, denn ich bin heute in Sachen laufen unterwegs.

Lange nicht gesehen und doch gleich wiedererkannt

Dem geneigtem Hamburger Läufer wird die Bramfelder Winterlaufserie, den Bramfelder Halbmarathon und damit die Runde um den Bramfelder See doch sehr bekannt sein. Im Winter eigentlich die beste Möglichkeit um längere Läufe zu trainieren und ein ständiger Motivationsschub. Ich laufe nun das dritte Jahr in Bramfeld und eine gewisse Gewöhnung kann man nicht verleugnen. Das positive an den Veranstaltungen in Bramfeld ist der familiäre Charakter und die wirklich gute Organisation. Das ganze hat auch insofern Wiedererkennungswert, weil immer die gleichen Ordner(innen) an den gleichen Stellen Wache halten. Sprich: Die Gewöhnung hat auch was von Gemütlichkeit. Und dann kommen die doch wirklich im dritten Jahr auf die Idee die Strecke zu ändern! Soviel Veränderungen kann ich konservativer Mensch doch nun gar nicht ab! Und nicht nur, dass sie die Strecke ändern, nein sie drehen auch noch die Laufrichtung!

Unter diesen Voraussetzungen lag ein Boykott der Veranstaltung in der Luft, aber wat mut dat mut und irgendwie muss man ja auf Marathonform kommen. Also doch am Sonntagmorgen zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett gequält und nach Bramfeld geeiert. Also eher nach Steilshoop, denn traditionell ist der Start zwischen dem dortigem Sportplatz und der dortigen Dreifeldhalle. Kalt war es, aber das ist ja nun auch mal ein Lauf, der irgendwie doch zur Winterlaufserie gehört und ansonsten war auch bestes Laufwetter. Beinah schon zu gut, denn die Sonne bringt die Spaziergänger aus den Löchern und damit potentielle Barrieren für das schnelle Laufen.

Erstmal noch ein bisschen im Auto rumgesessen, denn das wir zu früh waren, das muss ich jetzt wohl nicht gesondert erwähnen, oder? Immerhin so einen guten Parkplatz gefunden und das Hauen und Stechen der später kommenden bequem sitzend auf einem Parkplatz genossen. Es ist immer wieder bemerkenswert, dass Menschen anscheinend meinen, dass sie 10 Minuten vor Ultimo kommen können und nur für sie Parkplätze genug freigehalten sind.

Im Auto dann die Feststellung, dass ich noch nix gegessen hatte. Schwesterherz zaubert einen Riegel hervor, den sie „mal irgendwo in einer Tasche gefunden hat“. Kommentar: „Garantiert seit vier Monaten abgelaufen.“ Blick auf die Verpackung: Mindestens Haltbar bis 06/11. Treffer. Aber mir geht es noch gut.

Ja, ich laufe mich warm. Zwar guckt mich mein Schwesterherzchen immer wieder an, wie ein Auto, aber läuft sich dann doch warm. Dabei Mark aus der Marathontruppe getroffen und auch der Herr @pixxelschubser vom Twitterlauftreff hatte sich aufgerafft. So war noch ein bisschen schnacken angesagt und dann ging es zum Start. Die Besonderheit beim Bramfelder Halbmarathon ist, dass die vier Runden um den Bramfelder See nur 20 KM und ein paar Meter sind, so dass vorher ein Auftakt auf dem Sportplatz gelaufen werden muss. Der Startschuss (von Regina Hallmich, die für irgendeine rauchfrei Kampagne da war) fiel und los geht es. Der erste Kilometer ist nun auf eine Tartanbahn zu laufen und jeder, der auf einer solchen schon einmal gelaufen ist, weiß dass das doch deutlich schneller ist, als wenn man Straße oder Waldboden läuft. Also ging der erste Kilometer mit 5:23 in die Bücher und damit definitiv zu schnell für meine Verhältnisse. Ich hatte mir eigentlich eine Zeit von 6:10 pro Kilometer zurecht gelegt und wollte dann am Ende mal gucken, ob noch was geht. Okay, Plan über den Haufen geworfen und das Tempo erstmal beibehalten. Am Parkplatz vorbei auf den Gropiusring und dann hart rechts, so dass man dann kurz dem Fritz-Flinte-Ring folgt, um dann wieder auf dem Fußweg zu bleiben, den Edwin Scharff Ring links liegen lässt und dann mit dem Eichenlohweg zwischen Kleingärten und Friedhof durchläuft. Rechts abbiegen und dann einmal um den See zurück zum Sportplatz ist die weitere Streckenführung. Kilometer zwei wurde in 5:44 verbucht und nun lief ich nach dem alten Prinzip „Sterben oder Bestzeit“. Inklusive Kilometer 11 blieben alle Kilometer unter 6 Minuten und das sah eigentlich sehr gut aus, was die Bestzeit anging. Nur nach Kilometer 11 merkte ich dann doch, dass ich Freitags noch eine relativ schnelle Spaßrunde gedreht hatte. Normalerweise laufe ich vor einem Halbmarathon ab Mittwoch nicht wirklich mehr, aber Freitag war halt so gutes Wetter.

So musste ich nun notgedrungen langsamer werden. Die Kilometer 12 bis 16 schwankten noch um die 6:10, für die letzten 5 hatte ich mir dann irgendwas um die 6:30 vorgenommen, was eine Verbesserung meiner persönlichen Bestzeit bedeuten würde. Hat dann auch ziemlich gut geklappt, denn außer Kilometer 20 lief kein Kilometer wirklich aus dem Ruder oder war mehr als ein bis zwei Sekunden von dieser Zielmarke entfernt. Mit offiziellen 2:08:35 war die neue Bestzeit perfekt und ich super zufrieden.

Dies ist eben nicht nur erstaunlich, weil ich Freitag noch ohne Rücksicht auf Verluste gelaufen war, nein es ist auch erstaunlich, weil ich mich Samstag nun so gar nicht nach Höchstleistungen fühlte. Hinzu kommt, dass ich kein Freund mehr werde von Läufen, die über mehrere Runden gehen. Zwei Runden ist noch okay, aber bei vier Runden kennst du jeden noch so kleinen Anstieg und der tut dann schon 1 Kilometer vorher weh. Und wenn man den Bramfelder See so herum läuft, dann befindet sich zum Ziel hin ein ziemlicher Anstieg, der noch einmal richtig weh tut. Gute Zeit und mein heimliches Ziel einen Halbmarathon irgendwann mal unter 2:06 zu laufen, bin ich wieder ein Stück näher gekommen. Und dann klappt der Marathon auch irgendwann unter 5:00, auch wenn mir da ganz klar die langen Kanten im Training fehlen.

2009 war dieser Halbmarathon mein erster jemals gelaufener Halbmarathon. Damals in glorreichen 2:23:58. Ich bin doch ein bisschen schneller geworden. 🙂

Und zuletzt wie immer: Die Strecke bei gpsies.com. Wir sehen uns bei der Winterlaufserie.

Okt 132011
 

oder

Und dann war da noch…

… der Bundestrojaner

Die älteren unter uns werden sich noch erinnern, wie die CDU vor rechtsfreien Räumen in der Hafenstraße warnte. Und noch 2009 wiesen drei junge Abgeordnete der CDU/CSU (Achtung, da geht auch der Link hin), darauf hin, dass das Internet doch kein rechtsfreier Raum sein dürfe. „Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigall“ sagte sich der innenpolitische Sprecher (!!!!) der CDU und meinte im Hinblick auf ein Programm, welches offensichtlich sich nicht ans geltende Recht hält, dass dieser rechtsfreie Raum doch ganz okay sei. Ich zitiere:

„Wer dagegen wie die Bundesjustizministerin eine spezialgesetzliche Rechtsgrundlage für die Quellen-TKÜ verweigert und die Strafverfolgungsbehörden damit zum Rückgriff auf die allgemeine TKÜ-Rechtsvorschrift zwingt, darf nicht beklagen, dass Vorgaben nicht eingehalten würden, die es derzeit noch nicht gibt und für deren Schaffung die Justizministerin zuständig wäre.“

Ich frage mich: Warum sollte ich mich an Gesetze halten, wenn der innenpolitische (!!!) Sprecher der Regierungsfraktion meint, dass dies doch eigentlich nicht so wichtig sei, wenn denn der Zweck die Mittel heiligt?

Es ist schon erstaunlich, welches Grundrechteverständnis einige Leute so haben. Ich wiederhole ja immer wieder gerne und auch hier: Es ist immer schön, etwas von Menschenrechten und von Werten zu brüllen, aber wichtig, entscheidend und für eine Glaubwürdigkeit unabdingbar ist es, diese Werte auch dann zu verteidigen und einzuhalten, wenn es einem weh tut. Es hat eben auch der Massenmörder unveräußerliche Rechte. Daher hasse ich auch diese „Ich hab doch nix getan, also interessiert es mich nicht.“ Argumentation. Menschenrechte sind eben der entscheidende Unterschied zwischen einem Rechtsstaat und einem Willkürstaat. Niemand bezweifelt nebenbei, dass letzterer Verbrechen sehr effektiv bekämpfen kann. Nur erstrebenswert finde ich dies nicht.

… der Rauchbomber vom Derby

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den jungen Mann erhoben, der uns beim ersten Derbyversuch in schwarz-weiß-blauen Rauch hüllen wollte. Hat irgendwie alles nicht so geklappt und erwischt wurde er auch noch. War vielleicht auch nicht so der beste Plan seines Lebens, wenn ich das mal vorsichtig ausdrücken will. Nun ja, er wird seine Strafe bekommen und – ja liebe Mopo – eventuell ist das selbst Bewährung angesagt. Ansonsten ist die Berichterstattung mal wieder übelstes Boulevard und ich muss darüber nix schreiben. Spannender ist da schon, was das Abendblatt in seinem kurzen Artikel schreibt. Ich zitiere:

„Sie [gemeint sind die Rauchbomben] waren wenige Tage vor dem Spiel entdeckt worden. Das eigentlich für den 6. Februar geplante Lokalderby WAR DESHALB [Hervorhebung von mir] abgesagt und auf den 16.02. verschoben worden.“ Quelle: Abendblatt vom 13.10.11 Seite 10 unten Links

Man lese und staune. Nicht der Rasen war Schuld? Ist das nun Legendenbildung? Ein Recherchefehler? Oder hatte die Polizei wirklich ihre Finger im Spiel? Und wenn letzteres: Warum ist das so nicht benannt worden?

… Ultrá Sankt Pauli

Die sich nun stolze Preisträger des Hans-Frankenthal-Preises nennen können. Die wirklich lesenswerte Begründung findet ihr hier. Und ich sage es mal so: Liebe Politiker, Polizisten etc. es ist Zeit Ultras endlich differenzierter zu sehen und mal zu sehen, wie großartig sich dort Jugendliche für ihre Ideale einsetzen. Es ist schön, dass sie dafür endlich einmal Anerkennung bekommen. Für mehr Politik im Stadion. Weiter so, USP. Nein, das soll keine Verherrlichung sein und es ist immer Platz für (Selbst-)Kritik, aber eine allgemeine Verdammung ist einfach nur albern.

… die StartschussMasters

Sind ein schwules Fußballturnier in Hamburg, welches insoweit von beiden Hamburger Vereinen unterstützt wird, dass beide Vertreter zur Siegerehrung schicken. Schöner Schritt, wenn auch nur ein kleiner Anfang. Ich wünsche allen Teilnehmern, ihren Fans und den Organisatoren ein tolles Turnier. Hier findet ihr weitere Informationen und auch einen Spielplan.

Okt 102011
 

oder

Der Lübecker Citylauf

Vorwort

Liebe Leser, spielfreies Wochenende, das bietet sich doch mal wieder an, die Laufschuhe zu schnüren und einen Wettbewerb zu laufen. Die Wahl fiel auf den Citylauf Lübeck. Ansonsten befinde ich mich in der direkten Vorbereitung auf den von mir wirklich hochgeschätzten Frankfurt Marathon. Die Fußballseite dieses Blogs wird daher ohne einen Unionbericht auskommen müssen. Zwei Auswärtsspiele hintereinander habe ich seit ca. 2001 nicht mehr verpasst, aber leider ging es nicht anders. Leider werde ich im Frühjahr 2012 nicht in Hamburg starten können, denn Dresden will ich dann doch nicht verpassen.

Zwiegespalten

Ich hatte mich richtig fröhlich in den Startzeiten verguckt und hatte meinen Wecker auf 6:30 gestellt, weil ich von Nachmeldung ab 8 und Start um 10 ausging. Das die Nachmeldungen erst ab 9 Uhr erfolgen konnten und der Start auch erst um 12, das merkte ich erst, als ich noch mal die Adresse mir angucken wollte. Naja egal, also etwas gebummelt, dann ins Auto geschwungen und meinen Arbeitsweg gefahren. Dabei beinah in Richtung Arbeit abgebogen, dann aber noch den richtigen Schwung geholt und einen Parkplatz direkt am Veranstaltungsort gefunden. Wer die Parkplatzsituation in Lübeck kennt, der weiß, dass dies eigentlich schon ein Sechser im Lotto ist.

Die Nachmeldung war unproblematisch, ging schnell und kostete nicht die Welt. Es gab ein Shirt, aber da Ziel und Start ca. 400 Meter auseinander lagen und dies am Ziel lag, konnte man also erstmal einen Spaziergang machen. Kein Problem, wenn man früh ist, aber ich finde das auseinanderfallen von Ziel und Start immer eher doof. Und dann gab es in der Halle nicht einmal eine bewachte Gepäckaufbewahrung. Das finde ich noch blöder. Also das sehr hübsche (HUST) Shirt abgeholt und dann wieder in die Halle gesetzt. Die Zeit ein bisschen vertrödelt und die Sachen ins Auto gebracht. Kinderläufe gab es und ich mag dazusehen, die aufgeregten Kinder, die stolzen Eltern und dann geht die wilde Hatz über 1,8 Kilometer los. Leider nicht ohne Tränen, denn zwei Teilnehmer verhedderten sich und machten einen Satz und einer musste mit einem aufgeschlagenem Knie nach 0 Metern aufgeben. Unter Tränen. Das Feld war weiblich/männlich geteilt worden, was insofern etwas zu Verwirrung führte, weil in der ersten Reihe ein blonder Engel stand. „Du bist doch ein Mädchen.“ „Nein, ich bin ein Junge.“ Auf eine weitere Aufklärung wurde verzichtet.

So nun aber warmlaufen, eine Sache, die ich bei so kurzen Strecken mache und irgendwo hinten im Feld einordnen. Ich hatte beschlossen mal ausnahmsweise mit Musik zu laufen und nutzte dafür meine Frankfurtplaylist, hatte diese aber auf eine Zufallsauswahl gestellt. Und so richtig wusste ich nicht in welchem Tempo ich loslaufen sollte. Irgendwie stellte ich mir so etwas von 6:30 vor, aber irgendwie wurde es dann doch deutlich schneller. KM 1 war noch von vielem sortieren geprägt und wurde daher von mir nur in 6:10 absolviert. Es ging die Mühlenstraße hoch, dann die Sandstraße, um dann auf die Königstraße abzubiegen. von hier an lief man eine Runde, die einen dreimal über diese Straßen führte. Wende am Koberg, dann die Breite Straße herunter. Ich lief nun die Kilometer in Zeiten, die um die 5:45 pendelten. Beckergrube herunter, dann zum Holstentor und dann die Possehlstraße und die Wallstraße herunter. Dann in die Wallanlagen und plötzlich der Wechsel von Asphalt auf Sandboden. Das schmeckt mir nicht ganz so und so wurde ein Kilometer auch etwas langsamer und um die 5:50 gelaufen. An der Krähenstraße wieder zurück auf Asphalt inklusive einer richtig giftigen kurzen Steigung hoch zur Straße, dann war an der Königstraße die erste Runde vollendet. Was nervte war, dass der Veranstalter es nicht hinbekam die Kilometerschilder auch nur annähernd richtig zu platzieren, wenn zwischen GPS und Kilometerangabe teilweise 800 Meter unterschied sind, dann ist das nervig. Ich hielt mein Tempo und haute zwischendurch auch Kilometer 7 in 5:31 raus. Mein Puls jetzt bei 166 am Anschlag, aber wenn man hier schon ist, dann will man die Nummer auch gut beenden. So konnten die 5:45 bis ins Ziel gerettet werden und insgesamt mit einer handgestoppten 1:04:19 bin ich doch sehr zufrieden.

Zuschauer waren für so einen Volkslauf ordentlich an der Strecke, so dass es an Unterstützung nicht mangelte. Auch die Absperrung war hervorragend und auch auf dem kurzen Stück Wanderweg war man trotz bestem Spaziergehwetters nicht wirklich behindert. Neben den falschen Kilometern empfand ich das fehlen eines Versorgungsstandes als negativ. Ich finde schon, dass man bei einem 11 Kilometerlauf einen Stand so bei Kilometer 6 einrichten kann. Nicht so negativ finde ich dann wieder, dass der Lauf laut seiner Ausschreibung 190 Meter länger hätte sein sollen, so etwas stört mich dann nicht wirklich. Die fehlende Medaille ist wieder ein Minus. Ebenso, dass jetzt (Montag Mittag) auch beim dritten Nachsehen immer noch keine offiziellen Ergebnisse Online sind. Das kenn ich von anderen Läufen dann doch schneller.

Insgesamt aber ein netter Lauf über eine nett zu laufende Strecke rund um die wirklich hübsche Lübecker Altstadt. Und mit meiner Leistung bin ich super zufrieden. Dass ich eine Woche nach einem Hitzemarathon mal eben eine durchschnittliche Pace von 5:47 auf die Platte legen kann, spricht für eine anhaltend gute Form. Nächsten Sonntag wird Bramfeld gerockt und dann kann Frankfurt kommen.

Und hier wieder – wie immer – die Strecke bei gpsies.com

Was läuft sonst so?

… eine Umbenennung in meiner Blogroll. Good bye npd-blog.info, hello publikative.org. Wer sich kompetent über rechtes Gesocks informieren will, dem sei dieser Blog weiterhin ans Herz gelegt. Und das Patrick braun-weißer ist, ist nur ein schöner Zufall.

Okt 072011
 

oder

Was wir nicht brauchen, ist ein „Machtkampf“

Vorwort

Liebe Leser, ich war nicht auf der AFM Versammlung. Dies lag wie in den Vorjahren an einer mir persönlich unglücklichen Terminierung. Und so brisant, dass man nun jede Stimme für irgendwelche relevanten Abstimmung brauchen würde und man daher vielleicht private Pläne komplett über den Haufen wirft, so brisant sind AFM Versammlungen nun auch wieder nicht. Ich stehe im großen und ganzen hinter der AFM Führung, sehe eine gute Abteilungsentwicklung und freue mich auf die Gelder und wie sie verwendet werden. Und trotzdem gibt es nun Ärger. Und diesen Ärger sollte man beleuchten.

Gestaltungsfragen

Wie das Abendblatt heute (07.10.11) berichtet (kein Link, wie üblich beim Abendblatt) gibt es Unstimmigkeiten bei der Zuordnung der A-Jugend und der B-Jugend. Dabei geht es sehr vereinfacht gesagt um die Frage, ob diese beiden Mannschaften mit ihren Ausgaben dem sogenannten ideellen Bereich des FC St. Pauli oder dem sogenannten wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb zugeordnet werden. Um das ganze dem steuer- und vereinsjuristischem Laien etwas näher zu bringen, möchte ich etwas ausholen.

Eigentlich war ein Verein von den Machern des BGBs (und daran orientiert sich auch die Abgabenordnung (AO) bei der Betrachtung von gemeinnützigen Vereinen) ganz anders gedacht. Ein nichtwirtschaftlicher Verein sollte „nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb“ gerichtet sein (§ 21 BGB). Der klassische e.V. sollte eben ein Verein ohne wirtschaftliche Interessen sein, wo es höchstens mal einen Kuchenverkauf für die Spendenkasse gibt. Tja, so entwickelte sich die Realität nicht und Vereine haben heute sehr große wirtschaftliche Geschäftsbetriebe. Nach der herrschenden Meinung (die aber immer wieder unter Beschuss kommt) dürfen sie dies steuerrechtlich, wie auch zivilrechtlich, dann, wenn „ihr [gemeint ist „die Körperschaft“, weil hier neben Vereinen auch andere Körperschaften steuerbegünstigt sein könnten.] die wirtschaftliche Tätigkeit bei einer Gesamtbetrachtung nicht das Gepräge gibt.“ (so u.a. der Anwendungserlass zu § 55 AO Nr. 2 (ich habe das ein bisschen umformuliert)). Nehmen wir doch mal unseren so heiß geliebten FC St. Pauli von 1910 e.V.. Dieser ist ein Idealverein, dieser ist gemeinnützig. 95% seines Umsatzes, 99 % seiner öffentlichen Aufmerksamkeit und ca. 99 % des Innenlebens dieses Vereines dreht sich um den Profifussball. Wer hier jetzt sagt „also gibt dieser ihm doch auch das Gepräge“, dem kann man nur sagen, dass das gesunder Menschenverstand ist, aber natürlich nix mit der juristischen Wirklichkeit zu tun hat. Begründen lässt sich dies aber nicht mehr wirklich sinnvoll. Es soll aber zulässig sein. Zumindest beanstandet die Praxis es nicht. Soweit, so gut.

Okay, wenn wir dies nun akzeptieren, dass ein Verein Janusköpfig sein darf, dann stellt sich die Frage, wie diese beiden Bereiche abzugrenzen sind. In der reinen Theorie hat der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb Gewinne für den ideellen Teil zu erwirtschaften und diese sind dann dem Zweck der Körperschaft (das ist bei uns irgendwas mit Sport und Kultur), also dem ideellen Bereich zeitnah zuzuführen. Verluste sollte der wirtschaftliche Betrieb nicht erwirtschaften und wenn dann sind sie nicht mit Geldern des ideellen Teils zu schließen, weil diese Gelder (z.B. unsere Mitgliedsbeiträge) eben den genannten Zwecken zuzuführen sind. Das ist eine sogenannte Mittelfehlverwendung und das gibt böse auf die Finger. Soweit ist immer noch alles klar. Keine Mitgliedsbeiträge für das Gehalt von Bruns. Versteht jeder, da können wir Brunsi noch so lieben, geht nicht.

Das Leben schreibt aber auch hier Graubereiche und das sind die älteren Jugenden. Diese muss ich zuordnen, habe da so ein bisschen eine Gestaltungsmöglichkeit (ich nenne das jetzt ganz bewusst nicht „Wahlrecht“, denn ein wirkliches Wahlrecht ist das nicht.). In A und B-Jugend kann ich exorbitante Gehälter an die Spieler zahlen, ich kann 10 Euro Eintritt nehmen und ich kann fette Werbung auf dem Trikot haben. Dann gestalte ich das ganze so, dass sich das in den wirtschaftlichen Bereich einordnet. Das hat auch einen Vorteil: Ich kann Verluste, die in diesem Bereich entstehen von den Gewinnen des restlichen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes steuerlich abziehen. Das kann meine Steuerlast senken.

Ich kann das ganze aber auch so gestalten, dass ich freien Eintritt gewähre, mich mit Werbung ein bisschen zurückhalte (ich will jetzt nicht die Grauzonen hier diskutieren) und den Spielern nur geringe Aufwandsentschädigungen zahle (hier halte ich jetzt ganz mein Maul, das ist ein riesiges Minenfeld, daher bleibe ich hier lieber sehr undeutlich). Dann ist das ganze kein Profibereich, sondern im ideellen Bereich. Ich kann Mitgliedsbeiträge verwenden, die Verluste dieses Bereiches können aber meine Gewinne im wirtschaftlichen Bereich nicht mindern. Das ist jetzt bitte keine steuerlich ausformulierte Betrachtung, sondern ich habe das mal für unsere Zwecke stark verkürzt.

Wichtig ist nur folgendes: Ich gestalte da etwas für eine längere Zukunft. Was ich nicht machen kann, ist im Jahr 1 Hü, im Jahr 2 Hot und im Jahr 3 hühot sagen. Das geht nicht. Daher muss ich immer mehr sehr wohl überlegen, was für mich sinnvoll ist. Und zwar eben für eine längere Frist.

Ich sage mal: Für den FC Bayern, der A-Jugendliche mit profiähnlichen Verträgen ausstattet, der einen Profibereich hat, der sprudelnde Gewinne erwirtschaftet, für den ist das nur sinnvoll die A-Jugend auch in den wirtschaftlichen Bereich (bzw. bei denen in die Aktiengesellschaft) einzugliedern.

Und genau hier beginnen die Fragezeichen. Wenn ich etwas so gestalte, dass ich Steuern spare, dann lohnt sich dies nur dann, wenn ich auch wirklich Gewinne mache, die ich der Steuer unterwerfen muss. Gewinne hat der Verein in den 11 Jahren in denen ich das verfolge genau in einem Jahr gemacht. Daher muss man bereits hier fragen: Macht das wirklich Sinn? Denn was nützt es mir, wenn ich in einem Jahr mal die Steuerlast senken kann, aber in 9 Jahren die Verluste des wirtschaftlichen Bereiches nur erhöhe und diese durch den ideellen Bereich nicht ausgleichen darf? Es ist noch nicht lange her, da zahlte die AFM den gesamten Jugendetat, weil wir quasi pleite waren. Man stelle sich mal folgendes Szenario vor, was ich jetzt nicht einmal zu schwarz gemalt finde: Wir verpassen 10/11 den Aufstieg knapp, danach steigen wir 11/12 in Liga 3 ab. Dies geht damit zusammen, dass wir in der Saison 12/13 einen ordentlichen Verlust im wirtschaftlichen Bereich machen werden und wir kein Geld mehr für die Jugend haben werden. Selbst wenn wir sofort aufsteigen. Hätten wir nun heute die Gestaltung „Jugend in den wirtschaftlichen Betrieb“ gewählt, wäre eine Gestaltung wie beim letzten Mal ausgeschlossen. Kein schöner Gedanke. Aber auch wenn ich diesen Horrorgedanken außen vor lasse, stellt sich schon die Frage, ob es sinnvoll ist in einen Geschäftsbetrieb, der nicht gerade vor Ertragskraft strotzt, noch einen Bereich einzubringen, der eher Verluste bringt.

Noch mal deutlichst: Gestalte ich in Richtung Profibereich, dann kann ich auf Jahre hin keine Gelder des ideellen Bereiches für diesen Bereich ausgeben. Und dies sind z.B. AFM Gelder. Nun frage ich euch: Was ist bei uns konstanter: Ein Gewinn, so dass es sich lohnt Steuersparmodelle zu gestalten oder die Mitgliedsbeiträge der AFM?

Und noch etwas geht dann nicht mehr: Infrastrukturprojekte AUCH aus Mitgliedsbeiträgen zu finanzieren. Bestes Beispiel: Kollaustraßenerweiterung. Wenn ich die Jugenden im ideellen Bereich habe, dann kann die AFM aus ihren Beiträgen eine Renovierung und Erweiterung mitfinanzieren. Das heißt: Der wirtschaftliche Bereich muss nicht alles zahlen, er wird entlastet, er kann seinen Gewinn steigern und diesen kann er dann auch wieder „für sich“ ausgeben. Sprich: Wenn man es ganz gemein sehen will, dann subventioniert man nämlich doch den wirtschaftlichen Bereich.

Ich will euch jetzt hier keine allwissende Antwort geben, denn die habe ich auch mangels Detailwissen nicht. Ich denke ihr könnt lesen, in welche Richtung meine Denke geht, aber hier sollte jeder seine eigene Meinung bilden. Was ich nicht für sinnvoll halte ist, aus jeder Sachfrage sofort eine Machtfrage zu machen. Man muss sich da dann auch immer fragen, ob nicht persönliche Befindlichkeiten und persönliches Machtstreben sehr schnell über den Interessen des Vereines stehen. Mal ganz davon ab, dass die Medien sehr gerne auf solche „Machtkämpfe“ aufspringen und in einem Verein damit beinah sachliche Diskussion gekillt wird, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Strukturfrage

In diesem Zusammenhang brachte Uwe Doll seine Genossenschaftsidee wieder ins Spiel. Ich bin davon ehrlich gesagt kein Freund. Warum nicht? Auf den ersten Blick ist das eine super Idee um z.B. den Profibereich vom ideellen Bereich zu trennen und so etwas wie eine saubere Lösung herzustellen und dabei die „böse“ Welt der Kapitalgesellschaften und Investoren zu umgehen. Aber mir schmeckt das nicht. Ich will mal drei Gründe exemplarisch anführen: Grund 1: Eine Genossenschaft gehört ihren Genossen. D.h. Wenn ich 50 + 1 machen will, dann muss ich schon wieder ein Konstrukt nutzen, was immer umständlicher wird. Grund 2: Man müsste Parallelstrukturen schaffen. Wenn ich die Mitgliedschaft in der Genossenschaft attraktiv machen will, dann muss sie irgendwelche Vergünstigungen haben, welche z.B. die Vereinsmitgliedschaft nicht bietet. Das erscheint mir fragwürdig und es erscheint mir auch gefährlich, weil ich entweder die Vereinsmitgliedschaft entwerte, relativiere oder die Leute „zwinge“ in beidem Mitglied zu werden. Seien wir ehrlich: Unsere hohen Mitgliedszahlen haben auch etwas mit dem Ticketvorverkauf für Mitglieder zu tun. Grund 3: Sie löst das oben genannte Problem nicht, da die Genossenschaft auch nicht auf gemeinnützige Mittel zurückgreifen könnte. Das sind nur mal so drei Gründe, die mir gestern beim überlegen so einfielen. Ich erspare euch und mir mal, es an dieser Stelle auszuführen, da das bisher ja nicht mehr ist als eine schön klingende, aber aus meiner Sicht eben nicht praktikable Idee eines Aufsichtsrates.

Terminfragen

Die JHV 2011 findet am 22.11.2011 ab 18 Uhr statt. Die Folge war viel Kritik an der Terminfindung und auch ich finde das nicht wirklich gelungen eine JHV in der Woche abzuhalten. Ich bedauere sehr, dass man sich anscheinend wieder nicht auf einen Wochenendtermin hat verständigen können. Trotzdem finde ich das Geschrei übertrieben. Zum einen machen beinah alle Fußballvereine ihre JHVs in der Woche, zum anderen muss man auch Rücksicht auf die sporttreibenden Personen (die ja immerhin dem Verein „das Gepräge“ geben sollen ;-)) nehmen und die spielen ihre Punktspiele nun mal am Wochenende. Trotzdem würde ich mir hier vom Präsidium, von der Organisation mehr Moderation wünschen. Moderation in dem Sinne, dass man auch mal guckt, ob und inwieweit Spielpläne fest sind. Ob es z.B. möglich wäre einen Samstag ab 18 Uhr frei von Spielterminen zu bekommen oder einen Sonntag ab 17 Uhr. Das ist auch kein idealer Termin, aber den gibt es meines Erachtens nicht. Hier ist ein Ende der Hinterzimmerpolitik gefragt und ein Hinwenden zu öffentlichen Befragungen und Findungen. Gerade dieses Jahr, wo wir im Rahmenspielplan ein freies Novemberwochenende haben, hätte ich mir da längerfristige Planung, längerfristige Abklärung gewünscht. Denn ich behaupte mal: In den meisten Ligen wird auf einen Wunsch dieser Art ohne weiteres Rücksicht genommen. Man muss es eben nur wollen. Was ich aber nicht will ist, dass Leistungsnadeln an Teams vergeben werden, die nicht da sein können, weil sie gerade spielen müssen. Das ist in den letzten Jahren viel zu häufig passiert.

Was erwartet uns nun bei der JHV? Gute Frage, ich würde beinah auf einen ruhigen Verlauf ohne besondere Vorkommnisse tippen. Zwar wird viel von Anträgen und Empörung gemunkelt, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass letztendlich nicht ein wirklich kritischer Antrag zur Abstimmung kommt. Und ich könnte mir vorstellen, dass wenn doch einer kommt dieser nicht auf die entsprechend breite Basis gestellt ist. Z.B. kann ich mir sehr gut vorstellen, dass ein Business Seat Rückbauantrag daran scheitern wird, dass jede Tribüne diesen Rückbau nur bei sich haben will. Aber vielleicht bin ich auch zu pessimistisch. Wir werden sehen.

Soziale Fragen

Laut Abendblatt von heute macht der FC nun 8.000 Euro gegen den Täter des Becherwurfes per Zahlungsaufforderung, zahlbar innerhalb von zwei Wochen geltend. Ich denke das wird viel Beifall und viel Lob ernten, die „kreuzigt ihn“ Fraktion freut sich und ich verweise einfach nur auf den Übersteiger. So lange Strafen des DFB sich am Verhalten des Vereines orientieren und nicht auf Schuld und Tat des einzelnen Täters abgestimmt sind, so lange halte ich eine einfache, ungebremste Durchreichung schlichtweg für unvereinbar mit unserem Rechtssystem, welches Strafen an individueller Schuld bemisst. Ich hoffe nur, dass der Täter a. Sich einen Anwalt leisten kann und b. Die Zivilgerichte von diesem Irrweg wegkommen (ich verweise da auf einen alten Artikel hier im Blog). Ich finde es sehr traurig, dass der FC es nicht schafft und die Strafe von sich aus der Schuld und den persönlichen Umständen des Täters anpasst. Hier wäre z.B. eine Weiterreichung von X % und / oder eine Abarbeitung der Strafe durch ehrenamtliche Arbeit ein sehr viel sozialerer und angemessener Weg gewesen. Tja, aber bei nächster Gelegenheit wieder etwas von sozialer Verantwortung reden. Meines Erachtens wird diese Verantwortung erst dann deutlich, wenn man nach ihr auch handelt, wenn es weh tut. Hier wäre diese Möglichkeit gegeben gewesen.

Lesefrage

Nein, eher ein Lesebefehl:

Die in die Vorfälle vom Sonntag involvierten Fans stellen sich derweil die Frage, ob verängstigte Unbeteiligte oder Spielabbruch, mediales Sperrfeuer und politisches Entrüstungsspektakel ein angemessener Preis sind für ein verqueres, archaisches Gezeter um Fahnen, Ehre und Revierhoheit. Die Ultrakultur, wie sie die Stadien seit einem Jahrzehnt überzieht, hat den Fussball aus einer muffigen, dumpfen, rechtsnationalen Misere befreit und sich innert Kürze zur grössten städtischen Subkultur entwickelt. Die Maxime der Härte als wesentlicher Bestandteil dieser Bewegung bringt jedoch nichts als Schaden, gegen innen wie gegen aussen. Wenn die Stärke einer Fanszene daran bemessen wird, ob sie sich klubfarbene Sturmmasken herstellen lässt oder zum Pyro­schmuggel Stadiontore von Dorfvereinen stürmt, hat eine lebendige Subkultur ihren Zenit überschritten. Auf die Sympathien gemässigterer Match­besucherInnen können ultraorientierte Fans so nicht mehr zählen. Das wurde am Sonntag im Zürcher Letzigrund deutlich. Wenn sich aber nicht nur der Verein, sondern auch Gleichgesinnte entsetzt abwenden, ist alles verspielt. Und die bedingungslose Unterstützung der Mannschaft wird zur Floskel.