Aug 232011
 

oder

Erfolgswelle mit Herzinfakt

Vorwelle

Liebe Leser, ich trete diesen Wellenwitz jetzt tot, ob ihr wollt oder nicht.

Wellengang am Montag

Der hochgeschätzte Kollege vom Lichterkarussell brachte es nach dem Spiel auf den Punkt, als er meine Anmerkung, dass ich das nicht noch 5 Jahre überlebe in folgenden Text auf die Melodie von Misswirtschaft (Prollhead) umdichtete:

Herzinfakt, Herzinfakt bei unserem Verein herrscht Herzinfakt

Herzinfakt, Herzinfakt beim FC St. Pauli herrscht Herzinfakt.

Aber fangen wir doch einfach mal vorne an. Vorne heißt bei Montagsspielen, dass meine Wenigkeit um 5 Uhr aufsteht, zur Arbeit fährt, irgendwie den Tag rumbringt, vor Nervösität nicht arbeiten kann und dann pünktlich Feierabend macht, um wenigstens irgendwie noch einen sozialen Teil zu haben. Montagsspiele heißt auch, dass wir zwar als Tabellenerster in den Spieltag gehen, aber bis zu unserem Spiel mal locker Tabellen 5. sind. Was für eine Scheiße. Montagsspiele heißt auch, dass ich zumindest sicher weiß, dass ich Dienstag auch streichen kann, weil ich zu wenig schlaf bekomme und heißer bin. Heute hier zu bewundern.

So und daher mag ich Montagsspiele nicht. Das hat nichts mit rationalen Überlegungen oder Faninteressen vs. Geldeinnehmen zu tun, das ist einfach das Feeling, der Sound des Tages und mein Willen.

Hat euch irgendein Fußballfan mal auf die Nase binden wollen, dass er sei nicht abergläubisch? Vergisst es! Jeder Fußballfan ist irgendwo abergläubisch. So führen Siegesserien schon mal zu kurzen Hosen im kaltesten Winter oder Siege zu Wiederholungen von Spieltagsabläufen. So wird ein Schal in einer ganz bestimmten Art gebunden oder in der Straßenbahn auch dann gestanden, wenn diese vollkommen leer ist. Dies alles wurde im Hin und Veg diskutiert, wo ich natürlich a. das gleich gegessen habe, b. das gleiche getrunken habe c. das gleiche gemacht habe, sprich mein Handy aufgeladen habe und mich auf deren Klo umgezogen habe. Aber machen wir jetzt hier mal keine Welle, sondern surfen einfach mal zum Fanladen.

Paradies, Heimat. Man wird mit einem freundlichen Surfergruss (andere würden das Fuckfinger nennen) begrüßt und weiß: Hier ist man zu Hause. Nur leider kein Platz für mein Schiff und so mussten wir in einer Seitenbucht parken und uns schwimmend zu unserer Insel bewegen. Nun aber ein bisschen Hektik, denn der Infostand schlug Wellen.

Am Infostand wurden viele Muscheln umgesetzt und viel über die Welle diskutiert. Die Meinungen gingen weit auseinander, aber ganz ehrlich: Das ist in einem Diskurs so. Dazu aber in einem Nachsatz noch was.

Auf der Gegengerade haben sich ja doch sehr viele alte Korallen angesammelt und unter diese mischten wir uns nun. Da gibt es die „Ich will kein Eckentraining“ Pöbelkoralle, nebenbei sehr genießbar. Da ist die „Zigarre, die riecht, als wenn man getrockneten Katzenkot raucht“ Koralle oder als Gastkoralle die grün-weiße.

Nur aus den Zebras waren irgendwie Frösche geworden und wir hatten gerade keinen Franzosen am Start, der ihnen die Schenkel abknabbert, denn irgendwie waren die ständig im Weg unserer Freibeuter. (Sorry, für die zwei eingebauten Klischees)

Aber das hier ist Fußball, das hier ist Dramen und um es mal so zu formulieren oder um mit einem Facebookeintrag zu sprechen: „Das 2-1 ist ein echtes Harte-Nippel-Tor“ Nein, kein Selbstzitat. Aber vor das Happyend hat das Drehbuch auch in einer Piratensage das Drama und die Verwicklungen gelegt. Und so wurde der Säbelkampf mit den Fröschen ein echtes Geduldspiel, wie unser Kapitän es schon vorher angekündigt hatte. Da war auch viel blindes draufgehaue mit der Axt bei und wenn mal die feine Klinge gesucht wurde, dann war wieder ein Schenkel dazwischen.

In so einen guten Film gehört ja auch immer eine dritte Partei, die irgendwie neutral ist, aber doch sich auf eine Seite schlägt, dabei aber komplett undurchsichtig ist. Dies ist diesmal Hr. Dingert, der die Gelben Karten erst auf dem Dom schießen musste, bevor er sie einsetzen konnte, sie aber weiterhin nur spärlich in das Gefecht warf, aber lustigerweise genau mit den ersten beiden Versuchen zweimal den Gleichen traf. Nun waren zwar zwei Schenkel weniger auf dem Platz, aber wirklich Platz für unsere gezielten Stiche blieb zwischen den vielen Beinen trotzdem nicht.

Letztendlich schlug sich diese mysteriös bleibende Person aber doch noch auf unsere Seite, denn sie zeigte 3 Minuten Nachfilmzeit an und als alle Hoffnung auf ein Happy End aus dem Publikum gewichen war, es außer Nägelkauen und ein paar popcornwerfenden Jugendlichen, still war, da führte der junge Decksmann mit den Wuschelhaaren (Sympathieträger) doch noch einen feinen Stich mit der Klinge, sein bester Kumpel aus Ausbildungstagen nahm diese auf, legte sie zurück und der ungestüme Held der Saga setzte den entscheidenden Hieb.

Was nun folgte kostete alleine auf meiner Twittertimeline eine Brille, eine Bauchmuskelatur, wahrscheinlich mehrere Partien Haut ohne blaue Flecke und wahrscheinlich auch ganz viel Bier. Der nüchterne Mensch nennt es Torjubel, der mit Bildern arbeitende Explosion, der emotionale Extase und ich sage euch: Es gibt dafür keine Worte. Was da an Glückshormonen freigesetzt wird, das wird sonst in vier Jahren nicht freigesetzt. So bejubelt Bayern die Meisterschaft niemals, wie wir ein Tor in der montäglichen Nachspielzeit.

Ich verlasse die Brücke, Menschen lächeln mich an. Und es passiert etwas, was mir früher nicht passiert wäre: Ich registriere, ob die Menschen „weiß“ oder „PoC“ sind. Mich ärgert das, ja mich ärgert es, weil ich Menschen beginne zu unterteilen. Weil ich Behauptungen versuche zu bestätigen oder zu widerlegen, anstatt sie einfach als das zu sehen, was sie alle sind: Glückliche, entspannte, fröhliche Menschen. Mich lächelt eine „PoC“ Frau an, mich lächelt ein „weißer“ Mann an, mich lächeln unzählige Personen an, die ich kenne, die ich nicht kenne, über deren Hautfarbe, ihre politische, sexuelle, geistige was auch immer Gesinnung, ihre Machthaltung ich mir keine Gedanken machen möchte, denn ich weiß, was mich mit ihnen über diese künstlichen, von Menschen gemachten und ebenso lächerlichen angeblichen Schranken verbindet: Wir haben hier gerade gewonnen. Und ich spreche hier bewusst von „wir“. Wir der FC, seine Fans, seine Gegengerade, meine Heimat.

Zu reden ist aber noch über die Filmvertriebsfirma, die diese Seeschlacht unbedingt auf einem Montagabend haben will. Nun ist die Protestbeflaggung richtig und wichtig. Man kann sich über genaue Inhalte von Protestplakaten immer unterhalten, aber bedenkt immer plakativ und Plakat haben nicht zufällig den gleichen Wortstamm. Was dann schon grenzwertig ist, ist die Hooliganmeinung zu dem ganzen. Denn „Sport frei statt Sport 1“ trifft mein Humorzentrum eher nicht.

Auch ein anderes Protestplakat (so muss man es wohl nennen, leider) war sehr prominent zu sehen und es ist der SPM (und dem § 6 (2) Bündnis, wenn ich es richtig verstehe, wenn nicht egal: Das Bündnis ist so oder so Bombe) zu verdanken, dass das Antihomophobieplakat der heißgeliebten TeBeler (ich finde die echt cool und sollten die irgendwann mal die Hauptrolle in einem Bericht von mir spielen, dann verspreche ich euch jetzt schon eine gnadenlose Abfeierung der lila-weißen) prominent hing. Leider aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht komplett ohne Sichtbehinderung, aber doch in schönster Fernsehposition. Die Flyer dazu waren nebenbei auch sehr gut und wurden zumindest am Fanräumestand sehr nachgefragt.

Und das ist es eben: Es besteht Informationswille, Informationsbedarf, Informationshunger. Ja, auch bei uns. Danke auch an den Gesprächspartner nach dem Spiel, der genau meiner Meinung über den Inhalt und die Form war. Und nebenbei seinen Beitrag im Forum, der für mich sehr zentral war noch mit „Ich hab doch nix gesagt, ich hab doch meine Schnauze gehalten“ umschrieben hat. Das ist eine Selbsteinschätzung, die ich nur lächelnd nehmen kann. Und da nur Wikinger mit Bärten mitkommen auf meine Karpernfahrt (das „r“ ist da bewusst, bevor mich jemand verbessert), darf er mitkommen. Mit seinem Stehplatz. (Und das obwohl wir über Ultras und ab-in-den-sueden nie einer Meinung wären).

Nach dem Spiel noch kurz dem Ringelsöckchen Kult geheiligt, das Twittertreffen nur für eine Karte besucht, die aber auch für gut befunden und dann ab zu meiner zweiten Heimat, dem Fanladen. Menschen sitzen in Hauseingängen, auf Stromkästen, bauen Zigaretten, die garantiert nur Tabak enthalten, trinken Getränke, lachen, freuen sich, genießen diesen Abend. Und wäre nun Freitag gewesen, dann würde ich hier nun auch den Film diskutieren, lachen, auf der perfekten Welle surfen und dann ins Bett fallen.

Dienstag morgen, Realitätsschock. Spitzenreiter, ja aber es ist 5:30 an einem feuchten, stickigen Morgen. Der Topf mit Glückshormonen ist bei 2-1 ausgeschüttet worden und muss erst wieder gefüllt werden und es kommt die lange dunkle Zeit der Seele. Erst auf der Arbeit wird es besser.

Und doch, der Verlust, der Morgen danach, die Bauchmuskelzerrung, sie hat sich gelohnt, denn dieses Marinedrama hat alle Chancen einen Preis zu gewinnen. Den für das beste Montagsspiel jemals. Und das ist inklusive dem Augsburgspiel.

Ungeordnete Ergänzungen

quotenmeter.de bezeichnet eine Quote von 1,1 Millionen und einen Marktanteil von 4 Prozent als „im TV sehr beliebt“. Bei anderen Programmen würde bei einer solchen Quote der zuständige Redakteur noch am Dienstag morgen entlassen werden.

… was bei unserer Crew auf dem Platz dieses Jahr auffällt: Sie glaubt an sich, an sich und ihre Methoden. Auch in der 93. Minute spielt Kalla den Flachpass nach außen, anstatt zu bolzen und dann klappt es eben mal. Und wie wir alle wissen: Glaube kann Berge versetzen. Und ich will aufsteigen.

… die Welle 2: Laut eines Wissenden steht die Farbgebung des Baus mitnichten fest. Leider gibt es von beiden Entwürfen viele Bilder und „Kult“ oder „Witzig“ Meinungen, aber wenig harte Fakten. Da enttäuschten sowohl Übersteiger (auch wenn da viele Fakten genannt sind,aber die entscheidenden erfährt man heute aus einer Email und damit sind sie hier nicht verwertbar (Grundsatz dieses Blogs, nur öffentliche Informationen werden verwertet. Ausnahme so etwas harmloses wie oben.) und insbesondere Viva. Das wird zu Herrschaftswissen gemacht und so wird eine wirklich ernste Entscheidung der Basis nicht möglich sein. Schade.

  2 Responses to “Das ist die perfekte Welle”

  1. …die Welle 2, harte Fakten: Hättste mal besser nix geschrieben, so bereitest Du mir und vielen anderen schlaflose Nächte.
    Grüße,
    Armin

  2. […] Magischerfc.de: “Das ist die perfekte Welle” […]

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