Aug 312011
 

Vorwort

Ich persönlich trainiere ja mal wieder auf einen Marathon. Ich bin ein Krabbelläufer und viele der Laufpäpste würden wahrscheinlich sagen, dass dies ja sowieso kein Laufen sei oder ich viel zu untalentiert oder oder oder. Gut, dies mag alles sein. Ich habe an meinem Laufen Spaß und ich persönlich finde dies immer am wichtigsten. Ich trainiere aus diesem Grund auch nicht nach einem 100 Prozent festen Trainingsplan, sondern versuche für mich einen Plan jede Woche aufzustellen, wobei als Faustregel gilt, dass ich zweimal so um die 10, einmal so um die 20 in der Woche laufen will und einmal Intervalle durchprügeln will. Dazu noch ein Lauf ABC. Und nach Wettkämpfen laufe ich meistens um die 5 km aus. Klappt nicht immer, aber das ist so grob der Plan.

Und nun kommen wir natürlich zu den Fragen: Braucht man Intervalle? Braucht man ein Lauf ABC? Muss man auslaufen?

Tja und ich würde wieder sagen: Das müsst ihr für euch selber entscheiden. Meine persönlichen Erfahrungen, die schreibe ich jetzt hier:

Intervalle

Im Internet werdet ihr ganz viele verschiedene Formen und Ratschläge (Link als Beispiel) für Intervalle finden. Und nun die Frage: Brauch man das, wenn man – wie ich – nicht gerade super Zeiten laufen will/kann? Nein, braucht man nicht. Und klar ist: Das ganze ist mit einer Belastung des Bewegungsapparates verbunden, die über einen Dauerlauf hinaus geht. Und trotzdem ich für mich finde das sinnvoll. Alleine schon, weil es den Trainingsalltag auflockert und sozusagen ein quälerischen Höhepunkt in jede Trainingswoche bringt. Um es weniger Masochistisch zu sagen: Man setzt neue Trainingsreize. Und dies macht aus meiner Sicht Sinn.

Wie nun läuft man Intervalle? Im Internet findet man Tempodauerläufe, Fahrtenspiele und kurze Sprints mit klaren Vorgaben. Ich mache letzteres. Warum? Das spielerische Fahrtenspiel bekomme ich nicht hin, da fange ich viel zu schnell an mich selber zu betrügen und dann hat das keinen Sinn.

Der Tempodauerlauf ist cool, wird von mir auch mal gemacht, aber dafür brauche ich die richtige Stimmung. Wenn ich das immer wieder geplant machen will, dann ist die Gefahr relativ groß, dass ich verkrampfe. Ist so. Daher ist das bei mir eher eine Sache, die ich spontan mache und zwar so ungefähr alle zwei Wochen. Dann laufe ich ca. 6 bis 8 km in einem Tempo, was ich im Wettkampf nur knapp halten könnte. Und für mich sind Wettkämpfe immer Tempodauerläufe. Da passiert mir das mit der Verkrampfung auch nicht und daher mag ich Wettkämpfe in den Unterdistanzen so gerne. Das geht anderen Läufern anders, ich habe bei Wettkämpfen eine ganz andere Motivation, als wenn ich im Training loslaufe.

Intervalle mache ich. Und zwar zur Zeit 6 x 400 Meter. Ziel ist natürlich das ganze auf irgendwann mal 8 x 500 oder 6 x 1000 zu steigern. Aber das kann ich noch nicht, zumindest nicht, wenn das alles in einem Tempo sein soll. Im Internet findet man unzählige Anweisungen und jeder macht es anders. Einige nach Zeit, andere nach Puls, wieder andere nach Strecke. Ich habe leider keine Tartanbahn und habe mir daher eine Strecke im Endeffekt ausgemessen. Ich laufe dann 400 Meter in einer Pace von 4:30 bis 4:45 und mache dann ungefähr 60 Sekunden eine Gehpause bis mein Puls wieder runter ist, dann geht es wieder los. Das ganze eben mit 6 Wiederholungen, wobei ich versuche wirklich 6 mal das gleiche Tempo zu laufen. Das ist laut Lehrbuch für einen Marathon eigentlich etwas kurz, ich finde das eigentlich persönlich sehr gut. Das ganze wird bei mir ritualisiert und daher gibt es den berühmten und gefährlichen Intervalldonnerstag. Nicht immer, aber beinah immer.

Lauf ABC und Stabilisationsübungen

Auch hier findet man im Internet ganz viele Anweisungen (hier eine für ein Lauf ABC) und ich persönlich kann nur sagen: Es sieht bescheuert aus und ihr werdet ganz viele verwirrte Blicke ernten. Braucht man das? Aus persönlicher Erfahrung: JA! Der Laufstil wird definitiv besser und effektiver und bei mir haben insbesondere auch die Stabilisationsübungen viele Weh-Wehchen weggezaubert. Die Stabilisationsübungen habe ich aus diesem Buch geklaut, welches ganz lesenswert ist, was aber auch viele Platitüden enthält. Und einen echten Lacher, da wird nämlich auf ein und derselben Seite vor Trainingsplänen aus dem Internet gewarnt um auf der gleichen Seite zu schreiben: „Meine Trainingspläne finden Sie unter www.“. Insofern würde ich aus meiner subjektiven Sicht sagen: Sollte jeder Läufer machen, auch wenn es bekloppt aussieht.

Auslaufen

Nach Wettkämpfen oder längeren Trainingsläufen neige ich dazu am nächsten Tag eine kurze sehr langsame (7:30 Pace) Runde zu laufen. Sie sollte so ca. 30 Minuten lang sein und ohne irgendeine Belastung. Das machen Fußballer ja auch und auch hier kann ich sagen: Bei mir macht das einen richtigen Unterschied. Wenn ich das mache, dann bin ich mit der Belastung am Tag nach dem Auslaufen durch. Wenn ich es aus Zeitgründen das nicht schaffe, wie z.B. dieses Wochenende, dann knabbere ich gut drei bis vier Tage an der Belastung. Ich kann also so ein Auslaufen nur empfehlen, insbesondere auch nach dem Saisonhöhepunkt Marathon.

Aug 292011
 

oder

Routine

Vorwort

Ich habe nun keinen Bock einen wirklichen Erlebnisbericht zu schreiben, weil ganz ehrlich: Ich glaube das ist mein 10 oder 20 oder 30stes Mal Braunschweig. Und verloren haben wir eigentlich auch immer. Daher mache ich das jetzt anders und fokussiere auf die Absonderlichkeiten dieses Tages.

Gesetzesverstöße als Protest? Gerne, aber nicht so!

Absonderlichkeiten?

Ja, das begann schon mit der Terminierung durch die DFL und den NFV, die es für eine gute Logik hielten, unsere 2. Mannschaft am gleichen Tag in Hamburg spielen zu lassen und zwar gegen Magdeburg. Ganz ehrlich: Das es zu einem Aufeinandertreffen von Magdeburg und St. Pauli kommen würde, das war dadurch so sicher wie das Amen in der Kirche. Das ist genau die gleiche Anreiseroute.

Wenn man schon so bekloppt plant, dann müsste man doch als Polizei eigentlich auf diesen Punkt vorbereitet sein, oder? Was könnte man nun logisch machen? Die Anfahrtswege trennen! Aber stattdessen empfiehlt die Polizei auch noch die Anreise mit dem Zug.

Nun scheppert es also in Uelzen und es geraten 6 Bundespolizisten zwischen die Fronten (was für eine Formulierung; sie ist der Polizeipressemeldung entnommen). Einer wird verletzt. Doof, unnütz und irgendwie auch nicht das Wahre. Was dann aber dem Text der Pressemitteilung zu entnehmen ist, strotzt nur so vor Fragezeichen und Widersprüchen. Die Polizei kann nicht ausschließen, dass es ein verabredetes Ding war. Okay, das kann man nie ausschließen, aber die ganzen Umstände (videoüberwachter Bereich, Polizei definitiv anwesend etc.) klingen nicht wirklich so, liebe Polizei. Und auch in Braunschweig ging die allseits beliebte Gerüchteküche von einer zufälligen Begegnung mit einigen Magdeburg Mutanten inklusive Thor Steinar Klamotten aus. Danach wird es dann aber absurd. Und ich zitiere:

„Die Angriffe ereigneten sich um 07:55 Uhr noch vor der eigentlichen Anreisephase zu den Fußballspielen Eintracht Braunschweig – FC St. Pauli und FC St. Pauli II – FC Magdeburg. Wegen der frühen Anreise beider Fangruppierungen mit einem unvermeidbaren Zusammentreffen in Uelzen mehrere Stunden vor den Spielen kann nach ersten Ermittlungen eine sogenannte „Verabredung“ zum Aufeinandertreffen nicht ausgeschlossen werden. Denn auch die Hamburger Fans auf dem Weg nach Braunschweig hätten ursprünglich erst um 09:56 Uhr im Hamburg Hauptbahnhof abfahren sollen. Noch ist unklar, wo die Gruppen in die Züge eingestiegen sind.“

Ein Blick auf Bahn.de zeigt, dass man bei der Nutzung des Nahverkehrs erst um 12:54 in Braunschweig ankommen würde, wenn man die angegebene Verbindung nutzen würde. Entweder die Polizei glaubt wirklich, dass Fußballfans 36 Minuten zwischen Anpfiff und Ankunft als normale Zeit sehen oder sie sind zu doof bahn.de zu nutzen. Beides lässt auf sogenannte szenekundigen Beamten nicht wirklich ein gutes Licht scheinen. Nebenbei: 09:56 hatte die Polizei nicht irgendwie empfohlen. Ich stelle mir die behelmte Hundertschaft vor, die in Hamburg wahrscheinlich irgendwelche Omis auf dem Weg nach Uelzen erschreckt hat, als sie den Zug vor 500 gewalttätigen braun-weißen schützen wollte, aber außer zwei drei Hoschis, die verschlafen hatten niemanden mehr fand.

Wenn man die berühmten 90 Minuten vor dem Spiel am Stadion hätte sein wollen, dann ist die späteste Verbindung 8:15 ab Hamburg. Wenn man dann noch bedenkt, dass viele Leute ganz bewusst nicht so gerne den letzten möglichen Zug nehmen, dann ist die Nutzung des 6:57 Zuges eigentlich nicht so abwägig. Ebenso wenig abwägig ist es, dass die Magdeburger in Hamburg vielleicht noch ein Bier trinken wollten. Hamburg soll ja gerüchteweise touristisch interessant sein. (In Braunschweig kann man auch ein Bier trinken wollen, nebenbei, liebe Polizei). Umso mehr erstaunt der erstaunte Unterton der Polizei und der folgende Satz:

„In der Folge wurde erst kurz vor dem Eintreffen des Magdeburger RE 17702 in Uelzen um 07:51 Uhr bekannt, dass sich rund 50 Magdeburger Fans im Zug befanden.“

Auch hier die Frage: Gibt es in Magdeburg keine gut bezahlten szenekundigen Beamte?

Es wird sprachlich aber noch besser, denn der nächste Satz ist auch eine echte Perle:

„Sie wollten in Uelzen „umsteigen“.

Es wird auf ewig ein Geheimnis der Pressestelle der Polizei bleiben, warum das „umsteigen“ in Anführungszeichen gesetzt ist. Was wollten sie denn sonst? Selbst wenn man von einem voll geplanten Ding ausginge, wollen sie doch immer noch umsteigen.

Okay, aber die Hamburger Morgenpost, wäre nicht die Hamburger Morgenpost, wenn sie nicht dem ganzen noch den Vogel aufsetzen könnte. In der Pressemitteilung der Polizei steht folgender Satz:

„Unterdessen wurde aus den Reihen der Fans bekannt, dass es ohne das beherzte Eingreifen der sechs Bundespolizisten zu weitaus massiveren Ausschreitungen gekommen wäre.“

Nun ist der Satz schon spannend. Aber was die MoPo draus macht, ist endlich der Hammer:

„Die Fangruppen gaben nach den Auseinandersetzungen bekannt, dass ohne das Eingreifen der Polizei noch massivere Ausschreitungen geplant waren. “

Hmm… Per Pressekonferenz? Per Bekennerschreiben? Per Video? (Ich stelle mir jetzt gerade einen mit einem braun-rot-weißem Hassi auf, der andere mit einem blau-weißen und sie lesen dann das Kommunique der Kampftruppen FCM FCSP zum Überfall in Uelzen vor. Das ganze vor einer „Sport frei“ Fahne, oder wie? Sorry, meine Fantasie geht mit mir durch.) Ihr merkt schon, aus der Spekulation von Fans, welche die Polizei mal übernimmt und zur Wahrheit macht, wird in der MoPo schon eine öffentliche Bekanntgabe. Oder bin ich einfach nicht in den richtigen Presseverteilern? Dann möchte ich doch bitte endlich aufgenommen werden! Ich will auch die Randalebekanntgaben bekommen, welche die MoPo bekommt!

Es geht weiter

In Braunschweig dann die Gängelung von Fußballfans, die leider heutzutage üblich geworden ist: Weg nur ins Stadion. Verweigerung des Ganges zu Schließfächern. Zusicherung von Schließfächern am Stadion. Dort Annahme von Sachen, die dann ohne Nummer, ohne irgendwas einfach abgestellt werden und erst auf Protest entsprechend gekennzeichnet werden.

Sind wir ja alles gewohnt, aber irgendwie kann es doch nicht so schwierig sein, Fußballfans kurz zu einem Schließfach am Bahnhof zu lassen, oder? Was soll da denn auf dem Weg passieren?

Der Ordnungsdienst in Braunschweig ist zumindest im Bereich der Gästekurve einfach nur finster. Ich weiß nicht, welche Hooligangruppe da ihr Hobby zum Beruf gemacht hat, aber sorry, das sind keine Vorurteile, das sind echt knallhart Kanten. Viele Leute wollen auch für die rechte Szene typische Kleidungsmarken ausgemacht haben, das kann ich nun nicht beurteilen, so nah bin ich an die diesmal nicht rangekommen, aber würde mich nach Optik und früheren Erfahrungen so gar nicht wundern.

Der Block wurde von der ersten Gruppe braun-weißer gestürmt, was erstmal keine feine englische Art ist. Was dabei erstaunlich ist: Das ganze geschah sehr früh, es geschah als der Block noch leer war und trotzdem schritt die Polizei weder ein, noch versuchte sie im noch leeren Block Täter dingfest zu machen. Natürlich wurde das ganze gefilmt, aber filmen bringt doch nur dann etwas, wenn ich den Täter zumindest noch mit den gleichen Klamotten erwische. Denn ein sonnenbebrilltes Gesicht ist doch meistens so unklar auf einer wackeligen Videoaufnahme, dass man es nicht erkennt. Auch nach dem Spiel gab es kein Eingreifen der Polizei. Das ganze blieb mir so etwas schleierhaft, ehrlich gesagt. Oder liegt das etwa auch an der Eigenschaft des Braunschweiger Ordnungsdienstes? Warum der Blocksturm? Naja, da muss man kein Prophet sein, die Plakate und die Pyros mussten mit rein und die bekam man halt nicht anders mit rein.

Warum das ganze früh und in einen leeren Block geschah, ist mir insgesamt also jetzt mal aus der Täterperspektive gedacht. Im späteren Gedränge wäre es ein einfachstes gewesen unerkannt zu bleiben. So ist die Gefahr des entdeckt werden doch viel größer. Aber ich bin zugegeben kein Blocksturmexperte.

Pyro als Protest?

Wenn ich mal von den Tapeten schließe und mich mal ganz bewusst der anderen Gerüchteküche enthalte, dann waren die Pyros eine Antwort auf ein Verbot einer Choreo durch Braunschweig und/oder die Ordnungskräfte. Okay, so kann man protestieren, muss man aber nicht. Also erstmal: Grundsätzlich war die ganze Nummer auf Gefahrreduzierung angelegt, so mit den meisten Bengalen in der Hand, wenig Rauchkram und so, dass der Wind das ganze aus dem Block blies (Zufall oder nicht, egal). Das wäre eigentlich das Idealbild, wie Pyro benutzt werden müsste.

Was dann wieder alles kaputt macht aus meiner Sicht ist, dass da auch wieder irgendein Knallkörper zwischen war. Und nein, das war kein platzender Luftballon. Warum muss wieder irgendwer über die Stränge schlagen? Wenn man Pyro wirklich mal legalisiert bekommen will, dann muss bei solchen Nummern die Selbstkontrolle funktionieren, sonst wird das nie etwas.

Und nun kann man wieder die übliche Pyrodiskussion führen. Ich habe da ehrlich gesagt keine Lust mehr drauf und wenn sich ein Verein, der Millionen damit verdient, dass er non established sein will, auf „ist verboten“ und „kostet Geld“ zurückzieht, dann ist die Diskussion auch albern. Deal: Der Verein vermarktet dieses alberne Rebellentum (so mit Regenjacke im Wasserwerfer testen) nicht mehr und es gibt auch kein Pyro mehr? Schreit jemand hier? Unser Vermarkter wahrscheinlich nicht.

Eine ganz andere Sache ist: Finde ich das gelungen? Nun ja, einmal ist es abgeguckt, denn eine „Ihr bringt nur euren Fanschal mit“ Verfügung von Ordnungskräften hat Karlsruhe bereits 2002 mit einer fetten „Verbote? Wir ficken euer System“ Nummer beantwortet. Bis heute finde ich diese Nummer vollkommen okay. (Und das ist ungefähr das einzige, was ich an Karlsruhe cool finde.)

Und daher ist es natürlich etwas abgelutscht das ganze 9 Jahre später so ähnlich zu wiederholen. Ich hätte irgendwas anderes cooler gefunden. So Pyro reinschmuggeln und die unangezündet alle der Polizei vor die Füsse werfen und dazu ein Plakat: „Wir hätten gekonnt, hätten wir gewollt. Ihr stoppt uns garantiert nicht.“ Oder irgendwas noch besseres. Und bei mir bleibt einfach der Beigeschmack, dass ich bei einigen Leuten mir einfach der Kick zuviel und der Inhalt zu wenig im Vordergrund steht. Was bei meinem Vorschlag eben nicht der Fall gewesen wäre. Warum nur kann ich ungefähr die Leute benennen, die auch bei einer fetten genehmigten Choreo gezündelt hätten?

Und um es mal deutlich zu sagen: Die Nennung von 10 Namen kommt einem Verbot gleich. Niemand ist mehr so bekloppt Namen und/oder Adressen zu nennen. Denn diese szenekundigen Beamten können zwar nicht bahn.de bedienen, aber irgendwelche schwachsinnigen Gefährdetenansprachen und unsinnige Datensammlungen, das können sie. Und meine Hoffnung, dass Eintracht Braunschweig solche Daten nicht an die Polizei gibt, sind gleich null. Und da nützt auch eine mündliche Zusicherung von Braunschweig sehr wenig und ganz ehrlich, würde ich nicht drauf vertrauen. Immerhin stell Sven klar, dass die Praxis bei uns nicht besteht. Der in dem Link gezogene Vergleich zu unserem Modell verbietet sich meines Erachtens jedoch, denn die personellen Konsequenzen sind schon ganz andere. Dazu aber gleich noch ein paar Worte

Absurd wird es, wenn man ihnen wie in Braunschweig geschehen eine Verantwortung inklusive der Androhung eines örtlichen Stadionverbotes zuschreibt. Das wäre aus meiner Sicht niemals rechtlich haltbar. Wofür denn? Und das ist definitiv im Vergleich zum St. Paulimodell eine persönliche Erpressung und Haftbarmachung, das kann es nicht sein. Choreoverbot für 5 Jahre ist für mich eine angemessene Strafe. Aber eine persönliche Gefährdungshaftung, selbst wenn dies nur örtlich ist: Never! Man stelle sich mal vor, dies würde überall Praxis werden. Willkür allez. Und danach nervige Prozesse.

Wozu sonst soll denn die Namensnennung gut sein (so um mal die anderen Optionen abzuklopfen)? Eine Verantwortung im rechtlichen Sinne bekommt man einfach nicht hin. Niemandem kann man eine Gefährdungshaftung für einen Dritten per AGB oder Vertrag aufdrücken. Das muss man schlichtweg als sittenwidrig ansehen. Auch im Polizeirecht ist eine Störerhaftung für einen unbekannten Dritten schlichtweg nicht möglich. Denn nix anderes wäre das. Das sind ja Dritte mit denen ich im Notfall nix zu tun habe. Strafrechtlich sowieso nicht. Diese Namensnennungen sind rechtlich also komplett überflüssig, sie dienen meines Erachtens schlichtweg nur dazu Namen zu sammeln. Klar, wenn man EINEN Ansprechpartner haben will um Modalitäten zu klären: Geschenkt, kein Problem. Aber sozusagen 10 als Haftung, nein Leute, so funktioniert das Spiel nicht. Insbesondere dann nicht, wenn sie rechtlich einfach nicht haftbar zu machen sind. (Mist, ich hätte die Story vorher wissen sollen, ich hätte meinen Namen sofort gegeben. Den Musterprozess um das Stadionverbot hätte ich gerne geführt.)

Nebenbei: Liebe Schickeria, wenn ihr vom St. Pauli Modell als Erpressung spricht, dann verdreht ihr meines Erachtens Ursache und Wirkung. Das ganze war ein Ausweg aus einem von der Polizei auferlegten generellen Verbot von irgendwelchen Fahnen. Und ja, es ist natürlich ein Kompromiss und daher sehr wenig Ultra. Aber es ist für mich – im Gegensatz zu dem hier praktizierten – ein gangbarer Kompromiss. Aber deswegen bin ich auch kein Ultra. Ob und wie das in Wolfsburg gehandhabt wird, weiß ich nicht. Aber mit einer Vereinbarung hat es wenig zu tun, eher mit der Möglichkeit nirgendwo gar nix reinzubekommen oder wenigstens meistens alles mit reinzubekommen. Ich weiß nicht, ob dann ein Verzicht auf Pyro so schwierig ist. Kann man gerne diskutieren, aber eine Erpressung sehe ich da nicht.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: So sehr sich beide Blöcke abmühen, im Innenraum verliert sich der Lärm doch sehr schnell. Da sieht man dann doch die Nachteile einer Laufbahn. Auf dem Platz waren unsere Jungs einfach schlecht, verloren nach der Auswechselung von Boll jegliche Linie, ließen sich hinten reindrängeln, so dass das Tor zwangsläufig irgendwann fallen musste. Das es dann durch einen Torwartfehler fiel, das ist ärgerlich, aber nicht wirklich alleine seine Schuld. Läuferisch, spielerisch und kämpferisch lies man sich von den sehr ruppig vorgehenden Braunschweigern alles abkaufen. Hinzu kam noch ein Schiri, der alles verfolgte, aber keine Linie und dessen Linienrichter mal die Regeln lernen müsste. Aber will ich diesem Schiedsrichter böse sein? Irgendwie seit dem 16.02. nicht mehr. Ihr wisst schon warum.

Nach dem Spiel noch ganz viele liebe Menschen verabschiedet und nach Hause. Wo ich erstmal ein bisschen Ruhe brauchte und alleine den Dom umrundete.

Aug 232011
 

oder

Erfolgswelle mit Herzinfakt

Vorwelle

Liebe Leser, ich trete diesen Wellenwitz jetzt tot, ob ihr wollt oder nicht.

Wellengang am Montag

Der hochgeschätzte Kollege vom Lichterkarussell brachte es nach dem Spiel auf den Punkt, als er meine Anmerkung, dass ich das nicht noch 5 Jahre überlebe in folgenden Text auf die Melodie von Misswirtschaft (Prollhead) umdichtete:

Herzinfakt, Herzinfakt bei unserem Verein herrscht Herzinfakt

Herzinfakt, Herzinfakt beim FC St. Pauli herrscht Herzinfakt.

Aber fangen wir doch einfach mal vorne an. Vorne heißt bei Montagsspielen, dass meine Wenigkeit um 5 Uhr aufsteht, zur Arbeit fährt, irgendwie den Tag rumbringt, vor Nervösität nicht arbeiten kann und dann pünktlich Feierabend macht, um wenigstens irgendwie noch einen sozialen Teil zu haben. Montagsspiele heißt auch, dass wir zwar als Tabellenerster in den Spieltag gehen, aber bis zu unserem Spiel mal locker Tabellen 5. sind. Was für eine Scheiße. Montagsspiele heißt auch, dass ich zumindest sicher weiß, dass ich Dienstag auch streichen kann, weil ich zu wenig schlaf bekomme und heißer bin. Heute hier zu bewundern.

So und daher mag ich Montagsspiele nicht. Das hat nichts mit rationalen Überlegungen oder Faninteressen vs. Geldeinnehmen zu tun, das ist einfach das Feeling, der Sound des Tages und mein Willen.

Hat euch irgendein Fußballfan mal auf die Nase binden wollen, dass er sei nicht abergläubisch? Vergisst es! Jeder Fußballfan ist irgendwo abergläubisch. So führen Siegesserien schon mal zu kurzen Hosen im kaltesten Winter oder Siege zu Wiederholungen von Spieltagsabläufen. So wird ein Schal in einer ganz bestimmten Art gebunden oder in der Straßenbahn auch dann gestanden, wenn diese vollkommen leer ist. Dies alles wurde im Hin und Veg diskutiert, wo ich natürlich a. das gleich gegessen habe, b. das gleiche getrunken habe c. das gleiche gemacht habe, sprich mein Handy aufgeladen habe und mich auf deren Klo umgezogen habe. Aber machen wir jetzt hier mal keine Welle, sondern surfen einfach mal zum Fanladen.

Paradies, Heimat. Man wird mit einem freundlichen Surfergruss (andere würden das Fuckfinger nennen) begrüßt und weiß: Hier ist man zu Hause. Nur leider kein Platz für mein Schiff und so mussten wir in einer Seitenbucht parken und uns schwimmend zu unserer Insel bewegen. Nun aber ein bisschen Hektik, denn der Infostand schlug Wellen.

Am Infostand wurden viele Muscheln umgesetzt und viel über die Welle diskutiert. Die Meinungen gingen weit auseinander, aber ganz ehrlich: Das ist in einem Diskurs so. Dazu aber in einem Nachsatz noch was.

Auf der Gegengerade haben sich ja doch sehr viele alte Korallen angesammelt und unter diese mischten wir uns nun. Da gibt es die „Ich will kein Eckentraining“ Pöbelkoralle, nebenbei sehr genießbar. Da ist die „Zigarre, die riecht, als wenn man getrockneten Katzenkot raucht“ Koralle oder als Gastkoralle die grün-weiße.

Nur aus den Zebras waren irgendwie Frösche geworden und wir hatten gerade keinen Franzosen am Start, der ihnen die Schenkel abknabbert, denn irgendwie waren die ständig im Weg unserer Freibeuter. (Sorry, für die zwei eingebauten Klischees)

Aber das hier ist Fußball, das hier ist Dramen und um es mal so zu formulieren oder um mit einem Facebookeintrag zu sprechen: „Das 2-1 ist ein echtes Harte-Nippel-Tor“ Nein, kein Selbstzitat. Aber vor das Happyend hat das Drehbuch auch in einer Piratensage das Drama und die Verwicklungen gelegt. Und so wurde der Säbelkampf mit den Fröschen ein echtes Geduldspiel, wie unser Kapitän es schon vorher angekündigt hatte. Da war auch viel blindes draufgehaue mit der Axt bei und wenn mal die feine Klinge gesucht wurde, dann war wieder ein Schenkel dazwischen.

In so einen guten Film gehört ja auch immer eine dritte Partei, die irgendwie neutral ist, aber doch sich auf eine Seite schlägt, dabei aber komplett undurchsichtig ist. Dies ist diesmal Hr. Dingert, der die Gelben Karten erst auf dem Dom schießen musste, bevor er sie einsetzen konnte, sie aber weiterhin nur spärlich in das Gefecht warf, aber lustigerweise genau mit den ersten beiden Versuchen zweimal den Gleichen traf. Nun waren zwar zwei Schenkel weniger auf dem Platz, aber wirklich Platz für unsere gezielten Stiche blieb zwischen den vielen Beinen trotzdem nicht.

Letztendlich schlug sich diese mysteriös bleibende Person aber doch noch auf unsere Seite, denn sie zeigte 3 Minuten Nachfilmzeit an und als alle Hoffnung auf ein Happy End aus dem Publikum gewichen war, es außer Nägelkauen und ein paar popcornwerfenden Jugendlichen, still war, da führte der junge Decksmann mit den Wuschelhaaren (Sympathieträger) doch noch einen feinen Stich mit der Klinge, sein bester Kumpel aus Ausbildungstagen nahm diese auf, legte sie zurück und der ungestüme Held der Saga setzte den entscheidenden Hieb.

Was nun folgte kostete alleine auf meiner Twittertimeline eine Brille, eine Bauchmuskelatur, wahrscheinlich mehrere Partien Haut ohne blaue Flecke und wahrscheinlich auch ganz viel Bier. Der nüchterne Mensch nennt es Torjubel, der mit Bildern arbeitende Explosion, der emotionale Extase und ich sage euch: Es gibt dafür keine Worte. Was da an Glückshormonen freigesetzt wird, das wird sonst in vier Jahren nicht freigesetzt. So bejubelt Bayern die Meisterschaft niemals, wie wir ein Tor in der montäglichen Nachspielzeit.

Ich verlasse die Brücke, Menschen lächeln mich an. Und es passiert etwas, was mir früher nicht passiert wäre: Ich registriere, ob die Menschen „weiß“ oder „PoC“ sind. Mich ärgert das, ja mich ärgert es, weil ich Menschen beginne zu unterteilen. Weil ich Behauptungen versuche zu bestätigen oder zu widerlegen, anstatt sie einfach als das zu sehen, was sie alle sind: Glückliche, entspannte, fröhliche Menschen. Mich lächelt eine „PoC“ Frau an, mich lächelt ein „weißer“ Mann an, mich lächeln unzählige Personen an, die ich kenne, die ich nicht kenne, über deren Hautfarbe, ihre politische, sexuelle, geistige was auch immer Gesinnung, ihre Machthaltung ich mir keine Gedanken machen möchte, denn ich weiß, was mich mit ihnen über diese künstlichen, von Menschen gemachten und ebenso lächerlichen angeblichen Schranken verbindet: Wir haben hier gerade gewonnen. Und ich spreche hier bewusst von „wir“. Wir der FC, seine Fans, seine Gegengerade, meine Heimat.

Zu reden ist aber noch über die Filmvertriebsfirma, die diese Seeschlacht unbedingt auf einem Montagabend haben will. Nun ist die Protestbeflaggung richtig und wichtig. Man kann sich über genaue Inhalte von Protestplakaten immer unterhalten, aber bedenkt immer plakativ und Plakat haben nicht zufällig den gleichen Wortstamm. Was dann schon grenzwertig ist, ist die Hooliganmeinung zu dem ganzen. Denn „Sport frei statt Sport 1“ trifft mein Humorzentrum eher nicht.

Auch ein anderes Protestplakat (so muss man es wohl nennen, leider) war sehr prominent zu sehen und es ist der SPM (und dem § 6 (2) Bündnis, wenn ich es richtig verstehe, wenn nicht egal: Das Bündnis ist so oder so Bombe) zu verdanken, dass das Antihomophobieplakat der heißgeliebten TeBeler (ich finde die echt cool und sollten die irgendwann mal die Hauptrolle in einem Bericht von mir spielen, dann verspreche ich euch jetzt schon eine gnadenlose Abfeierung der lila-weißen) prominent hing. Leider aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht komplett ohne Sichtbehinderung, aber doch in schönster Fernsehposition. Die Flyer dazu waren nebenbei auch sehr gut und wurden zumindest am Fanräumestand sehr nachgefragt.

Und das ist es eben: Es besteht Informationswille, Informationsbedarf, Informationshunger. Ja, auch bei uns. Danke auch an den Gesprächspartner nach dem Spiel, der genau meiner Meinung über den Inhalt und die Form war. Und nebenbei seinen Beitrag im Forum, der für mich sehr zentral war noch mit „Ich hab doch nix gesagt, ich hab doch meine Schnauze gehalten“ umschrieben hat. Das ist eine Selbsteinschätzung, die ich nur lächelnd nehmen kann. Und da nur Wikinger mit Bärten mitkommen auf meine Karpernfahrt (das „r“ ist da bewusst, bevor mich jemand verbessert), darf er mitkommen. Mit seinem Stehplatz. (Und das obwohl wir über Ultras und ab-in-den-sueden nie einer Meinung wären).

Nach dem Spiel noch kurz dem Ringelsöckchen Kult geheiligt, das Twittertreffen nur für eine Karte besucht, die aber auch für gut befunden und dann ab zu meiner zweiten Heimat, dem Fanladen. Menschen sitzen in Hauseingängen, auf Stromkästen, bauen Zigaretten, die garantiert nur Tabak enthalten, trinken Getränke, lachen, freuen sich, genießen diesen Abend. Und wäre nun Freitag gewesen, dann würde ich hier nun auch den Film diskutieren, lachen, auf der perfekten Welle surfen und dann ins Bett fallen.

Dienstag morgen, Realitätsschock. Spitzenreiter, ja aber es ist 5:30 an einem feuchten, stickigen Morgen. Der Topf mit Glückshormonen ist bei 2-1 ausgeschüttet worden und muss erst wieder gefüllt werden und es kommt die lange dunkle Zeit der Seele. Erst auf der Arbeit wird es besser.

Und doch, der Verlust, der Morgen danach, die Bauchmuskelzerrung, sie hat sich gelohnt, denn dieses Marinedrama hat alle Chancen einen Preis zu gewinnen. Den für das beste Montagsspiel jemals. Und das ist inklusive dem Augsburgspiel.

Ungeordnete Ergänzungen

quotenmeter.de bezeichnet eine Quote von 1,1 Millionen und einen Marktanteil von 4 Prozent als „im TV sehr beliebt“. Bei anderen Programmen würde bei einer solchen Quote der zuständige Redakteur noch am Dienstag morgen entlassen werden.

… was bei unserer Crew auf dem Platz dieses Jahr auffällt: Sie glaubt an sich, an sich und ihre Methoden. Auch in der 93. Minute spielt Kalla den Flachpass nach außen, anstatt zu bolzen und dann klappt es eben mal. Und wie wir alle wissen: Glaube kann Berge versetzen. Und ich will aufsteigen.

… die Welle 2: Laut eines Wissenden steht die Farbgebung des Baus mitnichten fest. Leider gibt es von beiden Entwürfen viele Bilder und „Kult“ oder „Witzig“ Meinungen, aber wenig harte Fakten. Da enttäuschten sowohl Übersteiger (auch wenn da viele Fakten genannt sind,aber die entscheidenden erfährt man heute aus einer Email und damit sind sie hier nicht verwertbar (Grundsatz dieses Blogs, nur öffentliche Informationen werden verwertet. Ausnahme so etwas harmloses wie oben.) und insbesondere Viva. Das wird zu Herrschaftswissen gemacht und so wird eine wirklich ernste Entscheidung der Basis nicht möglich sein. Schade.

Aug 222011
 

oder

Zu den Stadionbaumodellen für die Gegengerade

Vorwort

Liebe Leser, in diesem Verein bleibt nichts geheim. Das ist wahrscheinlich ein Sprichwort, was in jedem Verein gilt. Und so sind auch die Überlegungen zur Gegengerade vorzeitig dem Abendblatt bekannt geworden und so hatte auch ich das Vergnügen, am Freitag kurz und freundlich mit Lutz vom Abendblatt zu telefonieren. Viel mehr als den Stand bei Fanräume wollte ich ihm aber nicht mitteilen. Ich finde es aber immer wieder lustig, wenn beim Abendblatt nach einer unliebsamen Story behauptet wird, dass dies ja nur Spekulation eines uninformierten Reporters sei. Ich glaube, ich habe noch nie einen so gut informierten Journalisten gesehen wie Wöckener. Das sei mal ein Lob, denn das ist doch die Hauptaufgabe eines Journalisten. Nebenbei: Das ist auch der Grund, warum ich nicht viel von einer ständigen Liveberichterstattung von irgendwelchen Kriegen halte. Das hektische Weiterverbreiten von Gerüchten über wackelige Amateuraufnahmen, die nicht überprüfbar sind, das ist für mich kein Journalismus, sondern nur Sensationsgeilheit. „Je schneller, je besser“ kann weder für Journalismus, noch für einen Blog (ich trenne das jetzt bewusst) die Maßregel sein.

Und daher habe ich mich entschieden, diesen Artikel auch erst am Montag, den 22.08.2011 um 20 Uhr zu veröffentlichen. Wie ihr euch vorstellen könnt, hat er einen früheren Redaktionsschluss, weil ich um diese Zeit natürlich im Stadion stehe. Letzte Revision des Artikels ist Montag ca. 13 Uhr gewesen. Ich bin aber als Fanräumemitstreiter und auch als Vivamitstreiter natürlich vorab im Bilde gewesen und ich möchte vermeiden, dass ich hier irgendetwas zu früh nach außen bringe, was andere Leute nicht hätten sehen können.

Meine Meinung

Vorbemerkung

Wir führen hier in weiten Teilen eine Geschmacksdiskussion. Solche Diskussionen sind insofern etwas schwierig, als dass ich niemanden mit wirklich sachlichen Argumenten von meinem Geschmack überzeugen kann. Wenn jemand Tomaten nicht mag, dann kann ich ihn argumentativ nicht davon überzeugen, diese doch zu mögen. Eltern wissen dies wahrscheinlich, denn der Satz „Iss das, das ist gesund.“ ist in seiner Wirkungslosigkeit den meisten Eltern bekannt.

Daher ist es aus meiner Sicht sehr hilfreich, sich mal von der Geschmacksdiskussion frei zu machen und mal die technischen Fakten zu vergleichen und dort die Vor- und Nachteile zu erörtern. Leider habe ich hier teilweise ein Informationsdefizit, denn ich habe zwar alle Bilder gesehen, ich weiß aber nicht, inwieweit Übersteiger und/oder Viva noch technische Details veröffentlichen. Mir ist dies sehr viel wichtiger als die Optik einer Tribüne.

Bei der Geschmacksfrage muss man Folgendes bedenken: Hier spricht ein Stadionnostalgiker. Dieser Satz beinhaltet ein Problem mit JEDEM Neubau und das muss man bei meiner Bewertung wissen. Denn in der Nostalgie ist immer auch eine Ablehnung des Fortschrittes mit drin. Und das ist immer auch eine Sackgasse. Denn so sehr die Gegengerade in der jetzigen Form meine Heimat ist, so sehr ich mich NIE an einen Neubau gewöhnen werde, so sehr muss man auch den Fakten in die Augen sehen. Und da sieht man eine Stahlrohrtribüne, die mit den Worten „verrottet“ noch freundlich umschrieben ist. Man sieht unüberdachte Stehplätze mit Sand, die bei Regen zu einer Matschwüste werden und man sieht Bierstände, denen ständig der Strom fehlt, weil auch die ganze Infrastruktur verrottet ist. Renovierung, Rekonstruktion ist ein schönes Stichwort, aber sie wäre so oder so immer ein notwendiger Neubau. Ja, ich schließe mich meinem Kollegen an, mir gefällt auch die Asynchronität des Stadions, ich würde auch sehr gerne warten, bis die neuen Teile „dreckig“ sind. „Benutzt“ ist vielleicht das bessere Wort. Bis sie ihr Eigenleben entwickelt haben. Aber ich befürchte: So lange hält die Gegengerade nicht mehr und so lange ist das Fenster der Baumöglichkeit wahrscheinlich auch nicht offen.

Daher werden wir alle uns einem Neubau stellen müssen, so schmerzhaft dies ist. Die Schmerzen können durch Ideen wie Fanräume abgemildert werden, aber sie werden nicht verschwinden. Es werden auch liebgewordene Gewohnheiten verschwinden durch Fanräume: Mein Wohnzimmer zieht um, denndie Adresse Brigittenstraße 3 ist für mich Teil meines Lebens geworden in den letzten 9 Jahren.

Das Procedere

Ich persönlich finde es richtig und gut, dass man zwei Entwürfe an die Öffentlichkeit gibt und zu einer Diskussion auffordert. Ich sehe darin keinen Krach, ich sehe darin auch keine verhärteten Fronten. Ich denke man sollte wirklich Vorteile von Entwurf a und b diskutieren, eventuell auch Kompromisse finden, auch wenn dies bei solchen Projekten schwierig ist, aber aus der Diskussion allemal etwas für die weitere Detailplanung mitnehmen. Dies ist bei Südtribüne und Haupttribüne absolut versäumt worden und die Unzufriedenheit ist daher groß. Unzufriedene wird es immer geben, aber wenigstens hat man eine Diskussion, eine Findungsphase versucht und das finde ich sehr gut.

Es gibt aber zwei Störfaktoren in einer solchen Diskussion, die jeder Diskutant bedenken sollte: 1. Wir diskutieren hier nicht unter gleichen Voraussetzungen. Jeder kennt die Macht von Bildern und während wir von der Welle ein dreidimensionales Bild haben, haben wir von dem anderen Modell nur trockene Zeichnungen. Ihr merkt schon: „Welle“ da ist auch schon ein Schlagwort, da ist die emotionale, die schwarz und weisse Betrachtung vorgezeichnet. (Na, wer kommt jetzt zuerst mit dem ähnlich klingenden Buch?) Das andere Modell kommt unemotional daher und man kann sich an ihm nicht so reiben, wie an dem anderen. Wichtig ist aus meiner Sicht dieses Reiben in Emotionen sehr stark auszuschalten und wirklich mit Überlegung an die Modelle zu gehen. 2. Das Boulevard wird mitspielen wollen und Worte wie „Chaos“ „unfrieden“ „Zoff“ „unprofessionell“ werden diese Diskussion begleiten, weil auch Leute das Boulevard in diese Richtung benutzen werden um ihre Interessen durchzusetzen, es gilt dabei sich von diesen Worten, diesen Ideen frei zu machen. Nicht jede Diskussion, jede öffentliche Überlegung ist unprofessionell, Zoff oder Chaos.

Ab vom Geschmack / Faktencheck

(Ich werde einen Ergänzungsartikel am Dienstag oder Mittwoch zu Pap äh zu Internet bringen, falls sich dies lohnt. Ich weise dann hier darauf hin. Die meisten Fakten stammen so aus dem Hamburger Abendblatt, es sei daher ein Wahrheitsvorbehalt angebracht.)

Beide Entwürfe sollen 10.000 Stehplätze und ungefähr 13.000 Plätze insgesamt haben. Das ist erstmal wichtig, richtig und wichtig und ach ja WICHTIG. Unklar und doch sehr entscheidend ist, wie in der Nord weiter gebaut wird. Sollte dies nämlich eine reine Sitzplatztribüne werden, dann würden keine neuen freien Stehplätze entstehen, die z.B. Jugend anziehen würden. Sollten dort Stehplätze entstehen, dann bleibt wieder die Frage, ob es in diesem Stadion genügend billige (!!!) Sitzplätze geben wird, die ein Überwechseln von Leuten auf die Sitzplätze ermöglicht. Hier ein Gleichgewicht zu schaffen wird noch eine der großen Aufgaben. Denn bisher haben wir nur teuer geschaffen. Und das nicht zu knapp.

Der klassische Entwurf wird sich von der Höhe und der Optik einfügen. Der Wellen-Entwurf hat 5 m mehr. Das wird dann schon eine Geschmacksfrage, aber insbesondere wenn das Ganze in dunkler Optik gebaut ist, dann steht da ein riesiger Klotz und das auf der Hauptpostkartenansicht des Stadions! Denn wir bauen jetzt unsere Schokoladenseite, dies ist nicht die Süd, die von der Straße eher nur kurz zu sehen ist, dies ist die Gegengerade.

Und etwas sehr wichtiges: Was kostet der Scheiß? ((c) Kermit) Und da findet sich im Abendblatt ein sehr spannender Satz: „Bei der schwarzen Welle werden Mehrkosten von bis zu vier Millionen Euro erwartet, was den Gesamtpreis auf 13 Millionen Euro in die Höhe schrauben könnte.“ Zwischen den Zeilen wird da also erwähnt, dass Klassisch 9 Millionen kostet. Wenn man bedenkt, dass diese Tribüne mal bei 4 Millionen angefangen hat, dann sich auf 6 Millionen gesteigert hat (das war so die Zahl, die letztes Jahr noch durch den Raum geisterte), dann auch mal einen Stopp bei 8 Millionen eingelegt hat, dann sind 9 Millionen wahrscheinlich nur der Zwischenschritt zu 10 Millionen und innerhalb von 5 Jahren Planung eine doch erhebliche Kostensteigerung.

Und damit kann man die ganze Diskussion im Endeffekt beenden. Wir sind nicht in der finanziellen Position uns Luxus leisten zu können. Und das meine ich ernst. Wenn man unsere letztjährige Bilanz mit einer Verschuldung von 20 Millionen (versteckt in Tochtergesellschaften) sieht, dann kann man nur sagen, dass Träumereien sehr schön sind, aber eben nicht bezahlbar sind. Natürlich muss man nicht alles 08/15 bauen, aber wenn man über eine Kostensteigerung von 40 % redet, dann muss man eigentlich nicht weiter reden.

Der klassische Entwurf ist so klassisch, dass er – wenn man das Abendblatt liest – machbar, relativ genehmigt und schnell realisierbar wäre. Das ist, wenn man ein Fenster von noch 9 Monaten bis zum Baubeginn hat, ein sehr großer Vorteil. Die Welle hingegen müsste zumindest in Details noch durch eine Genehmigung. Zu bedenken ist, dass wir nicht wirklich flexibel sind bei der Frage, wann wir bauen. Es gibt aufgrund der Masse Mensch, die auf dieser Tribüne steht nur die Möglichkeit einer kompletten Fertigstellung in einer WM/EM Sommerpause. Das muss man wissen. Daher ist ein Experiment in der Machbarkeit hier natürlich sehr schwierig und problematisch.

Die Welle würde Stehplätze in Ränge verlegen, eine Sache, die es in Deutschland so nicht wirklich häufig gibt und wo wahrscheinlich eine Behörde sofort die Fluchtwegfrage aufwerfen würde. Jedoch: Wenn man solche Ideen wie Business-Stehplätze (man lese bitte im Forum nach, was da für eine Idee hintersteckt, bevor das Geschrei los geht) wirklich mal ernsthaft angehen will, dann sind solche getrennten Blöcke natürlich sehr reizvoll. Bierbecherwürfe, Absturzsicherung (!!!) und Fluchtwege sind Stichworte, die ich hier nicht wirklich gelöst sehe.

Geschmacksfrage

Puh, ich finde das schwierig. Ich persönlich habe immer dann ein Problem, wenn im Zusammenhang mit meinem Verein die Stichworte Kiez, Hafen, einzigartig, Kult, schrill etc. immer schwierig. Nein, nicht weil sie falsch wären, sie sind richtig und wenn man sie richtig verstehen würde, würde uns bei jedem Stichwort ein „mehr davon“ sehr gut tun. Nur leider sehe ich immer wieder, was das Image des etwas anderen Verein anzieht. Und das ist leider nicht das Publikum, was passen würde. „Warum darf ich denn hier nicht Fotze sagen? Das ist doch Pauli, kultig, Kiez, schrill und überhaupt…“ Wer hat diese Argumentation so noch nicht gehört? Ich leider schon zu häufig, um nicht sofort bei der Nennung dieser Begriffe re- flexartig zusammen zu zucken.

Trotzdem würde ich mir etwas wünschen, was nicht 08/15 Beton ist. Ich würde es mir aber von unten wünschen. Wenn ich „Kult“ „Einzigartigkeit“ „Schrillheit“ von oben durch eine Designagentur bauen lasse, dann wird es keinem dieser Begriffe gerecht. Denn entstehen tun diese Begriffe durch die Bewohner, die Menschen auf der Tribüne.

Und genau in diesem Spannungsbogen befinde ich mich bei der Geschmacksfrage. Was mich weniger interessiert ist, ob sich da nun jemand ein Denkmal baut. So sehr ich es sonst mit „Wir sind Helden“ halte, da bin ich nun nicht so ihrer Meinung. Auch kann ich eine Diskussion über Macht oder Ohnmacht von Bauwerken immer nur bedingt führen, wir sprechen hier immer noch über ein Stadion, was keinen Machtanspruch politischer Art dokumentiert (anders als z.B. das Berliner Olympiastadion)

Für mich ist das eine reine Geschmacksfrage. Und da muss ich sagen: Von den ganzen durchgeknallten Entwürfen, die ich bisher gesehen habe, trifft die Welle meinen Geschmack am meisten. Mir gefällt das, wenn man weg käme von dem schwarzen Granit (bzw. der Optik) hin zu einer bunten Außenfassade. Am besten im Chaos der Kurve selber gestaltet (Fliesenwand mäßig). Mir gefällt auch der Gedanke der Oberrangstehplätze. Mir gefällt der Gedanke von Fahnen und ganz viel Konfetti von oben, was im Wind tanzt und sich schön über das ganze Spielfeld verteilt. Mir gefällt der Gedanke von Plakaten, die da hängen und von Wechselgesängen, die direkt am Spielfeld entstehen. Macht einfach mal die Augen zu und stellt euch diese Tribüne gefüllt und in voller Emotion vor. Und plötzlich sieht man nicht mehr den dunklen Klotz. Zumindest mir geht es so. Mir gefällt der Gedanke der Bierbecherwürfe gar nicht. 😉

Und ja, ich kann auch mit einer Normgegengerade leben, schwer, ich mag meinen Wellenbrecher, aber ich werde es überleben. Wenn Platz für uns ist, für unsere Kultur, für unseren Lärm und für unsere Weiterentwicklung.

Umso mehr würde mich eine offene, sachliche, respektvolle, aber auch emotionale Diskussion freuen. Schreibt an den FC, gebt ihm Argumente zum Nachdenken und freut euch auf unser neues Zuhause. Und weint um einen liebgewordenen Haufen Schrott. Alte Gegengerade, ich werde dich vermissen. Jeden Tag, jede Stunde, die du nicht mehr existierst. 25 Jahre warst du das, was viele Menschen nie finden. Heimat.

Aug 182011
 

Nur ein Termin, den sich jeder Leser schon mal frei halten kann:

 

02.06.12

 

Warum? Vielleicht habt ihr auch schon die kryptischen „Yes, we bäm“ Aufkleber im Viertel gesehen, die auch auf diesen Tag verweisen.

Ganz einfach: Nach 2008 (1. Mai, die Älteren werden sich erinnern) versuchen die Faschos erneut in unserer schönen Stadt eine überregionale Demonstration durchzuführen. Und zwar den „Tag der deutschen Zukunft“.

Dann wollen wir diese Zukunft doch beenden, bevor sie überhaupt begonnen hat. Kreist also schon mal den Tag rot im Kalender an und haltet euch ihn frei. Und bevor Hr. Lenders und Konsorten mich jetzt in den Verfassungschutzbericht bringen wollen: Ich will nur mein grundgesetzliches Demorecht wahrnehmen, wie ich es 2008 auch schon getan habe.

 

Aug 162011
 

Hier ein paar Blogs über das Laufen, die ich jetzt mal nicht mit in die Linkliste getan habe, weil die ansonsten zu lang und zu unübersichtlich wäre.

Projekt New York
Ein Ausdaueranfänger versucht sich für einen gewalkten Marathon fit zu machen. Mutiges und spannendes Projekt, was vielleicht andere Ausdauersportfremde motiviert.

Running Nordwork
Couchpotato mit Diabetes (!) wird Marathonläufer. Seine Fotoseiten sind nebenbei auch sehr hübsch anzusehen.

Hip Hop Runs
Viele Berichte von Läufen und anderen Dingen.

Running Twins
Okay, der Witz mit „Zwei zum Preis von einem“ ist ausgelutscht, oder? Ein Zwillingspaar berichtet über seine Läufe. (Und zur Zeit auch über ihre Verletzungen, Gute Besserung!)

Sprintefix

Eine laufbegeisterte Familie aus Rostock mit vielen Wettkampfberichten und noch mehr Fotos. Dazu gehört auch (wenn ich es richtig verstehe) Jana und ihr Blog

Elch on Tour (Marathonbereich)
Falko ist ein Gott. Und bei seinen Fotoberichten weiß man sofort, wo man noch starten will.

(Wird ergänzt und erweitert)

Aug 152011
 

oder

Gibt es wirklich das Problem Fußball und Gewalt?

Vorwort

Liebe Leser, auf der Fahrt nach Bochum kam mir der Bericht der Zentralen Informationsstelle Sport in die Hände. Es ist spannend diese Zahlen mal wirklich sich anzusehen. Darüber soll dieser Bericht gehen. Dazu noch ein paar Stories aus dem Alltag der Bundesliga, wobei ich bei einer Sache ein bisschen im Zweifel bin.

Lachen oder weinen?

Als Vorbemerkung: Statistische Zahlen zu vergleichen ist immer etwas schwierig. Teilweise muss ich hier eine Art Milchmädchenrechnung aufmachen, weil ich von unterschiedlichen Bezugsgrößen ausgehe. Ich versuche das deutlich zu machen und auch zu sagen, wo die Schwäche genau liegt. Ich wollte als Vergleichszahlen eigentlich die Zahlen des Oktoberfestes angeben, es ist aber erstaunlich, dass dort die polizeilichen Maßnahmen anscheinend nicht wirklich statistisch veröffentlicht werden. Die Statistik, die ich gefunden habe, ist – gelinde gesagt – eher unvollständig. Hinzu kommt: Die ZIS Statistik beruht auf Berichten von unterschiedlichen Polizeidienststellen, die teilweise wohl noch nachträglich erhoben worden sind (so zumindest klingt der Wortlaut des Berichtes). Wenn man weiß, wie nachträgliche Statistiken entstehen, dann muss man hier sehr skeptisch mit diesen Zahlen sein.

Wer ist eigentlich diese ZIS? Meines Wissens ein Produkt des nationalen Konzeptes Sicherheit und Sport und für die Koordination und den Informationsaustausch zwischen Polizeistellen bei Sportveranstaltungen zuständig. Aufgehängt ist sie in NRW, was eigentlich schon sehr spannend ist, weil man sich dann doch mal fragen kann, wie und warum ein Bundesland eine Stelle beherbergt, die über die Einsätze in anderen Bundesländern a. berichtet und b. auch sehr stark in sie eingreift. U.a. gibt die ZIS sehr gerne mal Empfehlungen, was denn alles ein Sicherheitsspiel ist.

Die Zahlen

Der Jahresbericht beginnt mit einer Zusammenfassung. Danach haben die polizeilich erfassten Straftaten im Jahr 2009/2010 auf den sich dieser Bericht bezieht einen neuen Höchststand erreicht, sie lägen 50 % über dem Durchschnitt der letzten 12 Jahre. Diese vermeintlich dramatische Zahl ist dann auch die, die in die Presse kommt.

Insgesamt hat die ZIS 6.784 freiheitsentziehende Maßnahmen und 6.043 eingeleitete Strafverfahren registriert. Ohne Unfälle haben sich 784 Personen verletzt und es sind 1.760.654 Arbeitsstunden durch Polizisten geleistet worden. Das ganze bezieht sich auf die Standorte der 1. und 2. Bundesliga (!!!) und die an diesen Standorten (!!!) ausgetragenen Spiele im DFB und Europapokal, wie sonstige Wettbewerbe und Länderspiele.

Laut des Berichtes umfasst der Bericht insgesamt 764 Fußballspiele. Als Zuschauerzahl wird nur die Zahl der Besucher für die Bundesligen 1 + 2 angeben und diese mit 17,5 Millionen angegeben. Hier schon mal die erste statistische Ungenauigkeit, denn bei immerhin 147 von 764 Spielen wird die Zuschauerzahl nicht angegeben. Wenn man mal auf diese 147 Spiele den Durchschnitt der Bundesliga anlegt (immerhin sind diese sonstigen Spiele meistens Europapokal und Länderspiele, Spiele, die doch von Zuschauern besucht werden), dann würden die von ca. 6 Millionen Zuschauern besucht. Machen wir mal einen Sicherheitsabschlag von 1 Million und gehen von 5 Millionen weiteren Zuschauern aus. Wenn ich jetzt also Vergleiche anstelle, dann tue ich dies auf einer Basis von 22,5 Millionen Zuschauern. Meine Methode ist hier definitiv angreifbar, aber ich habe leider – auch weil die sonstigen Spiele nicht aufgeschlüsselt werden – keine andere Möglichkeit. Daher bitte ich diese Unsicherheit der Schätzung zu beachten.

Mein Vergleich

Ich habe mal die Bilanz des Oktoberfestes 2009 (erster Eintrag von oben) als Vergleich genommen. Warum? Weil das Oktoberfest auch eine riesige Menschenansammlung mit Alkohol ist. Ein weiterer Vergleich ist die Kriminalstatistik 2009 des Bundeslandes Hamburg. Hier muss man aber sagen, dass wir hier kein Fest haben, was eine dynamische Besucherzahl hat, sondern eine statische Einwohnerzahl (ich bin nur ein Einwohner Hamburgs, aber ich bin in der Zahl der Stadionbesucher letzte Saison 33 mal enthalten.)

Oktoberfest 2009

Das Oktoberfest 2009 hatte 5,7 Millionen Besucher. Ich runde mal auf 6 Millionen auf. 1.253 Straftaten hat die Polizei registriert. Leider wird diese Bilanz nicht wirklich weiter aufgeschlüsselt, es werden nur noch die gefährlichen Körperverletzungen (118) und die Maßkrugschlägereien (38) gesondert ausgewiesen. Festnahmen gab es 716 und 193 Ingewahrsamsnahmen. Wenn man dies nun mit dem Faktor 3,75 multipliziert (um auf 22,5 zu kommen) und damit eine gleiche Anzahl an Menschen annimmt, dann kommt man auf 4699 Straftaten, auf 2685 Festnahmen und 724 Ingewahrsamsmaßnahmen.

Die Hamburger Kriminalstatistik

Auf 1,9 Millionen Hamburger (gerundet) kommen im Jahr 2009 (habe ich jetzt mal als Vergleich genommen, man kann auch 2010 nehmen) 22.452 Körperverletzungen. Insgesamt 236.824 Straftaten.

Allgemeine Kritik

Eine angezeigte Straftat, eine von der Polizei erfasste Straftat ist noch lange keine Straftat, die auch wirklich begangen ist. Gerade im Bereich des Landfriedensbruchs und des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamten verlaufen viele Sachen im Sande oder in Einstellungen, wo der Sachverhalt nicht vollständig aufgeklärt ist. Dies gilt aber für alle Statistiken. Man muss dies aber wissen.

Undramatischer betrachtet.

Die Zeitungen schreiben nun etwas von „Gewaltproblem beim Fußball, 50 % mehr Taten als in den Vorjahren.“ Und klar: Jede Straftat ist eine zuviel. Trotzdem muss man mal sehen, wie sicher Fußballspiele eigentlich sind, denn auf 3.700 Zuschauer kommt eine Straftat. (4550 beim Oktoberfest; hinkender Vergleich: auf 8 Bewohner Hamburgs kommt eine)

Sprich: Ein „ruhig“ verlaufendes Oktoberfest verursacht nicht wirklich weniger Straftaten als eine Bundesligasaison, die angeblich die schlimmste in den letzten 12 Jahren war. Immer wohl gesagt, man rechnet die Zahlen mal auf die Zuschauer hoch. Das wird noch deutlicher, wenn man sich mal die absoluten Zahlen ansieht, dann ist zwischen Fußball und dem Oktoberfest bei gleicher hochgerechneter Zuschauerzahl gerade einmal der Faktor 1,2. Wohlgemerkt: „Ruhiges“ Oktoberfest vs. Schlimmste Saison der letzten 12 Jahre (!!!)

Auch bei den Festnahmen ergibt sich ein ähnliches Bild: Die ZIS weißt 3.914 Festnahmen nach Strafprozessordnung (sprich NACH einer begangenen Tat) aus. Oktoberfest 2685, wenn man umrechnet. Hier ergibt sich grob der Faktor 1,5. Spannend ist, dass bei den Ingewahrsamsmaßnahmen diese Größenordnung der Faktoren nicht mehr eingehalten wird. Hier stehen 724 Ingewahrsamsmaßnahmen bei einem hochgerechnetem Oktoberfest 2870 beim Fußball entgegen. Sprich ein Faktor von 4.

Wenn man jetzt ketzerisch wäre (käme mir NIE in den Sinn), dann müsste man wohl sagen: Da wird einfach viel zu häufig mit diesem Mittel beim Fußball gearbeitet.

Spannend wird es auch, wenn man mal den Durchschnitt der Jahre mit dem Oktoberfest 2009 vergleicht (ACHTUNG: Das hinkt, aber das Oktoberfest 2009 wird ja als „ruhig und normal“ beschrieben, ich gehe daher mal von ähnlichen Zahlen für die Vorjahre aus. Es besteht ein Schnitt von grob 4.000 Straftaten pro Saison. Wenn man mal von 20 Millionen Zuschauern im Schnitt ausgeht, dann befinden wir uns ziemlich genau auf dem Niveau des Oktoberfestes.

Und man stellt sich folgende Frage: Wo bitte ist das raftatenproblem des Fußballs?

Einzelne Straftaten

Leider verlässt mich hier mein Vergleich, denn die Oktoberfestbilanz weist die einzelnen Straftaten nicht aus. Daher bleibt mir nur der hinkende Vergleich zu Hamburg. Denn was man sich bei Kriminalstatistiken auch immer klar machen muss ist, dass Straftat ungleich Straftat. Eine Sachbeschädigung ist etwas anderes, als ein Mord. Insofern ist es spannend, dass die ZIS auch aufgeschlüsselte Zahlen liefert. Dabei ist erstaunlich, dass nur 136 Raubdelikte registriert worden sind. Bei der Anzahl der über den Zaun hängenden „gezogenen“ Fahnen und Schals eine bemerkenswerte Zahl. Denn auch nur 203 Diebstähle gibt es für die Polizei. 1439 Körperverletzungen und 56 Bedrohungen / Nötigungen. Ich würde jetzt mal diese Straftaten als diejenigen zusammenfassen, wo ich als normaler Stadionbesucher Opfer werden kann. Denn weder der Hausfriedensbruch, noch der Widerstand, noch die Sachbeschädigung (naja, die vielleicht schon, ich sage aber mal: da geht es eher um Stadion und Bahn) bin ich Opfer von. Wenn ich diese zusammenrechne, dann sind das 1834. Sprich jeder 12.000ste Stadionbesucher wird Opfer einer solchen Straftat. Dafür aber wird jeder 84ste Hamburger Opfer einer Körperverletzung. (Vergleich hinkt extrem!)

Schade, dass hier kein Vergleich mit den Oktoberfest gibt, so dass ich mir nur diesen einen ketzerischen (und absolut hinkenden Vergleich mit der allgemeinen Kriminalstatistik erlaube.

Was passiert denn sonst so bei Fußballspielen? Neben der Körperverletzung ist Sachbeschädigungen sehr häufig (immerhin gut 10 % aller Straftaten, davon nebenbei 50 % von der Bundespolizei aufgenommen), Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz (Bengalo, ich höre dich trapsen) sind auch noch mal 10 % und sonstige sind gut 20 %. Leider ist sonstige nicht gesondert ausgewiesen, aber es werden drei Delikte genannt, die da drunter fallen. Und nun kommt ein echter Lacher: § 185 (Beleidigung) und § 315c (Gefährdung des Straßenverkehrs), klar sind Klassiker. Aber als 3. wird da auf Seite 33 (guckt nach!!!) § 145 d genannt. Und das ist Vortäuschen einer Straftat. Das meinen die jetzt nicht ernst, oder? Insgesamt finde ich es statistisch eher bedenklich 20 % einer Statistik als „Sonstige“ auszuweisen, insbesondere weil § 315c eine ganz schön heftige Nummer ist.

305 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz finden sich nebenbei auch. Man merkt: 2009/2010 haben wir da mitgespielt. 😉

Insgesamt bleibt bei mir folgende Frage: Wenn das Oktoberfest nicht einmal statistisch wirklich veröffentlicht wird, obwohl es auch noch Vergewaltigungen und Tötungsdelikte (meistens versucht) zu „bieten“ hat, warum wird Fußball und Kriminalität mit einer solchen Aufmerksamkeit belegt? Warum gibt es eine zentrale Statistik? Warum eine zentrale Stelle? Warum gibt es diese nicht für Volksfeste? (Ketzerische These: Das extrem polizeilich bewachte Oktoberfest ist garantiert friedlicher als die übliche Stoppelfete auf dem Dorf.)

Und die Rechtfertigung „Ohne uns wäre alles viel schlimmer“ empfinde ich immer als sehr albern und sehr lächerlich. Das rechtfertigt jede Sicherheitsmaßnahme inklusive Fußfessel für jeden.

Und sonst so?

Ich mag das gar nicht bloggen, aber wenn ihr mal richtig lachen wollt, dann lest euch mal den Punkt 4 „Störerlage“ durch und dort die Abschnitte über Ultras. Wäre dies nicht so traurig, wäre dies nicht Basis für polizeiliches Handeln, dann könnte man über diese Menge Unkenntnis, Unverständnis und absolut peinlichen Aussagen nur herzhaft lachen. Ich greife nur einen Höhepunkt raus. Nur um mal zu zeigen, wie Engagement von jungen Erwachsenen abgekanzelt, diskreditiert und lächerlich gemacht wird in diesem Bericht. Wie man so junge Erwachsene von dieser Gesellschaft überzeugen soll, dies ist das große Geheimnis. Ich zitiere wortwörtlich und ich werde keinen weiteren Kommentar dazu abgeben, denn jedes weitere Wort über diesen Schwachsinn wäre zu viel. Fakt ist: Die Verantwortlichen gehören eigentlich sofort entlassen!

Zitat Beginn (zu finden auf Seite 7 des Berichtes):

„Auch dies ist ein Indiz dafür, dass sich Teile der deutschen Ultraszenen ihren
erklärten Vorbildern in Italien immer mehr annähern, die durch organisiertes
Auftreten gegenüber den Stadioneignern, den -betreibern, den Vereinen, dem
Verband und auch Teilen der lokalen Politik den „Druck der Straße“ erhöht, um
sich mehr oder weniger rechtsfreie Räume zu schaffen.“

Wohlgemerkt: Sowohl danach als auch davor kein Wort, welche Forderungen eigentlich gegenüber Stadioneignern, Betreibern, Vereinen, dem Verband oder der lokalen Politik eigentlich gestellt werden!

Was sonst noch war…

… Hoffenheimer Fans, die in den Stadionbereich eine Lautsprecheranlage gebracht haben, unter dem Gästeblock installiert haben und immer dann angeschaltet haben, wenn gegen Hopp gesungen wurde. Die TSG Hoffenheim als guter Gastgeber hat natürlich nix damit zu tun und distanziert sich auch brav. Stellt sich nur folgende Frage: Wie kann ein Gegenstand in einen Bereich gelangen, der dem öffentlichem Publikumsverkehr nicht zugänglich ist, der zum Innenraum gehört und wo der Gegenstand unglaublich groß und sperrig ist. Und wie kann dieser Gegenstand noch länger dort mit Strom (meines Erachtens sind an diesem Ort keine Steckdosen und glaubt mir, ich suche immer nach Steckdosen im Innenraum) versorgt werden und betrieben werden ohne dass ein Ordner eingreift. Aber waren nur Dritte (also Fans ;-)) und nicht der Verein.

Bleibt eigentlich nur noch folgende Frage: Was singen die Dortmunder da eigentlich? Ich neige zu „Hopp, du Hurensohn“, andere wollen da „Hopp, du schwule Sau“ rausgehört haben. Nr. 1 ist nicht mein Sprachgebrauch, aber noch eine andere Liga als Nr. 2. Hört ihr das? Die Zeiten, die in der Verlinkung angegeben sind, sind die entscheidenden. Was ich auch mal sagen will: Ich finde die Beleidigungen eines Herrn Hopp eher albern. Aber das sagte ich schon mal vor Jahren, oder?

All dies findet ihr im Detail hier.

… unser Testspiel gegen Werder Bremen: Halte ich für überflüssig wie ein Kropf. Wie haben schon Verletzte genug (nächster Fall wahrscheinlich Takyi, wenn ich der Twittermeldung mal glauben mag) und bei unserem dünnen Kader erscheint mir das nur eine Belastung, die Unsinn ist. Und so uneingespielt, dass wir nun Tests brauchen, sind wir auch nicht.

Aug 102011
 

Vorwort

Ich habe lange überlegt, ob ich das mache. Denn die Gefahr, dass man virales Marketing unterstützt und sich zum Büttel der Industrie macht ist, wenn man Produkttests und persönliche Meinungen über Produkte schreibt, immer gegeben. Daher vorab: Ich würde nie bei irgendwelchen Tests mitmachen, wo ich ein Produkt gestellt bekomme oder es vorab zum Test bekomme. Weiterhin würde ich mich nie bezahlen lassen, egal in welcher Form. Soviel Unabhängigkeit möchte ich mir bewahren. Das ist jetzt kein moralischer Anspruch, den ich an alle habe, sondern nur mein moralischer Anspruch an mich. Trotzdem halte ich Texte über einzelne Produkte für sinnvoll, weil ja Läufer auch im Internet nach so etwas suchen und dann  kann ihnen meine subjektive (!!!) Meinung auch weiterhelfen, so denke ich. Aber erwartet nun so etwas nicht in regelmäßigen Abständen im Blog.

Powerbar Fruitgel

Ich bete jetzt erstmal die Allgemeinplätze runter, weil sie in einen solchen Test einfach gehören: 1. Auf langen Strecken muss man sich irgendwann ernähren. Ernsthaft schafft man wahrscheinlich einen langsamen HM ohne, aber dann beachte man: 2. Man sollte im Wettkampf und insbesondere im Marathon nix machen, was man nicht vorher im Training ausprobiert hat. Das ist eine uralte Weisheit, die aber viele Leute nicht beachten. Ich nebenbei habe diesen Fehler auch mal gemacht. Daher trainiere ich eigentlich bei langen Läufen immer die Verpflegung und zwar zwischen KM 7,5 und 10 je nach Tagesform und dann alle 7,5 bis 10 km, je nach Tagesform. Nein, das ist nicht zwingend notwendig, ich würde es auch ohne schaffen, nur mein Magen sagt dann im Wettkampfstress gerne „Ne, das passt nun aber gar nicht.“ und dann wird der Marathonlauf nicht in Kilometern, sondern in Dixies abgemessen. Und glaubt mir, so ein Dixie bei KM 35, wenn man im hinteren Teil des Feldes unterwegs ist, das ist kein Spaß. 3. Ernährung ist etwas sehr individuelles. Selbst mein Schwesterherzchen und ich können nicht die gleichen Sachen ab. Aus meiner Sicht ist es deswegen zweitrangig, ob eine Zeitung oder ein vorlauter Blogger etwas empfiehlt, wichtig ist try and error und da können solche Artikel wie dieser hier nur Anhaltspunkte liefern.

So und ich benutze schon seit langem Power Bar Gels und kann die auch ab (am liebsten Lemon Lime und Strawberry Banana). Und letztens fällt mir das Power Bar Fruit Gel Mango Passionsfruit Guarana in die Hände. Ha, probier ich doch mal aus. Nährwerte sind grob die gleichen, wie bei den normalen Gels, so dass ich das letztens mal zu einem langen Lauf mitgenommen habe.

Der Test an sich hinterlies aber bei mir eher ein gespaltenen Eindruck. Mein Magen kann das ab und irgendeinen längeren Nachgeschmack (das habe ich bei einigen Sachen) hatte ich auch nicht. Insoweit ist das für die Verpflegung für mich geeignet.

Der Geschmack an sich ist für mich aber eher so naja. Und das obwohl ich die Kombination Mango/Passionsfrucht als Fruchtsaft eigentlich mag. Aber insgesamt ist mir das ein bisschen zu fruchtig und zu wenig auch normaler Mangogeschmack. Hinzu kam, dass mein Gehirn irgendwie keine klebrige Konsistenz erwartete, diese sich aber genau einstellte. Das ist aber eher eine Überraschung, die bei mehrmaligem Benutzen vielleicht weg geht. Eine Menge Flüssigkeit brauche ich sowieso immer bei solchem Zeug, das war hier nicht anders.

Fazit: Wer mit dem Geschmack klar kommt und sowieso Nutzer der normalen Gele ist, der wird wahrscheinlich auch mit diesem Zeug glücklich.

Aug 092011
 

oder

Ärger in der Frauenabteilung

Vorwort

Ich will doch nicht täglich bloggen, aber das ganze nun wieder auf nächsten Montag zu verschieben habe ich auch kein Bock.

Undurchsichtig beschreibt es noch zu lieb

Es gibt Ärger in der Frauenfußballabteilung. Dazu gibt es einen offenen Brief der Frauenfußballabteilung, der u.a. im Übersteigerblog veröffentlicht ist. Man lese sich diesen mal in Ruhe durch. Okay, gelesen? Mich lässt er ratlos zurück. Fangen wir doch mal doof von der Satzung an:

Feststellung Nr. 1: Die Fußballdamen sind für mich eine Amateurabteilung. Ich behaupte mal, dies ist unstreitig. Insofern gilt für sie § 25 und die Zuständigkeit des Amateurvorstandes. Insbesondere könnte hier § 26 Abs. 1 S 2 eine Rolle spielen, in dem es heißt: „Ob und welche Mannschaften direkt dem Präsidium unterstellt werden, entscheiden das Präsidium und der Amateurvorstand gemeinsam“ Das kann man nur als „Konsens“ lesen, eine andere Interpretation lässt das für mich nicht zu.

Feststellung Nr. 2: Unsere Satzung verbietet nicht, dass in zwei Abteilungen die gleiche Sportart ausgeübt wird. Man lese sich § 31 über die Abteilungen durch, da ist ein ausdrückliches Verbot nicht geregelt und nicht einmal ein Satz wie z.B. „Der Verein gründet für jeden Sport eine Abteilung“ findet sich nicht. Insgesamt sind die Abteilungen nur umrissen. Rein juristisch (und nicht vom Sportsgeist in einem Verein gedacht!) ist daher das Verbot einer konkurrierenden Mannschaft in einer anderen Abteilung nicht vorhanden und kann meines Erachtens in diese wagen Regelungen auch nicht hereininterpretiert werden. Oder ich habe irgendwas irgendwo übersehen. Immer wohl gesagt: Rein juristisch. Das die Gründung gegen den Willen einer Abteilung nicht dem Sinne einer Gemeinschaft unter Sportkameraden entspricht, ist wohl auch jedem klar. So klar ist das Prinzip ein Sport = eine Abteilung aber auch nicht. Man sehe sich nur die Trias und die Radabteilung an. Wobei ich bei diesen Beispielen davon ausgehe, dass man das eher im sportlichen Miteinander regelt, wer was wie wo macht. Oder man überlege, was passiert, wenn der Verein eine Leichtathletikabteilung haben würde. Auch dies würde mit den Trias Überschneidungen bringen. Und es ist ja wohl keiner der Meinung, dass die Trias doof sind, oder @ironmaettz? 😉

Und nun widmen wir uns doch mal dieser Erklärung:

Sie ist einseitig, sie ist daher mit Vorsicht zu genießen. Das muss man einfach so sehen, denn wenn eine Partei etwas erklärt, dann erklärt sie es aus ihrer Wahrheit. Ob und inwieweit die Inhalte richtig dargestellt werden, ist mir nicht bekannt. Und der Schritt an die Öffentlichkeit empfinde ich immer dann als problematisch, wenn volle Namen genannt werden und ja ganz ordentliche Vorwürfe im Raum stehen.

Ich sage euch ganz ehrlich: Das mag alles plausibel sein und eine öffentliche Kritik an unserem Präsidium finde ich nicht so schlimm, denn viel Feind, viel Ehr. Aber an einem ehemaligen Trainer, der anscheinend ja auch was für die Abteilung geleistet hat, bevor er im Streit ging. Da bleibt immer ein Beigeschmack. Ich formuliere es mal so: Der hat wahrscheinlich nicht pro Spiel der Profis zwei Ehrenkarten.

Was ich nämlich nicht verstehe ist, dass man sich SO an die Öffentlichkeit wendet, obwohl es ein feststehendes Gremium für die Klärung von vereinsinternen Problemen gibt, welches man laut der Überschrift des letzten Absatzes auch einschalten möchte. Warum ist man nicht alleine bei diesem Weg geblieben? Aus Eilbedürftigkeit? Oder warum hat man nicht wenigstens den Namen des Trainers anonymisiert, so dass nur Kenner der Materie wissen, wer gemeint ist? Diese Kritik muss sich die Frauenfußballabteilung gefallen lassen. Denn auch der Kerl hat Arbeitgeber etc. Wie schon gesagt: Der kann auch das letzte Arsch sein, weiß ich nicht, aber ich finde den Weg raus aus einer Vereinsöffentlichkeit, rein in eine weite Öffentlichkeit mit Namensnennung schon problematisch.

(Nehmen wir mal an, dass die sonstigen Fakten stimmen, diese Unterstellung mache ich jetzt mal, denn sonst kann ich darüber nicht bloggen.)

Dann muss sich unser Präsidium doch unangenehme Fragen gefallen lassen (freundlich formuliert). Denn Fakt ist, es gibt nun eine 3. Frauenmannschaft außerhalb der Frauenfußballabteilung. Das ist erstmal ein Verstoß gegen den Sportkameradschaft in einem Verein und gegen den fairen Umgang in einem Verein und dies ist NIE gut, egal welche Gründe es gibt. Darüber hinaus regiert man deutlichst (!!!) in den Herrschaftsbereich des Amateurvorstandes hinein und dies kann nicht sein. Man lese mal einen anderen Satz aus § 26 der Satzung: „Er ist für den sportlichen Ablauf in den Amateurabteilungen eigenverantwortlich zuständig.“ Dann ist es schon ein Hammer, wenn – laut Erklärung – das Präsidium einfach mal so einen 3. Mannschaft meldet und dies anscheinend ohne Zustimmung des Amateurvorstandes. Und meines Erachtens ein Satzungsverstoß. Ein KLARER Satzungsverstoß wird es dann, wenn die Mannschaft direkt dem Präsidium unterstellt wäre, siehe oben. Aber dies ist eben nicht klar.

Ebenso muss sich unser Präsidium fragen lassen, warum es Vermittlungstermine absagt und Fakten schafft und dies nur, weil der Ehrenrat als Vermittlungsgremium eingeschaltet werden soll? Das geht mir einfach nicht in den Kopf und ist einfach eine solche Ignoranz dieses Gremiums, dass man schreien muss. Und ein klarer Satzungsverstoß. Verdammt noch mal, ich wähle doch nicht alle vier Jahre irgendwelche Hanseln in den Ehrenrat, damit die nur Postkarten unterschreiben dürfen.

Die Rolle der Rugbyabteilung bleibt für mich unklar, da ist auch die Erklärung mir zu vage. Daher möchte ich diese Abteilung auch mal außen vor lassen. Die sind immer gerne mit dabei, wenn es um Sonderrollen geht, aber das wäre unfair.

Siehe ansonsten auch Kollege Ring 2 zu diesem Thema. Wobei das mit der männlichen Dominanz sich dann ins absurde zieht, wenn man bedenkt, dass sich insbesondere auch ein männlicher Trainer, ein männlich dominierter Amateurvorstand und ein männlich dominiertes Präsidium sich in der Wolle liegen. Alles zum Wohle der Frauen. ;-)(und wer die Ironie nicht verstanden hat: Ich rechtfertige mich nicht mehr, kein Bock.)