Jul 292011
 

oder

Doof rechnen kann ich auch

Ein Kollege reichte mir gerade ein Ausriss aus den Lübecker Nachrichten rein, in dem es u.a. um die Kosten der beiden Spiele St. Pauli – Ingolstadt und Anker Wismar – Hannover 96 in Lübeck ging. Darin wird behauptet, dass es dem Steuerzahler teuer zu stehen kommt, dass diese beiden Spiele an der Lohmühle stattfinden würden, weil eine Polizeieinsatzstunde pro Nase 43 Euro kostet und alleine diese beiden Spiele 6.000 Einsatzstunden erfordern. Geile Milchmädchenrechnung, oder?

Der Bund der Steuerzahler brüllt dann auch gleich wieder nach finanzieller Beteiligung der Vereine.

Nur diese Rechnung hinterfragen oder mal die Gegenrechnung aufzumachen, das macht niemand.

 

Hinterfragen wir doch mal

6.000 Einsatzstunden? Wenn ich jetzt mal einen zeitlichen Aufwand von 10.00 bis 18.00 rechne (und das finde bei einem Spiel um 13:00 Uhr schon relativ viel), dann hieße dies, dass alleine bei unserem Spiel 375 Polizisten im Einsatz waren. Bei handgezählten 50 Gästefans und einem (angeblichen) Gewaltpotential von 500 Leuten bei uns, könnte man diese Zahl sehr gut hinterfragen, oder?

Man könnte auch hinterfragen, wo denn die Zahl von 43 Euro her kommt. Der normale Polizist ist so irgendwas zwischen A7 und A10 (zumindest in den Knüppeltruppen). Das ist selbst in der höchsten Besoldung in der höchsten Alterstufe bummelig irgendwas um die 3.200. Und ich bezweifele, dass diese Summe die meisten Polizisten verdienen. Wenn man von 41 Stunden pro Woche ausgeht und 4 Arbeitswochen pro Monat, dann wäre der reine Stundenlohn 19,50 (gerundet) brutto, wohlgemerkt. Ich bezweifele doch mal ganz stark ohne einen Beweis, dass gut 23 Euro auf Lohnnebenkosten, Sachkosten etc. entfallen. Ich habe mal irgendwas von doppeltem Stundenlohn als Faustformel (!) gehört und dann komme ich schon mal niedriger raus.

So etwas mal kritisch zu hinterfragen, so etwas würde ich mir mal von Journalisten wünschen. Klar, 43 Euro können richtig sein, aber wenn ich schon nach 5 Minuten nachprüfen Zweifel habe, dann muss ich die Polizeigewerkschaft mal fragen, woher sie ihre Zahlen eigentlich zieht?

Oder machen wir die Gegenrechnung auf

(Wir vernachlässigen jetzt mal, dass es so etwas wie einen Länderfinanzausgleich gibt und tun so, als ob die öffentliche Hand aus einem Topf wirtschaften würde. Denn seien wir ehrlich: Das das Geld so aufgeteilt wird, wie es aufgeteilt wird, ist nicht unsere Schuld.)

Der FC St. Pauli macht irgendwas zwischen 20 und 25 Millionen Umsatz pro Jahr. Davon wird das meiste Umsatzsteuerpflichtig sein. Viel Gewinnsteuern werden wir nicht zahlen. Wenn wir jetzt mal von 20 Millionen umsatzsteuerpflichtigen Umsatz ausgehen und mal davon ausgehen, dass dies alles zu 19 % geht, dann zahlt der FC St. Pauli ca. 3,8 Millionen Umsatzsteuer abzüglich Vorsteuern, die er geltend machen kann. Die kann man aber in der hier aufzumachenden Milchmädchenrechnung vernachlässigen, denn die Vorsteuern hat ja jemand anders als Umsatzsteuer gezahlt.

Wenn ich die Zahlen glauben mag, dann kosten wir also 125.000 mal 17 an Polizeieinsätzen. Das macht 2,125 Millionen. Okay für unsere 7 Sicherheitsspiele runden wir auf 2,8 Millionen auf. Und siehe da: Der Staat macht an uns immer noch 1 Million Gewinn.

Und da sind Catererumsätze, Hotelumsätze, Busumsätze, Kneipenumsätze etc. noch gar nicht mit eingerechnet und auch die alle sind Umsatzsteuerpflichtig. Und von Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer etc. habe ich noch gar nicht angefangen.Und die Lohnsteuer der Spieler lasse ich auch mal gepflegt außen vor. Und das ist ein ordentlicher Batzen.

Was diese (Milchmädchen-)Rechnung einfach nur zeigt ist folgendes: So wirklich ein Skandal ist die Nichtbezahlung der Polizeieinsätze nicht. Denn auch Fußballvereine zahlen ordentlich Steuern und sind keine „bösen Schmarotzer“. (Und wenn man so will können dann auch guten Gewissens eine (Gegen-)Leistung verlangen.)

 

 

  7 Responses to “Polizeigewerkschaften sind Milchmädchen”

  1. Weiterer Milchmädchen-Aspekt: Die Rechnung tut ja so, als wären es *zusätzliche* Kosten. Das heißt, all die Beamten die da im Einsatz waren, hätten sich sonst einen freien und unbezahlten Samstag machen können? Is klar.

    Das Echo hätte ich mir vorstellen mögen, wenn wir alle konsequent ferngeblieben wären „um der Polizei keine Kosten zu verursachen“. Die Lübecker Gastronomie hätte sich bestimmt gefreut (die Innenstadt war nach dem Spiel jedenfalls erkennbar mit St. Paulianern gefüllt).

    (Fast schon beruhigend, dass noch kein Polizeigewerkschafter auf die Idee gekommen ist, in Strafverfahren zu forden, die Kosten für die Ermittlungsarbeit dem Verurteilten aufzubürden…)

  2. auch wer null Steuern bezahlt und womöglich auch noch komplett von Transferleistungen lebt darf von der Polizei guten Gewissens etwas verlangen. Das Recht eine solche Dienstleistung in Anspruch zu nehmen ist nicht daran gekoppelt… offiziell…

  3. (Ich weise jetzt nicht darauf hin, dass der Verurteilte eines Strafverfahrens die Verfahrenskosten pauschalisiert tragen muss.)

  4. Ist mir schon klar. Deswegen alleine ist das „böse Schmarotzer“ in „“ gesetzt. Der ganze Text soll ja nur zeigen, dass deren Rechnung schon in deren Denke falsch ist.

  5. es sollte jemand dieser denkrichtung mal einen schritt weiter gehen: fußballspiele unter ausschluss der öffentlichkeit – keine polizei mehr notwendig – polizeistellen streichen!

    mal schauen, wie sich die polizeigewerkschaften da verhalten würden. 😉

  6. […] dazu hat sich magischer.fc mit den absurden Rechnungen der Polizeigewerkschaften auseinander gesetzt und dazu ein paar interessante Gedanken postuliert. Danke für die […]

  7. […] Bereits als die Polizeigewerkschaften diese Milchmädchenrechnung präsentierten, haben wir sie ganz… […]

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