Jul 262011
 

oder

Womit ich nicht Leben kann, das schreibe ich jetzt nicht

Vorwort

Beloved Readers, es ist 0:28 an einem Dienstag morgen und ich hoffe die meisten von euch liegen mit eurem Kuschelhasen im Bett und schlafen. Ich hingegen beginne genau jetzt im Bus sitzend meinen Blog.

Köpfen in die Mitte? Doof!

Auf zum Randalemeister 2010/2011. Und da jedes Nachspiel ein Vorspiel hat, ein paar Worte vorab:

Ich finde Frankfurt hat eine der coolsten Szenen Deutschlands. Gehabt. Man, was an Kreativität, was an Elan, was an Lärm haben die produziert? Guckt euch doch nur mal deren 10 Jahreschoreo an, die ist einfach der Hammer. Nur irgendwann verlor sich diese Szene in Langeweile… Klar Rebellentum, cool und ich habe auch kein Bock auf „Setzen sie sich hin“ und alles setzt sich hin, weil ist ja von oben angeordnet. Nein Leute, das darf es nicht geben. Und so soll eine Kurve nicht aussehen.

Aber Rebellentum ist nicht zielloses gelangweiltes Rumgehoole. Wer dies verwechselt, der ist eben auf dem falschen Dampfer. Und so verliert Frankfurt seine Energie an der falschen Stelle und reibt sich auf. Nur selten flackert noch mal die feine Ironie auf und so feiere jetzt hemmungslos dieses „Randalemeister 2010/2011 Plakat ab, denn das ganze auf kopierten Strafbefehlen und Betretungsverboten zu machen, das trifft schon mein Humorzentrum.

Aber ein kleiner Haken bleibt halt: Man holt sich diese Schreiben der Sicherheits- und Ordnungsfanatiker im falschen Moment.

Und hier darf man einige Sachen nicht verwechseln. Eine Kurve hat ihre eigenen Gesetze und man darf diese weder mit den Gesetzen der Gesellschaft, noch mit den Gesetzen des Faustrechtes verwechseln. Für eine Kurve außer Kontrolle? Jeden Tag und jedes mal wieder. Und noch mal: Dies ist ungleich Faustrecht. Dies ist mein humanistischer Anspruch und dies sollte der Anspruch jeder Kurve sein die sich selbst als „links“ definiert. Und trotzdem: Ins Gesetzesblatt zu gucken, dort zu lesen „es ist verboten“ und dann eben es als ins Stein gemeißeltes „verboten“ zu leben, nein dies kann nicht der Anspruch einer Kurve sein. Und deswegen ist das Argument gegen Pyro definitiv nicht, dass diese verboten sind und irgendwelche verknöcherten Herren aus Frankfurt dafür irgendwelche mehr oder minder willkürlich aus dem Hut gezauberten Strafen präsentieren.

Und deswegen ist Randale auch ungleich Randale. Und auch bei dem Frankfurter Platzsturm muss man mal wieder eine Frage stellen: Was ist wirklich passiert? Ist jemand ernsthaft zu schaden gekommen? Gab es bürgerkriegsähnliche Zustände? Ich sage: Eher nein. Es ist so eine superteure Zeitlupenkamera zu Bruch gegangen, was ärgerlich ist, was auch nicht schön ist, aber ganz ehrlich: Vermisst die jemand in den Übertragungen? Und versichert ist sie auch.

Gut, während antisemitische Plakate halt nur ein „DuDuDu“ bekommen, wirft die Ordnungsmacht für diese Vergehen halt einen Teilausschluß und eine Kurvensperre aus. Wann man so etwas erhält und wann nicht? Bitte fragt den DFB, ich könnte es euch im Voraus nicht sagen. Und wenn man im Voraus nicht einmal annähernd sagen kann, ob ein Bierbecherwurf einen 6.000 Euro Strafe beschert oder eine nette Reise nach Lübeck, dann spricht der Jurist von Willkür. Und dies ist schlichtweg einer Gerichtsbarkeit verboten.

Hinzu kommt, dass in der Verbandsgerichtsbarkeit etwas gemacht wird, was man Sippenhaft nennt und was eigentlich sonst ÜBERALL in Jura verboten ist. Man bestraft nämlich nur bedingt den Verein (ja beim schnöden Mammon, wie lächerlich), nein man bestraft Fans, die schlichtweg auch gegen Köln nur ihr Bier gesüffelt haben und sich in ihrem ganzen Leben außer einer Geschwindigkeitsüberschreitung noch nie etwas zu schulden kommen haben. Denn sie stehen nun vor dem Tor und können ihre SGE nicht sehen.

Findet ihr das gerecht? Findet ihr es dann richtig, von „den Frankfurter Randalemachern“ ganz pauschal zu sprechen? Ich nicht und daher finde ich diese Art der Bestrafung scheiße.

Und daher verstehe ich, dass USP einen Aufruf veröffentlicht, der mitnichten einen Stimmungsboykott beinhaltete, der einfach aus Protest und vielleicht auch aus Respekt (nennt es Solidarität, aber dieses Wort ist so extrem abgegriffen) auf „organisierten Support“ verzichtet. Und das heißt eben nicht: „auf jeglichen Support“ und so wurde es von USP auch praktiziert. Wer Bock hatte in diesem Moment zu supporten, der supportete, wer es nicht hatte, der eben nicht. Ganz ehrlich: Irgendwo in der Mitte zwischen dem eher spontanen, dadurch auch sehr spielbezogenen Support mit mir etwas zu wenig Druck und dem dauerlalala eines schlechten Ultratages, irgendwo da im Nichts, da liegt für mich das Ideal.

Und da ich jetzt nicht hinter dem Mantel des Passwortes verschwinden will, will ich gar nicht viel über den erlebten Tag schreiben. Es war sowieso eine Auswärtsfahrt wie so viele vor ihr und so viele nach ihr. Um 1:00 Uhr auf einer Raststätte guckte ich Frank und Bernd nur an und fragte sie den entscheidenden Satz:

„Sagt mal Jungs, auf wievielen Raststätten habe ich mit euch eigentlich schon Nachts gestanden?“

Bernds Antwort, traf den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf: „Es waren schon so ein bis zwei.“

Vielleicht sehe ich häufiger darin den Sinn, heute kam er mir wieder nur auf der Autobahn entgegen. Nennt es verrückt, nennt es die Flucht aus dem Erwachsenenleben, nennt es Fanatismus, nennt es bekloppt, nennt es zweites Gesicht bei einem Juristen ( das bedenke man mal bei dem oben gesagten) ich mag es Nachts in engen Bussen zu sitzen und von Heike Getränke gereicht zu bekommen und Moritz neben mir schlafen zu haben. Und auch wenn ich jetzt nicht Passwortblogge: Danke, Danke für all diese Jahre.

Aber zurück zu Frankfurt. Ich hoffe für diese Szene, dass sie aus ihrem Irrweg zurück kommt, dass sie sich ihres Feuers, ihrer Einzigartigkeit und ihrer Kraft wieder bewusst wird und sich nicht in Langeweilerandale zergeht. Packt es an Frankfurter. Gerne ein bisschen assozial, das gehört bei euch dazu, aber eben nicht so.

Und so mussten wir auf eine immer noch sehr laute und kraftvolle Kurve verzichten und guckten nur auf leere Sitze. Und ganz ehrlich: Das schockt nicht. Dieser Kampf der Kurven um die Lärmhoheit, dieses gegenseitige Anstacheln, ja auch diese leichte Aggression gegeneinander, die macht für mich Fußball aus. Fußball ist nicht „the beautiful game“, nein es ist das „dirty, fucked up game“.

Fantrennung im Fußball ist schon etwas sinnvolles. Fußball lebt von den Emotionen und diese werden ja auch verkauft. Und diese Emotionen können bei einem engen Spiel auch mal ganz schön angestachelt werden. Wer bei einem Spiel nicht einen erhöhten Puls hat und auch mal etwas ausfällig gegen den Schiri wird, der ist – glaube ich und so arrogant bin ich nun jetzt einfach mal so – besser beim Tennis oder Handball aufgehoben. Umso bekloppter ist es, die 14.000 Karten, die man verkaufen darf zum größten Teil in der Kurve des Gästeblocks zu verkaufen. Auf die Idee muss man erstmal kommen. Nur ein kleiner Pufferblock und doch einige heftige Prollereien über den Zaun waren die Folge. Und wenn sich dann noch irgendwelche Frankfurter Nasen in den Oberrang schleichen, dort Halligalli spielen und dann nicht etwa in den – ja ziemlich leeren – Heimbereich geführt werden, dann wundert einen nix mehr.

Es ist nur einem zwar engen, aber ohne wirklich umstritttene Szenen auskommenden Spiel zu verdanken, dass da nicht mehr passiert ist.

Aber was willst du auch von einem Verein erwarten, der unsere Fanbetreuung anruft, dieser eine 10minütige Blocksperre ankündigt, um dann noch sinngemäß zu fragen, ob die Fanbetreuung von uns es durchsetzen kann, als Antwort zu bekommen „Ne, das müsst ihr schon machen“, dann aufzulegen und dann die Blocksperre als „mit der Fanbetreuung von St. Pauli abgesprochen“ zu verkaufen. Klar, im wahrsten Wortsinn beinhaltet ein „abgesprochen“ kein „zustimmen“, aber so feingeistig sind Fußballfans nicht.

Puh Matze Lehmann, wo hast du denn ALLES verloren? So schlecht habe ich ihn in seinen schlechtesten Auftritten in braun-weiß nicht empfunden. Kessler kann immer noch nix mit dem Fuß und das Alex Meier nicht die ganze letzte Saison im Vollbesitz seiner Kräfte war, ist wahrscheinlich einer der Hauptgründe für Frankfurts Absturz. Nur ansonsten waren die so schwach oder wir so gut? Ich weiß es nicht, dafür ist die Saison noch zu jung. Aber einen vollkommen verdienten Punkt beim großen Favoriten zu holen und dabei den Sieg beinah auf der Schaufel zu haben, das spricht für unsere Jungs. Und es spricht für Sobiech, dass der irgendeine seiner langen Gräten immer am Ball hat. Und er dabei nicht zu dem Leichtsinn eines Zambrano neigt, sondern abgeklärt wie ein Großer, äh also ein Alter spielt.

Und dann geht Boller uneinholbar in unserer Scorerstatistik in Führung nur um dann sein eigenes Denkmal kurz anzupinkeln, in dem er einen Ball ohne Not in die Mitte und weich abwehrt und so Alex Meier zum punkteteilenden Ausgleichstreffer einläd.

Und abschließend kann man nur bemerken, dass der Frankfurter Stadtwald sehr viel Ähnlichkeit mit dem Altonaer Volkspark hat. Flugzeuge, dunkle Wege und ganz viel Wald und ein Stadion im Nichts. Da kamen beinah Heimatgefühle 😉 auf. Tja, vom Volkspark sind es aber nur 6 km in meine Kneipe, hier sind es 600. Oder um es mit dem Dude zu sagen „600 verkackte Kilometer“. In diesem Sinne. Live long and prosper. Und wenn es nicht die Weiten des Universiums sind, dann immerhin deutsche Autobahnen und Stadien.

Geendet um 03:55, ich bitte Rechtschreibfehler und Wirrheiten zu entschuldigen.

  6 Responses to “Kann ich mit Leben”

  1. […] Lesenswerte Auswärtsfahrergedanken nebst Gedanken zum organisierten Stimmungsboykott von USP hier https://www.magischerfc.de/?p=5795 – zum Fanthema sehr nah an meinen Gedanken dran […]

  2. Danke immer wieder für diese Kommentare! Ich könnte es nicht treffender formulieren.
    Und ganz ehrlich : Solange es noch Fußballfans gibt die das artikulieren können ist das Spiel an sich noch nicht verloren…..

  3. Danke für deine faire Darstellung des „Frankfurter Problems“ und der „Absprache“ mit unserer Fanbetreuung! Aber wie konntest du das Spiel so genau verfolgen, wo du doch in der 2. Halbzeit die meiste Zeit mit deinem Notebook zugange warst? 😉

  4. Multitasking, Multitasking 🙂

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