Jul 112011
 

oder

Hallo Paulis, Lübeck ist weit, was?

Vorwort

Liebe Leser, ich war nicht beim Testspiel, da ich beim Burning Summer Festival in Ludwigslust war. Wir als Fanräume waren von dem ausrichtenden Jugendkulturnetz Ludwigslust (Facebook Link) eingeladen worden dort mit einem Info- und Verkaufsstand uns zu präsentieren. Wir haben von Upsolut noch Totenkopfware mitgenommen und waren zwei Tage dort präsent. Leider vor relativ wenig Publikum, was insofern schade ist, als dass sich hier junge Leute ehrenamtlich gegen den vorherrschenden rechten Livestyle stemmen und ein klasse Festival auf die Beine stellen. Wir sind echt herzlichst empfangen worden, durften uns Backstage mit verpflegen und wurden echt umsorgt. Da sind viele professionelle Fußballvereine echt schlechter und unprofessioneller organisiert. Also: Grätscht mal bei einer Veranstaltung von denen vorbei und/oder unterstützt die irgendwie anders.

Bisher nur 6.000 Karten für Lübeck verkauft

Trotz Sommerferien und Spiel in Lübeck finde ich die Anzahl nach einem Tag freiem (!!!) Verkauf mehr als erschreckend. Das ist einfach peinlich und mehr als entsetzlich. Es ist schon peinlich, dass nur ca. 3.500 Dauerkartenbesitzer nach Lübeck fahren wollten, aber entsetzlich wird es, wenn auch die reinen Mitglieder UND die alle „freien“ Leute nicht die Karten annähernd abnehmen. Da bewertet man verzweifelte Kartennachfragen für Heimspiele im Internet schon sehr schnell anders, wenn nicht einmal bei einer solchen Chance die Karten weggehen. Und man muss sehr daran zweifeln, dass der Verein seine Einzelkarten für die Heimspiele auch nur annähernd absetzt.

Also: Wer noch eine Karte haben will und wer ein Pflichtspiel (!!!), ein Ligaspiel (!!!) des FCSP zu relativ preiswerten Preisen sehen will, der hat nun die große Chance.

Aber so ganz unschuldig ist der Verein trotzdem nicht und damit haben wir die perfekte Überleitung zum nächsten Punkt der heutigen Betrachtung:

5 erfüllbare Wünsche an das Kartencenter bzw. die Kartenpreisgestalter

1. Mache die Preisgestaltung von Karten nicht immer so, dass die Preise ganz knapp an unverschämt vorbei schrammen. Eine de facto Preiserhöhung von 2010/2011 auf 2011/2012 bei den Dauerkarten ist bei einem Abstieg einfach schwach und führt nicht zu größerem Interesse.

2. Informiere frühzeitig, transparent und vollständig und über alle Kanäle! Es kann nicht sein, dass man Mittwoch Abend dann mal sagt „Ach ja nebenbei morgen können dann auch die Mitglieder kaufen“. Diese Information hätte man sofort und am Anfang geben müssen. Und zwar in folgender Form: „Von Montag bis Mittwoch haben die Dauerkartenbesitzer Vorkaufsrecht, wenn dann noch Karten verfügbar sind, dann haben Donnerstag die Mitglieder Vorkaufsrecht, wenn dann noch Karten verfügbar sind, dann starten wir Freitag einen freien Verkauf.“ Diese Information hätte am 30.06.11 veröffentlicht werden müssen!!! Und dazu hätte ich auch deutlich sagen müssen, dass der Abverkauf durch die Dauerkartenbesitzer nicht zwingend ist, damit ich gleich nicht in der Presse die übliche „wird sowieso ausverkauft sein“ Meldung bekomme. Nebenbei: Solche Informationen gehen auch nicht als Pressemitteilung raus bei unserem Verein. Hammer oder?

3. Service! Informiere deine Tresenkräfte richtig. Es kann nicht sein, dass Mittwoch Nachmittag noch die Info herausgegeben wird, dass man nicht wisse, ob es einen Mitgliederverkauf gebe. Und das ist wirklich so Leuten gesagt worden.

4. Nutze Livezahlen! Es kann nicht sein, dass im Online Tool von Ticketmaster irgendwie 3.500 Karten verfügbar sind, dies aber nicht annähernd den wirklich verfügbaren Zahlen entspricht. Man muss live (am besten täglich) über die verfügbaren Karten aufklären und dies sollte auch möglich sein. Wenn nicht: Schaffe dir eine vernünftige Software an.

5. Service2! Optimiere die Abläufe am Tresen. Wenn man schon Barcodes auf den Dauerkarten hat, dann schafft man sich auch einen Scanner an, der diese lesen kann und verknüpft den so, dass man schnell die Karten ausgedruckt hat. So vermeidet man Schlangen und vermeidet Frust. Die 3 Stunden Meldung (die nebenbei nie wieder aufgehoben wurde) wird auch viele Dauerkartenbesitzer abgeschreckt haben.

Fuck Sexismus!

Nach dem Aus der deutschen Nationalmannschaft der Frauen musste ich so etwas wie „wenn das jetzt richtiger Fußball wäre, dann…“ lesen. Es ist richtiger Fußball und wer etwas anderes behauptet, sollte dringend sein Sexismusradar neu justieren. Oder einfach zugeben, dass er ein Sexist ist und mit den Konsequenzen leben.

Genauso albern finde ich die Schiedsrichterdiskussion. Denn es wird da behauptet, Entscheidungen seien offensichtlich falsch, die eben nicht offensichtlich falsch sind. Als Beispiel nehme man nur den Ausgleichselfmeter von Brasilien. Das Foul kann man pfeifen, die rote Karte ist dann (leider) nach der Notbremsenregel zwingend. Man kann die Notbremsenregel kritisieren (tue ich ständig), aber die ist laut Fifa so. Die Wiederholung ist vielleicht eine Fehlentscheidung, weil das wirklich Milimeter sind, welche die eine Amerikanerin reinläuft, aber seien wir ehrlich: eine KLARE Fehlentscheidung ist etwas anderes. Und wie Juristen immer so schön sagen: Es gibt keine Gleichheit im Unrecht, dass dieses Vergehen (zu früh reinlaufen) sehr häufig nicht gepfiffen wird, ist kein Argument es hier nicht zu pfeifen. Und der Schütze darf bei einer Elfmeterwiederholung getauscht werden, ist so. Und nebenbei auch schon bei uns vorgekommen. Auch hier sehe ich als Motiv für das ständige rumgenörgel an den Schiedsrichtern eher einen Sexismus, der den Fußball der Frauen als lächerlich bzw. minderwertig hinstellen will.

Muss sich also ein Fußballfan für Fußball der Frauen interessieren? Nein, natürlich nicht. Ich interessiere mich z.B. grundsätzlich einen Scheißdreck für die Champions League der Männer und gucke im Jahr vielleicht 5 Spiele der Champions League wirklich an. Ich finde diesen Wettbewerb sterbenslangweilig, in seiner Gruppenphase noch langweiliger und wenn da Barcelona gegen Madrid spielt, dann geht mir das gepflegt am Arsch vorbei. Da guck ich jedes Frauenspiel lieber. Nur weiß ich nicht, warum man das am Geschlecht der Spieler/der Spielerinnen fest machen sollte. Ich mach das eher am Wettbewerb an sich fest. Und da ist mir Liga lieber als Europa und Nationalmannschaft ist aufgrund des ganzen dämlichen nationalistischem Scheiß sowieso ganz weit unten. Aber wenn man die Frage so wie oben stellt, dann kann man nur folgende Gegenfrage stellen: Ist Fußball mit Frauenteams etwa minderwertig? Sexismus ich höre dich trapsen.

Heimspiele werden bis auf weiteres nicht gebloggt.

Wie hier und von anderen Bloggern bereits berichtet hat der FCSP folgende Regelung in seine AGB geschrieben:

„7.1 Der Aufenthalt im Stadion zum Zwecke der medialen Berichterstattung über die Veranstaltung (Fernsehen, Hörfunk, Internet, Print, Foto) ist nur mit Zustimmung des FC St. Pauli und in den für Medienvertreter besonders ausgewiesenen Bereichen zulässig.“

Damit ist das Bloggen über Spiele des FC St. Pauli für einen normalen Besucher ausdrücklich verboten, da gibt es keine zwei Meinungen. Eine Einschränkung auf kommerzielle Sachen etc. findet sich hier nicht. Der Verein behält sich bei einem Verstoß gegen die AGB Schadensersatz etc. vor.

Dazu folgende Anmerkungen:

1. Es handelt sich um eine unerträgliche, peinliche und schmerzhafte Einschränkung des Rechts der freien Meinungsäußerung. Der Verein (und wahrscheinlich die DFL) will sich so eine Hofberichterstattung durch die normalen Medien sichern, die in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihr leben (Auflage etc.). Auch wenn man nun sagen kann „ach das meint unser Verein doch nicht ernst, der wird Blogger doch nicht bestrafen“ wäre ich sehr vorsichtig, denn die DFL wird im Notfall den Verein gehörig unter Druck setzen von seinem Recht gebrauch zu machen. Und das unser Verein Rückgrat gegenüber der DFL hat, habe ich noch nicht gesehen.

2. Der Missstand ist schon länger dem Verein ausdrücklich dargelegt worden, eine Änderung der AGB wurde versprochen und ist nicht erfolgt. Wahrscheinlich, weil man hoffte, dass Grass über die Sache wächst. Das ist ein peinliches Aussitzen, die Verantwortlichen sollten sich schämen.

3. Ich werde daher bis zu einer ausdrücklichen Änderung dieser AGB keine Beiträge mehr über Heimspiele veröffentlichen. Bei Auswärtsspielen mache ich das von einer Akkreditierung abhängig. Ich gehe davon aus, dass die AGB anderer Vereine ähnlich aussehen, daher werde ich nur dann berichten, wenn ich akkreditiert bin und daher AGBs dieser Art nicht unterliege.

4. Ein Protestschreiben und ein eventueller Antrag auf der JHV werden folgen.

5. All dies gilt ebenso für das in den AGB folgende Kameraverbot, welches ebenso peinlich und schlimm ist. Non established? Super established würde es eher treffen.