Jun 152011
 

oder

Wir haben nicht viel Zeit

Vorwort

Okay, wem geht jetzt der Film durch den Kopf, der von einer Beziehung handelt, die 5 Wochen länger dauert? Aber bevor ihr euch jetzt vorstellt, wie Andre Schubert unsere Jungs mit Eiswürfeln auf dem Bauch für die Saison vorbereitet, sage ich euch lieber, was es diesmal so gibt: Trainingsauftakt, Kollaustraße, Abschiebung, Burschenschaften und Griechenland sind die Themen. Beim letzten Thema tue ich mir ein bisschen schwer, aber das seht ihr gleich.

Trainingsauftakt

Gut 100 Zuschauer und genauso viele Fotografen und Journalisten fanden sich gestern am Sachsenweg ein um dem Trainingsauftakt beizuwohnen. Viele Erkenntnisse gewinnt man bei einem Dehnen und ein bisschen lässigem Trainingsspiel nicht. Wer hier sieht, ob jemand gut aussieht, der kann auch aus Kaffeesatz die Zukunft vorher sagen. Ich würde mir ja mal wünschen, dass an diesem Tag unsere Jungs auch in frischen, neuen Klamotten mit eigenen Nummern auflaufen, aber das wird wahrscheinlich beim FC auf ewig ein Traum bleiben.

Das einzig bemerkenswerte ist, wer bei so Läufen immer vorweg läuft. Bruns und Morena sind da die natürlichen Leader, die sofort sich an die Spitze des Feldes begeben. Die Ansage war, dass einer von beiden das Tempo vorgeben sollte, aber der andere war auch sofort da. Und alle anderen folgten. Naki teilweise mit einem guten Sicherheitsabstand.

Es fehlten Rothenbach, Volz, Zambrano und Hennings. Es ist zu hoffen, dass die alle sehr schnell wieder einsteigen können, denn bei einer Spanne von 4 1/2 Wochen bis zum Beginn der Saison, wird es sehr schwierig, wenn man nur die halbe Vorbereitung mitgemacht hat.

Insgesamt muss einem diese kurze Frist sehr viel Sorgen machen, denn es darf in dieser Zeit nichts schief gehen, wenn man gut auf die Saison vorbereitet sein will. Und vom Start wird bei unserer Truppe viel abhängen. Sollten wir aus den ersten drei Spielen irgendwas zwischen 6 und 9 Punkten holen und sollte Ebbe ein zwei mal dabei getroffen haben, dann kann ich mir schon vorstellen, dass die Jungs sich erneut in einen Rausch spielen. Wenn wir jedoch dann mit 3 Punkten im grauen Mittelfeld hängen, dann wird es eine lange, eine sehr lange Saison.

Nicht fertig?

Und damit sind wir schon beim nächsten Thema, denn unsere Jungs trainieren am Sachsenweg. Nun ist da aufgrund des DFB Stützpunktes garantiert alles vorhanden, was man für ein professionelles Training braucht, so dass ich im Gegensatz zum Abendblatt nicht zwingend von „unprofessionellem Trainingsbedingungen“ sprechen möchte, aber eine Störung ist das natürlich schon. Und eben diese müssen so gut wie irgendwie möglich vermieden werden. Und dies ist insbesondere Aufgabe des Teammanagements.

Wir wissen aber nicht, was genau ein Training an der Kollaustraße hindert. Handelt es sich um Folgen des längerfristigen Umbaus, dann wird man es hinnehmen müssen, sozusagen als „es wird schlechter, bevor es besser wird“. Wenn es sich aber um eine Fehlplanung im kurzfristigen Bereich handelt, dann muss man schon Bedenken äußern. Überhaupt stockt der Umbau der Kollaustraße merklich und hier gilt es von Mitgliederseite sehr kritisch bei den anstehenden Versammlungen der AFM und des Gesamtvereines hinzuhören und nachzufragen.

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Samstag ab 12 Uhr Öffnung des Fanladens beim Brigittenstraßenfest. Vor dem Fanladen gibt es Kaffee und Kuchen zugunsten von Fanräume. Die freundliche und kompetente Standbesetzung wird euch mit leckeren Dingen den Bauch vollstopfen. Kommt alle!

Burschenschaften? Wegfechten!

Vorweg: Es gibt eigentlich nichts unangenehmeres als Burschenschaften. Dieses Männerbündische, dieses auf Saufen Karrieren aufbauen, ist per se schon unappetitlich. Aber wenn es dann noch stramm rechts wird, dann wird es richtig zum kotzen: Wie Spiegel Online heute berichtet, gibt es Streit in dem größten und rechtesten Burschenschaftsverband (Deutsche Burschenschaft) darüber, wer eigentlich „Deutscher“ in ihrem Sinne sei. Man kann nämlich in einer Burschenschaft dieses Verbandes nur dann Mitglied werden, wenn man dem „deutschen Volke“ angehört. Entbrannt ist der Streit wegen der Mitgliedschaft eines jungen Mannes, der aus chinesische Vorfahren hat. Den Rest könnt ihr bei Spiegel Online nachlesen. Trotzdem noch ein paar ergänzende Anmerkungen zu diesem Bericht:

Wie bekloppt ist der Typ bitte, dass er bei diesem Haufen Mitglied sein will?

SpOn zitiert aus dem „Rechtsgutachten“ der Schiedskommission dieses Verbandes und wäre es nicht so traurig, wäre dieser Eiertanz schon wieder lustig: „“Maßgeblich ist die Abstammung.“ Und weiter: „Personen mit mehrheitlich außereuropäischen Vorfahren sind unter Hinweis auf die Abstammungsgemeinschaft eines Volkes dementsprechend keine Angehörigen des deutschen Volkes.“ Die Staatsbürgerschaft reiche nicht aus.“

Ja, ist schon doof, wenn man „Arier“ schreiben will, aber merkt, dass man dann wahrscheinlich die Hälfte der Mitglieder rausschmeißen muss und seine Maske fallen lassen muss. „außereuropäische Vorfahren“? Na das ist ja mal eine sehr lustige Abgrenzung. Ich warte jetzt auf den Eiertanz dieser Spinner, wenn sich ein europäischer Türke um eine Mitgliedschaft bewirbt.

Aber es geht noch weiter (Zitate nach SpON): „Allerdings war der ganz rechte Rand bislang nicht erreicht – zumindest galt das für den Dachverband. Für den Verfassungsschutz ist die Deutsche Burschenschaft kein Thema. Lediglich einzelne Bünde wie die Münchner Danubia oder die Hamburger Germania tauchten eine Zeitlang in den Jahresberichten auf.“

Habt ihr mal Burschenschaft Germania Hamburg gegoogled? Macht es mal. Und seien wir ehrlich: Das sind schlichtweg Nazis. Und wer solche Leute in seinem Verband hat, der steht bei mir derbst im Verdacht ebenso Nazi zu sein, aber einfach (bisher) clever genug gewesen zu sein, dies nicht so zu zeigen, dass es jemand aufgefallen ist. Daher finde ich die Formulierung von SpON schlichtweg verharmlosend. Wer sich mit einer solchen Burschenschaft den Verband teilt, ist entweder heillos dumm oder er ist eben auch ein besser getarnter Nazi.

Daher kann man dem Schlusswort des SpON Artikel auch nur zustimmen: „Die […] Deutsche Burschenschaft wäre wieder ein Stück weiter nach rechts gerückt. Viel weiter geht es nicht mehr.“

Abschiebung

Mal wieder steht ein Jugendlicher in Hamburg vor der Abschiebung. Saikou C. muss nach Gambia zurück (MoPo Link). Gründe? Ach interessieren mich ein Scheißdreck! Der Junge ist hier integriert, der Junge hat hier eine Zukunft und wir reiten hier auf irgendwelchen Paragraphen rum. Ich könnte kotzen. Saikou muss bleiben!

PS: Der offen geäußerte Rassismus in den Leserbriefen der Printausgabe und den Kommentaren in der Onlineausgabe kotzen mich so etwas von an, dass man diese Leute gerne abschieben kann. Auf den Mond.

Griechenland

Ich bin weit davon entfernt Ratingagenturen zu verteidigen. Und insgesamt tue ich mich damit schwer Ereignisse in einem anderen Land zu beurteilen, weil ich immer Angst habe, dass dies als deutsche Arroganz oder als Besserwisserei der Marke Bild-Zeitung aufgefasst wird. Trotzdem kann ich meine Tastatur diesmal nicht still halten.

Ratingagenturen: Diese Institute braucht kein Mensch und woher sie ihre Macht nehmen, ist mir bis heute vollkommen unverständlich. Im Endeffekt sagen sie dir dann, wenn jemand pleite ist, dass er pleite ist. Aber vorher sagen sie es dir auch nicht. Bestes Beispiel sind die berühmten Asset Backed Securitys der Finanzkrise (nebenbei auf deutsch hießen die früher Pfandbriefe und galten als mündelsicher). Und das die USA immer noch die beste Schuldenbeurteilung hat, liegt wahrscheinlich auch nur daran, dass diese Agenturen alle ihren Sitz oder ihr Hauptgeschäft in eben den USA haben. Umso besorgniserregender ist, dass sie Macht haben.

Nur aus meiner Sicht wäre es falsch sie für die Krise von Griechenland allein oder Hauptverantwortlich zu machen. Denn auch hier erzählen sie einem mal wieder, was jeder weiß: Nämlich das Griechenland alleine seine Schulden nicht mehr bedienen können wird.

Warum?

Einmal, weil sie die Schulden haben. Wie in so vielen Ländern hat auch hier eine politische/wirtschaftliche Klasse (ha, dass ich noch mal „herrschende Klasse“ als Argument benutze) das Land über Jahrzehnte ausgeplündert und die Macht und das Geld in Clans und Seilschaften verteilt. Sozusagen die Staatsgewinne privatisiert. Natürlich werden diese nun auch nicht zur Rechenschaft gezogen und sind wahrscheinlich sowieso immer noch an den Schaltstellen der Macht. Jeder der mal versucht hat, den Staatsapparat in Griechenland zu beanspruchen (und ich hatte sowohl mit Finanzämtern, als auch mit Gerichten das Vergnügen), wird merken, dass da anscheinend nicht immer nach Kompetenz und Leistungsfähigkeit besetzt wurde. Das soll nicht heißen, dass dort alles „faule“ Beamte sind, denn meistens stinkt der Fisch genau auf einer Ebene: Der ganz oben.

Aber selbst wenn man der jetzigen Regierung guten Willen unterstellen würde, haben sie jetzt keine Chance mehr. Einmal weil sich der private Gläubigersektor auf Kosten der öffentlichen Hand schon seit Monaten aus Griechenland zurückzieht. Das ist einfach nur abartig. Das Stichwort „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“ ist der größte Unruhefaktor unserer Zeit und hat mit „sozialer Marktwirtschaft“ gar nichts zu tun. Die Gier von Kapitalverleihenden wird immer schlimmer. Es kann nicht sein, dass der private Sektor zwar gerne die Risikoaufschläge über Jahrzehnte kassiert, aber wenn sich das Risiko mal verwirklicht sofort zurückzieht und von machtlosen Politikern auch nicht zur Rechenschaft gezogen wird, weil sie im besten Falle Angst haben und im schlechtesten Falle ebenso zu den Plündern gehören.

Und nein, ich halte Griechen nicht für südländisch faul oder so. Das sind Vorurteile, die schlichtweg lächerlich sind und von der Bildzeitung geschürt werden. Denn genau die oben genannten Phänomene finden auch bei uns statt. Nur langsamer, schleichender und deswegen bisher nicht in einem Staatsbankrott endend.

Und genau davon lenkt das mehr oder minder rassistisch und populistisch geprägte Geplärre der Springerzeitungen ab.

Für Griechenland kann man nur hoffen, dass sich was ändert, dass die Wut der Straße das Land umkrempelt und zu neuen Konzepten führt. Nur dann würden sich die (finanziellen) Schmerzen für jeden Griechen auch wirklich lohnen. Ich drücke jedem Griechen und diesem uralten Land die Daumen.

  5 Responses to “Viereinhalb Wochen”

  1. Zum Thema Griechenland gehört massgeblich dazu, mit was für Methoden „Deutschland“ „Exportweltmeister“ wurde im Zuge einer auf Kosten Anderer forcierten, auf höhere Produktivität – „Lohnstückkosten etc.“ – zielenden Standortkonkurrenzpolitik, die u.a. auch zu einer massiven Verschlechterung der Lebensverhältnisse vieler hierzulande führte.

    DAS gehört in die Köpfe gehämmert, diese Ersatzregentschaft durch diese vermaledeiten Rating-Agenturen ist dafür einfach ein SYMPTOM. Die Kompetenz oder auch Leistungsbereitschaft griechischer Beamter ist da zweitrangig, da läuft einfach strukturell das gleiche wie hier, dass jene, die sich IN den administrativen Machtsektoren eingerichtet haben im wesentlichen Politik für sich selbst betreiben, sag ich mal etwas unhöflich und will Dir persönlich das keine Sekunde unterstellen.

    Und zwar genau in jenen staatlichen Sektoren, die Schnittstellen zu dem, was man „Wirtschaft“ nennt haben ( und die immer und gerade im Immobiliensektor mit mischen, gerade in Hamburg). Die anderen hingegen prekarisiert man gleich mit – Lehrbeauftragte für Philosophie oder Germanistik z.B..

    So weit wie in Griechenland; was die eben anders als im mittels Euro den Krieg doch noch gewonnen habenden Deutschland NICHT können, ist, Wirtschaftspolitik gegen Dritte im Zeichen der Dominanz mit der Brechstange auf Kosten Dritter durchzudrücken.

    Was denen akut helfen würde, wäre, um im Export wieder Chancen zu haben, geht Portugal und Spanien auch so, die eigene Währung abzuwerten – geht aber nicht, wegen Euro. Davon profitieren nun einige wenige in Deutschland, die breite Masse aber nicht, weil die ja durch jahrzehntelanges Lohndumping ertragen und neoliberalen Doktrinen folgen und sich diese als Wahrheit verkaufen lassen direkt zu den aktuellen Zuständen in Südeuropa beigetragen hat.

    Man muss den Kontext schon etwas weiter aufmachen bei der Frage, denke ich.

  2. Hallo Momo,

    aber ist dieses Abwerten der Währung (und damit ja auch Import von Inflation, was wieder genau die „kleinen Leute“ trifft) nicht auch neoliberal?

    Grüße

  3. Das würde ja in Relation zu anderen Währungen gelten, zunächst die Exportfähigkeit stützen, und insofern den „kleinen Leuten“ nicht mehr schaden als jetzt, wenn ich Herrn Heusinger und andere da richtig verstanden habe … „neoliberal“ war ganz am Anfang tatsächlich die Flexibilisierung der Währungskurse, eine Entkopplung von realen Gütern wie Gold, um den Vietnamkrieg zu finanzieren, kein Witz – inwiefern unter aktuellen Bedingungen eine Abwertung einer eigenen, griechischen Währung in diesem Paradigma sich bewegt: Keine Ahnung. Wenn man es im Rahmen bestimmter wirschaftlicher Protektionismen zugunsten südeuropäischer Länder diskutieren würde, wäre es nicht neoliberal. Und die Diskussion über eine Süd-Euro-Zone gibt es ja, da werden hochagressive Wirtschafts-Nationalisten wie Merkel aber alles dafür tun, dass das nicht kommt. Neoliberalismus und Nationalismus passen ja prima zusammen.

    Da hängt dann aber indirekt eh wieder die Frage dran, wie man es nun mit der anderen Seite des Mittelmeeres und weiter südlich hält, und wenn man das dann konsequent weiter denkt, landet man noch mal bei ganz anderen Fragen, wo Antworten im Grunde genommen keiner denken DARF in jenen Sektoren gesellschaftlicher Subsysteme, in denen man Zeit hat, sich intensiver damit zu beschäftigen. Der verlöre dann seinen Wiwi-Lehrauftrag.

  4. Moin,
    „schöne“ Fahnen haben die offenbar auch…: germania-hamburg.de/neu/GraslFreundin2.jpg

  5. Hier noch vertiefende Infos zum Ausstieg aus der Euro-Zone und Abwertung einer eigenen Währung:

    http://www.zeit.de/2011/25/Griechenland-Waehrung-Drachme

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