Jun 262011
 

oder

Erste Testspieleindrücke

Vorwort

Liebe Leser, es gibt mal wieder ein großes Sammelsurium an kleinen Themen. Aber vorab noch ein letzter Gruß in die Weiten Hessens, wo der meistgelesene Blog über unseren braun-weißen Verein Lebewohl gesagt hat. So oft ich mich mit der Macherin inhaltlich zoffe, so sehr ich viele Meinungen einfach nicht teile, sie war eine Stimme und diese Stimme hat (zur Zeit?) keine Kraft mehr weiter zu machen und dies ist sehr schade und man kann nur hoffen, dass sie vielleicht anders weiter macht oder nach einer Pause an dieser Stelle weitermacht. Denn seien wir ehrlich: Die Diskussion zwischen unterschiedlichen Meinungen, auch das ist St. Pauli. Alles Gute und man sieht sich in irgendwelchen schummrigen Kneipen oder schummrigen Stadien. Oder auf dem Ponyhof.

Was haben wir noch? Ein paar Worte zum Testspiel in Lüneburg, ein paar Worte zum Copyright auf Spielpläne, ein paar Worte zur DFL, ein paar Worte zum ETV, ebenso ein paar zu Hansas Kodex und vieles anderes vielleicht.

In der Hasenburg

Eigentlich beinah jedes Jahr machen wir ein Testspiel bei Eintracht Lüneburg. So kennt man den Ort schon in und auswendig, aber da mein Auswärtsmitfahrer in Lüneburg lebt, bin ich trotzdem hingefahren. Immerhin spielen wir im August auch noch bei Hansa / LSK oder wie auch immer Lüneburg. Ich höre die Stories des Lüneburgers Fußballs immer sehr gerne, aber so richtig verstehen tue ich das nicht. Ich würde ja gerne mal bei MTV Treubund Lüneburg spielen, alleine schon für den Namen. Oder wir werden mal politisch und spielen mal bei Dynamo Lüneburg. (Nebenbei: Ich finde sowieso, dass wir mal ein Spiel gegen einen der Roten Sterne Vereine machen könnten. Wie wäre es mal mit einem Testspiel bei Roter Stern Leipzig? Nur mal so als Symbol und ohne die ganze Kohle einstreichen zu wollen. Das wäre mal „non established“. Siggy bitte übernehmen. Oder wie wäre es mit einem Hassduell gegen Roter Stern NordOst Berlin ;-). )

2.700 Zuschauer hatten nix gegen Wiederholungen und so kam es zu einem lauen Kick bei Wetter, dass glücklich die ganze Zeit trocken blieb. Ich empfinde es immer als schwierig aus solchen Testspielen viele Konsequenzen zu ziehen. Ich versuche mal das meiste positiv bzw. nach vorne zu formulieren, denn ich empfinde es als falsch Spieler aufgrund solcher Eindrücke zu verdammen. Ich empfand Takyi als nicht voll bei der Sache. Ich denke, dass ihn dieses Wechselgespiele doch deutlich mitnimmt. Ich denke, er wäre für uns ein sehr wertvoller Spieler, aber nur, wenn er den Kopf komplett frei hat. Schachten ist sehr schnell, aber da sprangen mir doch zu viele Bälle noch zu weit weg. Auch hier noch fehlende Konzentration? Positiv fiel mir Herber auf. Der Junge wirkte nach einem Trainingslager nicht nur schlanker und athletischer als beim Auftakttraining, er hat auch spielerisch und läuferisch was drauf. Ist natürlich noch ein weiter Weg für ihn, aber da kommt jemand mit Talent und anscheinend auch mit einer Arbeitsmoral. Bleibt hoffentlich so. Kalla spielte 90 Minuten, mal links, mal rechts, machte seine Sache okay. Funk spielte ebenso 90 Minuten, kassierte dumm eine rote Karte, da lies er sich dämlich überlaufen. Das ist umso ärgerlicher, weil er mir sonst eigentlich vom Überblick und vom Spielverständnis gefiel. Saglik deutete an, was er kann, es fehlt da aber teilweise noch die Laufwegsfeinabstimmung. Aber der Typ ist so ein Strafraumschwein, das können wir schon sehr gebrauchen. Nur muss Ebbers dann auf die ungeliebte 10 und da sah er nur so lala aus. Wer absolut positiv überraschte war Naki. Der lief mehr, als in der ganzen letzten Saison zusammen. Und das mit viel mehr Übersicht, als man von ihm gewöhnt ist. Wirkt da der neue Trainer? So wäre er eine absolute Waffe! Hoffentlich bleibt das so. Und so könnte er ohne weiteres auch den Zentralen hinter den Spitzen spielen. Ja, ich weiß kühner Plan.

Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu erzählen, der Stadionsprecher schwankte zwischen lustig und unerträglich. Lustig, dass er den Elfmeter schon als drin feierte, als dieser gerade gehalten wurde.

Der Spielplan Teil 2

Heute ist der 26.06.2011. Das heißt wir, spielen unser Spiel in 19 bis 22 Tagen. Nur leider wissen wir es bisher immer noch nicht. Und dies obwohl weder UEFA/UI/CL/oderwasauchimmer Cups eigentlich die Terminierung stören können, denn die 1. Liga spielt nicht. Es ist einfach ein unerträglicher Skandal, was sich da die Herren in Frankfurt leisten und eigentlich sollte man in den offenen Widerstand gegen diese Spinner gehen. Es kotzt mich nur noch an, dass man es nicht hinbekommt rechtzeitig Spiele zu terminieren, obwohl es keinen sinnvollen Grund gibt, dieses herauszuzögern. Was ich nicht verstehe ist das Drückebergertum der Vereine. Die können doch auch selber nicht damit zufrieden sein, sie müssen doch auch planen. Mein Vorschlag an die Vereine: Macht eure Daten bilateral aus und sagt der DFL, dass sie euch mal kreuzweise kann.

Und noch etwas versucht die DFL, sie stellt ihren Spielplan unter ein Urheberrecht bzw. weist darauf hin, dass eine Nutzung untersagt ist und will so eine kommerzielle Nutzung verbieten bzw. nur gegen Gebühren erlauben. Sinn soll wohl sein am Glückspielmarkt mitzuverdienen.

Dazu folgende Anmerkungen: Erstmal stellt man nach deutschem Denken nicht etwas unter Urheberrecht, sondern entweder man hat die entsprechende Schöpfungshöhe, dann steht das ganze automatisch unter einem Urheberrecht oder man hat sie nicht, dann kann man noch so häufig da ranschreiben „steht unter Urheberrecht“, man hat es nicht. Der Unterschied ist vielmehr: Mache ich ein Urheberrecht geltend oder verzichte ich einfach drauf?

Man kann sich nun also fragen: Reicht hier die Schöpfungshöhe, die § 4 UrhG bei Datensammlungen verlangt, damit sie einen schützenswürdigen Charakter erhalten. Dazu müsste die Erstellung des Spielplanes eine eigene Schöpfung und einen kreativen Spielraum beinhalten. Wohlgemerkt: Eine reine Zufallsauswahl eines Computers hat diese geistige Schöpfungshöhe nicht unbedingt! Ich bin sehr gespannt, ob die DFL wirklich nachweisen kann, dass sie bei den ganzen Wünschen (die sie ja immer anführt, wenn sie sich gegen den Vorwurf wehrt, dass es nicht schnell genug gehe) noch einen kreativen Spielraum behält und ausübt. Spannend wird dies sein.

Gehen wir jedoch mal davon aus, dass die DFL all dies nachweisen kann und sich auf ein Urheberrecht berufen kann, dann wird sie relativ schnell auch Probleme mit dem Wettbewerbsrecht bekommen. Denn sie ist Monopolist und ob sie wirklich einen exklusiven Vertrag mit einem Wettanbieter schließen könnte, das wird sich dann zeigen.

Ich sage euch ganz ehrlich: Ich kann das juristisch nicht abschließend beurteilen, aber wenn hier mal wieder irgendwelche Juristen sich zu Gefälligkeitsgutachten a la „geht alles“ hinreißen, dann finde ich das bedenklich. Das wird höchstrichterlich zu klären sein und eindeutig ist es eben aus meiner Sicht nicht.

Und natürlich entstehen genau die gleiche Probleme wie bei unseren beknackten AGB, denn de Spielplan würde ich nicht mehr in einen Blog, in eine Fanseite einbinden bzw. abschreibt. Nun wird das bei den meisten Blogs sowieso nicht der Fall gewesen sein, aber es ist mal wieder so, dass auch über jedem Blog, jedem Kalender, der im Hobby erstellt und angeboten wird die Abmahnkeule schwebt und niemand, der dies in seiner Freizeit macht hat die Mittel und die Zeit einen Musterprozess zu führen.

Kleine Anmerkung: Zumindest in England werden die Spielpläne auch ausdrücklich mit einem Copyright versehen, ob und wie hier das Urheberrecht auch durchgesetzt wird, weiß ich nicht.

Will noch jemand DFB Pokal spielen?

Es ist als Außenstehender natürlich sehr schwer nachzuvollziehen, was sich genau beim ETV abgespielt hat. Fußball Hamburg brachte zuerst die Pressemitteilung, was erstmal zu einem Zusammenbruch von deren Website führte. Und wahrscheinlich zu Klickzahlen, welche sich dieses gut gemachte und wenig beachtete Portal nie hat erträumen lassen. Danach meldeten sich Spieler und Trainer zu Wort und in vielen Dingen stehen Aussage gegen Aussage und ich kann nur bedingt beurteilen, wer hier Recht hat.

Was man aber aus der Historie wissen muss ist, dass ETV trotz seiner Größe seit Jahrzehnten kein Fußballverein ist. Geld für Aufwandsentschädigungen etc. wollte man nie investieren, was erstmal okay ist, was aber natürlich in solchen Situationen sofort zu Problemen führt. Schon seit Jahren kann man den ewigen Konflikt Fußballer vs. Gesamtverein von Insidern hören. Und da war die jetzige Mannschaft noch Jugend. Umso erstaunlicher, dass so ein Verein die Idee entwickelt einen teuren Kunstrasenplatz sich zu leisten.

Die jetzige Mannschaft hat zum zweiten Machtkampf gesucht, sie hat ihn einmal gewonnen und wurde dadurch 1. Mannschaft und hat ihn nun verloren. Dieses Risiko mussten die Spieler gewusst haben. Und so haben sie sich auch selbst, ob nun zu Recht oder zu Unrecht um die Chance gebracht Pokal zu spielen. Immerhin waren sie so fair ihren Verein nicht erst nach dem Pokalspiel den Rücken zu kehren, wobei ich nicht weiß, ob dies nach den Statuten des Fußballs möglich gewesen wäre.

Hansa nun mit Kodex

Der Umgang mit gewaltbereiten Fans ist für beinah jeden Verein schwierig. Das muss man mal deutlich so sagen. Man kann meistens keinen Konfrontationskurs gehen, da man dann meistens falsche Solidarisierungseffekte, Stimmungsboykotte und eine Verschließung der Szene erhält. So erreicht man kein Umdenken und auch keine Besserung. Diese erreicht man nur in kleinen Schritten, vielen Gesprächen, vielen Rückschlägen. Und wenn man jahrelang sich auf die Ausreden „das sind keine Fans“ oder „die sind sonst nie da“ zurückgezogen hat, dann macht man es alles nicht besser. Und das ist alles nix, was Hansa Rostock exklusiv hat oder mehr gemacht hat, als andere Vereine. Auch ist es ja nicht so, dass Hansa nun eine Sondersituation in Sachen Fangewalt ist. Da gibt es genügend andere Vereine, wo ebenso alles mögliche geht. Hallo Frankfurt, sage ich nur und auch das ist nicht exklusiv. Rostock ist nur deswegen auch in unserem Brennglas, weil es unser regionaler Gegner ist und weil die Szene relativ klein ist und deswegen eine Auffälligkeit sehr stark auffällt.

Dies alles vorweg gesagt versucht Hansa nun seine Fanprobleme irgendwie in den Griff zu bekommen und frisst (wie wahrscheinlich beinah alle Vereine) seine Versäumnisse der Vorjahre. Nun hat man einen Kodex aufgelegt, der auch die Fanprobleme in den Griff bekommen soll. So etwas ist aus meiner Sicht Symbolpolitik und nützt den Vereinen gar nix. Gerade nicht, wenn das ganze auch noch so dehnbar ist, wie in diesem Fall. Mir gefallen diese öffentlichen Verkündigungen nicht. Das hilft nicht. Und bei Begriffen wie „Heimat“ krempeln sich mir immer die Fußnägel hoch. Der Dialog an sich, der dahinter steht, der geht aber in die richtige Richtung. Nur so kann man was erreichen. Mal sehen, wie unser Besuch in Rostock wird.

Was man aber auch sehen muss ist, dass der Dialog auch deswegen stattfindet, weil Hansa zur Zeit für den Fanblock keine Dauerkarten verkaufen will, wahrscheinlich weil dieser direkt neben dem Gästeblock liegt. Was nebenbei ja auch bekloppt ist. Mal sehen, wie es weiter geht.

Aber nochmal: Wir haben bei Hansa keine Sondersituation. Und bevor Fans „Repressionen“ brüllen: An die eigene Nase fassen. Bei jeder noch so kleinen Gelegenheit die Wildsau spielen, macht das alles nicht besser. Aber auch dies gilt für beinah alle Fans.

Frauenfußball-WM

Was soll ich schreiben? Erstmal glaube ich, schreibe ich nix, aber ich denke es wird während des Turniers noch genug Gelegenheiten geben. Ich finde die ganzen Herabwürdigungen (jaja Hr. Rosberg, im Kreis fahren können scheint nicht wirklich Gehirn zu erfordern), die falschen Vergleiche mit Männern und die Reduktion auf Aussehen und/oder Attraktivität zum kotzen. Viel Glück allen Teams und ich hoffe auf viele spannende Spiele. Und ich denke, dass kann dieses Turnier mit ungefähr 5 bis 6 möglichen Titelträgern sehr gut leisten.

Hamburg, deine Veranstaltungen

Ich glaube niemand will Hamburg als reine Schlafstadt und niemand will, dass Hamburg ohne Großveranstaltungen abgeht. Aber man sollte sich wirklich fragen, wo denn die Zumutbarkeitsgrenze ist. Ich war das Wochenende wirklich nur kurz in der Stadt, aber wenn brüllend laute Harleyfahrer einem das Gehör zertrümmern, dann hat das nix mit Freiheit, nix mit kultigem Event und auch nix mit ganz toll zu tun, sondern dann ist es nur noch Scheiße. Ich habe den Kiez nicht betreten, aber ich kann es mir vorstellen. Und wer diesem Viertel bereits nächste Woche das nächste lärmende Großereignis zumutet, den kann man nur für bekloppt halten. Nein, ich will kein ruhiges Bonzen St. Pauli, aber es gibt bei allem Grenzen. Und die sind hier weit überschritten.