Jun 072011
 

oder

Der alljährliche Festivalbericht

Vorwort

Einmal pro Jahr müsst ihr den Festivalbericht ertragen und nun ist es wieder so weit. Wie üblich als Festival light, da ich echt zu bequem geworden bin zu zelten. Also wieder zu meiner Gastgeberin nach Nürnberg. So richtig mit wollte sonst keiner, was wahrscheinlich daran lag, dass die gesamte Entourage in 14 Tagen erneut nach Franken aufbricht und zwar um meine Gastgeberin mit unserem Taxi zu vermählen.

Dies ist nebenbei unser verflixtes siebtes Jahr, wenn wir uns also zwischendurch zerstreiten, dann liegt das daran. Die letzten 6 Jahre und 2002 waren wir auf diesem Festival. Meine Gastgeberin zauberte selbst Nachts beim Fazitbier alle Spielpläne aus der Tasche.

Ansonsten guck ich mal, was für Nachrichten übers Wochenende so über unseren geliebten Fußballclub in die Welt kommen und werde auch die kommentieren. (Nachtrag: keine, also wenn ihr das sucht nicht lesen) Ich hoffe an der elektronischen Tickets Veranstaltung teilnehmen zu können, so dass ich dann auch darüber etwas sagen kann. Die grenzenlose Begeisterung, die bisher geäußert wird, kann ich noch nicht so wirklich teilen.

Das Vorspiel

Rock im Park. So richtig perfekt ist das alles nicht. Das Ticket kostet so grob einen halben Hartz 4 Satz (was nebenbei zeigt, wie brutal Hartz 4 insbesondere Jugendliche ausgrenzen kann) und auch das Programm geht eher in Richtung Pop im Park. Da wäre das Hurricane dann doch spannender gewesen, aber da war wieder mein Problem mit dem Zelten. Mal ganz davon ab, dass dieses Jahr mir der Termin so gar nicht passt.

Die Hinfahrt ohne menschliche Begleitung war eher eintönig. Aber außer einem Stau bei Kassel relativ flüssig. Ich hatte schlimmeres erwartet. Okay, dafür hatte sich bei Kassel ein holländisches Gespann aber so richtig zerlegt, so dass zwischendurch nur eine Spur frei war.

In Nürnberg angekommen ging es erstmal in die örtliche Gastronomie, auch Landbierparadies genannt. Leckere lokale Biere vom Fass und gutes Essen sind das Markenzeichen dieser Kette. Kann ich absolut nur empfehlen. Auch gerade kann man immer wieder neue Biere probieren, auch wenn es diesmal so war, dass mir ein Bier so gar nicht schmeckte. Aber das ist ja das spannende am probieren.

Die Bettschwere war erreicht und so konnte der Freitag kommen.

Freitag, der Kuriositäten Tag

Das Bett war wie immer sehr bequem, nur die Typen, die Nachts vor dem Fenster rum randalierten, sorgten schon einmal für Festivalfeeling. So wachte ich Nachts dann doch ein paar mal auf, aber Morgens war ich eigentlich sehr fit. Meine Gastgeber mussten sich noch der abhängigen Lohnarbeit widmen, so dass ich mich langsam lauffertig machte und erstmal eine kleine Runde drehte. Diese führte mich zum Festivalgelände, denn viel mehr als 2 KM sind das nicht von dem, wo meine Gastgeberin wohnt. Auf den Zeltplätzen gähnende Leere, was wahrscheinlich auch zeigt, dass ein nicht wirklich attraktives Programm gepaart mit einem hohen Eintrittspreis so langsam seine Wirkung entfaltet. Nun ja, ich würde von Rockern beäugt und drehte meine entspannte 6 km Runde zu Ende und machte mich dann daran fit für den Tag zu werden.

Nur dummerweise umzingelten mich Bären, so dass ich erstmal mich von der Bärenanziehungskraft lösen musste.

Aber wir sind ja nicht zum Spaß hier, also bereit gemacht und ab zum Gelände. Bei der Ausgabe der Bändchen war eine riesige Schlange und meine Gastgeberin wollte schon nörgeln, aber das erstaunliche war, dass das ganze sehr schnell ging. Und das obwohl das wie ein Flaschenhals organisiert wurde, weil es zwar Bändchenausgeber ohne Ende gab, aber nur ein Typ die Karten kontrollierte. So hatte der durchgängig zu tun, aber die Bändchenausgeber eher nicht. In der Schlange ein älteres Ehepaar, was mit den Leuten vor ihnen ins Gespräch kam: Ja, sie seien vor Jahren mal bei Metallica hier gewesen und seit dem kämen sie jedes Mal. Dieses Jahr sei das LineUp aber nicht so gut, aber Coldplay könne man sich ja mal angucken.

Insgesamt war überall sehr viel Platz. Auf den Camping Plätzen und auch vor den Bühnen. Nun weiß ich nicht, ob eventuell hier auch die LoveParade eine Rolle spielt oder ob eben doch sehr wenig Tickets verkauft wurden. Offiziell wird der Veranstalter sowieso nicht sagen, wie viel er wirklich verkauft hat. Der Veranstalter hat viel versucht Wildpinkeln zu verhindern u.a. Planen gespannt und viele Schilder aufgehängt. Nur die effektivste Methode, nämlich einfach mal mehr Klos aufzustellen, die hat er wieder nicht versucht.

Musik? Ja gab es auch und dazu kommen wir nun. Ich verändere etwas mein System und schreibe nur grob, was die für Musik machen und wie es war.

Escape the Fade

Kopfwippmetal. Man packt so alle Riffs in Lieder, die in den 90ern Jahren funktionierten und fertig ist Escape the Fade. Dazu noch ganz viel Schminke und ein Blutplakat als Hintergrund. Feststellung Nr. 1: Es wird höchstens noch zwei Jahre dauern, dann tun sich Leute wieder bunte Tücher an die Mikrofonständer, drehen Lockenwickler ins Haar und tragen bunte Leggins. Feststellung Nr. 2: Unterhaltsam ist so etwas.

Sevendust

Ja, wollten wir ja auch noch etwas von sehen, aber irgendwie kamen die nicht. Das habe ich auch auf einem Festival lange nicht erlebt, dass eine Band zu spät kommt.

Oh, Napoleon

Aus meiner Twittertimelinie schwärmt jemand für diese Band und ich bin ja neugierig. Und die machen auch ganz netten verträumten Mädchenpop. Aber hier ist nett leider irgendwie doch die kleine Schwester von Scheiße, denn es fehlt das gewisse Etwas. Der Sängerin fehlt einfach irgendwie das Rampensaugen.

Das Konzert fand auf der Clubstage statt. Bevor ihr euch da nun etwas freakiges vorstellt, das ist die Halle der Thomas Sabo Nürnberg Ice Tigers (sorry, aber da musste ich jetzt mal den vollständigen (Sponsoren-)Namen nehmen), sprich eine Eishockeyarena. Lustig, wenn man eben noch in der prallen Sonne sitzt und nun in einer kühlen dunklen Halle. Meine Gastgeberin war hier schon mal wegen Rauchens rausgeflogen und nun rauchte da ein Ordner. Das konnte sie nicht auf ihrem Gerechtigkeitsgefühl sitzen lassen und sprach ihn an. Folge: Er rauchte weiter, aber versteckter.

Hurts

Weh tun die irgendwie nicht. Ganz netter 80er Jahre Synthiepop, aber mir teilweise mit zuviel Schmalz versetzt. Die Band inklusive Geigerinnen und Tänzer durchgestyled in schwarz-weiß und Abendgarderobe. Alles sehr unterhaltsam und der Typ ist auch eine Rampensau, aber wie schon gesagt, teilweise etwas sehr viel Schmalz.

Etwas war auffällig. Im Gegensatz zu den Vorjahren weniger Freaks, weniger vollkommene Alkoholleichen. Das Publikum insgesamt älter. Viele alte Paare, teilweise ganze Familien. Also ein Typ im Borat Badeanzug und ein T-Shirt Aufdruck „Der Kopf tut weh, die Füsse stinken, Zeit ein Bier zu trinken.“ gab es dann doch zu bewundern und natürlich die vollkommen besoffenen Männergangs. Aber eben nicht mehr so viele und so extrem wie in den Vorjahren.

The Kooks

Endlich wieder Britpop. Okay, die Hälfte der Lieder kannte ich, aber bis heute wusste ich nicht, dass The Kooks diese verbrochen haben. Wenn man nun auch nur irgendwas von den Ansagen verstanden hätte, dann wäre es richtig gut gewesen. Brighton, i can not understand, what your people are talking.

Mit dem Ende dieser Band musste ich ganz schnell weg. Galt es doch soviel Platz zwischen mir und den Söhnen Mannheims zu legen.

Der Platz der Wahl war der Biergarten der Eishockeyarena. Lustige Geschichte: Das Catering ist an Beck’s verkauft, die schlecht gezapftes Beck’s 0,4 Liter für 3,80 anbieten. Zu der Arena gehört aber ein eigenes Catering, welches da so einen Beachbiergarten betreibt. Und diesen kann man nicht einfach zumachen, wenn man die Arena mietet. Mit dem Ergebnis, dass es da auch Bier für 3,80 gibt, aber 0,5 Tucher. In anderen Bechern und gut geschenkt. Ein eigenes Catering haben die auch mit ganz leckeren Sachen.

Wir saßen da mit einem Kollegen meiner Gastgeberin, einem echten Veteranen, der bereits Bob Dylan auf diesem Gelände gesehen hat. Das war dann mal gepflegt 1978. So kann er jetzt schon mit seiner Tochter zum Festival gehen. Erstaunlicherweise haben Tochter und Vater grob den gleichen Musikgeschmack.

Kraftklub

Deutschsprachiger HipHop/Crossover aus Chemnitz. Name ist Programm, die Jungs haben eine unbändige Energie und sind eine sehr klasse Liveband. Wenn die so weiter machen, finden die definitiv ihren Platz in der deutschen Musikszene Was bei einem solchen Liveauftritt nicht zu überprüfen ist, ist die political correctness. Ich bin bei so etwas ja übervorsichtig und wenn da eine Band aus Chemnitz in schwarz-weiß-rotem Bühnenoutfit spielt, dann ist bei mir sofort vorsichtig angesagt. Gegoogled bekommt man nix und auch die weiteren Tourdates (u.a. Reeperbahnfestival) scheinen okay, aber bevor ich die Texte nicht gelesen habe, würde ich keine uneingeschränkte Empfehlung geben.

Coldplay

Bunte Säure mit einem vollmundigen Körper, aber sehr überraschend im Abgang. Eine spielfreudige Truppe hat 90 Minuten Zeit für ihr Programm. Mit einigen lustigen Ansagen und eigentlich sehr natürlicher Körpersprache spielt sich sie anscheinend gut aufgelegt durch ihr Grundprogramm und nach einer Stunde sagt der Sänger Martin „See you soon, Maybe in five Minutes“, okay normales Programm. Man macht Pause und macht dann einen Zugabensatz, der eben etwas länger dauert. Sie kommen wieder auf die Bühne und plötzlich ist die Spielfreude und alles weg. Es wird noch kurz zwei Lieder runtergeschrabbelt und dann verschwindet man mit einem „Tschüss“ im Dunkel. Und das 15 Minuten vor dem offiziellem Ende. Das habe ich auch noch nicht erlebt und das ist ja auch schon wieder ein echtes Kuriosum.

Abmarsch und nun fielen dann doch einige Alkoholleichen auf. Aber wie schon gesagt: Viel weniger als in den Vorjahren. Unser Taxi stand schon bereit und zu Hause wartete der Absacker. Und noch ein Absacker und noch einer. So fiel man dann doch fertig ins Bett.

Samstag der Ihr könnt nicht klatschen und der Weltuntergang ist verschoben Tag

Man ich bin alt. Am morgen musste ich erstmal meine Knochen sortieren und ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass ich ganz schön zerschlagen aussah. Okay, dann hau ich mich noch eine Stunde auf’s Ohr. Aus der Stunde wurden zwei und gegen 9 war dann doch mal aufstehen angesagt. Eigentlich wollte ich joggen und dann Brötchen erlaufen, aber das war irgendwie nicht möglich. Also erstmal duschen und dann laufen. Die Runde wurde die kürzeste seit Jahren, denn ich glaube ich bin seit mindestens 9 Monaten nix unter 4 KM gelaufen, außer ich bin nach einem Wettkampf ausgelaufen. Aber mehr als 3 km in einer langsamen Pace waren nicht drin. Ich spürte doch, dass einen ganzen Tag rum stehen in der Sonne keine gute Laufvorbereitung ist. Von alkoholischen Getränken mal abgesehen. Aber einmal wie ein Keniate fühlen, locker Laufen mit Brötchen in der Hand. (Bevor ich jetzt hier Rassismus vorgeworfen bekam: Es gab in den 90er Jahren einige Läufer aus Kenia, die Weltrekorde liefen und dabei im Gesicht und in der Körperhaltung so entspannt aussahen, als ob sie gerade Brötchen holen.)

Dann war erstmal Sofachillen angesagt.

Ab zum Festivalgelände. Es gibt zwei Möglichkeiten vom Dokuzentrum zum Festivalgelände zu kommen. Bei der einen Möglichkeit muss man durch die Parkplätze und Zeltplätze und kann sich das Chaos ansehen. Nun ist so ein Festival immer ordentlich Dreck, aber warum in Herrgottsnamen (wir sind hier immerhin in Bayern) muss man das ganze noch auf die Palme treiben und sich wie eine Wildsau benehmen? Bei einigen Gruppen hat man das Gefühl, die finden es toll sich im Dreck zu suhlen. Und nein, glaubt nicht, dass das zwingend reine Männergruppen sind.

Auf dem Gelände sind mehrere Boxentürme aufgestellt und bei jedem dieser Boxentürme befindet sich ein Ordner. Schichtzeit: 11 bis 11. Und das in der prallen Sonne und ohne Möglichkeit sich bei Regen unterzustellen. Immerhin kommt so alle 90 Minuten ein Springer, so dass die sich mal kurz frisch machen können. Trotzdem ein ziemlich harter Job, wenn mich jemand fragt. Und ich behaupte mal, dass man damit keine Millionen verdient.

Millencollin

Punkrock. Und zwar das volle Brett. Alte Herren, die rocken. Und die wahrscheinlich aus Schweden sind. Zumindest erwähnte er ungefähr 100 mal, dass sie Millencollin aus Schweden seien. Kann vielleicht mal jemand bei Gelegenheit googeln, ob die aus Schweden sind?

Während die spielten kam von rechts der Weltuntergang auf das Festivalgelände zu und alles sah wie ein richtig fettes Unwetter aus. Aber in letzter Sekunde drehte das ganze ab und eine Minute Wind und Regen waren alles, was wir abbekamen. Außer 2002 haben wir in sieben Jahren nebenbei noch kein einziges vollkommen trockenes Rock im Park mitbekommen. Irgendwie hat es immer geregnet. Mal stark, mal nur ein bisschen, aber immer Regen.

Avenged Sevenfold

Man sind die Böse. Bzw. wollen es sein. So Death/Speed/was auch immer Metal, ganz eingängig und nett anzuhören, aber mir auf Dauer viel zu Bedeutungsschwanger.

Volbeat

Schweinerock. Ziemlich cool. Ich kannte vorher immer nur deren Radiohit und der ist langweiliger als die restliche Performance. Die haben sehr viel Social Distortion gehört und ein bisschen Cash und Elvis und fertig war die Mischung. Der Sänger leerte dazu noch eine Jacky Flasche pur. Entweder das war gespielt und nur farbiges Wasser oder der junge Mann hat ein Problem ohne Alkohol. Immer wohl gesagt, er macht das bei jedem Konzert.

Beatsteaks

Nein, ich werde mit dieser Band nicht warm. Und ich befürchte, sie können nicht einmal was dafür. Die spielen ihren Set solide runter und auch von der Bühnenshow ist das eigentlich alles ganz okay, aber es kommt bei mir nicht an. Ich vermisse da irgendwie immer das Herz. Klar haben die einige sehr gute Lieder, die auch wirklich schön sind, aber insgesamt langweile ich mich bei denen irgendwann immer. Sehr lustig war, dass der Gitarrist „Hey du“ vortrug und aus dem Takt kam, weil das Publikum so etwas von grauenhaft daneben klatschte. Erstaunlich nebenbei, dass er und noch ein zwei andere Leute ohne die modernen Knöpfe im Ohr spielte. Die haben ja den für einen Musiker nicht ganz unwichtigen Vorteil, dass man die Lautstärke ziemlich gut regulieren kann.

System of a down

Leck mich am Arsch, was war das denn bitte? Vier Leute, eigentlich keine Showelemente, da auf aufwändiges Licht ebenso verzichtet wird, wie auf Pyro und Konsorten. Und die vier schaffen es die Bühne absolut zu füllen und alle mitzureißen. Was für ein Hammer war das bitte? Viel Ansagen haben die nicht gemacht, weder sich noch dem Publikum eine Pause gegönnt und auf Zugaben wohl bewusst verzichtet um den Set durchzubekommen. So habe ich das mal gedeutet. Ich denke mal, dass die wenn sie alleine spielen nicht viel mehr Lieder spielen, aber dann etwas mehr reden, denn in den Songs wurde schon reichlich mit dem Publikum interagiert. Das Konzert war der absolute Hammer! Spannend auch, dass der sonst bei Metalbands übliche ständige Instrumentenwechsel bei denen relativ wenig stattfindet. Ich hatte eigentlich nicht viel erwartet, vor Jahren habe ich noch geschrieben, dass die Band eher anstrengend ist, aber das war so etwas von mitreißend. Sollten die auf Hallentour kommen: Hingehen!

Danach würde mal wieder ein Fahrbier geordert, wir nahmen diesmal aber die Bahn und zu Hause wurde dann noch mal gepflegt der Tag begossen. Dies in einer brütenden Nacht auf dem Balkon. Die Nachbarn hatten so wenigstens ein bisschen Rock im Park Feeling.

Sonntag, der Feststellungstag

Wir stellen fest: In Bayern muss es in Rockerkreisen innerhalb der nächsten 9 Monate zu einer riesigen Geburtenrate kommen. Nein, nein, kein Rudelbumsen bei Rock im Park, dafür war es bei einer hohen Anzahl von Festivalbesucherinnen zu spät. Sprich: Sehr viele schwangere Damen. (Man entschuldige mir die flapsige Sprache)

Wir stellen fest: Wer nicht schwanger war, hatte beinah zwingend eine frische Wunde oder einen frisch gegipsten Arm/Bein. Anscheinend auch nicht vom Festival selber, sondern vorher, aber vielleicht ist das normal und uns nur aufgefallen, weil wir zwischenzeitlich uns mal gelangweilt haben.

Wir stellen weiterhin fest: In Nürnberg ist die Welt noch in Ordnung. Wir gehen traditionell Sonntag morgens immer in das Wanner (was gar nicht mehr so heißt) ein Biergarten und Ausflugslokal direkt am Dutzendteich. Eigentlich sehr nett und für ein Ausflugslokal auch relativ billig. Aber wenn man um 11:30 da normal essen will, dann hört man „warmes Essen gibt es erst um 12, vorher haben wir nur Frühstück.“ Da ist die Welt noch in Ordnung. Okay, dann gab es eben Weißwürste vorab.

Wir stellen fest: Wenn du drei Tage am gleichen Gitter stehst, dann grüßt dich am dritten Tag der Ordner.

Wir stellen zuletzt fest, dass dieses Festival sehr viel Geld an den Wettergott gezahlt hatte. Zwei riesige fette Gewitter an diesem Tag. Eines irgendwie so gegen vier, das zieht knapp vorbei. Das zweite startete kurz nach 11, da waren die Open Air Konzerte größtenteils vorbei. Okay, die auf Montag campenden werden ordentlich noch was abbekommen haben, aber wenigstens konnten die Konzerte trocken beendet werden.

Thees Uhlmann & Band

Thees ist Thees und klingt auch ohne Tomte wie Thees mit Tomte. Also hörbar und sehr nett. Warum er das nun als Soloalbum gemacht hat, ist mir nicht klar, denn künstlerisch irgendwas anderes, scheint er nach dem Liveeindruck hier nicht gemacht zu haben. Die Ansagen auch wieder köstlich. Beispiel: Er ist Opener, es stehen vielleicht 200 Leute vor der Bühne auf einer riesigen Centerstage. „Ich mag diese kleinen Konzerte. Mit 90 % von euch bin ich wahrscheinlich bei Facebook befreundet. Internet, I love it.“

Wir hatten nun ein zeitliches Loch und da wir heute doch einen sehr langen Tag vor uns hatten, guckten wir keine unbekannte Band, sondern setzten uns in den Biergarten der Arena (siehe oben). So wurde auch der kleine Regen zwischendurch überstanden.

Madsen

Der bei Madsen im aufhören begriffen war. Naja, was soll ich sagen. Nett Konfetti und ein gutes Songwriting haben die auch. Nur Gesang und Text sind so nicht meines. Und teilweise kommen die auch zu albern von der Bühne runter. Vor Jahren habe ich die mal als Opener auf einer leeren Hurricane Hauptbühne gesehen. You come a long way, baby.

The Gaslight Anthem

Oh ha, heute ist Dienstag und ich kann man nicht mehr an diese Band erinnern. Das nennt man dann wohl „nicht gerade im Ohr geblieben“. Mal kurz mein eigenes Gedächnis namens Twitter aufschlagen: Okay, jetzt kommt die Erinnerung wieder: Amirock und zwar richtig. Ich hätte jetzt beinah Bruce Springsteen auf Speed geschrieben, aber das wäre gemein. Bemerkenswert: Es hing eine St. Paulifahne (wohlgemerkt die Wappenfahne in braun-weiss) über der einen Monitorbox, während die Band spielte.

Social Distortion

So sieht man also als Punker aus, wenn man in die Jahre gekommen ist. Aber die alten Herren boten Schweinerock vom feinsten. Sehr unterhaltsam. Und so ungefähr jedes dritte Lied wird im St. Paulizusammenhang von irgendwelchen DJs aufgelegt.

So langsam mussten wir dem Wochenende Tribut zollen, man wird halt nicht Jünger. Es wurde so ein bisschen Abhängen im Park statt Rock im Park. Unser Taxifahrer und der Bär haben uns aber zwischendurch unterhalten, in dem sie über Eisenbahnen fachsimpelten. Beweisbild:

Die weiteren Bärenbilder behalte ich aber für mich, aber unser Taxi und der Bär hatten anscheinend sehr viel Spaß zusammen.

Mando Diao

Ach die sind ja gut, aber irgendwie kickt das so auf Halbstrom nicht. Rockband bleib bei deinen Leisten mag man brüllen. Unplugged ist eine schöne Idee von MTV, aber es trägt nur bedingt eine Tour. Dafür müsste man aus den Liedern schon etwas ganz anderes machen und sie nicht nur einfach langsamer und halbakustisch spielen. So bleibt das irgendwie zwischen künstlerischem Offenbarungseid und Geldschneiderei. Okay, die hatten Spaß auf der Bühne, ich vor der Bühne eher nicht. Und dabei mag ich die Band eigentlich.

Kings of Leon

Man, was für eine großartige Nummer. Der Sänger spielt keine Konzerte, nach seinem Gesichtsausdruck durchleidet er Konzerte. Und zwar so richtig. Aber selbst ihm huschte ein sehr deutliches Lächeln über die Lippen. Die anderen drei Herren aus der Followill Sippe hatten richtig Spaß. Nebenbei eine sehr interessante Frage: Was hat wohl Mama Followill gesagt, als Caleb, Jared und Nathan zu ihr kamen und sagten „Mama, wir werden nun Rockstars. Und Cousin Matthew nehmen wir auch mit.“

Und erstaunlich, dass eine drei Brüder Band funktioniert. Und das tut sie. Der Sänger hat auch live eine Stimme zum niederknien und der Rest der Band blühte vor Spielfreude.

Der Sänger erwähnte auch, dass es ihnen bei Rock im Park sehr viel mehr gefallen hätte, als bei Rock am Ring am Tag vorher. Das mag man sehr gut als Rockstarpose abtun, was uns aber auffiel, dass dies an diesem Wochenende insgesamt drei Mal von der Bühne geäußert wurde bei Centerstagebands. Und es kam hier auch ehrlich rüber. Entweder der ist ein wirklich guter Schauspieler oder der langgestreckte Zuschauerraum bei Rock am Ring kommt bei den Bands nicht so gut an.

Danzig

Die Energie dieses (noch) 55jährigen haben viele 20 jährige nicht. Leider zwang mich mein Knie irgendwann in die Knie, so dass ich nicht den ganzen Auftritt gesehen habe. Er kam auch nur zwei Minuten zu spät (Information für @peer_arne , der mal zwei Stunden auf ihn gewartet hat).

Montag, der Fazittag

Seit Jahren hat das Festival die gleichen Mängel, wobei dieses Jahr der Sound auf der Centerstage keiner mehr dieser Mängel war. Zuwenig Toiletten gibt es immer noch und das Catering ist einfach teuer und das Essen (soweit probiert) einfach schlecht. Das ganze ist wohl zentral an Beck’s verkauft, die dann mit Subunternehmern arbeiten, da sollte sich Rock am Ring mal überlegen, ob es nicht bessere Ideen gibt.

Insgesamt hat es wieder sehr viel Spaß gemacht und vielen Dank an meine beiden Gastgeber, die sich erneut als großartiges Headquarter zeigten. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr. Dann sind als Headliner schon einmal die Toten Hosen gebucht. Ich würde gerne noch mal die Arctic Monkeys live sehen. Sonst fällt mir zur Zeit keine Band ein, die ich noch nie live gesehen habe, aber mal unbedingt sehen will. Außer The Smith natürlich. 😉

Jetzt habe ich irgendein Fazit vergessen, aber egal.