Jun 262011
 

oder

Erste Testspieleindrücke

Vorwort

Liebe Leser, es gibt mal wieder ein großes Sammelsurium an kleinen Themen. Aber vorab noch ein letzter Gruß in die Weiten Hessens, wo der meistgelesene Blog über unseren braun-weißen Verein Lebewohl gesagt hat. So oft ich mich mit der Macherin inhaltlich zoffe, so sehr ich viele Meinungen einfach nicht teile, sie war eine Stimme und diese Stimme hat (zur Zeit?) keine Kraft mehr weiter zu machen und dies ist sehr schade und man kann nur hoffen, dass sie vielleicht anders weiter macht oder nach einer Pause an dieser Stelle weitermacht. Denn seien wir ehrlich: Die Diskussion zwischen unterschiedlichen Meinungen, auch das ist St. Pauli. Alles Gute und man sieht sich in irgendwelchen schummrigen Kneipen oder schummrigen Stadien. Oder auf dem Ponyhof.

Was haben wir noch? Ein paar Worte zum Testspiel in Lüneburg, ein paar Worte zum Copyright auf Spielpläne, ein paar Worte zur DFL, ein paar Worte zum ETV, ebenso ein paar zu Hansas Kodex und vieles anderes vielleicht.

In der Hasenburg

Eigentlich beinah jedes Jahr machen wir ein Testspiel bei Eintracht Lüneburg. So kennt man den Ort schon in und auswendig, aber da mein Auswärtsmitfahrer in Lüneburg lebt, bin ich trotzdem hingefahren. Immerhin spielen wir im August auch noch bei Hansa / LSK oder wie auch immer Lüneburg. Ich höre die Stories des Lüneburgers Fußballs immer sehr gerne, aber so richtig verstehen tue ich das nicht. Ich würde ja gerne mal bei MTV Treubund Lüneburg spielen, alleine schon für den Namen. Oder wir werden mal politisch und spielen mal bei Dynamo Lüneburg. (Nebenbei: Ich finde sowieso, dass wir mal ein Spiel gegen einen der Roten Sterne Vereine machen könnten. Wie wäre es mal mit einem Testspiel bei Roter Stern Leipzig? Nur mal so als Symbol und ohne die ganze Kohle einstreichen zu wollen. Das wäre mal „non established“. Siggy bitte übernehmen. Oder wie wäre es mit einem Hassduell gegen Roter Stern NordOst Berlin ;-). )

2.700 Zuschauer hatten nix gegen Wiederholungen und so kam es zu einem lauen Kick bei Wetter, dass glücklich die ganze Zeit trocken blieb. Ich empfinde es immer als schwierig aus solchen Testspielen viele Konsequenzen zu ziehen. Ich versuche mal das meiste positiv bzw. nach vorne zu formulieren, denn ich empfinde es als falsch Spieler aufgrund solcher Eindrücke zu verdammen. Ich empfand Takyi als nicht voll bei der Sache. Ich denke, dass ihn dieses Wechselgespiele doch deutlich mitnimmt. Ich denke, er wäre für uns ein sehr wertvoller Spieler, aber nur, wenn er den Kopf komplett frei hat. Schachten ist sehr schnell, aber da sprangen mir doch zu viele Bälle noch zu weit weg. Auch hier noch fehlende Konzentration? Positiv fiel mir Herber auf. Der Junge wirkte nach einem Trainingslager nicht nur schlanker und athletischer als beim Auftakttraining, er hat auch spielerisch und läuferisch was drauf. Ist natürlich noch ein weiter Weg für ihn, aber da kommt jemand mit Talent und anscheinend auch mit einer Arbeitsmoral. Bleibt hoffentlich so. Kalla spielte 90 Minuten, mal links, mal rechts, machte seine Sache okay. Funk spielte ebenso 90 Minuten, kassierte dumm eine rote Karte, da lies er sich dämlich überlaufen. Das ist umso ärgerlicher, weil er mir sonst eigentlich vom Überblick und vom Spielverständnis gefiel. Saglik deutete an, was er kann, es fehlt da aber teilweise noch die Laufwegsfeinabstimmung. Aber der Typ ist so ein Strafraumschwein, das können wir schon sehr gebrauchen. Nur muss Ebbers dann auf die ungeliebte 10 und da sah er nur so lala aus. Wer absolut positiv überraschte war Naki. Der lief mehr, als in der ganzen letzten Saison zusammen. Und das mit viel mehr Übersicht, als man von ihm gewöhnt ist. Wirkt da der neue Trainer? So wäre er eine absolute Waffe! Hoffentlich bleibt das so. Und so könnte er ohne weiteres auch den Zentralen hinter den Spitzen spielen. Ja, ich weiß kühner Plan.

Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu erzählen, der Stadionsprecher schwankte zwischen lustig und unerträglich. Lustig, dass er den Elfmeter schon als drin feierte, als dieser gerade gehalten wurde.

Der Spielplan Teil 2

Heute ist der 26.06.2011. Das heißt wir, spielen unser Spiel in 19 bis 22 Tagen. Nur leider wissen wir es bisher immer noch nicht. Und dies obwohl weder UEFA/UI/CL/oderwasauchimmer Cups eigentlich die Terminierung stören können, denn die 1. Liga spielt nicht. Es ist einfach ein unerträglicher Skandal, was sich da die Herren in Frankfurt leisten und eigentlich sollte man in den offenen Widerstand gegen diese Spinner gehen. Es kotzt mich nur noch an, dass man es nicht hinbekommt rechtzeitig Spiele zu terminieren, obwohl es keinen sinnvollen Grund gibt, dieses herauszuzögern. Was ich nicht verstehe ist das Drückebergertum der Vereine. Die können doch auch selber nicht damit zufrieden sein, sie müssen doch auch planen. Mein Vorschlag an die Vereine: Macht eure Daten bilateral aus und sagt der DFL, dass sie euch mal kreuzweise kann.

Und noch etwas versucht die DFL, sie stellt ihren Spielplan unter ein Urheberrecht bzw. weist darauf hin, dass eine Nutzung untersagt ist und will so eine kommerzielle Nutzung verbieten bzw. nur gegen Gebühren erlauben. Sinn soll wohl sein am Glückspielmarkt mitzuverdienen.

Dazu folgende Anmerkungen: Erstmal stellt man nach deutschem Denken nicht etwas unter Urheberrecht, sondern entweder man hat die entsprechende Schöpfungshöhe, dann steht das ganze automatisch unter einem Urheberrecht oder man hat sie nicht, dann kann man noch so häufig da ranschreiben „steht unter Urheberrecht“, man hat es nicht. Der Unterschied ist vielmehr: Mache ich ein Urheberrecht geltend oder verzichte ich einfach drauf?

Man kann sich nun also fragen: Reicht hier die Schöpfungshöhe, die § 4 UrhG bei Datensammlungen verlangt, damit sie einen schützenswürdigen Charakter erhalten. Dazu müsste die Erstellung des Spielplanes eine eigene Schöpfung und einen kreativen Spielraum beinhalten. Wohlgemerkt: Eine reine Zufallsauswahl eines Computers hat diese geistige Schöpfungshöhe nicht unbedingt! Ich bin sehr gespannt, ob die DFL wirklich nachweisen kann, dass sie bei den ganzen Wünschen (die sie ja immer anführt, wenn sie sich gegen den Vorwurf wehrt, dass es nicht schnell genug gehe) noch einen kreativen Spielraum behält und ausübt. Spannend wird dies sein.

Gehen wir jedoch mal davon aus, dass die DFL all dies nachweisen kann und sich auf ein Urheberrecht berufen kann, dann wird sie relativ schnell auch Probleme mit dem Wettbewerbsrecht bekommen. Denn sie ist Monopolist und ob sie wirklich einen exklusiven Vertrag mit einem Wettanbieter schließen könnte, das wird sich dann zeigen.

Ich sage euch ganz ehrlich: Ich kann das juristisch nicht abschließend beurteilen, aber wenn hier mal wieder irgendwelche Juristen sich zu Gefälligkeitsgutachten a la „geht alles“ hinreißen, dann finde ich das bedenklich. Das wird höchstrichterlich zu klären sein und eindeutig ist es eben aus meiner Sicht nicht.

Und natürlich entstehen genau die gleiche Probleme wie bei unseren beknackten AGB, denn de Spielplan würde ich nicht mehr in einen Blog, in eine Fanseite einbinden bzw. abschreibt. Nun wird das bei den meisten Blogs sowieso nicht der Fall gewesen sein, aber es ist mal wieder so, dass auch über jedem Blog, jedem Kalender, der im Hobby erstellt und angeboten wird die Abmahnkeule schwebt und niemand, der dies in seiner Freizeit macht hat die Mittel und die Zeit einen Musterprozess zu führen.

Kleine Anmerkung: Zumindest in England werden die Spielpläne auch ausdrücklich mit einem Copyright versehen, ob und wie hier das Urheberrecht auch durchgesetzt wird, weiß ich nicht.

Will noch jemand DFB Pokal spielen?

Es ist als Außenstehender natürlich sehr schwer nachzuvollziehen, was sich genau beim ETV abgespielt hat. Fußball Hamburg brachte zuerst die Pressemitteilung, was erstmal zu einem Zusammenbruch von deren Website führte. Und wahrscheinlich zu Klickzahlen, welche sich dieses gut gemachte und wenig beachtete Portal nie hat erträumen lassen. Danach meldeten sich Spieler und Trainer zu Wort und in vielen Dingen stehen Aussage gegen Aussage und ich kann nur bedingt beurteilen, wer hier Recht hat.

Was man aber aus der Historie wissen muss ist, dass ETV trotz seiner Größe seit Jahrzehnten kein Fußballverein ist. Geld für Aufwandsentschädigungen etc. wollte man nie investieren, was erstmal okay ist, was aber natürlich in solchen Situationen sofort zu Problemen führt. Schon seit Jahren kann man den ewigen Konflikt Fußballer vs. Gesamtverein von Insidern hören. Und da war die jetzige Mannschaft noch Jugend. Umso erstaunlicher, dass so ein Verein die Idee entwickelt einen teuren Kunstrasenplatz sich zu leisten.

Die jetzige Mannschaft hat zum zweiten Machtkampf gesucht, sie hat ihn einmal gewonnen und wurde dadurch 1. Mannschaft und hat ihn nun verloren. Dieses Risiko mussten die Spieler gewusst haben. Und so haben sie sich auch selbst, ob nun zu Recht oder zu Unrecht um die Chance gebracht Pokal zu spielen. Immerhin waren sie so fair ihren Verein nicht erst nach dem Pokalspiel den Rücken zu kehren, wobei ich nicht weiß, ob dies nach den Statuten des Fußballs möglich gewesen wäre.

Hansa nun mit Kodex

Der Umgang mit gewaltbereiten Fans ist für beinah jeden Verein schwierig. Das muss man mal deutlich so sagen. Man kann meistens keinen Konfrontationskurs gehen, da man dann meistens falsche Solidarisierungseffekte, Stimmungsboykotte und eine Verschließung der Szene erhält. So erreicht man kein Umdenken und auch keine Besserung. Diese erreicht man nur in kleinen Schritten, vielen Gesprächen, vielen Rückschlägen. Und wenn man jahrelang sich auf die Ausreden „das sind keine Fans“ oder „die sind sonst nie da“ zurückgezogen hat, dann macht man es alles nicht besser. Und das ist alles nix, was Hansa Rostock exklusiv hat oder mehr gemacht hat, als andere Vereine. Auch ist es ja nicht so, dass Hansa nun eine Sondersituation in Sachen Fangewalt ist. Da gibt es genügend andere Vereine, wo ebenso alles mögliche geht. Hallo Frankfurt, sage ich nur und auch das ist nicht exklusiv. Rostock ist nur deswegen auch in unserem Brennglas, weil es unser regionaler Gegner ist und weil die Szene relativ klein ist und deswegen eine Auffälligkeit sehr stark auffällt.

Dies alles vorweg gesagt versucht Hansa nun seine Fanprobleme irgendwie in den Griff zu bekommen und frisst (wie wahrscheinlich beinah alle Vereine) seine Versäumnisse der Vorjahre. Nun hat man einen Kodex aufgelegt, der auch die Fanprobleme in den Griff bekommen soll. So etwas ist aus meiner Sicht Symbolpolitik und nützt den Vereinen gar nix. Gerade nicht, wenn das ganze auch noch so dehnbar ist, wie in diesem Fall. Mir gefallen diese öffentlichen Verkündigungen nicht. Das hilft nicht. Und bei Begriffen wie „Heimat“ krempeln sich mir immer die Fußnägel hoch. Der Dialog an sich, der dahinter steht, der geht aber in die richtige Richtung. Nur so kann man was erreichen. Mal sehen, wie unser Besuch in Rostock wird.

Was man aber auch sehen muss ist, dass der Dialog auch deswegen stattfindet, weil Hansa zur Zeit für den Fanblock keine Dauerkarten verkaufen will, wahrscheinlich weil dieser direkt neben dem Gästeblock liegt. Was nebenbei ja auch bekloppt ist. Mal sehen, wie es weiter geht.

Aber nochmal: Wir haben bei Hansa keine Sondersituation. Und bevor Fans „Repressionen“ brüllen: An die eigene Nase fassen. Bei jeder noch so kleinen Gelegenheit die Wildsau spielen, macht das alles nicht besser. Aber auch dies gilt für beinah alle Fans.

Frauenfußball-WM

Was soll ich schreiben? Erstmal glaube ich, schreibe ich nix, aber ich denke es wird während des Turniers noch genug Gelegenheiten geben. Ich finde die ganzen Herabwürdigungen (jaja Hr. Rosberg, im Kreis fahren können scheint nicht wirklich Gehirn zu erfordern), die falschen Vergleiche mit Männern und die Reduktion auf Aussehen und/oder Attraktivität zum kotzen. Viel Glück allen Teams und ich hoffe auf viele spannende Spiele. Und ich denke, dass kann dieses Turnier mit ungefähr 5 bis 6 möglichen Titelträgern sehr gut leisten.

Hamburg, deine Veranstaltungen

Ich glaube niemand will Hamburg als reine Schlafstadt und niemand will, dass Hamburg ohne Großveranstaltungen abgeht. Aber man sollte sich wirklich fragen, wo denn die Zumutbarkeitsgrenze ist. Ich war das Wochenende wirklich nur kurz in der Stadt, aber wenn brüllend laute Harleyfahrer einem das Gehör zertrümmern, dann hat das nix mit Freiheit, nix mit kultigem Event und auch nix mit ganz toll zu tun, sondern dann ist es nur noch Scheiße. Ich habe den Kiez nicht betreten, aber ich kann es mir vorstellen. Und wer diesem Viertel bereits nächste Woche das nächste lärmende Großereignis zumutet, den kann man nur für bekloppt halten. Nein, ich will kein ruhiges Bonzen St. Pauli, aber es gibt bei allem Grenzen. Und die sind hier weit überschritten.

Jun 232011
 

Selten seht ihr hier an dieser Stelle Postings, die einfach nur aus einem Link bestehen, aber heute muss ich das mal machen. Aus Gründen:

Das DFB Pokalfinale von vor genau 38 Jahren.

Gefunden bei Trainer Baade, ein Blog, der zur Zeit eigentlich keine Werbung nötig hat.Sehr groß ist aber das Spielstenogramm unter dem Video. 🙂

Ich will euch nicht verheimlichen, dass ich das Spiel im Original verpasst habe. Ich hatte an diesem Tag ganz andere dringende Termine und befand mich im Amalie Sieveking Krankenhaus in Hamburg Volksdorf mit meiner Mutter ;-).

Und nach all diesen Jahren noch mal ein Dank an meine Eltern, dass sie so null Sympathien zur Borussia hatten, denn so ist mir der Name Günter erspart geblieben und ich bin nach dem richtigen Fußballer benannt.

Jun 212011
 

oder

Der Spielplan 2011/2012

Vorwort

Liebe Leser, wenn ich diese Zeilen verfasse sind es noch genau 24 Tage bis zum frühsten Zeitpunkt unseres ersten Spieles. 31 Tage bis zu unserem ersten Auswärtsspiel. Habt ihr schon einmal versucht in einer solchen kurzen Frist Hotels zu buchen? Das ist die Aufgabe, an der die Reisemarschalls der Bundesliga wahrscheinlich auch ständig verzweifeln. Weniger die vom FCB, die wahrscheinlich irgendso einen super dupa Deal haben und sich noch eine Nacht vorher die besten Zimmer krallen können, aber der vom FSV Frankfurt läuft wahrscheinlich gerade Amok, denn heute hat die DFL aufgeführt, was man nur als Lachnummer bezeichnen kann.

Wir spielen gegen jeden zweimal und es gibt insgesamt 102 Punkte

Vorab: Ich halte wenig von Spielplanmystik. In einer Liga muss man immer gegen alle spielen und wenn man aufsteigen will, dann muss man alle schlagen. So einfach ist das. Und in welcher Reihenfolge die Opfer einem vorgeführt werden, ist prinzipiell egal. Auch gerade weil Ballungen von großen Namen nie heißen, dass man dann auch wirklich starke Gegner nacheinander hat. Man blicke nur auf unser Bundesligajahr, wo Vereine wie Schalke, Werder, Wolfsburg Vereine wurden, die man hätte schlagen müssen, weil sie direkte Konkurrenten waren und Mainz plötzlich in ganz anderen Sphären unterwegs war. Ich verweise da auf die Überschrift, die ich aus dem Forum geklaut habe.

Wichtig bei diesem Spielplan war eigentlich nur, dass wir bei unserem Strafspiel einen Gegner haben, der uns nicht nach Bremen oder so zwingt. Ich denke das ist mit Ingolstadt ganz gut gelungen. In diesem Zusammenhang mal der Hinweis auf Bayern Hof, die sich erfolgreich gegen ein Sportgerichtsurteil gewehrt haben. Leider ist hier nicht das Aktenzeichen des Urteils genannt, so dass es schwierig ist, dies zu recherchieren. Ich werde es trotzdem mal in nächster Zeit versuchen, denn spannend ist das schon. Gerade weil meine Kritik an der Verfahrensordnung des DFB dahin geht, dass diese viel zu wenig bestimmt ist. Wenn ich das Urteil finde, dann schreibe ich noch mal was dazu.

Kommen wir zurück zum Spielplan. Insgesamt ist das eine Veranstaltung mit wenig wirklich substanziellen Infos. Ja klar, man erfährt an welchem Wochenende man gegen wen spielt und ich weiß nun, dass ich eine Wahrscheinlichkeit von 5/9 habe, dass die Spiele bei Union und bei Cottbus nicht sehe, aber das entscheidende fehlt: Die genaue Ansetzung. Denn die interessiert die meisten Fans, denn nur dann können sie wirklich planen. Aber 24 Tage vor dem ersten Spiel ist die DFL außerstande diese entscheidende Frage zu beantworten. Mal unser erstes Heimspiel als Beispiel: Die DB muss planen, die Polizei muss planen, wir müssen planen, unser einmal Gastgeber will planen und vieles ist anders, wenn das Spiel z.B. am Montagabend stattfindet.

Und es kann doch wirklich nicht sein, dass man nun eine solche Veranstaltung macht und am Ende nur ein einziges Spiel wirklich feststeht. Und die eigentlich wichtigen Daten gibt es dann irgendwann in einer formlosen Pressemitteilung.

Hurra, die Sau wird wieder getrieben

Mal wieder wird die Sau „Fußballvereine sollen für die Polizeieinsätze zahlen“ durch das Dorf getrieben. Mal wieder von der Deutschen Polizeigewerkschaft bzw. deren Vorsitzenden Wendt. Dazu folgende Anmerkungen: Seit wann macht sich eine Gewerkschaft eigentlich darüber Sorgen, woher die Mittel kommen, die für ihre Mitglieder ausgegeben werden? Erscheint mir für eine Gewerkschaft eine sehr gefährliche Denke.

Weiterhin ist das eine Milchmädchenrechnung, wenn der Vogel sagt „Milliardenumsätze da kann man auch 50 Millionen zahlen.“. A. Weil das Ausgaben wären, die zu versteuernde Gewinne mindern würden. Sprich: Es blieben keine 50 Millionen netto über. B. Weil Umsatz schlichtweg ungleich Gewinn.

Und noch andere Fragen bleiben:

Polizeieinsätze sind grundsätzlich Dinge, die der Staat kostenfrei bereit zu stellen hat. Dafür verlangt er nämlich von seinen Bürgern Steuern. Ausnahmen gibt es, wenn man einen Einsatz mutwillig herbeiführt oder es eben eine ganz starke Sondersituation gibt. Aber liegt diese denn hier vor? Die Vereine zahlen z.B.riesige Gehälter. Ob nun zu Recht oder zu Unrecht, darüber kann man sehr lange diskutieren, soll aber nicht unser Thema sein. Aber dies alles ist lohnsteuerpflichtig und damit eine richtig fette Einnahmequelle auch für die Bundesländer, welche die Polizei zahlen. Nun die Frage: Wo beginnt eine Unwucht? Wann ist der Service „Polizeieinsatz“ nicht mehr von den gezahlten Steuern gedeckt? Bei 10 Polizisten pro Spiel? Bei 100? Bei 1000?

Man darf folgendes nicht vergessen: Auch hier würde ein Gleichbehandlungsgrundsatz gelten. Und dies hieße, auch das Volksfest, auch der Basar gegen rechts im Osten (Klischee) müsste bezahlen. Ist das dann noch gerecht?

Aber all diese Argumente würde ich ja sofort negieren, wenn folgendes gelten würde: „Wer bezahlt, bestellt.“ Ich weiß nicht, ob die Polizei das will, wenn Fußballvereine wirklich mal hinterfragen, warum bei jedem Pupsspiel hunderte von Polizisten rumgammeln. Ich erinnere immer nur an unser Spiel gegen Werder Zwo mit Wasserwerfern.

Jun 202011
 

Hohenbuchen – Wellingsbüttel

Vorwort

Ich habe mal auf dieser Seite einen neuen Bereich geschaffen. Und zwar den Bereich „Laufen“. Der Bereich „Berichte“ soll damit ein bisschen entlastet werden und eine inhaltliche Trennung geschaffen werden, denn nicht jeden Fußballfan interessiert das laufen und nicht jeden Läufer der Fußball.

Die Daten

Nach meiner Garmin waren es 9,46 km. Ich habe beim Lauf 1:10 gebraucht, weil das ein sehr langsamer von einem harten Wochenende mit 1200 km Autofahren und einer Hochzeitsfeier geprägter Lauf war. Die Strecke ist unbeleuchtet und führt teilweise durch dunklen Wald, so dass sie auch für Dämmerläufe nicht geeignet ist. Einstiegspunkt unserer Laufstrecke ist die Straße Kupferhammer. Da kann man auch parken. Der Parkplatz ist jedoch sehr beliebt, weil dort auch das Restaurant Storcks ist. Falls man dort keinen Platz findet, dann kann man auch beim AWO Kindergarten Hohenbuchen parken. Wer mit dem ÖPNV anreist, kann bis zur Haltestelle Maike-Harder-Weg fahren. Das ist der 276er. Hier die auf gpsies.de gelegte Strecke.

Die Strecke an sich ist Teil der wundervollen Laufstrecke Lehmsahl Mellingstedt bis Ohlsdorf. Auf dieser Strecke trifft der Alsterwanderweg auf ca. 14 km nicht auf eine Straße, sondern bewegt sich mit der Alster in ihrem durch eine Endmöräne geformten Tal. Von einem Flusstal unterscheidet es sich dadurch, dass es breiter ist und nicht steil. Jetzt habt ihr was zu gucken und nachzudenken, wenn ihr die Strecke lauft. Auf diesem Abschnitt findet auch der wundervolle Lauf durchs schöne Alstertal statt und wir laufen heute einen Teil dieses Laufes nur sozusagen von der anderen Seite.

Ich werde euch irgendwann auch noch mal die 15 und 20 km Variante als Beitrag bringen, ich finde es lohnt sich diese aber noch einmal gesondert aufzuschreiben.

Am Kupferhammer überquert man nun also die Straße und findet einen kleinen Weg, der über eine Brücke startet und sich dann direkt teilt, wir laufen nach rechts und hinter ein paar kleinen Häusern längs. Wir kreuzen nach ca. 500m einen Kopfsteinpflasterweg, das ist die Zufahrt zum AWO Kindergarten Hohenbuchen, den ich nur empfehlen kann. Da bin ich nämlich vor 32 Jahren hingegangen.

Und damit hätten wir auch sämtlichen Kontakt mit Autoverkehr hinter uns. Bei der nächsten Kreuzung drehen wir nach links und laufen durch den Hohenbuchenpark. Links von uns liegt die KiTa, die in einem hübschen Haus untergebracht worden ist. Wir laufen über die Freifläche (im Winter beliebte Rodelstrecke) und verschwinden wieder im Wald. Bei der dritten Möglichkeit rechts laufen wir eine steile Rampe herunter und treffen dann auf die Alster, dann nach links und nun kann man bis zum Wendepunkt den gelben Pfeilen an den Bäumen. Diese markieren den Alsterwanderweg und sind meistens auch mit Buchstaben gekennzeichnet, die zeigen in welche Richtung man sich bewegt. In unserem Fall ist das meistens das „O“ für Ohlsdorf, am Anfang teilweise noch das „P“ für Poppenbüttel. Leider sind die Pfeile teilweise lange nicht nachgezeichnet worden und daher schwer zu sehen. Daher folgende Hilfskrücke: Immer dem Fluss folgen und den Weg nehmen, der bei ihm bleibt. Das klappt auch. Auf dem gleichen Weg ist seit neustem auch so ein Pilgerweg ausgeschildert. Die Schilder gehen parallel. Würde man nebenbei hier nach links laufen, würde man in Richtung Duvenstedt laufen, eigentlich landschaftlich auch sehr schön, aber sehr wellig und teilweise mit Treppen unterbrochen, so dass nie ein wirklicher Laufrhythmus entsteht. Ich nenne diese Strecke die „Achterbahn“ und laufe sie nur für eine eigen Art der Intervalle.

Wir laufen aber in Richtung Ohlsdorf. Nach ca. 2 km überqueren wir zum ersten Mal den Fluss, eine Sache, die man sehr häufig auf dieser Strecke macht. Dadurch wird die Strecke auch sehr wellig, was sie anspruchsvoll und intensiv macht. Aber das macht Trainingsstrecken ja aus. Gleich hinter der Brücke wird es etwas matschig, der Weg teilt sich, wir wollen nach rechts. Eine kleine Steigung und man hat einen schönen Blick auf den See vor der Poppenbütteler Schleuse und der Burg Henneberg. Mal wieder Geschichte gefällig? Die ganze Burg ist nur Spielzeug und ist von der Familie Henneberg nachgebaut worden.

Wir laufen aber weiter, lassen die Poppenbütteler Schleuse rechts liegen und überqueren die nächste Brücke. Der Weg teilt sich. Nach links ginge es jetzt in Richtung Alstertal Einkaufs Zentrum, im Poppenbütteler Volksmund auch Ätz genannt. Und das passt auch als Beschreibung. Weg von dem Konsumtempel nehmen wir den weg nach rechts. Es geht unter einer Brücke hindurch, die dunkel ist und bei Hochwasser der Alster auch mal überflutet. Wir unterlaufen gerade den Ring 3, den Saseler Damm und die Bäckerbrücke. Wenn man direkt nach der Brücke links abbiegt kommt man nebenbei zur S-Bahn Poppenbüttel. Natürlich kann man auch hier in die Strecke einsteigen, dann würde man aber 3 km verschenken.

Wir laufen weiter, der Fluss entfernt sich ein bisschen, wir laufen über eine Wiese und kommen zur nächsten Flusskreuzung mit dem Weg. So ist das noch ganz einfach, aber auf dem Rückweg ist diese kurze giftige Steigung der einen Brückenseite echt mies. Am Ende der Freifläche teilt sich der Weg, wir gehen nach links. Nun geht es mal wieder bergauf und bergab. Leider ist der Weg hier teilweise etwas sehr schräg, was ich mit meinen Füssen jedesmal beim durchlaufen merke. Ach ja: Entgegenkommende Läufer bitte grüßen, das gehört sich hier so. 😉

Auf der gpsies Karte seht ihr jetzt einen gelaufenen Kringel (okay, der ist sehr klein, da wo die Straße Grevenau ist und man hart nach links biegt). Wenn ihr hier wenden würdet und genau die gleiche Strecke zurück laufen würdet, dann hättet ihr genau 8 km. Die Stelle ist sowieso verwirrend. Man muss links über die Brücke und direkt nach der Brücke nach rechts. Hier stehen ungefähr jedes mal, wenn ich hier laufe Leute und suchen den richtigen Weg. Und natürlich sind genau hier die gelben Pfeile sehr versteckt. Links von uns ist nun ein Steilhang, der sieht sehr imposant aus, häufig toben Kinder hier. Es geht wieder über eine kleine Holzbrücke und der Weg gabelt sich. Hier könnt ihr beide Alternativen nehmen, es geht einmal „oben herum“, einmal „unten herum“. Beides ist mit einer Steigung verbunden. Ich bin hin unten herum gelaufen, zurück oben herum. Die Wege laufen wieder zusammen und hier kommt eine sehr schöne Waldpassage. Meine Lieblingsstelle. Zu Beginn geht hinter euch links ein Weg den Hügel hoch, wer Bergsprints mag: Perfekter Weg dafür.

Am Ende des geraden Weges gabelt es sich, wir müssen nach rechts, dann nach halblinks, dann nach rechts. Nicht den Fluss queren, dann verlasst ihr das Alstertal. Wenn man am Ende geradeaus läuft, ist es nicht schlimm. Wieder oben oder unten herum. Ich bin so gewendet.

Und dann seht ihr oben links das Torhaus. Sehr hübsches Gebäude. Für die Romantiker unter euch: Hier kann man heiraten. Hier kann man die Strecke auch verlassen und würde S-Bahn Wellingsbüttel raus kommen. Ich bin knapp vor dem Torhaus gewendet, man kann aber auch ein kleines Stück weiterlaufen, dann links und durch das Torhaus wenden.

Nun geht es die gleiche Strecke zurück und weil ich keine Lust mehr hatte, habe ich ein bisschen abgekürzt. Aber würde man genauso zurück laufen, wären es ca. 10,3 km.

Feeling und Fazit

Die Strecke ist anspruchsvoll und wellig. Sie ist landschaftlich das non plus ultra. Wie jede Hin- und zurück Strecke ist das ihr Nachteil. Gerade auf dem Rückweg gibt es einige giftige kurze Steigungen, die einem auf dem Hinweg nicht auffallen. Ein weiterer Nachteil: Bei gutem Wetter ist der Weg sehr gefüllt mit Wanderern, Radfahrern, Hundebesitzern und Walkern. Viele nehmen gegenseitig Rücksicht, einige leider nicht. Erst wenn man weiter laufen würde, würde es etwas unbelebter werden.

Ich bin diese Strecke schon 1 Millionen mal gelaufen, sie ist trotzdem immer wieder schön.

Jun 202011
 

oder

Der irgendwie Unvollendete

Ein offener, fiktiver Brief

Lieber Michael,

nun bist du nicht mehr Nationalspieler. Und irgendwie endet ein weiterer Teil deiner Karriere unvollendet nach 98 Länderspielen. 98 Länderspiele ist eine extrem undankbare Zahl. Denn erneut verpasst du einen Meilenstein ganz knapp. 100 Länderspiele in der deutschen Nationalmannschaft machen einen Spieler unsterblich. Er ist auf Jahrzehnte in aller Munde und gehört zu einem exklusiven Kreis, dem zur Zeit nur 8 Spieler angehören. Und da gehörst du eigentlich hin, Michael.

Über deine Fähigkeiten und deine Nichtfähigkeiten ist viel geschrieben worden in den ganzen Jahren und Kritiker haben dich immer wieder darauf reduziert, dass du kopfballstark bist und einen sehr guten Abschluss hast (nebenbei beidfüssig). Klar, kann man einen Spieler drauf reduzieren, aber ich glaube ungefähr 18 Bundesligatrainer hätten gerne einen Mittelfeldspieler, der diese beiden Fähigkeiten in Perfektion hat und beidfüssig ist. Und läuferisch hat dir in deiner Karriere sowieso nie jemand was vorgemacht. Nein, es gibt bessere Techniker, es gibt größere Leader, auch Leute, die ein Spiel besser dirigieren können, aber hey, nicht einmal Messi kann alles. Die Kombination deiner Fähigkeiten machen dich alleine zu einem Weltklassespieler.

Trotzdem wirst du am Ende deiner Karriere bei keinem Verein die 13 aufgehängt bekommen. Kein Verein wird dich als ewigen Held führen und auch in der Nationalmannschaft gehörst du eben nicht zu diesem Kreis der jetzt 8 Spieler. Aber Schweinsteiger, Podolski und Lahm werden es bald tun. Und das ist gemein.

Du bist häufig gewechselt, etwas, was ich immer für falsch halte, weil ich immer denke, man sollte in seiner Fußballerkarriere irgendwann mal sesshaft werden, aber das ist meine persönliche Meinung, du hast das anders gesehen. Du hast viele Titel gewonnen, bist in England und in Deutschland Meister geworden und viele andere Titel errungen. Nur der große Titel, der internationale Titel, der fehlt. Das geht vielen großen Fußballern so, insoweit ist das eigentlich nicht weiter tragisch, aber wenn man wie du in insgesamt vier großen Finals gestanden hat (ich zähle 2002 trotz der Sperre mal mit) und dann doch immer wieder den Pokal nur in den Händen des Gegners gesehen hat, dann ist das bei einem so großen Spieler einfach nur brutal und prägend. Und wenn man dann noch erinnert, wie Chelsea den Champions League Titel 2008 verloren hat, dann weiß man, dass sich der Fußballgott anscheinend gegen dich verschworen hat. Ich glaube, du wusstest in diesem Moment, dass diese Chance nie wieder kommen wird. Das Gemeine dabei, das verlinkte Foto ist für mich immer noch eines der besten Sportfotos ever.

Daher wird immer von dir als ewiger Zweiter oder als Unvollendeter gesprochen und leider stimmt es. Da helfen die großartigen Spiele, die Titel, das alles hilft nicht. Nah dran und dann doch nicht, das prägt deine Karriere. 98 Länderspiele sind eben nicht 100. Vizeweltmeister, Vizeeuropameister und Vize-Champions League Sieger haben eben alle dieses gemeine „Vize“ davor.

Und nun dieses Tamtam um deinen Abschied in der Nationalelf. Irgendwie ist das auch mies. Der Nationalmannschaftskapitän wird nicht nur in Deutschland, aber gerade auch dort, komplett überhöht. Und daher können Kapitäne nur sehr schwer angemessen aus der Nationalelf verabschiedet werden. Sie werden meistens unwürdig abgesägt, auch weil die meisten nicht merken, dass sie zwar noch ein guter Spieler, aber eben nicht mehr der Leader sind. Ich behaupte mal, wenn du nicht Kapitän gewesen wärst, sondern nur ein „normaler“ Spieler, dann wärst du schon lange wieder berufen worden, wenn auch vielleicht nur als „Ergänzungsspieler“, denn das der Nationalelf ein erfahrener kampferprobter Spieler ab und zumal gut tun könnte, das wird niemand abstreiten. Aber als Kapitän hat man diesen Alles oder Nichts Anspruch. Und alles, nein so dominant bist du auf deiner Position nicht mehr. Insgeheim wirst auch du sehen, dass Schweinsteiger und Khedira einen Klasse Job auf deiner Position machen. Und nur als Ergänzungsspieler? Du würdest es vielleicht akzeptieren, aber sowohl Jogi, als auch du wissen, welche mediale Aufregung dies geben würde.

Ich weiß nicht, wer lügt, ich weiß nicht, was du mit Jogi besprochen hast. Aber dieses Kommunizieren über Pressemitteilungen, das ist doch Scheiße, Michael. Du willst ein Leader sein, du hast doch den Anspruch ein Leader zu sein, da muss man auch mal dahin gehen, wo es weh tut. Und das eben nicht nur auf dem Spielfeld. Fahr in den Schwarzwald, brüll meinetwegen Jogi zwei Stunden lang an, aber dann solltet ihr alle über euren Schatten springen und wenn es dann nach mir ginge, dann solltest du die zwei Länderspiele noch machen. Vollende mal etwas, mache dich mal zu einem vollständigen Gewinner. Ich würde es dir von Herzen gönnen. Die beleidigte Leberwurst steht einem so großen Spieler nicht.

Oder vielleicht bezahlt dich der Fußballgott doch noch und du gewinnst mit Bayer die Champions League.

Hessens Innenminister fordert ein absolutes Alkoholverbot in Stadien

In einem Interview mit der Bildzeitung ein absolutes Alkoholverbot in Stadien gefordert. Bildzeitung? Hessens Innenminister? Ja, das bürgt für Qualität (daher auch der Link auf 11 Freunde). In diesem Interview zeigt Herr Rhein erstmal, dass er und sein Stab keine Ahnung haben, weil sie pauschal Ultras für Gewalt und Homophobie (!!!) verantwortlich machen und für einen Männerkult (leider ist der damalige Aufruf von Ultra Femminile nicht mehr im Orginal zu finden, man scrolle bei dem Link mal ein bisschen). Das ist schon mal ein Hammer. Nein, ich will das Gewaltproblem von Ultras nicht kleinreden, auch nicht die weit verbreitete Homophobie unter Fußballfans und Ultras. Auch sind jugendliche Männer in Gruppen IMMER und schon seit Jahrzehnten problematisch. Aber mit der Pauschalkeule wird man diese Probleme nie in den Griff bekommen. Ich habe genügend Gewalt und insbesondere auch Homophobie von „anderen“ Fussballfans mitbekommen. Vielmehr müsste man die positiven Ansätze mal fördern, auch mal lobend erwähnen, sich mit dieser Kultur wirklich mal beschäftigen und gut und böse wirklich trennen. Dann könnte man vielleicht mal was ändern.

Und dann kommen wir zum Alkoholverbot. Ja, auch ich finde Alkohol in Stadien eher problematisch. Das hat weniger was mit Gewalt zu tun, als mit der Suchtförderung und der pauschalen Behauptung „es gehöre dazu“. Das stört mich. Mich stören auch die ständigen Vollsufftypen, die einfach nerven, der Sexismus, die Homophobie, die häufig genug von diesen Typen ausgeht. Nur die meisten davon sind „ganz normale Fußballfans“, wenn wir Herrn Rhein fragen würden. Ich habe auch viel dagegen in immer mehr öffentlichen Räumen Alkohol zu verbieten. Denn das Problem, dass viele Leute die 3 Stunden Stadionbesuch anscheinend für Alkoholkonsum brauchen, das bekommt man so nicht in den Griff.

Hinzu kommt: Gewalt bekommt man damit nicht in den Griff. Die „harten“ Gewalttäter nutzen sowieso lieber andere Drogen und die Massenphänomene der Aufregung und des Hochschaukelns passieren auch bei Demos, wo alle nüchtern sind. Man muss sich darüber einfach nur mal klar werden. Und man muss sich darüber klar werden, dass man dies nicht durch Repressionen löst. Und auch nicht wildgewordene BFH Einheiten die Lösung sind. Das Phänomen bleibt, geht vielleicht weg vom Fußball oder vom Stadion, aber es bleibt. Die Lösung liegt für mich ganz woanders, sie ist aber nicht Bildzeitungsfähig.

Und noch etwas: Alkohol ist seit langem in deutschen Stadien verboten. Das ganze ist ein Verbot mit einem Genehmigungsvorbehalt. Es ist also etwas einfaches für Herrn Rhein in seinem Verantwortungsbereich die Polizei anzuweisen diese Genehmigungen pauschal nicht mehr auszusprechen. Warum er dies nicht tut? Ganz einfach: Weil dann die Bildzeitung plötzlich ganz anders reagieren würde. „Rhein verbietet uns das Bier zum Fußball“

Ich denke die Lösung des Problems liegt ganz woanders. Nämlich in einer radikalen Abkehr von Repression, in einer radikalen Abkehr von Polizei und Zäunen. In einer radikalen Hinwendung dahin, Ultras, Jugendliche und Fußballfans an sich ernst zu nehmen, einzubinden und auch in die Pflicht zu nehmen. Aber nicht pseudomäßig und ohne Geduld. Sondern wirklich.

Jun 152011
 

oder

Wir haben nicht viel Zeit

Vorwort

Okay, wem geht jetzt der Film durch den Kopf, der von einer Beziehung handelt, die 5 Wochen länger dauert? Aber bevor ihr euch jetzt vorstellt, wie Andre Schubert unsere Jungs mit Eiswürfeln auf dem Bauch für die Saison vorbereitet, sage ich euch lieber, was es diesmal so gibt: Trainingsauftakt, Kollaustraße, Abschiebung, Burschenschaften und Griechenland sind die Themen. Beim letzten Thema tue ich mir ein bisschen schwer, aber das seht ihr gleich.

Trainingsauftakt

Gut 100 Zuschauer und genauso viele Fotografen und Journalisten fanden sich gestern am Sachsenweg ein um dem Trainingsauftakt beizuwohnen. Viele Erkenntnisse gewinnt man bei einem Dehnen und ein bisschen lässigem Trainingsspiel nicht. Wer hier sieht, ob jemand gut aussieht, der kann auch aus Kaffeesatz die Zukunft vorher sagen. Ich würde mir ja mal wünschen, dass an diesem Tag unsere Jungs auch in frischen, neuen Klamotten mit eigenen Nummern auflaufen, aber das wird wahrscheinlich beim FC auf ewig ein Traum bleiben.

Das einzig bemerkenswerte ist, wer bei so Läufen immer vorweg läuft. Bruns und Morena sind da die natürlichen Leader, die sofort sich an die Spitze des Feldes begeben. Die Ansage war, dass einer von beiden das Tempo vorgeben sollte, aber der andere war auch sofort da. Und alle anderen folgten. Naki teilweise mit einem guten Sicherheitsabstand.

Es fehlten Rothenbach, Volz, Zambrano und Hennings. Es ist zu hoffen, dass die alle sehr schnell wieder einsteigen können, denn bei einer Spanne von 4 1/2 Wochen bis zum Beginn der Saison, wird es sehr schwierig, wenn man nur die halbe Vorbereitung mitgemacht hat.

Insgesamt muss einem diese kurze Frist sehr viel Sorgen machen, denn es darf in dieser Zeit nichts schief gehen, wenn man gut auf die Saison vorbereitet sein will. Und vom Start wird bei unserer Truppe viel abhängen. Sollten wir aus den ersten drei Spielen irgendwas zwischen 6 und 9 Punkten holen und sollte Ebbe ein zwei mal dabei getroffen haben, dann kann ich mir schon vorstellen, dass die Jungs sich erneut in einen Rausch spielen. Wenn wir jedoch dann mit 3 Punkten im grauen Mittelfeld hängen, dann wird es eine lange, eine sehr lange Saison.

Nicht fertig?

Und damit sind wir schon beim nächsten Thema, denn unsere Jungs trainieren am Sachsenweg. Nun ist da aufgrund des DFB Stützpunktes garantiert alles vorhanden, was man für ein professionelles Training braucht, so dass ich im Gegensatz zum Abendblatt nicht zwingend von „unprofessionellem Trainingsbedingungen“ sprechen möchte, aber eine Störung ist das natürlich schon. Und eben diese müssen so gut wie irgendwie möglich vermieden werden. Und dies ist insbesondere Aufgabe des Teammanagements.

Wir wissen aber nicht, was genau ein Training an der Kollaustraße hindert. Handelt es sich um Folgen des längerfristigen Umbaus, dann wird man es hinnehmen müssen, sozusagen als „es wird schlechter, bevor es besser wird“. Wenn es sich aber um eine Fehlplanung im kurzfristigen Bereich handelt, dann muss man schon Bedenken äußern. Überhaupt stockt der Umbau der Kollaustraße merklich und hier gilt es von Mitgliederseite sehr kritisch bei den anstehenden Versammlungen der AFM und des Gesamtvereines hinzuhören und nachzufragen.

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Samstag ab 12 Uhr Öffnung des Fanladens beim Brigittenstraßenfest. Vor dem Fanladen gibt es Kaffee und Kuchen zugunsten von Fanräume. Die freundliche und kompetente Standbesetzung wird euch mit leckeren Dingen den Bauch vollstopfen. Kommt alle!

Burschenschaften? Wegfechten!

Vorweg: Es gibt eigentlich nichts unangenehmeres als Burschenschaften. Dieses Männerbündische, dieses auf Saufen Karrieren aufbauen, ist per se schon unappetitlich. Aber wenn es dann noch stramm rechts wird, dann wird es richtig zum kotzen: Wie Spiegel Online heute berichtet, gibt es Streit in dem größten und rechtesten Burschenschaftsverband (Deutsche Burschenschaft) darüber, wer eigentlich „Deutscher“ in ihrem Sinne sei. Man kann nämlich in einer Burschenschaft dieses Verbandes nur dann Mitglied werden, wenn man dem „deutschen Volke“ angehört. Entbrannt ist der Streit wegen der Mitgliedschaft eines jungen Mannes, der aus chinesische Vorfahren hat. Den Rest könnt ihr bei Spiegel Online nachlesen. Trotzdem noch ein paar ergänzende Anmerkungen zu diesem Bericht:

Wie bekloppt ist der Typ bitte, dass er bei diesem Haufen Mitglied sein will?

SpOn zitiert aus dem „Rechtsgutachten“ der Schiedskommission dieses Verbandes und wäre es nicht so traurig, wäre dieser Eiertanz schon wieder lustig: „“Maßgeblich ist die Abstammung.“ Und weiter: „Personen mit mehrheitlich außereuropäischen Vorfahren sind unter Hinweis auf die Abstammungsgemeinschaft eines Volkes dementsprechend keine Angehörigen des deutschen Volkes.“ Die Staatsbürgerschaft reiche nicht aus.“

Ja, ist schon doof, wenn man „Arier“ schreiben will, aber merkt, dass man dann wahrscheinlich die Hälfte der Mitglieder rausschmeißen muss und seine Maske fallen lassen muss. „außereuropäische Vorfahren“? Na das ist ja mal eine sehr lustige Abgrenzung. Ich warte jetzt auf den Eiertanz dieser Spinner, wenn sich ein europäischer Türke um eine Mitgliedschaft bewirbt.

Aber es geht noch weiter (Zitate nach SpON): „Allerdings war der ganz rechte Rand bislang nicht erreicht – zumindest galt das für den Dachverband. Für den Verfassungsschutz ist die Deutsche Burschenschaft kein Thema. Lediglich einzelne Bünde wie die Münchner Danubia oder die Hamburger Germania tauchten eine Zeitlang in den Jahresberichten auf.“

Habt ihr mal Burschenschaft Germania Hamburg gegoogled? Macht es mal. Und seien wir ehrlich: Das sind schlichtweg Nazis. Und wer solche Leute in seinem Verband hat, der steht bei mir derbst im Verdacht ebenso Nazi zu sein, aber einfach (bisher) clever genug gewesen zu sein, dies nicht so zu zeigen, dass es jemand aufgefallen ist. Daher finde ich die Formulierung von SpON schlichtweg verharmlosend. Wer sich mit einer solchen Burschenschaft den Verband teilt, ist entweder heillos dumm oder er ist eben auch ein besser getarnter Nazi.

Daher kann man dem Schlusswort des SpON Artikel auch nur zustimmen: „Die […] Deutsche Burschenschaft wäre wieder ein Stück weiter nach rechts gerückt. Viel weiter geht es nicht mehr.“

Abschiebung

Mal wieder steht ein Jugendlicher in Hamburg vor der Abschiebung. Saikou C. muss nach Gambia zurück (MoPo Link). Gründe? Ach interessieren mich ein Scheißdreck! Der Junge ist hier integriert, der Junge hat hier eine Zukunft und wir reiten hier auf irgendwelchen Paragraphen rum. Ich könnte kotzen. Saikou muss bleiben!

PS: Der offen geäußerte Rassismus in den Leserbriefen der Printausgabe und den Kommentaren in der Onlineausgabe kotzen mich so etwas von an, dass man diese Leute gerne abschieben kann. Auf den Mond.

Griechenland

Ich bin weit davon entfernt Ratingagenturen zu verteidigen. Und insgesamt tue ich mich damit schwer Ereignisse in einem anderen Land zu beurteilen, weil ich immer Angst habe, dass dies als deutsche Arroganz oder als Besserwisserei der Marke Bild-Zeitung aufgefasst wird. Trotzdem kann ich meine Tastatur diesmal nicht still halten.

Ratingagenturen: Diese Institute braucht kein Mensch und woher sie ihre Macht nehmen, ist mir bis heute vollkommen unverständlich. Im Endeffekt sagen sie dir dann, wenn jemand pleite ist, dass er pleite ist. Aber vorher sagen sie es dir auch nicht. Bestes Beispiel sind die berühmten Asset Backed Securitys der Finanzkrise (nebenbei auf deutsch hießen die früher Pfandbriefe und galten als mündelsicher). Und das die USA immer noch die beste Schuldenbeurteilung hat, liegt wahrscheinlich auch nur daran, dass diese Agenturen alle ihren Sitz oder ihr Hauptgeschäft in eben den USA haben. Umso besorgniserregender ist, dass sie Macht haben.

Nur aus meiner Sicht wäre es falsch sie für die Krise von Griechenland allein oder Hauptverantwortlich zu machen. Denn auch hier erzählen sie einem mal wieder, was jeder weiß: Nämlich das Griechenland alleine seine Schulden nicht mehr bedienen können wird.

Warum?

Einmal, weil sie die Schulden haben. Wie in so vielen Ländern hat auch hier eine politische/wirtschaftliche Klasse (ha, dass ich noch mal „herrschende Klasse“ als Argument benutze) das Land über Jahrzehnte ausgeplündert und die Macht und das Geld in Clans und Seilschaften verteilt. Sozusagen die Staatsgewinne privatisiert. Natürlich werden diese nun auch nicht zur Rechenschaft gezogen und sind wahrscheinlich sowieso immer noch an den Schaltstellen der Macht. Jeder der mal versucht hat, den Staatsapparat in Griechenland zu beanspruchen (und ich hatte sowohl mit Finanzämtern, als auch mit Gerichten das Vergnügen), wird merken, dass da anscheinend nicht immer nach Kompetenz und Leistungsfähigkeit besetzt wurde. Das soll nicht heißen, dass dort alles „faule“ Beamte sind, denn meistens stinkt der Fisch genau auf einer Ebene: Der ganz oben.

Aber selbst wenn man der jetzigen Regierung guten Willen unterstellen würde, haben sie jetzt keine Chance mehr. Einmal weil sich der private Gläubigersektor auf Kosten der öffentlichen Hand schon seit Monaten aus Griechenland zurückzieht. Das ist einfach nur abartig. Das Stichwort „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“ ist der größte Unruhefaktor unserer Zeit und hat mit „sozialer Marktwirtschaft“ gar nichts zu tun. Die Gier von Kapitalverleihenden wird immer schlimmer. Es kann nicht sein, dass der private Sektor zwar gerne die Risikoaufschläge über Jahrzehnte kassiert, aber wenn sich das Risiko mal verwirklicht sofort zurückzieht und von machtlosen Politikern auch nicht zur Rechenschaft gezogen wird, weil sie im besten Falle Angst haben und im schlechtesten Falle ebenso zu den Plündern gehören.

Und nein, ich halte Griechen nicht für südländisch faul oder so. Das sind Vorurteile, die schlichtweg lächerlich sind und von der Bildzeitung geschürt werden. Denn genau die oben genannten Phänomene finden auch bei uns statt. Nur langsamer, schleichender und deswegen bisher nicht in einem Staatsbankrott endend.

Und genau davon lenkt das mehr oder minder rassistisch und populistisch geprägte Geplärre der Springerzeitungen ab.

Für Griechenland kann man nur hoffen, dass sich was ändert, dass die Wut der Straße das Land umkrempelt und zu neuen Konzepten führt. Nur dann würden sich die (finanziellen) Schmerzen für jeden Griechen auch wirklich lohnen. Ich drücke jedem Griechen und diesem uralten Land die Daumen.

Jun 142011
 

 

oder

Klinkum Eilbek (S-Bahn Friedrichsberg) – U Bahn Berne und zurück

Vorwort

Liebe Leser, ich hatte euch mehr Laufinhalt versprochen und dieser soll nun auch kommen. In loser Reihenfolge stelle ich euch Laufstrecken vor. Dabei lasse ich Klassiker in Hamburg wie die Außenalsterrunde außen vor, die kennt jeder, die muss ich nicht beschreiben. Beginnen tun wir heute mit einer Strecke, die ich gestern in 2:18 mit meinem Schwesterherzchen gelaufen bin.

Die Daten

Nach meiner Forerunner 305 19,96 km. Wir haben 2:18 gebraucht. Die Strecke ist unbeleuchtet, es fällt aber laut meiner Schwester viel Streulicht im Winter auf die Wege. Beginnen tut man in der Straße Eilbektal. Man parkt am besten auf der rechten Seite an der Straße direkt nachdem man unter der S-Bahn Brücke durch ist. Nachteil: Sonnenparkplatz und die Straße Eilbektal ist eine Einbahnstraße in Richtung Außenalster. Genügend Parkplätze sind aber zumindest an einem Sonntagmorgen vorhanden.

Auf der linken Seite (in Fahrtrichtung ist ein kleiner Einstieg in das Grün. Dann ist man direkt an der Wandse und folgt dieser in Richtung Osten. Ich habe leider keine Gpsies Strecke (bescheuerter Name, großartige Seite) gefunden, die unserer genau entspricht, aber diese hier stößt auf Höhe Mühlenteich dazu. Ich versuche mal meine GPS Daten heute Abend dazu zu veröffentlichen, ich garantiere aber nicht, dass das klappt. Wenn, dann schreibe ich das genau hier: Und zwar ab jetzt und genau unter diesem Link!

Nun folgt man erstmal der Wandse. Am Ring 2 muss man kurz durch die Unterführung und leider muss man doch so ein zwei Straßen queren. Es geht die ganze Zeit ganz zart bergauf. Vielleicht ist das auch nur gefühlt, ich habe es nicht nachgeprüft. Nachdem man die Wendemutstraße gequert hat, gibt es auch was für die Nase, da ist nämlich ein Hefeproduktionsbetrieb. Den man aber nicht sieht, denn eigentlich sieht man nur grün und das sehr hübsch. Aber riechen tut man ihn. Man umläuft dann den Holzmühlenteich (kann man beidseitig) und weiter geht es an der Wandse. Im Eichtalpark (sehr lauschig) läuft man gerade durch, die Wandse macht hier einen ordentlichen Bogen. Am Ende des Eichtalparks trifft man sie aber wieder. Und man trifft auf den Sportplatz Hinschenfelde, Heimat von Concordia und dem TSV Wandsetal. Sieht nett aus der Ground. Und das erstaunliche ist: Er fehlt mir, ich habe da noch nie ein Fußballspiel gesehen. Muss ich dringend mal ändern. Wobei ich das Mariental einfach liebte und mir so schwer tue bei dem Gedanken, dass Cordi jetzt hier spielt.

Wir laufen aber weiter, kreuzen die Ölmühlenstraße und können nun in dem kleinen Park, der sich anschließt mehrere Wege nehmen. Wichtig ist, dass man am Nordmarkteich heraus kommt und dann wieder der Wandse folgt. Wir kreuzen die Nordmarkstraße und nun kommt das Naturbad Ostende. Wir lassen das nun rechts liegen und nun müssen wir ein bisschen aufpassen. Wenn man weiter der Wandse folgt (wie es der oben verlinkte Gpsies Kurs macht), dann kommt man in Richtung Rahlstedt. Mag auch sehr schön sein, aber wir haben hier die Wandse verlassen und haben uns mit der Berner Au in Richtung Kupferteich (wie viele gibt es davon eigentlich in Hamburg?) durchgeschlagen. Das ganze scheint eher ein Geheimtip zu sein, denn eigentlich alle Gpsies Runden gehen weiter im Wandsetal. Die Pace bis hierhin nebenbei gut über 7:00, so irgendwo zwischen 7:05 und 7:10, je nachdem. Wie schon gesagt, es ging ständig gefühlt aufwärts. Den Wind hatten wir aber im Rücken.

Wir aber liefen nach dem Kupferteich über den Pulverhofsweg und in die Kleingartenvereine, die dort sind. Nach dem Rahlstedter Weg kommt man wieder in einen kleinen Park, in dem auch der SC Condor seine Heimat hat. Den Ground kenne ich und ich kann nur den Kuchen empfehlen. Da dieser Stand aber trotz des stattfindenden Kinderpfingstturnieres geschlossen hatte, machten wir ohne Pause weiter. Nun geht es eigentlich sehr gerade in Richtung Norden und dann wieder in Richtung Nordosten. Orientieren kann man sich nun an der U-Bahn Strecke, mit der man ab der Station Farmsen nun parallel läuft. Diese aber immer links von sich hat.

Wir biegen in die Zielgerade ein: Die Straße „Am Krill“ wird nun durchlaufen und dann die Bekassinenau gekreuzt. Hier trifft man dann wohl oder übel auf Zivilisation und ihren Müll. Gerade an einem Montagmorgen, wenn der Montag ein blinder Sonntag ist.

Unser Laufwetter war sehr schwül und warm, so dass wir in Berne nach ziemlich genau 10 km einen Verpflegungsstop einlegten. Die Uhr zeigte eine Pace von 7:08. Im Bahnhof gibt es sowohl einen Kiosk, als auch einen Bäcker. Wir begnügten uns mit viel Wasser und ein bisschen Cola, letzteres mehr für unsere Koffeinsucht, denn für die Kohlenhydrate. Ich persönlich bin ein Saufaus und komme bei einer solchen Strecke und Temperaturen von ca. 20 Grad nicht mit den mitgeführten 0,75 Litern aus. Aber da ist jeder Läufer anders.

Nun geht es grob die gleiche Strecke zurück. Und plötzlich geht es gefühlt bergab. Man kann in den Parks sehr viele alternative Strecken nehmen, so dass man nicht genau die gleiche Strecke zurück laufen muss. Das es nicht nur gefühlt bergab gehen muss, sondern anscheinend auch wirklich, zeigt, dass meine Uhr am Ende eine Pace von 6:57 auswarf. Und dies obwohl die jetzt aufkommende Hitze ein zwei Tempodrosselungen verlangte. Ich war da auch sehr vorsichtig, weil ich nicht wusste, welche Form ich hatte. Am Ende war aber noch genügend Kraft für einen symbolischen Endspurt.

Das Feeling und das Fazit

Die Strecke ist schön. Die meiste Zeit befindet man sich in einem grünen Streifen, einige Stellen sind sehr eng und schlecht einzusehen (gerade zu Beginn und in den Kleingärten), hier ist gegenseitige Rücksicht gefragt. Die Jogger auf der Strecke grüßen zum größten Teil. Negativ ist natürlich, dass man einige Straßen kreuzen muss, aber das muss man meistens, wenn man eine so lange Strecke laufen will. Durch die immer wieder gegebene Möglichkeit durch die kleinen Parks eine andere Strecke zu nehmen, wird das ganze auch nicht zu langweilig. Mal ganz davon ab, dass wir natürlich am sabbeln waren.

Von der U-Bahn Berne könnte man die Strecke noch über die Ringstraße und den Meiendorfer Weg in den Volksdorfer Wald verlängern und dort in einer Schleife wenden. Dann werden das am Ende so ca. 30 km. Eine weitere Möglichkeit zu verpflegen ergäbe sich dann an der U-Bahn Station Meiendorfer Weg.

Psychologisch ist die Strecke für einen langen Lauf sehr gut geeignet, weil sie eben zu Beginn aufwärts und dann auf dem Rückweg leicht abwärts geht. Ich denke, dass ich auch mal die beschriebene Verlängerung diesen Sommer laufen werde.

Jun 092011
 

oder

Die Informationsveranstaltung zum elektronischen Einlasssystem am Millerntor und die AGB

Vorwort

Liebe Leser, es ist mal wieder Zeit vom Leder zu ziehen. Leider ist das notwendig. Ich will nicht verheimlichen, dass ich es sehr positiv finde, dass man überhaupt vor einer Einführung eines elektronischen Kartensystems eine öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltung durchführt. Bei anderen Vereinen würde man das nach dem System „Friss oder stirb“ vor die Nase gesetzt bekommen. Das muss, bevor man das alles sehr kritisch beleuchtet auch mal positiv erwähnen.Aber wenn ich nicht so entspannt gewesen wäre an diesem Tag, ich hätte wahrscheinlich das Clubheim auseinander genommen. Ich werde diesen Beitrag auch nutzen, um mich mal mit den geänderten AGB des Vereines zu beschäftigen. Dazu muss ich etwas länger ausholen, juristisch werden und damit unangenehm. Chaotisch ist das ganze sowieso, da sich eine Chronologie nicht wirklich einhalten lies, weil das doch sehr alles durcheinander ging. Das also als Lesehinweis vorab.

Das ist ein Projekt unter 500.000 Euro, das macht dann die Praktikantin

Ich denke die Diskussionslinien bei der Einführung eines elektronischen Kartensystems sollten bekannt sein. Die Vorteile liegen in der Schwarzmarktbekämpfung, in der Ersetzbarkeit von verlorenen Tickets und (mit Einschränkungen) in der Möglichkeit körperlose Tauschbörsen zu errichten. Die Nachteile liegen in einer Sammlung von Daten, was immer Missbrauch und Grenzenlosigkeit impliziert.

Vorweg: Datenschutz ist ein Thema, mit dem man niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt. 90 % der Leute werden sagen „Warum, was habe ich denn zu verbergen?“ oder „Wovor habt ihr Angst?“ Die meisten Leute nutzen Google, ohne drüber nachzudenken, die meisten Leute haben Facebook, die wenigsten interessieren sich, was mit ihren Daten passiert. Wusstet ihr z.B., dass Google eure privaten Mails automatisiert nach Schlagwörtern durchsucht, um dann entsprechende Werbung einblenden zu können? Steht in deren Allgemeinen Geschäftsbedingungen nebenbei, nur wer liest die?

Datenschutz ist, wenn man so will voll 80er und 90er. Daher auch diese Post Privacy Bewegung. Ich kann euch nur sagen: Ich bin altmodisch wie es nur geht. Ich versuche durch mein Leben zu gehen und zumindest zu versuchen, meine Daten so weit wie es irgendwie geht bei mir zu behalten. Und wenn ich sie schon rausrücken muss, dann wenigstens an Vertragspartner, denen ich traue und nur so viel, wie unbedingt notwendig. Und da wird es jetzt schon problematisch.

Disclaimer: Ich nutze ein Android Telefon. Wer die Technik mal genauer begutachtet, der weiß, dass dies ungefähr der Datenschutzkiller schlechthin ist.

Ich werde nun versuchen diese ganzen Punkte etwas genauer zu erläutern. Nach diesem Vorspiel möchte ich an dem Verlauf der Versammlung entlang hangeln. Ich habe mich entschlossen, dies zu machen, wie ich es auch bei normalen Versammlungen des Vereines mache. D.h.: Es gibt eine ausführliche handliche Mitschrift. Daraus ziehe ich, was ich den handelnden Personen in den Mund lege. Eine Garantie auf 100 % Richtigkeit gibt es dabei nicht. Wenn ich meine eigene Meinung äußere, dann versuche ich die in Klammern zu setzen, um sie als solche Kenntlich zu machen. Auch dies gelingt nicht immer zu 100 %, weil man Sachen auch Meinungsbehaftet aufschreiben kann. Ich versuche für die Übersichtlichkeit Zwischenüberschriften zu bilden, aber auch das gelingt nicht immer.

Und stellt euch auf Lesestoff ein, das wird kein kurzer Beitrag.

Das Vorspiel

Das Thema elektronisches Einlasssystem (EES) geistert schon seit langem durch informierte Kreise. Daher kam für mich die Einladung zu einer Informationsveranstaltung nicht überraschend. Nun lest euch diese Einladung noch mal genau durch. Wie würdet ihr aus dieser Einladung folgende Fragen beantworten: 1. Ist es fest beschlossen, dass ein EES kommt? 2. Wann würdet ihr sagen, führt der Verein dieses System ein?

Man kam also gespannt am Clubheim an, wo im Ligaraum (ich meine so heißt dieser Nebenraum) auch zwei Einlassschranken (nebenbei: ich bin jetzt immer bei drei s und meine Korrektur sagt, dass sei richtig, aber ich weiß nicht, ob es stimmt) waren montiert, durch die der Besucher versuchsweise mit einer Karte gehen sollte. (Finde ich schon mal spannend jeden dazu zu „zwingen“, denn meine Frage, ob es auch ohne gehe, konnten wir leider nicht ausdiskutieren, weil mir jemand eine Karte in die Hand drückte und meine Diskussionslaune gerade nicht da war.)

Vom Verein waren Sven und Daniel Bierhoff („Leiter Ticketing“ laut Homepage) anwesend, sowie eine Praktikantin, deren Namen ich leider nicht mitbekommen habe. Dazu noch zwei (?) Vertreter des Herstellers „Smartterminal“ (so habe ich es aufgeschrieben, Google bringt da keine Ergebnisse, daher ohne Garantie). Im Publikum befanden sich noch Roger vom Aufsichtsrat und Bodo vom Amateurvorstand.

Die beiden Herren des Herstellers waren in ein braunes Totenkopfshirt gepackt. Dieses der Marke: Neu, aus dem Shop geholt, wahrscheinlich mit Rückgabeverpflichtung nach der Veranstaltung. (Ganz ehrlich Leute, wann begreifen Fußballvereine mal, dass Fans von Dienstleistungsfirmen nicht erwarten, dass sie Fan des gleichen Vereines sind? Ich erwarte eine professionelle und gute Dienstleistung. Ob der Dienstleister Hansa Rostock oder Dynamo Dresden Fan ist, ist mir vollkommen egal. Diese billigen Marketinggags nerven.)

Der Beginn

Er stellte die Leute vor und erwähnte, dass die leider namenlose Praktikantin „uns“ bei der Vorbereitung geholfen habe. (Nun nix gegen Praktikanten, aber es ist immer wieder erstaunlich, was bei uns alles Praktikanten machen. Leider definierte er nicht, wer „uns“ ist, aber mein Gefühl ist, dass dies nicht im Sinne einer Arbeitsgruppe gemeint ist. Mal so eine Frage an euch alle: Ihr seid Firmenchef. Ihr plant ein Projekt, welches euren Kundenkontakt extrem beeinflussen wird und welches zwischen 1/6 bis 1/10 eures Jahresgewinns kosten wird. Wie bereitet ihr die Einführung und Konzepterstellung vor? Wer jetzt sagt „Ich beauftrage eine Person des mittleren Managements und einen Praktikanten“, der sollte ganz schnell eine Bewerbung schreiben: FC St. Pauli, Heiligengeistfeld 1 (neu, nicht vergessen), 20359 Hamburg. Wie es richtig geht, zeigt nebenbei die Einführung der Pfandbecher. Ich bilde eine – wenn auch nur virtuelle – Arbeitsgruppe, ich beteilige den Kunden(-vertreter immer gerne FCSR oder StFA) vom ersten Tag an, ebenso Entscheidungsgremien wie Aufsichtsrat und Vorstand (der AR wusste laut eigenem Bekunden auch nicht mehr, als das so etwas geplant sei) nehme auch die Bedenken der Fanvertreter ernst und gehe dann mit einem Konzept an die Öffentlichkeit. Vielleicht täusche ich mich ja und das ist alles so gemacht worden, aber eher nicht. So entstand auch der gehässige Spruch, der in der Überschrift zu diesem Teil zu lesen ist.)

Dann startete er eine Präsentation auf einem Beamer. (Ich sage euch ganz ehrlich Leute, wer auch immer Powerpoint erfunden hat, er sollte erschlagen werden. Es macht Reden langweilig und strukturiert sie falsch.)

Die Problemfelder

Man habe zur Zeit folgende Problemfelder: 1. den Schwarzmarkt, man habe mal drei Monate beobachtet, da habe es alleine bei Ebay 131 Auktionen mit 204 Karten gegeben. Dabei habe man 120 Händler identifizieren können. Dazu käme noch der Schwarzmarkt vor Ort. Sven ergänzte später in dem Vortrag noch, dass man bei Ebay alles von einem Einzelverkäufer bis hin zu diversen Accounts, die auf eine Adresse angemeldet gewesen seien gefunden habe. Bei den organisierten Händlern sei eine Häufung der Stadt Bremen auffällig. (Dem Kenner eher nicht, denn genau die gleichen Nasen verkaufen auch vor dem Bremer Weserstadion. Wir müssen uns auch klar machen: Wir haben es hier nicht mit dummen Jungs zu tun, die sich ein bisschen was dazu verdienen wollen. Nein, wir haben es hier mit gut organisierten, gut durchdachten Banden zu tun, die Mafia Strukturen und Methoden nutzen. Wer glaubt, dass er solchen Banden durch ein besseres Kontrollsystem zu Leibe rücken kann, der irrt wahrscheinlich. Dir ins Netz gehen die Dummen, die klugen Banden bleiben. Oder nutzen andere Geschäftsfelder.)

2. Verlorene Karten: 200 Karten habe man als offizielle Zahl für das letzte Saison, man gehe aber von einer Dunkelziffer aus. Man könne aufgrund der Missbrauchmöglichkeit keinen Ersatz leisten. Auf Nachfrage sagte er, dass man das bei der Haupttribüne (wo man mit der Karte eben nur auf diesen einen Platz könne) widerwillig gemacht habe (und dies obwohl man es vor dieser Saison extra ausgeschlossen hat), aber bei den anderen Bereichen nicht. (Das ist eines der Hauptargumente für ein EES. Was viele aber nicht machen ist, mal in die AGB zu gucken. Der Verein lässt sich natürlich den Ersatz der Dauerkarte bezahlen. Und zwar mit dem lockeren Betrag von 25 Euro laut AGB. Naja, der Ersatz des Personalausweises ist teurer.)

Weitere Problemfelder seien eine Doppelnutzung von Karten, falsche Ermäßigungen und ein Eintritt ohne Karte. Alles sei schon vorgekommen, weil die Ordner nicht ordnungsgemäß arbeiten. (Im Einlasssystem ist es dann so, dass bei einer wie auch immer gearteten Ermäßigung kein Einlass erfolgt, sondern ein Prüfungsauftrag an den begleitenden Ordner gestellt wird, den dieser dann abarbeiten muss. Dies gilt selbst bei Mitgliederkarten. (!) So wenigstens der Stand gestern auf der Veranstaltung. Was man nicht vergessen darf: All diese Probleme bleiben, denn später wurde erzählt, dass jeder Ordner eine Masterkarte hat, mit denen er Einlass gewähren kann. Fahrlässigkeit oder Vorsatz der Ordner, das bleibt als Problem.)

Das EES

(Ab hier wird es chaotisch. Denn das zu Beginn vorgeschlagene System „Vortrag erst, dann Fragen“ wurde nicht durchgehalten. Von jemanden, der ein „Leiter“ in seinem Titel hat, erwarte ich eigentlich ein durchsetzungsstarkes, souveränes Auftreten, selbst bei vollkommener Ahnungslosigkeit. Das z.B. konnte Corny wie kein Zweiter. Aber Daniel Bierhoff kann es nicht. Bei den ersten kritischeren Nachfragen fing er an zu schwimmen. Und das waren Fragen, bei denen 100 % klar war, dass sie die Ersten sind, die gestellt werden. Sven mit seiner natürlichen Autorität rettete ihn dann doch einige mal. Die ketzerische Frage, die man stellen muss: Ist der auch bei der Leitung des Kartencenters so?)

Ein EES funktioniere so, dass keine personenbezogenen Daten an das System übertragen würden, es würden nur aus dem Ticketing die Barcodes der einzelnen Tickets weitergegeben, keine Namen. Die Zuordnung von Barcodes zu Namen würde nur im Kartencenter liegen und verlasse dieses nicht.

(Wie werden Daten interessant? Indem man sie verknüpft! Deine Adresse bei einem Anbieter ist relativ uninteressant (ja, schlechtes Beispiel). Deine Adresse zusammen mit deinem Konsumverhalten ist schon sehr viel interessanter, dein Konsumverhalten, deine Adresse und die Uhrzeit und wann du wie konsumierst ist die Steigerung und so weiter. Hier ist unser Verein zur Zeit noch die datenschutzrechtliche weiße Weste, denn er bekommt es nicht einmal hin, die Mitgliedsdaten automatisiert mit den Kartendaten zu verknüpfen und kann daher z.B. nicht einmal sagen, wie viele Mitglieder eigentlich eine Dauerkarte haben. Die Frage ist natürlich: Wie lange dauert es, bis ein notorisch klammer Verein merkt, auf was für einen Goldschatz er sitzt. Und in diesen Goldschatz zahlen wir mit den Daten unseres Stadionbetritts wieder einen Taler mehr ein. Glaubt ihr nicht? Einfaches Beispiel: Ich verknüpfe Mitgliedsdaten mit Kartendaten und mit Emaildaten. Einfach und habe ich alles im besten Glauben dem Verein gegeben. Der Verein merkt, dass ich immer früh ins Stadion gehe. Gezielte Werbeangebote, gezielte Marketingaktionen etc. sind nur die Möglichkeiten, die mir unkreativem einfallen.)

Exkurs: Unsere Datenschutzregeln

Daten haben auch immer etwas mit Vertrauen zu tun. Ihr gebt eure Handynummer wahrscheinlich auch nur Leuten, denen ihr vertraut. Bei einem Unternehmen sollte man dieses Vertrauen nur bedingt an die handelnden Personen knüpfen, denn diese können morgen schon weg sein, trotzdem hat das Unternehmen meine Daten und kann damit tun und lassen, was es eben darf.

Gesetzlich gilt in Deutschland ein Verbot der Bearbeitung von personenbezogenen Daten (das sind alle, aus denen die Person bestimmbar (!) ist) mit der Möglichkeit des einzelfallbezogenen Erlaubnisvorbehaltes. Sprich: Ich kann jemandem genehmigen meine Daten zu verwenden. Dies werde ich leider immer machen müssen, denn in eigentlich jeder Allgemeinen Geschäftsbedingung (AGB, dazu noch später mehr) werde ich eine Klausel finden, die mir die Zustimmung aufdrückt. Unterschreibe ich nicht, kann ich halt keinen Handyvertrag, keine Eintrittskarte, was auch immer kaufen. Und da die AGB eine gewisse Monopolwirkung haben, werde ich schwerlich einen Handyvertrag (!) ohne dies bekommen.

Blicken wir mal auf die Datenklausel in den AGB (Ich spreche hier von den „Allgemeinen Geschäftsbedingungen für den Besuch von Veranstaltungen des FC St. Pauli“ ob der Verein in anderen Bereichen andere AGB nutzt, weiß ich nicht, habe ich auch nicht geprüft.) des FC St. Pauli:

10 Datenverarbeitung / Datenschutz

10.1 Der FC St. Pauli bearbeitet die durch den Kunden mitgeteilten personenbezogenen Daten unter Einhaltung der geltenden Datenschutzbestimmungen. Personenbezogene Daten werden in dem für die Begründung, Ausgestaltung oder Änderung des Vertragsverhältnisses erforderlichen Umfang erhoben, verarbeitet und genutzt.

10.2 Der FC St. Pauli ist berechtigt, die durch den Kunden mitgeteilten personenbezogenen Daten an Dritte zu übermitteln, die der Veranstalter mit der Durchführung des Vertrages beauftragt hat, soweit dies zur Vertragserfüllung erforderlich ist. Dies schließt das Recht zur
Bonitätsprüfung ein. Der Vertragspartner erklärt sich durch den Abschluss des Vertrages mit einer solchen Bonitätsprüfung einverstanden.

10.3 Des Weiteren ist eine Übermittlung der Daten an Strafverfolgungsbehörden nach Maßgabe der anwendbaren Rechtsvorschriften zulässig, wenn dies zur Gewährleistung der Sicherheit der Veranstaltung, zur Abwehr von Gefahren für die Sicherheit im Stadion oder zur Verfolgung von Straftaten notwendig ist.

10.4 Bei einem Verstoß gegen das Verbot gemäß Ziffer 4.5 Satz 1 behält sich der FC St. Pauli ferner vor, die gespeicherten Daten des Vertragspartners an andere Vereine der Fußball-Bundesliga und ihre Betriebsgesellschaften zu übermitteln, um den Schutz der in Ziffer 4.4 Satz 1 genannten Interessen (insbesondere die Sicherheit aller Besucher sowie die Einhaltung eines sozialen Preisgefüges) möglichst effektiv zu gewährleisten. Der Vertragspartner erklärt sich durch den Abschluss des Vertrages mit einer solchen Weitergabe seiner Daten einverstanden.

Alle mal in Ruhe gelesen? Und was darf der FC nun mit euren Daten? Erstmal sie zeitlich unbegrenzt speichern. Denn ihr gebt ihm dazu die Genehmigung. Wann darf er dies? „
Personenbezogene Daten werden in dem für die Begründung, Ausgestaltung oder Änderung des Vertragsverhältnisses erforderlichen Umfang erhoben, verarbeitet und genutzt.“ Schreit hier jemand „Gummiklausel“? Sprich: Geht mal davon aus, dass alles erlaubt ist. (Hier bitte ein Vorbehalt, den ich später noch erkläre)

Weitergabe Dritte? „Der FC St. Pauli ist berechtigt, die durch den Kunden mitgeteilten personenbezogenen Daten an Dritte zu übermitteln, die der Veranstalter mit der Durchführung des Vertrages beauftragt hat, soweit dies zur Vertragserfüllung erforderlich ist.“ „erforderlich ist“? Noch so eine schöne Gummiformulierung.

Wie ist es denn zur Nutzung für Werbung? Steht nix drin, aber ich würde mal sagen, wenn man bedenkt, dass das Bundesdatenschutzgesetz da eine Sperrung verlangt, würde ich schon mal sagen, dass der FC diese Daten sehr entspannt für Werbungszwecke nutzen kann. Targeting Marketing. Wie wäre es mit Early Bird Specials für Frühkommer? Oder ähnlichem?

Viele Leute wird auch die Weitergabe an Strafverfolgungsbehörden stören, denn hier kann man wieder elegant ein Bewegungsprofil anlegen, welches nebenbei sehr viel genauer ist, als dies einer Handyzelle. (Erstaunlich und hier muss ich mal die Chronologie der Veranstaltung verlassen: Weder Bierhoff, noch Sven hatten dies drauf und fingen an zu schwimmen. Dabei steht das ausdrücklich in den AGB.)

Irgendjemand in der Veranstaltung fragte, wie denn der Gebrauch der Daten durch Mitarbeiter des FC geregelt sei und dieses kontrolliert werde. Klar, es gelten die gesetzlichen Regeln (sprich eine behördliche Kontrolle), aber eine große Rolle innerhalb des FC auf einer freiwilligen oder vorsorgenden Basis hat das anscheinend bisher nicht gespielt, denn eine Suche auf der Internetseite nach „Datenschutzbeauftragter“ und/oder „Datenschutz Konzept“ bringen keine Ergebnisse. In der Datenschutzerklärung der Internetseite steht nur etwas von „zur Verschwiegenheit verpflichtet“ im Bezug auf die Mitarbeiter.

Exkurs Ende

Weiter: Das EES

Die Firma Eventim mache das Ticketing für den FC. Man brauche da einen Dienstleister, weil der die Software habe um u.a. Saalpläne und eine Onlinebestellung anbieten zu können. (Ich habe das jetzt mal aus ein paar Fragen zusammengeschnitten, das ist nicht so zusammenhängend gesagt worden. Ab hier wurde der Vortrag auch immer wieder durch Fragen unterbrochen, so dass ich teilweise Sachen zusammenfassen muss.)

Man bekomme die Daten dann zurück vom Dienstleister, also auch welcher Barcode wann ins Stadion gegangen sei. Wie lange man diese Daten speichere wisse man noch nicht. (Bumms. Ganz ehrlich: Diese Frage war zu erwarten und darauf muss ich doch eine andere Antwort haben, als ein Schulterzucken und ein zögerliches „wissen wir noch nicht“. Daten sind immer Vertrauen und schon hier wird Vertrauen erschüttert. Das zusammen mit der oben diskutierten Datenschutzklausel ist schon ein Hammer.)

Durch eine Schleuse bekämen man 1.000 Leute pro Stunde. Man könne dann Karten sperren, z.B. wenn der Ermäßigungsgrund wegfalle. Nein, dies ginge nicht automatisch, dass könne er manuell machen. Dies würde er auf Zuruf der Mitgliederverwaltung machen (letzteres auf meine Nachfrage. (Dem ersten, dem hier die Karte wegen eines Beitragsrückstandes gesperrt wird, dem empfehle ich ganz dringend den Klageweg. Und zwar aus folgendem Grund: Weder aus den AGB, noch aus der Satzung ergibt sich diese Befugnis. Satzungstechnisch ist nur der Ehrenrat berechtigt Strafen gegen ein Mitglied zu erheben. Und nur durch einen Beitragsrückstand endet auch nicht die Mitgliedschaft im Verein (siehe § 11). In den AGB hat man zwar versucht diesen Fall zu regeln, aber es einfach nicht geschafft. Denn Ermäßigungstatbestand (2.8. der AGB) ist nach allem, was man auf der Homepage finden kann die Mitgliedschaft. Von einer BEZAHLTEN Mitgliedschaft ist da nicht die Rede. In 3.6. der AGB sagt man: Wenn du den Aufschlag als beitragsrückständiges Mitglied zahlst, kommst du ins Stadion. Aber einen Sperrtatbestand findet sich gar nicht in den AGB. Und in der Satzung auch nicht. Denn welches Mitgliedschaftsrecht das Mitglied verliert ist abschließend in der Satzung geregelt. Das mag einem nicht gefallen, aber Willkür ist eben nicht. Klare Regeln! Mal ganz davon ab, dass jeder, der mal JHV Einlass gemacht hat weiß, wie viele Fehler in diesen Mitgliedslisten sind. Leider auch bei der Frage, ob bezahlt wurde oder nicht.)

Weiterhin könne man den Schwarzmarkt durch dieses System besser bekämpfen, die Identifizierung und Sperrung von Schwarzmarkthändlern werde einfacher, man habe auch die AGB entsprechend angepasst, so dass ein Namensfeld auf der Karte sei und man dann auch den Käufer in die Pflicht nehmen könne. Man werde die Karte sperren und so auch den Käufer in die Pflicht nehmen.

Exkurs AGB / Übertragung der AGB an Käufer

Jetzt muss ich ein bisschen ausholen. AGB sind Vertragsbestimmungen, die eine Partei für eine Vielzahl von Verträgen vorformuliert (§ 305 BGB). Sie unterliegen einer verschärften Kontrolle durch den Gesetzgeber und die Gerichte. Im BGB gilt eigentlich, dass Vertragsparteien alles vereinbaren dürfen, da man von einem Gleichgewicht der Kräfte ausgeht. Da dies hier nicht mehr so wirklich gilt, weil man von einem Vertragspartner ein „Friss oder Stirb“ aufgedrückt bekommt, gibt es eine erweiterte Inhaltskontrolle. Wichtig für uns ist aber erstmal: Wie werden AGB Bestandteil des Vertrages? § 305 Abs. 2 sagt: „wenn der Verwender bei Vertragsabschluss

1. die andere Vertragspartei ausdrücklich oder, wenn ein ausdrücklicher Hinweis wegen der Art des Vertragsschlusses nur unter unverhältnismäßigen Schwierigkeiten möglich ist, durch deutlich sichtbaren Aushang am Ort des Vertragsschlusses auf sie hinweist und

2. der anderen Vertragspartei die Möglichkeit verschafft, in zumutbarer Weise, die auch eine für den Verwender erkennbare körperliche Behinderung der anderen Vertragspartei angemessen berücksichtigt, von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen,

und wenn die andere Vertragspartei mit ihrer Geltung einverstanden ist.

Den letzten Satz könnt ihr gleich wieder vergessen, denn wenn ihr nicht einverstanden seid, habt ihr keinen Vertrag und fertig ist der Lack.

Das ganze muss aber „bei Vertragsschluss“ passieren! Sprich einen Aufdruck bei einer ausgehändigten Karte oder auf einer Rechnung reicht nicht! Denn da ist der Vertragsschluss bereits vorbei. Unser Verein hat versucht diesem Umstand Rechnung zu tragen, in dem er an alle Dauerkartenbesitzer einen Ausdruck der AGB geschickt hat. Das ist sauber und okay. Nur leider sind die Süddauerkarten als Saisonkarten beim Verein hinterlegt. Kein Anschreiben, wenn ich es richtig verstanden habe. Also keine Zusendung, also keine Möglichkeit. Okay, bliebe der deutlich sichtbare Aushang am Ort oder der Hinweis. Ich habe heute mal zwei Leute gefragt, ob sie a. einen Aushang gesehen haben und/oder darauf hingewiesen worden seien. Beide verneinten. Das ist jetzt keine empirische Studie, spricht aber gegen die Einhaltung dieser Formalien. Und wohlgemerkt: Im Streitfall hat der Verein die Beweislast! Interessante Frage ich auch: Was ist mit den lebenslangen Dauerkarten? Damals gab es so eine Klausel „akzeptiert die AGB in der jeweiligen Fassung“. Eine solche Klausel ist nicht das Papier wert, auf dem sie steht. Denn die kannte ich bei Vertragsabschluss nicht und eine solche Klausel scheitert an der erweiterten Inhaltskontrolle. Kurz: Neue AGB rechtswirksam auf die lebenslangen Dauerkarten zu übertragen ist so einfach nicht möglich.

Das macht z.B. eine nachträgliche Änderung von AGB so schwierig, denn im Endeffekt muss ich dann jeden einzelnen anschreiben und eine Vertragsänderung herbeiführen. Das habt ihr vielleicht schon einmal von Banken bekommen, die dann schreiben „wenn sie nicht bis… protestieren, dann gehen wir von ihrem Einverständnis aus“. Das akzeptiert man dann meistens, weil man ja auch sein Konto behalten will. In einem auf ein Jahr angelegten Vertrag, der nicht kündbar ist (Dauerkartenvertrag) kann ich mir das schon eher überlegen, ob ich bei einer geänderten AGB zustimme.

Exkurs im Exkurs: Wie behindere ich Blogger und Fanzines?

Dies sollte man nur mal im Ohr haben, wenn man bedenkt, was für Blödsinn in Sachen Fotografieren, Bloggen etc. in den neuen AGB steht. Dazu der Artikel bei stpauli.nu, muss ich nicht alles auch noch mal selber schreiben.

Wenn der Verein nun über Änderungen nachdenkt kann man nur sagen: Schön, aber viel zu spät. Es ist mal wieder ein Kind in den Brunnen gefallen und das nun gegenüber Leuten zu ändern, die bereits eine Dauerkarte gekauft haben, ist nur schwierig möglich. Und schon gar nicht rechtlich über einen Aushang auf der Hompage. Es ist wieder übereilt, unüberlegt und blödsinnig gehandhabt worden. Nach Nachfrage durch unseren Fanladen wolle man ja nur „gewerbliche Geschichten“ verbieten. Mal sehen, wie das formuliert wird. Denn eine Gummiklausel kann einem Blogger, der eventuell Googleads auf seiner Seite hat (und damit gewerblich unterwegs ist) oder jemanden, der bei Flickr veröffentlicht (klar eine gewerbliche Seite) nicht wirklich ausnehmen.

Man wird sich daher auch mit einer kommenden neuen AGB Fassung kritisch auseinandersetzen müssen. Bevor das nicht geklärt ist, werde ich aber garantiert kein Fotoupdate machen oder neue Fotos Online stellen. Denn wie ihr wisst, bin ich bei Heimspielen nicht akkreditiert. Und juristisch würde ich auch jedem davon abraten. Ich werde mir auch stark überlegen, ob ich wirklich weiter über Heimspiele schreibe, bevor ich die Neuregelung nicht gesehen habe. Zumindest mit der alten Regelung ist das schon sehr problematisch. Und ein Satz „Dies gilt nur für gewerbliche Angebote.“ ist auch nicht der Allheilsbringer, wie ich eben geschrieben habe.

Auch hier gilt: Es ist egal, ob ich der Meinung bin, dass das jetzige Präsidium zu einem Verbot von Blogs fähig ist, wenn so etwas erstmal in der Welt ist, dann wird es irgendwann auch irgendwie benutzen. Und da hilft einem auch die Unklarheitenklausel des § 305 c BGB „Zweifel bei der Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen gehen zu Lasten des Verwenders.“ nicht wirklich weiter, denn ob es wirklich Zweifel gibt und wie dann auszulegen ist, dass kann man dann vor Gericht klären, wenn man denn das Geld hat.(Das war auch die Einschränkung, die man oben bei der Datenschutzklausel lesen muss.) Wohlgemerkt: Gewerblich ist ein sehr weiter Begriff im juristischen Deutsch.

Insbesondere auch Fanzines sind davon betroffen, wenn diese einen kleinen Gewinn machen und dieser wahrscheinlich von der Redaktion versoffen wird (oder in Projekte gesteckt wird), dann wird man die Gewerblichkeit ohne weiteres bejahen müssen. Und welches Fanzine hat bitte diese Macht, dass man es nicht verbieten kann? Der Übersteiger vielleicht, aber sonst? Meint ihr wirklich, es gäbe einen riesigen Aufschrei, wenn das Ende der Welt plötzlich weg wäre? Oder dieser Blog? Ich glaube es nicht. In der jetzigen Form ist das eine Inhaltskontrolle durch die Hintertür und es wird sehr stark auf die Formulierungen ankommen, die in einer neuen Version benutzt werden. Mein Vorschlag: Nehmt den Scheiss einfach ersatzlos raus. Und wenn die DFL meckert: Zeigt denen einen gestreckten Mittelfinger, seit verfickt noch mal endlich einmal „non established“.

Ende des Exkurses im Exkurs

Kommen wir aber zurück zum Thema Schwarzmarkt. Bei Vertragsschluss müssen diese bekannt sein. Zuerst hat man versucht Karten, die auf dem Schwarzmarkt gekauft wurden einfach so zu sperren. Dies haben die Gerichte nicht mitgemacht, denn die Sperrklausel aus AGBs galt vielleicht zwischen Verein und Schwarzhändler, aber wenn dieser die nicht weitergegeben hat (eher unwahrscheinlich) oder daneben hing „bei diesem Schwarzhandel gelten die AGB des XY e.V. sie sind bei ihrem Schwarzhändler einsehbar“, dann muss man ganz klar sagen: Pech gehabt. lieber Verein, was du mit dem Schwarzhändler vereinbarst, gilt nicht gegenüber einem dritten Käufer, du musst ihn ins Stadion lassen.

Daher nun die Eintragung des Namens als Nutzer. Das steht auf der Karte, dass man ohne nicht rein kommt und damit die AGB anerkennt. Reicht dies aus? Reicht eine Bestimmung aus, dass man ohne Name auf der Karte nicht ins Stadion kommt, wohlgemerkt auch in den AGB oder aufgedruckt auf die Karte (das sind auch rechtlich auch AGB)? Ein abschließendes Urteil findet man dazu nicht. Das LG Essen hat 2010 mal eine Sperrung für unrechtmäßig erklärt, ist dann aber von dem OLG Hamm aus formalen Gründen aufgehoben worden. Und anscheinend ist das dann nicht weiter verfolgt worden, so dass dies nicht endgültig geklärt ist. Bei Schalke sind/waren die AGB darüber hinaus aber auch anders formuliert, als sie es bei uns sind. Nach dem oben gesagten (Möglichkeit der Kenntnisnahme vor Vertragsabschluss etc.) kann man da gerne mal dran zweifeln. Und das in diesem Wertpapier verbriefte Recht ist erstmal der Einlass in das Stadion. Und wenn dann diese Vertragsdetails nicht dem Käufer bekannt waren, dann kann man sehr zweifeln, ob eine Sperrung zu Recht erfolgte. Man wird sehen müssen, ob und wie die Gerichte das mitmachen.

Es gibt bisher nur ein Urteil auf wettbewerbsrechtlicher Basis und das ist auch nur ein Teilerfolg der Vereine und lässt insbesondere den Graumarkt von u.a. Viagogo am Leben. Denn der BGH erlaubte Vigagogo ausdrücklich den Kauf von Kartenkäufern und den anschließenden Weiterverkauf. Dies sei nicht wettbewerbswidrig und damit könne man die Karten auch nicht sperren. Nur direkt beim Verein dürften diese Portale nicht kaufen.

Man muss daher sehen, inwieweit eine Mitverantwortung der Käufer und damit das Signal „nicht auf dem Schwarzmarkt kaufen“ erreicht werden kann. Nur wenn dies natürlich nicht erreicht wird, dann wäre dieses Argument eventuell sehr schnell der Boden entzogen.

Exkurs Ende

Namen auf der Karte und Schwarzmarkt

Man habe die Dauerkarten im April produziert und da sei noch nicht klar gewesen, ob man ein elektronisches System einführen würde, daher habe man noch aufgedruckt, dass die Karte nicht ersetzt werde. (Hier stand mir schon der Mund auf: Man war sich im April (also drei Monate vor der Einführung) noch nicht sicher? Bei einem Projekt, was den Kundenkontakt vollkommen verändert und mal eben richtig Geld kostet? Es wird noch besser liebe Leser, aber hier bleibe ich mal in der Dramaturgie des Abends, denn das ist einfach zu gut.)

Dann drehten sich viele Fragen um den Namen auf der Karte. Eigentlich spiele das nur bei gesperrten Karten eine Rolle (richtig, denn wenn die nicht gesperrt ist, dann habe ich nicht diesen Streit, ob zu Recht oder nicht). Man müsse also nicht zwingend unterschreiben. (Verstößt dann aber natürlich gegen die AGB und kann für jeden Furz rausgeschmissen werden.) Bei Tommy in der Tauschbörse werde man das so lösen, dass man für die abgegebenen Karten Einzelkarten ausdrucken werde. Die Nachricht solle halt sein „kauft nicht bei irgendwelchen Typen“

Es wurde dann von einem Besucher eine Folgeproblematik andiskutiert, nämlich der Weiterverkauf bereits benutzter Tickets, was bei eingerissenen Tickets eben nicht geht. Elektronischen Tickets erkennt man ihre Nutzung nicht an. Der Verein meinte, dies sei doch zu kompliziert und da würde man doch nur einmal bei diesem Typen kaufen. (Nun ja, mafiöse Strukturen, Kartenkunden sind eher nicht ständige Besucher, Auswärtsfanfalle waren die Stichworte, die mir gleich einfallen. Und ob ich nun eine 45 Euro Karte für 90 Euro verkaufe oder eine genutzte Karte noch mal verkaufe. Eine ordentliche Gewinnspanne bleibt.)

Eigene Onlinetauschbörse

Man wolle eine Tauschbörse Online einrichten, wo man per Telefon seine Karte sperren könne und die dann weiterverkauft werden könne. Jedoch mit einer Gebühr, die ungefähr 20 % des Kartenpreises betragen werde. Daran verdiene der Dienstleister, den man sich bedienen würde und der Verein würde auch einen Teil bekommen. (Ich gehe mal davon aus, dass das dann auch Eventim macht. Und Leute, seien wir doch mal ehrlich: Schwarzmarkt? Verlorene Dauerkarte? Vergisst es! Das ist der Hauptgrund, warum Vereine das machen, man kann noch irgendwo Geld rausdrücken. 20 % des Ticketpreises sind ja keine Peanuts. Bei einer 30 Euro Karte sind das gepflegte 6 Euro. Und das bei einer extremen Automatisierung des Systems und bereits vorhandenen Callcentern etc. Da ist eine schöne Gewinnspanne drin.

Kosten?

Ein Ultra brachte dann eine sehr wichtige Frage elegant auf den Punkt: „was kostet der Scheiß?“ „bei weitem nicht eine halbe Million“ war die Antwort. (Und nun kommt es). Man habe sich aber noch für keinen Anbieter fest entschieden. Man hole gerade Angebote ein. Man sei nun in der engeren Auswahl und der hier vorgestellte Anbieter sei einer davon. (Meine Kinnlade fiel wieder auf die Tischkante. Man erinnere sich an die oben gestellten Fragen: Ich denke mal jeder ging bisher her von folgendem aus: Feste Einführung zum ersten echten Heimspiel. Oder? Aber seid unbesorgt, es kommt noch besser. )

Das ganze habe sich in 4-5 Jahren amortisiert. (Was zeigt wieviel Gewinn man mit diesen Tauschbörsen machen kann. Man bedenke, dass Tommy pro Spiel garantiert bis zu 200 Karten da hatte und dies bei einem sehr geringen Bekanntheitsgrad.)

Fragerunde

Wir sind jetzt nebenbei in einer losen Fragerunde. Nur um mal zu sagen, dass der Knaller gleich erst kommt. Erstmal ging es aber um Datenschutz Fragen. Das ganze wird laut des Herstellers über einen APN Tunnel (so habe ich es mir aufgeschrieben, vielleicht kann jemand Technikwissendes dazu was in den Kommentaren sagen) durchs Internet geschickt werden. Dies sei sicher und da käme kein Dritter an die Daten. (Kann und will ich persönlich nicht beurteilen. Nach den Hackerskandalen der letzten Zeit kann man wohl trotzdem erstmal skeptisch sein.)

Der Verein werde sich absichern, dass er keinen Schrott kaufe, man werde das testen eventuell bei einem Heimspiel der Amateure. Man werde Ordner einsparen können wahrscheinlich so ein bis zwei pro Eingang. (Sparen bei Leuten, die wahrscheinlich am unteren Ende der Nahrungskette leben. Ich liebe es.)

Wann wo wieviele? Klären wir noch!

Und nun kommt der Hammer. Irgendwer fragte nach dem Zeitplan. Das war eine der letzten Fragen der Runde. Ja man habe noch gar keine endgültige Entscheidung getroffen, man würde jetzt erstmal die hier geäußerten Meinungen abwägen und in den Entscheidungsprozess einfließen lassen und dann entscheide die Vereinsführung („nicht nur“ murmelte Roger). Nachfrage: Ihr wisst noch gar nicht sicher, ob das kommt? Und es gibt keinen Zeitplan. Nein, man wolle das nicht zwingend zum ersten richtigen Heimspiel einführen. Man habe sich beide Optionen offen gehalten und bis Spiel 11 könne man entscheiden, denn so lange könnte man die Dauerkarte abknipsen ohne den Barcode zu beschädigen. (Rumms. Nochmal die oben gestellte Frage: Hättet ihr das gedacht? Hättet ihr dies aus der Einladung rausgelesen? Aus den Schreiben? Die Saison fängt in 5 Wochen an und man weiß noch nicht einmal, welches Einlasssystem man machen will? Und dann will man es irgendwann so zwischendurch machen?)

Irgendjemand merkte noch an, dass dies die nächste Arenascheiße sei, die bei St. Pauli Einzug erhält. Wieder mehr moderner Fußball. Dem kann man nicht widersprechen, auch wenn es natürlich ein emotionales und sehr rückwärtsgewandtes Argument ist.

Mein Fazit

Lieber FC, tretet die ganze bisherige Planung ungesehen in die Tonne und fangt noch mal neu an. Und zwar mit einer vernünftigen Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Präsidium, Aufsichtsrat, Fans, externer Juristen und Ticketing. Lasst euch ein Jahr Zeit, geht im Winter mit einem neuen Konzept an die Öffentlichkeit und diskutiert das noch mal mit allen und dann kann man zur Saison 2012/2014 garantiert über eine Einführung nachdenken. Vielleicht ist bis dahin auch die Schwarzmarktfrage gerichtlich geklärt und alles ist gut. Aber so ist das nur Schrott. Schwarzmarkt wird man damit nicht wirklich behindern, man bekommt graue Marktplätze wie Viagogo nicht tot und ein Austausch von Dauerkarten zu einem Fünftel des Verkaufspreises ist auch eher ein schlechter Witz. Ebenso eine rein kommerziell ausgerichtete Tauschbörse. Fragt die Fans, die stellen euch das Teil umsonst hin, besser, ohne einen ätzenden Dienstleister und die Gebühr ist dann am Ende fest 1,50. Das wäre fair. Alles andere ist nur eine weitere Geldquelle auftun. Und klärt erstmal, was ihr wann wie mit den Daten machen wollt. Erstmal Daten sammeln und dann vielleicht mal überlegen wie lange und wie verknüpft, das ist Schrott. Da glaubt euch keiner mehr.

Jun 072011
 

oder

Der alljährliche Festivalbericht

Vorwort

Einmal pro Jahr müsst ihr den Festivalbericht ertragen und nun ist es wieder so weit. Wie üblich als Festival light, da ich echt zu bequem geworden bin zu zelten. Also wieder zu meiner Gastgeberin nach Nürnberg. So richtig mit wollte sonst keiner, was wahrscheinlich daran lag, dass die gesamte Entourage in 14 Tagen erneut nach Franken aufbricht und zwar um meine Gastgeberin mit unserem Taxi zu vermählen.

Dies ist nebenbei unser verflixtes siebtes Jahr, wenn wir uns also zwischendurch zerstreiten, dann liegt das daran. Die letzten 6 Jahre und 2002 waren wir auf diesem Festival. Meine Gastgeberin zauberte selbst Nachts beim Fazitbier alle Spielpläne aus der Tasche.

Ansonsten guck ich mal, was für Nachrichten übers Wochenende so über unseren geliebten Fußballclub in die Welt kommen und werde auch die kommentieren. (Nachtrag: keine, also wenn ihr das sucht nicht lesen) Ich hoffe an der elektronischen Tickets Veranstaltung teilnehmen zu können, so dass ich dann auch darüber etwas sagen kann. Die grenzenlose Begeisterung, die bisher geäußert wird, kann ich noch nicht so wirklich teilen.

Das Vorspiel

Rock im Park. So richtig perfekt ist das alles nicht. Das Ticket kostet so grob einen halben Hartz 4 Satz (was nebenbei zeigt, wie brutal Hartz 4 insbesondere Jugendliche ausgrenzen kann) und auch das Programm geht eher in Richtung Pop im Park. Da wäre das Hurricane dann doch spannender gewesen, aber da war wieder mein Problem mit dem Zelten. Mal ganz davon ab, dass dieses Jahr mir der Termin so gar nicht passt.

Die Hinfahrt ohne menschliche Begleitung war eher eintönig. Aber außer einem Stau bei Kassel relativ flüssig. Ich hatte schlimmeres erwartet. Okay, dafür hatte sich bei Kassel ein holländisches Gespann aber so richtig zerlegt, so dass zwischendurch nur eine Spur frei war.

In Nürnberg angekommen ging es erstmal in die örtliche Gastronomie, auch Landbierparadies genannt. Leckere lokale Biere vom Fass und gutes Essen sind das Markenzeichen dieser Kette. Kann ich absolut nur empfehlen. Auch gerade kann man immer wieder neue Biere probieren, auch wenn es diesmal so war, dass mir ein Bier so gar nicht schmeckte. Aber das ist ja das spannende am probieren.

Die Bettschwere war erreicht und so konnte der Freitag kommen.

Freitag, der Kuriositäten Tag

Das Bett war wie immer sehr bequem, nur die Typen, die Nachts vor dem Fenster rum randalierten, sorgten schon einmal für Festivalfeeling. So wachte ich Nachts dann doch ein paar mal auf, aber Morgens war ich eigentlich sehr fit. Meine Gastgeber mussten sich noch der abhängigen Lohnarbeit widmen, so dass ich mich langsam lauffertig machte und erstmal eine kleine Runde drehte. Diese führte mich zum Festivalgelände, denn viel mehr als 2 KM sind das nicht von dem, wo meine Gastgeberin wohnt. Auf den Zeltplätzen gähnende Leere, was wahrscheinlich auch zeigt, dass ein nicht wirklich attraktives Programm gepaart mit einem hohen Eintrittspreis so langsam seine Wirkung entfaltet. Nun ja, ich würde von Rockern beäugt und drehte meine entspannte 6 km Runde zu Ende und machte mich dann daran fit für den Tag zu werden.

Nur dummerweise umzingelten mich Bären, so dass ich erstmal mich von der Bärenanziehungskraft lösen musste.

Aber wir sind ja nicht zum Spaß hier, also bereit gemacht und ab zum Gelände. Bei der Ausgabe der Bändchen war eine riesige Schlange und meine Gastgeberin wollte schon nörgeln, aber das erstaunliche war, dass das ganze sehr schnell ging. Und das obwohl das wie ein Flaschenhals organisiert wurde, weil es zwar Bändchenausgeber ohne Ende gab, aber nur ein Typ die Karten kontrollierte. So hatte der durchgängig zu tun, aber die Bändchenausgeber eher nicht. In der Schlange ein älteres Ehepaar, was mit den Leuten vor ihnen ins Gespräch kam: Ja, sie seien vor Jahren mal bei Metallica hier gewesen und seit dem kämen sie jedes Mal. Dieses Jahr sei das LineUp aber nicht so gut, aber Coldplay könne man sich ja mal angucken.

Insgesamt war überall sehr viel Platz. Auf den Camping Plätzen und auch vor den Bühnen. Nun weiß ich nicht, ob eventuell hier auch die LoveParade eine Rolle spielt oder ob eben doch sehr wenig Tickets verkauft wurden. Offiziell wird der Veranstalter sowieso nicht sagen, wie viel er wirklich verkauft hat. Der Veranstalter hat viel versucht Wildpinkeln zu verhindern u.a. Planen gespannt und viele Schilder aufgehängt. Nur die effektivste Methode, nämlich einfach mal mehr Klos aufzustellen, die hat er wieder nicht versucht.

Musik? Ja gab es auch und dazu kommen wir nun. Ich verändere etwas mein System und schreibe nur grob, was die für Musik machen und wie es war.

Escape the Fade

Kopfwippmetal. Man packt so alle Riffs in Lieder, die in den 90ern Jahren funktionierten und fertig ist Escape the Fade. Dazu noch ganz viel Schminke und ein Blutplakat als Hintergrund. Feststellung Nr. 1: Es wird höchstens noch zwei Jahre dauern, dann tun sich Leute wieder bunte Tücher an die Mikrofonständer, drehen Lockenwickler ins Haar und tragen bunte Leggins. Feststellung Nr. 2: Unterhaltsam ist so etwas.

Sevendust

Ja, wollten wir ja auch noch etwas von sehen, aber irgendwie kamen die nicht. Das habe ich auch auf einem Festival lange nicht erlebt, dass eine Band zu spät kommt.

Oh, Napoleon

Aus meiner Twittertimelinie schwärmt jemand für diese Band und ich bin ja neugierig. Und die machen auch ganz netten verträumten Mädchenpop. Aber hier ist nett leider irgendwie doch die kleine Schwester von Scheiße, denn es fehlt das gewisse Etwas. Der Sängerin fehlt einfach irgendwie das Rampensaugen.

Das Konzert fand auf der Clubstage statt. Bevor ihr euch da nun etwas freakiges vorstellt, das ist die Halle der Thomas Sabo Nürnberg Ice Tigers (sorry, aber da musste ich jetzt mal den vollständigen (Sponsoren-)Namen nehmen), sprich eine Eishockeyarena. Lustig, wenn man eben noch in der prallen Sonne sitzt und nun in einer kühlen dunklen Halle. Meine Gastgeberin war hier schon mal wegen Rauchens rausgeflogen und nun rauchte da ein Ordner. Das konnte sie nicht auf ihrem Gerechtigkeitsgefühl sitzen lassen und sprach ihn an. Folge: Er rauchte weiter, aber versteckter.

Hurts

Weh tun die irgendwie nicht. Ganz netter 80er Jahre Synthiepop, aber mir teilweise mit zuviel Schmalz versetzt. Die Band inklusive Geigerinnen und Tänzer durchgestyled in schwarz-weiß und Abendgarderobe. Alles sehr unterhaltsam und der Typ ist auch eine Rampensau, aber wie schon gesagt, teilweise etwas sehr viel Schmalz.

Etwas war auffällig. Im Gegensatz zu den Vorjahren weniger Freaks, weniger vollkommene Alkoholleichen. Das Publikum insgesamt älter. Viele alte Paare, teilweise ganze Familien. Also ein Typ im Borat Badeanzug und ein T-Shirt Aufdruck „Der Kopf tut weh, die Füsse stinken, Zeit ein Bier zu trinken.“ gab es dann doch zu bewundern und natürlich die vollkommen besoffenen Männergangs. Aber eben nicht mehr so viele und so extrem wie in den Vorjahren.

The Kooks

Endlich wieder Britpop. Okay, die Hälfte der Lieder kannte ich, aber bis heute wusste ich nicht, dass The Kooks diese verbrochen haben. Wenn man nun auch nur irgendwas von den Ansagen verstanden hätte, dann wäre es richtig gut gewesen. Brighton, i can not understand, what your people are talking.

Mit dem Ende dieser Band musste ich ganz schnell weg. Galt es doch soviel Platz zwischen mir und den Söhnen Mannheims zu legen.

Der Platz der Wahl war der Biergarten der Eishockeyarena. Lustige Geschichte: Das Catering ist an Beck’s verkauft, die schlecht gezapftes Beck’s 0,4 Liter für 3,80 anbieten. Zu der Arena gehört aber ein eigenes Catering, welches da so einen Beachbiergarten betreibt. Und diesen kann man nicht einfach zumachen, wenn man die Arena mietet. Mit dem Ergebnis, dass es da auch Bier für 3,80 gibt, aber 0,5 Tucher. In anderen Bechern und gut geschenkt. Ein eigenes Catering haben die auch mit ganz leckeren Sachen.

Wir saßen da mit einem Kollegen meiner Gastgeberin, einem echten Veteranen, der bereits Bob Dylan auf diesem Gelände gesehen hat. Das war dann mal gepflegt 1978. So kann er jetzt schon mit seiner Tochter zum Festival gehen. Erstaunlicherweise haben Tochter und Vater grob den gleichen Musikgeschmack.

Kraftklub

Deutschsprachiger HipHop/Crossover aus Chemnitz. Name ist Programm, die Jungs haben eine unbändige Energie und sind eine sehr klasse Liveband. Wenn die so weiter machen, finden die definitiv ihren Platz in der deutschen Musikszene Was bei einem solchen Liveauftritt nicht zu überprüfen ist, ist die political correctness. Ich bin bei so etwas ja übervorsichtig und wenn da eine Band aus Chemnitz in schwarz-weiß-rotem Bühnenoutfit spielt, dann ist bei mir sofort vorsichtig angesagt. Gegoogled bekommt man nix und auch die weiteren Tourdates (u.a. Reeperbahnfestival) scheinen okay, aber bevor ich die Texte nicht gelesen habe, würde ich keine uneingeschränkte Empfehlung geben.

Coldplay

Bunte Säure mit einem vollmundigen Körper, aber sehr überraschend im Abgang. Eine spielfreudige Truppe hat 90 Minuten Zeit für ihr Programm. Mit einigen lustigen Ansagen und eigentlich sehr natürlicher Körpersprache spielt sich sie anscheinend gut aufgelegt durch ihr Grundprogramm und nach einer Stunde sagt der Sänger Martin „See you soon, Maybe in five Minutes“, okay normales Programm. Man macht Pause und macht dann einen Zugabensatz, der eben etwas länger dauert. Sie kommen wieder auf die Bühne und plötzlich ist die Spielfreude und alles weg. Es wird noch kurz zwei Lieder runtergeschrabbelt und dann verschwindet man mit einem „Tschüss“ im Dunkel. Und das 15 Minuten vor dem offiziellem Ende. Das habe ich auch noch nicht erlebt und das ist ja auch schon wieder ein echtes Kuriosum.

Abmarsch und nun fielen dann doch einige Alkoholleichen auf. Aber wie schon gesagt: Viel weniger als in den Vorjahren. Unser Taxi stand schon bereit und zu Hause wartete der Absacker. Und noch ein Absacker und noch einer. So fiel man dann doch fertig ins Bett.

Samstag der Ihr könnt nicht klatschen und der Weltuntergang ist verschoben Tag

Man ich bin alt. Am morgen musste ich erstmal meine Knochen sortieren und ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass ich ganz schön zerschlagen aussah. Okay, dann hau ich mich noch eine Stunde auf’s Ohr. Aus der Stunde wurden zwei und gegen 9 war dann doch mal aufstehen angesagt. Eigentlich wollte ich joggen und dann Brötchen erlaufen, aber das war irgendwie nicht möglich. Also erstmal duschen und dann laufen. Die Runde wurde die kürzeste seit Jahren, denn ich glaube ich bin seit mindestens 9 Monaten nix unter 4 KM gelaufen, außer ich bin nach einem Wettkampf ausgelaufen. Aber mehr als 3 km in einer langsamen Pace waren nicht drin. Ich spürte doch, dass einen ganzen Tag rum stehen in der Sonne keine gute Laufvorbereitung ist. Von alkoholischen Getränken mal abgesehen. Aber einmal wie ein Keniate fühlen, locker Laufen mit Brötchen in der Hand. (Bevor ich jetzt hier Rassismus vorgeworfen bekam: Es gab in den 90er Jahren einige Läufer aus Kenia, die Weltrekorde liefen und dabei im Gesicht und in der Körperhaltung so entspannt aussahen, als ob sie gerade Brötchen holen.)

Dann war erstmal Sofachillen angesagt.

Ab zum Festivalgelände. Es gibt zwei Möglichkeiten vom Dokuzentrum zum Festivalgelände zu kommen. Bei der einen Möglichkeit muss man durch die Parkplätze und Zeltplätze und kann sich das Chaos ansehen. Nun ist so ein Festival immer ordentlich Dreck, aber warum in Herrgottsnamen (wir sind hier immerhin in Bayern) muss man das ganze noch auf die Palme treiben und sich wie eine Wildsau benehmen? Bei einigen Gruppen hat man das Gefühl, die finden es toll sich im Dreck zu suhlen. Und nein, glaubt nicht, dass das zwingend reine Männergruppen sind.

Auf dem Gelände sind mehrere Boxentürme aufgestellt und bei jedem dieser Boxentürme befindet sich ein Ordner. Schichtzeit: 11 bis 11. Und das in der prallen Sonne und ohne Möglichkeit sich bei Regen unterzustellen. Immerhin kommt so alle 90 Minuten ein Springer, so dass die sich mal kurz frisch machen können. Trotzdem ein ziemlich harter Job, wenn mich jemand fragt. Und ich behaupte mal, dass man damit keine Millionen verdient.

Millencollin

Punkrock. Und zwar das volle Brett. Alte Herren, die rocken. Und die wahrscheinlich aus Schweden sind. Zumindest erwähnte er ungefähr 100 mal, dass sie Millencollin aus Schweden seien. Kann vielleicht mal jemand bei Gelegenheit googeln, ob die aus Schweden sind?

Während die spielten kam von rechts der Weltuntergang auf das Festivalgelände zu und alles sah wie ein richtig fettes Unwetter aus. Aber in letzter Sekunde drehte das ganze ab und eine Minute Wind und Regen waren alles, was wir abbekamen. Außer 2002 haben wir in sieben Jahren nebenbei noch kein einziges vollkommen trockenes Rock im Park mitbekommen. Irgendwie hat es immer geregnet. Mal stark, mal nur ein bisschen, aber immer Regen.

Avenged Sevenfold

Man sind die Böse. Bzw. wollen es sein. So Death/Speed/was auch immer Metal, ganz eingängig und nett anzuhören, aber mir auf Dauer viel zu Bedeutungsschwanger.

Volbeat

Schweinerock. Ziemlich cool. Ich kannte vorher immer nur deren Radiohit und der ist langweiliger als die restliche Performance. Die haben sehr viel Social Distortion gehört und ein bisschen Cash und Elvis und fertig war die Mischung. Der Sänger leerte dazu noch eine Jacky Flasche pur. Entweder das war gespielt und nur farbiges Wasser oder der junge Mann hat ein Problem ohne Alkohol. Immer wohl gesagt, er macht das bei jedem Konzert.

Beatsteaks

Nein, ich werde mit dieser Band nicht warm. Und ich befürchte, sie können nicht einmal was dafür. Die spielen ihren Set solide runter und auch von der Bühnenshow ist das eigentlich alles ganz okay, aber es kommt bei mir nicht an. Ich vermisse da irgendwie immer das Herz. Klar haben die einige sehr gute Lieder, die auch wirklich schön sind, aber insgesamt langweile ich mich bei denen irgendwann immer. Sehr lustig war, dass der Gitarrist „Hey du“ vortrug und aus dem Takt kam, weil das Publikum so etwas von grauenhaft daneben klatschte. Erstaunlich nebenbei, dass er und noch ein zwei andere Leute ohne die modernen Knöpfe im Ohr spielte. Die haben ja den für einen Musiker nicht ganz unwichtigen Vorteil, dass man die Lautstärke ziemlich gut regulieren kann.

System of a down

Leck mich am Arsch, was war das denn bitte? Vier Leute, eigentlich keine Showelemente, da auf aufwändiges Licht ebenso verzichtet wird, wie auf Pyro und Konsorten. Und die vier schaffen es die Bühne absolut zu füllen und alle mitzureißen. Was für ein Hammer war das bitte? Viel Ansagen haben die nicht gemacht, weder sich noch dem Publikum eine Pause gegönnt und auf Zugaben wohl bewusst verzichtet um den Set durchzubekommen. So habe ich das mal gedeutet. Ich denke mal, dass die wenn sie alleine spielen nicht viel mehr Lieder spielen, aber dann etwas mehr reden, denn in den Songs wurde schon reichlich mit dem Publikum interagiert. Das Konzert war der absolute Hammer! Spannend auch, dass der sonst bei Metalbands übliche ständige Instrumentenwechsel bei denen relativ wenig stattfindet. Ich hatte eigentlich nicht viel erwartet, vor Jahren habe ich noch geschrieben, dass die Band eher anstrengend ist, aber das war so etwas von mitreißend. Sollten die auf Hallentour kommen: Hingehen!

Danach würde mal wieder ein Fahrbier geordert, wir nahmen diesmal aber die Bahn und zu Hause wurde dann noch mal gepflegt der Tag begossen. Dies in einer brütenden Nacht auf dem Balkon. Die Nachbarn hatten so wenigstens ein bisschen Rock im Park Feeling.

Sonntag, der Feststellungstag

Wir stellen fest: In Bayern muss es in Rockerkreisen innerhalb der nächsten 9 Monate zu einer riesigen Geburtenrate kommen. Nein, nein, kein Rudelbumsen bei Rock im Park, dafür war es bei einer hohen Anzahl von Festivalbesucherinnen zu spät. Sprich: Sehr viele schwangere Damen. (Man entschuldige mir die flapsige Sprache)

Wir stellen fest: Wer nicht schwanger war, hatte beinah zwingend eine frische Wunde oder einen frisch gegipsten Arm/Bein. Anscheinend auch nicht vom Festival selber, sondern vorher, aber vielleicht ist das normal und uns nur aufgefallen, weil wir zwischenzeitlich uns mal gelangweilt haben.

Wir stellen weiterhin fest: In Nürnberg ist die Welt noch in Ordnung. Wir gehen traditionell Sonntag morgens immer in das Wanner (was gar nicht mehr so heißt) ein Biergarten und Ausflugslokal direkt am Dutzendteich. Eigentlich sehr nett und für ein Ausflugslokal auch relativ billig. Aber wenn man um 11:30 da normal essen will, dann hört man „warmes Essen gibt es erst um 12, vorher haben wir nur Frühstück.“ Da ist die Welt noch in Ordnung. Okay, dann gab es eben Weißwürste vorab.

Wir stellen fest: Wenn du drei Tage am gleichen Gitter stehst, dann grüßt dich am dritten Tag der Ordner.

Wir stellen zuletzt fest, dass dieses Festival sehr viel Geld an den Wettergott gezahlt hatte. Zwei riesige fette Gewitter an diesem Tag. Eines irgendwie so gegen vier, das zieht knapp vorbei. Das zweite startete kurz nach 11, da waren die Open Air Konzerte größtenteils vorbei. Okay, die auf Montag campenden werden ordentlich noch was abbekommen haben, aber wenigstens konnten die Konzerte trocken beendet werden.

Thees Uhlmann & Band

Thees ist Thees und klingt auch ohne Tomte wie Thees mit Tomte. Also hörbar und sehr nett. Warum er das nun als Soloalbum gemacht hat, ist mir nicht klar, denn künstlerisch irgendwas anderes, scheint er nach dem Liveeindruck hier nicht gemacht zu haben. Die Ansagen auch wieder köstlich. Beispiel: Er ist Opener, es stehen vielleicht 200 Leute vor der Bühne auf einer riesigen Centerstage. „Ich mag diese kleinen Konzerte. Mit 90 % von euch bin ich wahrscheinlich bei Facebook befreundet. Internet, I love it.“

Wir hatten nun ein zeitliches Loch und da wir heute doch einen sehr langen Tag vor uns hatten, guckten wir keine unbekannte Band, sondern setzten uns in den Biergarten der Arena (siehe oben). So wurde auch der kleine Regen zwischendurch überstanden.

Madsen

Der bei Madsen im aufhören begriffen war. Naja, was soll ich sagen. Nett Konfetti und ein gutes Songwriting haben die auch. Nur Gesang und Text sind so nicht meines. Und teilweise kommen die auch zu albern von der Bühne runter. Vor Jahren habe ich die mal als Opener auf einer leeren Hurricane Hauptbühne gesehen. You come a long way, baby.

The Gaslight Anthem

Oh ha, heute ist Dienstag und ich kann man nicht mehr an diese Band erinnern. Das nennt man dann wohl „nicht gerade im Ohr geblieben“. Mal kurz mein eigenes Gedächnis namens Twitter aufschlagen: Okay, jetzt kommt die Erinnerung wieder: Amirock und zwar richtig. Ich hätte jetzt beinah Bruce Springsteen auf Speed geschrieben, aber das wäre gemein. Bemerkenswert: Es hing eine St. Paulifahne (wohlgemerkt die Wappenfahne in braun-weiss) über der einen Monitorbox, während die Band spielte.

Social Distortion

So sieht man also als Punker aus, wenn man in die Jahre gekommen ist. Aber die alten Herren boten Schweinerock vom feinsten. Sehr unterhaltsam. Und so ungefähr jedes dritte Lied wird im St. Paulizusammenhang von irgendwelchen DJs aufgelegt.

So langsam mussten wir dem Wochenende Tribut zollen, man wird halt nicht Jünger. Es wurde so ein bisschen Abhängen im Park statt Rock im Park. Unser Taxifahrer und der Bär haben uns aber zwischendurch unterhalten, in dem sie über Eisenbahnen fachsimpelten. Beweisbild:

Die weiteren Bärenbilder behalte ich aber für mich, aber unser Taxi und der Bär hatten anscheinend sehr viel Spaß zusammen.

Mando Diao

Ach die sind ja gut, aber irgendwie kickt das so auf Halbstrom nicht. Rockband bleib bei deinen Leisten mag man brüllen. Unplugged ist eine schöne Idee von MTV, aber es trägt nur bedingt eine Tour. Dafür müsste man aus den Liedern schon etwas ganz anderes machen und sie nicht nur einfach langsamer und halbakustisch spielen. So bleibt das irgendwie zwischen künstlerischem Offenbarungseid und Geldschneiderei. Okay, die hatten Spaß auf der Bühne, ich vor der Bühne eher nicht. Und dabei mag ich die Band eigentlich.

Kings of Leon

Man, was für eine großartige Nummer. Der Sänger spielt keine Konzerte, nach seinem Gesichtsausdruck durchleidet er Konzerte. Und zwar so richtig. Aber selbst ihm huschte ein sehr deutliches Lächeln über die Lippen. Die anderen drei Herren aus der Followill Sippe hatten richtig Spaß. Nebenbei eine sehr interessante Frage: Was hat wohl Mama Followill gesagt, als Caleb, Jared und Nathan zu ihr kamen und sagten „Mama, wir werden nun Rockstars. Und Cousin Matthew nehmen wir auch mit.“

Und erstaunlich, dass eine drei Brüder Band funktioniert. Und das tut sie. Der Sänger hat auch live eine Stimme zum niederknien und der Rest der Band blühte vor Spielfreude.

Der Sänger erwähnte auch, dass es ihnen bei Rock im Park sehr viel mehr gefallen hätte, als bei Rock am Ring am Tag vorher. Das mag man sehr gut als Rockstarpose abtun, was uns aber auffiel, dass dies an diesem Wochenende insgesamt drei Mal von der Bühne geäußert wurde bei Centerstagebands. Und es kam hier auch ehrlich rüber. Entweder der ist ein wirklich guter Schauspieler oder der langgestreckte Zuschauerraum bei Rock am Ring kommt bei den Bands nicht so gut an.

Danzig

Die Energie dieses (noch) 55jährigen haben viele 20 jährige nicht. Leider zwang mich mein Knie irgendwann in die Knie, so dass ich nicht den ganzen Auftritt gesehen habe. Er kam auch nur zwei Minuten zu spät (Information für @peer_arne , der mal zwei Stunden auf ihn gewartet hat).

Montag, der Fazittag

Seit Jahren hat das Festival die gleichen Mängel, wobei dieses Jahr der Sound auf der Centerstage keiner mehr dieser Mängel war. Zuwenig Toiletten gibt es immer noch und das Catering ist einfach teuer und das Essen (soweit probiert) einfach schlecht. Das ganze ist wohl zentral an Beck’s verkauft, die dann mit Subunternehmern arbeiten, da sollte sich Rock am Ring mal überlegen, ob es nicht bessere Ideen gibt.

Insgesamt hat es wieder sehr viel Spaß gemacht und vielen Dank an meine beiden Gastgeber, die sich erneut als großartiges Headquarter zeigten. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr. Dann sind als Headliner schon einmal die Toten Hosen gebucht. Ich würde gerne noch mal die Arctic Monkeys live sehen. Sonst fällt mir zur Zeit keine Band ein, die ich noch nie live gesehen habe, aber mal unbedingt sehen will. Außer The Smith natürlich. 😉

Jetzt habe ich irgendein Fazit vergessen, aber egal.