Mai 262011
 

oder

Koitus ergo sum

Vorwort

Hier stand zwischen 12:53 und 18:25 eine etwas andere Version dieses Textes. Ich Dussel hatte eine noch nicht redigierte Version online gestellt. Mea culpa.

Sommerpause, liebe Leser. Man kann sich dem Ponyhof zuwenden, man kann die Wunden einer langen und unangenehmen Saison lecken, man kann schon mal pauschal die zweite Liga der nächsten Saison verdammen oder man kann sich drauf freuen. Und eigentlich sollte ein Fußballblog Feierabend haben, die Fotoseite aktualisieren (hab ich zur Zeit so gar keinen Bock drauf) oder sonst was machen. Ich habe beschlossen, dass ich das Themenspektrum dieses Blogs ein bisschen erweitere. Und dazu gehört, dass ich auch über mein Laufen ein bisschen mehr berichten werde. Keine Ahnung, ob das jemanden interessiert, aber eine Leserorientierung liegt diesem Blog ja sowieso etwas fern. Ansonsten wird es bei Fußball, bisschen Politik garniert mit ein bisschen Juristerei bleiben.

Zur Überschrift: Zwar ist es in der Umgangssprache die Borussia aus Mönchengladbach, aber insgesamt ist es immer noch der (eingetragene) Verein für Leibesübungen.

Na so was, ein Neuzugang

Immerhin haben wir heute mal offiziell einen Neuzugang verpflichtet. Herzlich willkommen Lasse Sobiech! Da kann man noch so stark an den sportlichen Qualitäten zweifeln und die Vertragskonstruktion kritisieren, erstmal ein vollkommen unvoreingenommenes: Hau rein, Junge!

Dauerkarten

Ich rege mich ja schon länger über die Vergabe- und Informationspraxis des Kartencenters auf. Die Ankündigung des neuen Dauerkartenverkaufs schoss mal wieder den Vogel ab. Da werden erstmal nur die Daten ohne Preise verkündet, da wird erst auf Nachfrage erklärt, dass man bei einer Vollmachtsabholung auch dieses Jahr ein Formular des Vereines benutzen muss, was man dann irgendwann mal Online stellen wird und eine Online- und Telefonbestellmöglichkeit wird angeboten, ohne Details zu nennen. Da kann man sich die ganzen Meldungen auch sparen.

Zu den Preisen nur soviel: Der Übersteiger hat das ganze sehr gut recherchiert, so dass ich darauf verweise. Für mich persönlich sind die Preise schlichtweg eine Frechheit. Ich finde unser Preisniveau unerträglich und das ganze ist eine Gentrifizierung über Herausdrängung von sozial schwachen Menschen. Und dabei ist es mir egal, ob andere Vereine mehr verlangen oder wir im Mittelfeld, im Unterfeld oder im Oberfeld anderer Vereine sind. Es gibt Dinge, da möchte ich anders sein. Mal ganz davon ab, dass wir bei einer Preissenkung um 20 Euro für eine Dauerkarte (und einer entsprechenden Senkung der Preise von Einzelkarten) über ein Volumen von ca. 500.000 Euro sprechen. Ich sage es mal so: Jeder Becherwurf kann mehr kosten.

Nur und das sei auch mal ausdrücklich gesagt: Die Preise legt natürlich nicht das Kartencenter fest. Hier muss sich das Präsidium deutlichst an die eigene Nase fassen. Wenn man dann noch bedenkt, dass unser Mitgliedsbeitrag auch unerträglich hoch ist, dann wird der FC ein teures Vergnügen. Da dann noch von „sozialer Verantwortung“ oder „wir wissen in welchem Stadtteil wir uns bewegen“ zu quatschen klingt absolut hohl.

Ich freue mich drauf!

Ja auf diese zweite Liga. Viele spannende Vereine. Ja natürlich sind da viele Hochsicherheitsspiele bei, die ohne Alkohol stattfinden werden und unangenehm werden. Ich tippe mal so auf 7 Heimspiele ohne Astra. Ich würde mal sagen, dass Dresden, Rostock, Braunschweig absolut fest in diese Kategorie fallen und das man sich dann noch drei aus der Gruppe Cottbus, Frankfurt, Karlsruhe, Aue und Union aussuchen kann und wieder eine Erkenntnis der Hamburger Polizei hinzu kommt, die niemand versteht, wie z.B. Düsseldorf oder Aachen.

Trotzdem freue ich mich drauf, denn viele Vereine werden eine volle Gästekurve und auch eine entsprechende Stimmung garantieren. Und mit der Eintracht aus Braunschweig kommt ein echter Traditionsverein in die 2. Liga zurück, der dort auch definitiv hingehört. Nebenbei: Auch hier wird es interessant sein, ob die originalen Ultras irgendwann wieder in der Kurve Fuß fassen können, wenn ich das richtig verstehe laufen die Stadionverbote dieser Gruppe langsam aus, was die Handballerinnen und die Wasserballer der BTSV sehr bedauern würden, behaupte ich mal.

Nun ist es auch an uns mit entsprechenden Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Spiele gegen die genannten friedlich bleiben. Ich hoffe auch, dass bei den Fangruppen der Gegner das Gehirn langsam über den Pöbel siegt. Und ich sag euch ganz ehrlich: Eine Pyroshow ist für mich kein Weltuntergang. Wenn das sonst entspannt bleibt, ist das für mich nicht so schlimm und schon gar keine „Randale“. Man kann nun wirklich geteilter Meinung über die Verwendung von Pyro sein, aber das Werfen von Flaschen oder das Einprügeln auf Menschen gehört für mich dann doch in eine ganz andere Kategorie.

Auswärts werden meine Highlights aber anders liegen. Bochum muss ich hin, da bin ich nämlich schon zweimal mit dem FCSP aufgrund von Staus nicht hingekommen. Und ich will unbedingt nach Ingolstadt. Dann habe ich nämlich Liga 1 und 2 nahezu komplett, es fehlt dann nur Mainz neu. Ich rechne nebenbei so, dass Umbauten am gleichen Ort kein neues Stadion sind, falls das jemanden interessiert. Ich glaube Aue guck ich mir mal über’s Wochenende an und hoffe dann auf einen ortskundigen Reiseführer, nech Mätz.

Was ich nächste Saison definitiv nicht mache, ist ein 34er. Da stehen drei Marathone in der neuen Saison wahrscheinlich im Weg. Köln, Frankfurt und wahrscheinlich Hamburg 2012 sind fest geplant. Und sollte der 100Marathonclub Hamburg Anfang 2012 wirklich einen Alten Elbtunnel Marathon organisieren, wäre ich auch zwingend dabei.

Hardcore Vertriebler

Ich wollte dazu eigentlich nichts schreiben, aber mir geht schon wieder
diese moralsaure Berichterstattung auf den Sack. Also fangen wir doch mal
vorne an:

Nach Berichten in mehreren Zeitungen sollen sich die 100 besten
Vertriebler der Ham-burg Mannheimer (heutzutage Ergo), also sozusagen die
Herr Kaisers schlechthin bei einer Bordellparty in Budapest vergnügt haben.
Die Bildzeitung garniert das Ganze noch mit einer Koksgeschichte (jaja, Salz
durch die Nase, klar… (und dabei ist es egal, was da in dem konkreten Video geschnieft wird, entscheidend ist ja die Doppelmoral) und fertig ist der Doppelmoralsumpf. Warum?

Vorab: Ganz ehrlich, dass Leute, die als die besten 100 Vertriebler
einer Versicherung gelten, Menschen sind, die über Leichen gehen, sollte
jedem klar sein. Freundlich lächelnd bekommst du wahrscheinlich die dafür
geforderten Zahlen nicht hin. Da wird eben auch mal der 84jährigen Omi noch
eine Lebensversicherung angedreht.

Und natürlich gibt es Punkte, die man schon mal hinterfragen kann.
Erstmal scheinen die 100 besten Vertriebler männlich und heterosexuell zu
sein, denn ich behaupte mal, dass JEDEM Teilnehmer klar war, zu welchem
Zweck es nach Budapest ging. Entspannt in der Therme liegen oder gemeinsam
Grünkohl essen ist wahrscheinlich in solchen Kreisen eher keine spannende
Incentive. Frauen scheinen in dieser Welt nur die Rolle der Bedienerin zu
spielen und „schwul“ ist wahrscheinlich in solchen Kreisen ein Schimpfwort.
Scheinen, wohlgemerkt, der Sachverhalt ist ja definitiv unvollständig.

Der unglaubliche Gruppendruck, der auf einer solchen Veranstaltung
herrscht, den möchte ich mir gerade gar nicht ausmalen. „Wenn du da keinen
Bock drauf hast, kannst du dir nur sehr schnell die Lichter ausschießen.
Dann verlierst du so wenigstens nach Meinung der Gruppe nicht das Gesicht.“
sagte @whiff_of_hh und hatte Recht.

Nur all diese Umstände, die kann und muss man kritisieren, egal ob
solche Leute nun auf Kosten der Ergo gemeinsam in den Puff fahren oder
nicht. Das Klima ist doch kein anderes, wenn das nicht herausgekommen wäre.

Was mich jedoch stört, ist, wo der Schwerpunkt der Berichterstattung
ist. Der liegt nämlich nicht darin, dass mal diese Gorilla-Männer-Welt
beleuchtet wird und hinterfragt wird, warum man überhaupt „Incentives“ an
solche Vertriebler zahlt, nein, es wird der „Sexsumpf“ in allen Details
(Stempel oder nicht Stempel, Frauen nur für die Besten oder nicht)
beleuchtet. Nach dem guten alten Prinzip „Sex sells“ (das man mir hier nun
auch vorwerfen kann).

Neben „sex sells“ also noch eine Prise Moralvorstellungen aus dem
vorletzten Jahrhundert. Stellen wir doch mal folgendes fest: Prostitution
ist nach deutschen Maßstäben legal, und wenn man die Schätzungen des
Bundesrechnungshofes (4 Mrd. Umsatz pro Jahr (!!!)) und von
Selbstorganisationen (400.000 Prostituierte in Deutschland) ernst nehmen
mag, dann ist der Besuch eines bordellartigen Betriebes (ich liebe
Behördendeutsch) eine Sache, die – wie drücke ich es jetzt mal gut aus? –
weite Kreise im Bereich von Männern (ich behaupte jetzt mal klischeehaft,
das die Bordellbenutzung von Frauen vernachlässigbar ist) zieht. Ein
Fingerzeigen auf die Ergo verbietet sich daher.

Oder anders ausgedrückt: Ich frage mich, ob man das dann noch wirklich
als moralische (!!) Verfehlung geiseln kann und behaupten kann, Ergo habe
nun seine Glaubwürdigkeit verloren (SpON). Das ist aus meiner Sicht Unsinn.
Ergo (und insbesondere Versicherungsstrukturvertriebe) hatten vorher schon
eine Glaubwürdigkeit. Ob die nun schlecht oder gut ist, lasse ich jedem mal
überlassen. Sollte es einen wirklich guten Vertreter geben, der in meinem
Sinne berät, wäre es mir vollkommen egal, ob der nun in den Puff geht oder
nicht. Das muss er mit sich, seiner ganz persönlichen Moralvorstellung und
im Notfall noch mit seinem Ehepartner ausmachen. Mir sollte das egal sein,
wenn er eine legale (!) Dienstleistung in Anspruch nehmen will oder nicht.

Und auch für einen Versicherungskonzern muss man die Frage ganz anders
stellen: Das Problem ist eben nicht der Puffbesuch an sich. Das Problem sind
eher die männlichen Gorillastrukturen, die so etwas ganz selbstverständlich
als Incentive ansehen. Nur bei dieser Kritik bewegt man sich immer auf einer
dünnen Linie. Zwischen berechtigter Kritik und Moralvorstellungen, die
sonst nur die katholische Kirche vertritt. Und das dies nicht gerade meine
sind, sollte jedem bekannt sein.