Mai 092011
 

oder

Schämt euch!

Vorwort

Schreibe ich nun einen Meinungsbericht ohne Passwort oder einen Tageserlebnisbericht mit Passwort? Ich weiß es nicht, ich weiß nicht, wie ich mit dem gestrigen (Beginn am Sonntag geschrieben, Ende voraussichtlich am Montag) Tag umgehen soll. Wenn ihr schlechte Laune bei diesem Verein haben wollt, dann unterhaltet euch mit Wissenden. Was hinter den Kulissen teilweise abgeht, ist einfach nur unfassbar. Und ich sage es mal so, die Menschen, die Ehrenamtlich sich den Arsch aufreißen sind meistens die Leute, die Opfer, nicht Täter sind.

Heute (bzw. jetzt gestern) ist nebenbei der 8.5. Sprich das Ende des zweiten Weltkrieges in Europa. Und der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Das Ende eines unmenschlichen Regimes, welches viel zu lange und viel zu deutsch (im Sinne von Perfektionistisch) seine Vernichtungspolitik durchsetzen konnte. Ein Tag der Freude, nicht mehr und nicht weniger. So ein Regime darf sich nie und nirgendwo wiederholen.

Historisch

Der gestrige Tag war historisch. Ich in meiner Zeit habe noch kein 1-8 meines Vereines gesehen. Immerhin gab es auch im modernen Fußball eine höhere Heimniederlage, denn der SSV Ulm hat im Jahr 2000 mal 1-9 gegen Leverkusen verloren. Aber irgendwo in diesen höchsten Heimniederlagen finden wir uns nun auch wieder. Und wenn man ganz ehrlich ist: Bayern hat nicht einmal wirklich ernst gemacht. Robben, der ja, aber sonst? War das ein besseres Trainingsspielchen und wirklich an seine Leistungsgrenzen musste bei Bayern niemand gehen. Und wenn wir wirklich mal ein bisschen aufbäumten, dann machten wir auch gleich wieder einen Mörderfehler und Bayern hatte das nächste Tor geschossen.

Und das schlimme dabei: Ungefähr 9 bis 10 Spieler wollten einfach nicht. Sie haben klassisch Arbeitsverweigerung betrieben. Ich würde von dieser Kritik einfach nur Morena (nicht fit, sorry), Lechner (gegen Robben einfach überfordert, da hat er einfach Grenzen, muss man so klar sagen, aber bemüht), Eger (siehe Lechner) und Bartels (lief wenigstens) ausnehmen. Irgendein Argument für eine Vertragsverlängerung konnte kein eingesetzter Spieler liefern. Nur es ist zu einfach, auf die Spieler einzudreschen. Das ist populär, aber immer nur die halbe Wahrheit.

Ich dresche ab jetzt viele Plattitüden. Das tue ich ungern, aber was in letzter Zeit passiert ist, ist so offensichtlich, so exemplarisch für diese Plattitüden. Eine davon bietet schon die Überschrift. Denn so ein Fisch stinkt immer vom Kopf. Eine Mannschaft entwickelt zwar eine Eigendynamik, aber sie ist immer auch Produkt des Trainers und des Managers. Da sind Fehler passiert, die gilt es klar zu benennen. Und da muss man eben auch sagen, dass Stanislawski in dieser Stresssituation eventuell die Erfahrung fehlte um die richtigen Hebel umzustellen. Vieles wird man als Außenstehender nicht endgültig beurteilen können. Diese Feststellung möchte ich bitte ab jetzt immer mitgelesen wissen.

Man muss einfach fragen, warum eine Mannschaft, die zu Beginn der Rückrunde auf Platz 1 der Rückrundentabelle stand so eingebrochen ist? Was ist falsch gelaufen? Das ganze erinnert mich stark an die zweite Bundesligasaison unter Maslo. 20 Punkte in der Hinrunde, damals nur 8 in der Rückrunde. Damals kann man das ganze sehr klar an einem komplett fehlgelaufenen Trainingslager und einer damit einhergehenden schlechten Rückrundenvorbereitung fest machen. Die Truppe, die eben noch alles läuferisch mitgehen konnte, hatte plötzlich in diesem Bereich Defizite.

Wo ist diesmal der Fehler? Wieder in einer falschen Rückrundenvorbereitung? Man muss es aber wohl als Fehler ansehen, dass man nicht in ein Trainingslager gegangen ist. Man hat es anscheinend nicht geschafft die konditionellen und psychischen Grundlagen zu schaffen, die uns letzte Saison noch auszeichneten. Und da dies bei allen Spielern zu beobachten ist, liegt eine Verantwortung des Trainerteams sehr nahe. Stanislawski ist bei uns unangreifbar und daher wird niemand seine Arbeit hinterfragt haben, auch niemand, der es beurteilen könnte. Ob hier korrigierend hätte eingegriffen werden können oder hätte müssen, ist als Außenstehender nicht klar. Fakt ist: Zu Mitte der Rückrunde war Feierabend, die Mannschaft hatte einfach keinen Saft mehr. Nach der englischen Woche mit dem Derby war die Kraft und die Konzentration Geschichte. Die späten Gegentore sprechen Bände. Es begann dann ein Abwärtssog, dem sich die Mannschaft nicht mehr entziehen konnte und weder Trainer, noch Manager konnten noch einen Reiz setzen, der den Teufelskreis durchbrach.

Noch etwas war im gesamten Laufe der Saison erschreckend: Unsere Schwäche bei Standards. Wir haben in der Rückrunde beinah in jedem Spiel einen Freistoß oder einen Eckball bekommen. Und auch hier muss man leider eine Plattitüde verwenden: Das kann man trainieren. Und hier sind Fehler geschehen, die augenscheinlich sind.

Wo im Detail die Fehler geschehen wurden? Keine Ahnung! Hat der Trainer das Team nicht mehr erreicht? Haben Geldprobleme ein Trainingslager verhindert? Waren die Spieler zu selbstzufrieden? Hätten Neuverpflichtungen in der Winterpause den Konkurrenzkampf noch mal angeheizt? Fehlte das Geld? War das Vertrauen in den Kader zu groß? Wozu die Mannschaft in der Lage ist, hat sie in ganz wenigen Spielen bewiesen. Als Beispiel sei hier z.B. das Heimspiel gegen Köln genannt. Hier zeigte die Mannschaft, wie sie spielen kann und wie ein Klassenerhalt möglich gewesen wäre.

Nicht nennen mag ich das Verletzungspech. Natürlich sind uns die beiden besten und konstantesten Spielern in der entscheidenen Phase ausgefallen. Oczipka spielte bis zu seiner Verletzung eine wirklich gute Saison und sollte Leverkusen den wirklich nach Hoffenheim verkaufen, dann wären die vollkommen bekloppt. Und Boller noch zu loben, wäre wohl Eulen nach Athen tragen. Was er an Kampfgeist und Einsatzwillen gezeigt hat, ist in dieser Mannschaft ohne Echo geblieben.

Aber: Was ich nicht gesehen habe ist, dass die anderen Spieler diese Ausfälle weg machen wollten. Wo ist das „jetzt erst Recht“? Es kam nicht. Es kam nicht aus der Mannschaft selbst, es konnte vom Trainerteam nicht vermittelt werden.

Und etwas stört am Ende der Saison: In den letzten fünf Jahren wurden beinah nie mehrere Personalien in der Öffentlichkeit diskutiert und nun plötzlich eigentlich alle. Was ist da schief gelaufen? Sind Gespräche gelaufen? Alles schwer zu beurteilen, denn in die Öffentlichkeit gelingt immer nur ein Drittel der Wahrheit. Aber konzentrieren wir uns mal auf die öffentlichen Aussagen des Helmut S.:

„Niemand wollte mit uns reden“ hat er gesagt. Klar ist, damit sage ich in der Öffentlichkeit ziemlich pauschal „Wir wollen mit euch nicht reden“ bzw. „So wichtig ist es uns nicht mit euch zu reden“. Widersprüchlich wird es dann, wenn gleichzeitig gesagt wird: „Wir wollen die 16 meist eingesetzten Spieler behalten.“ Nach dem Kicker sind dies: Kessler, Oczipka, Zambrano, Thorandt, Naki, Takyi, Boll, Bruns, Bartels, Kruse, Lehmann, Asamoah, Ebbers, Gunesch, Hennings, Rothenbach. Dann fragt man sich natürlich, warum mit einem Kandidaten wie Gunesch, der zu dieser Gruppe gehört und garantiert nicht der schwierigste in den Verhandlungen ist, nicht schon lange verlängert wurde. Ich messe da nicht die sportliche Qualität, sondern ich nehme nur die Aussage von Schulte als Gradmesser.

Und wohlgemerkt: Die Aussage „wir wollen die 16 behalten“ wurde getätigt, bevor der neue Trainer offiziell vorgestellt war. Und widerspricht dann wieder der Aussage „wir können erst planen, wenn der neue Trainer da ist“. Zumindest ist hier eine unglückliche Kommunikation in der Öffentlichkeit dem Manager anzukreiden. Mal ganz davon ab, dass ich die Frage wofür man eigentlich einen Manager braucht, wenn man ohne Trainer nicht planen kann, bereits schon letzte Woche gestellt habe. Der hat immerhin eine Geschäftsführerfunktion. Das ist ja nicht gerade irgendein untergeordneter Posten.

Eine Sache, die heute auch im Abendblatt auch für die interne Seite angekreidet wird. Ich kann das nicht beurteilen, ich habe keine Ahnung, ich persönlich finde aber, dass verdiente Spieler wie z.B. Lechner, Schulle und Eger einen würdigen Abschied verdient hätten. Wenn man nicht mehr mit ihnen plant (was ich jetzt nicht weiter schlimm finde), dann kann es doch nicht so schwer sein, dies vor dem letzten Heimspiel auch klar gesagt zu haben und die würdig zu verabschieden. Die Verabschiedung war eine Farce, peinlich und alle Verantwortlichen müssen sich schämen. Wenn nicht einmal Matze Hain verabschiedet wird, dann verabschiede ich gar keinen Spieler, aber dann Oczipka und Sukuto Paso zu verabschieden, aber sonst niemanden, das ist für alle, die teilweise jhrelang ihre Knochen hingehalten haben ein Schlag ins Gesicht. Das ist peinlich. Und die Verantwortlichen müssen sich schämen.

Und hinter diesem Hintergrund finde ich es vollkommen richtig, dass sich Eger einen Jubel nach dem 1-5 herausgenommen hat und so seinen persönlichen Abschied gefeiert hat. Das ist nicht peinlich, sondern höchstverständlich. Es ist unprofessionell, ja, aber abgewichste Profis haben wir genug, ich will Menschen, die an diesem Verein hängen.

Und insbesondere will ich keine Spieler mehr, deren Anspruch es ist, 1. Liga zu spielen und sich dann nicht einmal Erstligareif präsentieren. Ich schließe mich dem Übersteiger an: Dann lieber mit Eger, Lelle, Gunesch irgendwo im Graubereich von Liga 2, als gesichtslose Profis. An einen Abstieg in Liga 3 glaube ich selbst mit diesem Personal nicht, dies als Korrektur zum Übersteiger.

Sollte Marcel Eger nebenbei nie wieder in braun-weiß auflaufen, kündige ich hier schon eine tränenreiche Abschiedskolumne an. Denn dieser Spieler ist mir aufgrund von ein zwei Geschichten abseits des Platzes so etwas von an das Herz gewachsen. Und obwohl er beinah nie gespielt hat, sage ich euch: Marcel Eger ist einer der wichtigsten Spieler im letztjährigen Aufstieg. Warum? Ich schreibe es hoffentlich nicht diese Saison, denn so lange sein Abschied nicht offiziell ist, hoffe ich, dass Marcel weiterhin braun-weiß trägt und ich die Abschiedskolumne noch verschieben kann.

Es hilft nichts, auch hier muss man die Frage stellen, ob der Kopf Helmut S. sich einfach nur in der Öffentlichkeit schlecht darsteht, ob eventuell die Umstände einfach zu schwierig für unsere Struktur sind oder ob er eben auch eine gehörige Mitschuld am Dilemma trägt. Ich kann und ich will es nicht beantworten. Daher die offenen Fragen.

Historisch war der Tag auch, weil die letzte Gazzetta erschien und wisst ihr was das schlimme ist? Es ist die erste, die ich nicht käuflich erwerben konnte, weil ich am ganzen Tag keinen Verkäufer getroffen habe. Ich hoffe, dass ich noch ein Exemplar im Fanladen finde.

Der Übersteiger erschien zum 103. mal und wisst ihr was das lustige ist? Wenn es eine Ausgabe Nr. 104 geben wird, dann wird dies die erste ohne Holger Stanislawski sein, denn genau in Nr. 1 des Übersteigers wurde er als junger Neuzugang vorgestellt. Alleine dies zeigt, was für eine Epoche Stanislawski bei uns war.

Sterben in Würde war auf den Rängen angesagt. Man kann das als Pauli-Party abtun, aber das war es nicht. Es war einfach der Respekt vor der Leistung der letzten 5 Jahre, das kann auch ein absolut bitteres halbes Jahr nicht verdecken. Man darf nie vergessen, wo wir her kommen. Und ich finde so etwas immer noch besser, als ein Platzsturm wie in Frankfurt. Die schlechten Schlagzeilen bekommst du doch auf Jahre nicht weg.

Ich persönlich habe mir die ganzen Abschiedsrunden trotzdem nicht mehr gegeben. Ich habe es einfach nicht ertragen. Was ich nebenbei bemerkenswert finde ist, dass zum Abschied von Stanislawski kein Präsidiumsmitglied geredet hat. Ich zitiere mal den Übersteiger:


Insgesamt bin ich schon sehr gespannt, ob da jetzt im Nachhinein nochmal die wahren Gründe für Stanis Abschied an die Öffentlichkeit gelangen, oder er da für immer Stillschweigen bewahrt.“

Klingt für mich so ein bisschen nach einem beredetem Schweigen, aber ich will auch gar nicht alles wissen, das meiste macht nur schlechte Laune. Bezeichnend waren die Verabschiedungsmodalitäten aber schon. Nun ja, schade, dass es SO zu Ende gehen musste, mit irgendwie einer Verstimmung auf beiden Seiten, dies hat Stanislawski nicht verdient und Truller noch weniger. Ich vermisse ihn jetzt schon, den alten Luruper. Und ganz still und heimlich wünsche ich mir Truller in drei bis fünf Jahren auf unserer Bank. Aber als Cheftrainer. Bis dahin muss er nur bei Otto Rehagel in die Lehre gehen, wie man mit Presse umgeht. „Ich beantworte nur noch Fachfragen.“

Ansonsten – und das ist das absurde – war es eigentlich ein angenehmer Tag (wenn man mal von ein paar Krankheitsnachwirkungen bei mir absieht. Ich hatte einen Bayernblogger und (insbesondere) Twitterer als Gast bei uns, der sich als sehr angenehm herausstellte und sich super verhielt. Wenn alle Gastfans so wären, gäbe es die Diskussion nicht. Und die als Gastgeschenk mitgebrachte Trolli-Meistermischung fand sehr viel Anklang bei uns. Danke und hoffentlich bald die Revanche. Auch sonst traf man eigentlich nur angenehme Menschen und mein Fanclub bleibt mein Fanclub und ist großartig. Punkt! Heike, ich drück dir alle Daumen (du weißt warum).

Leider nicht mitnehmen konnte ich die Meisterfeier der 2. Mannschaft, da ich für den Marathon noch ein bisschen was tun musste und gestern die letzte Chance war. Hier sei noch mal Werbung für „Kein Sprint“ gemacht. Kommt auch am 22.05. an die Strecke und feuert unsere gut in Orange zu erkennenden Läufer an.

Nächste Woche dann die Fahrt nach Mainz. Ob ich ins Stadion gehe, weiß ich noch nicht. Mal sehen, wie meine Laune ist. Und das Motto „Alle im Trikot“ setze ich entweder nicht oder nicht in braun-weiß um. Ich freue mich auf ein paar entspannte Getränke im Partywagen und hoffentlich doch noch ein bisschen Spaß. Lasst eure Aggressionen zu Hause und feiert einfach eine dünnsinnige Party. Ich freue mich drauf.

Noch eine Anmerkung in eigener Sache: Ich bin zur Zeit etwas Fotogalerieunlustig. Ich versuche trotzdem diese Woche irgendwann die mal auf den neuesten Stand zu bringen.