Mai 312011
 

Fußball läuft nicht

Vorwort

Liebe Leser, dieser Blog hat nun eine Facebookfanseite. Erschreckend dies, denn ich persönlich finde Facebook immer noch äußerst bedenklich. Ich habe daher auch nur bedingt eine private Facebookseite, aber dieser Blog hat ein gewisses Eigenleben und eine gewisse zweite Persönlichkeit und daher hat er nun eine Fanseite. Keine Angst, das Datum für Terminator ist schon vorbei. Das erstaunliche dabei: Ich teile der unschuldigen Welt seit dem 18.10.10 per Twitter meinen Dünnsinn mit. Das hat mir bis heute 247 Follower gebracht, davon sind genügend irgendwelche Maschinen, die mir nur folgen um einen Account aufzupeppen. Als ich diese Zeilen schreibe, habe ich seit 6 Stunden eine Facebookfanseite und der Welt noch nichts mitgeteilt und diese gefällt (was ich jetzt mal grob mit dem Folgen auf Twitter gleichsetze) 93 Personen (Maschinen? Wahrscheinlich, kein Plan). Wollen wir mal überlegen, wie weit die Reichweite von Facebook im Vergleich zu Twitter ist?

Btw Twitter: Mit dem alten Kalauer „Wieviele Autonome braucht man eine Glühbirne zu wechseln? PSSST, keine Namen, keine Strukturen“ bekommt man innerhalb von wenigen Stunden mehr Aufmerksamkeit als mit jeder verwertbaren Information und jeder Blogankündigung. Noch Fragen über diese Welt?

Viel Kleinkram über die Sommerpause, einige Gedanken zu Fifa und Kachelmann und ein kleiner Laufpart. Nächste Woche dann der jährliche Rock im Park Bericht. Freut euch. Oder auch nicht.

RIP Harry Wunstorf

Der ehemalige Torhüter des FC ist verstorben. Im Alter von 84 Jahren. Ruhe in Frieden und mein Mitleid den Angehörigen. Möge er nun im braun-weißen Himmelstor stehen und nie wieder eine Derbyniederlage erleben. Er stand beim höchsten Sieg der Rauten im Tor von uns.

Vertragsdinge

Matze Hain: Super, großartig. Ich denke das ist absolut gut. Nein, dies ist keine Äußerung gegen KaPe, aber ich denke, dass es sinnvoll ist auf der Torhütertrainerposition einen ehemaligen Torhüter zu beschäftigen. Gerade in sehr torwartspezifischen Dingen (herauslaufen!) sah man bei unseren Torhütern doch Mängel. Ich hoffe, dass durch Matze Hain diese Dinge abgestellt werden können und ich erhoffe mir sowohl bei Bene, als auch bei Tschauner eine Leistungssteigerung. Ob und wie KaPe, der garantiert ein guter Co-Trainer ist, bei uns weiterbeschäftigt wird, wird sich zeigen.

Max Kruse: Positiv: Norddeutscher Jung, viel Talent, langfristig gebunden. Negativ: Anspruchszitat in der Zeitung ohne diesem Anspruch letzte Saison gerecht zu werden. Im Endeffekt aber relativ schnell unterschrieben und für 3 Jahre, sehen wir es mal so: Es ist egal was war, es ist wichtig was wird. Und hoffentlich wird es gut.

Sebastian Schachten: Eine Verpflichtung des Trainers. In Gladbach – formulieren wir es mal sehr neutral – nicht gerade eingeschlagen wie eine Bombe, hat aber meistens gespielt, als es bei der Borussia nun so gar nicht lief. Außenverteidiger benötigen wir definitiv, so kann man nur hoffen, dass er unter seinem Entdecker zu (alter?) Form aufläuft.

Philipp Tschauner: Ich persönlich hätte mir eine klarere Nr. 1 gewünscht, aber Talent wird ihm allemal zugeschrieben. Ob er das wirklich umsetzen kann, wird sich zeigen. Die fehlende Spielpraxis ist natürlich ein Problem, aber bei dem entsprechenden Vertrauen hat er das innerhalb kürzester Zeit überwunden. Wenn er sich denn gegen Bene durchsetzt. Das wird die Zeit zeigen.

Wenn man mal so auf den Kader blickt (nebenbei danke an Doylewolf, der diesen Überblick im Forum pflegt), dann klingt der Erstmal ganz gut und man kann damit irgendwo in Liga 2 bestehen vom Papier her. Wenn denn die menschliche Chemie im Kader stimmt und man zueinander findet. Was nun noch wichtig wäre, wäre eine schnelle Abarbeitung der weiteren Wackelkandidaten (Takyi, Lehmann, Ralle), so dass man ohne solche in die neue Saison geht und am besten mit einem vollen Kader die Vorbereitung beginnt.

Was ich nebenbei noch mal klar stellen möchte: Meine Kritik an unserem Manager orientiert sich nicht an sportlichen Sachverstand, sondern am menschlichen Verhalten gegenüber verdienten Spielern. Mal sehen, ob es noch mit Ralle eine sinnvolle Lösung gibt.

Nachtrag Dauerkarten

Einen nicht ganz unwichtigen Aspekt bei der Kritik an den Dauerkartenpreisen habe ich vergessen: Die Business Seats und die Logen werden in der 2. Liga wie selbstverständlich deutlich billiger. Das kann es doch nicht wirklich sein, oder? Bei den Bonzen gibt es einen Nachlass und wir dürfen beinah das gleiche bezahlen? Ja, ich bin populistisch.

Testspiele

Das der Sicherheitswahn keine rein deutsche Erfindung ist, zeigt sich in der Absage unseres Testspieles gegen den FC Kopenhagen. Denn seien wir mal ehrlich: Auch wenn die Kontakte zu diesen sich selbst wenigen Auserwählte nennenden pflegen: Was hätte denn da passiere sollen? Schade um einen hübschen Sommerausflug. Denn in Heide war ich ungefähr schon 100. mal.

Die Fifa

Der Übersteiger twitterte schon vor geraumer Zeit (das ist bei Twitter jede Spanne über 10 Sekunden) sinngemäß, dass er erstaunt sei, dass die Fifa bestechlich sei. Als nächstes würde man wohl überrascht feststellen, dass der Papst katholisch sei.

Das System ist ja auch schon absurd. Eine Kontrolle durch eine Legislative gibt es nur bedingt und wenn, dann ist diese Legislative durch Leute gebildet, die erhebliche finanzielle Interessen haben. Und eine unabhängige Korruptionskontrolle findet nicht statt. Viel absurder geht es nicht, wenn man bedenkt, dass auch noch mit riesigen Beträgen hantiert wird, die auch noch schön in die eigenen Taschen wandern können, weil es in vielen Landesverbänden nicht anders aussieht und/oder man die Gelder in den Landesverbänden so verteilen kann, dass die eigenen Parteigänger davon profitieren. Alleine schon, weil Korruption in genügend Staaten weit verbreitet ist und/oder eine unabhängige Kontrolle (und sei es nur über Medien) nicht stattfindet. Kurz in diesem Parlament sitzen sehr viele Profiteure dieses Systems und sehr wenig Leute, die nicht an den Fleischtöpfen sind und die man vielleicht als Opposition werten könnte. Leute, die nur das Gute des Fußballs im Sinn haben, sucht man dort wahrscheinlich wie eine Nadel im Heuhaufen.

Die Rolle der Medien ist doch auch eine sehr zwiespältig, denn man befindet sich doch in einem riesigen Abhängigkeitsverhältnis. Ich brauche die Akkreditierung, die Exklusivinterviews und die Hintergrundgeschichten damit ich Quote mache. Kritische Berichterstattung wagen da nur die wenigsten. Wer viel Zeit hat, der kann eine sehr kritische Sportberichterstattung im Blog von Jens Weinreich genießen. Dazu muss man aber sehr viel Zeit haben, der schreibt sehr viel, sehr lang.

Wenn man sich diese Melange mal betrachtet, dann kann man sich über eines sicher sein: Selbst wenn das System Blatter nun endet, es wird nur durch ein System XYZ ersetzt. Eine Änderung würde wohl nur eine unabhängige Korruptionskontrolle und ein unabhängiges Parlament bringen. Wird es dieses je geben? Ich wage es zu bezweifeln.

Was ich laufe…

Ich habe ja beschlossen mich ein bisschen mehr dem Laufen in diesem Blog zu widmen. Gedanklich bin ich nach meiner Krankheit nun dabei meine weitere Laufplanung zu machen. Fest in dieser Planung ist der 02.10.11 und der Köln Marathon. Sehr wahrscheinlich ist, dass ich weiterhin in Frankfurt starte, aber das mache ich nach dem Spielplan fest. Bis dahin ist relativ viel im Fluss. Ich werde fest am 03.07.11. beim Hella Halbmarathon starten und hoffe, dass es nicht wieder so ein Hitzelauf wird, wie letztes Jahr. Der Rest ist dann sehr abhängig vom Spielplan.

Was laufe ich eigentlich an Equipment? Ist es überhaupt sinnvoll so etwas zu schreiben? Nein, ist es eigentlich nicht, denn die Schuhe, die ich gut finde, sind noch lange nicht gut für den nächsten Läufer. Dies gilt umso mehr, wenn man – wie ich – groß und schwergewichtig ist und beim Laufen dazu neigt nach innen zu knicken. Die Schuhe, die ich laufe verhindern dies und alle führen dazu, dass ich eigentlich nie Probleme mit den Gelenken habe. Und dies obwohl ich u.a. sehr sensible Knie habe, was auch eine sehr hübsche OP Narbe am einen Knie zeigt. Ich persönlich habe vier Paar Schuhe. Foto:

meine Schuhe

meine Schuhe

Zwei von Adidas, zwei von Mizuno. Die Mizuno sind ältere Wave Modelle und die habe ich mir auf Empfehlung von Lauf Lunge gekauft. Wie ihr an dem Champion Chip seht, ist das eine Paar mein Marathonpaar. Das andere ist auch großartig, aber auf längeren Strecken (länger als HM) habe ich das Gefühl, dass mein Fuß ein bisschen nörgelt. Das schwarze Adidas Paar ist leider eine Nummer zu klein. Daher kann man es auf langen Strecken nicht laufen. Es ist sonst super angenehm zu tragen und mein Matschpaar. Viele Winterläufe bin ich damit gelaufen. Das helle Adidaspaar ist mein „Bäh ich fühle mich nicht so und will bequem sein“ Laufschuh. Bei längeren Strecken bekomme ich darin aber Blasen. Aber für die abendliche Runde ist der sehr angenehm.

Als Laufuhr nehme ich eine Garmin Forerunner 305 und ich bin zufrieden. Das einzige Manko: Die Software für den Computer ist sehr bescheiden und die Übertragung von der Uhr funktioniert sehr bescheiden. Wenn man – wie ich – meistens im Wald läuft kann die „aktuelle Geschwindigkeit“ mal ganz ordentlich schwanken, aber wenn man das weiß, dann ist das kein Problem.

Ich laufe normalerweise mit einem Ipod Nano im Ohr und aus Testerfahrung kann ich euch sagen: Die Dinger sind nicht waschmaschinenfest. Weder das alte, noch das neue Modell. Mehr muss ich wohl nicht sagen, oder?

Der Rest meiner Laufsachen sind zwei Kompressionssocken, einmal von Nike, einmal von Falk (finde ich beide so lala, irgendwie bekomme ich von denen Blasen) und ganz viele Sachen von Tschibo. Die sind billig und ihren Preis wert. Aber natürlich nicht cool.

Und so laufe ich also. Eher langsam, denn meine Bestzeiten sind wie folgt: 5 Km 27 Minuten, 10 KM 56:04, 15 km 1:30:01, 21 km 2:07 und ein Keks 42 km 5:15 und ein Keks. Ich werde berichten, wie es weiter geht.

Warum ich keine Meinung zu Kachelmann habe

Bereits letztens habe ich mal darüber geschrieben, wie schwer es ist, sich über Urteile eine Meinung zu bilden, wenn man nicht die vollständigen Gründe gelesen hat und nicht weiß, wie das Urteil zustande gekommen ist. Insbesondere bei einem Prozess, der nicht auf Rechtsfragen, sondern auf dem Versuch des Gerichtes die Wahrheit herauszufinden beruht, sollte man mit einer juristischen (!) Beurteilung sehr vorsichtig sein, insbesondere, wenn man nicht der Beweisaufnahme beigewohnt hat.

Dies gilt umso mehr in einem Prozess wo es um Sexualität geht, denn (unabhängige) Zeugen wird man nicht haben. Vergewaltigung ist für mich der schlimmste Delikt überhaupt und man kann sehr lange sehr ausführlich darüber diskutieren, ob es wirklich sinnvoll ist das Vorliegen oder Nichtvorliegen dieses Deliktes in einem Gerichtssaal und dies am besten noch unter Anteilnahme der Öffentlichkeit wie in diesem Fall zu erörtern. Mal ganz davon ab, dass auch die Grenzen dieses Deliktes sehr diskussionswürdig sind. „Zweite Vergewaltigung“ ist ein sehr plakatives Stichwort für diese sehr komplexe Frage. Ich persönlich kann euch keine sinnvolle und gute Lösung nennen, ich bin dazu ehrlich gesagt zu stark ausführender und zu wenig kreierender Jurist und Mensch. (Das diese Haltung klare Grenzen hat, sei ergänzend kurz mal angemerkt.) Mal ganz davon ab, dass dies in erster Linie immer noch ein Fußballblog ist.

Dies angemerkt wird es noch problematischer, wenn in diesem Bereich eine sogenannte Konfliktverteidigung angewandt wird und dementsprechend das Opfer auch noch mit einer entsprechenden Nichtrespektierung durch die Verteidigung bedacht wird. Das dies menschlich unterste Schublade ist, muss man wohl nicht erwähnen. Ist die Konfliktverteidigung in eigentlich unabhängig vom zur Frage stehenden Delikt.

Nur ich halte nichts davon wenn jetzt Kommentatoren entweder den Sieg der Rechtsstaatlichkeit feiern oder eine Reichen- oder männerfreundliche Justiz in diesem Urteil sehen. Das Meiste davon ist mir viel zu doll aus einer Perspektive geschrieben, wo man den Kommentar schon im Moment der Verhaftung hätte schreiben können. Wohlgemerkt: Jetzt aus der Perspektive eines Juristen gedacht. Wer von diesen Kommentatoren bewertet denn wirklich auch nur annähernd die Beweislage?

Natürlich habe auch ich viele Artikel über den Prozess gelesen, so doll ist man dann doch interessiert, wie sich so ein Prozess im Fokus der Öffentlichkeit entwickelt. Ich habe vielen Blödsinn gelesen, ich habe aber nur sehr wenig gelesen, wo Kommentatoren versuchen ihre Meinungen juristisch zu begründen, wirklich an der Hauptverhandlung teil nahmen und dies für die Leser verständlich aufzuarbeiten und Beweiswürdigungen zu versuchen. Nein, ich gebe euch jetzt keinen Link, denn auch diesen Personen hatten bereits vor der Verurteilung eine klare Meinung, begründeten diese jedoch und wohnten augenscheinlich der Hauptverhandlung (soweit dies eben möglich war) bei, denn diese Personen zitierten ständig daraus. Trotzdem kein Link, denn ich habe das nicht vollständig verfolgt und bin mir daher einer Unvoreingenommenheit nicht sicher. Und ich will auch nicht, dass es heißt, ich habe mir hinten herum diese Meinungen zu eigen gemacht. Nein, ich habe keine (juristische) Meinung. Ich denke gerade bei einem so schweren Beweismittelprozess sollte sich jeder Jurist einer endgültigen Meinung enthalten, wenn er nicht wirklich bei der Beweisaufnahme dabei war. Denn nur so kann man den Wert einzelner Beweismittel wirklich abschließend und umfassend bewerten. Daher gilt ja gerade der Grundsatz der Unmittelbarkeit einer Hauptverhandlung.

Menschlich muss man aber folgendes sagen: Das ärmste Schwein in der ganzen Sache ist nicht etwa Herr Kachelmann, mag er im juristischen Sinne noch so unschuldig sein (bitte nicht als meine Beurteilung zu verstehen). Das ärmste Schwein ist die Nebenklägerin, die ihr gesamtes Leben in der Öffentlichkeit (und vor Gericht!) zerpflücken lassen musste und nun auch noch ziemlich doof (harmlos formuliert) da steht. Man muss sich in diesem Zusammenhang schon fragt, woher die Medien eigentlich die ganzen Informationen hatten (und dies schon vor der öffentlichen Hauptverhandlung). Das hier gewisse Boulevardzeitungen anscheinend Zugang zu Akten hatten und/oder plauderwillige Anwälte, Staatsanwälte, Richter was auch immer fanden, das ist der eigentliche Skandal. Viel Kritik prasselt in diesem Zusammenhang auf die Staatsanwaltschaft ein, dies nebenbei zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit (Fall Wörz), ob zu Recht oder zu Unrecht? Ich kann und will es euch nicht sagen. Ja, das Vorgesagte gilt auch für Herrn Kachelmann, aber actio und reactio sind auch hier entscheidend.

Mai 262011
 

oder

Koitus ergo sum

Vorwort

Hier stand zwischen 12:53 und 18:25 eine etwas andere Version dieses Textes. Ich Dussel hatte eine noch nicht redigierte Version online gestellt. Mea culpa.

Sommerpause, liebe Leser. Man kann sich dem Ponyhof zuwenden, man kann die Wunden einer langen und unangenehmen Saison lecken, man kann schon mal pauschal die zweite Liga der nächsten Saison verdammen oder man kann sich drauf freuen. Und eigentlich sollte ein Fußballblog Feierabend haben, die Fotoseite aktualisieren (hab ich zur Zeit so gar keinen Bock drauf) oder sonst was machen. Ich habe beschlossen, dass ich das Themenspektrum dieses Blogs ein bisschen erweitere. Und dazu gehört, dass ich auch über mein Laufen ein bisschen mehr berichten werde. Keine Ahnung, ob das jemanden interessiert, aber eine Leserorientierung liegt diesem Blog ja sowieso etwas fern. Ansonsten wird es bei Fußball, bisschen Politik garniert mit ein bisschen Juristerei bleiben.

Zur Überschrift: Zwar ist es in der Umgangssprache die Borussia aus Mönchengladbach, aber insgesamt ist es immer noch der (eingetragene) Verein für Leibesübungen.

Na so was, ein Neuzugang

Immerhin haben wir heute mal offiziell einen Neuzugang verpflichtet. Herzlich willkommen Lasse Sobiech! Da kann man noch so stark an den sportlichen Qualitäten zweifeln und die Vertragskonstruktion kritisieren, erstmal ein vollkommen unvoreingenommenes: Hau rein, Junge!

Dauerkarten

Ich rege mich ja schon länger über die Vergabe- und Informationspraxis des Kartencenters auf. Die Ankündigung des neuen Dauerkartenverkaufs schoss mal wieder den Vogel ab. Da werden erstmal nur die Daten ohne Preise verkündet, da wird erst auf Nachfrage erklärt, dass man bei einer Vollmachtsabholung auch dieses Jahr ein Formular des Vereines benutzen muss, was man dann irgendwann mal Online stellen wird und eine Online- und Telefonbestellmöglichkeit wird angeboten, ohne Details zu nennen. Da kann man sich die ganzen Meldungen auch sparen.

Zu den Preisen nur soviel: Der Übersteiger hat das ganze sehr gut recherchiert, so dass ich darauf verweise. Für mich persönlich sind die Preise schlichtweg eine Frechheit. Ich finde unser Preisniveau unerträglich und das ganze ist eine Gentrifizierung über Herausdrängung von sozial schwachen Menschen. Und dabei ist es mir egal, ob andere Vereine mehr verlangen oder wir im Mittelfeld, im Unterfeld oder im Oberfeld anderer Vereine sind. Es gibt Dinge, da möchte ich anders sein. Mal ganz davon ab, dass wir bei einer Preissenkung um 20 Euro für eine Dauerkarte (und einer entsprechenden Senkung der Preise von Einzelkarten) über ein Volumen von ca. 500.000 Euro sprechen. Ich sage es mal so: Jeder Becherwurf kann mehr kosten.

Nur und das sei auch mal ausdrücklich gesagt: Die Preise legt natürlich nicht das Kartencenter fest. Hier muss sich das Präsidium deutlichst an die eigene Nase fassen. Wenn man dann noch bedenkt, dass unser Mitgliedsbeitrag auch unerträglich hoch ist, dann wird der FC ein teures Vergnügen. Da dann noch von „sozialer Verantwortung“ oder „wir wissen in welchem Stadtteil wir uns bewegen“ zu quatschen klingt absolut hohl.

Ich freue mich drauf!

Ja auf diese zweite Liga. Viele spannende Vereine. Ja natürlich sind da viele Hochsicherheitsspiele bei, die ohne Alkohol stattfinden werden und unangenehm werden. Ich tippe mal so auf 7 Heimspiele ohne Astra. Ich würde mal sagen, dass Dresden, Rostock, Braunschweig absolut fest in diese Kategorie fallen und das man sich dann noch drei aus der Gruppe Cottbus, Frankfurt, Karlsruhe, Aue und Union aussuchen kann und wieder eine Erkenntnis der Hamburger Polizei hinzu kommt, die niemand versteht, wie z.B. Düsseldorf oder Aachen.

Trotzdem freue ich mich drauf, denn viele Vereine werden eine volle Gästekurve und auch eine entsprechende Stimmung garantieren. Und mit der Eintracht aus Braunschweig kommt ein echter Traditionsverein in die 2. Liga zurück, der dort auch definitiv hingehört. Nebenbei: Auch hier wird es interessant sein, ob die originalen Ultras irgendwann wieder in der Kurve Fuß fassen können, wenn ich das richtig verstehe laufen die Stadionverbote dieser Gruppe langsam aus, was die Handballerinnen und die Wasserballer der BTSV sehr bedauern würden, behaupte ich mal.

Nun ist es auch an uns mit entsprechenden Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Spiele gegen die genannten friedlich bleiben. Ich hoffe auch, dass bei den Fangruppen der Gegner das Gehirn langsam über den Pöbel siegt. Und ich sag euch ganz ehrlich: Eine Pyroshow ist für mich kein Weltuntergang. Wenn das sonst entspannt bleibt, ist das für mich nicht so schlimm und schon gar keine „Randale“. Man kann nun wirklich geteilter Meinung über die Verwendung von Pyro sein, aber das Werfen von Flaschen oder das Einprügeln auf Menschen gehört für mich dann doch in eine ganz andere Kategorie.

Auswärts werden meine Highlights aber anders liegen. Bochum muss ich hin, da bin ich nämlich schon zweimal mit dem FCSP aufgrund von Staus nicht hingekommen. Und ich will unbedingt nach Ingolstadt. Dann habe ich nämlich Liga 1 und 2 nahezu komplett, es fehlt dann nur Mainz neu. Ich rechne nebenbei so, dass Umbauten am gleichen Ort kein neues Stadion sind, falls das jemanden interessiert. Ich glaube Aue guck ich mir mal über’s Wochenende an und hoffe dann auf einen ortskundigen Reiseführer, nech Mätz.

Was ich nächste Saison definitiv nicht mache, ist ein 34er. Da stehen drei Marathone in der neuen Saison wahrscheinlich im Weg. Köln, Frankfurt und wahrscheinlich Hamburg 2012 sind fest geplant. Und sollte der 100Marathonclub Hamburg Anfang 2012 wirklich einen Alten Elbtunnel Marathon organisieren, wäre ich auch zwingend dabei.

Hardcore Vertriebler

Ich wollte dazu eigentlich nichts schreiben, aber mir geht schon wieder
diese moralsaure Berichterstattung auf den Sack. Also fangen wir doch mal
vorne an:

Nach Berichten in mehreren Zeitungen sollen sich die 100 besten
Vertriebler der Ham-burg Mannheimer (heutzutage Ergo), also sozusagen die
Herr Kaisers schlechthin bei einer Bordellparty in Budapest vergnügt haben.
Die Bildzeitung garniert das Ganze noch mit einer Koksgeschichte (jaja, Salz
durch die Nase, klar… (und dabei ist es egal, was da in dem konkreten Video geschnieft wird, entscheidend ist ja die Doppelmoral) und fertig ist der Doppelmoralsumpf. Warum?

Vorab: Ganz ehrlich, dass Leute, die als die besten 100 Vertriebler
einer Versicherung gelten, Menschen sind, die über Leichen gehen, sollte
jedem klar sein. Freundlich lächelnd bekommst du wahrscheinlich die dafür
geforderten Zahlen nicht hin. Da wird eben auch mal der 84jährigen Omi noch
eine Lebensversicherung angedreht.

Und natürlich gibt es Punkte, die man schon mal hinterfragen kann.
Erstmal scheinen die 100 besten Vertriebler männlich und heterosexuell zu
sein, denn ich behaupte mal, dass JEDEM Teilnehmer klar war, zu welchem
Zweck es nach Budapest ging. Entspannt in der Therme liegen oder gemeinsam
Grünkohl essen ist wahrscheinlich in solchen Kreisen eher keine spannende
Incentive. Frauen scheinen in dieser Welt nur die Rolle der Bedienerin zu
spielen und „schwul“ ist wahrscheinlich in solchen Kreisen ein Schimpfwort.
Scheinen, wohlgemerkt, der Sachverhalt ist ja definitiv unvollständig.

Der unglaubliche Gruppendruck, der auf einer solchen Veranstaltung
herrscht, den möchte ich mir gerade gar nicht ausmalen. „Wenn du da keinen
Bock drauf hast, kannst du dir nur sehr schnell die Lichter ausschießen.
Dann verlierst du so wenigstens nach Meinung der Gruppe nicht das Gesicht.“
sagte @whiff_of_hh und hatte Recht.

Nur all diese Umstände, die kann und muss man kritisieren, egal ob
solche Leute nun auf Kosten der Ergo gemeinsam in den Puff fahren oder
nicht. Das Klima ist doch kein anderes, wenn das nicht herausgekommen wäre.

Was mich jedoch stört, ist, wo der Schwerpunkt der Berichterstattung
ist. Der liegt nämlich nicht darin, dass mal diese Gorilla-Männer-Welt
beleuchtet wird und hinterfragt wird, warum man überhaupt „Incentives“ an
solche Vertriebler zahlt, nein, es wird der „Sexsumpf“ in allen Details
(Stempel oder nicht Stempel, Frauen nur für die Besten oder nicht)
beleuchtet. Nach dem guten alten Prinzip „Sex sells“ (das man mir hier nun
auch vorwerfen kann).

Neben „sex sells“ also noch eine Prise Moralvorstellungen aus dem
vorletzten Jahrhundert. Stellen wir doch mal folgendes fest: Prostitution
ist nach deutschen Maßstäben legal, und wenn man die Schätzungen des
Bundesrechnungshofes (4 Mrd. Umsatz pro Jahr (!!!)) und von
Selbstorganisationen (400.000 Prostituierte in Deutschland) ernst nehmen
mag, dann ist der Besuch eines bordellartigen Betriebes (ich liebe
Behördendeutsch) eine Sache, die – wie drücke ich es jetzt mal gut aus? –
weite Kreise im Bereich von Männern (ich behaupte jetzt mal klischeehaft,
das die Bordellbenutzung von Frauen vernachlässigbar ist) zieht. Ein
Fingerzeigen auf die Ergo verbietet sich daher.

Oder anders ausgedrückt: Ich frage mich, ob man das dann noch wirklich
als moralische (!!) Verfehlung geiseln kann und behaupten kann, Ergo habe
nun seine Glaubwürdigkeit verloren (SpON). Das ist aus meiner Sicht Unsinn.
Ergo (und insbesondere Versicherungsstrukturvertriebe) hatten vorher schon
eine Glaubwürdigkeit. Ob die nun schlecht oder gut ist, lasse ich jedem mal
überlassen. Sollte es einen wirklich guten Vertreter geben, der in meinem
Sinne berät, wäre es mir vollkommen egal, ob der nun in den Puff geht oder
nicht. Das muss er mit sich, seiner ganz persönlichen Moralvorstellung und
im Notfall noch mit seinem Ehepartner ausmachen. Mir sollte das egal sein,
wenn er eine legale (!) Dienstleistung in Anspruch nehmen will oder nicht.

Und auch für einen Versicherungskonzern muss man die Frage ganz anders
stellen: Das Problem ist eben nicht der Puffbesuch an sich. Das Problem sind
eher die männlichen Gorillastrukturen, die so etwas ganz selbstverständlich
als Incentive ansehen. Nur bei dieser Kritik bewegt man sich immer auf einer
dünnen Linie. Zwischen berechtigter Kritik und Moralvorstellungen, die
sonst nur die katholische Kirche vertritt. Und das dies nicht gerade meine
sind, sollte jedem bekannt sein.

Mai 232011
 

oder

Saisonrückblick, Marathon und was sonst so war.

Vorwort

Liebe Leser, auch wenn der Übersteiger mal wieder schneller war, bzw. sich nicht vom Marathon erholen musste, will ich doch einige seiner Themen auch noch mal verwursten. Dazu kommt noch ein etwas längerer Rückblick auf die längere Saison und natürlich ein paar Worte zum Marathon gestern.

Marathon

Ich bin definitiv nicht der leistungsstärkste Läufer. Aufgrund meiner körperlichen Voraussetzungen (man könnte das auch Übergewicht nennen), ist Marathon für mich eine Grenzerfahrung. Und leider musste ich zum 2. Mal in 5 Versuchen feststellen, dass ich bei einer Erkältung und sei sie noch so leicht nicht laufen kann. Während es mir so ganz gut geht, ich arbeiten kann und ich auch sonst eigentlich nur einen etwas kratzigen Hals habe, marschierte sofort mein Puls beim Laufen in Richtung 160 und das ist für mich normalerweise die Grenze, wenn ich versuche auf Volltempo zu laufen. Wenn man so etwas 35 km vor dem Ziel hat, dann ist etwas definitiv nicht in Ordnung und dann muss man sich Gedanken machen. Die Versuche den Puls noch mal runter zu bekommen, scheiterten und so stieg ich nach gelaufenen 17,61 km aus. Obwohl das natürlich vernünftig, sinnvoll und auch richtig war, schmerzt es schon ungemein, wenn von 19 gestarteten Läufern 18 mit einer schönen Medaille um den Hals nach Hause fahren und man selber der Versager ist.

Und da kann man noch so häufig wissen, dass man eigentlich keine Fehler gemacht hat, einfach eine Kombination von doofer Vorbereitung im Winter (muskuläre Probleme haben mich da doch sehr behindert) und zwei Krankheiten im falschen Moment einen um den Triumph gebracht hat.

Das tut weh, aber wenn diese beschissene Erkältung weg ist (was wahrscheinlich spätestens Mittwoch der Fall ist, um mich richtig zu ärgern), dann wird das Training neu aufgenommen und in Köln wird neu angegriffen.

Ob ich noch einmal Hamburg laufe, weiß ich nicht. Mir ist der Lauf einfach zu teuer. Man bekommt nahezu keine Goodies, die Orga ist okay, aber nun auch nicht das Highlight und der einzige große Pluspunkt, das Publikum schwächelte doch sehr. Ich war aufgrund der Erkrankung schon sehr langsam angegangen und lief im Feld der 6 Stunden Läufer und konnte weniger aufmunternde Worte, als abwandernde Menschen genießen. Das motiviert ehrlich gesagt nicht. Klar, die Leute, die einen aufmuntern und das sind immer noch mehr, als woanders, die sind super.

Einen Marathon am 22.05. sollte Hamburg jedoch nie wieder versuchen. Das Wetter ist einfach zu wankelmütig in unseren Breiten und das gestern ging gar nicht. Viellleicht wäre bei besserem Wetter die Schwächung durch die Erkältung nicht so durchgeschlagen, aber bei diesem Wetter ging gar nix.

An dieser Stelle natürlich vielen Dank an alle anderen Läufer, an die Helfer, an die Tickercrew, an das Raval, das JollydayInn, an module-maker.de, an alle Sponsoren und an alle, die unsere kein Sprint Läufer unterstützt haben. Kein Sprint 2012 wird es allemal geben, ob und wie wir 2013 weiter machen, werden wir sehen.

Der Alte Stamm

Darf ich mal eine doofe Frage stellen? Wie bekommt man eigentlich einen Text in „Der Blickpunkt“ veröffentlicht? Darf ich mal einfach so an der Legitimation des Alten Stammes zweifeln, dort Texte zu veröffentlichen? Immerhin handelt es sich nicht um eine offizielle Abteilung und auch in der Satzung des FCs ist diese Gruppe mit keinem Wort erwähnt. Dürfte ich jetzt eine Gruppe von Mitgliedern gründen, die sich „Die braun-weißen Öddels“ nennt und dann auch immer in „Der Blickpunkt“ von unseren Grünkohlfahrten berichten? Würde das abgedruckt werden?

Versteht mich bitte nicht falsch, das ist alles so lange okay, so lange da nicht unkommentiert Politik gemacht wird. Passiert dies einmal, kann man ja vielleicht noch einem Versehen sprechen und weder der Gruppe, noch der Redaktion von „Der Blickpunkt“ einen Vorwurf machen, aber wenn dies ständig passiert (immerhin nun zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate), dann muss man das Gefühl haben, dass dies ganz absichtlich passiert um Meinung zu machen.

Ja, solche Sätze wie: „Gesänge wie “Niemand siegt am Millerntor!” oder “Ein Tor, ein Tor, St.Pauli schießt ein Tor!” müssen doch jedem Gastfan ein ungläubiges Grinsen ins Gesicht zaubern. Eine derartige Fankultur macht nicht nur mich nachdenklich.“ werden in einem Zusammenhang mit Bierbecherwürfen gestellt und werden als Beweis für eine Fankultur angeführt, welche die Rostocker, die Cottbusser bereits in Aggression und Verwerflichkeit überhole. Wer schreibt so einen grenzdebilen Schwachsinn? Und warum wird so etwas unkommentiert abgedruckt? Ist dies Meinung des gesamten Alten Stammes? Wenn ja, dann wäre es ganz schön traurig, ich kann es mir aber irgendwie nicht vorstellen.

Vielleicht sollte man auch hier mal über einen Antrag auf der JHV nachdenken, dass das Schreibrecht in „Der Blickpunkt“ auf Organe und Abteilungen beschränkt wird. Ich zumindest habe keine Lust mehr mir den Blick in meine Vereinszeitung durch so einen Blödsinn verhageln zu lassen.

Sommerfest der Fanszene

Am 28.05. ist wieder das Sommerfest der Fanszene. Aufgrund eines St. Pauli Overkills nicht mit mir und wahrscheinlich auch ohne irgendwelche Fanräumebeteiligung, trotzdem für jeden, der keinen Overkill hat: Kommt zahlreich, denn es wird garantiert eine tolle Party.

Sommerfest

Sommerfest

Der Saisonrückblick

Vieles ist bereits geschrieben worden, wie die auffälligen konditionellen Mängel am Ende und andere Dinge. Trotzdem gibt es noch Überlegungen, die man vielleicht wiederholen oder in die Zukunft retten sollte. Und natürlich will ich jeden Spieler einzeln loben oder zerreissen.

Die Fans

United we stand, divided we fall ist der alte Spruch der Passanten und aktueller den je. Durch die Jolly Rouge Kampagne ist es zwischenzeitlich gelungen, die Gräben ein bisschen wieder zuzuschütten, aber immer noch gibt es ganz viele Sachen, die sofort wieder zu einer Spaltung führen. Und viele davon liegen einfach an einem komplett fehlenden Dialog der aktiven Leute. Da werden Fronten gebildet, die so gar nicht existieren, da wird einem aufgrund des benutzten Mediums eigentlich alles abgesprochen und auch sonst fehlt es an einer wichtigen Grundvoraussetzung für den vernünftigen Umgang miteinander, nämlich den Grundrespekt. Hinzu kommt ein Verteidigen der eigenen Positionen mit Händen und Klauen und sehr viel taktieren, damit man ja auch nicht irgendwo etwas verliert. Öffentlich Position beziehen, wenn es wirklich mal hart wird? Das vermisse ich doch bei einigen Leuten, die ihre Legitimation doch aus dieser Fanszene gewinnen.

Man kann nur hoffen, dass die Jolly Rouge Kampagne vielleicht neue Allianzen und neue Gesprächskanäle öffnet, aber zur Zeit sieht es nicht so aus. Auch weil dieser Revolution ein Gesicht fehlt. Und man muss immer folgende Frage stellen: Ist diese Fanszene, ist diese aktive Gruppe bereit auch dann zusammenzuhalten, wenn die Medienkampagne anläuft, wenn die „Totengräber des Vereines“ Rufe kommen, wenn in der Bildzeitung (MoPo) Leute persönlich diskreditiert werden und die Mächtigen ihre Macht ausspielen? Und die entscheidende Frage: Ist auch nur eine der Jolly Rouge Positionen auf einer JHV, die entsprechend angeheizt wird mehrheitsfähig? Oder kommt dann wieder der aufgeheizte, uninformierte Mob aus den Löchern, der „gegen die Kommunisten“ stimmen will. So wie damals „ich bin hier um den Aufsichtsrat abzuwählen!“ „Hast du dir denn schon mal angehört, wie die argumentieren?“ „Nein, ist mir egal, die müssen weg“. Für mich immer noch der Tiefpunkt beim FC.

Jolly Rouge legte die Saat, aber damit die geerntet werden kann, müsste sich nun eine Gruppe finden, die Positionen konkretisiert und diese mit Gesicht nach außen vertritt, inhaltliche und personelle Alternativen bietet und diesen Shitstorm aushalten kann. Hat bereits jemand „hier ich! gebrüllt? Anscheinend nicht.

Aber das ist nur St. Pauli. Ultra bleibt nicht nur bei uns, sondern bundesweit ein großes Thema. Während bei uns die Mädels und Jungs den eigenen Definitionskampf aus meiner Sicht in die richtige Richtung steuern und Aggressionen einzelner eher ein Randthema sind und blieben, verlieren andere Szenen diesen Kampf und definieren sich über Gewalt. Man gucke sich nur den Niedergang einer Szene wie Frankfurt an, die früher eine der kreativsten und lautesten war und nun eigentlich jedes Spiel mit ihrem Gewaltimage noch kokettiert.

Und nein, auch bei uns verläuft Ultra nicht normkonform und für jeden verträglich. Das – und hier wiederhole ich mich – will ich auch nicht. Nix ist ekeliger, unangenehmer und weniger erstrebenswert als eine Jugend, die angepasst ist und FDP wählt. Jugend muss radikal und unangenehm sein und auf dem Weg durch die Instanzen sich auch mal die Hörner abstoßen.

Bemerkenswert in der letzten Saison sind Abspaltungen von Ultragruppen wie in Dresden, die eben genau versuchen diesen Definitionskampf zu eröffnen. Ob und wie diese Zukunft haben, wird sich zeigen, aber es ist erstmal bemerkenswert, dass Leute in Szenen wie Dresden solche Pflänzchen pflanzen.

Hoffentlich wird diese Pflanze nicht wie in Rostock zertreten.

Pyro bleibt ein riesiges Fanthema und die Meinungen gehen doch sehr weit auseinander. Zwischendurch versuchte der DFB es mal mit strengeren Maßnahmen wie Auswärtsfahrverboten (Köln in Hoffenheim), aber das hat er jetzt eigentlich auch schon wieder gelassen und nun gibt es Geldstrafen in der Höhe von 4.000 bis 8.000 Euro. Das dies keinen einzigen Täter abhalten wird, ist wohl jedem klar. Hier eine sinnvolle Lösung zu finden, ist wohl die Aufgabe der Zukunft.

Das Dortmunder und St. Pauli Modell „Wir erlauben alles, aber wenn ihr zündelt, dann latscht ihr hier in den nächsten fünf (?) Jahren nur mit einem Schal rein“ hat sich nicht bewährt. Genehmigte Choreos wurden reihenweise als Sichtschutz für Pyroshows missbraucht. Und dies nicht nur von den Rauten, sondern u.a. auch von Dortmund und Gladbach. Habt ihr mitgezählt? Insgesamt nutzen nur 5 Vereine die Freiheiten am Millerntor nicht dafür zu zündeln. Hoffenheim, Mainz, Nürnberg, Freiburg und Wolfsburg enthielten sich der Zündelei. Damit ist das Angebot „Verzichtet doch bitte auf ein Stilmittel, nutzt dafür aber alle anderen.“ leider gescheitert.

Und ich bleibe dabei: So cool ich Pyro finde, so unsinnig finde ich das rumfliegen von Pyros, die aufgrund der Verbotssituation irgendwo über den Boden hüpfen. Da leidet die Optik und da geht das Risiko sehr hoch. Und Polizeimutanten in Gästeblöcken, wie z.B. bei Gladbach und Hannover oder bei uns im Derby sorgen auch für eine derbe Gefährdung aller Leute in diesen Blöcken.

Die Polizei: Außer in Hannover (und selbst dort noch ein bisschen) wird der Fußballfan eigentlich nur als Gefährder gesehen, den es entsprechend zu drangsalieren geht. Was für ein Demokratieverständnis das bereits jungen Menschen eingeprügelt wird, ist nicht zu heilen. Polizeivertreter beklagen sich doch immer über immer mehr Gewalt gegen Polizisten. Nur seien wir mal ehrlich: Wenn ein Jugendlicher versucht so einen Kampfmutanten zu schlagen, was kann dem aufgrund modernster Panzerung schon wirklich passieren? Und das die Widerstandshandlung zwar ständig angezeigt, aber nie zur Verurteilung kommt, auch das sollte man mal lautstark sagen. Ist nebenbei auch der Schutz vor Anklagen gegen Polizisten.

Man bekommt einen besseren Schutz von Polizisten nur hin, wenn die Gegenseite Respekt vor den Polizisten hat. Ich gehe jetzt mal nicht davon aus, dass Fußballfans grundsätzlich die Polizei nicht mögen. ACAB ist schnell gerufen, aber beim nächsten Verkehrsunfall holen doch wieder alle die Polizei. Und das geht in Deutschland ja auch, anders als in anderen europäischen Staaten. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich viele Probleme im Bereich von Fußballspielen lösen ließen, wenn man das Hannover Modell fortentwickeln und verbessern würde. Nur eine Stammtisch „Haudrauf“ Politik kommt natürlich besser an.

Die Spieler

Kommen wir nun zu den einzelnen Spielern und was aus ihnen wird, wenn meinen Meinung die Wahrheit wäre. Ich versuche jeden Spieler zu erwähnen, der irgendwie Einsatzzeit in der 1. Mannschaft hatte.

Matze Hain

Hat seine Karriere beendet, litt langsam unter den ganzen Jahren der Belastung, war trotzdem häufig genug noch ein sicherer Rückhalt. Tut richtig daran, nun in das Trainergeschäft zu wechseln und ich erhoffe mir von seiner Erfahrung und seiner positiven Motivation viel Entwicklung unserer Torhüter. In der Rückrunde schon als de facto Coach eingesetzt und dort immer wieder der positive Motivator der Torhüter.

Thomas Kessler

Auf der Linie Klasse, in der Strafraumbeherrschung gut, aber ausbaufähig. Große Schwäche: Die Füsse. Bekommt schon bei einfachsten Rückpässen Probleme und muss daran dringend arbeiten. So für die 1. Liga nix, auch wenn er sich dort sieht. Aber im modernen Fußball muss ein Torhüter mehr mit den Füssen können um höchsten Ansprüchen zu genügen. Hat sich in seiner blöden Vertragssituation auch ein bisschen verzockt. Hätte fest bei St. Pauli für ein weiteres Jahr zusagen sollen. Das Torwartgeeiere wäre unterblieben und er hätte hier eine feste Nr. 1 werden können. So vor einer unsicheren Zukunft.

Bene Pliquett

Hatte im Derby seinen großen Auftritt, zeigte dann aber auch wo seine Schwäche ist. In der Konstanz. Genie und Wahnsinn wechseln sich zu stark ab und so wird es nix mit einer Stammtorhüterschaft. Das 2-1 in Leverkusen, wenn er das hält, dann wäre vielleicht mal was möglich gewesen, denn dann hätte er mal ganz klar einen Punkt gerettet und sich verdient gemacht. Aber diesen haltbaren Ball musste er passieren lassen. Irgendwie eine Karriere der verpassten Chancen. Mal sehen, vielleicht nutzt er ja die letzte Chance nächste Saison. Natürlich unsterblich wegen seiner Derbyperformance. Das kann ihm und uns niemand mehr nehmen.

Marcel Eger

Erste Liga dafür reicht es nicht. Muss man so hart sagen. Aber ich habe selten einen so tadellosen Sportmann und Menschen gesehen. Eigentlich ist alles über ihn gesagt, viel Erfolg, wo immer dich deine Wege hinspülen.

Ralph Gunesch

Jede Saison setzen wir Ralle einen Innenverteidiger vor die Fresse und am Ende spielt doch wieder er. Alleine dies spricht für seine Qualitäten als Mensch und als Spieler. Hat im Kicker noch einen ganz ordentlichen Notendurchschnitt (als Innenverteidiger hat nur Zambrano einen besseren!) und wenn man mal vom Spiel in Kaiserslautern absieht, war er immer da, wenn gebraucht. Mir ist das Vertragsgeeiere vollkommen unverständlich, er ist in einer neu zu organisierenden Mannschaft spielerisch wie menschlich als Stütze eigentlich unverzichtbar.

Jan-Philipp Kalla

Ein Trainerwechsel als Chance? Als Außenverteidiger aus meiner Sicht verschenkt. Gehört ins Mittelfeld. Hinzu kam, dass Stani ihn als alten Musterschüler in der Jugend überkritisch sah und immer als Ersten aus der 1. Elf oder dem Kader strich. Ist ruhig geworden und in Liga 2. ist vieles viel einfacher. Kann auch durch den neuen Trainer sehr viel gewinnen. Hoffen wir es, denn seine ruhige Art ist sehr angenehm. Nebenbei einer von zwei Spielern im Kader, die immer grüßen. Der andere ist Ralle. (Bitte nicht zwingend als Vorwurf zu verstehen, da Spieler an Spieltagen teilweise auch derbst fokussiert sind.)

Florian Lechner

siehe Eger.

Fabio Morena

Meineserachtens war einer der entscheidenden Fehler dieser Saison ihn auf die Bank zu setzen. Damit flog die ganze Hackordnung auseinander und damit begannen die Probleme. Der Folgefehler war dann, nicht Boll (oder Lehmann) als wahren Kapitän auszurufen, sondern Ebbers. Dieser zu weit weg, zu doll mit sich selbst beschäftigt, konnte die Mannschaft nicht zusammenhalten. Das ganze wäre beinah noch korrigiert worden, als Fabio sich dann endlich einen Platz erkämpft hatte, aber da stoppten ihn immer wieder Verletzungen. Hoffentlich kuriert er diese über die Sommerpause aus und ist nächste Saison wieder eine Bank.

Bastian Oczipka

Eine Bank, linksfüßig, schnell, offensive noch ausbaubar, defensive schon sehr stark. Wird seinen Weg machen in die Nationalmannschaft, wenn er seine Verletzung hinter sich lassen kann. Leider nicht bei uns.

Carsten Rothenbach

Mit seinem Fehlen begann die Miesere. Offensive wird nie seine Stärke, aber defensiv die Bank im Kader. Seine Verletzung klingt nicht nach einem zurückkommen, wenn mich jemand fragt. Mich würde es freuen ihn wieder als Wand zu sehen.

Markus Thorandt

Schnell, Zweikampfstark, im Stellungsspiel verbesserungswürdig. Aber diese Saison mit vielen Flüchtigkeitsfehlern. Das kannte ich von ihm nicht. Wenn er das abstellt ein sehr guter Verteidiger.

Moritz Volz

Ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll. Zu langsam, zu träge für Liga 1. Der Einsatz immer vorbildlich, aber definitiv auch kein Außenverteidiger. Hat einen feinen Fuß und auch einen Abschluss. Doch eher was für’s Mittelfeld. Mal sehen, wie er aus der Verletzung wieder kommt.

Carlos Zambrano

Man muss nur das Heimspiel gegen Leverkusen sich angucken, es ist exemplarisch für seine Saison. Dort spielt er 90 Minuten Weltklasse, legt alle Stürmer von Leverkusen an die extrem kurze Kette und dann träumt er einmal und es steht 1-0. Seine Nachlässigkeiten verhindern bisher die ganz große Karriere. Unsicher Vertragszukunft kommt noch hinzu. Kann alles, muss es nur konstanter zeigen.

Fin Bartels

Ich habe irgendwie ein ambivalentes Verhältnis zu ihm. Schnell, ballgewandt und eigentlich ein feiner Fußballer. Aber hinten kackt die Ente und er produziert mir einfach zuwenig Torgefahr. Sei es nun durch eigene Abschlüsse, sei es durch Killerpässe.

Fabian Boll

Zu Recht von jeder Instanz zum Spieler der Saison gewählt. Passt sich jeder Liga perfekt an und ist die einzige Konstante im Spiel des FC gewesen. Schlechte Spiele? Kannst du bei ihm an einer Hand abzählen. Aber in allen Jahren zusammen. Wird langsam eine Legende beim FC und ist wahrscheinlich der Polizist mit den höchsten Sympathiewerten.

Florian Bruns

Sollte in seiner Karriere NIE wieder 2 Jahresverträge machen. Wenn er dies macht, dann ist das erste Jahr immer verschenkt. So auch diesmal. Würde ihn gerne mal als Zehner sehen, wo seine Wahnsinnspässe (negativ, wie positiv) nach hinten abgedeckt sind, nach vorne aber Torchancen bringen könnten.

Dennis Daube

Ihm gehört die Zukunft. Noch aber zu inkonstant und in dieser auseinanderfallenden Mannschaft überfordert. Hat aber alles, was man im Mittelfeld braucht.

Max Kruse

Sein Anspruch ist es 1. Liga zu spielen? Dann muss man an ihn auch die entsprechenden Ansprüche stellen. Und die sehe ich bei ihm nicht. 2 Tore sind für einen Offensiven viel zu wenig und auch ein glänzender Vorbereiter ist er nicht. Schwankt auch viel zu stark in seinen Leistungen. Ist natürlich noch jung und kann sich noch entwickeln, der Sprung müsste aber jetzt kommen.

Matthias Lehmann

Nein, er hat keine schlechte Saison gespielt. Er hat eine ordentliche Saison gespielt, wenn man mal vom Ende der Rückrunde absieht, wo er einfach lustlos agierte. Aber von der Dominanz des vorherigen Jahres war er auch meilenweit entfernt. Nur einmal blitze die auf. Auswärts in Hannover. Da war er wieder, der Lehmann, dem das eigenen und gegnerische Mittelfeld gehorchte, der alle Räume zustellt und das Spiel bestimmte. In den entscheidenden Phasen und Spielen, genau da fehlte dieser Lehmann.

Deniz Naki

Straßenfußballer und Disziplin in die richtige Waage zu bringen, das ist bei ihm die Kunst. Dies ist diese Saison nicht gelungen. Braucht seine Freiheiten, muss sich aber auch in ein taktisches Konzept bringen lassen. Das ist extrem schwierig und ein Meisterstück für jeden Trainer. Etwas mehr Trainingseifer, etwas mehr Demut und er wird immer noch ein Großer.

Timo Schultz

Ich glaube, wenn man 2007 zu Schulle gegangen wäre und gesagt hätte, dass er in seiner Karriere noch 4 Bundesligaspiele bestreiten wird, dann hätte er einen ausgelacht. In der Rückrunde muss man sich fragen: Warum wurden es nur 4? Immer wieder wurde seine Kampfkraft, sein Einsatz, sein Feuer in der 2. Halbzeit vermisst. Zukunft immer noch ungewiss, mir wäre es am liebsten, er würde noch ein Jahr in Mannschaft Eins und Liga 2 dran hängen.

Charles Takyi

Mensch Charles, einen Trainer brauchst du nicht, du kannst alles. Der beste Fußballer des Kaders, ein Traumspieler. Wenn er es nur immer umsetzen könnte. Zeigte gegen Köln, was er könnte, zeigte aber auch zu häufig, dass er es nicht abruft. Meines Erachtens komplett falsch beraten und mit zu vielen Leuten im Umfeld, die ihm Blödsinn einpflanzen. Hätte von sich aus die Option ziehen sollen, hier könnte er wachsen und gedeihen und sollte seinen Fürth Fehler nicht wiederholen, wird es aber leider tun.

Gerald Asamoah

Wenn er fit war, war er da. Nur leider war er nicht genug fit. Kann viel mehr, als er zeigte. Auf ewig Derbyheld, das bleibt.

Marius Ebbers

Einstellung, positive Körpersprache, laufen, laufen, laufen. Marius Ebbers in Liga 2. Schultern hängen lassen, stehen bleiben, keine Defensivarbeit. Marius Ebbers weite Strecken in Liga 1. Warum bloß? Mensch Marius, niemand misst dich nur an Toren! Letzte Saison fand beinah jede gegnerische Ecke deinen Kopf, diese Saison war dort unsere Schwäche. Genau weil du nicht da warst. Erstligaallergie leider nicht abgelegt. Könnte es aber mit einer positiveren Einstellung zu dieser Liga.

Rouwen Hennings

Der Verlierer der Saison. So weh es tut, aber das war gar nix. Wo ist der schnelle, abschlußstarke Hennings geblieben? Muss ganz neu angreifen, kann dies garantiert auch.

Richard Sukuta Pasu

Erinnert ihr euch an Freiburg? Das war sein Spiel. Da kam er und krempelte das ganze Spiel um. Und man sah, warum RSP als riesiges Talent galt. Gegen Hoffenheim spielt er nicht und gegen Köln hat er zwei riesige Chancen, steht einmal im Abseits (super knapp) und scheitert einmal super knapp. Es hätte seine Saison werden können und sollen. Und dann kam die Verletzung. Und seit der Verletzung ist alles weg. ALLES! Warum? Ich weiß es nicht.

Davidson Drobo Ampen und Petar Filipovic

Beide mit einem Kurzeinsatz, beides Spieler mit Zukunft, mal sehen, ob sie sich durchsetzen.

Und nun?

Werden wir es sehen. Mal sehen, was uns blüht und wie es weiter geht. Dieser Blog geht jetzt in die Sommerpause und ich hoffe, ich habe keine Gründe mich in den nächsten Wochen zu melden. Ich hoffe auch, dass ich keine Verabschiedung von Ralle schreiben muss, ich will es einfach nicht.

Mai 202011
 

oder

Wir haben auch den Krieg überlebt

Vorwort

Der Saisonrückblick ist auf nächste Woche verschoben, aber nicht aufgehoben und das Fotoupdate wird heute Nachmittag verstärkt angegangen. Nun aber noch a few words zu dem vorläufig (!) letzten Spiel von Flo und Marcel in braun und weiß.

Wo ist der Schätzergott, wenn man ihn mal wirklich braucht?

Wieviele Menschen sich an diesem Mittwoch auf der altehrwürdigen Adolf-Jäger-Kampfbahn (Finger weg, wie kann man so etwas abreißen wollen?) einfanden, ist nur sehr schwer zu schätzen. Offizielle Schätzungen sprachen von 4.200 bis 4.500. Ich habe aber auch schon Oddsetpokalspiele dort erlebt, wo offiziell genauso viele Leute da waren, es aber deutlich leerer wirkte. Es ist auch egal, es waren viele und dies vollkommen zu Recht.

Eigentlich hatte sich die gesamte aktive Szene und viele andere Leute eingetroffen und so war vor Beginn viel Gesabbel angesagt. Ich war der erste Fotograf, der sich akkreditierte und wollte noch brav mein körpernahes Leibchen tragen, aber das haben alle anderen nicht gemacht und so hing es auch bei mir eher locker um die Kamera.

Beim Weinbar-AFM-Radio merkte ich wieder, dass ich weder schreiben noch vorlesen kann, aber egal.

Die Spieler kamen und man muss bewundernd bemerken, wie austrainiert z.B. Marvin Braun immer noch wirkt. Seine Agentur hatte das ganze innerhalb weniger Tage aus dem Boden gestampft und dafür muss man sagen: Klasse Organisation. Sonstige Feststellungen: Der große Schweiger Dinzey ist ein bisschen breiter geworden, Paddy in Form und Luz hat immer noch die Haare schön. Die Presse will 13 Spieler aus unserem aktuellen Kader gezählt haben, was ich nicht nachgezählt habe, ich mache aber keinen Spieler, der nicht anwesend war, daraus einen Vorwurf. Man weiß nie, ob die nicht eventuell andere Termine bereits längerfristig hatten oder ihren Urlaub kurzfristig antreten mussten, damit es mit Partnern etc. passt. Ich sehe es eher mal positiv und finde es toll, dass 13 aktive Spieler es sich nicht haben nehmen lassen zu kommen.

Auf Wunsch der Spieler veranstaltete das Ultraumfeld eine fette Pyroshow, die erstaunlicherweise nicht zu 200 Seiten Diskussion im Forum geführt hat. Angeblich (!) sollen sie den Alten Stamm, der direkt im Rauchabzugsbereich saß gewarnt haben und einer von denen soll angeblich (!) geantwortet haben: „Ach das können wir ab, wir haben auch den Krieg überlebt.“ Nicht wirklich politisch korrekt, aber schlagfertig.

Das Spiel ist Nebensache und hatte auch keinen sportlichen Wert. Klasse war der 10 jährige Torhüter des Team Egers, der einige Sachen wirklich Klasse wegfischte und sich vollkommen ohne Angst diesen großen Spielern entgegen warf.

Ergebnis? I don’t have a clue.

Viel Spaß und Gealbere auf dem Platz und einige ansehnliche Kabinettstückchen unterhielten die Zuschauer. Leider machten die Djs irgendwann auch während des Spieles Musik an (wohl auch auf Wunsch der Spieler), was ich ein bisschen Schade fand, denn so kam es nicht mehr zu Gesängen, die vorher zwar nur vereinzelt, aber doch sehr lustig durch das Rund hallten.

Schulle konnte schon mal seine Karriere nach der jetzt endeten Karriere (und wieder muss man die Frage nach der Verabschiedung stellen) beginnen und als Aushilfsschiedsrichter die beiden zwecks Ehrenrunde vom Platz stellen. Womit sich das Spiel auch in Wohlgefallen auflöste.

Feststellungen neben dem Platz: Emil ist ein echter Schatz! FrauRausHH hat mir am Ohr gezogen *motz*. Und ich bin Halskrank, was mein Marathonstart ziemlich in Zweifel zieht. Mal sehen, ob ich bis Sonntag so hergestellt bin, dass es geht. Und das ärgerliche dabei: Ich fühle mich ansonsten eigentlich fit. Auf www.keinsprint.de oder auf Twitter @keinsprint werdet ihr verfolgen können, ob und wo ich laufe. Trotz des angesagten Regens: Kommt an die Strecke und unterstützt unsere zahlreichen Läufer.

Fazit: Insgesamt ein würdiger Abschied für zwei große Sankt Paulianer. Und dies nicht nur wir Jungen so empfinden, zeigt, dass auch der Alte Stamm für einen Abschiedsgesang anwesend war. Irgendjemand im weiten Rund stellte die gehässige Frage, wie viele wohl kämen, wenn Helmut Schulte jetzt ein Abschiedsspiel für sich selbst veranstalten würde. Ich mag diese Frage nicht beantworten, sie ist mir auch egal. Ich wollte Lelle und Eger verabschieden und der Gedanke nächste Saison diese beiden Recken in anderen als den braun-weißen Farben zu sehen, lässt mich jeden Moment schlucken. Eger weinte mindestens gezählte 4 mal und Lelle hatte auch mehrfach feuchte Augen. Ich vermisse euch bereits jetzt, Jungs.

PS: Warum ist immer noch nicht mit Ralle gesprochen und verlängert worden, Hr. Schulte?

Geschützt: Gesetzestreue Bürger

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Mai 162011
 

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Mai 132011
 

oder

Der Abschied naht

Ja, ich weiß. „Alle hin da!“ und „Pflichttermin“ sind so zwei Floskeln, die man schlichtweg viel zu häufig benutzt.  Aber hier gelten sie beide einmal uneingeschränkt. Gut 4.100 Leute (Stand jetzt) haben meinen Abschiedsartikel für die Beiden gelesen. Und verdammt noch mal, es wäre doch gelacht, wenn nicht mindestens gleich viele Leute sich Mittwoch 18:30 an der Adolf Jäger Kampfbahn einfinden würden.
Und dann alle ganz laut: „You are my Eger, my Marcel Eger, you make me happy, wenn skys are grey, we could’ve Nesta (Hummels, wen auch immer), but he’s a wanker, so never take my Eger away!“

Und für Lelle wird es mindestens genauso viele Lieder 😉 geben, die sich bis dahin Leute einfallen lassen, die viel kreativer sind als ich.

Weitere Infos? Siehe Plakat!

 

Abschiedsplakat

Mai 112011
 

oder

Schulte, Sie passen nicht in diesen Verein, bitte treten Sie umgehend zurück!

Vorwort

Bevor es nicht offiziell ist, kommentiere ich Spieler-Verabschiedungen nicht. Das ist ein eisernes Gesetz. Und nur sehr wenigen Spielern würde ich überhaupt einen eigenen Beitrag widmen.

Aber hier gehen zwei Spieler unter Umständen, für die man sich einfach nur schämen muss.

Ja, die Ultras hinterweltlerisch Berlin würden uns nun wieder vorwerfen, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt, aber die können ja mit ihrer verqueren Besserwisserlogik gerne mal bei Lorbeer Rothenburgsort ankommen. Die würden keine 10 Sekunden dort bleiben am Stammtisch in Rothenburgsort. (Toller Platz nebenbei)

Herr Schulte, mit Verlaub, Sie sind…

Ja, wir spielen im Profifussball – in einem Haifischbecken, wo nur wenig Platz für Menschlichkeit ist. Aber diesen kleinen Platz, der dort ist, den muss man nutzen. Oder anders ausgedrückt: Könntet Ihr Euch vorstellen, dass Uli Hoeness Spieler unverabschiedet gehen lassen würde, die weder im Streit gehen noch sich jemals hängen liessen und die 7 Jahre ihre Knochen hingehalten haben? Ich nicht.

Und wenn Verantwortliche dieses kleine bisschen Menschlichkeit vermissen lassen, dann haben sie bei uns nichts zu suchen. Und dieser Vorwurf geht an Sie, Herr Schulte. Gehen Sie, verschwinden Sie einfach aus dem Verein, der mir und der Lelle und Egi soviel bedeutet.

Nein, die Ausrede „der neue Trainer muss doch erstmal planen“ lasse ich nicht gelten. Jeder Blinde mit einem Krückstock konnte sehen, dass es für die beiden sportlich eng wird und es wäre Ihre ehrenvollste Aufgabe gewesen, sofort nach der Unterzeichnung mit Schubert zu klären, ob und wie die beiden noch gebraucht werden. Und dies vor dem letzten Heimspiel, um die beiden wenigstens angemessen zu verabschieden. Denn dies hätten die beiden verdient. Viel mehr als Bastian Oczipka und Richard Sukuta-Paso. Warum? Das können Sie gerne noch mal nachlesen, hier jetzt gleich. Die Entscheidung Montag oder Dienstag nach dem letzten Heimspiel zu fällen, das ist Absicht. Ja, ich unterstelle Ihnen da was, aber die Argumente sind auf meiner Seite.

Absicht? Ja, ich unterstelle noch mehr: Publikumslieblinge, die Sie nicht geformt haben, die Sie nicht selber sind? Ist ja unangenehm. In Ihnen kocht anscheinend der Neid. Den Applaus können Sie anscheinend nicht gönnen. Menschlich sehr schwach. Unerträglich schwach.

Nein, das ist nicht mein St. Pauli. Mein St. Pauli, das menschliche Antlitz im falschen Leben. Herr Schulte, Sie sind untragbar für mich, gehen Sie. Weit weg. In einen Verein, der sich einfach nur über seinen sportlichen Erfolg definiert. Hier haben Sie nichts verloren.

Und die lauten Rufe „Schulte raus“, die nun hoffentlich in Mainz ertönen, die haben Sie sich redlich verdient. Und glauben Sie mir, ich fordere sonst nie den Kopf eines Verantwortlichen. Zumindest habe ich es lange nicht mehr. Nein, es geht nicht um „Erfolg“, um „Qualität“ es geht um Menschlichkeit. Und die fehlt Ihnen.

Und ja, mir ist der Abschied vor einem vollen Millerntor, würdig und laut, der ist mir wichtig. Wichtiger als vieles. Das kann man nicht durch ein Abschiedstestspiel ersetzen. Und so klingen die salbungsvollen Worte von Orth (!!!!) auch hohl: „Es ist uns wichtig, dass wir beide gemeinsam mit unseren Fans würdig verabschieden“, so Orth. Wie, wo und wann die Verabschiedung genau stattfinden wird, wird in den nächsten Tagen besprochen.“. Tja Herr Schulte, nicht einmal auf der offiziellen HP lassen Sie sich irgendwie lobend zitieren. „Schwer gefallen“ wie lächerlich, wie hohl, wie nichtssagend. Nein, Sie sind nicht St. Pauli. Wo haben Sie bloss den Helmut der 80er Jahre gelassen?

Lieber Egi

Marcel Eger, 23.03.1983 irgendwo geboren, 110 Pflichtspiele für braun-weiß, davon die wenigsten in den letzten Saisons. Und trotzdem ein Garant des Aufstieges. Warum?

Ja, lieber Egi, ich werde diesen Tag nie vergessen, und an diesem Tag habe ich Dich endgültig in mein Herz geschlossen. Es war kurz vor dem entscheidenden Spiel am Montagabend gegen Augsburg. USP hatte schon verkündet, dass sie den 20-Minuten-Boykott auch bei diesem Spiel durchziehen würden und Du standest vor dem Fanladen und diskutiertest, als ich da in ganz anderer Sache hinkam. Ich weiß nicht, ob Du zufällig da warst, ob geplant, ob aus eigenem Antrieb oder als Botschafter der Mannschaft. Aber Du warst da, stelltest Dich alleine gut fünf bis zehn aufgebrachten Ultras (pauschalisiert) und Ihr diskutiertet. Und zwar mal ärgerlich, mal lautstark. Und ich glaube, Ihr seid an diesem Tag nicht mal zu einer Meinung gekommen. Aber Du nahmst Dir die Zeit (ich ging nach mehr als einer Stunde und Ihr standet da immer noch), gingst dieser Diskussion nicht aus dem Weg, auch wenn sich Deine Stirn teilweise arg in Falten zog. Und bis heute glaube ich, dass Deine Argumente gegen den Boykott, Deine Argumente dafür, dass die Mannschaft die Unterstützung braucht, dafür gesorgt haben, dass der Boykott opportunistisch aufgehoben wurde und eine Stimmung am Millerntor herrschte, die an diesem Abend jeden Gegner in die Knie gezwungen hätte. Gespielt hast Du an diesem Abend nicht eine Minute, aber ja, Du warst die entscheidende Person für dieses Spiel und damit für den Aufstieg.

Du, der mit seiner Tasche mit der 14 drauf durchs Viertel schlurft, der VcA mit Herz und Seele unterstützt, der bei Bela B. trommelt und dem mal zeigt, wie man das macht. Ja, Marcel, Du bist St. Pauli. Und nicht die Schulte, Meeskes oder Späths dieser Welt. (Und ja, ich nenne bewusst nun Angestellte). Ich will Dich behalten, und wenn es auf dem Platz nicht mehr reicht (leider), dann will ich Dich im Notfall als was auch immer haben. Mir egal. Aber in 7 Jahren hast Du mehr für diesen Verein getan als andere Menschen in 20. Du hast seinen Charakter gelebt und geprägt.

Danke Marcel. Mach es gut, und komm irgendwann wieder zu uns.

Auch Dir, lieber Lelle

Wer erinnert sich nicht? Wir liegen 2-3 gegen Hertha zurück, Lelle wird von Krämpfen geschüttelt. Er bekommt den Ball vor der Gegengerade und versucht so etwas wie einen Sturmlauf. Der an den Krämpfen scheitert. Anscheinend gibt der Fussballgott ihm die entscheidende Eingebung: „Wenn du nicht weißt, wohin mit dem Ball, dann ins Tor“. Lelle schießt. Viel zu weit weg vom Tor, viel zu gekrampft eigentlich. Aber irgendjemand will, dass es gelingt, und das Geschoss schlägt in der Verlängerung zum 3-3 ein. Der Rest ist Geschichte.

Ich glaube, Antje machte das Foto von Deinem anschließenden Jubellauf. Eines meiner Lieblingsfotos aus 27 Jahren St. Pauli und auch zu Recht groß im Jubiläumsbuch abgedruckt. Man sieht deine Freude, deine verkrampften Finger (!) und man sieht wie wichtig dir dieses Tor für deinen Verein war.

Leider meinte der Fußballgott, Dir diesen Glücksmoment heimzahlen zu müssen, und Du hattest danach ungefähr jede blöde Verletzung, die man sich vorstellen kann. Der Beinbruch in der Vorbereitung zur ersten Zweitligasaison hat Dich wahrscheinlich viel gekostet, denn es fehlte Dir ein unglaublich wichtiges Jahr. Aber mit deinem Kampfgeist hast Du Dich immer wieder heran gekämpft, jeder Rückschlag hat dich eigentlich nur noch kämpferischer gemacht, immer vorbildlich. Und selbst wenn Du noch so stark die sportlichen Grenzen aufgezeigt bekommen hast hast Du Dich nie hängen lassen und bist auch in den 100sten aussichtslosen Zweikampf mit Arjen Robben gegangen. Solche Typen haben uns gefehlt. Leider ist Dir das Abschiedstor knapp verwehrt worden. Aber da war er wieder, der Fußballgott.

Er hat dir aber immerhin 115 Pflichtspiele (nebenbei nur zwei Tore, wenn Wikipedia stimmt) in braun-weiß gegönnt. Ich habe jedes Spiel genossen – wenn Du gespielt hast, dann wusste ich: Hier wird 90 Minuten für braun-weiß gespielt.

Würde das alles schon reichen um dich hier unvergesslich zu machen, ist es auch bei Dir das Angenehme sein neben dem Platz. Eher immer etwas zurückhaltend und still, aber alleine die ganzen Fotos mit Laila, das Interview mit ihr in dem Out of Control: Das war ehrlich, das war bodenständig, das war St. Pauli.

Ich habe mal erzählt bekommen, dass Du einen Mitspieler, der von der Politik in der Südkurve genervt war, gesagt hast, dass dies dazu gehöre bei uns. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber es würde zu dir passen.

Auch Du bist nicht in die Vorstadt gezogen, sondern mit Deiner Frau im Viertel geblieben und lebst hier. Deine Frau baut sich gerade eine eigene Existenz auf und gerüchteweise sollst Du da auch mal hinterm Tresen stehen. Es würde zu dir passen. „Für nix zu schade“ ist eine Floskel, die zu Dir passt.

Danke für Dein Tor, danke für Deine angenehme Art und danke dafür, dass Du sieben Jahre deine Knochen immer dann hingehalten hast, wenn man Dich brauchte. Auch für dich gilt das bei Egi gesagte, du bist St. Pauli und lebst unsere Ideale mehr, als viele andere, die sich dafür feiern lassen. Ich finde es in diesem Verein immer noch traurig, dass die 21 nicht, aber die 2 doch vergeben wird. Aber wenn einer Andre Trulsens Nummer verdient hat, dann Du.

Alles Gute, Lelle, mach es gut, und komm irgendwann wieder.

Mai 112011
 

Zu Verkaufen:

Fahrt Hamburg – Mainz – Hamburg

Mit dem ICE Abfahrt: 8:00 Ankunft Mainz 12:55 Zurück 20:00 Ankunft Hamburg 01:00

VB: 90 Euro

Bei Interesse Mail an Kontakt

Disclaimer: Ich bin nur Vermittler, Details sind dann mit dem Anbieter (ein Freund von mir) zu klären

Mai 112011
 

oder

kommentierte Zitateschau

Dauerkarten nur für Beständler

Das Kartencenter in seiner Heiligkeit schreibt:

„Schon jetzt steht allerdings fest, dass Dauerkarten nur verlängert werden können, neue Dauerkarten werden nicht in den Verkauf gegeben.

Was mich an diesem Satz stört? Bereits bevor man weiß, wie viele Dauerkarten man absetzt, legt man fest, dass man auch nur so viele haben will. Damit geht die schleichende Umwandlung von Dauerkarten in Einzelkarten und/oder Saisonpakete, die ich bereits mehrfach angeprangert habe weiter. Den Fanvertretern wird dann immer die Mär von 15.000 Dauerkarten, die ständig verlängert werden aufgetischt, aber der Verein selber gibt ja zu, dass dies nicht stimmt, wie ich hier schon mal feststellte.

Was geschieht hier? Ganz einfach, der Verein will nicht den Spatz in der Hand (Dauerkarte), sondern er will das renditestärkere Einzelticket und das renditestärkere Saisonpaket. Er will eben keine Dauerkunden mehr, er will Wechselkunden. (Am besten noch mit weniger Bindung an den Verein, dann nerven die nämlich als aktive Fans nicht). Höheres Risiko (nämlich den Nichtverkauf der Einzeltickets), aber der süße Geruch von höherem Gewinn. Kapitalismus pur.

Man verstehe mich bitte nicht falsch: Ich will auch nicht, dass das Millerntor ein closed shop wird, der nur durch eine Dauerkarte betretbar ist. Ein ausgewogenes Verhältnis von Dauerkarten zu Einzelkarten ist aus meiner Sicht dringend notwendig. Aber die hier vom Verein geübte Intransparenz und die bewussten verdecken der wahren Zahlen gegenüber Fanvertretern ist nur ein Versuch aus meiner Sicht die eigentlichen Ziele (mehr Gewinn! eine heimliche Preiserhöhung) zu verdecken. Ein ausgewogenes Verhältnis wird hier nicht angestrebt. Hier muss endlich ein transparentes System mit den Fanvertretern gefunden werden, was dann auch veröffentlicht wird. So lange traue ich dem Verein keinen Millimeter! Hinzu kommt noch eine Verkaufspraxis der Einzelkarten, die extrem kundenunfreundlich ist, wie hier auch schon mehrfach angerissen.

Das absurde ist: Gerade im Bereich der Auswärtskarten hat der Verein diese Saison vorbildlich vorgemacht, dass man diese Transparenz einführen kann und haben kann. Wie man Karten verteilt, darüber kann man immer mit guten Argumenten streiten, aber die Zahlen transparent zu machen, dass kann doch nicht so schwer sein, oder?

Noch etwas nervt: Erneut sind wir ungefähr der letzte Verein, der Dauerkarten verkauft. Geld auf der Bank bringt Zinsen, eine Feststellung, die sich beim FC St. Pauli noch nicht durchgesetzt hat.

Zu Spät(h) für vernünftiges Handeln

Vielleicht habt auch ihr euch gewundert, dass die Abschiedspapierschals, die massenhaft beim letzten Heimspiel verteilt wurden unten rechts einen schwarzen Strich aufwiesen. Dazu verweise ich jetzt mal auf den Beitrag des hochgeschätzten Users MacX im Forum, dessen Wahrheitsgehalt ich nicht überprüfen will und werde, denn ich weiß, wer da was schreibt:

„Es waren das Logo des Flyerproduzenten (weil dann billiger) und die Namen von 4 Fanszenelokalitäten (Knust, Jolly Roger, Weinbar, Raval) aufgedruckt. Die 4 haben keine Kohle dafür gezahlt, sondern wurden vom Initiator aus reiner Sympathie genannt. Das hat der Verein mitbekommen und die Choreo unter den Umständen untersagt. Somit machten sich am Samstag Nachmittag und Abend 15 Leute mit Edding bewaffnet über fast 18.000 Papierschals her und strichen die die besagte Zeile durch.

Soweit mein Kenntnisstand.

(Falls das ein Offizieller liest und hinzufügen möchte das der Verein
damit streng nach den Leitlinien gehandelt habe:

1. Interessieren die euch sonst auch eher selten, oder sind im
Zweifelsfall „Auslegungssache“. Hier merkwürdiger Weise nicht.

2. Interessiert mich euer ewig kleinkariertes Gesabbel sowieso herzlich
wenig!)

Zu seinen Schlussfolgerungen (unter der Hypothese, dass der Sachverhalt wahr ist) vielleicht doch kurz ein paar Sätze: Bei dem Flyerproduzenten kann man gerne stärker geteilter Meinung sein, als er es ist, denn in diesem Bereich haben wir immerhin einen sehr teuren Sponsor, der höchstwahrscheinlich ein Exklusivrecht hat. Diese modernen Exklusivrechte kann man bedauern, aber dem ist dann leider so. Da war der Produzent vielleicht auch ein bisschen blauaugig. Im Bereich Gastro haben wir einen solchen Partner definitiv nicht, so dass dieses Argument (welches ich halt zählen lassen würde) entfällt.

Und natürlich hat er Recht: Verstößt man selber, ist es Auslegungssache, verstößt ein anderer, dann muss es härtest nach dem Wortlaut des „Gesetzes“ sein. Traurig, traurig. Auch gerade weil alle genannten Institutionen nicht unwesentlich zu dem Image beitragen, welches die Meeskes, Späths und Wegmanns dieser Welt so gerne vermarkten.

Das Abendblatt kann man heute (11.05.11) zwischen den Zeilen lesen

Ich nehme mir jetzt mal das Zitatrecht raus, auch wenn die Axel Springer AG gerade in diesem Bereich beginnt Leute sehr schnell abzumahnen. Meines Erachtens rechtlich vollkommen unhaltbar, aber wundert euch nicht, falls ich irgendwann in nächster Zeit um Spenden bitte. Und wenn die Axel Springer AG der Meinung ist, sie brauche keine Zitierung ihrer Publikationen und die damit immer verbundene Werbung nicht, dann gibt es hier jetzt auch nicht die Empfehlung sich doch mal das Abendblatt von Heute zu kaufen oder Online zu lesen (daher auch keine Verlinkung), denn Lutz Wöckener übt sich heute in der hohen Kunst des „Zwischen den Zeilen schreiben.“ Hier nur vier kleine Ausschnitte aus seinem Artikel, die – bewusst gelesen – für sich selbst sprechen. Ich merke trotzdem ein zwei Sachen jeweils an:

„aber es sind viele Kleinigkeiten vorgefallen. Das alles hat dann in dem Spiel gegen Bayern seinen Ausdruck gefunden.“ (zitiert er die Aussagen von Fabio Morena)

Viele Kleinigkeiten soll heißen: Es ist abseits das Platzes soviel Scheiße gelaufen, dass alle nur genervt sind. Wöckener sagt dann, dass Morena keine Namen nenne, weil er eben ein Guter ist (meine Wertung des geschriebenen). Wöckener nennt auch keine Gründe, macht sie aber doch deutlich bestimmbar:

Auf Spielerebene mit zwei kleinen Sätzen:

„Angedachte Verstärkungen erwiesen sich als Brunnenvergifter.“

„Und so wird Holger Stanislawski in Mainz wohl nur eine Einheit auf den Platz bekommen, wenn er auf vermeintliche Leistungsträger verzichtet.“

Wen würdet ihr jetzt aufstellen und wen nicht? Ich werde mich hüten jetzt irgendwelche Namen fallen zu lassen, aber ich denke jeder, der dies liest hat nun ungefähr die gleichen Namen im Kopf, die er in Mainz nicht spielen lassen würde.

Aber auch das Umfeld der Mannschaft bekommt sein Fett weg. Morena wird von Wöckener mit folgendem Satz zitiert:

„Das sind Sachen, die du als Einzelner nicht mehr steuern, nicht mehr greifen kannst. Auch nicht als Trainer.“

Wer fehlt da? Richtig der Manager! Ob im Original nicht genannt oder von Wöckener weggelassen? Man kann es nicht sagen. Und wer den Vorwurf noch nicht verstanden hat, dem gibt Wöckener noch folgenden Satz an die Hand, den er einfach so im Bericht stehen lässt:

„Keine Kommunikation, keine Ahnung.“

Muss man nicht erläutern, wen Wöckener da meint, oder? Sind die Vorwürfe berechtigt? Wir wissen es nicht (siehe letztes Blogpost), aber spannend ist es schon, wie deutlich sie in eine doch sehr wissende Zeitung geschrieben sind.

Und nun nehme man sich die Hamburger Morgenpost und sich mal das Interview mit Morena an. Ich gehe mal davon aus, dass der nicht erst mit dem Abendblatt und dann mit der MoPo gesprochen hat, sondern mit beiden gleichzeitig. Das wäre allemal die normale Praxis in Hamburg. Spannend, wie die MoPo das im Endeffekt glattbügelt, oder?

Die MoPo Meldung…

… das Lelle und Eger heute nahegelegt bekommen haben, dass man nicht mehr mit ihnen plane, kommentiere ich nicht, so lange dies nicht offiziell ist.

Sachsen Leipzig bleibt Gehirnfrei

Sich mit dem Leipziger Fußball zu befassen bringt einen um. Die Fronten sind einem nicht so wirklich klar und die grüne Seite des Fußballs (wo eigentlich auch mal die Guten beheimatet waren), hat sich in ihre Atome aufgespalten und Metastasen gebildet, die einfach nur abscheulich sind. In dieser Melange fühlt sich der Chemieblogger heimisch (was ungleich „wohl“ ist) und schreibt einen sehr lesenswerten Blog, den ich nur deswegen nicht häufiger lese, weil mir Leipzig ferner ist, als ungefähr alles andere auf diesem Fußballplaneten.

In diesem Blog fand man letztens ein Foto eines Verkaufsstandes, der sich (wenn ich es richtig verstehe) auf dem Vereinsgelände bei einem Spiel des FC Sachsen Leipzig breit gemacht hatte. Und dort fand man das unfassbar ekelige Shirt „Fussball bleibt homofrei.“ Kommentar? Überflüssig! Ermittlungen des DFB? Wo denkt ihr hin? Auch für die antisemitischen Ausfälle von Dynamo Dresden blieb es bei einer harmlosen Geldstrafe. Was folgen wir daraus? In Sonntagsreden macht sich Antidiskriminierung immer gut, im echten Leben will der DFB sie aber nur dort, wo sie niemandem weh tut. Eine abscheuliche Haltung.