Apr 132011
 

oder

Stanislawski geht!

Wer jetzt einen tränenreichen Abschied erwartet oder einen Text, der noch mal erzählt, dass „Stani der beste Mann“ „unersetzbar“ oder was auch immer ist, der verlasse bitte diese Seite jetzt und gehe zur MoPo. Wenn es um Emotionen geht, dann fasst der Tweet von Tweet von derkiesel es zusammen „Ok, Stani geht – das war klar. Die Frage lautet doch: Was macht Truller!!!“. Emotional weine ich Stanislawski weniger nach, als Truller. Und natürlich würde ich mir die Faust als Trainer wünschen. Nur wenn er mit Stani geht, dann passiert wenigstens nie das, was mir für immer das braun-weiße Herz brechen würde, nämlich, dass man irgendwann Truller entlassen müsste.

Warum aber dieses gespaltene Verhältnis? Holger Stanislawski hat 18 Jahre seinen Schädel für den FC hingehalten, hat als Spieler erfolgreiche Zeiten mitgeprägt, insgesamt 3 Jahre Bundesliga gespielt und hat als Trainer eine Mannschaft aus den Tiefen von Liga 3 in die Bundesliga geführt. Diese Verdienste sind absolut unbestritten (und im Gegensatz zu einem Norderstedter Forenuser ist das kein Selbstgänger, wie gerade wieder in Leipzig bewiesen wird) und für diese Verdienste habe ich auch immer einen Platz in meinem Herzen für ihn übrig. Er war als Spieler nie woanders höherklassig tätig. Auch dies ist emotional zu seinen Gunsten zu werten.

Aber er hat in diesen 18 Jahren auch immer gewusst die Presse für seine Zwecke zu nutzen. Bestes Beispiel: Sein jetziger Abgang, der über die Presse forciert wurde und schon damit begann, dass von ihm lanciert wurde, dass er für 250.000 Euro zu haben ist. Und endet jetzt in diesem monatelangen immer wieder über die Presse diskutieren, wo er denn hingeht. Anstatt das sauber, still und heimlich zu erledigen, wurde es immer wieder in die Öffentlichkeit getragen und wer glaubt, dass dies ohne sein zutun passiert ist, dem muss man wohl Naivität unterstellen. Da haben sich (junge) Spieler, die ebenso nach der Saison wechseln werden (Kruse, Kessler etc.) viel ruhiger verhalten und viel mehr das im Hintergrund erledigt, wie es sein sollte. Und werden dann – wenn es denn stimmt – von einem Trainer bestraft, der nebenbei mit einem anderen Verein verhandelt. Nicht konsequent, oder?

Man muss hier wohl den Vorwurf des Egoismus machen, er tut weh, ja aber er ist eben nicht ohne Anhaltspunkte. Dazu gehört auch, dass man nach 6 Niederlagen am Stück nichts besseres zu tun hat, als nach Hoffenheim zu reisen und nach der 7 Niederlage am Stück noch mal rumeiert und Montags kryptische Andeutungen macht. Ein sauberer und guter Abgang sieht anders aus. Vieles mag auch damit zusammenhängen, dass Stanislawski sehr früh die Entscheidung getroffen hatte, dass er unbedingt nach dieser Saison gehen muss, aber er keinen Arbeitgeber gefunden hat. Er hatte sich (auch durch die selbstgeschaffene Öffentlichkeit) richtig schön in diese Ecke gedrängelt. Ein Verbleib beim FC, selbst beim Klassenerhalt hätte wie ein Karriereknick ausgesehen. Das ist ein grober Fehler, auch von ihm.

Hoffenheim? Hoffenheim! Ein Verein am Scheideweg. Der Sponsor (Hopp) will langsam Geld zurückhaben und wird nicht mehr viel investieren. Aber ob der Verein tragfähige Strukturen hat, die ohne ganz viel externes Geld funktionieren, wage ich ganz stark zu bezweifeln. Und dort ist er nicht unangreifbarer Held, der in den Medien aufgrund seiner Kontakte ständig abgefeiert wird. Dort ist er ein normaler externer Trainer. Kann klappen und dann wird er ein Großer. Kann aber auch sehr gut nicht klappen und dann hat Holger Stanislawski seine Karriere weggeworfen. Ich will hier mal die parallele zu Kloppo ziehen, der das etwas anderes gemacht hat. Der hat vor einer Saison gesagt „Ich steige auf oder gehe“ und es hat mit dem Aufstieg nicht geklappt. Das war ein sauberer Abgang, Herr Stanislawski. „Ich halte die Klasse, oder ich gehe“ wäre eine konkrete Ansage gewesen, hätte aber natürlich nicht das tanzen auf unzähligen Vereinsbällen zugelassen, sondern dann hätte man nehmen müssen, was frei ist. Hat Kloppo gemacht und wer nun sagt „Dortmund war doch klar, dass die wieder oben mitspielen“, der gucke sich mal die Verhältnisse vor Klopp an.

Tja und habt ihr von Truller irgendwo gelesen, dass er unbedingt wechseln will? Das er schon immer Cheftrainer werden will? Das ihm HH zu langweilig ist? Er für 250.000 zu haben ist? Nein und daher mag ich Truller, trotz FC Köln und Holstein Kiel. Er wird wahrscheinlich so loyal sein, seinem Chef zu folgen, aber er wird viel mehr immer einen Platz in meinem Herzen haben. Und wer macht dann vor der Gegengerade nun immer die Faust? Das wird/würde mir fehlen. Danke Truller, dass du immer bodenständig, ruhig und im Hintergrund geblieben bist. Das du immer Lurup geblieben bist und es wahrscheinlich auch immer bleiben würdest, wenn Fußball nicht Ortswechsel notwendig machen würde. Falls du gehst Truller: Im Herzen immer mit dir. Und nur wegen dir würde ich, wenn du mitgehst, Hoffenheim die Deutsche Meisterschaft und alles wünschen. Immerhin – und da wiederhole ich mich – müssen wir dich so nie feuern. Eine Vorstellung, die mir einen Klos in den Hals gibt.

Nun wird sich zeigen, ob wir Strukturen haben, die personenunabhängig sind. Wobei diese auch gleich einem echten Stresstest unterlegt werden, denn wir haben ein schwaches Präsidium und einen sportlichen Abstieg. Aufgrund der absurden Beginne der Ligen, haben wir nur 7 Wochen, wenn wir absteigen und wir haben sowieso einen Umbruch zu meistern, denn feste Größen im Mannschaftsgefüge wie Hain, Schulle, Lelle, Eger, eventuell selbst Morena, Takyi und Gunesch sind zu ersetzen. Und hinzu kommt der Verlust von sportlichen Leistungsträgern, wie z.B. Oczipka und wahrscheinlich auch Rothenbach, Kessler, Kruse, Lehmann und anderen. Das wird in 7 Wochen alles, aber nicht einfach. Ich schreibe jetzt schon: Im Falle eines Abstieges verbietet sich das Saisonziel „Wiederaufstieg“. Klassenerhalt und finanzielle Konsolidierung muss das Schlagwort der nächsten 5 Jahre sein. Erneut kam ein Aufstieg zu schnell und wurde die Klassenerhaltschance leichtfertig vergeben. Erneut hat der FC im entscheidenden Moment die falsche Ausfahrt genommen. Wenn wir denn absteigen, wovon man wohl mal ausgehen muss.

Bei aller Kritik an Stanislawski: Viel Erfolg auf all deinen Wegen, soviel hast du dir verdient bei uns, aber die Hoffenheimer Meisterschaft echt nur für Truller. 😉

Und der FC St. Pauli? Trainer kommen, Spieler gehen, nur der Verein bleibt bestehen. Und das Herz dieses Vereines war noch nie an sportlichen Erfolg gekoppelt.

  11 Responses to “Truller und Stani zum Abschied!(?)”

  1. Nur um nicht Mißverstanden zu werden – ich möchte Truller weiter als gute Seele des Vereins, nicht als verantwortlichen Trainer. Da wäre tatsächlich Büskens mein Wunsch.

  2. Das geht mir – wie man vielleicht liest – ähnlich. Als verantwortlicher Trainer wäre er entlassbar.

  3. Ich bin aber nicht bereit, die letzten 18 Jahre wegen des zunehmend irritierenden Verhaltens in den letzten Monaten schlechtzureden. Da war sicher einiges nicht so, wie man das gerne hätte und wie es auch vielleicht hätte sein sollen, aber für mich überwiegt die lange Zeit davor.

    Das funktioniert aber gänzlich ohne Tränen, sei an dieser Stelle mal erwähnt.

  4. einfach ein klasse text, den ich dir sofort unterschreibe

  5. Frau Jekylla: Hätte ich nun Zeit, würde ich aus meinen alten Kolumnen meine schon seit 11 Jahren währende Kritik an Stanislawskis Nutzung der Presse raussuchen. Ich bitte das nicht als Kritik an dem Verhalten der letzten Monate alleine zu sehen. Ich kritisiere das bei ihm bereits, seit dem ich schreibe. Da hat er sich bei mir immer wieder Sympathien verspielt. Seine Verdienste sehe ich aber genauso und damit hat er Sympathien erspielt.

    Mir liegt trotzdem der ruhige, im Hintergrund wirkende Mensch näher

  6. Oder um es mit Tagesschau.de zu sagen:

    „Für das Saisonfinale hat der Verein auf Veranlassung Stanislawskis kürzlich Kapuzenpullover mit der Aufschrift „Ein Verein, eine Mannschaft, ein Ziel = 1. Bundesliga“ drucken lassen und angekündigt, er werde jedem in seinem Team in den Hintern treten, der das Kleidungsstück nicht anziehe. Vergangen Sonntag während des Spiels gegen Bayer Leverkusen trug nur Co-Trainer André Trulsen das gute Stück. Stanislawski selbst schon nicht mehr.“

    http://www.sportschau.de/sp/fussball/news201104/13/stanislawski.jsp

  7. Stani vollzieht für seine Entwicklung einen notwendigen Schritt. Er muss raus aus der jetzigen Kuschelsituation. In Hoffenheim ist er ein symp. Trainer, mehr nicht. Nun muss er beweisen, ob er es auch woanders kann. Dort wird er nicht viel Zeit haben. Sollte er nicht sehr erfolgreich sein, dann wird es schnell Pfiffe geben und später auch „Stani raus“ Rufe, solches ist er bisher nicht gewohnt. Ich bin auch gespannt, ob andere Spieler solche Sachen wie „Brösel“ etc auch mitmachen, es wird spannend.
    Hätte nicht gedacht, dass mich Hoffenheim einmal interessieren wird, aber mein Horror wäre der HSV gewesen, dann besser so.
    Zeitpunkt finde ich ok, wenn denn bald ein Trainer gefunden wird. Dann kann derjenige sich schon mal überlegen, welche Spieler er haben will, denn jetzt ist die heisse Phase der Kontakte. Am Saisonende wäre es schlechter gewesen.
    Und: trotz aller Verdienste von Stani, für mich hat er einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass wir wohl wieder absteigen. Da waren mir zu viele Mängel sichtbar, was Tatik etc anging, zu wenig Einsicht.
    z.B:Als ich aus dem Urlaub kam , und mir das Spiel gg Schalke anguckte und sehen mußte, dass wieder die Pfosten bei Ecken nicht besetzt waren beim 0:1, hätte ich kotzen können.
    Stani hat einen würdigen Abschied verdient, aber ichg halte ihn nicht für unersetzlich.

  8. Zur Erklärung sollte ich vielleicht anfügen, dass ich so viele grottenschlechte Nachtretekommentare im Forum (!!! nicht hier!!! ) gelesen habe, dass ich selbst auf die nicht so charmanten Betrachtungen verzichtet habe.

    Ich hätte mich auch an dem Seitenhieb auf die Sozialromantiker aufhängen können -und ich gestehe, es war knapp- aber was solls, es ist vorbei, die guten Zeiten überwiegen deutlich.

    Jaja, ich weiss: „Du sollst nicht im Forum lesen, Du sollst nicht im Forum lesen…“ ;

  9. Schöner Bericht von dir, trifft meine Stimmungslage.

    Das einzige was mich wirklich traurig macht (im Gegensatz zu vielen anderen), ist das Stani evtl. seiner Gesundheit massiv geschadet hat. Das ist kein Verein wert. Und wenn es stimmt, dass er in letzter Zeit oft ne Stunde im Auto vor der Süd gesessen hat und nachgedacht hat, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen um ihn. Nicht das die Psyche einen Knacks bekommen hat.

    Wenn es ihm wirklich so schlecht geht wie er jetzt sagt und er so leer ist, dann sind einige Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit vielleicht im Zuge der Verzweifelung entstanden.

    Das schlimme für den Verein, wir haben außer Bene wohl keinen Torhüter mehr. Evtl. haben wir keine Co Trainer mehr. Was ist mit Hain? Was ist mit Meggle? Bönig? Wichtige Spieler haben noch keinen Vertrag oder haben vielleicht nur wegen Stani verlängert. Welche Rolle spielt Duve? Welche Schulte?

    Abstiegskampf bis zum Schluss und ne ultra kurze Pause zur zweiten Liga. Durchmarsch in Liga 3 ick hör dir trapsen und nix mit Top 25 in Deutschland.

    Ich fände es wichtig das Truller bleibt, nicht nur weil ich ihn vermissen würde.

    Ob das ganze jetzt die Mannschaft stärkt oder lähmt. Keine Ahnung, denke aber mal das vielleicht bei einigen jetzt die Gedanken um die Zukunft beginnen.

  10. Ich glaube, ich bin einfach nicht für diese moderne Fußballwelt gemacht, in der Sport ein Business ist wie einige andere auch. Ich möchte eigentlich gern, dass Fußball von Leuten gespielt wird, die da herkommen, wo der Verein ansässig ist und dass das Team aus Menschen besteht, die von diesem Verein ausgebildet worden sind und dann soll auch der Trainer, wenn es nach mir geht, bitte jemand sein, der da auch mal Spieler war und der jetzt eben dafür ein Gehalt bekommt, dass er dieses Wissen weitergibt. Dann wäre ich auch weiterhin loyal. Stani hat in der Vergangenheit immer gern so getan, als wäre er so eine Identifikationsfigur, das finde ich rückblickend ein bisschen unangenehm, aber nur ein bisschen und was die Medien angeht: Die laufen von selbst, ob da jetzt ein Stani ankommt und sie füttert oder nicht. Die brauchen nur was, das sich zu einer Geschichte spinnen lässt und als Stani jünger war, hat er ja gern mal sowas zur Verfügung gestellt. Habe letztens Bilder von ihm aus den 90ern gesehen, da war sehr viel Fremdschämen dabei. Grüße und P.S.: Dein Hooliganbericht war wohl witzig und ich kann das beurteilen, ich hab demnächst nen Doktortitel in Satire.

  11. […] hiermit sei auf den Text vom magischerFC verwiesen […]

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