Apr 122011
 

oder

Achtung Satire

Vorwort

Ich schreib den jetzt so. Was soll ich wieder irgendeinen 08/15 Bericht schreiben, der von Langeweile und habichdochschonüberallandersgelesen geprägt ist? Ich schreibe jetzt einen Hooliganbericht. Der natürlich nicht ernst zu nehmen ist. Zwar macht dieser Hinweis viel des Witzes kaputt, aber ich habe auch kein Bock auf Diskussion ob so etwas nun geschmacklos ist oder lustig. Das ist sowieso relativ individuell. Ich kann sowieso nicht lustig schreiben, also ist es geschmacklos.

Danke Dresden

Es war mal wieder so weit. Wir guten Pauli Hooligans haben endlich mal wieder eine richtig coole Aktion gestartet. Um gleich der Polizei aus dem Weg zu gehen, sind wir nicht mit diesen blöden Sozialarbeitern, die einen sowieso nur von Gewaltlosigkeit voll reden gefahren, sondern mit dem Auto angereist. Nur die Guten, nur die Alten, nur die 1. Reihe. Unser Veteran fand das Auto zwar nicht so bequem, weil wir zu Fünft unterwegs waren, aber okay, das ist wahrscheinlich seinen vielen Kriegsverletzungen geschuldet, die er auch mal bei seinen gefürchteten Blutgrätschen bekommen hat. Aber seht ihr noch irgendwo seine Opfer? Eben nicht.

Bisschen lasch waren ja mal wieder unsere Ultras. Grillen? Saufen? Mit der SPM? Nicht nur, dass sie sich das Fressen von diesen Hippies vorbereiten lassen, nein, so etwas macht träge! Man muss fit sein, gedanklich und körperlich schnell! Nicht vollgefressen und träge. Aber was willst du von diesen Studenten und Hippie Pack erwarten?

An einem Friedhof noch unseren Kameraden aus Lüneburg abgeholt und schon mal ein paar Gräber für unsere heutigen Opfer reserviert. Dann auf die Autobahn. Keine Farben, keine Gesänge. Um ein bisschen Unterhaltung zu haben, haben wir irgendwelche Suffkutten von Pauli umgehauen. Die will doch sowieso keiner im Block haben. Eine Schande diese Leute und wenn es mal wirklich hart auf hart kommt, dann wollen die noch diskutieren, ob man nun diesem ekeligen Leverkusener auf’s Maul hauen darf oder nicht.

Dammer Berge wurde erstmal eine schöne Linie gelegt, nur unsere Alterspräsidentin zierte sich ein bisschen, findet sie doch Koks von der Klobrille unhygenisch und macht es daher nur zu Hause auf dem Ceranfeld. Gut, dass sie schon voll drauf war.

Sonst war die Fahrt von Langeweile geprägt. Wir hatten noch gehofft, dass wir vielleicht irgendwen aus der 3. Liga treffen, aber die haben sich alle nicht gezeigt. Und Köln hatte ja in Gladbach zu tun. Sonst ja immer ein guter Gegner, auch wenn die gerne sich mal hinter den Cops verstecken und nur mit Flaschen werfen.

In Leverkusen haben wir erstmal am Mannschaftshotel gehalten und die Mannschaft mit einem gepflegten „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch Tod“ motiviert. Sollen die Scheiss Millionäre doch wissen, was sie erwartet. Und diesmal ziehen wir das durch. Immerhin wartete hier auch schon unsere Kölner Fraktion, die aber diesmal nicht so steil gehen konnte, wie sonst, denn die hatten Familienausflug. Ja, ist schon scheiße so ein Spiel in direkter Nachbarschaft. Bist zwar zum Tatort zu Hause, aber natürlich will Muddi mit den Gören dann auch mit. Nix mit gepflegter Herrenrunde wie sonst. Tja, musste die alte Koksnase sich halt mal an Coca Cola (Achtung Wortwitz) halten.

Zum Stadion. Leverkusen ist schon eine komische Stadt. Eigentlich fährst du nie durch Wohngebiete. Entweder siehst du die A1 Brücke von irgendeiner Seite oder das Bayerwerk. Und obwohl das Stadion direkt an der Autobahn liegt, musst du ungefähr 10 mal diese unterqueren, bis du einen Parkplatz hattest. Und da kreist du durch die Stadt und findest keinen Gegner. Nur Familien und Trikotträger, die anscheinend in der ganzen Stadt parkten und dann zu Fuß zum Stadion latschten.

Latschen ist ja nicht so unser Ding, musst ja Kraft sparen und so fälschten wir einfach kurzerhand einen Parkschein und parkten auf dem Presseparkplatz. Schon lustig, wenn da drauf steht „Redaktion Fantreff“. Die fitten Jungs im Block hätten das gemerkt, aber hier waren Rentner.

Und immer noch keine Gegner. Die zwei spannend aussehenden Jugendliche entpuppten sich bei näherem Hinsehen als eigene Picos, die unsere Ufftas abholen wollten. Die kamen auch gerade von ihrer Grillparty und vergeudeten ihre Kraft in sinnlosen Gesängen unter der Autobahn. So wird das nie etwas mit einem zünftigen Match, wenn du die Polizei so auf dich aufmerksam machst. Aber unser Jüngster ging mal hin, um zu schnacken. Sind ja trotzdem ein paar fitte Jungs bei und wichtig ist doch, dass sie Paulianer sind. Stört mich doch nicht, ob sie politisch anderer Meinung sind, müssen die doch nur nicht immer im Stadion sagen.

In Leverkusen geht vor dem Spiel sowieso nix, daher gingen wir zum Gästeblock. Unsere Bremerfraktion hatte wieder alle richtig gemacht. Keine Farben, keine Gesänge, kleine Gruppen. Großes Hallo und erstmal ein bisschen chillen in der Sonne. Muss in der normalen Adrenalinwelt auch mal genossen werden.

Ich bin dann in meiner üblichen Fotografentarnung ins Stadion und entweder die Ordner sind da echt nett oder hatten Respekt. Man wurde überall freundlich behandelt. Nur warum Leverkusen diese Tarnungsleibchen außerhalb des Stadions und sehr weit weg vom Pressebereich verteilte, ist mir nicht klar. Nun gut, nach ein bisschen Gelatsche, wo die Essener Atze schon abhing, aber noch keine Gegner melden konnte.

Leverkusen, eine Szene, die zwischen Genie (selten) und Wahnsinn pendelt. Wenn die Tradition verteidigen will (Plakat), dann wollen die wohl eine Rückbenennung auf IG Farben Leverkusen oder was ist bei denen Tradition? Der Fußballverein ja wohl nicht. Als die Schalker (gleiches Gründungsjahr) schon ganze Städte zerlegten, haben die doch noch Ackermatche gegen Hürth gemacht.

Die alte Zecke vom Lichterkarussell meint ja, dass die Stimmung davon abhängig sei, wie viele Hauer in der Kurve stehen. Die ersten dreißig Minuten waren die alle zu Hippies mutiert, denn da kochte der Heimblock schon und hat mich positiv überrascht. Nach 30 Minuten besannen die sich aber alle darauf krasseste Hauer zu sein und verstummten vollständig. Und das ohne, dass irgendwas auf dem Platz passiert war, was diese Umbesinnung begründen konnte.

Aber schon geil, im Block mit 10 Hackfressen den Lauten zu machen und „Scheiss St. Pauli“ zu brüllen. Und das ein Block das vom Gästeblock angestimmte „Asoziale Zecken“ übernimmt spricht entweder dafür, dass die noch mehr „Ironie“ haben, als die Paulizecken oder schlichtweg komplett sinnbefreit sind.

Immerhin hatten die Hamburger Medien erkannt, dass das „Pauli Hooligans – Nicht lang schnacken, Bier in Nacken“ kein Witz sein sollte. Watch your back, digga. Das nächste Mal Hartplastik auf die Pressetribüne. Und klar, es ist viel geschmackvoller und zeigt von mehr Einsicht, noch mal die Fotos von Amokopfern bei Facebook (oder anderen) zu klauen oder noch mal auf die Leiche draufzuhalten, oder ein schönes Bild des aus dem Block Gestürzten zu veröffentlichen. Und berechtigt einen auch dazu die Definitionsmacht über „Geschmack“ zu reklamieren. Das nennt man öffentliches Interesse und wir wollen das doch alle sehen.

Das Spiel haben unsere Millionäre verkackt. Wie immer ohne Leidenschaft, ohne Kampf. Und dann haben sie selbst noch Bene angesteckt. Der trifft zwar mit dem Fuß wenigstens mal einen Ball und kann auch einen Ball vernünftig schlagen, aber ne, den muss er bei aller Sympathie und Straßentauglichkeit des Jungen haben. So wird das leider nie was mit einer Profikarriere. Das Ding neben den Pfosten lenken und ein 1-1 damit klar machen und es hätte in diesem Verein nie wieder eine Torhüterdiskussion gegeben. Schade, wäre einer von uns gewesen. Das natürlich vorher alle pennen und er nur eine Chance hatte, weil der Leverkusener mehr über seine eigenen Füsse stolpert, als schießt, sei auch mal deutlich gesagt.

Na, damit die Jungs überrascht bleiben, wenn wir sie nach dem Abstieg totschlagen, bekamen sie dann doch Beifall. Will ja auch bei den Hippies nicht so auffallen. Der Bulle wird mir aber bald noch sympathisch. Geht im Gegensatz zu seinen Kollegen auch ohne Vollschutz da hin, wo es weh tut. Und auch Takyi, Lelle, Ralle, Lehmann, Egi, Asa, Deniz, Brunsi und Torre haben echt alles gegeben. Aber der Rest? Nix! Okay, die eingewechselten Jungs, die waren da. Aber sonst? Was ist eigentlich mit Schulle los? Früher immer für ein gutes Ding auf dem Platz da, jetzt lammfromm auf der Bank. Stani, das kannst du bei den Kraichgauern machen, aber bei Pauli muss Fußball dreckig sein. Sonst ist man nicht aufgepuscht genug um irgendwelche Drecksschalker durchs Viertel zu jagen.

Ich geb dem Stani sowieso höchstens 6 Monate in der Provinz. Dem wird schnell der Elbgeschmack im Kaffee fehlen. Tja, hier hättest du mit einem Klassenerhalt eine Legende werden können. So demontierst du dein Denkmal innerhalb eines halben Jahres. Wir sind eine Gang? Lächerlich, wenn der Leader schon mit einer anderen Gang verhandelt. Das nennt man Verrat und das ist eine Todsünde. Lass aber bitte den Truller hier. Die Faust können wir noch gebrauchen. Scheiße, dass Truller so loyal ist. Ist auch im Kraichgau ein Guter. Ich hätte ihn trotzdem gern als Nachfolger gesehen. Und mit Truller wären wir dann in den Uefa Cup und Stani hätte sich in den Arsch gebissen. Ich mochte Truller sowieso immer lieber. Lurup ist halt mehr streetcredibility als Tonndorf.

Und komm mir jetzt niemand mit „Das ist das Geschäft“. Wenn er die Klasse gehalten hätte, dann hätte er gerne verhandeln können, aber so mitten in der Krise ist das nicht wirklich Gangleaderlike. Und damit kannst du das ganze ziemlich in die Tonne treten, denn „Führen durch Vorbild“ ist immer wirksam. Du würdest dem Leader deines Mobs doch auch nicht bedingungslos vertrauen, wenn der auf dem Acker immer eine Rauchen ist, wenn du dich mit Wasserballhoppern rumprügelst.

Nach dem Spiel lässig die Polizei umgangen und nach Gegnern gesucht, aber Leverkusen stellte sich einfach nicht. Von anderen Gruppen ist man ja wenigstens ein bisschen gepöbel und ein zwei Biertäusche (mit Flasche) gewöhnt, aber hier sind mit Abpfiff schon alle bei Muddi.

Gelangweilt, angekotzt und gefrustet machten wir uns also auf dem Heimweg. Aber da, endlich, ein Lichtblick an einem sonnendurchfluteten Tag. Vor uns ein Auto mit Magdeburg Schal und voller Besatzung. Okay, auch einen Bayer Teddybären auf der Hutablage, aber ihr wisst doch: Tarnung ist alles. Das war unsere Kragenweite. Unser Jüngster denen also einen Bengalo unter das Auto geworfen und dann ging es ab. Knallte ordentlich und heftig, die waren gut drauf und wir einigten uns auf ein Unentschieden. Ups, zwischenzeitlich hatte der Bengalo nur den Bayer Teddy abgefackelt. Und das dazu gehörige Auto. Siehst du Magdeburg, ein Unentschieden kann sich für den Einen wie ein Sieg anfühlen, für den anderen wie eine Niederlage. Bevor nun aber die Bullen kamen, machten wir uns vom Acker und auf die A1. In Remscheid noch kurz die Tankstelle geplündert und dann ab durch die Mitte. Unser Lüneburger Kamerad diskutierte mit dem Fahrer noch kurz das Elend der Welt, so von Asozialisierung der Jugend, über die unsinnige Spaltung der Bewegung. Sowieso diese ganzen Theoretiker, die sollen mal aus dem Lesesaal raus und auf die Straße. Da ändert man was.

Grüße gehen am Ende aber noch nach Dresden. Ihr erinnert vielleicht die Hinrunde, wo wir auf dem Weg nach Stuttgart in Zwickau noch so ein bisschen Wasserball gehoppt hatten? Da waren wir ja in einen fiesen Hinterhalt geraten und in so ein unfaires Ding so mit 100 gegen 20 und da hatten uns ja die Dresdener gerettet. Die zeigten nun wieder, dass sie es echt drauf haben und haben ein richtig cooles Plakat gegen die Rostocker Schweine gezeigt. Gut, dass die Redaktionäre aus der Otto Fleck Schneise da ihre Verfahrensordnung nicht so ernst nehmen, sonst gäbe es wohl nun Strafe, wahrscheinlich selbst Punktabzug, denn die Jungs hatten ja schon Cottbus gezeigt, dass sie Juden sind. Hat doch mal dieser jüdisch unterwandere Weltverband beschlossen. Aber so ein bisschen Antisemitismus finden die Jungs in der Otto Fleck Schneise halt nicht so tragisch. Und wenn die Fifa zu doll nörgelt, dann gibt es halt keine Beweise. Schon mal was von Photoshop gehört? Da ist so ein Weichplastikbecher in den Nacken eines Linienrichters schon viel schlimmer. Richtig so, war ja auch kein faires Ding. Auch wenn man sagen muss, dass sich der Linienrichter trotz deutlicher Aufforderung von der Tribüne nicht gestellt hat.

Richtig auch was da die Presse und unser Freund Pilz macht. Wer Wurst-Uli kritisiert, der hat nix in einem Stadion zu suchen. Und da muss man auch mal Stadionverbote vergeben, da hat Pilz Recht. Gegner mal als Juden bezeichnen, das ist doch cool, gehört dazu und ist keine Meldung wert. Um es mit dem Laziotypen zu sagen: „Krass, faschistisch, aber im Rahmen“ (das ist nebenbei so wirklich gefallen vor Jahren in einer Doku über Lazio). Aber seinen eigenen besten Mann kann man doch nicht kritisieren. Macht er als Abteilung Attacke doch auch nie. Immer nur bei fairen Matches dabei.

(Auch in einem deutlich gekennzeichneten Artikel hier der Hinweis, dass dies ausdrücklich Sarkasmus ist. Anders ist die Untätigkeit des DFB und der Presse in Sachen Antisemitismus doch nicht mehr zu kommentieren. Soll ich da was schreiben, dass nun eine wirklich empfindliche Strafe für Dresden überfällig ist? Ja, das selbst eine Kollektivstrafe 😉 absolut angemessen wäre. Mit so ein bisschen Thor Steinar im Stadion verbieten ist halt Antifaschismus nicht erreicht. Man muss auch die Typen, die das tragen loswerden und zwar für immer. Und erzähl mir niemand was von „nie da“. Finde ich eher fragwürdig, wenn der Lappen anscheinend am Podest des Vorsängers hängt. Und das die Presse sich lächerlich macht, wenn sie bundesweit wegen ein paar harmlosen Protestplakaten gegen Hoeness steil geht, dies aber verschweigt, muss ich auch nicht schreiben, oder? Ebenso Gunter A. Honorarprofessor aus Hannover, den man echt mal fragen muss, ob er überhaupt schon einmal in einem Stadion war.)