Apr 262011
 

oder

Aufarbeitung in kurzen Sätzen

Vorwort

Mich hat es letzte Woche so richtig zerrissen. So krank war ich wahrscheinlich in meinem gesamten erwachsenen Leben noch nicht. Das liegt daran, dass ich höchst selten richtig krank bin. Letzte Woche war ich es aber, so dass ich meine Marathontraumzeit schon einmal richtig gepflegt beerdigen kann. Natürlich versuche ich trotzdem mein Geld bei „Kein Sprint“ einzulaufen, aber mir fehlt erstmal eine verdammt wichtige Trainingswoche. Das war nebenbei Werbung, dass ihr mich jetzt endlich sponsoren sollt. Ich hoffe, dass ich diese Woche wieder normal laufen kann und doch dann einiges aufholen kann. Gucken wir mal.

Und da bin ich einmal krank, so dass ich nix schreiben kann und genau in dieser Woche bietet der FC im Besonderen und der Fußball im Allgemeinen unzählige Themen, die man schreibtechnisch sehr gut hätte verwursten können.

Daher nun im Schnelldurchlauf und ohne den Anspruch der Vollständigkeit oder dem Anspruch einer sinnvollen Reihenfolge. Leider bleibt nicht mehr Zeit, da natürlich auch sonst alles liegen blieb.

Geisterspiel abgewendet

Dafür eine Platzsperre in der nächsten Saison. Das Stuttgart und Aachen nun richtig gepisst sind, kann ich voll und ganz verstehen. Man muss auch weiterhin kritisieren, dass es einfach unsinnig ist, dass Platzsperre und Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit dort eher als Nebenstrafen neben einer Geldstrafe genannt sind und einzelnen Delikten kein wirklicher Strafrahmen zugeordnet ist. So bleibt es im Belieben der jeweiligen Richter, ob sie nun 6.000 Euro Geldstrafe oder Platzsperre für Bierbecherwürfe aussprechen. Das kann es einfach nicht sein und so bekommt man auch (wenn man denn an so etwas überhaupt noch glauben mag) keinen abschreckenden Effekt hin. Dafür muss die Strafe schon im Voraus klar erkennbar sein und zwar aus dem Gesetz, sprich aus der Verfahrensordnung. Der DFB sollte hier dringend reformieren und vielleicht sollte der FC sich an die Speerspitze der Reform stellen.

Und bei aller Schutzwürdigkeit des neutralen Schiedsrichters: Man sollte auch überlegen, ob nicht insbesondere der Spielabbruch viel zu hoch aufgehängt ist. Mir scheint der Schutz von Menschen viel wichtiger. Und das dieser nicht wirklich erreicht wird, zeigt sich schon an den Strafen, die immer wieder für das Werfen (!) von Pyrotechnik ausgesprochen werden. Und das dies brandgefährlich ist, sollte jedem klar sein. Und wenn man denn an eine Abschreckung glauben mag, dann wären hier viel eher Platzsperren etc. notwendig, als bei einem Spielabbruch, bei dem der Linienrichter weder körperlich noch geistig verletzt wird.

Ich halte es für müßig zum jetzigen Zeitpunkt über den Ort und die Kartenmodalitäten des zu verlegenden Heimspieles zu diskutieren. An einem Freitagabend um 18 Uhr würden wahrscheinlich sowieso nicht mehr als 10.000 Leute nach Kiel oder Lübeck fahren. Daher abwarten, welche Fragen sich wirklich stellen. Bei der nun zu erwartenden 2. Liga mit ihren attraktiven Gegnern und arbeitnehmerfreundlichen Anstoßzeiten kann ich mir ungefähr 10 Gegner vorstellen, wo sich keine Kartenknappheit stellen würde.

Bremen

Was soll man zu diesem Spiel sagen? Ich ziehe mich da auf die Überschrift zurück, denn wahrscheinlich jedem im Stadion war in der 18. Minute klar, dass Fabian Boll nicht zu ersetzen ist. Und dabei geht es nicht um das Fußballerische, da ist er garantiert nicht der Beste, aber in HZ 2 fehlte uns nicht das Fußballerische, sondern das Kämpferische. Die Mannschaft ergab sich von Minute 1 (also Minute 46) in ihr Schicksal und auch eventuelle 2-1 für uns hätten aus meiner Sicht nichts geändert. Wenn man sich dabei unser Mittelfeld ansah (und das kann man von unserem Platz sehr gut), dann fehlte insbesondere der Wille die letzten Meter, jene die weh tun, zu gehen. Und da fehlt eben ein Spieler wie Boll, der in seinen 18 Minuten diese Meter häufiger ging, als andere Spieler in 90 Minuten. Es verbietet sich für mich auf einzelnen Spielern rumzuhacken, aber ich hatte bei eigentlich keinem Feldspieler das Gefühl, dass er hier und heute unbedingt gewinnen musste und wollte. Ein bis zwei Spieler mag man ausnehmen, aber insgesamt fehlte mir zum wiederholten Male gegen einen schlagbaren Gegner der letzte Wille. Und deswegen abzusteigen, das ist das eigentlich bittere in dieser Saison. Denn seien wir ehrlich: Kaiserslautern ist nicht besser besetzt als wir, aber die haben diesen letzten Willen und werden daher wahrscheinlich die Klasse halten.

Ich weiß nicht, warum Boll so fokussiert ist, wo andere Spieler von allen guten Geistern verlassen scheinen? Vielleicht weil er sowieso weiß, dass er hier nächstes Jahr spielen wird? Vielleicht weil er sich auch keine Gedanken darüber macht, ob es sein Anspruch ist erste Liga zu spielen? Oder weil er einfach jeden Tag aus diesem Wolkenkuckucksheim Fußball gerissen wird und weiß, wie hart man arbeiten muss, um einen Bruchteil des Geldes zu bekommen, den Fußballspieler bekommen? Keine Ahnung, aber man muss sich bei seiner Entwicklung und der Entwicklung von einigen Vollprofis in der Mannschaft echt fragen, ob das Profitum für einen unteren Bundesligisten und einen Zweitligsten wirklich ein Prinzip mit Zukunft ist.

Und wahrscheinlich wird Boller spätestens gegen Bayern wieder auf dem Platz stehen, wenn ihm der Fuß nicht zwischendurch abfault. Er lebt seinen Traum hier, bei uns, auf diesem Platz und heute. Das unterscheidet ihn vielleicht zu anderen Spielern, die bei einem Spiel wie Samstag eher bei den Vertragsverhandlungen mit ihrem nächsten Verein sind, als beim Spiel.

Und ja, hier ist auch der Verein zu kritisieren, denn ich begreife nicht, warum anscheinend noch keine oder sehr wenig Planungen über diese Saison hinaus geschehen ist. Gerade so verdiente Spieler wie Eger, Ralle, Lelle hätten frühzeitig eine Ansage verdient. Und wenn diese negativ ist, dann ist das okay und leider dem Leistungsfußball geschuldet, aber dann muss man den Jungs das auch frühzeitig sagen. Und komme mir bitte keiner mit „Ja, ist doch ein Unterschied, ob nun 1. oder 2. Liga.“ Das halte ich für eher zweifelhaft.

Die Pressemittelung zum „Zuschauerverhalten“

Ich weiß nicht, ob das eine Pressemitteilung ist, aber ich nenne sie jetzt mal so. Ich meine den eben verlinkten Text. Wenn man denn wirklich jemanden hätte erreichen wollen, dann hätte man aus meiner Sicht insbesondere zwei Dinge anders machen müssen:

1. Man lässt Helmut Schulte und Michael Meeske zu Wort kommen. Das ist schlichtweg schlechter Stil, denn beide haben nichts mit dem Zuschauerverhalten zu tun. Hier hätte aus meiner Sicht zwingend der Präsident seine Stimme erheben müssen. Es bleibt bei meiner Kritik, dass man Bierbecherwürfe einfach zu tief aufhängt. Das ganze wird auf eine Stufe mit „Scheiß HSV“ Rufen gestellt, zu denen sich der Sportchef ja auch schon äußerte. So kann ich dahinter keinen Druck aufbauen, dann hätte man auch Norbert / Ehrenamtlicher Fotograf zu Wort kommen lassen können, der hat genauso wenig damit zu tun.

Wenn man unbedingt eine zweite Stimme braucht, dann kann man gerne Schulte nehmen, aber das erste Zitat (welches inhaltlich nebenbei auch anders sein muss, um dies klar zu machen) muss vom Präsidenten sein.

2. Ich halte es für extrem gefährlich mit Zahlen zu argumentieren, die bereits auf den ersten Blick zweifelhaft sind und die auf dem zweiten Blick noch zweifelhafter werden. Und da lässt einen dieser Absatz (im Original ist das kein Absatz, sondern vielmehr jeweils ein Teil von zwei Absätzen) einfach nur schreien und zwar laut:

[…]„Der Verein prognostiziert als direkte wirtschaftliche Auswirkungen für die Platzsperre einen Gesamtverlust von ca. 562.000,00 € LIGA 1 bzw. 418.500,00 € LIGA 2. Im Vergleich dazu würde sich der Verlust bei einem Geisterspiel nach Schätzungen des Vereins auf 587.000,00 € belaufen. „Auch wenn die Zahlen bislang nur sehr grobe Prognosen sind, so ist davon auszugehen, dass sie einen einschneiden Gesamteffekt auf die abgeschlossenen Etatpläne haben werden““ […]

Ihr findet den Fehler, oder? Das ist bislang nur eine grobe Prognose, aber sie ist auf 500 Euro genau? Leute, verscheißern kann ich mich selber. Entweder man sagt, dass dies wirklich durchgerechnet ist, dann müsste man aber zumindest grob die Berechnungsgrundlage offen legen oder aber man rundet bitte auf höchstens 10.000 auf bzw. ab. Eine grobe Schätzung auf 500 Euro entzieht sich von selbst jeglicher Glaubwürdigkeit. Grob geschätzt macht alleine das Wetter, ob wir gewinnen und an welchem Tag gespielt wird wahrscheinlich einen Unterschied von gut 10.000 Euro in den Einnahmen aus.

Denn noch eine Frage stellt sich: Warum ist in Liga 1 nur ein Unterschied von 25.000 Euro zwischen Geisterspiel und Platzsperre? Bei Geisterspiel habe ich 0 Karteneinnahmen, 0 Business Seats Einnahmen und ordentlich Ordnerkosten, damit keiner rein kommt. Bei einer Platzsperre habe ich immerhin die Hälfte der Karteneinnahmen und eventuell somit auch die Hälfte der Business Seats Einnahmen, habe weniger Ordnerkosten zu Hause, dafür aber eine externe Stadionmiete. Wird dies vollständig von einer externen Stadionmiete wieder aufgefressen? Dann frage ich mich, wie man Tagesveranstaltungen in Stadien kostendeckend durchführt.

Warum sind die Einnahmeausfälle in Liga 2 nur 75 % derjenigen in Liga 1? Das ist mir auch nicht begreiflich. Eine Preissenkung der Eintrittskarten um 25 % wird wahrscheinlich niemand erwarten, oder? Auch bei den Business Seats war – soweit mir die Preise bekannt – vor dieser Saison eine solche Differenz nicht geplant (der Vorverkauf begann ja zu einer Zeit, als wir noch nicht aufgestiegen waren). Und ich bezweifele auch, dass jetzt den Kunden eine solche Preisdifferenz angeboten wird. Also: Warum nur 75 % der Einnahmeausfälle von Liga 1? Oder ist hier etwa mit zwei unterschiedlichen Auslastungen kalkuliert worden? Das wäre aus meiner Sicht nicht seriös, denn es hat mit Zuschauerverhalten nichts zu tun. Zumindest sollte man so etwas offen legen, wenn man denn mit Zahlen argumentieren will. So werden sie schnell angreifbar und das ist das schlimmste, was in solchen Texten passieren kann.

Nebenbei: Es ist gehässig, aber man sollte nicht immer Helmut Schulte über das fehlende Geld aus Vermarktung, Fanverhalten etc. nörgeln lassen, wenn man jedem Topverdiener auf der anderen Seite eine lebenslange Dauerkarte bester Kategorie verspricht, die er im Notfall persönlich die nächsten 20 Jahre aufgrund eines DFB Trainerausweises nicht einmal braucht. Auch dies kostet Geld und da nörgelt – zu Recht – keiner. Und warum nicht? Weil hier – im Gegensatz zu Fans – Hr. Schulte anscheinend erkennt, wie viel Geld das auch bringt.

Insgesamt hat man aus meiner Sicht mit diesem Text eine riesige Chance vertan. Es war ein offenes Tor, durch das man hätte durchgehen müssen und man lief locker gegen den Türpfosten.

Wolfsburg

Ich weiß warum ich kein Assi Ticket (Länderticket) mehr fahre. Es kommt immer zu Stress, da die Zeiten, wo man Bahn noch etwas anarchistisch fahren konnte vorbei sind. Heutzutage wird eben penibel auf Zugbelastung und ordentliches Ticket geachtet. Und das Hannover schlichtweg ein Haufen Scheiße ist, sollte auch jeder wissen. Trotzdem muss man sich schon sehr stark fragen, ob die einzige Antwort der Polizei auf die Bedürfnisse junger Leute sein kann, Recht und Ordnung mit Knüppeln wieder herzustellen. Auch gerade weil es hier um so brutale Straftaten wie Rauchen im Zug und kurze Strecken Schwarzfahren ging. Und wenn dabei u.a. noch ein Rollifahrer aus seinem Rollstuhl geworfen wird, dann stimmt das Verhältnis der Mittel hinten und vorne nicht mehr. Vielmehr müsste die Polizei dort auch mal die Bahnverantwortlichen in die Pflicht nehmen, dass diese entsprechendes Zugmaterial zur Verfügung stellen. Eine Sache, die ich bei Metronom sowieso nicht verstehe. Hätten die sich drei Züge gekauft, die sie für Fußballfans ausrüsten (sprich unkaputtbar und abwaschbar) und diese mit einer Theke bei gleichzeitigem Glasflaschenverbot ausgerüstet, dann hätten sich die Kosten innerhalb von kürzester Zeit in einen riesigen Gewinn umgeschlagen und die ganze Alkoholverbotsscheiße wäre überflüssig gewesen. Nur kreative Lösungen sind nicht mehr gefragt, vielmehr ist heute die stereotype Antwort: „Das ist verboten“. Schade, modern und frei ist dies nicht.

Sarrazín und die SPD

Die moderne SPD ist sowieso für jeden, der auf den demokratischen Sozialismus im Sinne des Godesberger Programmes etwas hält, schwer bis gar nicht erträglich. Sei es wegen ihrer programmatischen Leere, sei es weil sie wahrscheinlich die einzige Partei ist, die ihr Klientel (Gewerkschaften) sehenden Auges gegen sich aufbringt. Das aber ein Rassist wie Sarrazin mit dem Programm der SPD vereinbar sein soll, lässt einen doch sehr verwundert zurück. Nun ist es so, dass ein Parteiausschluss hohe Hürden hat, was man erstmal zur Kenntnis nehmen muss. Deswegen wäre wohl auch hier der Ausgang eines Verfahrens offen gewesen, bzw. für mich nicht klar zu entscheiden, auch weil ich die Thesen des Thilo S. garantiert nicht im Detail lese. Für mich persönlich sind jedoch sozialdarwinistische ins rassistische gehende, ach Blödsinn, rassistische Aussagen in Talkshows mehr als genug, wenn man in einer Partei ist, die Werte wie internationale Solidarität hochhalten will.

Peinlich wird es aber dann, wenn man den Rechtsweg nicht einmal beschreitet, sondern sich in der ersten Parteiinstanz (!) „einigt“. Dann sieht man anscheinend bei den Oberen der heutigen SPD Platz für sozialdarwinistische und rassistische Thesen. Oder man hat so gar keine Eier, eine eventuelle Niederlage vor einem ordentlichen Gericht zu ertragen. Beides ist schlichtweg schlimm und unerträglich. Es gibt Sachen, die erledigt man nicht in einem Hinterzimmer und es gibt Personen mit denen findet man keinen Kompromiss als SPD. Kurt Schumacher und andere Sozialdemokraten, die von den Nazis verfolgt wurden, rotiert wahrscheinlich im Grabe.

Apr 132011
 

oder

Stanislawski geht!

Wer jetzt einen tränenreichen Abschied erwartet oder einen Text, der noch mal erzählt, dass „Stani der beste Mann“ „unersetzbar“ oder was auch immer ist, der verlasse bitte diese Seite jetzt und gehe zur MoPo. Wenn es um Emotionen geht, dann fasst der Tweet von Tweet von derkiesel es zusammen „Ok, Stani geht – das war klar. Die Frage lautet doch: Was macht Truller!!!“. Emotional weine ich Stanislawski weniger nach, als Truller. Und natürlich würde ich mir die Faust als Trainer wünschen. Nur wenn er mit Stani geht, dann passiert wenigstens nie das, was mir für immer das braun-weiße Herz brechen würde, nämlich, dass man irgendwann Truller entlassen müsste.

Warum aber dieses gespaltene Verhältnis? Holger Stanislawski hat 18 Jahre seinen Schädel für den FC hingehalten, hat als Spieler erfolgreiche Zeiten mitgeprägt, insgesamt 3 Jahre Bundesliga gespielt und hat als Trainer eine Mannschaft aus den Tiefen von Liga 3 in die Bundesliga geführt. Diese Verdienste sind absolut unbestritten (und im Gegensatz zu einem Norderstedter Forenuser ist das kein Selbstgänger, wie gerade wieder in Leipzig bewiesen wird) und für diese Verdienste habe ich auch immer einen Platz in meinem Herzen für ihn übrig. Er war als Spieler nie woanders höherklassig tätig. Auch dies ist emotional zu seinen Gunsten zu werten.

Aber er hat in diesen 18 Jahren auch immer gewusst die Presse für seine Zwecke zu nutzen. Bestes Beispiel: Sein jetziger Abgang, der über die Presse forciert wurde und schon damit begann, dass von ihm lanciert wurde, dass er für 250.000 Euro zu haben ist. Und endet jetzt in diesem monatelangen immer wieder über die Presse diskutieren, wo er denn hingeht. Anstatt das sauber, still und heimlich zu erledigen, wurde es immer wieder in die Öffentlichkeit getragen und wer glaubt, dass dies ohne sein zutun passiert ist, dem muss man wohl Naivität unterstellen. Da haben sich (junge) Spieler, die ebenso nach der Saison wechseln werden (Kruse, Kessler etc.) viel ruhiger verhalten und viel mehr das im Hintergrund erledigt, wie es sein sollte. Und werden dann – wenn es denn stimmt – von einem Trainer bestraft, der nebenbei mit einem anderen Verein verhandelt. Nicht konsequent, oder?

Man muss hier wohl den Vorwurf des Egoismus machen, er tut weh, ja aber er ist eben nicht ohne Anhaltspunkte. Dazu gehört auch, dass man nach 6 Niederlagen am Stück nichts besseres zu tun hat, als nach Hoffenheim zu reisen und nach der 7 Niederlage am Stück noch mal rumeiert und Montags kryptische Andeutungen macht. Ein sauberer und guter Abgang sieht anders aus. Vieles mag auch damit zusammenhängen, dass Stanislawski sehr früh die Entscheidung getroffen hatte, dass er unbedingt nach dieser Saison gehen muss, aber er keinen Arbeitgeber gefunden hat. Er hatte sich (auch durch die selbstgeschaffene Öffentlichkeit) richtig schön in diese Ecke gedrängelt. Ein Verbleib beim FC, selbst beim Klassenerhalt hätte wie ein Karriereknick ausgesehen. Das ist ein grober Fehler, auch von ihm.

Hoffenheim? Hoffenheim! Ein Verein am Scheideweg. Der Sponsor (Hopp) will langsam Geld zurückhaben und wird nicht mehr viel investieren. Aber ob der Verein tragfähige Strukturen hat, die ohne ganz viel externes Geld funktionieren, wage ich ganz stark zu bezweifeln. Und dort ist er nicht unangreifbarer Held, der in den Medien aufgrund seiner Kontakte ständig abgefeiert wird. Dort ist er ein normaler externer Trainer. Kann klappen und dann wird er ein Großer. Kann aber auch sehr gut nicht klappen und dann hat Holger Stanislawski seine Karriere weggeworfen. Ich will hier mal die parallele zu Kloppo ziehen, der das etwas anderes gemacht hat. Der hat vor einer Saison gesagt „Ich steige auf oder gehe“ und es hat mit dem Aufstieg nicht geklappt. Das war ein sauberer Abgang, Herr Stanislawski. „Ich halte die Klasse, oder ich gehe“ wäre eine konkrete Ansage gewesen, hätte aber natürlich nicht das tanzen auf unzähligen Vereinsbällen zugelassen, sondern dann hätte man nehmen müssen, was frei ist. Hat Kloppo gemacht und wer nun sagt „Dortmund war doch klar, dass die wieder oben mitspielen“, der gucke sich mal die Verhältnisse vor Klopp an.

Tja und habt ihr von Truller irgendwo gelesen, dass er unbedingt wechseln will? Das er schon immer Cheftrainer werden will? Das ihm HH zu langweilig ist? Er für 250.000 zu haben ist? Nein und daher mag ich Truller, trotz FC Köln und Holstein Kiel. Er wird wahrscheinlich so loyal sein, seinem Chef zu folgen, aber er wird viel mehr immer einen Platz in meinem Herzen haben. Und wer macht dann vor der Gegengerade nun immer die Faust? Das wird/würde mir fehlen. Danke Truller, dass du immer bodenständig, ruhig und im Hintergrund geblieben bist. Das du immer Lurup geblieben bist und es wahrscheinlich auch immer bleiben würdest, wenn Fußball nicht Ortswechsel notwendig machen würde. Falls du gehst Truller: Im Herzen immer mit dir. Und nur wegen dir würde ich, wenn du mitgehst, Hoffenheim die Deutsche Meisterschaft und alles wünschen. Immerhin – und da wiederhole ich mich – müssen wir dich so nie feuern. Eine Vorstellung, die mir einen Klos in den Hals gibt.

Nun wird sich zeigen, ob wir Strukturen haben, die personenunabhängig sind. Wobei diese auch gleich einem echten Stresstest unterlegt werden, denn wir haben ein schwaches Präsidium und einen sportlichen Abstieg. Aufgrund der absurden Beginne der Ligen, haben wir nur 7 Wochen, wenn wir absteigen und wir haben sowieso einen Umbruch zu meistern, denn feste Größen im Mannschaftsgefüge wie Hain, Schulle, Lelle, Eger, eventuell selbst Morena, Takyi und Gunesch sind zu ersetzen. Und hinzu kommt der Verlust von sportlichen Leistungsträgern, wie z.B. Oczipka und wahrscheinlich auch Rothenbach, Kessler, Kruse, Lehmann und anderen. Das wird in 7 Wochen alles, aber nicht einfach. Ich schreibe jetzt schon: Im Falle eines Abstieges verbietet sich das Saisonziel „Wiederaufstieg“. Klassenerhalt und finanzielle Konsolidierung muss das Schlagwort der nächsten 5 Jahre sein. Erneut kam ein Aufstieg zu schnell und wurde die Klassenerhaltschance leichtfertig vergeben. Erneut hat der FC im entscheidenden Moment die falsche Ausfahrt genommen. Wenn wir denn absteigen, wovon man wohl mal ausgehen muss.

Bei aller Kritik an Stanislawski: Viel Erfolg auf all deinen Wegen, soviel hast du dir verdient bei uns, aber die Hoffenheimer Meisterschaft echt nur für Truller. 😉

Und der FC St. Pauli? Trainer kommen, Spieler gehen, nur der Verein bleibt bestehen. Und das Herz dieses Vereines war noch nie an sportlichen Erfolg gekoppelt.

Apr 122011
 

oder

Achtung Satire

Vorwort

Ich schreib den jetzt so. Was soll ich wieder irgendeinen 08/15 Bericht schreiben, der von Langeweile und habichdochschonüberallandersgelesen geprägt ist? Ich schreibe jetzt einen Hooliganbericht. Der natürlich nicht ernst zu nehmen ist. Zwar macht dieser Hinweis viel des Witzes kaputt, aber ich habe auch kein Bock auf Diskussion ob so etwas nun geschmacklos ist oder lustig. Das ist sowieso relativ individuell. Ich kann sowieso nicht lustig schreiben, also ist es geschmacklos.

Danke Dresden

Es war mal wieder so weit. Wir guten Pauli Hooligans haben endlich mal wieder eine richtig coole Aktion gestartet. Um gleich der Polizei aus dem Weg zu gehen, sind wir nicht mit diesen blöden Sozialarbeitern, die einen sowieso nur von Gewaltlosigkeit voll reden gefahren, sondern mit dem Auto angereist. Nur die Guten, nur die Alten, nur die 1. Reihe. Unser Veteran fand das Auto zwar nicht so bequem, weil wir zu Fünft unterwegs waren, aber okay, das ist wahrscheinlich seinen vielen Kriegsverletzungen geschuldet, die er auch mal bei seinen gefürchteten Blutgrätschen bekommen hat. Aber seht ihr noch irgendwo seine Opfer? Eben nicht.

Bisschen lasch waren ja mal wieder unsere Ultras. Grillen? Saufen? Mit der SPM? Nicht nur, dass sie sich das Fressen von diesen Hippies vorbereiten lassen, nein, so etwas macht träge! Man muss fit sein, gedanklich und körperlich schnell! Nicht vollgefressen und träge. Aber was willst du von diesen Studenten und Hippie Pack erwarten?

An einem Friedhof noch unseren Kameraden aus Lüneburg abgeholt und schon mal ein paar Gräber für unsere heutigen Opfer reserviert. Dann auf die Autobahn. Keine Farben, keine Gesänge. Um ein bisschen Unterhaltung zu haben, haben wir irgendwelche Suffkutten von Pauli umgehauen. Die will doch sowieso keiner im Block haben. Eine Schande diese Leute und wenn es mal wirklich hart auf hart kommt, dann wollen die noch diskutieren, ob man nun diesem ekeligen Leverkusener auf’s Maul hauen darf oder nicht.

Dammer Berge wurde erstmal eine schöne Linie gelegt, nur unsere Alterspräsidentin zierte sich ein bisschen, findet sie doch Koks von der Klobrille unhygenisch und macht es daher nur zu Hause auf dem Ceranfeld. Gut, dass sie schon voll drauf war.

Sonst war die Fahrt von Langeweile geprägt. Wir hatten noch gehofft, dass wir vielleicht irgendwen aus der 3. Liga treffen, aber die haben sich alle nicht gezeigt. Und Köln hatte ja in Gladbach zu tun. Sonst ja immer ein guter Gegner, auch wenn die gerne sich mal hinter den Cops verstecken und nur mit Flaschen werfen.

In Leverkusen haben wir erstmal am Mannschaftshotel gehalten und die Mannschaft mit einem gepflegten „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch Tod“ motiviert. Sollen die Scheiss Millionäre doch wissen, was sie erwartet. Und diesmal ziehen wir das durch. Immerhin wartete hier auch schon unsere Kölner Fraktion, die aber diesmal nicht so steil gehen konnte, wie sonst, denn die hatten Familienausflug. Ja, ist schon scheiße so ein Spiel in direkter Nachbarschaft. Bist zwar zum Tatort zu Hause, aber natürlich will Muddi mit den Gören dann auch mit. Nix mit gepflegter Herrenrunde wie sonst. Tja, musste die alte Koksnase sich halt mal an Coca Cola (Achtung Wortwitz) halten.

Zum Stadion. Leverkusen ist schon eine komische Stadt. Eigentlich fährst du nie durch Wohngebiete. Entweder siehst du die A1 Brücke von irgendeiner Seite oder das Bayerwerk. Und obwohl das Stadion direkt an der Autobahn liegt, musst du ungefähr 10 mal diese unterqueren, bis du einen Parkplatz hattest. Und da kreist du durch die Stadt und findest keinen Gegner. Nur Familien und Trikotträger, die anscheinend in der ganzen Stadt parkten und dann zu Fuß zum Stadion latschten.

Latschen ist ja nicht so unser Ding, musst ja Kraft sparen und so fälschten wir einfach kurzerhand einen Parkschein und parkten auf dem Presseparkplatz. Schon lustig, wenn da drauf steht „Redaktion Fantreff“. Die fitten Jungs im Block hätten das gemerkt, aber hier waren Rentner.

Und immer noch keine Gegner. Die zwei spannend aussehenden Jugendliche entpuppten sich bei näherem Hinsehen als eigene Picos, die unsere Ufftas abholen wollten. Die kamen auch gerade von ihrer Grillparty und vergeudeten ihre Kraft in sinnlosen Gesängen unter der Autobahn. So wird das nie etwas mit einem zünftigen Match, wenn du die Polizei so auf dich aufmerksam machst. Aber unser Jüngster ging mal hin, um zu schnacken. Sind ja trotzdem ein paar fitte Jungs bei und wichtig ist doch, dass sie Paulianer sind. Stört mich doch nicht, ob sie politisch anderer Meinung sind, müssen die doch nur nicht immer im Stadion sagen.

In Leverkusen geht vor dem Spiel sowieso nix, daher gingen wir zum Gästeblock. Unsere Bremerfraktion hatte wieder alle richtig gemacht. Keine Farben, keine Gesänge, kleine Gruppen. Großes Hallo und erstmal ein bisschen chillen in der Sonne. Muss in der normalen Adrenalinwelt auch mal genossen werden.

Ich bin dann in meiner üblichen Fotografentarnung ins Stadion und entweder die Ordner sind da echt nett oder hatten Respekt. Man wurde überall freundlich behandelt. Nur warum Leverkusen diese Tarnungsleibchen außerhalb des Stadions und sehr weit weg vom Pressebereich verteilte, ist mir nicht klar. Nun gut, nach ein bisschen Gelatsche, wo die Essener Atze schon abhing, aber noch keine Gegner melden konnte.

Leverkusen, eine Szene, die zwischen Genie (selten) und Wahnsinn pendelt. Wenn die Tradition verteidigen will (Plakat), dann wollen die wohl eine Rückbenennung auf IG Farben Leverkusen oder was ist bei denen Tradition? Der Fußballverein ja wohl nicht. Als die Schalker (gleiches Gründungsjahr) schon ganze Städte zerlegten, haben die doch noch Ackermatche gegen Hürth gemacht.

Die alte Zecke vom Lichterkarussell meint ja, dass die Stimmung davon abhängig sei, wie viele Hauer in der Kurve stehen. Die ersten dreißig Minuten waren die alle zu Hippies mutiert, denn da kochte der Heimblock schon und hat mich positiv überrascht. Nach 30 Minuten besannen die sich aber alle darauf krasseste Hauer zu sein und verstummten vollständig. Und das ohne, dass irgendwas auf dem Platz passiert war, was diese Umbesinnung begründen konnte.

Aber schon geil, im Block mit 10 Hackfressen den Lauten zu machen und „Scheiss St. Pauli“ zu brüllen. Und das ein Block das vom Gästeblock angestimmte „Asoziale Zecken“ übernimmt spricht entweder dafür, dass die noch mehr „Ironie“ haben, als die Paulizecken oder schlichtweg komplett sinnbefreit sind.

Immerhin hatten die Hamburger Medien erkannt, dass das „Pauli Hooligans – Nicht lang schnacken, Bier in Nacken“ kein Witz sein sollte. Watch your back, digga. Das nächste Mal Hartplastik auf die Pressetribüne. Und klar, es ist viel geschmackvoller und zeigt von mehr Einsicht, noch mal die Fotos von Amokopfern bei Facebook (oder anderen) zu klauen oder noch mal auf die Leiche draufzuhalten, oder ein schönes Bild des aus dem Block Gestürzten zu veröffentlichen. Und berechtigt einen auch dazu die Definitionsmacht über „Geschmack“ zu reklamieren. Das nennt man öffentliches Interesse und wir wollen das doch alle sehen.

Das Spiel haben unsere Millionäre verkackt. Wie immer ohne Leidenschaft, ohne Kampf. Und dann haben sie selbst noch Bene angesteckt. Der trifft zwar mit dem Fuß wenigstens mal einen Ball und kann auch einen Ball vernünftig schlagen, aber ne, den muss er bei aller Sympathie und Straßentauglichkeit des Jungen haben. So wird das leider nie was mit einer Profikarriere. Das Ding neben den Pfosten lenken und ein 1-1 damit klar machen und es hätte in diesem Verein nie wieder eine Torhüterdiskussion gegeben. Schade, wäre einer von uns gewesen. Das natürlich vorher alle pennen und er nur eine Chance hatte, weil der Leverkusener mehr über seine eigenen Füsse stolpert, als schießt, sei auch mal deutlich gesagt.

Na, damit die Jungs überrascht bleiben, wenn wir sie nach dem Abstieg totschlagen, bekamen sie dann doch Beifall. Will ja auch bei den Hippies nicht so auffallen. Der Bulle wird mir aber bald noch sympathisch. Geht im Gegensatz zu seinen Kollegen auch ohne Vollschutz da hin, wo es weh tut. Und auch Takyi, Lelle, Ralle, Lehmann, Egi, Asa, Deniz, Brunsi und Torre haben echt alles gegeben. Aber der Rest? Nix! Okay, die eingewechselten Jungs, die waren da. Aber sonst? Was ist eigentlich mit Schulle los? Früher immer für ein gutes Ding auf dem Platz da, jetzt lammfromm auf der Bank. Stani, das kannst du bei den Kraichgauern machen, aber bei Pauli muss Fußball dreckig sein. Sonst ist man nicht aufgepuscht genug um irgendwelche Drecksschalker durchs Viertel zu jagen.

Ich geb dem Stani sowieso höchstens 6 Monate in der Provinz. Dem wird schnell der Elbgeschmack im Kaffee fehlen. Tja, hier hättest du mit einem Klassenerhalt eine Legende werden können. So demontierst du dein Denkmal innerhalb eines halben Jahres. Wir sind eine Gang? Lächerlich, wenn der Leader schon mit einer anderen Gang verhandelt. Das nennt man Verrat und das ist eine Todsünde. Lass aber bitte den Truller hier. Die Faust können wir noch gebrauchen. Scheiße, dass Truller so loyal ist. Ist auch im Kraichgau ein Guter. Ich hätte ihn trotzdem gern als Nachfolger gesehen. Und mit Truller wären wir dann in den Uefa Cup und Stani hätte sich in den Arsch gebissen. Ich mochte Truller sowieso immer lieber. Lurup ist halt mehr streetcredibility als Tonndorf.

Und komm mir jetzt niemand mit „Das ist das Geschäft“. Wenn er die Klasse gehalten hätte, dann hätte er gerne verhandeln können, aber so mitten in der Krise ist das nicht wirklich Gangleaderlike. Und damit kannst du das ganze ziemlich in die Tonne treten, denn „Führen durch Vorbild“ ist immer wirksam. Du würdest dem Leader deines Mobs doch auch nicht bedingungslos vertrauen, wenn der auf dem Acker immer eine Rauchen ist, wenn du dich mit Wasserballhoppern rumprügelst.

Nach dem Spiel lässig die Polizei umgangen und nach Gegnern gesucht, aber Leverkusen stellte sich einfach nicht. Von anderen Gruppen ist man ja wenigstens ein bisschen gepöbel und ein zwei Biertäusche (mit Flasche) gewöhnt, aber hier sind mit Abpfiff schon alle bei Muddi.

Gelangweilt, angekotzt und gefrustet machten wir uns also auf dem Heimweg. Aber da, endlich, ein Lichtblick an einem sonnendurchfluteten Tag. Vor uns ein Auto mit Magdeburg Schal und voller Besatzung. Okay, auch einen Bayer Teddybären auf der Hutablage, aber ihr wisst doch: Tarnung ist alles. Das war unsere Kragenweite. Unser Jüngster denen also einen Bengalo unter das Auto geworfen und dann ging es ab. Knallte ordentlich und heftig, die waren gut drauf und wir einigten uns auf ein Unentschieden. Ups, zwischenzeitlich hatte der Bengalo nur den Bayer Teddy abgefackelt. Und das dazu gehörige Auto. Siehst du Magdeburg, ein Unentschieden kann sich für den Einen wie ein Sieg anfühlen, für den anderen wie eine Niederlage. Bevor nun aber die Bullen kamen, machten wir uns vom Acker und auf die A1. In Remscheid noch kurz die Tankstelle geplündert und dann ab durch die Mitte. Unser Lüneburger Kamerad diskutierte mit dem Fahrer noch kurz das Elend der Welt, so von Asozialisierung der Jugend, über die unsinnige Spaltung der Bewegung. Sowieso diese ganzen Theoretiker, die sollen mal aus dem Lesesaal raus und auf die Straße. Da ändert man was.

Grüße gehen am Ende aber noch nach Dresden. Ihr erinnert vielleicht die Hinrunde, wo wir auf dem Weg nach Stuttgart in Zwickau noch so ein bisschen Wasserball gehoppt hatten? Da waren wir ja in einen fiesen Hinterhalt geraten und in so ein unfaires Ding so mit 100 gegen 20 und da hatten uns ja die Dresdener gerettet. Die zeigten nun wieder, dass sie es echt drauf haben und haben ein richtig cooles Plakat gegen die Rostocker Schweine gezeigt. Gut, dass die Redaktionäre aus der Otto Fleck Schneise da ihre Verfahrensordnung nicht so ernst nehmen, sonst gäbe es wohl nun Strafe, wahrscheinlich selbst Punktabzug, denn die Jungs hatten ja schon Cottbus gezeigt, dass sie Juden sind. Hat doch mal dieser jüdisch unterwandere Weltverband beschlossen. Aber so ein bisschen Antisemitismus finden die Jungs in der Otto Fleck Schneise halt nicht so tragisch. Und wenn die Fifa zu doll nörgelt, dann gibt es halt keine Beweise. Schon mal was von Photoshop gehört? Da ist so ein Weichplastikbecher in den Nacken eines Linienrichters schon viel schlimmer. Richtig so, war ja auch kein faires Ding. Auch wenn man sagen muss, dass sich der Linienrichter trotz deutlicher Aufforderung von der Tribüne nicht gestellt hat.

Richtig auch was da die Presse und unser Freund Pilz macht. Wer Wurst-Uli kritisiert, der hat nix in einem Stadion zu suchen. Und da muss man auch mal Stadionverbote vergeben, da hat Pilz Recht. Gegner mal als Juden bezeichnen, das ist doch cool, gehört dazu und ist keine Meldung wert. Um es mit dem Laziotypen zu sagen: „Krass, faschistisch, aber im Rahmen“ (das ist nebenbei so wirklich gefallen vor Jahren in einer Doku über Lazio). Aber seinen eigenen besten Mann kann man doch nicht kritisieren. Macht er als Abteilung Attacke doch auch nie. Immer nur bei fairen Matches dabei.

(Auch in einem deutlich gekennzeichneten Artikel hier der Hinweis, dass dies ausdrücklich Sarkasmus ist. Anders ist die Untätigkeit des DFB und der Presse in Sachen Antisemitismus doch nicht mehr zu kommentieren. Soll ich da was schreiben, dass nun eine wirklich empfindliche Strafe für Dresden überfällig ist? Ja, das selbst eine Kollektivstrafe 😉 absolut angemessen wäre. Mit so ein bisschen Thor Steinar im Stadion verbieten ist halt Antifaschismus nicht erreicht. Man muss auch die Typen, die das tragen loswerden und zwar für immer. Und erzähl mir niemand was von „nie da“. Finde ich eher fragwürdig, wenn der Lappen anscheinend am Podest des Vorsängers hängt. Und das die Presse sich lächerlich macht, wenn sie bundesweit wegen ein paar harmlosen Protestplakaten gegen Hoeness steil geht, dies aber verschweigt, muss ich auch nicht schreiben, oder? Ebenso Gunter A. Honorarprofessor aus Hannover, den man echt mal fragen muss, ob er überhaupt schon einmal in einem Stadion war.)

Apr 082011
 

oder

Denk mal drüber nach

Vorwort

Liebe Leser, es fliegt soviel durcheinander und auch ich habe diesen Text begonnen, als das Urteil des Einzelrichters des DFB noch nicht auf dem Markt war (was aber antragsgleich ausfiel). Ich würde aber schon mal gerne einige Dinge klarstellen und dann kann man drüber nachdenken und sich dann seine Meinung bilden. Emotional würde ich gerne was anderes schreiben, aber es gibt schon Gründe, warum ein Jurist NIE in eigener Sache sich vertreten sollte. Emotionen vernebeln immer den klaren Blick auf die rechtliche Seite.

So sei dieser Text daher zu verstehen, als der Versuch mal einen neutralen Blick auf die ganzen Vorgänge zu werfen. Natürlich auch um mal eine gegenteilige Meinung in die Diskussion zu werfen.

Wichtig: Man sollte sich die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB mal ansehen, da stehen spannende Dinge drin. Ich hatte die beim schreiben dieses Textes neben mir liegen.

Begrifflichkeiten

Es fliegen ganz viele Begrifflichkeiten durcheinander, die man erstmal klären muss.

Geisterspiel:

Wird hier und bei den meisten anderen auch ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemeint sein. Dies ist als Strafe in § 7 Nr. 3 vorgesehen, wird aber nicht weiter definiert. Dort heißt es wortwörtlich: „Anstelle einer verwirkten Platzsperre kann eine Spielaustragung unter Ausschluss der Öffentlichkeit festgesetzt werden, falls dies aus besonderen Gründen zweckmäßig erscheint.“ Weder Platzsperre noch Ausschluss der Öffentlichkeit werden definiert. Auch nicht in § 44 der DFB Satzung, welche die Strafen an sich benennt, die möglich sind und diese beiden in einer „oder“ Form nebeneinander nennt. Platzsperre ist aber wohl als „du darfst nicht auf deinem Platz spielen, aber woanders darfst du mit Zuschauern spielen“ zu definieren. Zu der Frage ob zweckmäßig oder so kommen wir später noch einmal.

Kollektivbestrafung, Sippenhaft etc.:

Ja, auf den ersten Blick kann man das sagen, es ist aber ein anderes Rechtsinstitut, was hier eine Haftung des Vereines (und damit von uns allen) herstellt, denn in § 9a (was dafür spricht, dass er nachträglich eingeführt wurde) heißt es:

„1. Vereine und Tochtergesellschaften sind für das Verhalten ihrer Spieler,
Offiziellen, Mitarbeiter, Erfüllungsgehilfen, Mitglieder, Anhänger, Zuschauer
und weiterer Personen, die im Auftrag des Vereins eine Funktion während
des Spiels ausüben, verantwortlich.

2. Der gastgebende Verein und der Gastverein bzw. ihre Tochtergesellschaften
haften im Stadionbereich vor, während und nach dem Spiel für
Zwischenfälle jeglicher Art.

Was ist das juristisch? Etwas was Hundehalter sehr gut kennen, das ist eine Gefährdungshaftung oder eine absolute Zurechnung (ich mag mich jetzt hier nicht über das rechtliche Institut streiten). Sprich: Es wird nicht danach gefragt, ob du Schuld bist oder ob dich als Verein oder deine Organe ein Verschulden trifft. Du als Verein bist für das Verhalten deiner Fans per se haftbar. Sprich: Argumente wie „das kann man ja nicht verhindern“ „Einzeltäter“ etc. sind alle vielleicht absolut richtig, werden hier aber einfach durch diese Verfahrensordnung im Tatbestand ausgehebelt. Sie werden daher nur in den Bereich der Strafzumessung eine Rolle spielen können.

Klingt fies, oder? Ist denn das Gerecht? Wenn ich jetzt im braun-weißen Kosmos rumfragen würde, würden die meisten wahrscheinlich zur Zeit brüllen „NEIN, IST ES NICHT“. Nur atmen wir doch einmal tief durch und denken drüber nach.

Erstmal ist es kein Punkt, der von dem entscheidenden Gericht geändert werden kann, denn die Verfahrensordnung ist für dieses ein Gesetz. Sie wird irgendwann auf einem DFB Bundestag beschlossen worden sein und im Notfall hat auch der FC St. Pauli (und damit irgendwo wir alle) ihm zugestimmt.

Sollte man diese Gefährdungshaftung wieder streichen? Konstruieren wir mal Fälle: 1. Fangruppe A zündelt bei einem Derby auswärts. 2. Fangruppe B beleidigt auswärts einen Spieler rassistisch. Bestrafung des Vereines ohne diese Norm? Keine Bestrafung gerecht? Ja, kann man vielleicht vertreten, weil eben kein Verein wirklich was für seine Fans kann, aber so richtig wird das wahrscheinlich niemand vertreten wollen. Nicht ganz zufällig steht § 9a hinter § 9, er ist aber nicht auf diesen Diskriminierungsparagraphen beschränkt.

Klar ist: Wir entfernen uns hier weit von den normalen Zurechnungsnormen, die das normale Zivilrecht und Strafrecht gibt. Daher trifft die Kritik des Bundes der Kriminalbeamten natürlich den richtigen Punkt. Sie verkennt aber, dass der DFB dies in seiner Verfahrensordnung eben vorsieht. Aber das ein Verband sich seine eigene Rechtsordnung geben kann, ist weitgehend anerkannt. Dies ist auch mal ausdrücklich gesagt.

Strafrahmen

Hier muss man sich die bereits genannten Normen ansehen, einmal § 44 der DFB Satzung und einmal § 7 der Verfahrensordnung. Die Satzung des DFB sieht eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Euro vor, Platzsperre oder Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Strafen sind ausdrücklich nebeneinander möglich. Die Verfahrensordnung präzisiert dieses dahin gehend, dass sie folgendes schreibt: „1. Bei Bundesspielen gelten für Vereine und Tochtergesellschaften unter anderem folgende Strafen: […]“

„[…]d) für mangelnden Schutz des Schiedsrichters, der Schiedsrichter-Assistenten oder des Gegners Geldstrafe bis zu € 100.000,00;

e) für schuldhaftes Herbeiführen eines Spielabbruchs Geldstrafe bis zu € 100.000,00; […]

Der Jurist darf jetzt einmal laut schreien, denn diese Gesetzgebungstechnik wäre im Strafrecht mehr als bedenklich. hier wird eine „unter anderem“ Strafe festgelegt und in § 44 wird dann mal der allgemeine Strafrahmen für alles rausgehauen, ohne dies zu präzisieren. In dieser Gesetzeslage kann das Gericht also seine Strafe frei modellieren. Eigentlich ist nur eine Geldstrafe von über 100.000 Euro nicht möglich. Das dies mit solchen Grundsätzen wie „Bestimmtheitsgebot“ nur schwerlich vereinbar ist, sollte sich der DFB mal überlegen, ist aber erstmal keine Frage des entscheidenden Gerichtes.

Das Urteil

Nach dem oben gesagten ist es richtig, dass der FC „schuldhaft herbeigeführt“ (so der Urteilstext) das Verschulden des eigenen Fans wird nach § 9a schlichtweg zugerechnet. Weiter heißt es in der Pressemitteilung „„Die Verursachung eines Spielabbruchs stellt einen schweren Eingriff in das Spielgeschehen und den Wettbewerb dar und kann nur mit einer
konsequenten Sanktion geahndet werden. Die Sanktion ist auch aus generalpräventiven Gesichtspunkten erforderlich und soll künftigen Rechtsverletzungen vorbeugen. Dabei geht es um den Schutz individueller Rechtsgüter wie die körperliche Unversehrtheit von Spielern, Schiedsrichtern, Offiziellen und Zuschauern sowie die Aufrechterhaltung eines geordneten Spielbetriebs und Wettbewerbs.“

„schwerer Eingriff“? Wenn man mal § 7 als Grundlage sieht, dann muss man das wohl so sehen, denn „nicht Antreten“ gibt eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Eruo, „nicht ausreichender Ordnungsdienst“ (der Pyroklassiker) bis zu 50.000 Euro. Nur die beiden oben zitierten gehen bis zu 100.000 Euro. Der Verordnungsgeber macht hier also deutlich, dass ihm diese beiden Punkte besonders wichtig und besonders bestrafenswert sind. Diese Wertung kann (und muss man wahrscheinlich selbst) falsch finden, sie ist aber eine des Verordnungsgebers.

„generalpräventive Gesichtspunkte“ Sorry, wer an eine generalpräventive Wirkung von Strafen glaubt, der lebt im 15. Jahrhundert. Täter lassen sich nicht durch die eventuell zu erwartende Strafe abschrecken. Ketzerisch gesagt: Sonst würde die Todesstrafe funktionieren.

Der letzte Satz ist aber spannend: „Dabei geht es um den Schutz individueller Rechtsgüter wie die körperliche Unversehrtheit von Spielern, Schiedsrichtern, Offiziellen und Zuschauern sowie die Aufrechterhaltung eines geordneten Spielbetriebs und Wettbewerbs.“ Na zumindest die Verfahrensordnung sieht dies etwas anders, hat sie doch eine besondere Schutzklausel für Schiedsrichter, Linienrichter und Gegner. Nicht aber für Zuschauer und Offizielle. (Und schon gar nicht für Fotografen, die bei Werfen im Innenraum immer im Weg stehen. So das musste als Fotograf jetzt mal gesagt werden.)

Ist das Urteil nun willkürlich? Das ist schwer zu beurteilen, muss ich ehrlich sagen, denn ich verfolge nicht die gesamte Spruchpraxis des DFB Gerichtes. Einige Sachen in neuer Zeit sind mehr oder minder willkürlich. Ich sage nur Pyro beim Derby? 7.000 Euro, „Scheiß FC Köln“ 8.000 Euro.

Nun ist eine Strafzumessung immer individuell zu vollziehen und muss sich an der individuellen Schuld des Täters (bzw. derer denen ihm zugerechnet werden) bemessen werden. Daher sind Vergleiche mit anderen Urteilen immer schwierig und immer falsch.

Nur betrachten wir mal die berühmten Würfe der letzten Zeit:

Aachen – Nürnberg 2003: Wurf an den Kopf des Trainers von Nürnberg 19 Minuten vor Schluss. Dieser konnte dem Spiel nicht weiter folgen. Kein Abbruch, aber Wiederholung unter Ausschluss der Öffentlichkeit (Aachen hat jeweils gewonnen). Jörg Berger (laut SpON zitiert; er war damals Trainer der Aachener) sprach nebenbei von Exempel statuieren.

Rauten – Köln Trommelstockwurf gegen Alexander Laas. 60.000 Euro Geldstrafe für Köln und Androhung eines Geisterspieles. Laas konnte weiterspielen.

Stuttgarter Kickers – Hertha BSC 2006: Wurf gegen den Kopf des Linienrichters: Abbruch in Minute 81. Wertung für Hertha, die auch führten. Stuttgart musste ein Meisterschaftsspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten und bekam eine Geldstrafe-

Nun ist es auch hier schwierig die Fälle im Detail zu vergleichen. Aber man kann eine Linie schon erkennen. Wenn der getroffene nicht weiter machen kann, dann gibt es eine Platzsperre. Hier von Willkür zu sprechen verbietet sich für mich irgendwie. Und konkret muss man die Frage stellen: Ist unser Fall nun so anders als die zwei genannten, dass bei uns eine Platzsperre nicht vertretbar ist? Ich muss sagen: Ich finde es schwer hier Argumente zu finden, denn „Einzeltäter“ und „Nicht zu verhindern“ sind bei Aachen und bei Stuttgarter Kickers genau so richtig oder falsch. Vielleicht findet ja jemand welche. (Nachtrag:) Okay, eines habe ich auch noch: Wettbewerbsverzerrung im Abstiegskampf. Ich überlasse jedem selbst die Beurteilung, ob dies reicht. Nur: Ein Exempel im Sinne von „einem schärferen Beispielsfall“ wird hier nicht geschaffen, es wird vielmehr die Linie aus den vier Fällen fortgefahren. Versetzt euch mal in die Lage von Aachen und Stuttgart und überlegt mal, was die wohl sagen würden, hätten wir nun keine Sperre bekommen.

Ist es denn fair wenn man es mit anderen Taten vergleicht? Ich kann es aus dem oben gesagten nicht abschließend beurteilen. Nehmen wir z.B. den Platzsturm bei Hertha als Beispiel. Strafe war nur eine Geldstrafe und ein Teilausschluss der Öffentlichkeit. Und dabei handelte es sich um eine mehr oder minder geplante Tat von unzähligen Leuten mit mehr Folgen als ein paar blauen Flecken. Der entscheidende Unterschied für den DFB wird sein, dass dieser nach dem Spiel stattfand. Man sehe sich noch mal die Verfahrensordnung an und wie hoch diese den Spielabbruch hängt. Wenn man dieser Wertung denn folgen mag, dann ist das nur konsequent. Man muss diese Wertung kritisieren, sie ist für einen Sportverband aber naheliegend.

Apr 072011
 

So endlich ganze Tauscherei vom letzten Freitag mit meinem Kollegen
abgerechnet. Vielen Dank an alle, ihr habt sehr geholfen. Bleiben aber noch
ein bisschen was übrig:

Ich suche also im Auftrag:

1,2,10,26,52,55,57,59,60,91,96,100,130,132,165,167,168,169,175,188
eventuell kommen noch ein zwei dazu, weil ich in Leverkusen noch hoffe zu
tauschen und diese Bilder hier erstmal geblockt habe…

Ich biete:

29,30,32,35,36,37,37,49,50,64,66,66,66,66,67,68,68,68,72,72,74,74,76,78,81,8
2,82,84,85,87,88,88,93,95,105,108,111,111,111,112,112,113,113,114,115,115,11
7,118,119,119,120,121,122,122,122,127,127,128,128,129,131,136,143,154,156,15
6,157,157,157,158,158,159,160,162,163,163,164,164,164,166,171,177,178,184,20
0,200,202

Kontakt? webmaster äääättt magischerfc.de

Apr 062011
 

oder

Solange wir keine Gerechtigkeit haben, müssen wir mit der Justiz vorlieb nehmen

Vorwort

Liebe Leser, es gibt keine Gerechtigkeit in dieser Welt. Diese banale Feststellung soll nur unterstreichen, dass das Recht bzw. die Juristerei nicht sehr viel mit Gerechtigkeit zu tun hat. Im besten Fall haben sich kluge Menschen lange Gedanken über ein Gesetz gemacht und es ist so auch beschlossen worden, im schlechtesten Fall hat es irgendein Lobbyverband diktiert. Die meisten Gesetze pendeln irgendwo zwischen diesen Extremen. Und selbst im Idealfall sind diese klugen Menschen von ihrem Zeitgeist beeinflusst und viele Gesetze überholen sich dann irgendwann. Und trotzdem weine ich meistens, wenn ein altes Gesetz durch ein neues Gesetz ersetzt wird, weil neuere Gesetze eher in die andere Extreme neigen. Als Beispiel sei hier mal das Bürgerliche Gesetzbuch genannt. Kluge Menschen haben dies am Ende des 19. Jahrhunderts durchdacht und haben vier Jahre (!!!) über ihm gebrütet. Sie haben sich dabei teilweise an Jahrhunderte alten Gesetzesnormen orientiert und herausgekommen ist ein in sich stimmiges und durchdachtes Gesetz. Dies geht so weit, dass man aus den Grundideen des BGB ableiten konnte (und immer noch kann), was in einer Norm stehen muss. Wer das beim Einkommensteuergesetz kann, dem sei hiermit Genialität und Wahnsinn zugleich bescheinigt.

Das BGB ist dann irgendwann reformiert worden und die Schuldrechtsreform wollte zumindest das Schuldrecht modern machen. Ob dies gelungen ist, sei nicht unser Thema, aber die Systematik ist doch ein Stück weit verloren gegangen.

Diese Gesetze sollen nun Gerichte „Im Namen des Volkes“ anwenden. Nicht nur, dass dieses „Im Namen des Volkes“ schon mehr als albern ist, weil dieses sowieso zu „kreuzigt ihn“ neigt, nein, Gerichte sind mit Menschen besetzt. Und Menschen haben Meinungen, Vorurteile, Wertvorstellungen und sehr subjektive Gedanken. Das hat mit einer objektiven Gerechtigkeit nur bedingt was zu tun, wie wir alle wissen.

Hinzu kommt, dass sich Jura im Strafbereich immer mit dem Täter und nicht dem Opfer beschäftigt, was häufig der Juristerei vorgeworfen wird. Das dies irgendwie nicht anders funktioniert und auch ein Täter ein Anrecht auf eine Resozialisierung hat (mal irgendwelche schlimmsten Straftaten ausgenommen), dies übersieht „das Volk“ gerne mal. Nur das Bestrafung ständig mit der Höchststrafe nach dem Gießkannenprinzip auch nicht wirklich sinnvoll ist, das wird in einer aufgeklärten Gesellschaft wahrscheinlich auch beinah jeder unterschreiben. Daher muss man immer eine Abwägung finden.

Wer jetzt noch nicht eingeschlafen ist, dem sei gesagt, dass der ganze Text sich sehr juristisch mit den Vorfällen von Freitag Abend beschäfigt. Er soll als Gegenpool verstanden werden zu Forderungen nach lebenslangen Stadionverboten, nach der Behauptung, dass mindestens 500.000 Euro Schadensersatz zu zahlen sind und anderen Schwachsinn, den die Bi äh Morgenpost schreibt. Vor ab aber:

MoPo geh kacken!

Ein wirklich unangenehmes Schmierenblatt aus unserer Heimatstadt hat vier Tage hintereinander seinen Titel mit dem Becherwurf von Freitag geschmückt. Das ist schon beinah unglaublich, denn gefühlt hat das Erdbeben in Japan nicht mehr vollständige Titelseiten bekommen. Wilde Spekulationen über die zu erwartende Strafe lösen sich mit Storys ab, die klingen, als ob ein Al Kaida Terrorist aufgeflogen ist. Wie bitte sonst soll man folgende Textpassage interpretieren? Zitat nach mopo.de:

„Randale im Stadion und bürgerliche Idylle? In der Gemeinde […] (Landkreis […]) lebt der mutmaßliche Becherwerfer in einer Doppelhaushälfte. Vor der Haustür: erste Boten des Osterfestes. Ein Porzellanhase sitzt neben der Fußmatte („Herzlich Willkommen“). Im Garten liegt Spielzeug. Die Nachbarin schüttelt den Kopf: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Stefan so etwas gemacht hat.“ Nur ein kleiner Totenkopfaufkleber auf dem Kleinwagen in der Einfahrt lässt vermuten: Inmitten dieser dörflichen Beschaulichkeit lebt ein St. Pauli-Fan“

Dazu folgende Feststellungen: Randale ist das albernste Wort der Fanberichterstattung. Darunter wird alles von dem Zünden eines Bengalos, über den Wurf eines Bechers, über die laute verbale Auseinandersetzung zwischen zwei Leuten bis hin zu einem geplanten Überfall von 400 Leuten alles gefasst. Sprich: Es sagt NIX aus und vermischt ganz unterschiedlich zu bewertende Tatbestände in einem Kuchen.

Weiterhin scheint es für die Autoren der Hamburger Morgenpost unfassbar, dass Fußballfans im Allgemeinen und St. Paulifans im Besonderen in einer „dörflichen Beschaulichkeit“ leben. Wir schlafen unter Brücken oder was? Dazu dann das passende Statement eines Nachbarns, was man auch immer bei Massenmördern einholt „Der ist doch ein ganz normaler Junge“ (Nebenbei einer der Gründe, warum ich nicht normal sein will.) und fertig ist der reißerische Artikel. Ob dies für einen mutmaßlichen (!!!) Täter angebracht ist, wage ich mal zu bezweifeln. Eine Identifizierung ist aufgrund der Ortsangaben auch noch ohne weiteres möglich und daher habe ich die Ortsangaben auch nicht mit übernommen.

Was mich grundsätzlich aufregt ist, dass mal wieder nur über Fans ausführlich berichtet wird, wenn es „Randale“ gibt. Vielleicht sollte man auch über die MoPo nur berichten, wenn sie endlich pleite geht. Den letzten Vorwurf kann man aber auch gegenüber allen anderen Zeitungen erheben.

Und juristisch?

Kommen wir nun aber weg von diesem Schmierenblatt und hin zu einer ganz anderen Frage. Was erwartet den Täter bei Überführung denn eigentlich? Nebenbei sehe ich das mit der Überführung erst als wirklich fest an, wenn dies von einem Gericht (bei allen Unzulänglichkeiten, siehe oben) rechtskräftig festgestellt wurde. Denn ob die Zeugenaussagen wirklich gerichtsfest sind, wird sich zeigen. Ihr könnt ja mal im Selbstversuch versuchen in einem dunklen Stadion auf den Platz zu gucken und zu registrieren, was euer Nebenmann macht.

Also was erwartet den Täter? Es gibt hier drei Baustellen: 1. Zivilrechtlich 2. Strafrechtlich 3. Sportrechtlich.

Sportrechtlich

Fangen wir mit dem einfachsten an: Sportrechtlich. Sprich Stadionverbot. Da gibt es eine Stadionverbotsrichtlinie, die gilt auch hier und die wird auch Herr Rauball nicht per Befehl von oben außer Kraft setzen. Diese sieht die Höchstdauer von drei Jahren für ein Stadionverbot vor. Punkt Aus Ende. Ob Hr. Rauball nun diesen Fall nutzen will, ob endlich das von ihm gewünschte lebenslange Stadionverbot einzuführen, weiß ich nicht. Der FC Bayern würde sich zur Zeit wahrscheinlich freuen. Das man auch hier dann über die Frage eines Rückwirkungsverbotes nachdenken müsste, ist eine andere. Das ich die Stadionverbotsrichtlinie per se als juristisch äußerst bedenklich ansehe, führe ich jetzt nicht weiter aus.

Hinzu könnte noch ein örtliches Hausverbot kommen. Dieses kann theoretisch erstmal unbegrenzt vergeben werden. Ob und inwieweit der Verein in der Vergangenheit von der Möglichkeit eines örtlichen Hausverbotes Gebrauch gemacht hat, ist mir nicht bekannt. Der einzig mir bekannte Fall ist Braunschweig, wo die erste Generation der Ultras seit Jahren örtliches Hausverbot hat.

Die Frage ist aber nun: Was ist nun eine angemessene Strafe? Wenn ihr die Aufregungsgesellschaft von heute fragt, dann würde die sagen: 3 Jahre und Hausverbot bis zum Tod. Nur ist das wirklich „gerecht“ oder sinnvoll? Konstruieren wir uns erstmal einen Sachverhalt:

Erstmal einen Becherwurf. Ich gehe nicht davon aus, dass man den Täter eine Absicht im Sinne von Zielen nicht unterstellen bzw. nachweisen kann. Man wird wahrscheinlich von einem sogenannten bedingten Vorsatz ausgehen können bzw. diesen beweisen können, d.h. es war nicht Ziel seiner Handlung den Linienrichter zu treffen, aber in Kauf genommen hat er dies schon. Das ist zwar juristisch schon Vorsatz, aber eben doch etwas anderes als zielgerichtetes Handeln. Die Folge ist ein Spielabbruch und ein mehr oder minder verletzter Linienrichter und ein bis zu diesem Zeitpunkt nicht feststehendes Urteil des DFB (Ergänzung dann unten im Text, der später entstanden ist). Ich gehe jetzt mal als Sachverhaltsannahme davon aus, dass der Linienrichter zwar einen riesigen Schrecken und blaue Flecke davon getragen hat, aber ab jetzt wieder seinem Job nachgehen kann und keine bleibenden Schäden davon getragen hat. Immerhin hat er schon wieder an der Linie gearbeitet, was hoffentlich für diese Annahme spricht und ihm auch zu gönnen sei. Ich gehe auch davon aus, dass unser Täter bisher nicht auffällig geworden ist und damit Ersttäter ist. Ich gehe davon aus, dass er ganz ordentlich Promille hatte. Diese Sachverhaltsannahmen seien fest für die weiteren Betrachtungen gemacht.

So und nun liebe Leser, lasse ich euch Gericht spielen. Wobei Gericht? So etwas hätte ein geordnetes Verfahren, es wären irgendwie Menschen mit einer gewissen Qualifikation vorhanden, hier sitzt im Notfall ein Sicherheitsbeauftragter und vielleicht noch ein Vorstand des jeweiligen Vereines und wenn sie nett sind hören sie das Fanprojekt an und dann gib Kanne. Bei uns als brütet nun der Brux über diesen Fall, teert aus Verzweifelung wahrscheinlich noch mehr seine Lunge und die Rosenfelds dieser Welt rufen viertelstündlich an, damit sie endlich die sofortige standrechtliche Erschi äh das lebenslange Stadionverbot auf die Titelseite heben können. Was also würdet ihr an Svens Stelle tun? Erstmal eine Rauchen? Gute Entscheidung. Für die Aufregung, schlecht für die Lunge. Und dann?

Ihr habt erstmal eine „gesetzliche“ (jaja ist kein Gesetz die Stadionverbotsrichtlinie) Bandbreite von 0 bis 3 Jahre (konzentrieren wir uns mal darauf) und ihr müsst in diese Bandbreite auch folgende Sachverhalte einordnen können:

1. A zündet einen Bengalo, Rauchtopf und/oder Böller. Dabei wird er zum ersten, zweiten, dritten Mal erwischt.

2. A und seine 20 Kumpels gehen nach dem Spiel los „Zecken klatschen“. Bei einer Auseinandersetzung werden sie festgenommen.

3. A wirft seinen gezündeten Feuerwerkskörper auf den Platz, trifft aber niemanden.

4. A ballert einem anderen Fan voll eine, weil der einen Schal des anderen Vereines trug, provozierte oder sich ausgiebig über das Tor seiner Mannschaft freute.

5. A schlägt bei dem Zecken klatschen einen Fan krankenhausreif oder im Affekt, nachdem dieser ihn das dritte mal als „dreckige Pauli Schwuchtel“ beschimpft hat.

6. A haut einen Nazi um und klaut ihm die Thor Steinar Jacke. Oder: Kein Nazi, sondern ein Ultra des anderen Vereines und klaut ihm seinen Gruppenschal.

7. A ist 17, 35, 45, 55, Alkoholisiert oder unter dem Einfluss von Drogen.

So und nun findet bitte für unseren geschilderten Sachverhalt eine angemessene Lösung! Ich beeinflusse euch? Vielleicht, aber dies sind alles Sachverhalte, die in den 18 Bundesligastadien jedes Wochenende passieren. Mal mehr, mal weniger, aber sie passieren ständig. So oder so ähnlich. Nun also ordnet unseren Fall dort ein. 3 Jahre Stadionverbot? Oder ist er so außergewöhnlich, dass Rauball Recht hat, dass man hier außerhalb des Gesetzes ein lebenslanges Stadionverbot verhängen muss? Ihr entscheidet!

Nein, ich gebe euch jetzt nicht mein Urteil. Denn dann würde ich euch beeinflussen. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Ich halte Sven in diesem Bereich für ziemlich weise. Da wird nämlich schon eine Abwägung vorgenommen und die beinhaltet vielleicht auch, was straf- und zivilrechtlich den Täter erwartet bzw. was er bekommen hat.

Strafrechtlich

Es bleibt relativ einfach. (Erstaunlich, oder?) Wir sind hier bei unserer Sachverhaltsannahme (Vorsatz!) bei einer Körperverletzung, wahrscheinlich selbst bei einer gefährlichen Körperverletzung, wenn man den den Becher als gefährliches Werkzeug im Sinne dieser Norm sehen will (diese juristische Abgrenzung würde jetzt jeden Professor und Student steil gehen lassen, ich spare sie mir jetzt mal. Ich halte die Einordnung als gefährliches Werkzeug für wahrscheinlich, aber nicht für zwingend). Dem Opfer ist nicht viel passiert. Ja, das klingt absurd, aber ein paar blaue Flecken und ein riesiger Schreck sind das eine, ein längerer Krankenhausaufenthalt, der bei dieser Art Straftat auch gerne mal raus kommt das andere. Der Schreck und der blaue Fleck ist schlimm genug, aber eben doch kein Beinbruch. Auch wenn das relativierend klingt. Ich würde sagen, die Staatsanwaltschaft stellt gegen Geldauflage oder ähnlichem nach § 153a StPO ein. Nur falls irgendein Politiker (ja Staatsanwaltschaften sind weisungsgebunden) sich als harter Hund profilieren will, kommt es zur Anklage, die Rosenfelds dieser Welt freuen sich, können noch ein paar Schlagzeilen machen und am Ende kommt wahrscheinlich eine Strafe im untersten Bereich des Strafrahmen (6 Monate bis 10 Jahre) raus. Und die Hamburger Presse hat am besten noch ihre „Skandal“ Schlagzeile.

Vielmehr ist das strafrechtlich nicht drin. Mal ganz davon ab, dass auch hier die oben zitierten Fälle ebenso alltäglich und einzuordnen sind. Nur in einen anderen Strafrahmen.

Zivilrechtlich

Und nun wird es für Juristen spannend. Für alle anderen wahrscheinlich endgültig nervtötend. Na liebe Jurastudenten: Grundsatz im Zivilrecht? Richtig! Wer? Von wem? Woraus?

Und hier haben wir zwei potentielle Leute, die etwas fordern und zwar der Linienrichter und unser Verein. Wer ist damit schon mal beantwortet. Von wem? Ist auch klar! Woraus? Das ist beim Linienrichter relativ schnell beantwortet. Für ihn ist allemal § 823 Abs. 1 BGB einschlägig. Der lautet in seiner vollkommenen Herrlichkeit:

(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.

(2) Die gleiche Verpflichtung trifft denjenigen, welcher gegen ein den Schutz eines anderen bezweckendes Gesetz verstößt. Ist nach dem Inhalt des Gesetzes ein Verstoß gegen dieses auch ohne Verschulden möglich, so tritt die Ersatzpflicht nur im Falle des Verschuldens ein.

Körper verletzt? Können wir jetzt ohne große Diskussion einen Haken dran machen. Vorsätzlich oder Fahrlässig? Eines von beidem allemal. Widerrechtlich? „Das ist Sankt Pauli, du Arschloch“ ist wahrscheinlich keine Erlaubnis, daher muss man wohl auch von einer Widerrechtlichkeit ausgehen. (Und das war doch nun die eleganteste Leseempfehlung ever, oder?). „zum Ersatz des daraus entstandenen Schadens“ meint soviel wie jeder Schaden, der durch die Handlung bedingt ist. Wichtig: „des daraus entstandenen Schadens“ kennt keine Obergrenze! Die besagten klugen Menschen, die das BGB erfunden haben, bauten da zwei Grundgedanken ein. 1. Es soll NUR der Nachteil ersetzt werden, der erlitten wurde, dieser aber auch VOLLSTÄNDIG, egal wie hoch das Verschulden ist . Sprich: Egal ob bösester Vorsatz oder leichteste Fahrlässigkeit, es ist immer der gesamte Schaden zu ersetzen. In der Welt des 19. Jahrhunderts konnte man sich schlichtweg den folgenden (nebenbei so ähnlich wirklich passierten) Fall nicht vorstellen:

Die Firma F liefert einen Satelliten. Wert 2,5 Milliarden Euro. Damit die Solarpanel nicht beschädigt werden, sind diese mit Transportschrauben gesichert, die vor dem Flug ins All durch Flugschrauben ersetzt werden müssen. Optisch unterscheiden sich beide Schrauben nur minimalst. Arbeiter A wechselt die Schrauben aus, notiert dies aber nicht im Protokoll. Arbeiter B bemerkt das Fehlen im Protokoll und tauscht die Schrauben erneut aus. Der Satellit startet und ist ein Totalschaden. Wert der Schrauben: 1 Euro.

Dumm gelaufen für A und B, oder? Haftpflichtversicherungen haben Obergrenzen und damit sind beide pleite. Auf ewig (warum => später). Okay, ja das Arbeitsrecht fängt dann an außergesetzlich zu korrigieren (Stichwort bis heute „gefahrgeneigte Arbeit“) aber die Menschen des BGB, die solche Folgen einfach nicht bedenken konnten, die haben da den Totalersatz reingeschrieben.

Aber an diesem Punkt können wir unsere Aufregung gleich wieder zurückfahren, denn Geschädigter ist der Linienrichter bzw. seine Krankenkasse. Also ein Krankenhausaufenthalt und eine Untersuchung, eventuell eine Wäsche und eventuell ein Hotelzimmer für die Nacht in Hamburg. Das summiert sich auf eine Summe, die nicht wirklich die Existenz unseres Täters zerstört oder der Rede wert ist.

Schmerzensgeld? Ja gibt es auch, § 253 Abs. 2 BGB spricht so schön von einer „billigen Entschädigung in Geld“. Diese wird in Deutschland eher gering ausfallen, da die Vordenker des BGB den immateriellen Schaden nicht wirklich als „schlimm“ ansahen. Die Eigentumsfixiertheit des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist auch hier (viel schlimmer noch im StGB) eingeflossen. Und das Prinzip, dass eben grundsätzlich nur das ersetzt werden soll, was verloren gegangen ist, begrenzt diese Norm zu einer Ausnahme und Ausnahmen sind zurückhaltend anzuwenden. „Punitiv Damage“ (frei übersetzt: „strafendes Schmerzensgeld“), was die Amerikaner gerne mal für heiße Kaffeebecher verteilen, kennt das deutsche Recht nicht. Noch viel schlimmer, es hält sie für gegen die öffentliche Ordnung verstoßend.

Haftpflichtversicherung? Bei dem von uns angenommenen Sachverhalt (Vorsatz!) und den Musterbedingungen, die im Internet verfügbar sind, gibt es keine Einstandspflicht. (Punkt 7.1. der Musterbedingungen des GDV Stand 2007). Auch eine „Flucht in die Privatinsolvenz“ hat der Gesetzgeber ausgeschlossen, der in § 302 InsO regelt, dass „Verbindlichkeiten aus vorsätzlichen unerlaubten Handlungen“ unter gewissen Voraussetzungen nicht der Restschuldbefreiung unterliegen. Kurz: Im Notfall zahlt man sein Leben lang.

Alles halb so wild hier, denn der Linienrichter als wirkliches Opfer (!!!)hat einen relativ geringen Anspruch.

Denn wir wollten ja noch einen zweiten Ansprüche suchenden betrachten. Den FC St. Pauli. Stellen wir erstmal ganz platt fest: Dieser ist vielleicht betroffen, aber nicht getroffen. § 823 Abs. 1 BGB? Na, da fliegen wir relativ schnell raus, denn sein Leben, seinen Körper, seine Gesundheit, seine Freiheit, sein Eigentum oder sein sonstiges Recht ist nicht betroffen. Dazu muss man vielleicht kurz erklären, dass sonstiges Recht ganz eng gesehen wird und nicht jede Position schützt, sondern nur sogenannte „eigentumsgleiche Rechte“.

An dieser Stelle kommen wir nicht weiter. Betrachten wir also das Vertragsrecht. In unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen Ticketing ist dazu nix geregelt. Da ist nur der Fall der Ticketweitergabe geregelt und eine entsprechende Schadensersatznorm, aber die passt hier nicht. Sie wird zwar im Forum zitiert, ist hier aber nicht einschlägig.

Auch in der Stadionordnung findet sich nichts.

Und nun kommt das OLG Rostock (3 U 196/05; Vorinstanz LG Rostock 9 O 328/04; lustigerweise keine Revision zum BGH, obwohl im Urteil ausdrücklich zugelassen) ins Spiel. Dieses hatte 2006 über den Fall von drei Flitzern zu entscheiden, welche von Hansa Rostock auf die Strafe von 20.000 Euro in Anspruch genommen wurden.

Das OLG behilft sich bei der Suche nach einer Anspruchsnorm mit § 280 Abs.1 BGB und einer vertraglichen Nebenpflicht aus dem Ticketkaufvertrag. Wörtlich: „ihn verpflichtet, den Spielbetrieb nicht zu stören und das Spielfeld nicht zu stören“. Kurze Zeit später wird dies als allgemein Bekannt vorausgesetzt. Okay, kann man so machen, aber so ein bisschen klingt das ganze nach „Mist, es muss doch irgendwo was geben.“ Denn natürlich ist das eine Aushebelung der oben zitierten auf ganz bestimmte Güter beschränkte Schadensersatzpflicht. Und das in einem Ticketvertrag so eine Pflicht vertragliche Nebenpflicht ist, erscheint mir nicht so offensichtlich, wie es hier gemacht wird. Auch gerade weil hier noch der Vertrag zwischen Dritten (nämlich den Beklagten und der Stadionvermietungsgesellschaft) geschlossen ist. Dies sieht das OLG jedoch nicht als Problem an, da der Verein in die Sorgfaltspflichten eingeschlossen ist. (!) Das erscheint mir doch sehr konstruiert. Gerade wenn man es auf unseren Fall anwendet. Denn die Nebenpflicht ist dann niemand anderen durch einen Becherwurf zu verletzen und dadurch den Spielablauf zu stören. Klingt wie ein klassisches Aushebeln von § 823 und der eingeschränkten Schadensersatzpflicht und ist es aus meiner persönlichen Sicht auch so. Aber das OLG Rostock (und die sind Experten) hat so entschieden.

Man merkt in der weiteren Urteilsbegründung jedoch, dass das OLG Angst vor der eigenen Courage hatte. Die Frage vor der das OLG Rostock nämlich nun stand war, ob denn die Verbandsstrafe wirklich noch ein zu ersetzender Schaden wäre. Es führt dazu folgendes weiter aus:

„Die Vertragsverletzung des Beklagten war ursächlich für den dem Kläger durch Zahlung der ihm vom Sportgericht auferlegten Geldstrafe entstandenen Schaden.

Zwar bestand das Ziel der Verurteilung darin, den Kläger zum Schutz der Schiedsrichter und der Mannschaften zu angemessenen Sicherheitsbemühungen zu veranlassen, dies zu bewerten und zu kontrollieren. Mit diesem Anliegen ist nur begrenzt zu vereinbaren, dass der vom Sportgericht bestrafte Verein die Strafe auf Dritte abwälzt, denn der Präventivzweck wird in aller Regel nur erreicht, wenn der Bestrafte die verhängte Strafe selbst erleidet und nicht Dritte, mögen diese auch Veranlasser sein, auf Ersatz in Anspruch nimmt.“

Man höre und staune! Ich denke viel dazu muss ich nicht sagen. Aber klar ist: Das Sportgericht will nicht den Zuschauer bestrafen und bemisst seine Urteile ja auch nicht an seinem Verhalten und seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten, sondern an denen des Vereines und an dem Vorverhalten des Vereines. Daher muss man hier natürlich starke Bedenken bekommen, warum eine Übertragung möglich sein soll.

Es rettet sich dann aber in folgende Ausführungen:

Diese Erwägungen berühren indessen nicht die Ursächlichkeit der Pflichtverletzung des Beklagten für den Schaden des Klägers. Zweifelsfrei haften die Zuschauer nach allgemeinen Regeln für Sach- und Personenschäden, die sie auf dem Spielfeld oder im Stadion anrichten. Es besteht kein Grund, Zuschauer, die den das Stadion nutzenden Verein schädigen, von der Haftung für die Vermögenseinbußen zu befreien, die dieser infolge ihres vertragswidrigen Verhaltens erleidet.

Hmm und das obwohl das OLG selber den Grund gerade genannt hat. Und zwar: Was schert mich der Ordnungsdienst, wenn ich die Strafe einfach abwälzen kann? (Auf die Frage des Ergreifungsrisikos und des Insolvenzrisikos des Täters gehe ich bewusst nicht ein).

Und daher lässt sich das OLG eine sehr spannende Hintertür, die in unserem Fall nämlich noch interessant werden könnte. Es führt dann nämlich aus:

„Der Schaden des Klägers entstand nicht unmittelbar durch die Vertragsverletzung des Beklagten, sondern erst durch Hinzutreten weiterer Umstände, nämlich durch die Verurteilung des DFB-Sportgerichtes. In solchen Fällen der mittelbaren Kausalität setzt die Ersatzpflicht voraus, dass der Zusammenhang des jetzt eingetretenen Schadens mit dem schädigenden Ereignis nicht so entfernt ist, dass ein Einstehenmüssen des Schädigers nicht mehr zumutbar erscheint. Es handelt sich nicht nur um ein Kausalitätsproblem, sondern es geht auch darum, trotz bestehender Ursächlichkeit aus Wertungsgesichtspunkten eine als zu weit gehend empfundene Haftung auszuschließen. Dabei ist es gleichgültig, ob man die Adäquanz der Kausalität verneint oder meint, ein allzu entfernter Schaden falle nicht mehr in den Schutzbereich der Norm (vgl. dazu MünchKomm-Oetker, BGB, 4. Aufl., § 249 Rdn. 112). Auch im Vertragsrecht ist anerkannt, dass die Ersatzpflicht davon abhängt, ob die verletzte Vertragsbestimmung den Eintritt gerade des eingetretenen Schadens verhindern sollte (MünchKomm-Oetker, aaO, Rdn. 117).“

Entscheidend ist folgendes: „Es handelt sich nicht nur um ein Kausalitätsproblem, sondern es geht auch darum, trotz bestehender Ursächlichkeit aus Wertungsgesichtspunkten eine als zu weit gehend empfundene Haftung auszuschließen.“ Das OLG will damit aus dem Prinzip leichteste Fahrlässigkeit = Haftung für alles aussteigen und sich ein Hintertürchen der Wertung (dem freien modellieren im Fall) offen halten. An welchen Maßstäben es diese Wertung vornehmen will, sagt das OLG vorsichtshalber nicht und sieht in seinem Fall damit auch kein Problem. Soll es an der Höhe des Schadens liegen? (So wie es formuliert ist, würde ich sagen: Nein!) oder daran, wie weit entfernt der Schaden ist? Und wo soll da die Grenze liegen? Verbandstrafe ja! Auch noch entgangener Gewinn durch Platzsperre? (vielleicht) Forderungen von Dritten? (vielleicht eher nicht) Abstieg und der damit einhergehende Schaden? (wahrscheinlich eher nicht) Wir können nur spekulieren.

Das OLG hatte über einen Fall zu urteilen, wo es insgesamt um 20.000 Euro verteilt auf 3 Leute ging. Da kann ich über solche Punkte natürlich relativ elegant hinweg gehen, denn ich weiß: Egal was ich hier ausurteile, es wird den Beklagten nicht sein Leben lang unglücklich machen. Es wird zwar schmerzhaft, aber irgendwann wird er das bezahlt bekommen, wenn er einer normalen Tätigkeit nachgeht.

Das mag bei unserem Fall anders liegen. Ich habe leichte Zweifel an der in den Zeitungen genannten Summe von 500.000 Euro, welches ein Geisterspiel kostet, aber dazu führe ich später noch einmal aus. Hier nehmen wir diese Summe noch mal an. Und fragen uns dann, ob es eine zu weit gehende Haftung ist. Betragsmäßig sprechen wir dann über einen Betrag, den eine Privatperson in ihrem Leben nicht aufbringen wird. Und wir haben hier noch einen Zwischenschritt, denn die Verbandsstrafe führt dazu, dass der Verein (eventuell aus vertraglichen Verpflichtungen) aus eigener Entscheidung seine Vertragspartner entschädigt. Also noch ein Zwischenschritt. Ich kann mir vorstellen, dass hier ein Gericht auf der Suche nach einer Begrenzung aussteigen könnte. Sicher ist es nicht.

Das OLG Rostock hatte die Revision zugelassen, insbesondere auch im Hinblick auf die grundsätzliche Haftung. Ich habe eine BGH Rechtsprechung nicht gefunden.

Höhe des Schadens

Sind die angesprochenen 500.000 denn realistisch? Ich habe da so meine Zweifel. Warum? Weil Sachen, die so klar scheinen dies eventuell gar nicht sind. Fangen wir mit dem größten Posten an, mit der Rückerstattung der Eintrittspreise. In den AGB (deren Gültigkeit ich jetzt hier mal unterstelle, auch wenn man da gut und gerne Zweifel haben kann) ist nur folgender Fall geregelt:

„Wird eine Veranstaltung endgültig abgesagt und nicht wiederholt, so erhält der Ticketinhaber den Eintrittspreis gegen Rückgabe des Originaltickets bei der Vorverkaufsstelle zurück, bei der er das Ticket erworben hat.“

Endgültig abgesagt? Ein Geisterspiel ist das genaue Gegenteil davon. Es wird ja durchgeführt. Okay, da wird man wohl noch rüber kommen, auch wenn es die AGB gepflegt vermeiden „Veranstaltung“ oder den genauen Leistungsumfang einer Eintrittskarte zu definieren. Aber noch ein Ding für Winkeladvokaten: Der FC schließt in seinen AGB die Haftung für Dritte aus und will nur für seinen eigenen Vorsatz und seine eigene Fahrlässigkeit haften. Also Geisterspiel aufgrund von Vorsatz des Werfers? Keine Haftung gegenüber den Ticketinhabern? Weit hergeholt? Vielleicht, aber versuchen kann man es ja mal. Und eine Rückgabe des Ticketpreises ohne rechtlichen Anspruch ist definitiv kein Schaden!

Bei Dauerkarten würde sich weiterhin die Frage nach dem Wert des Nichtbesuches eines Spieles bei den Dauerkarten. 1/17? Wirklich? Ist das Recht ohne viel Generve zu dem Spiel gehen können nicht auch was wert und wird nicht durch den Nichtbesuch des einen Spieles reduziert? Noch einer für Winkeladvokaten.

Ähnliche Fragen muss man sich bei Sponsoren stellen, denn auch deren Pakete werden wahrscheinlich nicht 1/17 weniger wert, wenn in dem Stadion mal keine Zuschauer sind. Den Hauptsponsor kratzt das schon einmal nicht, den Bandenwerbenden auch nicht.

Die Caterer Gewinne zerreise ich alleine schon deswegen, weil Bremen mit hoher Sicherheit ein Nichtalkoholspiel wird und damit der beinah nix umsetzt.

Und das Insolvenzrecht?

Tja und nun gucke mal jeder Jurist in den Kommentar von Uhlenbruck zur InsO zu §302 und finde dort Randnummer 11. Und was steht da? Vorsätzliche Vertragsverstöße sind nur dann von der Restschuldbefreiung ausgenommen, wenn ein Rechtsgut des § 823 BGB verletzt ist. Und genau dies ist dem Verein gegenüber nicht der Fall. Sprich: Eine Privatinsolvenz mit Restschuldbefreiung ist möglich.

Apr 042011
 

oder

Selber Schuld, FCSP

Vorwort

Liebe Leser, ich bin ein langsamer Schreiberling. Ich brauche für einen Bericht eigentlich immer bis Montag oder Dienstag. Das hat u.a. den Grund, dass ich mich nicht sofort wieder mit dem Erlebten beschäftigen mag. Das hat Vorteile und Nachteile. Vorteil ist, dass eine gewisse Emotionalität gewichen ist, denn Freitag Abend hätte ich wahrscheinlich geschrieben, dass man das nächste Mal bitte den Aytekin trifft und dann bitte so, dass der nicht mehr aufsteht. Der Nachteil ist natürlich, dass andere schneller sind und wahrscheinlich viel besser schreiben können als ich. Diesmal sind dies die Metalust und der Frodo, deren Beitrage vieles aussagen, was ich schreiben wollte. Insbesondere Frodos Abschnitt über die Leistung des Herrn Aytekin kann ich so nur wortwörtlich unterschreiben. Aber es ist vielleicht schon alles gesagt, aber eben nicht von mir. Auf einen getrennten Erlebnisbericht werdet ihr verzichten werden.

Dein Problem!

Ich lasse mich nicht haftbar machen für diesen Becherwurf, liebe Presse, lieber FC. Es ist kein Problem der Fanszene und so kann deren Image auch nicht beschädigt werden. Denn es ist eure Haupttribüne und ihr habt bisher doch alle Maßnahmen gegen Becherwürfe konterkariert. Und daher ruft jetzt nicht nach der Fanszene oder sabbelt was von Selbstregulierung. Auch wird hier kein angeblich bestehendes Image der Fanszene kaputt gemacht, nur weil diese unglaublich dämlichen Zeitungsschreiber sich NIE vernünftig mit der Fanszene auseinander gesetzt haben, NIE mitbekommen haben, welche verzweifelten Versuche da gestartet wurden, um gerade dieses Problem in den Griff zu bekommen: nur deswegen können sie nun so einen Scheiß schreiben. Und sollten nun aufgrund dieser Becherwürfe irgendwelche Paulis wegbleiben, die meinen bei uns ist ja immer Party, egal wie das Spiel ausgeht und bei uns kann man gut Bier trinken: Ich freu mich. Ich habe ja nun das Vergnügen jeden Spieltag zu sehen, was für Gestalten bei uns die freien Karten kaufen. Und da ist eine Besatzung von Ballermann 5 nix gegen.

Gewagte Thesen? Vielleicht, aber ich will sie erläutern. Fakt ist: Der geworfene Becher kam von der Haupt. Fakt ist auch: Es gab auch genügend Becherwürfe von Süd und GG. Da fühle ich mich etwas mehr haftbar, aber auch hier mache ich dem Verein und seinen oberen Zehntausend eine große Mitschuld für die Zustände. Wieder eine gewagte These? Ja, vielleicht. Trotzdem müssen wir uns um diese Bereiche kümmern, aber dann muss der Verein endlich seine Fehler abstellen. Denn gegen die ständige Sabotage des Vereines mache ich nix mehr gegen Bierbecherwürfe. Man siehe gleich.

Natürlich kann man sagen, dass jeder für sein eigenes Handeln verantwortlich ist und nur der/die Becherwerfer verantwortlich sind. Nur findet so ein Handeln ja nicht in einem Vakuum statt, sondern in einem Klima. Und bei uns herrscht ein Klima, welches Becherwürfe als normal und auch Gewalt als mehr oder minder cool darstellt und dies hat auch und insbesondere der Verein zu verantworten. Mit Verein ist nebenbei hier und im folgenden insbesondere seine Organe und die Angestellten gemeint. Wobei ich Sven ausdrücklich von der Kritik ausnehme, denn er ist der Einzige, der das Thema seit Jahren ernst nimmt.

Ältere Leser werden sich vielleicht an die Flyer-Kampagne gegen Becherwürfe erinnern, die damals aus unserer Ecke kam. Ich will sie kurz in Erinnerung rufen: Nachdem uns mal wieder geworfene Becher in den Rücken flogen und eine von uns einen solchen in den Nacken bekam und in die Knie ging, hatten wir einen selbstverfassten Text auf einen selbstfinanzierten Flyer gepackt und diesen verteilt. Einige Fangruppen hatten mitgezeichnet und dankenswerterweise auch gespendet; nichtsdestotrotz blieb der Flyer zu zwei Dritteln von einer (!!!)Person finanziert, der es allerdings ein Anliegen war. Vom Verein kam kein Geld, obwohl der Text mit ihm abgesprochen wurde und der Flyer immerhin auf der offiziellen HP landete. Und was passierte ziemlich zeitgleich? Ein Werbepartner brachte auf der alten Haupttribüne eine Werbung an mit dem Claim (sinngemäß) „Nur Bierbecher fliegen billiger“. Klasse, dass so etwas gleichzeitig mit so einer aufwendigen Flyerkampagne vom Verein genehmigt und durchgeführt wird. Seitdem bin ich (und nicht nur ich) aus dem Thema raus. Wer so Aktivitäten von vernünftigen Leuten als Spaßbremse und lächerlich hinstellt und in Werbung plakativ verbreitet, dass Bierbecherwerfen eigentlich ganz normal ist, der muss sich über die jetzt eintretenden Folgen nicht wundern.

Ja, ich behalte nicht viel, aber diese Verarsche habe ich nicht vergessen. Ebensowenig die ständigen und wiederholten Reaktionen der Ordner, wenn man mal einen Werfer raus haben will, dann ist die stereotypische Antwort doch immer (sinngemäß „Stell dich doch nicht so an“). Mehrfach mussten ich oder meine Freunde mit Sven drohen, damit die Ordner in Gang kommen. Das macht man vielleicht einmal und eventuell zweimal, aber garantiert nicht ständig, man lässt es eben.

Hinzu kommt noch, dass auf der Haupttribüne der Verein die ganzen Möglichkeiten der sozialen Kontrolle zerstört hat. Der Umsetzungsprozess war mehr als peinlich, nur aufgrund einer Selbstorganisation einer Gruppe und ihrer Beharrlichkeit sind überhaupt größere Zahlen von Leuten wieder gemeinsam auf der Tribüne gelandet. Aber das wollte der Verein so haben, er hat doch diese Tribüne ohne Fanbeteiligung gebaut und als seinen ganzen Stolz verkauft, nun ist er auch für diese verantwortlich.

Mich ärgert aber noch mehr. Wenn sich jetzt irgendwelche Oberen hinstellen und irgendwas von Imageverlust sabbeln, dann muss man sich doch mal ehrlich fragen, wie viel Imageverlust es ist, dass die offizielle Page eines Gewaltfilms, der ein angebliches reeles Bild der Fanszene zeichnen will, immer noch mit dem offiziellen Logo ausgestattet ist, dass sich der Präsident nach Ansehen des Filmes noch relativ positiv zitieren lässt (oh, er hat immerhin gesagt, dass die Gewaltszenen zu weit gehen (!!!)) und man überhaupt anscheinend ohne das Drehbuch gelesen zu haben so einen Film unterstützt hat. Ganz ehrlich: Das ganze Gesabbel von Gewalt als unangemessen kann man sich sparen, weil es einfach nur lächerlich wirkt, wenn man so einen Film unterstützt. Man kann sich also mal fragen, wer hier für Imageverlust und so weiter wie verantwortlich ist. Ich habe keine Lust mehr, als Fan ständig haftbar gemacht zu werden, wenn meine Oberen das Image mit Füßen treten.

Der nächste Punkt: Ich habe mal nachgefragt ob es denn Ansagen vorher gegeben habe. Im Stadion verstanden hat die Niemand, was an einer mehr als schlechten Tonanlage liegt. Laut Aussage der Stadionsprecherin hatte sie das ohne die entsprechende Bitte des Schiedsrichters veranlasst. Ob dieser eine entsprechende Bitte vielleicht lanciert hatte, diese aber nicht angekommen ist oder ob er die Durchsagen gehört hat und dann auf entsprechende Bitten verzichtet hat, ist nicht zu ermitteln. Fakt ist: Es hatte auch schon in Halbzeit 1 Würfe von Gegenständen auf den Platz gegeben. In diesem Zusammenhang sei auch anzumerken, dass aus dem Gästeblock zweimal irgendwelches Feuerwerk auf den Platz flog, einmal direkt an unserem Auswechselspielern vorbei. Das sei mal deutlichst erwähnt, denn man kann absolut nicht sagen, dass wir hier ein St. Pauli-spezifisches Problem haben. Und dass Feuerwerk eine andere Gefahrenklasse ist als ein Plastikbecher, sei auch mal erwähnt.

Zur Lautsprecheranlage: Noch so ein Thema, wo ich das kalte Kotzen bekomme. Fakt ist, dass die GG seit Monaten gar nicht mehr beschallt wurde. Dies liegt wohl daran, dass aus baulichen Gründen keine Lautsprecher mehr an das Tribünendach gehängt werden können. Diese Erläuterung bekommt dann natürlich einen faden Beigeschmack, wenn dies angeblich nicht mehr geht, ein großes aufblasbares Astralogo natürlich aber doch geht. Dann fragt man sich, ob dies denn nix wiegt, keine Belastung des Daches ist und ob hier nicht – mal wieder – Kommerz möglich gemacht wird, aber die Sicherheit der Zuschauer einen Scheißdreck zählt. Und als einzige Lösung dann Lautsprecher in den Sichtbereich der Zuschauer zu stellen, das kann es doch auch nicht sein. Ja, im Notfall muss man hier halt Geld in die Hand nehmen und entsprechende Sanierungen an der Gegengeradentribüne vornehmen. Ja, das kostet Geld. Aber Geld für die Sicherheit aller Zuschauer.

Also lieber Verein, nicht auf die Fans zeigen, selber handeln und das nächste mal nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Viele Seiten inklusive eures eigenen Organisationsleiters haben euch mehrfach auf diese Gefahren hingewiesen, passiert ist mal wieder nix. Der einzige offizielle Text, den ich erinnern kann, war von Brux unterschrieben. Aber wenn es um „Scheiß HSV“ geht, dann kann der Sportchef sich zu Wort melden. Falsche Prioritäten, wenn mich jemand fragt.

Ich habe noch nix zu dem Bierbecherwerfen an sich geschrieben. Ich denke es ist klar, dass ich das komplett Scheiße finde. Ich habe auch ein Problem mit der „kann emotional passieren“ Rechtfertigung. Ja, kann wirklich passieren, sehe ich definitiv auch so. Aber, ich gebe zu bedenken, dass der Wurf über unzählige Meter eher keine menschliche emotionale Reaktion ist. Und schon gar nicht Sekunden nachdem irgendwas passiert ist. Das ist das, was ich schon seit Jahren zu dieser Becherwerferei schreibe: Wenn einem das Ding beim Gepöbel aus der Hand fällt und direkt vor einen, so dass der Vordermann das abbekommt, dann ist das Emotion, dann ist das immer noch dämlich, aber eine ganz andere Qualität als Pöbeln, drüber nachdenken, ausholen und über mehrere Meter werfen. Denn auch gegen Schalke war die Aktion mal wieder lange vorbei bevor der Becher seinen Weg antrat.

Trotzdem, und das muss man eben auch bedenken, ist ein Bierbecher kein Objekt, welches „gezielt“ geworfen wird. Dazu wird keiner wirklich in der Lage sein und schon gar nicht bei der wahrscheinlichen Alkoholisierung des Täters. Ich würde mir daher wünschen, dass solche Attribute aus der Diskussion kommen, wenn mal ein Bierbecher irgendwas trifft. Das ist einfach eine Übertreibung, die der Diskussion nicht gut tut und die das ganze auch verarscht. Das ist bitte keine Relativierung, sondern einfach nur eine Versachlichung. Ebenso wenig stürzt so ein Becherwurf den Verein ins Chaos, liebe MoPo. Die Schlagzeile brauchtet ihr aber sehr dringend, oder? Ich habe nun bisher kein Chaos erlebt, das wird ruhig abgearbeitet und zu der Vorgehensweise, die ich mir wünsche, kommt später noch was.

Dies alles gesagt, muss ich auch nicht diskutieren, wie man nun als Fan mit einem Becherwerfer umgehen soll, ob man den nun denunzieren soll oder was auch immer. Das ist ehrlich gesagt nicht mehr mein Problem. Ich gehe nicht mehr zu einem Ordner, wenn ich mir wieder anhören muss, dass ich mich doch nicht so anstellen solle. Und ich stelle den garantiert auch nicht zur Rede, weil ich dann bei einer eventuellen körperlichen Auseinandersetzung wahrscheinlich noch das Stadionverbot bekomme, weil ich ja angefangen habe. Das ist dein Problem, lieber FC, aber nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und ich (und hoffentlich die gesamte Fanszene) hole es nicht wieder raus.

Bewusst heraus gelassen ist ein Fanklima in dem viele Fans Bierbecherwürfe als „Alder, dat Is Pauli, ey!“ (danke @deruebersteiger) darstellen. Das dies mich schon seit Jahren ankotzt, wissen alle regelmäßigen Leser. Mir geht es um die Verantwortung des Vereines.

Herr Aytekin

Ich kann mich da nur dem Übersteiger anschließen, wenn ein Schiedsrichter von 50 „kann“ Entscheidungen 49 mal eine Mannschaft bevorteilt, dann liefert er keine gute Leistung ab und dann macht er auch nicht alles richtig. Nur bei dem Elfer gleich zu Beginn ging mal eine „kann“ Entscheidung in unsere Richtung. Ich schreibe jetzt teilweise das gleiche wie der Übersteiger, aber ich brauch das als Therapie.

Die Ecke vor dem Tor: Ich weiß nicht, ob Bene da dran war oder nicht, aber ich weiß, dass weder Hr. Atekin, noch sein Linienrichter das gesehen haben. Die guckten sich nämlich beide ratlos an. Und dann auf Verdacht Ecke zu geben, weil drei Schalker protestieren und nur zwei braun-weiße, das ist einfach albern. Es ist immer so: Dann lieber Abstoß geben, da passiert wenigstens nichts direkt.

Die Karten: Gelb-rot ist extrem hart, kann man aber eben machen. Nur dann würde ich als Schiedsrichter nicht noch die harte rote Karte geben, denn damit entscheide ich definitiv das Spiel. Und insbesondere würde ich dann Herrn Farfan nach wiederbetreten des Feldes in eine rote Karte laufen lassen, denn und hier zitiere ich wortwörtlich den Übersteiger: „Insbesondere kann man dann auch schnell das Handy zücken und wahlweise die Beerdigung oder Oscar-Verleihung für Farfan bestellen. Denn so wie er da abhob, konnte man kaum von einer fairen Überlebenschance kaum ausgehen, ich hielt im Stadion eine beidseitige Amputation für die glimpflichste Diagnose auf die er hoffen konnte. Muss man aber nicht, zugegeben“ Besser kann man das nicht ausdrücken.

Das Abseits: Also das Boll Neuer behindert, das muss man wohl so sehen und ich bin da auch kein Freund der angeblichen Passivität. Man gucke sich nur mal Neuers Bewegungen an, bevor der Ball im Tor einschlägt, er reagiert deutlich auf Boll. Das ist nicht passiv. Das denke ich, ist eindeutig. Abseits an sich? Wie immer eine Entscheidung, die ich als Linienrichter nicht treffen will, wo die Regel auch blödsinnig geschrieben ist mit dem „im Zweifel für den Angreifer“ und wo ich die Erfindung von Standbildern, die aufgrund ihrer Unschärfe nie genau die Berührung des Balles zeigen , die dann aber als absolute Wahrheit präsentiert werden, einfach lächerlich finde. So bleibt es eben auch hier ungeklärt, ob Boll nun Milimeter im Abseits stand oder eben vielleicht doch noch gleiche Höhe war. Häufig genug ist genau so ein Tor gegeben worden. Bestes Beispiel ist das Tor von Alex Meier am Sonntag gegen Wolfsburg. Insofern läuft auch hier eine „kann“ Entscheidung gegen uns.

Insgesamt hatte man bei Atekin nie das Gefühl einer unparteiischen Spielführung. Ich habe diese Saison schon viele unsichere Schiedsrichter gesehen, aber dieser war nicht unsicher, er war parteiisch.

Und nun?

Ich denke, dass wir eine Platzsperre für das Werder Spiel bekommen werden. Eine Verlegung in den Volkspark, wie sie die Morgenpost herbei fantasiert, ist nicht wirklich eine Strafe und aus meiner Sicht auch abwegig. Da würde von der Strafe der Rautenverein durch Stadionmiete profitieren und der ist weder ein Musterkind, was Becherwürfe angeht, noch ist er irgendwie Opfer.

Als Verein würde ich aber nicht die reine Demut Schiene fahren. Klingt nach dem oben geschriebenen erstaunlich, aber versuchen würde ich es trotzdem. Alleine schon, weil die Bestrafungen durch den DFB immer wieder lächerlich und willkürlich sind. Bestes Beispiel ist 7.000 Euro für eine Pyroshow und 8.000 Euro für „Scheiß FC Köln“. Wenn man sich die Strafen für Würfe von Gegenständen anguckt, dann ist ein Geisterspiel bei Treffern relativ normal, aber nicht einmal dies ist wirklich konsequent verteilt worden. Und daher würde ich folgende Variante vorschlagen: Angriff ist die beste Verteidigung. Deutlichst auf die Würfe aus dem Schalke Block hinweisen, deutlichst machen, dass es nicht ein Unterschied machen kann, dass der Becher trifft, die Feuerwerkskörper glücklicherweise nicht und ein Wiederholungsspiel unter Ausschluß der Öffentlichkeit plus einer deutlichen Geldstrafe für uns und einer geringeren für Schalke fordern. Finde ich jetzt nicht so abwägig. Klar ist mit einer Vereinsbrille, aber man ist ja hier Partei und ich finde dieses dauernde akzeptieren von Strafen eines Verbandsgerichtes, dass alles hat nur keine Linie irgendwie albern.

Ob und wie Hartplastikbecher weiterhin Sinn machen, sei mal dahin gestellt. Das ist eine Diskussion, die ich nicht führen kann, insbesondere da die meisten Raucher ein viel brutaleres Wurfgeschoss immer mit ins Stadion bekommen würden.

Der Umgang mit dem Täter

Na erstmal muss der wirklich identifiziert werden und dazu reicht ein Bild in der MoPo nicht aus. In einer bewegten Masse sind auch Videoaufnahmen und Zeugenaussagen ein eher schlechte Mittel, wie wir schon häufig mitbekommen haben. Die Rufe nach einem – am besten lebenslangen – Stadionverbot sind schnell erhoben und passen so schön in die Landschaft, wo sofort für alles härteste und am besten nie endete Strafen gefordert werden. Das ich so etwas bei aller Emotionalität absolut übertrieben finde, sei nur am Rande erwähnt. Und zu einem linken Gedankengut, was so etwas wie Resozialisierung und Wiedereingliederung in die Gesellschaft kennt, passen solche Forderungen gar nicht. Und wenn schon, dann bitte sofortiges Handabhacken. Ich denke ein zeitlich befristetest Stadionverbot und eine entsprechende Übertragung der Geldstrafe ist mehr als genügend Strafe, insbesondere wenn man die oben geschilderte moralische Mitschuld des Vereines mal in Betracht zieht. Hinzu kommt noch zumindest theoretisch mögliche zivilrechtliche Forderung des Linienrichters, die auch eine stattliche Summe bringen kann.

Apr 012011
 

oder

Leider kein Aprilscherz

Liebe Leser, in einem passwortgeschützten Artikel hatte ich mich über die „Engel“ Werbung von Axe aufgeregt, die seit Tagen unsere offizielle Homepage „verschönert“. Ein aufmerksamer Leser hat sich beim Verein beschwert und postete nun die Antwort in den Kommentaren, diese möchte ich euch nicht vorenthalten, weil sie mal wieder zeigt wie Werbung bei uns gehandhabt wird:

Zitat Beginn

Hey,
ich hatte zu der Axe-Werbe-Sache mal an den Verein geschreiben, sie sagten nur, dass sie es weiterleiten, nach 3-maligem Nachhaken kam dann das hier:

Guten Tag Herr XXX,

von Seiten des FC St Pauli wurde uns zugetragen, dass Sie mit der Werbekampagne von Axe auf dem Portal fcstpauli.com aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung nicht einverstanden sind. Wir liefern diese Werbung in unserem gesamten Netzwerk, welches 200 Sportportale in Deutschland umfasst, ohne Probleme oder weitere Beschwerden von Portalbetreibern oder Besuchern aus.

Leider können wir in diesem Fall die Werbung auch nicht entfernen, da Axe explizit auch das Portal fcstpauli.com gebucht hat und bitten um Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen,

XXX

S P O R T W E R K
i.A.

Zitat Ende

Ich treibe das jetzt mal bewusst auf die Palme, aber die Argumentation ist spannend. Argument 1: Es hat sich sonst keiner beschwert, also wird es nicht schlimm sein. Argument 2: Aber auch wenn ihr als FC das schlimm findet, können wir es nicht entfernen, weil der Kunde auch ausdrücklich FC gebucht hat.

Und wenn jetzt Thor Steinar kommt und niemand sonst beschwert sich? (Was ich nicht hoffe!) Und die ausdrücklich FC bestellen, dann kann es auch nicht entfernt werden?

Kurzer Disclaimer: Ob und inwieweit Sportwerk so etwas versucht über AGB auszuschließen, ist nicht zu recherchieren, da die Firma ihre Vertragsbedinungen nicht auf ihrer Homepage hat. Eine wirklich große Sensibilität scheint jedoch nicht vorzuherrschen, wenn man von dieser Antwort auf die übliche Geschäftspraxis schließen mag.

Oder anders ausgedrückt: Es ist immer wieder spannend, wie die hier abgefeierten Grundsätze anscheinend nicht gegenüber externen Dienstleistern kommuniziert werden und man plötzlich bedenkliche Werbungen auf der Homepage hat und sich dann die Hände in Unschuld wäscht.

Und ja, ich halte eine Werbung, wo ein „Engel“ „geschickt“ wird und leicht bekleidete Damen posieren für sexistisch. Frauen reduziert auf gut aussehen und Männer begleiten zu einem Date. Klasse Frauenbild, wenn man mich Mann fragt. Überlegt doch einfach mal, welche männlichen Phantasien da bedient werden. Und was das alles mit einem Deo zu tun hat, begreife ich sowieso nicht.

Vielleicht sollte man einfach auch auf die Einschaltung von externen Vermarktern und Dienstleistern verzichten und wirklich Kontrolle über das gewinnen, was man auf der offiziellen Homepage transportiert. So etwas wie beiderseitiger Imagetransfer sei hier als Stichwort genannt.

Noch ein Disclaimer: Die Authensität der Antwort kann ich nicht endgültig überprüfen. Ich sehe aber keinen Grund von einer Fälschung auszugehen.