Feb 282011
 

oder

Transparenz!

Vorwort

Bevor ich mich dem Spieltag an sich in einem getrennten Beitrag unter die Lupe nehme, möchte ich wieder einige Sachen vor die Klammer ziehen. Und zwar die Kartenvergabepraxis unseres Vereines. Denn darauf läuft es alles hinaus.

Gästefans im Heimbereich

Um es mal deutlich zu sagen: Ich lehne jegliches Revierdenken ab, ich hasse es, wenn man nur in seiner Suppe rumsteht und ich finde den freundschaftlichen, fachsimpelnden Kontakt zu Fans anderer Vereine sehr anregend. Ich finde es auch nicht schlimm, wenn die neben mir Jubeln. Das ist für mich erstmal nicht provozierend. Wir hatten das Vergnügen am Samstag z.B. mit vier 96ern rumzustehen und die waren nett, kompetent, man hat sich viel Spaß gewünscht, gealbert und die konnten auch Insiderwissen mitbringen und waren auch sehr interessiert. Das mag ich! Und ich will es nicht missen, daher will ich eigentlich kein absolutes Verbot von Gästefans im Heimbereich. Das jetzt sofort viel „aber“ kommt, ist traurig.

Ich finde es nicht okay, jemanden eine zu drücken, weil er da den Affen gibt, wie es auch erneut am Samstag der Fall war. Ich bitte nur zu bedenken, dass es zwischen geplantem Hooliganismus und einer Affekttat schon Unterschiede gibt. Ich tue mich da sehr schwer beides gleich zu verurteilen. Und wenn solche Provokationen passieren, dann kann ich die Reaktion erwarten, auch wenn ich sie nicht gut finde. Auch aus Schutz von eventuell zu emotional reagierenden Menschen ist hier dringender Handlungsbedarf angesagt.

Ich hasse es, wenn irgendwelche Nasen im Heimbereich den Hoolicooli machen, weil sie sich bewusst sind, dass nix passiert, da entweder sie mit unserem Hippietum rechnen oder wissen, dass Ordner in der Nähe sind. So ein Ausnutzen angeblicher Schwäche hasse ich. Als bestes Beispiel nenne ich hier die Frankfurter, die auf der Haupttribüne fröhlichst am rumprollen waren. Und auch Hannoveraner haben sich wohl in dieser Rubrik sehr hervorgetan. Wobei die – mehrfach berichtete – Inaktivität unserer Ordner wieder ein Fragezeichen in Richtung unserer Organisation aufwirft. Denn eines muss klar sein: Wenn ein Gastfan sich im Heimbereich aufspielt, dann hat er zu gehen. Und dabei lege ich andere Maßstäbe an, als wenn er im Gastbereich rumhängt.

Liegt hier noch die Kritik an dem Verhalten der Gästefans, muss sich auch unser Verein Kritik anhören. Im Forum schrieb Sven etwas davon, dass der Gast auch ca. 30 höherwertige Karten bekommt, die in H1 liegen. Diese seien für Spielerfrauen etc. vorgesehen und das entspräche den Regularien. An die wir uns erstmal halten müssen. Soviel ist klar.

Wenn wir jetzt erstmal diese 30 Karten betrachten, so muss man doch immer wieder feststellen, dass anscheinend die meisten davon ihre gute Kinderstube vergessen. Ich begreife auch nicht, warum man dann nicht wenigstens diese 30 Karten zusammenhängend verkauft, was anscheinend (!) nicht der Fall ist, denn die Gästefans bilden nie einen geschlossenen Block in H1.

Hinzu kommt natürlich folgende Absurdität: Es gibt auf der einen Seite keinen Alkohol, außer der Haupt, aber da mischt sich alles. Und das bei einem angeblichen Risikospiel? Weil die Problemfans da so selten sind? Wenn Gastfans plötzlich nicht mehr selten sind, dann sind auch Problemfans darunter.

Und es sind eben nicht nur 30. Und da muss man dann doch die Frage stellen: Woher bekommen diese Leute die Karte? Und warum ist gerade bei uns dieses Problem so massiv? Klar man muss erstmal unten anfangen, nämlich bei den Leuten, die über Ebay als Vereinsmitglied Karten verkaufen. Ich weiß nicht, ob der Verein hier alles tut, was getan werden kann, dafür fehlen mir Detailkenntnisse. Sven ist in diesem Thema ja wirklich sehr engagiert, so dass ich denke, dass zumindest er alles tut, was er persönlich tun kann. Nur jeder, der als Vereinsmitglied so etwas tut, dem sollen a. die Finger abfaulen und b. muss er bei erwischen gut bestraft werden. Wer so etwas macht, bereichert sich an seinem Verein und das mag ich gar nicht.

Ich tue mir trotzdem schwer damit, dies als einzige Quelle von Karten zu nehmen. Dafür sind mir das zu viele und dafür wird auch zu häufig was von „hab ich direkt beim Kartencenter / bei meinem Verein gekauft“ berichtet. Und hier muss unser Verein auch in die Pflicht genommen werden, Karten wirklich nur bei einer Berechtigung und im Rahmen der selbst aufgestellten Regeln abzugeben.

Und wenn es alles nicht hilft, dann muss man wohl oder übel über drei ganz eklige Sachen nachdenken. 1. eine elektronische Zugangskontrolle 2. Verbot von Gästefans im Heimbereich (was wir dann auswärts ständig genauso kassieren würden) und/oder 3. eine Personalisierung der Tickets. Letzteres ist ein absoluter Horror, da muss wohl niemand drüber reden, aber wenn es so weiter geht, müssen wir wohl in diesen sauren Apfel beißen.

Und nun kommt der Aufreger schlechthin: Es kotzt mich an, dass die Kartenvergabepolitik unseres Vereines so intransparent ist. Es kann doch nicht sein, dass man nun in einem Forenbeitrag erfährt, dass ungefähr 30 Karten H 1 Gästekarten sind. Warum ist so etwas nicht offiziell und transparent? Warum weiß bis heute keiner, wie genau die Zahlen von Karten sind, die in den Vorverkauf gehen? Um mal nur die beiden Hauptfragen zu klären. Diese beiden Fragen und viele andere muss unser Ticketing dringend beantworten! So transparent und lobenswert die Informationen bei den Auswärtskarten ist, so schwach und intransparent ist sie bei den Heimkarten. Und gerade die Auswärtskarten zeigt doch, dass es geht. Verteilungsschlüssel kann man letztendlich immer diskutieren, aber wer diesen geheim hält, der hat meistens was zu verbergen. Und liebes Kartencenter: Bitte nicht wieder die Mär von 15.000 Dauerkarten verkaufen. Anlügen geht noch weniger.

Nebenbei ein Thema, wo man das Kartencenter per Antrag auf der nächsten JHV wirklich sehr gut zu zwingen könnte.

Kinderblock

Ein noch nicht ganz geklärtes Thema ist, wie es sein kann, dass im Rabaukenblock massiv Kinder aus Hannover saßen. Vorab: Ich finde es gar nicht schlimm, wenn hier ein gewisses Kontingent für Kiddes der nahen Vereine bereit liegt. Ähnlich wie unsere U18 Fahrten ist so etwas auch im Sinne von Kennen und Kennenlernen vollkommen legitim. Wenn es denn transparent ist!

Nur zwei Dinge gehen gar nicht:

In Hamburg was von „ausverkauft“ und „nur für Rabaukenmitglieder“ erzählen (ich kann die Forenbeiträge nur glauben, denn sie klingen nicht nach Schmu) und dann plötzlich so massiv Karten an Gästekinder abgeben. Da werden die falschen Prioritäten gesetzt! Und es kann eben nicht sein, dass zwar H96 einen Satz Kinder da hinschicken kann, aber Bergedorf 85 nicht. Das kann es nicht sein! Da verärgert man sich seinen eigenen Nachwuchs und das ist eine Todsünde. Wie schon gesagt: Nix dagegen, wenn so etwas mal gemacht wird, aber dann eben auch mit heimischen Vereinen und nicht nur mit irgendwelchen Gastvereinen. Und transparent! Mal ganz davon ab, dass ich es unerträglich finde, dass der Verein eine Zusammenarbeit mit der St. Pauli Bande (Kinderfanclub des FCSR) laut Statement des FCSR abgelehnt hat. Peinlich, dein Name sei St. Pauli.

Ebenso kann es nicht sein, dass Kinder anscheinend von betrunkenen Erwachsenen und nicht pädagogisch betreut da auftauchen. Natürlich muss man da zuerst die Betrunkenen selber in die Pflicht nehmen, aber auch unser Verein hat da eine Aufgabe, denn das einrichten eines Kinderblockes alleine reicht nicht. Es muss auch mit entsprechenden Angeboten und Kontrollen angereichert sein. Ich weiß nicht, wie weit dies gemacht wird, aber hier muss man nach solchen Vorfällen das Konzept definitiv hinterfragen.

Der Gästeblock an sich

Lieber Sven, ich finde unsere Haltung (fast) alle Choreos erstmal zu erlauben eigentlich sehr lobenswert. Aber in der heutigen Landschaft, wo eigentlich klar ist, dass Vereine wie Hannover eine Choreo nur zur Deckung für ein besseres zündeln nutzen, muss man diese mir sehr sympathische Haltung wohl überdenken. Ich befürchte beinah auch, dass die Strafe „dann eben das nächste mal nix mit rein“ einfach nicht schnell genug wirkt. Leider. Fußballfans neigen dazu ein sehr kurzes Gedächtnis zu haben und leider meinen viele ja auch, dass eine Kollektivstrafe nicht gerechtfertigt ist. Finde ich bei einem so planhaften zündeln wie jetzt erneut von Hannover nicht.

Auch die üblichen Geldstrafen für die Vereine nützen ja anscheinend nix. Vielleicht sollte man es mit folgender Strafe versuchen: Wer zündelt, der darf zum nächsten Auswärtsspiel keine Fans mitbringen. Egal, ob die Karten schon verkauft sind oder nicht. Klar, ist eine krasse Strafe, aber sie ist konkret, folgt auf den Fuße und tut weh. Natürlich kann man hier wie sehr diskutieren, ob Strafandrohung überhaupt irgendwas bringt.

Ich sage euch ganz ehrlich: Ich würde mir immer noch eine Legalisierungslösung wünschen, aber so wird das nix. Ich würde „Raucherblöcke“ sowohl zu Hause, wie auch Auswärts mit entsprechenden Markierungen und entsprechenden Sicherheitsvorrichtungen voll Bombe finden. Und dann wäre ich sehr dafür, dass auch angemessene Produkte von Weco und anderen hergestellt werden. Besser als dieses italienische Zeug oder irgendein Stoff Marke Eigenbau. So könnte man aus meiner Sicht das Risiko sehr minimieren. Klar: Versicherungstechnische Fragen wären auch zu klären, aber ich denke das geht alles. Wenn mal alle die Füße stillhalten würden.

Hinzu kommt folgendes: Wie bescheuert war bitte die Hannoverzündelei? Wenn ich in ungefähr der 3. Reihe von unten zündel und das Teil an einer Stange in der Hand halte, dann muss ich mich nicht wundern, dass ein Ordner mich doch sieht und rausfischen will. Umso absurder war erneut der Zeitpunkt des gezündels, irgendwann vollkommen unmotiviert in der Halbzeit, als die Choreo noch nicht einmal richtig ausgerollt war.

Und wenn man dann sieht, dass da irgendein Jugendlicher (so sah der zumindest aus; zur Erklärung für mich alle Leute bis zur vollen Strafmündigkeit (21 Jahre)) rausgezogen wird, dann muss man auch mal die Erwachsenen einer solchen Gruppe in die Pflicht nehmen. Ist euch eigentlich klar, welcher Strafverfolgung ihr da so einen Jugendlichen aussetzt? Ist euch eigentlich klar, wie viel Ärger der in seinem weiteren Leben bekommt? Vielleicht will der noch mal in öffentlichen Dienst? Das kann er gepflegt vergessen, wenn er Pech hat. Und das kann es nicht sein! Für ein bisschen Qualm diese persönlichen Folgen? Ne, das kann es nicht sein. Da kann ich noch so für Pyro sein, aber ich muss eben Vorteile und Nachteile abwägen und dies auch nicht auf irgendeinen (im Notfall unterwürfigen) Jugendlichen abwälzen.

Die Südkurve

Ich bin von Anbeginn der Südkurvenregelung ein Kritiker dieser Regelung gewesen. Ich habe bereits von Anbeginn an Bauchschmerzen gehabt und diese Bauchschmerzen haben sich leider in der letzten Kartenvergabe bewahrheitet. Leider! Ich bin immer positiv neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen und man kann so etwas auch wohlwollend kritisch sehen und so war meine Haltung.

Nun ist laut Südkurvenflyer das Konzept an sich Historie und es wird wieder das hausbackene Konzept des Vorkaufsrecht angewandt.

Ich sage euch ganz ehrlich: Ich weiß keine gute Lösung des Problems Südkurve. Ich kenne keine vernünftige Lösung, außer die sofortige Erweiterung des Stadions auf 50.000 Besucher. Dann haben wir definitiv kein Kartenproblem mehr.

Dies war wahrscheinlich die einzige Lösung, die man auch bei allen durchsetzen konnte. Und wenn man dem Südkurvenflyer glauben schenken mag, ist das wohl sehr breit abgesprochen, was ich okay finde. Und trotzdem ist es keine gute Lösung und die Zusammensetzung der Kurve geht eben nicht klar (Wortlaut des Südkurvenflyers). Und zwar aus einem einfachen Grund: Selbst wenn da nur ein Vordrängler nun auf ewig (und was anderes ist es nicht) drinsteht, ist das einer zuviel. Und egal, wer dadurch keine Dauerkarte hat, es ist einer zu viel. Jeder, der nicht nach den Regeln gespielt hat, ist einer zuviel. Und der wird jetzt nachträglich belohnt. Und das schmeckt mir gar nicht und geht eben nicht okay. Und dies gilt trotz der Härtefallregelung, die halt auch nicht jeden Fall berücksichtigen konnte, der moralisch vielleicht eine Dauerkarte verdient hat. Wobei das natürlich ein schwieriger und sehr grauer Maßstab ist.

Ich weiß leider auch keine überzeugende Lösung dieses Problems, kritisiere daher weniger die Lösung an sich, sondern den Wortlaut des Textes. Denn was man auch sagen muss: Die Idee, der immer neuen Durchmischung ist damit (leider) Geschichte und diese Niederlage kann man auch unumwunden zugeben.

Was ich bei vielen (nicht allen) Kritikern schon seit Anbeginn vermisse, ist ein sich kontinuierliches Einmischen. Ich kann nicht jedes Jahr wie der Hase vor der Schlange verharren, mich nicht bewegen und dann nach der Entscheidung plötzlich explodieren. Wie schon vielfach geschrieben: Gerade in einer selbstverwalteten Kurve ist mitmachen Pflicht. Die ganze Kartenverteilung ist nicht gottgegeben und nichts in diesem Verein ist in Stein gemeißelt.

Ähnlich wie zu den Wahlen letztens geschrieben: Wer nicht in einem System mitarbeiten will, der muss sich auch nicht wundern, wenn das System seine Interessen nicht berücksichtigt. Natürlich eckt man am Anfang an, macht vieles falsch und bekommt auch mal (zu Unrecht) Feuer von den Etablierten, aber wie man mit Engagement viel Einfluss und ernstgenommen werden gewinnen kann, zeigen Beispiele wie die Oldtras oder früher die Basis nun doch wirklich.

Ich glaube die Aufforderung sich zumindest in einem Fanclub zu organisieren (ist nun mal die kleinste und einfachste Einheit im braun-weißen Universum) stand in meinen Texten schon seit Jahren. Sie bleibt auch jetzt bestehen.

Aus meiner Sicht ist aber auch der Verein gefordert. U.a. muss nun endlich mal eine transparente Ansage kommen, wie viele Dauerkarten es wirklich gibt. Und dann muss man beginnen freiwerdende Dauerkarten (und die gibt es) auf eine Warteliste weiterzuleiten. Und diese Warteliste sollte klar nach Prioritäten wie z.B. Dauer der Vereinsmitgliedschaft abgearbeitet werden. Was nicht geht ist eine schleichende und geheime Umwandlung von Dauerkarten in (teurere) Einzeltickets und Saisonpakete. Das ist eine Schweinerei sondergleichens und muss unterbleiben. Hier ist Transparenz und Einbindung aller Mitglieder gefragt.

Klar muss dann aber auch sein: Leben ist kein Ponyhof, daher werden Leute auch teurere Sitzplatz DKs erstmal fressen müssen und Bezugsgruppen sich trennen müssen. Ein Tauschtool sollte der Verein hier ebenso anbieten.

Abschließend noch folgendes: Auch wenn das Südkurvenkonzept grandios gescheitert ist, weil es eben u.a. nicht erstligatauglich ist, so will ich doch folgendes feststellen: Mir ist ein Engagement was auch mal nicht zu Ende gedacht ist, immer lieber als ein Nichtengagement und ein Warten, was andere machen. Daher der ständige Appell: Werdet aktiv, bringt euch ein, dies geht nirgendwo besser als in diesem Verein.

Und dann war da noch…

…Das Internet und seine Rezeption von Sachen. Ich denke die meisten werden den offenen Brief (Sekundärquelle Bildblog) der Band „Wir sind Helden“ an die Bildzeitung und die Reaktionen im Internet gesehen. Der Brief ist verlinkt, die Reaktionen fasse ich mal wie folgt zusammen: Das ganze verbreitete sich wie ein Lauffeuer bei Twitter und anderen sozialen Netzwerken, die Homepage von „Wir sind Helden“ ging in die Knie und auch die Page des Bildblogs war zwischenzeitlich gut überlaufen. Erst überwog Zustimmung, dann wurde der Band vorgeworfen doch nur billige PR für ihre neue Single machen zu wollen. Dazu folgende Anmerkungen:

Frau Holofernes wiederholt hier nur eine Meinung, die sich bereits im Dezember 2007 mit ähnlich Worten geäußert hat und zwar als Bildbloggerin für einen Tag (Der Beitrag ist auch bereits oben verlinkt.). Damals nebenbei ohne internetiale (Kunstwort zu „mediale“) Aufregungswelle. Vielleicht auch, weil soziale Netzwerke, ihre Potentierungsfunktion aber auch ihre plakativ machende Art damals noch relativ unbekannt waren.

Alleine deswegen erscheint es mir absurd hier eine billige PR zu vermuten.

Bereits vor Jahren hatte ich mal in einem Beitrag geschrieben, dass die Band „Wir sind Helden“ sehr viel politischer ist, als ihr Publikum. Was auch daran liegt, dass Fr. Holofernes umständliche und verstecke politische Anspielungen dem „A.C.A.B.“ anderer politischer Bands vorzieht. Das ist Stil und das mag man mögen oder nicht. Ebenso wie man den verspielten Pop der Band mögen mag oder nicht. Nur wenn man dies bedenkt, dann ist eine klare politische Aussage gegen das mächtigste Blatt dieser Republik garantiert keine billige PR insbesondere in dem mit der Musik angesprochenen Kundenkreis.

Hinzu kommt: Wer hält die Aussagen denn bitte für falsch? Wichtig ist doch nicht, warum man etwas sagt, sondern dass man es sagt. Oder spricht hier jemand Musikbands das Recht zur politischen Äußerung ab? Das ich dieser Meinung nicht bin, sollte klar sein. Daher finde ich auch nicht, dass es falsch ist eine solche Anfrage und die Antwort zu veröffentlichen. Das ist vollkommen okay. Denn eine stille Ablehnung käme eben einem Verbot der öffentlichen Äußerung einer politischen Meinung gleich und das unterstütze ich nie und nimmer. Dazu kann ich immer nur auf die göttlichen Dead Kennedys verweisen und ihrem Beitrag zu diesem Thema.

Und noch etwas spricht stark gegen billige PR: Das ganze fiel mit der Veröffentlichung einer Single aus dem aktuellen Album zusammen. Wer weiß, wie wenig Aufmerksamkeit und wie wenig Geld mit einer Single zu erzielen ist, der wird alleine deswegen schon die billige PR verneinen. Und das eine solche Anfrage natürlich gestellt wird, wenn eine Band aktiv ist, ist doch auch logisch. Niemand stellt eine solche Anfrage, wenn die Band (wie auch schon bei denen passiert) eine kreative Pause einlegt.

Abschließend noch folgendes: Ich fand die Rezeption in den sozialen Netzwerken sehr typisch: es wird eine sehr plakative Meinung geäußert, dies fällt sofort auf breite und euphorische Zustimmung und nach einer gewissen Zeit kommt die genauso plakative Gegenmeinung. Eine Analyse, eine tiefere Wertung und auch eine differenzierte Betrachtung findet nicht statt. Nebenbei alles Sachen, welche die meisten Leute wohl insbesondere in der Bild und anderen Drecksblättern vermissen werden. Ich warne davor, dass man sich im Internet genauso verhält, dass man Leute abfeiert, die alles schwarz/weiß und plakativ sehen. So einfach ist das Leben nicht. Ich biete hier keine Lösung für die Welt an, ich stelle meine Meinung dar. Oder um es mit einer anderen politischen Band zu sagen: „a righteous student came and asked me to reflect he judged my lifestyle was politically incorrectI don’t believe in self important folks who preach no Bad Religion song can make your life complete prepare for rejection you’ll get no direction from me.

Und hier versteckt sich auch eine Kritik an dem offenen Brief, die ich gelten lassen würde.

Abschließender Hinweis: Ich mag sehr ungern Fremdinhalte im Netz verlinken, da ich keinen Einfluss darauf habe, ob und wie lange die verfügbar sind. Daher bin ich bei so etwas immer etwas zurückhaltend.